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      <titleStmt>
        <title>Ein gutes Beigericht (Scherz)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-07">2026-07-07</date>
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          <title>Daz buoch von guoter spîse</title>
          <date when="1350">1350</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/bvgs.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition)</note>
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        <language ident="mhd">Mittelhochdeutsch</language>
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      <div type="recipe" xml:id="bgs-054">
        <head>Ein gutes Beigericht (Scherz)</head>
        <div type="original" xml:id="bgs-054-orig" xml:lang="mhd" corresp="#bgs-054-trans">
          <p>Ein guot gerihte, der ez gern izzet.
 Wilt du machen ein guot bigeriht,
 so nim sydeln sweyz,
 daz macht den magen gar heiz,
 vnd nim kiselinges smaltz,
 daz ist den meiden guot, die do sin hueffehaltz.
 vnd nim bromber vnd bresteling,
 daz ist daz aller beste ding.
 bist du niht an sinnen taup,
 so nim gruen wingart laup.
 du solt nemen binzen,
 luebstickel vnd minzen.
 daz sint guote wuertze
 fuer die grozzen furtze.
 nim stigelitzes versen vnd mucken fuozze,
 daz macht das koestlin allez suezze,
 daz ist guot vnd mag wol sin
 ein guot lecker spigerihtelin.
 Ach, vnd versaltz nuer niht,
 wanne ez ist ein guot geriht.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="bgs-054-trans" xml:lang="de" corresp="#bgs-054-orig">
          <p>Ein gutes Gericht, wer es gerne isst. Willst du ein gutes Beigericht zubereiten, so nimm Sydelblut - das macht den Magen ganz heiß. Und nimm Schmalz aus Kieselsteinen - das ist gut für die Mädchen, die hüftlahm sind. Und nimm Brombeeren und Erdbeeren - das ist das allerbeste Ding. Bist du nicht an Sinnen taub, so nimm grünes Weinlaub. Du sollst Binsen nehmen, Liebstöckel und Minze. Das sind gute Gewürze für die großen Fürze. Nimm Stieglitzfersen und Mückenfüße - das macht das Köstlein ganz süß. Das ist gut und mag wohl sein ein gutes, leckeres Speisegerichtlein. Ach, und versalz es nur nicht, denn es ist ein gutes Gericht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="sydeln sweyz">Sydelblut (Identität ungeklärt)</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="kiselinges smaltz">Schmalz aus Kieselsteinen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="bromber">Brombeeren</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="bresteling">Erdbeeren</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gruen wingart laup">Grünes Weinlaub</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="binzen">Binsen</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="luebstickel">Liebstöckel</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="minzen">Minze</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="stigelitzes versen">Stieglitzfersen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="mucken fuozze">Mückenfüße</ingredient>
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        <note type="preparation_tip" target="#bgs-054-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist kein Kochrezept, sondern ein mittelalterlicher Küchenscherz in Reimform - ein Rätselgedicht, das die Form eines Rezepts für Unsinn und Wortwitz nutzt. Im Buch von guter Speise steht es unmittelbar nach einem sehr ähnlich aufgebauten Scherzrezept, mit dem es sogar wörtlich die Zutat mucken fuozze (Mückenfüße) teilt; beide bilden gemeinsam den Abschluss des ersten Sammlungsteils. Die realen Zutaten der Aufzählung - Brombeeren, Erdbeeren, Weinlaub, Liebstöckel, Minze - würden für sich genommen zu einem Beeren-Kräuter-Mus passen; hier werden sie bewusst mit unmöglichen Fantasiezutaten gemischt, damit der Scherz funktioniert.

Die unmögliche Zutat ‚Sydelblut‘. Der Begriff sydeln sweyz lässt sich nicht sicher deuten. 'sweyz' meint dabei nicht Schweiß, sondern in der mittelhochdeutschen Jägersprache Blut des erlegten Wilds (vgl. nhd. „Schweißhund“). Wer oder was mit 'sydel' gemeint ist, bleibt offen - die verbreitete Lesart ‚Sumpfbinse‘ ist als Pflanzenname nicht belegt, die einschlägige mittelhochdeutsche Lexik führt den Wortstamm eher auf sedel (Sitz, Wohnstatt) zurück. Sicher ist nur die Funktion: wie kiselinges smaltz, stigelitzes versen und mucken fuozze benennt die Zeile etwas Unmögliches, keine reale Zutat.

Praxis. Nachkochen lässt sich hier nichts - es gibt weder Mengenangaben noch eine Zubereitungsreihenfolge, weder Hitze noch Bindung. Die real vorkommenden Zutaten (Brombeeren, Erdbeeren, Weinlaub, Liebstöckel, Minze) liest man am besten als Anspielung auf ein echtes Beeren-Kräuter-Mus, nicht als Einkaufsliste. Wer den Scherz vortragen will, braucht nur den Reim - ein Kochtopf bleibt kalt.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-054-orig" n="sydeln sweyz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sydeln-sweyz">Wörtlich ‚Blut des/der Sydel‘ - nicht ‚Schweiß‘: 'sweiz' meint in der mittelhochdeutschen Jägersprache das Blut des erlegten Wilds (vgl. Grimm: „der bluotec sweiz“, Parzival 387,24; daher auch nhd. „Schweißhund“). Die verbreitete Deutung ‚Schweiß der Sumpfbinse‘ ist zudem als Pflanzenname nicht belegt: Die einschlägige mittelhochdeutsche Lexik (MHDBDB) führt den Wortstamm ‚sydel/sedel‘ vorrangig auf ‚Sitz, Wohnstatt‘ zurück. Die Identität von ‚sydel‘ bleibt ein ungeklärtes Hapax - in jedem Fall eine Scherzzutat (Blut von etwas Unklarem/Unmöglichem), die für ‚nichts‘ oder Unmögliches steht.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-054-orig" n="kiselinges smaltz" resp="#fyndling">Wörtlich 'Kieslingsschmalz', eine weitere Scherzzutat, die auf die Unmöglichkeit der Beschaffung hinweist.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-054-orig" n="hueffehaltz" resp="#fyndling">Hüftlahm, hüftgelähmt - eine Behinderung, keine bloße Steifheit.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-054-orig" n="bresteling" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#bresteling">Erdbeeren (alemannisch Bräschtling/Brestling) - hier neben Brombeeren (bromber) genannt, die eine 'normale' Zeile in diesem Scherzrezept. Nicht Preiselbeeren.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-054-orig" n="wingart laup" resp="#fyndling">Weinlaub, Blätter des Weinstocks.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-054-orig" n="binzen" resp="#fyndling">Binsen, eine Sumpfpflanze, die nicht essbar ist; hier eine Scherzzutat.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-054-orig" n="stigelitzes versen" resp="#fyndling">Wörtlich 'Fersen des Stieglitz' (mhd. 'verse' = Ferse, nicht zu verwechseln mit nhd. 'Vers'). Stieglitz (Distelfink) ist als 'carduelis' belegt - Fersen als Speisezutat sind natürlich unmöglich.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-054-orig" n="mucken fuozze" resp="#fyndling">Wörtlich 'Mückenfüße', eine unmögliche Scherzzutat.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-054-orig" n="furtze" resp="#fyndling">Fürze, Blähungen.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-054-orig" n="spigerihtelin" resp="#fyndling">Kleines Speisegericht.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-054-orig" n="wanne" resp="#fyndling">Sieht wie temporales 'wann/wenn' aus, steht hier aber kausal für 'denn/weil' ('wanne ez ist ein guot geriht' = 'denn es ist ein gutes Gericht').</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#bgs-054-orig" n="sydeln sweyz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sydeln-sweyz">'sweyz' = Blut (mhd. Jägersprache, vgl. Grimm „der bluotec sweiz“, Parzival 387,24; nhd. „Schweißhund“), nicht Schweiß im Sinne von Perspiration. 'sydel' bleibt unklar - MHDBDB führt den Wortstamm eher auf 'sedel' (Sitz, Wohnstatt) zurück als auf einen Pflanzennamen wie 'Sumpfbinse'. Als Ganzes eine Scherzzutat ('Blut von etwas Unklarem/Unmöglichem'), die für 'nichts' oder etwas nicht Beschaffbares steht.</note>
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