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      <titleStmt>
        <title>Colris - geschnittene Eierfladen in Milch</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-07-09">2026-07-09</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/bgs-065/</idno>
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          <title>Daz buoch von guoter spîse</title>
          <date when="1350">1350</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/bvgs.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition)</note>
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        <language ident="mhd">Mittelhochdeutsch</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="bgs-065">
        <head>Colris - geschnittene Eierfladen in Milch</head>
        <div type="original" xml:id="bgs-065-orig" xml:lang="mhd" corresp="#bgs-065-trans">
          <p>Ein col ris.
 Ein colris gebacken. vnd mache von eyern duenne bleter
 die cleine vnd wirf die in ein suezze milich. vnd nim
 vnd snit daz wuerfeleht dor in vnde mengez mit eyer totern
 suedez wol vnd tuo ein smaltz dor vf vnd versaltz niht.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="bgs-065-trans" xml:lang="de" corresp="#bgs-065-orig">
          <p>Man mache aus Eiern dünne Fladen, schneide sie klein und werfe sie in süße Milch. Dazu nehme man Weißbrot und schneide es würfelig hinein, und vermenge es mit Eigelb. Man siede es gut auf und gebe zum Schluss etwas Schmalz darüber. Man achte darauf, nicht zu übersalzen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="eyern">Eier</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="suezze milich">frische Milch</ingredient> - 500 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="[vnd nim] - wahrscheinliche Textlücke, vermutlich semel brot">Weißbrot (Semmel), gewürfelt</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="smaltz">Schmalz</ingredient> - 2 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versaltz niht">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#bgs-065-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein colris: dünne, aus Eiern gebackene Fladen werden klein geschnitten, zusammen mit gewürfeltem Weißbrot in süße (frische) Milch gegeben, mit Eigelb gebunden und mit Schmalz vollendet - ein herzhaftes Milch-Ei-Gericht, kein süßer Pudding. Der lebende Verwandte ist die Flädle-/Frittatensuppe: dünne Eierkuchen in der Flüssigkeit, hier in Milch statt in Brühe.

Das Wort colris ist KEIN Schreibfehler. Das Buoch von guoter Spise bringt drei colris-Rezepte direkt hintereinander (Nr. 65-67), alle nach demselben Muster: dünne Eierfladen, klein geschnitten, mit Weißbrotwürfeln in Milch gesotten und mit Eigelb gebunden. Die Schwesterfassung bgs-066 schlägt Eier mit Semmelmehl auf, bgs-067 ergänzt zusätzlich Apfel. colris ist also der Name dieser Gerichtsfamilie - vermutlich ein 'Schein-Reis', bei dem die kleinen Eierfladen-Würfel optisch an Reiskörner in Milch erinnern (echter Reis war ein teures Importgut). Der Titelzusatz gebacken bezieht sich auf das Ausbacken der Eierfladen, nicht auf das fertige Gericht, das danach gesotten (suedez wol) wird.

Eine wahrscheinliche Textlücke. An einer Stelle wirkt das überlieferte Transkript unvollständig: Nach nim fehlt ein Objekt, bevor es weitergeht mit snit daz wuerfeleht dor in - das Neutrum daz passt nicht zu den zuvor genannten Eierfladen (Plural bleter), wohl aber zu einer Zutat im Singular. Naheliegend ist Weißbrot, das zusätzlich zur Milch gewürfelt hinzugegeben wird - so auch der Aufbau der Schwesterrezepte bgs-066 und bgs-067, die ebenfalls Brotwürfel verwenden. Die Übersetzung oben folgt dieser Lesart.

suezze milich. Frische, ungesäuerte Milch - im Gegensatz zur gesäuerten 'dicken Milch'. Das ist hier wichtig, weil gesäuerte Milch beim Sieden gerinnen würde; frische Milch bleibt glatt und lässt sich mit dem Eigelb binden.

Praxis. Aus den Eiern in der Pfanne mehrere dünne Fladen backen, auskühlen lassen und klein bzw. würfelig schneiden. Die Fladenwürfel zusammen mit gewürfeltem Weißbrot in erhitzte, frische Milch geben. Mit Eigelb vermengen und gut aufkochen lassen, bis die Masse bindet - das Original schreibt ausdrücklich suedez wol (gut sieden), das Ergebnis wird dabei eher leicht körnig als seidig-glatt, was dem historischen Verfahren entspricht. Zum Schluss Schmalz obenauf geben und zurückhaltend salzen (das Original warnt: versaltz niht). Ein Hauch Muskat oder Zimt passt zeittypisch. Warm servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-065-orig" n="col ris / colris" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#colris">Name einer Gerichtsfamilie im Buoch von guoter Spise (Nr. 65-67): dünne Eierfladen und Weißbrotwürfel, klein geschnitten, in Milch gesotten. Vermutlich 'Schein-Reis' - die Eierfladen-Würfel ahmen Reiskörner nach. Kein Schreibfehler und kein Gericht mit Kohl oder echtem Reis. Ein Homograph-Bedeutungsfeld zu 'colris' im allgemeinen mittelhochdeutschen Wortschatz (Gewässer, Vögel) betrifft vermutlich ein anderes Lemma und ist hier nicht einschlägig.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-065-orig" n="gebacken" resp="#fyndling">Bezieht sich auf das Ausbacken der dünnen Eierfladen; das fertige Gericht wird danach gesotten (suedez wol).</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-065-orig" n="bleter" resp="#fyndling">Dünne Eierfladen (eierkuchen-/crêpeartig), die anschließend klein geschnitten werden.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-065-orig" n="suezze milich" resp="#fyndling">Frische, ungesäuerte Milch - im Gegensatz zur gesäuerten 'dicken Milch'. Wichtig, weil gesäuerte Milch beim Sieden gerinnen würde.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-065-orig" n="eyer totern" resp="#fyndling">Eigelb, hier als Bindemittel für das gesottene Milchgericht.</note>
        <note type="gloss" target="#bgs-065-orig" n="vnd nim vnd snit daz wuerfeleht" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#wuerfeleht">Das überlieferte Transkript wirkt an dieser Stelle lückenhaft: 'nim' steht ohne Objekt, und das Neutrum 'daz' passt nicht zu den zuvor genannten Eierfladen (Plural). Naheliegend ist ein fehlendes Objekt wie Weißbrot, das gewürfelt zusätzlich in die Milch gegeben wird - so auch beim Aufbau von bgs-066/bgs-067.</note>
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