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        <title>Aal auf Markgrafenart</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-23">2026-06-23</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/boc-074/</idno>
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          <title>Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum</title>
          <date when="1433">1433</date>
          <idno type="URI">https://jlupub.ub.uni-giessen.de/handle/jlupub/58</idno>
          <note>Transkription: Robert Maier (Hg.), Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375)</note>
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        <language ident="la-med">Mittellatein (frühes 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="boc-074">
        <head>Aal auf Markgrafenart</head>
        <div type="original" xml:id="boc-074-orig" xml:lang="la-med" corresp="#boc-074-trans">
          <p>Ad preparandum anguillas
pro Marchionibus.

Recipe Anguillam et scortiga eam, et fac bene bulire, et mitte
superius petrocillum, cum croco, et aliis spetiebus, sed si uis eam rostire
tunc diuide eam per multas partes, Et mitte illas partes in spidone
Et inter partes illas, mitte folia saluie, et humecta illas cum
rore marino pro Marchionibus.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="boc-074-trans" xml:lang="de" corresp="#boc-074-orig">
          <p>Nimm einen Aal und häute ihn. Koche ihn gut, und gib Petersilie, Safran und andere Gewürze darüber. Willst du ihn aber braten, so teile ihn in viele Stücke. Stecke diese Stücke auf einen Spieß und lege zwischen die Stücke Salbeiblätter. Befeuchte sie mit Rosmarin, für die Markgrafen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Anguillam">Aal</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="petrocillum">Petersilie</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="croco">Safran</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="aliis spetiebus">andere Gewürze</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="folia saluie">Salbeiblätter</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="rore marino">Rosmarin</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#boc-074-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Aal in zwei Zubereitungen - gesotten mit Petersilie und Safran, oder am Spieß gebraten mit Salbei und Rosmarin. Das "auf zweierlei Art"-Schema teilt es mit Martinos Schleie auf drei Arten (mar-229); die würzige Variante steht neben dem Aal in Brotsauce (wes-052) und der Aal-Hecht-Brühe (foc-106).

Häuten und Sieden. Scortiga eam - der Aal wird gehäutet (die dicke, schleimige Aalhaut zieht man nach einem Rundschnitt hinter dem Kopf ab). Gesotten kommt petrocillum, croco et aliis spetiebus darüber: Petersilie für das Grün, Safran für Farbe und Status, dazu eine Gewürzmischung.

Spießbraten mit Kräutern dazwischen. Diuide eam per multas partes - für die Bratvariante wird der Aal in viele Stücke geteilt und auf den Spieß (spidone) gesteckt, mit Salbeiblättern zwischen den Stücken. Die Kräuter würzen so von innen mit und schützen die Schnittflächen. Humecta illas cum rore marino ("befeuchte sie mit Rosmarin"): Während des Bratens wird mit Rosmarin nachgesetzt - am praktischsten als Rosmarinzweig-Pinsel, mit dem man Öl oder einen Rosmarinaufguss aufstreicht, damit der fette Aal nicht austrocknet und ein Harzaroma annimmt. Rore marino heißt wörtlich "Meerestau" und ist die lateinische Bezeichnung für Rosmarin.

Praxis. Zuchtaal (Aal ist wild geschützt) oder ersatzweise Wels oder Lachsforelle verwenden. Variante 1: häuten, in gut gewürzter Brühe sieden, mit Petersilie und einer Safran-Gewürzmischung anrichten. Variante 2: in fingerbreite Stücke schneiden, abwechselnd mit Salbeiblättern auf einen Spieß stecken, über Glut braten und dabei mit einem Rosmarinzweig ölen. Für die Markgrafen (pro Marchionibus) - die Standes-Adresse markiert es als gehobenes Gericht.</note>
        <note type="gloss" target="#boc-074-orig" n="scortiga eam" resp="#fyndling">häute ihn - die dicke Aalhaut nach Rundschnitt hinter dem Kopf abziehen</note>
        <note type="gloss" target="#boc-074-orig" n="spidone" resp="#fyndling">Spieß (Bratspieß)</note>
        <note type="gloss" target="#boc-074-orig" n="inter partes mitte folia saluie" resp="#fyndling">Salbeiblätter zwischen die Aalstücke stecken - würzen von innen und schützen die Schnittflächen</note>
        <note type="gloss" target="#boc-074-orig" n="humecta illas cum rore marino" resp="#fyndling">"befeuchte sie mit Rosmarin" - beim Braten nachsetzen, am praktischsten mit einem Rosmarinzweig Öl/Aufguss aufstreichen</note>
        <note type="gloss" target="#boc-074-orig" n="rore marino" resp="#fyndling">Rosmarin (wörtlich "Meerestau")</note>
        <note type="gloss" target="#boc-074-orig" n="pro Marchionibus" resp="#fyndling">"für die Markgrafen" - markiert das Gericht als gehoben</note>
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