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      <titleStmt>
        <title>Reichenauer Kochbuch (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1))</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/quellen/corema_ka1/</idno>
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        <bibl>
          <title>Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)</title>
          <date when="1450">1450</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.ka1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz (CC BY 4.0)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
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      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
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      <div type="recipe" xml:id="ka1-001">
        <head>Pastete mit Taube oder Huhn</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-001-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-001-trans">
          <p>wiltu ain bastet machen so nem ain herten ge wallen taig vnd mach dar vß ainen scherben vnd hack ain jung tuben oder ain iunges huon vnd guoten speck vnd hack die tuben oder daz huon ze klainen stucken row vnd schnid den speck wirflot vnd legg es denn in den scher= ben vnd bewurtz es wol vnd leg ain ander blatt von guotten aiygern dar vber vnd bach es in ainem ofen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-001-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-001-orig">
          <p>Willst du eine Pastete machen, so nimm einen festen, aufgewallten Teig und forme daraus eine Teighülle, den sogenannten Scherben.</p>
          <p>Hacke eine junge Taube oder ein junges Huhn zusammen mit gutem Speck. Schneide das Fleisch der Taube oder des Huhns roh in kleine Stücke und den Speck würfelig.</p>
          <p>Lege beides in die Teighülle und würze es gut durch. Lege einen weiteren dünnen, gebackenen Eierpfannkuchen aus guten Eiern als Deckel darüber und backe die Pastete im Ofen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain herten ge wallen taig">Teig, fest und aufgewallt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain jung tuben oder ain iunges huon">Taube oder Huhn, jung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guoten speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewurtz es wol">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guotten aiygern">Eier, für den Eierpfannkuchen-Deckel</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-002">
        <head>Pastete mit wechselnder Füllung</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-002-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-002-trans">
          <p>bastet Ouch machet man ain bastet von ayger kaeß vnd andern dingen trucken oder naß ouch werden sy guot von figan vnd mit winber ouch machet man sy mitt guoten bieren wnd gewurtz ouch waerent morouch dar jnn guot vnd aller lay gewurtz dar an ist guot etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-002-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-002-orig">
          <p>Auch macht man eine Pastete aus Eiern, Käse und anderen Dingen. Die Füllung kann trocken oder feucht sein.</p>
          <p>Mit Feigen und Weinbeeren: Auch werden Pasteten gut, wenn man Feigen und Weinbeeren (Rosinen) hineingibt.</p>
          <p>Mit Birnen: Ebenso macht man sie mit guten Birnen und Gewürz.</p>
          <p>Mit Morcheln: Auch wären Morcheln darin gut, und überhaupt ist allerlei Gewürz dazu gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayger">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kaeß">Käse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="andern dingen">weitere Zutaten (unbestimmt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="figan">Feigen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="winber">Weinbeeren (Rosinen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bieren">Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurtz">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="morouch">Morcheln</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-003">
        <head>Bodensee-Fischpastete</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-003-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-003-trans">
          <p>bastet Ouch machtu machen ain bastet von fischen nim alle schlygen ferchenen grouß trischen oder mach stuben selan ganckfisch felchen jung hechten oder brachs= man dar in vnd tuo ain wenig guoter brueg dar jn vnd win vnd schmalcz vnd gewurtz dar yn Es sind ouch aller lay fogel klain vnd groß gens vnd enta guot dar in ouch machet man kalb flaisch speck vnd peterlin wol gehacket dar in etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-003-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-003-orig">
          <p>Auch kannst du eine Pastete von Fischen machen. Nimm alle Schleien, Forellen, große Trischen (Trüschen, also Quappen) oder nimm stattdessen Stuben, Selan, Gangfische, Felchen, junge Hechte oder Brachsen dafür. Gib ein wenig gute Brühe dazu, dazu Wein, Schmalz und Gewürz.</p>
          <p>Es eignen sich auch allerlei Vögel, klein und groß, Gänse und Enten gut dafür.</p>
          <p>Auch macht man es mit Kalbfleisch, Speck und gut gehackter Petersilie darin.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schlygen">Schleien</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ferchenen">Forellen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="grouß trischen">große Trischen (Trüschen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stuben">Stuben (unsicherer Fischname)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="selan">Selan (unsicherer Fischname)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ganckfisch">Gangfisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="felchen">Felchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="jung hechten">junge Hechte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="brachs man">Brachsen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="brueg">Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurtz">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aller lay fogel klain vnd groß">Vögel, klein und groß (optionale Variante)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gens">Gänse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="enta">Enten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kalb flaisch">Kalbfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="peterlin">Petersilie</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-004">
        <head>Gefüllte Pastete mit Taube oder Huhn</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-004-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-004-trans">
          <p>bastet Ain bastet nim ain herten wol gewallen taig von aigern oder suß vnd mach ainen hochen scherben daruß ainer hand hoch oder hoecher als dw wilt vnd hack ain iung tuben oder ain huon oder wiltu von flaisch oder mach es in der groessi als ainen hassen brauten vnd hack guoten speck dar in vnd bewurtz vnd faerbs also rowt vnd tuo es in den scherben vnd beschluss mit ainem aiger blatt wol oder suss mit ainem platt daz kain tanpf noch nutz dar von mug vnd bachs in ainem ofen du macht ouch wol ainer flaisch brug oder guot win ain tail dar in beschliessen oder schmaltz etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-004-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-004-orig">
          <p>Für eine Pastete: Nimm einen festen, gut aufgekochten Teig aus Eiern oder sonst auf andere Weise, und forme daraus eine hohe Teighülle, eine Handbreit hoch oder höher, ganz wie du magst.</p>
          <p>Hacke eine junge Taube oder ein Huhn, oder wenn du willst auch anderes Fleisch, und forme es in der Größe eines Hasenbratens. Hacke guten Speck mit hinein, würze alles und färbe es rot.</p>
          <p>Fülle das Gehackte in die Teighülle und verschließe sie gut mit einem dünnen Fladen aus Eierteig, oder sonst mit einem anderen Fladen, sodass weder Dampf noch sonst etwas entweichen kann. Backe die Pastete im Ofen.</p>
          <p>Du kannst vor dem Verschließen auch gut etwas gute Fleischbrühe oder guten Wein mit hineingeben, oder auch Schmalz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain herten wol gewallen taig von aigern oder suß">Teig aus Eiern, fest und aufgekocht</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain iung tuben">junge Taube</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain huon">Huhn</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wiltu von flaisch">Fleisch nach Wahl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guoten speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewurtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem aiger blatt">Ei-Fladen zum Verschließen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainer flaisch brug">Fleischbrühe (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guot win">Wein (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmaltz">Schmalz (optional)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-005">
        <head>Leberpfeffer</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-005-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-005-trans">
          <p>Ainen pfeffer Niem ain leber vnd braut die vnd schnid dar nach daz usser dar ab vnd schnid die leber zuo schniten vnd waz dar ab geschniten wirt daz stoss in ainem morser vnd tu ruggi brot vnd brueg vnd win vnd essich dar nach well es in ainer pfannen daz wirt ain leber pfeffer</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-005-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-005-orig">
          <p>Eine Leber nehmen und braten. Danach das Äußere davon abschneiden. Die Leber in Scheiben schneiden. Was beim Schneiden abfällt, im Mörser zerstoßen. Roggenbrot, Brühe, Wein und Essig dazugeben. Das Ganze in einer Pfanne aufwallen lassen - so wird daraus ein Leberpfeffer.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain leber">Leber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ruggi brot">Roggenbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="brueg">Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-006">
        <head>Schwarzer Pfeffer für Wildbret</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-006-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-006-trans">
          <p>pfeffer Ainen schwartzen pfeffer mach also niem gebrent ruggi brott vnd zuch es durch mit der brug vnd mit win vnd essich daz es gnuog sy vnd bewurtz Es vnd tuo speck dar in als vor ist geschriben vnd woelk daz wiltpraet wol dar in etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-006-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-006-orig">
          <p>Für einen Schwarzen Pfeffer: Nimm stark geröstetes Roggenbrot und ziehe es gründlich durch mit der Brühe, mit Wein und Essig, bis genug Sauce entsteht.</p>
          <p>Würze sie und gib Speck hinein, wie zuvor beschrieben. Wälze das Wildbret gut darin.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gebrent ruggi brott">Roggenbrot, stark geröstet</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="der brug">Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewurtz Es">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wiltpraet">Wildbret</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-007">
        <head>Rehleber-Mus mit Eierfladen</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-007-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-007-trans">
          <p>Rechleber Ain essen von ainer rechleber nem die leber vnd sud sy oder braut oder roesch sy dar nach hack sy oder stoss sy mit ainem ruggin brott vnd ainer guoter brug win vnd ain wenig essich darin vnd speck als vor geschriben ist vnd sud es vnd richt es in schisslan vnd gib ain gebachen aiger blatt dar vf etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-007-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-007-orig">
          <p>Von einer Rehleber: Nimm die Leber und siede sie, oder brate sie, oder röste sie knusprig. Danach hacke sie oder stoße sie mit einem Roggenbrot, einer guten Brühe und Wein sowie ein wenig Essig darin, dazu Speck, wie zuvor beschrieben.</p>
          <p>Lass alles zusammen aufkochen und richte es in Schüsseln an. Gib ein gebackenes Eierblatt, einen dünnen Eierfladen, obenauf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rechleber">Rehleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ruggin brott">Roggenbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guoter brug">Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain wenig essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck als vor geschriben ist">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gebachen aiger blatt">Eier</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-008">
        <head>Lebersauce für gebratenes Geflügel</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-008-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-008-trans">
          <p>Leber Nun nim ain schaefin oder ain kelbri leber vnd sud die vnd stoss sy gar klain mit als vil brotes vnd guss win oder essich oder beidi dar an vnd zuchs dar durch vnd bewurtz es vnd faerbs vnd es erwallen vnd die fogel gib dar in wiltu es aber fast suss haben So tuo guot sidel hung dar vnder nach dinem willen dar in machtu geben roeb= hoener vogel vnd zeme hoener gebrauten vnd ainen gebrossoten kopf ain gebrauten hierß leber oder ander ding</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-008-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-008-orig">
          <p>Nimm eine Schafsleber oder eine Kalbsleber und siede sie. Stoße die Leber danach ganz fein, zusammen mit ebenso viel Brot. Gieße Wein oder Essig oder beides darüber und ziehe die Masse hindurch.</p>
          <p>Würze sie und färbe sie und lass sie einmal aufwallen. Gib das Geflügel hinein.</p>
          <p>Willst du die Sauce sehr süß haben, so rühre nach eigenem Geschmack guten Honig darunter.</p>
          <p>In diese Sauce kannst du geben: Rebhühner, gebratenes zahmes Huhn, einen Presskopf, eine gebratene Hirschleber oder andere Dinge.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schaefin oder ain kelbri leber">Schafs- oder Kalbsleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="brotes">Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewurtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="faerbs">Färbemittel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die fogel">Geflügel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guot sidel hung">Honig (optional, für süßere Sauce)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="roeb hoener vogel">Rebhühner (optional, als Einlage)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zeme hoener gebrauten">gebratenes Haushuhn (optional, als Einlage)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainen gebrossoten kopf">Presskopf (optional, als Einlage)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain gebrauten hierß leber">gebratene Hirschleber (optional, als Einlage)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-009">
        <head>Schwarze Pfeffersauce für Fisch</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-009-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-009-trans">
          <p>schwartz pfeffer Auch mach an karpfen an brachsman an schligen vnd an felcken vnd an sollich ain schwartz pfeffer der dick ist als ain wilpraut Ouch mach ainen schwarczen pfeffer mit hong an gantz fisch groppen grundlen vnd an welcherlay visch du wilt suß ander pfeffer an visch von durch gezognen aerbisen von pfeffer brot von zwibelen von mel von pfeffer vnd durren pfeffer mach als din gewonhait ist etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-009-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-009-orig">
          <p>Mache auch für Karpfen, für Brachsen, für Schleie und für Felchen und für solcherlei Fisch einen schwarzen Pfeffer, der so dick ist wie ein Wildbret.</p>
          <p>Mache auch einen schwarzen Pfeffer mit Honig für ganze Fische, für Groppen, für Gründlinge und für welcherlei Fisch du sonst willst.</p>
          <p>So geht eine andere Pfeffersauce für Fisch: aus durchgezogenen (das heißt passierten) Erbsen, aus Pfefferbrot, aus Zwiebeln, aus Mehl, aus Pfeffer und aus getrocknetem Pfeffer. Mach es, wie es deine Gewohnheit ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schwartz pfeffer">Schwarzer Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hong">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="durch gezognen aerbisen">Erbsen, durchgezogen (passiert)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer brot">Pfefferbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zwibelen">Zwiebeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="durren pfeffer">Getrockneter Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="karpfen">Karpfen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="brachsman">Brachsen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schligen">Schleie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="felcken">Felchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="groppen">Groppen (Mühlkoppen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="grundlen">Gründlinge</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-010">
        <head>Krebspfeffer, Krebssud mit Wein und Essig</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-010-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-010-trans">
          <p>Pfeffer Ain pfeffer an kreps mach also niem kreps rowt vnd sud sy als vorgeschriben ist vnd zuch sy durch mit win oder mit essich vnd schell die gesoten creps die schaeren vnd die buch vnd die schwencz vnd sud die bain von dien buechen vnd tuo daz in die durch gezogen kreps vnd bewurtz es als du wilt vnd sud es als ain pfeffer etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-010-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-010-orig">
          <p>Ein Pfeffer mit Krebsen macht man so: Nimm die Krebse roh und siede sie, wie zuvor beschrieben. Ziehe sie mit Wein oder mit Essig durch.</p>
          <p>Schäle die gesottenen Krebse: löse die Scheren, die Leiber und die Schwänze aus der Schale. Sude die Beine von diesen Leibern noch einmal aus.</p>
          <p>Gib diesen Sud zu der durchgezogenen Krebsflüssigkeit. Würze alles, wie du magst, und lass es sieden wie einen Pfeffer.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kreps">Flusskrebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win oder essich">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewurtz es als du wilt">Gewürze nach Wahl</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-011">
        <head>Gefüllte Krebse vom Rost</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-011-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-011-trans">
          <p>gefult kreps Niem groß kreps vnd niem die schalen also gantz da von nem daz jnner dar vß vnd wirf daz boeß da= von vnd hack daz ander suber vf ainem subern bret vnd schlach gebachen aiger dar vnd hack es vnder ain ander vnd leg es vf ainen rost vnd brautz gar wol etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-011-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-011-orig">
          <p>Nimm große Krebse und löse die Schalen ganz ab, ohne sie zu zerbrechen. Nimm das Fleisch aus dem Inneren heraus und wirf das Schlechte davon fort.</p>
          <p>Hacke das übrige Krebsfleisch sauber auf einem sauberen Brett. Schlage gebackene Eier dazu und hacke alles zusammen, bis es gut vermengt ist.</p>
          <p>Lege die Masse (vermutlich zurück in die aufbewahrten Schalen) auf einen Rost und brate sie gut durch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="groß kreps">Krebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gebachen aiger">gebackene Eier</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-012">
        <head>Krebspfeffer (gewürzte Krebssauce)</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-012-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-012-trans">
          <p>Krepß pfeffer Niem kreps vnd sud die vnd schels daz die hels plos sud vnd die schal da von kom dar nach gruen kreps zuo den ougen uß vnd daz kaut davon kom stoß sy denn in ainem morser vnd strichs durch ain tuoch oder ain sib mit win oder mit essich vnd bewurtz vnd mach ain pfeffer an den schelten kreps etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-012-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-012-orig">
          <p>Nimm Flusskrebse und siede sie. Schäle sie danach so, dass nach dem Sieden die Hälse bloßliegen und sich die Schale ganz davon löst.</p>
          <p>Nimm nun rohe Krebse und ziehe ihnen bis zu den Augen den Darm heraus, damit das Ungenießbare daraus entfernt wird.</p>
          <p>Stoße diese rohen Krebse in einem Mörser fein und streiche die Masse durch ein Tuch oder ein Sieb, zusammen mit Wein oder mit Essig. Würze die Flüssigkeit und mache daraus einen Pfeffer, den du zu den geschälten Krebsen reichst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kreps">Flusskrebse, teils gekocht und geschält, teils roh</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win oder essich">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewurtz">Gewürze nach Art eines Pfeffers, z. B. Pfeffer, Ingwer, Muskat</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sud">Wasser zum Sieden</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-013">
        <head>Schwarzer Pfeffer mit Fladenwürfeln und Weißbrot</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-013-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-013-trans">
          <p>pfeffer Bach ain plat in ainer pfannen vnd schnid dar vß wirflot vnd mach ainen schwartzen pfeffer vß brot mel vnd visch brug vnd laß daz gebachen darjnn erwallen vnd roech ain wenig wis brot in oel oder in schmaltz wirflot vnd stroe dar vf etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-013-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-013-orig">
          <p>Zuerst einen Fladen (Eierkuchen) in einer Pfanne backen und in Würfel schneiden.</p>
          <p>Daraus einen schwarzen Pfeffer machen: Brot und Mehl mit Fischbrühe verrühren und die Fladenwürfel darin aufwallen lassen.</p>
          <p>Ein wenig Weißbrot würfeln, in Öl oder Schmalz rösten und darüberstreuen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain plat">Fladen (Eierkuchen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="brot">Brot (zur Bindung)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Mehl (zur Bindung)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch brug">Fischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wis brot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oel">Öl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-014">
        <head>Hasen-Innereien in Blutsauce</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-014-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-014-trans">
          <p>furhess Zuo ainem furhess niem ain lungun vnd die lebren vnd vnd wust von dem hasen vnd zerschnid daz wirflot vnd fanch den schwaiss vnd sud es da mit vnd tuo ain wenig win oder essich vnd hong vnd speck dar zuo So haustu ain guot furhesß etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-014-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-014-orig">
          <p>Für ein Fürhess nimm die Lunge, die Leber und die übrigen Innereien vom Hasen. Schneide alles würfelig klein. Fange das Blut des Tiers auf und siede die Innereien darin mit. Gib ein wenig Wein oder Essig dazu, außerdem Honig und Speck. So hast du ein gutes Fürhess.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain lungun">Lunge vom Hasen</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die lebren">Leber vom Hasen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wust">weitere Innereien vom Hasen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den schwaiss">Blut vom Hasen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win oder essich">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hong">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-015">
        <head>Fürhess: Hasenragout in Blutsauce</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-015-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-015-trans">
          <p>Fur hess Ain furhess niem die lungen vnd die leber vnd fanch denn schwaiß von ainem hasen vnd hack es klain vnd sud es mit dem schwais vnd mit dem wilt praet mit win vnd mit essich vnd mit guoter brug vnd hack speck ouch gar klain dar in vnd lauss en uß gen der pfannen zuch in denn durch ain tuoch mit gebrantem rugin brot vnd bewurtz vnd erwell es etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-015-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-015-orig">
          <p>Ein Fürhess: Nimm die Lunge und die Leber, und fange das Blut von einem Hasen auf. Hacke beides klein und siede es zusammen mit dem Blut und dem Wildbret, also dem Hasenfleisch, mit Wein, Essig und guter Brühe.</p>
          <p>Hacke auch Speck ganz klein dazu. Lass es in der Pfanne einkochen. Streiche es dann durch ein Tuch, zusammen mit geröstetem Roggenbrot. Würze es und lass es noch einmal aufwallen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die lungen">Lunge vom Hasen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die leber">Leber vom Hasen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den schwaiß von ainem hasen">Blut vom Hasen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dem wilt praet">Hasenfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guoter brug">Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gebrantem rugin brot">Roggenbrot, geröstet</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewurtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-016">
        <head>Essig-Apfelsauce zum Kopfgericht</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-016-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-016-trans">
          <p>Galram Ouch machtu nemen ain durch geschlagen pfeffer brot vnd daz faerben vnd bewurtzen vnd vil essich dar an vnd oepfel klain geschniten vnd gehacket dar an vnd vnd daz ain wenig erwallen dar an vnd guß daz vf den kopf vnd gibs da mit etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-016-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-016-orig">
          <p>Auch kannst du ein durchgeschlagenes Pfefferbrot nehmen. Färbe es und würze es, gib reichlich Essig dazu und dazu klein geschnittene, gehackte Äpfel. Lass das Ganze kurz aufwallen. Gieß die Sauce über den Kopf und gib es so dazu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="durch geschlagen pfeffer brot">Pfefferbrot, durchgeschlagen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vil essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oepfel klain geschniten vnd gehacket">Äpfel, klein geschnitten und gehackt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewurtzen">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kopf">Kopf, gekocht</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-017">
        <head>Kalte Hirschleber-Galantine</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-017-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-017-trans">
          <p>Niem ain hierß leber vnd braut die dar nach schnid daz ? vsser dar ab vnd stoß es in ainem morser mit rugin brot vnd honig vnd win vnd trib es durch ain tuoch vnd bewuertz vnd erwell die lebran dar nach gib daz kalt zuo essen daz ist ain leber galrain etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-017-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-017-orig">
          <p>Nimm eine Hirschleber und brate sie. Danach schneide das Äußere ab (im Original steht davor noch ein unleserliches Wort, dessen genaue Bedeutung offenbleibt).</p>
          <p>Stoße das Fleisch im Mörser, zusammen mit Roggenbrot, Honig und Wein. Treibe die Masse durch ein Tuch und würze sie.</p>
          <p>Lass die Lebermasse danach noch einmal aufwallen. Gib sie kalt zum Essen: Das ist eine Leber-Galantine.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="hierß leber">Hirschleber</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rugin brot">Roggenbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewuertz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-018">
        <head>Krammetsvögel in Leber-Brot-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-018-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-018-trans">
          <p>kranat fogel Nem kranat fog die suber berait sind vnd so du sy gewai= dest so stoß denn magen also gantz wider in vnd erwel in in ainer guotter flaisch brug dar nach roesch in in aim schmalcz vnd nem aines kalbs oder aines schafes leber vnd stosß in ainem morser vnd als vil brautes dar zuo vnd guß ain wenig win dar an oder essich vnd schlachs durch ain tuoch vnd bewurtz vnd faerbs wol vnd er wel daz in ainer pfannen vnd gib die krannat fogel dar in etc. etc. </p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-018-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-018-orig">
          <p>Nimm Krammetsvögel, die sauber vorbereitet sind. Wenn du sie ausweidest, stoße den Magen ganz wieder in den Vogel hinein. Siede sie in einer guten Fleischbrühe auf, danach brate sie in Schmalz knusprig an.</p>
          <p>Nimm die Leber eines Kalbes oder eines Schafes und zerstoße sie im Mörser, gib ebenso viel Brot dazu. Gieße einen Schluck Wein oder Essig daran und schlage alles durch ein Tuch. Würze und färbe die Sauce gut, dann lass sie in einer Pfanne aufsieden. Gib die Krammetsvögel in die Sauce.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kranat fogel">Krammetsvögel (Wacholderdrosseln)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guotter flaisch brug">Fleischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aines kalbs ... leber">Kalbsleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="als vil brautes">Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewurtz">Gewürze nach Wahl</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-019">
        <head>Wein-Essig-Sauce mit Lebkuchen (Galrat)</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-019-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-019-trans">
          <p>galrain Zuo ainem galrain niem win vnd essich vnd hong vnd lebzelten vnd stoss es vnder ain ander vnd sich es durch ain tuoch vnd sud es vnd guß es denn etwer in vnd lauß es kalt werden so wirt es guot etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-019-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-019-orig">
          <p>Für ein Galrat nimm Wein, Essig, Honig und Lebkuchen (Lebzelten). Stoße alles miteinander.</p>
          <p>Seihe die Masse durch ein Tuch. Lass sie einmal aufsieden.</p>
          <p>Gieße die Sauce dann in ein Gefäß und lass sie kalt werden. So wird sie gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hong">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lebzelten">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-020">
        <head>Kalte Essig-Wein-Honig-Pfeffersauce (Galray)</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-020-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-020-trans">
          <p>galrain Ain galrain nem essich win hong vnd pfeffer brot vnd stoß vnnder ain ander vnd zuech es durch vnd mach es dunn vnd bewurtz es vnd erwels vnd gib es kalt weder du wilt mit fisch flaisch oder wiltpraet ge sotes oder gebrautes</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-020-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-020-orig">
          <p>Für ein Galray nimm Essig, Wein, Honig, Pfeffer und Brot. Stoße alles miteinander klein und zieh die Masse durch. Mach sie dünnflüssig, würze nach Geschmack und lass sie einmal aufwallen.</p>
          <p>Gib die Sauce kalt, wann immer du willst, zu Fisch, Fleisch oder Wildbret, egal ob gesotten oder gebraten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hong">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="brot">Brot</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-021">
        <head>Fisch-Galrain mit Honig-Pfeffer-Brot</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-021-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-021-trans">
          <p>galrain Ouch mach ain galrain von win essich vnd von fischen brugen gewurtzet vnd gefaerbet mit hong vnd mit pfeffer brot vnd blouß erwelt vnd gib kalt neben fischen gesotten gesoten oder gebrauten als ain saeltz etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-021-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-021-orig">
          <p>Mache ein Galrain aus Wein, Essig und Fischbrühe. Würze und färbe es mit Honig und Pfefferbrot, und lass es nur einmal aufkochen. Serviere es kalt neben gekochten oder gebratenen Fischen als eine Sauce.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fischen brugen">Fischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hong">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer brot">Pfefferbrot</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-022">
        <head>Hirschleber-Gallerte</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-022-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-022-trans">
          <p>Galrait Ain galrait an ain hiersleber braut hiersleber gar wol vnd schnid daz vsser dar ab vnd stoss daz wol mit ruggim brott vnd hong vnd essich vnd zuch es durch vnd bewurtz vnd er well es so wirt es schwartz vnd gib es kalt zuo der leber du solt ouch die leber dar an erwellen etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-022-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-022-orig">
          <p>Brate die Hirschleber sehr gut. Schneide die äußere Haut davon ab. Stoße die Leber dann gut mit Roggenbrot, Honig und Essig. Ziehe die Masse durch ein Tuch. Würze sie und lasse sie aufkochen. So wird sie schwarz. Gib sie kalt zur Leber. Koche auch die Leber in dieser Gallerte auf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hiersleber">Hirschleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ruggim brott">Roggenbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hong">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewurtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-023">
        <head>Knoblauch-Gallerte zu einer Gans</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-023-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-023-trans">
          <p>Galrait an ain ganß Ain knobloch galrait an ain ganß nem ain ganß die jung sy die wol vnd schon berait sy dar nach niem knobloch vnd wißbrot glich vil vnd stosß daz wol vnd denn win essich dar an vnd hong vnd zuch es vor hin durch du macht es ouch bewurtzen ob du wil es ist nit gewonlich etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-023-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-023-orig">
          <p>Nimm eine junge Gans, die gut und schön zubereitet ist.</p>
          <p>Danach nimm Knoblauch und Weißbrot in gleichen Mengen und stoße dies gut. Gib dann Weinessig und Honig hinzu und ziehe es vorher durch.</p>
          <p>Du kannst es auch würzen, wenn du möchtest, es ist aber nicht gewöhnlich.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain ganß die jung sy die wol vnd schon berait sy">Gans (jung)</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="knobloch">Knoblauch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wißbrot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win essich">Weinessig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hong">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewurtzen">Gewürze (optional)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-024">
        <head>Bären- oder Schweinskopf auf dem Rost</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-024-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-024-trans">
          <p>berenkopf Ain beren kopf oder ains schwins kopf berait suber vnd tail in enzwai vnd sud in gar wol vnd schnid die hut wirflot also daz es an ain ander blib vff dem bain vnd leg in vf ainen rost vnd guß haiß schmaltz dar vf vnd besaeg es mit gwurtz in den wunden vnd gib es trucken etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-024-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-024-orig">
          <p>Bereite einen Bärenkopf oder einen Schweinskopf sauber vor und teile ihn entzwei. Siede ihn gar wohl und schneide die Haut würfelförmig ein, sodass sie am Knochen zusammenbleibt.</p>
          <p>Lege den Kopf auf einen Rost und gieße heißes Schmalz darüber. Bestreue ihn mit Gewürz in den Einschnitten und serviere ihn trocken.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ain beren kopf oder ains schwins kopf">Bärenkopf oder Schweinskopf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="haiß schmaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gwurtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-025">
        <head>Bärenkopf mit Pfeffersauce</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-025-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-025-trans">
          <p>berenkopf Nem ainen beren kopf vnd beseng den gar wol vnd schlach in von enander vnd sud in gar wol vnd leg in vf ainen rost vnd braut in gar wol vnd bestrow in mit gewurtz vnd wenn du in geben welist so gib ain schwartzen pfeffer dar zuo etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-025-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-025-orig">
          <p>Nimm einen Bärenkopf und senge ihn sehr gut ab. Zerlege ihn und siede ihn sehr gut. Lege ihn auf einen Rost und brate ihn sehr gut. Bestreue ihn mit Gewürz. Und wenn du ihn servieren willst, so gib eine schwarze Pfeffersauce dazu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="berenkopf">Bärenkopf</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurtz">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain schwartzen pfeffer">Schwarze Pfeffersauce</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-026">
        <head>Bärenpfoten mit gelber Pfeffersauce</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-026-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-026-trans">
          <p>ber Dar nach aber von dem beren schnid hend fuss sud sy gar wol nach der lengi sol es geschniten sin nach den zechen vnd gib ainen gelen pfeffer dar zuo etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-026-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-026-orig">
          <p>Danach abermals vom Bären: Schneide die Pfoten ab. Siede sie sehr gut der Länge nach. Es soll entlang den Zehen geschnitten werden, und gib eine gelbe Pfeffersauce dazu etc.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="beren schnid hend fuss">Bärenpfoten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gelen pfeffer">Gelbe Pfeffersauce</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-027">
        <head>Gefüllter Kalbsdarm vom Rost</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-027-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-027-trans">
          <p>brauten Nem den arsdarm von dem von dem kalb vnd mach den gar suber vnd hack die lungen vnd speck vnder ain ander vnd fass in den darm vnd bewuertz vnd sud es vnd leg in den rost vnd braut in also etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-027-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-027-orig">
          <p>Nimm den Enddarm vom Kalb und mache ihn ganz sauber. Hacke die Lunge und den Speck untereinander und fülle diese Mischung in den Darm. Würze die Füllung und siede den gefüllten Darm. Lege ihn anschließend auf den Rost und brate ihn so.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="arsdarm von dem kalb">Kalbsenddarm</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lungen">Kalbslunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewuertz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied for boiling)">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-028">
        <head>Gebratenes Spanferkel mit Innereienfüllung</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-028-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-028-trans">
          <p>spanfaerchlin prauten Ain iungs spanfaerchlin full also nem ayer vnd schlach die in ain schmalcz vnd rur sy wol fast dar nach nem die lungen vnd daz leberlin vnd die nieren oder allain die lungen vnd hack es gar wol vnder ain ander vnd bewurtz vnd faerbs vnd erstreckes daz faerchlin gar wol in ainem kessel vnd stoß es an ain langen spis vnd salb daz faerchlin vßwendig staettenklich daz in die hut nit verbrin noch ze hert werdin Ouch machtu es fullen wa mit du wilt alz ain ganß etc. vnd zuch im ain brauten zwierest nach der lengi durch den mund vnd trag es also zetisch etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-028-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-028-orig">
          <p>Nimm ein junges Spanferkel und fülle es wie folgt: Schlage Eier in Schmalz und rühre sie gut fest. Danach nimm die Lunge, das Leberlein und die Nieren - oder allein die Lunge - und hacke alles sehr gut untereinander. Würze und färbe diese Füllung. Lege das Ferkel gut in einen Kessel und stecke es dann auf einen langen Spieß. Salbe das Ferkel außen beständig, damit die Haut nicht verbrennt noch zu hart wird.</p>
          <p>Auch kannst du es füllen, womit du willst, wie eine Gans. Ziehe ihm eine gebratene Wurst der Länge nach durch den Mund und trage es so zu Tisch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="iungs spanfaerchlin">Junges Spanferkel</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lungen">Lunge vom Spanferkel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leberlin">Leber vom Spanferkel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nieren">Nieren vom Spanferkel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewurtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="faerbs">Färbemittel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="brauten zwierest">Gebratene Wurst (als Dekoration)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-029">
        <head>Knoblauch-Galrain zur gebratenen Gans</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-029-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-029-trans">
          <p>Brauten ganß galrain Nem ain iung ganß so sy wol sy berayt vnd braut die gar schon vnd nem knoblouch vnd als vil wisses brot vnd stosß daz in ainem morser vnd guss win vnd essich dar an vnd zuch es durch ain tuach dar nach guss hong dar vnd erwell es vnd be wurtz es so haustu ain guot galrain an ain ganß etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-029-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-029-orig">
          <p>Nimm eine junge Gans, wenn sie gut vorbereitet ist, und brate sie sehr gründlich. Nimm Knoblauch und ebenso viel Weißbrot. Stoße beides in einem Mörser. Gieße Wein und Essig dazu und ziehe die Mischung durch ein Tuch. Danach gieße Honig hinzu und koche es auf. Würze es. So hast du eine gute Gallerte zu einer Gans.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain iung ganß">Junge Gans</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="knoblouch">Knoblauch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wisses brot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hong">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bewurtz es (implied)">Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Nelken)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-030">
        <head>Gefüllte Gans mit Varianten</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-030-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-030-trans">
          <p>gefult ganß Nem aber ain ganß als vor oder du elter sy vnd begriff die zwuschen hut vnd flaisch als ain huon vnd nem knobloch vnd speck vnd pfeffer vnd stosß in ainem morser vnd full es vnd braut es gar wol etc. Ain fullin zuo ainer ganß begriff ain ganß vnd full sy mit knoblouch gestossen speck vnd pfeffer ouch mach ain fullin von wekalteren ber vnd vnd aiger vnd ain wenig brot vnd gewuertz ouch nem speck dar zuo vnd grien bieren vnd weckalter ber vnd peterlin gehachet oder full sy mit zulbellen peterlin vnd speck oder mach ain fullin wa von du wilt etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-030-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-030-orig">
          <p>Nimm eine Gans wie zuvor beschrieben, oder eine ältere, und löse mit der Hand zwischen Haut und Fleisch, wie bei einem Huhn.</p>
          <p>Nimm Knoblauch, Speck und Pfeffer, stoße es in einem Mörser, fülle es in die Gans und brate sie sehr gut durch. Dies ist eine Füllung für eine Gans: Nimm eine Gans und fülle sie mit gestoßenem Knoblauch, Speck und Pfeffer.</p>
          <p>Du kannst auch eine Füllung aus Wacholderbeeren, Eiern, etwas Brot und Gewürzen zubereiten. Füge auch Speck hinzu, sowie grüne Birnen, Wacholderbeeren und gehackte Petersilie.</p>
          <p>Alternativ fülle sie mit Zwiebeln, Petersilie und Speck. Oder mache eine Füllung, wovon du willst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ganß">Gans</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="knobloch">Knoblauch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wekalteren ber">Wacholderbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aiger">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="brot">Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewuertz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="grien bieren">Grüne Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="peterlin gehachet">Petersilie, gehackt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zulbellen">Zwiebeln</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-001-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Geflügel-Speck-Pastete in einer freihändig geformten, selbsttragenden Teighülle (dem sogenannten Scherben) - eine frühe Vorform der heutigen Pâté en croûte und des englischen raised pie (etwa Pork Pie), die bis heute nach demselben Prinzip arbeiten: ein fester, formstabiler Teig wird ohne Backform freihändig zur Hülle geformt, gefüllt, mit einem Deckel verschlossen und gebacken.

Der Bodenteig wird nach dem Wortlaut dieser Handschrift kurz aufgekocht (gewallt) und dadurch formstabil, bevor er freihändig zum Scherben geformt wird. Die Schwester-Handschrift Cgm 384 schreibt an derselben Stelle stattdessen 'ausgerollt' (gewelt) - beide Lesarten sind für sich eigenständig belegt, hier wird die im Text stehende, aufgekochte Variante beibehalten.

Als Deckel kommt kein zweites Stück vom Bodenteig, sondern ein separat gebackener, dünner Eierpfannkuchen aus guten Eiern darauf - so belegt es die fast wortgleiche Parallelstelle in den Schwester-Rezepten des Cgm 384.

Praxis. Rohe Kleinstücke von Taube oder Huhn zusammen mit gewürfeltem Speck füllen den Scherben vor dem Backen; der Speck hält das eher magere Fleisch des Jungtiers saftig. Im Ofen braucht die Pastete etwa anderthalb bis zwei Stunden, bis Fleisch und Teig durchgegart sind. Für die Lagerküche lässt sich die Teighülle auch freihändig im Dutch Oven auf Glut formen und backen - kein Backofen oder Kühlung nötig, frisches Marktgeflügel und Speck sind unproblematisch.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-001-orig" n="bastet" resp="#fyndling">Pastete, hier eine mit Fleisch gefüllte, im Ofen gebackene Teighülle - Vorform der heutigen Pastete.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-001-orig" n="scherben" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#scherben">Die freihändig aus festem Teig geformte, selbsttragende Hülle der Pastete, ohne Backform. Trotz der lautlichen Nähe zu 'Scherbe' (Tongefäß) bezeichnet 'Scherben' hier ausschließlich die Teighülle selbst, nicht ein Tongefäß - so auch Ehlerts Glossar zur fast wortgleichen Parallelstelle in Cgm 384.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-001-orig" n="wirflot" resp="#fyndling">Würfelig - der Speck wird in kleine Würfel geschnitten.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-001-orig" n="ge wallen taig" resp="#fyndling">Ein fester, zuvor kurz aufgekochter (gewallter) Teig - ein Vorläufer des heute so genannten Hot-Water-Crust, der sich formstabil verarbeiten lässt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-001-orig" n="blatt von guotten aiygern" resp="#fyndling">Ein separat gebackener, dünner Eierpfannkuchen aus guten Eiern, der als Deckel auf die Füllung gelegt wird - corpus-weit so belegt für die fast wortgleiche Formulierung in den Schwester-Rezepten des Cgm 384 (Ehlert1999-Glossar), nicht ein zweites Stück vom groben Bodenteig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-001-orig" n="guotten aiygern / guoten ayern" resp="#fyndling">Ein zweiter, dünner, separat gebackener Eierpfannkuchen (aus guten Eiern), der als Deckel auf die Füllung gelegt wird - kein Teigblatt vom groben Bodenteig. Corpus-weit belegt für die fast wortgleiche Formulierung 'blat von (guoten) ayern' in den Schwester-Rezepten des Cgm 384 (Ehlert1999-Glossar).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-001-orig" n="ge wallen taig" resp="#fyndling">Ein fester, kurz aufgekochter (gewallter) Teig - ein eigenständig belegtes mittelhochdeutsches Lemma (wallen = sieden, aufkochen), formstabile Vorstufe des heutigen Hot-Water-Crust.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-002-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine offene Pasteten-Formel mit Ei-Käse-Grundmasse, die je nach Wunsch süß (mit Feigen, Rosinen oder Birnen) oder herzhaft (mit Morcheln) gefüllt wird - ein entfernter Vorfahr der heutigen Quiche, besonders weil der Text die Füllung ausdrücklich als austauschbares Baukasten-Prinzip beschreibt. Die Schwester-Handschrift Cgm 384 überliefert in m384-018 fast denselben Rezepttext.

Möhren oder Morcheln? Bei der vierten Füllung bleibt „morouch" nicht restlos gesichert. Die beste verfügbare Konkordanz-Evidenz - das Schwester-Rezept in Cgm 384 (Ehlert-gestützt) sowie ein weiteres Rezept aus derselben Handschriftenfamilie mit demselben Wortstamm für Pilze - spricht für getrocknete Morcheln vom Vorjahr statt für Möhren. Praktisch macht das einen Unterschied: getrocknete Morcheln müssen vor der Verwendung eingeweicht werden, geschälte Möhren nicht.

Praxis. Eier mit geriebenem Käse verrühren - für eine festere Füllung mehr Käse und weniger Ei, für eine saftigere umgekehrt. Danach nach Wunsch mit eingeweichten Feigen und Rosinen süßen, mit gewürfelten Birnen und Gewürz füllen, oder mit eingeweichten, getrockneten Morcheln und Gewürz herzhaft machen. Die Masse in eine Teighülle füllen und backen - der Text selbst nennt keine Kruste und keine Hitze- oder Zeitangabe. Im Lager funktioniert das im Dutch Oven mit Glut oben und unten, braucht aber etwas Übung in der Feuerführung.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-002-orig" n="bastet" resp="#fyndling">Pastete, eine mit Deckel gebackene Teighülle mit Füllung. Grundform für zahlreiche Varianten in mittelalterlichen Kochbüchern.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-002-orig" n="trucken oder naß" resp="#fyndling">Trocken oder feucht - bezeichnet die Konsistenz der Füllung insgesamt (fester bzw. saftiger angesetzt), nicht zwei unterschiedliche Rezepte oder eine feste Zuordnung zu bestimmten Zutaten.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-002-orig" n="winber" resp="#fyndling">Weinbeeren, gemeint sind getrocknete Trauben, also Rosinen. Nicht zu verwechseln mit „bieren" (Birnen) im selben Rezept.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-002-orig" n="morouch" resp="#fyndling">Vermutlich getrocknete Morcheln vom Vorjahr, nicht Möhren: Die fast wortgleiche Stelle im Schwester-Rezept m384-018 („verend morochen") liest die Edition (Ehlert) eindeutig als „Morcheln vom letzten Jahr" und zitiert dabei sogar diese Reichenauer Stelle als Beleg. Lexikalisch bleibt das Wort mehrdeutig (Möhre oder Morchel), doch die Wortstellung und ein drittes Korpuszeugnis mit demselben Wortstamm für Pilze stützen ebenfalls die Morcheln-Lesart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-002-orig" n="bieren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#bieren">Birnen (Plural von Birne), wie im Korpus belegt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-002-orig" n="morouch" resp="#fyndling">Vermutlich getrocknete Morcheln vom Vorjahr - so das fast wortgleiche Schwester-Rezept m384-018 (Ehlert-Edition), das dabei ausdrücklich diese Reichenauer Stelle als Beleg zitiert.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-003-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Pastete mit wählbarer Füllung: dieselbe Teighülle nimmt je nach Verfügbarkeit Süßwasserfisch (Schleie, Forelle, Felchen, Gangfisch, junger Hecht, Brachse und zwei unsichere Fischnamen), Geflügel (Gans, Ente, kleine und große Vögel) oder Kalbfleisch mit Speck und Petersilie auf. Das Grundprinzip - Fülle in geschlossener Teighülle backen - lebt heute in der französischen Pâté en croûte weiter; die Fischvariante hat eine entfernte lebende Verwandte in der russischen Kulebjaka. Keine belegte Abstammungslinie, aber dasselbe Grundprinzip.

Die Fischliste. Die meisten Namen sind klar: Schleie, Forelle, Gangfisch, Felchen, junger Hecht und Brachse sind bekannte Bodensee-Speisefische. Zwei Namen bleiben Rätsel: Stuben und Selan sind im gesamten bekannten Korpus nur an dieser einzigen Stelle belegt (Hapax legomena) und lassen sich keiner heutigen Art sicher zuordnen. Selan klingt lautlich wie „Seelen", das mittelhochdeutsche Wort für Seele (sêle) ist im Fischkontext aber unpassend und ein reiner Homograph.

Praxis. Das Rezept selbst nennt nur die Füllung, nicht die Teighülle: Fisch, Geflügel oder Kalbfleisch mit Speck und Petersilie wird mit etwas Brühe, Wein, Schmalz und Gewürz vermengt - Brühe und Wein befeuchten die sonst magere Füllung, Schmalz liefert Fett, Gewürz Aroma. Wie der Teig geformt, verschlossen und gebacken wird, zeigen die Nachbarrezepte desselben Kochbuchs (ka1-001, ka1-004): ein fester Teig mit hohem Rand, mit einem Teigblatt dicht verschlossen und im Ofen gebacken. Wer nur diesen Text vor sich hat, braucht diese Nachbarrezepte als Anleitung zur Hülle.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-003-orig" n="bastet" resp="#fyndling">Pastete - eine mit Teig umhüllte Speise, im Mittelalter oft eine Teig-Kruste als Backgefäß für die Füllung.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-003-orig" n="schlygen" resp="#fyndling">Schleien (Tinca tinca), ein Süßwasserfisch.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-003-orig" n="ganckfisch" resp="#fyndling">Gangfisch, eine Renkenart (Coregonus macrophthalmus), typisch für den Bodensee.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-003-orig" n="felchen" resp="#fyndling">Felchen, Sammelbegriff für Renken/Weißfische aus Alpenseen und dem Bodensee.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-003-orig" n="brachs man" resp="#fyndling">Brachsman = Brachse (Abramis brama), ein Karpfenfisch - wörterbuchbelegt (Idiotikon, Heyne). Dieselbe Fischnamen-Liste findet sich auch in ka1-009 ('an karpfen an brachsman an schligen ...').</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-003-orig" n="trischen" resp="#fyndling">Wahrscheinlich Trüschen (Quappen, Lota lota), ein aalähnlicher Süßwasserfisch. Nur an dieser Stelle im Korpus belegt (Hapax).</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-003-orig" n="peterlin" resp="#fyndling">Petersilie.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-003-orig" n="stuben" resp="#fyndling">Als Fischname nur an dieser Stelle belegt (Hapax). Die Zeichenkette taucht im Korpus vier weitere Male auf, aber stets als 'Stube' (Raum) - ein Homograph ohne Bezug zum Fischkontext.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-003-orig" n="selan" resp="#fyndling">Unsicherer, nicht identifizierbarer Fischname, nur an dieser Stelle belegt (Hapax). Nicht zu verwechseln mit 'Seele' (mhd. sêle), einem unverwandten Homograph.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-003-orig" n="trischen" resp="#fyndling">Als 'Trischen/Trüschen' gelesen, eine mundartliche Form für Trüschen (Quappen, Lota lota), da das Wort in der MHDBDB-Kategorie Süßwasserfische geführt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-003-orig" n="stuben" resp="#fyndling">Als unsicherer, heute nicht mehr identifizierbarer Fischname belassen, da er im Kontext einer Fischliste steht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-003-orig" n="selan" resp="#fyndling">Als unsicherer, heute nicht mehr identifizierbarer Fischname belassen, da er zwischen eindeutigen Fischnamen (Gangfisch, Felchen) steht - nicht zu verwechseln mit dem lautlich ähnlichen 'Seelen' (Plural von Seele), das hier keinen Sinn ergäbe.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-004-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine handhoch freistehend geformte Fleisch- oder Geflügelpastete ohne Backform - der unmittelbare Vorläufer der heutigen Fleisch- und Wildpastete. Lebende Verwandte sind die deutsche Weihnachts- oder Wildpastete, die französische 'pâté en croûte' und der englische 'raised pork pie' - alle drei tragen bis heute das Kernmerkmal dieses Rezepts: die selbsttragende, freistehend geformte Teighülle.

Die Teighülle. Der feste, gut aufgekochte Teig wird ohne Form zu einer handbreiten oder höheren Hülle aufgerichtet - ähnlich einem 'raised pie coffin'. Das Formen ohne Backform braucht etwas Übung, ist mit festem Teig aber gut machbar.

Die Füllung und das Verschließen. Taube, Huhn oder Fleisch nach Wahl wird zusammen mit Speck gehackt - der Speck liefert Fett und Feuchtigkeit für die eher magere Geflügelfüllung während der langen Backzeit. Der luftdichte Verschluss mit einem zweiten dünnen Ei-Fladen hält die Füllung beim Backen saftig, sie gart teilweise im eigenen Saft in der geschlossenen Hülle. Vor dem Verschließen kann zusätzlich etwas Fleischbrühe, Wein oder Schmalz zugegeben werden, damit die magere Füllung nicht austrocknet.

Praxis. Backe die Pastete, bis die Füllung sicher durchgegart ist - bei Geflügel eine Kerntemperatur von etwa 74 Grad anstreben, im Zweifel lieber länger als kürzer backen. Der Text selbst nennt weder Zeit noch Temperatur und verlässt sich nur auf Erfahrung und die Optik der Kruste; für die moderne Küche ist die Kerntemperaturprobe die sicherere Wahl.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-004-orig" n="scherben" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#scherben">Bezeichnet hier nicht ein Tongefäß, sondern die selbsttragende, aus festem Teig geformte Teighülle der Pastete - vergleichbar mit dem englischen 'raised pie coffin'.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-004-orig" n="aiger blatt / platt" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#platt">Ein dünner Fladen aus Eierteig, der als Deckel diente und luftdicht verschlossen wurde, damit kein Dampf entweicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-004-orig" n="bewurtz vnd faerbs also rowt" resp="#fyndling">Der Text färbt hier rot - die Schwester-Handschrift m384-020 liest an derselben Stelle stattdessen eine Zeitangabe ('während es roh ist') statt einer Farbangabe, eine echte Textvariante zwischen den Zeugen. Ein konkretes Färbemittel nennt der Text nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-004-orig" n="kain tanpf noch nutz" resp="#fyndling">'nutz' ist hier eine Schreibvariante zu 'nichtz' (nichts), nicht die Grundbedeutung 'Nutzen/Vorteil' - die Schwester-Handschrift m384-020 hat an derselben Stelle 'kain dampff noch nichtz'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-004-orig" n="ain tail" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tail">Hier als 'ein Teil / eine Menge' (an Brühe oder Wein) gelesen, nicht als 'Teig'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-004-orig" n="hassen brauten / hafen brauten (Parallel-Hs.)" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Hasenbraten - als Größenangabe für die Fleischfüllung ('so groß wie ein Hasenbraten').</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-004-orig" n="Backzeit/Temperatur" resp="#fyndling">Der Text nennt keine Zeit- oder Temperaturangabe, nur 'bachs in ainem ofen' (backe im Ofen) - für die moderne Praxis empfiehlt sich, bis zum sicheren Durchgaren zu backen und die Kerntemperatur zu prüfen (Geflügel ca. 74 Grad).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-005-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Ein Leberpfeffer ist eine heiße, mit Roggenbrot gebundene und mit Wein und Essig gesäuerte Leber-Sauce - "Pfeffer" bezeichnet hier den Sauce-Typ, nicht das Gewürz. Gebratene Leber wird in Scheiben geschnitten, das beim Schneiden anfallende Material wird im Mörser zerstoßen und mit Brot, Brühe, Wein und Essig zu einer sauren Bindesauce aufgekocht. Ein naher Nachfahre dieser Zubereitung lebt in der bayerisch-schwäbischen sauren Leber weiter (Leberstreifen in essig-weinsaurer, sämiger Sauce), die heute meist mit Mehlschwitze statt mit Brot gebunden wird.

Was mit dem „Äußeren" gemeint ist.

Der Text lässt offen, was genau in den Mörser kommt. „Daz usser", das nach dem Braten abgeschnitten wird, liest sich am plausibelsten als die beim Braten entstandene Röstkruste - schon weil sie erst nach dem Braten abgeschnitten wird, nicht vorher an der rohen Leber. Ob diese Kruste zusammen mit den Schneideresten der aufgeschnittenen Leber in den Mörser kommt, oder ob nur die Schneidereste gemeint sind und die Kruste separat verbleibt, sagt der Text nicht eindeutig - wer nachkocht, kann beides gemeinsam verarbeiten, ohne vom Text abzuweichen.

Brühe oder Bratensaft.

Auch „brueg" bleibt offen. Im übrigen Korpus taucht das Wort meist bei separat zugegebener Brühe oder als Sud vom Sieden auf, nie an einen Röst- oder Bratvorgang gekoppelt - das spricht eher für eine eigenständig zubereitete Brühe als für den Bratensaft direkt aus der Pfanne, klärt die Frage aber nicht ganz.

Praxis.

Die Leber ganz braten (Spieß oder Pfanne über offenem Feuer), danach das Äußere abschneiden und die Leber in Scheiben schneiden. Die Abschnitte im Mörser zerstoßen - der Text nennt keinen Feinheitsgrad, gründliches Zerstoßen reicht. Roggenbrot einrühren, mit Brühe, Wein und Essig aufgießen und in der Pfanne kurz aufwallen lassen, bis die Sauce bindet. Die ganze Zubereitung dauert am Feuer unter einer Stunde und braucht neben Pfanne und Mörser keine weitere Ausstattung.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-005-orig" n="pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Bezeichnet hier einen Sauce- bzw. Gerichtstyp der mittelalterlichen Küche, keine konkrete Zutat. Ein 'Leberpfeffer' ist eine mit Brot gebundene, mit Wein und Essig gesäuerte Leber-Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-005-orig" n="morser" resp="#fyndling">Gemeint ist ein großer, schwerer Fleischmörser aus Stein oder Metall, nicht der kleine Gewürzmörser - das mittelalterliche Äquivalent zur Küchenmaschine.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-005-orig" n="ruggi brot" resp="#fyndling">Roggenbrot als Bindemittel. Ungewöhnlich, da für Bindungen sonst meist Weißbrot/Semmel verwendet wurde - deutet auf einen einfacheren, bürgerlich-ländlichen Zubereitungskontext hin.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-005-orig" n="brueg" resp="#fyndling">Als 'Brühe' (Fleischbrühe/Bratensud) gelesen, die zusammen mit Wein und Essig die flüssige Basis der Sauce bildet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-005-orig" n="daz usser" resp="#fyndling">Die äußere, beim Braten entstandene Kruste bzw. Haut der Leber, die abgeschnitten und später mitverarbeitet wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-005-orig" n="waz dar ab geschniten wirt" resp="#fyndling">Die beim Schneiden der Leber in Scheiben abfallenden Reste - 'dar ab' bezieht sich grammatisch auf die unmittelbar vorausgehende Klausel 'schnid die leber zuo schniten'.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-006-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein 'Schwarzer Pfeffer' für Wildbret: eine dunkle, mit geröstetem Roggenbrot gebundene, säuerlich-würzige Sauce aus Wein, Essig, Gewürzen und Speck, in der das Wildfleisch gewälzt und serviert wird. 'Pfeffer' bezeichnet hier keine Gewürzmenge, sondern eine ganze Gerichtsklasse dunkler, brotgebundener Wildsaucen, die bis heute in zwei direkten Nachfolgern weiterlebt: dem deutschen Hasenpfeffer und der französischen Sauce poivrade für Wildbret.

Das geröstete Roggenbrot wird nicht durch ein Tuch gepresst - im Text steht dafür kein Wort. 'Zuch es durch' heißt schlicht: mit der Flüssigkeit gründlich durchtränken und verrühren, bis das Brot zerfällt und die Sauce sämig bindet. Ein Sieb kann beim Glätten helfen, ist aber eine Praxis-Entscheidung, keine Textvorgabe.

Am Schluss weicht Ka1 von der Schwesterhandschrift m384-022 ab: Ka1 lässt das Wildbret in der Sauce 'woelk' - wälzen/durcharbeiten -, während m384-022 'erwoll' schreibt - aufkochen/sieden lassen. Beide sind eigenständige mittelhochdeutsche Verben; welche Lesart für Ka1 zutrifft, bleibt offen.

Ungeklärt bleibt außerdem, ob das Wildbret vor dem Wälzen bereits gegart war - der Text nennt keinen Garzustand.

Praxis. Roggenbrot in der Pfanne dunkel, fast schwarz anrösten. Mit Wildbret- oder Rinderbrühe, Wein und Essig in einem Topf aufkochen und das Brot darin zerfallen lassen, bis eine sämige, dunkle Sauce entsteht. Würzen, Speck dazugeben. Das Wildbret vorher garen oder braten und erst zum Schluss in der heißen Sauce wenden und darin durchziehen lassen, bevor es serviert wird.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-006-orig" n="pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Bezeichnet hier nicht das Gewürz allein, sondern eine ganze Gerichtsklasse: eine dunkle, mit geröstetem Brot gebundene Würzsauce, die im späten Mittelalter oft zu Wildbret gereicht wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-006-orig" n="schwartzen" resp="#fyndling">Die schwarze Farbe der Sauce stammt vom stark gerösteten (fast verbrannten) Roggenbrot, das gleichzeitig als Bindemittel für die Brühe dient - ähnlich wie Semmelbrot in anderen Bindungs-Rezepten dieser Zeit.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-006-orig" n="brug" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für Brühe (Fleischbrühe), nicht zu verwechseln mit 'Bruck' (Brücke) - die Parallel-Handschrift schreibt hier klar 'bruege' (Brühe).</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-006-orig" n="woelk" resp="#fyndling">Von mhd. 'walken' - wälzen, durcharbeiten, kneten. Hier gemeint: das Wildbret in der fertigen Sauce wenden und gut durchziehen. Die Parallelhandschrift m384-022 verwendet an derselben Stelle 'erwoll' (von 'erwellen' - aufkochen/sieden lassen), ein eigenständiges Verb - keine Bestätigung derselben Lesart, sondern eine echte Abweichung zwischen den Schwesterhandschriften.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-006-orig" n="wiltpraet" resp="#fyndling">Wildbret, also Fleisch von Wildtieren (Reh, Hirsch), nicht das Adjektiv 'wild'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-006-orig" n="woelk" resp="#fyndling">Von mhd. 'walken' - das Wildbret in der fertigen Sauce wälzen/wenden und gut durchziehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-006-orig" n="als vor ist geschriben" resp="#fyndling">Verweis auf ein vorangehendes Rezept in derselben Handschrift, das die Speck-Zugabe genauer beschreibt - dieser Kontext ist im vorliegenden Auszug nicht enthalten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-006-orig" n="woelk daz wiltpraet wol dar in (Garzustand)" resp="#fyndling">Das Wildbret wird vorher gegart/gebraten (evtl. wie im nicht erhaltenen Vorrezept beschrieben) und erst danach zum Servieren in der warmen Sauce gewälzt/durchgezogen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-007-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein grobes Leber-Mus, gebunden durch eingeweichtes Roggenbrot statt einer Mehlschwitze - nicht unähnlich einer heute noch bekannten groben Landleberwurst-Masse -, gekrönt von einem separat gebackenen, dünnen Eierfladen. Dieser Eierfladen, ein ungefülltes Ei-Omelett als Deckel, ist eine frühe Vorstufe der bis heute alemannisch-österreichisch verbreiteten Flädle beziehungsweise Frittaten.

Speck ohne Angabe. Der Rückverweis „als vor geschriben ist“ beim Speck lässt sich im Einzelrezept nicht auflösen. Der Vergleich mit den übrigen Speck-Stellen im selben Buch zeigt aber durchgehend rohes Schneiden oder Hacken, nie ein Anrösten - für die Praxis also einfach in feinen Würfeln geschnittener Speck, roh zugegeben.

Praxis. Die Leber vollständig sieden, braten oder knusprig rösten, erst danach hacken oder stoßen. Mit eingeweichtem Roggenbrot, einer guten Brühe, Wein, etwas Essig und dem rohen Speck zu einem Mus verrühren und kurz aufkochen. Getrennt einen dünnen Eierfladen in der Pfanne backen und als Deckel obenauf legen. Das Original nennt keine Mengen oder Zeiten - die Verhältnisse von Brot, Brühe, Wein und Essig lassen sich nach Gefühl anpassen, bis das Mus streichfähig, aber nicht flüssig ist. Alles ist am offenen Feuer ohne Ofen machbar; einzig die frische Leber sollte am Markttag besorgt und bis zur Verarbeitung kühl gehalten werden.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-007-orig" n="brug" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für 'Brühe' (verwandt mit 'brüeje', zu 'brühen'). Die Parallelhandschrift m384 trennt 'bruegin' (Brühe) und 'win' (Wein) klar als zwei Zutaten, was diese Lesart stützt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-007-orig" n="als vor geschriben ist" resp="#fyndling">Verweis auf ein früher im selben Kochbuch beschriebenes Verfahren, hier vermutlich die Zubereitung des Specks. Solche Rückverweise sparen im Manuskript Platz, machen das Rezept aber ohne den Kontext des Gesamtwerks etwas lückenhaft.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-007-orig" n="gebachen aiger blatt" resp="#fyndling">Ein 'gebackenes Eierblatt' ist ein dünner, in der Pfanne gebackener Eierfladen, ähnlich einem einfachen Omelett ohne Füllung, der als Deckel auf die Speise gelegt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-007-orig" n="roesch" resp="#fyndling">Von mhd. 'rœsten' - knusprig rösten/braten. Eine von drei angebotenen Garmethoden neben Sieden und Braten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-008-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine mit gesottener, fein gestoßener Leber und Brot gebundene süß-saure Würzsauce für gebratenes Geflügel und Wild. Sie hat keine direkte moderne Entsprechung, ist aber der Vorläufer innereien-gebundener Bratensoßen, wie sie in der englischen giblet gravy oder in französischen Wild-Civet-Saucen bis heute fortleben - Leber statt Mehl oder Stärke als Bindemittel.

Presskopf statt gebratener Kopf. Die Einlage 'ainen gebrossoten kopf' ist im Text bewusst von den 'gebrauten' (gebratenen) Vögeln und der Hirschleber unterschieden - 'gebrossoten' geht auf 'gebresseten' (gepresst) zurück, nicht auf 'braten'. Die Schwester-Handschrift m384 hat an derselben Stelle 'gebresseten kopff' und übersetzt dies selbst korrekt als Presskopf. Gemeint ist also ein gekochter, gepresster Sülzenkopf, kein gebratener Kopf.

Das Tuch beim Durchziehen. Das Transkript nennt beim 'zuchs dar durch' kein Passiermedium - dass dabei ein Tuch verwendet wird, ist eine im Korpus etablierte, plausible Konvention (auch die Schwester-Handschrift m384 ergänzt hier ein Tuch, obwohl das Wort im eigenen Transkript fehlt), aber keine wörtliche Aussage des Textes.

'Sidel hung' - vermutlich eine Mengenangabe. Korpusbelege legen nahe, dass 'sidel' hier das historische Hohlmaß Seidel meint, also 'ein gutes Seidel Honig' statt einer vagen Qualitätsangabe. Die Parallelhandschrift m384 hat an dieser Stelle nur schlicht 'guot honig' ohne das Zusatzwort, sodass die genaue Menge ka1-spezifisch bleibt.

Praxis. Die ganze Leber wird gesiedet, bis sie fest genug zum feinen Stoßen im Mörser oder im Blender ist. Mit gleich viel Brot ergibt sich eine bindefähige Paste, die mit Wein oder Essig zu einer gießbaren Sauce gelockert wird. Zum Glätten die Masse durch ein sauberes Tuch passieren, würzen, färben und einmal kurz aufwallen lassen - kein langes Köcheln. Die bereits gebratenen Vögel (und optional der Presskopf oder die Hirschleber) kommen erst danach in die heiße Sauce, um darin zu ziehen, nicht um durchzugaren. Frische Leber am Markttag besorgen und zeitnah verarbeiten, da keine durchgehende Kühlkette vorausgesetzt werden kann.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-008-orig" n="zuchs dar durch" resp="#fyndling">Die gestoßene Leber-Brot-Masse wird passiert, um eine glatte Sauce ohne grobe Stücke zu erhalten. Das Transkript nennt kein Passiermedium ('zuchs dar durch' ohne Objekt) - dass dabei ein Tuch verwendet wird, ist eine im Korpus etablierte Konvention (auch die Schwester-Handschrift m384 ergänzt hier ein Tuch, obwohl das Wort im eigenen Transkript fehlt), keine wörtliche Aussage des Textes.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-008-orig" n="erwallen" resp="#fyndling">Einmal kurz aufwallen lassen, also zum Kochen bringen - kein langes Köcheln.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-008-orig" n="bewurtz es vnd faerbs" resp="#fyndling">Standardformel für 'würze und färbe es' - der Text nennt keine konkreten Gewürze oder Farbmittel, das blieb dem Koch überlassen.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-008-orig" n="ainen gebrossoten kopf" resp="#fyndling">'gebrossoten' ist eine Schreibvariante von 'gebresseten' (gepresst), nicht von 'gebraten' - der Text unterscheidet bewusst zwischen den gebratenen Einlagen ('gebrauten') und diesem gepressten Kopf. Gemeint ist ein Presskopf (Kopfsülze), keine Bratenspeise.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-008-orig" n="sidel hung" resp="#fyndling">Vermutlich 'ein gutes Seidel Honig' - 'sidel' als historisches Hohlmaß (Seidel), keine Qualitätsangabe. Korpusbelege wie 'ain seydlein hönig' oder 'drei Seidel Sahne' in anderen Rezepten stützen diese Lesart als Mengenangabe.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-009-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Eine dunkle, dicke Pfeffersauce für Süßwasserfisch - die Vorform der bis heute bekannten dunklen "Pfeffersoße", wie sie in der deutschen Küche traditionell zu Wildbraten gehört, hier aber zu Fisch gereicht wird, verwandt mit der europäischen Familie dunkler, pfeffriger Saucen wie der französischen sauce poivrade. Das Rezept nennt drei Varianten nebeneinander: eine schlichte für Karpfen, Brachsen, Schleie und Felchen; eine mit Honig gesüßte für kleinere ganze Fische wie Groppen und Gründlinge; und eine dritte, vollständig ausformulierte Sauce aus passierten Erbsen, Pfefferbrot, Zwiebeln und Mehl.

Wie dick soll die Sauce sein?

Der Text vergleicht die Dicke der ersten Sauce mit einem "wilpraut" - vermutlich einer Schreibvariante von "wiltprät" (Wildbret). Gemeint ist ein reiner Konsistenz-Vergleich mit Wildbret; wie dieses Wildbret zubereitet oder verarbeitet war, sagt der Text nicht, und auch die nahezu wortgleiche Schwester-Handschrift m384-025 fügt an derselben Stelle keine weitere Präzisierung hinzu. Praktisch heißt das: eine kräftig eingedickte, streichfähige Sauce, keine dünne Brühe.

Praxis.

Für die erste und zweite Variante gibt der Text selbst keine Zutatenliste - nur den Namen "schwarzer Pfeffer" und, bei der zweiten, den Zusatz Honig; wie genau diese beiden Saucen gebunden wurden, bleibt offen. Naheliegend zum Nachkochen ist, sich an der dritten, vollständig beschriebenen Sauce zu orientieren: reichlich schwarzer Pfeffer, mit Fischbrühe oder Wasser aufgekocht und mit eingeweichtem Brot sämig gebunden, für die zweite Variante zusätzlich mit Honig gesüßt. Für die dritte, ausdrücklich benannte Sauce: passierte, weichgekochte Erbsen als sämige Basis, eingeweichtes Pfefferbrot und etwas Mehl zum Binden, Zwiebeln als Aromabasis, dazu gemahlener Pfeffer und zusätzlich ganze getrocknete Pfefferkörner für Schärfe und sichtbare dunkle Punkte in der Sauce. Alle drei Varianten passen zu gegartem oder gebratenem Süßwasserfisch und sind in einem Topf am Feuer in unter einer Stunde fertig.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-009-orig" n="schwartz pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Ein 'Schwarzer Pfeffer' ist hier der Name einer dunklen, kräftig gewürzten Sauce, nicht das Gewürz allein - die Sauce ist so dunkel und pfeffrig, dass sie ihren Namen daher hat.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-009-orig" n="schligen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schligen">Schligen meint die Schleie, einen genügsamen Karpfenfisch, der in stehenden Gewässern und im Bodensee häufig war.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-009-orig" n="felcken" resp="#fyndling">Vermutlich 'Felchen', der bis heute typische Bodensee-Fisch (Coregonus lavaretus) - siehe interpretive_choices für die Unsicherheit dieser Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-009-orig" n="wilpraut" resp="#fyndling">Vermutlich eine Schreibvariante von 'wiltprät' (Wildbret, Wildfleisch), was die Schwester-Handschrift m384-025 an identischer Stelle bestätigt ('wildpraett'). Gemeint ist ein reiner Dicke-Vergleich mit Wildbret, ohne weitere Angabe zur Zubereitung des Vergleichsobjekts.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-009-orig" n="hong" resp="#fyndling">Honig, hier als Süßungsmittel in der zweiten Pfeffer-Variante.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-009-orig" n="durch gezognen aerbisen" resp="#fyndling">Durchgezogene Erbsen meint durch ein Tuch oder Sieb passierte, also pürierte Erbsen - eine Bindung für die dritte Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-009-orig" n="pfeffer brot" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Pfefferbrot war offenbar ein mit Pfeffer gewürztes Brot, das hier als Bindemittel und Würzgrundlage für die Sauce diente.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-009-orig" n="felcken" resp="#fyndling">Felchen (Coregonus lavaretus), der typische Bodensee-Fisch - passt zur Herkunft der Handschrift aus der Reichenauer Klosterregion und steht in einer Reihe mit anderen Süßwasserfischen (Karpfen, Brachsen, Schleie).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-009-orig" n="suß ander pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">'Sus' im Sinne von 'so, auf diese Weise' - leitet die dritte Sauce-Variante ein: 'So geht eine andere Pfeffersauce für Fisch'.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-010-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Krebssud, der mit Wein oder Essig durchgezogen und mit dem ausgelösten Krebsfleisch wieder vereint wird - im Kern dieselbe Technik wie bei einer heutigen Krebs- oder Hummerbisque: Schalen auskochen, durchseihen, mit dem Fleisch verbinden, würzen, einkochen. Der nächste heutige Verwandte ist ein reduzierter Krebsfond als Saucenbasis, nur ohne die heute übliche Sahne- oder Butterbindung. „Pfeffer" meint hier die gewürzte, eingedickte Sauce, nicht das Gewürz selbst.

Roh, nicht rot. rowt liest sich hier eher als roh (mit dialekttypischem angehängtem -t) denn als Farbadjektiv rot - im selben Buch wird die Schreibvariante row im Nachbarrezept ka1-001 ebenfalls als roh übersetzt. Der Satz beschreibt also den Ausgangszustand der Krebse vor dem Sieden, nicht ein Farbkriterium beim Garen.

Eine offene Stelle im Text. Ob wirklich alle gesottenen Krebse zunächst durchgezogen und danach nochmals geschält werden, oder zwei Teilmengen gemeint sind - ein Teil für den Sud, ein Teil zum Schälen -, lässt der Text offen. Ebenso bleibt unklar, was mit dem geschälten Fleisch selbst geschieht: Nur der zweite Beinsud wird ausdrücklich der Flüssigkeit zugegeben. Diese Lücke steht schon im Originaltext.

Praxis. Krebse roh kaufen und sieden, danach mit Wein oder Essig durch ein Tuch oder Sieb ziehen. Scheren, Leiber und Schwänze aus der Schale lösen, die Beine der Leiber ein zweites Mal auskochen und diesen Sud zur ersten Flüssigkeit geben. Mit Gewürzen nach Wahl abschmecken und wie einen Pfeffer einkochen lassen.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-010-orig" n="pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Gerichtname für eine kräftig gewürzte, meist eingedickte Sauce, in der Fleisch oder hier Krebse gegart und serviert werden - nicht das Gewürz Pfeffer allein.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-010-orig" n="vorgeschriben" resp="#fyndling">Verweist auf eine frühere Kochanleitung für Krebse im selben Kochbuch, die im hier vorliegenden Textabschnitt nicht mehr überliefert ist.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-010-orig" n="rowt" resp="#fyndling">Hier als 'roh' gelesen (mit dialekttypischem paragogischem -t), nicht als Farbadjektiv 'rot' - die Krebse werden roh gekauft und dann gesotten. Die Schreibvariante 'row/rowt' ist im selben Buch (ka1-001) und in m384-020 als 'roh' belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-010-orig" n="zuch sy durch" resp="#fyndling">Durch ein Tuch oder Sieb ziehen (durchseihen), eine Standardtechnik, um eine geschmackstragende Flüssigkeit aus Krebsen oder Fleisch zu gewinnen.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-010-orig" n="schaeren" resp="#fyndling">Hier als Scheren (Krebsscheren) gelesen, im Kontext der Aufzählung von Krebs-Körperteilen (Scheren, Leib, Schwanz). In der Schwester-Handschrift m384-026 als 'scharen' orthographisch bezeugt - keine vereinzelte Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-010-orig" n="buechen" resp="#fyndling">Hier als Plural von bûch (Leib/Bauch) gelesen, also die Krebsleiber nach dem Herauslösen des Fleisches - nicht mit 'Bücher' zu verwechseln. In m384-026 als 'buchen' bezeugt, ebenfalls kein Einzelbeleg.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-010-orig" n="bain" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#bain">Beine der Krebse, die von den Leibern getrennt noch einmal ausgekocht werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-010-orig" n="rowt" resp="#fyndling">roh - mit dialekttypischem angehängtem -t, bezieht sich auf den Ausgangszustand der ungekochten Krebse, nicht auf ihre Farbe. Gestützt durch dieselbe Schreibvariante 'row' im Nachbarrezept ka1-001 (dort eindeutig als 'roh' übersetzt) sowie durch die dokumentierte row/roh-Lesefalle in m384-020.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-011-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte, gegrillte Krebsschalen: gehacktes Krebsfleisch wird mit gehackten, gebratenen Eiern vermengt und - so legen es der Titel „gefult kreps" und die Schwester-Handschrift m384 nahe - zurück in die ausgelösten Schalen gefüllt und auf dem Rost gebraten. Lebende Verwandte dieser Machart sind gefüllte Krebs- oder Krabbenschalen wie das französische Crabe farci oder das britische Dressed Crab: Krebsfleisch mit einem Bindemittel vermengt, zurück in die Schale gefüllt und gegart.

Die Rückfüll-Lücke. Der Ka1-Text springt vom Hacken der Masse direkt zum Auflegen auf den Rost, ohne das Zurückfüllen in die Schalen eigens zu nennen. Die Schwester-Handschrift m384 formuliert genau diesen Schritt aus: die Masse kommt zurück in die ganz gebliebenen Schalen, die Hälften werden zusammengedrückt, erst dann auf den Rost. Das ergibt auch praktisch Sinn - eine lose gehackte Krebs-Ei-Masse auf einem offenen Rost hätte ohne die Schalen als Gefäß kein Bindemittel, das sie zusammenhält.

Vorkochen der Krebse. Der Text sagt nicht, ob die Krebse vor dem Schälen abgekocht werden - er springt direkt vom Schalenlösen zum Hacken des Fleischs. In der Praxis empfiehlt es sich, die Krebse vor dem Schälen in kochendem Wasser gar ziehen zu lassen, wie bei Krustentieren üblich, damit das Fleisch durchgegart ist, bevor die abschließende Hitzebehandlung auf dem Rost erfolgt. Eine strikt wörtliche Lesart ohne Vorkochen ist nicht auszuschließen, aber ohne Zeit- oder Hitzeangabe im Text nicht ebenso sicher abgesichert.

Praxis. Krebse in kochendem Wasser gar ziehen lassen, dann die Schalen vorsichtig ganz ablösen und beiseitelegen. Das Fleisch aus dem Inneren lösen, ungenießbare Teile wie Darm und Kiemen entfernen, den Rest sauber und gründlich auf einem sauberen Brett hacken. Eier in der Pfanne braten, klein hacken und unter das Krebsfleisch mischen, bis alles gut vermengt ist. Die Masse zurück in die Schalenhälften füllen, die Hälften zusammendrücken, auf einen Rost über der Glut legen und gut durchbraten.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-011-orig" n="gefult" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für 'gefüllt'. Das Gericht besteht wohl darin, das gehackte Krebsfleisch mit den Eiern zurück in die leeren Schalen zu füllen, auch wenn dieser Schritt im Ka1-Text elliptisch fehlt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-011-orig" n="boeß" resp="#fyndling">Das 'Böse' meint hier nicht Ethisches, sondern die ungenießbaren Innenteile des Krebses (Darm, Kiemen), die aussortiert werden.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-011-orig" n="gebachen aiger" resp="#fyndling">Gebackene bzw. gebratene Eier, vermutlich in der Pfanne zubereitet, klein gehackt und unter das Krebsfleisch gemischt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-011-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein Rost zum Braten über offener Glut. Der Text nennt kein Material - ob ein Metallrost oder ein hölzerner Rost gemeint ist, lässt sich aus dem Wortlaut allein nicht entscheiden. Siehe die Grundlagen-Seite zur Diskussion um hölzerne Roste.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-011-orig" n="leg es vf ainen rost" resp="#fyndling">Die gehackte Krebs-Ei-Masse wird zurück in die aufbewahrten, ganz gebliebenen Krebsschalen gefüllt und dann auf dem Rost gebraten. Dafür sprechen der Titel 'gefult kreps' und die Parallelhandschrift m384, die genau diesen Schritt explizit nennt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-011-orig" n="gebachen aiger" resp="#fyndling">Gebratene Eier (in der Pfanne zubereitet), die anschließend klein gehackt unter das Krebsfleisch gemischt werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-011-orig" n="kein erwähntes Vorkochen der Krebse" resp="#fyndling">Die Krebse werden vor dem Schälen in kochendem Wasser gar gezogen, wie bei Krustentieren üblich, damit das Fleisch durchgegart ist, bevor die abschließende Hitzebehandlung auf dem Rost erfolgt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-012-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Ein zweistufig zubereiteter Krebsgang: Gesottene, ausgelöste Flusskrebse werden mit einer Sauce aus rohen, samt Schale im Mörser zerstoßenen und durch Tuch oder Sieb mit Wein oder Essig passierten Krebsen serviert und gewürzt. Das entspricht im Kern dem Vorläuferverfahren der französischen beurre d'écrevisse (Krebsbutter), bei der rohe zerstoßene Krebsschalen Farbe und Aroma an eine Sauce abgeben, die dann zum gegarten Krebsfleisch gereicht wird. „Pfeffer“ bezeichnet hier nicht das Gewürz, sondern den ganzen Sauce-Typ.

Die Hälse, nicht das bloße Fleisch.

‚hels‘ (Schwester-Handschrift m384-028: ‚hols‘) ist mit Ehlert 1999 als „Hälse“ zu lesen - das freigelegte Schwanzfleischsegment der Krebse, das nach dem Sieden und Schälen sichtbar wird, nicht nur diffus „das Fleisch“.

Kaut - das Verworfene, nicht zwingend der Darm.

‚kaut‘ ist alemannisch für „das Schlechte, Verworfene“ allgemein, ohne feste anatomische Festlegung. Dass damit konkret der Darmtrakt der rohen Krebse gemeint ist, ist ein naheliegender, aber nicht direkt belegter Kontextschluss.

Samt Schale gestoßen - eine Kontextfolgerung.

Der Text nennt beim Stoßen der rohen Krebse nur, sie ‚in ainem morser‘ zu zerstoßen, ohne „samt Schale“ wörtlich zu erwähnen. Da die rohen Krebse im Rezept nirgends geschält werden - anders als der erste, gesottene Krebs-Anteil - und Farbe sowie Fett erkennbar aus der Schale stammen müssen, ist „samt Schale“ eine strukturell zwingende, aber nicht wörtlich belegte Ergänzung.

Praxis.

Frische Flusskrebse sieden, bis sich die Hälse und die Schale lösen, dann schälen. Einen zweiten Teil roh lassen, bis zu den Augen ausnehmen (Darm bzw. Verworfenes entfernen) und samt Schale im Mörser fein zerstoßen. Mit Wein oder Essig durch ein Tuch oder Sieb streichen, würzen - und, auch wenn der Text dafür keinen eigenen Kochschritt nennt, die passierte Sauce vor dem Servieren kurz aufkochen, da sie aus rohem Krustentier-Auszug besteht und Wein oder Essig allein keine ausreichende Sicherheit bieten. Über die geschälten, gegarten Krebse geben.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-012-orig" n="pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Bezeichnet hier keine einzelne Gewürzzutat, sondern die fertige würzige Sauce, in der die Krebse serviert werden.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-012-orig" n="gruen kreps" resp="#fyndling">Mhd. 'gruen/grün' meint in diesem Kontext 'roh, ungekocht', nicht die Farbe des Tieres.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-012-orig" n="kaut" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#kaut">Alemannisches Wort für 'das Schlechte, Verworfene' (Ehlert 1999) - ein allgemeiner Begriff ohne feste anatomische Zuordnung; naheliegend, aber nicht gesichert ist der Darmtrakt der rohen Krebse, der vor dem Stoßen entfernt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-012-orig" n="bewurtz" resp="#fyndling">Imperativ von 'würzen' - eine allgemeine Anweisung, die Sauce mit den üblichen Küchengewürzen abzuschmecken, ohne konkrete Mischung vorzugeben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-012-orig" n="hels / hols" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hols">Wörtlich 'Hälse' - das nach dem Schälen freigelegte Schwanzfleischsegment der Krebse, im Gegensatz zur 'schal' (Schale), die sich löst.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-012-orig" n="kaut" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#kaut">Allgemeiner Sammelbegriff für 'Abfall/Verworfenes' (alemannisch für 'das Schlechte', Ehlert 1999), ohne genaue anatomische Zuordnung - so auch die Schwester-Handschrift m384-028.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-012-orig" n="zuo den ougen uß" resp="#fyndling">Als Anweisung gedeutet, den Darm des rohen Krebses vom Schwanzende bis in Richtung Kopf (bis zu den Augen) herauszuziehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-012-orig" n="Erhitzen der rohen Krebssauce vor dem Servieren" resp="#fyndling">Der Text nennt nach dem Passieren nur das Würzen, keinen eigenen Kochschritt - ob die rohe, mit Wein oder Essig angerührte Krebssauce vor dem Servieren erhitzt wird, bleibt offen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-013-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein schwarzer Pfeffer (dunkle, brotgebundene Würzsauce) mit Fladenwürfeln als Einlage und gerösteten Weißbrotwürfeln als Topping - eine Fastenspeise auf Fischbrühe-Basis. Die Pfannkuchen-Einlage in gebundener Brühe erinnert an die bis heute bekannte Frittatensuppe (Pfannkuchenstreifen in Brühe), hier als Würfel statt Streifen; die gerösteten Brotwürfel leben unverändert als Croutons fort. Wortgleiche Schwester-Fassung: m384-029 (Cgm 384, Münchner Kochbuchhandschriften).

Die Sauce - Brot und Mehl statt Mehlschwitze. Die Bindung erfolgt vermutlich mit zwei Zutaten - Brot UND Mehl - in der Fischbrühe, nicht mit geriebenem Weißbrot allein. Das ist keine spätere Mehlschwitze (Butter-Mehl-Roux), sondern eingerührtes Mehl neben Brotkrume als zusätzliches Bindemittel - für Quellen vor 1600 unproblematisch.

Praxis. Fladen (dünnen Pfannkuchen) backen und würfeln. Brotkrume und etwas Mehl in der Fischbrühe verrühren und sämig einkochen, die Fladenwürfel darin aufwallen lassen, damit sie den Sauce-Geschmack aufnehmen. Separat gewürfeltes Weißbrot in Öl oder Schmalz knusprig rösten und erst zuletzt darüberstreuen, damit die Croutons ihre Knusprigkeit behalten.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-013-orig" n="pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Name eines Sauce-Typs, kein Hinweis auf das Gewürz selbst - hier eine mit Brot und Mehl gebundene, dunkle Fischbrühe-Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-013-orig" n="plat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Ein in der Pfanne gebackener Fladen bzw. Eierkuchen, aus dem hier Würfel geschnitten werden.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-013-orig" n="wirflot" resp="#fyndling">Würfelig, in Würfel geschnitten (mhd. würfeleht).</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-013-orig" n="erwallen" resp="#fyndling">Aufwallen lassen, kurz aufkochen bzw. erhitzen - bezieht sich hier auf die Fladenwürfel, die in der fertigen Sauce erwallen.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-013-orig" n="brot mel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mel">Wahrscheinlich zwei getrennte Bindemittel - Brot UND Mehl - in der Fischbrühe, nicht ein einzelnes Weißbrot-Kompositum. Die Schwester-Handschrift m384-029 liest die fast wortgleiche Stelle nach Ehlert 1999 ausdrücklich als 'Brot, Mehl und Fischbrühe'; eine eigene Edition für dieses Rezept liegt nicht vor, daher als wahrscheinliche, nicht gesicherte Lesart markiert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-013-orig" n="plat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Als in der Pfanne gebackener Fladen/Eierkuchen gelesen, der anschließend gewürfelt wird - passt zur Anweisung 'Bach ain plat in ainer pfannen'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-013-orig" n="brot mel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mel">Wahrscheinlich als zwei getrennte Bindemittel gelesen: Brot UND Mehl in der Fischbrühe - so liest die Schwester-Handschrift m384-029 die fast wortgleiche Stelle nach Ehlert 1999 ('Brot, Mehl und Fischbrühe').</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-014-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein mit dem eigenen Blut des Tieres gebundenes Innereien-Ragout vom Hasen: Lunge, Leber und weitere Innereien werden gewürfelt und im aufgefangenen Blut mit Wein oder Essig, Honig und Speck gesotten. Ein früher Verwandter des heute noch bekannten Hasenpfeffers - dessen Namen zwar überlebt hat, dessen namensgebende Blutbindung aber in modernen Rezepten meist fehlt. Näher an der hier beschriebenen Technik sind bis heute das französische Civet de lièvre und das englische Jugged Hare, die beide nach wie vor mit dem Blut des Tieres gebunden werden.

Was ist mit „wust" gemeint? Der Begriff steht hier als drittes Innereien-Element neben Lunge und Leber, seine genaue Abgrenzung ist im Mittelhochdeutschen nicht sicher zu bestimmen. Eine eng verwandte Fassung desselben Rezepts in einer anderen Handschrift (m384-030) hat an exakt derselben Stelle das Wort „westin", dort als Gekröse gedeutet - ein Hinweis auf eine konkretere Bedeutung, aber kein Beweis, da die andere Handschrift ihr eigenes Wort verwendet. Die vorsichtigste Übersetzung bleibt deshalb der allgemeine Sammelbegriff „weitere Innereien".

Das Blut auffangen. „Schwaiss" ist der jägersprachliche Begriff für das Blut des erlegten Wilds. Das Rezept nennt keinen Zeitpunkt dafür - es sagt nur, dass das Blut aufgefangen wird, nicht wann. Praktisch ergibt sich der Zeitpunkt beim Erlegen des Tieres von selbst, doch das steht nicht im Text und wird hier bewusst offengelassen.

Praxis. Lunge, Leber und die weiteren Innereien würfeln und im aufgefangenen Blut mit Wein oder Essig, Honig und Speck sanft köcheln, nicht kräftig aufkochen: Blut flockt bei zu starker Hitze grob aus, statt die Sauce sämig zu binden. Der Text selbst spricht nur von „sieden" ohne Angabe der Hitzeintensität - eine wörtlichere Lesart als kräftiges Aufwallen (vgl. die Schwester-Fassung m384-031: „lass es aufwallen") ist möglich, führt aber eher zu einer körnigen als zu einer glatten Sauce. Insgesamt eine schlanke, in 30-40 Minuten am offenen Feuer machbare Zubereitung ohne Ofen oder Ruhezeit - der eigentliche Engpass ist die Beschaffung von frischem Hasenblut und den passenden Innereien, die es nur direkt vom Jäger oder bei Eigenjagd gibt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-014-orig" n="furhess" resp="#fyndling">Name eines mittelalterlichen Innereien-Gerichts in dunkler, blutgebundener Pfeffersauce, oft als eigener Gang gereicht - kein Zutatname.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-014-orig" n="wirflot" resp="#fyndling">Würfelig, in Würfelform geschnitten. Bezieht sich auf die Schnittform der Innereien.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-014-orig" n="schwaiss" resp="#fyndling">Jägersprachlicher Begriff für das Blut des erlegten Wilds, nicht für Körperschweiß.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-014-orig" n="wust" resp="#fyndling">Sammelbegriff für weitere Innereien, hier neben Lunge und Leber genannt - genaue Abgrenzung unsicher, siehe interpretive_choices.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-014-orig" n="wust" resp="#fyndling">Als Sammelbegriff für weitere Innereien des Hasens übersetzt, die neben Lunge und Leber in den Topf kommen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-014-orig" n="win oder essich" resp="#fyndling">Als Alternative gelesen: entweder Wein oder Essig wird zugegeben, nicht beides gleichzeitig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-014-orig" n="sud (Siedeintensität)" resp="#fyndling">Als sanftes Ziehen/Köcheln der Blutsauce knapp unter dem Siedepunkt gelesen, um ein grobes Ausflocken des Bluteiweißes zu vermeiden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-015-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein blutgebundenes Ragout aus Haseninnereien (Lunge, Leber) und Wildbret, gesiedet mit Wein, Essig und Brühe, ergänzt um Speck und über geröstetem Roggenbrot durch ein Tuch gestrichen. Die nächste lebende Verwandtschaft ist der spätere Hasenpfeffer; verwandte Garmethoden mit blutgebundener, dunkler Sauce kennt auch die englische und französische Küche (jugged hare, civet de lièvre).

Die Blutbindung. Das Blut kommt direkt mit ins Sieden ("sud es mit dem schwais"), ohne dass der Text eine Temperaturführung nennt. Das ist praktisch nicht risikofrei: Blut gerinnt bei zu starker Hitze wie Eiweiß zu Grieß statt glatt zu binden. Wer eine geschmeidige Sauce will, hält die Hitze nach Zugabe des Bluts unter dem Siedepunkt oder rührt erst am Ende ein; das Originalverfahren gibt dafür keine Anweisung und lässt offen, ob die Sauce glatt oder eher rustikal-körnig gedacht war.

Reihenfolge Einkochen/Durchstreichen. Der Text lässt offen, ob zuerst reduziert und dann durchs Tuch gestrichen wird, oder beides in einem Zug geschieht. Die Schwesterhandschrift m384-031 ergänzt ein klärendes "vor" und stützt damit die Lesart: erst einkochen, dann streichen.

Praxis. Lunge, Leber und Hasenfleisch fein hacken, mit Wein, Essig und Brühe ansetzen und sieden, bis es zart ist. Speck fein hacken und mitgeben, dann bei reduzierter Hitze einkochen lassen. Durch ein Tuch mit geröstetem Roggenbrot streichen, würzen und einmal aufwallen lassen. Da Blut beim Wiedererhitzen ausflockt, gehört das Gericht frisch serviert - nicht vorkochen und später aufwärmen.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-015-orig" n="furhess" resp="#fyndling">Name eines eigenen Gerichtstyps: ein dunkles, mit geröstetem Brot gebundenes Innereien-Ragout in Wein-Essig-Brühe, oft mit Blut versetzt. Kein Zutatname.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-015-orig" n="schwaiß" resp="#fyndling">Jägersprachlicher Begriff für das Blut des erjagten Wildtiers, hier des Hasen. Nicht mit Körperschweiß zu verwechseln.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-015-orig" n="wilt praet" resp="#fyndling">Wildbret, also das Fleisch des Wildtiers, hier des Hasen - zusätzlich zu Lunge, Leber und Blut verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-015-orig" n="bewurtz" resp="#fyndling">Standardformel für 'würze es'. Der Text nennt keine konkreten Gewürze, daher bleibt die Würzung offen (typisch wären Pfeffer, Ingwer, Nelken).</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-015-orig" n="gebrantem rugin brot" resp="#fyndling">Geröstetes Roggenbrot, das durch das Tuch gestrichen wird und die Sauce bindet - Bindung über Brot statt über Mehl, zeittypisch für Rezepte vor 1600.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-015-orig" n="lauss en uß gen der pfannen" resp="#fyndling">Lass es in der Pfanne einkochen/reduzieren, bevor es durch das Tuch gestrichen wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-016-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine mit durchgeschlagenem Pfefferbrot gebundene, essigsauer-fruchtige Sauce (reichlich Essig, klein geschnittene und gehackte Äpfel), die heiß über ein bereits gegartes Kopfgericht gegossen wird. Die Grundidee - eine bindende, essigsaure Fruchtsauce zu gekochtem Kochfleisch - lebt bis heute in der Paarung von Apfelmus oder Apfelkren mit Presskopf, Sülze oder Tafelspitz fort, ohne dass eine durchgehende Rezeptlinie zu behaupten wäre.

Galram/Galreide. Der Titel weicht von der geläufigen Form „Galreide" (Gallert, Sülze) ab. Die Schwester-Handschrift Cgm 384 (München) überliefert dasselbe Rezept unter dem Titel „Galray" - eine Schreibvariante derselben Wortfamilie. Trotz des Namens kommt hier kein echtes Geliermittel zum Einsatz: Die Bindung übernimmt allein das durchgeschlagene Pfefferbrot.

Durchgeschlagenes Brot. Altbackenes, mit Pfeffer versetztes Brot wird durch ein Sieb oder Tuch gestrichen. So entsteht eine feine, streichfähige Masse, die der Sauce Körper gibt - ohne Ei, ohne Mehlschwitze.

Kopf. Gemeint ist ein separat gegartes Kopfgericht (Schweins- oder Kalbskopf), das im erhaltenen Text nicht beschrieben wird. Das kurze Aufwallen dient allein dem Verbinden von Brotmasse, Essig und Apfelstücken zu einer Sauce - nicht dem Garen des Fleischs, das laut Text bereits fertig ist.

Praxis. Brot mit etwas Pfeffer vermengen und durch ein feines Sieb oder Tuch streichen. Einfärben und würzen, reichlich Essig sowie klein geschnittene und gehackte, säuerliche Äpfel (z. B. Boskoop) zugeben und kurz aufwallen lassen - der Text nennt keine Dauer oder ein Herunternehmen vom Feuer. Über das fertig gegarte Kopfgericht gießen und sofort servieren. Wie dicklich das Ergebnis wird, lässt der Text offen: Wer eine sülzenartig gebundene Sauce möchte, hält sich mit dem Essig zurück; wer der wörtlichen Menge „viel Essig" folgt, erhält eine dünnere, essig-apfelige Sauce mit Brotstückchen.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-016-orig" n="Galram" resp="#fyndling">Vermutlich Schreibvariante von 'Galreide' (Gallert, Sülze), ein Sammelbegriff für dicke, würzige Saucen. Trotz des Namens ohne echtes Geliermittel: hier eine mit Pfefferbrot gebundene Essig-Apfelsauce.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-016-orig" n="durch geschlagen" resp="#fyndling">Bezeichnet das Durchschlagen (Durchstreichen) von Brot durch ein Sieb oder Tuch - so entstand eine bindende Grundlage für die Sauce, ähnlich einer feinen Brotmasse.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-016-orig" n="kopf" resp="#fyndling">Gemeint ist ein gekochtes Tier-Kopfgericht, vermutlich Schweins- oder Kalbskopf, über das die Sauce gegossen wird. Kopfgerichte waren im 15. Jahrhundert eine gängige, preiswerte Speise.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-016-orig" n="erwallen" resp="#fyndling">Kurz aufwallen lassen - der Text nennt keine Dauer oder ein ausdrückliches Herunternehmen vom Feuer.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-017-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalt servierte, fein passierte Wildleber-Paste: Hirschleber wird gebraten, mit eingeweichtem Roggenbrot, Honig und Wein im Mörser zerstoßen, durch ein Tuch getrieben, gewürzt und noch einmal aufgekocht. Die nächste lebende Verwandtschaft ist die Leberpastete bzw. Terrine - trotz des Namens 'Galrai/Galantine' aber keine echte Aspik-Sülze, denn ein Geliermittel wird nicht genannt. Die Bindung kommt allein vom Roggenbrot, das Ergebnis ist eher ein dickes Leber-Mus als eine schnittfeste Terrine.

Die unleserliche Stelle. 'schnid daz ? vsser dar ab' enthält ein in der Handschrift unleserliches Wort zwischen 'daz' und 'vsser'. 'Vsser' selbst (='das Äußere') ist durch die Parallelüberlieferung eindeutig belegt - abgeschnitten wird die äußere Schicht der gebratenen Leber. Was genau das unleserliche Zusatzwort näher bestimmt hätte, bleibt offen.

Warum zweimal erhitzt wird. Das Braten macht die Leber fest genug zum Zerstoßen und gibt Röstaromen. Das spätere Aufwallen ('erwellen') nach dem Passieren gart auch die roh zugesetzten Zutaten - Honig und Wein - noch einmal mit durch, bevor die Masse kalt serviert wird.

Praxis. Leber braten, auskühlen lassen, äußere Schicht abschneiden. Im Mörser (ersatzweise Stabmixer) mit eingeweichtem Roggenbrot, Honig und Wein zerstoßen, durch ein Tuch (ersatzweise feines Sieb) treiben, würzen und kurz aufkochen. Danach gut durchkühlen lassen und kalt servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-017-orig" n="leber galrain / leber galray" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#galray">Bezeichnet eine 'Leber-Galantine': eine kalt servierte, gewürzte Leberpaste. Da im Text kein Geliermittel genannt wird, ist hier eher ein dickes Mus als eine feste Aspik-Terrine gemeint - die Bindung kommt vom eingekochten Roggenbrot.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-017-orig" n="rugin brot" resp="#fyndling">Roggenbrot dient hier als Bindemittel für die Leberpaste, ganz im Sinne der Zeit: gebunden wurde mit Brot, Mandeln oder Ei, nicht mit Mehl.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-017-orig" n="erwell" resp="#fyndling">Von mhd. 'erwellen' = aufwallen, aufkochen lassen. Die durchgetriebene Lebermasse wird hier noch einmal kurz erhitzt, bevor sie zum Auskühlen weggestellt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-017-orig" n="bewuertz" resp="#fyndling">Verb-Imperativ 'bewürze/würze es' - eine allgemeine Anweisung zum Nachwürzen, ohne dass ein bestimmtes Gewürz genannt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-017-orig" n="daz ? vsser dar ab" resp="#fyndling">'Vsser' (='das Äußere') ist ein cross-ms bezeugter, stabiler Begriff (vgl. m384-033, m5919-054, ri15632-016: 'schnid/schneid/schneyd daz/das ausser darab'). Das unleserliche Zeichen in ka1 markiert ein zusätzliches Wort vor 'vsser', das in keiner der Parallelhandschriften vorkommt - vermutlich eine buchspezifische nähere Bestimmung, deren genauer Wortlaut offenbleibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-017-orig" n="daz ? vsser dar ab" resp="#fyndling">Zwischen dem Artikel 'daz' und dem gut bezeugten Wort 'vsser' (='das Äußere') steht in der Handschrift ein zusätzliches, unleserliches Wort. 'Vsser' selbst ist eindeutig - abgeschnitten wird die äußere Schicht der gebratenen Leber; offen bleibt nur, was das unleserliche Zusatzwort näher bestimmt hätte.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-018-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kleine Wildvögel, vorgegart in Fleischbrühe und dann in Schmalz knusprig gebraten, serviert in einer mit Kalbs- oder Schafsleber und Brot gebundenen Wein- oder Essigsauce. Die Bindetechnik - zerstoßene Leber mit Brot als Sämigungsmittel, durch ein Tuch geschlagen - lebt lose in der klassischen französischen Wildgeflügelsauce nach Salmis-Art sowie der Leber-/Blutsauce zur Rouen-Ente weiter, allerdings nur als Verfahrensverwandtschaft, nicht als direkte Rezeptlinie.

Zweistufige Garung. Erwellen (Aufsieden in Fleischbrühe) vor dem knusprigen Anbraten in Schmalz ist eine klassische Zweistufen-Garung für kleine Wildvögel: das Vorgaren macht das Fleisch zart, das Anbraten in Fett bringt die knusprige Haut.

Die Leber-Brot-Sauce. Leber und Brot im Verhältnis 1:1 im Mörser zerstoßen, mit Wein oder Essig verrührt und durch ein Tuch geschlagen, ergibt eine sämige, klumpenfreie Sauce - ein zeittypisches Bindeprinzip ohne Mehlschwitze. Das abschließende Aufsieden in der Pfanne gart zugleich die zuvor rohe Leberpaste durch.

Praxis. Der Magen wird beim Ausweiden wie üblich gereinigt (Inhalt entfernt) und danach leer wieder in den Vogel gesteckt, bevor dieser in der Brühe vorgegart wird. Vögel und Sauce laufen als zwei unabhängige Teilprozesse und werden erst am Ende zusammengeführt: Die vorgebratenen Vögel kommen in die fertige Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-018-orig" n="kranat fogel" resp="#fyndling">Krammetsvögel (Wacholderdrosseln), benannt nach der Wacholderbeere ('Krametbeere'), von der sich diese Drosseln im Herbst ernähren. Die Schwesterhandschrift m384 nennt das Gericht 'reckolter fogel' und bestätigt diese Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-018-orig" n="magen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen">Hier wörtlich der Magen des Vogels: nach dem Ausweiden wird er ganz wieder in den Vogel gesteckt, statt entfernt zu werden.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-018-orig" n="morser" resp="#fyndling">Gemeint ist der große Fleischmörser der Küche, kein kleiner Gewürzmörser. Siehe FAQ.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-018-orig" n="win dar an oder essich" resp="#fyndling">Diese Handschrift nennt Wein oder Essig als Alternative; die Schwesterhandschrift m384 schreibt an derselben Stelle 'win vnd essich' (beides zusammen) - eine echte lexikalische Variante zwischen den Handschriften, siehe Anmerkungen zur Übersetzung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-018-orig" n="win dar an oder essich" resp="#fyndling">Wein ODER Essig als echte Alternative, gemäß dem 'oder' im Originaltext dieser Handschrift.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-018-orig" n="magen ... gantz wider in (Reinigung nicht explizit genannt)" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen">Der Magen wird im Zuge des Ausweidens wie üblich gereinigt (Inhalt entfernt) und danach leer wieder in den Vogel gesteckt - moderner Standard, den wir als Praxisempfehlung übernehmen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-019-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalte, dickflüssige Würzsauce aus Wein, Essig, Honig und zerstoßenem Lebzelten (Lebkuchen). Trotz des Namens „Galrat/Galray“ kein festes Gelee - es fehlt jedes Geliermittel wie Fischblase, der Lebzelten dient allein als Andickmittel. Die nächste lebende Verwandtschaft ist die bis heute in der rheinischen Küche gebräuchliche Praxis, Sauerbraten-Sauce mit zerbröseltem Lebkuchen oder Printen zu binden und süß-sauer abzuschmecken - dieselbe Kombination aus Essig, Süße und Lebkuchen-Bindung, nur heute meist warm statt kalt serviert.

„etwer“ - kein Hapax, sondern ein Gefäß. Die Annotation deutete „etwer“ bisher als Verschreibung von mittelhochdeutsch „eteswaz“ ('etwas'). Die Schwester-Handschrift Cgm 384 hat an derselben Stelle des fast wortgleichen Textes „etwar“ stehen, ein belegtes mittelhochdeutsches Adverb (eteswâ, 'irgendwohin'). Die praktische Übersetzung („in ein Gefäß gießen“) bleibt davon unberührt, nur die Herleitung stützt sich jetzt auf den belegten Nachbarwortlaut statt auf eine unbelegte Vermutung.

Praxis. Stoße Wein, Essig, Honig und zerbröckelten Lebzelten miteinander. Seihe die Masse durch ein Tuch. Lass sie einmal aufsieden und gieße sie dann in ein Gefäß; kalt gestellt bindet sie zu einer sämigen Sauce. Wein, Essig, Honig und Lebkuchen sind unempfindliche Vorratszutaten, und die durch Essig und Honig selbst konservierende Sauce braucht keine Kühlung. Mengenverhältnisse und Sieddauer nennt die Quelle nicht - hier hilft nur Abschmecken nach Gefühl.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-019-orig" n="galrain" resp="#fyndling">Bezeichnet hier keine feste Gallerte/Aspik, sondern eine dickflüssige, kalt servierte Würzsauce. Gebunden wird sie durch den zerstoßenen Lebzelten, nicht durch ein echtes Geliermittel wie Fischblase.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-019-orig" n="lebzelten" resp="#fyndling">Lebzelten ist gewürztes Honig-Gebäck, ein Vorläufer des heutigen Lebkuchens. Hier dient er zerstoßen als Andick- und Würzmittel für die Sauce, ähnlich wie anderswo geriebenes Brot zum Binden verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-019-orig" n="etwer" resp="#fyndling">Die Schwester-Handschrift Cgm 384 hat an derselben Textstelle des fast wortgleichen Rezepts „etwar“ stehen - ein mittelhochdeutsches Adverb (eteswâ, 'irgendwohin'), nicht das Pronomen 'eteswer' ('jemand') oder eine vermutete Verschreibung von 'eteswaz' ('etwas'). Gemeint ist: die Sauce wird nach dem Sieden in ein Gefäß gegossen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-019-orig" n="galrain / galray" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#galray">Als dickflüssige, kalt servierte Würzsauce übersetzt, gebunden durch zerstoßenen Lebzelten, NICHT als fester Aspik.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-019-orig" n="etwer" resp="#fyndling">Im Sinne von 'in ein Gefäß gießen' gelesen: nach dem Sieden wird die Sauce eingegossen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-020-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Galray ist hier keine feste Sülze, sondern eine kalte, dickliche Würzsauce aus Essig, Wein, Honig und Pfeffer(brot), mit eingekochtem Brot gebunden. Sie reiht sich in die mittelalterliche Familie brotgebundener, essigbasierter Würzsaucen ein und lebt im Prinzip einer kalten süßsauren Sauce zu kaltem Braten oder Fisch bis heute fort.

Die Schwester-Handschrift Cgm 384 (Rezept m384-036) überliefert an fast identischer Stelle einen wortgleichen Text - Zutatenfolge, Verfahren und Verwendungszweck sind damit unabhängig bestätigt.

Ob im Mörser rohe Pfefferkörner und Brot getrennt gestoßen werden oder ein fertiges Pfefferbrot (Gewürzbrot) allein verarbeitet wird, lässt sich am Wortlaut nicht abschließend klären - diese Fassung führt Pfeffer und Brot als zwei Zutaten.

Praxis. Essig, Wein und Honig mit Pfeffer und Brot zusammen zerstoßen (Mörser oder ein stabiles Gefäß), die Masse durch ein Tuch oder feines Sieb ziehen, dünnflüssig einstellen und nach Geschmack würzen. Einmal kurz aufwallen lassen, dann kalt stellen. Als kalte Würzsauce zu gesottenem oder gebratenem Fisch, Fleisch oder Wildbret servieren - der klassische Kontrast einer kalten Sauce zu warmem Gargut.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-020-orig" n="galrain" resp="#fyndling">Vom mhd. 'galreide' (Gallerte, Gelee) abgeleiteter Sauce-/Gerichtname. Trotz des Namens hier ohne Geliermittel, also eine dickliche Würzsauce statt fester Sülze.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-020-orig" n="erwels" resp="#fyndling">Von 'erwellen' = kurz aufwallen lassen, einmal aufkochen. Die Sauce wird also nur kurz erhitzt, nicht lange gekocht.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-020-orig" n="bewurtz" resp="#fyndling">Von 'würzen' - eine allgemeine Aufforderung, die Masse nach Geschmack zu würzen; der Text nennt hier nur Pfeffer als konkretes Gewürz.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-020-orig" n="weder" resp="#fyndling">Hier nicht das moderne 'weder ... noch', sondern eine fnhd/alemannische Nebenform von 'wenn/wann' (temporal) - belegt durch die Schwester-Handschrift m384-036, die an derselben Stelle 'wenn du wilt' hat. Die Übersetzung 'wann immer du willst' ist korrekt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-020-orig" n="pfeffer brot" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Möglicherweise ein Kompositum 'Pfefferbrot' (ein gewürztes Brot als Binde- und Würzgrundlage, statt zwei getrennter Zutaten Pfeffer und Brot) - so gelesen in den ka1-Geschwisterrezepten ka1-009, ka1-016, ka1-021 sowie im Zwilling m384-036 an derselben Textstelle. Diese Fassung führt Pfeffer und Brot noch als zwei Einzelzutaten; die Zusammenlegung ist redaktionell noch nicht entschieden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-020-orig" n="galrain / galray" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#galray">Als Gerichtname einer dickflüssigen, kalt servierten Würzsauce gelesen, nicht als feste Gallerte/Aspik, da kein Geliermittel im Text genannt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-020-orig" n="gebrautes" resp="#fyndling">Als Schreibvariante von 'gebraten' (geröstet/gebraten) gelesen, parallel zu 'gesotten' als zweite Zubereitungsart für Fisch, Fleisch oder Wildbret.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-020-orig" n="pfeffer brot" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Als zwei getrennte Zutaten gelesen: Pfeffer (Gewürz) und Brot (Bindemittel), wie aktuell in den ingredients geführt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-021-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalte, süß-saure Würzsauce zu Fisch: Wein, Essig und Fischbrühe, mit Honig gesüßt und gefärbt, mit zerstoßenem Pfefferbrot gebunden, einmal aufgekocht und kalt zu gesottenem oder gebratenem Fisch gereicht. Der Name „Galrain“ erinnert an Gallerte oder Aspik, doch weder hier noch in den benachbarten Ka1-Rezepten (ka1-019, ka1-020) wird ein Geliermittel genannt - gemeint ist eine dickliche, kalte Würzsauce, keine schnittfeste Sülze.

Der Fund in der Schwester-Handschrift. In Cgm 384 (München) steht mit m384-037 eine nahezu wortgleiche Fassung desselben Rezepts. Sie klärt zwei Stellen: „blouß erwelt“ gehört zum Verb erwellen (aufkochen, aufwallen lassen) - eine dokumentierte Kochtechnik, keine Aussage über eine „Auswahl“ von Zutaten. Und „saeltz“ meint „Salse“, also eine würzige Tunke, nicht Speisesalz.

Praxis. Die Fischbrühe kochen (bei kollagenreichem Fisch dickt sie dabei leicht an), dann mit Wein, Essig und Honig verrühren, mit zerstoßenem Pfefferbrot binden und würzen, und die Mischung einmal kurz aufkochen lassen. Danach abkühlen lassen und kalt zu gesottenem oder gebratenem Fisch als Sauce servieren. Da die Sauce warm angesetzt und erst danach kaltgestellt wird, zügig verarbeiten und kühl oder schattig lagern statt sie stundenlang in der Sonne stehen zu lassen.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-021-orig" n="galrain" resp="#fyndling">Ein „Galrain“ (verwandt mit Gallerte) erinnert im Namen an Aspik, ist aber ohne genanntes Geliermittel - wie auch die benachbarten Ka1-Rezepte (ka1-019, ka1-020) und die Schwester-Handschrift m384-037 zeigen - eine dickliche, kalte Würzsauce, keine schnittfeste Sülze. Sie dient als Beilage zu Fisch oder Fleisch.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-021-orig" n="fischen brugen" resp="#fyndling">Hier als „Fischbrühe“ übersetzt: eine Brühe, die aus Fischresten (Köpfen, Gräten) gekocht wird und bei kollagenreichem Fisch leicht geliert.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-021-orig" n="pfeffer brot" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Ein dunkles, gewürztes Brot, das im Mittelalter häufig als Bindemittel, Farbstoff und Geschmacksgeber in Saucen und Eintöpfen verwendet wurde. Es liefert hier die Würzung und die dunkle Farbe.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-021-orig" n="blouß erwelt" resp="#fyndling">Vom Verb erwellen: kurz aufkochen oder aufwallen lassen - ein im Korpus vielfach belegter Kochterminus (u. a. Lexer „er-wëllen“, Grimm/DWB „fervefacere“). Die Schwester-Handschrift m384-037 hat an derselben Stelle „blosz erwolt“ und bestätigt diese Lesart. Gemeint ist, dass die Sauce nur einmal kurz aufgekocht wird - keine Aussage über eine „Auswahl“ von Zutaten.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-021-orig" n="saeltz" resp="#fyndling">„Saeltz“ meint hier „Salse“, also eine würzige Tunke oder Sauce, nicht Speisesalz - so auch von der Schwester-Handschrift m384-037 an derselben Stelle annotiert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-021-orig" n="gesotten gesoten" resp="#fyndling">Als einmal ‚gesotten‘ (gekocht) übersetzt, da die doppelte Nennung als Schreibfehler oder Redundanz im Originaltext interpretiert wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-021-orig" n="gewurtzet vnd gefaerbet mit hong vnd mit pfeffer brot" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Die Formulierung wird so interpretiert, dass Honig und Pfefferbrot die spezifischen Mittel sind, die sowohl zum Würzen als auch zum Färben des Galrain verwendet werden, ohne dass weitere Gewürze impliziert sind.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-022-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalte, dunkle, würzige Wildleber-Gallerte: gebratene Hirschleber wird mit Roggenbrot, Honig und Essig zu einer Paste gestoßen, durch ein Tuch gezogen, gewürzt und aufgekocht - dabei dunkelt die Masse nach - und schließlich kalt über die gebratene Leber gegeben, die darin noch einmal erhitzt wird. Die nächste lebende Verwandte ist die Lebersülze der Feinkosttheke, nur dass hier Brot statt Gelatine bindet. Strukturell steht das Gericht zudem in der älteren Tradition der brotgebundenen, dunklen, essig-süßsauer gewürzten Wildsaucen.

Die äußere Haut. Nach dem Braten wird das „vsser“ abgeschnitten - wörtlich nur „das Äußere“. Gemeint ist plausibel die angebratene Außenhaut der Leber, auch anhaftende Sehnen kommen infrage; die Schwesterüberlieferung m384-038 stützt mit ihrer eigenen Glosse die Lesart „Außenhaut“.

Zweimal gegart. Die Leber wird laut Text zweimal gegart: erst gebraten, dann am Ende nochmals in der fertigen Gallerte erhitzt. Aus heutiger Küchenpraxis ist das für ein Organ wie Leber eher ungünstig - sie wird beim zweiten Garen tendenziell trocken und körnig -, aber genau diese Reihenfolge steht so im Text und in der nahezu identischen Schwesterüberlieferung m384-038. Es handelt sich also um eine reale, dokumentierte historische Zubereitungsfolge mit einer echten texturellen Schwäche, nicht um einen Übersetzungsfehler.

Praxis. Die Hirschleber gut durchbraten, die angebratene Außenhaut abschneiden und die Leber im Mörser oder mit einem kräftigen Mixer mit Roggenbrot, Honig und Essig zu einer feinen Masse stoßen. Die Masse durch ein Tuch ziehen, würzen und kurz aufkochen lassen - dabei dunkelt sie nach. Kalt zur gebratenen Leber geben und die Leberstücke darin noch einmal kurz erhitzen. Da die fertige Gallerte kalt serviert wird und gegartes Leberfleisch enthält, ist sie leicht verderblich: eine durchgehende Kühlmöglichkeit ist an einem warmen Markttag keine Kür, sondern nötig.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-022-orig" n="Galrait" resp="#fyndling">Eine 'Gallerte' (mhd. galreide) bezeichnete im Mittelalter oft eine dickflüssige, würzige Sauce, die kalt serviert wurde und nicht zwingend geliert war wie moderne Sülze. Die Bindung erfolgte hier durch Brot.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-022-orig" n="hiersleber" resp="#fyndling">Hirschleber war eine geschätzte Zutat in der mittelalterlichen Küche, oft für Saucen oder Pasteten verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-022-orig" n="vsser" resp="#fyndling">Bezieht sich auf die äußere Haut oder die Sehnen der Leber, die vor der Weiterverarbeitung entfernt werden sollten.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-022-orig" n="ruggim brott" resp="#fyndling">Roggenbrot diente als Bindemittel und Geschmacksgeber, der zur dunklen Farbe der Gallerte beitrug.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-022-orig" n="erwellen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#erwellen">Bedeutet 'aufkochen' oder 'aufwallen lassen'. Hier wird die Gallerte nach dem Mischen nochmals erhitzt, um die Aromen zu verbinden und die Haltbarkeit zu verbessern.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-022-orig" n="schwartz" resp="#fyndling">Die dunkle Farbe der Gallerte entsteht durch die Kombination von Roggenbrot, Honig, Essig und den verwendeten Gewürzen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-022-orig" n="hiersleber" resp="#fyndling">Hirschleber. Dies ist die explizite Angabe im vorliegenden Originaltext.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-022-orig" n="vsser" resp="#fyndling">Die äußere, angebratene Haut der Leber. Diese wird nach dem Braten abgeschnitten, bevor die Leber weiterverarbeitet wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-022-orig" n="zuch es durch" resp="#fyndling">Ziehe die Masse durch ein Tuch. Das Objekt wird im Originaltext nicht genannt (elliptisches 'durch'); die Ergänzung folgt der im Ka1-Korpus belegten Konvention (z.B. ka1-015: 'durch ain tuoch').</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-023-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalte, brotgebundene Knoblauchsauce zur Gans: Knoblauch und eingeweichtes Weißbrot zu gleichen Teilen zerstoßen, mit Weinessig und Honig süß-sauer angerührt und passiert, dann zur zubereiteten Gans gereicht. Das Grundprinzip - kräftiges Geflügel mit einer scharf-säuerlichen, brotgebundenen Sauce statt einer Bratensauce zu servieren - ist bis heute in mediterranen Knoblauch-Brot-Saucen wie Agliata oder Skordalia lebendig.

Mörser oder nicht? Das Transkript nennt für das Zerstoßen von Knoblauch und Weißbrot kein Gefäß (‚stosß daz wol‘). Die fast wortgleiche Schwester-Rezeptur ka1-029 im selben Codex nennt hier ausdrücklich einen Mörser (‚stosß daz in ainem morser‘) - eine plausible, aber für ka1-023 selbst nicht belegte Ergänzung.

Durchziehen, aber wodurch? Ebenso bleibt offen, wodurch die Mischung gezogen wird: ka1-023 sagt nur ‚zuch es vor hin durch‘, ohne ein Tuch oder Sieb zu nennen. Das ist im Ka1-Korpus keine Ausnahme - auch andere Rezepte der Handschrift verwenden ‚durch‘ ohne Objekt als knappe Formel fürs Passieren. Die Schwester-Rezeptur ka1-029 füllt die Lücke mit ‚durch ain tuach‘ - stützt die naheliegende Praxis, ersetzt aber keinen fehlenden Beleg in ka1-023 selbst.

Kalt oder gekocht? Anders als ka1-029, das die Sauce nach der Honigzugabe ausdrücklich aufkochen lässt, kennt ka1-023 keinen Kochschritt. Die Sauce bleibt hier eine kalte, ungekochte Würzpaste - Essig und Honig sorgen zugleich für die Haltbarkeit.

Praxis. Knoblauch und eingeweichtes, ausgedrücktes Weißbrot zu gleichen Teilen im Mörser zu einer feinen Paste zerstoßen. Mit Weinessig und Honig zu einer gießfähigen, süß-sauren Sauce verrühren und durch ein feines Tuch oder Sieb streichen, bis sie glatt ist. Kalt zur fertig zubereiteten Gans reichen. Wer würzen möchte, kann sparsam Pfeffer, Ingwer oder Zimt zugeben - laut Rezept ist das aber nicht die übliche Praxis.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-023-orig" n="Galrait" resp="#fyndling">Im Mittelalter ein vielseitiger Begriff, der sowohl eine gelierte Sülze als auch eine dickflüssige, oft passierte Sauce bezeichnen konnte. Hier, ohne explizites Geliermittel, ist eine Sauce wahrscheinlicher - eine Lesart, die die wortgleiche Schwester-Rezeptur m384-039 unabhängig bestätigt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-023-orig" n="die wol vnd schon berait sy" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">‚schon‘ ist hier eine unumgelautete Schreibvariante von ‚schön‘ im Sinne von ‚gut/ordentlich‘ - keine spezifisch bairisch-österreichische Dialektform. Die wortgleiche Schwester-Handschrift m384-039 liest dieselbe Formulierung ebenso als ‚gut und schön zubereitet‘.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-023-orig" n="stosß daz wol" resp="#fyndling">Das Transkript nennt kein Gefäß für das Zerstoßen. Ein Mörser ist die naheliegende Praxis und wird von der Schwester-Rezeptur ka1-029 im selben Codex ausdrücklich genannt (‚in ainem morser‘) - für ka1-023 selbst ist das eine plausible, aber nicht wörtlich belegte Ergänzung.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-023-orig" n="zuch es vor hin durch" resp="#fyndling">‚vor hin‘ ist hier ein Adverb im Sinne von ‚vorher/zuvor‘, nicht richtungsanzeigend. Das Transkript nennt kein Passiermedium - kein ‚tuoch‘ oder ähnliches. ‚Durch‘ ohne Objekt ist im Ka1-Korpus eine wiederkehrende, elliptische Kurzformel fürs Passieren; die Schwester-Rezeptur ka1-029 füllt sie mit ‚durch ain tuach‘, was die naheliegende Praxis stützt, aber keine wörtliche Aussage von ka1-023 ist.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-023-orig" n="es ist nit gewonlich" resp="#fyndling">Dieser Hinweis bedeutet, dass die Grundrezeptur ohne zusätzliche Gewürze als ausreichend und typisch galt. Gewürze waren teuer und wurden oft sparsam oder nur für besondere Anlässe verwendet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-023-orig" n="Galrait" resp="#fyndling">Eine dicke, passierte Knoblauch-Sauce mit süß-säuerlicher Note, die als Beilage zur Gans dient.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-024-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzer Tierkopf - wahlweise vom Bären oder vom Schwein - wird gar gesotten, die Schwarte gitterförmig eingeschnitten, aber am Knochen belassen, auf dem Rost mit heißem Schmalz übergossen, in den Einschnitten gewürzt und trocken, also ohne Sauce, serviert. Ein Prunk- und Schaugericht der Festtafel, kein Alltagsessen - der bis heute bekannte ganze Schweinskopf beziehungsweise das Spanferkel vom Rost ist der lebende kulinarische Nachfahre dieser Zubereitungsidee.

Die Würfelschnitte. Das gitterförmige Einschneiden der Schwarte, ohne sie vom Knochen zu lösen, dient zwei Zwecken zugleich: Es vergrößert die Oberfläche, sodass Gewürz und Schmalz besser haften, und es sorgt für die dekorative, würfelige Optik, mit der der Kopf als Ganzes präsentiert wird.

Zwei Garschritte. Zuerst wird der Kopf gesotten, bis das zähe Kopffleisch und Bindegewebe durchgegart und die Schwarte schnittfest ist. Erst danach kommt er auf den Rost: Das Übergießen mit heißem Schmalz ist kein weiterer Garschritt, sondern ein Oberflächen-Finish, das die bereits gare Schwarte glasiert.

Praxis. Der Originaltext nennt weder Siedezeit noch Temperatur - das bleibt der Einschätzung überlassen. Ein großer Kopf braucht mehrere Stunden im leicht köchelnden Sud, bis das Fleisch gar, aber noch fest genug ist, dass die Würfelschnitte ihre Form halten (zu lang gesotten, fällt das Fleisch vom Knochen und die Optik geht verloren). Für die Rost-Phase heißes Schmalz mehrfach über den Kopf gießen, bis die Schwarte glänzt, und erst danach Gewürz in die Einschnitte streuen, damit es haften bleibt. Serviert wird ohne Sauce - der Kopf steht als Ganzes im Mittelpunkt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-024-orig" n="berenkopf" resp="#fyndling">Im Mittelalter war Bärenfleisch eine geschätzte, wenn auch seltene, Speise für den Adel. Die Lesart 'Bärenkopf' ist im Kontext einer Alternative zum Schweinskopf plausibel. Wichtiger Hinweis: Bären sind heute streng geschützt und dürfen nicht gejagt oder gehandelt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-024-orig" n="tail in enzwai" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tail">Hier ist das Verb 'teilen' gemeint, nicht das Substantiv 'Teig'. Der Kopf soll in zwei Hälften geteilt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-024-orig" n="wirflot" resp="#fyndling">Bedeutet 'würfelförmig'. Die Haut des Kopfes wird so eingeschnitten, dass kleine Würfel entstehen, die aber am Knochen haften bleiben.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-024-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein Rost zum Braten über dem Feuer oder in der Glut.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-024-orig" n="besaeg" resp="#fyndling">Dieses Wort ist ein Hapax Legomenon in diesem Korpus, bedeutet aber im Kontext 'bestreuen' oder 'besäen' mit Gewürzen. Die Schwesterhandschrift m384-040 hat an der wortgleichen Stelle den lautnahen Kognaten 'besayge', was diese Lesart bestätigt (das dort erst im eigenständigen Anschlussrezept folgende 'bestrow' gehört nicht zu dieser Parallelstelle). Weitere Sachglossen dazu sind ungeklärt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-024-orig" n="wunden" resp="#fyndling">Bezieht sich auf die zuvor eingeschnittenen 'Würfel' in der Haut des Kopfes, in die die Gewürze gestreut werden sollen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-024-orig" n="besaeg" resp="#fyndling">bestreue. Das Verb 'besäen' (besaeg) bedeutet hier 'bestreuen'; die Schwesterhandschrift m384-040 hat an der wortgleichen Stelle den lautnahen Kognaten 'besayge', was diese Lesart bestätigt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-025-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzer Bärenkopf wird gesengt, zerlegt, gesotten und anschließend auf dem Rost fertiggebraten, mit Gewürz bestreut und mit einer dunklen Pfeffersauce serviert. Diese Doppelgar-Technik - erst sieden, dann rösten/grillen - ist dieselbe Methode, die bis heute bei traditionellen Wildschweinkopf-Gerichten der Landküche und in der modernen Nose-to-Tail-Küche zu finden ist.

Die Zubereitungsschritte im Einzelnen. Das Sengen entfernt Haare und Borsten von der Kopfhaut. Das Zerlegen ('von enander schlagen') verkleinert den Kopf, damit er in den Kessel passt und gleichmäßiger gart. Das anschließende gründliche Sieden macht das knorpel- und knochenreiche Kopffleisch zart, bevor die trockene Hitze des Rostes die Oberfläche bräunt. Diese Sieden-vor-Rösten-Abfolge findet sich im Korpus bei mehreren Kopf- und Sülzgerichten wieder.

Was ist 'schwartzen pfeffer'? Trotz des Namens ist damit kein gemahlenes Gewürz gemeint, sondern eine eigene Saucenkategorie: eine dunkle, meist mit geröstetem Brot gebundene Sauce, die im Korpus unter genau diesem Stichwort mehrfach als eigenständiges Rezept auftaucht und traditionell zu Wildbret gereicht wurde.

Praxis. Eine nahezu wortgleiche Fassung dieses Rezepts findet sich im Kochbuch Cgm 384 - dort fehlt der Zerlege- und Siede-Schritt vor dem Rösten, dafür wird der Kopf beim Rösten mit heißem Schmalz übergossen. Ka1-025 selbst erwähnt diese Fett-Übergießung nicht; wer den Kopf nur trocken auf dem Rost röstet, sollte mit einer trockeneren, weniger stark gebräunten Oberfläche rechnen als bei der geschmalzten Variante - das ist keine Übersetzungslücke, sondern eine echte Variante zwischen den beiden Textzeugen. Mit legalem Ersatz (Schweine- oder Wildschweinkopf) lässt sich die Abfolge sengen - zerlegen - sieden - rösten - würzen 1:1 nachvollziehen; für den Kopf allein sollte mit mehreren Stunden Sied- und Röstzeit sowie einem großen Kessel und einer Feuerstelle mit Rost gerechnet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-025-orig" n="berenkopf" resp="#fyndling">Der Lautstand 'beren' (e-Vokal) gehört zur selben Wortfamilie wie 'Bär' - der Korpus-Glossar unterscheidet ausdrücklich zwischen 'beren' (e-Vokal, Bär) und 'biren/piren' (i-Vokal, Birne). Eine Verwechslung mit 'Birne' ist damit lautlich ausgeschlossen. Die Zubereitungsschritte 'sengen', 'zerteilen', 'sieden' und 'braten' bestätigen zusätzlich zweifelsfrei die Lesart 'Bärenkopf'. Bären waren im Mittelalter eine begehrte Jagdbeute und ihr Fleisch eine Statusspeise des Adels.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-025-orig" n="beseng den gar wol" resp="#fyndling">Das Absengen dient dazu, Haare oder Borsten von der Haut des Tierkopfes zu entfernen, bevor er weiterverarbeitet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-025-orig" n="schlach in von enander" resp="#fyndling">Den Kopf in mehrere Teile zerlegen, um ihn besser sieden und braten zu können.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-025-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein Rost zum Braten über offenem Feuer oder Glut. Dies konnte ein einfacher Holzrost aus frischem Hartholz sein, der nur für eine Garung verwendet wurde, oder ein Metallrost.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-025-orig" n="schwartzen pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Im mittelalterlichen Kontext bezeichnet 'Pfeffer' oft nicht nur das Gewürz, sondern eine ganze Gattung von würzigen Saucen, die oft mit Brot gebunden und dunkel gefärbt waren. Eine 'schwarze Pfeffersauce' war eine typische Begleitung zu Wildbret.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-025-orig" n="schwartzen pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Die Lesart 'Schwarze Pfeffersauce' (eine dunkle, würzige Sauce) wurde gewählt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-026-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Ein langsam weichgesottenes, kollagenreiches Extremitätengericht: Bärenpfoten samt Zehen, serviert in gebundener gelber Pfeffersauce. Die Zubereitungslogik ist dieselbe wie bei bindegewebsreichen Teilen, die durch langes Sieden weich werden und deren austretende Gelatine die Sauce mitbindet - vergleichbar mit Eisbein, Schweinshaxe oder Kalbsfuß-Sülze. Das Rezept steht in der Handschrift unmittelbar nach dem Bärenkopf (ka1-025) und setzt damit eine kleine Bären-Rezeptfolge fort.

Die Zerlegung: "nach den zechen".

Die Schwester-Handschrift m384-041 (Cgm 384, Münchner Kochbuchhandschriften) überliefert dieselbe Stelle nahezu wortgleich als nach den czechen und löst sie im kritischen Apparat als "Zehen" auf - die Zehenglieder der Bärenpfote. MHDBDB führt für diese Schreibvariante zusätzlich das Lemma zêhe (Bedeutungsfeld Körper/Gliedmaßen). Küchenpraktisch ist das stimmig: Eine Pfote (hend fuss) hat keine Rippen, wohl aber Zehengelenke, entlang derer sich das weich gegarte Gewebe sauber teilen lässt.

Praxis.

Die Pfoten werden vor dem Garen grob vom Tier getrennt, dann sehr gründlich gesotten - der Text nennt keine Zeitangabe, nur gar wol (sehr gründlich). Praxis-Richtwert: sieden, bis sich das Fleisch von den Knochen löst beziehungsweise mit der Gabel zerfällt, der übliche Gartest für sehnen- und bindegewebsreiches Gargut. Erst danach, im weich gegarten Zustand, wird der Länge nach und entlang der Zehengelenke zerteilt. Dazu kommt eine gebundene gelbe Pfeffersauce (siehe Grundlagen).</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-026-orig" n="beren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#beren">Die Form 'beren' kann im Mittelhochdeutschen auch 'Birnen' oder 'Beeren' bedeuten. Im Kontext von 'Hände und Füße schneiden' und 'sieden' ist jedoch eindeutig ein Tier gemeint, hier als 'Bär' interpretiert.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-026-orig" n="hend fuss" resp="#fyndling">Wörtlich 'Hände und Füße', hier als 'Pfoten' des Bären übersetzt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-026-orig" n="zechen" resp="#fyndling">Bedeutet hier 'Zehen' (Zehenglieder der Bärenpfote), nicht 'Knochen/Rippen'. Die Schwester-Handschrift m384-041 (CoReMA-Konkordanz) überliefert dieselbe Stelle als 'czechen' und löst sie im kritischen Apparat als 'Zehen' auf; MHDBDB bestätigt für diese Schreibvariante das Lemma zêhe (Bedeutungsfeld Körper/Gliedmaßen).</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-026-orig" n="gelen pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Bezeichnet hier eine würzige, gebundene Sauce. Die Parallelüberlieferung (m384) verwendet 'galray pfeffer', was eine spezifische Saucenart meint. 'Gelen' (gelb) beschreibt die Farbe dieser Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-026-orig" n="aber" resp="#fyndling">Hier nicht adversativ (modernes 'aber'), sondern 'wiederum/abermals' - markiert die Fortsetzung der vorausgehenden Bären-Rezeptfolge (vgl. ka1-025, Bärenkopf mit Pfeffersauce, direkt davor).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-026-orig" n="zechen" resp="#fyndling">Zehen (der Bärenpfote). Die Schwester-Handschrift m384-041 überliefert dieselbe Stelle als 'czechen' und löst sie im kritischen Apparat als 'Zehen' auf; MHDBDB führt für diese Schreibvariante das Lemma zêhe (Bedeutungsfeld Körper/Gliedmaßen). Küchenpraktisch naheliegend, da eine Pfote Zehengelenke, aber keine Rippen hat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-026-orig" n="gelen pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Gelbe Pfeffersauce. Die Parallelüberlieferung (m384) nennt an dieser Stelle 'galray pfeffer', was eindeutig eine Sauce bezeichnet. 'Gelen' (gelb) beschreibt die Farbe dieser Sauce.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-026-orig" n="Garzeit (&quot;gar wol&quot;)" resp="#fyndling">Der Text nennt keine Zeitangabe, nur 'gar wol' (sehr gründlich). Praxis-Empfehlung: sieden, bis sich das Fleisch von den Knochen löst bzw. mit der Gabel zerfällt - der übliche Gartest für kollagenreiches, sehnenreiches Gargut.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-027-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Lungenwurst: rohe Kalbslunge und Speck werden gehackt, gemischt, in den gereinigten Enddarm gefüllt, gewürzt und gesotten - erst danach kommt die Wurst zum Bräunen auf den Rost. Damit steht das Rezept in der Tradition der bayerisch-österreichischen Lungenwurst; entfernt verwandt ist auch das Beuschel, das dieselbe Zutatenkombination allerdings als Ragout statt als Wurst verarbeitet.

Zweistufige Garung. Sieden lässt die Füllung im Darm stocken - die Eiweiße der Innereien gerinnen durch die Hitze und fixieren die Form der Wurst -, das anschließende Rösten auf dem Rost sorgt für Farbe und Röstaromen. Dieses Prinzip, erst brühen und dann grillen, entspricht dem bis heute gebräuchlichen Verfahren für Brühwürste, etwa dem Brühen einer Weißwurst vor dem Grillen einer Bratwurst.

Praxis. Der Enddarm muss vor dem Füllen gründlich gereinigt werden - Rückstände verderben sonst den Geschmack der ganzen Wurst. Lunge und Speck werden roh gehackt, gemischt, in den Darm gefüllt und gewürzt, bevor der gefüllte Darm gesotten und danach auf dem Rost gebräunt wird. Enddarm und Lunge sind frische, empfindliche Kalbsinnereien und brauchen eine durchgehende Kühlkette bis zur Verarbeitung am Markttag; Reinigung, Hacken, Füllen und die zweistufige Garung nehmen zudem Zeit in Anspruch.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-027-orig" n="arsdarm" resp="#fyndling">Der 'Arsdarm' (Enddarm) vom Kalb wurde im Mittelalter häufig als natürliche Wursthülle für größere Würste oder gefüllte Innereien verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-027-orig" n="lungen und speck" resp="#fyndling">Die Verwendung von Lunge und Speck als Füllung ist typisch für mittelalterliche Innereienwürste. Lunge war eine preiswerte und nahrhafte Zutat, Speck lieferte Fett und Geschmack.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-027-orig" n="bewuertz" resp="#fyndling">Mittelalterliche Würzungen für herzhafte Gerichte umfassten oft Salz, Pfeffer, Ingwer und manchmal Nelken oder Muskat.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-027-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein Rost (Grill) war ein gängiges Kochgerät, um Fleisch oder Würste über offenem Feuer oder Glut zu braten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-027-orig" n="brauten" resp="#fyndling">'Braten' als Titel oder einleitende Handlungsanweisung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-027-orig" n="von dem von dem" resp="#fyndling">Die Wiederholung 'von dem von dem' ist ein Schreibfehler und wird als 'von dem' gelesen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-028-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzes, am Spieß gebratenes Spanferkel mit einer Innereien-Ei-Füllung, das am Ende durch eine der Länge nach durch das Maul gezogene Bratwurst tafelfertig inszeniert wird - ein Schaugericht der spätmittelalterlichen Festküche, kein Alltagsgericht. Sein lebender Nachfahre ist das bis heute auf Festen und Mittelaltermärkten übliche Spanferkel am Spieß; die Innereien-Ei-Füllung selbst hat darin keine unmittelbare Entsprechung mehr, ist aber mit alten Innereien-Farcen verwandt, wie sie etwa in Wurst- und Sülzetraditionen fortleben.

Die Füllung entsteht aus Eiern, die in heißem Schmalz zu einer festen Masse gerührt werden, vermengt mit fein gehackter Lunge, Leber und Niere (oder allein Lunge). Diese eibasierte Masse bindet die Innereien zu einer formbaren Füllung, die während des mehrstündigen Bratens weiter festigt.

Ungeklärt bleibt die Anweisung erstreckes daz faerchlin gar wol in ainem kessel: Wörtlich heißt „erstrecken" nur „ausstrecken/auslegen", und die textnahe Schwesterhandschrift m384-043 übersetzt dieselbe Stelle mit „lege das Ferkel gut in einen Kessel" - ein reiner Handhabungsschritt vor dem Spießen, ohne Vorgaren. Ein dritter, unabhängiger Textzeuge derselben Rezeptfamilie, das Rheinfränkische Kochbuch (rfk-051), verwendet an strukturell gleicher Stelle jedoch das eindeutige Verb „erwellen" (abbrühen/blanchieren). Ob der Kessel-Schritt hier also nur ein Ablegen/Herrichten oder ein kurzes Blanchieren meint, ist zwischen den Zeugen nicht einheitlich geklärt und bleibt offen.

Auch staettenklich (beim Einsalben) ist doppeldeutig: Es kann „beständig/wiederholt" (zeitlich) oder „gehörig/gleichmäßig" (nach Art und Weise) bedeuten - beide Lesarten sind belegt. Der Text selbst nennt als Ziel nur, dass die Haut nicht verbrennt oder zu hart wird.

Praxis. Für die Füllung Eier in heißem Schmalz zu einer festen Masse verrühren, mit fein gehackten Innereien (Lunge, Leber, Niere) mischen und mit den üblichen Gewürzen sowie einem periodetreuen Färbemittel abschmecken. Das ausgenommene Ferkel damit füllen, auf einen langen Spieß stecken und über offenem Feuer mehrere Stunden langsam drehbraten, dabei die Haut regelmäßig mit Schmalz einreiben, damit sie nicht verbrennt oder zu hart wird. Zum Abschluss lässt sich eine gebratene Wurst der Länge nach durch das Maul ziehen, bevor das Ferkel aufgetragen wird.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-028-orig" n="spanfaerchlin" resp="#fyndling">Ein junges, noch gesäugtes Schwein, das für festliche Anlässe gebraten wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-028-orig" n="schmalcz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz, das hier sowohl für die Füllung als auch zum Bestreichen des Ferkels verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-028-orig" n="rur sy wol fast" resp="#fyndling">Bedeutet, die Eier kräftig und gründlich zu rühren, bis sie eine feste Konsistenz annehmen oder gut vermischt sind.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-028-orig" n="leberlin" resp="#fyndling">Diminutiv von Leber, also eine kleine Leber.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-028-orig" n="bewurtz vnd faerbs" resp="#fyndling">Eine Standardanweisung in mittelalterlichen Rezepten, die besagt, die Füllung zu würzen und farblich ansprechend zu gestalten. Spezifische Gewürze oder Färbemittel werden hier nicht genannt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-028-orig" n="erstreckes" resp="#fyndling">Wörtlich „ausstrecken/auslegen". Ob damit nur das Vorbereiten des Ferkels vor dem Spießen oder auch ein kurzes Blanchieren gemeint ist, ist zwischen den Parallelüberlieferungen nicht einheitlich geklärt (siehe interpretive_choices).</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-028-orig" n="spis" resp="#fyndling">Ein langer Bratspieß, der über offenem Feuer gedreht wird.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-028-orig" n="staettenklich" resp="#fyndling">Doppeldeutig zwischen „beständig/wiederholt" (zeitlich) und „gehörig/gleichmäßig" (nach Art und Weise) - beide Bedeutungsfelder sind belegt. Gemeint ist in jedem Fall, das Ferkel während des Bratens durchgehend einzusalben, damit die Haut nicht verbrennt oder zu hart wird.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-028-orig" n="zwierest / brauten zwierest" resp="#fyndling">Hapax legomenon im Ka1-Korpus. Die Bedeutung „Wurst" ist über die nahezu wortgleiche Parallelstelle in der Schwesterhandschrift m384-043 („gebrauten wurst") gut abgesichert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-028-orig" n="erstreckes" resp="#fyndling">Die Anweisung 'erstreckes daz faerchlin gar wol in ainem kessel' wird wörtlich als 'lege/strecke das Ferkel gut in einem Kessel aus' übersetzt. Alle einschlägigen Wörterbuchbelege zu 'erstrecken' (Stratmann, Mittelniederdeutsch, Mittellatein, MHDBDB) stützen nur 'ausstrecken/ausdehnen/legen'; die textnahe Schwesterhandschrift m384-043 übersetzt dieselbe Stelle als 'lege das Ferkel gut in einen Kessel', ausdrücklich ohne Vorgaren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-028-orig" n="zwierest" resp="#fyndling">Das Wort 'zwierest' in 'ain brauten zwierest' wurde als 'Wurst' übersetzt. Dies basiert auf der Parallelüberlieferung m384, die an dieser Stelle 'ain gebrauten wurst' verwendet.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-029-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Knoblauch-Galrain zur gebratenen Gans: keine Gans, die selbst zu Gallerte verarbeitet wird, sondern eine separat gereichte Sauce aus Knoblauch und Weißbrot, mit Wein und Essig gelöst, durch ein Tuch passiert und mit Honig süß-sauer abgeschmeckt. Die Schlussformel "so haustu ain guot galrain an ain ganß" (so hast du eine gute Gallerte zu einer Gans) stellt das klar: die Sauce gehört zur Gans, wird aber getrennt von ihr zubereitet und gereicht.

Naher Zwilling. Der Text ist nahezu wortgleich mit Knoblauch-Galray zur Gans aus der Münchner Handschrift Cgm 384 - beide Fassungen unterscheiden sich nur in Orthographie und einer einzigen Stelle: die Münchner Handschrift verstärkt die Würz-Anweisung zu "bewurtz es wol" (würze es gut), während dieses Rezept schlicht "bewurtz es" (würze es) hat. Verwandte Fassungen finden sich zudem im Rheinfränkischen Kochbuch (rfk-056, rfk-036) und als kürzere Vorstufe in derselben Münchner Handschrift (m384-039).

Praxis. Knoblauch und Weißbrot zu gleichen Teilen im Mörser zu einer Paste stoßen - das Brot dient hier als mittelalterliches Bindemittel anstelle einer Mehlschwitze. Mit Wein und Essig verdünnen und durch ein Tuch ziehen, um grobe Fasern zu entfernen und eine glatte Sauce zu erhalten. Danach Honig zugießen und aufkochen (erwellen = sieden), damit sich die Aromen verbinden, und würzen. Die Gans wird unabhängig davon gebraten und erst zum Servieren mit der Sauce zusammengeführt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-029-orig" n="galrain" resp="#fyndling">Der Begriff ‚Gallerte' (mhd. galreide) bezeichnet hier eine dickflüssige, würzige Sauce, die durch Brot gebunden und durch ein Tuch passiert wird, nicht zwingend eine gelierte Aspik-Speise. Da kein Geliermittel genannt wird, ist eine sämige Sauce die wahrscheinlichere Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-029-orig" n="berayt" resp="#fyndling">‚Bereit' oder ‚zubereitet'. Die Gans soll vor dem Braten entsprechend vorbereitet sein (gerupft, ausgenommen, gewaschen).</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-029-orig" n="gar schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">‚Sehr gründlich' oder ‚sehr sauber'. Die Gans soll sorgfältig und gut gebraten werden.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-029-orig" n="als vil wisses brot" resp="#fyndling">‚Ebenso viel Weißbrot' wie Knoblauch. Dies deutet auf ein Mengenverhältnis von 1:1 nach Volumen oder Gewicht hin, um die Sauce zu binden und zu verdicken.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-029-orig" n="erwell es" resp="#fyndling">‚Erwärme es' oder ‚koche es auf'. Die Sauce soll nach Zugabe des Honigs erhitzt werden, um die Aromen zu verbinden.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-029-orig" n="bewurtz es" resp="#fyndling">‚Würze es'. Es werden keine spezifischen Gewürze genannt. Typisch für die mittelalterliche Küche wären Pfeffer, Ingwer, Nelken oder andere gängige Gewürze nach Geschmack und Verfügbarkeit.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-029-orig" n="galrain" resp="#fyndling">Als ‚Gallerte' im Sinne einer dickflüssigen, würzigen Sauce, die durch Brot gebunden und durch ein Tuch passiert wird. Da kein Geliermittel genannt wird, ist eine gelierte Aspik-Speise unwahrscheinlich.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-030-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine unter der Haut gefüllte Bratgans mit mehreren wählbaren Füllvarianten (Knoblauch-Speck-Pfeffer; Wacholder-Ei-Brot-Gewürz-Speck-Birne-Petersilie; Zwiebel-Petersilie-Speck) - der Vorfahr der heutigen Weihnachts- und Martinsgans mit Obst-Kräuter-Füllung. Die Technik, Füllung unter die zuvor gelöste Haut statt nur in die Bauchhöhle zu geben, lebt bis heute im Unter-die-Haut-Würzen von Geflügel weiter.

Wacholderbeeren und Zwiebeln - zwei Cruxes, jetzt gesichert. Die Schwesterhandschrift Cgm 384 überliefert denselben Füllungsteil fast wortgleich als eigenes Rezept (m384-046) und bestätigt dort beide zuvor unsicheren Lesarten: 'wekalteren ber' / 'weckalter ber' entspricht 'reckolterber' (Reckholder, alemannisch für Wacholder), 'zulbellen' entspricht 'czubelen' (Zwiebeln). Weitere Zeugen (rfk-037, rfk-057, rfk-072) bestätigen beide Lesarten zusätzlich.

Praxis. Löse bei einer rohen Gans vorsichtig mit der Hand die Haut vom Brust- und Schenkelfleisch, ohne sie zu durchstoßen - wie man es von der Hautvorbereitung eines Huhns kennt. In diese Tasche kommt eine im Mörser gestoßene Paste aus Knoblauch, Speck und Pfeffer; das Fett aus Haut und Speck bastet die Gans beim Braten von innen. Für die Bauchhöhle eignet sich wahlweise eine zweite Füllung aus Wacholderbeeren, Ei, eingeweichtem Brot und Gewürz plus Speck, grünen (unreifen, säuerlichen) Birnen und gehackter Petersilie - Brot und Ei binden Fett und Saft zu einer kompakten Masse, die Birnen liefern eine säuerliche Note gegen das fette Gänsefleisch. Die schlichteste Variante ist eine reine Aromafüllung aus Zwiebeln, Petersilie und Speck. Am Spieß oder im Feuertopf braucht die ganze Gans rund 4 Stunden bei mittlerer, konstant überwachter Hitze, bis sie durchgebraten ist.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-030-orig" n="begriff die zwuschen hut vnd flaisch" resp="#fyndling">Mhd. 'begrîfen' ist im MHDBDB als 'greifen/fassen' (Tastsinn) belegt. Gemeint ist, die Haut vorsichtig mit der Hand vom Fleisch zu lösen, wie bei einem Huhn - die Füllung kommt danach zwischen Haut und Fleisch statt in die Bauchhöhle.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-030-orig" n="du elter sy" resp="#fyndling">Die Schwesterhandschrift m384-045 hat an dieser Stelle das grammatisch stimmige Relativpronomen 'die' (bezogen auf 'Gans'), Ka1 dagegen 'du' - vermutlich ein Schreib- oder Abschreibfehler in Ka1. Die Übersetzung folgt dem Sinn ('eine ältere Gans'), unabhängig davon, welche Form ursprünglich stand.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-030-orig" n="wekalteren ber / weckalter ber" resp="#fyndling">Die Schwesterhandschrift m384-046 hat an derselben Stelle 'reckolterber' - eine klar erkennbare Wacholderbeeren-Form (Reckholder, alemannisch/schweizerdeutsch für Wacholder, WB Goetze). Auch 'wechalter/wecholter/weck(h)older' ist bei Goetze eigenständig als frühneuhochdeutsche Dialektform von Wacholder belegt. Zusätzlich bestätigen rfk-037 ('wecholtern beren'), rfk-057 ('wacholteren') und rfk-072 ('wecholter') die Lesart - über mehrere unabhängige Zeugen gesichert, nicht nur geraten.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-030-orig" n="zulbellen" resp="#fyndling">m384-046 hat an derselben Textstelle 'czubelen', vom Glossar (Ehlert1999) eindeutig als Zwiebel belegt; rfk-057 bestätigt zusätzlich mit 'czwibollen'. Die Lesart 'Zwiebeln' ist damit über zwei unabhängige Zeugen gesichert, nicht nur phonetisch vermutet.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-030-orig" n="pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Im Kontext einer Füllung ist ‚Pfeffer‘ hier als das Gewürz zu verstehen, das zusammen mit Knoblauch und Speck die Füllung aromatisiert.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-030-orig" n="grien bieren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#bieren">‚Grüne Birnen‘ bezieht sich auf unreife oder säuerliche Birnen, die in der mittelalterlichen Küche oft für herzhafte Gerichte verwendet wurden, um eine frische, säuerliche Note hinzuzufügen, ähnlich wie Verjus oder Essig.</note>
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