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      <titleStmt>
        <title>Gefüllter Hecht in eigener Haut</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-09">2026-07-09</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/bgs-046/</idno>
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          <title>Daz buoch von guoter spîse</title>
          <date when="1350">1350</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/bvgs.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition)</note>
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        <language ident="mhd">Mittelhochdeutsch</language>
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      <div type="recipe" xml:id="bgs-046">
        <head>Gefüllter Hecht in eigener Haut</head>
        <div type="original" xml:id="bgs-046-orig" xml:lang="mhd" corresp="#bgs-046-trans">
          <p>Ein geriht von vischen.
 Nim einen frischen hechde, loese im abe die hut von dem
 suede in gar schone vnd lise vz die grete. vnd nim krut
 ez mit dem vische, tuo dar zvo ro eyer vnd saffran vnd
 hut des hechdes wider, vnd daz haubt, daz roest ein wenic
 gibz hin.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="bgs-046-trans" xml:lang="de" corresp="#bgs-046-orig">
          <p>Nimm einen frischen Hecht. Löse ihm die Haut ganz ab. Siede den Fisch gut und löse die Gräten heraus. Nimm Kräuter und zerstoße sie mit dem gekochten Fisch, gib rohe Eier und Safran dazu, und fülle die Haut des Hechtes wieder. Den Kopf röste ein wenig. Gib es hin.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="einen frischen hechde">frischer Hecht</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="krut">frische Kräuter</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ro eyer">rohe Eier</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
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      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#bgs-046-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine mittelalterliche Fisch-Galantine: Die Hechthaut wird unversehrt abgezogen, das gegarte Fleisch zu einer gewürzten Farce zerstoßen und wieder in die Haut gefüllt, sodass am Ende ein scheinbar ganzer Fisch auf dem Tisch liegt. Das ist die direkte Vorfahrin der modernen gefüllten Fischterrine und ein klassisches Schaustück der höfischen Tafel. Im Korpus steht es doppelt - dasselbe Rezept erscheint im Buch von guter Speise ein zweites Mal (bgs-036) - und gehört zur Sippe der gefüllten Hechte (bgs-017, mha-194).

Die Haut abziehen. Nach loese im abe die hut von dem bricht der Satz in dieser Fassung ab. Der Paralleltext im selben Werk (bgs-036) liest an dieser Stelle vollständig als gantz - die Haut also ganz, wie einen Strumpf, vom Fleisch trennen, ohne sie zu zerreißen - am leichtesten vom Kopf her, das Fleisch löst sich nach dem Garen ohnehin. Sie ist die Hülle, in die später die Farce zurückkommt.

Die Farce. Nim krut, stoz ez mit dem vische - gegartes, entgrätetes Fischfleisch mit frischen Kräutern zerstoßen, dann mit rohem Ei und Safran binden und färben. Welche Kräuter, sagt der Text nicht; zeittypisch sind Petersilie, Salbei, Majoran. Das rohe Ei zieht beim Nachgaren an und hält die Füllung zusammen.

Das Garen. Der Text nennt für den letzten Schritt nur ein kurzes Rösten. Ob damit nur der Kopf oder der ganze wiederbefüllte Fisch gemeint ist, lässt die Stelle offen - der Paralleltext im selben Werk (bgs-036) röstet an der entsprechenden Stelle den ganzen gefüllten Fisch kurz, ohne den Kopf gesondert zu erwähnen.

Praxis. Den Fisch häuten, die Haut möglichst ganz erhalten, das Fleisch sieden, bis es gar ist, und gründlich entgräten. Mit frischen Kräutern zerstoßen, mit rohem Ei und einer Prise Safran binden und färben. Die Farce locker zurück in die Haut füllen und den ganzen gefüllten Fisch kurz rösten.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-046-orig" n="loese im abe die hut von dem" resp="#fyndling">Nach „von dem“ bricht der Satz ab. Der Paralleltext bgs-036 liest hier vollständig „als gantz“ - die Haut ganz, unversehrt ablösen (wie einen Strumpf), damit sie später als Hülle für die Farce dient.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-046-orig" n="lise vz die grete" resp="#fyndling">Löse die Gräten heraus - der Fisch wird vor dem Stoßen vollständig entgrätet.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-046-orig" n="krut" resp="#fyndling">Kräuter allgemein, nicht „Kraut/Kohl“. Welche Sorte, lässt der Text offen; zeittypisch Petersilie, Salbei, Majoran.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-046-orig" n="ro eyer" resp="#fyndling">Rohe Eier - binden die Farce und stocken beim Nachgaren.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-046-orig" n="daz haubt, daz roest ein wenic" resp="#fyndling">Der Text nennt eigens das Rösten des Kopfes; ob der übrige, wiederbefüllte Körper ebenso oder anders gegart wird, bleibt offen. Der Paralleltext bgs-036 röstet an der entsprechenden Stelle den ganzen Fisch kurz, ohne den Kopf gesondert zu erwähnen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#bgs-046-orig" n="loese im abe die hut von dem / suede in gar schone" resp="#fyndling">Nach „von dem“ bricht der Satz in dieser Fassung ab, es fehlt der Anschluss. Der Paralleltext im selben Werk (bgs-036) liest an dieser Stelle vollständig „als gantz“ - die Haut also ganz, unversehrt ablösen. Dieser Lesart wird hier gefolgt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#bgs-046-orig" n="nim krut [stoz] ez mit dem vische / [fülle] die hut des hechdes wider" resp="#fyndling">An zwei Stellen fehlt in der vorliegenden Textfassung ein Verb (das Zerstoßen und das Füllen). Der Paralleltext im selben Werk (bgs-036) überliefert beide Stellen vollständig mit stoz (zerstoße) und fülle - im Kontext einer Farce-Herstellung die einzig schlüssige Lesart, der hier gefolgt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#bgs-046-orig" n="daz haubt, daz roest ein wenic" resp="#fyndling">Der Text nennt ausdrücklich das Rösten des Kopfes; ob der übrige, wiederbefüllte Körper ebenfalls geröstet wird oder anders gegart, sagt die Stelle nicht ausdrücklich. Der Paralleltext bgs-036 röstet an der entsprechenden Stelle den ganzen wiederbefüllten Fisch kurz, ohne den Kopf gesondert zu erwähnen - dieser einfacheren Lesart (kurzes Rösten des ganzen Fisches) folgt die Praxis-Anleitung hier.</note>
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