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        <title>Kleine Vögel für Sachsen und Dänen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-21">2026-06-21</date>
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          <title>Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum</title>
          <date when="1433">1433</date>
          <idno type="URI">https://jlupub.ub.uni-giessen.de/handle/jlupub/58</idno>
          <note>Transkription: Robert Maier (Hg.), Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375)</note>
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        <language ident="la-med">Mittellatein (frühes 15. Jh.)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="boc-020">
        <head>Kleine Vögel für Sachsen und Dänen</head>
        <div type="original" xml:id="boc-020-orig" xml:lang="la-med" corresp="#boc-020-trans">
          <p>Ad parandum aues paruas pro saxonibus et Dachis

Recipe Sturnos et omnes alias paruas auiculas, et fac illas bene bulire
post hoc diuide eas in quatuor partes, Et recipe capita et iecora eorum
et pista illa cum Iunipero et agresto, et mitte eas rostire in pinguedine
et mitte illas partes intus. Et mitte superius illam coperturam, et erit
bonum pro saxonibus et Dachis</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="boc-020-trans" xml:lang="de" corresp="#boc-020-orig">
          <p>Nimm Stare und alle anderen kleinen Vögel. Koche sie gut gar. Teile sie danach in vier Teile. Nimm ihre Köpfe und Lebern und zerstoße sie im Mörser mit Wacholderbeeren und Verjus. Röste diese zerstoßenen Teile in Fett und gib die anderen Vogelteile hinzu. Gib die so entstandene Sauce darüber. Dies wird gut sein für Sachsen und Dänen.</p>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Sturnos et omnes alias paruas auiculas">Kleine Vögel</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Iunipero">Wacholderbeeren</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="agresto">Verjus</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="pinguedine">Fett</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#boc-020-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kleine Vögel, gekocht, geviertelt und in einer kräftigen Innereien-Sauce aus ihren eigenen Köpfen und Lebern angerichtet - gewürzt mit Wacholder und der Säure des Verjus. Das Prinzip, Geflügel in einer aus seinen eigenen Innereien gebundenen Sauce zu servieren, hat enge Verwandte: Ménagiers gravé von Vögelchen (Zwilling men-074) und die kleinen Vögel am Spieß mit Wacholder aus dem Mondseer Korpus (m5919-009). Der ursprüngliche Vogel - der Star (Sturnus) - ist heute geschützt; das Gericht wird mit Wachteln oder kleinen Geflügelteilen nachgekocht.

Iunipero (Wacholder) und agresto (Verjus, der Saft unreifer Trauben) geben der Innereien-Sauce ihre charakteristische harzig-herbe Säure - dieselbe Würzlogik, die heute noch Wildgeflügel begleitet.

Die coperturam - wörtlich 'Decke' - ist hier die deckende Sauce, nicht ein Topfdeckel: die geröstete Innereien-Masse wird über die Vogelteile gegeben.

Praxis. Wachteln (oder kleine Hähnchenteile) im Topf gar kochen, herausnehmen und vierteln. Die mitgekochten Lebern (Wachtel- oder Hühnerleber) mit ein paar zerdrückten Wacholderbeeren und einem Schuss Verjus im Mörser zur Paste reiben. Diese Paste in etwas Schmalz anrösten, die Vogelteile zurückgeben, kurz durchschwenken und mit der Sauce überzogen servieren. Ersatz für Verjus: Apfelessig oder Zitronensaft, sparsam dosiert.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-020-orig" n="Sturnos" resp="#fyndling">Stare, kleine Singvögel. Heute in Deutschland geschützt.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-020-orig" n="Dachis" resp="#fyndling">Dänen. Im Originaltext „Dachis“ (Dacis) für Dänen. Handschrift S (Lugano, ~1435) weicht hier ab: statt „pro saxonibus et Dachis“ liest sie „pro Frisionibus et Sclavis“ (für Friesen und Slawen), ein Überlieferungsunterschied zwischen den beiden Haupthandschriften N (BnF Ms. Latin 7054) und S, der die soziale Zuordnung des Rezepts inhaltlich verändert.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-020-orig" n="Iunipero" resp="#fyndling">Wacholderbeeren.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-020-orig" n="agresto" resp="#fyndling">Verjus, der Saft unreifer Trauben, als Säuerungsmittel.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-020-orig" n="pinguedine" resp="#fyndling">Fett, hier wohl tierisches Fett wie Schmalz.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-020-orig" n="coperturam" resp="#fyndling">Wörtlich ‚Decke‘ oder ‚Bedeckung‘, im Kochkontext oft eine Sauce oder eine dicke Auflage.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#boc-020-orig" n="coperturam" resp="#fyndling">Wir lesen coperturam (wörtlich 'Bedeckung, Decke') als die Sauce, die über die Vogelteile gegeben wird: die im Mörser zerstoßene Masse aus Köpfen, Lebern, Wacholder und Verjus, in Fett geröstet. Superius illam coperturam - 'darüber diese Decke' - meint also das Übergießen mit dieser Sauce.</note>
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