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      <titleStmt>
        <title>Glauber: Reicher Schatz- und Sammelkasten, Zweite Centuria (Gefrierkonzentration) (Johann Rudolph Glauber, Reichen Schatz vnd Sammel-Kastens oder Appendicis Generalis Zweite Centuria (Amsterdam: Johan Jansson 1660), Kap. 42-43 und 96-97)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability status="restricted">
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung, Anmerkungen, Zutatenerschließung; die historische Vorlage ist gemeinfrei)</licence>
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          <title>Johann Rudolph Glauber, Reichen Schatz vnd Sammel-Kastens oder Appendicis Generalis Zweite Centuria (Amsterdam: Johan Jansson 1660), Kap. 42-43 und 96-97</title>
          <date when="1660">1660</date>
          <idno type="URI">https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb10286619</idno>
          <note>Transkription: fyndling.de, am Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek</note>
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          <p>Lesart-Entscheidungen stehen als note[@type='interpretive_choice'] im back-Teil, @n nennt die Stelle im Originaltext, @subtype die Art (lexical, philological, contextual, orthographic), list[@type='alternatives'] die erwogenen Lesarten. @cert='unknown' markiert eine ungeklärte Lesart: Die Stelle ist offen, der Text der Note gibt nur den Stand der Diskussion wieder.</p>
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        <prefixDef ident="wikidata" matchPattern="(Q[0-9]+)" replacementPattern="http://www.wikidata.org/entity/$1">
          <p>Wikidata-Entitaeten, z.B. wikidata:Q42527 = http://www.wikidata.org/entity/Q42527</p>
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          <label>CoReMA-Zutatenindex</label>
          <p>Zutaten mit source="#corema-ingredient-index" tragen @en und @commodity unveraendert aus dem Zutatenindex von CoReMA (Corpus of Recipes of the Middle Ages, Universität Graz, CC BY 4.0), zugeordnet über die exakte historische Schreibung. Der Index erfasst nur deutschsprachiges Vokabular und deckt genau die Handschriften ab, die CoReMA selbst führt. Wo wir ihn darüber hinaus angewandt haben, steht nicht dieses Ziel, sondern #fyndling-corema-index. <ptr target="https://gams.uni-graz.at/context:corema"/></p>
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          <label>Namensbasierte Zuordnung Fyndling</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-ingredient-name" haben ihre Normdaten nicht über die historische Schreibung, sondern über den von uns vergebenen modernen Zutatennamen erhalten: wo dieselbe Zutat anderswo im Korpus bereits mit einem Wikidata-Konzept verknüpft war, wurde diese Verknüpfung übernommen. Voraussetzung waren mindestens zwei unabhängige Belege im Korpus und ein deutschsprachiger Ausgangsbeleg. Die Zuordnung ist damit unsere Arbeit und nicht CoReMA zuzurechnen.</p>
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          <label>Zuordnung aus der Fyndling-Zutatenregistry</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-ingredient-registry" haben ihre Normdaten aus unserer handgepflegten Zutatenregistry erhalten: einer redaktionell gefuehrten Tabelle, die je Wikidata-Konzept die modernen Namensvarianten festhaelt, unter denen wir es im Korpus fuehren. Sie greift genau dort, wo der Korpus selbst keine Mehrheit hergibt - etwa weil derselbe Name je nach Rezept verschieden aufgeloest wurde. Die Entscheidung ist unsere und nicht CoReMA zuzurechnen. Wo eine kontextabhaengige Regel zustaendig ist (Tierart, Fastengebot), gilt nicht diese Tabelle, sondern #fyndling-ingredient-context.</p>
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          <label>CoReMA-Zutatenindex, angewandt von Fyndling</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-corema-index" tragen Werte aus dem Zutatenindex von CoReMA, angewandt aber von uns auf eine Handschrift, die CoReMA nicht führt. Die Verantwortung für diese Zuordnungen liegt deshalb bei uns, nicht beim Projekt. Besondere Vorsicht gilt bei nicht deutschsprachigen Vorlagen: der Index ist eine deutsche Wortliste, und gleich geschriebene Wörter anderer Sprachen kollidieren mit ihr (mittelenglisch „oile" ist Öl, nicht Aal; französisch „pain" ist Brot, nicht Bein). Diese Stellen sind in Durchsicht. <ptr target="https://gams.uni-graz.at/context:corema"/></p>
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          <label>Kontextregeln Fyndling</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-ingredient-context" weichen bewusst vom Index ab, weil dessen Zuordnung im Rezeptzusammenhang nicht trägt. Beispiel: CoReMA legt alle Schreibungen von „smaltz" auf Schweineschmalz fest; in Fastenrezepten ist das kirchenrechtlich ausgeschlossen, dort stehen mehrere Kandidaten mit @cert="low" statt einer Festlegung. Diese Entscheidungen sind unsere Arbeit und nicht CoReMA zuzurechnen.</p>
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        <language ident="de-x-fnhd">Frühneuhochdeutsch, gedruckt in Amsterdam 1660; chemisch-technisches Werk von Johann Rudolph Glauber</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="gla-001">
        <head>Geringen Wein am Tisch verbessern: Wasser als Eis abziehen</head>
        <div type="original" xml:id="gla-001-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#gla-001-trans">
          <p>42. Wie auff einem Tiſch in Momento, vnd bey ſein vieler Menſchen ein jeder geringer Wein vmb ein groſſes durch huͤlffe des kalten Saltzfeuͤers zu verbeſſern.
LAß dir Eins deren zu dieſem Ende zugerichteten Glaͤßlein bringen / vnd laß ſolches an dem Schnuͤrlein hinein in einem Glaſſe deines gemeinen Weins hangen / ſo wird die Concentrirte kaͤlte / ſo in dem Glaͤßlein verborgen / alſobalden daß waͤſſeriche vntuͤchtige theil auß dem Wein zu ſich ziehen / vnd ſolches alſobald zu einem naturlichen vngeſchmacken Eiß machen. Laͤſtu dan daß Glaͤßlein lang darin hangen / ſo ziehet es auch mehr Waſſer auß dem Wein / vnd machte ſolches zu Eiß. Zieheſtu es aber bald heraus / ſo zieheſtu auch deſtoweniger Waſſer darmit heraus / vnnd kanſt alſo auff dieſe weiſe vnterſchiedliche Weine aus einer Kannen ſchencken / laß deine Gaͤſte ſelber den Wein alſo machen / wie ſie ihn gern trincken. Dann auff dieſe weiſe wird daß vnnuͤtze Waſſer aus dem Wein gezogen / vnd in Eiß geſtalt davon geſcheiden. Wann dann ein theil Waſſer weg gethan worden / ſo muß nothwendig der Reſt ſo viel deſto kraͤfftiger / vnd auch lieblicher ſein / als zu vorn / da daß Waſſer noch darbey war.
Auff dieſe weiſe kan ihme ein jeder Hauß-Vatter
fuͤr ſich ſelber / vnd auch fur ſeine Gaͤſte auß einem Faß vnterſchiedliche Weine auffſetzen laſſen.
Dieſes Secretum iſt nicht allein ein Curioſes, ſondern auch ſehr nuͤtzliches ſtuͤck auff vielerley weiſſe viel gutes darmit außzurichten. Vnd wans noͤtig / koͤnte ich Tauſenterley nuͤtzliche Dinge dardurch zu wegen zu bringen anzeigen / iſt aber nicht noͤtig. Sollen dißmahls nur etliche wenige alhier bekant gemacht werden / daß vbrige kan in den andern folgenden Centuriis nach Gelegenheit der Zeit auch geſchehen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="gla-001-trans" xml:lang="de" corresp="#gla-001-orig">
          <p>Wie sich auf einem Tisch, im Augenblick und im Beisein vieler Menschen, jeder geringe Wein durch Hilfe des kalten Salzfeuers um ein Großes verbessern lässt.</p>
          <p>Lass dir eines der zu diesem Zweck zubereiteten Gläslein bringen und lass es an dem Schnürlein in ein Glas deines gewöhnlichen Weins hängen. Dann wird die konzentrierte Kälte, die in dem Gläslein verborgen ist, sogleich den wässrigen, untauglichen Teil aus dem Wein an sich ziehen und ihn sogleich zu natürlichem, geschmacklosem Eis machen. Lässt du das Gläslein dann lange darin hängen, so zieht es auch mehr Wasser aus dem Wein und macht es zu Eis. Ziehst du es aber bald heraus, so ziehst du auch desto weniger Wasser damit heraus.</p>
          <p>Und so kannst du auf diese Weise unterschiedliche Weine aus einer Kanne ausschenken. Lass deine Gäste den Wein selbst so machen, wie sie ihn gern trinken. Denn auf diese Weise wird das unnütze Wasser aus dem Wein gezogen und in Gestalt von Eis davon geschieden. Ist dann ein Teil des Wassers weggetan, so muss der Rest notwendig um so viel kräftiger und auch lieblicher sein als zuvor, da das Wasser noch dabei war.</p>
          <p>Auf diese Weise kann sich jeder Hausvater für sich selbst und auch für seine Gäste aus einem Fass unterschiedliche Weine auftischen lassen.</p>
          <p>Dieses Geheimverfahren ist nicht nur ein kurioses, sondern auch ein sehr nützliches Stück, um auf vielerlei Weise viel Gutes damit auszurichten. Und wenn es nötig wäre, könnte ich tausenderlei nützliche Dinge nennen, die sich dadurch zuwege bringen lassen, es ist aber nicht nötig. Diesmal sollen nur einige wenige hier bekannt gemacht werden. Das Übrige kann in den weiteren folgenden Centurien nach Gelegenheit der Zeit auch geschehen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="gemeinen Weins" commodity="wikidata:Q282" source="#fyndling-ingredient-registry">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="gla-002">
        <head>Geringes Bier im Winter verbessern: Wasser als Eis abziehen</head>
        <div type="original" xml:id="gla-002-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#gla-002-trans">
          <p>43. Wie ein jedes geringe Bier Winters Zeiten ſowohl zu Hauß als anderswoe durch dieſes vorgeſetzte Secretum zu verbeſſern.
ES kombt bißweilen / das ein Haußvatter nur einerley Wein oder Bier im Hauß hat / davon Ordinari getruncken wird / vnd bißweilen aus Beduͤrfftigkeit oder Mangel ſolches vnterſchiedlich einzulegen / oder aber auch darvmb / wann nur ein Keller im Hauß iſt / vnd jederman aus vnd ein gehet / vnnd wann der Knecht / oder die Maget klein Bier oder Wein fur ſich Zapffen ſollen / ſo vergeſſen ſie mit Fleis daß rechte Faß / vnd gehen an das beſte / vnd bleibt gemeiniglich der geringe Wein oder Bier laͤnger liegen / als der gute / wie geſagt /
weilen der beſſer annehmlicher als der geringere iſt.
Dieweilen dann den Alten bißweilen / wann ſie etwan harte Speiſen / als Stockfiſch / gerauchet Fleiſch / oder Fiſch geſſen / vnnd der Alte Magen ſolches nicht wohl daͤwen oder verzehren will / ſo kan man durch dieſes Secretum bald ein ſtaͤrcker Bier / oder Wein machen / vnnd ſonderlich Winters Zeiten / wann ein guter warmer Trunck den Alten am allerbeſten bekommet: Dann im warmen Sommer man ſolches leichter entbehren kan / als im Winter.
Moͤchte mancher einwerffen / vnd ſagen: Woher nehme ich ein ſolche concentrirte kaͤlte / daß Waſſer aus dem Wein oder Bier darmit zu ziehen / Dehme gebe ich zur Antwort / daß deren hinfuͤhro viel ſein werden / ſolches zu bereiten / vnd andern vber zulaſſen / vnnd hat man deſſen auch nicht viel von noͤhten. Wann ein Hauß-Vatter ein einiges halbes Pfund hat / kan er ſich ſein Lebetag davon bedienen / wann ers bewahrt / daß es nicht verbrochen wird. Dann wann er der einen Kannen Weins oder Biers daß Waſſer benommen / ſo thut er daß Eiß von dem Glaß / vnd ſetzet das Glaß wiedervmb in die kaͤlte / biß daß ers wieder noͤtig hat. Dann ein ſolcher Magnet, die kaͤlte zu concentriren, vnd vielerhand Wunderdinge darmit außzurichten / alzeit gut bleibt / vnnd gar kein verderben daran iſt.
NB. Eß kan in manglung der Concentrirten Saltz-
Feuͤer nuhr ein ſchwehres Oleum Salis, Oleum Vitrioli, oder ſtarckes Aquafort gebraucht werden / thun aber bey weitem ſo viel nicht als ein Concentrirtes Saltzfeuͤr: Doch kan auffs wenigſte die Muͤgligkeit dardurch erfahren werden / wann gleich kein groſſer Nutzen darmit zu ſchaffen / (welches man leichtlich begreiffen kan.)
Dann ein groſſer vnterſcheid zwiſchen einem Waͤſſerichem vnd Vnwaͤſſerichem Saltz-Feuͤr iſt. Ein gemein ſimpel Waſſer kan ſo kalt nicht werden / als ein Saltzwaſſer: Vnd ein geſaltzen Waſſer ſo kalt nicht als ein gemeiner Spiritus Salis: Vnd ein Spiritus Salis nimmer ſo kalt / als ein Concentrirter Spiritus, davon alles Waſſer geſcheiden iſt / werden kan. Wird auch ein Beltzlap ſo kalt nicht / als ein Holtz / vnnd daß Holtz ſo kalt nicht als ein Stein / vnd ein Stein nimmermehr ſo kalt werden kan / als ein ſchwaͤr Metal vnd ſolches vmb der Compactitaͤt willen. Dann je Compacter die dinge / je mehr ſie die kaͤlte vnd auch hitze concentriren, vnd auch bey ſich figiren. Dann ein Concentrirte kaͤlte die Eigenſchafft hat zu toͤdten / hart / vnd ſtarrend zu machen: Eine Concentrirte Hitze aber ein ſchnelles Leben vnd Verbeſſerung giebet / welches die Erfahrenheit bezeuͤget.
O wie gluͤcklich waͤr dieſer / welcher ein Metalliſch Saltz ſo Compact vnd ſchwaͤr als ein Metal machen koͤnte / vnnd ſolches ſeine Zeit in einer Feuͤers Gluth (auff daß ſich die Hitze nach vnnd nach darein ziehen / ſich concentriren, vnd figiren
moͤchte) flieſſend zu erhalten wuͤſte / derſelbe wuͤrde vnfehlbahr eine Tinctur erlangen / ſchwaͤre Kranckheiten darmit zu vertreiben / vnd auch die vnvolkommene Metallen in volkommene zu zeitigen. Dann daß Feuͤr allein zeitig macht: Vnd je groͤſſer daß Feuͤr / je ſchneller die verbeſſerung.
Dieſes was ich alhier mit wenig worten zu erkennen geben / hat mehr Gewicht / Wuͤrdigkeit vnd Warheit hinter ihm / als mancher glauben wird: Vnd iſt kein zweiffel / es werden ihrer bald einige auffſtehen / vnd ohne Scheuͤ tingiren, ſo gemein wird die wahre Alchymia in dieſem Seculo herfuͤr leuͤchten / dergleichen noch niemahlen in der Weldt erhoͤrt worden / alſo daß mancher die Particular verbeſſerung der Metallen endlich wenig mehr achten wird.
Warvmb aber Gott ſolches geſchehen laͤſt / bleibt vns verborgen / wird aber ohne zweiffel eine groſſe veraͤnderung in der Weldt darauff folgen. Aber wohl dehnen / welche Gott vor Augen haben / dehnen wird weder Teuͤffel / noch ſein Mutter die Suͤnde / ſchaden koͤnnen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="gla-002-trans" xml:lang="de" corresp="#gla-002-orig">
          <p>Wie jedes geringe Bier im Winter, zu Hause wie anderswo, durch dieses vorangestellte Geheimverfahren zu verbessern ist.</p>
          <p>Es kommt bisweilen vor, dass ein Hausvater nur einerlei Wein oder Bier im Haus hat, von dem gewöhnlich getrunken wird, und zwar bisweilen aus Bedürftigkeit oder weil es ihm daran mangelt, ihn in verschiedenen Sorten einzulegen, oder aber auch deshalb, weil nur ein Keller im Haus ist, in dem jedermann aus und ein geht. Wenn der Knecht oder die Magd kleines Bier oder Wein für sich zapfen sollen, so vergessen sie absichtlich das rechte Fass und gehen an das beste. Und so bleibt gewöhnlich der geringe Wein oder das geringe Bier länger liegen als der gute, wie gesagt, weil der bessere angenehmer ist als der geringere.</p>
          <p>Wenn nun den Alten bisweilen, nachdem sie etwa harte Speisen wie Stockfisch, geräuchertes Fleisch oder Fisch gegessen haben, der alte Magen solches nicht wohl verdauen oder verzehren will, so kann man durch dieses Geheimverfahren bald ein stärkeres Bier oder einen stärkeren Wein machen, besonders im Winter, wenn ein guter warmer Trunk den Alten am allerbesten bekommt. Denn im warmen Sommer kann man solches leichter entbehren als im Winter.</p>
          <p>Mancher möchte einwerfen und sagen: Woher nehme ich eine solche konzentrierte Kälte, um damit das Wasser aus dem Wein oder Bier zu ziehen? Dem gebe ich zur Antwort, dass es künftig viele geben wird, die solches bereiten und anderen überlassen, und man braucht davon auch nicht viel. Wenn ein Hausvater ein einziges halbes Pfund hat, kann er sich sein Lebtag davon bedienen, wenn er es so bewahrt, dass es nicht zerbrochen wird. Denn wenn er einer Kanne Wein oder Bier das Wasser genommen hat, so tut er das Eis von dem Glas und setzt das Glas wieder in die Kälte, bis er es wieder nötig hat. Denn ein solcher Magnet, die Kälte zu konzentrieren und vielerlei Wunderdinge damit auszurichten, bleibt allezeit gut, und es ist gar kein Verderben daran.</p>
          <p>NB: In Ermangelung der konzentrierten Salzfeuer kann nur ein schweres Oleum Salis, Oleum Vitrioli oder starkes Aquafort gebraucht werden. Diese leisten aber bei weitem nicht so viel wie ein konzentriertes Salzfeuer. Doch kann man wenigstens die Möglichkeit dadurch erfahren, auch wenn kein großer Nutzen damit zu schaffen ist, wie man leicht begreifen kann.</p>
          <p>Denn es ist ein großer Unterschied zwischen einem wässrigen und einem unwässrigen Salzfeuer. Gewöhnliches, einfaches Wasser kann nicht so kalt werden wie Salzwasser, gesalzenes Wasser nicht so kalt wie ein gewöhnlicher Spiritus Salis und ein Spiritus Salis niemals so kalt wie ein konzentrierter Spiritus, von dem alles Wasser geschieden ist. Auch ein Pelzlappen wird nicht so kalt wie Holz, Holz nicht so kalt wie Stein, und Stein kann nimmermehr so kalt werden wie ein schweres Metall, und zwar um der Dichte willen. Denn je dichter die Dinge sind, desto mehr konzentrieren sie die Kälte und auch die Hitze und halten sie bei sich fest. Eine konzentrierte Kälte hat nämlich die Eigenschaft, zu töten, hart und starr zu machen, eine konzentrierte Hitze aber gibt schnelles Leben und Verbesserung, was die Erfahrung bezeugt.</p>
          <p>O wie glücklich wäre der, der ein metallisches Salz so dicht und schwer wie ein Metall machen könnte und es seine Zeit in einer Feuersglut fließend zu erhalten wüsste, damit sich die Hitze nach und nach hineinziehe, sich konzentriere und festsetze. Der würde unfehlbar eine Tinktur erlangen, um schwere Krankheiten damit zu vertreiben und auch die unvollkommenen Metalle zu vollkommenen reifen zu lassen. Denn das Feuer allein macht reif, und je größer das Feuer, desto schneller die Verbesserung.</p>
          <p>Was ich hier mit wenigen Worten zu erkennen gebe, hat mehr Gewicht, Würdigkeit und Wahrheit hinter sich, als mancher glauben wird. Und es ist kein Zweifel, dass bald einige aufstehen und ohne Scheu tingieren werden, so allgemein wird die wahre Alchemie in diesem Jahrhundert hervorleuchten, wie es in der Welt noch nie erhört worden ist, sodass mancher die teilweise Verbesserung der Metalle endlich wenig mehr achten wird.</p>
          <p>Warum aber Gott solches geschehen lässt, bleibt uns verborgen; es wird aber ohne Zweifel eine große Veränderung in der Welt darauf folgen. Aber wohl denen, die Gott vor Augen haben: Denen werden weder der Teufel noch seine Mutter, die Sünde, schaden können.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="geringe Bier">Geringes Bier</ingredient>
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            <item>
              <ingredient orig="geringe Wein">Geringer Wein (wahlweise statt Bier)</ingredient>
            </item>
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        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="gla-003">
        <head>Obstwein für kalte Länder, nach der Gärung entwässert</head>
        <div type="original" xml:id="gla-003-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#gla-003-trans">
          <p>96. Wie in denen gar kalten Laͤndern / da weder ſauer noch ſuͤſſer Wein waͤchſt / als in Polen / Dennemarck / Schweden / Norwegen / &amp;c. gleichwohl ein guter beſtendiger vnd geſunder Wein vnd Eſſig alle Jahr daſelbſten zu zeugen.
WAnn man gleich wegen der kaͤlte keine Weinſtoͤcke pflantzen kan / ſo hat man doch die Apfel / Birn / vnd ander Baum Obſt deſto haͤuffiger / ſolches gepreſt vnd jaͤhren laſſen / vnnd nach dem jaͤhren ein theil vnnutzes Waſſer davon gezogen /
ſo wird der reſt deſto beſſer / beſtendiger / vnnd geſunder zu trincken / als ein gemeiner Apfel oder Birn Wein / der ſich wegen der vbrigen feuͤchtigkeit nicht halten / ſondern lang / Zaͤhe / ſauͤer / oder ſchimlich nothwendig werden / vnnd alſo verderben muß.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="gla-003-trans" xml:lang="de" corresp="#gla-003-orig">
          <p>Wie man in den sehr kalten Ländern, wo weder saurer noch süßer Wein wächst, etwa in Polen, Dänemark, Schweden, Norwegen etc., trotzdem jedes Jahr dort einen guten, beständigen und gesunden Wein und Essig erzeugen kann.</p>
          <p>Wenn man wegen der Kälte auch keine Weinstöcke pflanzen kann, so hat man doch Äpfel, Birnen und anderes Baumobst umso reichlicher. Dieses Obst presst man und lässt es gären, und nach der Gärung zieht man einen Teil des unnützen Wassers davon ab.</p>
          <p>So wird der Rest umso besser, beständiger und gesünder zu trinken als ein gewöhnlicher Apfel- oder Birnenwein. Dieser kann sich wegen der überflüssigen Feuchtigkeit nicht halten, sondern muss notwendigerweise zäh und fadenziehend, sauer oder schimmelig werden und so verderben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="apple" orig="Apfel" commodity="wikidata:Q89" source="#corema-ingredient-index">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="pear" orig="Birn" commodity="wikidata:Q13099586" source="#corema-ingredient-index">Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ander Baum Obſt">anderes Baumobst</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="gla-004">
        <head>Ungehopfter Weizenmalztrank statt Wein</head>
        <div type="original" xml:id="gla-004-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#gla-004-trans">
          <p>Deßgleichen koͤnte auch in denen Laͤndern / da daß Korn haͤuffig waͤchſt / ein herlicher Trunck / dem Wein nicht ſehr vngleich / mit gutem Nutzen bereitet / vnd an ſtadt deß Weins getruncken werden / welches alſo geſchehen koͤnte.
Erſtlich muͤſte man von gutem Weitzen ein Maltz machen / vnnd ſobald es außgewachſen / ſtracks in warmen Backoͤfen / oder groſſen Keſſeln mit Feuͤer gewaͤrmbt / vnd mit einem Holtz ſtetig geruͤhrt / oder gewendet / getruͤckenet werden / in welchem truckenen daß Feuͤer die muͤffigkeit deß Korns benimbt / doch ſoll in acht genommen werden / daß daß Maltz nicht brenzlicht werde / iſt hart genug getruckenet / wann es vnter den Zaͤhnen nicht weicht / ſondern entzwey ſpringt / ſolches geſchroten / vnd gebrauhen / wie ein ander Bier / doch daß man keinen Hopffen darzu thue. Wans gejohren / alßdan mit dem Waſſer Magneten daß vbrige Waſſer davon gezogen / ſo bleibt ein lieblicher Tranck / dem Wein nicht ſehr vngleich. Doch wann er dem Wein noch gleicher werden ſoll / ſo muͤſte man in der Fermentation zu einer jeden Thon vngefehr ein Pfundt Tartari ſolviren, vnd mit
jaͤhren laſſen / ſo wuͤrde der Tranck einen Weinigen Geſchmack erlangen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="gla-004-trans" xml:lang="de" corresp="#gla-004-orig">
          <p>Ebenso könnte man in den Ländern, wo das Korn reichlich wächst, mit gutem Nutzen einen herrlichen Trunk bereiten, der dem Wein nicht sehr ungleich ist, und ihn anstelle des Weins trinken. Das könnte so geschehen.</p>
          <p>Zuerst müsste man aus gutem Weizen ein Malz machen. Sobald es ausgewachsen ist, müsste man es sogleich in warmen Backöfen oder in großen Kesseln, die mit Feuer erwärmt werden, trocknen und dabei mit einem Holz ständig rühren oder wenden. Bei diesem Trocknen nimmt das Feuer dem Korn die Muffigkeit. Doch ist darauf zu achten, dass das Malz nicht brenzlig wird. Hart genug getrocknet ist es, wenn es unter den Zähnen nicht nachgibt, sondern entzweispringt.</p>
          <p>Dieses Malz schrotet man und braut es wie ein anderes Bier, nur dass man keinen Hopfen dazugibt. Wenn es gegoren hat, zieht man mit dem Wasser-Magneten das überschüssige Wasser davon ab. So bleibt ein lieblicher Trank, dem Wein nicht sehr ungleich.</p>
          <p>Soll er dem Wein aber noch ähnlicher werden, müsste man in der Gärung zu jeder Tonne ungefähr ein Pfund Weinstein auflösen und mitgären lassen. So würde der Trank einen weinigen Geschmack bekommen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="von gutem Weitzen ein Maltz">Weizenmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="(implied)" commodity="wikidata:Q283" source="#fyndling-ingredient-registry">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="potassium bitartrate" orig="ein Pfundt Tartari" commodity="wikidata:Q18745" source="#fyndling-ingredient-name">Weinstein (wahlweise, je Tonne)</ingredient> - 1 Pfund</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="gla-005">
        <head>Met aus braun eingekochtem Honig mit Wasser-Magnet</head>
        <div type="original" xml:id="gla-005-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#gla-005-trans">
          <p>Auff ſolche weiſſe konte man auch auß Honig vnd Zucker einen guten Meth oder Tranck / dem Wein nicht ſehr vngleich / machen. Iſt ein Nuͤtzliche Kunſt an denen Orten / da kein Wein waͤchſt / vnd doch der Honig vnd Zucker in der mengte fallen thut.
Man ſoll dem Honig ſo viel Waſſer als noͤtig / ſolchen darin zu ſolviren zuſetzen / vnnd in einem Keſſel auffkochen / den ſchaum alzeit fleiſſig abnehmen / vnd ſolang kochen laſſen / biß daß der Honig wieder gantz dick vnd braun worden iſt / je brauner je beſſer / ſo gehet in wehrendem kochen der vnliebliche Honig geſchmack weg.
Dieſem dicken Honig ſetzet man wieder ſo viel als noͤtig iſt / ander rein Waſſer zu / vnd kocht es zuſammen auff / vnd gieſt es in Faͤſſer. Vnd wann daß Honigwaſſer Milchlau worden iſt / ſo ſetzet man ſolches mit jungem Biergeſt an zu jaͤhren / ſo wird ein lieblicher Tranck darauß / dem Wein nicht viel vngleich. Doch ſo er demſelben gleicher werden ſoll / ſo muß man ihme in der Fermentation auch ſein gebuͤhr Tartari ſoluti zuſetzen / vnnd mit jaͤhren laſſen / davon erlangt der Honigtranck einen Weingeſchmack.
NB, Auch ſoll man dieſes in acht nehmen / erſtlich in der letzteren Solution deß Honigs / daß man deß Waſſers nicht zu wenig / ſondern viel ehender ein gutes mehr / als ſonſten zum Meth oder Honigtranck
zu machen gebraͤuchlich iſt / nehme: Vnnd ſolches darvmb / wann dem Honig nicht Waſſer genug zugeſetzt wird / ſo kan er nicht wohl jaͤhren / vnd bleibt allezeit ſuͤß vnd walgerich zu trincken / vnd kan nicht ſtarck oder weinicht werden.
So man ihm aber Waſſer genug gibt / ſo jaͤhret er beſſer / wird ehender klar vnnd wohlgeſchmacker. Wann er dan klar geworden / ſo kan man ihme daß vbrige Waſſer durch den Waſſer Magneten benehmen / ſo wird er nicht allein lieblicher / als ein ander Honigtranck / weilen ſolches Waſſer / welches man durch den Magneten davon ziehet / den vbrigen vnlieblichen Honiggeſchmack mit ſich ziehet / ſondern es wird auch dieſer Honigwein recht ſtarck von Geiſtern / vnd von dem Tartaro Weinſaͤuerlich. Vnd wann man will / ſo kan man dem Honigwaſſer in dem erſten kochen einige wohlriechende Species zu ſetzen: Oder noch beſſer in der Fermentation in einem leinen Saͤcklein zum Spundt hinein haͤngen / vnd mit jaͤhren laſſen / ſo erlangt der Honigtranck einen lieblichen Geſchmack davon. Die Species koͤnnen alſo genommen werden. 1 Theil Cardamomi / 2 Theilen Coriander, vnd 3 Theilen der wohlriechenden Irios Wurtzel: Dieſe geben dem Honigwein einen lieblichen Geſchmack vnd Geruch. Die Hollunder Bluemen vnd Scharley geben auch einen lieblichen Muſcateller Geſchmack. Cinamom vnd Cariophili ſeind auch nicht boͤß. Doch ſtehet es einem jeden frey / ſolche Species, welche ihme am Geruch vnd Geſchmack
am angenehmſten / hinein zu hencken. Ein ſolcher Honigtranck gibt einen ſo guten Eſſig / als immer ein Wein geben kan.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="gla-005-trans" xml:lang="de" corresp="#gla-005-orig">
          <p>Auf solche Weise könnte man auch aus Honig und Zucker einen guten Met oder Trank machen, dem Wein nicht sehr ungleich. Das ist eine nützliche Kunst an den Orten, wo kein Wein wächst und doch Honig und Zucker in Menge anfallen.</p>
          <p>Den Honig einkochen: Man soll dem Honig so viel Wasser zusetzen, wie nötig ist, um ihn darin aufzulösen, und es in einem Kessel aufkochen, den Schaum immerzu fleißig abnehmen und so lange kochen lassen, bis der Honig wieder ganz dick und braun geworden ist, je brauner, je besser. So geht während des Kochens der unliebliche Honiggeschmack weg.</p>
          <p>Ansetzen und Gären: Diesem dicken Honig setzt man wieder so viel anderes, reines Wasser zu, wie nötig ist, kocht es zusammen auf und gießt es in Fässer. Wenn das Honigwasser milchwarm geworden ist, setzt man es mit junger Bierhefe zum Gären an. So wird ein lieblicher Trank daraus, dem Wein nicht viel ungleich. Soll er ihm aber noch gleicher werden, muss man ihm bei der Gärung auch seine gebührende Menge gelösten Weinstein zusetzen und mitgären lassen. Davon bekommt der Honigtrank einen Weingeschmack.</p>
          <p>Das Wasser nicht sparen: Auch soll man dies beachten, und zwar zuerst bei der letzten Auflösung des Honigs: dass man nicht zu wenig Wasser nimmt, sondern eher ein gutes Stück mehr, als sonst für Met oder Honigtrank üblich ist. Denn wenn dem Honig nicht genug Wasser zugesetzt wird, kann er nicht gut gären, bleibt immer süß und widerlich zu trinken und kann nicht stark oder weinig werden. Gibt man ihm aber genug Wasser, gärt er besser und wird eher klar und wohlschmeckender.</p>
          <p>Klären und Wasser entziehen: Wenn er dann klar geworden ist, kann man ihm das überschüssige Wasser mit dem Wasser-Magneten nehmen. So wird er nicht allein lieblicher als ein anderer Honigtrank, weil das Wasser, das man mit dem Magneten davonzieht, den restlichen unlieblichen Honiggeschmack mit sich zieht, sondern dieser Honigwein wird auch recht stark von Geistern und durch den Weinstein weinsäuerlich.</p>
          <p>Gewürze: Und wenn man will, kann man dem Honigwasser beim ersten Kochen einige wohlriechende Gewürze zusetzen. Oder, noch besser, man hängt sie bei der Gärung in einem Leinensäcklein zum Spund hinein und lässt sie mitgären. Davon bekommt der Honigtrank einen lieblichen Geschmack. Die Gewürze können so genommen werden: 1 Teil Kardamom, 2 Teile Koriander und 3 Teile der wohlriechenden Iriswurzel. Diese geben dem Honigwein einen lieblichen Geschmack und Geruch. Die Holunderblüten und der Scharlei geben auch einen lieblichen Muskatellergeschmack. Zimt und Nelken sind auch nicht übel. Doch steht es jedem frei, solche Gewürze hineinzuhängen, die ihm nach Geruch und Geschmack am angenehmsten sind.</p>
          <p>Ein solcher Honigtrank gibt einen so guten Essig, wie nur irgendein Wein ihn geben kann.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="honey" orig="Honig" commodity="wikidata:Q10987" source="#corema-ingredient-index">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker (nur im Eingang genannt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="Waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser, zum Lösen und frisch zum Neuansatz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="jungem Biergeſt">Bierhefe, jung</ingredient>
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            <item>
              <ingredient orig="Tartari ſoluti">Weinstein, gelöst (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cardamom" orig="Cardamomi" commodity="wikidata:Q14625808" source="#corema-ingredient-index">Kardamom (optional, 1 Teil)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="coriander" orig="Coriander" commodity="wikidata:Q20856764" source="#corema-ingredient-index">Koriander (optional, 2 Teile)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Irios Wurtzel">Iriswurzel (optional, 3 Teile)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="elder flower" orig="Hollunder Bluemen" commodity="wikidata:Q67778134" source="#fyndling-ingredient-name">Holunderblüten (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Scharley">Scharlei (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cinnamon" orig="Cinamom" commodity="wikidata:Q28165" source="#fyndling-ingredient-name">Zimt (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="clove" orig="Cariophili" commodity="wikidata:Q15622897" source="#fyndling-ingredient-name">Nelken (optional)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="gla-006">
        <head>Nachwein aus Trester mit Wasser-Magnet haltbar machen</head>
        <div type="original" xml:id="gla-006-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#gla-006-trans">
          <p>97. Ob auch noch auff andere weiſe durch den Waſſer Magneten nutzen zu ſchaffen.
OHne zweiffel / wann man der Sachen nur ein wenig nachdencket / ſo findet man / daß auff vielerley weiſſe mit dem Waſſer Magneten nutzen zu ſchaffen waͤr / welches vnnoͤtig alles zu beſchreiben. Dann weilen dieſer Magnet bey allen Liquoribus oder Waͤſſerichen dingen daß vbrige vnd ſchaͤdliche Waſſer außziehet / ſo geſchicht ja Nutzen dardurch / deren man vielerley anweiſen konte / wann es noͤtig waͤr: Aber die Zeit will es alhier nicht leiden / mich weiter in dieſer Sach auff zuhalten. Doch kan ich nicht vnterlaſſen den Armen / denen kein Wein wachſet / noch ſelbigen zu bezahlen haben / vnd den kalten Winter durch neben ihrer ſchwaͤren Arbeit daß kalte Waſſer trincken muͤſſen / ein Kunſt zu lehren / wie ſie das gantze Jahr durch Winter vnnd Sommer deß guten Weins zu trincken haben koͤnnen: Doch ſolches nur an dieſen Orten / da deß Weins ein vberfluß wachſet / vnd Herbſtzeit außgepreſt wird.
An allen dieſen Orten / da viel Wein gepreſt wird / daſelbſten fallen auch viel Trebern ab / welche
zum theil fur daß Vieh bewahret / Winters Zeiten daſſelbige darmit zu fuͤttern. Der mehrentheil aber wird hinweg geworffen / vnd inſonderheit / wann ein gutes Weinjahr gefallen. Wann aber wenig Wein gewachſen / ſo werffen ſie zwar nicht alle Treber hinweg / ſondern gieſſen vber ein theil derſelben ein Waſſer / vnd laſſens ein paar Tagen daruͤber jaͤhren / vnnd preſſens alßdan noch einmahl aus / ſo bekommen ſie einen waͤſſerigen Weingeſchmacken Tranck / welchen ſie Leuͤren / Nach: oder Geſindwein nennen / bewahren ihn fur knechten vnd Maͤgden / vnd anderen Arbeitern / ſelbige darmit zu trencken. Aber bey guten Wein Jahren thun ſie daß nicht / dan ſie haben genug mit den Weinen zu thun / vnd iſt ihnen keine Zeit vbrig / die Trebern mit Waſſer zu begieſſen / vnd noch einmahl zu preſſen / ſondern haben bißweilen deß guten Weins ſo viel / daß ihnen Faͤſſer manglen / ſolchen zu faſſen / vnd bißweilen geringe Weine gar weggeben muͤſſen / den guten Weinen im Keller platz zu machen.
Wan dan die Arme ihnen einen guten Trunck wein verſamblen wolten / ſo muͤſten ſie ſich zuvorn mit groſſen Faͤſſern verſehen / darein ſie die Wein-terberu [sic] fuͤlleten / vnd mit waſſer vbergoͤſſen / vnd ſolang ſtehen lieſſen / biß daß die Reichen ihren wein außgepreſt / vnd in die Keller gebracht hetten: Alſdan konten ſie auff der Reichen ihre Kaͤlter oder Weinpreſſen ihre Nachweine auch außpreſſen / vnd durch den waſſer Magneten ein theil deß vbrigen
vnnuͤtzen waſſers von dem Nachwein ſcheiden / vnd ſolchen dahin legen / ſo wuͤrden ſich ſolche Nachweine daß gantze Jahr durch halten / vnd gut bleiben koͤnnen / welches ſonſten nicht geſchehen konte: Dan gemeiniglich ſolche Nachweine laͤnger nicht guth bleiben / als den Winter biß in den Julium hinauß auffs laͤngſte / da ſie entweder ſchimlich / lang / Zaͤhe / oder ſauer werden. Wann aber ein theil vnnuͤtzwaſſer davon geſcheiden / ſo koͤnnen ſie beſtaͤndig gut bleiben lang / oder laͤnger / nachdeme man dieſelbe viel oder wenig concentriret hat. Dieſes iſt derjenige gute Rath vnd Vorſchlag / welchen ich den Armen geben wollen / ihnen auch zu einem guten trunck Wein zu helffen.
Hierauff werden ſie aber anfangen zu lamentiren, vnd fragen: woher nehmen wir einen ſolchen waſſerzieher / vnſere waͤſſeriche Nachweine darmit gut zu machen? Denſelbigen antworte ich / daß ſie ſolchen bey den Reichen / denen ſie ihre Weinberge bauhen / ſo lang entlehnen / vnd nach dem Gebrauch wiedervmb zuſtellen koͤnnen / weilen nichts daran verderben kan / ſondern alzeit guth bleiben. Die Reichen aber werden denſelben bey den Chymicis bereiten laſſen / weilen die Bereitung außfuͤhrlich in meiner Erſten Cecturiâ [sic] beſchrieben. Thun ſie dieſes / wie ich nicht an zweiffele / ſo hat der Chymicus im Bereitung deß Magneten, vnd der Kauffman in Gebrauch deſſelben bey den Weinen ſeinen Nutzen / vnd wird alſo beeden zugleich darmit gedienet / vnd die eine Hand mit der andern
gewaſchen. Vnd werden ohne zweiffel Curioſe Menſchen dieſe Concentrirung der Weinen in kleinen Proben verſuchen / nur die Muͤgligkeit zu erfahren. Daß ſie aber ſolches auch in groͤſſerer quantitaͤt practiſiren ſolten / laß ich dahin geſtelt / dan ich weder Nutzen oder ſchaden von hab / es werde gleich gethan oder nicht.
Dan der mehrentheils Menſchen alſo genaturet ſein / gern etwas gutes zu haben / wan ſie nur keine Muͤhe oder Arbeit darmit haben doͤrfften. Dahero gewis / daß dieſe Kunſt / durch die kalte Feuͤer die Weine zu concentriren, ſo bald gemein nicht werden kan / ſonderlich weilen ich ſolchen waſſers Magneten ins Groß zu bereiten / vnd auch zu gebrauchen nicht hieher geſetzet hab.
Eß iſt aber genug mit dieſem gethan / ein anderer kom hernach / vnd gebe daß ſeinige auch herfuͤr. Daß ich alhier nicht weiters gangen / habe ich Vrſach zu / nicht noͤtig ſelbe zu entdecken. Eß werden ihrer erſtlich viel fehlen / ehe ſie es endlich treffen. Solte aber nicht boͤß ſeyn / wan deren viel waͤren / die es wohl thun koͤnten / vnd ſonderlich an denen Orten Teuͤtſchlandes / da die weine ſo bund ſauer wachſen / daß einem die Augen vbergehen / wan er im Durſt einen guten Trunck von thut / vnd daß Bier der beſte Tranck ſein muß / welches zwar nicht zu verachten / wan es guth iſt / aber dannoch bey weitem einem gutem wein nicht zu vergleichen / von welchem man loͤblich zu ſagen pflegt.
O du Edler Rebenſafft /
Wie gibſtu manchem ſo gute Krafft /
Du Labſt die Krancken in den Spittelen /
Vnd erquickſt die Bauren in leinen Kittelen /
Vnd wirffſtu gleich einen Heuͤt darnieder /
So kombt er dannoch Morgen wieder / &amp;c.
Solche vnd dergleichen Lieder vom Bier man nimmer ſingen hoͤret / wie gut es gleich ſeyn ſolte. Darvmb der Edle Rebenſafft billig vor allen andern Getraͤncken den Vorzug hat / wan er nur ſo gut iſt / als er ſein ſoll. Wann er aber nicht taug / ſo ſolte man ihm helffen / vnd nicht alſo ſauer vnd waͤſſerich liegen vnd verderben laſſen. Aber der ſchaͤndliche Geitz regiert zuviel in der Weldt / alſo daß mancher lieber Waſſer in den Wein / ſelbigen darmit zu verderben / gieſſen / alß ſolches zu ſeiner Verbeſſerung heraus ziehen ſolte.
Ich habe zum oͤfftern daß groſſe klagen der Hecker oder Weinzielern angehoͤret / wann ſie gantze Keller voll ſchlechte Weine liegen haben / vnd dieſelbe ſo gut nicht ſein / daß ſie verkaufft vnnd verfuͤhrt werden koͤnnen / ſo bleiben ſie liegen / vnnd werden von Jahren zu Jahren je laͤnger je mehr noch geringer / vnd endlich verderben ſie gar / wan ſie nicht außgetruncken werden. Eß waͤre dan Sach / daß etliche gute Weinjahr darauff kaͤmen / ſo konten ſie die gute vnter die geringe miſchen / vnd mit nauher Noth ſelbige noch verkauffen / doch mit ge
ringem Nutzen / weilen die mittelmaͤſſige Weine wenig / vnd nur die beſte geſucht werden. Auff dieſe weiſe aber ſolten ſie alle Jahr gute Weine zu verkauffen haben. Dan wan man nur Einen Achtentheil waſſer auß einem Fuder geringen Wein ziehen ſolte / ſo wuͤrde er fur einen guten Wein paſſiren koͤnnen: Vnd ſo man einen Viertentheil weg nehmen ſolte / wuͤrde er noch excellenter werden / dan ein wenig Waſſer den beſten Wein gering machen kan / welches du alſo probiren kanſt.
Nim eine Maeß deß allerbeſten Weins / deſſen ein Fuder Hundert Reichsthaler / oder gar Hundert Ducaten wuͤrdig iſt / nim einen Achtentheil Wein davon / vnd gieſſe wieder einen Achtentheil Waſſer darzu / verſuche ihn wieder / ſo wirſtu finden / daß er vmb ein ſo groſſes geringer worden iſt / daß das Fuder kaum Funfftzig Thaler gelten ſolte. Nimſtu einen Viertentheil Wein davon / vnd gieſſeſt dagegen einen Viertentheil Waſſer zu / ſo wurſtu befinden / daß ein Fuder ſolches Weins kaum zwantzig / oder noch weniger Thaler gelten ſolte. Koͤnte alſo auff dieſe weiſe ein wein / deſſen ein Fuder kaum zwoͤlff Thaler wuͤrdig / wan ihme nur einen Viertentheil waſſer benommen wuͤrde / alſo dardurch veredelt werden / daß deſſen ein Fuder leichtlich Dreymahl zwoͤlff Thaler gern gelten ſolte.
Hieraus kan nun ein jeder Verſtaͤndiger genug ſehen / was fur eine Edle Kunſt die wahre Alchy
mia, vnd waß fur herrliche vnd Nutzliche dinge dardurch zu verrichten ſeyn. Darvmb ſage ich / daß gute Truncklein Wein / welches ich alhier zu machen gelehret / manchem / der ſonſten ein Feind der Alchymiæ geweſen / alſo verleckern wird / daß er hinfuͤhro / die Haͤnde in die Kolen ſtecken / vnnd einen ſolchen Waſſerziehenden Magneten darauß zu ſcheiden ſich vnterſtehen wird. Dieſer Magnet wird auch manchem verdorbenem Alchymiſten wiedervmb auff die Beine helffen / vnd einen guten truck Wein ins Hauß ſchaffen / deme doch ſonſten vorlengſt daß verzehrende warme Feuͤer ſeine weinberge / Hauß / vnd Hoff durch den Schornſtein gejagt / vnd in die Lufft geſaͤhet / daß naſſe vnd kalte Feuͤer aber ihme dieſelbe wiedervmb vermehret hervnter wird regnen laſſen. Dan dieſes 1660ſte Schrickel Jahr daß erſte Jahr von Erſchaffung der Weld iſt / darin die armen Kolenbrenner / wan ſie nur Hand anlegen wollen / zu einem ſtuckbrodt geholffen werden: Doch daß man mich wohl verſtehe / vnd nicht meine / als wan ich allein alhier auff die Concentrirung der weine deuͤten wolte / gantz nicht / dan ſonſten noch mehr andere Nuͤtzliche Gebraͤuche erfunden ſeyn / die kalte Feuͤer mit Nutzen zu gebrauchen / welches eine kurtze Zeit offenbahr machen wird.
Dieſes ſey auff dißmahl genug von verbeſſerung der weine geſagt / zweiffel nicht / es werde dieſe meine treuͤhertzige Offenbarung deß waſſer Magnetens manchem ein gut Contentement geben / auch ſich
ſich deren auch wohl finden moͤchten / welche es nicht gern geſehen / daß dieſe herrliche / vnnd der gantzen Weld Nuͤtzliche Invention ſo gemein worden / vnd ſagen: warvmb macht Glauber dieſe ſo hochnuͤtzliche Kunſt ſo gemein / haͤtte er ſolche nicht allein fur ſich behalten / vnd Nutzen fur die ſeinigen darmit machen / oder andern ſolche fur ein guth ſtuͤck Gold vberlaſſen koͤnnen? Denen gebe ich zur Antwort / daß ich ein ſolch Geitziger Wolff nicht bin / alles allein in mich zu ſchlucken / vnnd andern nichts vbrig zu laſſen / vnd ſonderlich werde ich ſo Naͤrriſch nicht mehr ſeyn / einem Menſchen in der Weld gegen Geldt etwas zu communiciren. Dan wan die Kunſt gleich noch ſo guth waͤr / ſo taugt ſie doch nichts / wan ſie mit Geld bezahlt werden ſoll. Eß iſt auch beſſer vnd Ruͤhmlicher allen Menſchen gutes zu thun / als alle Menſchen ihme allein gutes thun laſſen. Waß ich meinem Nechſten durch ſchreiben dienen kan / daß thue ich gern / vnnd iſt mir ein kleines / davon ich auch keinen ſchaden leide: Aber durch die Demonſtration anderen gutes ſuchen zu thun iſt ſchaͤdlich. Dann eine groſſe Demonſtration auch groſſe Vnkoſten / vnd vielfaͤltige Muͤhe vnd Arbeit erfordert. Vnd wann darzu daß gut thun gegen alle Natur mit boͤſem bezahlet wird / ſo hat man doppelten ſchaden / vnnd heiſt recht / Kunſt / vnd noch Geldt / Zeit / Muͤhe / vnd Arbeit zugeben vnd einbuͤſſen / wie es mir dan noch dieſes Jahr wiederfahren / welches ich Gott / zu ſeiner Zeit zu richten / anheimb ſtelle.
Man nehme ein Gleichnuß bey einem Medico, wan er viel Jahren die Medicin zu ſtudiren, oder Theoriam zu erfahren zugebracht / vnd endlich durch die Praxim ſeine koſt zu erwerben vermeinet / vnd ihme alle ſeine Patienten, darmit er viel Zeit zugebracht / mit lehrer hand abfertigen / vnd noch darzu ſchaͤnden wolten / daß er ſie nicht genugſam curiret: wie lang wuͤrde ein ſolcher Medicus beſtehen koͤnnen? Solte er nicht ſagen koͤnnen / der Teuͤffel mag ſolcher vndanckbahren Patienten Medicus ſeyn / vnd ich nicht. Eß iſt ja der boͤſen Weld Lauff nicht anders / der Teuffel ſitzet auff etlicher Menſchen Geldt / vnd macht es ſo ſchwaͤr: wann man itziger Zeit mit ſeinen allerbeſten Freunden will einig bleiben / ſo muß man ja von keinem Geld ſprechen. Thuters / ſo hat die Freundſchafft ein Ende / vnd entſtehen nuhr ſchele Augen / wo nicht gar Zanck vnd Streit daraus / welches dan mancher Medicus mit ſchaden erfahren hat / vnd noch taͤglichs erfahren muß. Wird er zu einem Patienten gefordert / ſo hat er nur eines Menſchen Angeſicht: Gibt er dem Patienten aber einen guten Troſt / ihne mit der Huͤlffe Gottes bald wiedervmb geſund zu machen / ſo bekombt er ſtracks eines Engels Angeſicht: wan er aber alles beſte gethan / vnd ſeine Muͤhewaltung bezahlt haben will / ſo hat er eines Teuͤffels Angeſicht / vnd alſo gehet es ins gemein zu: Daß ſchlimſte aber / ja mehr als Teuͤffliſch / iſt dieſes gethan / wann der Patient den Medicum ſo lang gebraucht / biß daß er geſundt wor
worden / vnd ſich doch ſtelt / als wan er noch Kranck waͤr / vnd ihme des Medici Artzney gantz nichts geholffen / vnd ihn noch darzu allenthalben bey andern zu ſeiner verkleinerung faͤlſchlicher weiſe außrufft / als wann ſeine Medicin nicht gut geweſen / vnd dardurch verderbt worden waͤr / vnd ſolches allein vmb deß wenigen dem Medico Rechtswegen ſchuldigen Geldes willen zu behalten. Solte es dan einem ſolchen Medico nicht wehe thun / fur ſeyn Gutthun alſo ſchaͤndlich belohnet zu werden. In ſumma, die itzige Weld iſt voller Vndanckbarkeit / wiewohl Gott einen Greuͤel darvor hat / ſo wird es doch nicht geachtet. Alles was ich bißhero geſchrieben / vnd gethan / daß iſt auß gutem Hertzen geſchehen / vnd ſolte darbey nicht geblieben ſeyn / wuͤrde noch viel wunderliche dinge herauß geben haben.
Dieweilen aber bißhero aller mein Fleiß vnnd Muͤhe vbel angelegt / vnd mir nur zum ſchaden gereichet: ſo hoͤre ich billich auff / ein mehrers heraus zu geben / auſſer dieſem / ſo etwan noch noͤtig ſeyn moͤchte / meine albereit heraus gegebene Schrifften darmit zu expliciren, vnnd wahr zu machen.
Dieſes ſey auff diß mahl genug geſagt vom Gebrauch meines Salis Mirabilis, vnd Concentrirung des weins / vnd anderer Getraͤncken durch die kalte Feuͤer. Es waͤre zwar noch viel zuſagen / welches aber die Zeit dißmahls nicht leiden will.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="gla-006-trans" xml:lang="de" corresp="#gla-006-orig">
          <p>Ohne Zweifel findet man, wenn man der Sache nur ein wenig nachdenkt, dass sich mit dem Wasser-Magneten auf vielerlei Weise Nutzen schaffen ließe. Das alles zu beschreiben ist unnötig. Denn weil dieser Magnet bei allen Flüssigkeiten oder wässrigen Dingen das überflüssige und schädliche Wasser auszieht, entsteht ja Nutzen daraus, wofür man vielerlei Anweisungen geben könnte, wenn es nötig wäre. Aber die Zeit erlaubt es hier nicht, mich länger damit aufzuhalten.</p>
          <p>Doch kann ich nicht unterlassen, den Armen eine Kunst zu lehren, denen kein Wein wächst, die ihn auch nicht bezahlen können und die den kalten Winter hindurch neben ihrer schweren Arbeit das kalte Wasser trinken müssen: wie sie das ganze Jahr hindurch, Winter und Sommer, guten Wein zu trinken haben können. Das gilt aber nur an solchen Orten, wo Wein im Überfluss wächst und zur Herbstzeit ausgepresst wird.</p>
          <p>An allen diesen Orten, wo viel Wein gepresst wird, fällt auch viel Trester an. Ein Teil davon wird für das Vieh aufbewahrt, um es im Winter damit zu füttern. Der größte Teil aber wird weggeworfen, besonders wenn ein gutes Weinjahr gewesen ist. Ist aber wenig Wein gewachsen, so werfen sie zwar nicht allen Trester weg, sondern gießen über einen Teil davon Wasser, lassen es ein paar Tage darüber gären und pressen es dann noch einmal aus. So bekommen sie ein wässriges Getränk mit Weingeschmack, das sie Leuren, Nach- oder Gesindewein nennen. Das bewahren sie für Knechte, Mägde und andere Arbeiter auf, um sie damit zu tränken.</p>
          <p>In guten Weinjahren tun sie das aber nicht, denn dann haben sie mit den Weinen genug zu tun und keine Zeit übrig, den Trester mit Wasser zu begießen und noch einmal zu pressen. Sie haben bisweilen sogar so viel guten Wein, dass ihnen die Fässer fehlen, ihn zu fassen, und müssen bisweilen geringe Weine ganz weggeben, um den guten Weinen im Keller Platz zu machen.</p>
          <p>Wenn nun die Armen sich einen guten Trunk Wein sammeln wollten, müssten sie sich zuvor mit großen Fässern versehen, den Weintrester hineinfüllen, ihn mit Wasser übergießen und so lange stehen lassen, bis die Reichen ihren Wein ausgepresst und in die Keller gebracht hätten. Dann könnten sie auf der Reichen Keltern oder Weinpressen auch ihre Nachweine auspressen, durch den Wasser-Magneten einen Teil des überflüssigen, unnützen Wassers vom Nachwein scheiden und ihn dann einlagern. So würden sich solche Nachweine das ganze Jahr hindurch halten und gut bleiben können, was sonst nicht geschehen könnte.</p>
          <p>Denn gewöhnlich bleiben solche Nachweine nicht länger gut als den Winter hindurch bis höchstens in den Juli hinein. Dann werden sie entweder schimmelig, zäh und fadenziehend oder sauer. Ist aber ein Teil des unnützen Wassers davon geschieden, so können sie beständig gut bleiben, lang oder länger, je nachdem man sie viel oder wenig konzentriert hat. Das ist der gute Rat und Vorschlag, den ich den Armen geben wollte, um auch ihnen zu einem guten Trunk Wein zu verhelfen.</p>
          <p>Hierauf werden sie aber anfangen zu klagen und fragen: Woher nehmen wir einen solchen Wasserzieher, um unsere wässrigen Nachweine damit gut zu machen? Ihnen antworte ich, dass sie ihn bei den Reichen, denen sie die Weinberge bauen, so lange entleihen und nach dem Gebrauch wieder zurückgeben können, weil nichts daran verderben kann und er immer gut bleibt. Die Reichen aber werden ihn bei den Chemikern herstellen lassen, weil die Herstellung ausführlich in meiner Ersten Centurie beschrieben ist.</p>
          <p>Tun sie das, woran ich nicht zweifle, so hat der Chemiker seinen Nutzen an der Herstellung des Magneten und der Kaufmann am Gebrauch bei den Weinen. So ist beiden zugleich damit gedient, und die eine Hand wäscht die andere. Und ohne Zweifel werden neugierige Menschen diese Konzentrierung der Weine in kleinen Proben versuchen, nur um die Möglichkeit zu erfahren. Ob sie es aber auch in größerer Menge betreiben sollen, lasse ich dahingestellt, denn ich habe weder Nutzen noch Schaden davon, es werde getan oder nicht.</p>
          <p>Denn die meisten Menschen sind so geartet, dass sie gern etwas Gutes haben möchten, wenn sie nur keine Mühe oder Arbeit damit hätten. Daher kann diese Kunst, die Weine durch die kalten Feuer zu konzentrieren, gewiss nicht so bald allgemein werden, zumal ich hier nicht mitgeteilt habe, wie man solche Wasser-Magneten im Großen bereitet und auch gebraucht.</p>
          <p>Es ist aber genug damit getan: Ein anderer komme hernach und gebe das Seine auch hervor. Dass ich hier nicht weitergegangen bin, dafür habe ich Ursache, die ich nicht zu entdecken brauche. Viele werden anfangs fehlgehen, ehe sie es endlich treffen. Es wäre aber nicht schlecht, wenn es viele gäbe, die es gut machen könnten, und besonders an den Orten Deutschlands, wo die Weine so bunt sauer wachsen, dass einem die Augen übergehen, wenn man im Durst einen guten Trunk davon tut, und wo das Bier der beste Trank sein muss. Das ist zwar nicht zu verachten, wenn es gut ist, aber dennoch bei Weitem nicht mit einem guten Wein zu vergleichen, von dem man löblich zu sagen pflegt:</p>
          <p>O du edler Rebensaft, wie gibst du manchem so gute Kraft! Du labst die Kranken in den Spitälern und erquickst die Bauern in leinenen Kitteln. Und wirfst du gleich einen heute darnieder, so kommt er dennoch morgen wieder, usw.</p>
          <p>Solche und dergleichen Lieder hört man vom Bier nimmer singen, wie gut es auch sein sollte. Darum hat der edle Rebensaft billig vor allen anderen Getränken den Vorzug, wenn er nur so gut ist, wie er sein soll. Taugt er aber nicht, so sollte man ihm helfen und ihn nicht so sauer und wässrig liegen und verderben lassen. Aber der schändliche Geiz regiert zu viel in der Welt, sodass mancher lieber Wasser in den Wein gießt, um ihn damit zu verderben, als es zu seiner Verbesserung herauszuziehen.</p>
          <p>Ich habe oft das große Klagen der Häcker oder Winzer angehört, wenn sie ganze Keller voll schlechter Weine liegen haben und diese nicht so gut sind, dass sie verkauft und ausgeführt werden können. So bleiben sie liegen, werden von Jahr zu Jahr je länger, je geringer und verderben endlich ganz, wenn sie nicht ausgetrunken werden. Es wäre denn, dass etliche gute Weinjahre darauf kämen: Dann könnten sie die guten unter die geringen mischen und sie mit knapper Not noch verkaufen, doch mit geringem Nutzen, weil die mittelmäßigen Weine wenig und nur die besten gesucht werden.</p>
          <p>Auf diese Weise aber sollten sie alle Jahre gute Weine zu verkaufen haben. Denn wenn man nur ein Achtel Wasser aus einem Fuder geringen Weins ziehen sollte, so würde er für einen guten Wein gelten können. Und wenn man ein Viertel wegnehmen sollte, würde er noch vortrefflicher werden, denn ein wenig Wasser kann den besten Wein gering machen, was du so erproben kannst.</p>
          <p>Nimm eine Maß des allerbesten Weins, von dem ein Fuder hundert Reichstaler oder gar hundert Dukaten wert ist, nimm ein Achtel Wein davon und gieße wieder ein Achtel Wasser dazu. Koste ihn wieder, so wirst du finden, dass er um so viel geringer geworden ist, dass das Fuder kaum fünfzig Taler gelten sollte. Nimmst du ein Viertel Wein davon und gießt dagegen ein Viertel Wasser zu, so wirst du befinden, dass ein Fuder solchen Weins kaum zwanzig oder noch weniger Taler gelten sollte. So könnte auf diese Weise ein Wein, von dem ein Fuder kaum zwölf Taler wert ist, wenn ihm nur ein Viertel Wasser genommen würde, dadurch so veredelt werden, dass ein Fuder davon leicht dreimal zwölf Taler gern gelten sollte.</p>
          <p>Hieraus kann nun jeder Verständige genug sehen, was für eine edle Kunst die wahre Alchemie ist und was für herrliche und nützliche Dinge dadurch zu verrichten sind. Darum sage ich, dass das gute Trünklein Wein, das ich hier zu machen gelehrt habe, manchem, der sonst ein Feind der Alchemie gewesen ist, so den Mund wässrig machen wird, dass er hinfort die Hände in die Kohlen stecken und sich unterstehen wird, einen solchen wasserziehenden Magneten daraus zu scheiden. Dieser Magnet wird auch manchem verdorbenen Alchemisten wieder auf die Beine helfen und einen guten Trunk Wein ins Haus schaffen, dem doch sonst längst das verzehrende warme Feuer seine Weinberge, Haus und Hof durch den Schornstein gejagt und in die Luft gesät hat. Das nasse und kalte Feuer aber wird sie ihm vermehrt wieder herunterregnen lassen. Denn dieses Schaltjahr 1660 ist das erste Jahr seit Erschaffung der Welt, in dem den armen Kohlenbrennern, wenn sie nur Hand anlegen wollen, zu einem Stück Brot geholfen wird. Damit man mich aber recht verstehe und nicht meine, als wolle ich hier allein auf die Konzentrierung der Weine deuten: ganz und gar nicht, denn es sind noch mehr andere nützliche Gebräuche erfunden, die kalten Feuer mit Nutzen zu gebrauchen, was eine kurze Zeit offenbar machen wird.</p>
          <p>Dies sei für diesmal genug von der Verbesserung der Weine gesagt. Ich zweifle nicht, diese meine treuherzige Offenbarung des Wasser-Magneten wird manchem gute Zufriedenheit geben. Es möchten sich auch wohl einige finden, die es nicht gern sehen, dass diese herrliche und der ganzen Welt nützliche Erfindung so allgemein geworden ist, und sagen: Warum macht Glauber diese so hochnützliche Kunst so allgemein? Hätte er sie nicht für sich allein behalten und Nutzen für die Seinen damit machen oder anderen für ein gutes Stück Gold überlassen können? Denen gebe ich zur Antwort, dass ich kein so geiziger Wolf bin, alles allein in mich zu schlucken und anderen nichts übrig zu lassen. Und besonders werde ich nicht mehr so närrisch sein, einem Menschen in der Welt gegen Geld etwas mitzuteilen. Denn wäre die Kunst auch noch so gut, so taugt sie doch nichts, wenn sie mit Geld bezahlt werden soll. Es ist auch besser und rühmlicher, allen Menschen Gutes zu tun, als alle Menschen sich allein Gutes tun zu lassen. Womit ich meinem Nächsten durch Schreiben dienen kann, das tue ich gern, und es ist mir eine Kleinigkeit, von der ich auch keinen Schaden leide. Aber durch die Vorführung anderen Gutes tun zu wollen, ist schädlich. Denn eine große Vorführung erfordert auch große Unkosten und vielfältige Mühe und Arbeit. Und wenn dazu das Guttun gegen alle Natur mit Bösem bezahlt wird, so hat man doppelten Schaden, und das heißt recht, Kunst und noch Geld, Zeit, Mühe und Arbeit zugeben und einbüßen, wie es mir denn noch dieses Jahr widerfahren ist, was ich Gott zu seiner Zeit zu richten anheimstelle.</p>
          <p>Man nehme ein Gleichnis bei einem Arzt, wenn er viele Jahre damit zugebracht hat, die Medizin zu studieren oder die Theorie zu erfahren, und endlich durch die Praxis sein Brot zu erwerben meint, und ihn alle seine Patienten, mit denen er viel Zeit zugebracht hat, mit leerer Hand abfertigen und noch dazu schmähen wollten, er habe sie nicht genügend kuriert: Wie lange würde ein solcher Arzt bestehen können? Sollte er nicht sagen können: Der Teufel mag solcher undankbaren Patienten Arzt sein, und ich nicht. Es ist ja der böse Weltlauf nicht anders: Der Teufel sitzt auf dem Geld etlicher Menschen und macht es so schwer. Wenn man heutzutage mit seinen allerbesten Freunden einig bleiben will, so darf man ja nicht von Geld sprechen. Tut man es, so hat die Freundschaft ein Ende, und es entstehen nur scheele Augen, wo nicht gar Zank und Streit daraus, was denn mancher Arzt mit Schaden erfahren hat und noch täglich erfahren muss. Wird er zu einem Patienten gerufen, so hat er nur eines Menschen Angesicht. Gibt er dem Patienten aber guten Trost, ihn mit der Hilfe Gottes bald wieder gesund zu machen, so bekommt er sogleich eines Engels Angesicht. Wenn er aber sein Bestes getan hat und seine Mühe bezahlt haben will, so hat er eines Teufels Angesicht, und so geht es gemeinhin zu. Das Schlimmste aber, ja mehr als Teuflisch, ist dies, wenn der Patient den Arzt so lange gebraucht, bis er gesund geworden ist, und sich doch stellt, als wäre er noch krank und als habe ihm die Arznei des Arztes gar nichts geholfen, und ihn noch dazu überall bei anderen zu seiner Herabsetzung fälschlich ausruft, als wäre seine Medizin nicht gut gewesen und er dadurch verdorben worden, und das allein, um das wenige, dem Arzt von Rechts wegen geschuldete Geld zu behalten. Sollte es dann einem solchen Arzt nicht wehtun, für sein Guttun so schändlich belohnt zu werden? Kurzum, die heutige Welt ist voller Undankbarkeit, und wiewohl Gott einen Gräuel davor hat, wird es doch nicht geachtet. Alles, was ich bisher geschrieben und getan habe, ist aus gutem Herzen geschehen, und wäre es dabei nicht geblieben, hätte es noch viele wunderliche Dinge herausgegeben.</p>
          <p>Weil aber bisher all mein Fleiß und meine Mühe übel angelegt waren und mir nur zum Schaden gereichten, so höre ich billig auf, mehr herauszugeben, außer dem, was etwa noch nötig sein möchte, um meine schon herausgegebenen Schriften damit zu erklären und wahr zu machen.</p>
          <p>Dies sei für diesmal genug gesagt vom Gebrauch meines Sal Mirabile und der Konzentrierung des Weins und anderer Getränke durch die kalten Feuer. Es wäre zwar noch viel zu sagen, was aber die Zeit diesmal nicht leiden will.</p>
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              <ingredient orig="Trebern">Weintrester</ingredient>
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              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#gla-001-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Glauber führt am Tisch vor, wie man einem fertigen Wein Wasser in Form von Eis entzieht. Der Wein wird nicht neu bereitet und nicht gewürzt, er verliert nur einen Teil seines Wassers. Wie viel, bestimmt die Zeit, die das Gläslein darin hängt.

Das Gläslein. Der Eintrag sagt nur, es sei zu diesem Zweck zugerichtet und hänge an einem Schnürlein. Das Kapitel davor ergänzt: kleine Gläser von etlichen Unzen, mit konzentrierten Salzfeuern gefüllt, wohl vermacht und in der Kälte bereitgestellt, vorher draußen im Schnee oder an einem kalten Ort. Nach unserer Deutung ist das Glas ein Kältespeicher, der seine Winterkälte in den Wein bringt, sodass sich außen Eis ansetzt. Glauber erklärt es anders: Die konzentrierte Kälte ziehe das Wasser an sich. Das Eis kommt mit dem Glas aus dem Wein, die Füllung bleibt im Glas.

Was davon trägt. Beim Gefrieren wird zuerst Wasser zu Eis, das Eis nimmt aber auch Getränk und damit Geschmack mit. Das „geschmacklose“ Eis und der kräftigere, lieblichere Rest sind Glaubers Aussagen. Ob ein so kleines Glas in einem Trinkglas überhaupt genug Eis bildet, ist ungeprüft; Robert Boyle berichtete 1661 von Schwierigkeiten, starken Wein zum Frieren zu bringen. Ein Ende nennt der Text nicht: Der Gast hört auf, wenn ihm der Wein schmeckt.

Praxis. Heutiger Weg, nicht Glaubers: Klaren, fertig vergorenen Wein im Gefrierschrank anfrieren, dabei im Gefäß Platz zum Ausdehnen lassen, weil es sonst platzen kann, und das Flüssige vom Eis abziehen. Säuren, Bitterstoffe und Gärnebenprodukte bleiben im Getränk und werden stärker. Glaubers Glas nicht nachbauen: Als Ersatzfüllung nennt er im Folgekapitel starke Säuren, und die hingen im Glas über dem Getränk, mit Bruchgefahr. Kläre vorher die Rechtslage.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-001-orig" n="Glaͤßlein" resp="#fyndling">Glaubers Wasser-Magnet, auch Eis-Magnet genannt: ein verschlossenes, in der Winterkälte vorgekühltes Glas an einer Schnur. Im Wein bildet sich außen Eis, das mit dem Glas herausgenommen und abgemacht wird. Die Füllung kommt nie ins Getränk. Diese Einzelheiten stehen in den Kapiteln davor und danach, hier heißt es nur Gläslein.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-001-orig" n="kalten Saltzfeuͤers" resp="#fyndling">Glaubers eigener Begriff, keine heutige Chemie. Im Kapitel davor sind die Gläser „mit concentrirten Saltzfeuern“ gefüllt: Das Salzfeuer ist also die Füllung, deren Kälte er meint.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-001-orig" n="Centuriis" resp="#fyndling">Glauber gliedert dieses Werk in Centurien, wörtlich Hunderte; dieses Stück steht in der zweiten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#gla-001-orig" n="lieblicher" resp="#fyndling" subtype="lexical">Angenehmer zu trinken: Adelung und Grimm führen „lieblich“ als mit Vergnügen empfunden, die lateinische Fassung sagt „suavior“. Das Wort bleibt stehen, ist aber nicht die heutige Weinangabe für einen Süßegrad.<list type="alternatives"><item>Süßer.<note type="rationale">Die englische Fassung von 1689 sagt „more sweet“. Das ist dasselbe Werk in Übersetzung, kein eigener Beleg; der deutsche Text nennt keinen Zucker oder Süße.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#gla-001-orig" n="vnterſchiedliche Weine" resp="#fyndling" subtype="contextual">Derselbe Wein in verschiedener Stärke, je nachdem, wie lange das Gläslein hängt; denn er kommt aus einer Kanne und einem Fass.<list type="alternatives"><item>Verschiedene Sorten.<note type="rationale">Der Eindruck, den Glauber bei den Gästen erzeugen will (S. 73: „was für gute Weine du ihnen schenken werdest“), nicht der Inhalt des Glases.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#gla-002-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Kein neues Getränk, sondern ein Verfahren am fertigen Bier oder Wein: Ihm wird Wasser als Eis entzogen. Mit dem „vorgesetzten Secretum“ verweist Glauber auf das Kapitel davor, in dem er es mit Wein am Tisch vorführt. Hier macht er daraus eine Sache für den Hausvorrat.

Das Glas. Dieser Eintrag nennt nur das Glas, das Eis und das erneute Kaltstellen. Die Kapitel davor ergänzen: kleine Gläser von etlichen Unzen, mit konzentrierten Salzfeuern gefüllt, wohl vermacht, an einem Schnürlein, in der Kälte bereitgestellt. Nach unserer Deutung ist das Glas ein Kältespeicher, der seine Winterkälte ins Getränk bringt, sodass sich außen Eis ansetzt; dazu passt, dass es nach jedem Gebrauch zurück in die Kälte muss. Glauber erklärt es anders: Der Magnet konzentriere die Kälte. Die Füllung bleibt im Glas. Dass ein halbes Pfund ein Leben lang reiche, ist seine Aussage.

Was davon trägt. Beim Gefrieren wird zuerst Wasser zu Eis, das Eis nimmt aber auch Getränk mit. Ob ein so kleines Glas eine Kanne überhaupt spürbar stärker macht, ist ungeprüft: Es kann nur die Kälte abgeben, die es vorher aufgenommen hat, und Robert Boyle berichtete 1661 von Schwierigkeiten, starken Wein zum Frieren zu bringen. Wie viel Wasser herauskommen soll und woran man das Ende erkennt, sagt der Text nicht. Aus geringem Bier wird so ein stärkeres, aber nicht von selbst ein gutes.

Die Ersatzfüllungen. Im NB nennt Glauber selbst starke Säuren und gibt zu, dass sie bei weitem nicht so viel leisten, sie zeigten nur die Möglichkeit. Das ist keine Anleitung: Es wären starke Säuren in einem Glas über dem Getränk, mit Bruchgefahr.

Praxis. Heutiger Weg, nicht Glaubers: Klares, fertig vergorenes Bier oder klaren Wein im Gefrierschrank anfrieren, dabei im Gefäß Platz zum Ausdehnen lassen, weil es sonst platzen kann, und das Flüssige vom Eis abziehen. Säuren, Bitterstoffe und Gärnebenprodukte bleiben im Getränk und werden stärker. Glaubers Glas nicht nachbauen. Kläre vorher die Rechtslage.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-002-orig" n="Magnet" resp="#fyndling">An anderen Stellen nennt Glauber denselben Gegenstand Wasser-Magnet oder Eis-Magnet: ein verschlossenes, in der Winterkälte vorgekühltes Glas an einer Schnur. Im fertigen Getränk bildet sich außen Eis, das mit dem Glas herausgenommen und abgemacht wird. Die Füllung kommt nie ins Getränk. Schnur und Vorkühlung stehen in den Kapiteln davor, das Abnehmen des Eises und das erneute Kaltstellen hier.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-002-orig" n="Saltzfeuͤr" resp="#fyndling">Glaubers eigener Begriff, keine heutige Chemie. Im Kapitel 41 sind die Gläser „mit concentrirten Saltzfeuͤern“ gefüllt: Das Salzfeuer ist also die Füllung, deren Kälte er meint. Die Bereitung nennt dieser Eintrag nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-002-orig" n="Oleum Salis, Oleum Vitrioli, Aquafort" resp="#fyndling">Starke, ätzende Säuren: Oleum Vitrioli ist Schwefelsäure, Aquafort Scheidewasser (Salpetersäure), Oleum Salis wohl Salzsäure. Für den Namen Oleum Salis selbst fehlt ein Wörterbuchbeleg; als ältere Bezeichnung der Salzsäure belegt ist Salzgeist, spiritus salis. Nicht nachbauen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#gla-002-orig" n="aus Beduͤrfftigkeit oder Mangel ſolches vnterſchiedlich einzulegen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Er hat nur eine Sorte, weil ihm die Mittel oder die Möglichkeit fehlen, verschiedene Sorten in den Keller zu legen. „Mangel“ trägt die Verneinung, einlegen ist Bier oder Wein in den Keller legen (Deutsches Rechtswörterbuch: „bier einlegen“). Die englische Fassung von 1689 versteht es ebenso: „puts not in his Cellar any better Wine or Ale either by reason of poverty“.<list type="alternatives"><item>Er kann nur auf unterschiedliche Weise einlagern.<note type="rationale">Passt nicht zu „nur einerley Wein oder Bier“ im selben Satz.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#gla-002-orig" n="guter warmer Trunck" resp="#fyndling" subtype="contextual">Wörtlich „warm“ belassen. Der Satz sagt nicht, ob der Trunk erwärmt wird oder wärmend wirkt.<list type="alternatives"><item>Ein wärmender, kräftiger Trunk, nicht ein erhitzter.<note type="rationale">Dafür spricht, dass die lateinische und die englische Fassung Wärme und Stärke nebeneinanderstellen („a warmer and stronger draught“). Beide sind dasselbe Werk, kein unabhängiger Zeuge.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#gla-002-orig" n="ein einiges halbes Pfund ... daß es nicht verbrochen wird" resp="#fyndling" subtype="contextual">„deſſen“ weist auf die konzentrierte Kälte, das halbe Pfund ist also die Füllung. Zerbrechen (verbrechen, Grimm: frangere) kann nur das Glas, das sie enthält: Die englische Fassung sagt „that the Glass break not and spill it“, auch die lateinische nennt das zerbrochene Glas. Der deutsche Satz nennt das Glas hier nicht, deshalb bleibt die Übersetzung wörtlich.<list type="alternatives"><item>Das halbe Pfund als Gewicht von Glas und Füllung zusammen.<note type="rationale">Der Satz unterscheidet nicht. Kapitel 41 nennt kleine Gläser von etlichen Unzen; ob das halbe Pfund eines oder mehrere füllt, bleibt ungesagt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#gla-003-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Kein ausgeführtes Rezept, sondern ein Verfahren in drei Schritten: Baumobst pressen, gären lassen, danach einen Teil des Wassers entziehen. Mengen, Zeiten und Gefäße nennt Glauber nicht. Gären soll nach dem Sinn der Saft, die englische Fassung von 1689 sagt ausdrücklich "Juice". Woher die Hefe kommt, sagt der Text nicht.

Der Wasserentzug. Hier nennt Glauber kein Gerät. Im nächsten Abschnitt desselben Kapitels steht aber dieselbe Wendung mit Gerät: "mit dem Wasser Magneten daß vbrige Wasser davon gezogen". Deshalb lesen wir auch hier den Wasser-Magneten, ein vorgekühltes, verschlossenes Glas an einer Schnur, an dem sich im fertigen Getränk außen Eis bildet. Nach unserer Deutung arbeitet es als Kältespeicher. Beim Gefrieren friert das Wasser zuerst, das Eis nimmt aber auch Getränk mit. Ob das Glas genug Eis bildet, ist ungeprüft; wann man aufhört, sagt der Text nicht.

Glaubers Versprechen. Besser, beständiger und gesünder sind seine Aussagen, ebenso die Begründung, die überflüssige Feuchtigkeit lasse gewöhnlichen Obstwein verderben. Bestätigt ist davon nichts, und ein Gesundheitsrat ist es heute nicht.

Praxis. Heutiger Weg, nicht Glaubers: Klaren, fertig vergorenen Obstwein im Gefrierschrank anfrieren, dabei im Gefäß Platz zum Ausdehnen lassen, weil es sonst platzen kann, und das Flüssige vom Eis abziehen. Säuren, Bitterstoffe und Gärnebenprodukte bleiben im Getränk und werden stärker. Glaubers Glas nicht nachbauen: Als Ersatzfüllung nennt er in Kapitel 43 starke Säuren, und die hingen im Glas über dem Getränk, mit Bruchgefahr. Kläre vorher die Rechtslage.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-003-orig" n="lang / Zaͤhe" resp="#fyndling">Zäh und fadenziehend, ein Weinfehler. Das Pfälzische Wörterbuch führt "zäh" als "schlierig", einen Fehler des Weins; die lateinische Fassung des Werks hat tenax.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-003-orig" n="Wein vnd Eſſig" resp="#fyndling">Die Überschrift verspricht auch Essig. Dieser Abschnitt sagt dazu nichts; erst beim Honigtrank im selben Kapitel heißt es, ein solcher Trank gebe so guten Essig wie Wein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#gla-003-orig" n="davon gezogen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Wasserentzug mit dem Wasser-Magneten, also als Eis. Der Abschnitt nennt kein Gerät, aber der folgende im selben Kapitel gebraucht dieselbe Wendung ausdrücklich mit dem Magneten.<list type="alternatives"><item>Abziehen im Sinn von Destillieren<note type="rationale">Adelung belegt "abziehen" auch "für destilliren". Dabei ginge aber der Alkohol zuerst über, nicht das "unnütze Wasser"; deshalb nicht gewählt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#gla-003-orig" n="ein theil" resp="#fyndling" subtype="philological">"Einen Teil", wie der deutsche Druck von 1660 steht.<list type="alternatives"><item>"Den größten Teil"<note type="rationale">So die englische Fassung 1689 ("the greatest part") und die lateinische 1661 ("maxima ... parte"). Beide sind dasselbe Werk, also ein Zeuge; übersetzt wird der deutsche Druck.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#gla-004-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Trank aus Weizenmalz, den Glauber "wie ein ander Bier" brauen lässt, nur ohne Hopfen, und dem er nach der Gärung Wasser entzieht. Sein Ziel ist kein besseres Bier, sondern ein Ersatz für den Wein. Die einzige Menge ist der Weinstein; zu Malz, Wasser und Dauer sagt er nichts.

Malz. Der Weizen wird ausgekeimt und sofort getrocknet, im warmen Backofen oder im großen, befeuerten Kessel, unter ständigem Rühren oder Wenden mit einem Holz. Glaubers Grund ist die Muffigkeit, die das Feuer nehmen soll. Er gibt zwei Prüfungen: Das Malz darf nicht brenzlig werden, und es muss unter den Zähnen entzweispringen. Heute würde man ergänzen, dass das Trocknen die Keimung stoppt. Wie weit der Weizen keimen soll, steht nicht da.

Ohne Hopfen. Das ist der einzige Unterschied, den Glauber zum gewöhnlichen Brauen nennt. Heute würde man sagen: Es fehlen die Hopfenbittere und ein Teil der Haltbarkeit. Zur Haltbarkeit dieses Tranks äußert er sich nicht.

Hefe. Glauber nennt weder Hefe noch Fass, und hier ist nichts ergänzt. Auch woran man das Ende der Gärung erkennt, sagt er nicht.

Weinstein. Der Zusatz ist wahlweise und soll den weinigen Geschmack bringen, das ist Glaubers Zweck. Adelung und Campe beschreiben Weinstein als saures Salz aus dem Weinfass. Heute weiß man, dass er sich in kalter Flüssigkeit schlecht löst.

Der Wasserentzug. Er kommt erst, wenn der Trank gegoren hat. Beim Anfrieren gefriert zuerst Wasser, das Eis hält aber auch Getränk fest. Dass der Rest danach lieblich und weinähnlich ist, ist Glaubers Aussage. Ob sein Glas das leistet, ist ungeprüft; Boyle berichtet 1661 von Mühe, starken Wein überhaupt zum Frieren zu bringen. Nach unserer Deutung arbeitet das Glas als Kältespeicher.

Praxis. Glaubers Glas nicht nachbauen: Seine Füllungen sind starke Säuren in einem Glas über dem Getränk, und Glas kann brechen. Der heutige Weg ist der Gefrierschrank: den klar vergorenen Trank in einem Gefäß mit Platz zum Ausdehnen anfrieren und das Flüssige vom Eis abziehen. Säuren, Bitterstoffe und Gärnebenprodukte bleiben dabei im Getränk und werden stärker. Gekauftes Weizenmalz spart heute das eigene Mälzen. Die Rechtslage klärt man vorher.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-004-orig" n="Waſſer Magneten" resp="#fyndling">Glaubers Gerät: ein verschlossenes, in der Winterkälte vorgekühltes Glas an einer Schnur. Außen bildet sich Eis, das mit dem Glas herausgenommen und abgemacht wird. Die Füllung kommt nie ins Getränk. Näher beschrieben beim Wein am Tisch (gla-001).</note>
        <note type="gloss" target="#gla-004-orig" n="Thon" resp="#fyndling">Tonne als Fassmaß. Die Größe nennt Glauber nicht; die englische Fassung von 1689 setzt "Tun or Butt", also das Fass allgemein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#gla-004-orig" n="lieblicher Tranck" resp="#fyndling" subtype="lexical">"Lieblich" bleibt stehen und meint angenehm im Geschmack (Adelung: was mit Vergnügen empfunden wird), nicht das heutige Weinwort für leicht süß. Es ist Glaubers Urteil.<list type="alternatives"><item>süß<note type="rationale">Packe setzt 1689 "sweet Drink". Das ist eine Übersetzung desselben Werks und kein eigener Zeuge; über den Restzucker sagt der deutsche Druck nichts.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#gla-004-orig" n="Tartari ſolviren, vnd mit jaͤhren laſſen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Der Weinstein wird in der Gärung im Ansatz aufgelöst und gärt mit. So steht es im deutschen Druck; wie das Auflösen geschieht, sagt er nicht.<list type="alternatives"><item>Vorab gelöst zugesetzt<note type="rationale">Im folgenden Eintrag heißt es "Tartari ſoluti zuſetzen" (gla-005). Packe und die lateinische Fassung sagen nur: zugeben.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#gla-005-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Met aus Honig, der vor der Gärung bewusst braun eingekocht wird und dem nach der Klärung Wasser als Eis entzogen werden soll. Beide Eingriffe gehören an verschiedene Enden des Verfahrens und dürfen nicht vermischt werden. Mengen für Honig, Wasser, Hefe und Weinstein nennt Glauber nicht, auch keine Dauer.

Das Einkochen. Das erste Wasser dient nur dem Lösen und Abschäumen und geht beim Einkochen wieder weg. Als Ende nennt Glauber allein "dick und braun", je brauner, je besser. Eine Grenze setzt er nicht. Heutiger Hinweis: vor dem Verbrennen aufhören, verbrannter Honig wird bitter. Das frische Wasser vorsichtig zugeben, der heiße dicke Honig schäumt und spritzt.

Der Neuansatz. Jetzt erst zählt das Wasser, und davon will Glauber ausdrücklich mehr als sonst üblich, wie viel, sagt er nicht. Seine Begründung: Zu wenig Wasser gärt schlecht und bleibt süß. Das passt zur Erfahrung, dass Hefe in sehr süßen Ansätzen schlechter arbeitet. Milchwarm wird die genannte Bierhefe zugegeben, damit die Hitze ihr nicht schadet. Der Weinstein ist wahlweise, der Gewürzbeutel auch.

Der Wasserentzug. Er kommt erst, wenn das Getränk klar ist. Beim Gefrieren friert zuerst Wasser, das Eis nimmt aber auch Getränk mit. Nach unserer Deutung wirkt Glaubers Glas als Kältespeicher, ob es das Versprochene leistet, ist ungeprüft. Robert Boyle hatte 1661 Mühe, starken Wein überhaupt zu frieren. "Stärker" und "lieblicher" sind Glaubers Aussagen. Dass der Honiggeschmack mit dem Eis geht, ist eher nicht zu erwarten, denn das meiste, was schmeckt, bleibt im flüssigen Teil.

Praxis. Heutiger Weg, nicht Glaubers Verfahren: Das Glas nicht nachbauen. Seine Füllungen, darunter starke Säuren, hingen in einem Glas im Getränk, und Glas kann brechen. Stattdessen das klare, vergorene Getränk in ein Gefäß mit Platz zum Ausdehnen füllen, im Gefrierschrank anfrieren und das Flüssige vom Eis abziehen. Säuren, Bitterstoffe und Gärnebenprodukte bleiben dabei im Getränk und werden stärker. Die Rechtslage vorher klären.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-005-orig" n="Waſſer Magneten" resp="#fyndling">Glaubers Gerät: ein verschlossenes, in der Winterkälte vorgekühltes Glas an einer Schnur. Es hängt im fertigen Getränk, außen bildet sich Eis, das Eis wird mit dem Glas herausgenommen und abgemacht. Die Füllung kommt nie ins Getränk.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-005-orig" n="Species" resp="#fyndling">Gewürze. Ein Verhältnis gibt Glauber nur für Kardamom, Koriander und Iriswurzel. Ob die Teile nach Gewicht oder Raummaß gemeint sind, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-005-orig" n="Tartari ſoluti" resp="#fyndling">Gelöster Weinstein, der Belag aus Weinfässern. Eine Menge nennt Glauber hier nicht, nur "ſein gebuͤhr"; beim Malztrank davor steht ungefähr ein Pfund je Tonne, übertragen hat er das nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-005-orig" n="Geiſtern" resp="#fyndling">Geist, nach lateinisch spiritus: das flüssige, flüchtige, wirksame Wesen, das sich in der Gärung entwickelt (Adelung: "das Bier hat vielen Geist"). Heute denkt man dabei zuerst an den Alkohol, das Wort reicht aber weiter.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-005-orig" n="Irios Wurtzel" resp="#fyndling">Wurzelstock von Schwertlilien, im Handel Veilchenwurzel, weil er nach Veilchen riecht. Welche Art Glauber meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-005-orig" n="Scharley" resp="#fyndling">Scharlei, wohl Muskatellersalbei (Salvia sclarea). Der Name steht in den Wörterbüchern auch für andere Pflanzen. Den Muskatellergeschmack sagt Glauber ihm nach.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#gla-005-orig" n="walgerich" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">"Widerlich". Die Form hat kein eigenes Stichwort, Grimm stellt zu walgern "Ekel empfinden" das mittelniederdeutsche walgerichtich "ekel erregend". Die lateinische Fassung von 1661 ("nauseam excitantem") und die englische von 1689 ("nauceous") sagen dasselbe, sind aber dasselbe Werk.<list type="alternatives"><item>Schwer und klebrig im Mund, zu walgern "wälzen, rollen"<note type="rationale">Grimm kennt auch diese Bedeutung, für ein Getränk gibt es dafür keinen Beleg.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#gla-005-orig" n="Honig vnd Zucker" resp="#fyndling" subtype="contextual">Der Eingang nennt beide zweimal, die Vorschrift arbeitet nur mit Honig. So übersetzt, Zucker als eigene Zeile. Die Parallelfassungen haben denselben Bruch.<list type="alternatives"><item>Zucker wird wie der Honig eingekocht oder der Gärung zugegeben<note type="rationale">Steht nirgends, deshalb nicht ergänzt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#gla-005-orig" n="je brauner je beſſer" resp="#fyndling" subtype="contextual">Wörtlich: Glauber nennt weder Grad noch Grenze und verbindet die Bräune mit dem Verlust des Honiggeschmacks.<list type="alternatives"><item>Dunkel oder rötlich als Zeichen, dass der Honiggeschmack weg ist<note type="rationale">So die englische Fassung von 1689 ("a duskish or a reddish Colour, which is a sign") und die lateinische von 1661 ("fuscum aut spadiceum"). Dasselbe Werk, deshalb nur Lesehilfe.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#gla-006-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Tresterwein, den Glauber durch Wasserentzug haltbar machen will: Trester im großen Fass mit Wasser stehen lassen, nachpressen, einen Teil des Wassers als Eis abtrennen, einlagern. Mengen nennt er nicht. Seine einzigen Zeitangaben sind „ein paar Tagen“ für das Gären des gewöhnlichen Gesindeweins und „den Winter biß in den Julium“ für die Haltbarkeit ohne Wasserentzug.

Gärung. Das Wort „jaͤhren“ steht beim gewöhnlichen Gesindewein. Bei den Armen heißt es nur „ſtehen lieſſen“, bis die Reichen mit dem Pressen fertig sind. Eine Hefe nennt Glauber nicht; im großen Fass ist das die Fasshefe, die eingefahrene Hefe im Holz. Heute nimmt man ohne eingefahrenes Fass Weinhefe. Woran man das Ende der Gärung erkennt, sagt der Text nicht.

Das Glas. Nach Glaubers Kapiteln 40 bis 43 ist der Wasser-Magnet ein kleines, verschlossenes, in der Winterkälte vorgekühltes Glas an einer Schnur. Es hängt im Getränk, außen bildet sich Eis, das Eis kommt mit dem Glas heraus und wird abgemacht. Nach unserer Deutung arbeitet das Glas als Kältespeicher; Glauber selbst spricht von „concentrirter Kälte“. Ob es leistet, was er verspricht, ist ungeprüft, und Robert Boyle berichtete 1661 von Mühe, starken Wein mit Frost zu frieren. Wann im Jahr entzogen wird und ob ein solches Glas gegen ein großes Fass ankommt, sagt dieser Eintrag nicht. Glaubers Füllungen, darunter starke Säuren wie Oleum Vitrioli und Aquafort, gehören nicht über ein Getränk: Das Glas kann brechen. Es ist deshalb nie eine Anleitung.

Haltbarkeit. Dass der Nachwein ohne das Wasser das ganze Jahr hält, ist Glaubers Aussage. Heute würde man sagen: Je Liter bleibt mehr Alkohol und Säure, und beides hemmt den Verderb. Das trägt die Richtung, nicht das Versprechen; die Grenze „viel oder wenig“ bemisst er nicht. Beim Frieren gefriert vor allem Wasser, das Eis nimmt aber auch Getränk mit.

Wie viel Wasser. Als einziges Maß nennt Glauber hier, was der Wein verlieren soll: ein Achtel Wasser aus einem Fuder geringen Weins, damit er als gut durchgeht, ein Viertel für einen noch besseren. Das sind seine Zahlen, keine Messung, und sie gelten dem Wein, nicht ausdrücklich dem Nachwein. Seine Gegenprobe ist umgekehrt: den besten Wein mit einem Achtel oder Viertel Wasser strecken und kosten. Die Taler sind seine Verkaufsrechnung.

Praxis. Heutiger Weg, ausdrücklich modern: Den klar vergorenen Nachwein im Gefrierschrank in einem Gefäß mit Platz zum Ausdehnen anfrieren und das Flüssige vom Eis abziehen. Säuren, Bitterstoffe und Gärnebenprodukte bleiben im Getränk und werden stärker. Bei einem auf den Schalen vergorenen Trank gehört dazu auch das Methanol aus den Schalen. Die Rechtslage vorher klären.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-006-orig" n="Waſſer Magneten" resp="#fyndling">Glaubers Wort: ein verschlossenes, in der Winterkälte vorgekühltes Glas an einer Schnur. Außen bildet sich Eis, das Eis wird mit dem Glas herausgenommen und abgemacht. Die Füllung kommt nie ins Getränk.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-006-orig" n="Leuͤren" resp="#fyndling">Tresterwein: Wasser auf ausgepresste Trester gegossen und nachgepresst (FWB „lauer“, Adelung „Nachwein“). Glauber setzt Leuren, Nachwein und Gesindewein gleich.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-006-orig" n="lang / Zaͤhe" resp="#fyndling">Weinfehler: zäh, fadenziehend. Lübben/Walther führt „lank“ vom Wein und Bier als „zäh, fadenziehend, pendulus“.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-006-orig" n="Schrickel Jahr" resp="#fyndling">Schaltjahr. Das Wort ist niederdeutsch belegt (schrickeljahr, ein Jahr von 366 Tagen). 1660 war ein Schaltjahr.</note>
        <note type="gloss" target="#gla-006-orig" n="Fuder" resp="#fyndling">Großes Weinmaß, regional verschieden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#gla-006-orig" n="ſolchen dahin legen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Einlagern: Der Satz fährt damit fort, dass sich der Nachwein das ganze Jahr hält; die lateinische Fassung von 1661 hat „recondere“, dieselbe Überlieferung.<list type="alternatives"><item>Nur beiseitestellen, ohne Keller<note type="rationale">Der Wortlaut nennt keinen Ort, deshalb möglich. Jahreslagerung spricht für den Keller.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#gla-006-orig" n="ſolang ſtehen lieſſen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Stehen lassen, wie gedruckt; gelesen als Gären auf dem Trester, weil derselbe Absatzzusammenhang beim Gesindewein „darüber jaͤhren“ sagt. Die Übersetzung fügt kein Gärwort ein.<list type="alternatives"><item>Nur Auslaugen bis zum Pressen, die Gärung läuft erst danach<note type="rationale">Der Satz nennt hier kein Gärwort, und auch die englische und die lateinische Fassung sagen nur, man lasse es stehen. Bei längerem Stehen ist Gärung aber das Wahrscheinlichere.</note></item></list></note>
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