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      <titleStmt>
        <title>Koch und Kellermeisterei (Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/quellen/koch_kellermeisterei/</idno>
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        <bibl>
          <title>Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken</title>
          <date when="1574">1574</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/kochkell.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition)</note>
        </bibl>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="kkm-001">
        <head>Gekochter Fisch mit Ingwer</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-001-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-001-trans">
          <p>Fisch wol sieden.

Mache stets darunter ein gut Fewr on Rauch/ wenn die Gräd abgehen/ so haben sie sein genug/ scheum sie schön/ vnd mach sie ab zu rechter maß/ mit Würtzen vnd Saltz/ versuch sie wol/ vnd trücken sie denn mit Essig ab/ vnd lege sie in trucken oder naß/ vnd trag sie für. Werden sie trucken für getragen/ so strewe viel guten gestossen Jmber darauff.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-001-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-001-orig">
          <p>Siede den Fisch gut. Halte stets ein gutes, rauchfreies Feuer darunter. Wenn sich die Gräten leicht lösen, ist der Fisch gar. Schäume ihn schön ab und nimm ihn dann in angemessener Weise mit Gewürzen und Salz vom Feuer. Schmecke ihn gut ab und beträufle ihn dann mit Essig. Serviere ihn entweder trocken oder nass. Wird er trocken aufgetragen, streue viel guten, gestoßenen Ingwer darüber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Fisch">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtzen">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guten gestossen Jmber">gemahlener Ingwer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-002">
        <head>Feigen-Trauben-Braten für die Fastenzeit</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-002-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-002-trans">
          <p>Holbrahten oder Rechbrahten in der Fasten zu machen.

NJm Feigen/ Weinbeer/ erwell sie in gutem Wein/ hacke sie klein/ thu Mehl darein/ vermische es wol/ machs ab mit Saltz vnd Würtz/ netze die Hende in einem teigwasser/ schlag die Feigen vmb ein Spiß/ als ein Holbrahten/ mit nassen Henden/ vnd truck jn wol an/ leg jn zum Fewer/ So er nun gebrahten ist/ so schneid jn nach der leng auff beiden seiten am Spiß/ mach hübsche stück darauß/ vnd bestecke sie mit Mandelkern/ vergilbt oder geferbet/ vnd gibs dar. Du magst Zucker darauff thun/ oder frisch Jmber. Den Brahten begeust man auch mit Buttern.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-002-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-002-orig">
          <p>Hirschbraten oder Rehbraten für die Fastenzeit zu machen.</p>
          <p>Nimm Feigen und Weinbeeren, koche sie kurz in gutem Wein auf, hacke sie klein und gib Mehl hinein. Vermische es gut, schmecke es mit Salz und Gewürzen ab. Netze deine Hände in einem Teigwasser, schlage die Feigenmasse mit nassen Händen um einen Spieß wie einen Hirschbraten und drücke sie gut an. Lege ihn ans Feuer. Wenn er nun gebraten ist, schneide ihn der Länge nach auf beiden Seiten am Spieß auf, forme hübsche Stücke daraus und bestecke sie mit Mandelkernen, gelb gefärbt oder anders gefärbt, und trage es auf. Du kannst Zucker darüberstreuen oder frischen Ingwer. Den Braten begießt man auch mit Butter.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Feigen">Getrocknete Feigen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Weinbeer">Getrocknete Weintrauben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gutem Wein">Rotwein oder Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="teigwasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mandelkern">Mandelstifte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frisch Jmber">Frischer Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-003">
        <head>Gefüllter Hecht am Spieß mit Lebkuchensauce</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-003-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-003-trans">
          <p>Einen Fischbrahten zu machen.

Mach in gleicher weiß/ als die jetztgemelten Holbrahten/ Nim ein Hecht/ bereit jn schön/ löß jm den Grad ab/ vnd mit Würtz abgesotten/ als er sein sol/ behalte die Brühe/ vnd stoß jn in einem Mörser mit Weinbeer/ vnd mit Honig/ Würtz/ Saltz/ vnd wenig Mehl gesotten/ das temperier wol mit Buttern/ schlag es vmb ein Spiß/ als den Holbrahten/ vnd leg jn zum Fewr/ nim das Haupt/ den Grad/ vnd den Schwantz/ hack das zu stücklin mit dem schweiß/ seud es gar wol ab mit Wein/ reib Lebkuchen drein/ mach es ab mit Würtz vnd Saltz/ oder mit Fischbrüh/ versuch es wol.
Wiltu den Hecht nicht vor sieden/ so hack jn gar klein/ stoß jn wol in einem Mörser/ bereit jn mit der Specerey/ wie vor gesagt ist.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-003-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-003-orig">
          <p>Einen Fischbraten zubereiten.</p>
          <p>Bereite ihn auf die gleiche Weise zu wie die bereits erwähnten Hohlbraten. Nimm einen Hecht, säubere ihn gründlich, löse ihm das Rückgrat heraus und koche ihn mit Gewürzen, wie es sein soll. Bewahre die Brühe auf. Stoße den gekochten Hecht in einem Mörser mit Weinbeeren, Honig, Gewürzen, Salz und etwas gekochtem Mehl. Vermische dies gut mit Butter, forme es um einen Spieß wie einen Hohlbraten und lege ihn ans Feuer.</p>
          <p>Nimm das Haupt, das Rückgrat und den Schwanz des Hechts, hacke diese Teile mit den anhaftenden Fleischresten in kleine Stücke. Koche sie sehr gut mit Wein ab. Reibe Lebkuchen hinein und schmecke die Sauce mit Gewürzen und Salz oder mit der Fischbrühe ab. Probiere sie gut.</p>
          <p>Willst du den Hecht nicht vorkochen, so hacke ihn sehr fein, stoße ihn gut in einem Mörser und bereite ihn mit den Gewürzen zu, wie zuvor beschrieben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein Hecht">ganzer Hecht</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Brühe">Fischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Weinbeer">Weinbeeren</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient> - 2 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wenig Mehl gesotten">Weizenmehl, gekocht</ingredient> - 1 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient> - 50 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Haupt, den Grad, vnd den Schwantz">Hechtkopf, -rückgrat und -schwanz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Rotwein</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Lebkuchen">Lebkuchen</ingredient> - 50 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Fischbrüh">Fischbrühe</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-004">
        <head>Fischwürste mit Pfefferlin</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-004-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-004-trans">
          <p>Würst von Fischen.

Schüp vnd hack sie klein/ stoß in einem Mörser/ thu Würtz vnd Saltz darzu/ füll die därm/ vnd seud sie ab als mit Wein/ mach ein Pfefferlin dran.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-004-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-004-orig">
          <p>Nehmt die Fische, schuppt sie und hackt sie sehr fein. Stoßt die gehackten Fische anschließend in einem Mörser zu einer glatten Masse. Gebt Gewürze und Salz nach Belieben hinzu. Füllt diese Fischmasse in vorbereitete Därme. Siedet die Würste in Wein ab, wie es üblich war. Bereitet dazu ein würziges Pfefferlin als Sauce.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Fischen">Fisch</ingredient> - 1 kg</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürzmischung</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="därm">m Naturdarm</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">trockener Weißwein</ingredient> - 500 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pfefferlin">Für das Pfefferlin: 2 EL Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pfefferlin">Für das Pfefferlin: 1 TL schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pfefferlin">Für das Pfefferlin: 1 Scheibe Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pfefferlin">Für das Pfefferlin: Prise Ingwerpulver</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-005">
        <head>Fischküchlein und Fisch-Vorspeise</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-005-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-005-trans">
          <p>Küchlin von Fischen.

Bereit sie schön/ fahe den Schweiß auff/ vnd löß die Gräd ab/ behalt das Haubt/ Schwantz vnd Jnngeweid/ wirff die Gall aus/ denn nim die Fisch/ hack sie klein also roh vnd gesotten/ [&gt;vngesotten] stoß sie wol in eim Mörser/ thu Mehl/ Weinbeer vnd gut Würtz/ Saltz vnd Buttern darunter/ das hack wol/ mach es in ein ziselin mit Lebkuchen/ so ist es bereit.
Das ander von den Fischen/ haupt/ gräd/ vnd inngereusch/ daraus mach ein voressen schön gesotten in Wein/ vnd abgemacht als ander Fisch/ gegilbet vnd gewürtzet/ versuch es am Saltz/ seind zwey höfliche Essen von Fischen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-005-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-005-orig">
          <p>Küchlein von Fischen.</p>
          <p>Bereite die Fische sorgfältig vor, fange den austretenden Saft auf und löse die Gräten ab. Behalte Kopf, Schwanz und Innereien, wirf die Galle weg. Nimm dann die Fische, hacke sie klein, roh und gesotten, und stoße sie gut in einem Mörser. Gib Mehl, Weinbeeren und gute Gewürze, Salz und Butter darunter und hacke es gut. Forme es in eine kleine Form mit Lebkuchen, so ist es fertig.</p>
          <p>Aus dem anderen, aus Kopf, Gräten und Innereien, mache eine Vorspeise, schön in Wein gesotten und zubereitet wie anderer Fisch, gelb gefärbt und gewürzt. Schmecke es am Salz ab. Das sind zwei feine Gerichte von Fischen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Fisch">ganzer Fisch</ingredient> - 1 kg</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Weizenmehl</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Weinbeer">Rosinen</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gut Würtz">Gewürzmischung</ingredient> - 1 TL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz nach Geschmack</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Lebkuchen">gewürzter Honigkuchen oder Lebkuchenteig</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gegilbet (impliziert)">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-006">
        <head>Vierfacher Fisch: Ein Hecht, vier Zubereitungen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-006-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-006-trans">
          <p>Dreierley essen von einem Fisch/ das doch der Fisch nach beduncken gantz bleib.

Theil einen Hecht/ oder andern Fisch/ in vier theil. Das erst theil braht auff eim Rost. Das ander theil seud ab mit Wein vnd Würtz. Das dritte gefüllt. Das vierdt der Schwantz gebacken/ vnd der Fisch sol zusamen gelegt werden/ jedes stück/ als er gantz sey/ vnd mit Peterlein wol bestrewet vnd dargesetzet. Darbey sol gesetzt werden gut Salsen oder Essig in viel kleinen schüsselin/ so jßt ein jeder was jm gefellt/ vnd ist seltzam.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-006-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-006-orig">
          <p>Mehrerlei Speisen von einem Fisch, sodass der Fisch dem Anschein nach doch ganz bleibt.</p>
          <p>Teile einen Hecht oder anderen Fisch in vier Teile. Den ersten Teil brate auf einem Rost. Den zweiten Teil siede ab mit Wein und Gewürzen. Den dritten fülle. Den vierten, den Schwanz, backe. Und der Fisch soll wieder zusammengelegt werden, jedes Stück, als wäre er ganz, reichlich mit Petersilie bestreut und aufgesetzt. Dabei sollen gute Saucen oder Essig in vielen kleinen Schüsselchen stehen, sodass jeder isst, was ihm gefällt. Und das ist ungewöhnlich.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="einen Hecht/ oder andern Fisch">Hecht oder ähnlicher Fisch</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient> - 200 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlein">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gut Salsen oder Essig">Saucen (z.B. Senf-Honig-Sauce) oder Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Das dritte gefüllt">Zutaten für eine Füllung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Das vierdt der Schwantz gebacken">Fett zum Braten</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-007">
        <head>Meisterliche Fischgallerte mit Lorbeer und Gewürzen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-007-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-007-trans">
          <p>Ein meisterliche Gallrad vber Fisch/ als da sein Salmen/ vnd ander grosse Fisch.

Diese Fisch mach zu guten stücken/ spisse je zwey oder drey guter stück in ein höltzin spißlin/ seud sie also ab mit Wein vnd Essig/ Saltz vnd Würtz/ behalt die Brüh als vorgeschrieben stehet/ behe das Brod/ vnd thu jm als vor. Würde die Gallrad zu dünn/ so nim Lorberbletter/ oder die Schalen/ oder auff ein halb Lorbeer/ vnd stosse sie mit dem gebeheten Brot/ vnd mit Fischbrüh/ treibe das durch/ vnd temperiers/ versuch ob es recht gewürtzt vnd gesaltzen sey/ darnach lege die Fischstück ein/ vnd schütte die Gallrad darüber/ lasse es gestehen. Wiltu gern so strew Jmber darüber/ oder Zimmet/ oder Muscatblühe/ vnd gilb es.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-007-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-007-orig">
          <p>Den Fisch in gute Stücke teilen. Jeweils zwei oder drei dieser Stücke auf ein hölzernes Spießchen stecken. Mit Wein, Essig, Salz und Gewürzen gar kochen. Die Brühe aufbewahren, wie zuvor beschrieben steht. Das Brot einweichen und damit verfahren wie zuvor. Sollte die Gallerte zu dünn sein, so nimm Lorbeerblätter (oder die Schalen, oder etwa ein halbes Lorbeerblatt), stoße sie mit dem eingeweichten Brot und der Fischbrühe. Die Mischung durchstreichen und temperieren. Prüfen, ob sie richtig gewürzt und gesalzen ist. Danach die Fischstücke einlegen und die Gallerte darübergießen. Fest werden lassen. Nach Belieben Ingwer, Zimt oder Muskatblüte darüberstreuen und gelb färben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salmen/ vnd ander grosse Fisch">Große Fischstücke</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="höltzin spißlin">Hölzerne Spießchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Brod">Altbackenes Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Lorberbletter">Lorbeerblätter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Jmber">Ingwerpulver</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Zimmet">Zimtpulver</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Muscatblühe">Muskatblüte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gilb es">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-008">
        <head>Gesülzter Fisch für den Sommer</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-008-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-008-trans">
          <p>Gesültzt Fisch im Sommer zu bereiten/ so sie doch nicht gern gestehen.

Wenn du die Fisch bereitest/ so behalt den Schweiß vnd die Schuppen/ vnd den Grad/ thu es in ein Hafen/ siede es mit Wein/ scheume es schön/ schütt es in ein Mörser/ stoß es wol/ vnd streich es durch ein Tuch mit seiner eigenen Brüh/ darinn es gesotten ist/ Ein Lorbeerblat darein gestossen/ vnd durch gerieben/ so gestehet es. Leg die Fisch ein/ so sie schon gesotten seind/ als viel du Schüsseln wilt. Nimb denn die Fischbrühe/ thu die Schuppenbrühe darunter mit Würtz vnd allem/ versuch was gebricht/ in geschmack/ Essig/ Saltz oder Würtz/ las es in einer Pfannen erwallen einen wall/ darnach schüts vber die Fisch/ die las erkalten im Lufft/ vnd saltz sie denn eine. Wiltu Mandel oder Weinbeer darauff strewen/ das thu bey zeiten/ ehe sie halben weg gestehen/ so bleiben sie rein vnd gut.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-008-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-008-orig">
          <p>Wenn du den Fisch zubereitest, bewahre den Fischsaft, die Schuppen und die Gräten auf. Gib sie in einen Topf, koche sie mit Wein und schäume sie schön ab. Schütte die gekochten Reste in einen Mörser, stoße sie gut und streiche sie anschließend durch ein Tuch mit der eigenen Brühe, in der sie gekocht wurden. Ein Lorbeerblatt darin zerstoßen und durchgerieben, so geliert die Flüssigkeit. Lege den bereits gekochten Fisch in so viele Schüsseln, wie du möchtest. Nimm dann die Fischbrühe und gib die durchgesiebte Schuppenbrühe hinzu, zusammen mit Gewürzen und allem, was dazu gehört. Probiere, was im Geschmack fehlt: Essig, Salz oder weitere Gewürze. Lass die Brühe in einer Pfanne einmal aufwallen, danach gieße sie über den Fisch. Lass die Sülze an der Luft erkalten und salze sie dann nach Geschmack. Willst du Mandeln oder Weintrauben darauf streuen, so tue dies rechtzeitig, bevor sie halb geliert sind, damit sie schön und gut bleiben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="die Fisch">ganzer Fisch</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den Schweiß">Fischsaft</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die Schuppen">Fischschuppen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den Grad">Fischgräten</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="mit Wein">Weißwein</ingredient> - 250 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Ein Lorbeerblat">Lorbeerblatt</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="mit Würtz vnd allem">Gewürzmischung</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Weinessig</ingredient> - 2 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mandel">Mandeln, gehackt oder gestiftelt</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Weinbeer">frische Weintrauben, halbiert</ingredient> - 50 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-009">
        <head>Fisch haltbar machen in Essig</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-009-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-009-trans">
          <p>Fisch behalten/ das sie lang frisch bleiben.

Leg sie in ein Feßlein/ oder in einen ärdin Hafen/ vnd geuß guten Essig darauff/ leg Peterlin daran/ vergrabs in ein frisches Erdrich/ Vnd wenn du die Fisch vnd Essig aus nimst/ so gieß allwegen frischen Essig wider daran/ vnd deck das mit guten decken wider zu/ so bleiben sie lang frisch/ vnd werden dir gar nicht stinckend/ sondern bleiben allwegen frisch.
MAn mag sie kochen mit Wasser/ Essig/ vnd vielem Saltz/ vnd solt sie also sieden/ das der schaum zwey oder drey mal vber schiesse.
Krebs schalen zu aschen gebrent/ mit Honig vnd Encian getruncken/ heilet Rasender Hundsbiß.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-009-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-009-orig">
          <p>Lege die Fische in ein kleines Fass oder einen irdenen Topf und gieße guten Essig darüber. Gib Petersilie hinzu. Vergrabe das Gefäß in frischer Erde. Wenn du Fisch und Essig entnimmst, gieße stets frischen Essig nach und decke das Gefäß gut zu. So bleiben die Fische lange frisch und werden dir keineswegs stinken, sondern stets frisch bleiben.</p>
          <p>Man kann die Fische mit Wasser, Essig und viel Salz kochen. Siede sie so, dass der Schaum zwei- oder dreimal überkocht.</p>
          <p>Medizinisches Rezept: Zu Asche verbrannte Krebsschalen, mit Honig und Enzian getrunken, heilen den Biss eines tollwütigen Hundes.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Fisch">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guten Essig">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vielem Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Krebs schalen">Krebsschalen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Encian">Enzian</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-010">
        <head>Gesülzte Krebse, höfisch und nahrhaft</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-010-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-010-trans">
          <p>Gesültzt Krebs/ gar ein höflich vnd dewiges Essen/ on schaden.

Seud die Krebs mit Wein ab/ vnd schel die scheren/ hälse vnd schwentz/ behalt das ander/ würtz es besonder. Nun mach die Brühe also: Nim Bersing die klein seind/ seud sie in Wein vnd Essig/ als viel du jr haben wilt/ oder bedarffest/ schüt sie aus/ vnd thu die Gall aus den köpffen/ nim denn die beuch/ scheren vnd schwentz/ stoß sie wol in eim Mörser/ zertreib sie mit der Brüh/ darinnen sie gesotten sind/ durch ein Tuch. Nim darnach aber frische Krebs/ nur die geschelten scheren vnd schwentz/ thu sie in die durchgetrieben Krebs in ein Pfann/ erwell sie schon ein kleinen wall/ mach sie ab von würtzen vnd saltz/ versuch sie was jnen gebrech/ vnd las erkalten.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-010-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-010-orig">
          <p>Gesülzte Krebse, ein recht feines und nahrhaftes Essen, ohne Schaden.</p>
          <p>Siede die Krebse mit Wein ab und schäle die Scheren, Hälse und Schwänze. Behalte das übrige und würze es gesondert. Nun mache die Brühe so: Nimm kleine Krebse, siede sie in Wein und Essig, so viel du davon haben willst oder benötigst, schütte sie aus und entferne die Galle aus den Köpfen. Nimm dann die Bäuche, Scheren und Schwänze, stoße sie gut in einem Mörser, zertreibe sie mit der Brühe, in der sie gesotten sind, durch ein Tuch. Nimm danach wieder frische Krebse, nur die geschälten Scheren und Schwänze, gib sie in die durchgetriebenen Krebse in eine Pfanne, lasse sie kurz und sanft aufwallen, schmecke sie mit Gewürzen und Salz ab, prüfe, was ihnen fehlt, und lasse es erkalten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Krebs">Flusskrebse</ingredient> - 1.5 kg</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Weinessig</ingredient> - 200 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtzen">nach Geschmack: Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-011">
        <head>Krebsmus mit Mandeln und Ingwer (warm oder kalt)</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-011-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-011-trans">
          <p>Gallrad zu den eingemachten Krebsen.

Seud Krebs ab/ wie viel du wilt/ in Wein vnd Essig/ schel sie/ thu das bitter aus den köpffen/ schele die scheren vnd beuch/ thu sie in ein Mörser/ Mandeln/ vnd ein Brösemlin weiß Brots darzu/ stoß wol mit gutem Wein/ treibe es durch ein Tuch/ thu es in ein Pfann/ vnd Buttern darein/ mach es ab mit Würtzen vnd Saltz/ versuch es/ wer er dann zu starck/ temperiers mit Wasser/ also das Essig/ Wein vnd Würtz recht maß haben/ setze sie für kalt vnd warm/ bestrewe sie mit Welschen Weinbeeren/ oder frischem Jmber/ so du sie warm gibst/ wiltu sie kalt haben/ wann es wol gestanden ist/ so bestecke sie mit Mandeln.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-011-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-011-orig">
          <p>Koche so viele Krebse, wie du möchtest, in Wein und Essig ab. Schäle sie anschließend, entferne das Bittere aus ihren Köpfen und schäle die Scheren sowie die Bäuche. Gib die geschälten Krebse zusammen mit Mandeln und einem kleinen Bröselchen Weißbrot in einen Mörser. Zerstoße alles gut mit etwas gutem Wein und streiche die Masse dann durch ein Tuch. Gib die passierte Masse in eine Pfanne und füge Butter hinzu. Schmecke es mit Gewürzen und Salz ab. Probiere es; ist es dann zu kräftig, verdünne es mit Wasser, sodass Essig, Wein und Gewürze das rechte Maß haben. Serviere es sowohl kalt als auch warm. Wenn du es warm gibst, bestreue es mit welschen Weinbeeren oder frischem Ingwer. Willst du es kalt haben, so bestecke es, sobald es gut gestanden hat, mit Mandeln.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Krebs">Flusskrebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Weinessig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mandeln">Mandeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein Brösemlin weiß Brots">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtzen">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Welschen Weinbeeren">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frischem Jmber">Frischer Ingwer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-012">
        <head>Gefüllte Krebse und Krebsmus</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-012-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-012-trans">
          <p>Gefüllte Krebs.

Seud sie in Wasser/ schele sie schön/ lege die grossen Scheren besondern/ nimb die andern geschelten kleinen Krebs/ Hälß/ Beuch vnd Scheren/ hack es gar klein/ schlag frische Eyer darunter/ nach der viele der Krebs/ mache es ab mit Würtz vnd Saltz/ gilb sie ein wenig/ hack Peterlin bletter drein/ knirsche wol mit einem rohen Ey/ so bleibt es kleberig/ vnd bey einander/ dann nim die Höfel oder Ruckschalen/ füll sie wol/ stürtz ein andern Höfel drüber/ also das die Köpff vnter einander gekert/ die Beuch gegen einander. Wilt du sie dann brahten/ so stos zween oder drey an ein Spislein/ legs auff ein Rost/ thu jn nicht zu heis/ bis die füll erstarcke/ vnd gerecht werd/ gib sie also warm für. Magst sie auch in Buttern rösten/ bis die füll gnüg hat. Darnach nim das ander theil der behaltenen Krebs/ schön geschelet/ vnd rein bereitet/ Stos mit rein gebeutelter Brotbrosam in einen Mörser/ Treibs durch ein tuch/ leg die grössten Krebsscheren vnd schwentz drein/ machs ab mit würtz vnd saltz/ las erwallen/ also heissens gestossen Krebs. Darnach ist ein höfflicheit darauff/ wenn der gestossen Krebsbrühe schön bereit/ ab gegilbet/ gewürtzet vnd gesaltzen/ so nim ein weis Brot/ machs innen hol/ als ein Stürtz/ oder Glocken weis/ nicht zu gros/ noch zu hoch/ stos die geschelten Scheren drein/ stürtz sie in eine Schüssel/ zwo/ drey/ oder vier/ darnach denn der Gest viel sind/ schütt denn mit eim Löffel der gestossen Krebs darüber/ wo es blos wer/ vnd leg die kleinen schwentz/ beuch/ vnd die Scheren drumb/ darzu in die Brüh getruckt/ das nichts blos sey/ besprengs oben mit lauter Buttern/ trages für.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-012-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-012-orig">
          <p>Koche die Krebse in Wasser, schäle sie sorgfältig und lege die großen Scheren beiseite. Nimm die anderen geschälten kleinen Krebse, Hälse, Bäuche und Scheren, hacke alles sehr fein. Schlage frische Eier darunter, je nach Menge der Krebse. Würze die Masse mit Gewürzen und Salz, färbe sie ein wenig gelb. Hacke Petersilienblätter hinein und knete alles gut mit einem rohen Ei, damit es klebrig bleibt und zusammenhält. Nimm dann die Krebsschalen oder Rückenschalen, fülle sie gut und stülpe eine andere Schale darüber, sodass die Köpfe untereinander gekehrt und die Bäuche gegeneinander liegen. Willst du sie braten, so stecke zwei oder drei auf ein Spießchen und lege sie auf einen Rost. Erhitze sie nicht zu stark, bis die Füllung fest und gar ist. Serviere sie dann warm. Du kannst sie auch in Butter rösten, bis die Füllung gar ist.</p>
          <p>Danach nimm den anderen Teil der beiseitegelegten Krebse, schön geschält und sauber vorbereitet. Stoße sie mit rein gebeutelter Brotkrume in einem Mörser. Treibe die Masse durch ein Tuch. Lege die größten Krebsscheren und Schwänze hinein. Würze alles mit Gewürzen und Salz und lasse es aufwallen. Dies nennt man dann „gestoßenen Krebs“.</p>
          <p>Anschließend ist es eine Höflichkeit, wenn die Brühe des gestoßenen Krebses schön zubereitet, gelb gefärbt, gewürzt und gesalzen ist, ein weißes Brot zu nehmen. Mache es innen hohl, wie eine Sturzform oder eine Glocke, nicht zu groß und nicht zu hoch. Stoße die geschälten Scheren hinein und stürze es in eine Schüssel, zwei, drei oder vier, je nachdem wie viele Gäste da sind. Schütte dann mit einem Löffel den gestoßenen Krebs darüber, wo es noch kahl wäre, und lege die kleinen Schwänze, Bäuche und die Scheren darum, die ebenfalls in die Brühe getaucht wurden, sodass nichts kahl bleibt. Besprenge es oben mit klarer Butter und serviere es.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Krebs">Krebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frische Eyer">Frische Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin bletter">Petersilienblätter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein rohen Ey">Ein rohes Ei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rein gebeutelter Brotbrosam">Feine Brotkrume</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein weis Brot">Ein Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lauter Buttern">Geklärte Butter</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-013">
        <head>Krebspastete mit Früchten und Wein</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-013-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-013-trans">
          <p>Pasteten von Krebsen.

Seud Krebs an Saltz/ schel sie schön/ vnd leg sie zusamen/ vnd hack Peterlin gar klein/ Nim frische Eyer/ klopff sie gar wol/ die schütt in den teighafen/ schneid gut Biern //in\\ lenglecht schnitz/ stos sie in die füll/ thu Feigen vnd Weinbeer darein/ stos die Krebsscheren/ beuch vnd schwentze/ alle nach der leng darein. Darnach mache ein guten Wein ab mit würtz vnd saltz/ versuchs was jm brech/ vnd schütte es vber die füll in den teighafen/ beschlag die renff mit eim geschlagen Ey oder zweien/ so weichen sie nicht/ thu butter zwischen den teighafen vnd scherben/ setzs in einen Backofen/ las sieden oder brahten/ Lug je darzu/ gibts rauch/ so brennet es/ wends mit buttern zu giessen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-013-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-013-orig">
          <p>Koche Krebse in Salzwasser, schäle sie sorgfältig und sammle das Fleisch. Hacke Petersilie sehr fein. Nimm frische Eier, schlage sie sehr gut auf und gieße sie in die Pastetenform. Schneide gute Birnen in längliche Schnitze und gib sie in die Füllung. Füge Feigen und Weintrauben hinzu. Lege die Krebsscheren, das Bauchfleisch und die Schwänze, alles der Länge nach, hinein. Bereite danach einen guten Wein mit Gewürzen und Salz zu, schmecke ihn ab, was ihm noch fehlt, und gieße ihn über die Füllung in die Pastetenform. Bestreiche die Ränder der Pastete mit ein oder zwei geschlagenen Eiern, damit sie nicht weich werden. Gib Butter zwischen die Pastetenform und die Backschale. Setze die Pastete in einen Backofen und lasse sie sieden oder braten. Achte stets darauf: Wenn es raucht, brennt es an. Drehe die Pastete und begieße sie dabei mit Butter.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Krebs">Ausreichend Krebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frische Eyer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Biern">Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Feigen">Feigen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Weinbeer">Weintrauben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="butter">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Teighafen">Mürbeteig für eine Pastete</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-014">
        <head>Krebspastete mit Früchten und Kräutern</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-014-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-014-trans">
          <p>Ein Torten von Krebsen.

Ein Tortenteig gelegt in ein feist Pfann/ mach ein füll von Eyern vnd gerieben Kess/ oder Lebkuchen/ Temperiers wol/ vnd nicht zu dünn/ schütts in die Teigpfann/ Jst es zu dünn/ so misch es mit Milchraum/ machs ab mit Würtz vnd Saltz/ Saffran vnd Beterlin. Magst nemen Salbey/ Poley/ oder andere würtz wol gehackt/ Temperier die füll damit/ vnd stos die Krebs ein. Wiltu Biern darein thun/ Feigen oder süss öpffel/ lenglecht geschnitten/ vnd mit den Krebsen drein gestossen/ ist gut/ Mach die Deck vber die teigpfannen/ thu Butter darauff/ setz vber ein klein Fewr/ vnd je bas vnd bas/ röst Kolen darumb/ oder treib die Pfann herumb vnd warte auff den rauch/ den dempff mit buttern/ vnd wenn die decke braun wird/ so hat es sein gnüg. Setze den Teighafen also gantz aus in ein weite schüssel/ vnd trags für/ vnd mach dann stück daraus/ vnd legs den Gesten für gar höflich.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-014-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-014-orig">
          <p>Lege einen Tortenteig in eine gefettete Pfanne. Bereite eine Füllung aus Eiern und geriebenem Käse oder Lebkuchen zu. Verrühre sie gut und nicht zu dünn. Gieße die Füllung in die Teigpfanne. Ist sie zu dünn, mische sie mit Sahne. Würze die Füllung mit Gewürzen und Salz, Safran und Petersilie. Du kannst Salbei, Polei-Minze oder andere fein gehackte Kräuter nehmen und die Füllung damit verrühren. Zerstoße die Krebse und gib sie hinzu. Willst du Birnen, Feigen oder süße Äpfel, länglich geschnitten, mit den Krebsen hineinstoßen, ist das gut. Lege den Deckel über die Teigpfanne, gib Butter darauf, und setze sie über ein kleines Feuer. Röste immer wieder Kohlen darum herum oder drehe die Pfanne, und achte auf den Rauch. Dämpfe sie mit Butter, und wenn der Deckel braun wird, ist es fertig. Setze den ganzen Teighafen aus dem Feuer in eine weite Schüssel, trage ihn auf, mache dann Stücke daraus und serviere sie den Gästen sehr höflich.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ein Tortenteig">Tortenteig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyern">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gerieben Kess">Geriebener Käse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Lebkuchen">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Milchraum">Sahne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Beterlin">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salbey">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Poley">Polei-Minze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Krebs">Flusskrebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Biern">Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Feigen">Feigen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="süss öpffel">Süße Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Butter">Butter</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-015">
        <head>Gebackene Krebse im Teigmantel</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-015-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-015-trans">
          <p>Ein Gebackens von Krebsen.

Bereit die Krebs gar schön/ mach ein gelbes teiglein von Eyern/ abgewürtzt vnd gesaltzen/ nicht zu dünn oder zu dick/ welg die Krebs drein/ jedes stücklin besonder/ vnd back sie/ aber die kleinen Scheren vnd bröcklin mach in Küchlins weis/ oder Strauben weis/ vnd backe sie. Hast du nicht schöne Eyer/ so nim ein wenig Saffran darzu/ trag das Gebackens also warm für. Wiltu Honig vnd Zucker darauff strewen das ist gut.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-015-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-015-orig">
          <p>Bereite die Krebse sehr sorgfältig vor. Mache einen gelben Teig aus Eiern, gewürzt und gesalzen, nicht zu dünn oder zu dick. Wälze die Krebse darin, jedes Stückchen einzeln, und frittiere sie. Die kleinen Scheren und Bruchstücke verarbeite zu kleinen Küchlein oder Strauben und frittiere sie ebenfalls. Hast du keine schönen, farbintensiven Eier, so nimm ein wenig Safran dazu, um dem Teig eine schöne gelbe Farbe zu verleihen. Serviere das Gebackene warm. Willst du Honig und Zucker darüberstreuen, so ist das gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die Krebs">Frische Krebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyern">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gesaltzen">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="abgewürtzt">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="back sie">Fett zum Frittieren</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-016">
        <head>Mus von Krebsen, warm und kalt</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-016-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-016-trans">
          <p>Ein Müslin von Krebsen.

Von höflichen farben machs also on schaden: Nim gute Milch vnd Kornblumensafft/ klopffs/ vnd temperires durch einander/ thu auch schönes Mehl darzu/ vnd temperiers [temperies] noch bas/ bereit die Krebs gar wol/ wirff nur die Gall aus dem Haubt/ so magstu sie stossen mit Wein bereit/ oder mit schalen vnd allem/ thu weis Brot darunter/ truck es durch ein Tuch/ mache es ab mit würtzen vnd Saltz/ thu es in ein Müslin/ vor gezworen mit Mehl vnd Honig/ temperiers wol mit eim Löffel/ ist es vor nicht abgemacht mit Würtzen vnd Saltz/ so mach es ab. Jst es zu dick/ so mehre es mit Milch zu rechter mas/ thu es in ein feiste Pfann/ las sieden als ein Kindermus/ wilt du es warm geben/ je mehr gestossener Krebs in dem Müslin sein/ je besser zu guter dicke/ vnd Butter darauff gestrewet vnd Jmber/ setz also für/ das helt gut dawung. Wiltu [Wil_u] es kalt geben/ so sol das Müslin mit Wein oder Essig gemacht werden/ oder die Krebs sollen mit Wein oder Essig gestossen oder durchtrieben werden. Dasselbig mit einem steublin Mehls ein Müslin gemachet/ vnd abbereitet mit Würtz vnd Saltz/ darein geleget die guten grossen Krebs/ Schwentz vnd Scheren allein/ wol erkaltet/ gibs also für ein gebrahtens/ ein seltzsams Essen.
Fisch/ Krebs/ vnd allerley Speis/ so da ist kalter Natur/ auch Milch vnd Wasser/ mus man mit Würtzen ab temperieren. Aber Kranckleut/ heisser Natur/ bedörffen nicht Würtzen/ noch viel Saltz/ dann jr gebrech mehrt sich dauon. Auch guter starcker Wein vngemischt mit Wasser/ verderbt sie. Erkennest du dein Natur/ so erkennestu auch was wider dein Natur ist/ darnach bereit dein Essen.
Einem Menschen der kalter Natur ist/ schadet alles das da kalt vnd schleimig ist/ als Fisch/ je feister/ je schedlicher sie sind/ er mach oder bereit sie wie er wöll. Jsset er dann Fisch/ vnd trincket Wasser dazu/ so vberfellt jn das Fieber. Also auch die verdorbnen/ zehen vnd gemachten Wein/ bringen den todt. Hierumb gedenck/ wie dein Essen vnd getrenck bereit sol werden/ vnd was deiner Natur zugehört. Der lang leben/ vnd rechte vernunfft haben wil/ der neme sein selbs war/ Jderman nach seinem stand/ nach dem die vier Complexion von Gott in den geschöpffen geordinirt sind/ heis/ kalt/ trucken vnd nas. Doch hilfft man der Natur mit Artzney. Vnd der Frawen heimligkeit grössert in vnmessigkeit/ in vnordenlichen wercken/ darumb müssen jr viel sterben.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-016-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-016-orig">
          <p>Für angenehme Farben bereite es folgendermaßen zu, ohne Schaden zu nehmen: Nimm gute Milch und Kornblumensaft, schlage und verrühre beides miteinander. Gib auch feines Mehl hinzu und verrühre es noch besser. Bereite die Krebse sehr gut vor, wirf nur die Galle aus dem Kopf. Dann kannst du sie mit vorbereitetem Wein stoßen, entweder geschält oder mitsamt den Schalen. Gib weißes Brot darunter und drücke es durch ein Tuch. Würze es mit Gewürzen und Salz. Gib es in ein kleines Mus-Töpfchen, das zuvor mit Mehl und Honig ausgekleidet wurde. Verrühre es gut mit einem Löffel. Falls es zuvor nicht mit Gewürzen und Salz abgeschmeckt wurde, tue es jetzt. Ist es zu dick, so verdünne es mit Milch auf die richtige Konsistenz. Gib es in eine schwere Pfanne und lasse es wie ein Kindermus sieden. Wenn du es warm servieren möchtest, gilt: Je mehr gestoßene Krebse im Mus sind, desto besser wird die Dicke. Streue Butter und Ingwer darauf und serviere es so; das fördert eine gute Verdauung.</p>
          <p>Willst du es kalt servieren, so soll das Mus mit Wein oder Essig zubereitet werden, oder die Krebse sollen mit Wein oder Essig gestoßen oder passiert werden. Dasselbig mit einem Stäubchen Mehls zu einem Mus gemacht und abgeschmeckt mit Gewürzen und Salz, darin die guten großen Krebse, nur Schwänze und Scheren, gut erkaltet, serviere es als ein Gebratenes, ein seltsames Essen.</p>
          <p>Fisch, Krebse und allerlei Speisen, die von kalter Natur sind, auch Milch und Wasser, muss man mit Gewürzen abmildern. Aber kranke Menschen von heißer Natur benötigen nicht viele Gewürze, noch viel Salz, denn ihr Gebrechen mehrt sich davon. Auch guter, starker Wein, ungemischt mit Wasser, schadet ihnen. Erkennst du deine Natur, so erkennst du auch, was wider deine Natur ist; danach bereite dein Essen zu.</p>
          <p>Einem Menschen, der kalter Natur ist, schadet alles, was kalt und schleimig ist, wie Fisch; je fetter, desto schädlicher sind sie, er mag sie zubereiten, wie er will. Isst er dann Fisch und trinkt Wasser dazu, so überfällt ihn das Fieber. Ebenso bringen verdorbene, zähe und künstlich hergestellte Weine den Tod. Darum bedenke, wie dein Essen und Trinken zubereitet werden soll und was deiner Natur zuträglich ist. Wer lange leben und rechte Vernunft haben will, der nehme sich selbst wahr, jedermann nach seinem Stand, nachdem die vier Komplexionen von Gott in den Geschöpfen angeordnet sind: heiß, kalt, trocken und nass. Doch hilft man der Natur mit Arznei. Und die Heimlichkeit der Frauen vergrößert sich in Unmäßigkeit, in unordentlichen Werken; darum müssen viele von ihnen sterben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gute Milch">Vollmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Kornblumensafft">Kornblumensaft</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schönes Mehl">Weizenmehl Type 405 oder 550</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die Krebs">Flusskrebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Trockener Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weis Brot">Altbackenes Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtzen">Mittelalterliche Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Butter">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Jmber">Gemahlener Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Heller Weinessig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-017">
        <head>Gekochte Krebse mit Weichsel-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-017-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-017-trans">
          <p>Krebs zu sieden.

Thu sie in ein Hafen/ vnd verdeckt sie gar wol/ geus Wein/ Essig oder Wasser daran/ vnd Saltz vnd Pfeffer sie/ mach auch ein fewer stets darunter/ vnd wann sie rot werden/ so haben sie ein genüg. Die sol man heis fürtragen in verdecketen Schüsseln. Zu Fischen vnd Krebsen mag man Weichsel Salsen haben.
Wer Fisch vnd Krebs isset/ der hüte sich vor Milch vnd Wasser trincken.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-017-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-017-orig">
          <p>Lege die Krebse in einen Topf und decke sie sehr gut zu. Gieße Wein, Essig oder Wasser hinzu und salze und pfeffere sie. Mache auch ein Feuer stets darunter, und wenn die Krebse rot werden, sind sie gar. Serviere sie heiß in zugedeckten Schüsseln. Zu Fischen und Krebsen kann man Weichsel-Saucen reichen. Wer Fisch und Krebse isst, hüte sich davor, Milch und Wasser zu trinken.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Krebs">Frische Krebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Weichsel Salsen">Weichsel-Sauce</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-018">
        <head>Gebackene Flusskrebs-Küchlein mit Honig</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-018-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-018-trans">
          <p>Küchlin von Krebsen.

Nim Krebs/ seud sie mit Wasser vnd Saltz/ schele sie schön/ Nim die Hels/ Scheren vnd Schwentz/ Mehl/ Saltz vnd Würtz/ hack sie schön/ bestreich die Hend inwendig mit Honig/ vnd welge die Tüchlin zusamen/ gilb ein Teiglin/ vnd zeuch die Küchlin durch/ Back sie braun/ gib sie trucken/ oder in eim Ziselin/ gibst du sie trucken/ so bestrew sie mit Zucker.
Fisch/ Krebs vnd Biberschwentz sind viel besser gesotten mit Wein/ dann mit Wasser/ Bier oder eitel Essig. All feist essen sind dem Menschen schad/ vnd die feisten Fisch noch schedlicher. So ist Brot trucken gessen auch schedlich. Wil aber der Mensch Keß vnd Brod essen/ der thu es nicht vngetruncken. ACht Jar mage ein Al leben/ sechs tage one wasser sein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-018-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-018-orig">
          <p>Nimm Flusskrebse und siede sie in Wasser mit Salz. Schäle sie sorgfältig. Nimm das Fleisch aus den Hälsen, Scheren und Schwänzen, dazu Mehl, Salz und Gewürze, und hacke alles fein zusammen. Bestreiche deine Hände innen mit Honig und forme die Küchlein daraus. Färbe ein Teiglein gelb und ziehe die Küchlein hindurch. Backe sie braun. Gib sie trocken oder in einem Schälchen. Gibst du sie trocken, so bestreue sie mit Zucker.</p>
          <p>Fisch, Krebse und Biberschwänze sind viel besser in Wein gesotten als in Wasser, Bier oder bloßem Essig. Alle fetten Speisen sind dem Menschen schädlich, und die fetten Fische noch schädlicher. Ebenso ist Brot trocken gegessen schädlich. Will der Mensch aber Käse und Brot essen, so tue er es nicht ungetrunken. Acht Jahre kann ein Aal leben, sechs Tage ohne Wasser sein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Krebs">Flusskrebse</ingredient> - 1 kg</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient> - 1 l</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient> - 1 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Weizenmehl</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">gemischte Gewürze</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Teiglin">Weizenmehl</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Teiglin">Safran</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Teiglin">Ei</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Teiglin">Wasser oder Weißwein</ingredient> - 50 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Zucker">Zucker</ingredient> - 2 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Back sie braun">Pflanzenöl oder Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-019">
        <head>Gebratener Aal mit Kräuterfüllung</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-019-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-019-trans">
          <p>Wie man äl kochen sol.

Zeuch jm die Haut ab bis ans Haubt/ schneide jn auff/ Nim das eingereusch vnd die Gallen aus/ so hack Peterlin/ Salbey/ Beimenten vnd Metrin/ oder gut Kreuter klein/ temperieres mit Essig vnd gutem Wein/ das es wol feucht werde/ darnach nim Jmber/ Negelin/ wol gestossen/ Muscat vnd Saltz/ thu es in das geheck/ füll den Al/ vnd bestreich jn darmit vmb vnd vmb/ dann zeuch jm die Haut wider bis zu dem Schwantz/ leg jn auff einen heissen Rost/ las jn brahten/ oder mach stück daraus/ reihe sie an ein breitlecht höltzin spislin/ wende den beim Fewr vmb/ bis du dadurch greiffest/ so hat er sein gnüg. Er bräht also in seinem eigen Schmaltz/ das man jm sonst nichts mehr darff darauff thun. Setz Salsen oder gestossen Jmber damit für.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-019-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-019-orig">
          <p>Ziehe dem Aal die Haut bis zum Kopf ab. Schneide ihn auf und entferne die Eingeweide sowie die Gallenblase. Hacke Petersilie, Salbei, Lorbeerblätter und Majoran oder andere gute Kräuter fein. Befeuchte die gehackten Kräuter mit Essig und gutem Wein, sodass sie gut feucht werden. Nimm danach Ingwer, Nelken (gut zerstoßen), Muskatnuss und Salz. Gib diese Gewürze zu den gehackten Kräutern. Fülle den Aal mit dieser Mischung und bestreiche ihn damit rundherum. Ziehe dann die Haut wieder bis zum Schwanz zurück. Lege den Aal auf einen heißen Rost und lasse ihn braten. Alternativ kannst du den Aal in Stücke teilen, diese auf einen breiten hölzernen Spieß reihen und über dem Feuer wenden, bis du durch die Stücke greifen kannst - dann ist er gar. Der Aal brät in seinem eigenen Fett, sodass du nichts Weiteres hinzufügen musst. Serviere ihn mit Saucen oder gestoßenem Ingwer.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Al">Aal</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salbey">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Beimenten">Lorbeerblätter</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Metrin">Majoran</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Essig</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gutem Wein">Weißwein</ingredient> - 50 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Jmber">Ingwerpulver</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Negelin">Nelkenpulver</ingredient> - 0.5 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Muscat">Muskatnuss</ingredient> - 0.25 TL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz nach Geschmack</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salsen oder gestossen Jmber">Saucen oder gemahlener Ingwer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-020">
        <head>Der Biber: Tierbeschreibung und Castoreum</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-020-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-020-trans">
          <p>Vom Biber.

DEr Biber ist ein Thier/ wie ein Meerhund/ lang vnd schwanger/ hat sehr lange Zeen/ er mag nicht lang leben/ er hab dann den Schwantz im Wasser/ dann er ist halb Fleisch/ vnd das ander theil am Schwantz ist Fisch/ der Schwantz ist etwan einer Elen lang/ vnd hat viel fettigkeit in jm/ hat hinden Füss wie ein Gans/ die fördern als ein Hund. Solchs hat jn [&gt;jm] die Natur geben/ das er hinden wie ein Fisch im Wasser schwimmet/ vnd mit den förderen wie ein ander Thier gehen mag.
Des Bibers Hoden abgeschnitten/ vnd an ein dunckele statt auffgehencket/ vnd behalten zu der Artzney/ genandt Castorium/ das sein die Biberhoden/ die sein gut wider den fallenden Siechtag des Haubts/ wider den Schlag der Zungen/ sein Pulffer gelegt vnter die Zung/ daruon es zergehet vnd verstöret wird. Es benimpt auch das stechend Bauwehe [&gt;Bauchwehe] mit Essig getruncken/ vnd vertreibt die blest im leibe/ bringt der Frawen Zeit/ vnd dringt aus die ander Geburt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-020-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-020-orig">
          <p>Der Biber ist ein Tier, ähnlich einem Seehund, lang und massig gebaut. Er besitzt sehr lange Zähne. Er kann nicht lange leben, es sei denn, er hat seinen Schwanz im Wasser, denn er ist halb Fleisch, und der andere Teil am Schwanz ist Fisch. Der Schwanz ist etwa eine Elle lang und hat viel Fett in sich. Er hat hinten Füße wie eine Gans, die vorderen wie ein Hund. Solches hat ihm die Natur gegeben, dass er hinten wie ein Fisch im Wasser schwimmt und mit den vorderen Füßen wie ein anderes Tier gehen kann.</p>
          <p>Die Hoden des Bibers werden abgeschnitten, an einem dunklen Ort aufgehängt und zur Arznei, genannt Castoreum, aufbewahrt. Dies sind die Biberhoden, die gut sind gegen den fallenden Siechtag des Hauptes (Epilepsie) und gegen den Schlag der Zunge (Zungenlähmung oder Schlaganfall). Als Pulver unter die Zunge gelegt, zergeht es und vertreibt die Krankheit. Es nimmt auch das stechende Bauchweh, wenn es mit Essig getrunken wird, und vertreibt die Blähungen im Leibe. Es bringt der Frau die Zeit (Menstruation) und treibt die Nachgeburt aus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="DEr Biber">Biber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Des Bibers Hoden / Castorium">Biberhoden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-021">
        <head>Fisch kochen für Fastentage</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-021-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-021-trans">
          <p>Stockfisch oder Rheinfisch zu kochen.

Stockfisch mus man blewen vnd einweichen mit Wein oder wasser/ vnd mit würtz abmachen.
Rheinfisch vnd Bolchen im wasser gesotten/ bey Kraut oder Salsen. Diese vnd alle gereuchte Fisch mag man an Fasttagen neben Suppen oder Kraut geben.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-021-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-021-orig">
          <p>Den Stockfisch musst du zuerst klopfen und dann in Wein oder Wasser einweichen. Anschließend würze ihn und stelle ihn fertig. Rheinfisch und Bolchen koche in Wasser. Diese und alle geräucherten Fische kannst du an Fasttagen neben Suppen oder Kraut servieren.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Stockfisch">Stockfisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Rheinfisch">Rheinfisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Bolchen">Bolchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein oder wasser">Weißwein oder Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gereuchte Fisch">Geräucherter Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Kraut">Weißkraut oder anderes Gemüse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Suppen">Suppen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salsen">Saucen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-022">
        <head>Würzige Rübenbrühe als Suppenbasis</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-022-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-022-trans">
          <p>Gute Suppen zu machen.

Nim dürr Ruben brüh/ leuter sie schön mit abseihen durch ein Tuch in ein Pfann/ vnd ein wenig Honig darinn/ mach es ab mit saltz vnd würtz. Du magest ein Erbsbrüh damit bessern/ vnd zu allen Suppen von gebehtem Brot vnd Jmber darauff thun. Thu Zucker daran/ wilt du es besser machen/ vnd heis Fisch trucken darbey.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-022-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-022-orig">
          <p>Nimm Brühe von dürren Rüben. Läutere sie schön, indem du sie durch ein Tuch in eine Pfanne abseihst, und gib ein wenig Honig hinein. Schmecke sie mit Salz und Gewürz ab. Du kannst eine Erbsenbrühe damit verbessern, und zu allen Suppen aus eingeweichtem Brot gibst du sie und streust Ingwer darüber. Gib Zucker daran, wenn du sie noch besser machen willst, und reiche heißen, trockenen Fisch dazu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="dürr Ruben brüh">Rübenbrühe</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig Honig">Honig</ingredient> - 1 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="würtz">Gewürzmischung</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Zucker">Zucker</ingredient> - 1 TL</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-023">
        <head>Kirschenmus mit Feigen und Rosinen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-023-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-023-trans">
          <p>Gut Kirschenmus.

Brich die stiel ab/ stos in eim Mörser mit Kern vnd al/ Nim Feigen/ Rosin auff ein Essen/ weiche weis Brotschnitten
in Wein/ Temperier es durch einander/ streich es durch ein Tuch mit anderm Wein/ mach es nicht zu dick/ noch zu dünn/ thu ein steublin Mehl vnd Butter darein/ zertreib es wol in einer Pfann/ richt es an dieweil es seudt wie ein ander Muß/ thu lauter Schmaltz vnd Würtz darauff/ trags also für. Also magstu Amerellen/ Weichseln/ vnd ErdbeerMüser machen. Roter Wein zimpt besser darzu denn weisser/ vnd das steublin Mehls sol man vorhin wol mit dem Wein zwieren ehe mans darein thut/ denn rüre es wol bis es geseud/ so müset es sich/ vnd stehet wol.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-023-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-023-orig">
          <p>Breche die Stiele der Kirschen ab. Zerstoße die Kirschen mitsamt den Kernen in einem Mörser. Nimm Feigen und Rosinen für dieses Gericht. Weiche weiße Brotschnitten in Wein ein. Vermische alle Zutaten miteinander. Streiche die Masse durch ein Tuch, dabei gibst du weiteren Wein hinzu. Achte darauf, dass die Konsistenz weder zu dick noch zu dünn wird. Gib eine Prise Mehl und Butter hinzu. Verrühre alles gut in einer Pfanne. Richte das Mus an, während es kocht, wie du es auch mit anderem Mus tun würdest. Gib geklärtes Schmalz und Gewürze darüber. Serviere es so. Auf diese Weise kannst du auch Muses aus Amarellen, Weichseln oder Erdbeeren zubereiten. Roter Wein passt besser dazu als weißer. Die Prise Mehl sollst du zuvor gut mit etwas Wein verrühren, ehe du sie zur Masse gibst. Dann rühre alles gut um, bis es kocht; so dickt es ein und erhält eine gute Konsistenz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="die stiel ab/ stos in eim Mörser mit Kern vnd al">Kirschen</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Feigen">getrocknete Feigen</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Rosin">Rosinen</ingredient> - 50 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weis Brotschnitten">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Rotwein</ingredient> - 250 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein steublin Mehl">Weizenmehl</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Butter">Butter</ingredient> - 20 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="lauter Schmaltz">geklärtes Schweineschmalz</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">gemahlene Gewürze</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-024">
        <head>Gestockte Mandelmilch-Reis-Speise</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-024-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-024-trans">
          <p>Gerennet Milch.

Reis stos klein/ schlag jn durch ein Siblin/ darnach mach Milch von abgestossen Mandeln/ seihe die besten ab/ die andern setz zum Fewr das sie nicht anbrenn noch vbergehe/ thu das Reismehl darein ehe das die Milch heis werde/ mach ein dickes Müslin daraus/ Darnach so schüts in ein feucht Schüssel/ las erkalten/ schneids in stück/ wecklins weis/ leg es in ein ander Schüssel/ denn giesse die dicke Milch von Mandeln Milch darüber/ besteck es mit Mandeln/ vergült oder geferbt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-024-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-024-orig">
          <p>Den Reis fein stoßen und durch ein Sieb schlagen, um Reismehl zu erhalten. Danach aus gestoßenen Mandeln Mandelmilch zubereiten. Die beste, dickere Mandelmilch abseihen und beiseite stellen. Die restliche, dünnere Mandelmilch über dem Feuer erhitzen, dabei darauf achten, dass sie nicht anbrennt oder überkocht. Bevor die Milch heiß wird, das Reismehl einrühren und zu einem dicken Mus verkochen. Anschließend das Mus in eine angefeuchtete Schüssel gießen und erkalten lassen. Wenn es fest ist, in stückchenweise, wie kleine Brötchen, schneiden und in einer anderen Schüssel anrichten. Dann die zuvor beiseite gestellte dicke Mandelmilch darüber gießen. Zum Schluss mit Mandeln garnieren, die entweder vergoldet oder gefärbt sind.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Reis">Reis</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mandeln">Mandeln</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient> - 750 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mandeln/ vergült oder geferbt">Mandeln</ingredient> - 50 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-025">
        <head>Speisen vergolden</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-025-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-025-trans">
          <p>Vergülden

Mach ein klein Honig Wasser/ bestreich die Mandeln damit/ schüts das Gold oder Silber also nas darauff/ drück es mit Baumwollen zu/ wo es nicht gleich ligt. Du magst Lebkuchen oder anders auch also vergülden/ Sonst taug kein ander Assit zu essen speis. Mach ein Höltzin Scher/ damit du das Goldt hebest/ greiff es mit blosser hand nicht an/ es verdirbt sonst alles.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-025-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-025-orig">
          <p>Bereite ein wenig Honigwasser zu. Bestreiche die Mandeln damit und streue das Gold- oder Silberblatt auf die noch feuchte Oberfläche. Drücke es mit Baumwolle fest, falls es nicht gleichmäßig aufliegt. Du kannst auch Lebkuchen oder andere Speisen auf diese Weise vergolden. Denn kein anderer Klebstoff ist für essbare Speisen geeignet. Fertige eine hölzerne Schere an, um das Goldblatt zu heben. Fasse es nicht mit bloßen Händen an, sonst verdirbt es vollständig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Honig Wasser">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Honig Wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die Mandeln">Mandeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das Gold oder Silber">Essbares Blattgold oder Blattsilber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Lebkuchen">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-026">
        <head>Blaues Mandel-Reis-Mus</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-026-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-026-trans">
          <p>Ein blaw Mus von Mandeln vnd Reis.

Kornblumen stos gar wol mit Wasser/ trucks durch ein Tuch/ das behalt. Stos Mandeln mit demselbbigen Wasser/ zwing es durch/ so hastu ein blawe Milch/ dauon mach das mus von Reis/ oder ein Weitzen müslin/ magst wol klein Rosinen darauff strewen/ versaltz nicht/ las nicht anbrennen. Die Müslin stehen gar wol in weissem Geschirr.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-026-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-026-orig">
          <p>Stoße Kornblumen sehr gut mit Wasser und drücke die Flüssigkeit durch ein Tuch. Bewahre diese Flüssigkeit auf. Stoße Mandeln mit derselben Kornblumenflüssigkeit und seihe es durch; so erhältst du eine blaue Mandelmilch. Daraus bereite das Mus aus Reis oder ein Weizenmüslin. Streue kleine Rosinen darauf. Achte darauf, es nicht zu versalzen und lasse es nicht anbrennen. Die Müslin sehen in weißem Geschirr besonders ansprechend aus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Kornblumen">Kornblumenblüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mandeln">Mandeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Reis">Reis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Weitzen müslin">Weizen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="klein Rosinen">Kleine Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versalz nicht">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-027">
        <head>Schwarzes Fruchtmus</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-027-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-027-trans">
          <p>Ein schwartz gemüß.

Nim Weinbeer/ Opffel/ Biern/ gebrahten oder gesotten/ vnd Zucker/ ein wenig Mehls/ seud es in einer pfannen/ vnd rür es wol durch einander.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-027-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-027-orig">
          <p>Nimm Weintrauben, Äpfel und Birnen, die du zuvor gebraten oder gekocht hast. Gib Zucker und ein wenig Mehl hinzu. Siede alles in einer Pfanne und rühre es gut durch, bis ein dickes Mus entsteht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Weinbeer">Weintrauben</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Opffel">Äpfel</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Biern">Birnen</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Zucker">Zucker</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig Mehls">Mehl</ingredient> - 1 EL</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-028">
        <head>Feines Fischmus mit Mandeln und Reis</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-028-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-028-trans">
          <p>Ein gut Gemüß von Fischen vnd Mandeln.

Thu das ingeweid aus/ reinigs vnd hacks wol/ acht der Gallen/ seud das bret der Fisch ab mit Wasser/ seihe es ab/ thu die Brüh hin/ stosse die Fisch gar wol mit Mandelmilch/ [Mandelmich/] vnd weis Brot in Mandelmilch geweicht/ treibe es aus mit weich gesotten Reis/ las es vber eim Fewr in einer pfann erhitzen/ rüre es wol/ Jst es zu dick/ so thu mehr Mandelmilch darzu/ machs ab mit Zucker.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-028-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-028-orig">
          <p>Nimm die Innereien aus dem Fisch, reinige ihn gründlich und hacke das Fischfleisch fein. Achte dabei besonders auf die Gallenblase, damit sie nicht platzt und Bitterkeit ins Fleisch gelangt. Koche das Fischfleisch in Wasser ab, seihe es anschließend ab und entsorge die Brühe. Zerstoße den Fisch sehr gut im Mörser zusammen mit Mandelmilch und in Mandelmilch eingeweichtem Weißbrot. Passiere die Masse durch ein Sieb oder drücke sie mit weich gekochtem Reis aus. Erhitze das Mus danach über einem Feuer in einer Pfanne und rühre es dabei gut um. Ist es zu dick, gib mehr Mandelmilch hinzu. Süße das Gericht zum Abschluss mit Zucker ab.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Fischen">Fischfilet</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient> - 1 l</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mandelmilch">Mandelmilch</ingredient> - 500 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weis Brot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="weich gesotten Reis">Reis</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Zucker">Zucker</ingredient> - 50 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-029">
        <head>Obst richtig lagern im Keller</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-029-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-029-trans">
          <p>Von Obs.

ES helt sich in einem truckenen Keller empor/ auff ein Hurt/ auff Stro/ legs geraum/ wirff die faulen aus.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-029-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-029-orig">
          <p>Lagere das Obst in einem trockenen Keller, auf einem Gestell oder auf Stroh. Lege es geräumig aus und wirf faule Früchte sofort aus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Obs">Obst</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-030">
        <head>Haselnuss-Heilmittel gegen Husten</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-030-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-030-trans">
          <p>Von Nüssen.

Haselnüs von jrer dürren werm/ bringen Haubtwehe/ entzünden den Magen. Die gestossen/ vnd mit Honigwasser getruncken/ stillen den alten Husten.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-030-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-030-orig">
          <p>Haselnüsse, wenn sie trocken und warm verzehrt werden, verursachen Kopfschmerzen und entzünden den Magen. Zerstoße die Haselnüsse und trinke sie mit Honigwasser; dies stillt alten Husten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Haselnüs">Eine Handvoll Haselnüsse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Honigwasser">Eine Tasse Honigwasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-031">
        <head>Nüsse frisch halten</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-031-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-031-trans">
          <p>Nüs frisch behalten.

Leg sie in ein frischen Sand/ in ein eck eins trucknen Kellers/ nicht in Häfen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-031-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-031-orig">
          <p>Lege die Nüsse in frischen Sand, in eine Ecke eines trockenen Kellers. Bewahre sie nicht in Töpfen auf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Nüs">Nüsse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frischen Sand">Frischer Sand</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-032">
        <head>Weintrauben frisch halten mit Lehm</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-032-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-032-trans">
          <p>Weinbeer frisch behalten.

Mach ein dünnen Leimen mit Brunnenwasser in ein weit Geschirr/ stos die Traubenstengel darein/ das sie vnden nicht anrüren/ henck sie in ein Keller. So du jrer bedarffst/ so füll ein Zuber mit Brunnenwasser/ henck sie darein/ bis das der Leimen erweicht/ vnd stös jn ab/ darnach begeus mit anderm frischen Wasser sauber.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-032-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-032-orig">
          <p>Um Weintrauben frisch zu bewahren, bereitet man zunächst einen dünnen Lehmbrei mit Brunnenwasser in einem weiten Gefäß zu. Die Stiele der Weintrauben werden dann so in den Lehmbrei gesteckt, dass die Trauben selbst den Boden des Gefäßes nicht berühren. Anschließend werden die Trauben in einem kühlen Keller aufgehängt. Wenn die Trauben benötigt werden, füllt man einen Zuber mit Brunnenwasser und hängt die Trauben hinein, bis der Lehmbrei aufweicht. Danach wird der Lehm vorsichtig abgestoßen und die Trauben gründlich mit frischem Wasser gereinigt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Weinbeer">Weintrauben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Leimen">Ausreichend Lehm / Tonerde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Brunnenwasser">Ausreichend Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Traubenstengel">Traubenstiele</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-033">
        <head>Grünes Getreide konservieren und kochen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-033-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-033-trans">
          <p>Korn oder Weitzen lang frisch zubehalten. Nim sie in der grüne/ derr sie in einem Backofen oder an der Sonnen/ behalt sie oben in einem Haus lüfftig in einem Keskorb/ wie man auch Kirschen helt. Wenn du sie brauchen wilt/ leg es in ein frisches Brunnenwasser/ so komens wider zu jrer krafft. Damit seud junge Hüner/ oder mache sie ab mit einem kleinen Specklin vnd Saltz/ oder Buttern. Wilde Vögel sind gut vnd dewig also gesotten.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-033-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-033-orig">
          <p>Nimm das Getreide im grünen, unreifen Zustand. Trockne es entweder in einem Backofen oder an der Sonne. Bewahre es anschließend luftig in einem Käsekorb oben in einem Haus auf, so wie man auch Kirschen lagert. Wenn du das Getreide verwenden möchtest, lege es in frisches Brunnenwasser, damit es seine ursprüngliche Kraft wiedererlangt. Koche damit junge Hühner, oder bereite sie mit etwas Speck und Salz oder Butter zu. Auch Wildvögel sind auf diese Weise gekocht gut und nahrhaft.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Korn oder Weitzen">Menge nach Bedarf grünes Getreide</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frisches Brunnenwasser">Menge nach Bedarf frisches Wasser</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="junge Hüner">junge Hühner</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="kleinen Specklin">Speck</ingredient> - 50 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz nach Geschmack</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wilde Vögel">Wildvögel</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-034">
        <head>Holunderblüten-Milchmus mit Eier-Würmlein</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-034-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-034-trans">
          <p>Holdermus zu machen.

Holderblüt brich in gut siedend Milch/ ein gut theil/ Las sieden/ treibs durch ein Tuch/ mache einen harten Teig von Eyern/ welge dünne bletter daraus/ schneid den teig klein in würmlins weis/ thu sie in die siedend Milch/ saltzs vnd machs ab mit Buttern.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-034-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-034-orig">
          <p>Brich eine gute Menge Holunderblüten in gut siedende Milch. Lass es sieden und treibe es durch ein Tuch. Mache einen festen Teig aus Eiern, walle dünne Blätter daraus aus und schneide den Teig klein in Würmlein-Form. Gib sie in die siedende Milch, salze und mache es mit Butter ab.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Holderblüt">Eine gute Menge Holunderblüten</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gut siedend Milch">Milch</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyern">Eier</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltzs">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient> - 20 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-035">
        <head>Holundermus mit Lebkuchen und Wein</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-035-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-035-trans">
          <p>Ein Holdermus von Beern.

Nim Holderbeer/ wasch sie schön/ stos sie mit gebehetem weis Brot vnd [vud] Hünerbrüh/ oder gutem Wein/ thu gerieben Lebkuchen oder Honig dazu/ machs ab mit würtze/ treib es durch ein Tuch in ein Hafen oder pfannen/ las erwallen/ strewe würtz darauff.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-035-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-035-orig">
          <p>Nimm Holunderbeeren und wasche sie gründlich. Stoße die Beeren zusammen mit geröstetem Weißbrot und wahlweise Hühnerbrühe oder gutem Wein in einem Mörser. Gib geriebenen Lebkuchen oder Honig hinzu. Schmecke das Mus mit Gewürzen ab. Treibe die Masse anschließend durch ein feines Tuch in einen Topf oder eine Pfanne. Lass das Mus einmal aufkochen und streue vor dem Servieren weitere Gewürze darüber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Holderbeer">Holunderbeeren</ingredient> - 500 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gebehetem weis Brot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Hünerbrüh">Hühnerbrühe</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gutem Wein">Rot- oder Weißwein</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gerieben Lebkuchen">geriebener Lebkuchen</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient> - 1 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="würtze">Gewürzmischung</ingredient> - 1 TL</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-036">
        <head>Birnenmus mit Zwiebeln und Ingwer</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-036-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-036-trans">
          <p>Ein Mus von Biern.

Schneid sie in ein weit kurtz häfelin/ schel Zwiblen/ thu Wein/ Saltz vnd Schmaltz dran/ setzs verdeckt in ein glüt/ es verzehret vnd müset sich selber/ richt es an/ strew Jmber darauff.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-036-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-036-orig">
          <p>Schneide die Birnen in ein weites, flaches Gefäß. Schäle Zwiebeln und gib Wein, Salz und Schmalz hinzu. Stelle das Gefäß zugedeckt in die Glut. Es soll sich selbst zersetzen und zu einem Mus verkochen. Richte es an und streue Ingwer darüber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Biern">Frische Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Zwiblen">Zwiebeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Schmaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Jmber">Gemahlener Ingwer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-037">
        <head>Apfelmus ohne Zwiebeln</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-037-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-037-trans">
          <p>Ein Apffelmuß ohne Zwiblen.

Schneid kleine schnitzlin in wenig milch oder wein/ Würtz/ Saltz vnd Schmaltz/ seud es verdecket bey einem kleinen fewr.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-037-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-037-orig">
          <p>Schneide kleine Apfelstücke und gib sie in etwas Milch oder Wein. Würze die Mischung mit Gewürzen und Salz. Füge Schmalz hinzu. Koche das Mus zugedeckt bei kleiner Hitze, bis die Äpfel weich sind und sich zu einem Mus zerdrücken lassen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="kleine schnitzlin">Äpfel</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wenig milch oder wein">Milch oder Weißwein</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Schmaltz">Schmalz oder Butter</ingredient> - 1 EL</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-038">
        <head>Mus von Brombeeren und Weichseln</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-038-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-038-trans">
          <p>Brombeer oder Weigselmüß.

Stos sie in einem Mörser/ thu weis Brod darzu/ streichs durch ein Tuch/ darnach zwier Mehl vnd Milch gar wol/ thu es vnter einander in eine pfann vbers fewer/ rürs wol vnd versaltzs nicht/ das wird ein braun Mus/ strewe Jmber darauff. Die pfann sol schmaltzig sein/ das es nicht anbrenn. Jsts zu dick/ so mehre es mit Milch. Maulbeer mus mach auch also. Kirschen oder Amerellen mach auch also/ on das man die Kern vnd alles stosset/ durchtrieben mit Wein/ Wasser oder Fleischbrüh.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-038-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-038-orig">
          <p>Stoße die Brombeeren oder Weichseln in einem Mörser. Gib weißes Brot dazu und streiche die Masse durch ein Tuch. Danach verrühre Mehl und Milch sehr gut. Gib alles zusammen in eine Pfanne über das Feuer, rühre es gut und versalze es nicht. Das wird ein braunes Mus. Streue Ingwer darauf. Die Pfanne soll schmalzig sein, damit das Mus nicht anbrennt. Ist es zu dick, so vermehre es mit Milch. Maulbeermus mache ebenfalls so. Kirschen oder Amarellen (Sauerkirschen) mache auch so, außer dass du die Kerne und alles mitstößt und die Masse mit Wein, Wasser oder Fleischbrühe durchpassierst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Brombeer">frische Brombeeren</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Weigselmüß">frische Weichseln</ingredient> - 500 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weis Brod">Weißbrot ohne Rinde</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Weizenmehl</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Milch">Vollmilch</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Jmber">gemahlener Ingwer</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="schmaltzig">Schweineschmalz</ingredient> - 1 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="versaltzs nicht">Salz</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Maulbeer mus">frische Maulbeeren</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Kirschen">frische Kirschen</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Amerellen">frische Amarellen</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Fleischbrüh">klare Fleischbrühe</ingredient> - 100 ml</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-039">
        <head>Birnen einlegen, dörren und als Feigenersatz kochen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-039-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-039-trans">
          <p>Von Bieren.

Bierbeumen wurtzelen/ bletter vnd frücht/ haben viel krafft. Gesotten Bierbaumen bletter/ heilen Wunden. Die Kern gestossen vnd nüchtern genützt/ vertreibt Leberwehe. Man macht Biern ein wie Treublin/ Opffel/ Pflaumen/ Pfirsing vnd Quitten.
Mehlbiern/ Eschenbachrin/ Wasserbiern/ Kolbiern/ oder Schmaltzbiern/ wol gederret in einem Backofen/ vnd die behalten vber jar/ So man die Kochen wil/ seubert vnd stilet man sie sauber in warmen Wasser/ vnd lest sie ertrucknen. Wer sie in Wein seud/ vnd zu Feigen legt in ein Essen/ sie schützen als Feigen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-039-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-039-orig">
          <p>Über Birnen.</p>
          <p>Wurzeln, Blätter und Früchte des Birnbaums haben viel Kraft. Gekochte Birnbaumblätter heilen Wunden. Die Kerne, zerstoßen und auf nüchternen Magen genommen, vertreiben Leberweh. Man legt Birnen ein, so wie man es mit Trauben, Äpfeln, Pflaumen, Pfirsichen und Quitten tut.</p>
          <p>Mehlbirnen, Eschenbacher Birnen, Wasserbirnen, Kolbirnen oder Schmalzbirnen sollst du in einem Backofen gut dörren und übers Jahr aufbewahren. Willst du sie kochen, so putze und entstiele sie sauber in warmem Wasser und lass sie abtropfen. Wer sie in Wein kocht und zu Feigen in ein Gericht legt, dem dienen sie wie Feigen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Bierbeumen wurtzelen">Birnbaumwurzeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bletter">Birnbaumblätter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frücht">Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Kern">Birnenkerne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Treublin">Trauben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Opffel">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pflaumen">Pflaumen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pfirsing">Pfirsiche</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Quitten">Quitten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mehlbiern/ Eschenbachrin/ Wasserbiern/ Kolbiern/ oder Schmaltzbiern">Verschiedene Birnensorten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="warmen Wasser">Warmes Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Feigen">Getrocknete Feigen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-040">
        <head>Küchlein aus getrockneten Birnen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-040-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-040-trans">
          <p>Küchlin von dürren Biern.

Schel sie schön/ seud sie wol/ stos in einem Mörser Mehl vnd Lebkuchen/ gilb Wein oder Milch/ geus daran/ so müset sichs/ thu sie aus/ klopff ein frisches Ey/ bestreich innen die hend/ welger die Küchlin wol zusamen/ zeuch sie auch durch ein gelbes Teiglin/ heb sie aus mit eim Löffel in die pfannen/ vnd backe sie schön/ seud Wein vnd Honig in einem pfennlin/ damit bespreng sie schön/ Trags also für/ es ist ein höflichs dewigs Essen.
Wer dürr gesotten Biern gnug möcht haben/ sie dienen für Feigen/ vnd dewen sehr in blöden Leuten.
Solche Biern aus eim Brotpfeffer essen/ ist ein gut armer Leut speis/ Rockenbrot darein gerürt speist wol/ vnd sterckt den bösen magen/ abgemacht mit Saltz vnd lauterm Jmber/ nur mit Wein vnd Essig.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-040-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-040-orig">
          <p>Küchlein aus getrockneten Birnen.</p>
          <p>Schäle die Birnen schön und koche sie weich. Stoße in einem Mörser Mehl und Lebkuchen, gieße gelben Wein oder Milch daran, sodass es zu einem Mus wird. Nimm es heraus, schlage ein frisches Ei auf, bestreiche damit die Hände und walge die Küchlein gut zusammen. Ziehe sie auch durch einen gelben Teig, hebe sie mit einem Löffel in die Pfanne und backe sie schön. Koche Wein und Honig in einem Pfännchen auf und besprenge die Küchlein damit schön. Trag sie so auf; es ist ein höfliches, bekömmliches Essen.</p>
          <p>Wer genug gedörrte, gekochte Birnen haben mag: sie dienen statt Feigen und sind sehr bekömmlich für schwache Menschen.</p>
          <p>Solche Birnen aus einem Brotpfeffer zu essen, ist eine gute Speise für arme Leute. Roggenbrot, darein gerührt, sättigt gut und stärkt den schwachen Magen, abgemacht mit Salz und reinem Ingwer, nur mit Wein und Essig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="dürren Biern">getrocknete Birnen</ingredient> - 250 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Weizenmehl</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Lebkuchen">Lebkuchen</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gilb Wein">Weißwein</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Milch">Milch</ingredient> - 50 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="frisches Ey">Ei</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gelbes Teiglin">Mehl, 1 Ei, 50 ml Wein oder Milch</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Rockenbrot">Roggenbrot</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="lauterm Jmber">Ingwer, gemahlen</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Essig</ingredient> - 50 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="in die pfannen">Pflanzenöl oder Schmalz</ingredient> - 200 ml</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-041">
        <head>Gesülzte Morcheln mit Mandeln</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-041-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-041-trans">
          <p>Gesültzt Morchen.

Hastu gesaltzen Fischbrüh/ ist gut/ oder mach eine also: Nim ein wenig Essig vnd Wein vnter einander/ seud vier kleine Birsing darin/ oder Hausen blasen oder Lorbeer/ oder die bletter/ treib es durch ein Tuch/ las es gefallen/ seih es ab/ saltz vnd würtz es/ darnach schütt es vber dieselbbigen Morchen/ wiltu die Brüh gelb haben/ so thu saffran darein/ las es stehen bis gestehet/ so mach geschelt Mandelkern/ bestecks hübschlich/ das stehet wol.
Solche füll mocht man auch in den Krebsschalen machen oder füllen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-041-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-041-orig">
          <p>Wenn du bereits gesalzene Fischbrühe hast, ist das gut. Andernfalls bereite sie wie folgt zu: Nimm etwas Essig und Wein und mische beides. Koche darin vier kleine Barsche, oder Hausenblasen, oder Lorbeerbeeren, oder die Lorbeerblätter. Treibe die Flüssigkeit durch ein Tuch, lass sie abkühlen und seihe sie dann ab. Salze und würze die Brühe. Danach gieße sie über die Morcheln. Wenn du die Brühe gelb haben möchtest, gib Safran hinzu. Lass alles stehen, bis es fest geworden ist. Dann schäle Mandelkerne, stecke sie hübsch darauf - das sieht gut aus. Eine solche Füllung könnte man auch in Krebsschalen zubereiten oder füllen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gesaltzen Fischbrüh">Gesalzene Fischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vier kleine Birsing">kleine Barsche</ingredient> - 4</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Hausen blasen">Hausenblasen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Lorbeer">Lorbeerbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die bletter">Lorbeerblätter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Morchen">Morcheln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geschelt Mandelkern">Geschälte Mandelkerne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Krebsschalen">Krebsschalen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-042">
        <head>Farbige Mandelmilch mit Fischbrühe</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-042-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-042-trans">
          <p>Mandelmilch/ grün/ blaw oder gelb.

LVg vmb Mangoldt/ oder Dattelkern Blumen/ oder ander Grünkraut/ das nicht schmeckt/ es neme sonst dem Mandel die Krafft. Es sol keine farbe darzu/ denn von vngeschmackten Kreutern/ stos die Mandeln wie sitt ist/ vermischs mit Fischbrüh/ da Bersing inn gesotten/ las gestehen. Also magst du es von Saffran gelb/ von Kornblumen blaw machen/ von rotem Wein/ rot. So du sie wilt fürtragen/ so brich sie auff ein Schüssel/ als Glasmilch/ misch Zucker vnd Saltz/ strewe ein wenig darauff/ magsts höflich vergülden/ vnd Mandelkern darein stossen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-042-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-042-orig">
          <p>Nimm Mangold oder Dattelkern-Blumen oder andere grüne Kräuter, die keinen starken Eigengeschmack haben, damit sie den Mandeln nicht ihre Kraft nehmen. Es soll keine Farbe hinzukommen außer von geschmacksneutralen Kräutern. Stoße die Mandeln, wie es üblich ist, um Mandelmilch herzustellen. Vermische sie mit Fischbrühe, in der Barsch gekocht wurde, und lass die Mischung stehen, damit sie sich setzt. So kannst du die Mandelmilch mit Safran gelb färben, mit Kornblumen blau oder mit rotem Wein rot. Wenn du sie auftragen möchtest, brich sie auf eine Schüssel wie eine Glasmilch. Mische Zucker und Salz und streue ein wenig davon darüber. Du kannst sie auch fein vergolden und Mandelkerne hineinstoßen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mandeln">Mandeln</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mangoldt">Mangoldblätter</ingredient> - 50 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Dattelkern Blumen">Geschmacksneutrale grüne Kräuter</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Fischbrüh">Fischbrühe</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Bersing">Barsch</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Kornblumen">Handvoll Kornblumenblüten</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="rotem Wein">Rotwein</ingredient> - 50 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Zucker">Zucker</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mandelkern">Mandelkerne</ingredient> - 20 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-043">
        <head>Feiner Mandel-Ziger mit Brühe (gestockt)</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-043-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-043-trans">
          <p>Ein höflicher Ziger von Mandeln.

Stos Mandeln klein/ streichs durch ein Tuch mit wasser/ mach die Milch warm in einem Hafen/ rüre es gar wol. Nim ein geläubt Brüh von Fischen vnd Birsing gesotten/ oder von Kelbern oder Schaf füssen gesotten/ wol lauter gestanden/ abgesaltzen/ vnd mit Mandelmilch damit vermischt/ las erkalten vnd gestehen/ etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-043-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-043-orig">
          <p>Stoße Mandeln fein. Streiche sie mit Wasser durch ein Tuch, um Mandelmilch zu gewinnen. Erwärme diese Mandelmilch in einem Topf und rühre sie sehr gut um.</p>
          <p>Nimm eine geklärte Brühe, die entweder aus Fisch und Bries gekocht wurde, oder aus Kalbs- oder Schafsfleischfüßen. Achte darauf, dass die Brühe gut geklärt und klar ist, und entziehe ihr überschüssiges Salz. Vermische diese Brühe mit der warmen Mandelmilch. Lasse die Mischung erkalten und fest werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mandeln">Mandeln</ingredient> - 250 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="geläubt Brüh von Fischen vnd Birsing gesotten/ oder von Kelbern oder Schaf füssen gesotten">geklärte Gelatinebrühe</ingredient> - 500 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="abgesaltzen">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-044">
        <head>Mandelmilch-Käse</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-044-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-044-trans">
          <p>Kes von Mandelmilch.

Temperier Eyer vnd Mandelmilch/ saltz vnd sied sie wol/ magst sie würtzen oder gilben wenn sie gesotten/ vnd von den Eyern hart wird/ so rauff sie mit einem Löffel wol zusamen/ thu ein seichtuch in ein pfefferpfann/ das ist ein Durchschlag/ das breit wol vber/ schütt die Keß darauff/ las das Molcken abgehen/ mach wie viel du Schüsseln wilt/ bestrew sie mit Zucker.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-044-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-044-orig">
          <p>Verrühre Eier und Mandelmilch, salze sie und koche sie gut auf. Du kannst die Masse würzen oder gelb färben, wenn sie gekocht und durch die Eier fest geworden ist. Dann raffe die Masse mit einem Löffel gut zusammen. Lege ein Seihtuch in eine Pfefferpfanne - das ist ein Durchschlag - und breite es gut darüber aus. Schütte die Käsemasse darauf und lass die Molke abtropfen. Forme so viele kleine Käse, wie du möchtest, und bestreue sie mit Zucker.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyer">Eier</ingredient> - 6</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mandelmilch">Mandelmilch</ingredient> - 1 l</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="würtzen">Gewürze</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gilben">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Zucker">Zucker</ingredient> - 2 EL</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-045">
        <head>Gebackene Oblaten mit Feigenfüllung</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-045-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-045-trans">
          <p>Gebackens von Oblaten.

Erwell Feigen/ Rosin/ vnd hack sie klein/ mache es ab mit Würtz vnd Saffran/ Saltz/ vnd temperirs wol. Nim ein Oblat/ vnd ziehe die Feigen drauff/ Mach ein Oblat darüber/ ziehe es durch ein Teiglin von weissem Mehl back sie schön.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-045-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-045-orig">
          <p>Wähle Feigen und Rosinen aus und hacke sie fein. Würze die Mischung mit Gewürzen, Safran und Salz und vermenge alles gut, bis es eine homogene Masse ergibt. Nimm eine Oblate und streiche die Feigenmasse darauf. Lege eine weitere Oblate darüber. Ziehe das gefüllte Oblatenpaket durch einen dünnen Teig aus weißem Mehl und Wasser und backe es anschließend schön goldbraun.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Feigen">Getrocknete Feigen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Rosin">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Oblat">Backoblaten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Teiglin von weissem Mehl">Weißes Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-046">
        <head>Gebackenes Mandel-Reis-Mus</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-046-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-046-trans">
          <p>Gebackens von Mandeln vnd Reiß.

Stosse den Mandel mit wasser/ vnd stosse den Reiß trucken/ schlag jn durch ein sieblin/ las erwallen ein dicke Milch/ strew das Mehl darein/ rüre es wol/ mach ein dick Müß/ vnd ein dünns mit warmen Wein/ gilb den wol/ schütt das Muß aus auff ein sauber feucht Bret/ vnd las es erkalten/ denn schneid dauon als Weck/ oder wie du wilt/ ziehe es durch ein Teiglin/ vnd backe es.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-046-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-046-orig">
          <p>Zerstoße die Mandeln mit Wasser zu einer feinen Paste. Zerstoße den Reis trocken zu feinem Mehl und siebe ihn durch ein feines Sieb. Lasse eine dicke Milch aufkochen. Streue das Reismehl langsam in die kochende Milch und rühre es gut, bis ein dickes Mus entsteht. Verdünne das Mus mit warmem Wein und färbe es mit Safran kräftig gelb. Schütte das Mus auf ein sauberes, feuchtes Brett und lasse es vollständig erkalten. Schneide dann davon Stücke wie kleine Brötchen oder in einer beliebigen Form. Ziehe die Musstücke durch einen dünnen Teig und backe sie anschließend.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mandel mit wasser">Mandeln, gemahlen</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Reiß trucken">Reis, gemahlen</ingredient> - 150 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="dicke Milch">Mandelmilch</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="warmen Wein">Weißwein, warm</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gilb den wol">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Teiglin">Weizenmehl für den Ausbackteig</ingredient> - 100 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-047">
        <head>Gebackene Feigen-Rosinen-Küchlein mit gelbem Müslin</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-047-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-047-trans">
          <p>Ein gut gezogen Gebackens.

Erwell Feigen vnd Rosin in Wein/ stoß in einem Mörser/ misch mehl vnd würtz darein/ mach Küchlin daraus/ die ziehe durch ein teiglin/ back sie schön. Das Müslin mach mit warmen Wein/ vnd weis Mehl/ gilb es/ etc. Man sol es trucken fürtragen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-047-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-047-orig">
          <p>Wähle Feigen und Rosinen aus und weiche sie in Wein ein. Stoße sie anschließend in einem Mörser. Mische Mehl und Gewürze darunter und forme Küchlein daraus. Ziehe diese durch einen dünnen Teig und backe sie schön. Das Müslin bereite mit warmem Wein und weißem Mehl und färbe es gelb. Man soll die Küchlein trocken auftragen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Feigen">getrocknete Feigen</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Rosin">Rosinen</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Wein</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">weißes Mehl</ingredient> - 150 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="würtz">Gewürze</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="teiglin">weißes Mehl</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="teiglin">Flüssigkeit (Wein oder Wasser) für den dünnen Teig</ingredient> - 50 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="warmen Wein">warmer Wein</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="weis Mehl">weißes Mehl</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gilb es">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-048">
        <head>Erbsen-Nudeln und Küchlein auf höfische Art</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-048-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-048-trans">
          <p>Ein höflich Essen von Erbsen.

SEud vnd belg die Erbsen schön mit Wasser/ seih die suppen ab/ behalt die Brüh zu gebeheten suppen/ abgemacht mit würtzen/ kome zu prüffen/ vnd gegilbt/ nimm der Erbs in ein sauber Becken/ zertreib sie mit einem grossen Löffel gar wol/ Nim jr auff ein Essen/ thus in ein Pfeffer Pfann/ schlah sie mit der hand durch in ein weite Schüssel/ heb die pfann hoch/ so werden die Erbsen gezettelt wie Regenwürm/ seind gros vnd klein/ bewar sie also gantz/ das sie eben in die schüssel komen/ vnd nicht vberhangen/ las gestehen/ etc. Aus dem andern theil der Erbsen mach Küchlin/ also: Thu Mehl in die hend/ vnd welger die Küchlin zusamen/ mach ein teiglin von gegilbtem Wein/ zeuch die Küchlin dadurch/ heb sie mit einem Löffel daraus in die Pfann/ back wie viel du wilt/ mache ein Erbsbrüh darüber gegilbt/ mit Würtzen vnd Saltz abgemacht/ spreng Buttern vnd Rosin drein/ trage es verdeckt für.
Man backet auch Erbsküchlin lind in einem Pfefferlin/ von gebehetem weis Brot/ abgemacht mit Saltz/ wie ander trachten sonst auch.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-048-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-048-orig">
          <p>Beginne damit, die Erbsen schön mit Wasser zu sieden und zu schälen. Seihe die Brühe ab und bewahre sie für andere gewürzte Suppen auf. Würze die Brühe, schmecke sie ab und färbe sie gelb (mit Safran). Nimm die Erbsen in eine saubere Schüssel und zerdrücke sie sehr gut mit einem großen Löffel. Nimm einen Teil der gestampften Erbsen für ein Gericht und gib sie in eine perforierte Pfanne oder ein grobes Sieb. Drücke die Erbsen mit der Hand durch die Pfanne in eine weite Schüssel. Hebe die Pfanne dabei hoch, damit die Erbsen wie Regenwürmer in die Schüssel fallen - mal groß, mal klein. Achte darauf, dass sie ganz in die Schüssel gelangen und nicht überhängen. Lasse sie dann stehen.</p>
          <p>Aus dem anderen Teil der Erbsen bereite Küchlein zu: Nimm Mehl in die Hände und rolle die Küchlein daraus. Bereite einen dünnen Teig aus gelb gefärbtem Wein zu. Ziehe die Küchlein durch diesen Teig und hebe sie mit einem Löffel in die Pfanne. Brate so viele, wie du möchtest. Bereite eine gelb gefärbte Erbsenbrühe darüber zu, gewürzt mit Gewürzen und Salz. Gib Butter und Rosinen hinzu und serviere das Gericht zugedeckt.</p>
          <p>Man kann auch Erbsenküchlein sanft in einem kleinen Gefäß braten, die aus gewürztem Weißbrot gemacht sind, mit Salz abgeschmeckt, wie es auch bei anderen Gerichten üblich ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Erbsen">Erbsen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtzen">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gegilbt">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gegilbtem Wein">Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Rosin">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weis Brot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-049">
        <head>Mehlpfefferlein auf Erbsenküchlein</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-049-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-049-trans">
          <p>Ein Mehlpfefferlin.

Brenn Mehl in Buttern nicht zu sehr/ temperirs mit wein/ gilb vnd würtz es ab/ back Erbsküchlin/ vor Gelert/ thu den Pfeffer drauff.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-049-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-049-orig">
          <p>Röste Mehl in Butter, aber nicht zu stark. Vermische es mit Wein, färbe es gelb und würze es ab. Backe Erbsenküchlein, die zuvor zubereitet wurden, und gib dann das Mehlpfefferlein darüber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gilb">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtz es ab">Schwarzer Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtz es ab">Weitere Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Erbsküchlin">Erbsenküchlein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-050">
        <head>Erbsküchlein mit Birnen und Äpfeln (Fastenspeise)</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-050-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-050-trans">
          <p>Ein höflich Essen in Fastagen.

Vleis dich der Erbsküchlin/ vnd der guten Hutzlen/ Biern geschelt vnd bereit/ legs zu den Erbsküchlin in ein Blatten. Nim das Birnwasser/ vnd ein wenig Honig drunder/ mach ein Ziselin oder Pfeffer vber die Küchlin/ die Bieren drauff/ mit Jmber vnd Buttern. Hastu kein Biern/ so viertheil brahtene Opffel/ oder in einem Teiglin mit Butter gebacken.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-050-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-050-orig">
          <p>Widme dich den Erbsküchlein und den guten Dörrbirnen. Schäle die Birnen und mache sie zurecht, dann lege sie zu den Erbsküchlein auf eine Platte. Nimm das Birnenwasser und ein wenig Honig dazu. Mache ein Ziselin oder einen Pfeffer über die Küchlein, lege die Birnen darauf, mit Ingwer und Butter. Hast du keine Birnen, so viertle gebratene Äpfel oder backe sie in einem Teiglein mit Butter.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Erbsküchlin">Erbsküchlein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guten Hutzlen">Dörrbirnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Birnwasser">Birneneinweichwasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ziselin">Ziselin (Gewürz/Gewürzmischung)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Jmber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="brahtene Opffel">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Teiglin">Teig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-051">
        <head>Püriertes Fleisch für Kranke (Krankenkost)</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-051-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-051-trans">
          <p>Fleisch das man stossen mus/ als alten Krancken Leuten/ die nicht kewen mögen.

NJm Wiltbreht/ Kalbfleisch/ oder ander Fleisch/ das da frisch ist/ seud es ohne Saltz/ scheum es/ vnd seihe die Brüh lauter ab/ vnd behalt sie/ stoß das Fleisch in einem Mörser wol/ mit ein wenig Semmelbrot/ Das streich durch ein Tuch mit der vorbehaltenen Brüh/ vermisch die mit Wein vnd Essig/ Wilt du es dick haben/ so klopff Eyertotter mit derselbigen durchgetrieben Brüh/ Wiltu es dünn haben/ so las es on Eyer bleiben/ aber mit würtz/ saltz vnd butter. Wiltu es dünn geben/ so mach gebehets Brot/ gibs vor ein suppen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-051-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-051-orig">
          <p>Nimm Wildbret, Kalbfleisch oder anderes frisches Fleisch und siede es ohne Salz. Schöpfe den Schaum ab und seihe die Brühe klar ab; bewahre sie auf. Stoße das Fleisch in einem Mörser gut mit ein wenig altbackenem Semmelbrot. Streiche diese Mischung durch ein Tuch mit der beiseitegestellten Brühe. Vermische sie mit Wein und Essig. Willst du es dick haben, so schlage Eigelb mit derselben durchgetriebenen Brühe. Willst du es dünn haben, so lasse die Eier weg, würze aber mit Gewürzen, Salz und Butter. Willst du es dünn servieren, so bereite geröstetes Brot zu und gib es als Suppe.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wiltbreht/ Kalbfleisch/ oder ander Fleisch/ das da frisch ist">Fleisch</ingredient> - 500 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Brüh">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig Semmelbrot">Semmelbrot</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Weinessig</ingredient> - 50 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyertotter">Eigelb</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="butter">Butter</ingredient> - 50 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gebehets Brot">Brot</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-052">
        <head>Würzige Brotgallerte zum Übergießen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-052-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-052-trans">
          <p>Ein Gallrad/ warüber du wilt.

Dünn weis Brot geschnitten/ behe auff einem Rost/ brenne sie wol/ vnd seuber sie/ die lege in ein warmen Wein/ weiche sie wol/ vnd treib sie durch ein Tuch/ Nim Feigen/ Rosin/ gerieben Lebkuchen/ treibe es durch mit einer Hüner oder Fleischbrüh/ vermisch vnter den Brotpfeffer/ rüre Rosin darein in Hafen/ rürs stets im sieden das nicht anbrenne/ machs ab mit würtz/ Jmber/ Pfeffer vnd Saffran/ ziehe es vom Fewr/ rüre es stets bis kalt wird/ geus es also warüber du wilt/ es gestehet bald. Magst darauff thun gestossen Jmber/ braht ein Specklin drauff. Gibstu es aber kalt/ so bedarffstu des Specks nicht.
HVnerFleisch stercket den Magen/ vnd erlinderet die Brust/ macht ein helle stim/ mestet den Leib.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-052-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-052-orig">
          <p>Schneide dünnes Weißbrot in Scheiben. Röste diese auf einem Rost sehr dunkel an und säubere sie anschließend von losen, verbrannten Teilen. Lege das geröstete Brot in warmen Wein, weiche es gut ein und passiere es dann durch ein Tuch, um eine dicke Flüssigkeit oder Paste zu erhalten. Nimm Feigen, Rosinen und geriebenen Lebkuchen und passiere diese zusammen mit einer Hühner- oder Fleischbrühe. Vermische diese Frucht-Lebkuchen-Mischung mit der Brot-Wein-Paste und würze sie mit Pfeffer. Gib weitere Rosinen in einen Topf und rühre die gesamte Mischung darin. Lasse sie unter ständigem Rühren sieden, damit nichts anbrennt. Schmecke die Gallerte mit Gewürzen, Ingwer, Pfeffer und Safran ab. Nimm den Topf vom Feuer und rühre die Masse ununterbrochen, bis sie kalt wird. Gieße sie dann über die Speise deiner Wahl; sie wird schnell fest. Du kannst gestampften Ingwer und gebratene Speckwürfelchen daraufgeben. Wenn du die Gallerte jedoch kalt servierst, benötigst du den Speck nicht.</p>
          <p>Hühnerfleisch stärkt den Magen, lindert die Brust, macht eine helle Stimme und mästet den Körper.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Dünn weis Brot geschnitten">Dünnes Weißbrot, geschnitten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="warmen Wein">Warmer Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Feigen">Feigen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Rosin">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gerieben Lebkuchen">Geriebener Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Hüner oder Fleischbrüh">Hühner- oder Fleischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Brotpfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Rosin darein">Weitere Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtz">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Jmber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gestossen Jmber">Gestossener Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="braht ein Specklin">Gebratene Speckwürfel</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-053">
        <head>Gefülltes Huhn mit Gewürzbrühe</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-053-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-053-trans">
          <p>Ein gut Essen von Hünern.

So sie recht vnd wol gesotten sein/ so zerlege sie in vier theil/ das haubt/ kragen vnd alles inngeweid hack vnd stoß in eim Mörser. Nim Eyer/ Peterlin/ vnd auff zween löffel vol weitzenmehls/ das schütt dran mit wein oder wasser/ gegilbet mit Saffran. So das alles gestossen/ so thu es aus/ nim die andern Glieder der Hüner/ beschlage sie mit gestossenem Teig vmb vnd vmb/ jedes stück gleich als Kuchen/ netz die hend in Wein/ streichs wol vmb vnd vmb/ legs in die alt Hünerbrüh/ das sie darüber gehe/ in ein weiten Hafen/ las auch also sieden. So es nun gesotten/ so mach die Brüh mit würtz vnd saltz/ strew Peterlin darüber klein gehackt. Wiltu es besser haben/ so nim Feigen vnd Rosinlin/ kome zu prüffen ins gehäcke/ vnd wie klein die Glieder seind/ sol man doch jedes besondern vmbschlagen vnd einlegen. Ein solches gehäck on Mehl möchte man zu guten Hünerfüllen machen.
Wiltu Hünerfüll machen/ so las die Leberlin vnd Mäglin vor wol sieden/ hack sie klein in die füll. Da mustu Essig vnd Rauten zu haben/ vnd Pfeffer ist jr würtz/ der sie gern jsset. Gehört vor grobe Leut.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-053-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-053-orig">
          <p>Ein gutes Essen von Hühnern.</p>
          <p>Sind die Hühner gut und richtig gesotten, zerlege sie in vier Teile. Das Haupt, den Kragen und alle Innereien hacke und stoße in einem Mörser. Nimm Eier, Petersilie und zwei Löffel voll Weizenmehl. Gieße Wein oder Wasser dazu und färbe es mit Safran gelb.</p>
          <p>Ist alles gut gestoßen, nimm es heraus. Nimm die anderen Glieder der Hühner und umhülle sie ringsum mit dem gestoßenen Teig, jedes Stück gleich einem kleinen Kuchen. Netze die Hände in Wein, streiche den Teig gut ringsum und lege die Stücke in die alte Hühnerbrühe, sodass sie bedeckt sind, in einen weiten Topf. Lasse sie darin sieden.</p>
          <p>Ist es nun gesotten, würze die Brühe mit Gewürzen und Salz und streue fein gehackte Petersilie darüber. Willst du es besser haben, so nimm Feigen und kleine Rosinen und gib sie zum Gehackten, um es zu verfeinern. Und wie klein die Glieder auch sein mögen, so soll man doch jedes einzeln umhüllen und einlegen. Ein solches Gehacktes ohne Mehl könnte man auch für gute Hühnerfüllungen verwenden.</p>
          <p>Willst du eine Hühnerfüllung machen, so lasse die Leber und die Mägen zuvor gut sieden und hacke sie klein in die Füllung. Dazu musst du Essig und Raute haben, und Pfeffer ist ihr Gewürz, für den, der es gerne isst. Dies gehört für grobe Leute.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Hünern">ganze Hühner</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das haubt/ kragen vnd alles inngeweid">Kopf, Hals und Innereien der Hühner</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyer">Eier</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zween löffel vol weitzenmehls">Weizenmehl</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wein oder wasser">Weißwein oder Wasser</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtz">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Feigen">getrocknete Feigen</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Rosinlin">kleine Rosinen</ingredient> - 1 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Leberlin vnd Mäglin">Hühnerleber und Hühnermägen</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Essig</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Rauten">Raute</ingredient> - 1 Zweig</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-054">
        <head>Gefülltes Huhn, gesotten</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-054-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-054-trans">
          <p>Ein gut Hun sieden/ brahten oder füllen.

Bereit das Hun schön/ scherff die därm/ nim kopff/ kragen/ leber/ magen vnd alles ingeweid/ seuds in eim Hafen/ oder Pfannen/ hacks wol mit Peterlin/ schlage rohe Eyer darein/ würtz vnd saltz es ab/ hack Specklin darunter/ klein Rosin/ oder Biern/ knitschs also wol vnter einander/ Fülle das Hun damit/ vnd erwell es in Wasser/ da Wein vnd Essig innen sey/ das es erstarr/ vnd die füll erhart/ stecks also an/ begeus es je mit zu.
Wiltu es sieden/ so bedarff man das ingereusch nicht sieden/ hacks vngesotten/ vnd bereit die füllen damit/ wie vor/ seud eins mit dem andern in eitel wasser/ saltz zimlich. Der Hafen sol weit sein/ das es nicht anbrenn/ scheum es schön/ bedecks wol/ geus senff daran/ so bleibt die Brüh wol geschmack. So du es anrichten wilt/ magstu es mit Saffran abmachen/ versuchs eben.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-054-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-054-orig">
          <p>Bereite das Huhn sauber vor und entferne die Innereien. Nimm Kopf, Hals, Leber, Magen und alle weiteren Innereien, siede sie in einem Topf oder einer Pfanne. Hacke sie gut mit Petersilie, schlage rohe Eier hinein, würze und salze es ab. Hacke kleine Speckwürfel darunter, kleine Rosinen oder Beeren. Knete alles gut untereinander. Fülle das Huhn damit und gare es in Wasser, dem Wein und Essig zugesetzt sind, damit es fest wird und die Füllung aushärtet. Richte es so an und begieße es stets mit der Kochflüssigkeit.</p>
          <p>Willst du es sieden, so musst du die Innereien nicht vorkochen. Hacke sie roh und bereite die Füllung damit wie zuvor. Siede das Huhn mit der Füllung in reinem Wasser, salze es mäßig. Der Topf soll weit sein, damit nichts anbrennt. Schöpfe den Schaum schön ab, decke es gut zu. Gib Senf hinzu, so bleibt die Brühe wohlschmeckend.</p>
          <p>Wenn du es anrichten willst, kannst du es mit Safran vollenden. Probiere es aus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Ein gut Hun">ganzes Huhn</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kopff/ kragen/ leber/ magen vnd alles ingeweid">Kopf, Hals, Leber, Magen und weitere Innereien vom Huhn</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="rohe Eyer">rohe Eier</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Specklin">geräucherter Speck</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="klein Rosin/ oder Biern">kleine Rosinen oder getrocknete Beeren</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient> - 2 l</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient> - 250 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Essig</ingredient> - 100 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="senff">Senf</ingredient> - 1 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-055">
        <head>Feines Hühner-Mus</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-055-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-055-trans">
          <p>Gestossen Hüner.

Seud die alten feisten Hüner wol/ feim die Brüh/ vnd mach sie lauter als ein Wasserbrüh/ geus nicht mehr dran/ saltze es/ verseuds nicht/ Thu die Hüner aus/ vnd behalt die Brüh/ seihe das feiste ab in einen andern Hafen/ vnd die mager Brüh aber in ein andern/ die las also stehen. Denn zeuch die grossen bein aus den Hünern/ hack sie gar klein/ Weich ein Brotbrosam Weitzen Brots wol in der magern Brüh/ darnach nim das Brot vnd Hüner/ stoß es gar wol in eim Mörser/ zwings durch ein Pfeffertuch mit der alten Hünersuppen stoß noch einst/ zwings aber durch/ ists zu dünn/ so thu mehr weis Brot drein/ zwings durch/ Jsts zu dick/ so zwing es ohn Brot durch/ erwells in einer Pfann/ Mach es ab mit würtz vnd saltz. Wenn es nun durch ist gangen/ so sind es gestossene Hüner/ thu lauter buttern darauff. Du magst all Vögel also stossen vnd machen/ vnd mit seiner farb absieden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-055-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-055-orig">
          <p>Koche die alten, feisten Hühner gut. Schäume die Brühe ab und mache sie klar wie eine Wasserbrühe. Gieße nicht mehr Wasser hinzu. Salze die Brühe, aber versalze sie nicht. Nimm die Hühner heraus und behalte die Brühe. Seihe das Fett in einen anderen Topf ab und die magere Brühe in einen weiteren Topf; lasse diese so stehen. Dann ziehe die großen Knochen aus den Hühnern. Hacke das Fleisch sehr klein. Weiche Brotkrumen von Weizenbrot gut in der mageren Brühe ein. Danach nimm das Brot und die Hühner und stoße es sehr gut in einem Mörser. Presse es durch ein Pfeffertuch mit der alten Hühnersuppe. Stoße es noch einmal und presse es erneut durch. Ist es zu dünn, gib mehr Weißbrot hinein und presse es durch. Ist es zu dick, presse es ohne Brot durch. Erwärme es in einer Pfanne. Schmecke es mit Gewürzen und Salz ab. Wenn es nun durchgegangen ist, so sind es gestoßene Hühner. Gib reine Butter darauf. Du kannst alle Vögel auf diese Weise stoßen und zubereiten und sie mit ihrer natürlichen Farbe kochen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="alte feisten Hüner">alte, feiste Hühner</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Brüh">Hühnerbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltze">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Brotbrosam Weitzen Brots">Weißbrot</ingredient> - 100 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="lauter buttern">Butter</ingredient> - 50 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-056">
        <head>Gepresster Schweinskopf</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-056-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-056-trans">
          <p>Geprester Schweinskopff.

Sied den Kopff in einem saubern Kessel/ das die bein sich ablösen. Seuber jn schön/ zeuch die Bein draus/ schneit die schwart dauon/ hack das ander. Nim die ohren/ wang vnd zung/ stoß wol in eim Mörser mit eim wenig Brüh/ das mach ab mit würtzen vnd gerieben Lebkuchen/ als viel du bedarffest. Leg die schwart auff ein feuchtes Pfeffertuch/ thu das Geheck in ein Mörser zum Gemecht der Zungen/ temperirs/ vnd nicht zu dünn/ schlage es auff die schwarten magst Rosin darein thun/ richts mit den Henden auff dem Tuch vmb vnd vmb/ schlage das Tuch eben zu/ verheffts wol mit einem faden/ legs alles in ein preß zwischen zwey bretter/ [&lt;bletter/] die breit gnug sein/ oder beschwers mit steinen/ las tag vnd nacht trucknen/ schneid stück darab in einen Pfeffer.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-056-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-056-orig">
          <p>Koche den Schweinskopf in einem sauberen Kessel, bis sich die Knochen leicht ablösen lassen. Säubere ihn danach gründlich, ziehe alle Knochen heraus und schneide die Schwarte ab. Hacke das restliche Fleisch fein. Nimm die Ohren, Wangen und die Zunge und stoße sie in einem Mörser mit etwas Brühe gut zu einer Paste. Würze diese Masse mit Gewürzen und geriebenem Lebkuchen, so viel du benötigst. Lege die Schwarte auf ein feuchtes Tuch, das für Pfeffergerichte bestimmt ist. Gib das gehackte Fleisch in einen Mörser zu der bereits zubereiteten Zungenmischung. Vermische alles gut und achte darauf, dass die Masse nicht zu dünn wird. Streiche die Mischung auf die Schwarte. Du kannst nach Belieben Rosinen hinzufügen. Forme die Masse mit den Händen auf dem Tuch rundherum, schlage das Tuch fest zu und binde es gut mit einem Faden zusammen. Lege das Ganze in eine Presse zwischen zwei ausreichend breite Bretter oder beschwere es mit Steinen. Lasse es Tag und Nacht fest werden. Schneide danach Stücke davon ab und serviere sie in einem Pfeffergericht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Kopff">Schweinskopf</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Ausreichend Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Brüh">Etwas Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtzen">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gerieben Lebkuchen">Geriebener Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Rosin">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-057">
        <head>Gebratener gepresster Schweinskopf</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-057-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-057-trans">
          <p>Von geprestem Schweinßkopff gebrahtens.

Schneid Zentring einer spannen oder zweyer lang/ spick das mit einer nadlen vmb vnd vmb kleine runde specklin/ mach einen schmalen höltzin spies/ stoß an/ leg jn zum fewr. Am ersten wend jn sittiglich zum fewr/ je lenger je neher/ bis er durch hitzt/ so hat er sein genüg/ vnd versaltz jhn nicht/ denn er ist vom Gemecht gesaltzen/ hastu nicht Speck/ so begeus jn je leicht mit heisser buttern oder fleischbrüh. Also thut man Rehbrahten/ Lendbrahten/ Wildbret vnd Geuögel zu brahten.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-057-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-057-orig">
          <p>Schneide den Schweinskopf in Stücke, die etwa eine oder zwei Spannen lang sind. Spicke diese Stücke ringsum mit einer Nadel und kleinen, runden Speckwürfeln. Fertige einen schmalen hölzernen Spieß an, stecke die Stücke darauf und lege sie zum Feuer. Wende den Spieß anfangs behutsam zum Feuer hin, und je länger er brät, desto näher rücke ihn an die Glut, bis das Fleisch durchgehitzt ist. Dann ist es gar. Salze den Braten nicht zu stark, denn er ist bereits durch die Vorbereitung gesalzen. Falls du keinen Speck zum Spicken hast, begieße den Braten stattdessen leicht mit heißer Butter oder Fleischbrühe. Auf diese Weise bereitet man auch Rehbraten, Lendenbraten, Wildbret und Geflügel zu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Schweinßkopff">gepökelter Schweinskopf</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="kleine runde specklin">Speck, gewürfelt</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="buttern">Butter</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="fleischbrüh">Fleischbrühe</ingredient> - 200 ml</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-058">
        <head>Füllung für Braten oder Geflügel</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-058-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-058-trans">
          <p>Ein füll in Brahten/ oder Geuögel zu machen.

Hack Peterlin/ Rosin/ gebrahten öpffel/ oder Biern/ vnter zwey harte Eyer/ knitsch mit eim rohen Ey/ Würtz vnd ein wenig saffran. So du die brahten mit einem finger/ Holtz oder Messer wol durchgriffen vnd eingefüllet/ so versorg die mit zwecken/ oder verhefft es mit faden/ das sie nicht ausgehe. Magst auch gehackt Specklin darein thun/ oder Buttern in die Brühe/ ob du wilt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-058-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-058-orig">
          <p>Hacke Petersilie, Rosinen, gebratene Äpfel oder Birnen. Mische dies unter zwei hartgekochte Eier. Knete die Masse mit einem rohen Ei, würze sie und gib etwas Safran hinzu. Sobald du den Braten mit einem Finger, einem Holzstab oder einem Messer gut durchstochen und gefüllt hast, verschließe die Öffnung mit Spießen oder vernähe sie mit Faden, damit die Füllung nicht herausfällt. Du kannst auch gehackten Speck hinzufügen oder Butter in die Brühe geben, wenn du möchtest.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Rosin">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gebrahten öpffel/ oder Biern">Gebratene Äpfel oder Birnen</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zwey harte Eyer">hartgekochte Eier</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="eim rohen Ey">rohes Ei</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig saffran">Etwas Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gehackt Specklin">Gehackter Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Brühe">Brühe</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-059">
        <head>Sülzbrüh über kaltes Geflügel (mit Barsch)</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-059-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-059-trans">
          <p>Ein Sultzbrüh.

Seud junge Schweinsohren vnd Fuß/ drey oder vier kleine Birsing in einem newen Hafen/ on saltz. Darnach stoß das Fleisch gebeinet/ vnd die Birsing in einem Mörser/ on Brot/ mit seiner eigenen Brüh/ trucken/ vnd treib es durch ein Pfeffertuch in einen andern Hafen/ las gefallen/ seich die Brüh sittlich ab/ las das trüb an dem bodem. Las die Sultzbrüh in einer Pfannen erwallen/ machs mit saltz/ würtz vnd Saffran/ geus sie also heis an etwan vbernechtige Vögel/ Hüner/ oder kalt fleisch/ las am Lufft gestehen/ im Sommer im Keller. Wenn du es wilt auff tragen/ so bestecks mit weis geschelten Mandeln.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-059-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-059-orig">
          <p>Siede junge Schweinsohren und -füße sowie drei oder vier kleine Barsche in einem neuen Topf ohne Salz. Danach stoße das entbeinte Fleisch und die Barsche in einem Mörser, ohne Brot, mit etwas der eigenen Brühe trocken zu einer Paste. Treibe es durch ein feines Tuch in einen anderen Topf. Lasse es sich setzen, seihe die Brühe vorsichtig ab und lasse die Trübstoffe am Boden zurück. Lasse die Sülzbrühe in einer Pfanne aufwallen. Würze sie mit Salz, Gewürzen und Safran. Gieße sie so heiß über etwa übernächtige Vögel, Hühner oder kaltes Fleisch. Lasse sie an der Luft fest werden, im Sommer im Keller. Wenn du sie auftragen willst, so bestecke sie mit weiß geschälten Mandeln.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="junge Schweinsohren vnd Fuß">Junge Schweinsohren und -füße</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="drey oder vier kleine Birsing">kleine Barsche</ingredient> - 3</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtz">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weis geschelten Mandeln">Geschälte Mandeln</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-060">
        <head>Kalbsleber-Sülze mit Wein und Honig</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-060-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-060-trans">
          <p>Ein gut Lebersultz.

Ein gut Kalbs gelüng seud rein/ seich die Brüh ab/ vnd behalt die schön/ versaltz jr nicht/ darnach weich Brot in Wein mit Honig gesotten/ damit stoß die Leber/ reibs besonder in ein Schüssel/ behalts. Wiltu das die Sültz hart gestehe/ so seud Kelberfüß in der ersten Brüh/ vnd vier kleiner Birsing/ vnd zwey Lorberbletter/ reib aber weis Brot durch mit der Brüh/ die zwo Brüh vor vnd jtzt durchgerieben/ thu zusamen/ rür sie wol/ thu Würtz vnd Saltz darein/ gibs/ [&gt;gilbs] ob du wilt/ nur das sie schön sey/ vnd wol gefeimpt/ ehe man sie durchtreibt/ versuchs/ schütt es vber/ stell es an Lufft.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-060-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-060-orig">
          <p>Nimm eine gute Kalbslunge und siede sie rein. Seihe die Brühe ab und bewahre sie sauber auf; salze sie nicht zu stark. Danach weiche Brot in Wein ein, der mit Honig gesotten wurde. Damit stoße die Kalbsleber im Mörser fein. Reibe die Masse anschließend durch ein Sieb in eine separate Schüssel und stelle sie beiseite. Möchtest du, dass die Sülze fest wird, so siede Kalbsfüße, vier kleine Barsche und zwei Lorbeerblätter in der ersten Brühe (der Lungenbrühe). Reibe erneut Weißbrot mit dieser Brühe durch. Gib die beiden Brühen - die erste und die jetzt durchgeriebene - zusammen und rühre sie gut um. Füge Gewürze und Salz hinzu. Färbe die Sülze gelb mit Safran, wenn du möchtest. Achte darauf, dass sie schön klar und gut abgeschäumt ist, bevor du sie durch ein Tuch passierst. Probiere sie und gieße sie über die Lebermasse. Stelle die Sülze an einen kühlen Ort, damit sie fest wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Ein gut Kalbs gelüng">Kalbslunge</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Brüh">Wasser für die Brühe</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Brot">Weißbrot</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="die Leber">Kalbsleber</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Kelberfüß">Kalbsfüße</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vier kleiner Birsing">kleine Barsche</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zwey Lorberbletter">Lorbeerblätter</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">gemischte Gewürze</ingredient> - 1 TL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz nach Geschmack</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gilbs ob du wilt">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-061">
        <head>Lungenküchlein aus Kalbslunge, Milz und Herz</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-061-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-061-trans">
          <p>Lungen Küchlin.

Kalbs Lungen/ Miltz vnd Hertz hack gar klein/ hüt nur der Gallen/ mache also küchlin/ wie man die knöpfflin machet/ mit Würtzen/ alle gar schön gesotten/ vnd trucken eingelegt zu anderm fleisch/ welcherley fleisch es ist/ so fügen sich die Lungen küchlin wol darzu.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-061-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-061-orig">
          <p>Hacke Kalbslunge, Milz und Herz sehr fein - hüte dabei nur die Galle. Mache daraus Küchlein, wie man Knöpflein macht, und würze sie. Koche alle schön gar und lege sie trocken zu anderem Fleisch. Zu welcher Art Fleisch auch immer fügen sich diese Lungenküchlein gut dazu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Kalbs Lungen">Kalbslunge</ingredient> - 250 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Miltz">Kalbsmilz</ingredient> - 250 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Hertz">Kalbsherz</ingredient> - 250 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtzen">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtzen">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtzen">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtzen">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="mache also küchlin">Ei</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="mache also küchlin">Semmelbrösel</ingredient> - 50 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gesotten">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-062">
        <head>Lungenküchlein auf zweierlei Art</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-062-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-062-trans">
          <p>Lungen küchlin zweierley.

Zum ersten machs von jm selber/ mit Eyern wol gehackt vnd gestossen/ auch Peterlin/ Saltz vnd Würtz drein gethan/ ausgwelt mit einem rohen Ey/ vnd flach küchlin daraus gemacht/ also sind sie von jn selbs. Zum andern/ hack das Hertz vnd Miltz/ stoß in eim Mörser mit harten Eyern/ Lebkuchen vnd ein wenig saltz/ darnach knitsch mit rohen Eyern/ mache küchlin daraus/ die seud als Hüner/ leg sie in die Lebersültz/ zu den andern Fischen.
Jn die Lungenküchlin mag man alles hacken/ so von Hünern vberbleibet/ köpff/ kragen vnd därm/ vnd in einer Brüh essen/ abgemacht mit Buttern vnd Würtz/ schön vergilbet.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-062-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-062-orig">
          <p>Lungenküchlein auf zweierlei Art.</p>
          <p>Zum ersten mache sie aus der Lunge allein: gut mit Eiern gehackt und gestoßen, dazu Petersilie, Salz und Gewürze; binde mit einem rohen Ei und forme flache Küchlein daraus. So sind sie aus der Lunge allein.</p>
          <p>Zum andern hacke Herz und Milz, stoße sie im Mörser mit harten Eiern, Lebkuchen und ein wenig Salz, knete dann mit rohen Eiern und mache Küchlein daraus. Siede sie wie Hühner und lege sie in die Lebersülze, zu den anderen Fischen.</p>
          <p>In die Lungenküchlein darf man alles hacken, was von Hühnern übrigbleibt - Köpfe, Hälse und Därme - und sie in einer Brühe essen, abgemacht mit Butter und Gewürzen, schön gelb gefärbt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Lungen">Lunge</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyern wol gehackt vnd gestossen">Eier</ingredient> - 4</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="einem rohen Ey">Ei</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Hertz">Herz</ingredient> - 250 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Miltz">Milz</ingredient> - 250 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="harten Eyern">Eier</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Lebkuchen">Lebkuchen</ingredient> - 100 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="rohen Eyern">Ei</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient> - 50 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Hünern vberbleibet / köpff/ kragen vnd därm">Optional: Hühnerköpfe, -hälse, -därme</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-063">
        <head>Gebackene Kalbslunge-Küchlein</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-063-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-063-trans">
          <p>Gebackens von Kelberlungen.

Hacks gar klein/ mach ein Teiglin von Eyertottern/ gewürtzt vnd gesaltzen/ mach auch klein küchlin draus/ zeuch sie auch durch ein Straubenteig/ vnd back sie wol in Buttern.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-063-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-063-orig">
          <p>Hacke die Kalbslunge sehr fein. Bereite einen kleinen Teig aus Eigelb zu, gewürzt und gesalzen. Forme daraus kleine Küchlein. Ziehe sie anschließend durch einen Straubenteig und backe sie gut in Butter aus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Kelberlungen">Kalbslunge</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyertottern">Eigelb</ingredient> - 4</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewürtzt">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gesaltzen">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Straubenteig">Zutaten für einen Straubenteig</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient> - 100 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-064">
        <head>Kleine Fleischknöpflein in Brühe</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-064-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-064-trans">
          <p>Knöpfflin von Fleisch.

Hack welcherley das ist gar klein mit Peterlin/ mach es ab mit saltz vnd würtz/ vnd ein wenig specklin/ schlah zwey rohe Eyer drein/ mache küchlin daraus/ seud sie in Hüner/ oder jrer eigen Brüh/ gilb sie wol/ vnd richt es an. Man mag es zu Lebersultzen legen/ damit vereinen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-064-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-064-orig">
          <p>Knöpflein von Fleisch.</p>
          <p>Hacke beliebiges Fleisch sehr fein mit Petersilie, mache es ab mit Salz und Gewürzen und ein wenig Speck, schlage zwei rohe Eier hinein und forme Küchlein daraus. Siede sie in Hühnerbrühe oder in ihrer eigenen Brühe, färbe sie schön gelb und richte sie an. Man darf sie auch zur Lebersülze legen und damit vereinen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="welcherley das ist gar klein">Fleisch (z.B. Rind, Schwein oder Huhn), sehr fein gehackt</ingredient> - 500 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mit Peterlin">Petersilie, fein gehackt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mit saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vnd würtz">Pfeffer, Ingwer, Muskat, Nelken</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vnd ein wenig specklin">Speck, fein gewürfelt</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="schlah zwey rohe Eyer drein">rohe Eier</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Hüner/ oder jrer eigen Brüh">Hühnerbrühe oder Fleischbrühe</ingredient> - 1 l</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gilb sie wol">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-065">
        <head>Scheinbraten aus Kalbsfarce am Spieß</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-065-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-065-trans">
          <p>Holbrahten von Kalbfleisch.

Thu es vor klein gehackt in ein Mörser/ schlahe eitel Eyertotter darein/ vnd ein wenig schön Mehl/ würtz es ab im Mörser/ saltz/ stoß vntereinander/ behalt das weis von den Eyern/ vnd klopff es auffs halb/ denn mach ein bretlechten Gensspis/ dick vnd rauch/ vnd nims Fleisch aus dem Mörser/ bestreiche den Spis mit Eyerklar/ vnd netz die hend darinnen/ kleib das Fleisch vmb vnd vmb den Spis wol lenglecht/ in einer dicke gar eigentlich/ trucks wol zu mit nassen henden/ als lang der Braht ist/ lege jn zum fewer/ wende jn sittlich vom fewr/ je lenger je röscher kolen/ treuffe jn mit Speck/ Schmaltz oder Buttern. Da [?&gt;Du] magst Speck oder gar buttern drein füllen/ so brähts heraus/ feier nicht des wendens/ so wird er rösch/ schneid lange schnitt/ strewe gestossenen Jmber drein/ stich mit einem Holtz darein/ gilb ein Fleischbrüh/ thu Buttern daran/ vnd mach es heis/ in einer Pfannen/ begeus den Brahten darmit/ so bleibet er lind.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-065-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-065-orig">
          <p>Hohlbraten aus Kalbfleisch.</p>
          <p>Tue das fein gehackte Fleisch in einen Mörser, schlage lauter Eigelb hinein und ein wenig feines Mehl, würze es im Mörser ab, salze und stoße alles untereinander. Behalte das Eiweiß und schlage es halbsteif. Mache dann einen brettartigen Gänsespieß, dick und rau. Nimm das Fleisch aus dem Mörser, bestreiche den Spieß mit Eiweiß und netze die Hände darin. Klebe das Fleisch ringsum den Spieß, schön länglich und in gleichmäßiger Dicke, und drücke es mit nassen Händen gut fest, so lang der Braten ist.</p>
          <p>Lege ihn zum Feuer und wende ihn behutsam vom Feuer; je länger, desto glühender die Kohlen. Beträufle ihn mit Speck, Schmalz oder Butter. Du darfst auch Speck oder gar Butter hineinfüllen, so brät es heraus. Höre nicht auf zu wenden, so wird er knusprig.</p>
          <p>Schneide lange Schnitte hinein, streue gestoßenen Ingwer hinein und stich mit einem Holz hinein. Färbe eine Fleischbrühe gelb, gib Butter daran und mache sie heiß in einer Pfanne; begieße den Braten damit, so bleibt er zart.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Kalbfleisch">Kalbfleisch</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="eitel Eyertotter">Eigelb</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig schön Mehl">Weizenmehl</ingredient> - 1 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="das weis von den Eyern">Eiweiß</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Speck/ Schmaltz oder Buttern">Speck, Schmalz oder Butter</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Speck oder gar buttern drein füllen">Speckwürfel oder Butter</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gestossenen Jmber">Ingwerpulver</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Fleischbrüh">Fleischbrühe</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gilb ein Fleischbrüh (impliziert)">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-066">
        <head>Pastete nach italienischer Art</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-066-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-066-trans">
          <p>Pasteten auff Welsche art zu machen.

KNitt Weitzen Mehl/ vnd stoß es hart/ mach einen Hafen daraus in ein ander [&lt;einander] verglast scherben gerecht/ thu warme Butter darzwischen/ klopffs gar wol zum teig/ füll drein Eyer/ Hünerbrüh/ Milch oder Wein/ würtz ab/ Saltz/ vnd gehackte Peterlin/ thu gebrahten Hüner vnd Vögel geschicklich auch darein/ desgleichen Fleisch/ Birn/ oder derre Würst/ alles gebrahten oder gesotten. Also setz du den Hafen zu einer Gluot/ on rauch/ je lenger je neher/ geus je ein wenig buttern in Scherben/ das der Teig nicht anbrenne/ wenn die füll backt/ reib die scherben offt vmb/ das es gleiche hitze hab/ geus je ein halben löffel Buttern daran/ so hat sie messig feucht/ stich je mit eim Höltzlin [Hötzlin] bis an Boden/ das die heisse Butter zu grund gehe/ so wird die füll hart/ darnach thu es vom fewr/ wenn die Butter eingesuncken/ so heb den Teighafen aus in ein Schüssel/ trag es so verdecket für.
Wenn du den Scherben ansetzest/ bedeck jn mit einer warmen Pfann/ die so weit sey/ das sie die Scherben vnd Teighafen begreiff/ oder mach ein blat vom Teig/ daraus der Hafen gemacht ist/ vnd decks darüber. Oder zwecks auff ein Bret/ das da nicht zerfalle/ vnd lug dazu wie sich die füll setzt/ vnd das der Teighafen nicht anbrenne.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-066-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-066-orig">
          <p>Knete Weizenmehl und stoße es kräftig. Forme daraus einen Topf, der genau in eine andere glasierte Schale passt. Gib warme Butter dazwischen. Klopfe den Teig sehr gut durch.</p>
          <p>Fülle hinein: Eier, Hühnerbrühe, Milch oder Wein. Würze ab mit Salz und gehackter Petersilie. Gib gebratene Hühner und Vögel geschickt ebenfalls hinein, desgleichen Fleisch, Birnen oder Dörrwürste - alles bereits gebraten oder gesotten.</p>
          <p>Setze den Teigtopf so in rauchfreie Glut, je länger die Backzeit, desto näher an die Glut. Gieße immer ein wenig Butter in die äußere Schale, damit der Teig nicht anbrennt. Wenn die Füllung backt, drehe die Schale oft um, damit sie gleichmäßige Hitze hat. Gieße immer einen halben Löffel Butter daran, so hat die Füllung mäßige Feuchtigkeit. Stich immer mit einem Hölzchen bis an den Boden, damit die heiße Butter zu Grund geht; so wird die Füllung hart.</p>
          <p>Danach nimm es vom Feuer. Wenn die Butter eingesunken ist, hebe den Teigtopf heraus in eine Schüssel und trage es so verdeckt auf.</p>
          <p>Wenn du die Schale ansetzt, bedecke sie mit einer warmen Pfanne, die so weit ist, dass sie die Schale und den Teigtopf umschließt. Oder mache ein Blatt vom Teig, aus dem der Topf gemacht ist, und decke es darüber. Oder lege es auf ein Brett, das nicht zerfällt, und achte darauf, wie sich die Füllung setzt und dass der Teigtopf nicht anbrennt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Weitzen Mehl">Weizenmehl</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="warme Butter">Butter</ingredient> - 250 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyer">Eier</ingredient> - 3</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Hünerbrüh">Hühnerbrühe</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Milch">Milch</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient> - 100 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gehackte Peterlin">gehackte Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gebrahten Hüner">gebratenes Hühnerfleisch</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Vögel">gebratenes Geflügelfleisch</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Fleisch">gebratenes oder gesottenes Fleisch</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Birn">feste Birnen</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="derre Würst">getrocknete Würste</ingredient> - 100 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-067">
        <head>Hirschlenden-Eintopf mit Lebkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-067-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-067-trans">
          <p>Hirschen Lummelbrahten.

Nim den Schweis/ reib Lebkuchen drein/ treibs durch ein Tuch in ein Hafen/ thu ein wenig Essig drein. Wil der Schweis nicht gern durchgehen/ geus Wein oder Fleischbrüh dran/ treibe den Lebkuchen vnd Schweis durch/ die nieren vnd schlaffbrähtlin wol gewaschen/ schneids würfflet drein/ las sieden/ meng es mit Saltz vnd schwartz Würtz.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-067-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-067-orig">
          <p>Nimm das Hirschblut. Reibe Lebkuchen hinein. Treibe die Mischung durch ein Tuch in einen Topf. Gib ein wenig Essig hinzu. Sollte das Blut nicht leicht durchgehen, gieße Wein oder Fleischbrühe dazu. Treibe dann den Lebkuchen und das Blut durch das Tuch. Die Nieren und die zarten Fleischstücke (Schlaffbrätlein) des Hirsches gut waschen und würfeln. Gib sie in den Topf und lass alles sieden. Mische es mit Salz und schwarzem Pfeffer.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den Schweis">Hirschblut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Lebkuchen">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig Essig">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein oder Fleischbrüh">Wein oder Fleischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die nieren">Hirsch-Nieren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schlaffbrähtlin">Zarte Hirschfleischstücke</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schwartz Würtz">Schwarzer Pfeffer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-068">
        <head>Reh-Mus mit Lebkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-068-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-068-trans">
          <p>Ein Rehe Muß.

Schulderbrahten aus dem rücken/ wo es mürb sey/ gebeinet/ wesch es aus warmen Wein/ den thu in den schweis/ vnd gerieben Lebkuchen/ streich es in ein tuch. Auch schneid das Fleisch würfflet/ dann thu es im durchgang in ein hafen/ vnd wenn es schier geseudt/ so mache es denn mit guten Würtzen ab/ Oder reib noch mehr Lebkuchen darein/ vnd saltze es/ versuchs/ vnd machs mit schwartzer Würtze ab.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-068-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-068-orig">
          <p>Ein Reh-Mus.</p>
          <p>Nimm Schulterbraten oder Rücken, wo es mürbe ist, entbeint, und wasche es in warmem Wein. Tue es in den Schweiß (Bratensaft) und geriebenen Lebkuchen und streiche es durch ein Tuch. Auch kannst du das Fleisch würfeln und es dann durchgeseiht in einen Topf geben; und wenn es fast gar gesotten ist, mache es mit guten Gewürzen ab. Oder reibe noch mehr Lebkuchen hinein, salze es, probiere es und mache es mit schwarzer Würze ab.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Schulderbrahten aus dem rücken/ wo es mürb sey/ gebeinet">zartes Rehfleisch</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="warmen Wein">Rotwein</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="den schweis">Wildfond oder kräftige Brühe</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gerieben Lebkuchen">Lebkuchen</ingredient> - 50 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guten Würtzen">nach Geschmack Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltze es">nach Geschmack Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schwartzer Würtze">nach Geschmack Schwarze Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-069">
        <head>Gewürzte Küchlein aus Fleisch oder Geflügel</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-069-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-069-trans">
          <p>Küchlin von Fleisch/ Wildbret/ Hünern oder Vögeln.

Seuds vor/ thu es aus/ hack es klein/ mach es ab/ mit Würtz vnd Saltz/ stoß in eim Mörser/ schlahe Eyer darein/ nit zu dünn/ das sichs las zu kuchen machen/ back es braun. Man mag es aus einem Pfeffer/oder sonst/ für gebrahtens essen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-069-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-069-orig">
          <p>Küchlein von Fleisch, Wildbret, Hühnern oder Vögeln.</p>
          <p>Siede es vor, nimm es heraus, hacke es klein und mache es ab mit Gewürzen und Salz. Stoße es im Mörser, schlage Eier hinein - nicht zu dünn, damit es sich zu Küchlein machen lässt - und backe es braun. Man darf es aus einem Pfeffer (in einer Pfeffersauce) oder sonst als Gebratenes essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Fleisch/ Wildbret/ Hünern oder Vögeln">Fleisch oder Geflügel</ingredient> - 500 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Eine Prise Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyer">Eier</ingredient> - 2</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-070">
        <head>Wachtelmus mit Lebkuchen und Käse</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-070-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-070-trans">
          <p>Ein Wachtelbrüh.

Seud die Wachteln schön/ bereit sie in einer Fleischbrüh/ thu sie aus in ein Mörser/ reib Lebkuchen/ Käß vnd weis Brot darunder/ treib es durch mit Wein vnd Wachtelbrüh/ erwell es in einer pfannen/ machs ab mit würtz vnd saltz/ strewe Jmber am anrichten darauff.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-070-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-070-orig">
          <p>Siede die Wachteln gar. Bereite sie anschließend in einer kräftigen Fleischbrühe zu. Nimm die Wachteln aus der Brühe und gib das Fleisch in einen Mörser. Reibe Lebkuchen, Käse und altbackenes Weißbrot dazu. Zerstoße alles zu einer feinen Paste und passiere diese Masse dann mit Wein und der Wachtelbrühe. Erwärme das Ragout in einer Pfanne. Schmecke es mit Gewürzen und Salz ab. Streue beim Anrichten frischen Ingwer darüber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wachteln">Wachteln</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Fleischbrüh">kräftige Fleischbrühe</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Lebkuchen">Lebkuchen</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Käß">Hartkäse</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="weis Brot">altbackenes Weißbrot</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">trockener Weißwein</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wachtelbrüh">Wachtelbrühe</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="würtz">Gewürzmischung</ingredient> - 1 TL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Jmber">frischer Ingwer, gerieben</ingredient> - 1 TL</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-071">
        <head>Gefüllte Eier in der Schale</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-071-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-071-trans">
          <p>Kuglechte Eyer.

Klopff Eyertotter/ gerieben Semmelbrot/ Muscaten vnd Saltz/ machs durch einander/ füll die Eyerschalen damit/ stürtze ein güpfflin von einer anderen Eyerschalen/ innen mit Eyerklar gesalbet/ vber das löchlin des gefüllten Eyes/ röst sie in Buttern/ braht oder seud sie. Solche füll mag man in Krebsschalen füllen/ Peterlin vnd ander gute Kreuter darein hacken/ mit Würtzen vnd Saltz abgemacht. Gib es in einem Brühlin/ oder trucken.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-071-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-071-orig">
          <p>Schlage Eigelb, geriebenes Semmelbrot, Muskat und Salz miteinander. Fülle die Eierschalen damit. Stülpe ein kleines Hütchen von einer anderen Eierschale, innen mit Eiweiß bestrichen, über das Loch des gefüllten Eis. Röste sie in Butter, brate oder siede sie. Solche Füllung kannst du auch in Krebsschalen füllen, Petersilie und andere gute Kräuter hineinhacken, mit Gewürzen und Salz abschmecken. Serviere es in einer Brühe oder trocken.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyertotter">Eigelb</ingredient> - 6</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gerieben Semmelbrot">Semmelbrösel</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Muscaten">Muskatnuss</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyerschalen">Eierschalen</ingredient> - 6</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyerklar">Eiweiß</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Krebsschalen">Krebsschalen</ingredient> - 6</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ander gute Kreuter">gemischte Kräuter</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Würtzen">Gewürze</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Brühlin">Brühe</ingredient> - 200 ml</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-072">
        <head>Gestrichenes Gebackenes mit Lebkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-072-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-072-trans">
          <p>Ein gestrichen Gebackens.

MAche einen Teig von eitel Eyern vnd schönem Mehel/ reib Lebkuchen drunder/ knits mit einem gesotten Honigwein/ zeuch den Teig mit einem Welgholtz/ schneid es in schnitlin/ back es also.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-072-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-072-orig">
          <p>Bereite einen Teig aus nichts als Eiern und feinem Mehl. Reibe Lebkuchen darunter. Knete ihn mit einem gekochten Honigwein. Ziehe den Teig mit einem Nudelholz aus. Schneide ihn in kleine Stücke. Backe ihn so.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="eitel Eyern">Eier</ingredient> - 3</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="schönem Mehel">Weizenmehl</ingredient> - 250 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Lebkuchen">Lebkuchen</ingredient> - 75 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gesotten Honigwein">Wein-Honig-Sud, eingekocht</ingredient> - 75 ml</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-073">
        <head>Gefüllte Eier mit Gewürzen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-073-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-073-trans">
          <p>Gros Eyer.

Brich Eyer hübschlich an spitzlin auff/ thu Würtz vnd Saltz/ Zimetblüh/ Muscatblüh/ oder Muscat darein/ rürs mit einem höltzlin wol vnter einander/ mach das löchlin oben zu mit Eyerklar. Magst sie also brahten in Buttern oder heisser Asschen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-073-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-073-orig">
          <p>Brich die Eier sorgfältig am Spitzchen auf. Gib Gewürze und Salz, Zimtblüte, Muskatblüte oder Muskatnuss hinein. Rühre alles mit einem Hölzchen gut untereinander. Verschließe das kleine Loch oben mit Eiweiß. Du kannst die Eier so in Butter braten oder in heißer Asche rösten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyer">Eier</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Zimetblüh / Muscatblüh / Muscat">Zimtblüte, Muskatblüte (Macis) oder Muskatnuss</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyerklar">Etwas Eiweiß</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient> - 2 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="heisser Asschen">Heiße Asche oder Glut</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-074">
        <head>Höfliche Teigtaschen mit Ei und Fleisch</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-074-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-074-trans">
          <p>Ein höflich Essen von Eyern.

Ein linden Teig von Eyern vnd Mehl ferb mit Kornblumen/ als nachfolget/ vnd von Kreutern/ gib jedem ein besondere Farb/ zertreib den teig mit einem welgerholtz/ ferb jn an der seiten/ die auswendig kompt/ mach bletter daraus/ als Krapffen/ hack Wildbret/ Vögel/ Hüner/ oder welcherley geheck das ist/ gesotten oder gebrahten/ knits mit einem rohen Ey/ abgewürtzt/ gesaltzen vnd gegilbet/ also leg es auff die Bletter/ die scheiblecht geschnitten seind/ erbreit das geheck als dünn die Bletter sein/ leg ein ander Blat darüber/ saltz zu vmb vnd vmb/ als Fladen/ back sie in einer Pfannen/ magst in solchen Krapffen Eyer zweier oder dreierley weise backen. Strew Zucker darauff/ mach gerürt Eyer mit Würtz/ vnd Saltz sie ab/ vnd ein wenig Saffran drein/ verbirg die in die bletter/ als vor geferbt oder vngeferbt/ vnd back sie. Zum andern/ seud Eyer hart/ hack sie wol/ thu Peterlin darein vnd würtz/ verknit sie mit einem rohen vergilbten Ey/ legs ein als vor/ back sie. Zum dritten/ magstu allerley gesotten Fleisch nemen wol gehackt/ mit einem rohen Ey verkneten/ mit Würtz vnd Saltz/ vnd trucken eingeleget/ schön vermacht vnd gebacken. Grün Opffel magstu in diese drey gebackens hacken/ wol temperirn/ vnd Küchlin backen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-074-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-074-orig">
          <p>Bereite einen weichen Teig aus Eiern und Mehl zu. Färbe einen Teil davon mit Kornblumen blau und andere Teile mit verschiedenen Kräutern, sodass jeder seine eigene Farbe erhält. Ziehe den Teig mit einem Nudelholz dünn aus. Färbe die Seite des Teigs, die später außen sichtbar sein soll. Schneide daraus Blätter wie für Krapfen.</p>
          <p>Hacke Wildbret, Vögel, Hühner oder anderes gekochtes oder gebratenes Fleisch fein. Knete das Gehackte mit einem rohen Ei, würze es gut, salze es und färbe es gelb. Lege diese Füllung auf die scheibenförmig geschnittenen Teigblätter. Verteile das Gehackte so dünn, wie die Blätter sind. Lege ein weiteres Blatt darüber und drücke die Ränder ringsum fest zusammen, wie bei Fladen. Backe sie in einer Pfanne. In solchen Krapfen kannst du Eier auf zweierlei oder dreierlei Weise zubereiten.</p>
          <p>Streue Zucker darauf, bereite Rühreier mit Gewürz und Salz und etwas Safran zu, verbirg sie in den gefärbten oder ungefärbten Blättern und backe sie. Zum anderen siede Eier hart, hacke sie gut, gib Petersilie und Gewürz dazu, verknete sie mit einem rohen, gelb gefärbten Ei, lege es ein wie zuvor und backe sie. Zum dritten kannst du allerlei gekochtes Fleisch nehmen, gut gehackt, mit einem rohen Ei, Gewürz und Salz verkneten, trocken eingelegt, schön verschlossen und gebacken. Gehackte grüne Äpfel kannst du in diese drei Füllungen geben, gut abschmecken und Küchlein daraus backen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyer">Eier</ingredient> - 6</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Weizenmehl</ingredient> - 300 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Kornblumen">Handvoll Kornblumenblüten</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Kreutern">Handvoll frische Kräuter</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wildbret/ Vögel/ Hüner/ oder welcherley geheck das ist/ gesotten oder gebrahten">gekochtes oder gebratenes Fleisch</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="einem rohen Ey">rohes Ei</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürzmischung</ingredient> - 1 TL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Zucker">Zucker</ingredient> - 1 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">frische Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Grün Opffel">grüne Äpfel</ingredient> - 2</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-075">
        <head>Bunte Schachbrett-Gebäcke mit Apfelfüllung</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-075-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-075-trans">
          <p>Geschachtzabels backen mit fünff farben.

Back ein Blat von gebacken Eyertotter/ gegilbt mit ein wenig Saffran. Nim die Eyer auff ein Essen oder zwey/ truck Peterlin Safft durch ein Tuch/ temperirs wol/ so werdens grün/ mach ein zimlichen Teig/ schneid bletter daraus/ back sie nicht zu braun. Wiltu sie braun haben/ so truck Kornblumensafft darein/ so man sie wol gestossen hat mit lauter wasser in einem Mörser/ so ist der erste truck satt blaw/ der ander bleicher/ der dritt noch bleicher. Also ist aller Blumen farben/ on Rosen/ die hat nicht mehr denn jren geschmack/ austruckt vnd drunder temperiret. Also magstu nemen viel andere wolschmeckende Kreuter vnd Blumen/ die gestossen vnd durch ein Tuch gestriechen/ den behalt in einem gleslin verdecket/ bis du sein bedarffest.
Back öpffel braun in butter/ würtz sie zimlich/ streich sie auff das erst gelb blat/ nicht zu dick/ lege das grün blat darüber/ darnach mach ein gelb füll mit gewürtzten Eyern/ machs in zwey ander geferbt bletter. Darnach bestreich sie also vmb vnd vmb mit frischem Eyerklar/ verhefft es wol machs lenglecht als einen weck/ schneid es in stücklin/ stoß in höltzin breitlechten Spis/ je zwey oder drey zusamen in ein spislin. Mach ein dünnes Teiglin von Milch vnd Eyern/ vergilbs/ zeuch die spieslin dardurch/ back sie braun in Butter/ trage sie für. Wenn es auffgeschnitten wird/ so hat ein jedes seine Farb.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-075-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-075-orig">
          <p>Backe zuerst eine dünne Teigplatte aus Eigelb, das mit etwas Safran gelb gefärbt wurde. Nimm dafür ein oder zwei Eier. Für grüne Teigplatten presse Petersiliensaft durch ein Tuch und mische ihn gut unter einen passenden Teig, sodass er grün wird. Forme einen angemessenen Teig, schneide Blätter daraus und backe sie nicht zu braun.</p>
          <p>Willst du blaue Teigplatten haben, so presse Kornblumensaft hinein, nachdem die Blumen mit klarem Wasser in einem Mörser gut zerstoßen wurden. Der erste Saftauszug wird sattblau, der zweite blasser, der dritte noch blasser. So verhält es sich mit allen Blumenfarben, außer Rosen, die nur ihren Geschmack abgeben, wenn sie ausgepresst und untergemischt werden. Du kannst auch viele andere wohlschmeckende Kräuter und Blumen nehmen, die zerstoßen und durch ein Tuch gestrichen werden; bewahre den Saft in einem abgedeckten Gläschen auf, bis du ihn benötigst.</p>
          <p>Brate Äpfel in Butter braun an und würze sie angemessen. Streiche diese Apfelfüllung nicht zu dick auf das erste gelbe Teigblatt. Lege das grüne Teigblatt darüber. Danach bereite eine gelbe Füllung mit gewürzten Eiern zu und fülle damit zwei weitere gefärbte Teigblätter. Bestreiche die Teigschichten ringsum mit frischem Eiweiß, hefte sie gut zusammen und forme sie länglich wie einen Wecken (Brotlaib). Schneide den Wecken in kleine Stücke. Stecke jeweils zwei oder drei dieser Stücke zusammen auf einen breiten, flachen Holzspieß. Bereite einen dünnen Teig aus Milch und Eiern zu, färbe ihn gelb. Ziehe die Spieße durch diesen Teig und backe sie in Butter braun. Serviere sie. Wenn das Gebäck aufgeschnitten wird, hat jedes Stück seine eigene Farbe.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyertotter">Eigelb</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin Safft">Petersiliensaft</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Kornblumensafft">Kornblumensaft</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="öpffel">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="butter">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewürtzten Eyern">gewürzte Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frischem Eyerklar">frisches Eiweiß</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Milch">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Teig">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Gewürze">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-076">
        <head>Gebackene Käsestangen für die Fastenzeit</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-076-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-076-trans">
          <p>Ein angestrichen gebackens.

Mach ein starcken Teig von geriebnem Keß/ Mehl vnd Milch/ zeuch jn dünn auff ein Bret/ schneide als helmlin fingers lang/ back sie in Buttern/ richts an in ein flache Schüssel an den Fastagen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-076-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-076-orig">
          <p>Mache einen festen Teig aus geriebenem Käse, Mehl und Milch. Ziehe ihn dünn auf einem Brett aus. Schneide daraus fingerlange Stücke wie kleine Helme. Backe sie in Butter. Richte sie an Fasttagen in einer flachen Schüssel an.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geriebnem Keß">Geriebener Käse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Milch">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-077">
        <head>Geformtes Gebäck zum Vergolden</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-077-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-077-trans">
          <p>Ein ander Form.

Schneid den Teig als Glasrauten/ Kleeblettern/ oder Rosen/ Backs also/ Wiltu vergülden/ so sol es wol kalt sein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-077-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-077-orig">
          <p>Schneide den Teig in Formen, die an Glasrauten, Klee-Blätter oder Rosen erinnern. Backe ihn anschließend. Wenn du das Gebäck vergolden möchtest, so soll es zuvor gut abgekühlt sein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den Teig">Teig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vergülden">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vergülden">Eigelb</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-078">
        <head>Gefüllte Teigbällchen in Pfeffersauce</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-078-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-078-trans">
          <p>Mit demselbigen Teig ein höfliches Essen in ein schwartzes Pfefferlin.

Nim Tottern von harten Eyern/ gebraten öpffel oder Bieren/ hack es vnter einander/ nim ein wenig Saffran in Wein oder Milch/ temperirs vnter einander/ das es dick bleibe/ mache fladen aus dem Teig/ thu das gehäck darauff/ schlahe jn zu/ vnd welger jn in den Henden kuglecht/ wie viel du jr haben wilt/ backs in Buttern/ legs in Pfeffer heiß oder kalt/ strew ein wenig Jmber drauff. So nim des hart gesotten Eyes weis/ schneid es würfflet/ strew es darauff/ mach es mit ein wenig Butter ab. Mit demselben Teig mag man machen als gefüllte Eyer/ oder als die gefüllten Krebs in Brühen/ Weinsuppen oder Pfeffer.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-078-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-078-orig">
          <p>Mit dem bereits erwähnten Teig bereite ein feines Gericht in einer schwarzen Pfeffersauce zu.</p>
          <p>Nimm die Dotter von hart gekochten Eiern, gebratene Äpfel oder Birnen. Hacke alles untereinander. Nimm ein wenig Safran, gelöst in Wein oder Milch, und mische es unter die gehackte Masse, sodass sie dicklich bleibt. Forme aus dem Teig Fladen, gib die gehackte Füllung darauf, schlage sie zusammen und rolle sie in den Händen kugelförmig, so viele du haben möchtest. Brate sie in Butter an. Lege sie heiß oder kalt in eine Pfeffersauce und streue ein wenig Ingwer darüber.</p>
          <p>Nimm dann das Eiweiß der hart gekochten Eier, schneide es würfelförmig und streue es darüber. Runde das Gericht mit ein wenig Butter ab. Mit demselben Teig kannst du auch gefüllte Eier (in Form von Eiern) oder gefüllte Krebse (in Form von Krebsen) zubereiten, die du dann in Brühen, Weinsuppen oder Pfeffersaucen servierst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Tottern von harten Eyern">Eigelb von hart gekochten Eiern</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gebraten öpffel oder Bieren">Gebratene Äpfel oder Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein oder Milch">Wein oder Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Teig">Blätterteig oder Mürbeteig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pfeffer">Pfeffersauce</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Jmber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hart gesotten Eyes weis">Eiweiß von hart gekochten Eiern</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-079">
        <head>Schnabel: Gefüllte Brotscheiben und Küchlein</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-079-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-079-trans">
          <p>Ein frembd Gebackens/ heist Schnabel.

Nim weis Brot/ schneide die rinden daruon/ mach dünn schnitten/ legs auff ein Bret/ schneid die Rinden als teller/ schneide öpffel zu halben viertheilen/ röst sie darnach/ hacks/ saltz vnd würtz sie/ was Würtz du hast/ Pfeffer oder Jmber/ vermisch Saffran/ hack es durch einander/ schlahe wol geklopffet Eyer darein/ knits durch einander. Also streiche die füll auff ein schnitten/ deck ein ander vber die/ das die vnter die ober bey nahe erreicht/ verheffte es mit Eyerklar/ das es bey einander bleibe/ back sie schön. Wer solch Schnabel von mancherley farben wolt haben/ der ziehe das Brot vorhin durch ein solchen safft/ wie vor gelehrt. Aber on farb mag mans in Weinsuppen oder Pfeffer geben/ oder in Gallrad/ Lebersültz/ Käßbrüh/ wie man wil.
Gute Opffel oder Biern in Butter gebacken/ weisbrot darein gerürt/ hart Eyer darein gehacket/ mit Wein vnd Milch ein Teiglin daraus/ vnd küchlin gemacht.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-079-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-079-orig">
          <p>Ein fremdes Gebäck, genannt Schnabel.</p>
          <p>Nimm Weißbrot, schneide die Rinden ab und mache dünne Scheiben. Lege sie auf ein Brett und schneide die Rinden tellerförmig sauber weg. Schneide Äpfel in Achtel, röste sie danach und hacke sie. Salze und würze sie mit den Gewürzen, die du hast, mit Pfeffer oder Ingwer. Mische Safran darunter und hacke alles durcheinander. Schlage gut verquirlte Eier hinein und knete die Masse durch.</p>
          <p>Streiche die Füllung auf eine Brotscheibe und decke eine andere darüber, sodass die untere die obere fast erreicht. Verklebe die Ränder mit Eiweiß, damit es zusammenhält, und backe sie schön.</p>
          <p>Wer solche Schnabel in verschiedenen Farben haben möchte, der ziehe das Brot zuvor durch einen entsprechenden Saft, wie es zuvor gelehrt wurde. Ohne Farbe aber kann man sie in Weinsuppen oder Pfeffersauce geben, oder in Gallert, Lebersülze oder Käsebrühe, ganz nach Belieben.</p>
          <p>Gute Äpfel oder Birnen in Butter gebacken, Weißbrot hineingerührt, hartgekochte Eier hineingehackt, mit Wein und Milch einen kleinen Teig daraus gemacht und Küchlein geformt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weis Brot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="öpffel">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Jmber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wol geklopffet Eyer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyerklar">Eiweiß</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Biern">Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Butter">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hart Eyer">Hartgekochte Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Milch">Milch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-080">
        <head>Vergoldete Zuckerküchlein</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-080-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-080-trans">
          <p>Braun Küchlin die vergüldt scheinen.

Reib geschlagen Goldt wol auff eim stein/ mit Wasser oder Gebrenntenwein/ reibs noch ein mal mit einem rohen Eyertotter/ mach Küglin/ Zucker Rosat/ Violat/ oder Muscat/ klein als die Daumenglied/ mach sie rund zwischen nassen Henden/ bestreich die Küchlin mit Goldfarb/ steck es an ein Messer/ das du sie vberal mögest bestreichen/ legs nach einander auff ein Bret/ back eins nach dem andern das in Buttern schwimb/ wehre das einander nicht rüre/ nims mit einem Schaumlöffel aus/ gib es also trucken für Gebrahtens.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-080-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-080-orig">
          <p>Reibe geschlagenes Gold gut auf einem Stein, mit Wasser oder Branntwein. Reibe es noch einmal mit einem rohen Eigelb, um eine Goldfarbe zu erhalten. Forme kleine Kügelchen aus Zucker Rosat, Violat oder Muscat, etwa so groß wie ein Daumenglied. Forme sie rund zwischen nassen Händen. Bestreiche die Küchlein mit der vorbereiteten Goldfarbe. Stecke jedes Küchlein auf ein Messer, damit du es überall gleichmäßig bestreichen kannst. Lege die vergoldeten Küchlein nacheinander auf ein Brett. Backe sie einzeln in reichlich Butter, sodass jedes Küchlein darin schwimmt, und achte darauf, dass sie sich nicht berühren. Nimm die Küchlein mit einem Schaumlöffel aus der Butter und serviere sie trocken zu Gebratenem.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geschlagen Goldt">Essbares Blattgold</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Gebrenntenwein">Branntwein</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="rohen Eyertotter">Eigelb</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Zucker Rosat/Violat/oder Muscat">Puderzucker</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient> - 100 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-081">
        <head>Grüne Petersilien-Pfannkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-081-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-081-trans">
          <p>Gute Streublin.

Peterlin stoß ein hand voll mit Wasser vnd Weisbrotbrosam/ treib es durch ein Tuch/ mache ein Straubenteiglin mit Eyer vnd Mehl/ versaltz nicht/ zettel dann durch geschlagen Peterlin in ein Pfann/ nicht zu dick.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-081-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-081-orig">
          <p>Stoße eine Handvoll Petersilie mit Wasser und Weißbrotbröseln in einem Mörser. Treibe die entstandene Masse durch ein Tuch, um eine grüne Flüssigkeit oder feine Paste zu erhalten. Bereite einen dünnen Pfannkuchenteig mit Eiern und Mehl zu und salze ihn nicht zu stark. Mische die passierte Petersilienmischung unter den Teig. Verteile den grünen Teig dann dünn in einer Pfanne und backe die Streublin aus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">Eine Handvoll Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Etwas Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Weisbrotbrosam">Weißbrotbrösel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versaltz nicht">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-082">
        <head>Gefüllte Krapfen mit Obst oder Kräutern</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-082-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-082-trans">
          <p>Gute Krapffen von Opffeln vnd Biern.

Braht sie vor wol/ schlah ein Ey oder zwey darein/ Saltz vnd Würtz/ stoß wol in einem Mörser/ fülls in die Krapffen. Ander Krapffen mach von Eyern/ Peterlin/ oder andere gute Kreuter darein gehackt/ mit einem rohen Ey verkneten/ gewürtzt/ gesaltzen vnd eingefüllt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-082-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-082-orig">
          <p>Bereite zunächst die Früchte vor: Brate die Äpfel und Birnen gut an, bis sie weich sind. Schlage ein oder zwei Eier dazu, würze mit Salz und Gewürzen. Stoße die Mischung gut in einem Mörser zu einer feinen Füllung. Fülle diese Masse dann in die Krapfen.</p>
          <p>Für eine andere Variante der Krapfenfüllung verwende Eier, fein gehackte Petersilie oder andere gute Kräuter. Verknete diese Zutaten mit einem rohen Ei, würze mit Salz und Gewürzen und fülle die Masse ebenfalls in die Krapfen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Opffeln">Menge Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Biern">Menge Birnen</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein Ey oder zwey">Eier</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyern">Menge Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">Menge Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="andere gute Kreuter">Menge frische Kräuter</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="einem rohen Ey">rohes Ei</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Krapffen">Krapfen-Teig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Fett zum Frittieren">Fett zum Frittieren</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-083">
        <head>Flache Küchlein und gefüllte Krapfen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-083-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-083-trans">
          <p>Lappen Küchlin.

Nim Eyer vnd ein drittheil Milch/ mach ein starcken Teig/ zieh jn auff ein Bret mit einem Welgerholtz vnd weis Mehl/ formirs wie du wilt/ wiltu es braun haben/ so backß wol/ oder gelb/ so mach den Teig mit Saffran/ zertrieben in Wein oder Milch. Grün von Peterlinsafft/ oder dergleichen. Blaw von Kornblumen. Man jssets aus Salsen. Mit diesem teig mach gefülte Krapffen von Opffel/ Biern/ Kelberhirn/ oder Geheck von kleinen Waldvögeln/ gewürtzt vnd leiß gesaltzen.
Man mag Krapffen füllen mit der füll als man gestürtzt Eyer/ Opffel vnd Hüner füllet/ aber ein jede Fleisch oder Fischfüll mus vor recht vnd wol gesotten sein/ dann wol in einem Mörser gestossen/ mit Peterlin/ oder andern wolschmeckenden Kreutern/ von geschmacks wegen temperirt mit rohen Eyern/ wol vnter einander gekneten/ gefüllt/ vnd wol gebacken.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-083-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-083-orig">
          <p>Nimm Eier und ein Drittel Milch, um einen starken Teig herzustellen. Rolle ihn auf einem Brett mit einem Nudelholz und etwas weißem Mehl aus. Forme den Teig, wie du möchtest. Wenn du die Küchlein braun haben möchtest, backe sie gut. Für eine gelbe Farbe bereite den Teig mit Safran zu, der zuvor in Wein oder Milch zerrieben wurde. Eine grüne Farbe erhältst du mit Petersiliensaft oder Ähnlichem, und eine blaue Farbe mit Kornblumen. Man isst diese Küchlein mit Saucen.</p>
          <p>Mit diesem Teig kannst du auch gefüllte Krapfen zubereiten. Fülle sie mit Äpfeln, Birnen, Kalbshirn oder Gehacktem von kleinen Waldvögeln, gewürzt und leicht gesalzen.</p>
          <p>Man kann Krapfen auch mit Füllungen füllen, wie man sie für gefüllte Eier, Äpfel und Hühner verwendet. Dabei muss jede Fleisch- oder Fischfüllung zuvor richtig und gut gekocht sein. Danach wird sie gut in einem Mörser zerstoßen, mit Petersilie oder anderen wohlschmeckenden Kräutern nach Geschmack abgeschmeckt und mit rohen Eiern gut untereinander geknetet, bevor die Krapfen damit gefüllt und gut gebacken werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein drittheil Milch">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weis Mehl">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlinsafft">Petersiliensaft</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Kornblumen">Kornblumenblüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Opffel">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Biern">Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Kelberhirn">Kalbshirn</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Geheck von kleinen Waldvögeln">Gehacktes von kleinen Waldvögeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewürtzt">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leiß gesaltzen">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="andern wolschmeckenden Kreutern">Frische Kräuter</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-084">
        <head>Herzhafte Krapfen mit Leberfüllung</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-084-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-084-trans">
          <p>Ein Krapffenteig.

Honig seud in Wein/ als viel du wilt/ vnd nim ein weite Schüssel/ vnd zwier den Wein mit weis Mehl/ als ein Müßlin/ schlah Eyertotter in ein ander Schüssel/ vnd ein wenig Saffran/ zertreibs gar wol mit dem gemachten Honigwein/ thu es in den gezwiernten Teig/ temperirs/ vnd wirff je ein steublin Mehls darzu in die Schüssel/ bis ein leytiger Teig wird. Darnach zeuch jn mit eim Welgholtz auff ein Tuch/ schneid jn gros oder klein/ nach dem du die Krapffen haben wilt/ was Teig man mit Hefel/ Bier oder Hopffen macht/ mus man lassen auff gehen/ darnach einkneten in lohemwasser/ oder einem gesotten Honigwein.
Klein Krapffen für Herrn füll mit eitel Fischlebern/ wol gestossen mit ein wenig gerieben Lebkuchen/ so haben sie Würtz gnug. Also Vogellebern/ Hünerlebern wol gehackt vnd gestossen/ mit einem Eyertotter/ vnd gerieben Lebkuchen daran/ vnd füll sie ein.
Alles Jngeweid von Fischen mit einem Eyertottern gestossen/ mit Fischbrüh vor abgemachet/ ein wenig Lebkuchen darunder gerieben/ ist gut Fischfüll in die Krapffen/ also schön gebacken.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-084-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-084-orig">
          <p>Koche Honig in Wein, so viel du möchtest. Nimm eine weite Schüssel und dicke den Wein mit weißem Mehl zu einem dünnen Mus ein. Schlage Eigelb in einer anderen Schüssel auf und gib ein wenig Safran hinzu. Verrühre dies sehr gut mit dem Wein-Honig-Sud. Gib es zum eingedickten Teig, vermische es gleichmäßig und wirf nach und nach ein wenig Mehl in die Schüssel, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Danach rolle den Teig mit einem Nudelholz auf einem Tuch aus. Schneide ihn groß oder klein, je nachdem, wie du die Krapfen haben möchtest. Teig, den man mit Hefe, Bier oder Hopfen zubereitet, muss man aufgehen lassen und danach in lauwarmem Wasser oder gekochtem Wein-Honig-Sud einkneten.</p>
          <p>Für kleine Krapfen für vornehme Gäste fülle sie mit reinen Fischlebern, die du gut mit ein wenig geriebenem Lebkuchen zerstoßen hast - so haben sie genug Würze. Ebenso verfahre mit Vogellebern oder Hühnerlebern: hacke und zerstoße sie gut, gib ein Eigelb und geriebenen Lebkuchen hinzu und fülle die Krapfen damit.</p>
          <p>Alle Fischeingeweide, mit einem Eigelb zerstoßen und zuvor mit Fischbrühe angemacht, mit ein wenig geriebenem Lebkuchen darunter, ergeben eine gute Fischfüllung für die Krapfen, die dann schön gebacken werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weis Mehl">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyertotter">Eigelb</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Fischlebern">Fischlebern</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gerieben Lebkuchen">Geriebener Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Vogellebern / Hünerlebern">Geflügellebern</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Fischbrüh">Fischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Alles Jngeweid von Fischen">Fischeingeweide</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Fett zum Frittieren">Pflanzenöl oder Schmalz zum Frittieren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Hefel">Hefe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Bier">Bier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Hopffen">Hopfen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lohemwasser">Lauwarmes Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-085">
        <head>Krapfen aus übrig gebliebenem Fleisch</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-085-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-085-trans">
          <p>Krapffen backen von vberbliebenen Hünern.

Nim Wildbret/ gebrahten oder gesotten/ hacks klein/ schlahe Eyer in ein Schüssel/ vnd gehackten Peterlin/ wirff das gehäck darein/ würtz vnd saltzs ab/ temperirs/ das es nicht zu dünn sey/ mit gesotten Honig/ Wein vnd Lebkuchen darein gerieben/ so helt es sich bey einander/ vnd lest sich einfüllen. Die Krapffen sind bald gar/ sihet es an der breune wol/ so du die ausnimpst. All Krapffen mag man mit Zucker bestrewen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-085-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-085-orig">
          <p>Nimm Wildbret oder Hühnerfleisch, gebraten oder gesotten, und hacke es fein. Schlage Eier in eine Schüssel und gib gehackte Petersilie hinzu. Wirf das gehackte Fleisch in die Schüssel, würze und salze es ab. Temperiere die Masse, sodass sie nicht zu dünn ist, mit gesottenem Honig, Wein und geriebenem Lebkuchen. So hält die Masse zusammen und lässt sich gut formen oder füllen. Die Krapfen sind schnell gar; achte auf eine schöne Bräunung, wenn du sie aus dem Fett nimmst. Alle Krapfen kann man mit Zucker bestreuen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wildbret/ gebrahten oder gesotten">gekochtes Wildbret</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vberbliebenen Hünern">gekochtes Hühnerfleisch</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyer">Eier</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gehackten Peterlin">frische Petersilie, gehackt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtz vnd saltzs ab">Salz und Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gesotten Honig">Honig, leicht erwärmt oder gekocht</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient> - 50 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Lebkuchen darein gerieben">Lebkuchen, gerieben</ingredient> - 50 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Zucker">Zucker zum Bestreuen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zum Backen (impliziert)">Pflanzenöl oder Schmalz zum Ausbacken</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-086">
        <head>Gebäck aus Eiern und Weißbrot</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-086-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-086-trans">
          <p>Ein gut Gebackens von Eyern.

Zerschlag Eyer so viel du wilt/ klopff sie wol/ schneide weiß Semmelbrot würfflet darunder/ reib Muscat darein/ versaltz es nicht/ mach grosse oder kleine Bletter mit einem Welgerholtz/ nicht zu dünn/ vnd back es.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-086-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-086-orig">
          <p>Schlagt so viele Eier auf, wie Ihr wünscht, und verquirlt sie gründlich. Schneidet weißes Semmelbrot in Würfel und gebt es zu den Eiern. Reibt Muskatnuss hinein und salzt es behutsam, damit es nicht übersalzen wird. Formt mit einem Nudelholz große oder kleine Blätter (Teigplatten), die nicht zu dünn sein sollen, und backt diese anschließend.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyer so viel du wilt">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weiß Semmelbrot würfflet">Weißes Semmelbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Muscat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versaltz es nicht">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-087">
        <head>Gebackene Petersilien-Küchlein</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-087-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-087-trans">
          <p>Ein ander Gebackens.

Nim Peterlin/ Beimenten/ vnd ander wolschmeckende Würtz/ gleich wie man Salsen macht/ Brosam/ weis Brot/ oder gerieben Lebkuchen/ stoß es wol darmit durch einander/ treib es durch ein Tuch mit gutem Wein/ temperier Eyer vnd Mehl darzu/ vnd mach ein starcken Teig/ den man mit einem Löffel einziehe in den Buttern oder kleine Küchlin/ als die Baumnüß/ vnd back sie.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-087-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-087-orig">
          <p>Nimm Petersilie, Beimenten und andere wohlschmeckende Gewürzkräuter, wie man sie für Saucen verwendet. Gib Brotkrumen, Weißbrot oder geriebenen Lebkuchen hinzu. Stoße alles gut miteinander im Mörser. Presse die Masse durch ein Tuch mit gutem Wein. Rühre Eier und Mehl dazu und bereite einen festen Teig. Diesen Teig gibst du löffelweise in heißes Schmalz oder Butter, sodass kleine Küchlein entstehen, etwa so groß wie Walnüsse, und backe sie aus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Beimenten">Beimenten (Würzkraut, Lesart unsicher)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ander wolschmeckende Würtz">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Brosam">Brotkrumen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weis Brot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gerieben Lebkuchen">Geriebener Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gutem Wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter oder Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-088">
        <head>Gefüllte Torte mit Fisch oder Krebsen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-088-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-088-trans">
          <p>Gute Turten zu machen.

Mach ein starcken Teig mit Milch vnd Eyern/ zeuch jn dünn mit einem Welgerholtz/ den mische in einer Pfannen/ also das er vmb vnd vmb vber die Pfannen hang/ vmb ein zwerch Finger/ mach ein Teigpfann in die Erdenpfann/ darzu mach auch ein füll von Eyern/ Butter vnd Würtz/ klopff es wol vnter einander/ thu es in die Teigpfannen/ mach ein blat von Teig darüber/ vnd börtel es zu/ wie ein Fladen/ das von vberigem Teig hencke vber die Pfannen. Wehre mit Buttern/ das die Pfann nicht anbrenn/ reib sie offt vmb/ las den Turten backen. Darzu gehört ein weite feuchte Pfann. Jn ein solch füll magstu geschelte Krebs thun/ hart Fisch/ als Hecht/ Bersing/ etc. Die weichen sollen nicht darzu/ sie müssen vor gesotten sein/ vnd abgewürtzt. Wann der Turten braunet/ so hat er sein genuog. Setze jn von den Kolen/ setze jhn für auff einem Teller.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-088-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-088-orig">
          <p>Bereite einen kräftigen Teig mit Milch und Eiern zu. Rolle ihn dünn mit einem Nudelholz aus und lege ihn in eine Pfanne, sodass er ringsum etwa einen Querfinger breit über den Rand hängt. Forme so eine Teigpfanne in die Tonpfanne. Bereite dazu eine Füllung aus Eiern, Butter und Gewürzen. Schlage alles gut untereinander und gib es in die Teigpfanne. Lege ein weiteres Teigblatt darüber und börtle die Ränder wie bei einem Fladen zusammen, sodass der überstehende Teig über die Pfanne hängt. Fette die Pfanne gut mit Butter ein, damit sie nicht anbrennt, und drehe sie oft, während die Torte backt. Dazu gehört eine weite, feuchte Pfanne. In solch eine Füllung kannst du geschälte Krebse oder festen Fisch wie Hecht oder Barsch geben. Weiche Fische sind dafür ungeeignet, es sei denn, sie wurden zuvor gekocht und gewürzt. Wenn die Torte bräunt, ist sie gar. Nimm sie von den Kohlen und serviere sie auf einem Teller.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="starcken Teig">Teig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Milch">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyern">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Butter">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geschelte Krebs">Geschälte Krebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hart Fisch/ als Hecht/ Bersing/ etc.">Fester Fisch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-089">
        <head>Herzhafte Fleischpastete mit Eierfüllung</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-089-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-089-trans">
          <p>Fleisch Turten.

Den Teig mach wie vor/ oder als die Läppisch Teig vor gelehrt/ Mach die füll nicht zu starck/ von Eyern vnd Wein/ Milch oder Hünerbrüh/ oder gut Fleischbrüh/ nicht viel/ klopff die Eyer/ vnd Butter darein/ saltz vnd würtzs/ setze die Teigpfann in die Pfann mit Buttern/ als vor/ thu die füll darein/ was fleisch du hast zu der füll/ mach ein Teigdecke drüber/ verrenfft es/ geuß Butter darauff/ wart sein wie einer Pasteten/ wie vor gelehrt vnd gesagt ist.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-089-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-089-orig">
          <p>Bereite den Teig wie zuvor beschrieben zu, oder nach Art des Läppisch-Teiges, der weiter vorn gelehrt ist. Mach die Füllung nicht zu fest: aus Eiern und Wein, Milch oder Hühnerbrühe, oder guter Fleischbrühe, aber nicht zu viel davon. Schlage die Eier und rühre Butter hinein, salze und würze. Setze die Teigpfanne in die Pfanne mit Butter, wie zuvor. Gib die Füllung hinein, dazu das Fleisch, das du für die Füllung vorgesehen hast. Lege eine Teigdecke darüber, drücke die Ränder fest zusammen und gieße Butter darauf. Behandle sie wie eine Pastete, wie zuvor gelehrt und gesagt ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Den Teig mach wie vor/ oder als die Läppisch Teig vor gelehrt/">Teig für Pasteten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyern">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Milch">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Hünerbrüh">Hühnerbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gut Fleischbrüh">Fleischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Butter">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtzs">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="was fleisch du hast zu der füll">Fleisch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-090">
        <head>Gebackene Erbsenküchlein mit Wein-Honig-Sud</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-090-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-090-trans">
          <p>Gebackens von Erbsen.

Seud vnd belg sie/ schlahe sie durch/ gilb Wein/ temperier Eyertottern/ ein wenig Mehl darinn/ rürs vnd las es erkalten/ so gestehet es dick. Schneid stücklin daraus/ vnd zeuch sie durch ein gelbes Teiglin/ abgemacht mit Würtz/ tauche die stücklin darein/ heb sie aus mit einem Löffel/ back sie/ gesotten Wein mit Honig besprenget gehört auch darbey/ vnd also fürgetragen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-090-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-090-orig">
          <p>Siede die Erbsen, bis sie weich sind, und schäle sie dann, um ein feines Mus zu erhalten. Schlage das Erbsenmus durch ein Sieb, damit es ganz glatt wird. Nimm gelben Wein. Temperiere die Eigelb und rühre ein wenig Mehl darunter. Vermische diese Eigelb-Mehl-Mischung mit dem Erbsenmus und dem Wein. Rühre alles gut durch und lasse es erkalten, damit es dick wird und sich gut formen lässt. Schneide kleine Stückchen aus der erkalteten Erbsenmasse. Bereite ein gelbes Teiglein zu, das mit feinen Gewürzen abgeschmeckt ist. Tauche die Erbsenstücke in dieses Teiglein, hebe sie vorsichtig mit einem Löffel heraus und frittiere sie in heißem Fett, bis sie goldbraun sind. Koche etwas Wein mit Honig und besprenge die gebackenen Erbsenküchlein damit. So trage sie auf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Erbsen">getrocknete Erbsen</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gilb Wein">Weißwein</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyertottern">Eigelb</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Weizenmehl</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gelbes Teiglin">Weizenmehl, 1 Ei, 100 ml Weißwein oder Wasser, 1 Prise Safran (optional) für den Backteig</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Muskat) für den Teig</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gesotten Wein">Weißwein</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="back sie (implied)">Pflanzenöl oder Schmalz zum Frittieren</ingredient> - 500 ml</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-091">
        <head>Gebackener Reisfladen wie Küchlein</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-091-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-091-trans">
          <p>Ein gut Gebackens von Reiß.

Las jn nicht fast versieden in Wasser/ seich jn schön ab/ las trucknen an der Sonnen/ oder in einer stuben/ stoß in eim Mörser/ schütt es in ein Pfann/ thu Eyer darunter/ mach es nicht zu dünn/ setze Buttern vbers Fewr/ las sitzen/ scheuß den Teig darein/ als gebrennte Küchlin.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-091-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-091-orig">
          <p>Lass den Reis nicht zu stark in Wasser verkochen. Seihe ihn gut ab und lass ihn an der Sonne oder in einer Stube trocknen. Stoße den getrockneten Reis in einem Mörser zu einer feinen Masse. Schütte diese Masse in eine Pfanne und gib Eier darunter. Achte darauf, dass der Teig nicht zu dünn wird. Setze Butter über das Feuer und lass sie schmelzen. Gieße den Reisteig dann hinein, wie du gebratene Küchlein zubereiten würdest.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Reiß">Reis</ingredient> - 250 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyer">Eier</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient> - 50 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-092">
        <head>Gefüllte Bratäpfel mit Wein-Honig-Sud</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-092-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-092-trans">
          <p>Ein gut Essen von öpffeln.

Schel sie schön/ vnd theil sie in zwey theil/ höl jedes theil/ mach ein füll von gebrahten öpffeln/ ein hart Ey/ vnd Peterlin wol gehackt/ mit einem rohen Ey wol getemperirt/ füll beide theil der öpffel/ vnd stürtz vber einander/ stoß ein zweck dardurch/ das nicht weich/ bis sie gebacken werden/ vnd gib sie dar. Wiltu dieselben brahten/ so stoß jr drey oder vier an ein spislin/ legs auff ein Rost/ begeus es mit Buttern/ wend sie vmb/ bis sie gebrahten/ bespreng sie mit einem gesotten Honigwein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-092-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-092-orig">
          <p>Schäle die Äpfel sorgfältig und teile sie in zwei Hälften. Höhle jede Hälfte aus. Bereite eine Füllung aus gebratenen Äpfeln, einem hartgekochten Ei und fein gehackter Petersilie zu. Vermische diese Zutaten gut mit einem rohen Ei. Fülle beide Apfelhälften mit dieser Mischung und setze sie wieder aufeinander. Stecke einen kleinen Holzpflock oder Spieß durch die gefüllten Äpfel, damit sie beim Backen nicht auseinanderfallen. Backe sie anschließend und serviere sie. Möchtest du die Äpfel lieber braten, so stecke drei oder vier davon auf einen kleinen Spieß. Lege sie auf einen Rost und begieße sie wiederholt mit Butter. Wende die Äpfel, bis sie gar und goldbraun gebraten sind. Besprenge sie zum Schluss mit einem gekochten Wein-Honig-Sud.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="öpffeln">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gebrahten öpffeln">Gebratene Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein hart Ey">hartgekochtes Ei</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin wol gehackt">Fein gehackte Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="einem rohen Ey">rohes Ei</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einem gesotten Honigwein">Eingekochter Wein-Honig-Sud</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-093">
        <head>Gebackene gefüllte Äpfel im Honig-Wein-Teig</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-093-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-093-trans">
          <p>Ein anders.

Schneid sawer öpffel rund in zwey theil/ füll beid theil mit gebrahten öpffeln oder Quitten/ oder Biern/ reib weis Brot mit Zucker darunder/ magst sie würtzen oder nicht/ füll der öpffel beid theil damit on Eyer. Mach auch ein teig von Honig vnd Wein/ gegilbt/ zeuch die öpffel dardurch/ verzweck sie/ vnd back es in Butter/ zeuch den Zweck oder faden ab/ strew Zucker oder Honig darauff.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-093-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-093-orig">
          <p>Schneide saure Äpfel rund in zwei Hälften. Fülle beide Hälften mit gebratenen Äpfeln, Quitten oder Birnen. Reibe weißes Brot mit Zucker darunter. Du kannst die Füllung würzen oder es lassen. Fülle beide Apfelhälften damit, ohne Eier. Bereite auch einen Teig aus Honig und Wein zu, gelb gefärbt. Ziehe die gefüllten Äpfel hindurch, stecke sie mit einem Holzstift fest und backe sie in Butter. Ziehe den Holzstift oder Faden ab und bestreue sie mit Zucker oder beträufle sie mit Honig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="sawer öpffel">saure Äpfel</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gebrahten öpffeln oder Quitten/ oder Biern">Äpfel, 1 Quitte oder 2 Birnen</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="weis Brot">altbackenes Weißbrot, gerieben</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Zucker">Zucker</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Butter">Butter</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="würtzen">Gewürze</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gegilt">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-094">
        <head>Gefüllte Bratbirnen vom Spieß</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-094-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-094-trans">
          <p>Gefüllte Brahtbiern an einem Spis zu brahten.

Regelsbiern oder Leutsbiern/ schneid von einander/ wirff die Kernen daraus/ röst es in Buttern/ hacks klein/ thu Honig vnd Würtz darzu/ on gelb vnd saltz/ braht Biern nicht zu weich/ hüll vnd füll sie in beide theil/ stürtz es vber einander/ braht sie/ wie vor gelert/ vnd sittlich strew Würtz darauff/ trags also warm für.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-094-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-094-orig">
          <p>Nimm Regelsbirnen oder Leutsbirnen, teile sie und entferne die Kerngehäuse. Röste die Birnenhälften in Butter an. Hacke das geröstete Birnenfleisch klein. Füge Honig und Gewürze hinzu, aber verzichte auf Safran und Salz. Achte darauf, die Birnen nicht zu weich zu braten. Fülle die Birnenhälften mit der vorbereiteten Mischung, setze sie wieder zusammen und brate sie am Spieß, wie es bereits gelehrt wurde. Streue zum Schluss noch Gewürze darüber und serviere sie warm.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Regelsbiern oder Leutsbiern">Feste Bratbirnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Süße Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-095">
        <head>Gebackene Salbeiblätter mit Birnenfüllung</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-095-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-095-trans">
          <p>Gebackens von Salbey.

Seud dürr Leutsbiern weich/ stoß in eim Mörser/ röst es in Honig vnd Wein wol feucht/ thu Würtz daran on Saltz/ bestreich ein Salbey blat damit/ vnd deck ein anders darüber/ truck sie auch sittiglich zusamen/ das sie also bey einander bleiben. Mach ein teiglin mit Honig vnd Wein/ zeuch es dardurch/ vnd backs. Strewe Zucker darauff/ vnd setz es also warm für.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-095-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-095-orig">
          <p>Koche getrocknete Birnen weich. Stoße sie anschließend in einem Mörser zu einer feinen Paste. Röste diese Birnenpaste in Honig und Wein, bis sie gut durchfeuchtet ist. Würze die Masse mit Gewürzen, aber ohne Salz. Bestreiche ein Salbeiblatt mit dieser Birnenmasse und decke ein zweites Salbeiblatt darüber. Drücke die Blätter behutsam zusammen, sodass sie gut aneinanderhaften. Bereite einen kleinen Teig aus Honig und Wein zu. Ziehe die gefüllten Salbeiblätter durch diesen Teig und backe sie. Bestreue die fertigen Gebäckstücke mit Zucker und serviere sie warm.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dürr Leutsbiern">Getrocknete Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salbey blat">Frische Salbeiblätter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-096">
        <head>Gefüllte Salbeiblätter im Teigmantel</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-096-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-096-trans">
          <p>Ein ander gefüllt Gebackens von Salbey.

Mache ein füll von gebrahten öpffeln/ wie vor gelert/ on gelb/ on Saltz/ bestreich ein Salbey blat damit/ vnd truck ein anders darauff. Mache ein Teiglin als vor/ zeuch eins nach dem andern dardurch/ heb sie sittiglichen in die Pfannen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-096-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-096-orig">
          <p>Bereite eine Füllung aus gebratenen Äpfeln zu, wie zuvor beschrieben, jedoch ohne Safran und ohne Salz. Bestreiche damit ein Salbeiblatt und drücke ein zweites Salbeiblatt darauf. Bereite einen kleinen Teig zu, wie ebenfalls zuvor beschrieben. Ziehe die gefüllten Salbeiblätter nacheinander durch den Teig und hebe sie behutsam in die Pfanne.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gebrahten öpffeln/ wie vor gelert/ on gelb/ on Saltz">Apfelfüllung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salbey blat">Frische Salbeiblätter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Teiglin als vor">Ausbackteig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pfannen">Bratfett</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-097">
        <head>Gefüllte Birnen-Krapfen (vielseitig)</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-097-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-097-trans">
          <p>Gebackens von Regelsbiern.

Schel die Biern schön/ wirff die Kern aus/ mach ein grüne füll von Eyern vnd Peterlin/ Salbeyen/ oder andern wolschmeckenden Kreutern/ die Stiel vnd Stengel streiff ab/ hack nur die Bletter klein/ schlahe rohe Eyer daran/ rür ein klein Weisbrotbrosamen darein/ Würtz es ab/ treibs gar wol durch einander. Mach ein Teig mit gesottenem Honigwein/ nicht zu dick/ noch zu dünn/ zertreib jn mit einem Welgerholtz. Mach Kuchen oder Krapffen dardurch/ vnd backs wol/ Magst in der Fasten Feigen vnd Rosin zimlich darunder thun. Ob du der grünen Kreuter nit nimpst/ so verknit rohe Eyer mit öpffel vnd Würtzen/ Saffran vnd Saltz/ also eingelegt/ das vereiniget sich gar wol in Küchlin oder Krapffen. So man der öpffel oder Biern nicht hat/ so nim guten geriebenen Käß/ mit einem kleinen steublin Mehls vergilbet/ wol vnter einander gekneten mit Saltz vnd Würtz/ ob du wilt.
Jn dieses Gebackens magstu nemen dürr Hutzeln/ Regel oder Leutsbiern/ Wasserbiern/ Brahtbiern/ wol gebrahten vnd gemischt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-097-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-097-orig">
          <p>Schäle die Birnen sorgfältig und entferne die Kerne. Bereite eine grüne Füllung zu: Nimm Eier, Petersilie, Salbei oder andere wohlschmeckende Kräuter. Streife die Stiele und Stängel ab und hacke nur die Blätter klein. Schlage rohe Eier dazu, rühre ein wenig Weißbrotbrösel hinein. Würze die Mischung ab und verrühre alles sehr gut miteinander.</p>
          <p>Bereite einen Teig mit gekochtem Wein-Honig-Sud zu, der weder zu dick noch zu dünn sein soll. Rolle ihn mit einem Rollholz aus. Forme daraus Kuchen oder Krapfen und backe sie gut. In der Fastenzeit kannst du reichlich Feigen und Rosinen unter die Füllung mischen.</p>
          <p>Falls du keine grünen Kräuter verwendest, verknete rohe Eier mit Äpfeln, Gewürzen, Safran und Salz. So zubereitet, verbindet sich dies sehr gut in den Küchlein oder Krapfen.</p>
          <p>Wenn du keine Äpfel oder Birnen hast, nimm guten geriebenen Käse, mit einem kleinen Staub Mehl gelb gefärbt, gut miteinander verknetet mit Salz und Gewürzen, wenn du möchtest.</p>
          <p>Für dieses Gebäck kannst du auch getrocknete Hutzeln, Regel- oder Leutsbirnen, Wasserbirnen oder Bratbirnen nehmen, gut gebraten und gemischt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Biern">Feste, aromatische Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salbeyen">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="andern wolschmeckenden Kreutern">Andere frische Kräuter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Weisbrotbrosamen">Weißbrotbrösel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gesottenem Honigwein">Gekochter Honigwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Feigen">Getrocknete Feigen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Rosin">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="öpffel">Feste, säuerliche Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Käß">Geriebener Hartkäse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="steublin Mehls">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dürr Hutzeln">Dörrbirnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Fett zum Backen/Frittieren">Butter oder Pflanzenöl</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-098">
        <head>Gefüllte Morcheln vom Rost</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-098-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-098-trans">
          <p>Morchen mit Eyern füllen.

Mach die füll/ als man öpffelfüll macht/ oder gestürtzt Eyer/ vnd die zwo Morchen vber einander gestürtzt/ beid theil gefüllt vnd verkleibt mit einem rohen Ey an ein spißlin/ treuff es mit Buttern/ brahts sittlich auff einem Rost.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-098-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-098-orig">
          <p>Bereite die Füllung zu, wie man eine Apfelfüllung zubereitet, oder mache Rühreier. Nimm zwei Morcheln, fülle beide Hälften und setze sie übereinander. Verklebe die gefüllten Hälften mit einem rohen Ei und stecke sie auf ein kleines Spießchen. Beträufle sie mit Butter und brate sie sachte auf einem Rost.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Morchen">Morcheln</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyern">Eier</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="rohen Ey">rohes Ei</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient> - 2 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied) Salz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied) Pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-099">
        <head>Milchküchlein und Krapfen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-099-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-099-trans">
          <p>Milchküchlin für Krancke vnd Kindbetterin.

Ein Straubenteig mach mit Milch/ verzwirr jn gar wol/ magst jn mit Saffran verhöhen/ seud in einem Hafen gewellt Milch mit Eyern/ in einem andern Hafen mit wasser/ dick. Mach die Milch ab mit Specie dulci in der Apoteck/ mach einen dünnen Straubenteig an/ oder mit Eyern/ mit einem Honigwasser/ vnd wenig Saltz/ verbirg auch die Milch drein/ in Küchlin oder Krapffenweiß/ back sie braun/ strewe ein wenig Zucker darauff. Du magst es in Mandelmilch auch geben.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-099-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-099-orig">
          <p>Bereite einen Straubenteig mit Milch zu und verrühre ihn sehr gut. Du kannst ihn mit Safran gelb färben. Koche in einem Topf Milch mit Eiern auf, in einem anderen Topf koche Wasser dick. Schmecke die aufgekochte Milch mit 'Specie dulci' aus der Apotheke ab. Bereite nun einen dünnen Straubenteig zu, entweder nur mit Milch oder mit Eiern, Honigwasser und wenig Salz. Verbirg die zuvor gekochte, gewürzte Milch darin, indem du Küchlein oder Krapfen formst. Backe sie braun und streue etwas Zucker darüber. Du kannst die Küchlein auch in Mandelmilch geben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Milch">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyern">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Specie dulci in der Apoteck">Süße Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Honigwasser">Honigwasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mandelmilch">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied: Mehl für Straubenteig)">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied: Fett zum Backen/Frittieren)">Pflanzenöl oder Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-100">
        <head>Eierkuchen aus dem Mörser</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-100-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-100-trans">
          <p>Ein Kuch in einem Mörser.

Eyer/ Würtz/ weis Brot/ würfflet geschnitten/ temperiers wol vnter einander/ hack Peterlin darunter/ thu es in ein Pfann mit ein wenig Buttern/ setz es auff Kolen/ je lenger je neher/ thu Butter daran.
Eyer die frisch gelegt sein/ der totter in ein warm vngesigen Milch geschlagen/ vnd also warm getruncken/ vertreibt den Husten/ vnd alle Pastemen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-100-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-100-orig">
          <p>Für den Eierkuchen: Nimm Eier, Gewürze und gewürfeltes Weißbrot. Vermische alles gut miteinander. Hacke Petersilie fein und gib sie ebenfalls hinzu. Gib die Masse in eine Pfanne mit etwas Butter. Setze die Pfanne auf glühende Kohlen; je länger die Garzeit, desto näher an die Hitzequelle rücken. Gib während des Garens oder danach noch etwas Butter hinzu.</p>
          <p>Als Hausmittel: Schlage den Dotter von frisch gelegten Eiern in warme, ungesiebte Milch und trinke dies warm. Es soll Husten und alle Beschwerden vertreiben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyer">Eier</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürzmischung</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="weis Brot/ würfflet geschnitten">Weißbrot, gewürfelt</ingredient> - 100 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Milch">Milch</ingredient> - 200 ml</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-101">
        <head>Sammlung Grüner Kräutersaucen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-101-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-101-trans">
          <p>Gut grün Salsen von Kreutern.

Klaub Pfefferkraut/ Beimenten/ Mangolt/ Ampffer/ streiff die stiel dauon/ darnach weich weis Brot/ Essig oder Wein/ reib Lebkuchen/ Stosse alles mit den Kreutern gar wol/ treib es mit Essig vnd Wein/ darinnen das Brot geweicht durch ein Tuch/ mache es ab mit würtz/ behalt sie in einem Gläsin Hafen/ mit Deckel.
Etlich Salsen stösst man ab mit Agrest/ vnd nimpt darzu Boley/ Rauten/ Müntz/ vnd Brunnkreß/ das doch des Agrest mehr sey dann der Kreuter. Die vnzeitige Weinbeer heisset man/ vnd ist Agrest/ das hat gar ein liebliche sewre/ man stösset es mit Wein/ Essig/ vnd gerieben Lebkuchen/ vnd weis Brot.
Etlich Salsen stösset man ab mit Meylandt/ Garten Ampffer/ vnd mit sawren Weinöpffeln/ mit Brot geweicht/ mit eitel Essig gestossen mit einander/ vnd durch gerieben in ein gläsin Häflin/ wiltu die Weinöpffel vor sieden oder brahten/ so gehen sie dester bas durch/ vnd versuch sie wol/ vnd verdeck es. Magst sie in gläsin Gutteroffen behalten wol verstopfft. Setz es in einen Keller/ so dürret es nicht.
Vorgenandt Kreuter/ die zu der Salsen gehören vber jar behalten/ das sie jren geschmack nicht verlieren/ so fah Tawwasser auff mit einem rein newgewaschen leinen Tuch/ das lege auff einer Matten hin vnd her/ trucks aus in ein Kannen/ vnd beysse die Kreuter alle darinnen ein tag vnd nacht/ thu sie darnach heraus/ laß wol trucknen/ vnd derr sie in einem Backofen/ behalt sie oben im Haus in einem Korb/ vnd wann du die Salsen machen wilt/ so beyß sie mit Wein oder Essig/ stosse sie mit Brot/ wie es sich gebürt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-101-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-101-orig">
          <p>Bereite zunächst die erste grüne Kräutersauce zu: Zupfe Pfefferkraut, Borretsch, Mangold und Sauerampfer. Entferne die Stiele davon. Weiche danach Weißbrot in Essig oder Wein ein. Reibe Lebkuchen fein. Stoße alles zusammen mit den Kräutern sehr gut im Mörser. Passiere die Masse mit Essig und Wein, in dem das Brot eingeweicht wurde, durch ein Tuch. Schmecke die Sauce mit Gewürzen ab und bewahre sie in einem Glasgefäß mit Deckel auf.</p>
          <p>Für die zweite Sauce verfeinere sie mit Verjus und gib Borretsch, Raute, Minze und Brunnenkresse hinzu. Achte darauf, dass der Verjus-Anteil höher ist als der der Kräuter. Verjus, auch als unreife Weintraube bezeichnet, besitzt eine sehr angenehme Säure. Stoße die Kräuter mit Wein, Essig, geriebenem Lebkuchen und Weißbrot im Mörser.</p>
          <p>Die dritte Sauce wird mit Majoran, Garten-Sauerampfer und sauren Weinäpfeln zubereitet. Weiche Brot ein und stoße es zusammen mit den Kräutern und reinem Essig im Mörser. Passiere die Mischung durch ein Tuch in ein kleines Glasgefäß. Wenn du die Weinäpfel vorher kochst oder brätst, lassen sie sich besser passieren. Schmecke die Sauce gut ab und decke sie zu. Du kannst sie gut verschlossen in Glasflaschen aufbewahren. Stelle sie in einen Keller, damit sie nicht austrocknet.</p>
          <p>Um die vorgenannten Kräuter, die zu diesen Saucen gehören, über ein Jahr lang zu konservieren, damit sie ihren Geschmack nicht verlieren: Fange Tauwasser mit einem sauberen, frisch gewaschenen Leinentuch auf. Lege das Tuch auf eine Matte und wringe es in eine Kanne aus. Lege alle Kräuter einen Tag und eine Nacht darin ein. Nimm sie danach heraus, lasse sie gut trocknen und dörre sie in einem Backofen. Bewahre sie anschließend oben im Haus in einem Korb auf. Wenn du später die Sauce zubereiten möchtest, weiche die getrockneten Kräuter mit Wein oder Essig ein und stoße sie mit Brot, wie es sich gehört.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pfefferkraut">Gartenkresse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Beimenten">Borretsch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mangolt">Mangold</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ampffer">Sauerampfer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weis Brot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Lebkuchen">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Agrest">Verjus</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Rauten">Raute (Ruta graveolens) ⚠ Vorsicht: in größeren Mengen giftig!</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Müntz">Minze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Brunnkreß">Brunnenkresse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Meylandt">Majoran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sawren Weinöpffeln">Saure Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Tawwasser">Tauwasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-102">
        <head>Kirsch- und Knoblauchsaucen mit Kräuter-Tipps</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-102-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-102-trans">
          <p>Weichsel oder Amerellen Salsen.

Stoß sie in einem Mörser mit Kern vnd allem/ reib Lebkuchen darunder/ treib sie durch ein Tuch mit gutem Wein/ schütt es in ein verglasierten Hafen. Stoß Negelin/ vnd allerley starcke Würtz/ vnd thu ein wenig Saltz darein/ Erwell es bey dem Fewr/ darnach thu es aus in ein feucht Becken/ vnd las es wol gestehen/ Mach Küchlin daraus oder Latwergen.
Wem ein Wein/ Salß oder Essen auffschmeckt/ der neme des gebeißten Peterlins/ Rauten/ oder Salbey/ kewe das wol/ vnd jß es.
Was Kreuter im Meyen abgenomen werden/ als Salbey/ Peterlin/ Boley/ Meyland/ Rauten/ vnd deren gleichen/ derr sie in einem Backoffen/ stoß vnd pülffer sie wol. Magst sie also vber Jar behalten/ vnd zu allem Essen nützen.
Knoblauchsalß bedarff ein wenig Brotbrosam gebeutelet/ geweicht in Essig/ vnd mit mager Fleischbrüh wol gestossen/ abgemacht mit Saltz/ vnd ein wenig Essigs/ behalt es in einem Gutteroff.
Wiltu sie dann gelb haben/ so thu Saffran in Essig/ vnd beyß jn darein/ thu die Salsen in ein Pfennlin vbers Fewr/ las es erhitzen/ darnach saltz vnd würtzs ab/ Also thu jeder Salsen/ wann du sie aufftragen wilt.
Wiltu Knoblauchsalsen grün haben/ so stoß Beimenten vnd sawer Würtz darunder mit Brot/ geweicht in Essig/ mit demselben Essig durchgetrieben
Wiltu Knoblauchsalsen weis vnd fein haben/ so thu Mandelmilch darunder.
Knoblauchsalß die vermisch mit Wurmsamen/ ist gut mit allerley speiß zu essen für die Würm.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-102-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-102-orig">
          <p>Für die Weichsel- oder Amerellen-Sauce: Stoße die Kirschen mit Kern und allem in einem Mörser. Reibe Lebkuchen darunter. Treibe die Masse mit gutem Wein durch ein Tuch und gieße sie in einen glasierten Topf. Stoße Nelken und allerlei kräftige Gewürze, gib ein wenig Salz hinzu. Erwärme die Sauce am Feuer. Danach gieße sie in ein feuchtes Becken und lasse sie gut fest werden. Daraus kannst du kleine Küchlein oder eine Latwerge (Fruchtaufstrich) machen.</p>
          <p>Wenn dir ein Wein, eine Sauce oder ein Gericht nicht schmeckt: Nimm etwas von gebissenem Petersilie, Raute oder Salbei, kaue es gut und iss es.</p>
          <p>Was Kräuter im Mai geerntet werden, wie Salbei, Petersilie, Polei-Minze, Majoran, Raute und dergleichen: Trockne sie in einem Backofen, stoße und pulverisiere sie gut. So kannst du sie über ein Jahr behalten und zu allen Speisen verwenden.</p>
          <p>Für die Knoblauchsauce: Sie benötigt ein wenig gesiebte Brotkrümel, die in Essig eingeweicht sind. Stoße diese gut mit magerer Fleischbrühe, schmecke sie mit Salz und ein wenig Essig ab. Bewahre sie in einem Guttertopf auf.</p>
          <p>Willst du die Knoblauchsauce gelb haben: Gib Safran in Essig und lasse ihn darin ziehen. Gib die Sauce in ein kleines Pfännchen über das Feuer, lasse sie erhitzen, danach salze und würze sie ab. So verfahre mit jeder Sauce, wenn du sie auftragen willst.</p>
          <p>Willst du Knoblauchsauce grün haben: Stoße Zitronenmelisse und saure Kräuter darunter, zusammen mit in Essig eingeweichtem Brot. Treibe die Masse mit demselben Essig durch.</p>
          <p>Willst du Knoblauchsauce weiß und fein haben: Gib Mandelmilch darunter.</p>
          <p>Knoblauchsauce, die mit Wurmsamen vermischt ist, ist gut mit allerlei Speisen gegen Würmer (Darmparasiten) zu essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Weichsel oder Amerellen">Sauerkirschen</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Lebkuchen">Lebkuchen</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gutem Wein">guter Rotwein</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Negelin">Nelken</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="allerley starcke Würtz">gemischte starke Gewürze</ingredient> - 1 TL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlins">Frische Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Rauten">Frische Raute</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salbey">Frischer Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Boley">Frische Polei-Minze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Meyland">Frischer Majoran</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Knoblauch">Knoblauch</ingredient> - 2 Zehe</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Brotbrosam gebeutelet">gesiebte Brotkrümel</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Essig</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="mager Fleischbrüh">magere Fleischbrühe</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safranfäden</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Beimenten">Frische Zitronenmelisse</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="sawer Würtz">Handvoll saure Kräuter</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mandelmilch">Mandelmilch</ingredient> - 50 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wurmsamen">Wurmsamen</ingredient> - 1 TL</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-103">
        <head>Saucen mit Eschlauch, Salbei und Pomeranze</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-103-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-103-trans">
          <p>Gute Salsen von Eschlauch.

Brot weich in Wein/ stoß den Eschlauch im selbigen Brot vnd Wein/ saltz vnd treib jn durch/ mach jn ab mit Jmber. Diese Salsen ist gut zu Rinderen Brahten/ oder Wildbretbrahten.
Salbey Salsen/ Stoß eitel Salbey mit Wein vnd Brot.
Rauten Salsen/ Stoß eitel Rauten mit Essig vnd Brot.
Boley Salsen/ stoß eitel Boley mit Wein vnd Brot darein gemischt/ machs an der Anricht ab/ als andere Salsen.
Pomerantzen Salsen/ Die truck man aus von jn selber/ geben wolgeschmackten sauren wein/ da thut man nichts zu dann Zimetblüh an der Anricht. Jst ein Fürstlich Salsen/ Die ist nicht zu behalten/ dann die Pomerantzen müssen alleweg frisch ausgetruckt sein. Die Salsen ist gut zu allen Vögeln/ Hünern vnd Wildbreth.
SEnff erwermet den Magen vnd Lebern/ ringert den Miltzen/ bringt Durst vnd vnkeuschheit.
Senff ist trucken vnd heiß am vierdten Grad/ Darnach bedarff er gar wol temperatur/ dann er hilfft den blöden Magen/ vnd schadet guten augen/ zu viel gessen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-103-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-103-orig">
          <p>Gute Saucen mit Eschlauch.</p>
          <p>Weiche Brot in Wein ein. Stoße den Eschlauch mit dem eingeweichten Brot und Wein im Mörser zu einer feinen Paste. Salze die Mischung und passiere sie durch ein Sieb. Schmecke sie mit Ingwer ab. Diese Sauce passt gut zu Rinderbraten oder Wildbraten.</p>
          <p>Salbei-Sauce: Stoße ausschließlich Salbei mit Wein und Brot im Mörser.</p>
          <p>Rauten-Sauce: Stoße ausschließlich Weinraute mit Essig und Brot im Mörser.</p>
          <p>Poleiminz-Sauce: Stoße ausschließlich Poleiminze mit Wein und Brot, das du zuvor eingemischt hast, im Mörser. Schmecke diese Sauce beim Anrichten ab, wie die anderen Saucen auch.</p>
          <p>Bitterorangen-Sauce: Presse die Bitterorangen aus; sie geben einen wohlschmeckenden sauren Wein. Füge nichts weiter hinzu als Zimtblüte beim Anrichten. Dies ist eine fürstliche Sauce. Sie ist nicht haltbar, da die Bitterorangen stets frisch ausgepresst sein müssen. Diese Sauce passt gut zu allen Vögeln, Hühnern und Wildbret.</p>
          <p>Senf wärmt Magen und Leber, mindert die Milz und fördert Durst und Unkeuschheit. Senf ist trocken und heiß im vierten Grad. Daher bedarf er einer guten Temperierung, denn er hilft einem schwachen Magen, schadet aber guten Augen, wenn zu viel davon gegessen wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Brot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eschlauch">Schalotten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Jmber">Ingwerpulver</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salbey">Frische Salbeiblätter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Rauten">Frische Weinraute</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Weinessig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Boley">Frische Poleiminze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pomerantzen">Bitterorangen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sauren wein">Verjus</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Zimetblüh">Zimtblüten</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-104">
        <head>Süßer Senf, mit Wein und Honig angemacht</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-104-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-104-trans">
          <p>Senff zu machen.

Süssen Senff mal mit der Würtz/ vnd wann er wol gemahlen ist/ so gib jm ein wall in einer Pfannen auff einem Fewr/ rür jn wol mit wenig Saltz/ behalt jn/ vnd mehre jn mit deren Würtzen gesotten/ vermach jn gar wol. Wiltu den zu essen machen/ so seud einen guten Honigwein/ vnd temperier den darmit/ saltz jn/ vnd würtz jn/ kom zu prüffen/ so ist er gute</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-104-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-104-orig">
          <p>Mahle milden Senf mit Gewürzen. Wenn er gut gemahlen ist, gib ihm in einer Pfanne über dem Feuer einen kurzen Aufwall. Rühre ihn gut mit wenig Salz und bewahre ihn auf. Strecke ihn mit gekochter Gewürzbrühe und verschließe ihn sehr gut. Willst du ihn zum Essen zubereiten, so koche einen guten Wein-Honig-Sud auf und rühre den Senf damit an. Salze und würze ihn nach Geschmack. Probiere ihn, dann ist er gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Süssen Senff">gelbe Senfsaat</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="der Würtz">Ingwerpulver, 1/2 TL Zimt, 1/4 TL Nelkenpulver</ingredient> - 1 TL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wenig Saltz / saltz jn">Salz nach Geschmack</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="deren Würtzen gesotten">Wasser oder Weißweinessig, 1 TL Gewürze</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="guten Honigwein">Met</ingredient> - 200 ml</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-105">
        <head>Zwei schnelle Senf-Saucen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-105-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-105-trans">
          <p>Ein ander behende weiß.

Temperier Honig wol mit Essig/ Wein oder Fleischbrüh/ vnd rür den Senff darein.
Rosin vnd Feigen gesotten mit Wein oder Wasser/ damit Senff temperiret ist/ oder Rosenwasser/ vnd gestossen Zimetrinden darein gethan/ subtilen Leuten.
Ein sehr krefftig Hust Latwerglin/ welches das best ist/ vnter allen Lungensucht Latwerglin/ wird von Fuchslungen gemacht. Benimpt das auffsteigen der Lungen/ keichen vnd schwerlich Atem/ vnd dergleichen gebrechen der Brust vnd Lungen.
NJm Fuchslungen/ wesch sie mit weissem Wein/ sauber/ also fein frisch/ vnd schneid die äderlin/ so voll Bluts darinn sind/ auff/ thu sie in einen newen Hafen/ in eim Backofen/ darnach lege sie bey Wermutbletter/ so sind sie vor Würmen sicher/ Wann du sie brauchen wilt/ so mustu sie in einer vngesaltzen Erbsbrü morgens gestossen/ nüchtern einnemen/ vnd darauff ein stund oder drey fasten/ vnd der Latwergen alle abend ein halb lot einnemen/ welche auff diese art wird gemacht: Nim ein theil Fuchslung/ vnd so viel Süßholtzsafft/ vnd Fenchelsamen auch so viel. Etliche thun Zucker Candit darunter derr vnd pulfferisier diese stück/ vnd setz zum Fewr guten Honig/ verscheum jn wol/ wirff diese stück darein/ rüre vnd siede es zu einer Latwergen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-105-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-105-orig">
          <p>Eine weitere schnelle Art: Verrühre Honig gut mit Essig, Wein oder Fleischbrühe und rühre den Senf hinein.</p>
          <p>Für feine Gaumen: Koche Rosinen und Feigen mit Wein oder Wasser, um damit den Senf anzurühren, oder verwende Rosenwasser und gib gestoßene Zimtrinde hinzu.</p>
          <p>Ein sehr wirksames Husten-Latwerglin, welches das beste unter allen Latwergen gegen Lungensucht ist, wird aus Fuchslungen hergestellt. Es nimmt das 'Aufsteigen der Lungen', Keuchen und schweres Atmen sowie ähnliche Beschwerden der Brust und Lungen.</p>
          <p>Nimm Fuchslungen, wasche sie sauber mit weißem Wein, ganz frisch, und schneide die Äderchen auf, die voller Blut sind. Gib sie in einen neuen Topf in einen Backofen. Danach lege sie zu Wermutblättern, so sind sie vor Würmern sicher. Wenn du sie verwenden möchtest, musst du sie morgens in einer ungesalzenen Erbsenbrühe zerstoßen, nüchtern einnehmen und danach ein bis drei Stunden fasten. Nimm von der Latwerge jeden Abend ein halbes Lot ein, welche auf diese Art hergestellt wird: Nimm einen Teil Fuchslunge und ebenso viel Süßholzsaft und Fenchelsamen. Einige geben auch Kandiszucker hinzu. Trockne und pulverisiere diese Zutaten. Erhitze guten Honig, schäume ihn gut ab, gib diese Zutaten hinein, rühre und koche es zu einer Latwerge.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Essig</ingredient> - 50 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Fleischbrüh">Fleischbrühe</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Senff">Senf</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Rosin">Rosinen</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Feigen">getrocknete Feigen</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient> - 50 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Rosenwasser">Rosenwasser</ingredient> - 1 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gestossen Zimetrinden">gemahlene Zimtrinde</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Fuchslungen">Teil Fuchslunge</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wermutbletter">Handvoll Wermutblätter</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vngesaltzen Erbsbrü">ungesalzene Erbsenbrühe</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Süßholtzsafft">Teil Süßholzsaft</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Fenchelsamen">Teil Fenchelsamen</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Zucker Candit">Teil Kandiszucker</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-106">
        <head>Quitten-Latwerge mit Lebkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-106-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-106-trans">
          <p>Quitten Latwergen.

Braht oder seud sie wol/ stoß in eim Mörser/ vnd gerieben Lebkuchen/ treib sie durch mit gutem Wein/ machs ab mit Würtz/ vnd thu jr als der Weichsel Salsen/ wie ob geschrieben/ on das //man\\ mehr Lebkuchen mus haben.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-106-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-106-orig">
          <p>Brate oder siede die Quitten gut. Stoße sie anschließend in einem Mörser zusammen mit geriebenem Lebkuchen. Treibe die Masse mit gutem Wein durch ein Sieb. Würze die Latwerge abschließend. Verfahre dabei wie bei der Weichsel-Salsa, die zuvor beschrieben wurde, jedoch verwende hierfür mehr Lebkuchen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Quitten">Quitten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gerieben Lebkuchen">Geriebener Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gutem Wein">Guter Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-107">
        <head>Gewürzte Birnen-Latwerge mit Wein</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-107-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-107-trans">
          <p>Gute Latwergen von Leutsbiern/ vnd andern guten Wein.

Verdempffs in einem Hafen/ knit es darnach wol mit eim Löffel/ setz es darnach in einem kleinen Kesselin auff ein Dreyfuß vber ein kleines Fewer/ darnach ein gut glüt/ rürs/ thu Honig vnd Würtz darein/ rür sie noch bas/ Negelin/ Jmber vnd Muscat magstu grob gestossen drein thun/ rür sie bas/ vnd entzeuch das Fewer/ bis die Würtzen wol erhitzen/ vnd thus herab. Schlag sie aus auff ein weiten Teller oder Bret/ treibs als ein Krapffenteig/ las wol erkalten/ darnach schneid kleine stücklin daruon/ vnd leg es ein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-107-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-107-orig">
          <p>Dämpft die Birnen in einem Topf weich. Zerdrückt sie anschließend gut mit einem Löffel. Setzt die Masse danach in einem kleinen Kessel auf einen Dreifuß über ein kleines Feuer, dann über gute Glut. Rührt sie und gebt Honig und Gewürze hinzu. Rührt sie noch besser, Nelken, Ingwer und Muskat könnt Ihr grob gestoßen dazugeben. Rührt sie weiter gut durch und entfernt das Feuer, bis die Gewürze gut erhitzt sind, und nehmt den Kessel vom Herd. Streicht die Masse auf einen weiten Teller oder ein Brett, rollt sie wie einen Krapfenteig aus, lasst sie gut erkalten. Danach schneidet kleine Stückchen davon ab und legt sie zur Aufbewahrung ein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Leutsbiern">Birnen</ingredient> - 1 kg</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="guten Wein">Wein</ingredient> - 250 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Honig</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Negelin">Nelken</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Jmber">Ingwer</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Muscat">Muskatnuss</ingredient> - 0.5 TL</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-108">
        <head>Latwerge für Magen und Gemüt</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-108-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-108-trans">
          <p>Ein gut Latwergen zum Magen/ vnd für alle böse Nebel.

Schneid Schwertelwurtz zu dünnen scheiblin/ beiß sie in einem Glaß verdeckt acht oder zehen tag in roten Wein/ zerlaß ein maß Honig in einer Pfannen/ thus darein zusamen/ seud das dritte theil ein. Darnach stoß wol vier lot Jmber/ ein lot Negelin/ ein lot Muscatnüß/ zwey lot Zimetrinden/ vnd ein halb lot langen Pfeffer. Las ein gut weil darinnen sieden/ bis es recht dick wird/ zu einer Latwergen/ rür es stets/ das es nicht anbrenne.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-108-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-108-orig">
          <p>Schneide Schwertlilienwurzel in dünne Scheiben. Lege sie in einem Glas bedeckt für acht bis zehn Tage in Rotwein ein. Zerlasse anschließend ein Maß Honig in einer Pfanne und gib die eingeweichten Wurzeln hinzu. Koche die Mischung auf ein Drittel des ursprünglichen Volumens ein. Danach stoße gut vier Lot Ingwer, ein Lot Nelken, ein Lot Muskatnuss, zwei Lot Zimtrinde und ein halbes Lot langen Pfeffer fein. Gib die Gewürze zur Honig-Wurzel-Mischung und lasse alles eine gute Weile sieden, bis es richtig dick wird und die Konsistenz einer Latwerge annimmt. Rühre dabei stets um, damit nichts anbrennt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Schwertelwurtz">Schwertlilienwurzel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="roten Wein">Rotwein</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein maß Honig">Honig</ingredient> - 1 l</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vier lot Jmber">Ingwer</ingredient> - 60 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein lot Negelin">Nelken</ingredient> - 15 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein lot Muscatnüß">Muskatnuss</ingredient> - 15 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zwey lot Zimetrinden">Zimtrinde</ingredient> - 30 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein halb lot langen Pfeffer">Langer Pfeffer</ingredient> - 7.5 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-109">
        <head>Heilende Latwerge für die Brust</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-109-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-109-trans">
          <p>Zu der Brust ein Latwerge.

Weissen Rettich/ Jsop/ Alant/ Diptan/ vnd Jmber/ stoß zu Pulffer/ temperier sie mit Honig zu einer Latwergen. Wiltu sie besser haben/ thu darzu Cubeben/ Zimetrinde vnd Muscatblüh/ oder ander gute Specerey. Du magst auch nemen Entian/ vnd Venedisch Zitwen/ langen Pfeffer/ Calmus/ Galgen vnd Steinwurtz/ vnd vnter einander temperieren wie obstehet/ zu einer Latwergen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-109-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-109-orig">
          <p>Weißen Rettich, Ysop, Alant, Diptam und Ingwer nehmen und zu Pulver stoßen. Anschließend mit Honig zu einer Latwerge vermischen. Soll sie noch wirksamer werden, Kubebenpfeffer, Zimtrinde und Muskatblüte oder andere gute Gewürze hinzufügen. Auch möglich: Enzian, venezianische Zitwerwurzel, langen Pfeffer, Kalmus, Galgant und Steinwurz nehmen und wie oben beschrieben zu einer Latwerge vermischen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Weissen Rettich">Menge nach Belieben getrockneter Weißer Rettich</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Jsop">Menge nach Belieben Ysop</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Alant">Menge nach Belieben Alantwurzel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Diptan">Menge nach Belieben Diptam</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Jmber">Menge nach Belieben Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Honig">Ausreichend Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Cubeben">Menge nach Belieben Kubebenpfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Zimetrinde">Menge nach Belieben Zimtrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Muscatblüh">Menge nach Belieben Muskatblüte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Entian">Menge nach Belieben Enzianwurzel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Venedisch Zitwen">Menge nach Belieben Venezianische Zitwerwurzel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="langen Pfeffer">Menge nach Belieben Langer Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Calmus">Menge nach Belieben Kalmuswurzel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Galgen">Menge nach Belieben Galgantwurzel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Steinwurtz">Menge nach Belieben Steinwurz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-110">
        <head>Gedämpfter Krautkopf und Wintersalat</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-110-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-110-trans">
          <p>Von Kappeskraut.

Kalt Compostkraut bald wolschmeckend zu machen/ im Herbst/ also rohe von Krautheuptern. Nim einen reinen hafen/ vnd spreis höltzlin vnden darein einer hand hoch/ vnd geuß guten roten Wein darein/ bis an die Höltzlin/ nicht gar/ so nim des Krauts wol geseubert/ spalts in vier theil bis an dörsen/ das es doch gantz bleib/ vnd leg ein ander Bellin Krauts darein/ das vornen auffhalt/ stürtze das Haupt also auff die stürtzlin in Hafen/ verstürtz vnd verkleib den gar eben/ setze jn auff ein Dreyfuß/ mach ein zimlich Fewr darunter/ las stehen als lang ein Kraut sonst pfleget zu sieden. Darnach thu es auff/ las es erkalten/ Nim des roten Weins im Hafen in ein Pfennlin/ seud Kümmel/ Schlehen vnd Wechholdern darein/ schütt es in das Haupt/ theil es vmb vnd vmb/ las zu fallen/ zerspalt es gar/ geuß Essig oder Senff daran/ vnd trags für. Etlich nemen auch die Kappeshaupt/ so fein hart sind/ schneidens fein klein zinnlecht/ vnd thun Essig vnd Baumöl darüber/ gibt ein guten Salat im Winter zu essen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-110-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-110-orig">
          <p>Um kaltes Kraut schnell schmackhaft zuzubereiten, besonders im Herbst, direkt aus rohen Kohlköpfen: Nimm einen sauberen Topf und lege Holzstäbchen etwa eine Handbreit hoch auf den Boden. Gieße guten Rotwein bis zu den Stäbchen hinein, aber nicht ganz darüber. Nimm dann den gut gesäuberten Kohl, spalte ihn in vier Teile bis zum Strunk, sodass er aber ganz bleibt. Lege ein kleines Kohlblatt hinein, das die Viertel vorne offen hält. Setze den Kohlkopf so auf die Stäbchen in den Topf. Verschließe und versiegele den Topf sehr gut. Stelle ihn auf einen Dreifuß und mache ein mäßiges Feuer darunter. Lasse ihn so lange stehen, wie Kohl sonst zum Kochen braucht. Danach öffne den Topf und lasse den Kohl erkalten. Nimm den Rotwein aus dem Topf in ein kleines Pfännchen, koche Kümmel, Schlehen und Wacholderbeeren darin auf. Gieße diesen Sud in den Kohlkopf, verteile ihn ringsum und lasse ihn einziehen. Spalte den Kohl danach ganz durch, gieße Essig oder Senf darüber und serviere ihn. Manche nehmen auch sehr feste Kohlköpfe, schneiden sie sehr fein in dünne Streifen und geben Essig und Olivenöl darüber. Das ergibt einen guten Salat für den Winter.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Krautheuptern">Kohlköpfe</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="höltzlin">Holzstäbchen</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="guten roten Wein">Rotwein</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Kümmel">Kümmel</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Schlehen">Schlehen</ingredient> - 1 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Wechholdern">Wacholderbeeren</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Essig</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Senff">Senf</ingredient> - 1 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Baumöl">Olivenöl</ingredient> - 2 EL</item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-001-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Schlicht gesottener Fisch mit Ingwer - die Grundtechnik des Fischkochens, wie sie die mittelalterliche Fastenküche zu Tausenden kannte. Kein Schnickschnack: ganzer Fisch im Wasser gar gezogen, abgeschmeckt, mit Essig beträufelt und entweder "nass" in der Brühe oder "trocken" mit einer dicken Lage Ingwer serviert. Der direkte Verwandte ist der pochierte Fisch von heute - Forelle blau, Karpfen blau.

Der Garpunkt wird am Ablösen der Gräten erkannt: wenn die Gräd abgehen, ist der Fisch gar. Das ist bis heute der verlässlichste Test - das Fleisch löst sich dann sauber vom Knochen. Wichtig ist das rauchfreie Feuer (Fewr on Rauch): Rauch zieht in das zarte, wasserumspülte Fleisch und macht es bitter; man will eine ruhige, saubere Hitze, kein loderndes, qualmendes Feuer.

Die zwei Servierarten teilen das Gericht: naß heißt mit Sud, fast wie eine leichte Suppe; trucken heißt abgetropft, dafür großzügig mit gestoßenem Ingwer bestreut. Der Ingwer ist hier kein bloßes Gewürz, sondern die ganze Sauce - scharf, wärmend, ein Statusgewürz, das den schlichten Fisch aufwertet. Der Essig setzt den sauren Gegenpol.

Praxis. Einen ganzen Fisch (Karpfen, Forelle, Schleie oder festen Weißfisch wie Kabeljau) in leicht gesalzenes, nur sanft siedendes Wasser legen - nicht sprudelnd kochen, sonst zerfällt das Fleisch. Den aufsteigenden Schaum abschöpfen. Gar ist er, sobald sich die Gräten leicht lösen (bei einem mittleren Fisch 10-15 Minuten Ziehzeit). Mit etwas Pfeffer und Salz abschmecken, mit einem Spritzer Essig beträufeln. Trocken serviert kräftig mit gemahlenem Ingwer bestreuen; nass im Sud auftragen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-001-orig" n="Fewr on Rauch" resp="#fyndling">Rauchfreies Feuer - Rauch würde in das zarte, wasserumspülte Fischfleisch ziehen und es bitter machen; gebraucht wird eine ruhige, saubere Glut.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-001-orig" n="wenn die Gräd abgehen" resp="#fyndling">Garprobe: sobald sich die Gräten leicht lösen, ist der Fisch durch - bis heute der verlässlichste Test.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-001-orig" n="trucken oder naß" resp="#fyndling">Zwei Servierarten - abgetropft ("trocken", dann üppig mit Ingwer bestreut) oder mit dem Sud ("nass").</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-001-orig" n="gestossen Jmber" resp="#fyndling">Gestoßener, also gemahlener Ingwer - hier kein Beigewürz, sondern die eigentliche Würzschicht des Gerichts.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-002-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Fasten-Schaubraten: eine Masse aus getrockneten Feigen und Rosinen wird um einen Spieß geformt, am Feuer gebraten und so hergerichtet, dass sie einen Hirsch- oder Rehbraten vortäuscht. Das ist dieselbe Idee wie der getrocknete-Feigen-Spieß des Rheinfränkischen Kochbuchs (vgl. rfk-016) - Fastenküche, die Fleisch optisch ersetzt, ohne gegen das Fleischverbot zu verstoßen.

Holbrahten / Rechbrahten. Gemeint sind Hirsch- (mittelhochdeutsch hol/hirz) und Rehbraten - hier nicht als Zutat, sondern als Form-Vorbild: Der Fasten-"Braten" soll am Spieß aussehen wie sein fleischliches Gegenstück.

Erwellen. Die getrockneten Früchte werden in Wein kurz aufgekocht, damit sie weich und formbar werden - rehydrieren und zugleich aromatisieren.

Teigwasser. Schlichtes Wasser zum Benetzen der Hände, damit die klebrige Frucht-Mehl-Masse beim Formen nicht festklebt - dieselbe Technik wie beim Arbeiten mit Brot- oder Klößchenteig.

Vergilbt oder geferbt. Die aufgesteckten Mandelstifte werden gelb gefärbt (zeittypisch mit Safran) oder anders eingefärbt - reine Schauoptik, die dem "Braten" das Aussehen von gespicktem Wild gibt.

Praxis. Etwa 250 g getrocknete Feigen und 100 g Rosinen 10 Minuten in Rotwein köcheln, abtropfen, fein hacken, mit 2-3 EL Mehl, einer Prise Salz und einer Gewürzmischung (Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelke) zu einer festen, knetbaren Masse verarbeiten. Mit nassen Händen daumendick um einen flachen Bratspieß formen, gut andrücken und über milder Glut langsam braten und drehen, bis außen eine Kruste entsteht. Zum Servieren aufschneiden, mit gelb gefärbten Mandelstiften spicken, mit Zucker oder frisch geriebenem Ingwer bestreuen. Die Butter zum Begießen ist die fleischtaugliche Variante - für streng fastentaugliche Zubereitung pflanzliches Öl nehmen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-002-orig" n="Holbrahten / Rechbrahten" resp="#fyndling">Hirschbraten / Rehbraten. Hier nicht als Zutat, sondern als Form- und Präsentationsvorbild für den vegetarischen Fasten-"Braten".</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-002-orig" n="erwell sie" resp="#fyndling">Hier: in gutem Wein kurz aufkochen, um die getrockneten Früchte zu rehydrieren und formbar zu machen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-002-orig" n="teigwasser" resp="#fyndling">Wasser zum Befeuchten der Hände, damit die klebrige Masse beim Formen nicht anhaftet - wie beim Umgang mit Teig.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-002-orig" n="vergilbt oder geferbet" resp="#fyndling">Gelb (mit Safran) oder anders gefärbt - die aufgesteckten Mandelstifte sind reine Schauoptik, die gespicktes Wild imitiert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-002-orig" n="Buttern" resp="#fyndling">Butter zum Begießen des fertigen Bratens - die Schlussangabe gilt der fleischtauglichen Variante außerhalb der Fastenzeit.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-003-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Hecht-Hohlbraten: gekochtes Hechtfleisch wird zu einer Farce zerstoßen, um einen Spieß geformt und am Feuer gebraten - dazu eine süß-saure Sauce, die mit Lebkuchen gebunden und gewürzt wird. Die Sauce ist der direkte Verwandte der süß-sauren Pfefferbrot-Sauce des Rheinfränkischen Kochbuchs (vgl. rfk-055) und der Lebkuchensauce der Königsberger Handschrift (koe-016).

Holbrahten. "Hohlbraten" - eine Technik, bei der eine Farce um einen Spieß als Kern geformt und gebraten wird, sodass ein größerer, fleischähnlicher Bratenkörper entsteht. Das Rezept verweist ausdrücklich auf die zuvor beschriebene Methode (vgl. den Feigen-Hohlbraten kkm-002).

Schweiß. Hier die an Kopf, Gräte und Schwanz haftenden Fleischreste und Säfte, die mitausgekocht werden - nicht Blut. Aus diesen Resten plus Wein entsteht die Sauce: nichts vom Fisch geht verloren.

Lebkuchen drein reiben. Geriebener Gewürz-Lebkuchen dient als Bindung und Würze zugleich - die zeittypische Brot-/Gebäckbindung, lange vor der Mehlschwitze. Honig liefert die Süße, Wein und Fischbrühe die Säure und Tiefe.

Wenig Mehl gesotten. Etwas gekochtes Mehl als zusätzliches Bindemittel in der Farce, damit die Masse am Spieß hält.

Praxis. Hecht (1-1,5 kg) ausnehmen, Rückgrat lösen, das Filet mit Gewürzen in Wein kurz garziehen, Brühe aufheben. Fleisch im Mörser (oder Küchenmaschine) mit 50 g Rosinen, 2 EL Honig, Gewürzen, Salz und 1-2 EL gekochtem Mehl zu einer formbaren Farce stoßen, mit 50 g Butter geschmeidig machen. Mit nassen Händen um einen flachen Spieß formen und über Glut braten und drehen. Für die Sauce Kopf, Gräte und Schwanz hacken, mit 200 ml Wein gut auskochen, durchseihen, 50 g ungeglasten Lebkuchen (ersatzweise ungeglaste Aachener Kräuterprinten) hineinreiben, mit Gewürzen, Salz und etwas Fischbrühe abschmecken. Wer das Vorkochen weglassen will, hackt und mörsert den rohen Hecht fein und würzt wie oben - die Farce gart dann am Spieß.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-003-orig" n="Holbrahten" resp="#fyndling">Hohlbraten - eine Farce wird um einen Spieß als Kern geformt und gebraten, um einen größeren, fleischähnlichen Braten zu erzielen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-003-orig" n="schweiß" resp="#fyndling">Hier die an Kopf, Gräte und Schwanz haftenden Fleischreste und Säfte des Hechts - nicht Blut. Sie werden für die Sauce ausgekocht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-003-orig" n="Lebkuchen" resp="#fyndling">Gewürzgebäck, im Rezept als Bindemittel und Geschmacksgeber für die Sauce gerieben - die zeittypische Gebäckbindung statt Mehlschwitze.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-003-orig" n="Weinbeer" resp="#fyndling">Getrocknete Weinbeeren, also Rosinen - in der Farce für Süße.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-004-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Fischbratwurst: fein zerstoßenes Fischfleisch wird gewürzt, in Naturdarm gefüllt, in Wein gar gezogen und mit einer scharf-sauren Pfefferlin-Sauce gereicht. Die Wurst aus Fisch ist ein klassisches Fastengericht - dasselbe Prinzip wie bei den Fleischwürsten der Zeit, nur mit Fisch als fastentauglicher Füllung.

Pfefferlin. Eine kleine Pfeffer-Sauce: die mittelalterlich-frühneuzeitliche Standardsauce auf Essigbasis mit reichlich Pfeffer, oft mit geriebenem Weißbrot oder Mandeln gebunden und mit Ingwer abgerundet. Die scharfe Säure kontert die milde, fette Fischfarce - dieselbe Süß-sauer-/Säure-zu-Fett-Logik wie bei den Pfefferbrot-Saucen.

Seud sie ab als mit Wein. Die gefüllten Würste werden in Wein sanft gar gezogen, nicht sprudelnd gekocht - sonst platzt der Darm. "Absieden" meint hier das schonende Pochieren.

Praxis. Etwa 1 kg festfleischigen Fisch (Hecht, Karpfen) schuppen, entgräten, sehr fein hacken und im Mörser oder in der Küchenmaschine zur glatten Farce stoßen, mit 1 TL Gewürzmischung und 1 TL Salz abschmecken. In gewässerten Naturdarm (Schwein/Schaf) füllen, abbinden und in 500 ml trockenem Weißwein bei knapp unter dem Siedepunkt 10-15 Minuten ziehen lassen. Für das Pfefferlin 2 EL Essig, 1 TL frisch gemahlenen Pfeffer, eine Prise Ingwer mit 1 eingeweichten Scheibe Weißbrot (ohne Rinde, ersatzweise 1 EL gemahlene Mandeln) glattrühren und kurz aufkochen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-004-orig" n="Schüp" resp="#fyndling">Schuppen - die Schuppen vom Fisch entfernen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-004-orig" n="därm" resp="#fyndling">Naturdärme, meist vom Schwein oder Schaf, als Hülle für die Wurstmasse.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-004-orig" n="seud sie ab als mit Wein" resp="#fyndling">In Wein sanft gar ziehen lassen (pochieren), nicht sprudelnd kochen - sonst platzt der Darm.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-004-orig" n="Pfefferlin" resp="#fyndling">Eine kleine Pfeffersauce auf Essigbasis mit Pfeffer und Ingwer, oft mit Brot oder Mandeln gebunden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-005-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Zwei Gerichte aus einem Fisch: aus dem Filet herzhafte Fischküchlein (eine gewürzte Fischfarce, in kleine Formen gefüllt), aus Kopf, Gräten und Innereien eine separate Vorspeise. Die Küchlein sind verwandt mit den Fisch-Hohlbraten und Fischwürsten desselben Buchs (vgl. kkm-003, kkm-004) - alle bauen auf einer im Mörser gestoßenen Fischfarce auf.

Roh und gesotten. Die Farce mischt rohes und vorgekochtes Fischfleisch - eine in mittelalterlichen Farces verbreitete Kombination: Das gekochte Fleisch gibt Struktur, das rohe bindet beim Garen. Eine handschriftliche Randkorrektur (&gt;vngesotten) liest stattdessen "ungesotten", also rein roh - dann gart die Farce erst beim Backen.

Ziselin. Eine kleine Form oder Förmchen, in die die Masse gefüllt wird - der genaue Begriff ist selten belegt.

Lebkuchen. Hier ein gewürzter Honigkuchen, der als Bindung und Würze in die Masse kommt - dieselbe Gebäckbindung wie in der Lebkuchensauce zum Hecht (kkm-003).

Gegilbet. Die zweite Speise wird gelb gefärbt - zeittypisch mit Safran, dem Standard-Gelb der gehobenen Küche.

Praxis. Etwa 1 kg Fisch (Karpfen, Hecht) ausnehmen, entgräten, Kopf, Gräten und Innereien (ohne Galle) beiseite. Filet teils kurz garziehen, teils roh, fein hacken und im Mörser (oder Küchenmaschine) mit 50 g Mehl, 50 g Rosinen, 1 TL Gewürzmischung, Salz, 50 g Butter und 50 g geriebenem Gewürz-Honigkuchen (ersatzweise ungeglaste Kräuterprinten) zur Farce stoßen. In gebutterte kleine Förmchen füllen und backen oder in der Pfanne braten. Für die Vorspeise Kopf, Gräten und Innereien in 200 ml Weißwein garziehen, mit einer Prise Safran gelb färben, würzen und am Salz abschmecken.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-005-orig" n="Schweiß" resp="#fyndling">Der austretende Saft des Fisches, der beim Vorbereiten aufgefangen wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-005-orig" n="Inngereusch / Jnngeweid" resp="#fyndling">Die Innereien des Fisches.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-005-orig" n="ziselin" resp="#fyndling">Eine kleine Form oder ein Förmchen, in das die Masse gefüllt wird - der Begriff ist selten belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-005-orig" n="Lebkuchen" resp="#fyndling">Hier ein gewürzter Honigkuchen, in die Farce eingearbeitet als Bindemittel und Geschmacksgeber - nicht die moderne Süßigkeit.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-005-orig" n="gegilbet" resp="#fyndling">Gelb gefärbt, zeittypisch mit Safran.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-005-orig" n="Voressen" resp="#fyndling">Eine Vorspeise, ein erster Gang.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-005-orig" n="roh vnd gesotten / [&gt;vngesotten]" resp="#fyndling">Roh und gesotten - die Farce mischt rohes und vorgekochtes Fischfleisch, wie in mittelalterlichen Farces verbreitet.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-006-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Schau-Fischgang: ein Fisch wird in vier Teile zerlegt, jeder Teil auf eine andere Art gegart - gegrillt, in Wein gesotten, gefüllt, gebacken - und dann so wieder zusammengesetzt, dass er auf der Platte als Ganzes erscheint. Dazu reicht man viele kleine Schälchen mit verschiedenen Saucen, sodass jeder Gast nach Belieben wählt. Der Reiz liegt im Kontrast: ein Tier, vier Texturen und Aromen unter einem Petersilien-Mantel.

Dreierley / vier Teil. Die Überschrift spricht von "dreierley" (dreierlei) Speisen, der Text zählt aber vier Garweisen auf - eine kleine Unstimmigkeit der Vorlage, vermutlich weil das gefüllte Stück ursprünglich nicht als eigene Garart zählte.

Gefüllt. Der dritte Teil wird gefüllt; das Rezept lässt offen, womit - naheliegend ist eine Farce aus Fischfleisch, Semmel, Kräutern und Ei, wie sie das Buch andernorts beschreibt (vgl. kkm-005).

Gebacken. Das Schwanzstück wird "gebacken" - im Frühneuhochdeutschen sowohl Backen im Ofen als auch Braten in Fett in der Pfanne. Im Kontext der übrigen Garweisen ist das Ausbacken in Fett am naheliegendsten.

Salsen. Verschiedene Saucen, hier in vielen kleinen Schälchen als Selbstbedienungs-Begleitung - ungewöhnlich für die Zeit und Teil des Schaueffekts.

Praxis. Einen Hecht (oder Zander, Karpfen) in vier Querstücke teilen. Stück 1 auf dem Rost über Glut grillen; Stück 2 in 200 ml Weißwein mit Gewürzen garziehen; Stück 3 mit einer Farce aus Fischfleisch, Semmelbröseln, gehackten Kräutern und Ei füllen und garen; Stück 4 (Schwanz) in Fett ausbacken. Die vier Stücke wieder zur Fischform zusammenlegen, dicht mit Petersilie bestreuen und mit mehreren Saucen (z. B. Senf-Honig, Pfefferlin) und Essig in kleinen Schälchen servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-006-orig" n="dreierley (Überschrift)" resp="#fyndling">"Dreierlei" - die Überschrift nennt drei Speisen, der Text zählt jedoch vier Garweisen auf; eine Unstimmigkeit der Vorlage.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-006-orig" n="der Schwantz gebacken" resp="#fyndling">"Backen" meint frühneuhochdeutsch sowohl Ofenbacken als auch Ausbacken in Fett; hier im Kontext am ehesten in Fett gebraten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-006-orig" n="Salsen" resp="#fyndling">Saucen - hier in vielen kleinen Schälchen als Begleitung zur Selbstbedienung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-006-orig" n="seltzam" resp="#fyndling">Ungewöhnlich, selten, besonders - der Autor hebt die Schau-Präsentation selbst hervor.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-006-orig" n="der Schwantz gebacken" resp="#fyndling">In Fett ausgebacken (in der Pfanne), passend zu den übrigen einfachen Garweisen des Rezepts.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-007-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Gallrad über Fisch - eine Fischsülze beziehungsweise ein Aspik aus großen Edelfischen wie Lachs. Der Fisch wird in einer gewürzten Wein-Essig-Brühe gegart, die Brühe mit eingeweichtem Brot und Lorbeer angedickt und über die eingelegten Fischstücke gegossen, wo sie kalt zu einem festen Gelee erstarrt. Eng verwandt mit ant-025 und den großen Fleisch-und-Fisch-Gallerten des Ménagier (men-251, men-253).

Behe das Brod meint das Einweichen (Aufquellen) des Brotes, das hier als Bindemittel dient - eine im Korpus durchgehend belegte Methode, Saucen und Gallerten anzudicken. Die Wendungen als vor / als vorgeschrieben stehet verweisen auf Grundtechniken, die Rumpolt in einem vorhergehenden Rezept erklärt hat und hier nicht wiederholt.

Oder die Schalen ist die unklarste Stelle: im Zusammenhang mit Lorbeer am ehesten die getrockneten Lorbeerbeeren bzw. deren Schalen, die ebenfalls aromatisch sind - eine eindeutige Lesart gibt der Text nicht her (siehe interpretive_choices).

Gilb es heißt „färbe es gelb", periodentypisch mit Safran.

Praxis. Fischstücke auf Holzspießchen in Wein, Essig, Salz und Gewürzen gar ziehen lassen, die Brühe aufbewahren. Altbackenes Brot in der Fischbrühe einweichen; reicht die Bindekraft der Brühe nicht, das eingeweichte Brot mit etwas Lorbeer im Mörser stoßen, mit Fischbrühe durch ein Tuch streichen und abschmecken. Die Fischstücke in Schüsseln legen, die abgeschmeckte Brühe darübergießen und an kühlem Ort fest werden lassen. Zum Anrichten Ingwer, Zimt oder Muskatblüte darüberstreuen und mit etwas Safran gelb tönen. Eine moderne Küchenmaschine ersetzt den großen Mörser.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-007-orig" n="Gallrad" resp="#fyndling">Gallerte, Aspik - in einer gewürzten, gelierenden Brühe eingelegter und kalt servierter Fisch.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-007-orig" n="behe das Brod" resp="#fyndling">Weiche das Brot ein - aufgequollenes Brot diente als Bindemittel zum Andicken der Brühe.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-007-orig" n="als vor / als vorgeschrieben stehet" resp="#fyndling">Verweis auf ein vorhergehendes Rezept im Buch, in dem die Grundtechnik (Brühe ansetzen, Brot einweichen) erklärt war und hier nicht wiederholt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-007-orig" n="oder die Schalen" resp="#fyndling">Im Kontext von Lorbeer ungewöhnlich - vermutlich die Lorbeerbeeren bzw. deren Schalen; die Stelle ist nicht eindeutig. Siehe interpretive_choices.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-007-orig" n="treibe das durch" resp="#fyndling">Passiere es durch ein Tuch/Sieb.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-007-orig" n="gilb es" resp="#fyndling">Färbe es gelb - periodentypisch mit Safran.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-007-orig" n="Lorberbletter / oder die Schalen / oder auff ein halb Lorbeer" resp="#fyndling">Lorbeerblätter, ganz oder etwa ein halbes Blatt, als zusätzliches Geliermittel- und Aroma-Stoßgut zum Brot.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-008-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Fischsülze für den Sommer - und zugleich ein verblüffend kundiger Kniff: Weil Sülze in der warmen Jahreszeit „nicht gern gesteht" (schlecht geliert), wird hier extra Geliermittel aus den Resten des Fisches selbst gewonnen. Fischsaft, Schuppen und Gräten kochen das Kollagen aus, das die Brühe fest werden lässt. Direkt verwandt mit rfk-009 (Sommer-Sülze aus Hechtkollagen), sev-090 und teg-009.

Schweiß ist hier kein Blut, sondern der Fischsaft - die beim Ausnehmen und Garen austretende, gelatinereiche Flüssigkeit. Grad sind die Gräten. Zusammen mit den Schuppen liefern sie das natürliche Geliermittel; das Lorbeerblatt wird mitgestoßen und durchgerieben, „so gestehet es".

Saltz sie denn eine am Ende ist mehrdeutig (siehe interpretive_choices): entweder finales Abschmecken mit Salz oder ein leichtes Einsalzen zur Haltbarmachung.

Praxis. Beim Zubereiten des Fisches Fischsaft, Schuppen und Gräten auffangen. Mit Wein aufkochen und sauber abschäumen, dann im Mörser stoßen und mit der eigenen Kochbrühe durch ein Tuch streichen, ein Lorbeerblatt mitgestoßen - das ergibt die geliermittelreiche Schuppenbrühe. Den bereits gegarten Fisch in Schüsseln legen. Fischbrühe und durchgesiebte Schuppenbrühe mit Gewürzen mischen, mit Essig und Salz abschmecken, einmal aufwallen lassen und über den Fisch gießen. An der Luft erkalten und gelieren lassen. Mandeln oder Weintrauben rechtzeitig aufstreuen, bevor die Sülze halb fest ist, damit sie sauber eingebettet bleiben. Eine moderne Küchenmaschine ersetzt den Mörser.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-008-orig" n="Schweiß" resp="#fyndling">Hier der Fischsaft - die beim Ausnehmen und Garen austretende, gelatinereiche Flüssigkeit, nicht Blut.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-008-orig" n="Grad" resp="#fyndling">Gräten, die Knochen des Fisches - zusammen mit Schuppen und Fischsaft als natürliches Geliermittel ausgekocht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-008-orig" n="gestehen" resp="#fyndling">Gelieren, fest werden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-008-orig" n="erwallen einen wall" resp="#fyndling">Einmal kurz aufwallen lassen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-008-orig" n="saltz sie denn eine" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saltz">Am Ende salzen - entweder zum Abschmecken oder leicht zur Haltbarmachung. Siehe interpretive_choices.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-008-orig" n="saltz sie denn eine" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saltz">„Salze sie dann" im Sinne einer finalen Geschmacksanpassung der fertigen Sülze.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-009-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Tellergericht, sondern eine Methode, Fisch haltbar zu machen: Man legt ihn in Essig ein und vergräbt das Gefäß zum Kühlen in der Erde. Es ist die essigsaure Vorratshaltung der Vor-Kühlschrank-Zeit - verwandt mit dem Einlegen von Fisch in Sud (vgl. men-180, foc-129).

Vergraben im Erdrich. Das Eingraben in frische, kühle Erde nutzt die konstant niedrige Bodentemperatur als natürlichen Kühlschrank - der Essig konserviert, die Erde hält das Gefäß kühl und dunkel.

Essig nachgießen. Bei jeder Entnahme wird frischer Essig nachgefüllt und gut abgedeckt - so bleibt die saure Schutzhülle erhalten und der Fisch verdirbt nicht.

Überschießen lassen. Beim Vorkochen in Wasser, Essig und viel Salz soll der Schaum zwei- bis dreimal überkochen - das Abschäumen klärt und entfernt Trübstoffe vor dem Einlegen.

Medizinischer Anhang. Wie oft in frühneuzeitlichen Kochbüchern folgt ein Heilrezept: zu Asche verbrannte Krebsschalen mit Honig und Enzian gegen den Biss eines tollwütigen Hundes - reine Quellenkuriosität, kein Nachkoch-Rezept.

Praxis. Frischen, festfleischigen Fisch (Hering, Makrele, kleine Süßwasserfische) in ein irdenes Gefäß schichten, mit gutem Weinessig bedecken, Petersilie zugeben, dicht abdecken und kühl und dunkel lagern (heute: Kühlschrank statt Erdgrube). Bei Entnahme stets frischen Essig nachgießen. Den medizinischen Teil nicht nachstellen - er steht hier nur als historisches Zeugnis.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-009-orig" n="ärdin Hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Ein irdenes Gefäß, ein Topf aus Ton oder Keramik.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-009-orig" n="vergrabs in ein frisches Erdrich" resp="#fyndling">Im kühlen Erdboden vergraben - die niedrige Bodentemperatur dient als natürliche Kühlung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-009-orig" n="vber schiesse" resp="#fyndling">Überkochen lassen - der Schaum soll beim Sieden zwei- bis dreimal überlaufen (Abschäumen zum Klären).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-009-orig" n="Rasender Hundsbiß" resp="#fyndling">Der Biss eines tollwütigen Hundes (Tollwut) - Gegenstand des angehängten Heilrezepts.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-010-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalte Krebssülze: aus kleinen Krebsen wird mitsamt Schalen eine kräftige, durch ein Tuch passierte Krebsbrühe gewonnen, darin ziehen geschälte Krebsschwänze und -scheren, und beim Erkalten geliert die schalenreiche Brühe von selbst zur Sülze. Im Kern dasselbe Prinzip wie das rote Krebs-Mus des Rheinfränkischen Kochbuchs (rfk-006) und die Krebssuppe von Tegernsee (teg-017) - die ganze Aromakraft steckt in den mitverarbeiteten Schalen.

Bersing. Mehrdeutig: am ehesten kleine Krebse, die nur für Brühe und Gelierkraft (nicht fürs Fleisch) verwendet werden - der Kontext spricht durchgehend von Krebsen. Der Begriff kann dialektal auch "Barsch" meinen, was hier aber die Einheitlichkeit der Zutat stören würde.

Gall aus den Köpfen. Die Hepatopankreas (Mitteldarmdrüse) im Kopfbereich wird entfernt, weil sie bitter wird - eine Sorgfaltsregel, die man bei Krustentieren bis heute beachtet.

Beuch. Die Körperpanzer (Carapax) der kleinen Krebse, die zusammen mit Scheren und Schwänzen im Mörser zerstoßen werden - die Schalen liefern Farbe, Aroma und das Gelatine-ähnliche Gelierprinzip.

Durch ein Tuch zertreiben. Das Passieren der gestoßenen Schalen-Masse durch ein Tuch erzeugt die feine, höfische Konsistenz - dieselbe Technik wie bei rfk-006.

Praxis. Etwa 1,5 kg Flusskrebse in Weißwein abkochen, Scheren und Schwänze auslösen und beiseite. Kleine Krebse in Wein und Essig kochen, Galle aus den Köpfen entfernen, dann Panzer, Scheren und Schwänze im Mörser (oder starken Mixer) zerstoßen, mit der Kochbrühe verdünnen und durch ein Tuch passieren. Diese Krebsbrühe mit den ausgelösten frischen Schwänzen und Scheren in einer Pfanne kurz sanft aufwallen lassen, mit Gewürzen und Salz abschmecken und kalt stellen, bis die Masse geliert.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-010-orig" n="höflich vnd dewiges Essen" resp="#fyndling">Ein vornehmes und nahrhaftes Gericht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-010-orig" n="on schaden" resp="#fyndling">Bekömmlich, zuträglich, ohne Schaden für die Verdauung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-010-orig" n="Bersing" resp="#fyndling">Mehrdeutig; hier am ehesten kleine Krebse zur Brühe- und Geliergewinnung. Dialektal auch "Barsch" möglich, im reinen Krebskontext aber unwahrscheinlich.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-010-orig" n="beuch" resp="#fyndling">Die Körperpanzer (Carapax) der Krebse, die mitsamt Scheren und Schwänzen für Brühe und Gelierkraft zerstoßen werden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-010-orig" n="Gall" resp="#fyndling">Die Hepatopankreas (Mitteldarmdrüse) im Krebskopf, die wegen Bitterkeit entfernt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-010-orig" n="ein kleinen wall" resp="#fyndling">Ein kurzes, sanftes Aufwallen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-010-orig" n="Bersing" resp="#fyndling">Kleine Krebse, die für Brühe und Gelierkraft verwendet werden, da der Kontext durchgehend von Krebsen spricht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-011-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein feines Krebsmus, das wahlweise warm oder kalt aufgetragen wird - das ausgelöste Krebsfleisch wird mit Mandeln und etwas Weißbrot im Mörser zur Paste gestoßen, durch ein Tuch passiert und mit Butter und Gewürzen montiert. Es gehört in die Krebs-Familie des Buchs (vgl. Rotes Krebs-Mus, Mus von Krebsen) und ist im Kern dasselbe Prinzip wie eine moderne Krebsbutter oder eine sämige Krustentier-Vorspeise.

Warum kein Aspik. Der Buchtitel nennt es Gallrad (Gallerte) - doch das Rezept enthält kein Geliermittel (keine Hausenblase, keinen Sulzfond). Es „steht" allein durch die butterreiche, passierte Masse, die beim Erkalten fest wird. Gallrad meint hier also eine dicke, stockende Paste, keine durchsichtige Sülze - darum hier als Mus geführt. Wer eine echte gestockte Krebssülze sucht, findet sie bei der gesülzten Variante kkm-010.

Das Bittere aus den Köpfen. Hinter den Augen sitzt der Magenstein mit Sand und bitteren Resten, im Schwanz der Darmfaden - beide müssen raus, sonst knirscht und bittert das Mus. Das ist exakt die heutige Flusskrebs-Putztechnik.

Welsche Weinbeeren. Welsche Weinbeeren sind Rosinen (getrocknete Trauben aus dem romanischen Süden), nicht frische Trauben - der Kontrast zum ausdrücklich „frischen" Ingwer in derselben Zeile bestätigt das.

Praxis. Krebse (oder ersatzweise geschälte Garnelen, Langustenschwänze) kurz in Wein-Essig-Wasser anziehen, abkühlen, Fleisch auslösen und putzen. Mit blanchierten Mandeln und einer Handvoll altbackenem Weißbrot in Mörser oder Küchenmaschine zur glatten Paste arbeiten, mit etwas Weißwein lockern, durch ein Tuch streichen. In der Pfanne mit reichlich Butter erwärmen, mit Pfeffer, Ingwer, Muskat und Salz abschmecken, mit Wasser auf angenehme Säure-/Würzbalance einstellen. Warm mit Rosinen oder frischem Ingwer bestreuen; für die kalte Form gut durchkühlen lassen, bis es schnittfest steht, und mit Mandelstiften garnieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-011-orig" n="Gallrad" resp="#fyndling">Eigentlich „Gallerte". Hier aber irreführend: Das Rezept hat kein Geliermittel - das Mus stockt nur durch die butterreiche, passierte Masse. Gemeint ist eine dicke Paste, keine durchsichtige Sülze.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-011-orig" n="thu das bitter aus den köpffen" resp="#fyndling">Den Magenstein hinter den Augen entfernen (enthält Sand und bittere Reste) - sonst knirscht und bittert das Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-011-orig" n="treibe es durch ein Tuch" resp="#fyndling">Die gestoßene Masse durch ein feines Tuch passieren - der Standard für eine glatte, höfische Konsistenz.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-011-orig" n="temperiers mit Wasser" resp="#fyndling">Mit Wasser verdünnen, bis Essig, Wein und Gewürze in der Balance sind.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-011-orig" n="Welschen Weinbeeren" resp="#fyndling">Rosinen (getrocknete Trauben). „Welsch" = aus romanischen Ländern importiert; der Kontrast zum „frischen" Ingwer bestätigt die getrocknete Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-011-orig" n="bestecke sie mit Mandeln" resp="#fyndling">Mit Mandeln (meist in Stiften/Scheiben) garnieren, sobald das kalte Mus gestanden ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-011-orig" n="Gallrad" resp="#fyndling">Trotz des Namens „Gallerte" hier als dickes, stockendes Krebsmus gelesen - das Rezept nennt kein Geliermittel; die Masse wird allein durch Butter und Passieren fest.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-012-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Zwei Krebsgerichte in einem: zuerst gefüllte Krebse - das ausgelöste Fleisch wird mit Ei, Petersilie und Gewürzen zur Farce gebunden, in die intakten Rückenschalen zurückgefüllt und über Glut gebraten oder in Butter geröstet -, dann ein gestoßenes Krebsmus mit einer höfischen Anrichte-Idee. Die gefüllten Krebse sind der direkte Zwilling der Gefüllten Krebse vom Rost und der Gefüllten Krebse vom Spieß; das Mus gehört zur Kachelmus- und Krebsmus-Sippe.

Die Schale als Form und Hülle. Höfel und Ruckschalen sind die Rücken- bzw. Bauchpanzer der Krebse. Sie werden gefüllt, zwei davon mit den Köpfen zueinander aufeinandergesetzt - die Schale dient als natürliche Form und als Servierhülle, sodass der Krebs wieder wie ein ganzes Tier wirkt.

Bindung mit rohem Ei. Knirsche wol mit einem rohen Ey, so bleibt es kleberig - das rohe Ei ist der Klebstoff, der die gehackte Farce zusammenhält, bis sie auf dem Rost stockt. Das Gilben (Gelbfärben) geschieht mit Safran oder Eigelb.

Gestoßener Krebs. Im zweiten Teil werden die beiseitegelegten Krebse mit feiner Brotkrume im Mörser zerstoßen, durch ein Tuch passiert und mit den schönsten Scheren und Schwänzen aufgekocht - ein sämiges Mus, gebunden zeittypisch mit Brot, nicht mit Mehl.

Die Brot-Glocke als Anrichte-Trick. Stürtz oder Glocken weis: Ein Weißbrot wird innen ausgehöhlt, mit den geschälten Scheren gefüllt und als Kuppel in die Schüssel gestürzt. Darüber wird das Mus gelöffelt, ringsum legt man die kleinen Schwänze und Scheren - alles soll bedeckt sein, „dass nichts kahl bleibt". Eine reine Präsentationsfinesse der gehobenen Tafel, oben mit geklärter Butter beträufelt.

Praxis. Krebse (oder geschälte Garnelen/Zucht-Flusskrebse) garen, Fleisch auslösen, große Scheren zur Seite legen. Den Rest fein hacken, mit verquirltem Ei, gehackter Petersilie, Pfeffer, Ingwer, Muskat, Salz und etwas Safran mischen, mit einem rohen Ei binden. In gereinigte Schalenhälften füllen, paarweise zusammensetzen, auf Spießchen über Glut garen, bis die Füllung fest ist - oder in Butter braten. Für das Mus die übrigen Krebse mit feiner Brotkrume im Mörser/in der Küchenmaschine zur Paste stoßen, durch ein Tuch streichen, mit den Scheren aufkochen, würzen und gelb färben. Zum Anrichten ein ausgehöhltes Weißbrot mit Scheren füllen, stürzen und mit dem Mus übergießen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-012-orig" n="gilb sie ein wenig" resp="#fyndling">Etwas gelb färben, mit Safran oder Eigelb.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-012-orig" n="knirsche wol mit einem rohen Ey" resp="#fyndling">Die Farce gut mit einem rohen Ei verkneten - das Ei bindet, „so bleibt es kleberig und bei einander".</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-012-orig" n="Höfel oder Ruckschalen" resp="#fyndling">Die Rücken- bzw. Bauchpanzer der Krebse, die als Füllhülle und Form dienen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-012-orig" n="gestossen Krebs" resp="#fyndling">Krebsfleisch, das im Mörser mit feiner Brotkrume zur sämigen Farce/zum Mus zerstoßen wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-012-orig" n="rein gebeutelter Brotbrosam" resp="#fyndling">Fein gesiebte, rindenfreie Brotkrume - das zeittypische Bindemittel (Brot, nicht Mehl).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-012-orig" n="Stürtz / Glocken weis" resp="#fyndling">Ein innen ausgehöhltes Weißbrot, das wie eine Glocke/Sturzform über die Füllung gestürzt wird - ein Anrichte-Trick der gehobenen Tafel.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-012-orig" n="lauter Buttern" resp="#fyndling">Geklärte Butter (Butterschmalz).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-013-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gebackene Krebspastete im Teigmantel - eine süß-herzhafte Festtagsspeise, bei der Krebsfleisch mit Birnen, Feigen und Trauben in einem Pastetenteig geschichtet, mit gewürztem Wein begossen und im Ofen gegart wird. Sie steht neben der pfannengebackenen Schwester Krebstorte mit Früchten und der Gefüllten Torte mit Fisch oder Krebsen; eine verwandte Fastenpastete mit Krustentier ist die Jakobiner Pastete.

Süß trifft Krustentier. Die Kombination aus Krebsfleisch, Birnen, Feigen und Trauben wirkt heute ungewohnt, war aber typisch: Die süßen Früchte und der gewürzte Wein bilden den Kontrast zum milden Krebsfleisch - dieselbe Süß-herzhaft-Achse, die die ganze gehobene Küche der Zeit durchzieht.

Teighafen und Scherben. Der Teighafen ist der Pastetenmantel aus Teig (der „Topf aus Teig"), der die Füllung aufnimmt; die Scherben ist die irdene Backschale, in die der Teighafen gesetzt wird. Die Butter dazwischen verhindert das Ankleben. Das Beschlagen der Ränder mit geschlagenem Ei versiegelt die Kanten, „so weichen sie nicht".

Stoßen heißt hier einlegen. Stos die Krebsscheren, Bäuche und Schwänze nach der Länge darein meint einlegen/der Länge nach anordnen, nicht im Mörser zerstoßen - die Krebsteile bleiben ganz und werden in der Pastete geschichtet.

Sieden oder braten. Las sieden oder brahten: gedeckt-feucht garen oder offen bräunen. Die Warnung gibts rauch, so brennet es und das Wenden mit Butter begießen verraten, dass die Pastete im heißen, schwer regelbaren Ofen ständig im Auge behalten werden musste.

Praxis. Krebse (oder geschälte Garnelen/Zucht-Flusskrebse) garen und auslösen. Einen Pastetenteig in eine Form legen, mit verquirltem Ei, gehackter Petersilie, Birnenschnitzen, Feigen und Trauben füllen, die Krebsteile der Länge nach einlegen. Einen gewürzten Weißwein (Pfeffer, Ingwer, Muskat, Salz) angießen, die Ränder mit Ei verstreichen, mit Butter belegen und bei ca. 180 °C backen, bis die Kruste goldbraun und die Füllung gestockt ist; bei mittelalterlicher Feuerung zwischendurch wenden und mit Butter beträufeln.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-013-orig" n="teighafen" resp="#fyndling">Der Pastetenmantel aus Teig - der „Topf aus Teig", der die Füllung umschließt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-013-orig" n="scherben" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#scherben">Die irdene Backschale, in die der Teighafen zum Backen gesetzt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-013-orig" n="renff" resp="#fyndling">Die Ränder der Pastetenkruste; mit geschlagenem Ei bestrichen, damit sie nicht aufweichen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-013-orig" n="was jm brech" resp="#fyndling">Was ihm (dem Wein) fehlt - zum Abschmecken und Nachwürzen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-013-orig" n="stos ... nach der leng darein" resp="#fyndling">Hier „einlegen / der Länge nach anordnen", nicht im Mörser zerstoßen - die Krebsteile bleiben ganz.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-013-orig" n="gibts rauch, so brennet es" resp="#fyndling">Praxiswarnung für den schwer regelbaren Ofen: Raucht es, brennt die Pastete an - daher wenden und mit Butter begießen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-013-orig" n="stos ... nach der leng darein" resp="#fyndling">„Stoßen" hier als einlegen/anordnen gelesen, da die Krebsteile ganz in der Pastete geschichtet werden - nicht als Zerstoßen im Mörser.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-014-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Krebstorte aus der Pfanne - eine gedeckte Ei-Käse-Füllung mit Krebsfleisch, Kräutern und wahlweise Birnen, Feigen oder süßen Äpfeln, gegart in einer Pfanne mit aufgelegtem Deckel über Glut. Die Schwester der gebackenen Krebspastete mit Früchten und Wein und der Gefüllten Torte mit Fisch oder Krebsen; die Ei-Käse-Frucht-Füllung teilt sie mit der Pastete von Eiern und Käse.

Ei-Käse-Füllung, wahlweise mit Lebkuchen. Die Bindung kommt aus Eiern und geriebenem Käse - oder, als süß-würzige Variante, aus geriebenem Lebkuchen. Ist die Masse zu dünn, wird sie mit Milchraum (Sahne) gebunden. Safran gibt die goldene Farbe, Petersilie, Salbei und Polei die Würze.

Stoßen heißt hier untermischen. Stos die Krebs ein und mit den Krebsen drein gestossen meint hier das Einarbeiten/Untermischen des (fein gehackten oder leicht zerdrückten) Krebsfleischs in die Füllung - die ganzen Früchte werden ja ebenfalls nur „eingestoßen", also eingelegt, nicht zu Brei verarbeitet.

Garen wie im Dutch Oven. Mach die Deck über die Teigpfanne, thu Butter darauf, setz über ein klein Fewr ... röst Kohlen darum, oder treib die Pfann herum: Glut unten und oben, Pfanne regelmäßig drehen - das klassische Garen im gedeckelten Topf über Feuer. Warte auf den Rauch ist die Brand-Warnung; ist der Deckel braun, ist die Torte fertig. Zum Schluss wird der ganze Teighafen in eine weite Schüssel gestürzt, aufgetragen und erst bei Tisch in Stücke geteilt.

Achtung Polei. Poley (Polei-Minze, Mentha pulegium) ist in größeren Mengen giftig und heute nicht zum Verzehr zu empfehlen - im Original eine geläufige Würzpflanze, modern durch Pfefferminze oder eine andere Minze ersetzen.

Praxis. Pfanne fetten, Tortenteig einlegen. Füllung aus verquirlten Eiern und geriebenem Käse (oder geriebenem ungeglastem Honig-Lebkuchen) anrühren, bei Bedarf mit Sahne lockern, mit Pfeffer, Ingwer, Muskat, Salz, Safran und gehackten Kräutern (Petersilie, Salbei, etwas Minze) würzen. Fein gehacktes Krebsfleisch (oder geschälte Garnelen/Zucht-Flusskrebse) und optional Birnen-/Feigen-/Apfelschnitze untermischen, einfüllen, Deckel auflegen, Butter darauf, über und unter Glut garen, bis der Deckel braun ist.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-014-orig" n="feist Pfann" resp="#fyndling">Eine gefettete Pfanne - damit der Teig nicht ankleben.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-014-orig" n="Temperiers wol" resp="#fyndling">Gut verrühren/abmischen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-014-orig" n="Milchraum" resp="#fyndling">Sahne/Rahm - zum Binden, falls die Füllung zu dünn ist.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-014-orig" n="Poley" resp="#fyndling">Polei-Minze (Mentha pulegium) enthält Pulegon und ist in Kochmengen leicht giftig - heute wird sie aus gutem Grund nicht mehr verwendet. Nimm stattdessen reguläre Minze (z.B. Pfefferminze).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-014-orig" n="stos die Krebs ein" resp="#fyndling">Hier „untermischen / einarbeiten" des fein zerkleinerten Krebsfleischs in die Füllung - parallel zum „Einstoßen" der ganzen Früchte (= einlegen).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-014-orig" n="dempff mit buttern" resp="#fyndling">Mit Butter dämpfen/begießen während des Garens unter dem Deckel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-014-orig" n="stos die Krebs ein" resp="#fyndling">Als „untermischen/einarbeiten" gelesen: das Krebsfleisch (fein gehackt oder leicht zerdrückt) wird in die Füllung eingearbeitet - parallel zu den nur „eingestoßenen" (eingelegten) ganzen Früchten, nicht zu Brei zerstoßen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-015-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Im Ausbackteig frittierte Krebse - jedes ausgelöste Stück einzeln durch einen gelben Eierteig gezogen und in heißem Fett goldbraun gebacken. Aus den kleinen Scheren und Bruchstücken werden kleine Küchlein oder Strauben gebacken. Verwandt mit den Bunten Eiern in Ausbackteig und, beim Krebs, den Gebackenen Flusskrebs-Küchlein.

„Backen" heißt frittieren. Back sie meint hier in Fett ausbacken/frittieren, nicht im Ofen backen - die übliche Garart für teigummantelte Häppchen dieser Zeit, passend zum dünnen Teiglein.

Der gelbe Teig. Ein dünner Eierteig, gewürzt und gesalzen, gibt die knusprige Hülle. Hast du nicht schöne Eyer - sind die Eier also nicht von Natur aus dottergelb -, hilft eine Prise Safran für die schöne goldene Farbe nach. Safran wirkt hier zugleich als Statusgewürz.

Reste als Strauben. Was zu klein zum Wenden ist (kleine Scheren, Bruchstücke), kommt nicht in den Müll, sondern wird in Küchlins weis oder Strauben weis gebacken - als kleine Krapfen/Strauben (frittiertes Schmalzgebäck). Eine sparsame, wertschätzende Resteverwertung der teuren Zutat.

Praxis. Krebse (oder geschälte Garnelen/Langustenschwänze) garen und auslösen. Einen dünnflüssigen Eierteig aus Eiern, Salz und Gewürz (bei Bedarf etwas Safran) anrühren - nicht zu dünn, nicht zu dick. Die Stücke einzeln darin wenden und in ca. 170 °C heißem Schmalz/Öl goldbraun ausbacken; kleine Reste mit etwas mehr Teig zu Küchlein/Strauben formen und mitfrittieren. Warm servieren, nach Belieben mit Honig und Zucker bestreuen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-015-orig" n="Gebackens" resp="#fyndling">Gebackenes - hier im Sinne von Frittiertem (in Fett ausgebacken).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-015-orig" n="welg" resp="#fyndling">Wälze/wende (im Teig) - jedes Stück einzeln durch den Ausbackteig ziehen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-015-orig" n="Strauben weis" resp="#fyndling">Nach Art von Strauben - frittiertem, krapfenartigem Schmalzgebäck.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-015-orig" n="Hast du nicht schöne Eyer" resp="#fyndling">Sind die Eier nicht von Natur dottergelb genug, hilft eine Prise Safran für die goldene Farbe nach.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-016-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Krebsmus in zwei Varianten - warm als sämiger, milchgebundener Brei, kalt als festere, wein- oder essigsaure Form, in die ganze Schwänze und Scheren eingelegt und „wie ein Gebratenes" aufgetragen werden. Es gehört zur Krebsmus-Sippe des Korpus: Rotes Krebs-Mus, Mus von Krebsen, Krebspfeffer und die Lebkuchen-Variante Kachelmus.

Die blaue Farbe. Kornblumensaft aus den Blüten der Kornblume (Centaurea cyanus) gibt die ungewöhnliche blaue bis violette Tönung - die periodentreue blaue Speisefarbe (vgl. Speisefarben). Von höflichen farben machs also on schaden: Mit guter Milch verschlagen und mit feinem Mehl gebunden ergibt das einen zart gefärbten, glatten Brei. Lässt sich der Kornblumensaft nicht beschaffen, bleibt das Mus eben hell - keine moderne Behelfsfarbe nötig.

Putzen und Stoßen. Wirff nur die Gall aus dem Haubt - der bittere Magenstein hinter den Augen muss raus. Dann werden die Krebse mit Wein im Mörser gestoßen, wahlweise geschält oder mitsamt Schalen (Schalen geben mehr Farbe und Aroma), mit Weißbrot gebunden und durch ein Tuch passiert.

Gezworen mit Mehl und Honig. Das Wort gezworen ist dunkel; im Zusammenhang am ehesten „(das Müslin/Töpfchen) zuvor mit Mehl und Honig ausgestrichen", damit nichts ansetzt und etwas Süße hineinkommt - sicher ist die Lesart aber nicht (siehe interpretive_choices).

Warm oder kalt. Warm wird es wie ein Kindermus (so glatt wie Babybrei) gesotten - je mehr gestoßener Krebs, desto besser die Bindung -, mit Butter und Ingwer bestreut. Kalt wird es mit Wein oder Essig gemacht, die großen Schwänze und Scheren eingelegt, gut erkaltet als seltsams Essen (eine Rarität) aufgetragen.

Die Diätetik-Nachrede. Der zweite Textteil ist kein Kochschritt, sondern ein Einschub zur Vier-Säfte-Lehre (Humoralpathologie): Kalte, schleimige Speisen wie Fisch und Krebs müsse man mit Gewürzen „abtemperieren", jeder solle nach seiner Komplexion (heiß/kalt/trocken/nass) essen. Solche enzyklopädischen Gesundheits-Exkurse waren in Kochbüchern der Zeit üblich; die abschließende Bemerkung über die Frauen spiegelt zeittypische, heute überholte medizinische Ansichten.

Praxis. Krebse garen, putzen, mit etwas Weißwein und altbackenem Weißbrot zur Paste stoßen, durch ein Tuch streichen. Für die warme Form: gute Milch mit etwas Mehl und (falls vorhanden) Kornblumensaft glattrühren, die Krebspaste einarbeiten, mit Pfeffer, Ingwer, Muskat und Salz würzen, sämig sieden, mit Butter und Ingwer bestreuen. Für die kalte Form: mit Wein/Essig statt Milch arbeiten, mit einem Stäubchen Mehl binden, ganze Schwänze und Scheren einlegen und gut durchkühlen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-016-orig" n="Müslin" resp="#fyndling">Diminutiv von „Mus" - hier sowohl das Gericht (Brei/Püree) als auch das kleine Mus-Töpfchen, in dem es gesotten wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-016-orig" n="Kornblumensafft" resp="#fyndling">Saft aus Kornblumenblüten (Centaurea cyanus) - die periodentreue blaue Speisefarbe; gibt dem Mus eine blaue bis violette Tönung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-016-orig" n="wirff nur die Gall aus dem Haubt" resp="#fyndling">Den bitteren Magenstein hinter den Augen entfernen - sonst bittert das Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-016-orig" n="gezworen mit Mehl vnd Honig" resp="#fyndling">Dunkles Wort; am ehesten „(das Töpfchen) zuvor mit Mehl und Honig ausgestrichen", damit nichts ansetzt - die Lesart bleibt unsicher.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-016-orig" n="als ein Kindermus" resp="#fyndling">So glatt und sämig wie ein Babybrei - eine Konsistenz-Angabe.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-016-orig" n="gebrahtens" resp="#fyndling">Wörtlich „Gebratenes", obwohl kalt serviert - hier als Standes-/Wertbezeichnung für ein besonders reichhaltiges Gericht gebraucht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-016-orig" n="Complexion" resp="#fyndling">Die vier Komplexionen der Säftelehre (Humoralpathologie): heiß, kalt, trocken, nass - sie bestimmten, was als bekömmlich galt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-016-orig" n="heimligkeit" resp="#fyndling">Euphemismus für die weibliche Physiologie in zeitgenössischen medizinischen Texten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-016-orig" n="gezworen mit Mehl vnd Honig" resp="#fyndling">Am ehesten „(das Mus-Töpfchen) zuvor mit Mehl und Honig ausgestrichen/beschichtet", damit nichts ansetzt und etwas Süße hineinkommt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-016-orig" n="gebrahtens" resp="#fyndling">Als Standes-/Wertbezeichnung gelesen: das kalt servierte Mus wird „wie ein Gebratenes" aufgetragen, also einem Braten gleichgestellt - nicht wörtlich gebraten (es heißt ausdrücklich „wol erkaltet").</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-017-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gesottene Flusskrebse - das mittelalterliche Pendant zum modernen Krebs- oder Hummerkochen. Die Krebse werden mit etwas Flüssigkeit zugedeckt gegart und am Farbumschlag erkannt: wann sie rot werden, so haben sie ein genüg. Dieser Garpunkt-Test gilt unverändert bis heute - das in der Schale enthaltene Astaxanthin tritt beim Erhitzen hervor und färbt den Panzer leuchtend rot.

Gegart wird im zugedeckten Hafen (Topf) mit Wein, Essig oder Wasser - also wenig Flüssigkeit, eher dämpfend als schwimmend gekocht. Wein und Essig bringen Säure und Aroma; Salz und Pfeffer würzen. Das Zudecken hält den Dampf im Topf, sodass die Krebse gleichmäßig garen. Serviert wird heiß in zugedeckten Schüsseln, damit sie bei Tisch nicht auskühlen.

Die empfohlene Beilage ist eine Weichsel-Salse - die Sauerkirsch-Sauce, die im selben Buch eigens beschrieben ist (vgl. kkm-102). Süß-saure Fruchtsauce zu Krustentier ist eine typisch mittelalterliche Paarung: die Säure und Frucht setzen einen Gegenpol zum süßlichen Krebsfleisch.

Der Schlusssatz - wer Fisch und Krebs isst, solle nicht Milch und Wasser dazu trinken - ist kein Kochschritt, sondern ein Speiseregel-Merksatz aus der Säftelehre (Humoralpathologie). Fisch, Krebs, Milch und Wasser galten als "kalt"; ihre Häufung sollte vermieden werden.

Praxis. Lebende Flusskrebse (oder ersatzweise Flusskrebsschwänze, Garnelen) in einen Topf geben, mit einem Schuss Weißwein und Essig, Salz und Pfeffer angießen - nur so viel Flüssigkeit, dass der Boden bedeckt ist. Zugedeckt über dem Feuer aufkochen; sobald der Panzer durchgehend rot ist (wenige Minuten), sind sie fertig. Heiß auftragen, dazu eine Sauerkirsch-Sauce reichen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-017-orig" n="Hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Großer Topf oder Kessel aus Keramik oder Metall.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-017-orig" n="wann sie rot werden" resp="#fyndling">Garprobe: der Farbumschlag des Panzers zu Rot zeigt den Garpunkt an - gilt bis heute.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-017-orig" n="Weichsel Salsen" resp="#fyndling">Sauerkirsch-Sauce, im selben Buch eigens beschrieben (kkm-102) - die süß-saure Begleitung zum Krebsfleisch.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-017-orig" n="hüte sich vor Milch vnd Wasser" resp="#fyndling">Speiseregel aus der Säftelehre: Fisch, Krebs, Milch und Wasser galten als "kalt" und sollten nicht gehäuft werden - kein Kochschritt, sondern Diätetik.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-018-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kleine Krebs-Küchlein - Krebsfleisch mit Mehl und Gewürz zur Masse gehackt, von Hand zu Patties geformt, durch einen gelben Ausbackteig gezogen, frittiert und mit Zucker bestreut. Die süß-herzhafte Schwester der im Ganzen frittierten Krebse; verwandt mit den Gefüllten Garnelen/Flusskrebsen und der Krebssuppe aus dem Tegernseer Buch.

Honig an den Händen. Bestreich die Hend inwendig mit Honig - die honigbestrichenen Handflächen verhindern, dass die klebrige Krebsmasse beim Formen anhaftet, und geben den Küchlein zugleich einen Hauch Süße. Ein praktischer Kniff, kein Schauelement.

Der gelbe Teig. Gilb ein Teiglin: eine dünne Teighülle/Panade, gelb gefärbt - in diesem Buch durchweg mit Safran (oder behelfsweise Eigelb). Die geformten Küchlein werden hindurchgezogen und dann in heißem Fett goldbraun gebacken.

Backen heißt frittieren. Back sie braun meint hier in Fett ausbacken, nicht im Ofen - die typische Garart für so kleine, panierte Häppchen.

Trocken oder im Schälchen. Trucken serviert werden sie mit Zucker bestreut; in eim Ziselin (in einem kleinen Schälchen) auch mit etwas Sauce. Wieder die zeittypische Süß-herzhaft-Kombination.

Die Diätetik-Nachrede. Der Schlusssatz ist kein Kochschritt, sondern ein enzyklopädischer Einschub: Fisch, Krebs und Biberschwänze gerieten besser, in Wein gesotten als in Wasser; fette Speisen seien schädlich; und ein Aal könne acht Jahre leben und sechs Tage ohne Wasser bleiben. Solche Gesundheits- und Naturkunde-Notizen waren in Kochbüchern der Zeit gängig.

Praxis. Krebse (oder geschälte Garnelen) in Salzwasser garen, Fleisch auslösen. Mit etwas Mehl, Salz und Gewürz (Pfeffer, Ingwer, Nelke) fein hacken zur formbaren Masse. Hände mit Honig bestreichen, kleine Küchlein formen. Einen dünnen, mit Safran gelb gefärbten Eierteig anrühren, die Küchlein hindurchziehen und in ca. 170 °C heißem Schmalz/Öl goldbraun frittieren. Trocken mit Zucker bestreuen oder mit einer Sauce im Schälchen servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-018-orig" n="Küchlin" resp="#fyndling">Kleine Küchlein/Patties aus der Krebsmasse.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-018-orig" n="bestreich die Hend inwendig mit Honig" resp="#fyndling">Die Handflächen mit Honig bestreichen - damit die klebrige Masse beim Formen nicht anhaftet und etwas Süße aufnimmt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-018-orig" n="gilb ein Teiglin" resp="#fyndling">Eine dünne Teighülle gelb färben - in diesem Buch mit Safran (behelfsweise Eigelb).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-018-orig" n="Back sie braun" resp="#fyndling">In Fett goldbraun ausbacken (frittieren), nicht im Ofen backen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-018-orig" n="Ziselin" resp="#fyndling">Ein kleines Schälchen, in dem die Küchlein - eventuell mit Sauce - serviert wurden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-018-orig" n="Biberschwentz" resp="#fyndling">Biberschwänze - im Mittelalter als „Fisch" und damit als Fastenspeise eingestuft; hier nur in der angehängten Diätetik-Notiz erwähnt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-018-orig" n="welge die Tüchlin zusamen" resp="#fyndling">Tüchlin als Verschreibung für Küchlin gelesen: die Krebsmasse wird zu kleinen Küchlein geformt - die folgende Anweisung, sie durch den Teig zu ziehen, setzt bereits geformte Patties voraus.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-019-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein im eigenen Fett gegrillter Aal mit Kräuterfüllung - der unmittelbare Verwandte des bis heute geräucherten und gegrillten Aals der Flussküchen, hier aber frisch über der Glut gegart. Fast wortgleich überliefert als bgs-018 ("Gegrillter Aal mit Kräuterfüllung").

Der Clou ist die Haut als natürlicher Bratschlauch: Man zieht sie zum Kopf hin ab (wie einen Strumpf), nimmt den Fisch aus, füllt und bestreicht ihn mit der Kräuter-Gewürz-Paste und zieht die Haut wieder bis zum Schwanz darüber. Die Haut hält die Füllung am Fleisch und schützt es vor dem direkten Feuer; das fette Aalfleisch liefert genug Eigenfett (sein eigen Schmaltz), sodass kein zusätzliches Fett nötig ist.

Die Füllung ist eine feuchte Kräuterpaste: Petersilie, Salbei, Lorbeer und Majoran fein gehackt, mit Essig und Wein angefeuchtet (temperieres), dazu Ingwer, Nelken, Muskat und Salz. Die Säure schneidet das fette Fleisch - dieselbe süß-saure bzw. fett-kontert-Logik wie überall in der Aalküche.

Bis du dadurch greiffest ist die Garprobe der Stück-Variante: Wenn das Fleisch so weit gegart ist, dass es sich vom breiten Holzspieß löst und man hindurchfassen kann, ist der Aal gar.

Praxis. Aal (aus nachhaltiger Zucht; ersatzweise Wels oder eine fette Forelle) häuten, ausnehmen, dabei die Gallenblase nicht verletzen. Kräuter fein hacken, mit 2-3 EL Essig und etwas Wein anfeuchten, mit je einer Prise Ingwer, Nelke, Muskat und Salz mischen. Den Fisch innen und außen damit bestreichen, Haut zurückziehen, auf den heißen Rost legen und wenden, bis gar. Oder in Stücke teilen, auf einen breiten, frischen Holzspieß reihen und über der Glut drehen. Mit einer Sauce (Salsen) oder schlicht gestoßenem Ingwer servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-019-orig" n="Beimenten" resp="#fyndling">Lorbeerblätter.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-019-orig" n="Metrin" resp="#fyndling">Majoran (alte Form von Meiran/Majoran).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-019-orig" n="temperieres" resp="#fyndling">anfeuchten/anrühren - hier die gehackten Kräuter mit Essig und Wein durchfeuchten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-019-orig" n="geheck" resp="#fyndling">das Gehackte, hier die Kräuter-Gewürz-Füllung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-019-orig" n="breitlecht höltzin spislin" resp="#fyndling">breiter hölzerner Spieß aus frischem, grünem Hartholz, damit er über der Glut nicht sofort verbrennt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-019-orig" n="bis du dadurch greiffest" resp="#fyndling">Garprobe: wenn das Fleisch sich vom Spieß löst und man hindurchgreifen kann, ist der Aal gar.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-019-orig" n="Schmaltz" resp="#fyndling">Fett - hier das Eigenfett des fetten Aals, das zusätzliches Fett überflüssig macht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-019-orig" n="Salsen" resp="#fyndling">Saucen (zu lat. salsa).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-020-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Kochrezept, sondern ein Bestiarium-Eintrag mit Heilkunde: eine naturkundliche Beschreibung des Bibers und der Arznei Castoreum aus seinen Drüsen. Das eigentliche Biber-Gericht steht woanders im Korpus, etwa der gekochte Biberschwanz in Wein-Gewürz-Sauce (vgl. sev-060).

Warum der Biber als Fisch galt. Der Text teilt das Tier kurzerhand in halb Fleisch, halb Fisch und betont den fetten, ellenlangen Schwanz. Das ist kein Irrtum, sondern Fasten-Logik: was im Wasser lebte, durfte in der Fastenzeit gegessen werden. Der Biberschwanz war damit ein gefragter Fasten-Braten, und genau deshalb steht der Biber in einem Kochbuch.

Castoreum. Das Bibergeil - in Wahrheit ein Drüsensekret, nicht die Hoden, auch wenn der Text sie so nennt - galt als Allheilmittel: gegen Fallsucht, Lähmung, Bauchweh und zur Geburtshilfe. Pharmazeutisch ist es heute bedeutungslos; in der Parfümerie lebt es als (meist synthetischer) Duftstoff weiter.

Praxis. Nichts nachzukochen. Biber sind in Deutschland und der EU streng geschützt und tabu. Wer die Textur des historischen Schwanzbratens probieren will, weicht auf die invasive Nutria (Sumpfbiber) aus, die der Wildhändler legal führt; zweite Wahl ist Kaninchen. Die Zubereitung steht bei sev-060.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-020-orig" n="Meerhund" resp="#fyndling">Historische Bezeichnung für Seehund oder Robbe.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-020-orig" n="schwanger" resp="#fyndling">Im frühneuhochdeutschen Kontext hier: dick, schwer, massig gebaut (nicht 'trächtig' im modernen Sinne).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-020-orig" n="Elen" resp="#fyndling">Elle, ein historisches Längenmaß, das je nach Region zwischen 50 und 70 cm variierte.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-020-orig" n="fallenden Siechtag des Haubts" resp="#fyndling">Epilepsie.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-020-orig" n="Schlag der Zungen" resp="#fyndling">Zungenlähmung, oft im Kontext eines Schlaganfalls.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-020-orig" n="Bauwehe" resp="#fyndling">Bauchweh.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-020-orig" n="blest im leibe" resp="#fyndling">Blähungen, Winde im Leib.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-020-orig" n="der Frawen Zeit" resp="#fyndling">Die Menstruation der Frau.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-020-orig" n="die ander Geburt" resp="#fyndling">Die Nachgeburt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-020-orig" n="schwanger" resp="#fyndling">massig, schwer gebaut - im Frühneuhochdeutschen ein gängiger Sinn von schwanger (schwer beladen), hier auf die Statur des Tieres bezogen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-021-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine knappe Fastentags-Anleitung zum Kochen verschiedener Fische - kein einzelnes Gericht, sondern drei Wege nebeneinander: getrockneter Stockfisch, frischer Süßwasserfisch (Rheinfisch, Bolchen) und geräucherter Fisch, alle als erlaubte Speise neben Suppen oder Kraut für die Fastenzeit. Verwandt mit den Stockfisch-Anleitungen des Ménagier (men-194) und Severin (sev-095).

Blewen heißt klopfen/weichschlagen: Stockfisch ist hartgetrockneter Kabeljau, der erst durch Klopfen und langes Einweichen (in Wein oder Wasser) wieder gar- und genießbar wird. Erst danach wird er gewürzt und fertiggestellt.

Bolchen ist ein Süßwasser-Weißfisch, am ehesten Felchen/Renke; Fischnamen waren regional sehr uneinheitlich (siehe interpretive_choices).

Praxis. Stockfisch zunächst klopfen und mehrere Stunden bis Tage in Wein oder Wasser einweichen, dann garen und mit Gewürzen abschmecken. Rheinfisch und Bolchen einfach in Wasser sieden. Alle drei sowie geräucherte Fische an Fastentagen mit einer Suppe oder mit Kraut (Weißkraut/Sauerkraut) reichen. Für frischen und geräucherten Fisch genügt schlichtes Kochen oder Erwärmen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-021-orig" n="blewen" resp="#fyndling">Klopfen, weichschlagen - der hartgetrocknete Stockfisch wird vor dem Einweichen mürbe geschlagen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-021-orig" n="Bolchen" resp="#fyndling">Süßwasser-Weißfisch, am ehesten Felchen/Renke. Siehe interpretive_choices.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-021-orig" n="würtz abmachen" resp="#fyndling">Mit Gewürzen abschmecken und fertigstellen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-021-orig" n="Fasttagen" resp="#fyndling">Fastentage - im christlichen Kalender Tage ohne Fleisch, an denen Fisch erlaubt war.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-021-orig" n="Bolchen" resp="#fyndling">Ein Süßwasser-Weißfisch, am ehesten Felchen/Renke.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-022-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine vielseitige, leicht süß-würzige Gemüse-Grundbrühe zum Aufpeppen anderer Suppen - die frühneuzeitliche Antwort auf den modernen Brühwürfel oder Fond. Sie steht in einem Fasten-Kontext (vegetarisch, mit Fisch serviert).

Dürr Ruben brüh. Am ehesten eine Brühe aus dürren (eingelagerten, schrumpeligen) Rüben - dem Wintervorrat an Steck- oder Wasserrüben. Die Lesart "getrocknete, eingedampfte Brühe als haltbares Pulver" ist denkbar, geht aber über den Wortlaut hinaus; sicher ist nur, dass eine kräftige Rübenbrühe gemeint ist. Rüben meint hier die alten Speiserüben (Steckrübe, Wasser-/Mairübe, Teltower Rübchen), nicht die erst später verbreitete Zuckerrübe.

Süß-würzig abschmecken. Honig und optional Zucker setzen einen süßen Grundton, Salz und Würz kontern ihn - die typische süß-herzhafte Achse der Zeit. Würz ist eine Gewürzmischung (Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelke); der Ingwer wird zusätzlich über die fertige Suppe gestreut.

Brotsuppen veredeln. Die Brühe ist als Verstärker gedacht: sie hebt eine Erbsensuppe oder jede Suppe von gebähtem Brot - eine Einbrocksuppe aus geröstetem/eingeweichtem Brot, das mittelalterliche Standard-Bindemittel.

Praxis. Rüben (Steckrübe/Mairübe) in reichlich Wasser weich kochen, durch ein Tuch klären, mit 1-2 EL Honig, Salz und einer Prise Gewürzmischung abschmecken, zum Schluss Ingwer aufstreuen. Als eigenständige Suppe oder als Schuss in Erbsen-/Brotsuppe. Heißer, gedünsteter Weißfisch dazu macht es fastentauglich.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-022-orig" n="dürr Ruben brüh" resp="#fyndling">Getrocknete Rübenbrühe. Rüben (Steckrüben oder Teltower Rübchen) waren ein Grundnahrungsmittel. Die Trocknung diente der Haltbarmachung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-022-orig" n="leuter" resp="#fyndling">Läutern, klären, reinigen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-022-orig" n="abseihen" resp="#fyndling">Abseihen, durch ein Sieb oder Tuch passieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-022-orig" n="gebehtem Brot" resp="#fyndling">Eingeweichtes Brot, oft als Bindemittel oder zur Sättigung in Suppen verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-022-orig" n="Jmber" resp="#fyndling">Ingwer.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-022-orig" n="würtz" resp="#fyndling">Gewürze, meist eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat, Safran.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-022-orig" n="dürr Ruben brüh" resp="#fyndling">Brühe aus dürren (eingelagerten, eingeschrumpften) Rüben - dem Wintervorrat.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-023-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein warmes Kirschenmus - ein gebundenes Frucht-Püree, das als süße Speise serviert wird. Es ist der Vetter des Powidl und der vielen mittelalterlichen Frucht-Müser (Feigenmus, Rosinenmus, Pflaumenmus), die quer durch die Kochbücher laufen. Der Text nennt die Verwandtschaft selbst: ebenso lassen sich Amarellen-, Weichsel- und Erdbeermus machen.

Die Kirschen werden mit Kern und allem im Mörser zerstoßen. Das ist Absicht: die zerstoßenen Kerne geben eine feine Bittermandel-Note ab. Beim Kochen wird das verantwortliche Enzym deaktiviert, sodass im fertigen Mus praktisch keine Blausäure verbleibt - dasselbe Prinzip wie bei Bittermandellikören. Wer den Mörser-Aufwand scheut, entsteint und gibt einen Tropfen Bittermandelaroma zu.

Gebunden wird doppelt: zuerst mit in Wein geweichtem Weißbrot - das zeittypische Bindemittel -, dann mit einem steublin Mehl, einer Prise Mehl. Der Text gibt dafür die genaue Anweisung: das Mehl vorher gut mit Wein verrühren (zwieren), ehe es in die Masse kommt, dann rühren bis es kocht - so klumpt es nicht und müset es sich, dickt also zur Mus-Konsistenz ein. Das ist eine frühe Mehl-Anrührbindung, wie sie in den späteren Quellen des 16. Jahrhunderts neben der älteren Brotbindung auftaucht.

Gekrönt wird das fertige Mus mit lauter Schmaltz (geklärtem Schmalz) und Gewürzen - eine glänzende, würzige Fett-Haube, die obenauf gegeben wird. Roter Wein, sagt der Text ausdrücklich, passt besser als weißer; er gibt Farbe und Tiefe.

Praxis. 500 g Kirschen (entsteint oder mit ein paar mitgemörserten Kernen für das Aroma) mit 100 g getrockneten Feigen und 50 g Rosinen sowie ein paar in Rotwein eingeweichten Weißbrotscheiben fein pürieren, mit insgesamt etwa 250 ml Rotwein durch ein Sieb oder Tuch treiben - nicht zu dick, nicht zu dünn. 1 TL Mehl glatt mit etwas Wein verrühren, zur Masse geben, mit 20 g Butter in der Pfanne unter Rühren aufkochen, bis es eindickt. Anrichten, mit etwas geklärtem Schmalz (oder Butter) und gemahlenen Gewürzen (Zimt, Nelken, Ingwer) bestreuen. Warm servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-023-orig" n="mit Kern vnd al" resp="#fyndling">Mitsamt den Kernen zerstoßen - für die Bittermandel-Note. Das Kochen deaktiviert das Enzym, sodass im fertigen Mus praktisch keine Blausäure verbleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-023-orig" n="steublin Mehl" resp="#fyndling">Eine Prise Mehl - hier als Anrührbindung (vorher mit Wein glattgerührt), zusätzlich zur älteren Brotbindung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-023-orig" n="zwieren" resp="#fyndling">Gründlich verrühren - das Mehl mit Wein klumpenfrei anrühren, ehe es in die heiße Masse kommt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-023-orig" n="müset es sich" resp="#fyndling">Es dickt ein und wird zu Mus - der Bindungs-Effekt beim Aufkochen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-023-orig" n="lauter Schmaltz" resp="#fyndling">Geklärtes, reines Schmalz - hier als glänzende, würzige Fett-Haube über das fertige Mus gegeben.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-024-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gestocktes Mandelmilch-Reis-Mus, das fest erkaltet, in Stücke geschnitten und mit dicker Mandelmilch übergossen wird - ein Fasten-Dessert aus der großen Mandelmus-Familie (blanc manger), das hier so dick gebunden ist, dass es sich schneiden lässt. Eng verwandt mit dem Mandelmus aus Reismehl (m5919-030) und dem Mandel-Reis-Mus (foc-093); das blaue Schwester-Rezept im selben Buch ist kkm-026.

Gerennet Milch. Der Titel meint "geronnene/gestockte Milch". Hier rinnt aber nichts im Sinne von Sauermilch - die Masse stockt, weil das Reismehl die Mandelmilch beim Kochen so stark bindet, dass sie kalt schnittfest wird. Reine Stärke-Bindung, kein Lab, kein Gelee.

Zwei Mandelmilch-Stärken. Aus den gestoßenen Mandeln wird die erste, dickste Pressung (die besten) abgeseiht und beiseitegestellt - sie kommt am Ende als Sauce darüber. Die zweite, dünnere Milch geht ans Feuer und wird mit Reismehl zum Mus verkocht. Mehrfaches Auspressen mit nachgegossenem Wasser ist die Standard-Mandelmilch-Technik.

Wecklins weis. Die erkaltete, feste Masse wird in kleine, brötchen-/wecken-förmige Stücke geschnitten - es geht um mundgerechte Portionen, die exakte Form variiert regional.

Garnitur. Mandeln, vergült oder geferbt: mit Blattgold belegt (Festtafel) oder periodentreu eingefärbt - gelb mit Safran, rot mit Sandelholz. Keine modernen Behelfsfarben.

Praxis. 200 g Mandeln blanchieren, stoßen, zweimal auspressen (erste dicke Milch zur Seite). 200 g Reis zu Mehl mahlen, in die dünnere, noch nicht heiße Milch einrühren und unter ständigem Rühren zu einem sehr dicken Mus kochen (sonst brennt es an). In eine feuchte Schüssel stürzen, mehrere Stunden kalt fest werden lassen, stürzen, in Stücke schneiden, mit der dicken Mandelmilch übergießen, mit Mandeln garnieren. Nach Geschmack mit Zucker süßen - das Rezept nennt selbst keines, die Mandelmus-Tradition ist aber süß.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-024-orig" n="Siblin" resp="#fyndling">Ein feines Sieb zum Durchschlagen des Reismehls.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-024-orig" n="Müslin" resp="#fyndling">Ein dickes Mus oder Brei, hier aus Reismehl und Mandelmilch.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-024-orig" n="wecklins weis" resp="#fyndling">In Form kleiner Brötchen oder Weckle geschnitten, also kleine, runde oder ovale Stücke.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-024-orig" n="vergült" resp="#fyndling">Mit Blattgold verziert, eine luxuriöse und festliche Garnitur.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-024-orig" n="geferbt" resp="#fyndling">Mit natürlichen Pflanzenfarben gefärbt, z.B. mit Safran für Gelb oder Sandelholz für Rot.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-024-orig" n="Gerennet Milch" resp="#fyndling">"Gestockte Milch" - die Mandelmilch wird durch Reismehl so dick gebunden, dass sie kalt schnittfest wird (Stärke-Bindung, kein Gerinnen durch Säure).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-024-orig" n="die besten ab / die andern" resp="#fyndling">Erste, dickste Mandelmilch-Pressung (die besten) für die Sauce beiseite; die zweite, dünnere für das Mus.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-025-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern eine Vergolde-Technik: wie man Blattgold oder -silber essbar auf Speisen bringt - die mittelalterliche Tafelpracht, die noch heute auf Pralinen und Festtorten glänzt. Im Korpus wird das Vergolden von Mandeln direkt am Schwester-Rezept kkm-024 gebraucht.

Honigwasser als Assit. Assit (zu lat. assis/Anlegemittel, vgl. Vergolder-Anlegemilch) ist das Haftmittel, auf dem das Blattgold klebt. Der Clou des Rezepts: für Speisen taugt nur ein essbarer Kleber, also dünnes Honigwasser - kein Leim, kein Eiweiß-Goldgrund wie beim Vergolden von Holz oder Buchschnitt.

Warum man Gold nie anfasst. Blattgold ist hauchdünn und zerreißt bei der kleinsten Berührung, Hautfett lässt es verklumpen. Darum hebt man es mit einer hölzernen Schere (einem flachen Holzgreifer/Anschießer), nie mit bloßer Hand, und drückt es mit einem Wattebausch sanft an.

Praxis. Wenig Honig in etwas Wasser lösen, die Oberfläche (Mandeln, ungeglaster Lebkuchen) dünn bestreichen, das Blattgold mit Holzgreifer oder trockenem Pinsel auflegen, mit Watte/Baumwolle andrücken. Ein windstiller, staubfreier Platz ist Pflicht - Blattgold fliegt beim kleinsten Luftzug davon. Essbares Blattgold (E175) gibt es im Konditorbedarf.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-025-orig" n="Vergülden" resp="#fyndling">Vergolden, das Anbringen von Blattgold oder Blattsilber auf Speisen zu Dekorationszwecken.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-025-orig" n="Assit" resp="#fyndling">Klebstoff, Bindemittel. Hier im Sinne von 'Haftmittel'.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-025-orig" n="Höltzin Scher" resp="#fyndling">Eine hölzerne Schere oder Pinzette, die zum vorsichtigen Anheben und Platzieren des extrem dünnen Blattgolds verwendet wird, um es nicht mit den Fingern zu beschädigen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-026-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein blau gefärbter Mandelmilch-Reisbrei - ein süßes Fasten-Mus aus der großen Familie der Mandel-Reis-Breie (vgl. foc-093). Die Pointe ist die Farbe: ein essbares Blau, das im Mittelalter selten und darum prestigeträchtig war, hier ganz periodentreu aus Kornblumen gewonnen.

Die Färbung läuft in zwei Stufen: Erst werden Kornblumenblüten mit Wasser zerstoßen und durch ein Tuch gepresst - das gibt ein blaues Färbewasser. Mit eben diesem Wasser (statt klarem) zerstößt man dann die Mandeln und seiht sie ab: Das Ergebnis ist eine blawe Milch, eine blaue Mandelmilch. Daraus wird der Brei gekocht. Blau aus Kornblume ist genau das, was die Farbenlehre der Zeit vorsieht - keine moderne Behelfsfarbe.

Serviert wird in weissem Geschirr, weil das Blau auf weißem Grund am stärksten leuchtet - ein bewusster Anrichte-Tipp, kein Zufall.

Die zwei Warnungen am Schluss sind Brei-Küchenpraxis: nicht versalzen (ein süßes Mus verträgt nur eine Spur Salz) und nicht anbrennen lassen (Mandelmilch-Brei setzt am Boden schnell an - stetig rühren).

Praxis. Eine gute Handvoll Kornblumenblüten im Mörser mit wenig Wasser zerstoßen, durch ein Tuch pressen, Färbewasser auffangen. Geschälte Mandeln mit diesem Wasser fein zerstoßen, abseihen - das ergibt die blaue Mandelmilch. Damit Reis (oder Weizengrütze) weich kochen, bis ein cremiger Brei entsteht, stetig rühren. Mit kleinen Rosinen bestreuen und in einer weißen Schale anrichten. Da Kornblumenblau hitzeempfindlich ist, die Mandelmilch eher schonend erwärmen, damit die Farbe nicht ausblasst.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-026-orig" n="Mus / Müslin" resp="#fyndling">Brei bzw. kleiner Brei (Diminutiv) - meist aus Getreide, Mandeln oder Obst gekocht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-026-orig" n="stos" resp="#fyndling">im Mörser zerstoßen/zerstampfen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-026-orig" n="trucks durch ein Tuch / zwing es durch" resp="#fyndling">durch ein Tuch pressen, um das Färbewasser bzw. die Mandelmilch von den Feststoffen zu trennen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-026-orig" n="blawe Milch" resp="#fyndling">blaue Mandelmilch - Mandeln mit dem Kornblumen-Färbewasser ausgepresst.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-027-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein dunkles, eingekochtes Fruchtmus aus Weintrauben, Äpfeln und Birnen - im Geiste der Vorfahr von Apfel-Birnen-Kompott und Fruchtmus, durch das lange Einkochen tief und dunkel im Geschmack. Verwandt mit dem „Fruchtmus mit Ei oder Brot“ mha-129 und dem Birnenmus mha-272.

schwartz gemüß. „Gemüß“ heißt hier nicht „Gemüse“, sondern allgemein ein gekochtes Mus/Brei - auch süß. „Schwartz“ meint die dunkle Farbe: Sie entsteht durch das Einkochen der Früchte (besonders der dunklen Trauben) und die einsetzende Karamellisierung des Zuckers, nicht durch ein Färbemittel.

gebrahten oder gesotten. Die Früchte sind vorgegart - gebraten oder gekocht -, bevor sie ins Mus kommen. Das Braten gibt Röstaromen und eine dunklere Farbe, das Kochen eine hellere, weichere Masse. Beides ist erlaubt.

ein wenig Mehls. Eine kleine Menge Mehl bindet das Mus zu einer dicken Konsistenz. In dieser frühneuzeitlichen Quelle (1574) steht das ausdrücklich so im Text; man rührt es gut unter, damit keine Klümpchen entstehen.

Praxis. Je etwa 200 g Trauben, Äpfel und Birnen schälen/entkernen, klein schneiden und vorgaren (in der Pfanne anbraten für mehr Farbe oder weich kochen). Mit ca. 50 g Zucker und 1-2 EL Mehl in der Pfanne unter ständigem Rühren sieden, bis ein dickes, dunkles Mus entsteht. Häufig rühren, damit es nicht anbrennt. Warm oder kalt als Süßspeise oder Beilage.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-027-orig" n="schwartz gemüß" resp="#fyndling">Ein dunkles Fruchtmus. „Gemüß“ = gekochter Brei/Mus (auch süß), nicht „Gemüse“; „schwartz“ meint die dunkle Farbe vom Einkochen, kein Färbemittel.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-027-orig" n="Weinbeer" resp="#fyndling">Weintrauben.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-027-orig" n="gebrahten oder gesotten" resp="#fyndling">Gebraten oder gekocht - der Zustand der Früchte vor dem Einkochen zum Mus; Braten gibt mehr Farbe und Röstaroma.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-027-orig" n="ein wenig Mehls" resp="#fyndling">Eine kleine Menge Mehl als Bindung - in dieser frühneuzeitlichen Quelle ausdrücklich genannt; macht das Mus dick.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-028-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein feines, gesüßtes Fischmus - eine Fasten-Variante des Blancmanger, jener weißen Mandel-Reis-Speise, die quer durch ganz Europa überliefert ist (von Bagdad bis Prag, über 20 Fassungen im Korpus). Statt Hühnerfleisch trägt hier mageres Fischfleisch die Masse, gebunden mit Mandelmilch, eingeweichtem Weißbrot und weichem Reis, abgeschmeckt mit Zucker. Direkt verwandt mit dem Fasten-Blancmanger vom Fisch mar-091 und der farbigen Mandelmilch kkm-042 desselben Buchs.

Die Bindung ist rein zeittypisch und kommt ganz ohne Mehlschwitze aus: weis Brot in Mandelmilch geweicht (eingeweichtes Weißbrot), dazu weichgekochter Reis und die Mandelmilch selbst geben dem Mus Körper. Das ist die klassische mittelalterliche Brot-/Mandel-/Reis-Bindung.

Der Schritt seud das bret ab ... thu die Brüh hin verlangt, den Fisch in Wasser vorzukochen und die Kochbrühe wegzuschütten. Das ist Absicht: Das Gericht zielt auf eine helle, mild-süße Masse, in der die Mandelmilch und der Zucker tragen sollen - die kräftige Fischbrühe würde das überdecken. Beim Schwester-Rezept kkm-042 wird umgekehrt mit Fischbrühe gearbeitet; hier wird sie bewusst entfernt.

Acht der Gallen - auf die Gallenblase achten: Platzt sie beim Ausnehmen, zieht bittere Galle ins Fleisch und verdirbt den Geschmack. Darum sauber auslösen.

Praxis. 500 g mageren Fisch (Hecht, Karpfen, Zander) ausnehmen, in Wasser gar kochen, abseihen, Brühe verwerfen. Das Fleisch im Mörser mit Mandelmilch und in Mandelmilch eingeweichtem Weißbrot zu einer feinen Paste zerstoßen, durch ein Sieb streichen, mit 100 g weichgekochtem Reis vermengen. In einer Pfanne über dem Feuer erhitzen und rühren; zu dick - mehr Mandelmilch. Zum Schluss mit Zucker süßen. Mörser geht auch als Pürierstab.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="ingeweid" resp="#fyndling">Innereien</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="Gallen" resp="#fyndling">Gallenblase, die eine bittere Flüssigkeit enthält</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="bret" resp="#fyndling">Fleisch</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="seud ab" resp="#fyndling">koche ab, parboiliere</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="seihe es ab" resp="#fyndling">seihe es durch ein Sieb ab</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="Brüh" resp="#fyndling">Brühe, Kochflüssigkeit</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="stosse" resp="#fyndling">zerstoße, zerreibe (im Mörser)</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="gar wol" resp="#fyndling">sehr gut, gründlich</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="geweicht" resp="#fyndling">eingeweicht</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="treibe es aus" resp="#fyndling">passiere es durch ein Sieb oder drücke es aus</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="weich gesotten" resp="#fyndling">weich gekocht</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="Fewr" resp="#fyndling">Feuer</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="pfann" resp="#fyndling">Pfanne</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="rüre" resp="#fyndling">rühre</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-028-orig" n="machs ab" resp="#fyndling">süße es ab, schmecke es mit Zucker ab</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-028-orig" n="thu die Brüh hin" resp="#fyndling">Die Fischkochbrühe wird weggeschüttet - das Gericht setzt bewusst auf die helle, süße Mandel-Note, nicht auf kräftigen Fischgeschmack.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-029-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern ein Vorrats-Tipp: wie man Lagerobst (Äpfel, Birnen) den Winter über frisch hält. Teil der KKM-Konservierungs-Reihe neben "Weintrauben frisch halten" (kkm-032) und "Nüsse frisch halten" (kkm-031).

Das Prinzip. Drei Punkte tragen die ganze Methode: trockene Luft (gegen Schimmel), luftiges Auslegen auf Hurt oder Stroh (Luft ringsum, kein Berühren), und konsequentes Aussortieren - eine faule Frucht steckt den ganzen Stapel an ("ein fauler Apfel"). Hurt ist eine Hürde/Horde, ein flaches Lattengestell.

Praxis. Heute genau gleich gültig: Äpfel und Birnen einlagig, nicht berührend auf einem luftigen Gestell oder Lattenrost in einem kühlen, trockenen, dunklen Keller; regelmäßig durchsehen und faulende Früchte sofort entfernen. Äpfel und Birnen getrennt lagern (Birnen reifen schneller nach).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-029-orig" n="Obs" resp="#fyndling">Obst (allgemein)</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-029-orig" n="truckenen" resp="#fyndling">trockenen</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-029-orig" n="Hurt" resp="#fyndling">Hürde, Gestell oder Horde (ein einfaches Holzgestell)</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-029-orig" n="Stro" resp="#fyndling">Stroh</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-029-orig" n="geraum" resp="#fyndling">geräumig, locker</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-030-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Streng genommen kein Gericht, sondern ein Hausmittel - ein Eintrag aus dem diätetisch-medizinischen Teil des Buches, wie ihn frühneuzeitliche Hausbücher selbstverständlich neben den Kochrezepten führten. Verwandt sind die Haselnuss-Getränke (lait de noisettes) aus anderen Quellen, bei denen zerstoßene Nüsse mit Wasser zu einer Nussmilch verarbeitet werden (vgl. men-301, men-378).

Der Text ist zweigeteilt. Zuerst eine Warnung aus der Säftelehre: Haselnüsse, trocken und "warm" verzehrt, sollen Kopfweh und Magenreizung bringen - die Nuss galt humoral als warm und trocken, im Übermaß also belastend. Dann das eigentliche Mittel: dieselben Nüsse zerstoßen und mit Honigwasser getrunken, sollen "alten", also chronischen Husten stillen.

Dahinter steht ein nachvollziehbarer Gedanke: zerstoßene Nüsse geben ihr Öl an die Flüssigkeit ab, Honig wirkt reizlindernd und einhüllend auf den Rachen - ein Hustensaft-Prinzip, das in der Volksheilkunde bis heute lebt (Honig gegen Halsreizung). Ob die Nuss-Komponente wirkt, sei dahingestellt; der Honig tut es.

Praxis (als historisches Kuriosum, nicht als Arznei). Eine Handvoll Haselnüsse im Mörser fein zerstoßen, mit einer Tasse warmem Honigwasser (1-2 TL Honig in Wasser gelöst) verrühren und trinken. Das ergibt ein mildes, nussig-süßes Getränk. Es ist ein Stück Heilkunde-Geschichte, kein Ersatz für medizinischen Rat.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-030-orig" n="dürren werm" resp="#fyndling">Trocken und warm - in der Säftelehre galt die Haselnuss als warm und trocken, im Übermaß daher belastend.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-030-orig" n="Haubtwehe" resp="#fyndling">Kopfschmerzen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-030-orig" n="alten Husten" resp="#fyndling">Chronischer, lang anhaltender Husten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-031-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern ein Vorratstrick - der direkte Vorfahr der Sandkiste im Keller, mit der Großeltern Möhren, Sellerie und eben Nüsse über den Winter brachten. Frischer Sand hält die Nüsse kühl, dunkel und gleichmäßig feucht, ohne dass sie nass werden.

Warum kein Topf? Der Text warnt ausdrücklich vor Häfen (Töpfen). In einem geschlossenen Tongefäß staut sich die Restfeuchte der frisch geernteten Nüsse, es bildet sich Kondens, und die Kerne werden schimmlig oder ranzig. Lose im Sand kann die Feuchte abziehen, die Schale trocknet langsam, der Kern bleibt frisch statt hart und bitter zu werden.

Warum frischer Sand? Frischer Sand ist sauber und leicht klamm - er gibt minimal Feuchte ab und puffert Temperaturschwankungen. Trockener, alter Sand würde die Nüsse austrocknen, nasser sie faulen lassen.

Praxis. Frische (ungetrocknete) Walnüsse oder Haselnüsse in einer Kiste schichtweise mit leicht feuchtem Sand (Spielsand aus dem Baumarkt) abdecken, sodass keine Nuss die andere berührt. Kühl und dunkel stellen (Keller, Norderdgrube, 4-10 Grad). So bleiben sie wochen- bis monatelang frisch statt hart einzutrocknen. Wer Nüsse dagegen lange lagern will, trocknet sie klassisch durch - der Sand-Trick zielt auf erntefrische, noch saftige Kerne.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-031-orig" n="Häfen" resp="#fyndling">Töpfe oder Gefäße, meist aus Ton. Im geschlossenen Topf staut sich Feuchte und die Nüsse schimmeln - daher die ausdrückliche Warnung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-031-orig" n="frischer Sand" resp="#fyndling">Sauberer, leicht klammer Sand - puffert Temperatur und Feuchte, ohne die Kerne nass werden zu lassen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-032-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern eine Frischhalte-Methode für Weintrauben über den Lehm-/Tonmantel - Teil der KKM-Konservierungs-Reihe neben dem Obstlager (kkm-029) und "Nüsse frisch halten" (kkm-031).

Wie der Lehm wirkt. Ein dünner Leimen (Lehm-/Tonbrei mit Brunnenwasser) versiegelt die Stiele und schließt die Trauben gegen Luft ab - das bremst Austrocknung und Fäulnis. Entscheidend ist, dass die Beeren frei hängen und den Gefäßboden nicht berühren (kein Druck, keine Quetschstellen), und dass im kühlen Keller gelagert wird.

Wieder freilegen. Zum Gebrauch hängt man die Trauben in einen Zuber mit frischem Wasser, bis der Lehm aufweicht, stößt ihn vorsichtig ab und spült gründlich nach - so kommt nichts Erdiges an die Frucht.

Praxis. Reine Tonerde (Töpferbedarf) mit Wasser zu dünnem Brei rühren, die Stielenden eintauchen, Trauben kopfüber kühl und frei hängend lagern. Vor dem Essen einweichen, abspülen. Funktioniert; ist aber aufwendig und heute eher Kuriosum als nötig - Kühlschrank tut es auch.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-032-orig" n="Leimen" resp="#fyndling">Lehm oder Tonerde, der mit Wasser zu einem Brei angerührt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-032-orig" n="weit Geschirr" resp="#fyndling">Ein breites Gefäß, z.B. eine Schüssel oder ein Trog.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-032-orig" n="Zuber" resp="#fyndling">Ein großes, offenes Gefäß, oft aus Holz, ähnlich einer Wanne oder einem Bottich.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-033-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Zwei Dinge in einem: erst eine Vorrats-Technik (unreifes Getreide haltbar machen), dann ein nahrhaftes Eintopf-Gericht - rehydriertes Grünkorn, mitgekocht mit jungem Huhn, Speck und Butter. Im Kern der direkte Vorfahr unseres Grünkern und seiner Suppen/Eintöpfe; verwandt mit dem Geflügel-Korn-Eintopf men-111.

In der grüne. Geerntet wird das Korn (Weizen oder Roggen) halbreif, noch grün und milchig. Im Backofen oder an der Sonne gedörrt wird es haltbar und bekommt den typischen rauchig-nussigen Grünkern-Charakter. Gelagert wird es luftig in einem Keskorb (Käsekorb, gute Luftzirkulation), "wie man auch Kirschen hält".

Wieder "zu Kräften". Vor dem Kochen legt man das gedörrte Korn in frisches Wasser, bis es aufquillt und wieder zu seiner Kraft kommt - schlichtes Einweichen/Rehydrieren.

Garen. Zwei Wege: das Korn mit jungen Hühnern garen (das Getreide zieht die Brühe und bindet), oder es schlicht abmachen mit etwas Speck und Salz oder Butter. Dewig heißt nahrhaft/gut verdaulich. Auch kleine Wildvögel taugen dazu, ganz mitgesotten.

Praxis. Fertigen Grünkern (getrockneter halbreifer Dinkel) als Ersatz nehmen, 1-2 Stunden einweichen, dann mit jungem Hähnchen (zerteilt) in Brühe weich köcheln, oder als Beilage mit Speckwürfeln, Salz und Butter sämig garen - alles am Feuer oder im Topf gut machbar. Statt der heute geschützten Wildvögel Zuchtgeflügel (Wachtel, Perlhuhn, junge Taube) verwenden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-033-orig" n="grüne" resp="#fyndling">im unreifen, grünen Zustand</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-033-orig" n="derr" resp="#fyndling">trockne</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-033-orig" n="Keskorb" resp="#fyndling">Korb zur Aufbewahrung von Käse, der eine gute Luftzirkulation ermöglicht</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-033-orig" n="Brunnenwasser" resp="#fyndling">Frisches Quell- oder Leitungswasser</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-033-orig" n="Specklin" resp="#fyndling">kleines Stück Speck</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-033-orig" n="dewig" resp="#fyndling">nahrhaft, sättigend</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-033-orig" n="gesotten" resp="#fyndling">gekocht</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-034-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Milchsuppe oder ein dünnes Mus, in dem frische Holunderblüten ihr muskatblütenartiges Aroma an heiße Milch abgeben; eingelegt sind selbst geschnittene Eier-Nudeln. Heute am ehesten eine herzhafte Milch-Nudel-Suppe - verwandt mit allen frühen Eierteig-Nudeln (vgl. die Würmlein mha-032) und mit der ganzen Holunderblüten-Mus-Familie (rfk-022, mha-127, m467-003).

Holderblüt - Blüten, nicht Beeren. Das nächste Rezept (kkm-035) macht ausdrücklich ein Holdermus von Beern; hier sind es die Dolden der Blüten, die nur kurz in der Milch ziehen und dann wieder abgeseiht werden - die Milch trägt danach das Aroma, die Blüten selbst kommen nicht ins fertige Gericht.

würmlins weis - selbstgemachte Eiernudeln. Der harte Teig von Eyern ist ein steifer Nudelteig nur aus Ei und Mehl, dünn ausgewalzt und in kurze, wurmförmige Streifen geschnitten. Dieselbe Technik begegnet als Würmlein bei mha-032; das Ergebnis ähnelt kurzen Bandnudeln oder Spätzle.

Praxis. Eine Handvoll frische Holunderblütendolden (Stiele grob entfernt) in ca. 500 ml siedende Milch geben, kurz ziehen lassen, durch ein Tuch oder feines Sieb abgießen, die aromatisierte Milch zurück in den Topf. Aus 2 Eiern und so viel Mehl, dass ein fester Teig entsteht, dünn auswalzen, in schmale kurze Streifen schneiden und in der siedenden Milch garziehen. Mit Salz abschmecken, ein Stück Butter einrühren. Getrocknete Holunderblüten gehen außerhalb der Blütezeit (Mai/Juni), dann etwas sparsamer dosieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-034-orig" n="Holderblüt" resp="#fyndling">Holunderblüten - hier bewusst die Blüten, nicht die Beeren (vgl. das Beeren-Mus kkm-035 direkt im Anschluss).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-034-orig" n="welge dünne bletter" resp="#fyndling">wälge/walke dünne Teigblätter aus, also dünn ausrollen (zu welgern = auswalzen).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-034-orig" n="würmlins weis" resp="#fyndling">in Würmlein-Form - schmale, kurze Teigstreifen wie Spätzle oder kurze Bandnudeln.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-034-orig" n="machs ab mit Buttern" resp="#fyndling">mit Butter abrunden/abschmecken - die fettende Schlussabrundung, kein Zucker.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-035-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein glattes, gewürztes Holunderbeer-Mus - brotgebunden, mit Lebkuchen oder Honig gesüßt und gewürzt. Es ist das herbstliche Gegenstück zum Blüten-Mus kkm-034 davor und gehört zur großen Fruchtmus-Familie des Buches (vgl. das Brombeer-/Weichselmus kkm-038, das Kirschmus m725-004). Heute am ehesten eine dunkle Holunderbeer-Suppe (Fliederbeersuppe) - nur dicker und gewürzkräftiger.

Brot + Lebkuchen als Bindung und Würze. Geröstetes Weißbrot bindet die Masse; der geriebene Lebkuchen bringt Süße und ein fertiges Gewürzbukett zugleich ein - eine typische frühneuzeitliche Abkürzung, dieselbe Idee trägt die Lebkuchensauce sev-251. Wer keinen ungeglasten Lebkuchen hat, nimmt Honig plus eine Gewürzmischung.

Flüssigkeit - Brühe oder Wein. Das Rezept lässt die Wahl: Hünerbrüh oder gutem Wein. Mit Wein wird es eine reine Süßspeise, mit Hühnerbrühe ein herzhafter angelegtes Mus - beides war für ein Mus als Gang üblich.

Praxis. 500 g Holunderbeeren (roh giftig - hier werden sie gekocht, das entschärft das Sambunigrin) mit etwas geröstetem Weißbrot und 200 ml Wein oder Hühnerbrühe im Mörser zerstoßen oder pürieren, durchs Tuch streichen. Mit 2 EL geriebenem ungeglastem Lebkuchen (oder Honig) und Gewürzen abschmecken, in Topf oder Pfanne einmal aufkochen. Vor dem Servieren noch etwas Gewürz darüberstreuen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-035-orig" n="Holdermus von Beern" resp="#fyndling">Mus aus Holunderbeeren (nicht den Blüten - vgl. das Blüten-Mus kkm-034 unmittelbar davor).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-035-orig" n="gebehetem weis Brot" resp="#fyndling">geröstetes/getoastetes Weißbrot - bindet das Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-035-orig" n="stos" resp="#fyndling">im Mörser zerstoßen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-035-orig" n="würtze" resp="#fyndling">Gewürze, meist eine süßliche Mischung (Zimt, Nelke, Muskat, Ingwer).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-035-orig" n="treib es durch ein Tuch" resp="#fyndling">durch ein Tuch passieren - hält Kerne und Schalen zurück, gibt ein glattes Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-035-orig" n="erwallen" resp="#fyndling">einmal aufwallen/aufkochen lassen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-036-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein herzhaftes Birnenmus mit Zwiebeln, Wein und Schmalz, in der Glut weichgeschmort - kein Dessert, sondern eine süß-würzige Beilage, die der Apfelmus-zur-Gans-Logik folgt: die Fruchtsüße kontert fettes Fleisch. Eng verwandt mit der Birnenmus-Sippe bgs-081, sev-138, sev-206 und mha-272.

weit kurtz häfelin. Ein weites, niedriges Töpfchen - flach, damit es sich gut in die Glut betten lässt und die Hitze rundum gleichmäßig ankommt. Birnen hineinschneiden, geschälte Zwiebeln, Wein, Salz und Schmalz dazu.

setzs verdeckt in ein glüt. Das Gefäß wird zugedeckt direkt in die Glut (glühende Asche/Kohlen) gestellt - eine schonende Rundum-Hitze ohne offene Flamme. Der Deckel hält die Feuchtigkeit im Topf, sodass die Früchte im eigenen Saft und Wein schmoren statt anzubrennen.

es verzehret vnd müset sich selber. Der Kern der Methode: durch das langsame, feuchte Garen zerfallen Birnen und Zwiebeln von selbst - sie „verzehren“ (reduzieren) und „müsen sich selber“ (werden von allein zu Mus), ohne dass man pürieren muss. Geduld statt Rührarbeit.

Jmber darauf. Gemahlener Ingwer wird erst zum Schluss über das fertige Mus gestreut - so bleibt seine Schärfe und sein Aroma frisch.

Praxis. Birnen schälen und in Spalten schneiden, mit geschälten, grob geschnittenen Zwiebeln, einem Schuss Wein, etwas Salz und einem Löffel Schmalz (oder Butter) in einen flachen, feuerfesten Topf mit Deckel geben. Zugedeckt in der Glut (oder im Ofen bei ~160 °C, bzw. auf kleiner Flamme) langsam schmoren, bis alles weich zerfällt und ein dickes Mus ist - je nach Hitze 45-90 Minuten. Anrichten und mit gemahlenem Ingwer bestreuen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-036-orig" n="Biern" resp="#fyndling">Birnen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-036-orig" n="weit kurtz häfelin" resp="#fyndling">Ein weites, niedriges (flaches) Töpfchen - lässt sich gut in die Glut betten und gart rundum gleichmäßig.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-036-orig" n="verdeckt in ein glüt" resp="#fyndling">Zugedeckt in die Glut (glühende Asche/Kohlen) gestellt - schonende Rundum-Hitze; der Deckel hält die Feuchtigkeit im Topf.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-036-orig" n="verzehret vnd müset sich selber" resp="#fyndling">Zerfällt und wird von selbst zu Mus - das langsame, feuchte Garen löst Birnen und Zwiebeln auf, ohne dass man püriert.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-036-orig" n="Jmber" resp="#fyndling">Ingwer - hier gemahlen und erst zum Schluss über das fertige Mus gestreut.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-037-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein schlichtes Apfelmus, das im eigenen Saft mit etwas Milch oder Wein zugedeckt weichgeschmort wird - heute praktisch unser Apfelmus, nur gewürzt und mit einem Löffel Fett abgerundet. Es steht in einer dichten Apfelmus-Reihe quer durchs Korpus (bgs-069 mit Wein und Ei, das Tegernseer teg-002, das Fasten-Apfelmus wes-016, foc-077 mit Mandeln).

ohne Zwiblen - der sprechende Titel. Dass der Verfasser das Mus eigens ohne Zwiebeln nennt, verrät, dass die herzhafte Variante mit Zwiebeln die bekanntere war. Hier liegt eine süßlich-milde Beilage vor, kein Zwiebel-Apfel-Kompott.

Schmoren statt Kochen. Die Pointe steckt in seud es verdecket bey einem kleinen fewr: wenig Flüssigkeit, Deckel drauf, kleine Hitze - die Äpfel zerfallen im eigenen Dampf zum Mus, ohne anzubrennen. Das Schmaltz rundet ab und verhindert das Ansetzen.

Praxis. 500 g geschälte, entkernte, klein geschnittene Äpfel mit 100-150 ml Milch oder Weißwein, einer Prise Salz, etwas Zimt/Ingwer/Nelke und 1-2 EL Butter oder Schmalz in einen Topf geben, Deckel drauf, bei kleiner Hitze weichschmoren und am Ende grob zerdrücken. Milch gibt ein sämiges, Wein ein frisch-säuerliches Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-037-orig" n="Apffelmuß ohne Zwiblen" resp="#fyndling">Apfelmus ohne Zwiebeln - der Titel unterscheidet bewusst von der herzhaften Variante mit Zwiebeln (siehe Quellenkommentar).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-037-orig" n="schnitzlin" resp="#fyndling">kleine Schnitze/Stücke - hier die in Stücke geschnittenen Äpfel.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-037-orig" n="Würtz" resp="#fyndling">Gewürze, hier süßlich (Zimt, Ingwer, Nelke).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-037-orig" n="Schmaltz" resp="#fyndling">tierisches Fett (Schweine-/Gänseschmalz); heute oft durch Butter ersetzt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-037-orig" n="seud es verdecket bey einem kleinen fewr" resp="#fyndling">zugedeckt bei kleiner Hitze schmoren - die ganze Garmethode in einem Halbsatz.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-038-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein dunkles, mehlgebundenes Beerenmus aus Brombeeren oder Weichseln, in der gefetteten Pfanne unter Rühren eingedickt - heute am ehesten ein dicker Fruchtgrütze- oder Rote-Grütze-artiger Mus. Es ist eine Schablone mit drei Varianten (Maulbeere, Kirsche, Amarelle) und steht neben den anderen Beeren-/Kirschmusen des Korpus (das Holunderbeer-Mus kkm-035, die Weichsel-Latwerge m811-004, das Kirschmus m725-004).

Brot und Mehl als doppelte Bindung. Zuerst werden die Früchte mit Weißbrot zerstoßen und passiert (Brotbindung), dann wird zusätzlich Mehl mit Milch glatt angerührt und untergezogen - eine kräftige, fast puddingartige Bindung. Daher die Warnung die pfann sol schmaltzig sein, das es nicht anbrenn und ists zu dick, so mehre es mit Milch.

zwier - rühren oder zweimal? Das Wort ist die einzige echte Crux: gelesen als Imperativ „rühre an" ergibt es den glatten Mehl-Milch-Schlamm; gelesen als fnhd. zwier = „zweimal" hieße, Mehl und Milch in zwei Schüben zuzugeben. Beides führt praktisch zum selben Ergebnis; wir lesen es als Anrühr-Anweisung.

Kirschvariante mit Kern. Bei Kirschen/Amarellen werden Kern und alles mitgestoßen (die Bittermandelnote des Kerns würzt das Mus) und mit Wein, Wasser oder Fleischbrühe statt Milch durchpassiert.

Praxis. 500 g Brombeeren oder entsteinte Weichseln mit etwas entrindetem Weißbrot zerstoßen, durchs Tuch streichen. 50 g Mehl mit etwas der 500 ml Milch glattrühren, alles in eine gut mit Schmalz ausgefettete Pfanne geben und unter ständigem Rühren zu einem dicken Mus einkochen, nur leicht salzen. Mit gemahlenem Ingwer bestreuen. Zu dick? Mit Milch strecken.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-038-orig" n="Weigselmüß" resp="#fyndling">Mus aus Weichseln, einer alten Sauerkirsch-Art.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-038-orig" n="zwier Mehl vnd Milch" resp="#fyndling">rühre Mehl und Milch (zu einem glatten Schlamm an) - die Bindung des Mus; siehe Lesarten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-038-orig" n="schmaltzig" resp="#fyndling">die Pfanne mit Schmalz ausgefettet, damit das dicke Mus nicht anbrennt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-038-orig" n="Amerellen" resp="#fyndling">Amarellen, hellfleischige Sauerkirschen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-038-orig" n="durchtrieben" resp="#fyndling">durchpassiert/durchgestrichen - hier die kernhaltige Kirschmasse durch ein Tuch treiben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-038-orig" n="zwier Mehl vnd Milch" resp="#fyndling">Imperativ „rühre Mehl und Milch (glatt) an" - im Mus-Ablauf der naheliegende Bindungsschritt: ein glatter Mehl-Milch-Schlamm wird untergezogen und dickt das Mus.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-039-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein einzelnes Gericht, sondern ein Vorrats- und Verwendungskapitel über die Birne - mit einem kurzen Heilkunde-Vorspann, einer Einlege-Notiz und der eigentlichen Praxis: Birnen dörren, übers Jahr lagern und bei Bedarf in Wein als Feigenersatz kochen. Die Fortsetzung steht im nächsten Rezept (kkm-040), das aus genau diesen Dörrbirnen Küchlein und Brotpfeffer macht.

Birnensorten. Mehlbiern, Eschenbachrin, Wasserbiern, Kolbiern, Schmaltzbiern sind alte, oft feste Lager- und Kochbirnen - die historischen Namen muss man nicht nachjagen; jede feste, gut trocknende Birne tut es. Mehl- und Schmalzbirnen meinen die mürbe bzw. ölig-weiche Reifebeschaffenheit, nicht Zutaten.

Dörren als Konservierung. Im Backofen (nach dem Brotbacken in der Restwärme) wurden die Birnen langsam getrocknet und hielten so übers Jahr. Vor dem Kochen werden sie in warmem Wasser gewässert, geputzt und entstielt - also rehydriert.

Feigenersatz. Die Pointe: in Wein gekocht und zu Feigen ins Gericht gegeben, dienen sie wie Feigen. Importierte Feigen waren teuer; die heimische Dörrbirne liefert ähnliche Süße und Bissfestigkeit - dieselbe Sparlogik trägt der Brotpfeffer in kkm-040.

Praxis. Feste Birnen schälen/halbieren und bei niedriger Temperatur (Backofen ~60-70 °C, Dörrgerät oder Restwärme) trocknen. Zum Verwenden in warmem Wasser einweichen, putzen, entstielen, abtropfen lassen und in Wein weichkochen; dann wie Dörrfeigen in Kompott- oder Fruchtgerichte geben.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-039-orig" n="Biern / Bierbeumen" resp="#fyndling">Birnen / Birnbaum (fnhd.) - nicht das Getränk Bier; der Frucht-Kontext ist eindeutig.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-039-orig" n="Treublin" resp="#fyndling">kleine Trauben (Diminutiv) - hier als eingelegtes Obst genannt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-039-orig" n="gederret" resp="#fyndling">gedörrt, getrocknet.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-039-orig" n="stilet" resp="#fyndling">entstielen, von den Stielen befreien.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-039-orig" n="ertrucknen" resp="#fyndling">abtropfen/abtrocknen lassen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-039-orig" n="schützen als Feigen" resp="#fyndling">dienen/taugen als Feigen - die gedörrten Birnen ersetzen die teuren Importfeigen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-040-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Zwei Verwendungen für die Dörrbirnen aus kkm-039: erst süße, frittierte Birnen-Küchlein im Ausbackteig mit Wein-Honig-Sud (verwandt mit den frittierten Honig-Gebäcken wes-022 und mar-161, den Schmalzstreubeln teg-005), dann - viel schlichter - ein mit Roggenbrot gebundener Brotpfeffer für arme Leute, geschmacklich nah an der brot-und-lebkuchengebundenen Karpfensauce sev-251.

Die Küchlein. Weichgekochte Dörrbirnen werden mit im Mörser zerstoßenem Mehl und Lebkuchen und etwas Weißwein oder Milch zu einer formbaren Masse gestoßen. Mit eiergefeuchteten Händen formt man kleine Klößchen, zieht sie durch einen dünnen, eigelben Ausbackteig und frittiert sie in reichlich Fett goldbraun. Der Lebkuchen liefert hier Süße und Gewürz in einem - nimm ungeglasten Honig-Lebkuchen.

Der Wein-Honig-Sud. Wein und Honig kurz aufkochen und die fertigen Küchlein damit besprengen - eine glänzende, würzig-süße Tränke, die das frittierte Gebäck saftig macht.

Brotpfeffer - die Arme-Leute-Variante. „Pfeffer" meint hier keine Schärfe, sondern eine gewürzte, gebundene Tunke/Speise (wie Leberpfeffer). Dieselben Dörrbirnen werden mit eingerührtem Roggenbrot, Salz, reinem Ingwer sowie Wein und Essig zu einem sättigenden, magenstärkenden Brei abgemacht - bewusst als günstige Kost benannt.

Praxis. 250 g Dörrbirnen einweichen und weichkochen, mit 100 g Mehl und ~50 g zerstoßenem Lebkuchen und etwas Weißwein/Milch zu einer formbaren Masse stoßen. Klößchen formen (Hände mit Ei befeuchten), durch einen dünnen Eierteig (50 g Mehl, 1 Ei, etwas Wein/Milch) ziehen und in heißem Fett goldbraun ausbacken. 100 ml Wein mit 50 g Honig aufkochen, darüberträufeln. Für den Brotpfeffer eingeweichte Birnen mit Roggenbrot, Salz, Ingwer, Wein und Essig zu einem dicken Brei verrühren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-040-orig" n="dürren Biern" resp="#fyndling">gedörrte Birnen (vgl. kkm-039) - Biern = Birnen, nicht Bier.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-040-orig" n="gilb Wein" resp="#fyndling">wörtlich „gelber Wein", gemeint ist heller/Weißwein.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-040-orig" n="müset sichs" resp="#fyndling">es wird zu einem Mus/Brei.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-040-orig" n="welger die Küchlin zusamen" resp="#fyndling">forme/walke die Küchlein mit den (befeuchteten) Händen zusammen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-040-orig" n="gelbes Teiglin" resp="#fyndling">ein dünner, durch Ei gelb gefärbter Ausbackteig (Batter) zum Ummanteln vor dem Frittieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-040-orig" n="backe sie schön" resp="#fyndling">hier: in reichlich Fett goldbraun ausbacken/frittieren - „backen" stand früher auch fürs Braten in Fett.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-040-orig" n="dewigs / dewen in blöden Leuten" resp="#fyndling">bekömmlich/leicht verdaulich; blöd = schwach, kraftlos (nicht „dumm").</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-040-orig" n="Brotpfeffer" resp="#fyndling">eigenständiges Gericht (kein Gewürz): eine gewürzte, mit Brot gebundene Wein-Essig-Speise für einfache Tafeln.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-041-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Morcheln in klarer Fisch-Aspik, mit aufgesteckten Mandelkernen verziert und alternativ in Krebsschalen angerichtet - ein kühl servierter, dekorativer Vorspeisengang der gehobenen Tafel. Die unmittelbare Schwesterfassung ist m5919-046 (Gesülzte Morcheln), nur dort werden die Morcheln mit einer Eierfüllung gefüllt und gespießt.

Die Gelierbrühe. Grundlage ist gesalzene Fischbrühe; fehlt sie, wird sie aus Essig-Wein-Sud mit kleinen Fischen gekocht. Geliert wird mit Hausen blasen (Hausenblase/Fischleim) - dem klassischen Aspik-Bildner vor der Blattgelatine. Mit Safran lässt sich das Aspik goldgelb färben.

Birsing - die Crux. Im Fischbrühe-Kontext (zusammen mit Hausenblase) liest sich vier kleine Birsing am plausibelsten als kleine Barsche, die Geschmack und etwas Eigengelatine beisteuern; die Schwesterfassung m5919-046 bestätigt die Fisch-Linie. Eine Frucht-Lesart (Birnen/Quitten als Pektin-Lieferant) ist nicht ganz auszuschließen, fügt sich aber schlechter in eine herzhafte Fischbrühe.

Lorbeer oder die bletter. Das Rezept nennt Lorbeer (die Beeren) oder die bletter (die Lorbeerblätter) zum Würzen des Suds - beides war gebräuchlich.

Praxis. Klare, gesalzene Fischbrühe (oder Essig-Wein-Sud mit ein paar kleinen Barschen) würzen, mit eingeweichter Hausenblase (ersatzweise 10-12 Blatt Gelatine je 500 ml) versetzen, durch ein Tuch klären, bei Bedarf mit Safran gelb färben. Gegarte Morcheln in Schälchen oder gereinigte Krebsschalen setzen, mit der Brühe übergießen und kühl gelieren lassen; vor dem Servieren geschälte Mandelkerne dekorativ aufstecken.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-041-orig" n="Gesültzt" resp="#fyndling">gesülzt - in einer gelierten Brühe (Aspik) erstarren lassen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-041-orig" n="Birsing" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#birsing">regionale Form, hier am ehesten Barsch (Süßwasserfisch) für die Fischbrühe - siehe Lesarten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-041-orig" n="Hausen blasen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">die getrocknete Schwimmblase des Hausen (Stör), als Fischleim (Hausenblase) ein starkes Geliermittel.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-041-orig" n="treib es durch ein Tuch" resp="#fyndling">die Brühe durch ein Tuch passieren - klärt sie für ein durchsichtiges Aspik.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-041-orig" n="las es stehen bis gestehet" resp="#fyndling">stehen lassen, bis es geliert/fest wird - der Sülz-Schritt, braucht Kühle.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-041-orig" n="bestecks hübschlich" resp="#fyndling">die geschälten Mandelkerne dekorativ aufstecken - reine Augenweide.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-041-orig" n="Birsing" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#birsing">kleine Barsche (Süßwasserfisch) - der Kontext „Fischbrüh" und die parallel genannte Hausenblase legen eine fischbasierte Gelierbrühe nahe; die Schwesterfassung m5919-046 arbeitet ebenfalls mit Fisch und Hausenblase.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-042-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine farbig angerichtete, festgesetzte Mandelmilch - ein Schau-Stück der Fastentafel und nahe Verwandte des Blancmanger (vgl. kkm-028, mar-091). Aus einer einzigen Grundmasse - Mandelmilch, mit Barsch-Fischbrühe vermengt und fest werden gelassen - lassen sich vier Farben ziehen: gelb mit Safran, blau mit Kornblumen, rot mit rotem Wein, grün mit mildem Grünkraut. Auf weißer Schale, vielleicht noch mit Blattgold, ist das ein bewusster Augenschmaus, der zeigt, dass auch die Fastenküche prunken konnte.

Die Farbmittel sind durchweg periodentreu: Safran gibt das prestigeträchtige Gelb, Kornblumensaft das seltene Blau, Rotwein das Rot, der ausgepresste Saft milder grüner Kräuter das Grün - genau die ROYGBIV-Palette der mittelalterlichen Speisefarben (siehe Farbstoffe). Wichtig ist die ausdrückliche Auflage: nur ungeschmackte Kreuter verwenden, damit das Färben den feinen Mandelgeschmack nicht überdeckt - die Farbe soll sehen, nicht schmecken.

Las gestehen und als Glasmilch verlangen, dass die Masse fest wird wie eine Glasmilch (eine puddingartig schnittfeste Mandelspeise): Sie soll sich auf eine Schüssel brechen lassen, also in festen Stücken gestürzt werden. Diese Festigkeit kommt aus sehr dick gestoßener Mandelpaste und der gelierfähigen Fischbrühe (Gräten/Haut des Barschs geben Gelatine) - und sie braucht Zeit und Kühle zum Setzen. Das ist der Grund, warum das Gericht nicht spontan am Feuer entsteht.

Dattelkern Blumen ist eine unklare alte Bezeichnung; dem Sinn nach gehört sie zu den geschmacksneutralen Grünfärbern - heute am ehesten Mangold-, Spinat- oder Petersiliensaft.

Praxis. 200 g blanchierte Mandeln sehr fein mit etwas Wasser zu dicker Mandelmilch stoßen, mit 500 ml Barsch-Fischbrühe (mit Gräten gekocht, damit sie geliert) verrühren. Für die Farben getrennte Portionen abnehmen: eine Prise in wenig Brühe eingeweichter Safran (gelb), ausgepresster Kornblumensaft (blau), etwas Rotwein (rot), ausgepresster Mangold-/Spinatsaft (grün). Jede Portion in eine Form gießen und kühl stehen lassen, bis sie schnittfest ist. Gestürzt auf weißer Schale anrichten, eine Mischung aus Zucker und einer Prise Salz darüberstreuen, nach Belieben mit Blattgold und ganzen Mandeln garnieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-042-orig" n="Dattelkern Blumen" resp="#fyndling">Unklare alte Bezeichnung für ein geschmacksneutrales Grünkraut zur Färbung - heute am ehesten Mangold-, Spinat- oder Petersiliensaft.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-042-orig" n="das nicht schmeckt / ungeschmackte Kreuter" resp="#fyndling">geschmacksneutrale Kräuter: Sie sollen nur färben, nicht den Mandelgeschmack überdecken.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-042-orig" n="Bersing" resp="#fyndling">Barsch - sein Sud liefert die gelierfähige Fischbrühe, die die Masse fest werden lässt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-042-orig" n="las gestehen" resp="#fyndling">fest werden lassen - die Masse soll zur schnittfesten Glasmilch setzen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-042-orig" n="Glasmilch" resp="#fyndling">puddingartig feste Mandelspeise im Stil eines Blancmange; "auf eine Schüssel brechen" = in festen Stücken stürzen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-042-orig" n="vergülden" resp="#fyndling">mit Blattgold verzieren - luxuriöse Präsentation der Schautafel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-042-orig" n="als Glasmilch" resp="#fyndling">Die Mandelmilch soll zu einer festen, puddingartigen Glasmilch setzen, die sich in Stücken auf die Schüssel stürzen lässt ("brich sie auff ein Schüssel").</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-043-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gestockter Mandel-"Käse": Mandelmilch wird mit einer gelatinehaltigen Brühe vermischt und erstarrt beim Erkalten zu einer schnittfesten, käseartigen Masse. Es ist die fastentaugliche Variante (mit Fischbrühe) bzw. eine feine Tafelbeilage (mit Kalbs-/Schafsbrühe) und steht in der großen mittelalterlichen Familie der Mandel-Imitationskäse - vgl. den ei-gestockten Schwester-Eintrag kkm-044 "Mandelmilch-Käse" auf derselben Seite, sowie bgs-039 und bgs-071.

Ziger. Der Name verspricht Käse, geliefert wird eine Illusion: Statt Milch zu dicklegen, lässt man Mandelmilch durch tierische Gelatine stocken. Solche Imitate waren in der gehobenen Küche beliebt - sie täuschten Milchspeisen auch dann vor, wenn (Fasten) keine erlaubt waren oder wenn man höfisch-fein auftischen wollte.

Die Brühe macht die Bindung. Das Geliermittel steckt nicht in den Mandeln, sondern in der geläubt Brüh: gelatinereiche Fischabschnitte mit Bries oder ausgekochte Kalbs-/Schaffüße geben beim Erkalten Standfestigkeit. Klären (lautern) und Entsalzen sorgen dafür, dass der Ziger hell, klar und mild bleibt.

Praxis. 250 g blanchierte Mandeln fein mahlen, mit ~500 ml Wasser zu Mandelmilch durch ein Tuch streichen, erwärmen. Eine kräftig gelierende, gut geklärte und mild gewürzte Brühe (Fischfond mit Bries, oder aus Kalbsfüßen) auf etwa gleiche Menge bringen, lauwarm mit der Mandelmilch verrühren. Wer keine Tierbrühe ziehen will: 6-8 Blatt Gelatine (oder Hausenblase) in eingeweichter Form in die warme Mandelmilch einrühren. In eine Form gießen und im Kühlen fest werden lassen, dann stürzen und in Scheiben schneiden. Pro halbem Liter Mandelmilch reichen etwa 8 Blatt Gelatine für eine schnittfeste Masse.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-043-orig" n="Ziger" resp="#fyndling">Eigentlich ein Frisch- oder Molkenkäse. Hier ist der Name übertragen: aus Mandelmilch und einer gelatinehaltigen Brühe entsteht beim Erkalten eine feste, käseartige Masse - ein imitierter Käse ohne Milch.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-043-orig" n="Birsing" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#birsing">Bries, die Thymusdrüse von Kalb oder Lamm. Geschätzte Delikatesse, die der Brühe Geschmack und Gelatine gibt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-043-orig" n="geläubt Brüh" resp="#fyndling">Geklärte Brühe - durch langsames Köcheln und Abseihen von allen Trübstoffen befreit, damit der fertige Ziger klar und sauber wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-043-orig" n="abgesaltzen" resp="#fyndling">Entsalzt bzw. ausgesalzen: der Brühe wird überschüssiges Salz entzogen, damit der milde Mandelgeschmack nicht überdeckt wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-044-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Fasten-„Käse" aus Eiern und Mandelmilch - der Verwandte heutiger Mandelmilch-Desserts und des klassischen Fastenkäses. Statt aus Milch geronnen, wird hier eine Ei-Mandelmilch-Masse durch Hitze zum Stocken gebracht, abgetropft und gesüßt. Wer schon einmal Ricotta oder Quark im Tuch hat abtropfen lassen, kennt das Verfahren.

Temperier meint hier schlicht „verrühre/vermische" - nicht das moderne Temperieren im Sinne einer Temperaturkontrolle. Eier und Mandelmilch werden glatt verquirlt, gesalzen und dann erhitzt, bis das Eiklar gerinnt und die Masse fest wird.

Gilben ist das Gelbfärben, in dieser Zeit fast immer mit Safran. Es ist optional („magst sie ... gilben") und rein kosmetisch.

Die Pfefferpfann wird im Text selbst erklärt: ein Durchschlag, also ein Sieb. Das eingelegte Seichtuch (Seihtuch) hält die Masse zurück, während die Molcken (hier die wässrige Flüssigkeit) abläuft.

Praxis. Etwa 6 Eier mit 1 Liter Mandelmilch glatt verquirlen, salzen, in einem Topf unter Rühren langsam erhitzen, bis die Masse stockt und flockig zusammenläuft (nicht hart kochen - dann wird es gummig). Optional eine Safran-Prise oder etwas Ingwer/Zimt zugeben. Mit dem Löffel zusammenraffen, in ein Seihtuch über einem Sieb geben, die Flüssigkeit ablaufen lassen. Die abgetropfte Masse zu kleinen Käschen formen und mit Zucker bestreuen servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-044-orig" n="Temperier" resp="#fyndling">Verrühren, vermischen - nicht „temperieren" im modernen Sinn.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-044-orig" n="gilben" resp="#fyndling">Gelb färben, in dieser Zeit fast immer mit Safran.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-044-orig" n="rauff" resp="#fyndling">Zusammenraffen, mit dem Löffel zusammenschaben.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-044-orig" n="Pfefferpfann" resp="#fyndling">Im Text selbst als Durchschlag (Sieb) erklärt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-044-orig" n="Molcken" resp="#fyndling">Hier die wässrige Flüssigkeit, die beim Abtropfen abläuft.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-045-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gefülltes Oblaten-Gebäck: zwei Backoblaten umschließen eine gewürzte Feigen-Rosinen-Paste, das Paket wird in dünnen Teig getaucht und ausgebacken. Der direkte Vorfahr unserer mit Oblaten gebackenen Lebkuchen und der gefüllten Waffelgebäcke; eng verwandt mit den ausgebackenen Frucht-Küchlein kkm-046 und kkm-047 derselben "Gebackens"-Reihe.

Die Füllung. Getrocknete Feigen und Rosinen fein gehackt, gewürzt und mit Safran und Salz abgeschmeckt - eine dichte, süß-würzige Fruchtpaste. Safran gibt hier Farbe und Status; das Salz hebt die Süße. Vgl. das nahe verwandte Feigen-Rosinen-Mus foc-081.

Das Teiglin als Ausbackhülle. Der dünne Teig aus weißem Mehl und Wasser, durch den das Oblatenpaket "gezogen" wird, ist kein Strudelmantel, sondern eine dünne Ausbackteig-Schicht: sie versiegelt die Ränder und bräunt beim Backen. Dasselbe Verfahren tragen kkm-046/047.

Praxis. Etwa 150 g getrocknete Feigen mit 50 g Rosinen sehr fein hacken, mit einer Prise gemahlener Gewürze (Ingwer, Zimt, etwas Pfeffer), wenig in Wein eingeweichtem Safran und einer Prise Salz zu einer streichfähigen Paste verkneten. Auf eine Oblate streichen, zweite Oblate aufsetzen, leicht andrücken. Einen dünnflüssigen Teig aus weißem Mehl und Wasser (wie dünner Pfannkuchenteig) anrühren, das Paket hindurchziehen und in mäßig heißem Fett oder bei mittlerer Hitze in der Pfanne goldbraun backen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-045-orig" n="Erwell" resp="#fyndling">Auswählen, auslesen - hier: schöne Feigen und Rosinen aussuchen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-045-orig" n="temperirs wol" resp="#fyndling">Gründlich vermengen, zu einer gleichmäßigen, streichfähigen Masse verarbeiten (nicht: auf Temperatur bringen).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-045-orig" n="Oblat" resp="#fyndling">Dünne Backoblate, wie sie heute noch für Lebkuchen verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-045-orig" n="ziehe es durch ein Teiglin" resp="#fyndling">Das gefüllte Oblatenpaket durch einen dünnen Teig aus Mehl und Wasser ziehen - eine Ausbackteig-Hülle, die das Paket beim Backen zusammenhält und bräunt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-046-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein festes Mandel-Reis-Mus, das nach dem Erkalten in Stücke geschnitten, in Teig getaucht und ausgebacken wird - eine zweistufige Süßspeise: erst gekochter, schnittfester Brei, dann frittierte Schnitten. Verwandt mit dem fast gleichnamigen foc-093 "Mandel-Reis-Mus" und mit den ausgebackenen Mandelschnitten bgs-047; Teil der KKM-"Gebackens"-Reihe (kkm-045, kkm-047).

Reis als Bindung. Trocken gestoßenes und gesiebtes Reismehl bindet die Mandelmilch zu einem standfesten Mus - eine periodentypische, fastentaugliche Bindung (Reis statt Ei oder Mehlschwitze). Beim Abkühlen auf dem feuchten Brett wird die Masse so fest, dass man sie wie Brötchen (Weck) in Stücke schneiden kann; das feuchte Brett verhindert das Ankleben.

Gilb den wol - Safran, nicht Behelfsfarbe. Gelb kommt von Safran, dem Statusfarbstoff der Zeit. Das vorherige Verdünnen mit warmem Wein macht das Mus geschmeidiger und lässt sich besser gleichmäßig färben und ausgießen.

Praxis. 200 g Mandeln mit ~100 ml Wasser zu dicker Mandelmilch verarbeiten; 150 g Reis trocken zu feinem Mehl mahlen und sieben. Insgesamt ~500 ml (Mandel-)Milch aufkochen, das Reismehl einrieseln lassen und unter Rühren zu dickem Mus köcheln. Mit ~100 ml warmem Weißwein geschmeidig rühren, mit eingeweichtem Safran kräftig gelb färben, auf ein nasses Brett gießen und vollständig erkalten lassen. In fingerdicke Stücke schneiden, durch einen dünnen Ausbackteig (weißes Mehl mit Wasser/Wein) ziehen und in mäßig heißem Fett goldbraun backen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-046-orig" n="dicke Milch" resp="#fyndling">Hier die dicke Mandelmilch, die im Rezept aus Mandeln und Wasser entsteht - das fastentaugliche Bindemedium. Außerhalb der Fastenzeit konnte stattdessen Kuhmilch genommen werden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-046-orig" n="erwallen" resp="#fyndling">Aufwallen lassen, einmal aufkochen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-046-orig" n="Müß" resp="#fyndling">Mus: ein dicker, glatter Brei - hier Mandelmilch mit Reismehl gebunden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-046-orig" n="gilb den wol" resp="#fyndling">Färbe es gut gelb - mit Safran, dem teuersten und kräftigsten gelben Speisefarbmittel der Zeit.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-046-orig" n="Weck" resp="#fyndling">Kleines, längliches Brötchen - hier als Größen-/Formvorbild für die geschnittenen Musstücke gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-046-orig" n="ziehe es durch ein Teiglin" resp="#fyndling">Die erkalteten Musstücke durch einen dünnen Ausbackteig ziehen und dann backen - dieselbe Hülle wie bei kkm-045 und kkm-047.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-046-orig" n="mach ein dick Müß / vnd ein dünns mit warmen Wein" resp="#fyndling">Ein einziges Mus, das mit warmem Wein wieder dünner gerührt wird, bevor es gefärbt und auf das Brett gegossen wird. Dafür spricht, dass danach nur von "dem Mus" (Singular) die Rede ist, das ausgegossen und geschnitten wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-047-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Süße, in Wein eingeweichte Feigen-Rosinen-Küchlein, durch einen dünnen Teig gezogen und ausgebacken, dazu eine gelbe Begleitsauce (Müslin). Eng verwandt mit der Oblaten-Variante kkm-045 und dem geschnittenen Mandel-Reis-Mus kkm-046 - alle drei aus der KKM-"Gebackens"-Reihe -, und mit dem Feigen-Rosinen-Mus foc-081.

Frucht statt Mus als Kern. Anders als bei kkm-046 (gekochtes Mus) ist der Kern hier eine im Mörser zerstoßene Paste aus weingetränkten Feigen und Rosinen, mit etwas Mehl und Gewürzen zu formbaren Küchlein gebunden. Das Mehl ist hier Form-Binder der Fruchtmasse, kein Andickmittel.

Das Müslin. Eine eigene, dünne Begleitsauce aus warmem Wein und weißem Mehl, safrangelb gefärbt. Dass das Buch "trocken auftragen" verlangt, zeigt: die Sauce wird daneben gereicht, nicht darübergegossen - die Küchlein sollen knusprig bleiben.

Praxis. 200 g getrocknete Feigen und 100 g Rosinen in ~200 ml Wein einweichen, abtropfen, im Mörser (oder Mixer) zur Paste stoßen. Mit ~150 g Mehl und 1 TL gemahlenen Gewürzen (Ingwer, Zimt, Nelke, Pfeffer) zu kleinen Küchlein formen. Durch einen dünnen Teig (Mehl mit Wein/Wasser) ziehen und in mäßig heißem Fett goldbraun backen. Fürs Müslin ~100 ml warmen Wein mit ~50 g weißem Mehl glatt verrühren, kurz aufkochen, mit eingeweichtem Safran gelb färben - separat zu den trocken angerichteten Küchlein reichen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-047-orig" n="gut gezogen Gebackens" resp="#fyndling">Ausgebackenes Gebäck, das durch einen dünnen, "gezogenen" Teig gezogen wird - die übliche KKM-Ausbackhülle (vgl. kkm-045, kkm-046).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-047-orig" n="Erwell ... in Wein" resp="#fyndling">Hier: die Früchte in Wein einweichen/erweichen, bevor sie gestoßen werden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-047-orig" n="Küchlin" resp="#fyndling">Kleine geformte Teig-/Frucht-Klößchen, die ausgebacken werden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-047-orig" n="Müslin" resp="#fyndling">Kleines Mus - hier eine warme, mit weißem Mehl gebundene und safrangelbe Begleitsauce zu den Küchlein.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-047-orig" n="gilb es" resp="#fyndling">Färbe es gelb, mit Safran.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-047-orig" n="trucken fürtragen" resp="#fyndling">Trocken auftragen - die Küchlein werden nicht in der Sauce ertränkt, das Müslin dient nur als Beilage.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-048-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein aufwendiges „höfliches“ Erbsengericht in zwei Teilen aus einer gemeinsamen Grundmasse: einmal als frühe Erbsen-„Pasta“, die durch eine Lochpfanne wurmförmig in die Schüssel gedrückt wird, und einmal als wein-paniertes Erbsenküchlein. Die „Würmlein“ sind ein direkter Verwandter von Spätzle und der frühen gepressten Pasta - vgl. die safrangelben „Würmlein“ mha-032; der Küchlein-Teil ist der Zwilling des gebackenen Erbsenküchleins kkm-090. Als Grundlage dient ein gewürzter Erbsbrei wie in teg-026 und teg-027.

belg die Erbsen. Die gekochten Erbsen werden geschält - die äußere Haut abgezogen, damit die Masse fein und seidig wird. Beim „höflichen“ Anspruch lohnt dieser Aufwand; bequemer sind von vornherein geschälte Spalterbsen, bei denen der Schritt entfällt.

Die Brühe wird aufgehoben. Seih die suppen ab/ behalt die Brüh zu gebeheten suppen: das Kochwasser ist eine wertvolle, würzige Erbsenbrühe, die für andere Suppen aufgehoben und hier gelb (mit Safran) gefärbt und gewürzt als Sauce wieder über das Gericht kommt.

gezettelt wie Regenwürm - die Lochpfannen-Pasta. Der spektakuläre Trick: gestampfte Erbsen werden mit der Hand durch eine Pfeffer Pfann - eine durchlöcherte Pfanne (oder ein grobes Sieb/eine Spätzlepresse) - in eine weite Schüssel gedrückt. Hebt man die Pfanne hoch, fallen die Stränge „wie Regenwürmer“ herab, mal groß, mal klein. So entstehen lange Erbsen-Stränge, die man stehen und festwerden lässt - eine essbare Erbsen-Nudel.

Der Küchlein-Teil. Aus dem anderen Teil der Erbsenmasse formt man mit etwas Mehl in der Hand kleine Küchlein, zieht sie durch einen dünnen, gelb (mit Safran) gefärbten Weinteig - eine flüssige Panade - und brät sie in der Pfanne aus. Darüber kommt die gelbe, gewürzte Erbsenbrühe mit Butter und Rosinen; zugedeckt servieren, damit es heiß und saftig bleibt. Eine zweite, einfachere Variante brät Erbsenküchlein aus gewürztem, geweichtem Weißbrot.

Praxis. Geschälte gelbe oder grüne Spalterbsen weich kochen, Kochwasser abseihen und als Brühe aufheben. Die Erbsen sehr fein zerstampfen. Eine Hälfte durch eine Spätzlepresse oder ein grobes Sieb in eine Schüssel drücken (von oben, damit lange Stränge fallen) und festwerden lassen. Aus der anderen Hälfte mit etwas Mehl kleine Bällchen/Küchlein formen. Einen dünnen Teig aus Weißwein, Mehl und Safran anrühren, die Küchlein durchziehen und in Fett goldbraun ausbacken. Die aufgehobene Brühe mit Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Salz und Safran würzen, mit etwas Butter und Rosinen aufkochen und über die Küchlein (und/oder die Erbsen-Würmlein) geben. Zugedeckt warm servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-048-orig" n="höflich Essen" resp="#fyndling">Ein feines, anspruchsvolles Gericht, das am Hof oder in gehobenen Kreisen serviert werden konnte.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-048-orig" n="belg die Erbsen" resp="#fyndling">Schäle die Erbsen. Kann bedeuten, die Hülsen zu entfernen (bei frischen Erbsen) oder die äußere Haut der gekochten Erbsen zu entfernen (für eine feinere Textur).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-048-orig" n="Pfeffer Pfann" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Eine Pfanne, die möglicherweise perforiert ist (wie ein Sieb) oder speziell für die Zubereitung von „Pfeffer“-Gerichten (gewürzte Speisen) verwendet wird. Im Kontext des Rezepts deutet es auf eine perforierte Pfanne zum Durchdrücken hin.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-048-orig" n="gezettelt wie Regenwürm" resp="#fyndling">In dünne Stränge oder Fäden geformt, die an Regenwürmer erinnern. Eine bildhafte Beschreibung der Textur oder Form.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-048-orig" n="gebeheten suppen" resp="#fyndling">Vorbereitete oder gewürzte Suppen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-048-orig" n="gegilbt" resp="#fyndling">Gelb gefärbt, typischerweise mit Safran.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-048-orig" n="Küchlin" resp="#fyndling">Kleine Kuchen, Fritters oder Pfannkuchen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-048-orig" n="welger" resp="#fyndling">Rollen, wälzen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-048-orig" n="teiglin" resp="#fyndling">Kleiner Teig, hier eher eine dünne Teighülle oder ein Backteig.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-048-orig" n="Pfefferlin" resp="#fyndling">Eine kleine Pfanne oder ein Gefäß, möglicherweise auch perforiert oder für gewürzte Speisen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-048-orig" n="belg die Erbsen" resp="#fyndling">Die äußere Haut der gekochten Erbsen entfernen, um eine feinere Textur zu erzielen. Dies passt zum „höflich Essen“ und der aufwendigen Zubereitung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-048-orig" n="Pfeffer Pfann" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Eine perforierte Pfanne oder ein grobes Sieb, durch das die gestampften Erbsen gedrückt werden, um die „Regenwürmer“ zu formen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-048-orig" n="Erbsküchlin lind in einem Pfefferlin/ von gebehetem weis Brot" resp="#fyndling">Kleine Küchlein, die hauptsächlich aus gewürztem Weißbrot bestehen und in einem kleinen Gefäß gebraten werden, möglicherweise als Beilage zu den Erbsen oder als eigenständige, brotbasierte Fritter.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-049-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine schnelle, pfeffrig-würzige Sauce (ein Pfeffer) über Erbsenküchlein - ein einfaches Beilagengericht der bürgerlichen Tafel. Der Name verrät die zwei Bausteine: in Butter geröstetes Mehl als Bindung, kräftig gepfeffert. Die Erbsenküchlein-Basis teilt es mit kkm-048 und kkm-050.

Pfeffer als Saucen-Gattung. "Pfeffer" ist im Korpus durchweg der Name einer ganzen Saucenfamilie (würzig, oft gebunden), nicht nur des Gewürzes - daher "tu den Pfeffer drauf" = gib die fertige Sauce darüber. Vgl. den Birnen-Pfeffer-Begriff im Nachbarrezept kkm-050.

Mehlbutter als Bindung. Mehl wird in Butter angeröstet ("gebrannt") und mit Wein zur Sauce gelöst. In einem Druck von ~1574 ist diese frühe Mehlbutter-Bindung quellengerecht - das Buch steht schon an der Schwelle zur neuzeitlichen Küche. Das ausdrückliche "nicht zu sehr" warnt vor zu dunklem, bitterem Mehl.

Praxis. 1-2 EL Mehl in ~30 g Butter hell anschwitzen (nicht bräunen), mit ~150 ml Weißwein ablöschen und glattrühren, mit eingeweichtem Safran gelb färben, kräftig mit Pfeffer (und nach Wunsch Ingwer, Nelke, Muskat) abschmecken. Über die fertig gebackenen Erbsenküchlein geben und sofort servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-049-orig" n="Brenn Mehl in Buttern" resp="#fyndling">Mehl in Butter anrösten - eine helle Mehlbutter als Bindung der Sauce. Wichtig: nicht zu stark bräunen ("nicht zu sehr"), damit es nicht bitter wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-049-orig" n="temperirs mit wein" resp="#fyndling">Mit Wein ablöschen/verdünnen, bis eine glatte Sauce entsteht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-049-orig" n="gilb" resp="#fyndling">Färbe es gelb - mit Safran.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-049-orig" n="vor Gelert" resp="#fyndling">Zuvor zubereitet - die Erbsenküchlein sind bereits fertig, wenn die Sauce darüberkommt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-049-orig" n="thu den Pfeffer drauff" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Gib den "Pfeffer" (= das fertige Mehlpfefferlein, die würzige Sauce) darüber. "Pfeffer" meint hier die Sauce als Gattung, nicht das Gewürz allein.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-050-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein feines Fastenessen: Erbsküchlein, belegt mit honiggesüßten Dörrbirnen (oder gebratenen Äpfeln), gewürzt mit einer Pfeffer-Sauce und Ingwer, abgerundet mit Butter. Die Erbsküchlein-Basis teilt es mit kkm-048 und kkm-049; die Süß-Sauce aus Birnenwasser und Honig ist ein früher Verwandter unserer Birnen-Begleitsaucen.

Süße aus dem Birnwasser. Die getrockneten Birnen (Hutzlen) werden eingeweicht; das Einweichwasser, in dem ihre Süße steckt, bildet mit etwas Honig die Sauce - nichts wird verschwendet. Honig (süß) gegen Ingwer und Pfeffer (würzig-scharf) ergibt das typische süß-würzige Spiel der Zeit.

Butter im Fastenessen. Trotz "Fastentag" steht Butter im Rezept - Milchfett war an vielen Fastentagen je nach regionaler Regel erlaubt (Butterbrief-Praxis). Das ist kein Widerspruch, sondern zeittypisch.

Praxis. Dörrbirnen in wenig Wasser weich kochen, Sud auffangen. Erbsküchlein (aus gekochten, pürierten Erbsen mit etwas Mehl, in Butter gebacken) auf eine Platte legen, die geschälten weichen Birnen darauf. Den Birnen-Sud mit etwas Honig, Pfeffer und Ingwer zu einer Sauce einkochen, über die Küchlein geben, mit Butterflöckchen vollenden. Ohne Birnen: Äpfel vierteln und braten oder in dünnem Teig mit Butter backen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-050-orig" n="Fastagen" resp="#fyndling">Fastentage - das Gericht ist als feines Fastenessen deklariert.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-050-orig" n="Hutzlen" resp="#fyndling">Dörrbirnen (getrocknete Birnen, süddeutsch "Hutzeln").</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-050-orig" n="Birnwasser" resp="#fyndling">Das Einweich-/Kochwasser der Dörrbirnen, in dem sich ihre Süße löst - es wird mit dem Honig zur Sauce verwendet, nicht weggeschüttet.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-050-orig" n="Ziselin oder Pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Eine würzige Sauce: entweder ein "Ziselin" (mehrdeutig, siehe interpretive_choices) oder ein gewöhnlicher Pfeffer (Gewürzsauce). "Pfeffer" meint hier die Saucengattung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-050-orig" n="Jmber" resp="#fyndling">Ingwer.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-050-orig" n="Ziselin" resp="#fyndling">Eine würzige Sauce bzw. Würzmischung, die alternativ zum "Pfeffer" über die Küchlein kommt. Die genaue Zusammensetzung von "Ziselin" ist nicht gesichert überliefert.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-051-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine fein passierte Fleisch-Schonkost für Menschen, die nicht kauen können - im Kern eine gebundene Kraftbrühe mit püriertem Fleisch, je nach Wunsch dick (mit Eigelb legiert) oder dünn (als Suppe mit geröstetem Brot). Der direkte Vorfahr unserer pürierten Kraftsuppen und Fleisch-Cremesuppen; verwandt mit der eigelb-legierten men-303 (Flämische Chaudée).

Brotbindung, nicht Mehl. Das altbackene Semmelbrot wird mit dem Fleisch im Mörser gestoßen und durchs Tuch gestrichen - es bindet die Masse zu samtiger Konsistenz. Das ist die klassische mittelalterliche Brot-Bindung, kein Mehl. Das Passieren durch ein Tuch sorgt für die feine, kaufreie Textur, auf die das ganze Gericht zielt.

Dick oder dünn - dieselbe Basis, zwei Wege. Will man es dick, schlägt man Eigelb in die durchpassierte Brühe (Legierung, sämig). Will man es dünn, lässt man die Eier weg und würzt mit Gewürzen, Salz und Butter; als Suppe gibt man geröstetes Brot dazu. Wein und Essig bringen die zeittypische süß-saure bzw. säuerliche Note und etwas Frische.

Praxis. ~500 g Wild oder Kalb ohne Salz weich sieden, abschäumen, Brühe klar abseihen und beiseitestellen. Fleisch mit ~50 g altbackenem Weißbrot im Mörser (oder Mixer) fein zerstoßen, mit etwas der Brühe durch ein Tuch streichen. Mit ~100 ml Weißwein und ~50 ml Weinessig vermischen. Dick: 2 Eigelb mit etwas Brühe verquirlen, unter ständigem Rühren bei milder Hitze einbinden (nicht kochen). Dünn: ohne Ei, mit Gewürzen, Salz und ~50 g Butter abschmecken, geröstetes Brot als Einlage.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-051-orig" n="die nicht kewen mögen" resp="#fyndling">Die nicht kauen können - das Gericht ist als weiche Schonkost für alte oder kranke Menschen gedacht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-051-orig" n="seud es ohne Saltz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saltz">Ohne Salz sieden - damit man Salzgehalt und Geschmack später gezielt steuern kann; Schonkost-Logik.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-051-orig" n="lauter ab" resp="#fyndling">Klar abseihen - die Brühe von allen Trübstoffen befreien.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-051-orig" n="Semmelbrot" resp="#fyndling">Altbackenes Weißbrot. Hier das zeittypische Bindemittel: das im Mörser mitgestoßene Brot bindet die Fleischmasse, lange vor jeder Mehlschwitze.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-051-orig" n="Eyertotter" resp="#fyndling">Eigelb - für die dicke Variante in die durchpassierte Brühe geschlagen (Legierung).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-051-orig" n="gebehets Brot" resp="#fyndling">Geröstetes Brot (Bähbrot) - für die dünne Variante als Suppeneinlage gereicht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-052-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine süß-würzige, brotgebundene Saucengallerte aus der Galrei/Galray-Familie - im Korpus mehrfach belegt (m384-035 „Galrei", m384-032/036 „Galray"). Trotz des Namens ist das KEIN tierischer Aspik mit Gelatine aus Kalbsfüßen oder Hausenblase: die Masse „gesteht" allein durch das passierte, geröstete Brot und den Lebkuchen, die beim Erkalten andicken. Verwandt ist die geschmackliche Idee mit einer Sauce galantine (men-283: gekochtes Brot bindet eine gewürzte Wein-Essig-Sauce) und mit der heutigen Brotsauce - hier aber süßer und so dick eingestellt, dass sie als gegossener Überzug fest wird.

Gallrad ist eine Schreibvariante von Galrei/Galray (vgl. frz. galantine), im Münchner Cgm 384 weit gefasst für „gelierte, kalt servierte Speise/Sauce". Hier bezeichnet es die fertige, eindickende Überguss-Sauce - daher die Anweisung geus es also warüber du wilt/ es gestehet bald (gieße sie über was du willst, sie wird schnell fest).

Behe auff einem Rost/ brenne sie wol meint: das dünn geschnittene Weißbrot auf dem Rost stark, fast bis zur Verkohlung rösten. Seuber sie - die losen, schwarz verbrannten Krümel danach abkratzen, damit es nicht bitter wird. Das tief geröstete Brot gibt Farbe und einen herb-rauchigen Grundton; dieselbe Technik steckt hinter der dunklen Bindung vieler Pfeffer-Saucen.

Vermisch vnter den Brotpfeffer: Brotpfeffer ist hier kein scharfes „Pfefferbrot", sondern die zuvor bereitete, mit Pfeffer gewürzte Brot-Wein-Bindung - im Korpus als Pfefferbrot (Gewürz-/Saucenbrot zum Binden) belegt. In diese Bindung wird die durch ein Tuch passierte Feigen-Rosinen-Lebkuchen-Brühe eingerührt.

Praxis. Etwa 4-5 dünne Scheiben Weißbrot über offener Glut oder im Toaster sehr dunkel rösten, lose Kohle abkratzen. In ca. 200-250 ml warmem Rotwein einweichen, durch ein Sieb oder Tuch zu einer dicken Paste streichen. Eine Handvoll Feigen, eine Handvoll Rosinen und 2-3 EL geriebenen Honig-Lebkuchen (ersatzweise ungeglaste Aachener Kräuterprinten) mit ca. 200 ml Hühner- oder Fleischbrühe pürieren und ebenfalls passieren. Beides mit etwas frisch gemahlenem Pfeffer im Topf verrühren, eine weitere Handvoll ganze Rosinen zugeben und unter ständigem Rühren langsam sieden lassen, damit nichts ansetzt. Mit Gewürzmischung, gestoßenem Ingwer, Pfeffer und einer Prise Safran abschmecken. Vom Feuer ziehen und weiterrühren, bis die Masse abkühlt - so wird sie glatt und gießfest. Warm über gekochtes oder gebratenes Fleisch gießen; sie zieht beim Erkalten an. Warm serviert mit gestoßenem Ingwer und ausgelassenen Speckwürfeln bestreuen; kalt gereicht entfällt der Speck.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-052-orig" n="Gallrad" resp="#fyndling">Schreibvariante von Galrei/Galray (vgl. frz. galantine); im Korpus weit gefasst fuer eine gelierte, kalt servierbare Speise oder Sauce. Hier die brotgebundene Ueberguss-Gallerte - kein tierischer Gelatine-Aspik.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-052-orig" n="brenne sie wol / seuber sie" resp="#fyndling">Das Brot sehr dunkel, fast bis zur Verkohlung roesten und danach die losen, schwarz verbrannten Teile abkratzen - gibt Farbe und herb-rauchigen Grundton ohne Bitterkeit.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-052-orig" n="treib sie durch ein Tuch" resp="#fyndling">Die eingeweichte Masse durch ein feines Tuch oder Sieb passieren, um eine glatte, dicke Paste zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-052-orig" n="Brotpfeffer" resp="#fyndling">Nicht das Gewuerz und kein scharfes Pfefferbrot: die zuvor bereitete, mit Pfeffer gewuerzte Brot-Wein-Bindung (im Korpus als Pfefferbrot/Gewuerzbrot zum Binden belegt).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-052-orig" n="gestehet bald" resp="#fyndling">Wird schnell fest - hier durch Brot und Lebkuchen, die beim Erkalten andicken, nicht durch Gelatine.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-052-orig" n="Gallrad" resp="#fyndling">Als Schreibvariante von Galrei/Galray gelesen und mit den Schwesterfassungen m384-035/032/036 abgesichert: eine brotgebundene, beim Erkalten festwerdende Ueberguss-Sauce.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-053-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gekochte Hühnerteile, jedes einzeln in einer Farce aus den eigenen Innereien ummantelt und in der Brühe nachgegart - eine frühe Verwandte der gefüllten Hühnerklößchen bzw. der panierten Quenelle. Statt einer Teighülle umgibt jedes Stück eine im Mörser zerstoßene Paste aus Kopf, Hals und Innereien, mit Eiern, Petersilie, etwas Mehl und Safran gebunden.

Der gestossene Teig ist eine Farce, kein Brotteig. Das Wort Teig meint hier nicht Mehlteig, sondern die im Mörser zur teigartigen Konsistenz zerstoßene Innereien-Ei-Masse. Die zwei Löffel Mehl und die Eier sind nur Bindung, damit die Hülle beim Sieden zusammenhält; das Eiweiß stockt und macht jedes Stück fest wie einen kleinen Kloß (jedes stück gleich als Kuchen, also flach-rundlich geformt).

Warum die Hände in Wein netzen. Die feuchten, weinbenetzten Hände verhindern, dass die klebrige Farce anhaftet, und glätten die Oberfläche - dieselbe Technik wie beim Formen von Quenelles oder Klößen mit nasser Hand. Gegart wird in der alten Hünerbrüh, dem Sud vom Vorkochen der Hühner, damit nichts an Geschmack verlorengeht.

Die zweite Füllung für grobe Leut. Der Schluss beschreibt eine kräftigere Variante (Leber und Magen vorgekocht und kleingehackt, dazu Essig, Raute und Pfeffer). Der Kommentar gehört vor grobe Leut ist keine Abwertung, sondern eine Geschmacksbeschreibung: deftig und herb, für kräftige Gaumen. Raute ist bitter-aromatisch und sparsam zu dosieren.

Praxis. Huhn vorkochen, in vier Teile zerlegen, den Sud aufheben. Innereien (ohne die für die Füllung gedachte Leber und Magen), Kopf und Hals fein hacken und im Mörser oder Mixer mit 2-3 Eiern, Petersilie, 2 EL Mehl, einem Schuss Wein und einer Prise eingeweichtem Safran zu einer streichfähigen Farce verarbeiten. Jedes Hühnerstück rundum damit umhüllen, mit weinfeuchten Händen glattstreichen, in den siedenden (nicht kochenden) Sud legen, bis die Hülle fest ist - etwa 15-20 Minuten. Brühe mit Gewürzen und Salz abschmecken, mit Petersilie bestreuen. Für die feinere Variante feingehackte getrocknete Feigen und Rosinen in die Farce geben.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-053-orig" n="kragen" resp="#fyndling">Hals des Huhns.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-053-orig" n="gestossenem Teig" resp="#fyndling">Kein Mehlteig, sondern die im Mörser zur teigartigen Konsistenz zerstoßene Farce aus Innereien, Eiern, Petersilie, etwas Mehl und Safran.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-053-orig" n="Hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Topf, Kochtopf.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-053-orig" n="würtz" resp="#fyndling">Gewürze allgemein, in der frühneuzeitlichen Küche meist Pfeffer, Ingwer, Nelken und Muskat.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-053-orig" n="Rauten" resp="#fyndling">Raute (Ruta graveolens), ein stark bitter-aromatisches Kraut; sparsam dosieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-053-orig" n="grobe Leut" resp="#fyndling">Keine Abwertung, sondern eine Geschmacksbeschreibung: die deftig-herbe Füllung ist für kräftige Gaumen gedacht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-054-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzes, mit einer Innereien-Speck-Farce gefülltes Huhn - der direkte Vorfahr des gefüllten Brathuhns und der Sonntags-Poularde mit Brät. Die Innereien werden mit Petersilie, rohen Eiern, Speck und kleinen Trockenfrüchten zu einer Masse geknetet, in den Vogel gefüllt und mitgegart, bis die Füllung durch das Ei fest wird.

Zwei Wege, eine Füllung. Das Rezept bietet die Innereien vorgekocht (für die feste, schnittfähige Füllung) oder roh (wenn das Huhn nur gesotten wird). In beiden Fällen binden die rohen Eier die Masse: Beim Garen stockt das Eiweiß und lässt die Füllung erstarren und erharten, sodass sie sich später schneiden lässt - das Quenelle-/Klößchen-Prinzip im Ganzen.

Wein und Essig im Sud. Das Garen in Wasser mit Wein und Essig ist nicht nur Würze: Die Säure festigt das Eiweiß und gibt der Brühe eine süß-saure Note (Agrodolce, die klassische Achse gegen fettes Geflügel). Beim reinen Sieden in Wasser sorgt ein weiter Topf, sorgfältiges Abschäumen und ein Löffel Senf dafür, dass die Brühe klar und wol geschmack bleibt.

Praxis. Innereien (Leber, Magen, Herz, Hals) fein hacken, mit Petersilie, 2-3 rohen Eiern, feingewürfeltem Speck, einer Handvoll Rosinen und Gewürzen kräftig verkneten. Das ausgenommene Huhn damit füllen, zunähen oder mit Spießchen verschließen. In Wasser mit einem Schuss Wein und Essig bei schwacher Hitze garziehen (etwa 1-1,5 Std.), oder in reinem leicht gesalzenem Wasser sieden, dabei abschäumen und einen Löffel Senf zugeben. Zum Anrichten mit etwas in heißer Flüssigkeit aufgelöstem Safran übergießen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-054-orig" n="scherff die därm" resp="#fyndling">Die Därme entfernen und das Huhn ausnehmen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-054-orig" n="ingeweid / ingereusch" resp="#fyndling">Beide Wörter meinen die Innereien (Leber, Magen, Herz, dazu Kopf und Hals).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-054-orig" n="Biern" resp="#fyndling">Hier am ehesten kleine Trockenfrüchte/Beeren parallel zu den Rosinen genannt; mehrdeutig (siehe interpretive_choices).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-054-orig" n="erstarr / erhart" resp="#fyndling">Die Füllung wird fest, weil das rohe Ei beim Garen stockt - so lässt sie sich schneiden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-054-orig" n="eitel wasser" resp="#fyndling">Reines Wasser (ohne Zusätze).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-054-orig" n="abmachen" resp="#fyndling">Vollenden, fertig abschmecken (hier mit Safran).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-054-orig" n="Biern" resp="#fyndling">Parallel zu klein Rosin genannt, daher als kleine (oft getrocknete) Beeren gelesen, die zusammen mit den Rosinen die Füllung süßen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-055-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein feines, durchpassiertes Hühner-Mus - gekochtes Hühnerfleisch mit eingeweichtem Weißbrot im Mörser zerstoßen, durchs Tuch getrieben und in der Brühe zu einer samtigen Creme erwärmt. Es ist der herzhafte Vetter des Blancmangers (mha-131, mha-273) und ein klassisches Kranken- und Herrenessen: leicht zu essen, sehr fein, sättigend.

Warum Brühe trennen. Die Brühe wird in einen mageren und einen fetten Teil geseiht. Die magere, klare Brühe weicht das Brot ein und verdünnt die Masse - so bleibt das Mus glatt und nicht zu fett. Das abgeschöpfte Fett kommt erst am Ende (oder die lauter buttern obenauf) als Glanz und Geschmack dazu.

Brotbindung, nicht Mehl. Gebunden wird mit eingeweichtem Weißbrot - das mittelalterliche Bindemittel schlechthin, lange vor der Mehlschwitze. Über das Brot steuert man die Konsistenz: zu dünn, mehr Brot durchtreiben; zu dick, ohne Brot noch einmal passieren. Das Pfeffertuch ist ein feines Seihtuch (der Name kommt vom Klären der Pfeffer-Saucen), durch das die Masse für höfische Glätte gepresst wird.

Mit seiner farb absieden - bewusst nicht weiß. Anders als das echte weiße Blancmanger lässt dieses Mus die natürliche Farbe des Geflügels stehen. Es wird also nicht gebleicht und nicht mit Mandelmilch weiß gemacht - die Würze darf den Ton ruhig vertiefen. Der Hinweis ist eine ausdrückliche Abgrenzung von den weißen Varianten.

Praxis. Zwei Suppenhühner weich kochen, abschäumen, die Brühe klar und in mager/fett trennen. Fleisch entbeinen, fein hacken. 100-200 g entrindetes Weißbrot in der mageren Brühe einweichen. Fleisch und Brot zusammen im Mixer oder Mörser sehr fein verarbeiten, durch ein feines Tuch oder Sieb streichen, mit Brühe auf cremige Konsistenz bringen. In der Pfanne erwärmen, mit Gewürzen und Salz abschmecken, zum Servieren reine (geklärte) Butter darübergeben. Auf gleiche Weise lässt sich jedes Geflügel verarbeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-055-orig" n="Gestossen Hüner" resp="#fyndling">„Gestoßene Hühner“ - bezieht sich auf die Zubereitung im Mörser zu einer feinen Paste.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-055-orig" n="feim die Brüh" resp="#fyndling">„Schäume die Brühe ab“ - entferne den Schaum, der sich beim Kochen bildet, um die Brühe zu klären.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-055-orig" n="Hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">„Topf“ - ein Gefäß zum Kochen oder Aufbewahren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-055-orig" n="Brotbrosam Weitzen Brots" resp="#fyndling">„Brotkrumen von Weizenbrot“ - die Krume von hellem Brot, ohne Rinde.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-055-orig" n="Pfeffertuch" resp="#fyndling">„Feines Seihtuch“ - ein sehr feines Tuch, ursprünglich zum Seihen von Pfefferbrühe, hier zum Passieren der Hühnerfarce.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-055-orig" n="erwells" resp="#fyndling">„erwärme es“ - vom Verb „erwellen“ (erwärmen, aufkochen).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-055-orig" n="Mach es ab" resp="#fyndling">„Schmecke es ab“ - würze es fertig.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-055-orig" n="lauter buttern" resp="#fyndling">„reine Butter“ - Butter ohne Zusätze, oft als Schmelzbutter oder geklärte Butter verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-055-orig" n="mit seiner farb absieden" resp="#fyndling">„mit seiner Farbe kochen“ - die natürliche Farbe des Geflügels beibehalten, nicht versuchen, es zu bleichen (wie bei manchen Blancmanger-Varianten).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-055-orig" n="mit seiner farb absieden" resp="#fyndling">Das Geflügel wird in seiner natürlichen Farbe gekocht - das Mus wird bewusst nicht gebleicht oder weiß gemacht wie bei den Blancmanger-Varianten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-056-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gepresster Schweinskopf - der direkte Vorfahr von Presskopf, Schwartenmagen und Sülzkopf. Der ganze Kopf wird weichgekocht, entbeint, das Fleisch gewürzt und in die eigene Schwarte als Hülle eingeschlagen, dann über Nacht unter Druck gesetzt, bis ein schnittfester Laib entsteht.

Die Schwarte als essbare Form. Die abgezogene Schwarte (Haut) wird auf ein feuchtes Tuch gelegt und dient als äußere Hülle für die Fleischmasse - eine natürliche, essbare Pasteten-Form. Das Tuch hält beim Pressen alles zusammen und gibt die Rundung; nach dem Festwerden wird es entfernt.

Bindung durch geriebenen Lebkuchen. Der gerieben Lebkuchen ist hier mehr als Würze: Er bindet die Masse (wie Pfefferbrot in den Saucen) und bringt zugleich die typische süß-würzige Lebkuchen-Note (Honig, Pfeffer, Nelke, Zimt) ein - daher die Verwandtschaft zur Lebkuchensauce. Modern eignen sich ungeglaste Honig-Lebkuchen oder Aachener Kräuterprinten, fein gerieben.

Pressen statt Gelieren. Anders als eine Sülze braucht dieser Kopf kein zusätzliches Geliermittel: Die natürliche Gelatine aus Schwarte und Bindegewebe verklebt beim Erkalten unter Druck zum festen Laib. Das trucknen am Ende meint nicht Austrocknen, sondern das Festwerden unter der Presse.

Praxis. Schweinskopf in reichlich Wasser weich kochen, bis sich die Knochen lösen (2-3 Std.). Entbeinen, Schwarte abnehmen, das Fleisch fein hacken. Ohren, Wangen und Zunge mit etwas Brühe im Mörser oder Mixer zu einer Paste, mit Gewürzen und reichlich geriebenem Lebkuchen abschmecken, mit dem gehackten Fleisch (nicht zu dünn) vermengen, nach Belieben Rosinen unter. Auf die ausgebreitete Schwarte streichen, im feuchten Tuch fest einschlagen, mit Faden binden, zwischen zwei Brettern mit Steinen oder Presse beschweren, kalt über Nacht festwerden lassen. In Scheiben schneiden und in einem Pfeffer (dunkle, würzige Sauce) servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-056-orig" n="schwart" resp="#fyndling">Die abgezogene Schwarte (Schweinehaut), hier als essbare äußere Hülle für die Fleischmasse genutzt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-056-orig" n="Pfeffertuch" resp="#fyndling">Feuchtes Seihtuch (Name vom Klären der Pfeffer-Saucen); umhüllt und formt die Masse beim Pressen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-056-orig" n="gerieben Lebkuchen" resp="#fyndling">Fein geriebener Lebkuchen - dient zugleich als Bindemittel und als süß-würziger Geschmacksgeber.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-056-orig" n="Gemecht der Zungen" resp="#fyndling">Die bereits zubereitete Paste aus Zunge, Ohren und Wangen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-056-orig" n="temperirs" resp="#fyndling">Gut vermischen/verrühren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-056-orig" n="preß" resp="#fyndling">Presse aus zwei Brettern (oder mit Steinen beschwert), die der Masse Form gibt und Flüssigkeit entzieht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-056-orig" n="trucknen" resp="#fyndling">Hier: festwerden/aushärten unter Druck, nicht völliges Austrocknen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-056-orig" n="in einen Pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">In einem „Pfeffer" servieren - einer dunklen, kräftig gewürzten Sauce, nicht das bloße Gewürz.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-056-orig" n="in einen Pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Die Scheiben werden in einem „Pfeffer" gereicht - einer eigenständigen, dunklen und gewürzten Sauce, wie der Begriff in den Kochbüchern der Zeit durchweg verwendet wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-057-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Der gepresste Schweinskopf aus dem vorigen Rezept (kkm-056), in fingerlange Stücke geschnitten, mit Speck gespickt und am Holzspieß über der Glut gebraten - eine Resteverwertung, die aus dem kalten Presskopf einen warmen Spießbraten macht. Das Rezept ist zugleich eine allgemeine Bratanleitung am hölzernen Spieß für Reh, Lende, Wildbret und Geflügel.

Spicken als Bardierung. Die kleinen, runden Speckwürfel werden mit der Nadel ringsum eingezogen. Beim Braten schmilzt der Speck und hält das magere, schon gegarte Kopffleisch saftig - die klassische Bardierung. Wer keinen Speck hat, begießt stattdessen leicht mit heißer Butter oder Fleischbrühe; beides ersetzt das fehlende Bratfett.

Der hölzerne Spieß und das Garen über Glut. Ein schmaler Spieß aus frischem, grünem Hartholz (Hasel, Buche, Weide; nicht harzig) wird über reiner Glut verwendet - er verkohlt nur außen und überträgt schonend Hitze. Erst sittiglich (behutsam) in einigem Abstand anbraten, dann je lenger je neher an die Glut rücken, bis das Stück durchgehitzt ist. Da der Presskopf schon gegart und vom Gemecht her gesalzen ist, geht es nur ums Bräunen und Durchwärmen - daher die Warnung, nicht nachzusalzen.

Praxis. Den gepressten, gut gekühlten Schweinskopf in etwa 20-40 cm lange Stücke schneiden. Mit feinen Speckwürfeln spicken, auf einen geschälten Grünholzspieß ziehen. Über guter, ruhiger Glut (nicht offener Flamme) drehend braten, anfangs mit Abstand, dann näher, bis außen knusprig und innen heiß. Nicht salzen; bei Bedarf mit heißer Butter oder Brühe begießen. Dieselbe Methode gilt für Rehbraten, Lendenstück, Wildbret und Geflügel.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-057-orig" n="Zentring" resp="#fyndling">Längliche Stücke/Stränge, hier eine bis zwei Spannen lang geschnitten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-057-orig" n="spannen" resp="#fyndling">Altes Längenmaß, etwa 20-25 cm (Spanne der gespreizten Hand).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-057-orig" n="höltzin spies" resp="#fyndling">Spieß aus frischem, grünem Holz, über Glut verwendet - verkohlt nur außen und gart schonend.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-057-orig" n="vom Gemecht gesaltzen" resp="#fyndling">Schon durch die Zubereitung des Presskopfs (kkm-056) gesalzen - daher nicht nachsalzen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-057-orig" n="sittiglich" resp="#fyndling">Behutsam, mit Abstand zur Glut beginnen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-058-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine süßlich-würzige Bratenfüllung (Farce) für Geflügel oder Braten - der direkte Vorfahr der heutigen Geflügel- und Gänsefüllung mit Obst und Kräutern. Verwandt mit dem gefüllten Spanferkel (boc-016) und den gefüllten Vögeln mit Birnen/Äpfeln (sev-030); dasselbe Grundverfahren liegt auch der RFK-Füllung (rfk-057) zugrunde.

Die Bindung übernimmt hier das rohe Ey, mit dem die gehackte Masse aus Petersilie, Rosinen, gebratenem Obst und zwei hartgekochten Eiern verknetet (knitsch) wird. Safran färbt und würzt. Speck oder Butter machen die Füllung saftiger.

Zwecken sind kleine Holz- oder Metallspieße, mit denen die Füllöffnung verschlossen wird - die historische Entsprechung zum Zunähen mit Küchengarn.

Praxis. Äpfel oder Birnen achteln und in Butter goldbraun braten, abkühlen lassen. Mit Petersilie, Rosinen und 2 hartgekochten Eiern fein hacken. Mit 1 rohen Ei, Gewürzen (Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat nach Geschmack) und einer Safran-Prise zu einer formbaren Masse verkneten; nach Belieben gehackten Speck unterheben. Den Braten/Vogel füllen, die Öffnung mit Holzspießen verschließen oder mit Küchengarn vernähen, damit nichts ausläuft. Beim Garen kann etwas Butter in die Brühe gegeben werden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-058-orig" n="Peterlin" resp="#fyndling">Petersilie</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-058-orig" n="Rosin" resp="#fyndling">Rosinen</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-058-orig" n="gebrahten öpffel/ oder Biern" resp="#fyndling">Gebratene Äpfel oder Birnen</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-058-orig" n="zwecken" resp="#fyndling">Kleine Holz- oder Metallspieße zum Verschließen des Bratens</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-058-orig" n="Specklin" resp="#fyndling">Kleiner Speck, hier gehackter Speck</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-058-orig" n="Würtz" resp="#fyndling">Gewürze allgemein, ohne Spezifikation. Typische mittelalterliche Gewürze waren Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat oder Galgant.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-059-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine klare Sülzbrühe (Aspik) zum Übergießen kalter Speisen - der direkte Vorfahr des Sülzkotelett-Aspiks und der gestürzten Geflügelsülze. Schweinsohren und -füße liefern reichlich Gelatine, kleine Barsche und die Würze tragen den Geschmack; daraus wird ein klarer Geliersud, der über kaltes Geflügel oder Fleisch gegossen erstarrt.

Birsing ist Barsch, nicht Pfirsich. Das Wort meint hier den Fisch (Barsch), nicht die Frucht: Im selben Buch steht dieselbe Wendung vier kleine Birsing in einer Fisch-Sülze (kkm-041) und Fischbrüh, da Bersing inn gesotten in der farbigen Mandelmilch (kkm-042) - beides eindeutig Fisch. Den Pfirsich schreibt die „Koch und Kellermeisterei" dagegen Pfirsing (kkm-039). Ein paar kleine Barsche im Geliersud steuern Aroma und etwas zusätzliche Bindung bei; gestoßene Pfirsiche in einer Schweinsfuß-Sülze ergäben dagegen keinen Sinn.

Klären macht das Aspik. Das Durchtreiben durch das feine Tuch, das Setzenlassen und vorsichtige Abgießen der klaren Brühe vom Bodensatz - das ist der entscheidende Schritt für ein durchsichtiges Gelee. Safran gibt eine goldgelbe Tönung. Über übernechtige (vom Vortag übrige) Vögel oder kaltes Fleisch heiß gegossen, schließt der Sud die Speise glänzend ein und macht sie zugleich haltbarer.

Praxis. Schweinsohren und -füße mit 3-4 kleinen, ausgenommenen Barschen in frischem Wasser ohne Salz weich kochen. Fleisch und Fisch entbeinen/entgräten, mit wenig Brühe im Mörser oder Mixer fein zerstoßen, durch ein feines Tuch in einen sauberen Topf treiben. Absetzen lassen, die klare Brühe vom Trub abgießen, aufwallen lassen, mit Salz, Gewürzen und eingeweichtem Safran abschmecken. Heiß über kaltes, fertig gegartes Geflügel oder Fleisch gießen und kühl (Kühlschrank, früher Keller) fest werden lassen. Zum Anrichten mit blanchierten, geschälten Mandeln bestecken.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-059-orig" n="Sultzbrüh" resp="#fyndling">Sülzbrühe / Aspik-Sud zum Übergießen kalter Speisen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-059-orig" n="Birsing" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#birsing">Barsch (der Fisch), nicht Pfirsich - im selben Buch belegt durch kkm-041 und kkm-042 (Fisch-Sülze bzw. Fischbrühe). Den Pfirsich schreibt das Buch Pfirsing (kkm-039).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-059-orig" n="gebeinet" resp="#fyndling">Entbeint (bzw. bei Fisch entgrätet).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-059-orig" n="trucken" resp="#fyndling">Trocken im Mörser zerstoßen, also mit wenig Flüssigkeit zu einer festen Paste.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-059-orig" n="Pfeffertuch" resp="#fyndling">Feines Seihtuch / Passiertuch zum Klären der Brühe.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-059-orig" n="las gefallen" resp="#fyndling">Sich setzen / absetzen lassen, damit sich Trübstoffe am Boden sammeln.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-059-orig" n="vbernechtige" resp="#fyndling">Übernächtig, vom Vortag übrig geblieben.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-059-orig" n="bestecks" resp="#fyndling">Garnieren, hier mit geschälten Mandeln bestecken.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-059-orig" n="Birsing" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#birsing">Barsch (der Fisch). Im selben Buch ist die Wendung vier kleine Birsing in einer Fisch-Sülze (kkm-041) und Fischbrüh, da Bersing inn gesotten (kkm-042) belegt; den Pfirsich schreibt die „Koch und Kellermeisterei" Pfirsing (kkm-039).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-060-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine feine Kalbsleber-Sülze - gestoßene, durchpassierte Leber, mit einem klaren, von Kalbsfüßen gelierten Sud übergossen und kalt gestürzt. Sie steht in einer Reihe mit den fast wortgleichen Sülzen aus Cgm 5919 (m5919-015 Kalbsfuß-Sülze, m5919-020 Leber-Sülze) und ist die Vorfahrin der heutigen Leberparfait- und Sülzen-Tradition.

Zwei Schichten, ein Gericht. Zuerst entsteht die Lebermasse: Brot in mit Honig gesottenem Wein eingeweicht, die Leber damit im Mörser zerstoßen und durchs Sieb getrieben - eine glatte, süß-würzige Paste (das Brot bindet, der Honigwein gibt die Agrodolce-Note). Darüber kommt die klare Gelierbrühe, sodass die Leber unter einem durchsichtigen Aspik liegt.

Gelatine aus Kalbsfüßen und Barsch. Damit die Sülze hart gesteht, werden Kalbsfüße - die unteren Beinstücke mit Knöchel und Sehnen, reich an Gelatine - zusammen mit ein paar kleinen Barschen (Birsing, der Fisch) und Lorbeer in der ersten Brühe (vom Lungenkochen) ausgekocht. Beides liefert die Bindung. Dass Birsing hier Barsch und nicht Pfirsich meint, ist im selben Buch durch kkm-041 und kkm-042 belegt; den Pfirsich schreibt das Buch Pfirsing (kkm-039).

Klären vor dem Gießen. Der Sud wird gut abgeschäumt (gefeimpt), nach Belieben mit Safran goldgelb gefärbt und durchs Tuch passiert, ehe er über die Lebermasse kommt - sonst bleibt das Gelee trüb. Festwerden an Lufft meint kühles Stehenlassen.

Praxis. Kalbslunge in Wasser sieden, Brühe klar abseihen (nicht versalzen). Weißbrot in Wein, in dem Honig aufgelöst wurde, einweichen; die Leber damit fein pürieren, durchs Sieb streichen, beiseitestellen. Für den Geliersud Kalbsfüße, einige kleine Barsche und 2 Lorbeerblätter in der Lungenbrühe auskochen, nochmals Weißbrot damit durchtreiben, beide Brühen vereinen, mit Gewürzen, Salz und nach Wunsch Safran abschmecken, gut abschäumen und durchs Tuch passieren. Über die Lebermasse gießen und kühl fest werden lassen. Kalt in Scheiben servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-060-orig" n="gelüng" resp="#fyndling">Lunge (hier Kalbslunge), die zunächst gesotten wird und die erste Brühe gibt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-060-orig" n="gestehe" resp="#fyndling">Fest werden, gelieren - das Ziel der Sülze.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-060-orig" n="Kelberfüß" resp="#fyndling">Kalbsfüße - die gelatinereichen unteren Beinstücke, die die Sülze binden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-060-orig" n="Birsing" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#birsing">Barsch (der Fisch), nicht Pfirsich; im selben Buch durch kkm-041/kkm-042 belegt. Liefert hier Aroma und etwas zusätzliche Bindung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-060-orig" n="gilbs" resp="#fyndling">Mache es gelb - optionales Färben mit Safran.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-060-orig" n="gefeimpt" resp="#fyndling">Abgeschäumt, von Trübstoffen befreit - nötig für ein klares Gelee.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-060-orig" n="durchtreibt" resp="#fyndling">Durch ein Tuch oder Sieb passieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-060-orig" n="vier kleiner Birsing" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#birsing">Barsch (der Fisch). Im selben Buch erscheint dieselbe Zutat Birsing/Bersing eindeutig als Fisch (kkm-041 Fisch-Sülze, kkm-042 Fischbrühe); im Sülze-Kontext liefert sie Aroma und etwas Bindung. Den Pfirsich schreibt die „Koch und Kellermeisterei" dagegen Pfirsing (kkm-039).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-060-orig" n="Kelberfüß" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch ‚Kelberfüß‘ (modern ‚Kalbsfüße‘) bezeichnet die unteren Beinabschnitte mit Knöchel und Sehnen - reich an Gelatine und in Sülzen klassisch zum Festigen verbaut. Die Übersetzung ‚Kalbsfüße‘ ist hier wörtlich treu zum Original und entspricht dem deutschen Sülze-Idiom seit dem 15./16. Jahrhundert.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-061-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kleine pochierte Klößchen aus Kalbsgeschlinge (Lunge, Milz, Herz) - eine sparsame Resteküche, die das ganze Tier verwertet. Die nächsten lebenden Verwandten sind Leberknödel und die schwäbischen Knöpfle; nebenan im selben Buch steht die gebackene Variante (kkm-063).

Die Quelle ist ein knappes Verweisrezept: Sie sagt nur "mache also küchlin/ wie man die knöpfflin machet/ mit Würtzen" - die genaue Bindung und die Gewürze setzt sie als bekannt voraus. Knöpflein dieser Zeit wurden mit Ei und etwas Brot oder Mehl gebunden; das ist hier sinnvoll zu ergänzen, gehört aber nicht in den Lesetext.

Hüt nur der Gallen ist die einzige ausdrückliche Warnung: Beim Auslösen der Innereien die Gallenblase und Gallengänge unverletzt entfernen, sonst wird alles bitter.

Trucken eingelegt zu anderm fleisch meint nicht Konservierung, sondern die Anrichtweise: Die fertig gekochten Küchlein werden ohne eigene Sauce ("trocken") zu einem anderen Fleischgericht gelegt und mit dessen Saft gegessen - eine Beilage, kein eigenständiger Gang.

Praxis. Lunge, Milz und Herz vom Kalb sehr fein hacken oder einmal durch den Wolf drehen. Mit Salz und kräftigen Gewürzen (Pfeffer, Ingwer, Muskat) abschmecken, mit 1 Ei und etwas Semmelbrösel zu einer formbaren Masse binden. Daumengroße Klößchen formen und in siedendem Salzwasser oder Brühe etwa 10-15 Minuten gar ziehen lassen. Zu Braten oder Schmorfleisch reichen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-061-orig" n="Miltz" resp="#fyndling">Milz</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-061-orig" n="Gallen" resp="#fyndling">Galle; die bittere Gallenblase muss beim Auslösen der Innereien unverletzt entfernt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-061-orig" n="knöpfflin" resp="#fyndling">kleine Klößchen/Nocken (verwandt mit Spätzle/Knöpfle); hier als bekannte Bindung vorausgesetzt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-061-orig" n="Würtzen" resp="#fyndling">Gewürze</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-061-orig" n="trucken eingelegt" resp="#fyndling">ohne Sauce ("trocken") zu anderem Fleisch gelegt - eine Anricht-/Servierweise, keine Konservierung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-061-orig" n="trucken eingelegt zu anderm fleisch" resp="#fyndling">Servierhinweis: die gekochten Küchlein werden ohne eigene Sauce ("trocken") als Beilage zu anderem Fleisch gereicht und mit dessen Saft gegessen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-062-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Sammelanleitung für Innereien-Küchlein in zwei Ausführungen plus einer Resteverwertung. Verwandt mit dem vorigen Lungenküchlein-Rezept (kkm-061) und der gebackenen Fassung (kkm-063); im selben Buch steht die Kalbsleber-Sülze (kkm-060), in die hier verwiesen wird.

Eyern wol gehackt vnd gestossen: Hier sind hart gekochte Eier gemeint, die mit der Lunge zerstoßen werden - die rohen Eier zum Binden nennt der Text getrennt (ausgwelt mit einem rohen Ey). Ausgwelt heißt hier soviel wie "verknetet, gebunden".

Der Lebkuchen in der zweiten Art ist kein Fremdkörper, sondern ein typisches süß-würziges Bindemittel der Zeit (ungeglaster Honig-Lebkuchen, am ehesten Aachener Kräuterprinten). Er gibt der Farce Halt und die zeittypische süß-herzhafte Note.

Die Crux ist leg sie in die Lebersültz/ zu den andern Fischen. Eine Lebersülze ist Innereien-Aspik, also keine Fastenspeise - der Zusatz "zu den andern Fischen" passt sachlich nicht zu Innereien. Wahrscheinlich ist es ein Anrichthinweis: die Küchlein in der kalten Lebersülze anrichten und neben anderen (Sülz-)Speisen auf die Tafel stellen. "Fische" könnte hier auch verschrieben oder allgemein für "Stücke/Einlagen" der Sülze stehen - das bleibt unsicher.

Praxis. Erste Art: Kalbs- oder Schweinslunge weich kochen, mit hart gekochten Eiern fein hacken/stoßen, mit Petersilie, Salz und Gewürzen abschmecken, mit 1 rohem Ei binden, flache Küchlein formen und in der Pfanne braten oder in Brühe pochieren. Zweite Art: Herz und Milz mit harten Eiern, geriebenem Lebkuchen und Salz im Mörser zur Farce stoßen, mit rohem Ei binden, Küchlein formen und in Brühe sanft gar ziehen ("als Hüner"), dann in einer Lebersülze kalt anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-062-orig" n="ausgwelt" resp="#fyndling">verknetet, gebunden (hier: mit Ei zur formbaren Masse gebunden).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-062-orig" n="knitsch" resp="#fyndling">kneten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-062-orig" n="seud als Hüner" resp="#fyndling">sanft gar ziehen lassen wie Hühnerfleisch - pochieren, nicht sprudelnd kochen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-062-orig" n="Lebersültz" resp="#fyndling">Sülze/Aspik aus Leber (vgl. kkm-060); keine Fastenspeise.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-062-orig" n="vergilbet" resp="#fyndling">gelb gefärbt, periodentreu mit Safran.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-062-orig" n="leg sie in die Lebersültz/ zu den andern Fischen" resp="#fyndling">Anrichthinweis: die Küchlein in der kalten Lebersülze anrichten und neben anderen Sülz-/Tafelspeisen servieren.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-063-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ausgebackene Innereien-Küchlein - kleine Kalbslungen-Klößchen, durch einen Ausbackteig gezogen und in Butter goldgelb herausgebacken. Verwandt mit der gebackenen Kalbslunge ri15632-021 und dem Lungen-Röllchen m384-001; ein typisches Verwertungsgericht für Innereien, das den herzhaften Geschmack in eine knusprige Hülle packt.

Die Lunge gibt eine feine, lockere Farce: sehr fein gehackt, mit Eigelb zu einem Teiglin gebunden, gewürzt und gesalzen, zu kleinen küchlin geformt. Das Eigelb ist hier Bindemittel und Geschmacksträger zugleich.

Straubenteig ist der Knackpunkt und zugleich die Pointe: ein dünnflüssiger Ausbackteig (derselbe, mit dem man die spiralförmigen Strauben/Strüble ins Fett laufen lässt), der hier nicht zu Strauben geformt, sondern als Hülle genutzt wird. Man zieht die Lungen-Küchlein hindurch, sodass sie sich mit Teig überziehen, und backt sie dann in Butter aus - das Ergebnis ist ein knuspriger Mantel um die weiche Farce, im Prinzip ein frühes Backteig-Beignet.

Praxis. Die Kalbslunge zuerst weich kochen, dann sehr fein hacken (roh ließe sie sich kaum zu einer Farce binden). Mit 4 Eigelb, etwas Pfeffer, Ingwer oder Muskat und Salz zu einer formbaren Masse verkneten, kleine Küchlein abdrehen. Einen dünnflüssigen Ausbackteig anrühren (ca. 100 g Mehl, 1 Ei, 150 ml Milch oder Wasser, glatt und gerade noch fließfähig). Die Küchlein durch den Teig ziehen und in reichlich heißer Butter rundum goldbraun ausbacken.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-063-orig" n="Kelberlungen" resp="#fyndling">Kalbslunge - vor dem Hacken weich gekocht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-063-orig" n="Eyertottern" resp="#fyndling">Eigelb - bindet hier die gehackte Lunge zur Farce.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-063-orig" n="Straubenteig" resp="#fyndling">dünnflüssiger Ausbackteig (wie für Strauben/Strüble); hier als knusprige Hülle um die Küchlein verwendet, nicht zu Strauben geformt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-064-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kleine Fleischklößchen, in Brühe gesotten - eine herzhafte Knöpflein-Variante aus Hackfleisch statt Teig. Nächster lebender Verwandter ist der Fleischknödel/die Brühklößchen; im selben Buch steht die Lebersülze (kkm-060), in die diese Klößchen wahlweise eingelegt werden. Eng verwandt ist der tschechische Kalbsfleischknödel (sev-210).

Welcherley das ist heißt schlicht "welches Fleisch auch immer" - das Rezept legt sich bewusst nicht fest. Rind, Schwein oder Huhn passen gleichermaßen, weshalb das Gericht kein Rindgericht im engeren Sinn ist.

Gilb sie wol meint die periodentreue Gelbfärbung mit Safran - ein Zeichen festlicher Küche. Niemals moderne Färbemittel.

Der Schluss man mag es zu Lebersultzen legen/ damit vereinen ist eine Anrichtoption: Die gegarten Klößchen kann man in eine Lebersülze einlegen, sodass sie beim Erkalten mit dem Aspik fest werden - dann wird es eine kalte Sülzspeise.

Praxis. 500 g Hackfleisch (gemischt oder nach Wahl) mit gehackter Petersilie, Salz, kräftigen Gewürzen (Pfeffer, Ingwer, Muskat, Nelke) und ein wenig fein gewürfeltem Speck vermengen, mit 2 Eiern binden. Walnussgroße Knöpflein formen und in Hühner- oder Fleischbrühe etwa 15 Minuten sanft sieden. Mit etwas Safran in der Brühe gelb färben und in der Brühe anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-064-orig" n="welcherley das ist" resp="#fyndling">welches Fleisch auch immer - beliebige Fleischsorte, bewusst offen gelassen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-064-orig" n="specklin" resp="#fyndling">fein gewürfelter Speck.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-064-orig" n="gilb sie wol" resp="#fyndling">schön gelb färben, periodentreu mit Safran.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-064-orig" n="Lebersultzen" resp="#fyndling">Lebersülze/Aspik (vgl. kkm-060); die Klößchen können darin kalt eingelegt werden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-065-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Scheinbraten - eine fein gestoßene Kalbsfarce, die wie ein massiver Braten um den Spieß geformt und über dem Feuer gebraten wird. Verwandt mit der mittelalterlichen Brat-Schaukunst (Farce, die einen ganzen Braten vortäuscht) und mit Hackbraten am Spieß. Im Ménagier steht ein verwandter Kalbsbraten mit Cameline-Sauce (men-144).

Holbrahten (Hohlbraten) heißt nicht, dass er innen hohl ist, sondern dass er aus Farce "aufgebaut" statt aus einem gewachsenen Stück geschnitten ist - ein kunstvoller Form-Braten. Manche Fassungen meinen damit einen um einen entfernbaren Kern geformten Mantel.

Eitel Eyertotter heißt "lauter Eigelb" (nur Eigelb, kein Eiweiß) - das Eigelb und etwas Mehl binden die Farce; das beiseite behaltene Eiweiß, halbsteif geschlagen (klopff es auffs halb), dient als Klebe-/Haftschicht zwischen Spieß und Fleisch.

Bretlechten Gensspis/ dick vnd rauch: ein breiter, dicker, rauer Spieß (kein dünner Drehspieß). Die raue, breite Oberfläche gibt der Farce Halt, damit sie beim Drehen nicht abrutscht.

Gilb ein Fleischbrüh: die abschließende Brühe wird periodentreu mit Safran gelb gefärbt, nicht mit modernen Mitteln.

Praxis. 500 g mageres Kalbfleisch zweimal durch den feinen Wolf drehen, dann im Mörser oder Cutter mit 2 Eigelb, 1 EL Mehl und Salz/Gewürzen zu einer glatten, festen Farce stoßen. Einen stabilen breiten Spieß mit halbsteif geschlagenem Eiweiß bestreichen, die Farce mit nassen Händen gleichmäßig und länglich rundum andrücken. Über mäßiger, gegen Ende stärkerer Glut langsam drehend braten, dabei mit Speck/Schmalz/Butter beträufeln; wahlweise Speck-/Butterstücke einarbeiten. Zum Schluss längs einschneiden, mit gestoßenem Ingwer bestreuen und mit heißer, safrangelber Butter-Fleischbrühe begießen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-065-orig" n="Holbrahten" resp="#fyndling">Hohlbraten/Scheinbraten - aus Farce aufgebauter Form-Braten, kein gewachsenes Stück.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-065-orig" n="eitel Eyertotter" resp="#fyndling">lauter Eigelb (nur Eigelb, ohne Eiweiß).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-065-orig" n="klopff es auffs halb" resp="#fyndling">das Eiweiß halbsteif schlagen - dient als Haftschicht am Spieß.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-065-orig" n="bretlechten Gensspis" resp="#fyndling">brettartig breiter, dicker, rauer Spieß; bietet der Farce Halt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-065-orig" n="rösch" resp="#fyndling">knusprig, kross.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-065-orig" n="gilb ein Fleischbrüh" resp="#fyndling">die Brühe gelb färben, periodentreu mit Safran.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-065-orig" n="Holbrahten" resp="#fyndling">Scheinbraten: eine Farce, die wie ein massiver Braten um den Spieß aufgebaut wird ("hohl" im Sinne von künstlich aufgebaut statt gewachsen).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-066-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gefüllte Pastete auf welsche (italienische) Art - der Teig wird als Behälter ("Hafen") gebacken und mit einer Mischung aus vorgegartem Fleisch, Geflügel, Würsten und Birnen in einer Ei-Brüh-Milch-Wein-Bindung gefüllt. Eng verwandt mit Martinos Tauben-/Hühnerpastete (mar-010) und der Pastete mit Schweinefleisch und Vögeln (foc-160).

Die zentrale Crux ist das Backgeschirr-Vokabular: Der Hafen ist hier der aus Teig geknetete Topf (die essbare Pastetenhülle), nicht ein Tongefäß. Die verglast scherben dagegen ist eine glasierte Tonschale - das äußere Gefäß, in das der Teighafen gestellt wird und das ihn vor direkter Glut schützt und die durchsickernde Butter auffängt. (Achtung: bloßes "scherben" meint in anderen Quellen die Teigform selbst - hier ist es durch verglast eindeutig das glasierte Tongefäß.)

Welsche art verweist auf den italienischen Einfluss in der frühneuzeitlichen Oberschichtküche.

Die Backführung ist raffiniert: in rauchfreier Glut, von oben mit einer warmen Pfanne abgedeckt (Oberhitze), regelmäßig drehen und mit Butter begießen; mit einem Hölzchen bis zum Boden einstechen, damit die heiße Butter durchzieht und die Füllung fest wird.

Praxis. Aus 500 g Mehl, 250 g Butter und etwas Wasser einen festen Mürbteig kneten und daraus einen dickwandigen Topf formen. Diesen in eine passende, gut gebutterte glasierte Schale (oder Gusseisenform) setzen. Vorgegarte Füllung (gebratenes Huhn, Geflügel, Fleisch, Dörrwurst, feste Birnen) einschichten, mit verquirlten Eiern, Hühnerbrühe, Milch und Weißwein übergießen, mit Salz und Petersilie würzen. Bei mäßiger, ofenähnlicher Hitze (Glut/Backofen ca. 180 Grad) backen, abgedeckt, gelegentlich mit Butter beträufeln, bis die Füllung gestockt ist. Vor dem Auftragen den Teighafen aus der Schale heben.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-066-orig" n="Welsche art" resp="#fyndling">italienische Art - Hinweis auf den italienischen Kücheneinfluss.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-066-orig" n="Hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">hier der aus Teig geformte Pasteten-Behälter (essbare Hülle), nicht ein Tongefäß.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-066-orig" n="verglast scherben" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#scherben">glasierte Tonschale als äußeres Backgefäß; durch "verglast" eindeutig Geschirr (nicht die Teigform).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-066-orig" n="derre Würst" resp="#fyndling">Dörrwürste, getrocknete/geräucherte Würste.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-066-orig" n="Gluot/ on rauch" resp="#fyndling">glühende Kohlen ohne offene Flamme und Rauch - rauchfreie, gleichmäßige Backhitze.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-066-orig" n="Höltzlin" resp="#fyndling">kleines Hölzchen zum Einstechen, damit die heiße Butter zum Boden durchzieht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-066-orig" n="Hafen / verglast scherben" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Zwei verschiedene Gefäße: der "Hafen" ist der gebackene Teigbehälter, die "verglast scherben" die äußere glasierte Tonschale, die ihn vor direkter Glut schützt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-067-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine dunkle, blutgebundene Wildsauce bzw. ein Eintopf mit Hirsch-Innereien - eng verwandt mit den Wild-Innereien in Essig-Wein-Sauce (foc-013) und der ganzen Familie der mittelalterlichen Pfeffer-/Blut-Saucen zu Wildbret (m384-022). Wer Saure Hasenpfeffer oder Schwarzsauer kennt, erkennt das Prinzip: Tierblut als Bindung und Geschmacksträger, abgeschmeckt mit Süße und Säure.

Schweis ist in der Jägersprache das Blut des Wildes - hier das Bindemittel. Geriebener Lebkuchen liefert Süße, Würze und zusätzliche Bindung; Essig setzt die Säure. Will das Blut nicht durch das Tuch laufen (es geliert leicht), wird es mit Wein oder Fleischbrühe verdünnt und dann passiert.

Schlaffbrähtlin (Diminutiv zu „Brät") meint hier kleine, zarte Fleischstücke - der Folgesatz „schneids würfflet drein" (würfeln) zeigt, dass feste Stücke gemeint sind, keine Farce. Zusammen mit den Nieren werden sie gewaschen, gewürfelt und mitgesiedet.

Schwartz Würtz steht in dieser Zeit meist für schwarzen Pfeffer, kann aber auch eine dunkle, kräftige Gewürzmischung (Nelken, Muskat) bezeichnen.

Praxis. Hirschblut mit fein geriebenem Lebkuchen und einem Schuss Essig verrühren; bei Bedarf mit Wein oder kräftiger Fleischbrühe verdünnen, durch ein Passiertuch in den Topf streichen. Gewaschene, gewürfelte Hirschnieren und zarte Fleischstücke zugeben und bei mäßiger Hitze sieden, bis das Fleisch gar und die Sauce sämig gebunden ist - nicht sprudelnd kochen, sonst flockt das Blut aus. Mit Salz und schwarzem Pfeffer abschmecken. Ohne frisches Blut: getrocknetes Blutpulver rehydrieren oder einen sehr kräftigen, dunklen Wildfond verwenden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-067-orig" n="Schweis" resp="#fyndling">In der Jägersprache das Blut des Wildes.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-067-orig" n="Hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Ein Topf oder ein irdenes Gefäß.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-067-orig" n="schlaffbrähtlin" resp="#fyndling">Diminutiv von 'Brät', hier im Sinne von kleinen, zarten Fleischstücken, möglicherweise vom Lendenbereich oder anderen Innereien.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-067-orig" n="schwartz Würtz" resp="#fyndling">Bezieht sich in vielen historischen Rezepten auf schwarzen Pfeffer, kann aber auch eine allgemeine Bezeichnung für dunkle, kräftige Gewürze sein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-067-orig" n="Hirschen Lummelbrahten" resp="#fyndling">Hirschen-Lendenbraten mit Blut-Innereien-Sauce - der Braten selbst (Hirschlende) wird als selbstverstandlich impliziert; das Rezept beschreibt die dazugehorige Sauce aus Blut und Innereien. Typisch: Braten braten, Sauce separat aus Blut, Innereien und Gewurzen ziehen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-068-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Mus vom Reh - feines Wildragout/Wildpüree, mit geriebenem Lebkuchen gebunden und dunkel gewürzt. Die nächste lebende Verwandtschaft ist das Wildragout mit Lebkuchensauce, wie es im fränkischen und böhmischen Raum bis heute existiert (Lebkuchen als Saucenbinder zu Wild). Der engste Korpus-Verwandte ist sev-015 (Reh-/Kalbsköpfe mit Lebkuchen und Rotwein); verwandt auch sev-014/sev-016.

Schweis ist die wichtigste Lesefalle. Im Küchenkontext meint es zunächst den Bratensaft/die Kochflüssigkeit; im jagdlichen Kontext jedoch das Blut des Wildes (Jägersprache Schweiß = Blut), das traditionell als Saucenbinder diente. Beide Lesarten sind sachlich möglich; modern setzt man Wildfond oder kräftige Brühe ein.

Streich es in ein tuch und im durchgang meinen das Passieren der gegarten Masse durch Tuch bzw. Sieb, um das feine, glatte "Mus" zu erhalten.

Schwartzer Würtze ist eine dunkle, pfefferlastige Gewürzmischung (Pfeffer, Nelke, evtl. Piment), die dem Mus Farbe und Tiefe gibt.

Praxis. 500-700 g mürbes Rehfleisch (Schulter/Rücken) entbeinen, in warmem Rotwein abwaschen, in Wildfond oder Bratensaft mit geriebenem Lebkuchen weich schmoren. Dann entweder die Masse durch ein Tuch passieren (feines Mus) oder das Fleisch gewürfelt und durchgeseiht im Topf fast gar ziehen lassen und erst dann würzen. Mit guten Gewürzen und nach Geschmack mehr Lebkuchen abschmecken, salzen und mit einer dunklen ("schwarzen") Pfeffer-Nelken-Würze vollenden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-068-orig" n="Muß" resp="#fyndling">Brei, Püree (hier: feines Wildragout).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-068-orig" n="gebeinet" resp="#fyndling">entbeint.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-068-orig" n="schweis" resp="#fyndling">Bratensaft/Kochflüssigkeit; jagdsprachlich auch das Blut des Wildes (Saucenbinder).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-068-orig" n="im durchgang" resp="#fyndling">durchgeseiht/passiert.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-068-orig" n="schier geseudt" resp="#fyndling">fast gar gesotten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-068-orig" n="schwartzer Würtze" resp="#fyndling">dunkle, pfefferlastige Gewürzmischung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-068-orig" n="den thu in den schweis" resp="#fyndling">Gib es in den Bratensaft/die Kochflüssigkeit (modern: Wildfond oder kräftige Brühe).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-069-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gebratene Küchlein aus vorgegartem, fein gestoßenem Fleisch - eine Resteverwertung für gekochtes Fleisch, Wild oder Geflügel, verwandt mit Frikadellen und den Lungenküchlein desselben Buches (kkm-061, kkm-062, kkm-063). Das Verfahren "vorgaren, hacken, im Mörser stoßen, mit Ei binden, braten" ist das gleiche Farce-Grundmuster.

Welcherley - das Rezept ist bewusst offen für jede Fleischart, daher kein Wild- oder Geflügelgericht im engeren Sinn.

Back es braun: Trotz des Verbs "backen" sind kleine flache Küchlein gemeint, die in der Pfanne in Fett goldbraun gebraten werden - "backen" steht hier im älteren Sinn von "in Fett braten/frittieren".

Aus einem Pfeffer ... essen: Ein Pfeffer ist im Mittelalter und der frühen Neuzeit eine gebundene, pfefferlastige Sauce (vgl. Pfeffersaucen), nicht das bloße Gewürz. Die Küchlein werden also wahlweise in einer Pfeffersauce oder einfach als Gebratenes serviert.

Praxis. 500 g Fleisch, Wild oder Geflügel weich kochen, herausnehmen und fein hacken, mit Gewürzen und Salz abschmecken, im Mörser (oder Cutter) zu einer geschmeidigen Farce stoßen. 2-3 Eier einarbeiten - nur so viel, dass die Masse formbar bleibt ("nit zu dünn"). Kleine flache Küchlein formen und in heißem Fett beidseitig goldbraun braten. Mit einer Pfeffersauce oder als Bratengericht servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-069-orig" n="welcherley" resp="#fyndling">welches Fleisch/Geflügel auch immer - bewusst offen gelassen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-069-orig" n="stoß in eim Mörser" resp="#fyndling">im (großen Fleisch-)Mörser zur feinen Farce stoßen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-069-orig" n="back es braun" resp="#fyndling">in der Pfanne goldbraun braten ("backen" hier = in Fett braten).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-069-orig" n="aus einem Pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">in einer Pfeffersauce - der mittelalterliche "Pfeffer" ist eine gebundene Sauce, nicht das Gewürz.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-069-orig" n="aus einem Pfeffer ... essen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">in einer Pfeffersauce essen - "ein Pfeffer" bezeichnet eine gebundene, pfefferlastige Sauce.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-070-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gebundenes Geflügelmus - das gegarte Wachtelfleisch wird im Mörser mit gewürztem Lebkuchen, Käse und altbackenem Weißbrot zu einer feinen Paste zerstoßen, mit Wein und der Kochbrühe glattgerührt und als sämiges Ragout serviert. Verwandt mit der modernen Quenelle und mit Lebkuchen-gebundenen Wildsaucen; im Korpus steht es dem Wachtelbrei aus dem Cgm 5919 nahe, der nach demselben Prinzip (garen, mörsern, mit Käse binden) arbeitet.

Wachtelbrüh. Der Titel meint hier keine klare Suppe, sondern die sämige Zubereitung selbst - im Frühneuhochdeutschen steht Brüh oft für ein in Brühe angerichtetes, gebundenes Gericht. Die Folgeschritte (zerstoßen, passieren, mit Brot und Lebkuchen andicken) belegen das eindeutig.

Lebkuchen als Binder. Lebkuchen ist hier kein Süßgebäck, sondern ein gewürzter Brotteig, der zusammen mit altbackenem Weißbrot die Sauce bindet und Pfeffer-, Nelken- und Ingwernoten einbringt - dieselbe Rolle wie das geröstete Brot in den mittelalterlichen Pfeffersaucen. Nimm einen ungeglasten, wenig gesüßten Honig- oder Gewürzlebkuchen.

Praxis. Wachteln (ersatzweise Hähnchen) in kräftiger Brühe gar ziehen, Fleisch ablösen. Mit etwa gleichviel Lebkuchen, Hartkäse und eingeweichtem Weißbrot im Mörser oder Mixer fein zerstoßen, mit Weißwein und Wachtelbrühe zu einem dicklichen Ragout passieren. In der Pfanne erwärmen, mit Pfeffer, Nelke, Muskat und Salz abschmecken und beim Anrichten frisch geriebenen Ingwer darüberstreuen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-070-orig" n="Wachtelbrüh" resp="#fyndling">Hier im Sinne eines Ragouts oder Eintopfs aus Wachtelfleisch, nicht nur einer klaren Brühe.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-070-orig" n="Seud" resp="#fyndling">Siede, koche.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-070-orig" n="Fleischbrüh" resp="#fyndling">Fleischbrühe.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-070-orig" n="Mörser" resp="#fyndling">Ein großer Mörser, wie er im Mittelalter zum Zerstoßen von Fleisch und anderen Zutaten verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-070-orig" n="Käß" resp="#fyndling">Käse.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-070-orig" n="weis Brot" resp="#fyndling">Weißbrot.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-070-orig" n="treib es durch" resp="#fyndling">Passiere die Masse durch ein feines Sieb oder Tuch, um eine glatte Konsistenz zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-070-orig" n="erwell" resp="#fyndling">Erwärme.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-070-orig" n="pfannen" resp="#fyndling">Pfanne.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-070-orig" n="machs ab" resp="#fyndling">Schmecke es ab, würze es fertig.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-070-orig" n="würtz" resp="#fyndling">Gewürze, eine allgemeine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Nelke, Muskat war üblich.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-070-orig" n="saltz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saltz">Salz.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-070-orig" n="Jmber" resp="#fyndling">Ingwer.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-070-orig" n="anrichten" resp="#fyndling">Beim Servieren.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-071-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Schaugericht: leere Eierschalen werden mit einer gewürzten Eigelb-Brösel-Masse gefüllt, mit einem aus einer zweiten Schale geschnittenen Hütchen verschlossen und dann in Butter geröstet, gebraten oder gesiedet - das fertige Ei sieht ganz aus, ist aber neu gefüllt. Im Korpus gibt es dazu fast wortgleiche Schwestern (Meister Hans und Cgm 384), die dieselbe Illusion über das Garen am Spieß erzeugen.

Die Mechanik der Illusion. Man bläst ein rohes Ei an beiden Enden aus, behält die heile Schale und füllt sie mit der Masse - das güpfflin, ein kleines Schalenhütchen, schließt das Loch, mit Eiweiß als Klebstoff verstrichen. Dass das mechanisch heikel ist (Schalen brechen leicht, das Hütchen hält nur lose), gehört zum Charakter dieser Spielereien und sollte nicht schöngeredet werden: der Reiz liegt im Effekt am Tisch, nicht in der einfachen Zubereitung.

Die praktikable Zweitform. Das Rezept bietet selbst den bequemen Ausweg an: dieselbe Füllung - dann mit gehackter Petersilie, weiteren Kräutern und Gewürz - in Krebsschalen (oder kleine feuerfeste Schälchen) gefüllt und in einer Brühe oder trocken serviert. Das ist die alltagstaugliche Variante.

Praxis. Eigelb mit geriebenem altbackenem Brot (Semmelbrösel), Muskat und Salz verrühren. Für den Schau-Effekt ausgeblasene Schalen füllen, Hütchen aufsetzen, in Butter sanft garen. Einfacher: die Masse mit Kräutern in Schälchen füllen, in der Pfanne stocken lassen und in etwas Brühe anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-071-orig" n="Kuglechte Eyer" resp="#fyndling">Wörtlich 'kugelige/rundliche Eier' - die in der Schale wieder zur ganzen Eiform gefüllten Eier.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-071-orig" n="güpfflin" resp="#fyndling">Ein kleines Hütchen oder Deckelchen, hier aus einer zweiten Eierschale geschnitten, um das Loch des gefüllten Eis zu verschließen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-071-orig" n="Eyerklar" resp="#fyndling">Eiweiß - dient hier als Klebstoff, um das Hütchen aufzusetzen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-071-orig" n="Brühlin" resp="#fyndling">Ein kleiner Sud oder eine leichte Brühe zum Anrichten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-072-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gewürztes Feingebäck: ein reiner Eier-Mehl-Teig, der mit geriebenem Lebkuchen und einem eingekochten Wein-Honig-Sud zu einem festen Teig verknetet, dünn ausgerollt, in kleine Schnitten geschnitten und gebacken wird. Verwandt mit den Lebkuchen-gewürzten Ausbackteigen des Korpus und entfernt mit modernem Mürbe-Kleingebäck.

eitel Eyern. Eitel heißt hier 'rein, nichts als' - die Flüssigkeit kommt allein aus Eiern (kein Wasser, keine Milch), bis der gekochte Wein-Honig-Sud dazukommt. Der Teig wird dadurch dicht und gehaltvoll.

gesotten Honigwein. Gemeint ist ein Sud aus Wein und Honig, der vorher eingekocht (gesotten) wird, damit er sirupartig bindet und süßt - nicht der vergorene Honigwein (Met). Der eingedickte Sud bringt Süße und Aroma in den ohnehin durch Lebkuchen gewürzten Teig.

Praxis. Aus Eiern und feinem Weizenmehl einen Teig anschlagen, geriebenen ungeglasten Lebkuchen unterarbeiten, mit dem eingekochten Wein-Honig-Sud zu einem geschmeidigen, festen Teig kneten. Dünn ausrollen, in kleine Schnitten oder Rauten schneiden und in der Pfanne (oder im Ofen) goldbraun backen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-072-orig" n="eitel" resp="#fyndling">Rein, nur, nichts als - die Teigflüssigkeit kommt allein aus Eiern, ohne Wasser oder Milch.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-072-orig" n="gesotten Honigwein" resp="#fyndling">Ein eingekochter Sud aus Wein und Honig (nicht der vergorene Met); dient als süßendes, bindendes Aroma.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-072-orig" n="Welgholtz" resp="#fyndling">Nudelholz, Teigroller.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-072-orig" n="schnitlin" resp="#fyndling">Kleine Schnitten oder Stücke (Diminutiv).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-073-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gewürztes Ei, das in der eigenen Schale gegart wird - verwandt mit dem in Glut gerösteten Ei (vgl. mar-194) und mit den gefüllten Eiern der Zeit (vgl. m384-049, mha-280). Der Clou: das Ei wird nicht aufgeschlagen, sondern oben am spitzlin (Spitzende) winzig geöffnet, gewürzt, wieder verschlossen und ganz gegart - eine kleine Schau am Tisch.

Gros Eyer - der Titel. „Große Eier“ meint hier nicht die Eiergröße, sondern den Aufwand: ein aufgewertetes, gewürztes Ei statt eines schlichten Spiegeleis. Würtz ist die übliche Gewürzmischung der Zeit (Pfeffer, Ingwer, dazu hier die feinen, teuren Aromen Zimetblüh = Zimtblüte und Muscatblüh = Macis, der Samenmantel der Muskatnuss).

Die Crux - lässt sich das wirklich machen? Ehrlich: nur mit Mühe. Durch ein kleines Loch am Spitzende lässt sich das Innere kaum gleichmäßig würzen und mit dem höltzlin (Holzstäbchen) verrühren, ohne die Schale zu sprengen; das Verschließen mit Eyerklar (Eiweiß) hält in der Hitze schlecht. Das Rezept gehört in die Reihe der „Ei in der Schale“-Kunststücke, die mehr Vorführung als Alltagsküche sind - reizvoll, aber fummelig.

Praxis. Wer es originalgetreu versucht: am stumpfen Ende ein etwas größeres Loch klopfen (dort sitzt die Luftkammer), mit einer dünnen Stricknadel Dotter und Klar leicht verrühren, eine Messerspitze Salz und Gewürze zugeben, das Loch mit etwas rohem Eiweiß verschließen und das ganze Ei langsam in Butter wälzend braten oder behutsam in nicht mehr glühende Asche betten, bis es fest ist. Pragmatischer und genauso zeittypisch: das Ei gar kochen, halbieren, Dotter mit Salz, Pfeffer, einer Prise Macis und Zimtblüte verrühren, zurückfüllen und kurz in Butter anbraten - das ist im Ergebnis dasselbe gewürzte Ei ohne den Schalen-Balanceakt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-073-orig" n="Gros Eyer" resp="#fyndling">Wörtlich „große Eier“ - gemeint ist das aufgewertete, gewürzte Ei, nicht die Eigröße.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-073-orig" n="spitzlin" resp="#fyndling">Spitzchen, das spitz zulaufende Ende des Eies, an dem es geöffnet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-073-orig" n="Würtz" resp="#fyndling">Die allgemeine Gewürzmischung der Zeit, meist Pfeffer und Ingwer als Basis.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-073-orig" n="Zimetblüh" resp="#fyndling">Zimtblüte - die getrockneten Blütenknospen des Zimtbaums, feiner als Zimtrinde.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-073-orig" n="Muscatblüh" resp="#fyndling">Muskatblüte (Macis), der getrocknete Samenmantel der Muskatnuss, milder und feiner als die Nuss selbst.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-073-orig" n="Eyerklar" resp="#fyndling">Eiweiß - hier als „Kleber“, um das Loch wieder zu verschließen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-074-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte, in der Pfanne gebackene Teigtaschen aus einem weichen Eier-Mehl-Teig - mit drei austauschbaren Füllungen (gehacktes Fleisch, Rührei, hartes Ei mit Kräutern) und einer optionalen Apfelvariante. Der besondere Kniff ist der vielfarbig eingefärbte Teig. Verwandt mit gefüllten Teigtaschen wie den italienischen Caliscioni und im Korpus mit der Apfel-Fleisch-Hackfüllung des Ménagier (men-255); im selben Buch knüpft das mehrfarbige Schau-Gebäck kkm-075 unmittelbar an.

Der mehrfarbige Teig. Ein Teil wird mit Kornblumen blau gefärbt, andere mit Kräutern grün; gefärbt wird nur die Seite, die später außen sichtbar wird. Periodentreue Farben: Kornblume/Heidelbeere für Blau, Petersilien- oder Spinatsaft für Grün, rotes Sandelholz für Rot, Safran für Gelb - keine modernen Lebensmittelfarben.

geheck und gegilbt. Geheck ist die fein gehackte Füllung; gegilbt/gegilbet heißt 'gelb gefärbt', hier mit Safran (oder Eigelb). Das rohe Ei im Hack bindet die Füllung, damit sie beim Backen zusammenhält.

saltz zu vmb vnd vmb. Das ist kein Würzbefehl: gemeint ist, die Ränder der beiden Teigblätter ringsum fest zusammenzudrücken und zu versiegeln, wie bei Fladen oder Ravioli, damit die Füllung eingeschlossen bleibt.

trucken eingeleget. Die Fleischfüllung soll trocken und kompakt eingelegt sein - gut gewürzt, ohne flüssige Sauce -, damit der Teig nicht durchweicht.

Praxis. Weichen Eier-Mehl-Teig kneten, Portionen einfärben, dünn ausrollen, runde Blätter schneiden. Füllung dünn auftragen, zweites Blatt auflegen, Ränder fest verschließen und in der Pfanne in wenig Fett backen. Für die Eier-Varianten Rührei (mit Zucker, Gewürz, Safran) bzw. gehacktes hartes Ei mit Petersilie einschlagen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-074-orig" n="linden Teig" resp="#fyndling">Weicher, geschmeidiger Teig.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-074-orig" n="welgerholtz" resp="#fyndling">Nudelholz oder Teigroller.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-074-orig" n="Krapffen" resp="#fyndling">Hier im Sinne von gefüllten Teigtaschen oder Pfannkuchen, nicht unbedingt süße Krapfen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-074-orig" n="geheck" resp="#fyndling">Fein gehacktes Fleisch oder Füllung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-074-orig" n="gegibet" resp="#fyndling">Gelb gefärbt, meist mit Safran oder Eigelb.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-074-orig" n="scheiblecht" resp="#fyndling">Scheibenförmig, rund geschnitten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-074-orig" n="Fladen" resp="#fyndling">Flache, oft gefüllte Teiggebäcke.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-074-orig" n="gerürt Eyer" resp="#fyndling">Rühreier.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-074-orig" n="Peterlin" resp="#fyndling">Petersilie.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-074-orig" n="trucken eingeleget" resp="#fyndling">Wörtlich 'trocken eingelegt'. Hier im Sinne von gut gewürzt und fest gepresst, ohne flüssige Marinade.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-074-orig" n="Küchlin" resp="#fyndling">Kleine Kuchen oder Küchlein, hier im Sinne von kleinen Teigtaschen oder Frittern.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-074-orig" n="Grün Opffel magstu in diese drey gebackens hacken" resp="#fyndling">Eine vierte Variante: aus gehackten grünen Äpfeln, gut abgeschmeckt, kleine Küchlein backen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-075-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Schau-Gebäck: mehrere verschiedenfarbige, dünn gebackene Teigblätter werden mit Füllungen geschichtet, mit Eiweiß zusammengeheftet, zu einem länglichen Wecken geformt und in Scheiben geschnitten - im Anschnitt zeigt jedes Stück ein buntes Schachbrettmuster (Geschachtzabel, vom mittelalterlichen Schachbrett zabel). Die Scheiben werden auf flache Spieße gesteckt, durch einen dünnen Eier-Milch-Teig gezogen und in Butter gebacken. Im Korpus steht es dem mehrfarbigen Schichtkonfekt von Meister Hans (mha-039) nahe; im selben Buch knüpft es an die mehrfarbigen Teigtaschen kkm-074 an.

Periodentreue Farben. Gelb aus safrangefärbtem Eigelb, Grün aus durchgepresstem Petersiliensaft, Blau aus zerstoßenen Kornblumen. Das Rezept beschreibt die Farbtiefe nach Auszügen: der erste Saftdruck wird sattblau, der zweite und dritte blasser - mit allen Blütenfarben so, nur Rosen geben allein ihren Geschmack ab, nicht ihre Farbe. Den Saft fängt man in einem abgedeckten Gläschen auf. Keine modernen Lebensmittelfarben.

braun als Schreibfehler für blaw. Die Vorlage liest an einer Stelle 'Wiltu sie braun haben, so truck Kornblumensafft darein' - das ist offenkundig verschrieben: Kornblumensaft färbt blau, nicht braun, und der Folgesatz spricht von 'satt blaw'. Zu lesen ist also 'blau'.

Praxis. Dünne, eingefärbte Teigblätter backen (nicht zu braun). Äpfel in Butter braun braten, würzen, dünn auf ein gelbes Blatt streichen, grünes Blatt darüber; eine gewürzte Eierfüllung in zwei weitere Blätter geben. Schichten mit Eiweiß bestreichen, zum Wecken formen, kühl fest werden lassen, in Stücke schneiden. Je zwei, drei Stücke auf flache Holzspieße, durch einen dünnen, gelb gefärbten Milch-Eier-Teig ziehen und in Butter braun backen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-075-orig" n="Geschachtzabels" resp="#fyndling">Ein Gebäck oder eine Speise, die in einem Schachbrettmuster (geschachtelt) angeordnet ist.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-075-orig" n="Eyertotter" resp="#fyndling">Eigelb.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-075-orig" n="Peterlin Safft" resp="#fyndling">Petersiliensaft.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-075-orig" n="Kornblumensafft" resp="#fyndling">Saft aus Kornblumen, hier als blauer Farbstoff verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-075-orig" n="Mörser" resp="#fyndling">Ein großes Gefäß zum Zerstoßen von Zutaten, oft aus Stein oder Metall, mit einem schweren Stößel.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-075-orig" n="höltzin breitlechten Spis" resp="#fyndling">Ein breiter, flacher Holzspieß, der hier zum Braten verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-075-orig" n="weck" resp="#fyndling">Ein längliches, oft leicht süßliches Gebäck, ähnlich einem Brotlaib oder Stuten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-075-orig" n="stücklin" resp="#fyndling">Kleine Stücke.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-075-orig" n="Teiglin" resp="#fyndling">Ein dünner Teig, hier als Hülle für die Spieße.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-075-orig" n="vergilbs" resp="#fyndling">Färbe es gelb.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-075-orig" n="zeuch die spieslin dardurch" resp="#fyndling">Ziehe die Spieße durch den Teig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-075-orig" n="Wiltu sie braun haben / so truck Kornblumensafft darein" resp="#fyndling">Lies 'blau': Kornblumensaft färbt blau (der Folgesatz nennt 'satt blaw'), 'braun' ist eine Verschreibung der Vorlage für 'blaw'.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-076-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Herzhaftes Käsegebäck aus der Pfanne - ein naher Verwandter der gebackenen Käsestreifen (vgl. mha-121) und der Käse-Krapfen (vgl. bgs-044). Geriebener Käse, Mehl und Milch werden zu einem festen Teig verknetet, dünn ausgezogen, in fingerlange Stücke geschnitten und in Butter goldbraun gebacken. Im Ergebnis nah an heutigen Käsestangen oder frittiertem Teiggebäck.

Angestrichen gebackens - der Titel. Die Wendung beschreibt das Verfahren: Der Teig wird dünn auff ein Bret (auf ein Brett) aufgezogen, also aufgestrichen, bevor er zerteilt wird. „Angestrichen“ meint hier das dünne Aufziehen/Ausstreichen des Teigs, keine nachträgliche Glasur.

Helmlin - die Form. Helmlin sind kleine Helme: fingerlange Streifen, oben gebogen oder spitz zugeschnitten, sodass sie an Helmchen erinnern. Eine charmante, aber freie Formangabe - im Kern geht es um mundgerechte Streifen.

Starcker Teig. Ein starcker Teig ist ein fester, gut formbarer Teig, der sich dünn ausziehen lässt, ohne zu reißen - durch den hohen Käseanteil von Natur aus bröselig, weshalb Mehl und Milch ihn binden.

Fastenspeise. Ausdrücklich für die Fastagen (Fastentage) gedacht: Fleisch war verboten, Milchprodukte und Butter aber erlaubt - daher die rein milchbasierte Zutatenliste.

Praxis. Etwa 150 g kräftigen, gut gereiften Hartkäse (Bergkäse, Pecorino) fein reiben, mit 100 g Mehl und so viel Milch verkneten, dass ein fester, glatter Teig entsteht. Auf einem bemehlten Brett dünn (2-3 mm) ausrollen, in fingerlange Streifen schneiden und in reichlich Butter bei mittlerer Hitze goldbraun ausbacken. Heiß und gesalzen servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-076-orig" n="angestrichen gebackens" resp="#fyndling">„Aufgestrichenes Gebackenes“ - bezieht sich auf das dünne Aufziehen des Teigs auf dem Brett, nicht auf eine Glasur.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-076-orig" n="starcken Teig" resp="#fyndling">Fester, gut formbarer Teig, der sich dünn ausziehen lässt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-076-orig" n="helmlin" resp="#fyndling">Kleine Helme - fingerlange Teigstücke, die an Helmchen erinnern.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-076-orig" n="Keß" resp="#fyndling">Käse, hier ein kräftiger Hartkäse zum Reiben.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-076-orig" n="Fastagen" resp="#fyndling">Fastentage - Fleisch verboten, Milchprodukte und Butter erlaubt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-077-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein knappes Folge-Rezept zur Gebäck-Sektion des Buches: derselbe ausgerollte Teig (wie bei den Käsestangen kkm-076) wird in Zierformen geschnitten - Glasrauten, Kleeblätter, Rosen - gebacken und anschließend vergoldet. Es geht rein um Form und Anblick, ein dekoratives Schau-Element für die festliche Tafel.

Glasrauten. Rautenformen, wie sie Bleiglasfenster bilden - also schräg eingeschnittene Vierecke. Daneben Kleeblatt- und Rosenformen; das Rezept setzt einen bereits angesetzten, ausrollbaren Teig voraus.

vergülden. Das gebackene Gebäck wird golden überzogen - mit safrangelb gefärbtem Sud oder verquirltem Eigelb, zu festlichen Anlässen auch mit echtem Blattgold. Wichtig ist der ausdrückliche Hinweis 'so sol es wol kalt sein': vergoldet wird erst das vollständig abgekühlte Gebäck, sonst verläuft der Überzug.

Praxis. Einen festen, ausrollbaren Teig dünn ausziehen, mit Ausstecher oder Messer Rauten, Kleeblätter und Rosen schneiden, in Butter oder im Ofen backen. Vollständig abkühlen lassen, dann mit Safran-Eigelb-Sud bestreichen (oder Blattgold auflegen).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-077-orig" n="Glasrauten" resp="#fyndling">Rautenform wie bei Bleiglasfenstern - schräg geschnittene Vierecke.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-077-orig" n="vergülden" resp="#fyndling">Golden überziehen, mit Safran oder Eigelb, zu festlichen Anlässen auch mit echtem Blattgold.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-078-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte, in Butter gebratene Teigbällchen, serviert in einer schwarzen Pfeffersauce - ein höfliches Beilagen- oder Vorspeisengericht. Es ist ein Folge-Rezept: es greift auf 'denselben Teig' aus dem vorangehenden Teigtaschen-Rezept (kkm-074) zurück. Verwandt mit gefüllten, frittierten Teiggebäcken wie den Frucht-Pasteten der Form of Cury (foc-184).

schwartzes Pfefferlin. Pfeffer meint hier nicht das Gewürz, sondern eine würzige, gebundene Sauce - ein 'Pfeffer'. Schwarz wird sie typisch durch dunkel geröstetes Brot (oder Lebkuchen) als Bindung. Die Bällchen werden heiß oder kalt in diese Sauce gelegt.

Die Füllung. Dotter von hart gekochten Eiern, in Butter gebratene Äpfel oder Birnen, fein gehackt und mit etwas in Wein oder Milch gelöstem Safran zu einer dicklichen Masse verrührt. Auf Teigfladen gesetzt, zusammengeschlagen und in den Händen zu Kugeln gerollt.

Eier- und Krebsform. Mit demselben Teig lassen sich auch nachgeformte Eier oder Krebse herstellen (in Eier- bzw. Krebsform geformt) und in Brühen, Weinsuppen oder Pfeffersaucen reichen - eine kleine Schauspielerei mit demselben Grundteig.

Praxis. Aus einem festen, ausrollbaren Teig Fladen formen, mit der Eidotter-Apfel-Füllung belegen, zu Kugeln schließen und in Butter goldbraun braten. In eine mit dunkel geröstetem Brot gebundene Pfeffersauce legen, mit Ingwer bestreuen, gewürfeltes Eiweiß darübergeben und mit etwas Butter abrunden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-078-orig" n="schwartzes Pfefferlin" resp="#fyndling">Eine würzige, gebundene Pfeffersauce - 'Pfeffer' meint das Gericht/die Sauce, nicht nur das Gewürz; schwarz durch dunkel geröstetes Brot.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-078-orig" n="Bieren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#bieren">Birnen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-078-orig" n="temperirs" resp="#fyndling">Mische es, rühre es unter.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-078-orig" n="gehäck" resp="#fyndling">Die fein gehackte Masse, die Füllung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-078-orig" n="welger jn in den Henden kuglecht" resp="#fyndling">Rolle den gefüllten Teig in den Händen zu Kugeln.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-078-orig" n="backs in Buttern" resp="#fyndling">In Butter braten/anbraten (nicht im Ofen backen).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-078-orig" n="mach es mit ein wenig Butter ab" resp="#fyndling">Das fertige Gericht mit etwas Butter abrunden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-078-orig" n="demselbigen Teig" resp="#fyndling">Es ist der ausrollbare Teig aus dem vorangehenden Teigtaschen-Rezept (kkm-074) gemeint, auf das dieses Folge-Rezept ausdrücklich verweist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-078-orig" n="gefüllte Eyer / gefüllten Krebs" resp="#fyndling">Aus demselben Teig lassen sich auch Eier- und Krebsformen nachbilden und in Sauce reichen - eine Formgebung, keine echten gefüllten Eier oder Krebse.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-079-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte, zusammengeklappte Weißbrotscheiben - eine Art mittelalterliches gebackenes Sandwich oder Toast mit süß-würziger Apfel-Ei-Füllung. Der angehängte zweite Teil ist ein eigenständiges Rezept für kleine Obst-Brot-Eier-Küchlein. Verwandt mit den gebratenen Birnen-Apfel-Schnitten (bgs-010) und Severins Pfannkuchen/Gebäck (sev-209).

Ein frembd Gebackens („ein fremdes/ausländisches Gebäck") signalisiert, dass das Rezept als auswärtige Spezialität galt. Der Name Schnabel rührt vermutlich von der Form: zwei Brotscheiben, deren untere die obere überlappt und am Rand verklebt wird - eine schnabel- oder taschenartige Gestalt.

Die Füllung: geröstete, gehackte Äpfel mit Salz, Pfeffer oder Ingwer, Safran und gut verquirlten Eiern zu einer streichfähigen Masse verknetet. Die Ränder werden mit Eyerklar (Eiweiß) als Kleber verschlossen, dann wird gebacken.

Für farbige Schnabel wird das Brot vorher durch einen Färbesaft gezogen - periodentreu etwa Safran für Gelb, Petersilien-/Spinatsaft für Grün, rotes Sandelholz für Rot.

Pfeffer als Servieroption meint hier nicht gemahlenen Pfeffer, sondern eine Pfeffersauce - eine dunkle, gewürzte Sauce, in die das Gebäck gelegt wird. Gallrad (Gallert/Aspik), Lebersültz und Käßbrüh sind weitere Serviergrundlagen.

Praxis. Weißbrot entrinden, in dünne, gleichmäßige Scheiben schneiden. Äpfel achteln, in der Pfanne anrösten, fein hacken; mit Salz, Pfeffer/Ingwer, einer Safran-Prise und verquirltem Ei zu einer streichbaren Masse verkneten. Auf eine Scheibe streichen, zweite Scheibe auflegen, Ränder mit Eiweiß bestreichen und andrücken. In Butter in der Pfanne von beiden Seiten goldbraun braten oder im Ofen backen. Für die Küchlein: Äpfel oder Birnen in Butter braten, mit eingerührtem Weißbrot und gehackten hartgekochten Eiern sowie etwas Wein und Milch zu einem festen Teig verarbeiten, kleine Küchlein formen und ausbacken.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-079-orig" n="frembd Gebackens" resp="#fyndling">„Fremdes/ausländisches Gebäck" - signalisiert eine auswärtige Spezialität.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-079-orig" n="Eyerklar" resp="#fyndling">Eiweiß, hier als Kleber zum Verschließen der Ränder.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-079-orig" n="Gallrad" resp="#fyndling">Gallert, Aspik.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-079-orig" n="Lebersültz" resp="#fyndling">Eine Sülze auf Leberbasis.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-079-orig" n="Käßbrüh" resp="#fyndling">Eine Brühe oder Sauce auf Käsebasis.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-079-orig" n="Küchlin" resp="#fyndling">Diminutiv von Kuchen - kleine Küchlein/Fritter.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-079-orig" n="in Pfeffer geben" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Als Pfeffersauce gelesen - eine dunkle, gewürzte Sauce, in die das Gebäck gelegt wird, nicht gemahlener Pfeffer. „Pfeffer" als Saucenname ist in dieser Zeit gängig (vgl. Gallert, Lebersülze, Käsebrühe als parallele Servieroptionen).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-080-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein reines Schau- und Statusgebäck der gehobenen Renaissance-Tafel: kleine Kügelchen aus aromatisiertem Zucker, in Butter ausgebacken und mit echtem Blattgold überzogen. Es ist kein sättigendes Gericht, sondern eine essbare Kostbarkeit, die man trocken zu Gebratenem reichte - der direkte Vorfahr heutiger vergoldeter Pralinen und Konfekt-Dekorationen.

Der Zucker. Zucker Rosat, Violat und Muscat sind mit Rosen, Veilchen bzw. Muskat aromatisierte Zucker - im 16. Jahrhundert teure Apotheker- und Konditorware. Man wählt eine Sorte. Modern erreichst du das mit feinem Puderzucker und einem Tropfen Rosen- oder Veilchenwasser bzw. frisch geriebener Muskatnuss; ein wenig Bindung (Tragant, Eiweiß oder etwas Stärkesirup) hilft, die Kügelchen zwischen nassen Händen rund zu formen.

Die Goldfarbe. Geschlagen Goldt ist essbares Blattgold, das auf einem Stein mit Wasser oder Branntwein und einem rohen Eigelb angerieben wird, bis eine streichfähige Goldmasse entsteht. Das Eigelb wirkt als Bindemittel und gibt zugleich einen goldgelben Grundton. Jedes Kügelchen wird auf eine Messerspitze gesteckt, damit man es rundum gleichmäßig bestreichen kann.

Praxis. Forme aus aromatisiertem Puderzucker daumengliedgroße Kugeln (ca. 2-3 cm) zwischen nassen Händen, bestreiche sie mit der Goldmasse, lege sie einzeln auf ein Brett. Backe sie portionsweise in reichlich heißer Butter aus, sodass jedes Kügelchen frei schwimmt und sie sich nicht berühren, und hebe sie mit dem Schaumlöffel heraus. Trocken zu Bratenfleisch servieren. Echtes essbares Blattgold (E 175) gibt es im Konditorei-Fachhandel; für eine günstigere Version kann man die Kügelchen auch nur mit der eigelbgrundierten Goldfarbe bestreichen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-080-orig" n="geschlagen Goldt" resp="#fyndling">Sehr dünn ausgeschlagenes, essbares Blattgold.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-080-orig" n="Zucker Rosat/Violat/Muscat" resp="#fyndling">Aromatisierte Zuckerarten: Rosat (mit Rosen), Violat (mit Veilchen), Muscat (mit Muskat). Man wählt eine Sorte.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-080-orig" n="Daumenglied" resp="#fyndling">Größenangabe: ein Daumengelenk, etwa 2-3 cm.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-080-orig" n="Goldfarb" resp="#fyndling">Die streichfähige Masse aus Blattgold, Flüssigkeit und Eigelb zum Bestreichen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-080-orig" n="Gebrahtens" resp="#fyndling">Gebratenes, Bratenfleisch - dazu werden die Küchlein trocken gereicht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-081-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Grüne Ausbackküchlein - dünn in die Pfanne gestreute Fritter aus einem mit Petersiliensaft grün gefärbten Teig. Sie gehören zur großen Familie der Strauben und Küchlein, der mittelalterlichen Schmalzgebäcke, und sind eng verwandt mit den gebackenen Petersilien-Küchlein desselben Buches (kkm-087).

Strauben, nicht Pfannkuchen. Straubenteiglin meint einen dünnflüssigen Ausbackteig (Straubenteig), wie er für in Fett gebackene Strauben verwendet wird - nicht den dicken Rührteig moderner Pfannkuchen. Das Grün kommt aus Petersilie, die mit etwas Wasser und Weißbrotbröseln im Mörser zerstoßen und durch ein Tuch getrieben wird; das Brot bindet den Saft und gibt eine feine, tiefgrüne Paste (die periodengetreue grüne Speisefarbe - Petersiliensaft, kein moderner Behelf).

zettel. Zettel heißt streuen, ausbreiten: der grüne Teig wird dünn in die heiße Pfanne gegossen und ausgebacken, nicht dick gehäuft. Versaltz nicht - nur sparsam salzen.

Praxis. Eine Handvoll Petersilie mit etwas Wasser und 1-2 EL Weißbrotbröseln fein mörsern, durch ein Tuch passieren. Einen dünnen Ausbackteig aus Eiern und Mehl anrühren, leicht salzen, die grüne Paste einrühren. Dünn in heiße Butter oder Schmalz gießen und beidseitig hellgrün-goldbraun ausbacken. Ergibt ein leuchtend grünes Fasten- und Beilagengebäck.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-081-orig" n="Streublin" resp="#fyndling">Dünn in die Pfanne gestreute Ausbackküchlein; der Name kommt vom Streuen des Teigs.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-081-orig" n="Straubenteiglin" resp="#fyndling">Dünnflüssiger Ausbackteig (Straubenteig), nicht der dicke Teig moderner Pfannkuchen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-081-orig" n="zettel" resp="#fyndling">Streuen, dünn ausbreiten - hier: den Teig dünn in die Pfanne gießen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-081-orig" n="durch geschlagen Peterlin" resp="#fyndling">Die durchs Tuch passierte (grüne) Petersilienpaste.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-081-orig" n="versaltz nicht" resp="#fyndling">Nicht zu stark salzen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-082-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte, frittierte Krapfen - die direkten Vorfahren des Berliners und naher Verwandter der gefüllten Fasten-Krapfen der Zeit (vgl. bgs-060, mha-141, ri15632-033). Das Rezept beschreibt nur die Füllungen, der Teig wird als bekannt vorausgesetzt. Geboten werden zwei Varianten: eine süß-würzige aus Obst, eine herzhafte aus Eiern und Kräutern.

Variante 1 - Obstfüllung. Braht sie vor wol („brate sie zuvor gut“) bezieht sich auf die im Titel genannten Äpfel und Birnen: Sie werden erst weich gegart, dann mit ein bis zwei Eiern, Salz und Würtz (Pfeffer, Ingwer, Zimt) im Mörser zu einer feinen Paste zerstoßen. Das Anbraten vorab macht das Obst weich und reduziert Saft, damit die Füllung nicht durch den Teig läuft - dasselbe Prinzip wie bei Apfelkrapfen heute.

Variante 2 - Kräuterfüllung. Eier, fein gehackte Peterlin (Petersilie) und andere gute Kräuter werden mit einem rohen Ei verknetet, gewürzt und gesalzen - eine herzhafte, omelettartige Masse, die beim Frittieren stockt und die Krapfen füllt.

Würtz. Allgemeine Gewürzmischung; bei der Obstfüllung passen die süßen Aromen Zimt und Muskat, bei der Kräuterfüllung eher Pfeffer und Ingwer.

Praxis. Für die Obstfüllung etwa 4 Äpfel und Birnen schälen, würfeln und in Butter weich dünsten, leicht ausdampfen lassen, dann mit 1-2 Eiern, einer Prise Salz, Zimt und Muskat zu einer dicken Paste zerstoßen (Mörser oder Kartoffelstampfer). Für die Kräuterfüllung ein Bund Petersilie fein hacken, mit 2-3 Eiern, Salz und Pfeffer verquirlen. Krapfenteig (einfacher Hefe- oder Quarkteig) dünn ausrollen, kleine Mengen Füllung einschlagen, gut verschließen und in 170-180 Grad heißem Fett goldbraun frittieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-082-orig" n="Braht sie vor wol" resp="#fyndling">„Brate sie zuvor gut“ - die Äpfel und Birnen werden erst weich gegart, bevor sie zur Füllung verarbeitet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-082-orig" n="Krapffen" resp="#fyndling">Frittierte, gefüllte Teiggebäcke - die Vorfahren des Berliners. Der Teig wird hier als bekannt vorausgesetzt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-082-orig" n="Peterlin" resp="#fyndling">Petersilie.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-082-orig" n="verkneten" resp="#fyndling">Die Kräuter-Ei-Masse mit einem rohen Ei zu einer bindenden Füllung verarbeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-082-orig" n="Würtz" resp="#fyndling">Allgemeine Gewürzmischung der Zeit; bei Obst eher Zimt/Muskat, bei Kräutern eher Pfeffer/Ingwer.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-083-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein vielseitiges Teig-Grundrezept: flache, beliebig geformte und gefärbte Küchlein (Lappen Küchlin), die man mit Saucen isst, sowie aus demselben Teig gefüllte Krapfen mit Obst-, Hirn-, Vogel-, Fleisch- oder Fischfüllung. Verwandt mit den Obst-Krapfen desselben Buches (kkm-082) und den Pasten-Krapfen aus München (ri15632-005).

Die vier Farben. Der Teig wird periodengetreu gefärbt: braun durch kräftiges Ausbacken, gelb mit in Wein oder Milch zerriebenem Saffran, grün mit ausgepresstem Peterlinsafft (Petersiliensaft), blau mit Kornblumen. Das ist die klassische ROYGBIV-Palette der mittelalterlichen Färbeküche - kein moderner Behelf.

Die Füllungen. Die Krapfen nehmen Äpfel, Birnen, Kalbshirn oder Geheck von kleinen Waldvögeln (fein gehacktes Kleinvogelfleisch). Für Fleisch- und Fischfüllungen gilt die Standardregel: erst recht und wol gesotten (gar kochen), dann im Mörser zu einer feinen Farce stoßen, mit Petersilie oder anderen Kräutern abschmecken und mit rohen Eiern verkneten, die als Bindung dienen.

gestürtzt Eyer. Gestürtzt Eyer sind am ehesten gefüllte Eier (eine eigene Füll-Tradition, vgl. gefüllte Äpfel und Hühner) - der Wortlaut lässt aber auch Rühreier offen.

Praxis. Aus Eiern, etwas Milch und Weizenmehl (Type 405/550) einen festen Teig kneten, dünn ausrollen. Für gefärbte Küchlein den Teig vor dem Ausrollen einfärben, ausstechen und in Fett ausbacken; mit einer Sauce reichen. Für Krapfen den Teig füllen, verschließen und in heißem Schmalz oder Öl goldbraun frittieren. Geschützte Kleinvögel sind heute tabu - als Füllung Zuchtwachtel, Rebhuhn oder Hühnerbrust verwenden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-083-orig" n="Lappen Küchlin" resp="#fyndling">Flache, frei geformte Küchlein, die man mit Saucen isst.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-083-orig" n="Welgerholtz" resp="#fyndling">Nudelholz zum Ausrollen des Teigs.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-083-orig" n="Peterlinsafft" resp="#fyndling">Petersiliensaft - die periodengetreue grüne Speisefarbe.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-083-orig" n="Geheck" resp="#fyndling">Fein gehacktes Fleisch (hier von kleinen Vögeln).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-083-orig" n="gestürtzt Eyer" resp="#fyndling">Am ehesten gefüllte Eier; der Wortlaut lässt auch Rühreier offen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-083-orig" n="leiß gesaltzen" resp="#fyndling">Leicht gesalzen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-083-orig" n="temperirt" resp="#fyndling">Abgeschmeckt und zur richtigen Konsistenz vermischt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-083-orig" n="ein drittheil Milch" resp="#fyndling">Ein Drittel Milch im Verhältnis zu den Eiern - eine geringe Flüssigkeitsmenge, passend zum geforderten festen Teig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-083-orig" n="gestürtzt Eyer" resp="#fyndling">Gefüllte Eier - eine eigene Füll-Tradition, die gut zu den ebenfalls genannten gefüllten Äpfeln und Hühnern passt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-084-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gehobenes Krapfen-Rezept: ein mit Wein, Honig, Eigelb und Safran angereicherter Teig, in dem gefüllte Teigtaschen frittiert werden - mit feinen Innereien-Füllungen für vornehme Gäste. Es gehört zur großen Fasten- und Festtags-Krapfenfamilie (vgl. den herzhaften Restfleisch-Krapfen kkm-085 und die Hechtrogen-Krapfen des Ménagier, men-268).

Der Teig. Honig wird in Wein gekocht (Honig seud in Wein), der Sud mit Mehl zu einem dünnen Mus eingedickt (zwier... als ein Müßlin), dann mit safrangelbem Eigelb verrührt und unter Mehlzugabe zu einem leytigen - geschmeidigen, biegsamen - Teig geknetet. Zwier meint hier eindicken/verrühren. Der angehängte Satz über Hefe-, Bier- oder Hopfenteig ist eine allgemeine Anmerkung: solchen Teig lässt man erst gehen und knetet ihn dann in lauwarmem Wasser oder Wein-Honig-Sud weiter.

Die Füllungen. Drei Varianten, alle mit geriebenem Lebkuchen als Würzbasis (der lieferte fertig die Mischung aus Honig, Pfeffer, Ingwer, Nelken): reine Fischlebern, gemörsert; Vogel- oder Hühnerlebern, gehackt und mit Eigelb gebunden; oder alle Fischeingeweide, mit Eigelb und Fischbrühe zu einer Farce verarbeitet. Das Eigelb bindet, der Lebkuchen würzt.

Praxis. Wein-Honig-Sud kochen, mit Mehl andicken, mit safrangefärbtem Eigelb verrühren, zu festem Teig kneten und dünn ausrollen. Füllung der Wahl (Geflügelleber ist am leichtesten zu bekommen) mit geriebenem ungeglastem Lebkuchen und etwas Eigelb zu einer feinen Paste verarbeiten, Teigtaschen füllen und in heißem Schmalz oder Öl goldbraun ausbacken. Fischleber und Fischeingeweide sehr frisch verarbeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-084-orig" n="zwier" resp="#fyndling">Eindicken, verrühren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-084-orig" n="Müßlin" resp="#fyndling">Diminutiv von Mus - eine dünne, breiartige Konsistenz.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-084-orig" n="leytiger Teig" resp="#fyndling">Ein geschmeidiger, biegsamer, gut verarbeitbarer Teig.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-084-orig" n="eitel" resp="#fyndling">Rein, lauter, ausschließlich (hier: nur Fischlebern).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-084-orig" n="Lebkuchen" resp="#fyndling">Diente als fertige Würzbasis (Honig, Pfeffer, Ingwer, Nelken); modern ungeglaster Lebkuchen oder Kräuterprinten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-084-orig" n="Jngeweid von Fischen" resp="#fyndling">Essbare Fischinnereien (Rogen, Milchner, Mägen), traditionell mitverwertet.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-085-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine clevere Resteverwertung: aus übrig gebliebenem gekochtem oder gebratenem Wildbret oder Huhn werden gefüllte Krapfen, süß-pikant mit Honig und Lebkuchen abgeschmeckt. Eng verwandt mit dem feinen Krapfen-Rezept desselben Buches (kkm-084) und mit der süß-würzigen Geflügeltradition des Cgm 5919 (m5919-012).

Die Masse. Das gegarte Fleisch wird fein gehackt, mit Eiern und gehackter Petersilie vermengt, gewürzt und leicht gesalzen. Damit die Farce nicht zu trocken bröselt, temperiert man sie - bindet sie geschmeidig - mit gekochtem Honig, Wein und geriebenem Lebkuchen. Der Lebkuchen wirkt doppelt: er bindet wie eine würzige Brösel-Bindung und bringt die typische süß-pikante Note (Honig, Pfeffer, Ingwer, Nelken) gleich mit.

Süß-pikant. Die Verbindung von Fleisch mit Honig und Zucker (zum Bestreuen) ist kein Widerspruch, sondern spätmittelalterlich-frühneuzeitlicher Standardgeschmack - die Süße kontert das herzhafte Fleisch, vergleichbar der Apfelmus-zur-Gans-Logik.

Praxis. Gekochtes Wild oder Huhn (auch Rind/Schwein) fein hacken, mit 2-3 Eiern, gehackter Petersilie, Salz und Gewürzen mischen, mit etwas erwärmtem Honig, einem Schuss Wein und geriebenem ungeglastem Lebkuchen zu einer formbaren Masse binden. Zu Krapfen formen oder in Teig füllen und in heißem Schmalz oder Öl zügig goldbraun ausbacken - sie sind schnell gar. Nach dem Herausnehmen auf gute Bräunung achten; nach Belieben mit Zucker bestreuen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-085-orig" n="Wildbret" resp="#fyndling">Wildfleisch - hier als Resteverwertung von bereits gegartem Fleisch.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-085-orig" n="temperirs" resp="#fyndling">Die Masse zur richtigen, bindenden Konsistenz anrühren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-085-orig" n="gesotten Honig" resp="#fyndling">Gekochter/erwärmter Honig, flüssiger und leichter einzuarbeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-085-orig" n="Lebkuchen" resp="#fyndling">Gewürzgebäck als Binde- und Würzbasis (süß-pikant); modern ungeglaster Lebkuchen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-085-orig" n="Krapffen" resp="#fyndling">„Krapffen" sind im Frühneuhochdeutschen in Schmalz ausgebackene gefüllte Teigtaschen oder Fleischküchlein, nicht der süße moderne Krapfen. Universelle Form auch für Restfleischverwertung; modern vergleichbar mit herzhaften italienischen crocchette ripiene oder polnischen frittierten pierogi smażone.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-086-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gebackenes Ei-Brot-Gericht - eine Art früher, fester Eierkuchen oder ofengebackener Brot-Auflauf in Plattenform. Geschlagene Eier binden gewürfeltes Weißbrot zu einem Teig, der zu Platten ausgerollt und gebacken wird. Vom Prinzip her verwandt mit einem dicken Omelett oder mit Brotpudding, durch die ausgerollten Platten aber näher an einem festen Eierfladen. Vgl. das gefüllte Ei-Backwerk mha-091.

Semmelbrot würfflet. Weißes Semmelbrot (helles Weizengebäck) wird gewürfelt und unter die verquirlten Eier gehoben - das Brot ist Sättigungsträger und gibt dem Teig Struktur. Altbackenes Brot saugt die Eimasse besser auf als frisches.

Bletter mit dem Welgerholtz. Bletter sind „Blätter“ im Sinne von Teigplatten; das Welgerholtz ist das Wellholz/Nudelholz. Die mit Brot durchsetzte Eimasse wird also ausgerollt - „nicht zu dünn“ - zu großen oder kleinen Platten und dann gebacken. Dass man eine so brotreiche Eimasse überhaupt ausrollen kann, zeigt, dass sie recht fest sein muss.

versaltz es nicht. Eine ausdrückliche Warnung: behutsam salzen, lieber nachsalzen. Muskat ist das einzige Gewürz.

Praxis. Mehrere Eier gründlich verquirlen, gewürfeltes altbackenes Weißbrot (etwa gleiches Volumen wie die Eimasse) unterrühren, etwas reiben lassen, bis das Brot quillt und die Masse formbar-fest wird. Muskat reiben, vorsichtig salzen. Zu fingerdicken Platten ausrollen oder formen und backen (Ofen ~180 °C, bis goldbraun und durchgestockt), alternativ in der gefetteten Pfanne von beiden Seiten ausbacken. Lässt sich in Stücke schneiden und warm reichen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-086-orig" n="Gebackens" resp="#fyndling">Gebäck / Gebackenes - hier ein gebackenes Ei-Brot-Gericht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-086-orig" n="klopff sie wol" resp="#fyndling">Gut verquirlen / schaumig schlagen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-086-orig" n="weiß Semmelbrot würfflet" resp="#fyndling">Helles Weizen-/Semmelbrot, gewürfelt - bindet mit den Eiern zum Teig.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-086-orig" n="versaltz es nicht" resp="#fyndling">Nicht übersalzen - eine ausdrückliche Vorsichtswarnung des Rezepts.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-086-orig" n="Bletter" resp="#fyndling">„Blätter“, hier Teigplatten, die ausgerollt und gebacken werden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-086-orig" n="Welgerholtz" resp="#fyndling">Wellholz / Nudelholz zum Ausrollen des Teigs.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-087-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Herzhafte Kräuter-Küchlein: aus einer würzigen Kräuter-Brot-Masse, mit Wein durchs Tuch getrieben und mit Ei und Mehl zu einem festen Teig gerührt, werden walnussgroße Stücke löffelweise in heißem Fett ausgebacken. Trotz des Titels Gebackens ist es kein Süßgebäck, sondern ein gewürzig-grünes Schmalzgebäck in der Tradition der Salsen-Küche - eng verwandt mit den grünen Petersilien-Küchlein desselben Buches (kkm-081).

Würzbasis wie eine Salse. Gleich wie man Salsen macht: Petersilie, Beimenten und weitere Würzkräuter werden mit eingeweichtem Brot oder geriebenem Lebkuchen im Mörser zerstoßen und mit gutem Wein durchs Tuch passiert - genau das Verfahren der grünen Kräutersaucen (vgl. kkm-101). Das Brot bzw. der Lebkuchen bindet und würzt zugleich.

Beimenten. Beimenten ist ein frühneuhochdeutscher Kräutername, dessen Lesart im Korpus schwankt (Lorbeer, Melisse, Balsamkraut/Frauenminze). Im Kontext der weichen Salsen-Kräuter ist am ehesten ein zartes Würzkraut gemeint; siehe interpretive_choices.

Praxis. Eine Handvoll Petersilie und weitere Kräuter mit etwas eingeweichtem Weißbrot oder geriebenem ungeglastem Lebkuchen und Gewürzen im Mörser zerstoßen, mit gutem trockenem Weißwein durch ein Tuch passieren. Eier und Mehl zu einem festen Teig einrühren. Walnussgroße Portionen löffelweise in heiße Butter oder Schmalz geben und goldbraun ausbacken.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-087-orig" n="Gebackens" resp="#fyndling">Ausgebackenes Teigstück - hier ein herzhaftes Kräuter-Schmalzgebäck, kein Süßgebäck.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-087-orig" n="Beimenten" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutscher Kräutername; die Lesart schwankt im Korpus (Lorbeer / Melisse / Balsamkraut). Siehe interpretive_choices.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-087-orig" n="gleich wie man Salsen macht" resp="#fyndling">Verweist auf das Verfahren der grünen Kräutersaucen: Kräuter mit Brot mörsern und durchs Tuch treiben.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-087-orig" n="Brosam" resp="#fyndling">Brotkrumen - Binde- und Würzmittel.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-087-orig" n="einziehe in den Buttern" resp="#fyndling">Löffelweise in heißes Fett (Butter oder Schmalz) geben und ausbacken.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-087-orig" n="Beimenten" resp="#fyndling">Ein zartes Würzkraut, das zu den weichen Salsen-Kräutern (Petersilie u.a.) passt; im selben Buch andernorts als Lorbeer übertragen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-088-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine herzhafte gebackene Fasten-Torte: eine mit Teig ausgekleidete Tonpfanne, gefüllt mit einer Ei-Butter-Gewürz-Masse und festem Fisch oder Krebsen, mit einem Teigdeckel verschlossen und über Kohlen gebacken. Es ist die gedeckte Schwester der Krebspasteten desselben Buches (kkm-013, kkm-014) - eine frühe Quiche- bzw. Pastetenform.

Die Teigpfanne. Ein fester Teig aus Mehl, Milch und Eiern wird dünn ausgerollt und in eine Erdenpfann (Tonpfanne) gelegt, sodass er ringsum etwa einen Querfinger (ein zwerch Finger) über den Rand hängt - so entsteht eine essbare Teigschale. Nach dem Füllen kommt ein zweites Teigblatt darüber, dessen Rand man wie bei einem Fladen mit dem überstehenden Teig börtelt (zusammendrückt/kräuselt).

Die Füllung. Eier, Butter und Gewürze werden gut verschlagen; hinein kommen geschälte Krebse oder fester Fisch (hart Fisch) wie Hecht oder Barsch. Weiche Fische taugen nur, wenn sie vorher gekocht und gewürzt wurden - roh würden sie im Teigmantel zerfallen und wässern.

weite feuchte Pfann. Die geforderte weite feuchte Pfann ist am ehesten eine größere, mit Wasser beschickte Pfanne als Untersetzer (Wasserbad-Prinzip), die den Boden vor direkter Kohlenhitze schützt und für gleichmäßiges Garen sorgt; der Wortlaut lässt aber auch eine gewässerte Tonpfanne offen (siehe interpretive_choices).

Praxis. Festen Teig kneten, dünn ausrollen, eine gefettete feuerfeste Form damit auskleiden (Rand überstehen lassen). Füllung aus verschlagenen Eiern, Butter, Gewürzen und festem Fisch oder Krebsfleisch einfüllen, mit Teigdeckel verschließen und die Ränder verschließen. Mit Glut von unten und oben (Dutch-Oven-Prinzip) backen, die Form gut buttern, damit nichts anbrennt, und sie öfter drehen. Wenn die Kruste bräunt, ist die Torte gar.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-088-orig" n="Turten" resp="#fyndling">Gebackene Torte/Pastete in einer Teigschale.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-088-orig" n="Teigpfann" resp="#fyndling">Die mit Teig ausgekleidete Pfanne - die essbare Teigschale.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-088-orig" n="Erdenpfann" resp="#fyndling">Tonpfanne, Steingutgefäß.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-088-orig" n="börtel es zu" resp="#fyndling">Die Ränder wie bei einem Fladen zusammendrücken/kräuseln und verschließen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-088-orig" n="hart Fisch" resp="#fyndling">Fester Fisch (Hecht, Barsch); weiche Fische nur vorgekocht und gewürzt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-088-orig" n="Bersing" resp="#fyndling">Barsch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-088-orig" n="weite feuchte Pfann" resp="#fyndling">Eine größere, mit Wasser beschickte Pfanne als Untersetzer (Wasserbad-Prinzip), die den Boden vor direkter Kohlenhitze schützt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-089-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine herzhafte, ofengebackene Fleischpastete mit weicher Ei-Füllung - im Kern eine frühneuzeitliche Turte (Torte), die geschlossen wie eine Pastete gebacken wird. Der nächste lebende Verwandte ist die englische Meat Pie oder die elsässische Fleischtorte; die ei-und-brühe-gebundene Füllung verwandt sie zugleich mit der herzhaften Quiche.

Die Ei-Brühe-Füllung. Das Bindemittel ist hier nicht Brot, sondern eine flüssige Ei-Masse: Eier werden mit Wein, Milch oder Brühe verquirlt, Butter eingerührt, gesalzen und gewürzt. Der Text warnt zweimal vor zu viel Flüssigkeit (mach die füll nicht zu starck … nicht viel) - die Füllung soll im Ofen zu einem schnittfesten, eierstichartigen Kern stocken, nicht suppig bleiben. Das untergemischte Fleisch (was fleisch du hast) ist frei wählbar: gegart und klein geschnitten.

Die Teigpfanne in der Pfanne. Die Anweisung, die Teigpfann in eine größere Pfanne mit Butter zu setzen, ist ein indirektes Backverfahren - das Fett im äußeren Gefäß puffert die Hitze ab, wie ein Wasserbad, nur mit Butter. So gart die empfindliche Ei-Füllung gleichmäßig, ohne dass der Boden anbrennt.

Praxis. Mürbe- oder Pastetenteig in eine gefettete Form legen, gegartes Fleisch (Rind, Schwein, Geflügel) klein schneiden und mit der Ei-Brühe-Butter-Masse vermengen - pro 3-4 Eier nur ein guter Schuss Flüssigkeit, sonst stockt es nicht. Einfüllen, Teigdeckel auflegen, Rand fest andrücken, mit Butter beträufeln. Bei 180 Grad backen, bis die Füllung gestockt und der Teig goldbraun ist. Das historische Pfanne-in-Pfanne-Prinzip lässt sich im Dutch Oven über indirekter Glut oder im Ofen auf einem mit etwas Fett oder Wasser beschickten Blech nachstellen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-089-orig" n="Turten" resp="#fyndling">Torten - im Frühneuhochdeutschen die geschlossene, ofengebackene Pastete (nicht die süße Sahnetorte von heute).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-089-orig" n="Läppisch Teig" resp="#fyndling">Ein an anderer Stelle des Buches gelehrter Teig; aus dem Namen allein nicht sicher zu bestimmen, am ehesten ein dünn ausgewalkter, einfacher Teig.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-089-orig" n="nicht zu starck" resp="#fyndling">Nicht zu fest/dick - bezogen auf die Füllung; sie soll geschmeidig bleiben, aber nicht suppig.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-089-orig" n="Teigpfann" resp="#fyndling">Die eigentliche Backform aus Teig, die in eine größere, mit Butter beschickte Pfanne gesetzt wird (indirektes Backen).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-089-orig" n="verrenfft es" resp="#fyndling">Die Teigränder fest zusammendrücken/umschlagen, um die Pastete dicht zu verschließen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-089-orig" n="Läppisch Teig" resp="#fyndling">Ein an früherer Stelle des Buches beschriebener einfacher Teig, vermutlich dünn ausgewalkt. Die genaue Zusammensetzung gibt der Wortlaut hier nicht her.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-090-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Frittierte Küchlein aus Erbsenpüree - ein Fasten- und Beilagengericht, das Hülsenfrüchte in etwas Festliches verwandelt. Verwandt mit dem süß-sauren Erbsenmus der Zeit (vgl. mha-271) und den frittierten Teigküchlein (vgl. mar-177). Aus passiertem Erbsenmus wird eine schnittfeste Masse, die paniert, ausgebacken und mit einem Wein-Honig-Sud beträufelt wird.

Die feste Masse. Gekochte, geschälte Erbsen werden durch ein Sieb passiert (schlahe sie durch), mit Wein, mit Eigelb (Eyertottern) abgebundenem Ansatz und etwas Mehl verrührt und kalt gestellt - so gestehet es dick: beim Erkalten binden Stärke und Eigelb die Masse so weit, dass sie sich in Stücke schneiden lässt. Das ist der Trick des Rezepts: erst formbar machen, dann zerteilen.

Gilb Wein. Heller, gelblicher Wein (Weißwein); manche lesen gilb auch als „färbe gelb“ - im Ergebnis ein heller, gelb wirkender Ansatz. Die feinen Würtz (Gewürze) kommen in den Ausbackteig.

Das gelbe Teiglin. Ein dünner Backteig aus Mehl, Ei und Flüssigkeit, gewürzt und gelb gefärbt - die Gelbfärbung zeittypisch mit Safran oder reichlich Eigelb (nicht mit modernen Behelfsfarben). Die kalten Erbsenstücke werden hindurchgezogen und im heißen Fett goldbraun ausgebacken.

Der Wein-Honig-Sud. Gesotten Wein mit Honig - Wein mit Honig aufgekocht und über die fertigen Küchlein gesprenkelt. Die süß-saure Glasur (Agrodolce-Prinzip) kontert die erdige Erbse.

Praxis. 500 g getrocknete Schälerbsen weich kochen, passieren. Mit 2 Eigelb, 2 EL Mehl und einem Schuss Weißwein zu einer dicken Masse verrühren, kalt stellen, bis sie schnittfest ist. In Stücke schneiden. Backteig aus 100 g Mehl, 1 Ei, etwas Weißwein und einer Prise Safran anrühren. Erbsenstücke durchziehen und in 170-180 Grad heißem Fett goldbraun frittieren. 100 ml Wein mit 2 EL Honig kurz aufkochen und über die heißen Küchlein träufeln.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-090-orig" n="belg sie" resp="#fyndling">Schäle sie - die Haut der gekochten Erbsen entfernen für ein feines Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-090-orig" n="schlahe sie durch" resp="#fyndling">Durch ein Sieb passieren zu einem glatten Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-090-orig" n="gilb Wein" resp="#fyndling">Heller, gelblicher Wein (Weißwein); möglich auch „färbe gelb“ - im Ergebnis ein heller Ansatz.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-090-orig" n="Eyertottern" resp="#fyndling">Eigelb - bindet die Masse beim Erkalten mit der Stärke.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-090-orig" n="so gestehet es dick" resp="#fyndling">Beim Erkalten wird die Masse fest und schnittfähig - der Kern des Verfahrens.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-090-orig" n="gelbes Teiglin" resp="#fyndling">Dünner, gelb gefärbter Ausbackteig - die Farbe zeittypisch durch Safran oder Eigelb.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-090-orig" n="gesotten Wein mit Honig" resp="#fyndling">Wein mit Honig aufgekocht, als süß-saurer Sud über die Küchlein gesprenkelt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-090-orig" n="gilb Wein" resp="#fyndling">Heller, gelblicher Wein (Weißwein), der unter die Masse gerührt wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-091-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gebackenes Reisküchlein - getrockneter, fein gestoßener Reis wird mit Ei zu einem Teig verrührt und wie ein Fritter in Butter ausgebacken. Der lebende Verwandte ist die süße Reiskrokette oder der italienische Reisfritter (frittelle di riso), wie er in der Toskana zum Josephstag gebacken wird.

Warum Reis erst kochen, dann trocknen, dann stoßen? Der Reis (Reiß) wird zunächst nur kurz weich gekocht (nicht fast versieden = nicht völlig zerkochen), abgeseiht und an Sonne oder warmer Stube getrocknet. Erst der getrocknete Reis lässt sich im Mörser zu einer feinen, mehligen Masse stoßen - frisch gekocht würde er zu Brei verkleben. Das Ergebnis ist letztlich ein selbst hergestelltes Reismehl mit etwas Körnung.

Gebrennte Küchlin. Gebrennt meint nicht verbrannt, sondern in heißem Fett ausgebacken/gebräunt. Der Reisteig wird in zerlassene, heiße Butter gegossen wie bei einem Ausbackküchlein - er soll goldbraun werden, nicht schwarz.

Praxis. 250 g Reis kurz vorkochen (noch bissfest), abtropfen, im Backofen bei 80 Grad oder an der Luft trocknen, dann im Mörser oder Mixer fein zerkleinern (alternativ direkt Reismehl oder Reisgrieß nehmen). Mit 2-3 Eiern zu einem dickflüssigen Teig verrühren - nicht zu dünn, sonst zerläuft er. Reichlich Butter erhitzen und löffelweise kleine Küchlein hineingeben, beidseitig goldbraun ausbacken. Nach Geschmack mit Zucker oder Honig süßen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-091-orig" n="versieden" resp="#fyndling">Verkochen, zerkochen - hier mit der Verneinung nicht fast versieden: der Reis soll nicht völlig zu Brei zerfallen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-091-orig" n="stoß in eim Mörser" resp="#fyndling">Den getrockneten Reis im großen Mörser zu feinem Reismehl zerstoßen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-091-orig" n="las sitzen" resp="#fyndling">Die Butter über dem Feuer schmelzen und heiß werden lassen, bevor der Teig hineinkommt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-091-orig" n="gebrennte Küchlin" resp="#fyndling">In Fett ausgebackene, goldbraun gebräunte Küchlein - gebrennt meint gebräunt/ausgebacken, nicht angebrannt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-092-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gefüllter Bratapfel - der direkte Vorfahr des Bratapfels, den wir heute zu Weihnachten kennen, nur dass die Füllung hier herzhaft-fruchtig ausfällt: vorgebratene Äpfel, hartgekochtes Ei und Petersilie, mit rohem Ei zu einer Masse gebunden. Zwei halbierte, ausgehöhlte Äpfel werden damit gefüllt, wieder zusammengesetzt und mit einem Holzstift fixiert - die gleiche Technik wie beim feigengefüllten Bratapfel rfk-065.

Der Holzstift zweck ist hier das eigentliche Handwerks-Detail: ein kleiner Holzpflock, der durch beide Apfelhälften gesteckt wird und sie beim Garen zusammenhält, damit die Füllung nicht ausläuft. Bei der Brat-Variante steckt man stattdessen drei bis vier ganze Äpfel auf ein dünnes Spießchen (spislin) und gart sie auf dem Rost.

Die Füllung bindet über das rohe Ei: Beim Erhitzen stockt das Eiweiß und hält gebratene Apfelstücke, Ei und Petersilie zusammen - dieselbe Logik wie bei einer Farce. Das vorherige Anbraten der Füll-Äpfel zieht Feuchtigkeit, sonst würde die Masse beim Garen wässrig.

Gesotten Honigwein ist hier kein Met, sondern ein eingekochter Wein-Honig-Sud, mit dem die fertigen Äpfel zum Schluss beträufelt werden - eine süße, leicht sirupartige Glasur. (Met wäre vergorener Honig, etwas anderes.)

Praxis. Mittelfeste Äpfel nehmen (Boskoop, Elstar), halbieren, aushöhlen. Für die Füllung ein paar Apfelstücke in Butter anbraten, mit einem hartgekochten Ei und gehackter Petersilie mischen, mit einem rohen Ei binden, salzen. Hälften füllen, zusammensetzen, mit einem Zahnstocher oder Holzspieß fixieren. Im Dutch Oven oder Ofen bei 180 Grad backen, bis der Apfel weich ist (20-30 Min). Für die Bratvariante ganze (ungefüllte) Äpfel auf den Rost, mit Butter bestreichen und wenden, bis goldbraun. Zum Schluss mit eingekochtem Wein-Honig-Sud beträufeln.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-092-orig" n="zweck" resp="#fyndling">Kleiner Holzpflock oder -stift, der die beiden gefüllten Apfelhälften beim Garen zusammenhält.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-092-orig" n="spislin" resp="#fyndling">Kleiner Spieß, auf den bei der Bratvariante drei oder vier Äpfel gereiht werden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-092-orig" n="Rost" resp="#fyndling">Grillrost über der Glut; im Mittelalter auch ein Rost aus frischem, grünem Hartholz.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-092-orig" n="gesotten Honigwein" resp="#fyndling">Eingekochter Wein-Honig-Sud zum Beträufeln - kein vergorener Met, sondern eine süße Glasur.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-093-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte, in Honig-Wein-Teig ausgebackene Äpfel - ein Ausbackküchlein in Apfelform, naher Verwandter des heutigen Apfelkrapfens und der Apfelküchlein im Bierteig. Es ist die Apfel-Variante einer Gerichtsfamilie, die im Korpus auch als gefüllte Birne auftritt (Zwilling ri15632-028) und die ganze KKM-Sequenz der Salbei- und Birnen-Küchlein anführt (kkm-094, kkm-095, kkm-096).

Halbieren, füllen, wieder zusammensetzen. Saure Äpfel (sawer öpffel, formstabil) werden quer halbiert und ausgehöhlt; das Gehäuse-Fleisch und vorgebratene Äpfel, Quitten oder Birnen werden mit geriebenem Weißbrot und Zucker zu einer Füllmasse vermengt. Ausdrücklich on Eyer - das geriebene Brot bindet die Füllung, kein Ei. Die zwei Hälften werden wieder zur ganzen Frucht zusammengesetzt.

Der Holzstift hält das Ganze. Der Zweck ist ein dünner Holzstift (Spieß), der die gefüllten Hälften beim Eintauchen und Braten zusammenhält; nach dem Backen wird er gezogen, sodass die Frucht ganz erscheint - dieselbe Technik wie beim Bratapfel kkm-092.

Honig-Wein-Teig, gelb gefärbt. Der Ausbackteig wird aus Honig und Wein angerührt und gegilbt - gelb gefärbt, das Standard-Färbemittel dafür ist Safran, der dem Gebäck eine goldene Hülle gibt.

Praxis. Vier saure Äpfel (Boskoop, Braeburn) quer halbieren, aushöhlen. Füllung aus dem Aushub plus gebratenen Apfel-/Quitten-/Birnenstücken, ca. 100 g geriebenem altbackenem Weißbrot und Zucker mischen, nach Belieben mit Zimt und Nelke würzen. Hälften füllen, zusammensetzen, mit einem Holzspieß fixieren. Backteig aus 100 g Honig, 100 ml Weißwein und so viel Mehl wie nötig für eine dickflüssige Konsistenz anrühren, mit einer Prise Safran gelb färben. Äpfel hindurchziehen, in reichlich Butter goldbraun ausbacken, Spieß ziehen, mit Zucker oder Honig vollenden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-093-orig" n="sawer öpffel" resp="#fyndling">Saure Äpfel (z.B. Boskoop, Braeburn), die beim Garen ihre Form behalten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-093-orig" n="darunder" resp="#fyndling">Daruntergemischt - das geriebene Brot mit Zucker wird unter die Füllmasse gemengt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-093-orig" n="on Eyer" resp="#fyndling">Ohne Eier - die Füllung wird allein durch das geriebene Weißbrot gebunden, nicht durch Ei.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-093-orig" n="gegilt" resp="#fyndling">Gelb gefärbt - übliches Färbemittel ist Safran.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-093-orig" n="verzweck sie" resp="#fyndling">Mit einem Zweck feststecken - einem dünnen Holzstift/Spieß, der die gefüllten Apfelhälften zusammenhält und nach dem Backen wieder gezogen wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-093-orig" n="reib weis Brot mit Zucker darunder" resp="#fyndling">Geriebenes Weißbrot und Zucker werden unter die Füllmasse gemischt - das Brot bindet die Füllung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-094-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte Bratbirnen vom Spieß - halbierte, entkernte Birnen werden angeröstet, mit ihrem eigenen, mit Honig und Gewürz vermengten Fruchtfleisch gefüllt, wieder zusammengesetzt und am Spieß über dem Feuer gebraten. Ein naher Verwandter ist die gefüllte Bratbirne vom Lagerfeuer und der gefüllte Bratapfel (kkm-092, kkm-093); die Spieß-Variante der gefüllten Frucht teilt sie mit der gefüllten Birne ri15632-028.

Erst rösten, dann hacken, dann füllen. Die Birnenhälften werden in Butter angeröstet (röst es in Buttern), das weiche Fruchtfleisch herausgehackt und mit Honig und Gewürzen vermengt. Diese Masse kommt zurück in die Hälften, die übereinandergesetzt (stürtz es vber einander) und gemeinsam am Spieß fertig gebraten werden. Der Hinweis braht Biern nicht zu weich ist entscheidend: Die Birne muss fest genug bleiben, um auf dem Spieß zu halten und nicht zu zerfallen.

Ohne Safran und Salz - bewusste Reduktion. On gelb vnd saltz schließt zwei sonst übliche Zutaten ausdrücklich aus: das gelbe Färbemittel (Safran) und das Salz. Das Gericht setzt ganz auf die süß-würzige Linie von Birne, Honig und süßen Gewürzen.

Praxis. Feste Koch-/Bratbirnen (ersatzweise feste Äpfel wie Boskoop) halbieren, entkernen, in Butter goldbraun anrösten - nicht weich werden lassen. Fruchtfleisch fein hacken, mit Honig und einer süßen Gewürzmischung (Zimt, Nelke, Muskat, Kardamom) verrühren. Hälften füllen, zusammensetzen, auf einen Holz- oder Metallspieß stecken und über mäßiger Glut fertig braten, dabei mit etwas Butter beträufeln. Zum Schluss mit Gewürz bestreuen und warm servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-094-orig" n="Regelsbiern oder Leutsbiern" resp="#fyndling">Historische, feste Birnensorten, die sich gut zum Braten eigneten, weil sie nicht zerfielen. Heute durch feste Koch-/Bratbirnen zu ersetzen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-094-orig" n="stürtz es vber einander" resp="#fyndling">Die gefüllten Hälften wieder übereinandersetzen, sodass die ganze Birne entsteht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-094-orig" n="on gelb vnd saltz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saltz">Ohne Safran (das gelbe Färbemittel) und ohne Salz - hier bewusst weggelassen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-094-orig" n="sittlich" resp="#fyndling">Sachte, maßvoll - hier: behutsam Gewürz darüberstreuen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-095-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gebackene Salbeiblätter mit Birnenfüllung - zwei Salbeiblätter werden mit einer Birnenmasse zu einem kleinen Sandwich zusammengelegt, in Honig-Wein-Teig getaucht und ausgebacken. Der direkte lebende Verwandte ist die gebackene Salbeimaus (frittiertes Salbeiblatt im Ausbackteig), wie sie in Bayern und Österreich noch gemacht wird; das Zwei-Blatt-Prinzip mit Füllung ist die luxuriösere Variante davon. Die Apfel-Schwester desselben Rezepts ist kkm-096.

Die Birnenmasse. Getrocknete Birnen (dürr Leutsbiern) werden weich gekocht, im Mörser zu einer feinen Paste gestoßen und dann in Honig und Wein eingeröstet, bis sie gut durchfeuchtet ist - so entsteht eine streichfähige, süße Frucht-Paste. Gewürzt wird on Saltz, also ohne Salz, ganz auf die süß-würzige Linie hin.

Das Salbei-Sandwich. Ein Blatt wird mit der Paste bestrichen, ein zweites daraufgelegt und sachte (sittiglich) angedrückt, damit beide zusammenhalten. Der Salbei ist hier essbare Hülle und Aroma zugleich: ein dezent würziger Ton, der die fruchtig-honigsüße Füllung rahmt, ohne sie zu überdecken.

Praxis. Getrocknete Birnen in wenig Wasser weich kochen, pürieren, mit etwas Honig und einem Schuss Weißwein in der Pfanne zu einer dicken, streichfähigen Paste einrösten, mit Zimt/Nelke würzen, nicht salzen. Je zwei möglichst große Salbeiblätter mit der Paste zusammenkleben. Backteig aus Honig und Wein (so viel Mehl wie für eine dickflüssige Konsistenz nötig) anrühren, die Blätter-Sandwiches hindurchziehen und in heißem Fett goldbraun ausbacken. Mit Zucker bestreuen und warm servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-095-orig" n="dürr Leutsbiern" resp="#fyndling">Getrocknete Birnen (Dörrbirnen); Leutsbiern war eine Sortenbezeichnung, hier allgemein als getrocknete Birne zu lesen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-095-orig" n="röst es in Honig vnd Wein wol feucht" resp="#fyndling">Die Birnenpaste in Honig und Wein einkochen/einrösten, bis sie gut durchfeuchtet und streichfähig ist.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-095-orig" n="sittiglich" resp="#fyndling">Behutsam, sachte - die beiden Blätter sanft zusammendrücken.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-095-orig" n="Salbey blat" resp="#fyndling">Salbeiblatt, das als essbare Hülle dient (siehe Lesart zur vermutlichen Salbei-Art unten).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-095-orig" n="Salbey blat" resp="#fyndling">Wahrscheinlich Wiesensalbei (Salvia pratensis), heimisch, milder im Aroma und wild verbreitet. Die zwei aufeinandergelegten Blätter dienen als essbare Hülle für die Birnenfüllung; ein dezent würziger Salbeiton soll den fruchtig-honigsüßen Birnengeschmack rahmen, nicht dominieren.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-096-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte Salbeiblätter im Teigmantel - die Apfel-Schwester des Birnen-Salbei-Gebäcks kkm-095: zwei Salbeiblätter mit Apfelmasse zusammengelegt, in Ausbackteig getaucht und in der Pfanne frittiert. Der lebende Verwandte ist die gebackene Salbeimaus, hier in der gefüllten Zwei-Blatt-Form.

Verweis auf das Vorgängerrezept. Wie vor gelert und als vor verweisen auf die schon beschriebene Apfelfüllung (vgl. kkm-093) und den Honig-Wein-Backteig. Die Apfelmasse wird hier ausdrücklich on gelb (ohne Safran) und on Saltz (ohne Salz) angesetzt - rein süß-fruchtig, damit der Salbeiton nicht von herzhaften oder farblichen Akzenten gestört wird.

Das Salbei-Sandwich. Ein Blatt bestreichen, das zweite andrücken, dann das Päckchen durch den Teig ziehen und behutsam (sittiglichen) in die Pfanne heben. Der Salbei ist essbare Hülle und Aroma in einem - ein dezenter Würzrahmen für die Apfelfüllung.

Praxis. Geriebene oder grob pürierte gebratene Äpfel mit etwas Honig oder Zucker süßen, mit Zimt würzen, weder Safran noch Salz zugeben. Je zwei große Salbeiblätter mit der Masse zusammenkleben. Dünnen Ausbackteig (Mehl, Ei, etwas Wein oder Wasser - wie ein Pfannkuchenteig) anrühren, die Sandwiches hindurchziehen und in heißem Fett goldbraun ausbacken. Mit Zucker bestreut warm servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-096-orig" n="gebrahten öpffeln" resp="#fyndling">Gebratene/geröstete Äpfel als Füllung - wie im Apfelrezept kkm-093 beschrieben.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-096-orig" n="wie vor gelert / als vor" resp="#fyndling">Wie zuvor gelehrt - verweist auf die schon beschriebene Apfelfüllung und den Honig-Wein-Backteig.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-096-orig" n="on gelb" resp="#fyndling">Ohne Safran (das gelbe Färbemittel) - bewusst weggelassen; ebenso on Saltz (ohne Salz).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-096-orig" n="Salbey blat" resp="#fyndling">Salbeiblatt als essbare Hülle (siehe Lesart zur vermutlichen Salbei-Art unten).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-096-orig" n="sittiglichen" resp="#fyndling">Behutsam, sanft - die fertigen Päckchen vorsichtig in die Pfanne heben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-096-orig" n="on gelb" resp="#fyndling">Ohne Safran - gelb meint hier das gelbe Färbemittel Safran, parallel zum Schwesterrezept kkm-094 (on gelb vnd saltz). Die Apfelfüllung wird ohne Farbzusatz und ohne Salz angesetzt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-096-orig" n="Salbey blat" resp="#fyndling">Wahrscheinlich Wiesensalbei (Salvia pratensis), heimisch, milder im Aroma und wild verbreitet. Die zwei aufeinandergelegten Blätter dienen als essbare Hülle für die Apfelfüllung; ein dezent würziger Salbeiton soll den Apfelgeschmack rahmen, nicht dominieren.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-097-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gefülltes Teigtaschen-Gebäck - der direkte Verwandte der italienischen Rissole und des Apfel- oder Birnenkrapfens, wie man ihn heute noch auf Jahrmärkten findet. Ein dünner Teigfladen wird ausgerollt, mit einer würzigen Füllung belegt, eingeschlagen und gebacken oder im Fett ausgebacken. Das Rezept ist im Kern ein Baukasten: ein Teig, vier austauschbare Füllungen je nach Vorrat und Jahreszeit.

Die Regelsbiern im Originaltitel sind eine alte, feste Lagerbirne. Der Name verrät, worauf es ankommt: ein festes, aromatisches Fruchtfleisch, das beim Garen nicht zu Brei zerfällt. Moderne feste Sorten wie Conference oder Williams treffen das gut; getrocknete Hutzeln (Dörrbirnen) bringen die konzentrierte Süße, die der Text am Ende ausdrücklich erlaubt.

Die grüne Füllung ist ein gewürztes Kräuter-Ei-Gemenge - Petersilie und Salbei, gehackt, mit rohen Eiern und etwas Weißbrotbrösel gebunden. Das Brösel ist hier das zeittypische Bindemittel: es nimmt das Ei auf, damit die Füllung beim Backen stockt statt auszulaufen. Die Apfel-Safran-Variante und die reine Käse-Variante funktionieren nach demselben Prinzip - eine bindbare Masse, die im Teigmantel gart.

Der Teig wird mit gekochtem Wein-Honig-Sud angemacht (nicht mit vergorenem Met): Wein mit Honig aufgekocht ergibt eine süße, leicht klebrige Flüssigkeit, die den Teig geschmeidig und haltbar macht. Die Süße trägt das fruchtige Innere.

Praxis. Birnen schälen, entkernen, in kleine Würfel schneiden oder kurz anbraten (das nimmt Wasser raus). Für die grüne Füllung eine Handvoll Petersilie und ein paar Salbeiblätter fein hacken, mit 2 Eiern und 2-3 EL Semmelbrösel verrühren, mit Pfeffer, Ingwer und Salz würzen. Teig: 250 g Mehl mit etwa 100 ml aufgekochtem, abgekühltem Wein-Honig-Sud zu einem geschmeidigen Teig kneten, dünn ausrollen, in Quadrate schneiden, füllen, zu Taschen einschlagen und die Ränder gut andrücken. Bei 180-200 °C goldbraun backen oder in heißem Fett (Butterschmalz, Öl) ausbacken - beide Wege nennt der Text. In der Lagerküche ist die Pfannen-/Fett-Variante der einfachste Weg.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-097-orig" n="Regelsbiern" resp="#fyndling">Alte, feste Lagerbirnensorte - geschätzt für ihren Geschmack und ihre Haltbarkeit. Der Hinweis steht stellvertretend für festfleischige Birnen, die beim Garen nicht zerfallen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-097-orig" n="Welgerholtz" resp="#fyndling">Rollholz zum Ausrollen von Teig (Wellholz, heute Nudelholz).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-097-orig" n="Krapffen" resp="#fyndling">Gefülltes Teiggebäck, das gebacken oder in Fett ausgebacken werden konnte - hier mit Frucht-, Kräuter- oder Käsefüllung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-097-orig" n="Hutzeln" resp="#fyndling">Getrocknete Birnen (Dörrbirnen) mit konzentrierter Süße.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-098-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte Morcheln vom Rost - die hohlen Morchel-Hüte werden mit einer Eierfüllung gestopft, mit rohem Ei verklebt, aufgespießt und über der Glut gegrillt. Der nahe Korpus-Verwandte ist die gefüllte Morchel am Spieß m5919-016, und die Morchel taucht auch als herzhafte Variante der Ei-Käse-Pastete m384-018 auf. Eine moderne Entsprechung ist die gefüllte, gegrillte Champignon.

Warum 'als man Apfelfüllung macht'? Der Verweis als man öpffelfüll macht meint die Konsistenz, nicht den Geschmack: Die Füllung soll so weich und formbar sein wie eine Apfelfüllung, damit sie sich gut in die hohlen Morcheln stopfen lässt. Die tatsächliche Füllung sind gestürtzt Eyer - eine Rührei-artige Ei-Masse.

Zwei Hälften, mit rohem Ei verklebt. Die Morchel wird gefüllt, indem zwei Hälften übereinandergesetzt (vber einander gestürtzt) und mit rohem Ei zusammengeklebt werden - das Ei wirkt als Kleber, der beim Garen stockt und die Naht versiegelt. Aufgespießt, mit Butter beträufelt und sachte (sittlich) über mäßiger Glut gegrillt, damit der zarte Pilz nicht verbrennt.

Praxis. Frische Morcheln gründlich putzen (oder getrocknete einweichen). Ein Rührei aus 2-3 Eiern bereiten, nach Geschmack salzen und pfeffern, weich und formbar halten. Morcheln füllen, je zwei Hälften mit etwas verquirltem rohem Ei verkleben, auf dünne Holzspießchen stecken. Mit zerlassener Butter bestreichen und auf dem Rost über mäßiger Glut langsam garen, bis die Füllung gestockt und der Pilz aromatisch ist. Hinweis: Rohe Morcheln sind unverträglich - stets vollständig durchgaren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-098-orig" n="Morchen" resp="#fyndling">Morcheln - hohle Speisepilze, deren Form sich ideal zum Füllen eignet.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-098-orig" n="öpffelfüll" resp="#fyndling">Apfelfüllung - hier als Referenz für die weiche, formbare Konsistenz der Füllung, nicht für den Geschmack.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-098-orig" n="gestürtzt Eyer" resp="#fyndling">Wörtlich gestürzte/gerührte Eier - gemeint ist eine Rührei-artige Ei-Masse als Füllung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-098-orig" n="verkleibt mit einem rohen Ey" resp="#fyndling">Die gefüllten Hälften mit rohem Ei zusammenkleben; das Ei stockt beim Garen und versiegelt die Naht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-098-orig" n="sittlich" resp="#fyndling">Sachte, schonend - über mäßiger Glut grillen, damit die Morcheln nicht verbrennen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-098-orig" n="öpffelfüll / gestürtzt Eyer" resp="#fyndling">Die Füllung ist eine Rührei-Masse; als man öpffelfüll macht bezieht sich nur auf die weiche, formbare Konsistenz, nicht auf Äpfel. Der Titel mit Eyern füllen bestätigt Ei als Hauptbestandteil.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-098-orig" n="zwo Morchen vber einander gestürtzt" resp="#fyndling">Zwei Morchel-Hälften werden gefüllt und mit Ei zusammengesetzt, sodass wieder eine ganze, geschlossene Morchel entsteht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-099-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gefüllter, ausgebackener Krapfen - der Vorfahr unserer Berliner und der süddeutschen gefüllten Krapfen. Eine süße, dick eingekochte Milch-Ei-Creme wird in einem dünnen Ausbackteig versteckt und goldbraun frittiert. Die Überschrift im Original (für Krancke vnd Kindbetterin) weist es als leicht verdauliche Schon- und Wöchnerinnenkost aus - nahrhaft, weich, süß.

Straubenteig meint hier den fließfähigen Ausbackteig der Strauben-/Strübli-Familie (vgl. teg-005): so dünn, dass er sich verarbeiten lässt, aber dick genug, um die Füllung zu umhüllen. Im Text gibt es zwei davon - einen ersten, dickeren Milchteig und einen zweiten, dünnen zum Einhüllen.

Gewellt Milch ist die mit Ei aufgewallte (aufgekochte) Milch, die zur dicken Creme bindet - das Ei gerinnt beim Erhitzen und stockt die Masse. Nicht zu verwechseln mit gesäuerter Sauermilch; gemeint ist süße Milch, die mit Ei zur Füllcreme gekocht wird.

Specie dulci war eine fertig in der Apotheke gekaufte süße Gewürzmischung (typisch Zimt, Nelken, Muskat, Ingwer, oft mit Zucker) - der mittelalterliche Vorläufer unserer Lebkuchen-/Spekulatiusgewürze. Siehe Gewürze.

Praxis. Erst die Füllung: Milch mit Eiern unter Rühren zur dicken Creme aufkochen (wie eine feste Patisseriecreme), mit der süßen Gewürzmischung und etwas Zucker abschmecken, abkühlen lassen. Dann einen dünnflüssigen Ausbackteig (Mehl, Milch bzw. Ei, Honigwasser, Prise Salz) anrühren. Einen Löffel Creme in den Teig hüllen und in heißem Schmalz oder Öl (ca. 170 Grad) goldbraun ausbacken. Mit Zucker bestreuen. Wer es fastentauglich mag, serviert die Küchlein in Mandelmilch statt mit Kuhmilch-Creme.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-099-orig" n="Straubenteig" resp="#fyndling">Fließfähiger Ausbackteig der Strauben-/Strübli-Familie; durch einen Trichter ins heiße Fett gegossen ergibt er 'gestraubtes' Gebäck, hier dient er als Hülle.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-099-orig" n="gewellt Milch" resp="#fyndling">Mit Ei aufgewallte (aufgekochte) Milch, die zur dicken Creme bindet - aufgekocht, nicht gesäuert.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-099-orig" n="Specie dulci" resp="#fyndling">Fertige süße Gewürzmischung aus der Apotheke, typisch Zimt, Nelken, Muskat, Ingwer und Zucker.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-099-orig" n="Kindbetterin" resp="#fyndling">Wöchnerin, eine Frau im Kindbett nach der Geburt - das Rezept ist als Schonkost gedacht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-099-orig" n="verbirg die Milch drein" resp="#fyndling">Die dicke Milch-Ei-Creme als Füllung in die Teighülle einschließen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-100-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein herzhafter Eierkuchen mit eingearbeitetem Weißbrot und Petersilie - im Ergebnis eine dicke Bauern-Omelette bzw. Frittata, eng verwandt mit Martinos Frittata (mar-183) und dem gefüllten Kräuter-Eierkuchen (bgs-052). Der angehängte Satz ist kein Gericht, sondern ein volksheilkundliches Hausmittel gegen Husten.

Kuch meint hier nicht den süßen Kuchen, sondern eine gebackene/gebratene Eierspeise. Temperiers wol vnter einander heißt „vermische gut" - die Zutaten werden glatt angerührt.

Die Titel-Angabe in einem Mörser bezieht sich auf die Vorbereitung: Brot und Kräuter werden mit den Eiern zu einer homogenen Masse zerstoßen/vermengt, bevor sie in der Pfanne gart. Gekocht wird ausdrücklich in der Pfanne, nicht im Mörser.

Je lenger je neher ist eine Hitzeanweisung: je länger die Garzeit, desto näher rückt man die Pfanne an die Glut.

Im Hausmittel meint vngesigen Milch ungesiebte, also Vollmilch mit Rahm; Pastemen ist ein volksheilkundlicher Sammelbegriff für Beschwerden/Gebrechen.

Praxis. Etwa 4 Eier mit einer Gewürzmischung (Pfeffer, Ingwer, Muskat) verquirlen, ca. 100 g gewürfeltes Weißbrot und fein gehackte Petersilie unterrühren, kurz durchziehen lassen. In einer Pfanne mit etwas Butter über mäßiger Glut von beiden Seiten goldbraun garen, dabei nochmals Butter zugeben. Wie eine dicke Frittata stürzen oder wenden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-100-orig" n="Kuch" resp="#fyndling">Ein herzhafter Kuchen, hier eher eine Art dicke Omelette oder Frittata.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-100-orig" n="Würtz" resp="#fyndling">Allgemeine Bezeichnung für Gewürze, typischerweise eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Muskat, Nelken.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-100-orig" n="Peterlin" resp="#fyndling">Petersilie.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-100-orig" n="temperiers wol vnter einander" resp="#fyndling">Vermische es gut miteinander, rühre es an.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-100-orig" n="je lenger je neher" resp="#fyndling">Je länger die Garzeit, desto näher an die Hitzequelle rücken. Eine Anweisung zur Hitzeregulierung beim Kochen über Kohlen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-100-orig" n="vngesigen Milch" resp="#fyndling">Ungesiebte, ungefilterte Milch, also Vollmilch, möglicherweise noch mit Rahm.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-100-orig" n="Pastemen" resp="#fyndling">Ein volksheilkundlicher Begriff für Beschwerden, Krankheiten oder Gebrechen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-100-orig" n="in einem Mörser" resp="#fyndling">Die Titelangabe bezieht sich auf die Vorbereitung - Brot, Kräuter und Eier werden im Mörser zu einer homogenen Masse zerstoßen und vermengt. Gegart wird laut Text ausdrücklich in der Pfanne („thu es in ein Pfann").</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-101-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Drei verwandte grüne Kräutersaucen (grün Salsen) plus eine Methode, die Kräuter ein Jahr haltbar zu machen. Die grüne Salse ist eine der Kern-Saucen der mittelalterlichen Küche - direkte Verwandte sind die Kräutersauce für Edelleute (boc-076), die Grüne Gewürzsauce (men-276) und der Sauerampfer-Verjus (men-270). Gegessen wurde sie kalt zu Fisch und Braten, vergleichbar einer Salsa verde.

Das Grundverfahren ist bei allen drei Varianten gleich: Kräuter zupfen und entstielen, in Essig/Wein eingeweichtes Weißbrot und geriebenen Lebkuchen zugeben, alles im Mörser sehr fein stoßen, durch ein Tuch passieren, würzen, in verschlossenen Glasgefäßen kühl lagern. Brot und Lebkuchen binden und süßen; Essig, Wein und Agrest (Verjus, der Saft unreifer Weintrauben) liefern die Säure.

Die drei Versionen unterscheiden sich nur in den Säuren und Kräutern: (1) Pfefferkraut/Borretsch/Mangold/Sauerampfer mit Essig+Wein; (2) Borretsch/Raute/Minze/Brunnenkresse mit überwiegend Verjus; (3) Majoran/Garten-Sauerampfer/saure Weinäpfel mit reinem Essig, wobei die Äpfel vor dem Stoßen gekocht oder gebraten werden, damit sie sich besser passieren lassen.

Die Konservierungsmethode am Schluss: Kräuter einen Tag in aufgefangenem Tawwasser (Tauwasser, galt als besonders rein) beizen, gut trocknen, im Backofen dörren, trocken und luftig lagern; vor Gebrauch in Wein oder Essig einweichen und wie frisch im Mörser stoßen.

Achtung Raute: Rauten (Ruta graveolens) ist in größeren Mengen giftig und wirkt phototoxisch. Nur in winzigen Mengen oder durch Petersilie/Estragon ersetzen.

Praxis. Die erste, mildeste Variante ist der beste Einstieg: eine Handvoll gemischte grüne Kräuter (Gartenkresse, Borretsch, Mangold, Sauerampfer) entstielen, mit einer in Essig und Wein eingeweichten Weißbrotscheibe und etwas geriebenem ungeglastem Lebkuchen im Mörser zu einer glatten grünen Paste stoßen. Mit der Einweichflüssigkeit durch ein Tuch passieren, mit Pfeffer/Ingwer abschmecken, in ein verschließbares Glas füllen und kühl stellen. Ein Mixer ersetzt den Mörser.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="Pfefferkraut" resp="#fyndling">Eine Bezeichnung für verschiedene scharfe Kräuter, hier wahrscheinlich Gartenkresse (Lepidium sativum).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="Beimenten" resp="#fyndling">Borretsch (Borago officinalis), ein Kraut mit gurkenähnlichem Geschmack.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="Mangolt" resp="#fyndling">Mangold (Beta vulgaris subsp. vulgaris), ein Blattgemüse.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="Ampffer" resp="#fyndling">Sauerampfer (Rumex acetosa), ein Kraut mit säuerlichem Geschmack.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="Lebkuchen" resp="#fyndling">Ein gewürztes Gebäck, das hier als Bindemittel und Geschmacksgeber dient.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="würtz" resp="#fyndling">Allgemeine Bezeichnung für Gewürze, typischerweise Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="Agrest" resp="#fyndling">Verjus, der Saft unreifer Weintrauben, der als Säuerungsmittel verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="Boley" resp="#fyndling">Eine weitere Bezeichnung für Borretsch.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="Rauten" resp="#fyndling">Raute (Ruta graveolens), ein stark aromatisches Kraut, das in größeren Mengen giftig ist und heute selten verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="Müntz" resp="#fyndling">Minze.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="Brunnkreß" resp="#fyndling">Brunnenkresse (Nasturtium officinale), ein scharfes Wasserkraut.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="Meylandt" resp="#fyndling">Majoran (Origanum majorana), ein aromatisches Küchenkraut.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="Weinöpffeln" resp="#fyndling">Saure Apfelsorten, die sich gut zum Kochen oder zur Weinherstellung eignen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="Gutteroffen" resp="#fyndling">Wahrscheinlich eine regionale oder veraltete Bezeichnung für 'Gutterflaschen' oder einfach 'Flaschen'.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="Tawwasser" resp="#fyndling">Tauwasser, das als besonders rein galt und hier zur Kräuter-Konservierung verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-101-orig" n="beysse" resp="#fyndling">Einlegen, beizen oder einweichen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-101-orig" n="Pfefferkraut" resp="#fyndling">Als Gartenkresse (Lepidium sativum) gelesen - die kultivierte, leicht verfügbare scharfe Art, die zum Kontext eines bürgerlichen Kochbuchs des 16. Jh. passt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-101-orig" n="Gutteroffen" resp="#fyndling">Als Glasflaschen gelesen - die Funktion (kühl im Keller verschlossen aufbewahren, „so dürret es nicht") verlangt verschließbare Gefäße.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-102-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Sammeleintrag mit mehreren Tunken: voran eine Weichsel-Salse (Sauerkirsch-Sauce), dann eine ganze Familie von Knoblauchsalsen in gelb, grün und weiß. Salse ist die romanische Wurzel unseres Wortes Salse/Sauce (lateinisch salsa) - die würzige, gebundene Tunke zu Fleisch und Fisch. Die Knoblauch-Salse ist der direkte Vorfahr der provenzalischen Aïllade und der mediterranen Agliata: Knoblauch, in Essig geweichtes Brot, Brühe - eine scharfe, säuerliche Brotsauce.

Die Kirsch-Salse arbeitet wie ein Pfeffer: Sauerkirschen werden mit Kern und allem im Mörser zerstoßen, mit geriebenem Lebkuchen gebunden und mit Wein durch ein Tuch passiert. Der Lebkuchen ist hier kein Dessert-Element, sondern das Bindemittel und der Gewürzträger - das zeittypische Brot-Andicken in seiner luxuriösen Form. Wird die Masse in ein feuchtes Becken gegossen und fest werden gelassen, ergibt sie eine schnittfeste Latwerge, aus der man Küchlein stechen kann; warm gerührt bleibt sie eine Sauce.

Die Knoblauchsalse ist die Basis-Tunke: gesiebte Brotkrumen, in Essig geweicht, mit magerer Brühe und Knoblauch durchgestoßen, mit Salz und Essig abgeschmeckt. Aus ihr leitet der Text drei Farben ab - gelb mit Safran (in Essig gezogen, das löst Farbe und Aroma), grün mit Zitronenmelisse und sauren Kräutern, weiß mit Mandelmilch für Fastentage. Die Brotbindung bleibt überall der Kern.

Dazwischen stehen zwei Haushaltstipps: gegen schalen Beigeschmack im Mund etwas Petersilie, Raute oder Salbei kauen; und die Kräuterernte im Mai trocknen, stoßen und pulverisieren, um sie über das Jahr vorrätig zu halten. Der Wurmsamen am Ende ist medizinisch (ein altes Mittel gegen Darmwürmer), kein Küchengewürz.

Praxis. Für die Kirsch-Salse 500 g Sauerkirschen entsteinen (das Mitstoßen ganzer Kerne bringt eine feine Bittermandelnote, ist aber Mörser-Schwerstarbeit - entsteint geht auch), mit 50 g zerbröseltem Lebkuchen und 200 ml Rotwein pürieren, durch ein Tuch treiben, mit Nelken, kräftigen Gewürzen und einer Prise Salz am Feuer erwärmen. Warm als Sauce zu Fisch und Wild, oder kalt fest werden lassen. Für die Knoblauch-Salse altbackenes Weißbrot ohne Rinde in Essig einweichen, mit 2-3 Knoblauchzehen und etwas magerer Brühe glatt mörsern, mit Salz und Essig abschmecken. Gelb: eine Prise Safran in 2 EL Essig ziehen lassen und einrühren. Grün: eine Handvoll Zitronenmelisse und Sauerampfer mitmörsern. Weiß: einen Schuss Mandelmilch unterrühren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-102-orig" n="Weichsel oder Amerellen" resp="#fyndling">Sauerkirschen - Weichseln (dunkel) und Amarellen (hell, mild).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-102-orig" n="Lebkuchen" resp="#fyndling">Gewürztes Honig-Gebäck, hier als Bindemittel und Gewürzträger in die Sauce gerieben - das gehobene Pendant zur einfachen Brotbindung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-102-orig" n="verglasierten Hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Glasierter Tontopf - säurefest, daher für die essighaltigen Saucen nötig.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-102-orig" n="Latwergen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#latwergen">Eine fest eingekochte, schnittfähige Frucht-Gewürz-Paste; konnte als Aufstrich oder als Arznei (Elektuar) dienen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-102-orig" n="Knoblauchsalß" resp="#fyndling">Knoblauch-Sauce auf Brotbindung mit Essig und Brühe - verwandt mit der provenzalischen Aïllade und der italienischen Agliata.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-102-orig" n="Boley" resp="#fyndling">Polei-Minze (Mentha pulegium) enthält Pulegon und ist in Kochmengen leicht giftig - heute wird sie aus gutem Grund nicht mehr verwendet. Nimm stattdessen reguläre Minze (z.B. Pfefferminze).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-102-orig" n="Beimenten" resp="#fyndling">Zitronenmelisse (Melissa officinalis).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-102-orig" n="Wurmsamen" resp="#fyndling">Samen gegen Darmwürmer - eine medizinische, keine kulinarische Zutat (in höheren Dosen giftig).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-102-orig" n="beyß jn darein" resp="#fyndling">Auf den Safran bezogen: ihn in Essig ziehen lassen, damit dieser Farbe und Aroma annimmt - die Standardmethode, Safran aufzuschließen. Das Verb beizen meint hier das Einweichen/Auslaugen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-103-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kleine Sammlung mittelalterlicher Tunken (Salsen) - die direkten Vorfahren unserer Kräutersaucen wie Salsa verde und Agliata. Vier davon folgen demselben Bauplan: ein Kraut bzw. eine Zwiebelart wird mit in Wein (oder Essig) eingeweichtem Brot im Mörser zur glatten Paste gestoßen und gewürzt. Die fünfte, die Pomeranzen-Salse, ist dagegen ganz schlicht der frische Saft von Bitterorangen.

Eschlauch ist die Schalotte (die mildere Zwiebel) - hier die Basis-Salse zu Rinder- und Wildbraten, mit Ingwer abgeschmeckt. Variiert wird sie, indem man statt Schalotte nur (eitel = ausschließlich) ein Kraut nimmt: Salbei, Weinraute oder Poleiminze.

Brotbindung statt Mehl. Gebunden wird zeittypisch mit eingeweichtem Brot, nicht mit Mehl - das ist das mittelalterliche Standard-Bindemittel der ganzen Salsen-/Saucen-Familie. Das eingeweichte Brot stößt man mit dem Kraut, salzt und treibt durch (passiert durch Sieb oder Tuch) zur feinen, glatten Tunke. Vgl. die Knoblauchsauce men-274 und die grüne Sauce sev-056.

Pomerantzen sind Bitterorangen (Sevilla-Orangen), deutlich saurer als süße Orangen. Ihr Saft gibt einen 'wohlschmeckenden sauren Wein' - mehr als Zimtblüte beim Anrichten kommt nicht hinzu. Diese Salse ist nicht haltbar, weil der Saft stets frisch gepresst sein muss; sie passt zu Geflügel und Wild.

Der Schlussabsatz über Senff ist keine Kochanleitung, sondern ein humoralmedizinischer Merksatz (Senf 'heiß und trocken im vierten Grad') - er gehört zum Quellentext, nicht zur Sauce.

Praxis. Für die Kräutersaucen je eine Handvoll frisches Kraut (Salbei, Weinraute sehr sparsam wegen des intensiven Aromas, oder Poleiminze/ersatzweise Pfefferminze) mit einer in Wein bzw. Essig eingeweichten, ausgedrückten Scheibe Weißbrot im Mörser zu einer Paste stoßen, salzen, durch ein Sieb streichen und nachwürzen. Für die Schalotten-Salse zusätzlich Ingwer. Die Pomeranzen-Salse: Bitterorangen frisch auspressen (ersatzweise Orange und Zitrone 1:1), eine Prise Zimtblüte unterrühren - sofort servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-103-orig" n="Eschlauch" resp="#fyndling">Schalotte, die mildere Zwiebelart.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-103-orig" n="treib durch" resp="#fyndling">Passieren durch Sieb oder Tuch, um eine feine, glatte Saucenkonsistenz zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-103-orig" n="eitel" resp="#fyndling">Ausschließlich, nur - betont, dass allein das genannte Kraut verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-103-orig" n="Boley" resp="#fyndling">Poleiminze (Mentha pulegium), eine intensiv-scharfe Minzart.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-103-orig" n="Pomerantzen" resp="#fyndling">Bitterorangen (Citrus x aurantium), auch Sevilla-Orangen - saurer und herber als süße Orangen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-103-orig" n="Zimetblüh" resp="#fyndling">Zimtblüten, die getrockneten Blütenknospen des Zimtbaums, mit milderem Aroma als Zimtrinde.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-103-orig" n="heiß und trocken im vierten Grad" resp="#fyndling">Humoralpathologische Einordnung des Senfs; der vierte Grad ist die intensivste Stufe. Der ganze Senf-Absatz ist ein medizinischer Merksatz, keine Kochanweisung.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-103-orig" n="Polei-Minze" resp="#fyndling">Polei-Minze (Mentha pulegium) enthält Pulegon und ist in Kochmengen leicht giftig - heute wird sie aus gutem Grund nicht mehr verwendet. Nimm stattdessen reguläre Minze (z.B. Pfefferminze).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-103-orig" n="saurer wein" resp="#fyndling">Verjus bzw. der frische saure Saft der Bitterorangen - im Pomeranzen-Kontext ist der ausgepresste Orangensaft selbst gemeint, der wie ein 'saurer Wein' schmeckt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-104-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gewürzter Tafelsenf - der direkte Vorfahr unserer süßen Senfsorten, wie sie heute zu Weißwurst und Braten gereicht werden. Das Rezept arbeitet in zwei Stufen: zuerst eine haltbare Senf-Grundmasse auf Vorrat, dann das frische Anrühren beim Servieren mit einem aufgekochten Wein-Honig-Sud. Diese Trennung von Vorratsbasis und tischfertigem Anmachen ist klassische Senfküche und findet sich quer durch die Quellen.

Süßen Senff meint hier die milde, gelbe Senfsaat (im Gegensatz zur scharfen braunen) - der Text nennt sie so, weil sie sanfter ist und die spätere Süßung gut aufnimmt. Sie wird mit den Gewürzen zusammen gemahlen, nicht erst danach.

Der kurze Aufwall in der Pfanne ist kein Garen, sondern ein Brüh-Schritt: kurzes Erhitzen macht die Masse geschmeidiger und etwas haltbarer, bevor sie luftdicht weggestellt wird. Senf bezieht seine Schärfe aus einer enzymatischen Reaktion beim Anrühren mit Flüssigkeit; das Aufwallen und das spätere Strecken mit Gewürzbrühe dämpfen diese Schärfe bewusst ab - gewollt mild.

Beim Servieren wird die Basis mit gekochtem Wein-Honig-Sud (Wein mit Honig aufgekocht, nicht vergorener Met) auf Tischkonsistenz gebracht. Der Sud bringt Süße und Säure zugleich - die süß-saure Achse, die auch sonst die mittelalterlichen Saucen prägt.

Praxis. 200 g gelbe Senfsaat mit etwa 1 TL Ingwer, ½ TL Zimt und ¼ TL Nelken fein mahlen (Mörser oder Mühle). Mit wenig Salz und etwas Wasser oder Weinessig zu einer Paste anrühren, in der Pfanne einmal kurz aufwallen lassen, in ein sauberes Glas füllen und gut verschließen - so hält die Basis. Zum Servieren 100-200 ml Wein mit 1-2 EL Honig aufkochen, abkühlen lassen und so viel davon unter die Senfbasis rühren, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist; mit Salz und Gewürzen abschmecken. Nicht zu heiß einrühren, sonst verfliegt das Aroma.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-104-orig" n="Süssen Senff" resp="#fyndling">Die milde gelbe Senfsaat (gegenüber der scharfen braunen) - sie nimmt die spätere Süßung gut auf.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-104-orig" n="ein wall" resp="#fyndling">Ein einmaliges kurzes Aufwallen in der Pfanne - kein Durchgaren, sondern ein Brüh-/Haltbar-Schritt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-104-orig" n="temperier den darmit" resp="#fyndling">Den Senf mit dem Wein-Honig-Sud auf Tischkonsistenz strecken und die Schärfe-Süße-Balance einstellen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-104-orig" n="vermach jn gar wol" resp="#fyndling">Luftdicht verschließen, damit die Senfbasis haltbar bleibt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-105-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Zwei schnelle Senf-Tunken - die direkten Vorfahren unserer süß-sauren und fruchtigen Senfsaucen, wie man sie heute zu Braten und Wurst reicht. Der zweite, viel längere Teil ist dagegen kein Gericht, sondern ein medizinisches Husten-Latwerglin aus Fuchslunge und gehört in die Apotheke, nicht in die Küche.

Senf-Salse, schnelle Art. Honig mit Essig, Wein oder Fleischbrühe glattrühren und Senf einrühren - eine Agrodolce-Tunke, bei der die Säure den scharfen Senf abrundet. Die feine Variante (subtilen Leuten = für empfindliche/feine Gaumen) kocht stattdessen Rosinen und Feigen mit Wein oder Wasser weich, rührt damit den Senf an und parfümiert mit Rosenwasser und gestoßener Zimtrinde - eine fruchtig-milde, fast schon dessertnahe Senfsauce.

Praxis. Für die schnelle Senfsauce Honig mit etwas Essig und Wein (oder Brühe) verrühren, mittelscharfen Senf einrühren, abschmecken - fertig. Für die feine Variante Rosinen und getrocknete Feigen in wenig Wein weichkochen, fein pürieren, mit Senf, einem Spritzer Rosenwasser und einer Prise Zimt mischen. Beide passen zu kaltem Braten, Wurst und gekochtem Fleisch.

Das Fuchslungen-Latwerglin (Kuriosum, nicht nachkochen). Der zweite Abschnitt ist ein zeittypisches Hustenmittel gegen 'Lungensucht': frische Fuchslunge wird im Topf im Backofen getrocknet, neben Wermutblättern wurmsicher gelagert und mit Süßholzsaft und Fenchelsamen zu einer Honig-Latwerge eingekocht. Das dokumentieren wir als historisches Kuriosum - Füchse stehen unter Schutz, ihre Organe sind nicht legal verwendbar, und es ist ohnehin Heilkunde, kein Essen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-105-orig" n="Latwerglin" resp="#fyndling">Verkleinerungsform von Latwerge - eine pastöse Heilzubereitung aus pulverisierten Wirkstoffen und Honig, löffelweise eingenommen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-105-orig" n="subtilen Leuten" resp="#fyndling">Für feine, empfindliche Gaumen - die mildere, fruchtige Variante der Senfsauce.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-105-orig" n="Lot" resp="#fyndling">Historische Gewichtseinheit, etwa 15-17 Gramm.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-105-orig" n="Lungensucht" resp="#fyndling">Sammelbegriff für schwere Brust- und Lungenleiden (Husten, Keuchen, schweres Atmen) nach dem Krankheitsverständnis der Zeit.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-106-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine würzige Quitten-Latwerge - ein dickes, eingekochtes Fruchtmus, das hier mit geriebenem Lebkuchen verdickt und gewürzt wird. Verwandt mit den Quittenmusen der Zeit (vgl. bgs-068, m725-009, mar-074) und der Lebkuchen-gebundenen Weichselkirsch-Latwerge (vgl. ri15632-042, teg-046). Im Kern ein süßes Konfekt zum Auftragen, das auch als Gewürzpaste zu Fleisch dienen konnte.

Latwerge. Ein eingekochtes, pastöses Fruchtmus - der Begriff umfasste sowohl Süßspeise als auch Heilzubereitung (lat. electuarium). Hier eindeutig eine Tafel-Latwerge.

Lebkuchen als Bindung. Das eigentlich Reizvolle: Statt mit Mehl oder langem Einkochen wird die Masse mit geriebenem Lebkuchen gebunden und gewürzt. Der Lebkuchen bringt Honigsüße, Stärke zum Andicken und sein fertiges Gewürzbukett (Zimt, Nelke, Ingwer) zugleich mit - eine elegante Abkürzung. Brot- und Lebkuchenbindung ist das zeittypische Verdickungsmittel, lange vor der Mehlschwitze.

Verweis auf die Weichsel Salsen. Das Rezept verweist auf die zuvor im Buch beschriebene Weichsel-Salse (kkm-102, Weichsel- oder Amarellen-Salse) für die Würzung - „verfahre ebenso, nur nimm mehr Lebkuchen“. Die dort verwendeten süßen Gewürze (Zimt, Nelken, Ingwer, Muskat) gelten also auch hier.

Praxis. Reife Quitten (Pelz abreiben) braten oder weich kochen, schälen, entkernen. Mit reichlich geriebenem Lebkuchen im Mörser zerstoßen, mit gutem Wein (kräftiger Rot- oder Weißwein) zu einer streichfähigen Masse durch ein Sieb treiben. Mit Zimt, Nelke, Ingwer und Muskat abschmecken. Soll sie fester werden, kurz einkochen. In ein sauberes Glas füllen - hält gut gekühlt einige Wochen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-106-orig" n="Latwergen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#latwergen">Eingekochtes, pastöses Fruchtmus; konnte Süßspeise wie Heilzubereitung sein. Hier eine Tafel-Latwerge.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-106-orig" n="stoß in eim Mörser" resp="#fyndling">Im Mörser zerstoßen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-106-orig" n="gerieben Lebkuchen" resp="#fyndling">Geriebener Lebkuchen - bindet die Masse, süßt sie und bringt sein fertiges Gewürzbukett mit.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-106-orig" n="treib sie durch" resp="#fyndling">Durch ein Sieb passieren - entfernt Schalen- und Kernreste, macht die Masse glatt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-106-orig" n="machs ab mit Würtz" resp="#fyndling">Abschließend mit Gewürzen abschmecken.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-106-orig" n="Weichsel Salsen" resp="#fyndling">Die zuvor im Buch beschriebene Weichsel- bzw. Amarellen-Salse (kkm-102); dient hier als Würz-Referenz - „verfahre ebenso, nur mit mehr Lebkuchen“.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-107-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine geschnittene Frucht-Latwerge aus Birnen - die Urform dessen, was wir heute als festes Fruchtkonfekt oder als schnittfeste Quittenpaste (membrillo, cotognata) kennen. Birnen werden weichgedämpft, zerdrückt, mit Honig und Gewürzen so lange eingekocht, bis die Masse fest genug ist, um wie ein Teig ausgerollt und in Stücke geschnitten zu werden. Eng verwandt mit der Weinbeeren-Latwerge ri15632-043 und dem Birnenmus sev-138.

Latwerge meint eine dick eingekochte Fruchtpaste; der Begriff stammt aus der Apotheke (lat. electuarium), wo Heilkräuter in so einer Paste verabreicht wurden. Hier ist es rein eine süße Vorratsspeise - das Konzept der schnittfesten, lange haltbaren Frucht-Konzentration.

Leutsbiern ist eine Birnensorte; für das Rezept zählt nur, dass es eine feste Koch- oder Mostbirne ist, die beim langen Einkochen nicht zu Saft zerfällt.

Treibs als ein Krapffenteig ist die Konsistenz-Probe: Die Masse muss so weit eingedickt sein, dass sie sich wie ein fester Teig auf einem Brett ausrollen lässt. Das ist der Punkt, an dem genug Wasser verdampft ist, dass Zucker und Pektin die Paste schnittfest binden.

Praxis. 1 kg feste Birnen schälen, in wenig Wasser oder Wein weichdämpfen, zerdrücken oder passieren. In einem schweren Topf bei kleiner Hitze einkochen, 100-200 g Honig und die Gewürze (je 1 TL grob gestoßene Nelken und Ingwer, 1/2 TL Muskat) einrühren. Geduldig unter Rühren reduzieren, bis die Masse fest vom Löffel fällt und sich der Topfboden kurz sieht - das dauert leicht eine Stunde. Auf ein geöltes Brett oder Backpapier streichen, fingerdick ausrollen, vollständig auskühlen und antrocknen lassen, dann in Rauten oder Würfel schneiden. Trocken und kühl gelagert hält das Konfekt monatelang.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-107-orig" n="Latwergen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#latwergen">Eine dicke, oft süße Fruchtpaste oder ein Konfekt, das auch medizinisch verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-107-orig" n="Leutsbiern" resp="#fyndling">Eine alte Bezeichnung für eine Birnensorte, wahrscheinlich eine gängige, robuste Sorte.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-107-orig" n="Verdempffs" resp="#fyndling">Dämpfen oder weich kochen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-107-orig" n="knit es" resp="#fyndling">Zerdrücken, zerstampfen oder kneten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-107-orig" n="Dreyfuß" resp="#fyndling">Dreibeiniger Ständer, um einen Topf über dem Feuer zu platzieren.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-107-orig" n="Krapffenteig" resp="#fyndling">Teig für Krapfen (frittierte Teigwaren), der eine feste, rollbare Konsistenz hat.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-107-orig" n="leg es ein" resp="#fyndling">Zur Aufbewahrung vorbereiten, konservieren.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-108-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine medizinische Latwerge - eine gewürzte Honigpaste, halb Magenmittel, halb würziges Konfekt. Das Verwandtschaftsprinzip teilt sie mit den Lebkuchen- und Magenbrot-Gewürzmischungen (vgl. m725-002) und mit den eingekochten Frucht-Latwergen wie der Sauerkirsch-Salse teg-046: stark gewürzt, mit Honig dick eingekocht, löffelweise zur Magenstärkung genommen. Für alle böse Nebel meint die humoralpathologischen 'schlechten Dämpfe', die der Magen vertreiben soll.

Schwertelwurtz ist die Schwertlilien-/Iriswurzel (heute als Veilchen- oder Iriswurzel im Handel), die aromatische Basis. Beiß sie ein heißt nicht beißen, sondern beizen - die in Scheiben geschnittene Wurzel acht bis zehn Tage in Rotwein einlegen, damit sie Aroma und Wirkstoffe abgibt.

Technik: zweistufig einkochen. Erst Wurzel und Wein mit dem geschmolzenen Honig auf ein Drittel reduzieren (das konzentriert und konserviert), dann die fein gestoßenen Gewürze - Ingwer, Nelken, Muskat, Zimtrinde, langer Pfeffer - zugeben und unter ständigem Rühren dick einkochen, bis eine streichfähige Latwerge entsteht. Das Rühren verhindert das Anbrennen der zuckerreichen Masse.

Praxis. Getrocknete Iriswurzel in Scheiben acht bis zehn Tage in Rotwein einlegen (verschlossenes Glas, ganz bedeckt). Den eingelegten Wein samt Wurzel mit dem Honig in einer Pfanne auf ein Drittel einkochen, die frisch gestoßenen Gewürze einrühren und unter stetigem Rühren zu einer dicken, dunklen Paste einköcheln. In ein sauberes Glas abfüllen - hält durch Honig und Gewürze lange. Mengenangaben: ein Maß Honig (rund 1 Liter), 4 Lot Ingwer, je 1 Lot Nelken und Muskat, 2 Lot Zimt, 1/2 Lot langer Pfeffer (1 Lot ca. 15 g).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-108-orig" n="Schwertelwurtz" resp="#fyndling">Schwertlilien-/Iriswurzel (Iris germanica/florentina), heute als Veilchen- oder Iriswurzel im Handel - aromatische und damals als heilkräftig geschätzte Wurzel.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-108-orig" n="beiß sie ein" resp="#fyndling">Von 'beizen': die Wurzel in Wein einlegen/marinieren, nicht 'beißen'.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-108-orig" n="Latwerge" resp="#fyndling">Dickflüssige gewürzte Honigpaste, zugleich Konfekt und Heilmittel (Elektuar), löffelweise eingenommen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-108-orig" n="böse Nebel" resp="#fyndling">Humoralpathologisch die 'schlechten Säfte/Dämpfe' im Körper, die als Krankheitsursache galten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-108-orig" n="Lot / Maß" resp="#fyndling">Lot = Gewicht von ca. 15-17 g; Maß = Volumen, hier rund 1 Liter.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-109-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine medizinische Brust-Latwerge - eine Honigpaste gegen Husten und Brustleiden, kein Speisegericht. Im Unterschied zur eingekochten Magen-Latwerge kkm-108 wird hier nichts gegart: die getrockneten Wurzeln und Kräuter werden zu Pulver gestoßen und nur mit Honig zur streichfähigen Paste angerührt (temperiert).

Grundmischung und Verstärkung. Die Basis ist Weißer Rettich, Ysop, Alant, Diptam und Ingwer. Willst du sie besser haben, kommen Kubebenpfeffer, Zimtrinde und Muskatblüte (Macis) dazu. Als ganz andere, kräftigere Alternative nennt der Text eine reine Wurzel-Mischung: Enzian, venezianische Zitwer, langer Pfeffer, Kalmus, Galgant und Steinwurz - ebenso mit Honig zur Latwerge angerührt. Das sind durchweg bittere und scharf-aromatische Heildrogen, wie sie die Apotheke der Zeit führte.

Praxis (Dokumentation, kein Kochrezept). Die getrockneten Zutaten im Mörser fein pulverisieren und mit so viel erwärmtem Honig verrühren, dass eine streichfähige Paste entsteht. Da es sich um eine heilkundliche Zubereitung mit teils intensiven Drogen handelt, führen wir sie als historisches Dokument - kein modernes Nachkoch-Rezept.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-109-orig" n="Latwerge" resp="#fyndling">Pastöse Heilzubereitung (Elektuar) aus pulverisierten Kräutern/Wurzeln und Honig, löffelweise eingenommen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-109-orig" n="temperieren" resp="#fyndling">Mischen, vermengen, zur Paste anrühren - hier das Verrühren der Pulver mit Honig.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-109-orig" n="Diptan" resp="#fyndling">Diptam, eine Heilpflanze (Dictamnus albus oder Origanum dictamnus) der mittelalterlichen Medizin.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-109-orig" n="Cubeben" resp="#fyndling">Kubebenpfeffer (Piper cubeba), pfeffrig mit eukalyptusartiger Note.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-109-orig" n="Venedisch Zitwen" resp="#fyndling">Venezianische Zitwerwurzel (Curcuma zedoaria), eine Ingwerverwandte, als Gewürz und Heildroge geschätzt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-109-orig" n="Steinwurtz" resp="#fyndling">Steinwurz - Sammelbezeichnung für medizinisch genutzte Wurzeln; die genaue Pflanze ist nicht eindeutig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-109-orig" n="Steinwurtz" resp="#fyndling">Eine getrocknete Heilwurzel, passend zum Kontext der übrigen medizinischen Wurzeln; die botanisch exakte Art ist nicht eindeutig bestimmbar.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-110-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Zwei kalte Kohlgerichte für den Herbst und Winter - der erste ein in Wein gedämpfter ganzer Kohlkopf, danach kalt mit würzigem Sud durchzogen; der zweite ein roher, fein gehobelter Krautsalat mit Essig und Öl, der direkte Vorfahr unseres Krautsalats / Coleslaw. Kappeskraut ist Weißkohl, Compostkraut meint hier zubereitetes/eingelegtes Kraut (vom lat. compositum), nicht das süße Obstkompott.

Technik 1: Dämpfen im Weinbad. Holzstäbchen (spreis höltzlin) bilden am Topfboden einen Rost, darüber Rotwein bis knapp unter die Stäbchen. Der Kohlkopf wird bis zum Strunk (dörsen) gevierteilt, bleibt aber zusammen; ein eingeklemmtes kleines Kohlblatt (Bellin Krauts) hält die Viertel offen, damit der Dampf hineinzieht. Topf gut verschließen und abdichten (verkleiben, z.B. mit Teig oder Lehm), auf den Dreifuß über mäßiges Feuer - der Kohl gart im aufsteigenden Weindampf, nicht im Wein selbst. Das ist Dämpfen über aromatischer Flüssigkeit, lange vor modernen Dämpfeinsätzen. Anschließend kalt: der Wein wird mit Kümmel, Schlehen und Wacholder aufgekocht und als würziger Sud über den Kohl gegeben, der ihn beim Erkalten aufsaugt; serviert mit Essig oder Senf.

Technik 2: roher Wintersalat. Sehr feste Kohlköpfe zinnlecht - hauchdünn wie Zinnfolie - hobeln und mit Essig und Baumöl (Olivenöl) anmachen. Schnell, haltbar, ideal für die kalte Jahreszeit.

Praxis. Für die Dämpfvariante einen ganzen Weißkohlkopf vierteln (Strunk dranlassen), in einen Topf mit Dämpfeinsatz über etwas Rotwein setzen, dicht verschließen und 60-90 Minuten über mäßiger Hitze dämpfen, bis er weich ist; abkühlen lassen. Den Dämpf-Wein mit 1 TL Kümmel, einer Handvoll Schlehen (ersatzweise Brombeeren/Heidelbeeren für Säure und Farbe) und 1 TL Wacholder aufkochen, über den kalten Kohl gießen, durchziehen lassen, mit Essig oder Senf abschmecken. Für den Salat festen Weißkohl auf der Mandoline hauchfein hobeln, mit 2-3 EL Essig und 2-3 EL Olivenöl anmachen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-110-orig" n="Compostkraut" resp="#fyndling">Zubereitetes/eingelegtes Kraut (von lat. compositum), hier herzhaft - nicht das moderne süße Obstkompott.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-110-orig" n="spreis höltzlin" resp="#fyndling">Holzstäbchen, die als Rost am Topfboden ausgelegt werden, damit der Kohl über dem Wein im Dampf gart.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-110-orig" n="dörsen" resp="#fyndling">Strunk bzw. Kern des Kohls.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-110-orig" n="Bellin Krauts" resp="#fyndling">Kleines Kohlblatt, in die gespaltenen Viertel geklemmt, damit sie offen bleiben und der Dampf hineinzieht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-110-orig" n="verkleiben" resp="#fyndling">Den Topfdeckel fest aufsetzen und die Ränder abdichten (z.B. mit Teig oder Lehm), damit der Dampf nicht entweicht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-110-orig" n="zinnlecht" resp="#fyndling">Hauchdünn, wie Zinnfolie geschnitten - ein sehr feiner Schnitt für den Salat.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-110-orig" n="Baumöl" resp="#fyndling">Olivenöl.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-110-orig" n="Compostkraut" resp="#fyndling">Zubereitetes/eingelegtes Kraut, herzhaft und kalt serviert - der Kontext (Wein, Kümmel, Schlehen, Wacholder, Essig, Senf) schließt eine süße Kompott-Lesart aus.</note>
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