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      <titleStmt>
        <title>Kochbuch Meister Eberhards (Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43 (CoReMA A1))</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/quellen/meister_eberhard/</idno>
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        <bibl>
          <title>Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43 (CoReMA A1)</title>
          <date when="1450">1450</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.a1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. A1 (CC BY 4.0)</note>
        </bibl>
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      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
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      <div type="recipe" xml:id="meb-001">
        <head>Gewürzte Honigkuchen (Lebkuchen)</head>
        <div type="original" xml:id="meb-001-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-001-trans">
          <p>Wiltu gut lekuchenn machenn Recipe zu einem seydlein honigs 1/2 lot negelleyn 1/2 lot muscat 1/2 lot Ingwerr 1/2 lot pfeffers vnd stoß das zu sammenn vnd dar auß mach einen teig vnd zu einer moß honigs nym zwirr souil als vor be= zeichent stett</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-001-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-001-orig">
          <p>Willst du gute Lebkuchen machen? Nimm für ein Seidel Honig jeweils ein halbes Lot Nelken, Muskat, Ingwer und Pfeffer. Stoße die Gewürze zusammen und bereite daraus einen Teig. Und für ein Maß Honig nimm zweimal so viel, wie zuvor angegeben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="seydlein honigs">Honig</ingredient> - 0.5 l</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="1/2 lot negelleyn">Nelken</ingredient> - 7.5 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="1/2 lot muscat">Muskatnuss</ingredient> - 7.5 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="1/2 lot Ingwerr">Ingwer</ingredient> - 7.5 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="1/2 lot pfeffers">Pfeffer</ingredient> - 7.5 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einen teig">Weizenmehl (im Text nicht genannt, zur Bindung ergänzt)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-002">
        <head>Meerrettich-Mandel-Salse für die Fastenzeit</head>
        <div type="original" xml:id="meb-002-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-002-trans">
          <p>Wiltu ein gutte salsen machen in der fastenn Nym merrech vnd mandel kernn vnd stoß die in einem moerserr vnd thue wein dar zu das ist gut</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-002-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-002-orig">
          <p>Willst du eine gute Salse für die Fastenzeit zubereiten:</p>
          <p>Nimm Meerrettich und Mandelkerne und stoße sie in einem Mörser. Gib Wein dazu - das ist gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="merrech">Meerrettich</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel kernn">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Weißwein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-003">
        <head>Sauerkirsch-Salse zum Einlagern</head>
        <div type="original" xml:id="meb-003-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-003-trans">
          <p>Zum Ein salsenn von weichselnn zu machen Item Wiltu machen ein gutte salsenn von weichselnn So thue die weich= sell in einen hafen vnd setz die auff ein glut vnd laß sie siedenn vnd laß dann wider erkaltenn vnd streich sie durch ein tuch vnd thue sie dann wider in den hafenn vnd setz sie auff ein glut vnd laß sie wol sieden vnd rurr sie piß sie dick wirt vnd thue dann honig dar an vnd geribens prot vnd negellein vnd gut gestup vnd thue sie in ein feßlein sie pleibt dir gut drew oder vier iarr</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-003-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-003-orig">
          <p>Wenn du eine gute Salse aus Sauerkirschen zubereiten möchtest, gib die Sauerkirschen in einen Topf und stelle ihn auf eine Glut. Lass sie sieden und danach wieder abkühlen. Streiche die Kirschen dann durch ein Tuch und gib sie wieder in den Topf zurück.</p>
          <p>Stelle den Topf erneut auf eine Glut und lass die Kirschen gut sieden. Rühre sie, bis sie dick werden. Gib dann Honig, geriebenes Brot, Nelken und ein gutes Gewürzpulver hinzu. Fülle die Salse in ein kleines Fass; sie wird dir drei oder vier Jahre lang gut haltbar bleiben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weichselnn">Sauerkirschen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geribens prot">Geriebenes Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="negellein">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gut gestup">Gewürzpulver</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-004">
        <head>Meerrettich-Salse für die Fastenzeit</head>
        <div type="original" xml:id="meb-004-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-004-trans">
          <p>Ein gutte salsen zu machen in der fastenn Item Nym merrich vnd zustoß den in einem moerserr vnd nym mandelkernn oder nuß vnd zustoß die auch vnd geuß ein wein dar an Merrich bricht den stein garr serr wenn man in isset in der kost</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-004-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-004-orig">
          <p>Nimm Meerrettich und zerstoße ihn in einem Mörser. Nimm Mandelkerne oder Nüsse und zerstoße diese ebenfalls. Gieße Wein dazu.</p>
          <p>Der Meerrettich bricht den Stein gar sehr, wenn man ihn in der Speise isst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="merrich">Meerrettich</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandelkernn oder nuß">Mandelkerne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wein">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-005">
        <head>Kräutersauce mit Essig</head>
        <div type="original" xml:id="meb-005-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-005-trans">
          <p>Item Ein andre salsenn Saluia petrocilius menta vnd pfefferr das soll man zustossenn mit essig das ist ein salsen die macht lustig zu essenn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-005-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-005-orig">
          <p>Ferner, eine andere Sauce: Nimm Salbei, Petersilie, Minze und Pfeffer. Diese sollst du mit Essig zerstoßen. Das ist eine Sauce, die das Essen angenehm macht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saluia">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petrocilius">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="menta">Minze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfefferr">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essig">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-006">
        <head>Gebratene Erbsen-Eier-Masse</head>
        <div type="original" xml:id="meb-006-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-006-trans">
          <p>Item Ein essenn von gebratenn arbeissenn Nym gesotenn arbeyß vnd slach sie durch ein tuch oder durch ein sib vnd slach vil eyerr darzu als vil der arbeiß sein vnd seud es in putternn vnd steck es an einen spiß vnd brot sie wol vnd beslach sie mit eyernn vnd mit kraut vnd gib es hin versaltz es nit</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-006-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-006-orig">
          <p>Nimm gekochte Erbsen und passiere sie durch ein Tuch oder durch ein Sieb. Schlage viele Eier dazu, etwa die gleiche Menge wie die Erbsen. Gare die Masse in Butter, bis sie fest wird, und lasse sie erkalten. Schneide sie in mundgerechte Stücke, stecke diese auf einen Spieß und brate sie gut. Bestreiche sie dann mit verquirltem Ei und Kräutern. Serviere das Gericht und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gesotenn arbeyß">Erbsen, gekocht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vil eyerr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="putternn">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kraut">Kräuter</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-007">
        <head>Holunderblütenmus für Kopf und Sinne</head>
        <div type="original" xml:id="meb-007-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-007-trans">
          <p>Ein holder muß zu machenn Nym holderplut vnd zureib die in kuee milch vnd nym mel vnd mach ein mus dar auß das ist gut zu dem haubt vnd den synnenn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-007-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-007-orig">
          <p>Ein Holunderblütenmus zu machen: Nimm Holunderblüten und zerreib diese in Kuhmilch. Nimm dann Mehl und mache ein Mus daraus. Dies ist gut für das Haupt und die Sinne.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="holderplut">Holunderblüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kuee milch">Kuhmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-008">
        <head>Süßes Nussmus mit Milch und Eigelb</head>
        <div type="original" xml:id="meb-008-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-008-trans">
          <p>Ein gut mus zu machenn So nym nuß kernn vnd stoß die clein vnd streich die durch mit einerr sussenn milch vnd mit susser semell brosem die wol gesotenn sein vnd thue schmaltz dar an genug vnd rurr es ab mit eyer totternn vnd wurtz es wol vnd versaltz es nit</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-008-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-008-orig">
          <p>Um ein gutes Mus zu machen, nimm Nusskerne und stoße sie fein. Streiche sie dann durch mit süßer Milch und mit süßen Semmelbröseln, die gut gekocht sein sollen. Gib genug Schmalz hinzu und rühre es mit Eigelb ab. Würze es gut und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nuß kernn">Nusskerne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einerr sussenn milch">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="susser semell brosem die wol gesotenn sein">Semmelbrösel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmaltz dar an genug">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyer totternn">Eigelb</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurtz es wol">Süße Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versaltz es nit">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-009">
        <head>Fischmus in Mandelmilch (mit essiggebeiztem Fisch)</head>
        <div type="original" xml:id="meb-009-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-009-trans">
          <p>Wiltu machen ein gebraten muß vonn vischennn So nym per visch die peyß in essig vnd wurff die in ein mandel milch die mit reyß sein wol gemengt vnd ein wenig schmaltz dar an das wellig sej versaltz es nit</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-009-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-009-orig">
          <p>Nimm den Fisch, beize ihn in Essig und wirf ihn dann in eine Mandelmilch, die gut mit Reis vermengt ist, und gib ein wenig Schmalz dazu, sodass es sämig wird. Versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vischennn">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essig">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel milch">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="reyß">Reis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-010">
        <head>Gebratene Kalbsleber im Netz</head>
        <div type="original" xml:id="meb-010-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-010-trans">
          <p>Item Ein essenn vonn einer lebernn eins kalbs Nym ein lebernn von einem kalb vnd hack sie clein vnd wurtz sie wol vnd nym dann einen hewrigenn speck vnd weinperr vnd leg das netz furr dich vnd be= streich es wol mit totternn vnd nym dann die lebernn vnd slach ein netz dar veberr vnd verspeil das wol vnd leg sie auff ein rost vnd laß sie pratenn vnd beslach sie halb mit totternn die rot sein dar nach an der andernn seittenn mit grunen totternn vnd peterlein vnd versaltz es nit</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-010-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-010-orig">
          <p>Nimm eine Kalbsleber und hacke sie klein. Würze sie gut mit Gewürzen. Nimm dann einen frischen Speck und Rosinen und menge sie unter die gehackte Leber. Lege das Schweinenetz vor dich hin und bestreiche es gut mit Eigelb. Nimm dann die Leber und schlage ein weiteres Netz darüber, sodass die Leber gut eingepackt ist. Befestige das Päckchen mit Spießen und lege es auf einen Rost. Lass es braten.</p>
          <p>Bestreiche die eine Hälfte des Päckchens mit rot gefärbtem Eigelb und die andere Hälfte mit grün gefärbtem Eigelb und Petersilie. Achte darauf, es nicht zu versalzen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lebernn von einem kalb">Kalbsleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurtz sie wol">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einen hewrigenn speck">Frischer Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinperr">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="netz">Schweinenetz</ingredient> - 2 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="totternn">Eigelb</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die rot sein">Sandelholz (für rotes Eigelb)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="peterlein">Petersilie (für grünes Eigelb)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-011">
        <head>Welscher Eierkuchen (Kräuter-Frittata)</head>
        <div type="original" xml:id="meb-011-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-011-trans">
          <p>Wiltu machen ein meyschen kuchenn So nym auff zehen eyer vnd zuslach sie wol vnd nym darzu peterlein vnd rurr es vndereinander vnd nym einen morserr vnd setz auff ein kolenn vnd thue dar ein einen loeffel vol schmaltz vnd laß es heyß werdenn vnd geuß die eyerr darein vnd laß es kul pachen vnd thu es also gantz auff ein schussel versaltz es nit</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-011-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-011-orig">
          <p>Nimm zehn Eier und schlage sie gut auf. Gib Petersilie hinzu und rühre es untereinander. Nimm einen Mörser und stelle ihn auf glühende Kohlen. Gib einen Löffel voll Schmalz hinein und lass es heiß werden. Gieße die Eier hinein und lass es langsam backen. Lege es dann ganz auf eine Schüssel und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zehen eyer">Eier</ingredient> - 10</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="peterlein">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="einen loeffel vol schmaltz">Schmalz</ingredient> - 1 EL</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-012">
        <head>Käse-Eier-Gericht im Mai</head>
        <div type="original" xml:id="meb-012-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-012-trans">
          <p>Item Wiltu machen ein essen in dem meyen das heyßt ein gespoet So nym einen fliessendenn keß vnd schneid den in vil schnittenn die duenn sein vnd nym darzu sechs eyer vnd slach die auff den keß vnd nym meichßige putternn in ein pfannen vnd thue den keß mit den eyernn vber das fewrr vnd zeuch es ey dar mit auff das es slecht werr vnd richte es an vnd versaltz es nicht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-012-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-012-orig">
          <p>Willst du im Mai ein Gericht zubereiten, das ‚Gespoet' genannt wird, so nimm einen weichen, fließenden Käse und schneide ihn in viele dünne Scheiben. Nimm dazu sechs Eier und schlage sie auf den Käse. Gib Mai-Butter in eine Pfanne und stelle den Käse mit den Eiern über das Feuer. Zieh es dabei nach und nach auf, sodass es glatt und eben wird. Richte es an und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einen fliessendenn keß">Weicher, schmelzender Käse</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="sechs eyer">Eier</ingredient> - 6</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="meichßige putternn">Mai-Butter</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-013">
        <head>Fischfladen mit Apfel und Gewürzen</head>
        <div type="original" xml:id="meb-013-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-013-trans">
          <p>Item einen fladenn zu machenn von fischenn velcherlej sie sind So nym ein dicke mandelmilch wol gemengt mit reiß mel vnd thue dar ein einen apffel oderr zwenn vnd ein wenig wurtz vnd seud es in einem ofen vnd laß es pachenn vnd versalcz es nit</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-013-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-013-orig">
          <p>Um einen Fladen aus Fischen zu machen, welcherlei sie auch sind: Nimm eine dickflüssige Mandelmilch, gut vermengt mit Reismehl.</p>
          <p>Gib einen oder zwei Äpfel und ein wenig Gewürz hinzu. Gar es im Ofen und lass es backen. Achte darauf, es nicht zu versalzen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fischenn velcherlej sie sind">Fisch (beliebige Art)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dicke mandelmilch">Mandelmilch, dickflüssig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="reiß mel">Reismehl</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="einen apffel oderr zwenn">Apfel</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig wurtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-014">
        <head>Nachgemachte Morcheln zur Weihnachtszeit</head>
        <div type="original" xml:id="meb-014-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-014-trans">
          <p>Wiltu machen morchen vmb weihennachtenn So nym ein teick auß weissem brot vnd auß ein wenig melbs vnd schla eyer dar an vnd mach zwen knebel vnd wurff die in den teick vnd zeuch sie darInnen vmb vnd leg sie in ein schmaltz das nit zu heyß sej vnd wenn es ein wenig gepack So nym es her wider auß vnd schneyd es dann mitten auff dem knebel auff von einander vnd full es danne mit ein geruntenn eyernn vnd zeuch es durch einen lindenn straubenn teick leg es in ein schmaltz vnd laß es pachenn vnd setz die morchen dar ein vnd laß sie pachenn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-014-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-014-orig">
          <p>Nimm einen Teig aus Weißbrot und etwas Mehl, schlage Eier daran und forme zwei Knebel. Zieh sie im Teig umher.</p>
          <p>Lege sie in Schmalz, das nicht zu heiß ist. Wenn es ein wenig gebacken hat, nimm es wieder heraus und schneide den Knebel in der Mitte auseinander.</p>
          <p>Fülle ihn dann mit geronnenen Eiern und zieh ihn durch einen linden Strauben-Teig. Lege ihn ins Schmalz und lass ihn backen. Setze so deine Morcheln hinein und lass sie ausbacken.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weissem brot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="melbs">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyer / geruntenn eyernn">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-015">
        <head>Frittierte Holunderblüten im Eierteig (Hollerküchle)</head>
        <div type="original" xml:id="meb-015-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-015-trans">
          <p>Wiltu machen ein gestrocztes gepachens So mach ein teyck von eytell eyernn vnd wurtz in wol vnd mach in gel vnd warmm du? gutter holmm in den teick das sie naß werdenn vnd nym sie dann her auß vnd pack es in einem schmaltz vnd versaltz nit</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-015-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-015-orig">
          <p>Mache einen Teig, lauter aus Eiern. Würze ihn gut und färbe ihn gelb. Tauche gute Holunderblüten in den Teig, sodass sie ganz benetzt sind. Hebe sie dann wieder heraus und backe sie in Schmalz aus. Versalze sie nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyernn">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="holmm">Holunderblüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-016">
        <head>Guter Eierkuchen mit Rosinen</head>
        <div type="original" xml:id="meb-016-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-016-trans">
          <p>Wiltu machen gut kuchenn vonn eyernn So nym eyer wie vil du wilt vnd zu slach die wol vnd schneid semel funf lot dar vnter vnd thue dar ein weinperr vnd schmaltz in ein pfannen des genug sej vnd geuß die eyer dar ein vnd laß es packenn ynnenn vnd aussenn do mit slach es auff ein panck vnd hack dar vnter gut wurtz vnd schneid es zu scheubenn vnd richt es an</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-016-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-016-orig">
          <p>Wenn du einen guten Eierkuchen zubereiten möchtest, nimm Eier, so viele du willst, und schlage sie gut auf. Schneide fünf Lot geriebenes Weißbrot darunter und gib Weinbeeren (Rosinen) hinzu.</p>
          <p>Erhitze ausreichend Schmalz in einer Pfanne und gieße die Eier hinein. Lass den Eierkuchen innen und außen backen. Dann schlage ihn auf eine Arbeitsfläche oder ein Brett und hacke gute Gewürze darunter. Schneide den Kuchen in Scheiben und richte ihn an.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="semel funf lot">Semmelbrösel</ingredient> - 75 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinperr">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gut wurtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-017">
        <head>Ein Gericht aus Milchkuchen (Fragment)</head>
        <div type="original" xml:id="meb-017-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-017-trans">
          <p>Item Ein essenn von milch kuchenn So soltu sie clein schneyden</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-017-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-017-orig">
          <p>Ein Gericht aus Milchkuchen: Die sollst du klein schneiden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milch kuchenn">Milchkuchen (dünner Eier-Milch-Fladen)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-018">
        <head>Huhn im Glasgefäß</head>
        <div type="original" xml:id="meb-018-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-018-trans">
          <p>hafen vnd geuß ein wasserr dar an vnd deck es zu vnd laß siedenn so wirt es sich strecken in dem glaß das man sicht sein fuß vnd flugel vnd den ganntzen pottich so ist es gerecht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-018-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-018-orig">
          <p>[…] in einen Topf und gieße ringsum Wasser daran (nicht ins Glas). Decke es zu und lasse es sieden. So reckt es sich im Glas, sodass man seinen Fuß und Flügel und seine ganze Gestalt sieht. Dann ist es fertig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(aus Titel und Schwester-Handschrift erschlossen)">Huhn</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasserr">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-019">
        <head>Hecht auf dreierlei Art</head>
        <div type="original" xml:id="meb-019-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-019-trans">
          <p>Wiltu machenn dreyerlej essens an einem visch So nym ein hecht vnd slach vmb das mittel teyl ein naß tuch vnd leg in auff ein rost vnd saltz in vnd laß in pratenn vnd das foderr teil bespreng mit melb vnd begeuß mit schmaltz das heyß sej vnd das tuch begeuß mit heissem wein vnd das hinder teyl prett sich selbs auff dem rost</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-019-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-019-orig">
          <p>Willst du dreierlei Speisen aus einem Fisch zubereiten, so nimm einen Hecht.</p>
          <p>Schlage um das Mittelteil ein nasses Tuch, lege den Fisch auf einen Rost, salze ihn und lass ihn braten. Das vordere Teil besprenge mit Mehl und begieße es mit heißem Schmalz. Das Tuch begieße mit heißem Wein, und das hintere Teil brät sich selbst auf dem Rost.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein hecht">Hecht</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein naß tuch">Nasses Tuch</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="melb">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-020">
        <head>Schwarzer Fisch mit Nelken</head>
        <div type="original" xml:id="meb-020-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-020-trans">
          <p>Item Wiltu swartz fisch machenn So laß die visch siedenn an die stat vnd nym dann gestossenn negellein vnd thue die dar an ? vnd laß sie dann noch ein guttenn wal thun</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-020-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-020-orig">
          <p>Wenn du schwarzen Fisch zubereiten möchtest, so lasse den Fisch sieden, wie er ist. Nimm dann gestoßene Nelken und gib sie hinzu. Lasse das Ganze dann noch einmal gut aufwallen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die visch">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gestossenn negellein">Nelken, gestoßen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-021">
        <head>Klares Hecht-Gelee</head>
        <div type="original" xml:id="meb-021-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-021-trans">
          <p>Item Vonn hechtenn wirt garr schoenns vnd lawters gestanndenn also das es durchsichtig wirt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-021-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-021-orig">
          <p>Aus Hechten wird ein sehr schönes und klares Gelee, so dass es durchsichtig wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hechtenn">Hecht</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-022">
        <head>Stockfisch mit Ingwer und Safran</head>
        <div type="original" xml:id="meb-022-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-022-trans">
          <p>Wiltu einen gutten stockfisch machenn So laß in siedenn als ein kalb fleisch vnd laß in ein siedenn auff halben wogk vnd seig dann die brue dar vonn vnd schuet den stockvisch herauß vnd erclaub in wol vnd nym dann ein pfannen vnd thue smaltz dar ein vnd laß es warmm werdenn vnd leg dann den stockvisch in die putternn vnd laß sie dar ynnen erhitzenn vnd nym dann Ingwerr vnd saffran mit des visch brue vnd ferb das do mit ein vnd geuß es veber den stock visch in die pfannen vnd laß es ein wal oder drej thun so ist er gerecht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-022-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-022-orig">
          <p>Willst du einen guten Stockfisch zubereiten, so lass ihn sieden wie Kalbfleisch und sieden, bis er auf das halbe Maß eingekocht ist. Seihe dann die Brühe ab und nimm den Stockfisch heraus.</p>
          <p>Zerzupfe ihn gut. Nimm dann eine Pfanne und gib Schmalz hinein. Lass es warm werden und lege dann den Stockfisch in die Butter. Lass ihn darin erhitzen.</p>
          <p>Nimm dann Ingwer und Safran mit der Fischbrühe und würze und färbe sie damit ein. Gieße sie über den Stockfisch in der Pfanne und lass es ein- bis dreimal aufwallen, dann ist er fertig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stockfisch">Stockfisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="brue">Fischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smaltz">Schmalz oder Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingwerr">Ingwer, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safranfäden</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="meb-023">
        <head>Gebratene Gans nach humoraler Lehre</head>
        <div type="original" xml:id="meb-023-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#meb-023-trans">
          <p>Item Hienach volgt wie man ein ganß pratenn soll So laß sie vor zwenn oder drej tag wol hungernn das die bosen predenn die in ir sein her auß genn vnd soll sie dann nernn mit kornn vnd dar nach totte sie vnd prate sie pej dem fewerr vnd du solt dar ein stossen saluia vnd ander gut wuertz das der safft dardurch gee vnd man soll sie besprengenn mit wein oder mit essigk das daz schmaltz do vonn trieff Wann das genß schmaltz soll man nit essenn wann es macht den menschen krannck wann die feistenn kumbt vonn boeser feuchtigkeit vnd wer gesund ist der soll die gans also gebratenn essenn so schadt sie dester mynderr Wer aber krannck ist der soll wenig do von essenn Wenn man sie kocht vnd seudt in wasser so ist sie vngesund wann dann so mugenn die boesen preden nit herauß genn von verhinderung wegen des wassers</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="meb-023-trans" xml:lang="de" corresp="#meb-023-orig">
          <p>Hiernach folgt, wie du eine Gans braten sollst:</p>
          <p>Lass die Gans zuvor zwei oder drei Tage gut hungern, damit die schlechten Säfte, die in ihr sind, herausgehen. Danach sollst du sie mit Korn nähren und anschließend töten. Brate sie dann bei offenem Feuer.</p>
          <p>Du sollst Salbei und andere gute Gewürze in die Gans stoßen, damit der Saft der Gans dadurch gehe. Besprenge sie mit Wein oder Essig, sodass das Schmalz davon tropft. Denn das Gänseschmalz soll man nicht essen, da es den Menschen krank macht, weil die Fettleibigkeit von böser Feuchtigkeit kommt.</p>
          <p>Wer gesund ist, der soll die Gans so gebraten essen, so schadet sie desto minder. Wer aber krank ist, der soll wenig davon essen. Wenn man sie kocht und in Wasser siedet, so ist sie ungesund, denn dann können die bösen Säfte wegen der Verhinderung durch das Wasser nicht herausgehen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein ganß">Gans</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kornn">Getreide (historische Mast, kein Kochschritt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saluia">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ander gut wuertz">Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essigk">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#meb-001-trans" resp="#fyndling">Welches Gebäck ist das? Eines der seltenen echten Lebkuchen-Backrezepte des Korpus - hier wird der Lebkuchen selbst gebacken, nicht (wie sonst fast überall) geriebener Lebkuchen als Saucenbinder verwendet. Ein purer Honig-Gewürz-Teig aus Honig plus Nelken, Muskat, Ingwer und Pfeffer, der direkte Vorläufer von Nürnberger Lebkuchen und Magenbrot. Lebkuchen war im 15. Jahrhundert Lebzelter- und Klosterbäckerei-Ware; das großzügige Vier-Gewürz-Quartett auf importierten Luxusgewürzen verrät eine gehobene Würzdichte.

Die zwei Ansatzgrößen. Der Schreiber nennt erst die Grunddosis - je ein halbes lot (rund 7,5 g) Gewürz auf ein seydlein (Seidel) Honig - und gibt dann mit vnd zu einer moß honigs nym zwirr souil eine zweite, größere Charge an: Für ein moß (Maß, ungefähr zwei Seidel) Honig verdoppelt man die Gewürze auf je ein ganzes Lot. Das ist eine proportionale Hochrechnung auf das größere Gefäß, keine Korrektur der ersten Angabe.

Muskat statt Macis. Das muscat steht hier gestoßen in der Pulver-Gewürzliste, mit Gewichtsangabe und ohne den Hinweis ‚schneiden‘ - deshalb Muskatnuss (anders als in der Pfeffersauce, wo ‚schneid drey mustat‘ Muskatblüte/Macis meint). Macis schmeckt aber ähnlich und passt ersatzweise.

Praxis. Die Gewürze im Mörser fein stoßen, mit erwärmtem, klarem Honig und so viel Weizenmehl verkneten, bis ein fester, formbarer Teig entsteht (Mehl nennt der Text nicht, es gilt als selbstverständlich). Formen und bei mittlerer, gleichmäßiger Hitze backen - am Feuer im Dutch Oven oder auf dem Backstein mit Oberhitze durch Deckelglut. Ohne Triebmittel wird das Gebäck zäh-hart und lange haltbar; traditionell lässt man den Teig vor dem Backen rasten. Ein reiner Honig-Gewürz-Lebkuchen ohne verderbliche Zutaten - der klassische Lager- und Reiseproviant.

Bindeglied zu den Saucen. Im Korpus taucht Lebkuchen sonst meist als Zutat dunkler Saucen auf (vgl. Süße Pfeffersauce mit Lebkuchen). Hier steht ausnahmsweise das Rezept für den Lebkuchen selbst - das Schwester-Backrezept ist Lebkuchen-Magenbrot aus dem Tegernseer Kochbuch, dessen Anmerkung Meister Eberhard ausdrücklich als die einzige andere Quelle eines Lebkuchen-Backrezepts nennt.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-001-orig" n="lekuchenn" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch für Lebkuchen, ein gewürztes Honiggebäck.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-001-orig" n="seydlein" resp="#fyndling">Ein historisches Flüssigkeitsmaß, das je nach Region zwischen 0,35 und 0,5 Litern variierte. Hier wird von 0,5 Litern ausgegangen.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-001-orig" n="lot" resp="#fyndling">Eine historische Gewichtseinheit, die etwa 15 Gramm entspricht; ein halbes Lot somit rund 7,5 Gramm.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-001-orig" n="negelleyn" resp="#fyndling">Diminutiv von ‚Nägelein‘, also Nelken.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-001-orig" n="pfeffers" resp="#fyndling">Hier ist das Gewürz Pfeffer gemeint, nicht eine Pfeffersauce oder ein Pfeffergericht.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-001-orig" n="zwirr souil" resp="#fyndling">‚Zweimal so viel‘ - bezogen auf die größere Honigmenge: Für ein Maß (statt eines Seidels) Honig wird die doppelte Gewürzmenge genommen.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-001-orig" n="moß" resp="#fyndling">Ein Maß, das größere Hohlmaß (ungefähr zwei Seidel). Der Schreiber gibt so eine zweite, größere Ansatzgröße an.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-001-orig" n="seydlein" resp="#fyndling">Ein 'seydlein' wird als 0,5 Liter interpretiert, da dies eine gängige Größe für diese Maßeinheit im süddeutschen Raum war und eine praktikable Menge für die Zubereitung ergibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-001-orig" n="vnd zu einer moß honigs nym zwirr souil als vor bezeichent stett" resp="#fyndling">Der Schlusssatz ist eine Skalierungsregel, keine Selbstkorrektur: Die Grunddosis von je einem halben Lot Gewürz gilt pro Seidel Honig. Für die größere Einheit 'moß' (Maß, ungefähr zwei Seidel) nimmt man 'zwirr souil' - die doppelte Gewürzmenge, also je ein ganzes Lot. Der Schreiber gibt damit zwei Ansatzgrößen an (Seidel und Maß) mit jeweils proportionaler Würzung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-001-orig" n="muscat" resp="#fyndling">Muskatnuss. Das Gewürz steht hier in einer gestoßenen Pulver-Gewürzliste mit Gewichtsangabe (ein halbes Lot) und ohne Verb 'schneiden' - nach der Korpus-Kontextregel ergibt das Muskatnuss.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-002-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalte, scharf-nussige Würztunke für die Fastenzeit - Meerrettich und Mandelkerne werden gemeinsam im Mörser zerstoßen und mit Wein zu einer streichfähigen Sauce gelöst. Die Mandel ersetzt das in der Fastenzeit verbotene tierische Fett, mildert die Krenschärfe und gibt der Salse Körper. Dasselbe Gericht steht im selben Korpus ein zweites Mal als Meerrettich-Salse für die Fastenzeit und überregional in der böhmischen Meerrettich-Mandel-Sauce zu Fisch.

Kein Kochschritt. Das salsen (Würztunke, kein Salz) wird nur gestoßen, nie erhitzt - die Schärfe des Meerrettichs ist flüchtig und verfliegt beim Erwärmen wie nach einer halben Stunde an der Luft. Deshalb den Meerrettich erst kurz vor dem Servieren frisch reiben oder stoßen, nicht vorproduzieren.

Praxis. Mandeln deutlich überwiegen lassen (etwa 2:1 bis 3:1 Mandel zu Meerrettich), sonst wird die Salse brutal scharf. Den Wein tröpfchenweise zugeben, bis die gewünschte streichfähige bis gießbare Konsistenz erreicht ist; ein Schuss Verjus statt oder neben dem Wein bringt mehr Säure und hält die Farbe hell. Klassisch kalt zu Fisch reichen.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-002-orig" n="salsen" resp="#fyndling">Eine Salse ist eine würzige Tunke oder Sauce, die oft kalt zu Fleisch oder Fisch gereicht wird.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-002-orig" n="moerserr" resp="#fyndling">Im Mittelalter waren Mörser oft große, schwere Gefäße aus Stein oder Metall, die zum Zerstoßen von Fleisch, Nüssen oder Wurzeln verwendet wurden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-002-orig" n="merrech" resp="#fyndling">Meerrettich. Die Lesart ist über den Korpus selbst gesichert: Dasselbe Gericht erscheint im Kochbuch Meister Eberhards ein zweites Mal mit der Schreibung 'merrich' (Meerrettich-Salse für die Fastenzeit), und die böhmische Meerrettich-Mandel-Sauce zu Fisch nennt explizit 'chřen' (Meerrettich). Die scharfe Salse-Charakteristik bestätigt die Lesart zusätzlich.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-002-orig" n="kernn" resp="#fyndling">Kerne, hier Mandelkerne. Die Endung -nn ist eine typische bairische Doppelkonsonantenschreibung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-002-orig" n="moerserr" resp="#fyndling">Mörser. Die Doppelkonsonantenschreibung -rr ist eine typische bairische Variante.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-003-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine eingekochte, im Fass haltbare Sauerkirsch-Salse (salsenn von weichselnn) - ein süß-würziges Vorrats-Condiment, das als Tunke zu Wild und Braten gereicht wurde. Verwandt mit der Weichsel-Latwerge m811-004, der fast wortgleichen Sauerkirschsauce m5919-047 und der Tegernseer Weixelsalsen.

Das Verfahren läuft in zwei Stufen: Zuerst die weichselnn im Topf weich sieden lassen, abkühlen, durch ein Tuch passieren (Kerne und Häute bleiben zurück). Dann das Mus erneut auf die Glut, gut sieden und rühren, bis es dick wird.

Gewürzt wird zum Schluss: Honig (Süße und Konservierung), geribens prot als Bindung, Nelken und gut gestup - ein gutes Gewürzpulver (frühneuhochdeutsch stup/stupp = Staub, Pulver), keine eigene Frucht oder Nuss. Typisch wäre eine fein gestoßene Mischung aus Zimt, Ingwer, Pfeffer und Muskat.

Praxis. Heiß in saubere, säurefeste Gefäße abfüllen und kühl sowie dunkel lagern. Die im Original genannte Haltbarkeit von drei bis vier Jahren beruht auf dem Zusammenspiel von Zuckerkonzentration, Fruchtsäure und langem Einkochen.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-003-orig" n="salsenn" resp="#fyndling">Eine ‚Salse‘ bezeichnet im Mittelalter eine würzige Tunke oder Sauce, oft mit Frucht- oder Essigsäure, die als Beilage zu Fleisch oder Fisch gereicht wurde - es ist keine Salzzutat.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-003-orig" n="weichselnn" resp="#fyndling">‚Weichseln‘ sind Sauerkirschen (Prunus cerasus), im Mittelalter eine beliebte Zutat für Saucen und Konserven.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-003-orig" n="gut gestup" resp="#fyndling">‚Gestup‘ (vgl. ‚stup/stupp‘) ist eine frühneuhochdeutsche Form von ‚Staub‘ bzw. ‚Pulver‘, hier im Sinne von Gewürzpulver. Der nahezu wortgleiche Schwester-Eintrag m5919-047 hat an derselben Stelle ‚gut stupt genug‘ und sichert diese Lesart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-003-orig" n="weichselnn / siedenn / erkaltenn / hafenn" resp="#fyndling">Die doppelten ‚nn‘ am Wortende sind eine typische Schreibweise im Frühneuhochdeutschen des 15. Jahrhunderts (bairischer Dialekt) und stellen keine inhaltliche Abweichung von den modernen Formen ‚Weichseln‘, ‚sieden‘, ‚erkalten‘ und ‚Hafen‘ dar.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-003-orig" n="gut gestup" resp="#fyndling">‚Gestup‘ (zu ‚stup/stupp‘) ist die frühneuhochdeutsche Form von ‚Staub, Pulver‘ und meint ein gutes Gewürzpulver. Der nahezu wortgleiche Twin m5919-047 hat an exakt derselben Stelle ‚gut stupt genug‘ und sichert die Lesart cross-source; das Glossar belegt ‚stupp‘ = staubfeines Pulver.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-003-orig" n="geribens prot" resp="#fyndling">‚Geribens prot‘ ist geriebenes Brot, das die Salse bindet und andickt - eine korpusweit belegte Saucen- und Latwergen-Technik (vgl. m5919-047, m811-004).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-004-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine scharfe Fasten-Salse - eine kalte Würztunke aus zerstoßenem Meerrettich und Mandeln (oder Nüssen), mit Wein angerührt. Funktional eine frühe Meerrettichsauce mit Mandelbindung, gereicht zu gesottenem Fisch. Die direkte Schwester ist die nahezu wortgleiche Meerrettich-Mandel-Salse für die Fastenzeit derselben Handschrift; quellenübergreifend deckt sich das Verfahren mit der böhmischen Meerrettich-Mandel-Sauce zu Fisch bei Severin. Lebende Verwandtschaft: die heutige Meerrettichsauce zu Fisch, hier aber mit Mandeln statt Sahne gebunden.

Merrich. Frisch geriebener Meerrettich ist beißend scharf, verliert sein Aroma aber binnen Minuten - daher knapp vor dem Servieren zubereiten, auch im Lager. Die mitgestoßenen Mandeln (oder Nüsse, mandelkernn oder nuß) binden, mildern und strecken die Schärfe zu einer streichfähigen Paste.

Geuß ein wein dar an. Wein angießen, bis die gewünschte Tunken-Konsistenz erreicht ist. Es wird nichts gekocht und nichts reduziert - reines Kalt-Anrühren im Mörser, keine Garstufe.

Praxis. Meerrettich frisch reiben oder stoßen, Mandeln bzw. Nüsse mitstoßen, mit Wein zu einer gießfähigen Tunke verrühren und zeitnah servieren. Ein Schuss Säure (Verjus oder Weinessig) stabilisiert die Schärfe-Wahrnehmung. Komplett pflanzlich und damit fastentauglich.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-004-orig" n="salsen" resp="#fyndling">Eine Würztunke oder scharfe Sauce - NICHT zu verwechseln mit Salz. Salsen werden im Mittelalter kalt zu Fisch und Fleisch gereicht.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-004-orig" n="merrich" resp="#fyndling">Meerrettich. Ein scharfes Wurzelgemüse, das im Mittelalter auch für seine medizinischen Eigenschaften geschätzt wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-004-orig" n="moerserr" resp="#fyndling">Ein Mörser, im Mittelalter oft ein großes Gerät aus Stein oder Metall, um Zutaten zu einer feinen Paste zu zerstoßen. Für dieses Rezept reicht auch eine feine Reibe.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-004-orig" n="kost" resp="#fyndling">Im Kontext von 'in der kost' bedeutet es 'in der Speise' oder 'in der Nahrung'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-004-orig" n="merrich" resp="#fyndling">Die Lesart 'Meerrettich' wurde gewählt. Im Kochbuch Meister Eberhards steht merrich/merrech stabil für Meerrettich; die Schärfe-Funktion einer salsen und der diätetische Zusatz 'bricht den Stein' (Meerrettich galt als kanonisches Steinbrecher-Mittel) bestätigen die Lesart zusätzlich. Extern gestützt durch das nahezu wortgleiche Schwesterrezept derselben Handschrift sowie die böhmische Meerrettich-Mandel-Sauce bei Severin.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-005-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Die schlankeste Variante der mittelalterlichen grünen Kräutersauce: Salbei, Petersilie und Minze werden roh mit Pfeffer und Essig im Mörser zu einer kalten Würztunke zerstoßen - ohne Brotbindung, ohne Wein, ohne Safran. Sie steht am puristischen Ende einer korpusweiten Familie: die enge Verwandtschaft mit Frische Kräutersauce mit Zimt (nahezu identisch, nur Zimt statt Salbei), den brotgebundenen Ausbaustufen Grüne Kräutersauce und Kräutersauce für Edelleute sowie der getrockneten Vorrats-Fassung Mittelalterliches Instant-Soßenpulver zeigt dieselbe Grundachse Salbei-Petersilie-Minze-Pfeffer-Essig.

Die Handschrift markiert zustossenn mit einem Fragezeichen. Gemeint ist eindeutig das Zerstoßen im Mörser - die ganze Saucenfamilie verfährt so (grynde it smal, trita insimul, malæ mæth ædikæ, im eigenen Korpus stoß in einem moerserr). Kein Kochschritt: die Sauce bleibt roh und kalt.

Praxis. Frische Kräuter grob zupfen und mit dem Pfeffer im Mörser anstoßen (zu Hause tut es auch ein Blender), dann den Essig nach gewünschter Konsistenz angießen - von dicker Paste bis spritziger Tunke. Mengenanker liefert der Zwilling hkb-013 ("zu gleichen Teilen"): die drei Kräuter etwa gleich, Pfeffer sparsam, Essig nach Geschmack. Kalt servieren als säuerlich-würziger Appetitanreger zu Braten und Fisch. Frisch zubereiten - die Paste dunkelt nach und schmeckt angesetzt nur zwei bis drei Tage frisch.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-005-orig" n="salsenn / salsen" resp="#fyndling">Im Kontext dieses Rezepts bezeichnet ‚Salse' eine würzige Tunke oder Sauce, nicht Speisesalz.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-005-orig" n="lustig zu essenn" resp="#fyndling">Bedeutet hier ‚appetitlich' oder ‚angenehm zu essen', im Sinne von anregend und schmackhaft.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-005-orig" n="zustossenn" resp="#fyndling">zerstoßen. Das Verb ‚zustossen' bedeutet im Frühneuhochdeutschen ‚zerstampfen' oder ‚zerreiben', typischerweise in einem Mörser.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-006-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine vegetarische Erbsen-Krokette am Spieß mit frischem Ei-Kräuter-Mantel: passierte Erbsenmasse wird mit etwa gleichviel Ei gebunden, in Butter fest gebraten, in Stücke geschnitten, aufgespießt, gebraten und nach dem Braten mit verquirltem Ei und Kräutern überzogen. Lebende Verwandtschaft hat das Gericht zu allen gebundenen Hülsenfrucht-Bratlingen - der Logik „weichkochen, passieren, mit Ei binden, braten". Fast wortgleich findet es sich rund hundert Jahre früher als Erbsen-Spieße mit Kräuter-Ei-Mantel im Buch von guter Speise.

Die Crux liegt im verkürzten Spieß-Schritt. Der Eberhard-Text springt von seud es in putternn direkt zu steck es an einen spiß - der entscheidende Zwischenschritt fehlt. Eine frisch gegarte, heiße, halbweiche Erbsen-Ei-Masse hält nicht am Spieß. Der nahezu identische Zwilling bgs-045 macht ihn explizit: die Masse in Butter fest werden lassen, vollständig abkühlen und in mundgerechte Stücke schneiden, ehe man sie aufspießt. Genau das macht das viele Ei (als vil der arbeiß sein, volumengleich, nicht stückzahlbezogen) möglich: es stockt zu einer schnittfähigen Frittata-artigen Masse.

Der Ei-Kräuter-Mantel kommt NACH dem Braten. beslach sie mit eyernn vnd mit kraut meint keinen Panaden-Überzug vor dem Braten, sondern den finalen Mantel: verquirltes Ei mit gehackten Kräutern stockt auf den heißen, frisch gebratenen Spießen in Sekunden zu einer zarten Schicht. kraut sind hier frische Küchenkräuter (Petersilie, Salbei, Majoran), kein Kohl.

Praxis. Erbsen sehr weich kochen und fein passieren, damit keine Schalen stören; rechne als Startpunkt mit etwa 1-2 Eiern pro 250 g Masse. In wenig Butter (nicht allzu fett) sanft braten, bis die Masse fest und schnittfähig ist. Ist sie zu weich, hilft etwas getrocknetes, fein zerbröseltes Brot (modern: Semmelbrösel) als Bindung. Vor dem Schneiden zwingend vollständig auskühlen lassen - auf einem kalten Stein geht das schneller. Den Ei-Kräuter-Mantel zügig auf das heiße Bratgut auftragen und sofort servieren, sonst stockt das Ei nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-006-orig" n="Item" resp="#fyndling">Lateinisch für ‚ferner‘ oder ‚auch‘, leitet ein neues Rezept ein.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-006-orig" n="slach sie durch ein tuch oder durch ein sib" resp="#fyndling">Die Erbsen sollen durch ein Tuch oder Sieb passiert werden, um eine feine, breiige Konsistenz zu erhalten - nicht ‚geschlagen‘ im Sinne von prügeln.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-006-orig" n="steck es an einen spiß vnd brot sie wol" resp="#fyndling">Der Eberhard-Text ist hier verkürzt: Damit die Masse am Spieß hält, muss sie zuvor in Butter fest gegart, abgekühlt und in Stücke geschnitten werden. Diesen Zwischenschritt liefert der nahezu wortgleiche Zwillingstext aus dem ‚Buch von guter Speise‘ (mit Augustana-Abgleich).</note>
        <note type="gloss" target="#meb-006-orig" n="beslach sie mit eyernn vnd mit kraut" resp="#fyndling">‚Beschlagen‘ meint hier den finalen Ei-Kräuter-Überzug NACH dem Braten: verquirltes Ei mit Kräutern stockt auf dem heißen Bratgut zu einem zarten Mantel. Es ist keine Panade, die vor dem Braten aufgetragen würde.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-006-orig" n="slach sie durch" resp="#fyndling">‚passiere sie durch‘ - im Sinne von durchstreichen oder pürieren, um eine feine Masse zu erhalten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-006-orig" n="als vil der arbeiß sein" resp="#fyndling">‚etwa die gleiche Menge wie die Erbsen‘ - ein volumengleiches Verhältnis von Eiern zu Erbsenmasse.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-006-orig" n="brot sie wol" resp="#fyndling">‚brate sie gut‘ - hier ist ‚brot‘ als Imperativ des Verbs ‚braten‘ zu verstehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-006-orig" n="kraut" resp="#fyndling">‚Kräuter‘ - frische Küchenkräuter als Würze und Garnitur, passend zur Kombination mit Eiern.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-007-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Holunderblüten-Milchmus - die knappste und einfachste Fassung eines im süddeutschen Raum breit überlieferten Klassikers. Verwandt sind Holunderblütenmus (Rheinfränkisches Kochbuch), Holunderblütenmus (Mondseer Kochbuch) und Holunderblütenmus (Kochbuch Meister Hannsen). Dieselbe Idee wie beim bis heute gemachten Holunderblütensirup oder den Hollerküchle: das feine, muskat-honigartig-blumige Aroma der Dolden in eine Grundlage ziehen.

Die Eberhard-Besonderheit. Anders als die Verwandten bindet dieses Rezept schlicht mit mel (Mehl) - nicht mit geriebener Semmel und nicht mit Eiern, wie es die übrigen Fassungen der Familie tun. Das macht meb-007 zur archaischsten, einfachsten Variante: drei Zutaten, ein Topf.

Technik - ehrlich gelesen. Der Eberhard-Text ist verdichtet und nennt kein Abseihen: nym holderplut vnd zureib die in kuee milch ... mach ein mus dar auß. Wörtlich werden die Blüten also in der Milch zerrieben und bleiben im Mus. Die verwandten Rezepte zeigen den breiteren Korpus-Standard - Blüten in Milch aufkochen, durch ein Tuch passieren, die Blüten verwerfen, dann binden - das ist die gängige Praxis der Familie, steht aber so nicht in Eberhards knappem Merkzettel. Wer mag, kann nach diesem Standard absieben; wer dem Wortlaut folgt, lässt die fein zerriebenen Dolden drin.

Praxis. Eine große Handvoll frischer (oder einen guten Esslöffel getrockneter) Holunderblüten - nur die schneeweißen Dolden, Stiele und Grün geben Bitterkeit - in etwa 500 ml Milch verarbeiten. Mehl als Bindung nie in die heiße Milch klumpen lassen: mit etwas kalter Milch glattrühren oder kalt einsieben, dann unter Rühren knapp unter dem Siedepunkt zum Mus binden. Eine süße Richtung (Wein und Honig oder Zucker) liegt beim Blütenaroma nahe, der Text legt sich aber nicht fest. Holunderblüten gibt es nur Mai/Juni - getrocknete funktionieren ganzjährig.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-007-orig" n="mus" resp="#fyndling">Ein Mus (mhd. muos) bezeichnet im Mittelalter einen Brei oder eine Püree-artige Speise, oft aus Obst, Gemüse, Getreide oder Fleisch.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-007-orig" n="gut zu dem haubt vnd den synnenn" resp="#fyndling">Eine typische mittelalterliche Gesundheitsaussage, die auf der Humoralpathologie basiert. Man glaubte, dass bestimmte Speisen die Organe und die geistige Verfassung positiv beeinflussen könnten. 'Haupt' steht hier für den Kopf und damit auch für die geistige Klarheit.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-007-orig" n="holderplut" resp="#fyndling">Wir lesen 'holderplut' als 'Holunderblüten'. 'Holder' ist eine bekannte mittelhochdeutsche Variante für Holunder, und 'plut' ist eine gängige bairisch-frühneuhochdeutsche Schreibung für 'Blüte'. Die eng verwandten Rezepte der Familie bestätigen die Lesart eindeutig - rfk-022 schreibt ausgeschrieben 'hulder plumen' (Holunderblumen) und kkm-034 grenzt die Blüten ausdrücklich von den Beeren ab.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-007-orig" n="zureib" resp="#fyndling">Wir interpretieren 'zureib' als 'zerreib'. Das Präfix 'zu-' kann im Frühneuhochdeutschen die Bedeutung von 'zer-' annehmen, und 'zerreiben' ist die passende Verarbeitung der Blüten in der Milch.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-008-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süßes, brotgebundenes Nussmus mit Milch und Eigelb - ein gehaltvoller, sämiger Nussbrei aus der Landshuter Hofküche Meister Eberhards. Es ist praktisch dasselbe Rezept wie das Cremige Nussmus mit Safran aus dem Buch von guter Speise und das Gekochte Nussmus aus Severin; verwandt, aber mit anderer Bindung, ist auch das Weiße Nussmus mit Sauermilch. Da von Meister Eberhard keine gedruckte Edition vorliegt, sind diese Zwillinge der beste externe Beleg dafür, wie das Mus gemeint ist.

Durchstreichen. Der Text sagt knapp streich die durch mit einerr sussenn milch. Was er auslässt, machen die Zwillinge deutlich: dort heißt es slahe sie durch ein tuoch - die fein gestoßenen Nüsse werden also mit der süßen Milch durch ein Tuch oder feines Sieb passiert. Wer die Nüsse fein genug mörsert (oder mahlt), kann das Passieren weglassen; das verwandte Mandelmus hält fest, dass man dann nicht durffen durch schlahen muss.

Bindung. Die semell brosem die wol gesotenn sein sind Weißbrotkrume, die zuvor in der Milch weichgekocht wird - das mittelalterliche Standard-Bindemittel vor der Mehlschwitze. Vorab weichkochen lassen, dann bindet das Mus glatt statt grieselig.

Eigelb und Würze. Das rurr es ab mit eyer totternn ist ein Legieren: das Eigelb erst zum Schluss bei milder Hitze einrühren und danach nicht mehr aufkochen, sonst stockt es zu Rührei. Reichlich Schmalz (oder Butter) macht das Mus cremig. wurtz es wol meint süßes Würzen im Bereich Zimt und Ingwer; das versaltz es nit ist eine Mengen-Warnung - Salz höchstens als feine Abrundung, denn das Gericht ist süß.

Praxis. Etwa 200 g Nüsse auf einen knappen halben Liter Milch sind ein guter Startpunkt. Nüsse fein stoßen, Semmelbrösel in der Milch weichkochen, beides zu glatter Masse vereinen, reichlich Schmalz einarbeiten, dann am Rand des Feuers das Eigelb unterrühren und süß abschmecken.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-008-orig" n="mus" resp="#fyndling">Ein Mus ist ein Brei oder Püree aus zerstoßenen Zutaten, oft süß oder pikant.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-008-orig" n="semell brosem" resp="#fyndling">Geriebene Semmel oder Weißbrotkrume, die als Bindemittel oder zur Textur verwendet wird. Im Mittelalter ein häufiges Bindemittel, nicht Mehl.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-008-orig" n="schmaltz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz oder Butter. Für eine vegetarische Variante kann Pflanzenöl verwendet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-008-orig" n="eyer totternn" resp="#fyndling">Eigelb, das zum Binden, Färben und Anreichern von Speisen verwendet wurde.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-009-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gebundenes, essiggebeiztes Fischmus - ein frühes Fisch-Frikassee in cremig-säuerlicher Mandelmilch-Sauce, gebunden mit Reis. Der Titel ein gebraten muß meint hier das fertige, gebundene Gericht und ist eine feststehende Mus-Bezeichnung; gebraten wird nichts. Der einzige Garschritt ist sanftes Aufwallen in der Milch. Das Rezept teilt seinen Textstamm fast wörtlich mit dem rund hundert Jahre älteren Fischmus in Reismilch aus dem Buch von guter Speise, das an gleicher Stelle ein gebacken muos schreibt - dieselbe Speise, dieselbe Namensformel.

peyß = beizen. die peyß in essig - der Fisch wird in Essig gebeizt (eingelegt/mariniert), nicht zerteilt. Der Zwilling bgs-055 belegt es eindeutig mit gebeizt in ezzig. Das Beizen säuert und festigt das Fleisch und bringt eigene Würze mit, daher anschließend sehr zurückhaltend salzen.

Reis als Bindung. mit reyß sein wol gemengt - der Reis bindet die Mandelmilch sämig. Praktisch entweder Reismehl kalt einrühren (klümpchensicher) oder gekochten Reis fein zerstoßen; etwas Schmalz gibt Schmelz.

das wellig sej = nur aufwallen. das wellig sej heißt: einmal aufwallen lassen, bis es sämig ist - nicht durchkochen. Sonst wird der Fisch trocken und die gebeizte Milch kann gerinnen. Knapp unter dem Siedepunkt ziehen lassen.

Praxis. Auf ~500 g festen Weißfisch (Hecht, Zander, Karpfen) etwa 25 g Reismehl kalt in 500 ml Mandelmilch einrühren, einen Löffel Schmalz zugeben und unter Rühren leicht andicken lassen. Den vorab gebeizten Fisch sanft darin gar ziehen, knapp unter dem Siedepunkt. Sehr zurückhaltend salzen.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-009-orig" n="muß" resp="#fyndling">Ein gebundenes, brei- oder saucenartiges Gericht - hier ein gebundenes Fischmus, kein Brat- oder Backgericht.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-009-orig" n="gebraten muß" resp="#fyndling">Feststehende Bezeichnung für das fertige, gebundene Mus; gebraten wird nichts. Der Schwester-Twin bgs-055 schreibt an gleicher Stelle 'gebacken muos' - ebenfalls ohne Garmethode.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-009-orig" n="peyß" resp="#fyndling">Beizen - den Fisch in Essig einlegen/marinieren (zu mhd. beizen), nicht 'zerteilen'. Belegt durch den Zwilling bgs-055 'gebeizt in ezzig'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-009-orig" n="peyß" resp="#fyndling">‚Beize ihn in Essig' - peyß (zu mhd. beizen) bezeichnet das Einlegen/Marinieren des Fischs in Essig. Diese Lesart ist durch den nahezu wörtlichen Zwilling bgs-055 extern belegt, der an gleicher Stelle gebeizt in ezzig hat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-009-orig" n="per visch" resp="#fyndling">Generischer, unbestimmter Fisch (‚den/jeden Fisch') - die Fischart bleibt offen; per ist am ehesten ein verschriebenes Demonstrativ/Artikel oder eine Überlieferungslücke. Die Twins lösen die Art nicht auf (bgs-055 nennt Karpfen/Hecht als Beispiel, mha-211 'allerlei Fische').</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-009-orig" n="gebraten muß" resp="#fyndling">Feststehende Mus-Bezeichnung für das fertige, gebundene Gericht - kein Bratverfahren. Der einzige Garschritt ist das Aufwallen in der Milch.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-010-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Leberwickel im Schweinenetz, über der Glut gegart - hier in einer höfischen Schau-Variante mit zweifarbiger Eigelb-Glasur. Der direkte Verwandte der Crépinette bzw. des bairisch-österreichischen Leberwickerls/Netzbratens, der bis heute lebendig ist (vgl. das Schweineleber-Pendant ant-080, die Bockleber m384-047 und die Innereien im Netzfett boc-023). Caul fat (Schweinenetz) als essbare Hülle ist eine uralte, heute in der gehobenen Küche wiederentdeckte Technik.

Technik. Die Leber wird roh fein gehackt (der Paralleltext m384-047 sagt ‚also gruen‘ = roh), gewürzt und mit gewürfeltem frischem hewrigenn speck und weinperr (Rosinen, süß-pikant) zur Farce gemengt. Diese kommt auf ein mit Eigelb (totternn) bestrichenes Netz, ein zweites Netz wird darüber geschlagen und das Päckchen mit Holzspeilen fixiert (verspeil). Auf dem Rost übergart das Netzfett selbstbastend und hält den mageren Wickel saftig.

Die zweifarbige Schau-Glasur. Das Distinktive gegenüber dem ansonsten fast wortgleichen koe-006: die fertige Wicklung wird zur einen Hälfte mit rot, zur anderen mit grün gefärbtem Eigelb bestrichen - reine Tafel-Optik der höfischen Repräsentationsküche. Periodentreu kommt das Rot von Sandelholz (Safran ergibt eher Gold-Orange), das Grün von Petersiliensaft (peterlein, im Text genannt). Moderne Färbungen wie Rote Bete gehören nicht in diese Zeit.

Praxis. Schweinenetze beim Metzger vorbestellen, in lauwarmem Wasser entfalten. Leber fein hacken, mit frischem Speck, Rosinen, Salz, Pfeffer und Ingwer mischen, aufs Netz streichen, mit zweitem Netz bedecken, mit Spießen fixieren und über mittlerer Glut garen. Zwei kleine Eigelb-Ansätze separat färben (rot/grün) und erst gegen Ende je eine Hälfte bestreichen. Nicht versalzen - die süß-pikante Balance lebt von der Zurückhaltung beim Salz.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-010-orig" n="netz" resp="#fyndling">Das ‚Netz‘ bezeichnet das Schweinenetz (Omentum majus), eine feine, fettreiche Membran, die die Eingeweide von Schweinen oder Kälbern umhüllt. Es wird in der Küche zum Umwickeln von Farcen, Pasteten oder Braten verwendet, um diese saftig zu halten und mit Fett zu versorgen.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-010-orig" n="verspeil" resp="#fyndling">‚Verspeilen‘ heißt, das Päckchen mit Speilen (Holzspießchen) zusammenzustecken, damit das Netz beim Braten geschlossen bleibt. Der gleiche Fachbegriff steht im wortgleichen Paralleltext koe-006.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-010-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein ‚Rost‘ ist ein Grillrost oder eine Bratpfanne. Hier ist ein offener Rost über Glut gemeint, auf dem das Päckchen gebraten wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-010-orig" n="weinperr" resp="#fyndling">‚Weinbeeren‘ - als Rosinen (getrocknete Weintrauben). Dies ist im mittelalterlichen Kochkontext die übliche Verwendung und durch den wortgleichen Paralleltext koe-006 bestätigt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-010-orig" n="slach ein netz dar veberr" resp="#fyndling">‚schlage ein [weiteres] Netz darüber‘ - die Farce wird auf das erste, mit Eigelb bestrichene Netz gestrichen und mit einem zweiten Netz bedeckt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-010-orig" n="totternn die rot sein" resp="#fyndling">‚Dottern, die rot sind‘ - Eigelb, das mit periodentreuem Sandelholz rot gefärbt wurde; Safran ergibt eher ein Gold-Orange.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-011-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein welscher (italienischer) Eierkuchen - im Kern eine Kräuter-Frittata: zehn verquirlte Eier mit Petersilie, in heißem Schmalz langsam gestockt und ganz auf eine Schüssel gestürzt. Lebende Verwandte: die italienische frittata di erbe und die spanische tortilla de hierbas. Es ist die schlankste Variante der Eierkuchen-Familie des Korpus - ohne Käse, ohne Füllung, ohne Süße (vgl. die reicheren bgs-052, boc-043, boc-044). Fast wortgleich überliefert als koe-015 im Königsberger Kochbuch.

Technik. Der morserr ist hier ein Kochgefäß, kein Stoßmörser: auf die Glut gesetzt, ein Löffel Schmalz darin erhitzt, die Eiermasse hineingegeben und kul (kühl = bei milder Hitze) gestockt, damit sie nicht bräunt. Ein dickwandiger Metallmörser oder kleiner Topf gibt genau die sanfte, gleichmäßige Hitze, die das kul pachen verlangt. Die Warnung versaltz es nit ist eine Küchenwarnung, keine Salzmenge - das Schmalz trägt schon Würze, also sparsam salzen.

Praxis. Modern: 10 Eier mit reichlich gehackter Petersilie verquirlen, in einer schweren oder gusseisernen Pfanne 1 EL Schmalz (oder Butter/Pflanzenöl) richtig heiß werden lassen, dann die Hitze zurücknehmen und die Masse bei milder Hitze langsam durchstocken. Zu starke Unterhitze verbrennt den Boden, bevor die Mitte fest ist. Am Schluss ganz auf die Schüssel stürzen (gerösteter Boden oben), nicht wenden. Ergibt einen sättigenden, kräuterdurchzogenen Fladen für 2-4 Personen.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-011-orig" n="meyschen kuchenn" resp="#fyndling">‚meyschen' ist hier mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Verschreiber für ‚weyschen' = welisch = italienisch (welscher Kuchen). Der Wort-für-Wort-Zwilling koe-015 im Königsberger Kochbuch hat an gleicher Stelle ‚weyschenn kuchen'; m und w sind in der Schreiberhand der Periode leicht verwechselbar. ‚Welscher Eierkuchen' = eine frühe Kräuter-Frittata.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-011-orig" n="morserr" resp="#fyndling">Hier dient der Mörser nicht zum Zerstoßen, sondern als feuerfestes Kochgefäß, das direkt auf die Glut gesetzt wird - ein im Korpus mehrfach belegtes Muster (vgl. koe-015, koe-002, koe-013). Modern entspricht das einer kleinen, schweren Pfanne oder einem flachen Topf über milder Glut.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-011-orig" n="kul pachen" resp="#fyndling">‚kühl backen' meint im Kontext des Garens über Glut ein langsames, schonendes Stocken bei moderater Hitze, damit der dicke Eierkuchen gleichmäßig durchgart, ohne anzubrennen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-011-orig" n="meyschen kuchenn" resp="#fyndling">‚welischer (italienischer) Kuchen‘ - eine Kräuter-Frittata nach welscher Art. Belegt durch den fast wortgleichen Zwilling koe-015, der an gleicher Stelle ‚weyschenn kuchen‘ liest; ‚meyschen‘ ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Verschreiber (m statt w).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-011-orig" n="morserr" resp="#fyndling">Wir interpretieren ‚morserr‘ hier als ein feuerfestes Kochgefäß (Topf oder Pfanne), das auf Kohlen gesetzt wird. Dasselbe Muster zeigt der Zwilling koe-015 sowie koe-002 und koe-013.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-011-orig" n="kul pachen" resp="#fyndling">Wir interpretieren ‚kul pachen‘ als ‚langsam und schonend backen‘ bei moderater Hitze - so bleibt der Eierkuchen hell und zart, der Rand brennt nicht an, bevor die Mitte stockt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-012-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine schlichte Mai-Käseschmelze: weicher, schmelzender Käse in dünnen Scheiben, sechs Eier darübergeschlagen, in frischer Mai-Butter in der Pfanne über dem Feuer gestockt und glattgezogen. Lebende Verwandtschaft ist das deftige Käse-Omelett bzw. eine einfache Käse-Frittata. Im Korpus steht das Gericht neben der Folio-Schwester Maischkuchen mit Petersilie und der reicheren Käse-Ei-Familie um Kräuter-Omelett mit Käse und Rosinen und Martinos Frittata - meb-012 ist die schlichteste, ungewürzte Variante.

Der Käse - fliessendenn keß: Gemeint ist ein weicher, schmelzfähiger Käse, dünn geschnitten, damit er rasch und gleichmäßig schmilzt, bevor die Eier zu fest sind. Das muss kein edelschimmel-gereifter Weichkäse sein: ein junger Frischkäse oder milder Schmelzkäse ist ebenso periodentreu wie Brie oder Camembert - die verwandten Rezepte nennen schlicht ‚frischen Käse'.

Die Butter - meichßige putternn: Mai-Butter, also die frische Frühjahrsbutter aus der ersten Weidemilch - ein Saisonbegriff, kein Konsistenz-Adjektiv. Frische Süßrahmbutter tut es heute genauso.

Die Technik - zeuch es ... auff das es slecht werr: Den Käse flach in die heiße Butterpfanne geben, die Eier darüberschlagen und das Ganze über mäßiger Glut bei langsamer Hitze stocken lassen. Dabei nach und nach glattziehen, bis eine ebene Fläche entsteht (slecht = glatt/eben). Es ist kein Spiegelei mit getrennten Eiern, sondern eine zusammengezogene, glatte Masse.

Praxis. Etwa sechs Eier, ein paar Scheiben Weichkäse und ein guter Löffel Butter ergeben eine Portion für zwei bis drei Personen. Milde Hitze und Geduld - nicht hart durchbraten, nur stocken und glätten. Mild würzen und, wie der Schreiber mahnt, nicht versalzen.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-012-orig" n="meyenn" resp="#fyndling">‚Mai' - Das Gericht ist saisonal verortet: im Frühling/Frühsommer sind frische Milch, frischer Käse und Eier reichlich vorhanden.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-012-orig" n="meichßige putternn" resp="#fyndling">Mai-Butter - die süße Frühjahrsbutter aus der ersten fetten Weidemilch. Der Begriff ist ein zweiter Saison-Anker neben ‚im Mai' und kein Konsistenz-Adjektiv (‚weich'). Extern bestätigt durch das Grimm'sche DWB unter ‚Maienbutter': ‚wie maibutter: meyenbutter, butyrum vernum' (Frühjahrsbutter) - phonetisch nah an ‚meichßige' und exakt derselbe Saisonbegriff.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-012-orig" n="slecht" resp="#fyndling">Im Frühneuhochdeutschen bedeutet ‚slecht' hier ‚glatt' oder ‚eben' (nicht ‚schlecht' im heutigen Sinn). Gemeint ist die glatte Oberfläche der gestockten Masse.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-012-orig" n="gespoet" resp="#fyndling">‚Gespoet' ist der Eigenname dieses Käse-Ei-Gerichts. Der Begriff ist im Korpus sonst nicht belegt und heute nicht mehr sicher zu deuten; die Zubereitung weist klar auf ein flaches Käse-Ei-Pfannengericht (Omelett-/Frittata-Familie) hin.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-012-orig" n="meichßige" resp="#fyndling">‚Mai-' (in ‚Mai-Butter') - frische Frühjahrsbutter aus der ersten Weidemilch. Bindet an den Saisonbezug ‚in dem meyen'. Die w↔m-Vertauschung (‚weich') ist bei diesem Schreiber nicht belegt. Das Grimm'sche DWB führt unter ‚Maienbutter' die lautlich sehr nahe Schreibvariante ‚meyenbutter' (= butyrum vernum, Frühjahrsbutter) - eine direkte externe Bestätigung dieser Lesart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-012-orig" n="ey" resp="#fyndling">‚je' / ‚nach und nach' - eine Verstärkung von ‚dar mit' im Sinne von ‚zieh es stetig/allmählich dabei auf'. Da die Eier bereits genannt sind, ist die Lesart ‚Ei' syntaktisch unwahrscheinlich.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-012-orig" n="slecht" resp="#fyndling">‚glatt/eben' - beschreibt die glatte Oberfläche der in der Pfanne ausgebreiteten und glattgezogenen Masse. Gestützt durch die gleiche ‚ziehen'-Technik in Gezogener Eierkuchen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-013-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gebackener, herzhafter Fischfladen aus dem Fastenkontext - eine frühe offene Pastete ohne Ei. Eine sehr dicke, mit Reismehl gebundene Mandelmilch ersetzt Sahne und Ei, dazu Apfel für Süße und Säure und wenig Gewürz. Das Rezept teilt seinen Textstamm fast wörtlich mit dem rund hundert Jahre älteren Fischfladen mit Apfel und Mandelmilch und der Fastenfassung Fischfladen für die Fastenzeit aus dem Buch von guter Speise; Schwester im selben Buch ist das im Topf gebundene Fischmus in Mandelmilch - dieselbe Idee als Mus statt als Fladen.

Der Fisch fehlt in der Anleitung. Meister Eberhard nennt den Fisch nur im Titel und führt den Verarbeitungsschritt nicht aus - eine Verkürzung gegenüber den Zwillingen. Wie der Fisch in den Fladen kommt, verrät erst bgs-056 (welherleie sie hechede oder bersige): festen Weißfisch (Hecht, Barsch, Zander, Kabeljau) vorgaren, häuten, entgräten und zerzupfen, dann unter die Bindung mischen. Das ist hier ergänzt, nicht aus dem Quelltext gelesen.

Kein Teigboden im Quelltext. einen fladenn ... von fischenn - anders als die Zwillinge nennt Eberhard kein blat von teyge. Streng gelesen stockt die dicke Masse selbst im Ofen zum Fladen, näher an einem Auflauf als an einer Tarte mit Boden. Ob man einen Teigboden mitdenkt, bleibt offen - ungefragt hineindichten sollte man ihn nicht.

dicke mandelmilch = pastöse Bindung. ein dicke mandelmilch wol gemengt mit reiß mel - die Mandelmilch muss wirklich dick und pastös sein, sonst zerläuft die Masse wässrig. Reismehl kalt einrühren (klümpchensicher) und unter Rühren erhitzen, bis es sämig stockt.

seud ... vnd laß es pachenn = ein Ofenvorgang. Die beiden Garausdrücke meinen zusammen schlicht Ofenbacken bis die Masse fest ist und oben goldet - kein separates Sieden in Wasser. versalcz es nit ist eine im Korpus stehende Warnformel (auch in bgs-057 und meb-009): sehr zurückhaltend salzen.

Praxis. Etwa 200-250 g vorgegarten, zerzupften Weißfisch mit ein bis zwei fein gewürfelten Äpfeln (gern kurz angeschwitzt) in eine dicke, mit Reismehl gebundene Mandelmilch heben, sparsam zeittypisch würzen (Ingwer, etwas Muskat, Pfeffer) und sehr zurückhaltend salzen. Im Ofen oder gut regelbaren Dutch Oven mit Oberhitze backen, bis die Masse fest ist und oben goldet; lauwarm servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-013-orig" n="fladen" resp="#fyndling">Ein 'Fladen' ist hier kein süßer Kuchen, sondern ein flacher, im Ofen gebackener herzhafter Belag - eine frühe Form von Tarte oder offener Pastete. Anders als die titelgleichen Zwillinge nennt Meister Eberhard keinen Teigboden; ob ein solcher mitzudenken ist oder ob die dicke Masse selbst zum Fladen stockt, bleibt offen.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-013-orig" n="dicke mandelmilch" resp="#fyndling">Explizit 'Mandelmilch', nicht 'dicke Milch' (fermentierte Tiermilch). Gemeint ist eine sehr konzentrierte, mit Reismehl eingedickte Mandelmilch, die als fastenkonformer Ersatz für Sahne oder Ei bindet - im Zwilling bgs-056 wortgleich als dicken mandelmilch, gemenget mit rys mele belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-013-orig" n="velcherlej" resp="#fyndling">‚welcherlei' - es eignet sich jeder Fisch. Die Schreibung v für w ist bei Meister Eberhard regulär. Der Zwilling bgs-056 nennt an gleicher Stelle Beispiele: Hecht oder Barsch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-013-orig" n="seud ... in einem ofen / pachenn" resp="#fyndling">‚im Ofen garen und backen' - die Kombination von seud und pachenn ist eine feststehende Formel für einen einzigen Ofen-Garvorgang, bis die dicke Masse stockt und oben goldet.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-014-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Illusionsspeise zur Weihnachtszeit: nachgemachte Morcheln aus Teig. Aus Weißbrot, etwas Mehl und Eiern werden kleine Knebel geformt, frittiert, aufgeschnitten und mit gestockten Eiern gefüllt - das wabige Innenbild der Eierfüllung ahmt die Morchelstruktur nach. Lebende Verwandtschaft: am nächsten an gefüllten Krapfen und an modernem ‚Trompe-l'oeil'-Gebäck, das gezielt eine andere Speise vortäuscht; die Füllung entspricht herzhaftem Eierstich oder gestocktem Rührei.

Die Crux - keine echten Pilze. Das fnhd morchen vmb weihennachtenn liest sich naiv als ‚Morcheln zu Weihnachten', meint aber das Endprodukt: die fertig geformten Teiggebilde sind die morchen. Der Schlusssatz vnd setz die morchen dar ein vnd laß sie pachenn bezeichnet die zweite Frittierrunde derselben Imitate, nicht die Zugabe echter Pilze. Die Gefüllte Hühner-Morchel belegt diese Form-Lesart von morche direkt; Gefüllte Morcheln vom Rost und Gefüllte Morcheln, sülze-artig zeigen dieselbe Morchel-Füll-Familie.

Technik. Ein zweistufiges Frittiergericht. Den festen Knebel-Teig im Schmalz (nit zu heyß) lind vorbacken - das stabilisiert die Form -, herausnehmen und mittig aufschneiden. Mit gestockter, krauser Eimasse füllen (Pendant zu den Krausen Eiern), durch dünnen Strauben-Teig ziehen und ein zweites Mal goldbraun ausbacken.

Praxis. Das Schmalz mild halten, sonst bräunt die Hülle vor dem Durchgaren. Die Eierfüllung vorab stocken lassen und die Knebel eher fest formen, damit sie beim Aufschneiden und Füllen nicht zerfallen. Eine eigentümliche Stelle: mach zwen knebel vnd wurff die in den teick - die Knebel werden aus dem Teig geformt und darin gewälzt; der knappe Wortlaut wirkt hier leicht doppelt und ist nicht ganz eindeutig.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-014-orig" n="Knebel" resp="#fyndling">‚Knebel' ist hier ein kleines, längliches Teigstück, das zur Morchel-Form gerollt, frittiert, aufgeschnitten und gefüllt wird - die Form ahmt den Pilz nach.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-014-orig" n="straubenn teick" resp="#fyndling">Ein ‚Strauben-Teig' ist ein dünner, weicher Teig für frittiertes Schmalzgebäck, ähnlich einem Krapfen oder Auszogenen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-014-orig" n="morchen vmb weihennachtenn" resp="#fyndling">Nachgemachte Morcheln: ‚morchen' meint hier die geformten, gefüllten Teig-Knebel, nicht den Pilz. Belegt durch bgs-023, wo ‚morche' ausdrücklich die Form (nicht den Pilz) bezeichnet, sowie durch die Saisonlogik - frische Morcheln gibt es um Weihnachten nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-014-orig" n="geruntenn eyernn" resp="#fyndling">‚geronnene Eier' - eine gestockte, krause Eimasse als Füllung. Querbeleg ist die Krause-/gefüllte-Eier-Familie des Korpus (m384-082 ‚krause Eier', kkm-098 ‚gestürtzt Eyer').</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-015-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein frittiertes Holunderblüten-Eiergebäck - im Kern der spätmittelalterliche Vorläufer des bis heute in Bayern und Österreich lebendigen Hollerküchle (Holunderkücherl). Statt eines Mehl-Backteigs nutzt Meister Eberhard die knappste, archaischste Variante: einen Teig lauter aus Eiern (eytell eyernn), ohne Mehl. Verwandt sind die frittierten Holunderblütenküchle bei Martino (mar-169, mar-160) und im Anonimo Toscano (ant-033, Variante mit Holunderblüten im Teig); das reine Eierteig-Frittieren mit gelber Färbung und der Schlusswarnung gegen Versalzen teilt es mit m5919-093. Aus derselben Handschrift stammt das Holunderblütenmus meb-007 - derselbe Rohstoff, anderer Zweig.

Die Technik: Die Dolden werden in den verquirlten, gewürzten Eierteig getaucht, bis sie ganz benetzt sind (das sie naß werdenn), dann mit dem anhaftenden Teig herausgehoben (nym sie dann her auß) und sofort in heißem Schmalz ausgebacken. Wichtig: Die Blüten werden nicht entfernt - die getauchte Dolde samt Ei-Mantel ist das Gebäck. Das Ei bläht im heißen Fett zu einer lockeren Hülle auf; das ist vermutlich gemeint, wenn der Schreiber von einem gestrocztes gepachens spricht (das Wort selbst bleibt ungesichert). Die Stelle warmm du? gutter holmm ist im Transkript unsicher markiert - sie meint plausibel ‚tu(e) die Blüten in den Teig‘, nicht zwingend ‚erwärmen‘.

Praxis. Nur weiße, voll aufgeblühte Dolden im Mai/Juni verwenden; Stiele und Grünanteile bittern und vorher wegschneiden. Den Eierteig gut würzen und gelb färben - periodtreu mit etwas Safran, der reine Ei-Teig wird durch das Eigelb aber ohnehin gelb. Versaltz nit: nur sparsam salzen, nicht versalzen. Im reichlich heißen Schmalz schwimmend ausbacken, bis die Hülle goldgelb und aufgegangen ist, und sofort heiß servieren - frisch schmeckt es am besten.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-015-orig" n="gestrocztes gepachens" resp="#fyndling">‚Gepachens‘ ist gesichert ‚Gebackenes/Gebäck‘. ‚Gestroczt‘ ist eine echte Lesefalle und bleibt philologisch ungesichert - eine plausible Lesart ist ‚aufgegangen/prall‘ (zu ‚strotzen‘), passend zum Ei-Teig, der beim Frittieren aufbläht.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-015-orig" n="eytell eyernn" resp="#fyndling">‚Eitell‘ bedeutet hier ‚lauter‘ bzw. ‚rein‘, also ein Teig ganz aus Eiern - ohne Mehl als Bindemittel.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-015-orig" n="holmm" resp="#fyndling">Holunderblüten - im selben Korpus mehrfach gesichert (vgl. ‚holderplut‘ in meb-007, ‚hulder plumen‘ in rfk-022). Die Dolden werden in den Teig getaucht und samt anhaftendem Teig frittiert.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-015-orig" n="pack es in einem schmaltz" resp="#fyndling">‚Packen‘ heißt hier ‚backen‘ im Sinne von ‚in Fett ausbacken‘ bzw. ‚frittieren‘, nicht im Ofen backen. ‚Schmalz‘ ist tierisches Fett.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-015-orig" n="versaltz nit" resp="#fyndling">Warnformel: nicht zu stark würzen, nicht versalzen. Salz wird also nicht eigens zugegeben, sondern vor Übermaß gewarnt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-015-orig" n="gestrocztes gepachens" resp="#fyndling">‚Gepachens‘ = ‚Gebackenes/Gebäck‘ ist gesichert. ‚Gestroczt‘ ist eine echte Lesefalle und bleibt ungeklärt; plausibel ist ‚aufgegangen/prall‘ (zu ‚strotzen‘), da der reine Ei-Teig beim Frittieren aufbläht. Wird bewusst offen gehalten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-015-orig" n="eytell eyernn" resp="#fyndling">‚Lauter‘ bzw. ‚rein aus Eiern‘. ‚Eitell‘ bedeutet im Frühneuhochdeutschen ‚lauter/rein/lediglich‘ - der Teig besteht also ganz aus Eiern, ohne Mehl.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-015-orig" n="warmm du? gutter holmm" resp="#fyndling">‚(Wann/dann) tu(e) gute Holunderblüten in den Teig‘ - die Dolden werden in den Teig getaucht. Die Stelle ist im Transkript unsicher (CoReMA-Lesemarker ‚?‘ bei ‚du?‘, vermutlich ‚tu/thu‘ = tue); ob hier ein Verb ‚erwärmen‘ steht, ist nicht gesichert und wird offen gehalten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-015-orig" n="holmm" resp="#fyndling">‚Holunderblüten‘. Im selben Korpus mehrfach belegt (‚holderplut‘ in meb-007, ‚hulder plumen‘ in rfk-022) und cross-source durch die Frittier-Twins mar-160 (‚fior di sambuco‘) und ant-033 gestützt. Die Dolde wird in Teig getaucht und mitfrittiert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-015-orig" n="mach in gel" resp="#fyndling">Standardformel ‚würze und färbe gelb‘. Ein Färbemittel ist im Text nicht genannt. Periodtreu und plausibel ist Safran; der reine Ei-Teig färbt zudem durch das Eigelb von selbst gelb. Safran ist daher eine optionale Praxis-Färbung, keine im Text belegte Zutat.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-016-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein dichter, süßer Eierkuchen - im Kern eine süße Frittata. Geschlagene Eier mit untergeriebenem Weißbrot (semel) und Rosinen, beidseitig in Schmalz gebacken, dann gestürzt, gewürzt und in Scheiben geschnitten. Das geriebene Weißbrot ist hier kein Mehl, sondern Binder: Es macht die Eiermasse fest und schnittfähig, kein lockeres Omelett. Damit gehört das Rezept in die Semmel-Eierkuchen-Linie des Korpus - der nächste Zwilling ist der herzhaft gewürzte Eierkuchen nach Meißner Art mit derselben Signatur Eier + geriebene Semmel + Schmalz, dazu die Gebackenen Eierkuchen und auf der Süß-Achse die Pastete von Eiern und Käse und die Gemeine Torte mit Käse und Rosinen.

Binder und Backen. Das semel funf lot - rund 75 g geriebenes altes Weißbrot auf 4 bis 6 Eier - wird unter die Eier gehoben, dazu eine Handvoll Rosinen. In schmaltz ... des genug sej, also reichlich Fett, gießt man die Masse. Weil sie durch das Brot dick ist, muss sie wie eine Frittata gewendet werden: laß es packenn ynnenn vnd aussenn meint beidseitiges Durchbacken. Über dem Feuer braucht das eine moderate Glut, sonst ist der Kuchen außen dunkel und innen roh.

Die Reihenfolge-Besonderheit. slach es auff ein panck heißt: den fertigen Kuchen aus der Pfanne auf ein Brett oder eine Arbeitsfläche stürzen - nicht auf eine Sitzbank. Erst dort, auf der gestürzten Masse, kommt hack dar vnter gut wurtz zum Tragen: Die Gewürze werden nach dem Backen auf den fertigen Kuchen gehackt, nicht in den Teig gerührt. Das Original bleibt unspezifisch (gut wurtz = Standardformel); zum süßen Charakter mit Rosinen passen Zimt, Muskatnuss und Nelken.

Praxis. Schnelles Pfannengericht mit einfachem Gerät (Pfanne, Brett, Messer), in etwa 20 Minuten fertig - voll lagerküchentauglich. Eier und Schmalz am Markttag frisch verarbeiten. Zum Schluss in Scheiben schneiden und anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-016-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Im Mittelalter war ‚Semmel‘ oder ‚Semmelmehl‘ geriebenes Weißbrot, das als Bindemittel oder Füllstoff verwendet wurde, nicht das moderne Weizenmehl.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-016-orig" n="lot" resp="#fyndling">Ein ‚Lot‘ war eine historische Gewichtseinheit, die regional variierte. Im süddeutschen Raum entsprach ein Lot etwa 15 bis 16 Gramm.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-016-orig" n="weinperr" resp="#fyndling">‚Weinperr‘ ist eine frühneuhochdeutsche Form von Weinbeere, also Rosine. Sie wurden häufig in süßen und herzhaften Gerichten verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-016-orig" n="schmaltz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz, war ein gängiges Kochfett. In Fastenzeiten wurde es durch Pflanzenöl oder Mandelmilch ersetzt.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-016-orig" n="wurtz" resp="#fyndling">‚Wurtz‘ (Gewürze) ist hier unspezifisch. Bemerkenswert ist die Reihenfolge: Die Gewürze werden erst nach dem Backen auf den fertigen Kuchen gehackt, nicht in die Eiermasse gerührt. Zu Rosinen passen süße Gewürze wie Zimt, Muskatnuss oder Nelken.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-016-orig" n="panck" resp="#fyndling">Eine ‚Bank‘ bezeichnet hier eine Arbeitsfläche oder ein Holzbrett, auf das der fertig gebackene Eierkuchen gestürzt und zum Würzen und Zerteilen ausgeklopft wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-016-orig" n="wurtz" resp="#fyndling">Die unspezifische Angabe ‚gut wurtz‘ wurde als ‚gute Gewürze‘ übersetzt. ‚Wurtz‘ meint Gewürz, nicht Salz. Im Kontext eines süßen Eierkuchens mit Rosinen sind süße Gewürze wie Zimt, Muskatnuss oder Nelken am wahrscheinlichsten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-016-orig" n="panck" resp="#fyndling">‚Slach es auff ein panck‘ wurde als ‚stürze ihn auf ein Brett oder eine Arbeitsfläche‘ gelesen - das Herauslösen des fertigen Kuchens aus der Pfanne.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-016-orig" n="eyernn / packenn / ynnenn / scheubenn" resp="#fyndling">Typische frühneuhochdeutsche Schreibweisen für ‚Eiern‘, ‚backen‘, ‚innen‘ und ‚Scheiben‘. Die -nn-Doppelung am Wortende ist ein gängiger orthografischer Zug bei Meister Eberhard.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-017-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Milch-Eier-Gericht vom Colris-Typ - überliefert ist allerdings nur sein Auftakt. Der lebende Verwandte ist die Flädle- bzw. Frittatensuppe: dünne Fladen werden klein geschnitten und in Milch gegeben. Im Korpus gehört der Eintrag zur Colris-Familie geschnittene Eierfladen in Milch, dünne Eierfladen in Milch und süßer Colrys mit Apfel sowie zum gebratenen Mus mit Eierteigblättern; auf demselben Folio steht direkt davor der Eierkuchen mit Rosinen, der ebenfalls in Stücke geschnitten und angerichtet wird.

Crux: ein Fragment, kein vollständiges Rezept. Überliefert sind nur Gerichtbenennung (Item Ein essenn von milch kuchenn) und der erste Schritt (So soltu sie clein schneyden). Das sie ist Plural und meint die Fladen/Kuchen - „die sollst du klein schneiden“, nicht „schneide ihn“. Was folgt - in Milch geben, sieden, mit Eigelb binden - steht im Manuskript nicht und wird hier bewusst nicht hinzugedichtet. Die folgende Praxis ist daher eine markierte Rekonstruktion nach den verwandten Rezepten, kein überlieferter Wortlaut.

Praxis (Rekonstruktion nach den Colris-Rezepten). Dünne Eierfladen backen (Eier, etwas Mehl oder Semmelbrösel, in Schmalz dünn ausbacken), abkühlen lassen und klein schneiden. In frische, ungesäuerte Milch geben und bei milder Hitze erwärmen - nicht kochen, sonst gerinnt es. Mit verquirltem Eigelb binden und unter Rühren leicht andicken lassen, zum Schluss etwas Schmalz unterrühren. Frisch und warm anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-017-orig" n="essenn" resp="#fyndling">Substantiv „Essen / Gericht“. „Ein essen von X“ ist die stehende Wendung „Ein Gericht aus X“ - eine Gerichtbenennung, keine Anweisung „iss“.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-017-orig" n="milch kuchenn" resp="#fyndling">Milchkuchen: ein mit Milch (und vermutlich Eiern) gebackener dünner Fladen oder Kuchen. Keine festgelegte Bedeutungsbreite hineinlesen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-017-orig" n="sie clein schneyden" resp="#fyndling">„sie“ ist Plural und verweist auf die (Milch-)Kuchen bzw. dünnen Fladen zurück - „die sollst du klein schneiden“. Dieselbe Schneide-Wendung steht wörtlich in den verwandten Colris-Rezepten (bgs-065 „snit daz wuerfeleht“, bgs-066).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-017-orig" n="Fragment / Verweis" resp="#fyndling">Der Text gibt nur Gerichtbenennung und Schneide-Schritt; die Fortsetzung fehlt. Wahrscheinlich der Auftakt einer Milchspeise vom Colris-Typ (geschnittene Fladen in Milch, mit Eigelb gebunden), wie ihn die verwandten Rezepte vollständig zeigen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-018-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Kein gewöhnliches Brathuhn, sondern der Schlussteil eines höfischen Schaugerichts - eine Tafel-Illusion. Der erhaltene Text ist nur ein Fragment (der Anfang fehlt); das vollständige Verfahren steckt in der fast wortgleichen Schwester-Handschrift Huhn im Glas, als Schaugericht. Verwandt sind weitere Häut- und Hüll-Kunststücke des Korpus: Gefülltes Huhn im Hautmantel, Gefüllter Hecht in eigener Haut und der doppelte Aal.

Das Verfahren (laut Schwester-Handschrift). Das Huhn wird gehäutet, die ganze Haut abgezogen, mit einem stumpfen Holzstäbchen in ein Glas hineingestoßen und der Halsrand über die Glasöffnung gestülpt. Das Fleisch gart man separat in Brühe und füllt es als Farce mit Eiern, Salbei und Gewürz zurück in die Haut. Das erhaltene Fragment setzt erst hier ein: das verschlossene Glas in einen hafen (irdenen Topf) stellen, ringsum Wasser angießen - nicht ins Glas -, zudecken und sieden lassen. Dabei streckt sich die gefüllte Haut im Glas und nimmt wieder Vogelgestalt an, sodass Fuß, Flügel und ganzer Körper sichtbar werden (den ganntzen pottich = der ganze Rumpf).

Praxis. Nichts zum Nachkochen, und bewusst ohne erfundenen Trick: Über offenem Feuer ist ein Glas im Wasserbad heikel (es springt leicht), und eine ganze Hühnerhaut essbar in ein Glas zu garen ist auch in der Profiküche kaum machbar - dazu ließe sich das ‚Huhn' weder herauslösen noch daraus essen. Wie schon beim Twin diskutiert, liegt der Verdacht eines Prahl- oder Scherzrezepts nahe. Die Zeitangabe (gut 10 Minuten) bezieht sich nur auf den sichtbaren Garrest; das Gesamtgericht ist ungleich aufwendiger.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-018-orig" n="hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Der äußere Topf für das Wasserbad, in dem das mit dem Huhn gefüllte Glas steht (bair.-schwäb. ‚Hafen' = irdener Topf).</note>
        <note type="gloss" target="#meb-018-orig" n="glaß" resp="#fyndling">Das innere Gefäß, in dem die gefüllte Hühnerhaut gart - es muss hitzebeständig sein, damit es im Wasserbad nicht springt.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-018-orig" n="strecken" resp="#fyndling">Der Schau-Effekt: Beim Garen reckt sich die gefüllte Haut im Glas auf, sodass die Vogelgestalt wieder erscheint (vgl. die Schwester-Handschrift: ‚so wirt es sich strecken In dem hals').</note>
        <note type="gloss" target="#meb-018-orig" n="pottich" resp="#fyndling">Hier nicht ein Gefäß, sondern Teil der Aufzählung der sichtbaren Körperteile: der ganze Rumpf bzw. die ganze Gestalt des Huhns (vgl. mhd. ‚botech/potech' = Rumpf, Leib). Die fast wortgleiche Schwester-Handschrift hat an genau dieser Stelle ‚sein gantz vermugen' = sein ganzes Aussehen.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-018-orig" n="gerecht" resp="#fyndling">Bedeutet hier ‚fertig' bzw. ‚richtig zubereitet'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-018-orig" n="strecken" resp="#fyndling">‚sich recken / aufrichten‘ - die gefüllte Haut richtet sich beim Garen im Glas auf, sodass die Vogelgestalt wieder erscheint (so auch die Schwester-Handschrift: ‚strecken In dem hals‘).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-018-orig" n="pottich" resp="#fyndling">‚der ganze (gefüllte) Rumpf / die ganze Gestalt des Huhns‘ - Teil der Körperteil-Aufzählung ‚Fuß und Flügel und …‘ (vgl. mhd. ‚botech/potech‘ = Rumpf, Leib). Ein dritter Textzeuge, mon-126 (Mondseer Kochbuch), hat an genau dieser Schlussstelle ebenfalls ‚pottich‘ - zwei von drei Zeugen stützen diese Lesart, nur m5919-001 hat hier ‚vermugen‘.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-019-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Schaugericht der Festtafel: Ein einziger ganzer Hecht wird über seine Länge in drei Zonen gleichzeitig gegart, sodass drei Garweisen an einem Fisch sichtbar werden - und der Fisch dennoch ganz erscheint. Das ist die knappe bairische Fassung Meister Eberhards (Landshut, ~1450) eines europaweit verbreiteten Typus; der nahezu wortgleiche Schwesterzeuge ist Drei Zubereitungen von einem Hecht (Regensburg, Cgm 5919). Weitere Verwandte sind Fisch auf dreierlei Art (Meister Hans), Fisch auf dreierlei Art (Rheinfränkisch), der dreifach zubereitete ganze Fisch bei Martino und der vierfache Hecht der Koch- und Kellermeisterei.

Das nasse Tuch und der heiße Wein. Um das Mittelteil wird ein naß tuch geschlagen und fortwährend mit heißem Wein begossen. So bleibt das Mittelstück feucht und gart im Dampf - ein Vorläufer des Garens en papillote, der das Fleisch zugleich von außen würzt. Im Regensburger Schwesterzeugen steht dafür fursich (fortwährend, immer wieder) - das Tuch darf nicht trockenfallen, sonst verkohlt es und das Garen bricht ab.

Mehl und Schmalz am Vorderteil. Das foderr teil wird mit melb (Mehl) besprengt und mit heißem schmaltz übergossen. Das ergibt am mageren, knochigen Vorderteil eine schützende, bräunende Kruste, kein Frittieren und kein Konfit. Dieselbe Schmalz-Mehl-Behandlung steht fast wörtlich in mha-279 und rfk-070; im Regensburger Zeugen ist dieses Stück ausdrücklich das Vorderteil mit dem Kopf.

Praxis. Die drei Zonen liegen gleichzeitig am selben Fisch auf dem Rost und brauchen unterschiedliche Hitze - das ist der eigentliche Knackpunkt. Bewährt hat sich die Lösung aus mar-265: flache Steine unter den Rost legen, sodass die volle Glut nur unter das Mittelteil kommt, während Vorder- und Hinterteil mildere Hitze bekommen. Den heißen Wein in einem Topf am Feuer bereithalten und das Tuch immer wieder begießen, solange der Fisch gart. Ein ganzer Hecht ist so in etwa 30-45 Minuten durch.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-019-orig" n="naß tuch" resp="#fyndling">Das nasse Tuch um das Mittelteil, fortwährend mit heißem Wein begossen, hält diesen Abschnitt feucht und gart ihn im Dampf, während die anderen Teile braten.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-019-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein Rost zum Garen über offener Glut, im Mittelalter oft aus frischem, grünem Hartholz gebaut. Siehe auch die Grundlagen-Seite zu hölzernen Rosten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-019-orig" n="prett" resp="#fyndling">Hier finites Verb „(es) brät" (zu „braten"), nicht das Substantiv „Brät / Farce". Der Kontext „prett sich selbs auff dem rost" macht das eindeutig: Das hintere Teil brät von selbst auf dem Rost.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-020-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein denkbar schlichter Vertreter einer ganzen Familie dunkler Würzbrühen zu gesottenem Fisch. Statt einer separat angesetzten Sauce wird hier alles in einem Topf gemacht: Der Fisch zieht im Sud gar, dann kommen gestoßene Nelken dazu und alles wallt noch einmal auf. Verwandt sind der Schwarze Pfeffer zu Fisch, die Pfeffersauce zum Fisch, der gesottene Stockfisch im Pfeffer und besonders die Nelkenbrühe zu gebackenem Fisch - dort wird dieselbe dunkle Nelkenbrühe über den Fisch gegeben.

Was heißt "schwarz"? Das swartz meint hier die Farbe und das Aroma der reichlich gestoßenen negellein (Nägelein, also Nelken), die den Sud dunkelbraun bis braunschwarz einfärben. Es steckt kein eigenes Färbemittel dahinter, kein geröstetes Brot und kein Blut - der Text nennt nichts dergleichen, nur Fisch und Nelken. Damit ist dies die minimalste Variante des Korpus-Musters "schwarz = dunkle Würzbrühe zu Fisch".

Garziehen, nicht zerkochen. Den Fisch an die stat - das heißt am ehesten: so wie er ist, im Ganzen und unzerteilt - sanft im Sud garziehen lassen. Dann die gestoßenen Nelken zugeben und nur ein gutten wal tun lassen, also einmal kurz kräftig aufwallen, damit Aroma und Farbe in die Brühe ziehen. Kein langes, starkes Wallen, sonst zerfällt der zarte Fisch.

Praxis. Ein fester Süßwasserfisch passt regional zu Landshut am besten - Karpfen, Schleie oder Hecht. Die Nelken sparsam dosieren, sie dominieren schnell; eine Mengenangabe macht das Rezept nicht, daher nach Geschmack würzen. Im Lager am Feuer in unter 20 Minuten machbar, der frische Fisch will nur gekühlt mitgebracht werden.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-020-orig" n="swartz fisch" resp="#fyndling">Der "schwarze Fisch" bezeichnet hier den Fisch in einer dunklen, intensiv nach Nelken schmeckenden Brühe. "Schwarz" meint die Farbe und das Aroma der reichlich gestoßenen Nelken, die den Sud dunkel einfärben - kein zugesetztes Färbemittel und (anders als bei manchen verwandten Saucen) weder geröstetes Brot noch Blut, die der Text nicht nennt. Dasselbe Muster zeigt sich im Korpus beim 'schwarzen Pfeffer' zu Fisch.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-020-orig" n="negellein" resp="#fyndling">Nägelein, also Gewürznelken - eine typische Lesefalle der spätmittelalterlichen Schreibung. Sie sind hier der inhaltliche Kern: ihr dunkles Pulver färbt und würzt den Sud.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-020-orig" n="an die stat" resp="#fyndling">Mehrdeutig - der Schreiber markiert die Stelle selbst mit "?!". Am ehesten "an seinem Ort / so wie er ist", also den Fisch im Ganzen und unzerteilt sieden. Daneben ist die Lesart "ohne weitere Zutaten" möglich. Die Stelle bleibt unsicher.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-020-orig" n="wal thun" resp="#fyndling">"Einen guten Wal tun" bedeutet einmal kräftig aufwallen lassen - ein kurzer Aufwall, kein langes, starkes Sieden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-020-orig" n="an die stat" resp="#fyndling">Am ehesten "an seinem Ort / so wie er ist" (mhd. 'an der stat' = an dieser Stelle, sogleich), also den Fisch im Ganzen und unzerteilt sieden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-020-orig" n="wal thun" resp="#fyndling">"einen guten Wal tun" = einmal kräftig aufwallen lassen, ein kurzer Aufwall, damit Nelkenaroma und -farbe in die Brühe ziehen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-021-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine knappe Qualitäts- bzw. Idealbeschreibung aus der Galrey-/Sulzfisch-Tradition, kein ausgeschriebenes Verfahren: Aus Hecht wird von Natur aus ein sehr klares, durchsichtiges Gelee. Es ist die formelhafte Notiz-Variante eines im Korpus voll ausgeschriebenen Verfahrens - am nächsten verwandt mit Hecht in würzigem Gelee und Fischsülze vom Hecht, beide Hecht-spezifisch und selbstgelierend, sowie Gelee von Fisch.

Warum geliert der Hecht von selbst? Der Schreiber beobachtet einen realen Sachverhalt: Hecht gibt beim Sieden aus Kopf, Haut, Flossen, Schuppen und Gräten viel Kollagen ab, der abgeseihte Sud stockt beim Erkalten von selbst klar - ein zugesetztes Geliermittel braucht es nicht. Genau das machen die verwandten Rezepte explizit; meb-021 nennt mit lawters (lauter/klar) und durchsichtig nur das angestrebte Ergebnis.

Praxis. Den Hecht in wenig Flüssigkeit gar ziehen, das Fleisch grätenfrei zupfen; den Sud mit Kopf, Gräten und Haut einkochen, abseihen, sorgfältig abschäumen und entfetten - Klarheit kommt vom konsequenten Entfetten plus Hechtkollagen. Anschließend kalt stocken lassen. Bei zu schwacher Bindung helfen Hausenblase oder eingeweichte Gelatine, beim Hecht regulär aber nicht nötig. Würze und Färbung nennt diese Notiz nicht; verwandte Fisch-Gelees würzen (Safran, Ingwer, Zimt, Nelken), das ist jedoch Praxis der Zwillinge, nicht Vorgabe dieses Textes. Lagerküche nur eingeschränkt: Das Gelee braucht zum Stocken und zum Haltbarbleiben Kühlung, taugt also nicht als ungekühlter Lagervorrat.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-021-orig" n="gestanden" resp="#fyndling">Im Frühneuhochdeutschen so viel wie geronnen, geliert, erstarrt - die Flüssigkeit ist beim Erkalten fest geworden. Die Handnotiz markiert genau dieses Wort als Crux; der Korpus löst es eindeutig auf (vgl. Hecht in würzigem Gelee, Fischsülze vom Hecht).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-021-orig" n="garr" resp="#fyndling">garr ist hier das Intensiv-Adverb 'sehr, ganz' (garr schoenns = 'sehr schön'), nicht die Kochtechnik 'gar, fertig gekocht'. Der Satz beschreibt die Güte des Gelees, keinen Garzustand.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-021-orig" n="gestanndenn" resp="#fyndling">gestanndenn = 'gestanden' im Sinne von geliert/geronnen. Im Kontext von 'durchsichtig wirt' bezeichnet das substantivierte Partizip das feste, klare Ergebnis - das Gelee, das aus dem Hecht von selbst stockt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-022-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Zerpflückter, gewässerter Stockfisch, der in der Pfanne in Fett erhitzt und mit einer safrangelben, ingwergewürzten Fischbrühe nochmals kurz aufgekocht wird - eine bairische Hofküchen-Variante der spätmittelalterlichen Stockfisch-Sippe, nicht in der Brühe serviert wie der pfeffer, sondern in der Pfanne gebraten und mit konzentrierter Gewürzbrühe nappiert. Modern am ehesten ein gebratenes Stockfisch-Ragout, brandade-artig, aber ohne Sahne. Engster Verwandter ist der bairische Zwilling Geschmorter Stockfisch mit Rahm (gleicher Wortschatz, gleiches Schmalz-Brühe-Verfahren, nur mit Rahm und Zwiebel statt Ingwer und Safran); rundum verwandt sind Gesottener Stockfisch im Pfeffer, Stockfisch im gelben Süpplein, Stockfisch nach Thüringer Art sowie die zerzupfte Charpie aus Stockfisch und frischer Kabeljau.

Der Kern ist zweistufig. Zuerst wird der gewässerte Fisch sanft gesotten - als ein kalb fleisch, also wie eine Kalbsbrühe, ohne sprudelndes Kochen. Dabei soll er auff halben wogk einsieden: 'wogk' meint vermutlich Maß oder Gewicht, gemeint ist sehr wahrscheinlich, die Flüssigkeit etwa um die Hälfte zu reduzieren, damit die abgeseihte Brühe später kräftig genug ist (die Lesart bleibt eine begründete Vermutung). Dann wird der Fisch erclaub - von Haut und Gräten verlesen und in Fasern zerzupft; das deckt sich wörtlich mit dem bairischen ri15632-049 'klaub das Fleisch von den Gräten' und der Charpie aus men-194.

Danach kommt Schmalz in die Pfanne, der Fisch wird in die putternn - in die Butter - gelegt und erhitzt. Butter ist das fastentaugliche Standardfett der ganzen Sippe; Schmalz ist tierisch und an Fastentagen tabu. Zuletzt wird Ingwer und Safran mit der reduzierten Brühe verrührt, über den Fisch gegossen und ein- bis dreimal aufgewallt. (Die Vorlage ist an dieser Stelle - 'den stock in die visch' - leicht verderbt, gemeint ist schlicht der Stockfisch in der Pfanne.)

Praxis. Stockfisch 2-3 Tage vorwässern, Wasser mehrfach wechseln. Sanft sieden, die Brühe abseihen und auf etwa die Hälfte einkochen. Den Fisch von Haut und Gräten befreien und grob zerzupfen, in Butter (oder Schmalz) in der Pfanne erhitzen. Den Safran 10-20 Minuten in der warmen Brühe ziehen lassen - trockene Fäden geben keine Farbe ab -, mit dem Ingwer verrühren, über den Fisch gießen und nur kurz aufwallen, sonst zerfällt er.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-022-orig" n="stockfisch" resp="#fyndling">Getrockneter, ungesalzener Kabeljau oder Dorsch. Muss vor der Zubereitung über mehrere Tage gewässert werden, um ihn zu rehydrieren und wieder weich zu machen.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-022-orig" n="als ein kalb fleisch" resp="#fyndling">Ein Vergleich für die Kochmethode: sanft und langsam sieden wie eine Kalbsbrühe, kein sprudelndes Kochen. Mittelalterliche Rezepte geben Garzeiten häufig als solche Analogie statt in Minuten an.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-022-orig" n="saffran" resp="#fyndling">Safran würzte nicht nur, sondern färbte die Brühe leuchtend gelb und markierte so das Hofküchen-Niveau des Gerichts. Praktischer Hinweis: trockene Safranfäden geben keine Farbe ab - die Pigmente sind wasserlöslich. Den Safran erst in der warmen Fischbrühe 10-20 Minuten ziehen lassen, bis sie goldgelb ist, dann mit dem Ingwer über den Fisch gießen. Das Rezept macht es vorbildlich: der Safran kommt ausdrücklich „mit des visch brue".</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-022-orig" n="erclaub" resp="#fyndling">zerzupfen, von Haut und Gräten verlesen</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-022-orig" n="putternn" resp="#fyndling">Butter</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-022-orig" n="auff halben wogk" resp="#fyndling">auf das halbe Maß einsieden (Flüssigkeit etwa um die Hälfte reduzieren)</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-022-orig" n="ein wal oder drej thun" resp="#fyndling">ein- bis dreimal aufwallen lassen</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-022-orig" n="den stock in die visch" resp="#fyndling">den Stockfisch (verderbte Vorlage)</note>
        <note type="preparation_tip" target="#meb-023-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine ganze Gans, am Spieß über offenem Feuer gebraten, innen mit Salbei und Gewürzen gefüllt und während des Bratens mit Wein oder Essig besprengt. Die lebende Verwandtschaft ist die Martins- und Festtagsgans: noch heute begleitet man die fette Gans mit Salbei, Beifuß oder Apfel - aromatische Beigaben, die das schwere Fleisch bekömmlicher machen sollen.

Würzung von innen: Der Schreiber lässt saluia vnd ander gut wuertz in die Bauchhöhle der Gans stoßen, das der safft dardurch gee - die aromatische Füllung und die Hitze des offenen Feuers treiben den Bratensaft und das Fett aus dem Tier heraus. Salbei zu fettem Geflügel ist periodentypisch; die verwandte Gebratene Gans oder Ente mit saurer Sauce nennt wohlriechende Kräuter im selben Sinn.

Schmalz abtropfen: Das besprengenn mit wein oder mit essigk, das daz schmaltz do vonn trieff ist zugleich Aroma und Technik - die Säure würzt, und das ablaufende Fett soll nicht am Vogel bleiben. Die verwandte ant-027 stellt dafür wörtlich eine Schale mit etwas Wasser unter den Vogel, um das Fett aufzufangen; dieselbe Methode trägt auch hier.

Praxis. Salbei und etwas Würze (Pfeffer, Ingwer, Nelken - die korpustypische Auswahl) in die Bauchhöhle geben. Die Gans am Spieß oder im offenen Dutch Oven über dem Feuer in rund 2,5 bis 3 Stunden garen, dabei regelmäßig mit Wein oder Essig besprengen und eine Fettauffangschale mit etwas Wasser darunterstellen. Keule und Schenkel vertragen mehr Hitze als die Brust - die Brust nicht übergaren. Die diätetischen Anweisungen des Schreibers (Hungern, Mästen, Schmalz meiden, nicht sieden) sind historische Gesundheitslehre, kein Kochschritt; siehe die Einordnung unten.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-023-orig" n="Item" resp="#fyndling">Lateinisch für ‚ferner', ‚auch', ‚desgleichen'. Ein häufiger Beginn für neue Rezepte in mittelalterlichen Kochbüchern.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-023-orig" n="bosen predenn / boeser feuchtigkeit" resp="#fyndling">Zwei Ausdrücke für dieselbe Vorstellung der mittelalterlichen Humoralpathologie: ‚schlechte Säfte, Dünste oder Ausdünstungen' im Körper des Tieres. Der Text parallelisiert die ‚bosen predenn' (zu mhd. brādem ‚Brodem, Dunst') ausdrücklich mit der ‚boeser feuchtigkeit' - durch Hungern und Braten sollen sie austreten, das Sieden in Wasser hingegen schlösse sie ein.</note>
        <note type="gloss" target="#meb-023-orig" n="saluia" resp="#fyndling">Salbei (Salvia officinalis) war ein beliebtes Kraut in der mittelalterlichen Küche, oft verwendet zu fettem Fleisch, da ihm verdauungsfördernde Eigenschaften zugeschrieben wurden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-023-orig" n="predenn" resp="#fyndling">Schlechte Säfte, Dünste oder Ausdünstungen im Sinne der Humoralpathologie - sprachlich am ehesten zu mhd. ‚brādem' (Brodem, Dunst, Ausdünstung). Der Text koppelt die ‚bosen predenn' selbst an die ‚boeser feuchtigkeit', die durch Hungern und Braten austreten und beim Sieden im Wasser eingeschlossen bleiben soll.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#meb-023-orig" n="wuertz" resp="#fyndling">Gewürze. Da Salbei (saluia) bereits explizit als Kraut genannt wird, ist es wahrscheinlich, dass hier weitere, meist importierte Gewürze wie Pfeffer, Ingwer, Nelken oder Muskat gemeint sind, die in der mittelalterlichen Küche üblich waren.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
