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      <titleStmt>
        <title>Gefülltes und gebratenes Ferkelchen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-07-07">2026-07-07</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/bgs-008/</idno>
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          <title>Daz buoch von guoter spîse</title>
          <date when="1350">1350</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/bvgs.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition)</note>
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        <language ident="mhd">Mittelhochdeutsch</language>
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      <div type="recipe" xml:id="bgs-008">
        <head>Gefülltes und gebratenes Ferkelchen</head>
        <div type="original" xml:id="bgs-008-orig" xml:lang="mhd" corresp="#bgs-008-trans">
          <p>Ein gebraten gefueltez ferhelin.
 Ein gebraten gefueltez ferhelin mache also: Nim ein verkelin,
 drier wuochen als si, vnd brue daz kuele vnd zuehe im
 abe, daz man ez iht wunde. so sol man im vemme den rans
 die hut lazzen. vnd loese beide fleisch vnd gebeine abe
 daz ez in dem libe hat, an die klawen, die ez nidennen hat
 fuezzen. vnd nime des fleisches, daz dor vz gezogen ist,
 zwai eier vnd suede ez vilnach gar. vnd nimme danne daz
 spec vnd hackez. tuo rowe eyer dor zvo vnd einen sniten
 peterlin krut vnd saltz zvo mazze. vnd fuelle da mit
 niht alzvo vol vnd forne den munt vnd legez sanfte in
 laz ez erwallen, daz die hut iht zvo breche. so
 nim ez denne vnd lege ez vf einen hülzinen rost vnd
 sanfte. Alz ez denne wol geroest si, so nim ein bret vnd
 vf eine schuezzeln, mache vf daz bret vier steckelin vnd
 bret mit eime blat von eyern vnd setze das verkelin dar
 ez auch mit eime blate vnd laz im die oren dar vz gen vnd
 munt vnd trage ez hin.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="bgs-008-trans" xml:lang="de" corresp="#bgs-008-orig">
          <p>Ein gebratenes, gefülltes Ferkelchen bereite wie folgt zu: Nimm ein Ferkelchen, das drei Wochen alt sei. Brühe es ab und kühle es, und ziehe ihm das Haar vollständig ab, ohne es dabei zu verletzen. Dabei soll man ihm um den Bauch herum die Haut belassen. Löse sowohl Fleisch als auch Gebeine, die es im Leib hat, vollständig ab, außer den Klauen, die es unten an den Füßen hat. Nimm von dem Fleisch, das herausgelöst wurde, eine Menge, die etwa zwei Eiern entspricht, und koche es fast gar. Nimm dann den Speck und hacke ihn. Gib rohe Eier hinzu, eine Scheibe Brot und Petersilienkraut, und salze es nach Maß. Fülle damit das Ferkelchen nicht allzu voll und nähe den Mund vorne zu. Lege es sanft in einen Kessel und lasse es aufwallen, damit die Haut nicht zerbricht. Nimm es dann heraus und lege es auf einen hölzernen Rost und brate es sanft. Wenn es dann gut geröstet ist, nimm ein Brett und lege es auf eine Schüssel. Befestige auf dem Brett vier kleine Stäbchen und belege das Brett mit einem dünnen Eierkuchen. Setze das Ferkelchen darauf. Belege es ebenfalls mit einem Eierkuchen, lasse ihm aber die Ohren und den Mund frei. Trage es dann auf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Ein verkelin, daz drier wuchen alt si">Ferkel</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="des fleisches, daz dor uz gezogen ist, wol als zwai eier">entbeintes Ferkelfleisch</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="spec">Speck</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="rowe eyer dor zu">rohe Eier</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="einen sniten brotes">Brot</ingredient> - 1 Scheibe</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="peterlin krut">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz zvo mazze">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="blat von eyern">Eier</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#bgs-008-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein vollständig entbeintes, gefülltes und wieder zusammengesetztes Ferkelchen, das gegart, gebraten und zur Präsentation in dünne Eierkuchen gehüllt aufgetragen wird - Ohren und Schnauze bleiben dabei sichtbar frei. Die Technik ähnelt der Galantine oder Ballotine der französischen Küche (entbeintes, gefülltes, wieder in Form gebrachtes Fleisch); die Eierkuchen-Hülle als reines Präsentationselement ist eine spezifisch mittelalterliche Inszenierung ohne direktes modernes Gegenstück.

Das Entbeinen. Fleisch und Gebeine werden bis auf die Klauen vollständig aus dem Ferkel gelöst, ohne die Haut zu verletzen - die Haut bleibt als formgebende Hülle erhalten. Ein Teil des herausgelösten Fleisches wird vorgekocht, bevor er wieder in die Füllung wandert; so bleibt dieser Anteil bei der späteren, kürzeren Gesamtgarung nicht roh.

Die Füllung. Gehackter Speck, rohe Eier, eine eingeweichte Scheibe Brot und Petersilie werden mit dem vorgekochten Fleisch vermengt und nach Maß gesalzen. Ei und eingeweichtes Brot binden die Masse - zeittypisch, ganz ohne Mehlschwitze. Das Ferkel wird damit nicht zu prall gefüllt, dann wird die Öffnung vorne zugenäht; so bleibt Spielraum, damit die Naht beim Garen nicht reißt.

Garen und Braten. Zwei getrennte Hitzephasen: Zuerst wird das gefüllte Ferkel sanft in einen Kessel gelegt und zum Aufwallen gebracht, damit die Haut nicht aufreißt. Danach kommt es auf einen hölzernen Rost und wird sanft gebraten, bis es gut geröstet ist - vermutlich über offener Glut, da der Text einen Rost und keinen Ofen nennt. Zeiten oder Temperaturen nennt der Originaltext nicht; hier hilft nur Beobachtung von Farbe und Festigkeit der Haut.

Praxis. Das Entbeinen braucht ein scharfes Messer und Ruhe - das erledigt man am besten zu Hause auf einer sauberen Arbeitsfläche, nicht am Lagerfeuer. Kessel-Garung und Rost-Braten dagegen sind reine Feuerarbeit und lassen sich mit einfacher Ausrüstung unterwegs erledigen. Zum Anrichten: ein Brett mit vier kleinen Stäbchen auf eine Schüssel setzen, das Brett mit einem dünnen Eierkuchen belegen, das Ferkelchen daraufsetzen und ebenfalls mit einem Eierkuchen belegen - Ohren und Mund bleiben frei sichtbar.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-008-orig" n="ferhelin" resp="#fyndling">Ferkelchen, junges Schwein</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-008-orig" n="drier wuochen als si" resp="#fyndling">drei Wochen alt sei</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-008-orig" n="brue daz kuele" resp="#fyndling">brühe es ab und kühle es (zum Enthaaren)</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-008-orig" n="zuehe im abe, daz man ez iht wunde" resp="#fyndling">ziehe ihm das Haar vollständig ab, ohne es zu verletzen</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-008-orig" n="vemme den rans die hut lazzen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#vemme">um den Bauch herum die Haut belassen (rans = Wanst/Bauchbereich; Lesart nicht durch weitere Belegstellen abschließend gesichert)</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-008-orig" n="spec" resp="#fyndling">Speck oder Schweinefett</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-008-orig" n="zvo mazze" resp="#fyndling">nach Maß, nach Geschmack</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-008-orig" n="forne den munt" resp="#fyndling">vorne den Mund zunähen</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-008-orig" n="erwallen" resp="#fyndling">aufwallen, aufkochen lassen</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-008-orig" n="hülzinen rost" resp="#fyndling">hölzerner Grillrost</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-008-orig" n="blat von eyern" resp="#fyndling">dünner Eierkuchen oder Crêpe, hier zur Dekoration - eine im "Buch von guter Speise" wiederkehrende Präsentationstechnik, kein Einzelfall</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#bgs-008-orig" n="einen sniten [brotes] peterlin krut" resp="#fyndling">„eine Scheibe Brot und Petersilienkraut“ (zwei getrennte Zutaten). Eingeweichtes Brot ist das zeittypische Bindemittel für die Füllung.</note>
      </div>
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