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        <title>Höfischer Teigbaum mit Früchten und Vögeln</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-06-22">2026-06-22</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/ant-084/</idno>
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          <title>Libro della cocina (Anonimo Toscano)</title>
          <date when="1390">1390</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/an-tosc.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition); Basis: Francesco Zambrini, Il libro della cucina del sec. XIV, Bologna 1863 (Public Domain). Englische Vergleichs-Übersetzung: Helewyse de Birkestad, 2007 (italophiles.com)</note>
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        <language ident="it-med">Toskanisches Volgare (Ende 14. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="ant-084">
        <head>Höfischer Teigbaum mit Früchten und Vögeln</head>
        <div type="original" xml:id="ant-084-orig" xml:lang="it-med" corresp="#ant-084-trans">
          <p>Nelle gran feste e dì pascuali, fa' di pasta uno arbore o vite o giardino. E in su l'arbore appicca pomi, pere, o uccelli, o uve, o ciò che tu vuoli, diversi, fatti di pasta distemperata con ova; e debbiansi empire di empiture sopra dette e coloralle di diversi colori, come giallo, verde, bianco e nero. A onore del detto arbore, poni nel mezzo d'esso un pastello, ovvero gabbia piena d'uccelli; e in tale arbore puoi ponere tutti i frutti li quali troverai, secondo e' diversi tempi. Quando si portarà nella corte, facciasi sotto l'albore (o vite, o giardino) fuoco di legne altamente, e ponanvisi vergelle odorifere; e ponanvisi pomposamente.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ant-084-trans" xml:lang="de" corresp="#ant-084-orig">
          <p>An großen Festen und Ostertagen fertige aus Teig einen Baum, einen Weinstock oder einen Garten an.</p>
          <p>An den Baum hänge Äpfel, Birnen, Vögel oder Trauben, oder was immer du möchtest, in verschiedenen Formen. Diese sollen aus Teig gefertigt sein, der mit Eiern vermischt wurde. Fülle sie mit den oben genannten Füllungen und färbe sie in verschiedenen Farben, wie Gelb, Grün, Weiß und Schwarz.</p>
          <p>Zu Ehren des Baumes platziere in dessen Mitte eine Pastete oder einen Käfig voller Vögel. In einen solchen Baum kannst du alle Früchte setzen, die du findest, je nach Jahreszeit.</p>
          <p>Wenn das Schaugericht in den Hof getragen wird, entzünde unter dem Baum (oder Weinstock, oder Garten) ein hohes Feuer aus Holz. Lege duftende Zweige hinein und präsentiere das Ganze prunkvoll.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="pasta">Teig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ova">Eier</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="empiture sopra dette">Füllungen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="colori">Pflanzenfarben (Safran, rotes Sandelholz, Petersiliensaft, Heidelbeersaft)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="pomi">Äpfel</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="uccelli">Vögel (als Teigfiguren)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="uve">Trauben</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="vergelle odorifere">Duftende Zweige</ingredient>
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    </body>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ant-084-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Gericht im üblichen Sinn, sondern ein essbares Schaustück - ein trionfo da tavola (Tafel-Triumph): aus Teig wird ein Baum, ein Weinstock oder ein Garten modelliert, behängt mit gefüllten Teigfiguren (Äpfel, Birnen, Vögel, Trauben). In der Mitte eine Pastete oder ein Vogelkäfig, beim Auftragen von Rauch und Feuer dramatisch inszeniert. Verwandt mit dem „Tiergarten"-Schaugericht mha-289 und anderen höfischen Illusionsspeisen des Korpus.

Die Früchte und Vögel sind Teigfiguren - fatti di pasta distemperata con ova, aus eihaltigem Teig geformt -, hohl und mit den (andernorts beschriebenen) Farcen gefüllt. Gefärbt wird periodentreu: Gelb mit Safran, Grün mit ausgepresstem Petersilien- oder Spinatsaft, Rot mit rotem Sandelholz, dunkle Töne mit Heidelbeer-/Maulbeersaft. Weiß bleibt der ungefärbte Teig.

Empiture sopra dette (die oben genannten Füllungen) verweist auf andere Rezepte des Buchs - mittelalterliche Sammlungen beschreiben Grundzubereitungen einmal und referenzieren sie danach. Gabbia piena d'uccelli (Käfig voller Vögel) und das fuoco di legne altamente mit vergelle odorifere (duftende Zweige im hohen Feuer) gehören zur reinen Inszenierung, nicht zur Speise.

Praxis (Schau, nicht Küche). Eine echte Rekonstruktion ist höfisches Bankett-Kunsthandwerk: ein tragendes Teig- oder Holzgerüst als Baum, daran hohle, eihaltig modellierte und mit Pflanzenfarben bemalte Teigfiguren, vorgebacken und gefüllt. Der lebende Vogelkäfig und das offene Feuer werden heute durch attrappierte Versionen ersetzt - das Schaustück wirkt über Form und Farbe, nicht über Essbarkeit aller Teile.</note>
        <note type="gloss" target="#ant-084-orig" n="empiture sopra dette" resp="#fyndling">Wörtlich ‚oben genannte Füllungen'. Dies bezieht sich auf Füllungen, die in anderen Rezepten des ‚Libro della cocina' beschrieben werden, aber nicht in diesem spezifischen Text. Typischerweise waren dies gewürzte Fleisch- oder Fischfarces.</note>
        <note type="gloss" target="#ant-084-orig" n="pastello" resp="#fyndling">Eine Art Pastete oder kleiner Kuchen, oft mit einer Kruste. Hier wahrscheinlich ein dekoratives Element oder eine kleine, gefüllte Backware.</note>
        <note type="gloss" target="#ant-084-orig" n="gabbia piena d'uccelli" resp="#fyndling">Ein Käfig voller lebender Vögel. Die Verwendung lebender Tiere als Teil der Tischdekoration war im Mittelalter ein Zeichen von Reichtum und Spektakel, heute aus Tierschutzgründen nicht mehr praktikabel.</note>
        <note type="gloss" target="#ant-084-orig" n="vergelle odorifere" resp="#fyndling">Duftende Zweige, die im Feuer verbrannt werden, um wohlriechenden Rauch zu erzeugen. Dies verstärkte den dramatischen Effekt der Präsentation.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ant-084-orig" n="empiture sopra dette" resp="#fyndling">Die ‚oben genannten Füllungen' werden als Verweis auf andere, nicht spezifizierte Füllungsrezepte im selben Kochbuch interpretiert. Dies ist eine gängige Praxis in mittelalterlichen Rezeptsammlungen, wo Grundzubereitungen oft nur einmal ausführlich beschrieben und dann referenziert werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ant-084-orig" n="pastello / gabbia piena d'uccelli" resp="#fyndling">‚Pastello' wird als eine Art Pastete oder kleiner Kuchen verstanden, der als dekoratives Element dient. Die ‚gabbia piena d'uccelli' (Käfig voller Vögel) wird als wörtliche Anweisung für lebende Vögel interpretiert, die als Teil des Spektakels dienten, jedoch aus modernen Tierschutzgründen nicht nachgestellt werden sollten.</note>
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