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      <titleStmt>
        <title>Spinat und Kohl auf dreierlei Art</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-06-22">2026-06-22</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/ant-102/</idno>
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          <title>Libro della cocina (Anonimo Toscano)</title>
          <date when="1390">1390</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/an-tosc.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition); Basis: Francesco Zambrini, Il libro della cucina del sec. XIV, Bologna 1863 (Public Domain). Englische Vergleichs-Übersetzung: Helewyse de Birkestad, 2007 (italophiles.com)</note>
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        <language ident="it-med">Toskanisches Volgare (Ende 14. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="ant-102">
        <head>Spinat und Kohl auf dreierlei Art</head>
        <div type="original" xml:id="ant-102-orig" xml:lang="it-med" corresp="#ant-102-trans">
          <p>Togli spinacci,... con pochi finocchi, petrosello e borraggine et malve, bene lavate: fa' bullire, poi le trita e metti a cocere con carne di castrone. Anch'è caulo lassativo per infermi. Togli cauli di pastino e mettili nel brodo dove sia stato cotto il cappone, e cocili bene e mettivi poco sale. Anche nei dì di digiuno togli cauli di pastino con finocchi, e cocili con oglio, latte e zaffarano.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ant-102-trans" xml:lang="de" corresp="#ant-102-orig">
          <p>Drei Varianten in einem Eintrag: ein Hammel-Eintopf mit Spinat und Wildkräutern, ein Kohlgericht in Kapaunbrühe für Festtage, und eine fastentaugliche Kohl-Milch-Variante mit Safran.</p>
          <p>Für den Hammel-Eintopf: Setze etwa 600-800 g Hammelfleisch (Schulter oder Hals, in 3-cm-Würfel) in einem großen Topf mit ca. 1,5 L Wasser oder Brühe an und lass es bei niedriger Hitze 1,5 bis 2 Stunden weich köcheln, leicht gesalzen. Wasche währenddessen 500 g Spinat, eine kleine Fenchelknolle, einen Bund Petersilie und je eine Handvoll Borretsch und Malven gründlich. Blanchiere das Grünzeug 1-2 Minuten in kochendem Wasser, schrecke es kalt ab und hacke es fein. Etwa 20 Minuten vor Ende der Garzeit zum Hammelfleisch geben und mit-köcheln. Mit Salz und ggf. einer Prise Pfeffer abschmecken.</p>
          <p>Für den Kohl in Kapaunbrühe (Festtags-Variante): Aus einem zuvor gekochten Kapaun bleibt die aromatische Brühe übrig - diese nicht wegschütten. Zerteile einen mittleren Kopf Gartenkohl (Weißkohl, Wirsing oder Spitzkohl, ca. 800 g) in fingerdicke Streifen und gib sie in die Brühe. Bei mittlerer Hitze ca. 20-30 Minuten köcheln, bis der Kohl weich, aber noch bissfest ist. Mit wenig Salz nachwürzen (die Brühe ist meist schon kräftig).</p>
          <p>Für die fastentaugliche Kohl-Milch-Variante: Zerteile einen Kopf Gartenkohl und eine Fenchelknolle in Streifen. Dünste beides in 3-4 EL Olivenöl etwa 5 Minuten an. Gieße mit 400 ml Milch auf, gib eine Prise Safran dazu und köchle bei mittlerer Hitze 20-30 Minuten, bis der Kohl weich ist. Mit Salz abschmecken.</p>
          <p>Medizinischer Einschub (im Manuskript zwischen den Varianten): Kohl wirkt als Abführmittel für Kranke.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="spinacci">Spinat</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="pochi finocchi">Fenchel</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="petrosello">Petersilie</ingredient> - 1 Bund</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="borraggine">Borretsch</ingredient> - 1 Bund</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="malve">Malven</ingredient> - 1 Bund</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="carne di castrone">Hammelfleisch</ingredient> - 700 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="cauli di pastino">Gartenkohl</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="brodo dove sia stato cotto il cappone">Kapaunbrühe</ingredient> - 1500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="poco sale">Salz</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="oglio">Öl</ingredient> - 3 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="latte">Milch</ingredient> - 400 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zaffarano">Safran</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ant-102-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein kompakter Eintrag mit drei Kohl-/Spinat-Zubereitungen: (1) ein Hammel-Eintopf mit Spinat und Wildkräutern, (2) Kohl in Kapaunbrühe als Festtagsgericht und (3) eine fastentaugliche Kohl-Milch-Variante mit Safran. Typisch für die knappe Notation des Anonimo Toscano, der mehrere Varianten in einen Eintrag staffelt.

caulo lassativo. Kohl galt als verdauungsfördernd (‚lassativ') - daher die Nähe zur Krankenkost (vgl. ant-104, ant-106). Der Safran der Fastenvariante färbt periodentreu gelb (#farbstoffe), nicht als moderner Farbstoff.

Praxis. Fleischtag: Hammel weich köcheln, dann Spinat und Wildkräuter zugeben. Festtag: Kohl in guter Kapaunbrühe garen. Fastentag: Kohl in (Mandel-)Milch mit Safran. Konkrete Mengen und Garzeiten stehen in der Übersetzung.</note>
        <note type="gloss" target="#ant-102-orig" n="carne di castrone" resp="#fyndling">Hammelfleisch, genauer das Fleisch eines Kastratenschafs. Es ist aromatischer und fetter als Lammfleisch.</note>
        <note type="gloss" target="#ant-102-orig" n="caulo lassativo per infermi" resp="#fyndling">Ein medizinischer Hinweis, dass Kohl als Abführmittel für Kranke verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#ant-102-orig" n="cauli di pastino" resp="#fyndling">Wörtlich ‚Kohl aus dem Beet' oder ‚Gartenkohl', was auf eine kultivierte Kohlsorte hinweist, im Gegensatz zu Wildkohl.</note>
        <note type="gloss" target="#ant-102-orig" n="nel dì del digiuno" resp="#fyndling">Am Fastentag. Dies kennzeichnet eine Variante des Rezepts, die den Fastengeboten entspricht, indem sie tierische Produkte (außer Fisch) meidet. Hier wird Kapaunbrühe durch Öl und Milch ersetzt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ant-102-orig" n="Ergänzte Mengen- und Zeitangaben" resp="#fyndling">Das Original ist im Anweisungston extrem knapp ('wasche, koche kurz auf, hacke, koche mit Fleisch') - wir ergänzen die Mengen-, Garzeit- und Reihenfolge-Angaben aus der allgemeinen Eintopf-Praxis, damit das Rezept nachkochbar wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ant-102-orig" n="pochi finocchi" resp="#fyndling">Die Angabe 'pochi' (ein wenig/wenige) wurde modern als 1 Fenchelknolle interpretiert - kulinarisch sinnvolle Standard-Menge für 4-6 Portionen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ant-102-orig" n="Anch'è caulo lassativo per infermi" resp="#fyndling">Dieser Satz ist ein medizinischer Einschub mitten im Rezept - typisch für die spätmittelalterliche Verschmelzung von Küche und Galenischer Diätetik. Wir markieren ihn als eigenen Absatz.</note>
        <note type="footnote" target="#ant-102-trans" n="1" resp="#fyndling">Im Original wird das Hammelfleisch nicht weiter beschrieben - der Schreiber setzt die übliche Eintopf-Methode voraus. Modern: lieber etwas länger garen (zarteres Fleisch) als zu kurz; Schulter oder Hals haben genug Bindegewebe für eine kräftige Brühe.</note>
        <note type="footnote" target="#ant-102-trans" n="2" resp="#fyndling">`fa' bullire, poi le trita` - wörtlich „lass aufkochen, dann hacke“. Das Vorkochen vor dem Hacken nimmt dem Spinat und den Wildkräutern Bitterstoffe und macht sie verträglicher. Die Anweisung ist im Original knapp, aber kulinarisch sinnvoll.</note>
        <note type="footnote" target="#ant-102-trans" n="3" resp="#fyndling">`nel brodo dove sia stato cotto il cappone` - „in der Brühe, in der der Kapaun gekocht wurde“. Das setzt voraus, dass am gleichen Tag oder Vortag ein Kapaun (junger kastrierter Hahn) gekocht wurde. Modern: kräftige Hühnerbrühe oder selbstgemachte Geflügelbrühe.</note>
        <note type="footnote" target="#ant-102-trans" n="4" resp="#fyndling">Modern: H-Milch im Tetrapack ist lagerstabil; für strikte Fastenzeit (in der katholischen Tradition ist Milch oft erlaubt, aber regional unterschiedlich) ggf. Mandelmilch verwenden.</note>
        <note type="footnote" target="#ant-102-trans" n="5" resp="#fyndling">`Anch'è caulo lassativo per infermi` - ein medizinischer Einschub mitten im Rezept. Spätmittelalterliche Kochbücher mischen häufig Heilkunde und Küche; der Hinweis auf die abführende Wirkung des Kohls ist klassisches Galenisch-Diätetik-Wissen.</note>
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