<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Fastenkrapfen mit Hechtdärmen und Äpfeln</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-07-10">2026-07-10</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/bgs-058/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Daz buoch von guoter spîse</title>
          <date when="1350">1350</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/bvgs.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="mhd">Mittelhochdeutsch</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="bgs-058">
        <head>Fastenkrapfen mit Hechtdärmen und Äpfeln</head>
        <div type="original" xml:id="bgs-058-orig" xml:lang="mhd" corresp="#bgs-058-trans">
          <p>Einen krapfen.
 Wilt du einen vasten krapfen machen von hechde darmen,
 guote mandelmilich vnd tuo also vil epfele, als der vische
 vnd snide sie dor vnder vnd mengez mit ein
 wenic ris meles, daz ist guot zvo gefuelten krapfen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="bgs-058-trans" xml:lang="de" corresp="#bgs-058-orig">
          <p>Wenn Ihr einen Fastenkrapfen aus Hechtdärmen zubereiten wollt, so nehmt gute Mandelmilch und ebenso viel Äpfel, wie Ihr Fisch habt. Schneidet die Äpfel und mischt sie darunter. Vermengt dies alles mit ein wenig Reismehl. Das ist eine gute Füllung für Krapfen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="hechde darmen">Hechtdärme</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="guote mandelmilich">Mandelmilch</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="also vil epfele, als der vische">Äpfel</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein wenic ris meles">Reismehl</ingredient> - 2 EL</item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#bgs-058-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Füllung für Fastenkrapfen, keine eigenständige Speise: Hechtdärme, ebenso viel Apfel, Mandelmilch und etwas Reismehl werden vermengt - daz ist guot zvo gefuelten krapfen, 'das ist gut für gefüllte Krapfen'. Sie gehört in die Reihe der Krapfen-Füllungen des Buoch von guoter Spise (bgs-058 bis -061), die teils herzhaft (Fischinnereien), teils süß (Nüsse, Äpfel, Honig) sind. Die süß-säuerliche Kombination von Innereien mit Apfel zeigt die mittelalterliche Lust an der Verwertung aller Teile und am Mischen der Geschmacksrichtungen.

hechde darmen - Hechtdärme. Wörtlich die Därme/Innereien vom Hecht. Als Fastenspeise ist Fisch (anders als Fleisch) erlaubt, und die Mandelmilch ersetzt die in der Fastenzeit verbotene Kuhmilch. Innereien zu verwerten war Norm; für heutige Küchen ist die Zutat allerdings ein dokumentarisches Kuriosum - frische Hechtdärme sind kaum zu bekommen und in der Handhabung heikel.

also vil epfele, als der vische - eine Mengenformel. Also vil = 'etwa gleich viel' ist im Buch die übliche Formel für ungefähre Mengenangaben. Gemeint ist ungefähr gleich viel Apfel wie Fisch, kein exaktes Abwiegen.

Praxis. Wer die historische Zutat nachstellen will, muss die Hechtdärme sauber spülen und von allen Resten befreien. Realistischer ist der Ersatz durch festes Hechtfilet (oder anderen festen Weißfisch), das den herzhaften Charakter erhält, ohne den Aufwand. Etwa gleich viel säuerlichen Apfel fein würfeln und mit ca. 100 ml Mandelmilch und 1-2 EL Reismehl zu einer streichfähigen, nicht zu flüssigen Masse binden (das Reismehl hält die Füllung zusammen). Der Text selbst endet bei dieser Füllung und beschreibt weder Teig noch Ausbackart - für gefüllte Krapfen bietet sich, wie bei den benachbarten Rezepten der Reihe, das Füllen in einen Teig und Ausbacken im Fett an.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-058-orig" n="vasten krapfen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#vasten-krapfen">Ein Krapfen für die Fastenzeit - ohne Fleisch (Fisch ist erlaubt), Eier oder tierische Milch, daher Mandelmilch.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-058-orig" n="hechde darmen" resp="#fyndling">Hechtdärme/-innereien - im Korpus ein Hapax (nur hier belegt), sprachlich aber eindeutig. In der mittelalterlichen Küche als Füllung verwertet; heute eine schwer zu beschaffende, dokumentarische Zutat.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-058-orig" n="also vil epfele, als der vische" resp="#fyndling">Mengenformel also vil = 'etwa gleich viel': ungefähr gleich viel Apfel wie Fisch (mhd. vische meint wörtlich Fisch, nicht die Innereien) - kein exaktes Maß.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-058-orig" n="guot zvo gefuelten krapfen" resp="#fyndling">'Gut für gefüllte Krapfen' - der Text beschreibt nur die Füllung, nicht den Teig oder das Ausbacken.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
