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        <title>Edles Mandelgericht mit Kalbshoden</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-22">2026-06-22</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/boc-001/</idno>
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          <title>Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum</title>
          <date when="1433">1433</date>
          <idno type="URI">https://jlupub.ub.uni-giessen.de/handle/jlupub/58</idno>
          <note>Transkription: Robert Maier (Hg.), Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375)</note>
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        <language ident="la-med">Mittellatein (frühes 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="boc-001">
        <head>Edles Mandelgericht mit Kalbshoden</head>
        <div type="original" xml:id="boc-001-orig" xml:lang="la-med" corresp="#boc-001-trans">
          <p>ET PRIMO fac ministrum optimum. Recipe Amigdala et

pista illa bene in mortario, et tempera illa cum bono brodio gallinarum, et uitulorum ouorum. Et post recipe agrestum. Si
est tempus estiuale. Si autem est tempus hyemale, tunc recipe
gariofolos cum cinamomo, et fac paruas petias, et mitte illas ad
scutellam, et sperge superius cynamomum, cum zucharo, et erit pro
magnatis et nobilibus bonum.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="boc-001-trans" xml:lang="de" corresp="#boc-001-orig">
          <p>Beginne damit, ein hervorragendes Gericht zuzubereiten. Nimm Mandeln und stoße sie gut in einem Mörser zu einer feinen Paste. Verrühre die Mandelpaste dann mit guter Hühnerbrühe und gekochten Kalbshoden. Ist Sommerzeit, füge Verjus hinzu. Ist jedoch Winterzeit, nimm Nelken und Zimt. Schneide das Gericht in kleine Stücke und richte diese in einer Schale an. Bestreue es reichlich mit Zimt und Zucker. Dieses Gericht wird für Magnaten und Edle als vorzüglich gelten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Amigdala">Mandeln</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="bono brodio gallinarum">Hühnerbrühe</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="uitulorum ouorum">Kalbshoden</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="agrestum">Verjus</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gariofolos">Nelken</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="cinamomo">Zimt</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="zucharo">Zucker</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#boc-001-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein weißes, püriertes Luxusgericht aus der Blancmange-Familie - Mandeln, in Brühe aufgelöst, mit edlem Fleisch verbunden und süß bestäubt. Es steht in einer Reihe mit der gelben Mandelcreme mit Kapaun (mar-097) und dem Hühnchen in weißer Mandelsauce (sev-055): gestoßene Mandeln plus Fleisch plus Brühe, am Ende Zimt und Zucker. Das Besondere hier ist die saisonale Verzweigung und die Edelzutat Kalbshoden.

Uitulorum ouorum heißt wörtlich „Kalbs-Eier" und meint die Hoden - im Spätmittelalter ein geschätztes Festtags-Innereiengericht, kein Tabu. Wer sie nicht bekommt, nimmt Kalbsbries: andere Drüse, ähnlich zart, gleicher Luxusrang.

Agrestum ist Verjus, der Saft unreifer Trauben. Er kommt nur im Sommer dazu (saure Frische, wenn das Mahl leicht sein soll); im Winter ersetzen ihn gariofolos (Nelken) und cinamomo (Zimt) - warme Gewürze statt Säure. Dieselbe Sommer/Winter-Logik wie bei vielen höfischen Gerichten.

Fac paruas petias - „mach kleine Stücke" - bezieht sich am ehesten auf die gegarten Hoden, die man vor dem Anrichten in mundgerechte Würfel schneidet, nicht auf die Gewürze. Die Mandel-Brühe-Mischung bleibt cremig drumherum.

Praxis. Mandeln blanchieren, häuten, im Mörser (oder Mixer) zu feiner Paste stoßen. Mit kräftiger Hühnerbrühe glattrühren. Kalbshoden (beim Metzger vorbestellen) vorab in Salzwasser garen, häuten, würfeln. Im Sommer mit einem Schuss Verjus abschmecken, im Winter mit einer Prise Nelke und Zimt. In Schalen anrichten, großzügig mit Zimt und Zucker bestreuen.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-001-orig" n="uitulorum ouorum" resp="#fyndling">Wörtlich ‚Kalbs-Eier‘, gemeint sind Kalbshoden - im Spätmittelalter eine geschätzte Festtags-Delikatesse.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-001-orig" n="agrestum" resp="#fyndling">Verjus, der Saft unreifer Trauben, als Säuerungsmittel. Hier nur im Sommer.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-001-orig" n="ministrum optimum" resp="#fyndling">Ein vorzügliches Gericht, gedacht für ‚Magnaten und Edle‘ - ein höfisches Repräsentationsgericht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#boc-001-orig" n="fac paruas petias" resp="#fyndling">Wir lesen ‚fac paruas petias‘ als Anweisung, die gegarten Kalbshoden vor dem Anrichten in kleine, mundgerechte Stücke zu schneiden.</note>
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