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      <titleStmt>
        <title>Königs-Hühner</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-07">2026-07-07</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/bgs-028/</idno>
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        <bibl>
          <title>Daz buoch von guoter spîse</title>
          <date when="1350">1350</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/bvgs.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition)</note>
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        <language ident="mhd">Mittelhochdeutsch</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="bgs-028">
        <head>Königs-Hühner</head>
        <div type="original" xml:id="bgs-028-orig" xml:lang="mhd" corresp="#bgs-028-trans">
          <p>Wilt du machen ein spise von huenern.
 Diz heizzent kueniges huenre. Nim junge gebratene huenre,
 an kleine mursel. nim frische eyer vnd zvo slahe die,
 gestozzen ingeber vnd ein wenic enys, guez daz in einen
 moerser, der heiz si, mit dem selben crute, daz tuo du
 da mit bewirf die huenre. vnd tuo die huenre in den
 dar zvo saffran vnd saltz zvo mazzen und tuo sie zvo
 vnd lazze sie backen glich heiz mit ein wenic
 smaltzes. gib sie gantz hin, daz heizzent kuoniges huenre.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="bgs-028-trans" xml:lang="de" corresp="#bgs-028-orig">
          <p>Wenn Ihr ein Gericht aus Hühnern zubereiten wollt, das man Königs-Hühner nennt: Nehmt junge, gebratene Hühner und zerteilt sie in kleine Stücke. Schlagt frische Eier auf und vermengt sie mit gestoßenem Ingwer und ein wenig Anis. Gießt diese Mischung in einen festen, hitzebeständigen Topf oder eine Schale, die bereits warm ist. Damit überzieht die Hühnerstücke. Gebt die Hühner in diesen Topf, fügt Safran und Salz nach Belieben hinzu und stellt sie ans Feuer. Lasst sie gleichmäßig heiß mit ein wenig Schmalz sieden. Serviert das Gericht als Ganzes. Dies sind die Königs-Hühner.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="junge gebratene huenre">junge gebratene Hühner</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="frische eyer">frische Eier</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gestozzen ingeber">gestoßener Ingwer</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein wenic enys">Anis</ingredient> - 0.5 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz zvo mazzen">Salz nach Geschmack</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein wenic smaltzes">Schmalz</ingredient> - 2 EL</item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#bgs-028-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Im Geiste ist dies ein überbackenes Hühnchen mit einer würzigen Eier-Glasur, verwandt mit einem frühen Gratin oder einer Art Frittata, bei dem das vorgegarte Fleisch durch eine aromatische Eiermasse gebunden wird. Im eigenen Korpus gehört das Rezept zu einer breiter belegten Familie von "Königs-Hühnern" (koe-013, m5919-063, m5919-065, mon-081): überall dasselbe Grundverfahren aus gebratenem, zerteiltem Huhn, einer Ei-Ingwer-Anis-Glasur und einem heißen (gefetteten) Gefäß am Feuer.

Das Gefäß und die Hitze. Das Original spricht von einem "heißen Mörser"; gemeint ist hier kein Stößel-Gefäß, sondern ein festes, hitzebeständiges Kochgefäß - Topf oder Auflaufform -, das bereits angewärmt ist, damit die Eiermasse zügig stockt und nicht am kalten Boden kleben bleibt. Die Hühnerstücke werden mit der Eimischung übergossen, in dieses Gefäß gegeben und ans Feuer gestellt. Der Text spricht ausdrücklich vom Feuer, nicht von einem Ofen mit fester Temperatur - passend dazu im Dutch Oven über bzw. in der Glut, mit der Deckelhitze als gleichmäßiger Wärmequelle von oben.

Praxis. Nehmt bereits gebratenes Hühnchen und zerteilt es in mundgerechte Stücke. Die Eier schlagt ihr mit fein gestoßenem Ingwer und einer Prise Anis auf; die im Rezept angesetzte Menge (4 Eier auf 2 Hühner) ist ein guter Ausgangspunkt, den man nach der Größe der Hühner anpassen kann. Gießt die Eimischung in das vorgewärmte, gefettete Gefäß, bewirft damit die Hühnerstücke und gebt sie hinein. Erst danach kommen Safran und Salz nach Belieben dazu, bevor das Gefäß ans Feuer gestellt wird. Lasst die Masse gleichmäßig heiß mit etwas Schmalz sieden und stocken, bis sie fest, aber noch zart und cremig ist - nicht trocken oder gummiartig. Serviert das Gericht direkt aus dem Gefäß, warm und als Ganzes.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="huenern" resp="#fyndling">Hühner</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="kueniges huenre" resp="#fyndling">Königs-Hühner</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="mursel" resp="#fyndling">Stücke, Brocken</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="zvo slahe die" resp="#fyndling">zerschlagen, aufschlagen</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="gestozzen ingeber" resp="#fyndling">gestoßener Ingwer</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="enys" resp="#fyndling">Anis</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="guez daz" resp="#fyndling">gießt das</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="moerser" resp="#fyndling">Mörser (hier als hitzebeständiges Kochgefäß interpretiert, nicht als Zerstoßungsgerät - durch das Zwillingsrezept koe-013 und weitere Korpus-Parallelen mehrfach bestätigt)</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="der heiz si" resp="#fyndling">der heiß sei / der heiß ist</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="crute" resp="#fyndling">Kraut, Gewürz (hier: Gewürze)</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="bewirf" resp="#fyndling">bewirf, bedecke, bestreiche</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="saffran" resp="#fyndling">Safran</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="saltz zvo mazzen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saltz">Salz nach Maß / in Maßen</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="tuo sie zvo" resp="#fyndling">stelle sie zum Feuer (ergänzt durch Vergleichshandschrift)</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="backen glich heiz" resp="#fyndling">gleichmäßig heiß sieden/backen (am Feuer, nicht im Ofen)</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="smaltzes" resp="#fyndling">Schmalz</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-028-orig" n="gantz hin" resp="#fyndling">als Ganzes, vollständig (das Gericht)</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#bgs-028-orig" n="moerser" resp="#fyndling">Das Wort "Mörser" wird hier als ein hitzebeständiges Kochgefäß (z.B. Topf, Auflaufform, Dutch Oven) verstanden, da die Hühner darin am Feuer gegart werden sollen. Das Zwillingsrezept koe-013 (Königsberger Kochbuch) belegt mit derselben Formel ("in einem veistenn morsser der heiß sey ... loß es sieden backenn") unabhängig denselben Gebrauch als Gefäß am Feuer, nicht als Reibe-Mörser.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#bgs-028-orig" n="tuo sie zvo" resp="#fyndling">Diese unvollständige Phrase wurde im Sinne von 'stelle sie zum Feuer' interpretiert, basierend auf der klareren Formulierung 'tu sie zu dem viur' in einer Vergleichshandschrift (Bibliotheca Augustana).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#bgs-028-orig" n="gantz hin" resp="#fyndling">Das Gericht als Ganzes servieren, d.h. die zubereiteten Hühnerstücke als vollständige Mahlzeit.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#bgs-028-orig" n="saffran ... zvo mazzen (Safran-Stellung)" resp="#fyndling">Wir lesen die ungewöhnliche Stellung des Safrans (NICHT in die Ei-Ingwer-Anis-Glasur eingemischt, sondern getrennt ins heiße Gefäß gestreut, nachdem das Huhn drin ist) als bewusste Schau-Komposition für ein "Königs"-Gericht: 1) Visuell - Safran bleibt als orange Streifen/Punkte auf der hellen Ei-Glasur sichtbar, untergemischt wäre nur fahl-gelbe Homogenität. 2) Demonstrativ - Safran als sichtbares Luxus-Bestreuung kommuniziert Wohlhabenheit (konzentrierter, nicht verteilt). 3) Funktional - in der dampfenden Deckelhitze blüht Safran auch ohne vorheriges Mörsern/Einweichen, das Salz daneben hilft beim Lösen der Farbstoffe in die geringe Flüssigkeit am Gefäßboden.</note>
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