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        <title>Hähnchen oder Tauben für die Italiener</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-07-11">2026-07-11</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/boc-017/</idno>
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          <title>Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum</title>
          <date when="1433">1433</date>
          <idno type="URI">https://jlupub.ub.uni-giessen.de/handle/jlupub/58</idno>
          <note>Transkription: Robert Maier (Hg.), Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375)</note>
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        <language ident="la-med">Mittellatein (frühes 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="boc-017">
        <head>Hähnchen oder Tauben für die Italiener</head>
        <div type="original" xml:id="boc-017-orig" xml:lang="la-med" corresp="#boc-017-trans">
          <p>Ad parandum polastros pro Italicis

Recipe polastros siue pipiones, et fac bulire ut prius Et quatuor uel quinque
fac petias ad libitum tuum, et pone eas ad pinguedinem in patella, et uide
ne comburatur. Et post hoc Recipe Maioranum, cum aliis spetiebus bonis, uiridibus
zinsibere, cynamomo, et ouis crudis. Et misce cum croco et agresto,
et tunc fac pastam, et eam pone in tegamo et mitte omnia illa intra pastam
et mitte pipiones aut polastros inferius Et temperaturam illam superius
et erit bonum pro Italicis.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="boc-017-trans" xml:lang="de" corresp="#boc-017-orig">
          <p>Nimm junge Hähnchen oder Tauben und koche sie wie zuvor. Schneide sie nach Belieben in vier oder fünf Stücke. Gib die Stücke mit etwas Fett in eine Pfanne und achte darauf, dass sie nicht anbrennen.</p>
          <p>Danach nimm Majoran, mit anderen guten Gewürzen, frischem Ingwer, Zimt und rohen Eiern. Mische dies mit Safran und Verjus, und bereite daraus eine Paste zu. Gib diese Paste in die tiefe Pfanne und vermenge das Geflügel mit ihr; schichte dann Tauben oder Hähnchen unten und die Masse obenauf. So wird es gut sein für die Italiener.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="polastros siue pipiones">Hähnchen oder Tauben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pinguedinem">Fett</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Maioranum">Majoran</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="aliis spetiebus bonis">Gute Gewürze</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="uiridibus zinsibere">Frischer Ingwer</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="cynamomo">Zimt</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ouis crudis">Rohe Eier</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="croco">Safran</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="agresto">Verjus</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#boc-017-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Vorgegartes, zerteiltes Geflügel, das kurz in Fett angesetzt und dann mit einer rohen Ei-Gewürz-Verjus-Masse in der tiefen Pfanne (tegamo) weiterverarbeitet wird - kein Auflauf im heutigen Sinn (keine Kruste, kein Käse, kein Ofen erwähnt), sondern näher an einer Geflügel-Frikassee mit Ei-Säure-Bindung. Das direkte Schwesterrezept derselben Handschrift ist boc-015 (Tauben unter einer Mandel-Ei-Verjus-Sauce) - dieselbe Ei-Verjus-Bindungsidee mit anderen Zutaten.

pastam - keine Teigkruste, sondern eine Ei-Paste. Trotz des Wortes pasta wird hier kein Teigmantel gebaut: Es fehlt jede Mehlzutat. Gemeint ist eine dicke, formbare Masse aus rohen Eiern, Majoran, frischem Ingwer, Zimt, weiteren guten Gewürzen, Safran und Verjus - die wird als bindende, würzende Schicht über das Geflügel gegeben, nicht als Hülle gebacken.

et mitte omnia illa intra pastam - ein eigener Arbeitsschritt. Nach dem Anrühren der Paste beschreibt der Text ausdrücklich, dass das Geflügel in die Paste eingerührt wird (mitte omnia illa intra pastam), bevor beides in Schichten - Geflügel unten, Masse oben - in den tegamo kommt. Dieser Zwischenschritt fehlte in älteren Übersetzungen ersatzlos.

uiridibus zinsibere - frischer (grüner) Ingwer. Der Text nennt ausdrücklich frischen statt getrockneten Ingwer - ein feiner, weniger scharfer Akzent. Safran färbt golden, Verjus säuert.

pone eas ad pinguedinem in patella, et uide ne comburatur - im Fett, ohne anzubrennen. Das vorgekochte und zerteilte Geflügel wird in etwas Fett angesetzt, dabei aufgepasst, dass nichts anbrennt. Der Text selbst endet nach dem Schichten in der tiefen Pfanne (Geflügel unten, Ei-Paste darüber) ohne eigene Koch- oder Hitzeangabe für diesen letzten Schritt.

Praxis. Junge Hähnchen oder Tauben vorkochen, in vier bis fünf Stücke teilen, in etwas Fett kurz ansetzen, ohne sie anbrennen zu lassen. Rohe Eier mit gehacktem Majoran, fein geriebenem frischem Ingwer, Zimt, weiteren warmen Gewürzen, Safran und Verjus zu einer dicken Masse verrühren und das Geflügel darin wenden. In eine tiefe Pfanne oder einen Dutch Oven schichten - Geflügel unten, Ei-Masse obenauf - und kurz bei sanfter Hitze stocken lassen, bis das rohe Ei sichtbar durchgegart ist (aus Gründen der Lebensmittelsicherheit). Wer es zurückhaltender mag, gibt die Masse erst ganz zuletzt über das noch heiße Geflügel und lässt sie nur in der Resthitze leicht andicken, wie es das Schwesterrezept boc-015 für dieselbe Textlücke vorsieht.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-017-orig" n="ut prius" resp="#fyndling">‚wie zuvor‘ - Verweis auf die im Buch zuvor beschriebene Standardmethode, Geflügel vorzukochen.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-017-orig" n="uiridibus zinsibere" resp="#fyndling">‚grüner (frischer) Ingwer‘ - ausdrücklich frischer statt getrockneter Ingwer, milder und saftiger im Aroma.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-017-orig" n="tegamo" resp="#fyndling">Eine tiefe Pfanne oder ein Topf, in dem Geflügel und Ei-Masse zusammen gar ziehen - feuertauglich, keine Auflaufform im Ofensinn nötig.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-017-orig" n="pastam" resp="#fyndling">Trotz des Wortes ‚pasta‘ keine Teigkruste (keine Mehlzutat genannt), sondern eine dicke, würzige Ei-Masse, die als bindende Schicht über das Geflügel kommt.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-017-orig" n="mitte omnia illa intra pastam" resp="#fyndling">‚vermenge dies alles mit der Paste‘ - ein eigener Arbeitsschritt: die zuvor angebratenen Geflügelstücke werden in die Ei-Masse eingerührt, bevor beides in Schichten (Geflügel unten, Masse oben) in den tegamo kommt.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-017-orig" n="agresto" resp="#fyndling">Verjus, der Saft unreifer Trauben, als mildes Säuerungsmittel.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-017-orig" n="pro Italicis" resp="#fyndling">‚für die Italiener‘ - eine der Nationen-Zuschreibungen, mit denen Bockenheim seine Rezepte ordnet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#boc-017-orig" n="pastam" resp="#fyndling">Eine dicke, gewürzte Ei-Masse, die als Schicht über das Geflügel gegeben wird - keine Teigkruste, da der Text keinerlei Mehl nennt. Sie bindet und würzt das Gericht und stockt beim Garen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#boc-017-orig" n="Schluss ohne eigene Koch-/Hitzeangabe" resp="#fyndling">Der Text endet nach dem Schichten (Geflügel unten, Ei-Masse oben) ohne eigenes Verb für einen weiteren Gar-/Hitzeschritt. Als Praxisempfehlung wird die Masse kurz bei sanfter Hitze stocken gelassen, bis das rohe Ei durchgegart ist (Lebensmittelsicherheit).</note>
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