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      <titleStmt>
        <title>Bubenkissen aus Kalbszunge und Lunge</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-27">2026-07-27</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/alb-012/</idno>
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          <title>Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 20291</title>
          <date when="1492">1492</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.n1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (schwäbisch, südwestdeutscher Sprachraum, 1492-1494)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="alb-012">
        <head>Bubenkissen aus Kalbszunge und Lunge</head>
        <div type="original" xml:id="alb-012-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#alb-012-trans">
          <p>ain buobenpfulben ain buobenpfvlben nim ain kalps zung vnd das lunglin vnd sud die gar wol vnd hack s? sy dann vnd speck dar vnder vnd schlach ayer daran vnd saffran vnd guot wurtz vnd hab dinen bleter lang von guotem teig vnd wol berait vnd darin bewilcz vnd bestrich es an der fugen mit ainem dunen ayers teig vnd bach es In schmaltz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="alb-012-trans" xml:lang="de" corresp="#alb-012-orig">
          <p>Nimm eine Kalbszunge und die Kalbslunge und siede diese sehr gut. Hacke sie dann und mische Speck darunter. Schlage Eier und Safran sowie gute Gewürze dazu. Halte deine langen Teigblätter von gutem Teig bereit und wälze die Fülle darin ein. Bestreiche die Fugen mit einem dünnen Eierteig und backe es in Schmalz aus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain kalps zung">Kalbszunge</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="das lunglin">Kalbslunge</ingredient> - 1</item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer">Eier</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="guot wurtz">Gewürzmischung</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="bleter lang von guotem teig">Teigblätter</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem dunen ayers teig">Dünner Eierteig</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmaltz">Schmalz</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#alb-012-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine in dünne Teigblätter eingeschlagene, an den Nähten mit Eierteig verklebte und in Schmalz ausgebackene Fülle aus Kalbszunge, Kalbslunge, Speck, Ei und Gewürzen - der Sache nach eine gefüllte Teigtasche. Die nächsten lebenden Verwandten sind die schwäbische Maultasche und, weiter gefasst, Ravioli oder Piroggen: Hier steckt statt Hackfleisch oder Spinat eine Innereien-Ei-Speck-Fülle drin, und statt gekocht wird in Schmalz ausgebacken.

Die unklare Stelle beim Hacken. Die Handschrift ist an „wol vnd hack s?“ beschädigt oder verschrieben - auch die zugehörige Edition markiert die Stelle als ungeklärt. Gemeint ist offenbar schlicht „hacke sie dann“ (Zunge und Lunge), der Hackgrad selbst bleibt offen: Verwandte Fassungen desselben Gerichts geben hier uneinheitlich „klein/fein“ oder „gar wohl“ (sehr gut durchgehackt) an. Küchentechnisch ändert das wenig - beides ergibt eine verarbeitbare Fülle -, aber es sollte nicht einseitig entschieden werden.

Die Fülle ins Teigblatt. Das Verb an dieser Stelle („bewilcz“) ist in mehreren eng verwandten Fassungen übereinstimmend als „wälzen/rollen“ belegt: Die Fülle wird nicht einfach ins Teigblatt gefüllt, sondern darin eingerollt, ähnlich wie bei einer Roulade oder Strudelrolle. Die Nähte werden anschließend mit dünnem Eierteig bestrichen, was beim Backen als Dichtung wirkt und die Bräunung fördert.

Praxis. Zunge und Lunge zunächst im Topf gar kochen - das macht sie überhaupt erst schneid- und hackbar und übernimmt schon den Großteil der Garung. Nach dem Hacken Speck darunterschneiden, dann Ei, Safran und Gewürze einarbeiten; das Ei bindet die Fülle beim späteren Backen. Die vorbereiteten Teigblätter (fertiger Nudel- oder Strudelteig aus dem Kühlregal, oder selbstgemacht) auslegen, die Fülle darin einrollen, die Nähte mit dünnem Eierteig bestreichen und in Schmalz ausbacken. Der Text nennt keine Backzeit oder Farbe - in der Schmalzpfanne so lange backen, bis die Hülle rundum goldbraun ist und die Füllung samt der rohen Ei-Anteile in Fülle und Nahtkleber sicher durchgegart ist. Die zähe Haut der Zunge wird im Text nicht erwähnt; wer sie mithackt statt sie vorher abzuziehen, bleibt näher am Wortlaut, bekommt aber eine gröbere Fülle.</note>
        <note type="gloss" target="#alb-012-orig" n="buobenpfulben" resp="#fyndling">Der Name dieses Gerichts, wörtlich „Bubenkissen“, bezieht sich auf die Form der zubereiteten Speise, die an ein kleines Kissen erinnert.</note>
        <note type="gloss" target="#alb-012-orig" n="lunglin" resp="#fyndling">Ein Diminutiv von Lunge, hier ist die Kalbslunge gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#alb-012-orig" n="guot wurtz" resp="#fyndling">Eine allgemeine Bezeichnung für eine Mischung aus gängigen Gewürzen der Zeit, typischerweise Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken und Muskatnuss.</note>
        <note type="gloss" target="#alb-012-orig" n="bleter lang von guotem teig" resp="#fyndling">Hiermit sind dünn ausgerollte Teigblätter gemeint, ähnlich wie für Pasta oder Strudel, die als Hülle für die Füllung dienen.</note>
        <note type="gloss" target="#alb-012-orig" n="fugen" resp="#fyndling">Bezeichnet die Nähte oder Ränder des Teigs, an denen die Teigblätter zusammengefügt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#alb-012-orig" n="schmaltz" resp="#fyndling">Tierisches, ausgelassenes Fett. Der Text legt die Tierart nicht fest - naheliegend wäre hier eher Kalbs- oder Rindernierenfett, da das Rezept selbst ein Kalbsgericht ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#alb-012-orig" n="buobenpfulben / buobenpfvlben" resp="#fyndling">Der Gerichtname „Bubenkissen“ bezieht sich auf die Form des Gerichts.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#alb-012-orig" n="wol vnd hack s? sy" resp="#fyndling">Das unklare Zeichen „s?“ wird als Verschreibung oder überzähliger Buchstabe vor dem eigentlichen „sy“ behandelt; gemeint ist schlicht „hacke sie dann“ (Zunge und Lunge), ohne eigene Angabe zum Hackgrad.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#alb-012-orig" n="bewilcz" resp="#fyndling">„wälze/rolle es darin ein“ (von „bewellen/bewelzen“ = wälzen).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#alb-012-orig" n="bach es In schmaltz (Backzeit/Gargrad)" resp="#fyndling">Vollständig durchbacken, bis die Teighülle goldbraun und die Füllung (samt der rohen Ei-Anteile in Füllung und Nahtkleber) sicher durchgegart ist - der Text selbst nennt weder Zeit noch Farbe.</note>
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