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      <titleStmt>
        <title>Feigenpfeffer (Gewürzsauce mit Feigen)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-26">2026-07-26</date>
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          <title>Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 20291</title>
          <date when="1492">1492</date>
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          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (schwäbisch, südwestdeutscher Sprachraum, 1492-1494)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="alb-003">
        <head>Feigenpfeffer (Gewürzsauce mit Feigen)</head>
        <div type="original" xml:id="alb-003-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#alb-003-trans">
          <p>figen pfefer Item ain guot figen pfefer mach also nim win vnd waser gelich vil vnd darin sud die vigen vnd wenn iij wol gesoten sind so nim die brug von den vigen vnd domitt mach den pfefer nim geribnen wolgewurtzten lepkouchenn vnd ain brosmen wises brotes wolgeriben vnd tuo das an die bruge vnd honig darzuo vnd ain wenig essich vnd strich es durch ain pfeffer tuoch vnd maches vß vnd wurtz es wol vnd er wele es mit ain ander vnd lege die vigen In ain geschir vnd guß den pfefer daran vnd wen du das wilt anrichten so strowe erwelte winber darvff vnd gib es dar</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="alb-003-trans" xml:lang="de" corresp="#alb-003-orig">
          <p>Einen guten Feigenpfeffer machst du so: Nimm Wein und Wasser zu gleichen Teilen und koche darin die Feigen. Und wenn sie gut gekocht sind, dann nimm die Brühe von den Feigen und mache damit die Sauce. Nimm geriebenen, gut gewürzten Lebkuchen und eine Brotkrume von gut geriebenem Weißbrot und gib das zur Brühe. Füge Honig und ein wenig Essig hinzu. Streiche es durch ein Pfeffertuch und mach es fertig, würze es gut und lass es einmal gemeinsam aufkochen. Lege die Feigen in ein Gefäß und gieße die Sauce darüber. Und wenn du es anrichten willst, so streue aufgekochte Weinbeeren darauf und serviere es.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="waser">Wasser</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="vigen">Feigen</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geribnen wolgewurtzten lepkouchenn">Lebkuchen, gerieben und gewürzt</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain brosmen wises brotes wolgeriben">Brotkrume, gerieben (von Weißbrot)</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain wenig essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="erwelte winber">Weinbeeren, aufgekocht/aufgequollen</ingredient>
            </item>
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      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#alb-003-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Feigenpfeffer ist eine gebundene, süß-saure Gewürzsauce auf Feigenbasis: Getrocknete Feigen werden in einem Wein-Wasser-Sud weich gekocht, der Sud mit geriebenem Lebkuchen und Weißbrotkrume gebunden, mit Honig gesüßt und mit Essig gesäuert, durch ein Tuch passiert und über die Feigen gegossen. Strukturell ist das die Vorstufe heutiger süß-saurer Frucht-Chutneys und Mostarda-Saucen und mit der bis heute gepflegten deutschen Tradition verwandt, Wild- und Bratensaucen mit Lebkuchen zu binden und zu würzen.

Der Sud und die Bindung. Wein und Wasser zu gleichen Teilen aufsetzen und die Feigen darin weich köcheln - die entstehende Flüssigkeit wird danach zur eigentlichen Sauce. Geriebener, gut gewürzter Lebkuchen bindet die Sauce und liefert zugleich die Gewürznote (Zimt, Nelke, Ingwer); die zusätzliche Weißbrotkrume macht die Bindung geschmeidiger. Honig und ein wenig Essig geben der Sauce das für Pfeffersaucen typische Süß-Sauer.

Aufkochen oder nur vermischen? Ob die fertig gewürzte Sauce vor dem Übergießen noch einmal gemeinsam aufgekocht wird, sagt der Text an dieser Stelle nicht mit letzter Sicherheit - die Formulierung „er wele es mit ain ander” ist wahrscheinlich das mittelhochdeutsche „erwellen” (aufkochen/aufwallen lassen), gestützt durch drei Zwillingsrezepte im Korpus und einen Grimm/DWB-Beleg eines fast identischen Feigen-Weinbeeren-Rezepts. Für die Praxis empfiehlt sich, die Sauce nach dem Würzen kurz gemeinsam aufkochen zu lassen, bevor sie über die Feigen gegossen wird - das deckt sich mit der besser belegten Lesart und ist zugleich der sicherere Abschluss.

Die Weinbeeren zur Garnitur. Auch bei den abschließend aufgestreuten Weinbeeren spricht die Beleglage (vier Zwillingsrezepte, siehe interpretive_choices) eher für aufgekochte, prall aufgequollene Rosinen als für lediglich „ausgewählte” - ein bis heute übliches Mittel, um getrocknete Weinbeeren vor der Verwendung zu reaktivieren.

Praxis. Feigen in Wein und Wasser (zu gleichen Teilen) weich köcheln, dann den Sud abgießen und die Feigen beiseitestellen. Geriebenen Lebkuchen und Weißbrotkrume in den heißen Sud rühren, mit Honig und einem Schuss Essig abschmecken, durch ein feines Tuch streichen und würzen. Die Sauce noch einmal kurz gemeinsam aufkochen lassen, dann über die reservierten Feigen in einem Gefäß gießen. Zum Anrichten mit (nach Möglichkeit kurz aufgekochten) Weinbeeren bestreuen und servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#alb-003-orig" n="figen pfefer" resp="#fyndling">Ein ‚Pfeffer‘ bezeichnete im Mittelalter eine würzige, oft dunkle und gebundene Sauce, die nicht zwingend Pfeffer als Hauptgewürz enthielt. Feigen dienten hier als Süße und Bindemittel.</note>
        <note type="gloss" target="#alb-003-orig" n="iij" resp="#fyndling">Die römische Ziffer ‚iij‘ an dieser Stelle bleibt ungeklärt - ob sie ein Zahlwort mit unklarem Bezug (z. B. Anzahl der Feigen) oder eine unklare Schreibform mit pronominaler Funktion (‚sie‘, bezogen auf die Feigen) ist, lässt sich nicht sicher entscheiden.</note>
        <note type="gloss" target="#alb-003-orig" n="brug" resp="#fyndling">Bezeichnet hier die Kochflüssigkeit oder Brühe, die beim Kochen der Feigen entsteht.</note>
        <note type="gloss" target="#alb-003-orig" n="wolgewurtzten lepkouchenn" resp="#fyndling">Lebkuchen war im Mittelalter ein stark gewürztes Gebäck, oft mit Zimt, Nelken, Ingwer und Muskat. Er diente hier als Bindemittel und Geschmacksgeber für die Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#alb-003-orig" n="brosmen wises brotes" resp="#fyndling">Bezieht sich auf geriebene Brotkrumen von Weißbrot, die als Bindemittel für die Sauce verwendet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#alb-003-orig" n="pfeffer tuoch" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Ein feines Tuch, oft aus Leinen oder Wolle, durch das Saucen und Flüssigkeiten gestrichen wurden, um sie zu klären und zu passieren.</note>
        <note type="gloss" target="#alb-003-orig" n="erwelte winber" resp="#fyndling">‚Erwelte‘ ist hier wahrscheinlich das Homograph zu ‚erwellen‘ (aufgekocht/aufgequollen), nicht ‚erwelen‘ (ausgewählt) - siehe interpretive_choices für die Beleglage.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#alb-003-orig" n="iij" resp="#fyndling">Die Stelle ‚wenn iij wol gesoten sind‘ bleibt ungeklärt. Möglich ist, dass ‚iij‘ das Zahlwort ‚drei‘ ist und sich auf eine nicht genannte Menge (z. B. Feigen oder Portionen) bezieht - dafür fehlt aber ein Bezugswort im Text. Ebenso möglich ist eine unklare Schreibform mit pronominaler Funktion, bezogen auf ‚die Feigen‘. Die Handschrift selbst ist an dieser Stelle eindeutig (kein Verschreibungs- oder Lesefehler, per TEI bestätigt) - eine Auflösung ist damit derzeit nicht möglich.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#alb-003-orig" n="wolgewurtzten lepkouchenn" resp="#fyndling">Es wird angenommen, dass der Lebkuchen mit den typischen mittelalterlichen Gewürzen wie Zimt, Nelken, Ingwer und Muskat gewürzt ist, da dies die Standardzusammensetzung für Lebkuchen dieser Zeit war.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#alb-003-orig" n="er wele es mit ain ander" resp="#fyndling">‚er wele es mit ain ander‘ wird als Homograph von ‚erwellen‘ (aufkochen/aufwallen lassen) gelesen, nicht von ‚erwelen‘ (wählen): ‚würze es gut und lass es (die Sauce) miteinander aufkochen‘. Gestützt durch Lexer (‚erwellen: aufwallen machen‘) und einen DWB/Grimm-Beleg eines fast identischen Feigen-Weinbeeren-Rezepts aus der Küchenmeisterei (‚nim feigen, weinper, erwelle sie in gutem wein‘), sowie durch drei Zwillingsrezepte im eigenen Korpus (ka1-069: ‚lass alles einmal miteinander aufkochen‘; m384-076: ‚erwärme alles miteinander‘; ka1-071: ‚lausß es erwallen‘ = eindeutig ‚aufwallen lassen‘).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#alb-003-orig" n="erwelte winber" resp="#fyndling">‚erwelte winber‘ wird als ‚aufgekochte/aufgequollene Weinbeeren‘ gelesen (von ‚erwellen‘, nicht ‚auswählen‘). Vier unabhängige Zwillingsrezepte stützen dies: rfk-016 (‚erwilte winber‘, dort selbst als ‚gewallte Weinbeeren‘ gedeutet), m5919-006 (‚sinbelen erbelten weinper‘ = ‚prall aufgekochte, runde Weinbeeren‘), ka1-071 (‚klein winber dar uff vorgeschwelt‘ = vorgequollen/vorgekocht) sowie das Projekt-Glossar, das ‚erwellen‘ (Schreibvarianten ‚erbelten‘/‚erbells‘) mit dem Aufkochen von Rosinen bis zum prallen Aufquellen verknüpft.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#alb-003-orig" n="vnd maches vß" resp="#fyndling">Unsicher: ‚vß machen‘ ist wörterbuchlich nur mit der Richtungspartikel ‚us‘=‚heraus‘ belegt (Fischer, Idiotikon), keine Rühr-Bedeutung ist auffindbar. Am ehesten im Sinn von ‚mach es fertig/bring es heraus‘ zu lesen (evtl. das Auspressen durch das Tuch abschließend), ohne dass eine konkrete Handbewegung dokumentiert ist.</note>
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