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      <titleStmt>
        <title>Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/quellen/meister_hans/</idno>
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        <bibl>
          <title>Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch</title>
          <date when="1460">1460</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.bs1/TEI_SOURCE.2021-01-15</idno>
          <note>Transkription: Astrid Böhm &amp; Helmut W. Klug, CoReMA TEI-Edition (Uni Graz, 2021, CC BY 4.0); Sekundäredition: Anton Birlinger, Alemannia 1, Bonn 1865 (Public Domain)</note>
        </bibl>
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      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
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  <text>
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      <div type="recipe" xml:id="mha-001">
        <head>Die sieben Grundzutaten für ein gutes Pfannenmus</head>
        <div type="original" xml:id="mha-001-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-001-trans">
          <p>Wer ein guot muos wil haben das mach von sibennler sachen du muost haben milich salcz vnd schmalcz zugker ayer vnd mel saffran dar zue So wirt es gell</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-001-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-001-orig">
          <p>Dieser Eintrag steht ganz am Anfang des Kochbuchs und ist kein vollständiges Rezept, sondern eine Eröffnungsformel: Wer ein gutes Mus zubereiten will, soll es aus diesen sieben Zutaten machen - Milch, Salz, Schmalz, Zucker, Eier, Mehl und Safran, „damit es gelb wird". Ein eigenes Zubereitungsverfahren nennt der Text nicht - nur die Zutatenliste und den Hinweis auf die Farbe.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milich">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zugker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-002">
        <head>Mandelmus nach Meister Hans</head>
        <div type="original" xml:id="mha-002-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-002-trans">
          <p>Ain mandel muosz machen

Item wildu machen ein mandel muoss So nym ein pfunt mandelss vnd nymm auch vmudum vnd ob du des nicht hast So nym semlein prot dar zue vnd das thue In ain wasser vnd wall das darauss vnd das schlach mit der milich durch ain tuoch . So wirt es klain wiltu es suess haben So thue zugker daran das haist ain mandel muoss .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-002-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-002-orig">
          <p>Willst du ein Mandelmus zubereiten, so nimm ein Pfund Mandeln. Nimm auch Stärke (Amylum), und falls du diese nicht hast, so nimm feines Brot dazu. Gib das Brot in Wasser und koche es darin auf. Schlage es mit der Milch durch ein Tuch. So wird es fein. Willst du es süß haben, so gib Zucker daran. Das nennt man ein Mandelmus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein pfunt mandelss">Mandeln</ingredient> - 500 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vmudum">Stärke</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semlein prot">Feines Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milich">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zugker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-004">
        <head>Mandelkäs mit Mandelcreme</head>
        <div type="original" xml:id="mha-004-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-004-trans">
          <p>wiltu haben ain mandel kaesz den mach also .

Item wiltu haben ein mandelkaeesz So muost du haben ain haussen platter vnd zway pfunt mandel da machst du den kaesz von vnd den mandel reib schon vnd schlah In durch ein weiss tuoch Nymm hausen platter ain lott des ist Im not die soltu In ainem wasser sieden ab vnd den mandel soltu durch schlahen mit der platter prue vnd solt die milich nit sieden lassen wiltu es suesz haben . So nymm ain vierdung zucker da wirt es suesz von vnd nymm ain pfunt mandel den soltu schelen vnd die weissen ganczen keren kleub die darauf Besteck den kaesz da mit Mach ain dicke milich daran vnd thue ain vierdung zucker daran . So wirt es suesz dauon Macht du nit ain klaine schussel gehaben . So nymm ain rindlein das Innen verglast sey da schutt die milich ein . So wirt sy hert darInne wann du sy wild haben . So schutt sy auf ain schussel vmb vnd thue die milich doran vnd steck dann die mandel keren darauf an den kaesz .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-004-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-004-orig">
          <p>Wenn du einen Mandelkäs zubereiten möchtest, so verfahre wie folgt:</p>
          <p>Nimm zwei Pfund Mandeln und reibe sie fein. Schlage die geriebenen Mandeln durch ein weißes Tuch, um eine feine Mandelmilch zu gewinnen.</p>
          <p>Nimm ein Lot Hausenblase, die du in etwas Wasser weich kochst, bis sie sich auflöst. Seihe die Mandelmilch mit diesem Hausenblasen-Sud durch. Achte darauf, die Mischung danach nicht mehr zu sieden, damit die Gelierkraft erhalten bleibt.</p>
          <p>Möchtest du den Mandelkäs süß haben, so gib ein Vierdung Zucker hinzu.</p>
          <p>Für die Garnitur schäle ein Pfund Mandeln, sodass du ganze, weiße Kerne erhältst. Verlies sie sauber. Diese steckst du später auf den fertigen Käs.</p>
          <p>Bereite eine dicke Mandelmilch (oder Mandelcreme) zu und süße sie ebenfalls mit einem Vierdung Zucker. Diese dient als Beilage zum Käs.</p>
          <p>Hast du keine kleine Schüssel zur Hand, so nimm eine innen glasierte Ringform. Gieße die Mandelmilch-Mischung hinein; darin wird sie fest. Wenn du den Käs servieren möchtest, stürze ihn auf eine Schüssel, gib die süße Mandelmilch-Creme dazu und stecke die geschälten Mandeln auf den Käs.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain haussen platter">Hausenblase (Gelatine)</ingredient> - 15 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zway pfunt mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient> - 1000 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain vierdung zucker">Zucker (optional)</ingredient> - 125 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain pfunt mandel den soltu schelen vnd die weissen ganczen keren">Mandeln, ganz, geschält</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain vierdung zucker daran">Zucker</ingredient> - 125 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain dicke milich">Mandelmilch (dickflüssig)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-005">
        <head>Mandelquark mit Kernen und Zucker</head>
        <div type="original" xml:id="mha-005-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-005-trans">
          <p>Ain mandel schotten ze machen also

Item ain mandel schotten wiltu den machen So nymm zway pfunt mandel dar zue vnd den soltu klain reiben vnd solt In durch schlahen dick vnd besteck In mit weissen keren vnd solt dann die milich nemen die du doran wild giessen vnd die andern soltu lassen sieden Wann sy gesotten ist So soltu sy vf ain weiss tuoch schlahen Wann es dann kalt ist So soltu es vf ain schussel schlahen nach der lennge vnd steck dann die keren daran vnd ain vierdung zugker muost du haben In die milich vnd In den schotten Die milich soltu doran giessen . So ist es gancz .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-005-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-005-orig">
          <p>Willst du einen Mandel-Schotten machen, so nimm zwei Pfund Mandeln. Reibe sie fein und schlage sie dick durch ein Tuch. Bestecke ihn mit weißen Mandelkernen. Nimm dann die Milch, die du daran gießen willst, und die andere lasse sieden. Wenn sie gesotten ist, schlage sie auf ein weißes Tuch. Wenn es kalt ist, stürze es der Länge nach auf eine Schüssel und stecke dann die Kerne daran. Ein Viertelpfund Zucker musst du in die Milch und in den Schotten geben. Die Milch sollst du daran gießen. So ist es ganz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zway pfunt mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient> - 1000 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weissen keren">Pinienkerne oder Mandelsplitter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milich">Mandelmilch (in zwei Portionen)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain vierdung zugker">Zucker</ingredient> - 125 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-006">
        <head>Ein weißer Igel aus Mandeln</head>
        <div type="original" xml:id="mha-006-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-006-trans">
          <p>Ainen weissen Igel zue kochen

Item ain weyssen Igel zue kochen . So nymm ain pfunt mandel den stoss dklain vnd thue ain zugker daran vnd schlachs zue samen vnd mach ain rechten Igel dorauss wann er nun hert ist So nymm zwainczig mandel keren die schneid klain vnd steck sy Im ein das sollen sein porst sein vnd gib Im ain mandel keren In den mund .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-006-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-006-orig">
          <p>Einen weißen Igel zuzubereiten:</p>
          <p>Nimm ein Pfund Mandeln, zerstoße sie fein und gib Zucker hinzu. Schlage alles zusammen und forme daraus einen passenden Igel. Wenn er nun fest ist, nimm zwanzig Mandelkerne, schneide sie klein und stecke sie ihm ein - das sollen seine Borsten sein. Gib ihm einen Mandelkern in den Mund.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain pfunt mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient> - 500 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain zugker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zwainczig mandel keren">Mandelkerne (ganz)</ingredient> - 20</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain mandel keren">Mandelkern (ganz)</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-007">
        <head>Schwarzer Rosinen-Igel (Schau-Konfekt)</head>
        <div type="original" xml:id="mha-007-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-007-trans">
          <p>Ainen schwarczen Igel

Item ain schwarczen Igel zue machen So muestu haben ain pfunt ymber die soltu schon waschen vnd er kleub sy schon das nichtz vnsaubers daran sey vnd solt sy schon schwaissen In ainer pfan= nen Vnd solt sy lassen kalt werden das er trugken sey vnd stos In klain vnd zymen vnd nagelein vnd zugker soltu daran thuen Vnd schlahe das zue samen vnd mach ain rechten Igel dauon vnd wenn er nun beraitt ist So sol man In bestecken mit nagelein das sullen seine porst sein vnd ain guldein muscat gib Im In den mund das ist dem Igel gesunt .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-007-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-007-orig">
          <p>Um einen schwarzen Igel zuzubereiten, brauchst du ein Pfund Rosinen. Wasche sie gründlich und verlies sie sauber, sodass nichts Unsauberes daran haftet. Dünste sie dann sanft in einer Pfanne an. Lass sie danach abkühlen, bis sie trocken sind. Zerstoße sie fein und gib Zimt, Nelken und Zucker dazu; vermische alles gut und forme daraus einen rechten Igel.</p>
          <p>Wenn der Igel fertig ist, stecke ihn mit Nelken voll, die seine Borsten sein sollen, und gib ihm eine goldene Muskatnuss in den Mund - das ist dem Igel gesund.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain pfunt ymber">Rosinen</ingredient> - 500 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zymen">Zimt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagelein">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zugker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain guldein muscat">Muskatnuss (ganz)</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-008">
        <head>Feigen-Igel mit Gewürzen und Safran</head>
        <div type="original" xml:id="mha-008-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-008-trans">
          <p>Aber ainen anndern Igel .

Item aber ain anndern Igel der neme dar zue ain pfunt veigen vnd wasch das mel dauon vnd lass sy trucken werden vnd hack sy dann klain vnd stoess sy mit guotem gewurcz rain vnd thue Saffran doran so wirt es rott vnd des zuckers soltu nit vergessen wann es klain gestossen ist So schlachs zue samen vnd mach ain Igel dorauss vnd gilb In schon mit saffran vnd nym nagelein das sullen seine porst sein vnd ain veygen gib Im In den mund .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-008-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-008-orig">
          <p>Nimm ein Pfund Feigen und wasche den Schmutz von ihnen ab. Lasse die Feigen gut trocknen und hacke sie dann fein. Stoße sie anschließend gründlich mit guten Gewürzen zu einer feinen Paste. Gib Safran hinzu, damit die Masse eine warme, rötliche Farbe erhält.</p>
          <p>Vergiss den Zucker nicht, wenn die Feigen fein gestoßen sind. Schlage die Masse dann gut zusammen, bis sie sich verbindet, und forme daraus einen Igel. Vergolde ihn schön mit Safran, sodass er eine leuchtend gelbe Oberfläche bekommt.</p>
          <p>Nimm ganze Nelken, diese sollen seine Borsten oder Stacheln sein, und gib ihm eine kleine Feige in den Mund.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain pfunt veigen">Feigen, getrocknet</ingredient> - 500 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guotem gewurcz rain">Gewürze (Zimt, Ingwer, Pfeffer)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="des zuckers">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagelein">Nelken, ganz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain veygen">Feige, klein</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-009">
        <head>Imitierte Eier aus Mandelmilch mit Rosinen-Pfeffer (Fasten-Schaugericht)</head>
        <div type="original" xml:id="mha-009-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-009-trans">
          <p>von ayren In der vasten

Item ayer von ayren In der vasten In ainem pfeffer In der vasten . So nymm zwaj pfunt mandels vnd stoess In vnd reib In klain vnd thue ain zucker doran vnd geusz ein wenig wasser doran so wirt oll dauon Er darff es nicht sieden lassen die milich sol dick sein so mag er dauon machen die ayer was er wil Nymm ain wenig milich vnd thue saffran daran vnd mach totter als ein hasel nuss vnd nymm ain klains weiss tuoch das soltu legen In die hant da leg vf das weiss vnd mach ain lueg vnd leg das totterlein In das weiss vnd das thue daruber das es sej gestalt als ein hennen ay das der als vil sey als vf ain essen vnd ain pfunt ymber die wasch schon vnd reib die klain vnd ain schnitten weiss prots thue es In ain prue vnd mit ainem sussen wein schlachs durch vnd pfeffer vnd zugker das haist In dem pfeffer des zuckers soltu nit vergessen Also soltu machen du solt haben zue halben ayren die mach aus ainem schmalcz ain klaines rindlein soltu haben vnd halbe ayer leg darein wieuil du wild Nymm ain vierdung zucker den lass zer geen In ainer pfannen wann er zerganngen ist das er gesteet vf dem schmalcz vnnder weysse milich mach lene totter vnd leg zucker fur das salcz darein</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-009-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-009-orig">
          <p>Dies ist ein höfisches Fasten-Schaugericht: Aus Mandelmilch werden täuschend echt aussehende Eier geformt, dazu ein süßer Rosinen-„Pfeffer" (eine würzig-süße Sauce) als Beilage. Echte Eier waren in der Fastenzeit verboten - sie nachzubilden war der Witz.</p>
          <p>Nimm zwei Pfund Mandeln, stoße und reibe sie fein. Gib Zucker und ein wenig Wasser dazu, so wird alles dick. Die Mandelmilch muss nicht gesotten werden - sie soll dick sein, damit du daraus die Eier formen kannst.</p>
          <p>Nimm ein wenig Mandelmilch und färbe sie mit Safran, forme daraus Dotter in Haselnussgröße. Lege ein kleines weißes Tuch in deine Hand, gib darauf das weiße Mandelmilch-„Eiweiß", mache eine Mulde, lege das Safran-Dotter hinein und schlage das Weiße darüber, sodass es einem Hühnerei gleicht. Davon mache so viel, wie für die Tafelrunde reicht.</p>
          <p>Für den Rosinen-Pfeffer: Nimm ein Pfund Rosinen, wasche sie sauber und reibe sie klein. Gib eine Scheibe Weißbrot in Brühe, schlage es mit süßem Wein durch und füge Pfeffer und Zucker hinzu. Das nennt man „in dem Pfeffer" - eine dicke, würzig-süße Sauce. Den Zucker nicht vergessen.</p>
          <p>So kannst du auch halbe Eier zubereiten - aus Schmalz, in einer kleinen Form. Lege so viele halbe Eier hinein, wie du willst. Nimm ein Viertelpfund Zucker und lass ihn in einer Pfanne zergehen; wenn er auf dem Schmalz fest wird, mache magere Dotter aus weißer Mandelmilch und gib Zucker statt Salz hinein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zwaj pfunt mandels">Mandeln</ingredient> - 1000 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain wenig milich">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain pfunt ymber">Rosinen</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain schnitten weiss prots">Weißbrot</ingredient> - 1 Scheibe</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain prue">Gemüsebrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain sussen wein">Süßer Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zugker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain vierdung zucker">Zucker</ingredient> - 125 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz (nur für die Nicht-Fasten-Variante)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-010">
        <head>Gebratene bunte Eier auf dem Spieß (gelb oder schwarz gefärbt)</head>
        <div type="original" xml:id="mha-010-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-010-trans">
          <p>von gepraten ayren die prat also .

Item von ayren die sullen hert sein die sol er stecken an einen spisz vnd machs wie du wild vnd mach sy gel oder schwarcz vergiss des zuckers nicht .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-010-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-010-orig">
          <p>Von gebratenen Eiern - brate sie so:</p>
          <p>Ebenso: Nimm Eier, die sollen hart sein. Stecke sie auf einen Spieß und mache es, wie du willst - mach sie gelb oder schwarz. Vergiss den Zucker nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayren">Eier (hartgekocht)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zuckers">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Safran (für die gelbe Variante)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">dunkles Gewürzpulver (für die schwarze Variante)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-011">
        <head>Feigensülze mit Wein und Safran</head>
        <div type="original" xml:id="mha-011-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-011-trans">
          <p>Sulcz von veygen .

Item sulcz von Sulcz von veygen . veygen wildu die machen . So nymm ain pfunt veygen die wasch schon vnd lass ain wal thun vnd lass die stingel doran vnd secz In ain schussel das sich die stingel vf keren wenn sy nun gesotten sein da soltu haben ain hausen plater vnd seud die In guotem wein vnd nym die prue da die veigen Innen gesotten sein Vnd nym Ir als vil du Ir bedarfft an die veigen das mach mit guotem gewurcz vnd saffran vnd das der prue nicht zue vil sej das die veigen bedeckt sein .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-011-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-011-orig">
          <p>Willst du eine Sülze von Feigen machen, so nimm ein Pfund Feigen und wasche sie schön. Lass sie einmal aufwallen, lass die Stiele daran und setze sie in eine Schüssel, sodass sich die Stiele aufrecht nach oben kehren. Wenn sie gesotten sind, sollst du eine Hausenblase haben und siede sie in gutem Wein. Nimm die Brühe, in der die Feigen gesotten sind, davon so viel, wie du an die Feigen brauchst. Mache es mit guten Gewürzen und Safran ab - und dass der Brühe nicht zu viel sei, dass die Feigen bedeckt sind.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain pfunt veygen">Getrocknete Feigen (vorzugsweise mit Stiel)</ingredient> - 500 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain hausen plater">Hausenblase</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guotem wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die prue da die veigen Innen gesotten sein">Kochbrühe der Feigen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guotem gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-012">
        <head>Rosinen-Gelée mit Mandelmilch-Sülze (Schau-Gericht)</head>
        <div type="original" xml:id="mha-012-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-012-trans">
          <p>Ain sullcz von weinperen

Item ain sullcz von weinperen Nymm ain pfunt weinber dar zue vnd die wasch schon vnd reibs klain vnd nym ain hausen platter die sol gesoten sein mit guotem wein nym des als vil das du sy durch schlagen mugst vnd guot gewurcz thue doran vnd zugker thue es vf ain schussel vnd lass kallt werden vnd schneid sie zue stucken wie du wild Nymm nuosz milich vnd hausen platter die sol gesotten sein das er es recht mach vnd mach zugker doran Die milich sol suess sein vnd besteet vnd dann die prue sol weiss sein vnd lass sten vnd solt haben ain pfunt mandel vnd reib den klain vnd aber hausen platter ain lot vnd sol die milich daran giessen die milich sol susz sein vnd thue sy auf ein schussel vnd lass sy kalt werden vnd nym ain pfunt weinber die wasch schon vnd reibs klain vnd muost haben ain hausen plater vnd schlahe die wein= per durch vnd die milich sol dick sein als ain mandel milich vnd machs mit guotem gewurcz ab Vnd wenn du es vf ain schussl thuest . So schneid sy an vier ennden vnd nym die zway stuck heraus nicht die pej einander vnd thue schwarcze an die stat . So wirt die schussel vol wider vnd gancz also .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-012-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-012-orig">
          <p>Eine Sülze von Rosinen: Nimm ein Pfund Rosinen dazu, wasche sie sauber und zerkleinere sie fein. Nimm eine Hausenblase, die mit gutem Wein gesotten sein soll - davon so viel, dass du sie durchschlagen kannst. Tu gute Gewürze und Zucker dazu, gib es auf eine Schüssel und lass es kalt werden. Schneide sie in Stücke, wie du willst.</p>
          <p>Nimm Nussmilch und Hausenblase, die soll gesotten sein, damit sie es richtig bindet, und gib Zucker dazu. Die Milch soll süß sein und stehen bleiben, und die Brühe soll weiß sein - lass stehen. Du sollst ein Pfund Mandeln haben und reibe sie klein, dazu nochmals ein Lot Hausenblase. Gieße die Milch daran (die Milch soll süß sein), tu sie auf eine Schüssel und lass sie kalt werden.</p>
          <p>Nimm ein Pfund Rosinen, wasche sie sauber und zerkleinere sie fein. Du musst Hausenblase haben und die Rosinen durchschlagen. Die Milch soll dick sein wie eine Mandelmilch, und schmecke sie mit guten Gewürzen ab. Wenn du es auf eine Schüssel gibst, so schneide sie an vier Enden und nimm die zwei Stücke heraus, die nicht nebeneinander liegen, und tu Schwarzes an die Stelle. So wird die Schüssel wieder voll und ganz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zway pfunt weinber (in zwei Schichten je 1 pfunt)">Rosinen</ingredient> - 1000 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain hausen platter">Hausenblase (für Traubengelee)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guotem wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guot gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zugker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain pfunt mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain lot">Hausenblase (für Mandelmilch-Sülze)</ingredient> - 15 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schwarcze">Dunkle Einlagen (Dekoration ‚schwarcze‘)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-013">
        <head>Guter Senf nach Meister Hans</head>
        <div type="original" xml:id="mha-013-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-013-trans">
          <p>von ainem guoten seniff .

Item zue guotem seniff Nym seniff samen vnd seuber In vnd stosz In schon vnd reib In durch ain tuoch das enng sey Vnd stosz zimen plue misch dar vnnder vnd den seniff zwier mit hoe= nig samen vnnder einannder recht als ein muoss vnd wenn du In wild machen So nym ein wenig vnd twier In mit wein So hastu ainen guoten seniff also .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-013-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-013-orig">
          <p>Für einen guten Senf: Nimm Senfsamen und reinige ihn. Zerstoße ihn fein und reibe ihn durch ein engmaschiges Tuch. Stoße Zimtblüte und mische sie darunter. Verrühre den Senf zweimal zusammen mit Honig, recht wie ein Mus. Und wenn du ihn anrichten willst, so nimm ein wenig und rühre ihn mit Wein an. So hast du einen guten Senf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="seniff samen">Senfsaat</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zimen plue">Zimtblüte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hoenig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-014">
        <head>Süß-saure Galle (Gewürzsauce)</head>
        <div type="original" xml:id="mha-014-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-014-trans">
          <p>Ain gall mach also .

Item zue ainer gall . Nym essigk . honig vnd Leeczellten vnd stoess durch einander vnd seichs durch ein tuoch vnd seud es vnd geuss es an vnd gib es hin kallt .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-014-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-014-orig">
          <p>Zu einer Galle: Nimm Essig, Honig und Lebkuchen, stoße alles durcheinander und seihe es durch ein Tuch. Siede es auf, gieße es aus und gib es kalt zu Tisch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essigk">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Leeczellten">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-015">
        <head>Rehhautsülze nach Art der Hosennestel</head>
        <div type="original" xml:id="mha-015-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-015-trans">
          <p>Sullz von hosennestel

Item ein sulcz . Sullz von hosennestel von hosennestel . Nym ain rech hautt die prue vnd zeuch die har herab vnd seud die haut gar wol . So schnirpfft sie sich gar vast zue samen die schneid spannlanng vnd czwaier vinger praitt vnd mach daraus ain sulcz .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-015-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-015-orig">
          <p>Nimm eine Rehhaut, brühe sie und ziehe die Haare herab. Siede die Haut sehr gut - so zieht sie sich ganz fest zusammen. Schneide sie eine Spanne lang und zwei Finger breit und mache daraus eine Sülze.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain rech hautt">Rehhaut</ingredient> - 1 Stück</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-016">
        <head>Ayrmuosz - einfaches Eier-Bratmus in Schmalz</head>
        <div type="original" xml:id="mha-016-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-016-trans">
          <p>Ain ayr muosz

Item ain gepratten muosz von eyttel ayren vnd als vil schmalcz . vnd salcz das es nicht zue haisz sey vnd thue es In ain pfannen vnd pratt es das wirt ein pratten muoss .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-016-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-016-orig">
          <p>Ein gebratenes Mus von lauter Eiern und ebenso viel Schmalz, und Salz, dass es nicht zu heiß sei. Gib es in eine Pfanne und brate es - so wird ein gebratenes Mus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ayren">Eier</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schweineschmalz</ingredient> - 2 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-017">
        <head>Kalbsknödel mit Speck</head>
        <div type="original" xml:id="mha-017-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-017-trans">
          <p>knodel mach also .

Item nym ain kalbflaisch vnd hack speck darunder vnd gewurcz wol vnd reibs thue ayer vnd weiss prot darunder vnd mach kugelein daraus vnd sewd es mit haissem wasser vnd schneid sy vnd gib es hin zue essen .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-017-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-017-orig">
          <p>Knödel macht man so: Nimm Kalbfleisch und hacke Speck darunter, würze gut und reibe es. Gib Eier und Weißbrot darunter und mache Kugeln daraus. Siede sie in heißem Wasser. Schneide sie und gib es hin zu essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain kalbflaisch">Kalbfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz wol">Gewürze (Salz, Pfeffer, Ingwer)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weiss prot">Weißbrot (altbacken)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="haissem wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-018">
        <head>Fischrogen-Pfannenmus mit dunkler Würzsauce</head>
        <div type="original" xml:id="mha-018-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-018-trans">
          <p>Ain essen von visch Rogen das mach also maisterlich .

Item visch rogen . Nym aber nicht parben rogen vnd stoesz die In ainem morser vnd pach In Inn ain pfannen ain praits plat vnd schneids wurfflat prenn ain mel In ainer pfannen mit oll das es schwarcz werde vnd mach ain prue von vischen aus dem melb mach ain pfeffer nym essig vnd gewurcz vnd lass das er sieden vnd darInne erwallen vnd schneid ain semlein wurfflat vnd prenn das oll vnd geuss das vf das essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-018-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-018-orig">
          <p>Ein Gericht aus Fischrogen, das du meisterlich zubereitest.</p>
          <p>Nimm Fischrogen, aber verwende keinesfalls Barbenrogen. Stoße die Rogen in einem Mörser fein. Backe sie anschließend in einer Pfanne zu einem breiten Fladen aus und schneide diesen würfelförmig.</p>
          <p>Brenne nun Mehl in einer Pfanne mit Öl, bis es schwarz wird. Bereite daraus mit Fischbrühe eine Pfeffersauce zu: Nimm Essig und Gewürze und lass diese Mischung sieden und darin aufwallen.</p>
          <p>Schneide ein Semmelbrötchen würfelförmig. Erhitze das Öl und gieße es mit den Brotwürfeln über das fertige Gericht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch rogen">Fischrogen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="parben rogen">Barbenrogen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oll">Öl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prue von vischen">Fischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essig">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semlein">Semmelbrötchen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-019">
        <head>Gefüllter Kalbslungen-Eierfladen</head>
        <div type="original" xml:id="mha-019-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-019-trans">
          <p>Ain kalbs lungen ze machen

Item nym . Ain kalbs lungen ze machen zue ainem essen das haist ain kalbs lung vnd seud die gar wol vnd hack die klain vnd schlach ayer daran vnd hack speck darunder klain vnd pfeffer vnd saffran vnd pach ain ayer plat So du es zue samen legst mit ainem tottern an die figen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-019-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-019-orig">
          <p>Eine Kalbslunge zuzubereiten - das Gericht heißt ‚Kalbslung‘. Nimm sie und siede sie sehr gut. Hacke sie klein, schlage Eier daran und hacke Speck klein darunter. Würze mit Pfeffer und Safran. Backe daraus ein Eierblatt. Wenn du es zusammenlegst, [bestreiche] es mit einem Eidotter an die Feigen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ain kalbs lungen">Kalbslunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="tottern">Eigelb</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-020">
        <head>Kalbswurst aus Enddarm mit Lungen-Speck-Füllung</head>
        <div type="original" xml:id="mha-020-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-020-trans">
          <p>Wurst machstu aus ainem affter darmm von ainem kalb .

Item nym ain affter darmm von ainem kalb vnd mach den gar sauber vnd hack lungel vnd speck durch ainander gewurcz wol vnd bereibs vnd thue das In ain affter darmm vnd seud wurst vnd machs vnd prats dornach gib es hin trucken .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-020-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-020-orig">
          <p>Eine Wurst machst du aus einem Enddarm vom Kalb. Nimm einen Enddarm vom Kalb und mache ihn ganz sauber. Hacke Lunge und Speck durcheinander, würze gut und reibe es durch. Tu das in den Enddarm. Siede die Wurst, richte sie, und brate sie danach. Gib sie trocken hin.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain affter darmm von ainem kalb">Kalbs-Enddarm</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lungel">Lunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz wol">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Wasser zum Sieden</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-021">
        <head>Weinmus</head>
        <div type="original" xml:id="mha-021-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-021-trans">
          <p>Ain wein muosz also

Item ain wein muosz mach also Nym zwaj pfunt mandel reib In klein schlah In durch mit wallsch wein oder mit Rainfal wiltu haben ein wein muosz.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-021-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-021-orig">
          <p>Ein Weinmus mache so: Nimm zwei Pfund Mandeln, reibe sie klein und schlage sie durch mit Welschwein oder mit Rainfal, wenn du ein Weinmus haben willst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zwaj pfunt mandel">Mandeln</ingredient> - 1000 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wallsch wein oder mit Rainfal">Italienischer Weißwein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-022">
        <head>Mandelkern-Mus mit Wein und Zucker (Kernmus)</head>
        <div type="original" xml:id="mha-022-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-022-trans">
          <p>Ain keren

Item wildu machen muos mach also . ain keren muosz von mandel . reib In klain schlahe In durch mit wallschwein vnd zugker thue doran das ist ain keren muosz .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-022-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-022-orig">
          <p>Willst du ein Mus machen, mache so - ein Kernmus von Mandeln: Reibe sie klein, schlage sie durch mit Welschwein, und Zucker tu daran. Das ist ein Kernmus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wallschwein">Welschwein (romanisch, meist italienisch)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zugker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-023">
        <head>Hanfsuppe mit Apfel und Zwiebel</head>
        <div type="original" xml:id="mha-023-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-023-trans">
          <p>Ain haniff suppen

Item ain haniff suppen . Ain haniff suppen mach also du solt In durch schlahen mit wein wildu sy guot haben ain guote suppen vnd gepaettes prot . vnd ain zwifel vnd ain apffel vnd hack das klain vnd schwaisz das klain In oll rain vnd thue das daran .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-023-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-023-orig">
          <p>Eine Hanfsuppe machst du so: Du sollst ihn (den Hanf) mit Wein durchschlagen, wenn du eine gute Suppe haben willst, und geröstetes Brot, und eine Zwiebel und einen Apfel - hacke das klein und schwitze es klein in reinem Öl und tu das daran.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="haniff">Hanfsamen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gepaettes prot">Geröstetes Brot</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain zwifel">Zwiebel</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain apffel">Apfel</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oll rain">Reines Pflanzenöl (am besten Hanföl)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-024">
        <head>Mohnkäse - süßes Fasten-Käseimitat aus Mohn</head>
        <div type="original" xml:id="mha-024-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-024-trans">
          <p>Ainen kaesz von dem magen machen

Item den magen sol man stoessen klain . vnd auch waschen rain . vnd seud In vnd nym die sotten obenan ab vnd mach ain kaesz dauon man sol muosz milich dauon machen vnd mit zucker sol man die milich susz machen .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-024-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-024-orig">
          <p>Einen Käse aus Mohn machen: Den Mohn soll man klein stoßen und auch sauber waschen und sieden. Nimm das Gesottene oben ab und mache einen Käse daraus. Man soll eine Mohnmilch daraus machen, und mit Zucker soll man die Milch süßen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="den magen">Mohn (gemahlen)</ingredient> - 200 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-025">
        <head>Süßes Milchmus mit gerösteten Brotwürfeln</head>
        <div type="original" xml:id="mha-025-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-025-trans">
          <p>Ain gemuss mach also

Item Nu sull wir ain milich haben vnd solt die durch schlahen mit wasser vnd gepaettes prot schneid wurff= lat daran vnd mach die milich suess mit zugker .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-025-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-025-orig">
          <p>Nun sollst du Milch nehmen und sie mit Wasser durch ein Tuch passieren. Schneide geröstetes Brot in Würfel hinein und süße die Milch mit Zucker.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milich">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gepaettes prot">Geröstetes Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zugker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-031">
        <head>Fasten-Fladen mit Fischrogen und Rosinen</head>
        <div type="original" xml:id="mha-031-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-031-trans">
          <p>Ain geweichts mach In

Item zue einem geweichten . der vasten In der vasten Nym mandel vnd hack den klain farb den halben mit saffran das leg besunder In ain schussel Nymm weinper wol erlesen vnd erwell sie das sy sinbel werden vnd leg sy besunder zue disem nym allerlay visch rogen an parben rogen nicht vnd stoess denKustode unterer Blattrand: 'klain In ainem mörser‘ klain In ainem morser mit ainem wenigen melb das es werde als ein straublein taig . vnd ferb den vnd geusz den vf den fladen vnd lass In pachen In ainem ofen .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-031-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-031-orig">
          <p>Für ein Geweichtes, das in der Fastenzeit gegessen wird: Nimm Mandeln und hacke sie klein. Färbe die Hälfte davon mit Safran und lege sie beiseite in eine Schüssel. Nimm sorgfältig verlesene Rosinen und koche sie, bis sie aufquellen und rundlich werden, und lege sie ebenfalls beiseite. Nimm nun allerlei Fischrogen, aber keinen Rogen der Barbe, und stoße ihn klein in einem Mörser mit etwas Mehl, sodass es wie ein Straubenteig wird. Färbe diesen Teig ebenfalls und gieße ihn auf einen Fladen. Backe den Fladen in einem Ofen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="allerlay visch rogen an parben rogen nicht">Fischrogen (außer Barbenrogen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="melb">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fladen">Teigbasis (Fladen)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-032">
        <head>Würmlein in Weiß und Safrangelb, frühe Spritz-Nudeln aus Eierteig</head>
        <div type="original" xml:id="mha-032-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-032-trans">
          <p>Aber ein gemusz mach also .

Item zwaj vnd dreyssigk ayr seud die das sy hertt werden das weiss nymm dauon vnd hack es klain vnd stoesz dar zue semlein mel das schlach durch ain tuoch vnd zucker vnd ein wenig salcz die totter soltu besunder stoessen vnd nym ein wenig mel dar zue vnd ein wenigen Saffran daran vnd zucker vnd schlach es durch ain tuoch vnd zue yedem muosz muost du haben ain pecher schal das ettliche locher hab das weiss schlah In ainen pecher Die toetter schlah auch besunder In ainen pecher Du muost zue yettlichem pecher ain decke haben das man es damit durch treiben mueg vnd die soltu trucken das die wurm= lein als lanng werden als die schussel vnd zeuch ain wenig von dir vnd den anndern zue dir vnd mit dem zug hor auf vnd nymm ain pecher den zeuch noch stercker nach der lenng hin vber vnd her vber Nym aber das weiss vnd nach dem weissen das gelb die weyl du icht hast .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-032-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-032-orig">
          <p>Nimm zweiunddreißig Eier und koche sie hart. Trenne das Eiweiß ab, hacke es klein und stoße Semmelmehl dazu. Schlage diese Masse durch ein Tuch und gib Zucker sowie ein wenig Salz hinzu.</p>
          <p>Die Eigelbe stoße gesondert. Nimm ein wenig Mehl dazu, etwas Safran und Zucker, und schlage auch diese Masse durch ein Tuch.</p>
          <p>Für jede dieser Massen benötigst du einen Becher mit mehreren Löchern. Gib die weiße Masse in einen Becher, die gelbe Masse ebenfalls gesondert in einen anderen Becher. Jeder Becher muss einen Deckel haben, damit du die Masse damit durchdrücken kannst.</p>
          <p>Die so entstandenen Würmlein sollst du drücken, sodass sie so lang werden wie die Schüssel. Ziehe die Masse ein wenig von dir weg und dann wieder zu dir heran, und höre mit dem Ziehen auf. Nimm den Becher und ziehe ihn noch stärker der Länge nach hin und her, um längere Stränge zu erhalten. Schichte abwechselnd die weiße und nach der weißen die gelbe Masse, solange du Vorrat hast.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zwaj vnd dreyssigk ayr">Eier</ingredient> - 32</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semlein mel">Semmelmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-046">
        <head>Rebhühner in süßer Brühe mit Apfel</head>
        <div type="original" xml:id="mha-046-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-046-trans">
          <p>Aber von Repphuneren

Item nun sol man nemen die Repphuner vnd sol sy schon machen vnd den kragen vnd die fuesz lass da pey vnd nymm dann ain honer prue die suss sej vnd mach die siedennt darein vnd ain lot gannczen pfeffer wasch In schon vnd wirff In darein In die mitt der huner prue vnd lass sieden als lanng als die huner prue vnd lasz auch nicht versieden Schneid ain apfel lanng vnd klain vnd mit gewurcz mach In ab rain wenn du wild es ane richten erst so thue den apffel dareinv .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-046-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-046-orig">
          <p>Nimm die Rebhühner und säubere sie gründlich. Lasse dabei den Kragen und die Füße an den Vögeln.</p>
          <p>Nimm dann eine süße Hühnerbrühe und bringe sie zum Kochen. Wasche ein Lot ganzen Pfeffer sauber und gib ihn in die Mitte der Hühnerbrühe. Lasse die Rebhühner darin so lange sieden, wie die Hühnerbrühe kocht, und achte darauf, dass die Brühe nicht verkocht.</p>
          <p>Schneide einen Apfel länglich und klein und bereite ihn mit Gewürzen zu. Wenn du das Gericht anrichten willst, gib den Apfel hinzu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die Repphuner">Rebhühner</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain honer prue die suss sej">Hühnerbrühe</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain lot gannczen pfeffer">Pfeffer</ingredient> - 15 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain apfel">Apfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-061">
        <head>Hühner in würziger Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="mha-061-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-061-trans">
          <p>Aber ein condiment von huneren

Item nym allte huner vnd prat sy halb vnd hau sy zue stucken nym halb suppen vnd halbs wasser darInne seud sy das sy murb werden Nym zwifel vnd hack In klain schwaiss In In schmalcz vnd wenig wasser Nym pfeffer prot kumich herte ayer salcz essigk vnd ain wenig pfeffers wann das zue samen gemacht ist . So geus das vf die huner vnd lass sieden eben dick In disem Con= diment mag man allerlay hannd praten geben . Aber ain praten hasen nicht sol man lassen pfefferen .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-061-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-061-orig">
          <p>Nimm alte Hühner, brate sie halb gar und zerteile sie in Stücke. Nimm zur Hälfte Brühe und zur Hälfte Wasser, darin koche die Hühner, bis sie zart sind. Nimm Zwiebeln, hacke sie klein, schwitze sie in Schmalz und etwas Wasser an. Nimm Pfeffer, Brot, Kümmel, hartgekochte Eier, Salz, Essig und noch etwas Pfeffer. Wenn dies alles zusammengefügt ist, gieße es über die Hühner und lasse es gut eindicken. In diese Sauce kannst du allerlei gebratenes Fleisch geben. Einen gebratenen Hasen sollst du jedoch nicht pfeffern.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="allte huner">Hühner</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="suppen">Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zwifel">Zwiebeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prot">Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kumich">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="herte ayer">Hartgekochte Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essigk">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-071">
        <head>Gekochte Eier-Speck-Knödel am Spieß ("Hammelknödel")</head>
        <div type="original" xml:id="mha-071-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-071-trans">
          <p>von schaffein knodlein also

Item wiltu gesotten schaffein knodlein machen . So nym herte ayr ain wenig weiss prot . Saluan salcz hack das klain vnd manigen geschniten speck dar zue rohe ayer vnd Saffran vnd mach dann pallen als vil du wild vnd seud sy In der suppen In ainem kar Vnd wann sy erhertennd . So erwell sy In dem ayr taig . stoess sie an einen spiss prats vnd gib es hin .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-071-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-071-orig">
          <p>Wenn du gekochte Hammelknödel zubereiten möchtest, nimm hartgekochte Eier und etwas Weißbrot. Hacke dies zusammen mit Salbei und Salz fein. Gib reichlich geschnittenen Speck, rohe Eier und Safran hinzu. Forme daraus so viele Knödel, wie du möchtest, und koche sie in einer Suppe oder Brühe in einem Topf. Sobald sie fest geworden sind, wälze sie in einem Eierteig oder einer Eierpanade. Spieße die Knödel auf, brate sie und serviere sie.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schaffein knodlein">Hammel- oder Lammfleisch (nur im Titel genannt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="herte ayr">hartgekochte Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain wenig weiss prot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saluan">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="manigen geschniten speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rohe ayer">rohe Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="suppen">Suppe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr taig">Eierteig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-076">
        <head>Rehrückenbraten im Teigmantel</head>
        <div type="original" xml:id="mha-076-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-076-trans">
          <p>Ain rugk praten von dem rech den mach also .

Item von dem Rugkpratten von dem Rech spick den klain mit speck wol be= sprenng In mit salcz wol wurff dar auf pfeffer . ymber . kumich Bewind In mit ainem taig als krappfflein lass In pachen In ainem ofen wart an dem liecht ob er ganncz pachen sej Also macht du den hasen praten ganncz .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-076-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-076-orig">
          <p>Einen Rückenbraten vom Reh bereitest du wie folgt zu:</p>
          <p>Spicke den Rehbraten mit kleinen Speckstücken. Besprenge ihn reichlich mit Salz und streue reichlich Pfeffer, Ingwer und Kümmel (oder Kreuzkümmel) darüber. Umwickle den Braten anschließend mit einem Teig, wie man ihn für Krapfen verwendet. Backe ihn im Ofen und kontrolliere ihn an der Bräune der Kruste, ob er ganz durchgebacken ist.</p>
          <p>Variante: Auf dieselbe Weise kannst du auch einen ganzen Hasenbraten zubereiten, Reh und Hase sind hier austauschbar.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ain rugk praten von dem rech">Rehrückenbraten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kumich">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem taig als krappfflein">Teig zum Umwickeln (Pastetenhülle nach Krapfenteig-Art)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-081">
        <head>Fleisch im August haltbar kochen</head>
        <div type="original" xml:id="mha-081-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-081-trans">
          <p>Allerlaj fleisch bahalt auch also

Item also machtu Behalten allerlay hannd fleisch In den Augsten Als du es sieden wild So erwall es wol vnd geuss die prue darab vnd geuss frisch wasser wider daran lass es sieden vnd gib es hin .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-081-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-081-orig">
          <p>Allerlei Fleisch bewahrst du auch so auf: So kannst du allerlei Fleisch in den Augusttagen haltbar machen. Wenn du es kochen willst, so brühe es gut ab und gieße die Brühe weg. Gieße dann wieder frisches Wasser daran, lass es sieden und trage es auf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="allerlay hannd fleisch">Fleisch (beliebige Sorte)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frisch wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-085">
        <head>Heidnische Kuchen mit Honig</head>
        <div type="original" xml:id="mha-085-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-085-trans">
          <p>Ain haydennischen

Item zertreib kuochen mach also . ain taig mit ayren vnd mit ainer wallczen dunne Als oblat vnd schneid es drej vinger dick . vnd lennger dann ain hannd vnd pach es In schmalcz vnd geuss darauf gepefferten honigk trannck oder honig wurczen . Gib es hin . das haist ain haydennischer kuoch oder ain hausen plasen .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-085-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-085-orig">
          <p>Bereite einen Teig aus Eiern und Mehl. Rolle diesen Teig mit einer Teigrolle so dünn aus wie eine Oblate. Schneide ihn dann in Streifen, die etwa drei Finger breit (ca. 5-6 cm) und länger als eine Hand (ca. 15-20 cm) sind.</p>
          <p>Backe diese Teigstreifen in heißem Schmalz goldbraun aus. Gieße anschließend gepfefferten Honig oder gewürzten Honig-Sirup darüber. Serviere die Speise. Man nennt sie 'Heidnischen Kuchen' oder auch 'Hausenblasen'.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayren">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mehl">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schweineschmalz (oder Butterschmalz / Pflanzenöl)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gepefferten honigk trannck oder honig wurczen">Honig, mit Pfeffer und Gewürzen erwärmt (selbstgemachte Sauce)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-091">
        <head>Gefüllte Eier im Teigmantel</head>
        <div type="original" xml:id="mha-091-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-091-trans">
          <p>Aber von ayren .

Item seud ayr hertt schneid sy In die lennge. loes aus die totter meng dar zue aber ayr ker dar zue die totter zue dem schapffen pach sy rot Mach dar zue ain dunn plat leg die ayer dar auf lass pede plat vnd ayer zue samen pachen Schneid yeglichs von einander vnd gib es hin .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-091-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-091-orig">
          <p>Aber von Eiern. Koche Eier hart und schneide sie der Länge nach auf. Löse die Dotter heraus, vermenge weitere Eier dazu und gib die Dotter in das Schapffen. Backe sie rot. Mache dazu eine dünne Platte, lege die Eier darauf und lass Platte und Eier zusammen backen. Schneide jedes Stück voneinander und trage es auf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dunn plat">Teig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-111">
        <head>Fisch-Rebhuhn für die Fastenzeit</head>
        <div type="original" xml:id="mha-111-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-111-trans">
          <p>Aber von Repphuneren mach die also .

Item an dem ersten von den gepraten Repphuneren In der vasten haiss dir graben In holczer zwen furmen als die Repphuner Wann man sy zue samen trucket das sy ain form haben als die Repphuner Nymm visch vnd thue die graet dauon vnd schuepps vnd hack die klain vnd gewurcz gar wol vnd seud das gar wol mit den holczeren das hat ain furm als ain Repphun steck es an einen spis vnd prat es vnd spick es mit hechten praten .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-111-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-111-orig">
          <p>Über Rebhühner, bereite sie so zu:</p>
          <p>Zuerst, für die gebratenen Rebhühner in der Fastenzeit: Lass dir zwei hölzerne Formen schnitzen, die Rebhühnern gleichen. Wenn man sie zusammenpresst, sollen sie die Gestalt von Rebhühnern annehmen. Nimm Fisch, entferne die Gräten und Schuppen, hacke ihn klein und würze ihn sehr gut. Koche ihn dann sehr gut mit den hölzernen Formen, sodass er die Gestalt eines Rebhuhns annimmt. Stecke es auf einen Spieß, brate es und spicke es mit gebratenem Hecht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz gar wol">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hechten praten">Hecht</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="holczer zwen furmen als die Repphuner">Holzformen (Rebhuhn-Form)</ingredient> - 2</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-121">
        <head>Gebackene Käsestreifen</head>
        <div type="original" xml:id="mha-121-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-121-trans">
          <p>Ain gepachens mach also

Item Nym ain geriben kaeß das ist fromde vnd mel vnd yeglichs gleichs als vil vnd schlahe ayr doran vnd gewurcz es vnd knit es durcheinannder vnd walgs vf ainem pret vnd mach dar aus lanng struczel gar dunne vnd pach es In vil schmalcz dornach schneid es In ain schussel .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-121-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-121-orig">
          <p>Nimm geriebenen Käse, und zwar fremden, und Mehl, von beidem gleich viel. Schlage Eier dazu und würze die Mischung. Knete alles gut durch und rolle den Teig auf einem Brett aus. Forme daraus lange, sehr dünne Streifen. Backe diese in reichlich Schmalz aus. Danach schneide die fertigen Streifen in eine Schüssel.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geriben kaeß das ist fromde">Geriebener Käse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz es">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vil schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-132">
        <head>Geyslicz: Warm und Kalt in der Fastenzeit</head>
        <div type="original" xml:id="mha-132-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-132-trans">
          <p>Geysslicz in der vasten mach also

Item Geysslicz In der vasten soltu nemen vnd lass sy ain weil stan das sy gefall . So seud sy dann vnd ge= würcz sy In dem hafen vnd wann du sy dann essen wild So thue ain wenig oll In ain pfannen vnd thue den geyslicz darein vnd lass sy er= wallen vnd thue ein gestüpp dar auf wiltu aber annderlay geislicz So seud sy vnd geuß sy dann auf ain schuessel vnd laß sy erkalten vnd zeuch Ir die haut ab vnd mach ain mandel milich vnd geuss darauf .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-132-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-132-orig">
          <p>Um Geyslicz in der Fastenzeit zuzubereiten, nimm die saure Hafergrütze und lasse sie eine Weile stehen, damit sie gerinnt und sich setzt. Dann siede sie und würze sie in einem Topf. Wenn du sie warm essen möchtest, gib ein wenig Pflanzenöl in eine Pfanne, füge die Geyslicz hinzu und lasse sie aufwallen. Bestreue sie dann mit einem Gewürzpulver.</p>
          <p>Willst du aber eine andere Art Geyslicz zubereiten, so siede sie und gieße sie dann auf eine Schüssel. Lasse sie erkalten und ziehe ihr die Haut ab. Bereite dann eine Mandelmilch zu und gieße diese über die kalte Geyslicz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Geysslicz">Saure Hafergrütze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewürcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oll">Pflanzenöl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gestüpp">Gewürzpulver</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel milich">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-141">
        <head>Gefüllte Krapfen</head>
        <div type="original" xml:id="mha-141-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-141-trans">
          <p>Mach krappfen also

Item Mach krappfen also wiltu machen krapffen So nym ayr vnd schlachs In ain pfannen vnd putteren vnd rur es vnndereinannder vnd hack darunder welisch weinper vnd thue daran gewurcz vnd full es In ainen taig .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-141-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-141-orig">
          <p>Willst du Krapfen zubereiten, so nimm Eier und schlage sie in einer Pfanne mit Butter. Rühre alles gut durcheinander. Hacke italienische Rosinen (Korinthen oder Sultaninen) darunter und gib Gewürze hinzu. Fülle diese Masse anschließend in einen Teig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="putteren">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="welisch weinper">Italienische Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="taig">Krapfenteig (Meister Hans setzt den Teig als bekannt voraus)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-151">
        <head>Gebackener Fisch im Teigmantel</head>
        <div type="original" xml:id="mha-151-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-151-trans">
          <p>Aber etwas

Item schupp hechten vonn vischen . vnd hack sy zue stucken petersill thue dar zue . ymber pfeffer kuemich Salcz wein oder essich vnd mach ain hafen von taig vnd thue dar ein die visch vnd nym dann ayr toetter vnd mach In obennan gancz pach es In ainem ofen als lanng als rogkeins prot vnd gibs dann zue essen . Item also machtu machen lachs voerchen Aell oder annder visch .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-151-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-151-orig">
          <p>Aber etwas. Schuppe Hechte und hacke sie in Stücke. Gib Petersilie dazu, Ingwer, Pfeffer, Kümmel, Salz und Wein oder Essig. Mache einen Topf aus Teig und gib den Fisch hinein. Nimm dann Eidotter und bestreiche ihn obenauf ganz damit. Backe es in einem Ofen so lange wie ein Roggenbrot und trage es dann zum Essen auf. Ebenso kannst du Lachs, Forellen, Aal oder anderen Fisch zubereiten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hechten vonn vischen">Hecht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kuemich">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein oder essich">Wein oder Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hafen von taig">Pastetenteig (Coffyn-Stil, Meister Hans setzt den Teig als bekannt voraus)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr toetter">Eigelb</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-155">
        <head>Grüner Textilfarbstoff aus Tinte und Alaun</head>
        <div type="original" xml:id="mha-155-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-155-trans">
          <p>wiltu grun farb machen

Item wiltu grun farb machen wiltu guote grun machen So nymm dimpten vnd truck sy durch einannder mit gestossen Allaun . So hastu guote grun zue tuoch oder zue garen .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-155-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-155-orig">
          <p>Willst du grüne Farbe machen, ein gutes Grün erzielen:</p>
          <p>Nimm Tinte (Dimpten) und presse sie gut zusammen mit zerstoßenem Alaun durch. So hast du ein gutes Grün für Tuch oder Garn.</p>
          <p>'Dimpten' ist die frühneuhochdeutsche Form von Tinte (von lat. tinctura, Farbstoff/Tinktion). In Handschriften findet sich das Wort auch als dimpte, dinte oder dintten. Gemeint ist hier keine Schreibtinte, sondern eine Farbstofflösung, die zusammen mit Alaun als Beize ein gutes Grün auf Textilien ergibt.</p>
          <p>Dieses Rezept ist 'das Grün', auf das mha-156 (Braun aus Attich-Beeren) als bekanntes Verfahren verweist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dimpten">Tinte (grüne Farbstofflösung)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gestossen Allaun">Alaun, zerstoßen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-158">
        <head>Leder gerben mit Alaun und Salz</head>
        <div type="original" xml:id="mha-158-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-158-trans">
          <p>wiltu guot leder machen

Item dem thue also als hernach wiltu leder machen So nymm zue ainem vell drew lot allawn vnd als vil salcz vnd nymm ain lautter wasser In ain hafelain oder In ain pfannen vnd thue das darein vnd lass es zergeen vnd thue ein wenig schmalcz daran oder ain wenig oll vnd geuss es In ain schussel vnd nym dann drej ayr totter oder vier vnd zerklopff die vnd thue es vn= dereinannder vnd stoesz das fel darein vnd truck es als offt daraus . Dornach nym die vorgeschriben paysse vnd thue ein wenig mel darein vnd so du das vell Rain vnd sauber dar aus hast gewunden So thue es In die paisse vnd lass zwen tag oder zwo nacht daInne paissen Dornach nym die fell vnd zeuchs mit paiss mit all aus vnd henngks an ein stanngen vnd lass trucken Dornach zeuchs aus durch ainen taig .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-158-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-158-orig">
          <p>Willst du gutes Leder machen, so verfahre wie folgt: Nimm zu einem Fell drei Lot Alaun und ebenso viel Salz. Nimm dann klares Wasser in ein kleines Häflein oder eine Pfanne, gib Alaun und Salz hinein und lass es zergehen. Gib ein wenig Schmalz oder Öl hinzu und gieße es in eine Schüssel.</p>
          <p>Nimm dann drei oder vier Eigelb, verquirle sie und rühre sie unter die Mischung. Stoße das Fell hinein und drücke es oft wieder heraus. Danach nimm die zuvor beschriebene Beize und gib ein wenig Mehl hinein. Wenn du das Fell rein und sauber daraus gewunden hast, so gib es in die Beize und lass es zwei Tage oder zwei Nächte darin beizen.</p>
          <p>Danach nimm die Felle heraus, ziehe sie mitsamt der Beize ab und hänge sie an eine Stange zum Trocknen. Ziehe sie danach durch einen Teig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ainem vell">Fell</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="drew lot allawn">Alaun</ingredient> - 45 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="als vil salcz">Salz</ingredient> - 45 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain lautter wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig schmalcz oder ain wenig oll">Schmalz oder Öl</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="drej ayr totter oder vier">Eigelb</ingredient> - 3</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig mel">Mehl</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-171">
        <head>Hausgemachter Senf</head>
        <div type="original" xml:id="mha-171-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-171-trans">
          <p>Aber ain

Item wiltu Seniff ze machen . machen einen Seniff So nym wein vnd hoenig miteinannder wolgesotten vnd schon geschaimpt vnd die weil das seudt . So sol man es vast ruren Dornach thue es In ainen hafen also haiss vnd thue das Seniff mel dar ein piss es dick werde das der loffel darInne gestee vnd deck es dann mit ainer prots Rinden vnd mach In wol zue vnd lassen die nacht sten vf einem ofen oder dar hinder vf der helle So girt er als ain taig furpas secz In an ein stat das er nit gefriess vnd auch nit zue haiss stee vnd wann man In dann essen wil So nym In dann heraus mit ainem loeffel vnd zertreib In mit ainem wein</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-171-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-171-orig">
          <p>Willst du Senf zubereiten, so nimm Wein und Honig. Koche beides gut miteinander auf und schäume es sorgfältig ab. Während es kocht, rühre es kräftig um. Danach gib die noch heiße Mischung in einen Topf und rühre das Senfmehl ein, bis es so dick wird, dass der Löffel darin stehen bleibt. Decke den Topf dann mit einer Brotrinde ab und verschließe ihn gut. Lass den Senf über Nacht auf einem Ofen oder an einem anderen warmen Ort stehen, damit er wie ein Teig gärt. Danach stelle ihn an einen Ort, wo er weder gefriert noch zu heiß steht. Wenn du ihn essen willst, nimm ihn mit einem Löffel heraus und verrühre ihn mit etwas Wein, um die gewünschte Konsistenz zu erreichen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hoenig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Seniff mel">Senfmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prots Rinden">Brotrinde</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-180">
        <head>Weißes gebratenes Huhn</head>
        <div type="original" xml:id="mha-180-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-180-trans">
          <p>Mach weiss

Item geprattne huner also . zue einem weissen hun gepraten . So nym das weiss von den ayren vnd ain wenig schon mel dar vnnder damit sol man sy begiessen vnd dor= nach wider zue dem feur thuon vncz das es gar gerecht werde .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-180-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-180-orig">
          <p>So bereitest du gebratenes Huhn weiß zu: Für ein weiß gebratenes Huhn nimm das Eiweiß von den Eiern und ein wenig feines Mehl dazu. Damit sollst du die Hühner begießen und danach wieder zum Feuer stellen, bis es ganz richtig wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geprattne huner">Gebratenes Huhn</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das weiss von den ayren">Eiweiß</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain wenig schon mel">Mehl</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-181">
        <head>Rote Hühner in Safranteig</head>
        <div type="original" xml:id="mha-181-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-181-trans">
          <p>Die roten

Item zue rotten huner mach also . huneren . So nym Saffran ayer vnd mel vnd thue dem als du dem hast gethan vnd gewurcz es wol .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-181-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-181-orig">
          <p>Für rote Hühner gehe wie folgt vor: Nimm Hühner. Nimm Safran, Eier und Mehl und mache damit dasselbe, was du zuvor getan hast. Würze es gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="huneren">Hühner</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Schmalz oder Öl</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-182">
        <head>Schwarze Hühner mit farbigen Nägelein</head>
        <div type="original" xml:id="mha-182-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-182-trans">
          <p>Die swarczen huner Die mach also .

Item zue schwarczen huneren Nym leczellten vnd prenn den vncz das er schwarcz werde . vnd stoesz In In ainem morser klain . Hastu des nicht So nym hoenig . semlein mel . Vnd prenn das In ainer pfannen vncz das es schwarcz werde vnd lass erkallten vnd reibs durch ain tuoch mit ayren Geuss die huner damit wann sy ge= praten sind . Man sol sy spicken mit nagelein . Die rotten mit silbrein . Die schwarczen mit guldein naegelein . Die grun mit silbrein vnd mit guldein</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-182-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-182-orig">
          <p>Für schwarze Hühner nimm zunächst Leczellten - Lebzelten, also würzigen Honig-Lebkuchen - und verbrenne ihn, bis er ganz schwarz ist. Zerstoße ihn dann fein in einem Mörser.</p>
          <p>Falls du keinen Lebzelten hast, nimm stattdessen Honig und Semmelmehl. Verbrenne diese Mischung ebenfalls in einer Pfanne, bis sie schwarz wird. Lass sie erkalten und reibe sie dann zusammen mit Eiern durch ein Tuch, um eine glatte, schwarze Sauce zu erhalten.</p>
          <p>Wenn die Hühner gebraten sind, übergieße sie mit dieser schwarzen Sauce.</p>
          <p>Zur Garnierung: Man soll die Hühner mit Gewürznelken spicken. Die roten Hühner verziere mit silbernen Nägelein, die schwarzen mit goldenen Nägelein und die grünen Hühner mit silbernen und goldenen Nägelein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zue schwarczen huneren">Hühner</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leczellten">Lebzelten (Honig-Lebkuchen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hoenig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semlein mel">Semmelmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayren">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagelein">Gewürznelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="silbrein">Silberblatt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guldein naegelein">Goldblatt</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-183">
        <head>Grüne Hühner mit Petersilien-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="mha-183-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-183-trans">
          <p>Die grunen huner beraitt also .

Item groenne huner mach also . Nym petersill geriben mit ayren vnd mel vnd gewurcz wol vnd schlachs durch ain tuoch vnd thue dem auch also Als oben geschriben stet .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-183-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-183-orig">
          <p>Die grünen Hühner bereitest du wie folgt zu:</p>
          <p>Nimm fein gehackte Petersilie und vermische sie mit Eiern und Mehl. Würze die Mischung kräftig.</p>
          <p>Schlage diese Masse anschließend durch ein feines Tuch, um eine glatte, grüne Sauce zu erhalten. Verfahre dann damit so, wie es im vorhergehenden Rezept (mha-182, „Schwarze Hühner mit farbigen Nägelein") beschrieben ist: Gieß die grüne Sauce über die gebratenen Hühner.</p>
          <p>Zur Garnierung: Spicke die grünen Hühner mit Gewürznelken, die mit essbarem Silber- UND Goldblatt überzogen sind, diese Farb-Kombination ist im Schwarzen-Hühner-Rezept ausdrücklich den grünen Hühnern vorbehalten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="huner (aus mha-182)">Hühner</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petersill geriben">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayren">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz wol">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagelein (aus mha-182)">Gewürznelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="silbrein vnd guldein (aus mha-182)">Silber- und Goldblatt</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-184">
        <head>Weiße Sauce für weiße Hühner</head>
        <div type="original" xml:id="mha-184-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-184-trans">
          <p>Zue weissen

Item von einer hunern ein sals sallsen zue weyssenn huneren Sol man nemen waelisch weinper Reib die klain vnd nym dar zue den aller pesten wein so du In gehaben magst vnd schlach In durch ain tuoch damit vnd nym dar zue das pest gewurcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-184-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-184-orig">
          <p>Für eine weiße Sauce zu Hühnerfleisch nimm italienische Rosinen. Reibe sie fein.</p>
          <p>Gib den allerbesten Wein hinzu, den du bekommen kannst. Seihe die Mischung durch ein Tuch. Füge die besten Gewürze hinzu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="waelisch weinper">Italienische Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den aller pesten wein">Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das pest gewurcz">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hunern">Hühnerfleisch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-185">
        <head>Grüne Begleitsauce für schwarze und rote Hühner</head>
        <div type="original" xml:id="mha-185-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-185-trans">
          <p>Ain salsen zue schwarczen huner

Item Ain salsen zue schwarczen huner Ain Sallsen zue schwarczen roten huneren Da nym petersill oder annder grun kraut vnd schlach das durch mit essich .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-185-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-185-orig">
          <p>Eine Sauce für schwarze und rote Hühner (siehe mha-182, „Schwarze Hühner mit farbigen Nägelein"):</p>
          <p>Nimm Petersilie oder andere grüne Kräuter und schlage sie mit Essig durch, bis eine glatte grüne Sauce entsteht.</p>
          <p>Diese frische, säuerliche Kräutersauce wird als Begleitsauce am Tellerrand zu den schwarzen und roten Hühnern gereicht, deren Überziehsauce dunkel und kräftig ist, der grüne Farbkontrast und die Essig-Säure brechen die Schwere der Hauptsauce.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="annder grun kraut">Grüne Kräuter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-186">
        <head>Gestoßenes Huhn</head>
        <div type="original" xml:id="mha-186-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-186-trans">
          <p>Ein gestossen hun mach also als hernach

Item Nym die pain vnd die huner die seud vnd stoss rain vnd so sy gesoten sind So nym semlein prot darunder vnd guoten wein oder huner prue Also sol man machen ain gestossens hun</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-186-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-186-orig">
          <p>Nimm die Hühner und ihre Knochen. Siede sie gar. Zerstoße das gekochte Fleisch fein. Gib dann Semmelbrot hinzu und guten Wein oder Hühnerbrühe. So bereite man ein gestoßenes Huhn zu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die huner">Huhn</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die pain">Knochen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semlein prot">Semmelbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guoten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="huner prue">Hühnerbrühe</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-191">
        <head>Das ganze Kalb: Ein Festmahl</head>
        <div type="original" xml:id="mha-191-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-191-trans">
          <p>wann man annderst nicht hat dann nur kalbfleisch

Item wir komen In ain Stat da fannd wir annders nichts dann kalbfleisch vnd mein herr der het vil gest do kaufft er das kalb do kam der vnd nam ain haissen wein vnd stach das kalb also ganncz vnd schluog Im das haubt ab allso ganncz Das was lanng an dem hals er kloeb das haubt von ein= annder vnd nam das hieren heraus vnd das annder wuosch er schon vnd sod es Rain vnd da macht er ein haubt essen von . Dornach nympt er die fuess vnd schleht Im die knie ab vnd machet ein sullcz dauon Nu nympt er das kroeesz dauon vnd waescht das schon vnd macht das schoen vnd nympt her er einen speck vnd ein semlein prot das schneid er als wurfflat Nym ayer als vil du wild vnd den speck vnd das prot darunder vnd full den kragen vnd das wamlein vnd lass das sieden schon vnd seud das Besunder So beleibt es also weiss Wann es gesoten ist So seud den die wampen vnd den magen zue scheiben vnd legs In ain schussel wann du wild aneRichten So leg das kroess darauf So wirt es ain rechts guotz essenn vnd nymm dann die leberen von dem kalb vnd hacks also rohe vnd nymm denn ein semlein weiss prot vnd ainen speck . vnd schneid den speck wurfflat . vnd reib das prot klain vnd reib das Rain ab mit gewurcz vnd nym ayr vnd misch die miteinannder vnnderein= annder vnd nym ain schmalcz In ain pfannen vnd thue die lebern vnd das alles miteinannder dareinKustode am unteren Blattrand: ‘Vnd rür es ob dem feuer Vnd rur es ob dem feur wol das es nicht ane prynne vnd nym dann das necz vnd legs an die AnRicht vnd wann es hert werde So schlachs vf das necz zue samen vnd legs vf einen rost vnd leg darauf zwaj hollczer oder drew da wennd es da mit vmb So pricht sy nicht wenn es gepraten ist So schneid sy zue siben stucken vf ain schussel vnd was du dauon schneidest das stoess klain vnd reibs durch ain tuoch mit guotem gewurcz vnd mit guotem wein So wirt es guot . nymm dann das hieren vnd leg es In ain tuoch . vnd wind das zue samen vnd seud es mit dem tuoch oder In dem tuoch vnd wann das gesotten ist So nym ain pfunt mandel vnd stoess In klain mit guoter prue oder suppen vnd schlah sy durch mit semleim weissenn prot vnd das hiern schlah mit dem anndern durch vnd nym ain Rain schmalcz vnd seud es . Item ainen guoten wein nym vnd den schwaiss von dem kalb vnd das des schwaiss nit zue vil sej . So nym guoten ressen leczellten des nicht ze wenig sey vnd reib den klain vnd thue In darein . Hastu nicht zucker So nym hoenig an die stat vnd rains schmalcz So wirt es schleht vnd mach es wol ab mit guotem gewuercz vnd nym sy zue rechter mass vnd nym ain guot stupp darauf mit ge= wurcz . Ain lungel muoss Unterstreichung in roter Tinte. Item Nym die lungel von dem kalb das wasch gar schon vnd seud sy In ainem hafen vnd hack sy klain vnd nym ain guote prue oder suppen vnd zwelff ayer totter vnd mach das ab So ist es ein guot gemuesz Item das haubt von dem kalb das wasch schon vnd mach das Rain ab vnd schneid es zue klainen flecklein vnd machs ab mit guotem gewurcz vnd mit Saffran vnd mit petersill Item Nym die prust vnd ain praet= tig fleisch von dem diehe wa du das vindest oder gehaben magst vnd hack das klain vnd nym den schwaisz vnd machs nit gar zue swarcz wann das gemacht sej . So nym ein Rogkein prot vnd reib das klain Nym den schwaisz vnd drew vnd Sechczig ayr die schlahe daran vnd auch das geriben prot thue daran vnd hack das klain thue daran guot gewurcz vnd mach es rain ab mit naegelein vnd das prot nym halbs oder mer das machstu die praten von Item Nym ein wenigen oder ein klain kessel vnd thue ein prue oder ein suppen dar ein vnd secz das vf die prennd auf das feur vnd nym dann die praten vnd leg sy darein vnd lass sy darInne sieden vncz an die stat vnd wann sy wol gericht sind So nym sy heraus vnd lass werden kalt vnd nymm ain speck vnd schneid den klain vnd spick sy mit gannczen naegelein steck auch daran So nym dann guoten wein dar zue vnd guot gewurcz vnd zucker daran vnd mach ain suppen zue dem praten Item von dem praet . Nym vnndereinannder das lanng leg In ain haisse prue vnd lass sieden vncz an die stat . vnd lass es nicht versieden vnd wann es gesoten ist So leg es vf die AneRicht vnd wann du wild vnd lass kalt werden . So magstu es schneiden wie du wild vnd mach dornach geprennten pfeffer dauon vnd nym zwifel vnd ainen appfel vnd hack das klain darein vnd nym ain vaistne von dem fleisch vnd den schwaiss In ain pfannen vnd thue es daran vnd mach es Rain ab mit guotem gewurcz So ist es ein wilde praet Item das prustlein schneid nach der lennge das geit man fur ein fleisch Item so sol man nemen die pain da noch fleisch an ist die sol man hacken zue klainen stucken vnd sol nemen ain prue oder ein suppen von dem fleisch vnd ain essich daran vnd den schwaiss von dem kalb das sol man thuen daran vnd das lassen sieden darInne vnd thue ein gehack oder gehacktes darein mit ainem guotem speck vnd mach es ab mit guotem gewurcz das ist ain guot furhessen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-191-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-191-orig">
          <p>Wenn du nichts anderes als Kalbfleisch hast:</p>
          <p>Einst kamen wir in eine Stadt, wo wir nichts anderes als Kalbfleisch fanden. Mein Herr hatte viele Gäste, da kaufte er das Kalb. Dann kam er und nahm heißen Wein und durchstach das Kalb ganz damit. Er schlug ihm den Kopf ganz ab, so dass der Halsabschnitt, der daran verblieb, lang war. Er spaltete den Kopf und nahm das Hirn heraus; den Rest wusch er sauber und kochte ihn rein. Daraus machte er ein Hauptgericht.</p>
          <p>Darnach nimm die Füße und schlage die Knie ab und mache eine Sülze daraus.</p>
          <p>Dann nimm die Kröse (Omentum) und wasche sie sauber und mache sie schön. Nimm Speck und ein Semmelbrot, das schneide würfelig. Nimm Eier, so viele du willst, und den Speck und das Brot darunter und fülle den Kragen und das Wamlein (Bauchfell). Lass das schön sieden und koche es gesondert. So bleibt es schön weiß. Wenn es gesotten ist, so koche die Wampen (Pansen) und den Magen in Scheiben und lege sie in eine Schüssel. Wenn du anrichten willst, so lege die Kröse darauf. So wird es ein rechtes, gutes Essen.</p>
          <p>Und nimm dann die Leber von dem Kalb und hacke sie roh. Nimm dann ein Semmelweißbrot und einen Speck. Schneide den Speck würfelig und reibe das Brot klein. Reibe es rein ab mit Gewürz und nimm Eier und mische sie untereinander/darunter. Nimm Schmalz in eine Pfanne und gib die Leber und das alles miteinander hinein. Rühre es über dem Feuer und rühre es gut, damit es nicht anbrennt. Nimm dann das Netz (Bauchfell) und lege es auf die Anrichte. Und wenn es hart wird, so schlage es auf dem Netz zusammen und lege es auf einen Rost. Lege darauf zwei oder drei Hölzer, damit wendest du es um, so bricht es nicht. Wenn es gebraten ist, so schneide es in sieben Stücke auf eine Schüssel. Und was du davon abschneidest, das stoße klein und reibe es durch ein Tuch mit gutem Gewürz und mit gutem Wein. So wird es gut.</p>
          <p>Nimm dann das Hirn und lege es in ein Tuch und wickle es zusammen und koche es mit dem Tuch oder in dem Tuch. Und wenn das gesotten ist, so nimm ein Pfund Mandeln und stoße sie klein mit guter Brühe oder Suppe und schlage sie durch mit Semmelweißbrot. Und das Hirn schlage mit dem anderen durch. Und nimm reines Schmalz und koche es.</p>
          <p>Nimm einen guten Wein und das Blut von dem Kalb, und achte darauf, dass des Blutes nicht zu viel sei. So nimm guten, würzigen Lebkuchen (reschen Lebzelten), dass es nicht zu wenig sei, reibe ihn klein und gib ihn hinein. Hast du keinen Zucker, so nimm Honig stattdessen und reines Schmalz. So wird es schlicht und mache es gut ab mit gutem Gewürz und nimm es zu rechter Maß. Und nimm einen guten Staub darauf mit Gewürz.</p>
          <p>Ein Lungenmus: Nimm die Lunge von dem Kalb, wasche sie sehr sauber und koche sie in einem Topf. Hacke sie klein und nimm eine gute Brühe oder Suppe und zwölf Eigelb und mache das ab. So ist es ein gutes Gemüse (Gericht).</p>
          <p>Das Haupt vom Kalb: Wasche es sauber und mache es rein ab und schneide es zu kleinen Flecklein und mache es ab mit gutem Gewürz und mit Safran und mit Petersilie.</p>
          <p>Nimm die Brust und ein fettiges Fleisch vom Schenkel, wo du es findest oder bekommen kannst, und hacke das klein. Nimm das Blut und mache es nicht gar zu schwarz, wenn es gemacht ist. So nimm ein Roggenbrot und reibe das klein. Nimm das Blut und dreiundsechzig Eier, die schlage daran, und auch das geriebene Brot gib daran. Hacke das klein, gib daran gutes Gewürz und mache es rein ab mit Nägelein (Nelken). Und das Brot nimm halb oder mehr, daraus machst du die Braten (Fleischpasteten).</p>
          <p>Nimm einen kleinen Kessel und gib eine Brühe oder eine Suppe hinein und setze das auf die Glut auf das Feuer. Und nimm dann die Braten und lege sie hinein und lass sie darin sieden bis zum rechten Zustand. Und wenn sie gut gerichtet sind, so nimm sie heraus und lass sie kalt werden. Und nimm Speck und schneide ihn klein und spicke sie mit ganzen Nägelein (Nelken), stecke auch daran. So nimm dann guten Wein dazu und gutes Gewürz und Zucker daran und mache eine Suppe (Sauce) zu den Braten.</p>
          <p>Von dem Braten (Fleischstück): Nimm [unklare Stelle im Original, ‚vnndereinannder‘] das lange Stück Fleisch und lege es in eine heiße Brühe und lass es sieden bis zum rechten Zustand. Und lass es nicht verkochen. Und wenn es gesotten ist, so lege es auf die Anrichte. Und wenn du willst, lass es kalt werden. So magst du es schneiden, wie du willst. Und mache darnach gebrannten Pfeffer davon und nimm Zwiebeln und einen Apfel und hacke das klein hinein. Und nimm eine Fettigkeit von dem Fleisch und das Blut in eine Pfanne und gib es daran und mache es rein ab mit gutem Gewürz. So ist es ein Wildbret (wildbretartiges Gericht).</p>
          <p>Das Brüstlein: Schneide es der Länge nach, das gibt man für ein Fleisch.</p>
          <p>Die Knochen: So soll man die Knochen, an denen noch Fleisch ist, zu kleinen Stücken hacken. Und soll eine Brühe oder eine Suppe von dem Fleisch nehmen und Essig daran und das Blut von dem Kalb, das soll man daran tun und das darin sieden lassen. Und gib ein Gehacktes hinein mit einem guten Speck und mache es ab mit gutem Gewürz. Das ist ein gutes Vorgericht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kalbfleisch">Kalbfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="haissen wein">Heißer Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hieren">Kalbsgehirn</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fuess">Kalbsfüße</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kroeesz">Kalbskröse (Omentum)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semlein prot">Weißbrot (Semmel)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wampen">Kalbs-Pansen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="magen">Kalbsmagen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leberen">Kalbsleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="necz">Netz (Bauchfell)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="hollczer">Holz (für Rost)</ingredient> - 2 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prue oder suppen">Brühe oder Suppe</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="pfunt mandel">Mandeln</ingredient> - 500 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schwaiss von dem kalb">Kalbsblut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="resssen leczellten">Geriebener Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hoenig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lungel">Kalbslunge</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zwelff ayer totter">Eigelb</ingredient> - 12</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prust">Kalbsbrust</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="praettig fleisch von dem diehe">Fettiges Fleisch vom Kalbsschenkel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Rogkein prot">Roggenbrot</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="drew vnd Sechczig ayr">Eier</ingredient> - 63</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="naegelein">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lanng">Langes Fleischstück</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geprennten pfeffer">Gebrannter Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zwifel">Zwiebeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="appfel">Apfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vaistne von dem fleisch">Fett vom Fleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pain">Knochen mit Fleischresten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gehack oder gehacktes">Gehacktes Fleisch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-192">
        <head>Noch ein gutes Mus (Vorrede zur Mus-Sektion)</head>
        <div type="original" xml:id="mha-192-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-192-trans">
          <p>Aber ein guet gemuess

Item der guot Aber ein guet gemuess gemueß wil machen der heb In dem Merczen an So bedarff man vil dar zue . Nym acker spisz milich vnd acker speiss pringt manigerlaj weiss Da nerennd sich kristen haiden Iuden von vnd dar zue manigerlaj thier das sich neren wil Nun sol man haben waicz mel da wirt guot prot aus da mug wir vnns erneren von .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-192-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-192-orig">
          <p>Wer ein gutes Mus machen will, der hebe im März damit an, denn dann braucht man viel dazu. Nimm Ackerfrüchte und Milch - Ackerfrüchte bringen mancherlei Weißes hervor. Davon ernähren sich Christen, Heiden und Juden, dazu mancherlei Tiere, die sich ernähren wollen. Nun soll man Weizenmehl haben, daraus wird gutes Brot, davon können wir uns ernähren.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="acker spisz">Ackerfrüchte (Hülsenfrüchte/Getreide)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milich">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="waicz mel">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-194">
        <head>Gefüllter Hecht vom Rost</head>
        <div type="original" xml:id="mha-194-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-194-trans">
          <p>Ain gefüllten hechten

Item so sol Ain gefüllten hechten man nemen ain mittlein hecht des soltu nit vergessen schlahe Im das haubt abe vnd nymm ain schindel vnd mach die als lanng als der hecht sey vnd sauber In schon vnd wenn du In ge= raumpt hast vnd nun gar ledig zwischen der haut ist . So nym den rugken vnd ain klains messerlein vnd an dem zagel So wirt der visch ledig vnd thue den visch heraus das die haut also beleybe ganncz mit den schueppen vnd nym dann den visch vnd loess Im den grad von dem praet vnd lass dann die haut ligen vnd hack die visch gar klain vnd nym denn annder visch dar zue vnncz das du den visch fullest vnd mach das ab mit guotem gewurcz . So wirt es wol geschmach So soltu denn dornach haben perch= tram ysoppen Abrautten oder Saluan vnd petersill das alles soltu dar zue haben vnd hack das an die visch vnd full den hecht wider vol das haist mannnEin Schaft zuviel und zusätzliches n? Oder doch etwas anderes gemeint als 'man'? hecht . wann es nicht vast tag ist So hack an den visch oppfel vnd ayr darein vnd full den hecht vnd secz Im das haubt wider an vnd hefft es mit ainem faden wider zue samen So wirt der visch wider ganncz vnd nym der selben In die or= waennglein vnd das die fuell schon ge= waschen sey So thue denn die full In das haubt vnd In denn mund Vnd leg In auf ainen rost vnd pratt In sauber vnd schon .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-194-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-194-orig">
          <p>Nimm einen mittelgroßen Hecht - das sollst du nicht vergessen - und schlage ihm das Haupt ab. Nimm eine Schindel (ein dünnes Holzbrettchen) und mache sie so lang wie der Hecht. Säubere den Hecht gründlich. Wenn du ihn ausgenommen hast und das Fleisch zwischen der Haut ganz locker ist, löse den Rücken und mit einem kleinen Messer am Schwanz das Fischfleisch von der Haut. So wird der Fisch locker, und du kannst das Fleisch herausnehmen, sodass die Haut mit den Schuppen ganz bleibt.</p>
          <p>Nimm dann das Fischfleisch und löse die Gräten vom Fleisch. Lass die Haut liegen und hacke das Fischfleisch sehr fein. Füge weiteres Fischfleisch hinzu, bis du genug Füllung hast. Würze diese Füllung gut mit feinen Gewürzen, damit sie wohlschmeckend wird.</p>
          <p>Danach sollst du Bertram, Ysop, Eberraute oder Salbei und Petersilie bereithalten. Hacke all diese Kräuter zu dem Fischfleisch und fülle den Hecht damit wieder ganz voll. Dies nennt man einen gefüllten Hecht.</p>
          <p>Variante für Nicht-Fastentage: Wenn es kein Fastentag ist, hacke zusätzlich Äpfel und Eier in das Fischfleisch und fülle den Hecht damit. Setze ihm das Haupt wieder an und hefte es mit einem Faden zusammen, sodass der Fisch wieder ganz wird. Nimm etwas von der Füllung auch in die Kiemen und achte darauf, dass die Zutaten für die Füllung gut gewaschen sind. Gib dann die Füllung auch in das Haupt und in den Mund des Hechts.</p>
          <p>Lege den gefüllten Hecht auf einen Rost und brate ihn sauber und schön.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain mittlein hecht">Hecht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain schindel">Holzschindel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="annder visch">Fischfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guotem gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="perchtram">Bertram</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ysoppen">Ysop</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Abrautten">Eberraute</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saluan">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oppfel">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="faden">Faden</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-201">
        <head>Hanfquark mit gebratenen Äpfeln</head>
        <div type="original" xml:id="mha-201-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-201-trans">
          <p>Ainen schotten von haniff ze machem dem thue also

Item Nym Rohen haniff wasch den schon vnd reib In In ainem morser vnd schlah In durch drej stund In ain kessel vnd lass In sieden Du solt haben ain rindlein vol vnd zwenn opffel oder drej die schell schon vnd schneids klain nach der lennge vnd prenn die ab In dem oll das sy nicht schwarcz werden thue sy aus dem oll vnd leg sy auf die reim das Ir genuog sej strae zucker darauf Das ist ein schott .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-201-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-201-orig">
          <p>Nimm rohen Hanf, wasche ihn gründlich und reibe ihn in einem Mörser. Schlage ihn dann drei Stunden lang in einem Kessel und lasse ihn sieden. Du sollst ein Schälchen voll davon haben. Nimm zwei oder drei Äpfel, schäle sie sorgfältig und schneide sie der Länge nach klein. Brate die Apfelstücke in Öl an, sodass sie nicht schwarz werden. Nimm sie aus dem Öl und lege sie auf den Tellerrand, sodass es genug sei. Streue Zucker darüber. Das ist ein Schotten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Rohen haniff">Hanfsamen</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="opffel">Äpfel</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oll">Öl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-209">
        <head>Gefülltes Gericht mit Reisschale</head>
        <div type="original" xml:id="mha-209-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-209-trans">
          <p>Das gemuess

Item vach oder mach In ainen kopff wiltu es machen In ainen kopff den mach von mel oder von ayren vnd prenn In ab wiltu ein plat grun oder weiss auss reiss Mach du ain weiss plat grun das hastu wann du wild .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-209-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-209-orig">
          <p>Item: Fange damit an, oder mache es gleich in einer Form. Willst du es in einer Form machen, so bereite diese aus Mehl oder aus Eiern zu und backe oder brate sie ab.</p>
          <p>Willst du dazu einen grünen oder weißen Reisfladen, so färbe einen weißen Reisfladen grün - das steht dir frei, wann immer du magst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayren">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="reiss">Reis</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-211">
        <head>Fischmus von allerlei Fischen</head>
        <div type="original" xml:id="mha-211-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-211-trans">
          <p>Vonn allerlay vischen mach gemuess von wie du selb wilde

Item von allerlaj vischen machestu visch gemuesz Die visch sollen gesoten sein die hack denn klain vnd hack sy vnd thue sy In die mandel milich vnd lass sieden das es dick werde Richt es an vnd versalcz nicht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-211-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-211-orig">
          <p>Bereite ein Fischmus von allerlei Fischen zu, ganz nach deinem Belieben.</p>
          <p>Koche die Fische gar. Hacke sie anschließend fein und zerkleinere sie gründlich.</p>
          <p>Gib die zerkleinerten Fische in Mandelmilch und lass alles sieden, bis die Masse dick wird.</p>
          <p>Richte das Mus an und achte darauf, es nicht zu versalzen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="allerlay vischen">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel milich">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versalcz nicht">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-214">
        <head>Masannczen, Gebackene Käse-Mäsle mit Safran</head>
        <div type="original" xml:id="mha-214-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-214-trans">
          <p>von

Item gepachen Masannczen wollen wir haben pachen masannczenKustode unterer Blattrand: 'So nym käsz‘ So nym kaesz vnd reib den klain vnd nym ayer darein vnd thue sy auf ein plat vnd ein wenig gewurcz wiltu es gell machen So thue saffran daran vnd lass es pachen .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-214-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-214-orig">
          <p>Wenn du gebackene Masannczen haben möchtest, so nimm Käse und reibe ihn klein. Gib Eier hinzu und verteile die Masse auf einem Blech. Füge ein wenig Gewürz hinzu. Willst du es gelb färben, so gib Safran daran und lass es backen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kaesz">Käse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-215">
        <head>Gebratener Fisch am Spieß mit Safran-Panade</head>
        <div type="original" xml:id="mha-215-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-215-trans">
          <p>Auss der selben materi mach praten

Item aus der materj magstu praten an ainem spiss Nym ayer schon prot Saffran wein oder essich vnd wasser und visch schuppen Salcz menng das zue samen vnd geuss das wasser vf den praten vnd lass es erwallen eben dick vnd gib es hin zue essen .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-215-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-215-orig">
          <p>Aus derselben Mischung kannst du einen Braten am Spieß zubereiten.</p>
          <p>Nimm einen Fisch, schuppe und salze ihn. Rühre dann eine Panade aus Eiern, feinem Brot, Safran sowie Wein oder Essig und Wasser an. Gieße diese Mischung auf den Braten und lass sie auf dem Fisch aufkochen, bis sie eben dick wird. Dann gib es zum Essen.</p>
          <p>Modern (Backofen-Variante): Ganzen Fisch in eine Auflaufform legen, die Panade etwas dicker anrühren (weniger Wasser) und dick auf dem Fisch verteilen. Bei 180-200 °C Umluft ca. 25-35 Min. überbacken, bis die Kruste goldgelb ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="visch">Fisch (ganz)</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schon prot">Feines Brot (Brotkrumen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein oder essich">Wein oder Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-228">
        <head>Gefülltes Spanferkel vom Spieß</head>
        <div type="original" xml:id="mha-228-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-228-trans">
          <p>Wie man klaine spanfackel praten vnd beraiten sol .

Item Nym ain spannfaeckel vnd prat es kuel vnd enspallt das enczwaj mit dem haubt So nym die lungel oder herte ayer vnd zwaj waichen schone prot Saffran pfeffer Salcz vnd klainen gehackten speck vnd full das vaecklein vnd damit an einen spisz vnd betraeff es mit schmalcz .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-228-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-228-orig">
          <p>Nimm ein kleines Spanferkel und brate es auf schwacher, gemäßigter Hitze, und spalte es dann der Länge nach entzwei, beginnend am Kopf. Nimm für die Füllung entweder die Lunge des Ferkels oder hartgekochte Eier. Dazu gib zwei weiche, saubere Brote, Safran, Pfeffer, Salz und fein gehackten Speck.</p>
          <p>Fülle das Ferkelchen mit dieser Mischung und stecke es dann auf einen Spieß. Beträufle es mit Schmalz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain spannfaeckel">Spanferkel</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="die lungel">Lunge</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="herte ayer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zwaj waichen schone prot">Weiches Brot</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="klainen gehackten speck">Gehackter Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-239">
        <head>Kren-Mus mit Huhn und Mandeln</head>
        <div type="original" xml:id="mha-239-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-239-trans">
          <p>Aber von ainem gemuess ze machen krene

Item ainen krenn haben wir ain pfunt mandel vnd muost ain vierdung ge= stossenns Reisz haben vnd ain Stadel hennen die wol gesotten sey vnd nym das weiss praet dauon vnd ain sch= weinein schmalcz dar zue vnd ain vierdung zucker vnd ayer nym auch daran .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-239-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-239-orig">
          <p>Nimm einen Meerrettich. Dazu benötigst du ein Pfund Mandeln und ein Viertel Pfund gestoßenen Reis. Eine Stadelhenne, die gut gesotten ist, nimmst du ebenfalls. Von dieser Henne nimmst du das weiße Fleisch. Gib Schweineschmalz hinzu, ein Viertel Pfund Zucker und auch Eier.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="krenn">Meerrettich (Kren)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain pfunt mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain vierdung gestossenns Reisz">Reismehl</ingredient> - 125 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain Stadel hennen die wol gesotten sey">Stadelhenne, gekocht</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das weiss praet dauon">Hühnerbrustfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain schweinein schmalcz">Schweineschmalz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain vierdung zucker">Zucker</ingredient> - 125 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer">Eier</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-241">
        <head>Mus mit Weinbeeren und Mandeln</head>
        <div type="original" xml:id="mha-241-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-241-trans">
          <p>Aber von einem gemuess

Item Nym weinper mandel guoten wein vnd zucker genuog daran vnd salcz zue massen So wirt das muosz guot .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-241-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-241-orig">
          <p>Nimm Weinbeeren, Mandeln, guten Wein und ausreichend Zucker. Gib auch Salz hinzu, nach Belieben. So wird dieses Mus gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Weinbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guoten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker genuog daran">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz zue massen">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-252">
        <head>Mus von gebratenem Fisch</head>
        <div type="original" xml:id="mha-252-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-252-trans">
          <p>von ainem gemuess von

Item ain gemuess gepraten vischen von gepraten vischen . Nym ain guoten gepraten visch vnd weinper dar zue vnd muost haben guoten wein gewurcz vnd zucker vnd des salcz vergiss nicht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-252-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-252-orig">
          <p>Nimm einen gut gebratenen Fisch und Rosinen dazu. Du sollst guten Wein, Gewürze und Zucker haben, und vergiss das Salz nicht. Vermische die Zutaten zu einem Mus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gepraten visch">Gebratener Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guoten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-255">
        <head>Gebratener Fisch nach Wildbraten-Art</head>
        <div type="original" xml:id="mha-255-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-255-trans">
          <p>Von vischen zue pachen

Item wiltu ainen guoten visch gepachen haben das geet von manigerlaj sachen zue So muost du haben hecht oder schlein oder karpffen vnd nym den schwaisz von den vischen das geistu fur ein rechts geprattens vnd mit guotem gewurcz muostu es abe machen vnd muscat muostu Dar zue haben vnd den hack nicht zue klain Wann es gehackt ist So ist es gestalt als ain Rechpraten gross oder klain oder du solt es vmb einen spiss winden vnd leg es In ain schussel vnd lass In kalt werden vnd besteck In mit guotem man= del wann man In essen wil So sol man In praten pisz an die stat das er also haiss vf den tisch kumme .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-255-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-255-orig">
          <p>Willst du einen guten Fisch backen, das geht auf vielerlei Arten. Nimm Hecht, Schleie oder Karpfen und nimm das Blut von den Fischen - damit gibst du das Gericht für einen richtigen Braten aus. Mit gutem Gewürz musst du es abschmecken und Muskat dazugeben. Hacke es nicht zu klein. Wenn es gehackt ist, ist es geformt wie ein Rehbraten, ob groß oder klein; oder du sollst es um einen Spieß winden. Leg es in eine Schüssel und lass es kalt werden und spicke es mit guten Mandeln. Wenn man es essen will, soll man es braten, bis es heiß auf den Tisch kommt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hecht oder schlein oder karpffen">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den schwaisz von den vischen">Blut der Fische</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guotem gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guotem mandel">Mandeln</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-261">
        <head>Dreifarbiges Schichtgericht mit Mandelmilch</head>
        <div type="original" xml:id="mha-261-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-261-trans">
          <p>von ainem essen von dreyerlay farben ze machen

Item Nym dreyerlaj farbe So nym hausen plater die seud In wasser schon vnd nym denn ain dicke mandel mi= lich vnd petersill vnd hack den gar klain vnd nym den drittel der man= del milich vnd zucker darunder das wirt ein grune farbe vnd nym denn die zwaj taill vnd zuckers wol vnd lass den sieden In ainer pfannen vnd ain tail lass also weiss vnd das drit= tail mach eytel gell vnd geuss yett leichs vf ain pfannen vnd lass es denn sten vnd seud die grun In ainer pfannen also lass vnd geuss denn vf ein pfenndlein also lass es sten biss es hert werde So hastu dreyer lay farbe grun weisz vnd gell vnd heb es dann vber das feur vnd pald wider darabe . vnd leg es vf ain anRicht vnd schneid es denn als ein schaffczaglat vnd leg es auf ain schusselein Ains grun Das annder weiss Das dritt gell piss das die schussel vol werde vnd gib es hin zue essen .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-261-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-261-orig">
          <p>Nimm dreierlei Farben. Dazu nimm Hausenblase und siede sie gut in Wasser, bis sie sich vollständig aufgelöst hat.</p>
          <p>Nimm dann eine dicke Mandelmilch und Petersilie, und hacke diese sehr fein.</p>
          <p>Ein Drittel der Mandelmilch vermische mit Zucker und der gehackten Petersilie; das wird eine grüne Farbe.</p>
          <p>Die verbleibenden zwei Drittel der Mandelmilch zuckere gut und lasse sie in einer Pfanne sieden. Einen Teil davon lasse weiß. Den dritten Teil mache ganz gelb.</p>
          <p>Gieße jede der drei farbigen Massen auf eine eigene Pfanne und lasse sie stehen. Die grüne Masse siede ebenfalls in einer Pfanne, lasse sie dann stehen und gieße sie auf ein Pfännlein. Lasse alles stehen, bis es fest wird.</p>
          <p>So hast du dreierlei Farben: grün, weiß und gelb. Hebe die Pfannen dann kurz über das Feuer und nimm sie sogleich wieder herunter, um die festen Schichten zu lösen.</p>
          <p>Lege die festen Schichten auf eine Anrichte und schneide sie dann wie ein Schachbrettmuster. Lege sie abwechselnd grün, weiß und gelb auf ein Schüsselchen, bis die Schüssel voll ist, und gib es zum Essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hausen plater">Hausenblase</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain dicke mandel milich">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gell">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-262">
        <head>Dreifarbiges Pfannenmus auf Spießchen</head>
        <div type="original" xml:id="mha-262-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-262-trans">
          <p>Von ainem gepachen von dreyen farben

Item ain gepacheins von dreyerlaj farben Ains grun Das ander weisz das dritt gell So nymm ayr vnd thue das weiss da von vnd die totter dar von Besunder vnd hack petersill klain vnd nym denn ein pfannen mit schmalcz Reib ayer vnd petersill klain vnd mach ain klain gruns plat daraus vnd mach denn ein gelbs plat vnd thue den totter auch heraus vnd nymm denn das weiss vnd mach ein weiss plat vnd lege dann die pletter auf ainannder das grun In die mitt schneid es denn schaffczag lat vnd stoeß es dann an ein spiszlein vnd mach dann ein gelbs plat vnd zeuch den spiss da durch vnd mach ainen taig von ayren vnd von wasser vnd mach ain gell vnd zeuch den spisz durch den taig vnd lass also pachen In ainem schmalcz vnd zeuch denn die spissel her wider aus vnd scheid es nach der lennge von ainander vnd leg es denn vf ain schussel vnd zucker genuog daran vnd versalcz nicht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-262-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-262-orig">
          <p>Nimm für ein Gebackenes von dreierlei Farben - eines grün, das andere weiß, das dritte gelb - Eier und trenne das Eiweiß von den Dottern. Halte beides getrennt bereit. Hacke Petersilie fein und reibe sie mit etwas Ei. Nimm eine Pfanne mit Schmalz. Reibe die Petersilie und das Ei fein und backe daraus ein kleines grünes Blatt. Backe danach ein gelbes Blatt, indem du die Eigelbe verwendest. Nimm dann das Eiweiß und backe daraus ein weißes Blatt.</p>
          <p>Lege die gebackenen Blätter übereinander, das grüne in die Mitte. Schneide sie dann schachbrettartig in Quadrate. Stecke diese Streifen auf kleine Spieße. Mache danach ein gelbes Blatt und ziehe die Spieße hindurch. Bereite einen Teig aus Eiern und Wasser zu und färbe ihn gelb. Ziehe die Spieße durch diesen Teig und lasse sie so im Schmalz backen.</p>
          <p>Ziehe dann die Spieße wieder heraus und schneide das Gebackene der Länge nach auseinander. Lege es auf eine Schüssel und gib reichlich Zucker darüber. Achte darauf, es nicht zu versalzen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran (optional, zum Färben)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-264">
        <head>Reihermus</head>
        <div type="original" xml:id="mha-264-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-264-trans">
          <p>Von dem Raiger also

Item stoeß Raigerpain klain als dann das fleisch ist dauon nym vnd hack das klain vnd stoesz das In ainem morser vnd weiss prot vnd ayer klar vnd schlahe das durch miteinander vnd lass es wol erwallen vnd gewurcz das wol vnd gibs hin .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-264-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-264-orig">
          <p>Nimm das Reiherfleisch von den Knochen. Hacke es klein und stoße es anschließend in einem Mörser zu einer feinen Farce.</p>
          <p>Gib Weißbrot und Eiklar hinzu und schlage alles gut miteinander durch. Lasse die Masse gut aufwallen und würze sie kräftig. Serviere das Gericht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Raigerpain / fleisch">Reiherfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weiss prot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer klar">Eiklar</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-271">
        <head>Erdbeermus mit Honig und Essig</head>
        <div type="original" xml:id="mha-271-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-271-trans">
          <p>Von ainem Erper muoss ze machen

Item Schlah Erper durch mit weissem prot vnd mit honigk vnd thue essich vnd wein daran vnd guot gewurcz Das haist ein Erper muosz .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-271-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-271-orig">
          <p>Schlage die Erdbeeren durch ein Sieb mit Weißbrot und mit Honig. Gib Essig und Wein hinzu und gute Gewürze. Dies nennt man ein Erdbeermus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Erper">Erdbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weissem prot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honigk">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guot gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-272">
        <head>Birnenmus mit Honig und Gewürzen</head>
        <div type="original" xml:id="mha-272-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-272-trans">
          <p>Von ainem

Item Nym vnd pieren muoss also seud pieren vnd schlahs durch mit dem selben wasser vnd prenn ain mel vnd honigk . vnd gewurcz darein das ist guot .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-272-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-272-orig">
          <p>Nimm Birnen und bereite ein Mus daraus zu. Koche die Birnen und passiere sie anschließend durch ein Tuch oder Sieb, dabei verwende das Kochwasser. Röste etwas Mehl in einer Pfanne, bis es leicht gebräunt ist. Gib dann Honig und Gewürze hinzu. Das ist gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pieren">Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honigk">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-273">
        <head>Hühner-Blancmanger, bürgerliche Variante ohne Mandelmilch</head>
        <div type="original" xml:id="mha-273-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-273-trans">
          <p>Aber ein gemuesz von Iungen huneren die durch geschlagen sind

Item schlah ain hun mit weissem prot durch vnd mit der prue da es Innen gesoten sej vnd gewurcz daran das ist guot Du machst auch ayr daran ne= men also .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-273-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-273-orig">
          <p>Nimm ein junges Huhn und koche es gar. Schlage das gekochte Huhn zusammen mit weißem Brot und der Brühe, in der es gesotten wurde, durch, bis eine feine Masse entsteht. Würze das Mus gut. Dies ergibt ein vorzügliches Gericht. Du kannst auch Eier hinzufügen, um es weiter zu verfeinern.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Iungen huneren / ain hun">Huhn</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weissem prot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="der prue da es Innen gesoten sej">Hühnerbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-275">
        <head>Sauce aus Steinobst</head>
        <div type="original" xml:id="mha-275-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-275-trans">
          <p>Aber von Sallsen

Item Es wirt auch von allem stain obs soliche guote salsen wer Ir recht thuot</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-275-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-275-orig">
          <p>Auch aus jeglichem Steinobst lässt sich eine gute Sauce bereiten, wenn du es richtig machst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stain obs">Steinobst</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mha-287">
        <head>Weißes Fischmus</head>
        <div type="original" xml:id="mha-287-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mha-287-trans">
          <p>Von ainem milich muoss

Item Nym die milich aus den gesotten vischen vnd weiss priss vnd schlah sy durch vnd lass er wallen vnd wol gewurczen das haist ain milich muosz vnd gibs hin ze essen .</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mha-287-trans" xml:lang="de" corresp="#mha-287-orig">
          <p>Nimm die Brühe von gekochtem Fisch. Füge eine weiße Paste hinzu, zum Beispiel aus gemahlenen Mandeln oder eingeweichtem Weißbrot. Schlage die Mischung durch ein Sieb, sodass sie fein und glatt wird.</p>
          <p>Lass sie dann aufkochen und würze sie gut. Dies nennt man ein Milchmus. Serviere es zum Essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gesotten vischen">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die milich aus den gesotten vischen">Fischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weiss priss">Gemahlene Mandeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wol gewurczen">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mha-001-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Der Text selbst beschreibt kein Verfahren - keine Verben wie rühren, gießen oder backen, nur die sieben Zutaten und die Farbaussage „So wirt es gell" (so wird es gelb). Das Wort muos war um 1460 ein weiter Sammelbegriff und konnte sowohl einen löffelfähigen Brei als auch ein in Fett gegartes Eiergericht meinen. Ein Indiz für die zweite Lesart: Schmalz wird als eigene Zutat neben Milch, Eiern und Mehl genannt, und Schmalz diente in dieser Zeit meist als Bratfett, seltener als Zutat in einem gerührten Brei. Zwingend ist das nicht, aber naheliegend - am ehesten vergleichbar mit einem einfachen, dünnen Eierpfannkuchen aus Milch, Ei und Mehl, mit Safran gelb gefärbt.

Praxis. Wer die Pfannkuchen-Lesart nachkochen will: Milch, Eier und Mehl zu einem glatten, dünnflüssigen Teig verrühren, mit einer Prise Salz und einer Spur Zucker abschmecken und mit in etwas warmer Milch aufgelöstem Safran gelb färben. Den Teig in heißem Schmalz portionsweise zu dünnen Pfannkuchen ausbacken, von beiden Seiten. Mengen, Pfannentyp und Backdauer nennt der Text nicht - das bleibt der eigenen Erfahrung überlassen, wie beim Original auch.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-001-orig" n="muos" resp="#fyndling">Bei Meister Hans ein weiter Sammelbegriff für milchig-eierige Speisen - Brei ebenso wie ein gebackenes Eiergericht. Der Text legt sich nicht fest; Schmalz im Zutatenkanon ist ein Indiz (kein Beweis) für die zweite Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-001-orig" n="sibennler sachen" resp="#fyndling">„Sieben Sachen" - der mittelalterliche Zahlen-Topos für die Grundzutaten eines guten Mus. Hier: Milch, Salz, Schmalz, Zucker, Eier, Mehl, Safran. Wortform sonst im Korpus nicht belegt (Hapax).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-001-orig" n="schmalcz" resp="#fyndling">Schmalz, ausgelassenes tierisches Fett (meist Schwein- oder Butterschmalz). Diente in dieser Zeit meist als Bratfett - als eigene Zutat neben Eiern und Mehl genannt ein Indiz für ein gebackenes statt gerührtes Gericht, aber keine explizite Funktionsangabe im Text.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-001-orig" n="gell" resp="#fyndling">Gelb. Safran wird ausdrücklich nur als Farbgeber genannt („So wirt es gell").</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-002-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dieses Mandelmus ist die knappste, „rezeptartigste“ Ausprägung eines europaweiten Fastenklassikers: mit Mandelmilch gebundenes, gesüßtes Mus - die Verwandtschaft des heutigen Blancmange bzw. eines Mandelpuddings. Reine Mandel-Wasser/Milch-Basis, gebunden mit Stärke oder Weißbrot, gesüßt mit Zucker - kein Fleisch, keine Eier, keine Butter, also fastentauglich.

Was der Text offen lässt. Meister Hans nennt die Mandeln nur als Zutat, beschreibt aber nicht, wie sie zu Mandelmilch verarbeitet werden (Blanchieren, Häuten, Reiben) - das setzt er als bekannt voraus, wie in anderen Rezepten des Korpus üblich. Auch ein zweites Erhitzen nach dem Passieren steht nicht im Text: Der Wortlaut endet nach dem Passieren direkt beim Süßen. Wer eine dickere Konsistenz will, muss das selbst durch längeres Einköcheln der Mandelmilch vor dem Passieren erreichen.

Praxis. Übergieße geschälte, gemahlene oder fein gestoßene Mandeln mit Wasser und lasse sie ziehen, um Mandelmilch zu gewinnen. Falls du Stärke verwendest: als Startpunkt etwa 20-30 g pro Pfund Mandeln. Hast du keine Stärke, nimm ersatzweise feines, altbackenes Weißbrot (als Startpunkt: 50-70 g pro Pfund Mandeln), gib es in Wasser und lasse es kurz aufkochen, bis es weich ist. Schlage das aufgekochte Brot zusammen mit der Milch durch ein feines Tuch oder ein engmaschiges Sieb - das ergibt die feine, glatte Textur, von der der Text spricht. Erst danach süßen: Gib Zucker (oder Honig) in das noch warme Mus und rühre, bis er sich löst.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-002-orig" n="muoss" resp="#fyndling">Mus (Brei, Püree)</note>
        <note type="gloss" target="#mha-002-orig" n="vmudum" resp="#fyndling">Stärke (lat. amylum) - im Spätmittelalter ausschließlich Weizenstärke. Kartoffel- und Maisstärke gab es in Europa noch nicht. Reine Weizenstärke war aufwendig herzustellen (Weizen einweichen, zerstampfen, sauer gären, absetzen, waschen, trocknen) und entsprechend teuer - meist nur in Apotheken oder gehobenen Haushalten. Deshalb sagt Meister Hans direkt: wer keine hat, nimmt feines Weißbrot („semlein prot") als Ersatz. Mehr in den Grundlagen, Abschnitt „Stärke".</note>
        <note type="gloss" target="#mha-002-orig" n="semlein prot" resp="#fyndling">Feines Weißbrot, oft ohne Rinde</note>
        <note type="gloss" target="#mha-002-orig" n="wall das darauss" resp="#fyndling">Koche es darin auf, um es weich zu machen und zu lösen</note>
        <note type="gloss" target="#mha-002-orig" n="schlach mit der milich durch ain tuoch" resp="#fyndling">Presse es mit der Milch durch ein feines Tuch oder Sieb</note>
        <note type="gloss" target="#mha-002-orig" n="klain" resp="#fyndling">Fein, glatt</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-004-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Im Geiste eine mittelalterliche Panna Cotta oder ein Blancmange, ein festliches Schaugericht aus gesüßter Mandelmilch, die mit Hausenblase geliert und in Form gebracht wird, serviert mit einer cremigen Mandelbeilage und ganzen Mandeln. Es ist kein Käse im modernen Sinne, sondern eine luxuriöse Süßspeise. Die weißen, gelierten Mandelmilch-Süßspeisen gehörten zur gehobenen spätmittelalterlichen Festtagsküche und waren fastentauglich: Mandelmilch ersetzte an Fasttagen die Kuhmilch, und Hausenblase als Fischprodukt war ebenfalls erlaubt.

Praxis. Reibe die Mandeln so fein wie möglich und schlage sie mit Wasser durch ein feines Tuch, bis eine reiche Mandelmilch entsteht. Die Hausenblase (heute ersetzt du sie durch Gelatine) kochst du separat in etwas Wasser weich, bis sie sich vollständig auflöst - dieser Sud wird anschließend durch die Mandelmilch geschlagen. Danach die Mischung nicht mehr sieden: Das Original warnt selbst davor, denn wiederholtes Erhitzen zerstört die Gelierkraft der Gelatine. Die geschälten, ganzen Mandelkerne für die Garnitur werden verlesen, bevor sie auf den fertigen Käs gesteckt werden. Die begleitende ‚dicke milich‘ ist eine zweite, gesüßte Mandelmilch beziehungsweise -creme als Beilage - wie genau sie dickflüssiger als die erste wird, verrät der Text nicht, hier hilft Ausprobieren mit dem Mandel-Wasser-Verhältnis. Ohne kleine Schüssel dient eine innen glasierte Ringform als Form; darin wird die Masse durch Kühle fest, dann wird gestürzt, mit der Mandelcreme umgossen und mit den Mandelkernen besteckt.

So wird es richtig gut. Die Balance ist hier die Süße der Mandeln. Der Zucker ist optional für den Käs selbst, aber für die Creme unerlässlich. Probiere dich heran, um die Süße nicht zu übertreiben, aber die Mandelaromen schön hervorzuheben. Serviere den Mandelkäs gut gekühlt, damit er seine feste Form behält und zartschmelzend auf der Zunge zergeht. Die ganzen, geschälten Mandeln geben nicht nur einen schönen Kontrast, sondern auch einen angenehmen Biss.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-004-orig" n="mandel kaesz" resp="#fyndling">Ein „Mandelkäs“ ist eine süße, gelierte Speise aus Mandelmilch, die in Form gebracht wird. Trotz des Namens enthält sie keinen Milchkäse, sondern ist eine Art Mandel-Aspik oder -Panna Cotta.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-004-orig" n="hausen platter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">Die Hausenblase ist die getrocknete Schwimmblase des Störs (Hausen) und wurde im Mittelalter als Gelatine (Fischleim, Isinglass) verwendet. Sie ist ein sehr reines und starkes Geliermittel.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-004-orig" n="ain lott" resp="#fyndling">Ein Lot war eine historische Gewichtseinheit, die regional variierte. Im süddeutschen Raum, wie in der Quelle des Meisters Hans, entsprach ein Lot etwa 15 Gramm.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-004-orig" n="ain vierdung" resp="#fyndling">Ein Vierdung (oder Vierting) war eine historische Gewichtseinheit, die einem Viertel eines Pfundes entsprach. Bei einem Pfund von etwa 500 g wären dies 125 g.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-004-orig" n="dicke milich" resp="#fyndling">Im Mittelhochdeutschen bezeichnete ‚dicke milich‘ oft fermentierte Tiermilch (wie Dickmilch oder Quark). Im Kontext dieses Rezepts, das sich ausschließlich um Mandeln dreht, ist es jedoch als eine dickflüssige Mandelmilch oder Mandelcreme zu interpretieren, die als Beilage dient.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-004-orig" n="kleub" resp="#fyndling">Von ‚klauben‘ = verlesen, auslesen, säubern. Die geschälten Mandelkerne für die Garnitur sollen vor dem Aufstecken sortiert und von unsauberen Stücken befreit werden - ein im Kochbuch des Meisters Hans mehrfach belegter Arbeitsschritt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-004-orig" n="dicke milich" resp="#fyndling">Dickflüssige Mandelmilch oder Mandelcreme.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-004-orig" n="ain vierdung" resp="#fyndling">125 g (ein Viertel eines Pfundes).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-005-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein rein pflanzlicher Mandel-Quark: Mandelmilch wird gesotten, heiß durch ein Tuch geschlagen und lässt beim Abtropfen die Molke ab - zurück bleibt eine feste, quarkähnliche Masse. Sie wird gestürzt, mit Mandelkernen bestochen und mit gesüßter kalter Mandelmilch als Sauce übergossen. Das ist die vegane Fastenschwester von Ricotta oder Schweizer Ziger, aus Mandelmilch statt Tiermilch.

Der Schotten formt sich hier ohne Geliermittel: die gesottene Mandelmilch wird heiß auf ein Tuch geschlagen, die Molke tropft ab, und es bleibt eine feste, quarkähnliche Masse zurück (vergleichbar mit Ricotta oder Ziger - im Gegensatz zu mha-004, wo Hausenblase als Gelatine eingesetzt wird).

Die ‚milich‘-Erwähnungen meinen zwei verschiedene Portionen Mandelmilch: eine wird gesotten und wird zum Schotten, eine bleibt kalt und wird beim Servieren als süße Beilage über die gestürzte Masse gegossen. Beide Portionen werden mit je einem Viertelpfund Zucker (~125 g) gesüßt.

Die ‚weissen keren‘ sind Mandelkerne bzw. -stücke: Die CoReMA-Sachglosse zu diesem Rezept verlinkt ‚keren‘ direkt auf den Mandel-Begriff, und die Zwillingsrezepte verwenden an derselben Stelle wortgleich ‚mandel keren‘.

Praxis. Mandeln fein reiben oder mahlen und durch ein Tuch zu Mandelmilch pressen - so entstehen die zwei benötigten Portionen. Eine Portion am Feuer sieden, bis sie eindickt, dann heiß auf ein Tuch geben und abtropfen und abkühlen lassen. Die kalte, feste Masse der Länge nach auf eine Schüssel stürzen, mit Mandelkernen bestecken. Zucker sowohl unter die gesottene Masse als auch in die zweite, kalte Mandelmilch rühren, diese dann über den gestürzten Schotten gießen. Ohne Säure oder Lab bleibt die Konsistenz eher weich-cremig als schnittfest - wer eine festere Form will, sollte kräftig genug einkochen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-005-orig" n="mandel schotten" resp="#fyndling">Ein ‚Schotten‘ bezeichnete im südwestdeutschen Raum einen dicken Frischkäse oder Quark. Hier ist es eine Art Mandelquark, der durch Eindicken von Mandelmilch entsteht.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-005-orig" n="klain reiben" resp="#fyndling">Die Mandeln sollen sehr fein gerieben oder gemahlen werden, um eine glatte Masse zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-005-orig" n="durch schlahen dick" resp="#fyndling">Die Mandelmasse durch ein Tuch passieren, um eine feine, glatte Mandelmilch zu gewinnen, die dann eingedickt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-005-orig" n="weissen keren" resp="#fyndling">Mandelkerne bzw. Mandelstücke (nicht Pinienkerne): Die CoReMA-Sachglosse zu diesem Rezept identifiziert ‚keren‘ hier eindeutig als Mandel. Die Zwillingsrezepte mon-049 (‚mandel chernn‘) und ri15632-003 (‚mandel keren‘) verwenden an strukturell identischer Stelle wortgleich ‚Mandelkerne‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-005-orig" n="milich" resp="#fyndling">Im Kontext von ‚Mandel schotten‘ ist hier eindeutig Mandelmilch gemeint, nicht Tiermilch.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-005-orig" n="vf ain weiss tuoch schlahen" resp="#fyndling">Die gesottene Mandelmasse auf ein Tuch geben, um sie abtropfen und abkühlen zu lassen, damit sie ihre feste Form annimmt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-005-orig" n="nach der lennge" resp="#fyndling">Die Masse wird der Länge nach auf eine Schüssel gestürzt, was auf eine längliche Form hindeutet, ähnlich einer Terrine oder Pastete.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-005-orig" n="ain vierdung zugker" resp="#fyndling">Ein Viertelpfund Zucker, was etwa 125 Gramm entspricht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-005-orig" n="mandel schotten" resp="#fyndling">Die Lesart ‚Mandelquark‘ oder ‚gestockte Mandelcreme‘ wurde gewählt, da ‚Schotten‘ im südwestdeutschen Raum einen dicken Frischkäse oder Quark bezeichnete und die Zubereitung auf eine feste, stürzbare Masse hindeutet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-005-orig" n="weissen keren" resp="#fyndling">Als ‚weiße Kerne‘ wurden Mandelkerne bzw. -stücke interpretiert: Die CoReMA-Sachglosse zu diesem Rezept identifiziert ‚keren‘ direkt als Mandel, gestützt durch zwei wortgleiche Zwillingsrezepte (mon-049, ri15632-003).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-006-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Schaugericht in Igelform aus gestoßenen Mandeln und Zucker - eine frühe belegte Form dessen, was sich später zum Marzipan entwickelt hat: eine feste, formbare Mandel-Zucker-Paste, zu einer Igelgestalt gebracht und mit Mandelsplittern als Borsten besteckt. Solche Igel waren als Entremet zwischen den Gängen beliebt und gehören zur selben Traditionslinie wie die spätere Zuckerbäcker-Schaugerichte.

So gelingt es. Für ein Pfund (ca. 500 g) geschälte Mandeln nimmst du als Startpunkt etwa 250-300 g feinen Zucker; das genaue Verhältnis richtet sich nach der gewünschten Festigkeit. Die Mandeln müssen wirklich fein zerstoßen oder gemahlen werden - je feiner, desto geschmeidiger die Paste. Zucker dazugeben und ‚zusammenschlagen‘, das heißt: kräftig verarbeiten und kneten, bis sich eine homogene, formbare Masse verbindet. Der häufigste Fehler ist eine zu grobe Mandelmasse, die bröselig bleibt und sich nicht gut formen lässt. Forme daraus einen Igelkörper und warte, bis er von selbst fest wird, bevor du die Borsten einsteckst - der Text nennt dafür kein Kühlverfahren, die Festigkeit entsteht allein aus dem Zucker-Mandel-Verhältnis.

Praxis. Für die Borsten die Mandelkerne klein schneiden und dicht an dicht in den festen Igelkörper stecken. Zum Schluss einen einzelnen Mandelkern als Maul einsetzen. Serviere den Igel möglichst kühl, damit er seine Form länger behält.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-006-orig" n="Igel" resp="#fyndling">Im Mittelalter war der ‚Igel‘ eine beliebte Form für Schaugerichte, oft aus Mandelpaste oder gewürztem Fleisch geformt und mit Mandelsplittern oder gebratenen Brotkrusten als Stacheln versehen. Es handelt sich hier um eine rein symbolische Darstellung, nicht um das Tier selbst.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-006-orig" n="dklain" resp="#fyndling">Ein Schreibversehen / scribal slip für schlicht ‚klein‘ (das ‚d‘ ist ein versehentlicher Federstrich, wie er in Handschriften häufig stehen bleibt). Bedeutet: ‚klein zerstoßen‘ = sehr fein zermahlen, bis eine glatte Mandel-Zucker-Paste entsteht.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-006-orig" n="zugker" resp="#fyndling">Zucker war im Mittelalter ein teures Importgut und Statussymbol. Seine Verwendung in diesem Rezept unterstreicht den festlichen Charakter der Speise.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-006-orig" n="schlachs zue samen" resp="#fyndling">‚Schlage/schlag zusammen‘ (Lemma slahen/schlachen) - hier im Sinn von kräftig verarbeiten und kneten, nicht von Rühren oder Aufschlagen wie bei einer Creme.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-007-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Schau-Konfekt in Igelform - die dunkle Variante des weißen Mandel-Igels (mha-006). Wo dort Mandeln die Grundmasse bilden, sind es hier Rosinen: ein Pfund wird zu einer dunklen, süßen Paste gestoßen, zum Igel geformt und mit Nelken als Borsten gespickt. Auch der Feigen-Igel (mha-008) gehört dazu - alle drei folgen derselben Bauform „ein Pfund Frucht-/Nuss-Paste, gestoßen, mit Zucker zusammengeschlagen, zum Igel geformt".

Warum Rosinen, nicht Ingwer? Die Handschrift schreibt das Wort so, dass es wie ymber (Ingwer) wirkt - gemeint ist winber/vinber = Rosinen (der Schreiber setzt am v einen Strich, der wie ein y aussieht). Ein ganzes Pfund Ingwer zu einer Paste wäre ungenießbar scharf; ein Pfund Rosinen ergibt die dunkle, süße Masse, die der „schwarze Igel" verlangt - genau parallel zum Mandel-Igel. Mehr dazu in den Deutungs-Hinweisen.

Praxis. Ein Pfund Rosinen waschen und verlesen, in der Pfanne kurz anschwitzen, abkühlen lassen, dann im Mörser fein stoßen und mit Zimt, Nelken und Zucker zu einer formbaren Paste verkneten. Zu einem Igel formen, mit ganzen Nelken spicken (Borsten) und eine (vergoldete) Muskatnuss als Schnauze einsetzen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-007-orig" n="ymber (winber)" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ymber">Die Handschrift wirkt wie ymber (Ingwer), gemeint ist aber winber/vinber = Rosinen: der Schreiber setzt am v einen Strich, der wie ein y aussieht. Parallelrezepte und der wortgleiche Mandel-Igel (mha-006: „ain pfunt mandel … mach ain rechten Igel") belegen die Rosinen-Lesart; ein Pfund Ingwer als Paste-Grundmasse wäre ungenießbar.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-007-orig" n="er kleub sy" resp="#fyndling">„Verlies sie" - die Rosinen sortieren/säubern (Stiele, Steinchen entfernen). Klassischer Trockenfrucht-Vorbereitungsschritt, der die Rosinen-Lesart stützt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-007-orig" n="Igel" resp="#fyndling">Kein echtes Tier, sondern ein kunstvoll geformtes Schau-Konfekt in Igelgestalt - bei Festmählern beliebt (vgl. den weißen Mandel-Igel mha-006 und den Feigen-Igel mha-008).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-007-orig" n="schwaissen" resp="#fyndling">Hier nicht das moderne „schwitzen", sondern sanftes Anschwitzen der Rosinen in der Pfanne, bis sie weich und gut formbar sind.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-007-orig" n="guldein muscat" resp="#fyndling">Eine „goldene Muskatnuss" - eine besonders schöne oder mit Blattgold verzierte Muskatnuss, hier als Schnauze des Igels. Der Zusatz „das ist dem Igel gesund" ist ein typischer Küchen-Scherz der Zeit.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-007-orig" n="ymber / winber" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ymber">Rosinen (winber/vinber). Die Handschrift schreibt das Wort so, dass es wie ymber (Ingwer) aussieht; gemeint ist winber - der Schreiber setzt am v einen Strich, der wie ein y wirkt. Dafür: (1) der wortgleiche weiße Mandel-Igel mha-006 („ain pfunt mandel … stoss klain … mach ain rechten Igel") zeigt, dass der Slot „ain pfunt X" eine süße Paste-Grundmasse ist (Mandeln, Feigen in mha-008 - hier Rosinen); (2) „waschen vnd verlesen" ist Trockenfrucht-Vorbereitung; (3) ein Pfund Ingwer zu einer Paste wäre ungenießbar scharf.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-007-orig" n="stos In klain vnd zymen vnd nagelein vnd zugker" resp="#fyndling">‚zerstoße sie (die Rosinen) klein und Zimt und Nelken und Zucker sollst du dazutun‘. ‚klain‘ ist Adverb zu ‚stos In‘ (fein zerstoßen) und gehört zur Grundmasse, nicht zum Zimt. ‚zymen‘, ‚nagelein‘ und ‚zugker‘ sind drei separate Zutaten, die nach dem Zerstoßen dazukommen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-007-orig" n="Igel" resp="#fyndling">Eine geformte Speise in Igelgestalt - die Anweisungen zum Formen und zum Anbringen von ‚Borsten‘ (Nelken) belegen das Schau-Konfekt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-008-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süßes Schau-Konfekt in Igelform, verwandt mit Marzipan, aber hier auf Basis von getrockneten Feigen, die mit guten Gewürzen und Safran zu einer formbaren Paste verarbeitet werden. Es ist die Frucht-Schwester der beiden Nachbarrezepte bei Meister Hans: der weiße Mandel-Igel (mha-006) und der schwarze Rosinen-Igel (mha-007) - alle drei folgen derselben Bauform „ein Pfund Grundmasse, gestoßen, mit Zucker zusammengeschlagen, zum Igel geformt“.

Welche Gewürze genau? Der Text nennt an dieser Stelle nur „guotem gewurcz rain“ (gute, reine Gewürze) - ohne Einzelzutaten oder Mengen. Das ist eine bewusst offene Formulierung; als Anhaltspunkt passt eine Mischung aus Zimt, Ingwer und etwas Pfeffer zu Feigen, ebenso denkbar sind Muskat oder Kardamom. Eine feste Rezeptur mit Mengenangaben lässt sich aus dem Text nicht ableiten.

Warum zwei Farbanweisungen? Der Text färbt zweimal: zuerst wird die Grundmasse durch den Safran rötlich („so wirt es rott“), später wird der fertige Igel nochmals mit Safran „vergoldet“ („gilb In schon mit saffran“) und bekommt dadurch eine leuchtend gelbe Oberfläche. Das ist keine Pseudo-Chemie, sondern eine bekannte Eigenschaft von Safran, der je nach Konzentration von Gelb bis Orange-Rot färbt - der Text belegt beide Anwendungen ausdrücklich.

Praxis. Wasche den Schmutz von den Feigen ab und lass sie trocknen. Hacke sie fein und stoße sie im Mörser mit den Gewürzen und einem Teil des Safrans zu einer möglichst feinen Paste. Gib erst danach den Zucker hinzu und verknete die Masse kräftig, bis sie sich zu einer festen, formbaren Paste verbindet - die Klebrigkeit der Feigen selbst sorgt für den nötigen Zusammenhalt, ganz ohne Ei oder Mehlschwitze. Forme daraus einen Igel, vergolde die Oberfläche mit dem restlichen Safran, spicke ihn dicht mit ganzen Nelken als Borsten und setze ihm die kleine Feige in den Mund. Serviere ihn bei Raumtemperatur.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-008-orig" n="Igel" resp="#fyndling">Im Mittelalter war der ‚Igel‘ eine beliebte Schau- und Festtagsspeise, die in Form des Tieres zubereitet wurde. Es handelte sich dabei um eine geformte Paste aus Fleisch, Fisch, Mandeln oder Früchten, die mit Mandelsplittern oder Gewürznelken als Stacheln verziert wurde. Es ist kein echtes Tier gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-008-orig" n="pfunt" resp="#fyndling">Ein mittelalterliches Pfund entsprach regional unterschiedlichen Gewichten, in Süddeutschland meist etwa 500 Gramm.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-008-orig" n="wasch das mel dauon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mel">'Mel' ist hier nicht 'Mehl', sondern 'Schmutz' - getrocknete Feigen sollen von anhaftendem Staub/Schmutz aus der Lagerung abgewaschen werden. CoReMA glossiert 'mel' an dieser konkreten Rezeptstelle (bs1.8) ausdrücklich als 'dirt' mit Ausschluss-Vermerk (explizit nicht Mehl gemeint). Auch das MHDBDB führt 'mël' als eigenes Lemma im Feld Boden/Mineralien, getrennt von 'mel'/Mehl. Eine historische Mehl-Bestäubung von Trockenfeigen als Klebeschutz ist zudem nicht belegt - 'die Feigen vom Schmutz abwaschen' ist die kulinarisch schlichtere und plausiblere Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-008-orig" n="guotem gewurcz rain" resp="#fyndling">‚Gute Gewürze‘ war eine gängige Formulierung für eine Mischung aus edlen, importierten Gewürzen. Für süße Speisen waren dies typischerweise Zimt, Ingwer, Kardamom, Muskat und manchmal auch ein Hauch Pfeffer.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-008-orig" n="nagelein" resp="#fyndling">Gewürznelken, die hier als dekorative Stacheln für den Igel dienen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-008-orig" n="porst" resp="#fyndling">Borsten oder Stacheln.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-008-orig" n="Igel-Serie" resp="#fyndling">mha-008 bildet zusammen mit dem weißen Mandel-Igel (mha-006) und dem schwarzen Rosinen-Igel (mha-007) eine kleine Serie bei Meister Hans - dasselbe Form-Konzept in drei unterschiedlichen Farben und Grundmassen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-008-orig" n="wasch das mel dauon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mel">'Mel' wird als 'Schmutz' gelesen: die getrockneten Feigen sollen vor der Verarbeitung von anhaftendem Staub/Schmutz gewaschen werden - eine ganz alltägliche Vorbereitung bei Trockenfrüchten aus offener Lagerung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-008-orig" n="guotem gewurcz rain" resp="#fyndling">Die ‚guten Gewürze‘ wurden als eine Mischung aus Zimt, Ingwer und Pfeffer interpretiert, da diese Kombination in süßen und herzhaften Gerichten der Zeit häufig vorkam und gut zu Feigen passt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-008-orig" n="so wirt es rott / gilb In schon mit saffran" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Die erste Anweisung ‚so wirt es rott‘ (so wird es rot) wurde als eine Intensivierung der natürlichen Farbe der Feigenpaste durch den Safran interpretiert, die zu einem warmen, rötlich-braunen Ton führt. Die zweite Anweisung ‚gilb In schon mit saffran‘ (vergolde ihn schön mit Safran) bezieht sich auf eine abschließende, leuchtend gelbe Färbung der Oberfläche des geformten Igels.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-009-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Fasten-Schauessen: nachgebildete Eier aus Mandelmilch, dazu ein süßer Rosinen-Pfeffer. Verwandt mit den anderen Mandel-/Frucht-Schau-Konfekten von Meister Hans (Igel mha-167 und mha-007).

Die Eier formen: Dicke, ungesottene Mandelmilch dient als „Eiweiß". Ein haselnussgroßes, mit Safran gelb gefärbtes Stück = der Dotter; in ein feuchtes Tuch etwas weiße Masse geben, eine Mulde formen, den Dotter hineinlegen, weiße Masse darüberschlagen und im Tuch zur Eiform rollen. So entstehen täuschend echte „Eier" ganz ohne Ei - der Clou des Fastengerichts.

Der Rosinen-Pfeffer: Ein Pfund Rosinen fein gestoßen, mit in Brühe eingeweichtem Weißbrot und süßem Wein durchgeschlagen, mit Pfeffer und Zucker abgeschmeckt - eine dicke, dunkel-süße Würzsauce. Pfeffer meint hier die Saucengattung (würzig, oft süß-sauer), nicht nur das Gewürz.

Zur Lesefalle: Das strittige Wort wirkt in der Handschrift wie ymber (Ingwer), ist aber winber = Rosinen. Ein Pfund Rosinen ergibt die süße Pfeffer-Sauce; ein Pfund Ingwer wäre ungenießbar scharf. Details in den Deutungs-Hinweisen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-009-orig" n="In der vasten" resp="#fyndling">„In der Fastenzeit“ - das Rezept ist für die christliche Fastenzeit gedacht, in der Fleisch, Eier und Milchprodukte verboten waren. Genau darum die Imitation aus Mandelmilch.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-009-orig" n="zwaj pfunt mandels" resp="#fyndling">Zwei Pfund Mandeln. Ein Pfund entsprach im Mittelalter je nach Region etwa 350 bis 500 Gramm.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-009-orig" n="dicke milich" resp="#fyndling">Eine eingedickte Mandelmilch, die als formbare Grundmasse für die imitierten Eier dient.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-009-orig" n="totter als ein hasel nuss" resp="#fyndling">Die Dotter-Imitate sollen die Größe einer Haselnuss haben.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-009-orig" n="klains weiss tuoch" resp="#fyndling">Ein kleines, feines, weißes (Leinen-)Tuch zum Formen der Eier.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-009-orig" n="ymber (winber)" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ymber">Die Handschrift wirkt wie ymber (Ingwer), gemeint ist aber winber/vinber = Rosinen: der Schreiber setzt am v einen Strich, der wie ein y aussieht. Ein Pfund Rosinen, gestoßen und mit Brot, süßem Wein und Zucker durchgeschlagen, ergibt die dicke süße Pfeffer-Sauce; ein Pfund Ingwer wäre ungenießbar. Dieselbe Lesefalle steht im Rosinen-Igel mha-007.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-009-orig" n="In dem pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Bezeichnung für eine würzige, oft süß-saure Sauce (Saucengattung pfeffer) - nicht das bloße Gewürz.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-009-orig" n="halben ayren" resp="#fyndling">Halbierte Eier / Eierhälften - eine zweite Form-Variante.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-009-orig" n="schmalcz" resp="#fyndling">Tierisches Schmalz war in der Fastenzeit verboten. Der Schmalz-Abschnitt am Ende ist daher eine Variante für die Zeit außerhalb der Fastenzeit (die Form-Technik ist dieselbe). Fastentauglich wird sie mit Pflanzenöl (Oliven-, Mohn- oder Nussöl).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-009-orig" n="lene totter" resp="#fyndling">„Magere Dotter“ - Dotter-Imitate, ohne Fett aus dicker Mandelmilch geformt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-009-orig" n="ymber / winber" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ymber">Rosinen (winber/vinber). Die Buchstabenfolge wirkt wie ymber (Ingwer), gemeint ist aber winber - der Schreiber setzt am v einen Strich, der wie ein y aussieht. Dafür: ein Pfund Rosinen, mit Brot, süßem Wein und Zucker durchgeschlagen, ergibt genau die dicke süße Pfeffer-Sauce, von der „der Zucker nicht vergessen" werden soll; ein Pfund Ingwer wäre ungenießbar scharf. Dieselbe Falle steht im Rosinen-Igel mha-007.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-009-orig" n="oll dauon" resp="#fyndling">„alles davon“ (bezieht sich auf die gesamte Mandelmasse).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-009-orig" n="Schmalcz in einem Fastenrezept" resp="#fyndling">Der Schluss-Abschnitt (halbe Eier mit Schmalz) ist eine Variante für die Zeit außerhalb der Fastenzeit - angehängt, weil die Form-Technik identisch ist. Das Hauptrezept (Mandel-Eier + Rosinen-Pfeffer) bleibt strikt fastentauglich.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-009-orig" n="gesteet vf dem schmalcz vnnder weysse milich" resp="#fyndling">„fest wird auf dem Schmalz, darunter weiße Milch“ - der zerlassene Zucker erstarrt auf dem Fett, die weiße Mandelmilch-Masse liegt darunter.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-010-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein einfaches Schaugericht aus bereits hartgekochten, geschälten Eiern: aufgespießt, farbig gemacht, mit Zucker versehen und laut Kopfsatz noch einmal kurz gebraten. Der nahe Buch-Zwilling mha-280 ('Von gepraten ayren') zeigt im selben Kochbuch dieselbe Formel - Eier auf kleine Spieße stecken und braten, bis sie ausreichend gar sind ('prat sy das sy Ir genuog haben') - dort mit rohem, wieder befülltem Eiinhalt, hier mit bereits durchgekochten ganzen Eiern.

Der Spieß. Mehrere hartgekochte Eier werden nebeneinander auf einen Spieß gesteckt - das hält sie für die Farbgebung und das kurze Braten zusammen und dient zugleich der Präsentation auf der Tafel.

Die Farbe. Wie genau gelb oder schwarz erzeugt wird, sagt der Text nicht ('machs wie du wild' - mach es, wie du willst) - das blieb dem Koch überlassen. Naheliegend sind Mittel, die direkt auf oder in die Eier kommen: Safranwasser für Gelb, ein dunkles Gewürz- oder Kräuterpulver für Schwarz. Ein Ausbackteig, in den die Eier getaucht würden, steht nirgends im Text - dagegen spricht auch der Kopfsatz, der ausdrücklich von gebratenen, nicht gebackenen Eiern spricht.

Das Braten. Die Eier sind bereits durchgegart; das kurze Braten am Spieß dient vor allem dazu, die Farbe zu fixieren und dem Ei eine warme, evtl. leicht angeröstete Oberfläche zu geben - kein langes Garen wie bei rohem Ei.

Praxis. Eier hartkochen und schälen, auf einen Spieß reihen, mit Safranwasser (gelb) oder einem dunklen Gewürzpulver (schwarz) einpinseln oder bestreuen, kurz über der Glut warm braten, mit Zucker bestreut servieren. Ein schlankes, gut vorbereitbares Tafel-/Schaugericht ohne Fritteusen-Aufwand.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-010-orig" n="von gepraten ayren die prat also" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#gepraten">Der Kopfsatz nennt die Kochtechnik ausdrücklich: 'von gebratenen Eiern - brate sie so'. Das Rezept beschreibt ein kurzes Braten der bereits hartgekochten Eier, kein Backen oder Frittieren in Teig.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-010-orig" n="an einen spisz" resp="#fyndling">Mehrere hartgekochte Eier werden auf einen Spieß gesteckt - Halte- und Präsentations-Mittel für das anschließende kurze Braten und den Auftritt auf der Tafel.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-010-orig" n="machs wie du wild" resp="#fyndling">'Mach es wie du willst' - der Schreiber lässt dem Koch Freiheit, wie genau er die Farbe erzeugt. Diese Lakonie ist typisch für mittelalterliche Rezepte, die das Verfahren im Detail als bekannt voraussetzen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-010-orig" n="mach sy gel oder schwarcz" resp="#fyndling">Die Eier sollen gelb oder schwarz erscheinen - ein klassisches Schau-Element. Die Färbung erfolgt direkt am Ei, vermutlich mit Safranwasser (gelb) und einem dunklen Gewürz- oder Kräuterpulver (schwarz).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-010-orig" n="vergiss des zuckers nicht" resp="#fyndling">Der Zucker wird über die fertigen Eier gestreut - eine süße Note für ein Gericht, das ganz ohne Ausbackteig auskommt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-010-orig" n="mach sy gel oder schwarcz" resp="#fyndling">Die bereits hartgekochten, aufgespießten Eier werden direkt gefärbt - naheliegend mit Safranwasser für Gelb und einem dunklen Gewürz- oder Kräuterpulver für Schwarz - und danach kurz gebraten, wie es der Kopfsatz vorgibt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-011-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine geleeartige Frucht-Vorspeise oder -Nachspeise: getrocknete Feigen mit Stiel werden aufrecht in eine Schüssel gesetzt und mit einem safrangelben Wein-Gelee übergossen, das mit Hausenblase geliert wird. Die moderne Verwandtschaft liegt bei Wein-Gelees mit eingelegtem Obst (etwa Portwein-Feigen in Gelee) sowie allgemein bei der Familie der Aspik-Desserts, bei denen Frucht statt Fleisch oder Fisch in geliertes Fond eingebettet wird - die aufrecht gestellten Stiele als kleine Krone sind dabei ein eigenständiges Schaugericht-Element ohne direktes modernes Pendant.

Feigen-Art: ‚veygen‘ meint hier vermutlich getrocknete Feigen (vorzugsweise mit Stiel), nicht frische. Süddeutschland um 1460 hat fast ausschließlich getrocknete Mittelmeer-Feigen als Handelsware, die traditionell als Kranz oder Zopf an Schnüren mit Stiel getrocknet werden - das passt zur Stiel-Anweisung. Wäre frische Frucht gemeint, würde der Schreiber das beim selben Muster wie bei ‚grune winber‘ (frische Trauben, rfk-037) explizit markieren. Frische Hochsaison-Feigen sind eine mögliche Luxus-Variante, aber die Default-Lesart ist getrocknet.

‚ain wal thun‘ / Aufquellen: Bei getrockneten Feigen heißt das einmal kurz aufkochen (im Wasser oder Wein), bis sie weich und prall sind - ideal zum aufrechten Anordnen. Für besonders harte/trockene Ware ggf. 10-15 Minuten köcheln. Bei frischen Feigen reicht ein kurzes Blanchieren.

Hausenblase / Substitution: Die Sülze geliert beim Erkalten, weil die in Wein gelöste Hausenblase ihr Kollagen abgibt. Moderne Substitution: Hausenblase ist deutlich potenter als kommerzielle Blattgelatine - keine 1:1-Gramm-Umrechnung, sondern ca. 8-10 Blatt Blattgelatine pro ~1 Liter Flüssigkeit für eine stürzbare, aber zarte Konsistenz (siehe mha-004 für Details).

Anrichtung als Schaugericht: Die Anweisung, die Feigen mit Stielen aufrecht in der Schüssel anzuordnen, lässt die Stiele wie eine kleine Krone aus dem goldgelben Safran-Wein-Gelee ragen - das ist die optische Pointe. Vor dem Sülze-Aufguss die Stiele in der Schüssel stabilisieren (z.B. mit einem leichten Druck auf den Boden), damit sie beim Eingießen aufrecht bleiben.

Praxis. Feigen waschen, einmal aufwallen lassen, mit Stiel nach oben in eine Schüssel setzen. Hausenblase (oder die Gelatine-Alternative) in gutem Wein auflösen und erwärmen. Von der Feigen-Kochbrühe so viel dazugeben, wie für den Aufguss gebraucht wird, mit guten Gewürzen und Safran abschmecken. Darauf achten, dass die Brühmenge die Feigen gerade bedeckt, nicht mehr - so bleiben die Feigen in der fertigen Sülze sichtbar. Kühl stellen, bis die Sülze fest ist (im Kühlschrank meist 3-4 Stunden, mit einer Kühlbox auch im Lager möglich).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-011-orig" n="Sulcz" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für Sülze, eine gelierte Speise, oft mit Fleisch oder Fisch, aber auch mit Früchten zubereitet.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-011-orig" n="veygen" resp="#fyndling">Feigen - in Süddeutschland um 1460 fast ausschließlich getrocknet importiert (Mittelmeer-Handelsware, in Form von Feigenkränzen/-zöpfen, die an Schnüren mit Stiel getrocknet werden). Wäre frisches Obst gemeint, würde der Schreiber das beim selben Konventionsmuster wie bei ‚grune winber‘ (frische Trauben, rfk-037) explizit markieren. Hier steht nur ‚veygen‘ - also getrocknete.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-011-orig" n="ain wal thun" resp="#fyndling">Einmal aufkochen lassen, kurz zum Sieden bringen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-011-orig" n="stingel doran" resp="#fyndling">Die Stiele der Feigen daran lassen. Das ist auch ein Indiz für getrocknete Feigen: getrocknete Mittelmeer-Feigen kommen traditionell als Kranz oder Zopf, an dem die Stiele erhalten sind. Frische Feigen werden meist ohne Stiel angeboten. Aufrecht angeordnet werden die Stiele zur kleinen Krone aus dem Safran-Wein-Gelee - das ist die optische Pointe.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-011-orig" n="hausen plater" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">Hausenblase, ein traditionelles Geliermittel, das aus der getrockneten Schwimmblase des Störs gewonnen wird. Es ist ein reines Kollagenprodukt und wurde vor der industriellen Gelatineherstellung häufig verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-011-orig" n="prue" resp="#fyndling">Brühe, hier das Kochwasser der Feigen, das als Basis für die Sülze dient.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-011-orig" n="guotem gewurcz" resp="#fyndling">Gute Gewürze, ein allgemeiner Begriff für eine Mischung aus teuren Importgewürzen wie Zimt, Ingwer, Nelken, Muskat oder Kardamom, die je nach Verfügbarkeit und Geschmack variierten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-011-orig" n="veygen" resp="#fyndling">Getrocknete Feigen (vorzugsweise mit Stiel). In Süddeutschland um 1460 ist die Mittelmeer-Importware fast immer getrocknet, oft als Kranz oder Zopf an Schnüren mit Stiel getrocknet - das passt sowohl zur Verfügbarkeit als auch zur Anweisung ‚stingel doran‘ (Stiele dran lassen). ‚ain wal thun‘ (einmal aufwallen) macht für getrocknete Feigen besonders Sinn: kurzes Kochen quellt sie auf und macht sie prall, ideal zum aufrecht-Anordnen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-012-trans" resp="#fyndling">Dieses Rezept ist ein dreischichtiges Schau-Gelée, vermutlich auf Rosinen-Basis (siehe die Lesarten unten zu ‚weinper‘ - frische Trauben sind sprachlich möglich, aber für ein luxuriöses Schau-Gericht weniger plausibel):

Rosinen-Gelée (Schicht 1) - 1 Pfund Rosinen sauber gewaschen, fein zerkleinert (zerstoßen/gehackt, nicht gerieben - Rosinen lassen sich nicht reiben, das gäbe nur Pampe), mit in Wein gelöster Hausenblase durchgeschlagen, mit guten Gewürzen + Zucker abgeschmeckt, auf eine Schüssel gegossen, erkaltet, in Stücke geschnitten.
Weiße Mandelmilch-Sülze (Schicht 2) - Mandelmilch (aus 1 Pfund frisch geriebener Mandeln) mit ca. 1 Lot Hausenblase (~15 g) und Zucker zu einer süßen, festen, leuchtend weißen Sülze gebunden; auf eine Schüssel, kalt werden lassen.
Rosinen-Gelée in Mandelmilch-Konsistenz (Schicht 3) - nochmals 1 Pfund Rosinen fein zerkleinert, mit Hausenblase durchgeschlagen, dick wie eine Mandelmilch, mit guten Gewürzen abgeschmeckt.

Schau-Dekoration der finalen Schicht: Auf der Schüssel an vier Enden anschneiden, zwei diagonal gegenüberliegende Stücke herausnehmen und durch dunkle Einlagen (‚schwarcze‘) ersetzen - so entsteht ein vierfeldiges Diagonal-Muster (Rosinen-dunkel ⇄ dunklere Einlage), das den Eindruck eines wieder vollständigen Gerichts erzeugt. Klassische Schauküche-Optik des Spätmittelalters.

Was ist ‚schwarcze‘? Im Original nicht spezifiziert (Hand-Note flaggt das). Lebensmittelechte, historisch belegte Möglichkeiten: noch dunklere Rosinen-/Pflaumen-/Holunder-Reduktion (für einen Ton-in-Ton-Dunkel-Effekt), Lebkuchen-Roggen-Honig-Teig, oder eine mit Lindenholzkohle-Pulver schwarz gefärbte Mandelmilch-Sülze (analog der Schwarz-Palette in mha-010).

Reiben/Zerkleinern: Im Originaltext steht zweimal ‚reibs klain‘. ‚Reiben‘ ist im mhd./frühnhd. Kontext ein flexibler Sammelbegriff für Zerkleinerung im Mörser. Bei Rosinen heißt das praktisch: klein hacken und/oder im Mörser zerstoßen (mit etwas Wein als Hilfsflüssigkeit). Bei der Mandel-Zwischenschicht (‚reib den klain‘ für die Mandeln) ist es das klassische Mandel-Reiben/-Stoßen, wie es in der ganzen mha-Mandelmilch-Serie (mha-004, 005, 006, 008) konsistent gemeint ist.

Hausenblase / Substitution: Insgesamt benötigt das Gericht mehrere Portionen Hausenblase (mindestens ‚ain lot‘ für die Mandelmilch-Sülze plus zwei weitere für die Rosinen-Gelée-Schichten). Moderne Substitution: Hausenblase ist potenter als kommerzielle Blattgelatine - keine 1:1-Gramm-Umrechnung, sondern ca. 8-10 Blatt Blattgelatine pro ~1 Liter Flüssigkeit für eine schnittfeste, aber zarte Konsistenz (siehe mha-004).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-012-orig" n="sullcz" resp="#fyndling">Ein ‚Sullcz' (modern: Sülze oder Gelee) war im Mittelalter eine beliebte Form, Speisen zu präsentieren. Durch die Zugabe von Gelatine (Hausenblase) konnten Fleisch, Fisch, Früchte oder Mandelmilch in feste Formen gebracht und kunstvoll arrangiert werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-012-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Mhd. ‚winber‘/‚weinper‘ deckt sowohl frische Weintraube als auch Rosine (getrocknete Weinbeere) ab. Ohne den Zusatz ‚grune‘ (wie in rfk-037 explizit für frische Trauben) sind für ein luxuriöses Schau-Gelée Rosinen die naheliegendere Lesart: lagerfähig, ganzjährig, intensiv süß, ergeben beim Zerstoßen+Durchschlagen eine dicke, dunkle Paste, die sich gut binden lässt. Frische Trauben würden viel Saft und Schalen ergeben - geht auch, aber weniger praktisch für ein stürzbares Gelée.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-012-orig" n="reibs klain" resp="#fyndling">Wörtlich ‚reibe sie klein‘, hier aber nicht mit Reibeisen, sondern allgemein ‚fein zerkleinern‘. Bei Rosinen praktisch: klein hacken und/oder im Mörser zerstoßen (sie lassen sich nicht reiben - das ergäbe nur eine klebrige Pampe). Bei frischen Trauben wäre es eher Quetschen/Zerstampfen. ‚Reiben‘ ist im mhd./frühnhd. Kontext oft ein flexibler Sammelbegriff für Zerkleinerung im Mörser.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-012-orig" n="hausen platter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">‚Hausenblase' ist eine traditionelle Gelatine, die aus der Schwimmblase des Störs (Hausen) gewonnen wird. Sie wurde als Bindemittel für Gelees, Sülzen und zum Klären von Wein verwendet. Heute wird sie meist durch tierische oder pflanzliche Gelatine ersetzt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-012-orig" n="Nuosz milich" resp="#fyndling">‚Nuosz milich' (Nussmilch) ist hier im Kontext der späteren Erwähnung von Mandeln als Mandelmilch zu verstehen, eine pflanzliche Milchalternative, die im Mittelalter besonders in der Fastenzeit beliebt war.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-012-orig" n="ain lot" resp="#fyndling">Ein ‚Lot' war eine historische Gewichtseinheit, die je nach Region variierte. Im süddeutschen Raum entsprach ein Lot etwa 15 bis 17 Gramm.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-012-orig" n="schwarcze" resp="#fyndling">‚Schwarcze' (Schwarze) bezieht sich auf dunkle, kontrastierende Zutaten, die für die Dekoration verwendet werden. Dies konnte alles von dunklen Weintrauben über Pflaumen bis hin zu einer Gewürzpaste sein, um den visuellen Effekt zu erzielen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-012-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Rosinen (getrocknete Weintrauben). Mhd. „winber“/„weinper“ deckt sowohl frische als auch getrocknete Form ab; ohne den Zusatz „grune“ (wie in rfk-037 explizit für frische Trauben) sind für ein luxuriöses Schau-Gelée Rosinen die naheliegendere Lesart - lagerfähig, ganzjährig, intensiv süß. Beim Zerstoßen und Durchschlagen ergeben sie eine dicke, dunkle, süße Paste, die sich mit Hausenblase gut zu einer schnittfesten Sülze binden lässt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-012-orig" n="Nuosz milich" resp="#fyndling">Obwohl „Nuosz milich“ allgemein Nussmilch bedeutet, wird sie hier als Mandelmilch interpretiert, da das Rezept später explizit „ain pfunt mandel“ (ein Pfund Mandeln) für die Zubereitung der weißen Komponente nennt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-013-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Vorrats-Tafelsenf: gemahlene, passierte Senfsaat wird mit Zimtblüte und Honig zu einer haltbaren dicken Paste verarbeitet, die erst am Tisch portionsweise mit Wein zu einer löffelfähigen Sauce angerührt wird. Das ist im Kern die Vorstufe des heute noch bekannten süßen (bairisch-österreichischen) Senfs; über die Wein-Anmachung statt Essig ist er auch ein naher Verwandter der französischen moutarde au vin.

Zwei-Stufen-Logik. Das Rezept trennt bewusst Vorrat und Tafelfertigmachung: Die Senfmehl-Zimtblüte-Honig-Paste wird auf Vorrat angesetzt und ist haltbar. Beim Anrichten wird jeweils nur eine kleine Portion der Paste frisch mit Wein zu einer servierfertigen Konsistenz verrührt - kein separater Kochschritt.

„zwier“ = zweimal. Der Honig wird in zwei Durchgängen untergemischt, dadurch wird die Paste gleichmäßiger als bei einem einzigen Arbeitsgang. Im Anrichte-Schritt taucht mit „twier“ ein ähnlich aussehendes, aber anderes Wort auf (siehe Annotation) - keine Wiederholung des Verrührens, sondern das Anrühren mit Wein selbst.

„tuoch das enng sey“ = ein engmaschiges Tuch (Leinen-Filtertuch oder modernes Käsetuch): hält Schalen- und Hülsenreste der Senfsaat zurück, sodass die Paste glatt wird.

Zimtblüten-Substitution. Echte Zimtblüten (Cinnamomum-Blütenknospen) gibt es im Gewürzhandel oder online. Eine sparsame Prise gemahlener Ceylon-Zimt oder Cassia ist eine praktische Alternative - sehr sparsam dosieren, da Zimtrinde intensiver schmeckt als die Blüte.

Praxis. Senfsaat reinigen, im Mörser fein zerstoßen und durch ein engmaschiges Tuch reiben. Zerstoßene Zimtblüte einmischen, dann in zwei Durchgängen kräftig mit Honig zu einer musartigen Paste verrühren. Diese Paste hält sich als Vorrat; zum Anrichten jeweils eine kleine Portion mit Wein zu einer löffelfähigen Sauce anrühren. Das Rezept nennt keine Mengenverhältnisse von Senfsaat, Honig und Zimtblüte - Konsistenz und Schärfe der fertigen Paste hängen von der eigenen Erfahrung ab; wer es milder mag, nimmt mehr Honig, wer es schärfer mag, weniger.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-013-orig" n="seuber In" resp="#fyndling">Reinige die Senfsaat. Dies war wichtig, da Gewürze oft mit Verunreinigungen aus dem Transportweg behaftet waren.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-013-orig" n="stosz In schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Zerstoße die Senfsaat fein im Mörser.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-013-orig" n="reib In durch ain tuoch das enng sey" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">Reibe die zerstoßene Senfsaat durch ein feines Tuch, um eine glatte Paste ohne Schalenreste zu erhalten. Dies entspricht dem Passieren oder Sieben.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-013-orig" n="zimen plue" resp="#fyndling">Die Zimtblüte ist die getrocknete Blüte des Zimtbaumes, die ein milderes, blumigeres Zimtaroma besitzt als die Rinde. Sie war im Mittelalter ein beliebtes Gewürz.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-013-orig" n="muoss" resp="#fyndling">Im Kontext von Meister Hans kann „Mus“ auch eine breiige oder pastenartige Konsistenz bezeichnen, nicht nur einen süßen Brei. Hier ist eine dicke Senfpaste gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-013-orig" n="samen vnnder einannder" resp="#fyndling">Hier nicht das Substantiv „Samen“ (wie in „seniff samen“ am Anfang), sondern eine Schreibvariante von „samet/sament“ = „zusammen“. Gemeint ist: den Senf zusammen mit dem Honig verrühren.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-013-orig" n="twier" resp="#fyndling">Nicht zu verwechseln mit „zwier“ (= zweimal) weiter oben im Text - trotz ähnlichem Schriftbild ein anderes Wort: Schreibvariante von treiben/(ze)treiben, hier im Sinne von rühren/verreiben. Gemeint ist das Anrühren der Senfpaste mit Wein.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-014-trans" resp="#fyndling">Was ist eine ‚gall‘? Im mhd./fnhd. Kochkontext eine süß-saure Würzsauce - nicht die Gallenflüssigkeit. Der Name spielt auf den intensiven Geschmack an. Solche Saucen wurden zu Fisch, Fleisch oder Wildbret gereicht (vgl. der nahe Zwilling rfk-055: „Nim fische adir fleische adir wiltbrait“ - alle drei gleichrangig, keine Festlegung auf Wild). Essig (sauer) + Honig (süß) + Lebkuchen (würzig-dunkel) ergeben eine kräftige Beilagsauce, wie sie in mehreren Kochbüchern unter ‚gall‘ oder ‚galray‘ überliefert ist.

Lebkuchen als Binder: ‚Leeczellten‘ (mhd. für Lebzelten/Lebkuchen) übernimmt eine doppelte Rolle - die Brotkrume quillt in der heißen Flüssigkeit und dickt die Sauce an, und der Lebkuchen bringt seine dunkle Farbe und Würze mit. Heute geht jeder dunkle Honig-Lebkuchen (Aachener Printen, Nürnberger Elisenlebkuchen ohne Glasur, oder ein selbstgemachter Roggen-Honig-Lebkuchen wie bei mha-010). Notfalls: Pumpernickel + Lebkuchengewürz + zusätzlicher Honig.

Reihenfolge: passieren VOR sieden - ungewöhnlich, aber praktisch: der Lebkuchen wird mit Essig und Honig zerstoßen und durch ein Tuch passiert, sodass alle festen Krümel bereits raus sind, BEVOR die fertige Sauce kurz aufgekocht wird. Eine klare, samtige Sauce ohne Stippen.

Praxis. Essig, Honig und zerstoßenen Lebkuchen verrühren, durch ein Tuch passieren, kurz aufkochen lassen und danach abkühlen. Die fertige Sauce wird - wie der Zwilling m384-035 es beschreibt („guss es denn etwar In vnd laus es kalt werden“) - in ein Gefäß gefüllt und kalt aufgetragen, nicht heiß über die Speise gegossen. In etwa 15 Minuten am Feuer fertig.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-014-orig" n="gall" resp="#fyndling">Im Mittelalter bezeichnete ‚Galle' (mhd. gal) eine scharfe, oft süß-saure oder pikante Sauce oder ein Gelee, nicht die Gallenflüssigkeit. Der Name spielte auf den intensiven, manchmal auch bitteren Geschmack an. Die CoReMA-Edition klassifiziert den Begriff über Wikidata im Aspic-Genre (Q837480).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-014-orig" n="Leeczellten" resp="#fyndling">Dies sind ‚Lebkuchen', eine Art gewürzter Honigkuchen oder Pfefferkuchen. Sie wurden oft gerieben oder zerstoßen als Bindemittel und Geschmacksgeber in Saucen und Eintöpfen verwendet. Die CoReMA-Wikidata-Glosse führt den Begriff als „gingerbread for sauce“ (Q1468150).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-014-orig" n="stoess durch einander" resp="#fyndling">Die festen Lebkuchen müssen zerstoßen oder zerrieben werden, um sich mit den flüssigen Zutaten zu verbinden. Ein Mörser oder eine Reibe ist hierfür geeignet.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-014-orig" n="seichs durch ein tuoch" resp="#fyndling">Das Passieren durch ein Tuch dient dazu, die Sauce besonders fein und glatt zu machen und eventuelle grobe Lebkuchenstücke zu entfernen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-014-orig" n="gall" resp="#fyndling">Der Begriff ‚gall' wird hier als eine süß-saure Gewürzsauce oder ein Gelee interpretiert, basierend auf den Zutaten (Essig, Honig, Lebkuchen) und der Zubereitungsweise (kochen, kalt servieren).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-014-orig" n="Leeczellten" resp="#fyndling">‚Leeczellten' wird als Lebkuchen oder gewürzter Honigkuchen übersetzt, da dies die gängige Bezeichnung für solche Backwaren im Frühneuhochdeutschen war und sie oft als Bindemittel und Geschmacksgeber in Saucen verwendet wurden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-015-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Sülze aus ausgekochter Rehhaut - dieselbe Technik wie bei der bis heute bekannten süddeutschen Sulz-/Presskopf-Familie (Schweineschwarten- oder Kalbsfuß-Sülze): Haut lange kochen, bis das Kollagen sich löst, Streifen schneiden, kalt stellen. Die Verwandtschaft liegt im Verfahren, nicht in der Zutat Rehhaut selbst.

‚Hosennestel‘-Wortspiel: Der Name ist die Pointe der Speise. Die fertig geschnittenen, durchscheinenden Hautstreifen (eine Spanne ≈ 20-25 cm lang, zwei Finger ≈ 3-4 cm breit) sehen aus wie die ledernen Schnürsenkel (Nestel) mittelalterlicher Hosen - eine Schauküchen-Pointe für die Tafel, kein Alltagsgericht.

‚schnirpfft sich zusammen‘: mhd. ‚schnirpfen‘ = sich zusammenziehen/schrumpeln. Beim langen Sieden verliert die Haut Wasser, das Kollagen aus dem Bindegewebe löst sich in die Brühe - übrig bleibt eine zähe, gelierfähige Schicht. Das ist keine eigene Kochhandlung, sondern die im Text selbst als eigener Satz benannte Beobachtung während des Siedens.

Sülzen-Flüssigkeit: Das Rezept lässt die eigentliche Sülzenflüssigkeit unausgesprochen (typische Lakonik mittelalterlicher Rezeptformen). Standard wären Essig, Salz und Pfeffer, mit der ausgekochten Kollagen-Brühe vermischt und über die Hautstreifen gegossen.

Praxis. Rehhaut brühen und die Haare abziehen, die Haut anschließend gründlich sieden, bis sie sich sichtbar zusammenzieht. In Streifen von einer Spanne Länge und zwei Fingern Breite schneiden, mit Essig-Salz-Sud aufgießen und kalt stellen, bis die Sülze fest ist. Hauptzutat und Kühlmöglichkeit sind die praktischen Hürden: Rehhaut ist im Handel praktisch nicht zu bekommen - Wildhändler und Jäger geben sie meist an Gerber, nicht in den Verkauf -, und ohne Kühlung erstarrt die Sülze auf einem Markt nicht zuverlässig. Wer eine ähnliche Wild-Sülze ohne Rehhaut zubereiten möchte, kann Schweineschwarte oder Kalbsfüße (für die Gelatine) mit fein geschnittenem Wildfleisch kombinieren - das ergibt eine essbare Wild-Sülze, aber nicht mehr die namensgebende Lederstreifen-Optik der Hosennestel-Sülze.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-015-orig" n="Sullz" resp="#fyndling">Bezeichnet hier eine Sülze, ein Gericht aus in Aspik eingelegten Fleischstücken oder anderen Zutaten, das durch Gelatine fest wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-015-orig" n="hosennestel" resp="#fyndling">Ein Wortspiel, das sich auf die Form der zugeschnittenen Hautstreifen bezieht, die an die Schnürsenkel (Nestel) mittelalterlicher Hosen erinnern.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-015-orig" n="ain rech hautt" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#rech">Die Haut eines Rehs. Rehhaut war im Mittelalter eine Quelle für Gelatine und wurde für Sülzen und andere Gerichte verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-015-orig" n="prue" resp="#fyndling">Brühen oder Abbrühen, um die Haare leichter entfernen zu können.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-015-orig" n="spannlanng" resp="#fyndling">Eine Spanne ist ein altes Längenmaß, das der Breite einer ausgestreckten Hand (Daumen bis kleiner Finger) entspricht, etwa 20-25 cm.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-015-orig" n="czwaier vinger praitt" resp="#fyndling">Zwei Finger breit, ein ungenaues Längenmaß, das etwa 3-4 cm entspricht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-015-orig" n="hosennestel" resp="#fyndling">Die Bezeichnung ‚Hosennestel‘ ist ein Wortspiel, das sich auf die Form der zugeschnittenen Rehhautstreifen bezieht, die an die Schnürsenkel mittelalterlicher Hosen erinnern. Die Haut selbst ist die Zutat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-015-orig" n="mach daraus ain sulcz" resp="#fyndling">Die Anweisung bedeutet, aus der vorbereiteten Rehhaut eine Sülze zu bereiten. Dies impliziert die Verwendung der aus der Haut gewonnenen Gelatine und die Zugabe einer Sülzenflüssigkeit (Essig, Salz, Gewürze), auch wenn diese nicht explizit genannt werden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-016-trans" resp="#fyndling">Was ist ein ‚Muosz‘? Bei Meister Hans ist ‚muosz‘ ein flexibler Sammelbegriff: meist eine breiartige Speise, aber - wie hier mit der ‚gepratten muosz‘-Spezifizierung - auch eine in der Pfanne gebratene Eierspeise. Praktisch entspricht das Rezept einer dicken Omelette oder einem Rührei mit Schmalz: einige verquirlte Eier in heißem Schmalz gebraten, am Ende vorsichtig gesalzen.

Zu ‚das es nicht zue haisz sey‘: Der Satz ist sprachlich mehrdeutig (im Originaltext steht klar ‚haisz‘ = ‚heiß‘, nicht ‚salzig‘). Drei plausible Lesarten:

Pfannen-Temperatur: Salz erst zugeben, wenn das Schmalz nicht (mehr) zu heiß ist - sehr heißes Fett spritzt beim Salzen und das Salz brennt an. Sprachlich am direktesten und kulinarisch sinnvoll.
Humoralpathologie ‚heiß‘ = scharf/würzig-intensiv: in der mittelalterlichen Geschmacks-Skala steht ‚heiß‘ für scharf/würzig - also: nicht überwürzen.
‚nicht zu salzig‘ (figürliche Übertragung von ‚heiß‘ auf den Geschmack auf der Zunge): pragmatisch nachvollziehbar, sprachlich aber der schwächste Fit.

In der Praxis laufen alle drei Lesarten auf dieselbe Anweisung hinaus: maßvoll salzen, kontrolliert braten.

Mengen: ‚als vil schmalcz‘ heißt nicht 1:1-Volumen wie Eier - das wäre Fett-Tsunami. Im damaligen Sprachgebrauch eher ‚ausreichend viel Schmalz‘ = großzügig, sodass die Pfanne gut bedeckt ist. Modern: 1-2 EL Schmalz auf 4 Eier reicht.

Rührei oder Spiegelei? Das Rezept lässt es offen, aber die schlichte Anweisung ‚thue es In ain pfannen vnd pratt es‘ deutet auf eine verquirlte/vermischte Masse hin (Rührei oder Omelett-artig). Hätte der Schreiber Spiegeleier gemeint - also Eier ganz aufgeschlagen, Eigelb intakt -, wäre das wahrscheinlich explizit benannt worden (etwa ‚schlag sie ganz hinein‘).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-016-orig" n="muosz" resp="#fyndling">Im Kochbuch des Meisters Hans ist ‚Muosz' ein Sammelbegriff für verschiedene Speisen, die oft breiartig sind, aber auch Aufläufe, Pfannkuchen oder, wie hier, gebratene Eierspeisen umfassen können.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-016-orig" n="eyttel" resp="#fyndling">Bedeutet ‚rein', ‚nur' oder ‚ausschließlich'. Hier: nur aus Eiern bestehend.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-016-orig" n="pratt es" resp="#fyndling">Eine Anweisung zum Braten oder Rösten in der Pfanne.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-016-orig" n="muosz" resp="#fyndling">Wir interpretieren ‚muosz' in diesem Kontext als eine gebratene Eierspeise, ähnlich einer dicken Omelette oder Rührei, da das Rezept die Zubereitung in einer Pfanne mit Schmalz vorsieht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-017-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gesottener Fleischkloß: Kalbfleisch und Speck gehackt, gewürzt und zu einer Farce verarbeitet, mit Ei und Weißbrot gebunden, zu Kugeln geformt und in heißem Wasser gegart. Das ist strukturell die Grundformel der süddeutschen Knödel-Familie - Fleisch, Brot und Ei als Bindemittel-Trias findet sich bis heute in Semmelknödeln mit Fleischeinlage und in der Frikadellen-/Fleischpflanzerl-Verwandtschaft, nur eben gesotten statt gebraten. Im Korpus ist dies keine Rarität: fast wortgleiche Fassungen stehen in ri15632-019, m5919-059, m384-068, sev-210 und mon-118 - eine über mehrere Kochbücher stabile Rezeptfamilie.

‚reibs‘: ‚Reibe es‘ meint hier nicht das Reibeisen, sondern das gründliche Durchmischen/Durchstoßen der Masse zu einer gleichmäßigen Farce (im Mörser oder mit den Händen). Erst danach kommen Eier und Brot dazu, sodass alles homogen wird.

Weißbrot: Im Original nur ‚weiss prot‘ ohne Spezifizierung. Praktisch empfohlen: altbackenes Weißbrot (1-2 Tage alt), in Würfel geschnitten und kurz in etwas Wasser oder Milch eingeweicht, dann ausgedrückt - so binden die Knödel besser. Frisches Brot würde zu viel Feuchtigkeit aufnehmen und matschig werden.

‚schneid sy‘ am Ende: Wahrscheinlich Portionieren beim Anrichten (jeden Knödel halbiert oder geviertelt auf den Teller). Eine alternative Lesart wäre Aufschneiden zur Garprobe (im Mittelalter übliche Methode), aber für das Servieren spricht der Kontext ‚vnd gib es hin zue essen‘.

Praxis. Der Text nennt keine Garzeit - wie bei vielen mittelalterlichen Rezepten muss man selbst prüfen, wann die Kugeln durchgegart sind (meist reicht knappes Sieden bis sie stocken und an die Oberfläche steigen). Original steht ‚haissem wasser‘, also reicht heißes Salzwasser. Modern wertet eine kräftige Kalbs- oder Hühnerbrühe die Knödel geschmacklich auf; das ist eine eigene Ergänzung, im Original aber nicht vorgesehen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-017-orig" n="knodel" resp="#fyndling">Frühbeleg des Worts selbst: ‚Knödel‘ dient hier bereits als feste Bezeichnung für gesottene Fleisch-Ei-Brot-Kugeln, nicht erst eine spätere Wortprägung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-017-orig" n="gewurcz wol" resp="#fyndling">Die Anweisung ‚würze es gut‘ impliziert die Verwendung von gängigen Gewürzen der Zeit, insbesondere Salz, Pfeffer und Ingwer.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-017-orig" n="reibs" resp="#fyndling">‚Reibe es‘ wird hier als Anweisung verstanden, die Zutaten gründlich zu vermischen und zu einer homogenen Farce zu verarbeiten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-017-orig" n="schneid sy" resp="#fyndling">‚Schneide sie‘ wird als Anweisung zum Zerteilen der Knödel vor dem Servieren interpretiert, um sie portionsgerecht anzubieten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-018-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Im Geiste ein herzhaftes Rogen-Ragout mit kräftiger, dunkler Würzsauce und knusprigen Brotwürfeln, verwandt mit den brotgebundenen Saucengerichten der Zeit. Die Technik, Mehl in Öl schwarz zu brennen, ist ein Vorläufer der dunklen Roux der späteren Küche.

Praxis. Der absolut wichtigste Punkt zuerst: Verwende niemals Barbenrogen, er ist giftig! Nimm stattdessen Rogen von Hecht, Karpfen, Kabeljau oder Lachs. Den Rogen im Mörser nur so weit stoßen, dass die Häutchen aufbrechen und eine grobe Paste entsteht - nicht zu fein, sonst wird die Textur zu breiig. Den Rogenfladen in einer gut geölten Pfanne backen, bis er fest und schneidbar ist, dann würfeln.

Für die Sauce das Mehl in reichlich Öl unter ständigem Rühren „schwarz brennen“ - eine sehr dunkle, fast kaffeebraune bis schwarze Röstmehl-Bindung, die der Sauce Tiefe, Farbe und Bindekraft verleiht, aber nicht verkohlen lassen. Als Startpunkt nimm etwa 50g Mehl auf 50ml Öl. Mit Fischbrühe ablöschen und glattrühren, dann Essig und Gewürze zugeben und kurz aufwallen lassen, bis eine sämige, würzige Sauce entsteht.

Die Balance der Sauce ist entscheidend: Das Rezept nennt nur „Gewürze“. Hier empfehle ich eine Mischung aus frisch gemahlenem schwarzem Pfeffer, Ingwer, einer Prise Nelken und Muskatblüte. Als Startpunkt für die Würzung nimm 1 TL Pfeffer, 1/2 TL Ingwer und je eine Messerspitze Nelken und Muskatblüte auf etwa 500ml Sauce. Der Essig (am besten ein kräftiger Wein- oder Apfelessig) gibt die nötige Säure, die die Schwere der dunklen Röstmehl-Bindung und des Rogen ausgleicht. Taste dich heran, beginne mit 2-3 EL und erhöhe nach Geschmack.

Den gebackenen Rogenfladen in mundgerechte Würfel schneiden, in einer Schale anrichten und die heiße, frisch zubereitete Sauce darübergeben. Das Semmelbrot würfeln, im heißen Öl rösten und samt Öl über das fertige Gericht gießen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-018-orig" n="parben rogen" resp="#fyndling">Rogen der Barbe (Barbus barbus), eines Karpfenfisches. Barbenrogen ist für den Menschen giftig und sollte nicht verzehrt werden. Die Warnung im Rezept ist ein wichtiger Hinweis auf das historische Wissen über Lebensmitteltoxine.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-018-orig" n="morser" resp="#fyndling">Ein großer Fleischmörser, nicht der kleine Gewürzmörser. Er diente dazu, Zutaten wie Fleisch, Fisch oder Nüsse zu einer feinen Paste zu zerstoßen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-018-orig" n="schwarcz werde" resp="#fyndling">Bezieht sich auf das Rösten von Mehl in Fett, bis es eine sehr dunkle, fast schwarze Farbe annimmt. Dies dient als Bindemittel und Farbstoff für dunkle Saucen und Brühen, ähnlich einer dunklen Roux.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-018-orig" n="mach ain pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Bedeutet hier nicht nur ‚Pfeffer hinzufügen‘, sondern ‚eine Pfeffersauce zubereiten‘. Im Mittelalter waren ‚Pfeffer‘ oder ‚Pfeffersauce‘ oft Sammelbegriffe für kräftig gewürzte, oft säuerliche Saucen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-019-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gefüllter/gefalteter Eierfladen (‚ayer plat‘) mit einer Farce aus gesottener, gehackter Kalbslunge, Speck, Pfeffer und Safran - ein mittelalterlicher Frittata-Vorläufer. Lebende Verwandtschaft: die Falttechnik der gefüllten Omelette/Frittata generell, und im Korpus die ‚Bubenpolster‘/‚Bubenpulver‘-Familie (mon-145, rfk-040, m384-001, ri15632-021) - alle variieren dieselbe Grundidee ‚Innereien-Ei-Speck-Masse in oder auf Eierblatt gebacken‘.

Die Stelle ‚mit ainem tottern an die figen‘. Diese Wendung ist im Korpus umstritten. Die CoReMA-Objektseite zu diesem Rezept glossiert ‚figen‘ als ‚Feige‘ (Frucht), und auch im übrigen Korpus (m384-008, m384-018, m384-074, m384-076, m384-078, rfk-001) bedeutet ‚figen‘ durchgehend Feige, etwa in ‚figensultz‘ (Feigenkompott) und in der Standard-Fruchtpaarung mit ‚winber‘ (Rosinen). Eine zweite, kulinarisch naheliegende Lesart deutet ‚figen‘ als fnhd. Form von mhd. ‚fügen‘/‚vügen‘ (zusammenfügen) - ‚an die figen‘ dann ‚an die Fügestellen‘, also eine Anweisung, beim Zusammenklappen des Eierfladens die Naht mit Eidotter zu bestreichen. Für diese Lesart gibt es im Korpus jedoch keinen direkten Beleg der Form ‚figen‘ als Fügestelle - sie bleibt eine plausible, aber unbelegte Deutung. Der engste Zwilling mon-145 hat an der Parallelstelle ein unverwandtes Einzelwort (‚fregeten‘, sonst nirgends belegt) stehen und klärt die Frage nicht. Beide Lesarten bleiben damit offen; die Textbeleglage spricht eher für Feigen als Frucht, ohne dass sich die Fügestellen-Deutung ausschließen ließe.

‚ayer plat‘ = Eier-Platte/Eier-Blatt: ein flacher, gebackener Eierfladen - der mittelalterliche Frittata- bzw. Omelett-Vorläufer.

Praxis. Lunge weich gar kochen, abkühlen lassen, fein hacken; mit gehacktem Speck, Eiern, Pfeffer und Safran zur Masse verrühren; in einer Pfanne als flachen Fladen backen; beim Zusammenlegen mit verquirltem Eigelb bestreichen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-019-orig" n="kalbs lungen" resp="#fyndling">Innereien wie Lunge, Herz oder Leber waren in der mittelalterlichen Küche weit verbreitet und wurden oft zu Mus oder Pasteten verarbeitet.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-019-orig" n="ayer plat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Ein ‚Eierblatt' oder ‚Eierplatt' bezeichnet ein flaches, gebackenes Eiergericht, ähnlich einer Frittata oder einem dicken Omelett.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-019-orig" n="tottern an die figen" resp="#fyndling">‚Tottern‘ = Eidotter. ‚Figen‘ ist im übrigen Korpus (u. a. m384-008, m384-018) durchgehend ‚Feige‘ (Frucht), so auch die CoReMA-Objektglosse zu diesem Rezept. Eine zweite, kulinarisch naheliegende Lesart deutet ‚figen‘ als fnhd. Form von mhd. ‚fügen‘/‚vügen‘ (‚an die Fügestellen‘) - dafür fehlt im Korpus aber ein direkter Beleg der Form selbst. Die Stelle bleibt uneindeutig; siehe die Lesarten unten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-019-orig" n="tottern an die figen" resp="#fyndling">‚Figen‘ als Feige (Frucht): Im übrigen Korpus ist ‚figen‘ mehrfach belegt und bedeutet dort ausnahmslos Feige (u. a. in ‚figensultz‘, Feigenkompott, und in der Standard-Paarung mit ‚winber‘/Rosinen). Auch die CoReMA-Objektglosse zu diesem Rezept liest ‚figen‘ als Feige. ‚Mit ainem tottern an die figen‘ würde dann bedeuten, dass Eidotter zusammen mit oder an Feigen verwendet/serviert wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-020-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Brühwurst-artige Innereien-Wurst: Lunge und Speck werden zur Farce verarbeitet, in den gereinigten Enddarm vom Kalb gefüllt und klassisch zweistufig gegart - erst gesotten, dann gebraten, trocken serviert. Das ist eine lebende Verwandtschaft zur süddeutsch-österreichischen Lungenwurst-/Beuschelwurst-Tradition, die bis heute Innereien statt reinem Muskelfleisch in dicke Wursthüllen füllt. Enge Zwillinge im Korpus: rfk-028 (fast gleiches Verfahren, dort zusätzlich mit optionaler Hirn-Variante) und mon-146 (nahezu wortgleiche Parallelüberlieferung).

‚affter darmm‘ = End-/Mastdarm, nicht generisch ‚Dickdarm‘. ‚After‘ ist im mhd./fnhd. ‚hinten/danach‘ - gemeint ist der letzte, dickste Abschnitt des Darms (Krausen-/Mastdarm), der traditionell für besonders dicke Würste verwendet wird, weil er viel Füllung aufnimmt und beim Sieden+Braten formstabil bleibt. Schweine-Enddarm (heute beim Metzger leichter zu bekommen als Kalbs-Enddarm) ist ein guter Ersatz.

Darmreinigung: ‚mach den gar sauber‘ heißt: gründlich innen und außen abspülen, mit Salzwasser durchspülen und ggf. mit etwas Essig nachspülen, um Geruch und Verunreinigungen zu entfernen. Standard-Wurst-Vorbereitung; im modernen Metzgerhandwerk passiert das vor der Lieferung.

‚bereibs‘: ‚durchreiben‘ - die Füllung gründlich durchmischen, sodass Speck, Lunge und Gewürze homogen sind. Im Mörser oder mit den Händen kräftig durchgearbeitet, sodass eine gleichmäßige Farce entsteht.

‚machs‘ vor dem Braten: Der Text sagt nach dem Sieden wörtlich „mach es“ - eine knappe Verlaufsformel, mit der die gesottene Wurst vor dem Braten zurechtgelegt bzw. gewendet wird, damit sie beim zweiten Hitzeschritt nicht aufreißt.

Sieden + Braten: Klassische zweistufige Wurst-Garung - erst in heißem Wasser garen (gleichmäßiges Durchgaren, Bindung der Farce), dann in der Pfanne braten (Bräunungs-Aromen, knusprige Hülle). Bis heute Standard bei vielen Brüh- und Bratwürsten.

Praxis. Enddarm gründlich reinigen (Salzwasser, ein Schuss Essig zum Nachspülen), Lunge und Speck fein hacken, kräftig würzen (Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat, Salz) und durchreiben, bis die Farce gleichmäßig ist. In den Darm füllen, die Enden verschließen. In heißem Wasser sieden, danach kurz zurechtlegen und in der Pfanne braten, bis die Hülle Farbe nimmt. Ohne Sauce servieren - die Wurst trägt geschmacklich genug Eigenwürze.

‚trucken‘ servieren: Ohne Sauce. Die Wurst trägt geschmacklich genug Eigenwürze (Lunge, Speck, Gewürze, Brat-Kruste) - eine zusätzliche Sauce wäre redundant.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-020-orig" n="affter darmm" resp="#fyndling">Mhd./fnhd. ‚after‘ = ‚hinten‘/‚danach‘ - der ‚after darmm‘ ist also der End-/Mastdarm (der letzte, dickste Abschnitt des Verdauungstrakts), nicht generisch der Dickdarm. Er ist die traditionelle Wursthülle für besonders dicke Würste, weil er viel Füllung aufnimmt und beim Sieden+Braten formstabil bleibt (vgl. moderne ‚Krausen-‘ oder ‚Mastdarm-Würste‘ in der Metzger-Tradition).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-020-orig" n="lungel" resp="#fyndling">Lunge, ein in der mittelalterlichen Küche häufig verwendetes Innereienprodukt, das heute seltener auf dem Speiseplan steht.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-020-orig" n="gewurcz wol" resp="#fyndling">„Gut gewürzt“. Typische Gewürze der Zeit waren Pfeffer, Ingwer, Nelken und Muskat.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-020-orig" n="bereibs" resp="#fyndling">Die Masse gründlich durchmischen oder reiben, um die Gewürze zu verteilen und eine homogene Füllung zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-020-orig" n="seud wurst" resp="#fyndling">Die Wurst sieden, also in Wasser kochen, um sie gar zu bekommen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-020-orig" n="machs" resp="#fyndling">„Mach es“ - eine knappe Verlaufsformel zwischen Sieden und Braten, kein eigenständiger Zutaten- oder Würzschritt. Im Kontext gemeint als Zurechtlegen/Wenden der gesottenen Wurst vor dem Braten.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-020-orig" n="prats dornach" resp="#fyndling">Nach dem Sieden die Wurst braten, um eine schöne Kruste und zusätzliche Aromen zu entwickeln.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-020-orig" n="gib es hin trucken" resp="#fyndling">Serviere die Wurst ohne Sauce, also „trocken“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-020-orig" n="affter darmm" resp="#fyndling">End-/Mastdarm vom Kalb (mhd./fnhd. ‚after‘ = hinten/danach; der ‚after darmm‘ ist der letzte, dickste Abschnitt des Verdauungstrakts). Spezifische Wahl für besonders dicke Würste, weil er viel Füllung aufnimmt und formstabil bleibt - klassische Krausen-/Mastdarmwurst-Hülle.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-021-trans" resp="#fyndling">Technik: Mandeln im Mörser fein zerreiben, dann mit dem Wein zu einer dicken Mandelmilch durchschlagen (durch ein Tuch passieren). Das Rezept nennt keinen Zucker - das Ergebnis ist also keine süße Dessert-Creme, sondern eher eine feine, weinig-aromatische Mandelmilch als Beilage zu Wild und Fleisch oder als Fastenspeise-Komponente. Wer es süßer mag, kann optional Zucker oder Honig ergänzen.

Wein-Wahl: ‚Welschwein‘ = romanischer Wein (südlich der Alpen), in Süddeutschland um 1460 fast immer italienisch. ‚Rainfal‘ ist ein spezifischer Festtags-Wein der Zeit, dessen heutige Entsprechung umstritten ist (siehe die Lesarten unten). Praktisch tut ein kräftig-süßer trockener italienischer Weißwein gute Dienste - Vernaccia di San Gimignano, ein guter Trebbiano oder ein leicht süßer Friulano. Für die ‚Rainfal‘-Variante kann man auch in Richtung dalmatisch-istrischer Weißweine (Žlahtina, Vugava, Malvazija) experimentieren.

Konsistenz: ‚muosz‘ ist hier eine dickflüssige Mandelmilch / dünnes Mus, kein fester Brei. Wenn zu dünn: weniger Wein oder mehr Mandeln. Wenn zu dick: mit etwas Wein verdünnen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-021-orig" n="muosz" resp="#fyndling">Im Kochbuch des Meisters Hans ist ‚muosz' ein Sammelbegriff für milchig-eierige Speisen, die sowohl Brei, Auflauf, Pfannkuchen oder Crêpe sein können. Hier, ohne Fett und Eier, ist ein Brei oder eine dicke Flüssigkeit gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-021-orig" n="wallsch wein" resp="#fyndling">‚Welschwein' bezeichnete im Mittelalter Weine aus romanischen Ländern, oft leichte Weißweine.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-021-orig" n="Rainfal" resp="#fyndling">‚Rainfal‘ / ‚Reinfal‘ ist in deutschen, schweizerischen und österreichischen Quellen des 14.-16. Jh. als Festtags-Wein belegt - die heutige Entsprechung ist allerdings wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Zwei Haupt-Hypothesen: (a) Vernaccia aus Cinque Terre / San Gimignano (italienisch), nach Norden über Genua/Mailand exportiert; (b) dalmatisch-istrische Weißweine (Refosco/Rivola-Familie, Žlahtina aus Vrbnik/Krk, Vugava), die über Adria→Triest→Wien nach Süddeutschland kamen - die Etymologie ‚Rivola → Reinfal‘ stützt das. Vermutlich war ‚Rainfal‘ kein präzise definierter Wein-Typ, sondern ein Sammelbegriff für gehobene Import-Weißweine aus dem mediterran-adriatischen Raum.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-021-orig" n="schlah In durch" resp="#fyndling">‚Durchschlagen' / ‚durchschlagen mit ...' meint hier das Passieren der zerriebenen Mandelmasse zusammen mit dem Wein durch ein Tuch oder feines Sieb - nicht ein modernes Rühren oder Schlagen mit dem Schneebesen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-021-orig" n="muosz" resp="#fyndling">Brei / dickflüssiges Mus. Die Zutaten (Mandeln, Wein) und die Zubereitung (reiben, durchschlagen) ohne Fett oder Eier legen eine breiige oder dickflüssige Konsistenz nahe.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-021-orig" n="Rainfal" resp="#fyndling">Ein gehobener mediterran-adriatischer Importweißwein des 14.-16. Jh., dessen heutige Entsprechung wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt ist. Zwei Hauptkandidaten konkurrieren: Vernaccia aus Cinque Terre / San Gimignano (italienisch, Genua-Route) oder dalmatisch-istrische Weißweine der Refosco/Rivola-Familie (Žlahtina, Vugava, Adria-Route via Triest). Die Etymologie ‚Rivola → Reinfal‘ stützt die zweite Hypothese; vermutlich war der Begriff aber nicht trennscharf, sondern ein Sammelbegriff für gehobene Import-Weißweine.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-022-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Mandel-Wein-Mus mit Zucker - im Kern eine mittelalterliche Mandelmilch, gesüßt und weinig aromatisiert. Es ist die gesüßte Schwester-Variante von mha-021 (Weinmus / Mandel-Wein-Mus ohne Zucker): selbe Technik, nur dass hier ausdrücklich Zucker dazukommt - und ‚Rainfal‘ als alternative Wein-Wahl entfällt, nur ‚Welschwein‘ wird genannt. Die beiden Rezepte zeigen, wie Meister Hans ein Grundrezept in einer festen und einer süßen Variante notiert.

Technik. Mandeln im Mörser fein zerreiben, mit dem Wein zu einer Paste verarbeiten und dann durch ein engmaschiges Tuch passieren - so entsteht eine glatte, weinig-aromatische Mandelmilch / dickflüssiges Mus. Der Text nennt keinen Hitzeschritt: Reiben, Durchschlagen und Zucker zugeben sind kalte, mechanische Arbeitsgänge. Zucker wird zuletzt eingerührt und löst sich in der flüssigen Masse auch ohne Erwärmen.

Wein-Wahl. ‚Welschwein‘ = romanischer Wein (südlich der Alpen), in Süddeutschland um 1460 fast immer italienisch. Praktisch tut ein kräftig-aromatischer trockener italienischer Weißwein gute Dienste (Vernaccia, Trebbiano, Falanghina), aber auch ein leicht süßer Weißwein passt zur süßen Variante. Wer experimentieren will: dieselben adriatisch-istrischen Optionen wie bei mha-021 (Žlahtina, Malvazija Istarska).

Praxis. Mandeln im Mörser fein zerreiben, mit dem Wein verrühren und durch ein feines Tuch passieren, bis eine glatte, dickflüssige Mandelmilch entsteht. Zucker einrühren. Mehr Wein ergibt ein dünneres Mus, mehr Mandeln ein dickeres - beides lässt sich kalt anrühren, ein kurzes Erwärmen am Feuer ist möglich, aber im Originaltext nicht vorgeschrieben.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-022-orig" n="muos" resp="#fyndling">In Meister Hans ist ‚muos' ein Sammelbegriff für verschiedene milchig-eierige Speisen, von Brei über Auflauf bis Pfannkuchen. Hier ist es eine flüssigere Zubereitung.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-022-orig" n="wallschwein" resp="#fyndling">‚Welsch‘ bezeichnet im Mhd./Fnhd. allgemein romanische Gegenden (südlich der Alpen) - in Süddeutschland um 1460 ist das praktisch fast immer italienisch. Welche Sorte konkret gemeint war, ist offen: kräftiger trockener Weißwein (Vernaccia, Trebbiano) ist plausibel, aber auch adriatisch-istrische Weißweine kamen über Triest/Wien nach Süddeutschland (vgl. die ‚Rainfal‘-Diskussion in mha-021).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-022-orig" n="keren" resp="#fyndling">‚Kerne‘ (Plural von ‚Kern‘, hier Mandelkerne) - ‚keren muosz‘ = ‚Kerne-Mus‘ / ‚Kernmus‘, also ein Mus aus Mandelkernen als Grundzutat (so wie ‚Eiermus‘ oder ‚Hirsemus‘ anderswo). Diese Lesart ist über die CoReMA-Sachglosse zur Handschrift zusätzlich extern bestätigt (‚keren‘ dort mit Wikidata-Verweis auf Mandel/almond versehen) und wird durch den Twin m5919-039 gestützt, der dasselbe Gericht unverklausuliert ‚kernen mus‘ nennt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-022-orig" n="Ain keren muosz" resp="#fyndling">Ein Kernmus aus Mandelkernen (‚keren‘ = Plural ‚Kerne‘). Der Begriff folgt dem typischen Muster ‚X-muosz von Y‘, bei dem X einen Mus-Typ angibt (Eiermus, Hirsemus, Mehlmus, etc.) und Y die Hauptzutat - hier ‚Kernmus von Mandeln‘. Diese Lesart ist durch die CoReMA-Sachglosse zur Handschrift (Wikidata-Verweis auf Mandel/almond) sowie den Twin m5919-039 (‚kernen mus‘) extern bestätigt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-022-orig" n="reib In klain" resp="#fyndling">Reibe sie (die Mandeln) klein. Dies impliziert das Zerstoßen oder Mahlen der Mandeln zu einer feinen Masse.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-022-orig" n="schlahe In durch" resp="#fyndling">Schlage es durch (passiere es). Dies bedeutet, die Masse durch ein Tuch oder Sieb zu passieren, um eine feine, glatte Flüssigkeit zu erhalten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-023-trans" resp="#fyndling">‚Durchschlagen mit Wein‘ = Hanfmilch-Technik: Genau dieselbe Methode wie bei den Mandelmilch-Rezepten (mha-004, mha-005, mha-021, mha-022): Hanfsamen im Mörser fein zerreiben, mit dem Wein zu einer Paste verarbeiten und durch ein engmaschiges Tuch passieren - so entsteht eine dicke Hanfmilch auf Wein-Basis. Diese ist die Suppen-Basis. Modern unkomplizierter mit einem leistungsstarken Mixer/Smoothie-Maker.

Tipp: Hanfsamen über Nacht in etwas Wein einweichen lassen - so wird das Pürieren leichter und die Hanfmilch dicker.

‚rain öl‘ = reines Pflanzenöl: Im süddeutschen Raum 1460 typisch Lein-, Hanf- oder Mohnöl (Olivenöl wäre teurer Mittelmeer-Import). Thematisch besonders passend: Hanföl - gleiche Pflanze, geschmacklich harmonisch. Notfalls Rapsöl (heute günstig und neutral).

Suppen-Aufbau: Hanfmilch + Wein als Basis → geröstetes Brot als Brot-Binder (klassische ‚gebundene‘ Suppe) → angeschwitzte Zwiebel-Apfel-Mischung als geschmackgebende Einlage. Säure des Apfels balanciert das Hanf-Wein-Profil.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-023-orig" n="haniff" resp="#fyndling">Hanfsamen - im Mittelalter eine wichtige, lagerfähige Nahrungspflanze (reich an Öl, Eiweiß, Mineralien).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-023-orig" n="durch schlahen" resp="#fyndling">Wörtlich ‚durchschlagen‘ - bezeichnet die klassische Pflanzenmilch-Herstellungs-Technik bei Meister Hans: Samen/Kerne im Mörser fein zerreiben, mit Flüssigkeit zu einer Paste verarbeiten und durch ein engmaschiges Tuch passieren, sodass eine glatte Milch entsteht. Dasselbe Verfahren steht hinter mha-004/005 (Mandelmilch aus Mandeln) und mha-021/022 (Mandel-Wein-Mus). Hier mit Hanfsamen und Wein - ergibt eine Hanfmilch auf Wein-Basis.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-023-orig" n="gepaettes prot" resp="#fyndling">Geröstetes Brot, oft als Croutons oder als Bindemittel in Suppen und Saucen verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-023-orig" n="zwifel" resp="#fyndling">Zwiebel.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-023-orig" n="oll rain" resp="#fyndling">‚Reines Öl‘ - in Süddeutschland um 1460 typisch Lein-, Hanf- oder Mohnöl aus heimischen Pflanzen. Olivenöl wäre teurer Mittelmeer-Import und für ein bürgerliches Rezept unwahrscheinlich. Thematisch besonders passend zu dieser Hanfsuppe: Hanföl (gleiche Pflanze wie die Hauptzutat, geschmacklich harmonisch).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-023-orig" n="schwaisz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schwaisz">Hier ein Verb (= schwitzen/andünsten), parallel zu ‚hack‘ (hacke): ‚hack das klain vnd schwaisz das klain‘ - hacke es klein und schwitze es klein an. Nicht zu verwechseln mit dem Substantiv ‚schwaisz‘ = Blut (Jägersprache), das im Korpus sonst als Zutat in Fleisch-/Jagdrezepten auftaucht (vgl. mha-191, m384-030, m384-031). In diesem Rezept gibt es keine Fleisch- oder Blutzutat - Satzstellung (finites Verb in Parallele zu ‚hack‘) und fehlende Fleischzutat stützen hier eindeutig die Verb-Lesart ‚schwitzen‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-023-orig" n="In durch schlahen mit wein" resp="#fyndling">Die Phrase ‚durchschlahen‘ wird hier als das Verarbeiten von Hanfsamen mit Wein zu einer flüssigen Basis interpretiert, ähnlich der Herstellung von Pflanzenmilch durch Pürieren und Passieren. Dies ist eine gängige Methode, um Aromen und Nährstoffe aus Samen zu extrahieren.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-024-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süßer Mohnkäse - ein Fasten-Käseimitat, das gemahlenen Mohn genauso behandelt wie sonst Mandeln. Es ist der direkte Zwilling des Mandel-Schottens (mha-005): Statt Mandelmilch wird hier eine Mohnmilch eingedickt und zu einem käseartigen Laib geformt. Ein klassisches Fastengericht, ganz ohne Tiermilch und ohne Lab.

Wie aus Mohn ein Käse wird: Der Mohn wird klein gestoßen, gewaschen und mit Wasser zu einer dicken Mohnmilch durchgeschlagen. Beim Sieden setzt sich das Feste oben ab (das sotten, die quarkartige Mohnmasse); es wird abgenommen und - wie beim Mandel-Schotten - durch ein Tuch abgetropft und zu einem Laib geformt. Kein Enzym, keine Lab-Gerinnung: Der „Käse" hält allein dadurch zusammen, dass die festen Mohnpartikel beim Abtropfen verfilzen.

magen heißt Mohn: Das Wort magen (auch mâhen) ist das frühneuhochdeutsche Wort für Mohn - es lebt bis heute im bairisch-österreichischen Magsamen (= Mohnsamen) weiter. Mit dem Verdauungsorgan hat es nichts zu tun.

Praxis. Rund 200 g Mohn fein mahlen (Mohnmühle oder Mörser), mit etwa 0,4 l Wasser verrühren, kurz aufkochen und heiß durch ein Mulltuch abtropfen lassen; die Masse im Tuch zu einem kleinen Laib pressen und stürzen. Den abgetropften, gesüßten Mohn-Sud über den Käse gießen. Ergibt einen dunkel-nussigen, süßen Frischkäse-Ersatz; mit etwas mehr oder weniger Wasser steuert man, ob er fester (Laib) oder löffelweich (Mus) wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-024-orig" n="magen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen">Frühneuhochdeutsch für Mohn (auch mâhen); lebt heute im bairisch-österreichischen Magsamen (= Mohnsamen) weiter. Gemeint sind die gemahlenen Mohnsamen, nicht ein Tiermagen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-024-orig" n="sotten" resp="#fyndling">Das beim Sieden der Mohnmilch oben aufschwimmende Feste - die quarkartige Mohnmasse, die abgeschöpft und zum Käse weiterverarbeitet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-024-orig" n="kaesz" resp="#fyndling">‚Käse‘ ist im Mittelalter ein weiter Begriff für alles, was aus einer Milch zu einer festen Masse geformt wird. Hier ein Imitat aus Mohnmilch - ohne Tiermilch, ohne Lab; ein Fasten-Käse.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-024-orig" n="muosz milich" resp="#fyndling">Die Mohnmilch - aus gestoßenem Mohn und Wasser durchgeschlagen, genau wie Mandelmilch aus Mandeln. Sie wird mit Zucker gesüßt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-024-orig" n="magen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen">Mohn (gemahlene Mohnsamen). magen/mâhen ist das fnhd. Wort für Mohn (vgl. Magsamen). Das Verfahren - stoßen, zu Milch durchschlagen, sieden, abtropfen, zu Käse formen, mit Zucker süßen - ist exakt die Mandelmilch-/Mandelkäse-Technik (vgl. mha-005), nur mit Mohn; und als Fastenspeise ergibt allein eine pflanzliche Zutat Sinn.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-025-trans" resp="#fyndling">‚Durchschlahen mit wasser‘ = Milch durchs Tuch passieren: Wörtlich ‚durchschlagen‘, im Manuskript bei Meister Hans konsistent die Technik Passieren durch ein engmaschiges Tuch. Anders als in mha-021/022/023, wo Mandeln/Hanfsamen erst gemörsert und dann zu Pflanzenmilch durchgeschlagen werden, geht es hier um die rohe Kuhmilch selbst: Vollmilch (im 15. Jh. dick und fettig, mit Milchhaut und Klümpchen) wird mit etwas Wasser angedünnt - damit sie überhaupt flüssig genug durchs Tuch läuft - und dann passiert: heraus kommt eine glatte, saubere Kochmilch ohne Häutchen und ohne Klümpchen. Standard-Vorbereitungsschritt für Milchspeisen in der mittelalterlichen Küche.

Heute praktisch: Moderne homogenisierte Supermarktmilch ist bereits klümpchenfrei - der Schritt wird unkritisch. Wer rohe oder hofnahe Milch benutzt: 1 Teil Wasser auf 2 Teile Milch, durch ein feines Sieb oder Mulltuch streichen.

‚gepaettes prot‘ = geröstetes Brot (nicht ‚gebacken‘): Mhd. ‚bähen/gebæht‘ = rösten. Auch in mha-023 (Hanfsuppe) genauso. Wichtig: Geröstete Brotwürfel zerfallen in der Milch nicht sofort, sondern saugen sich voll und bleiben löffelfähig - frisches Brot würde zu Brei werden.

Konsistenz: Ein dünnes süßes Milchmus / eine süße Milchsuppe; mehr Brot = dicker. Den Zucker direkt in die noch warme Milch einrühren, damit er sich löst, dann Brotwürfel dazu und kurz ziehen lassen.

Verhältnis zu mha-024: Der vorhergehende Rezept-Eintrag (Mohnkäse) endet ebenfalls mit einer gesüßten ‚muosz milich‘. mha-025 ist die einfache Milch-Brot-Variante desselben Mus-Milich-Konzepts - statt einer Pflanzenmilch (Mohn) hier einfach passierte Kuhmilch + geröstetes Brot + Zucker. Ein schnelles, anspruchsloses Alltagsessen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-025-orig" n="gemuss" resp="#fyndling">Im ‚Kochbuch des Meisters Hans' bezeichnet ‚Mus' oft eine breiige oder flüssige Speise, kann aber auch für Pfannkuchen oder Aufläufe stehen. Hier ist ein süßer Brei gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-025-orig" n="gepaettes prot" resp="#fyndling">‚Gebähtes Brot‘ = geröstetes Brot (mhd. ‚bähen/gebæht‘ = rösten, nicht ‚backen‘). Die geröstete Oberfläche verhindert, dass die Brotwürfel in der Milch zu Brei zerfallen. Identische Zutat in mha-023 (Hanfsuppe).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-025-orig" n="durch schlahen mit wasser" resp="#fyndling">Wie in mha-021/022/023 = Passieren durch ein engmaschiges Tuch. Unterschied: dort wird zuvor eine Mandel-/Hanfpaste hergestellt, um Pflanzenmilch zu gewinnen; hier wird die rohe Kuhmilch selbst durchgeschlagen - mit Wasser angedünnt, damit sie durchs Tuch fließt - um Milchhaut und Klümpchen zu entfernen. Standard-Vorbereitung für Milchspeisen vor der industriellen Homogenisierung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-025-orig" n="durch schlahen mit wasser" resp="#fyndling">Die rohe Milch mit etwas Wasser durch ein engmaschiges Tuch passieren, um Milchhaut und Klümpchen zu entfernen. Bei Meister Hans ist ‚durchschlahen‘ konsistent diese Tuch-Passier-Technik (vgl. mha-021/022/023). Was hier passiert wird, ist allerdings nicht eine gemörserte Pflanzenpaste, sondern die Vollmilch selbst - das Wasser dient als Verdünnung, damit die fette Rohmilch überhaupt durchs Tuch fließt. Ein realer Standard-Vorbereitungsschritt für Milchspeisen vor der industriellen Homogenisierung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-025-orig" n="gemuss" resp="#fyndling">Ein süßes, dünnes Milch-Brot-Mus / eine süße Milchsuppe mit gerösteten Brotwürfeln. Die Zutaten (Milch, Wasser, Brot, Zucker, kein Fett, kein Ei) sprechen klar für eine flüssige, löffelbare Speise - keine Pfannen-/Backvariante.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-031-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein festlicher Fasten-Fladen mit einer süß-salzigen, reichhaltigen Auflage aus Fischrogen, Mandeln und Rosinen - am ehesten vergleichbar mit der süddeutschen Fladen- und Wähen-Familie (Zwiebelwähe, Rahmfladen), hier mit einer für die Fastenzeit typischen Fisch-statt-Fleisch-Substitution. Das Rezept ist Teil einer korpusweit verbreiteten Gerichtsfamilie (u.a. mon-050, ri15632-004, mon-141, mon-163, mon-168) - kein singuläres Basler Einzelrezept, sondern weitergegebenes Küchenwissen.

Was ist ein Straubenteig? Das Original spricht von ‚straublein taig‘. Das ist kein krümeliger Streuselteig, sondern ein gießfähiger, dünnflüssiger Ausbackteig, wie er auch für Strauben (Trichterkuchen) verwendet wurde - das Rezept selbst bestätigt das zwei Sätze später, wenn es heißt, man solle den Teig „auf den Fladen gießen“. Zerstoße den rohen Fischrogen im Mörser mit wenig Mehl nur so weit, dass eine gießbare, streichfähige Masse entsteht, keine trockene Krümelmasse.

Welcher Rogen ist gemeint? „an parben rogen nicht“ schließt ausdrücklich Rogen der Barbe (Barbus barbus) aus, nicht Karpfenrogen. Barbenrogen ist giftig und löst die sogenannte Barbenkrankheit aus (Erbrechen, Durchfall, v.a. zur Laichzeit). Karpfenrogen ist dagegen unbedenklich. Verwende stattdessen milden Fischrogen, etwa von Lachs oder Forelle.

Praxis. Rosinen kurz aufkochen, bis sie prall und weich sind. Die Hälfte der gehackten Mandeln mit Safran gelb färben. Den rohen Fischrogen (nicht von der Barbe) im Mörser mit wenig Mehl zu einer gießfähigen Masse verarbeiten und ebenfalls färben - der Originaltext nennt für diesen zweiten Färbeschritt kein Mittel, naheliegend ist erneut Safran. Die Rogenmasse auf den ungebackenen Fladenboden gießen, mit Mandeln und Rosinen bestreuen und im Ofen backen, bis der Belag durchgegart ist. Zu Ofentemperatur, Backzeit und genauen Mengen schweigt der knappe fnhd. Text - hier ist Erfahrungswissen der damaligen Köche gefragt; heute empfiehlt sich mittlere Ofenhitze und ein Blick auf den Bräunungsgrad als Gar-Indikator.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-031-orig" n="geweichts" resp="#fyndling">‚Geweichtes‘ kann ‚geweiht‘ (gesegnet) oder ‚geweicht‘ (eingeweicht, weich gemacht) bedeuten. Im Kontext eines Fastengerichts und der Zubereitung (Rosinen werden weich gekocht) ist ‚geweicht‘ hier die wahrscheinlichere Lesart, im Sinne eines Gerichts aus eingeweichten/weich gemachten Zutaten. Hapax im engeren Sinn - nur zwei weitere Belege im Korpus (mon-168).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-031-orig" n="vasten" resp="#fyndling">Fastenzeit, die Zeit vor Ostern, in der auf Fleisch und tierische Produkte (außer Fisch) verzichtet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-031-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Mittelhochdeutsch für Weinbeeren - im mittelalterlichen Kontext meist getrocknet, also Rosinen, nicht zwingend frische Trauben (siehe interpretive_choices).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-031-orig" n="parben rogen" resp="#fyndling">Rogen der Barbe (Barbus barbus), eines Karpfenfisches. Barbenrogen ist giftig - er löst die sogenannte „Barbenkrankheit" aus (Erbrechen, Durchfall, v.a. zur Laichzeit), weshalb hier explizit davor gewarnt wird. Die mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank (MHDBDB) bestätigt ‚parben‘ als Schreibvariante zum Lemma ‚barbe‘ (Barbe). Dieselbe Ausschlussklausel findet sich fast wortgleich in mon-050 und mha-018.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-031-orig" n="morser" resp="#fyndling">Ein großer Mörser, oft aus Stein oder Metall, der zum Zerkleinern und Pürieren von Fleisch, Fisch oder anderen Zutaten verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-031-orig" n="straublein taig" resp="#fyndling">Ein gießfähiger, dünnflüssiger Ausbackteig, wie er auch für Strauben (Trichterkuchen) verwendet wurde - kein krümeliger Streuselteig. Das Rezept selbst bestätigt diese Lesart, da der Teig zwei Sätze später „auf den Fladen gegossen" wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-031-orig" n="fladen" resp="#fyndling">Eine flache Teigbasis, ähnlich einem Fladenbrot, einer Tarte oder einem dünnen Kuchenboden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-031-orig" n="Ain geweichts" resp="#fyndling">‚Ein Geweichtes‘ - ein Gericht aus eingeweichten oder weich gemachten Zutaten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-031-orig" n="allerlay visch rogen an parben rogen nicht" resp="#fyndling">Alle Arten von Fischrogen, außer dem Rogen der Barbe (Barbus barbus). Barbenrogen ist giftig ("Barbenkrankheit"); MHDBDB bestätigt "parben" als Schreibvariante zu "barbe". Dieselbe Ausschlussklausel findet sich fast wortgleich in mon-050 und mha-018.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-031-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Wir lesen "weinper" hier als Rosinen (= getrocknete Weinbeeren). Drei konvergente Indizien: (1) "wol erlesen" (sorgfältig auswählen, aussortieren) ist typisch für Trockenware mit schimmligen oder schadhaften Stücken. (2) "erwell sie das sy sinbel werden" - aufkochen bis sie rundlich werden - beschreibt das Aufquellen von Rosinen beim Wässern, nicht frische Trauben die schon vor dem Kochen rundlich sind. (3) Saisonale Verfügbarkeit: frische Trauben gibt es im 15. Jh. nur August-Oktober, Rosinen als Mittelmeer-Importware ganzjährig. Im Mittelalter war Kochen mit frischen Trauben generell eher Ausnahme - die Hauptanwendung frischer Trauben war Verjus (unreife Trauben als Saft).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-032-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Zweifarbige, weiß und safrangelb, extrudierte Stränge aus einer Paste aus hartgekochtem Ei: eine frühe Verwandte von Passatelli und Spätzle, allerdings mit vorgekochter statt roher Ei-Masse. Das lebende Gegenstück ist damit eher eine feste, formbare Quenelle-Masse als klassischer Nudelteig aus Mehl und Wasser.

Die Extrusion. Für die weiße Masse hackst du hartgekochtes Eiweiß fein und mörserst es mit Semmelmehl zu einer formbaren Paste, für die gelbe Masse die Eigelbe mit etwas Mehl, Safran und Zucker. Beide Massen werden durch ein Tuch geschlagen, um Klümpchen zu entfernen, dann getrennt in einen Becher mit mehreren Löchern und Deckel gefüllt. Über den Deckel presst du die Masse durch die Löcher, das im Text beschriebene Verfahren ist ein früher Druck-Extruder, technisch vergleichbar mit einer Spätzlepresse.

Die Crux: trucken. Der Text sagt, die Würmlein sollst du trucken. Das ließe sich als „trocknen“ lesen, im Fnhd. ist trucken aber ebenso als Verb „drücken“ belegt, und der Satzbau spricht dafür: „soltu“ steht im ganzen Rezept immer vor einem Tätigkeits-Infinitiv (soltu stoßen, soltu schlagen), nicht vor einem Adjektiv. Auch inhaltlich passt „drücken“ besser: Trocknen macht Stränge nicht länger, Durchdrücken durch die Lochöffnung hingegen schon, und genau davon ist im Satz die Rede („als lanng werden als die schussel“). Direkt im Anschluss folgt zudem die Zugbewegung, mit der die Stränge von Hand weiter gestreckt werden. Ein eigener Trocknungsschritt wird im Text an keiner Stelle erwähnt, das Rezept endet mit dem Schichten der weißen und gelben Stränge.

Praxis. Eiweiß und Eigelb getrennt hartkochen, fein hacken bzw. mörsern, mit Semmelmehl (Weiß) beziehungsweise Mehl, Safran und Zucker (Gelb) zu einer formbaren, nicht zu feuchten Paste verarbeiten und durch ein Sieb streichen. Durch eine Spätzlepresse oder einen Spritzbeutel mit Lochtülle drücken, die Stränge von Hand etwas in die Länge ziehen und weiß und gelb abwechselnd schichten.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-032-orig" n="gemusz" resp="#fyndling">Im Original heißt das Rezept „Aber ein gemusz mach also“, „auch ein Mus mache so“. Das ist eine Verlegenheits-Überschrift des Schreibers: gemusz wird hier in der weitesten Bedeutung als ‚Speise‘ verwendet, ohne dass das eigentliche Gericht (extrudierte Eierteig-Würmlein) mit dem Wort wirklich getroffen wäre. Im modernen Sinne ein „Mus“ oder „Brei“ ist das definitiv nicht, die Würmlein sind zweifarbige Spritz-Pasta.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-032-orig" n="pecher schal das ettliche locher hab" resp="#fyndling">Ein Becher oder Gefäß mit mehreren Löchern, das als Extruder dient, um die Teigmasse in feine Stränge zu pressen. Vergleichbar mit einer Spätzlepresse oder einem Spritzbeutel mit Lochtülle.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-032-orig" n="wurmlin" resp="#fyndling">Wörtlich „Würmlein“, die mittelhochdeutsche Bezeichnung für die extrudierten Eierteig-Stränge. Bemerkenswerte etymologische Parallele: Maestro Martino (~1465, Norditalien) nennt seine getrocknete Pasta vermicelli, wörtlich „kleine Würmer“ (von ital. vermi). Dieselbe Metapher, zwei Sprachen, zeitgleich. Siehe mar-079 für die italienische Pendant-Technik.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-032-orig" n="semlein mel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mel">Feines Mehl aus Semmeln, also Paniermehl oder sehr feine Brotkrume.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-032-orig" n="32 hartgekochte Eier als Teigbasis" resp="#fyndling">Die ungewöhnliche Pre-cooked-Egg-Technik unterscheidet Hans' Würmlein technisch von italienischer Pasta. Während Maestro Martino seinen Pasta-Teig in mar-068 nur mit dem knappen distemperala (rühre Mehl mit Flüssigkeit an) beschreibt, klassisches rohes Mehl-Wasser-Ei-Teig-Verfahren, kocht Hans seine Eier zuerst hart, trennt Weiß und Gelb, mörsert beides separat mit Mehl bzw. Semmelmehl und passiert die Massen durch ein Tuch. Das Ergebnis ist eine fast quenelle-artige, vor-strukturierte Masse, die sich gut extrudieren lässt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-032-orig" n="trucken" resp="#fyndling">Wörtlich könnte man trucken als „trocken“ lesen, im Fnhd. ist das Wort aber ebenso als Verb „drücken“ belegt (d/t-Wechsel). Satzbau und Sinn sprechen hier für „drücken“: das Rezept beschreibt an dieser Stelle, wie die Stränge durch Durchdrücken und Ziehen auf ihre Länge gebracht werden, nicht wie sie getrocknet werden. Ein Trocknungsschritt kommt im Transkript an keiner Stelle vor.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-032-orig" n="mel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mel">‚Mel‘ im Kontext der Eigelbmasse wird als generisches Mehl oder feines Semmelmehl interpretiert, analog zum ‚semlein mel‘ der Eiweißmasse.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-032-orig" n="zeuch ain wenig von dir vnd den anndern zue dir vnd mit dem zug hor auf vnd nymm ain pecher den zeuch noch stercker nach der lenng hin vber vnd her vber" resp="#fyndling">Diese Passage beschreibt das Handling der extrudierten Stränge: die Bewegung des Extruders beim Durchdrücken und das anschließende Strecken der fertigen Stränge von Hand, um sie auf Länge zu bringen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-046-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist im Geiste ein gesottenes Rebhuhn in einer süß-würzigen Brühe, ein typisches Beispiel für die feine Geflügelküche des Spätmittelalters, die oft mit Frucht und kräftigen Gewürzen spielte. Moderne Verwandtschaft findet sich am ehesten in einem klaren Geflügeltopf mit Fruchtnote, etwa Wildgeflügel mit Apfel, wie es heute noch regional gekocht wird.

So gelingt es. Die Rebhühner säuberst du gründlich, lässt aber Kragen und Füße dran - Haut, Knorpel und Knochen geben beim Sieden Gelatine und Aroma an die Brühe ab. Für die „süße Hühnerbrühe“ nimmst du eine kräftige, ungesalzene oder nur leicht gesalzene Geflügelbrühe und würzt sie mit süßen Gewürzen wie Zimt oder Nelken, oder süßt sie zusätzlich mit etwas Honig. Das „Lot ganzen Pfeffer“ (ca. 15 g) ist für ein einzelnes Rebhuhn viel; für 2-4 Vögel ist es passend, solange der Pfeffer ungeknackt mitkocht und nicht zerstoßen wird - ganze Körner geben deutlich weniger Aroma ab als gemahlener Pfeffer. Wasche ihn gründlich, wie es das Rezept vorschreibt.

Praxis. Die Rebhühner sieden in der Brühe, bis sie gar sind, die genaue Zeit richtet sich nach der Größe der Vögel - der Text selbst nennt keine feste Dauer. Achte darauf, dass die Brühe dabei nicht zu stark einkocht, das Rezept warnt ausdrücklich davor. Die Äpfel schneidest du länglich und klein und bereitest sie mit Gewürzen wie Zimt oder Ingwer zu; gib sie erst kurz vor dem Anrichten hinzu, damit sie ihre Frische und ihren Biss behalten. Richte die Rebhühner ganz an, übergieße sie mit der Brühe und garniere sie mit den gewürzten Apfelstücken. Warm servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-046-orig" n="Repphuner" resp="#fyndling">Rebhühner waren im Mittelalter ein beliebtes Jagdwild und galten als Delikatesse.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-046-orig" n="lot" resp="#fyndling">Ein Lot entsprach im süddeutschen/Basler Raum um 1460 ca. 15-16 g. Bei ganzen Pfefferkörnern in einer Brühe ist diese Menge nicht so viel wie es klingt, die Körner geben ungeknackt nur einen Bruchteil ihres Aromas ab und werden vor dem Servieren entfernt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-046-orig" n="suss sej" resp="#fyndling">„Süß“ kann hier eine reichhaltige, kräftige Brühe meinen, oder eine, die mit süßen Gewürzen wie Zimt oder Nelken verfeinert wurde, was im Mittelalter üblich war.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-046-orig" n="ab rain machen" resp="#fyndling">Eine Phrase, die „zubereiten“ oder „reinigen“ bedeutet. Im Kontext der Gewürze und des Apfels ist eine Zubereitung mit Gewürzen am plausibelsten.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-046-orig" n="wasch In schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Pfefferkörner zu waschen war Standard-Vorbereitung in der spätmittelalterlichen Küche, nicht ungewöhnlich. Die Importware kam mit Stiel- und Schalenresten, Transport-Staub und gelegentlichen Verunreinigungen aus Indien über Venedig in den Norden und wurde vor Verwendung in den herrschaftlichen Küchen routinemäßig gereinigt. Belegt u.a. im Ménagier de Paris (1393, „lavé et essuyé") und im Form of Cury („take pepper and washe it").</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-061-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist ein geschmortes Huhn in einer mit Brot und Ei gebundenen, pfeffrig-säuerlichen Sauce - ein mittelalterliches "Condiment", das im Geiste dem Vorfahren des späteren Hühnerfrikassees entspricht. Die Bindung über eine Brot-Ei-Paste statt einer Mehlschwitze ist typisch für diese frühe Form der gebundenen Schmorsauce.

Zur doppelten Pfeffer-Nennung. Das Rezept nennt Pfeffer zweimal - einmal in der Zutatenliste, einmal am Ende noch einmal "ain wenig pfeffers". Diese Doppelung findet sich wortgleich auch in den engen Parallelrezepten m5919-061 und mon-074 und ist damit keine zufällige Schreiberdoppelung, sondern eine stabile Formel des Rezepts - vermutlich zwei Zugabezeitpunkte (einmal in die Paste, einmal zum Nachschärfen), ohne dass der Text selbst das begründet.

Praxis. Brate die alten Hühner (heute eignet sich ein Suppenhuhn oder ein älteres Masthuhn) halb gar an und zerteile sie danach in Stücke. Setze sie in einer Mischung aus halb Brühe, halb Wasser an - als Startpunkt reichen 1-1,5 Liter Flüssigkeit für ein ganzes Huhn - und lasse sie köcheln, bis sie mürbe sind und sich leicht vom Knochen lösen. Währenddessen schwitzt du die fein gehackten Zwiebeln (etwa 1-2 mittelgroße) in Schmalz und einem Schuss Wasser an, bis sie weich sind, ohne zu bräunen. Für die Bindung weichst du 2-3 Scheiben altbackenes Weißbrot in etwas Brühe ein und zerdrückst es zusammen mit den hartgekochten Eiern (2-3 Stück), Pfeffer (das Rezept nennt ihn doppelt - starte mit 1 TL frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und schärfe später nach), Kümmel (ein halber Teelöffel) und Salz zu einer feinen Paste. Nimm das mürbe Huhn aus der Brühe, gib die Zwiebeln und die Brot-Ei-Gewürz-Paste in die Kochflüssigkeit und lasse alles unter Rühren aufkochen. Rühre den Essig ein (starte mit 2 EL, Apfel- oder Weinessig passen gut) und schmecke ab - die Sauce soll eine deutliche Säure haben, die die Würze trägt. Gib die Hühnerstücke zurück in die Sauce und lasse alles bei milder Hitze "eben dick" einkochen, bis sie sämig ist und am Löffelrücken haftet, aber noch flüssig genug bleibt, um das Fleisch zu umhüllen. Das Rezept selbst nennt diese Sauce auch als Basis für "allerlei gebratenes Fleisch" verwendbar - nur einen gebratenen Hasen soll man darin nicht pfeffern.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-061-orig" n="condiment" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kontext eine zubereitete Speise oder Sauce, nicht nur eine Gewürzmischung.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-061-orig" n="allte huner" resp="#fyndling">Ältere, zähere Hühner, die eine längere Kochzeit benötigen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-061-orig" n="schwaiss In In schmalcz" resp="#fyndling">Schwitze sie in Schmalz an.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-061-orig" n="kumich" resp="#fyndling">Mhd. kumich ist mehrdeutig und kann sowohl Echter Kümmel (Carum carvi, heimisch) als auch Kreuzkümmel (Cuminum cyminum, Mittelmeer-Import) bezeichnen. In der wohlhabenden Hofküche des 15. Jh. waren beide erhältlich; Kreuzkümmel als „exotisches" Gewürz bei Geflügel und Wildbret sogar etwas wahrscheinlicher. Wer authentisch nachkochen will, kann mit beiden experimentieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-061-orig" n="condiment" resp="#fyndling">Der Begriff 'condiment' wird hier als eine zubereitete Sauce oder ein Gericht interpretiert, das zu Fleisch gereicht wird, da die Zubereitungsschritte über eine reine Gewürzmischung hinausgehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-061-orig" n="pfeffer / ain wenig pfeffers" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Die doppelte Erwähnung von Pfeffer wird als stabile Rezeptformel interpretiert - vermutlich zwei Zugabezeitpunkte (einmal in der Paste, einmal zum Nachschärfen) -, da dieselbe Doppelung wortgleich auch in den Parallelrezepten m5919-061 und mon-074 auftritt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-071-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Das sind Eier-Speck-Knödel, die im Geiste einer Frikadelle oder eines Fleischpflanzerls liegen - allerdings ohne Hackfleisch in der Masse selbst: Der Rezepttext nennt für die Knödel nur hartgekochte Eier, Weißbrot, Speck, rohe Eier, Salbei, Salz und Safran. "Schaffein" (Hammel- oder Lammfleisch) taucht nur im Titel auf, nicht im Zubereitungssatz - vermutlich benennt der Titel die Gerichts-Kategorie oder eine verwendete Hammelbrühe, nicht zwingend eine Zutat der Knödelmasse selbst. Durch den doppelten Garprozess - erst gekocht, dann paniert und am Spieß gebraten - wird daraus ein besonderes Gericht.

Zur Speck-Menge. Der Originaltext sagt "manigen geschniten speck" - "manigen" heißt hier "viel, reichlich", nicht "fein". Der Speck wird also in großzügiger Menge geschnitten zugegeben, nicht besonders fein gewürfelt.

Praxis. Hacke hartgekochte Eier, eingeweichtes Weißbrot (ohne Rinde), Salbei und Salz fein, gib reichlich geschnittenen Speck, rohe Eier zum Binden und eine Prise Safran dazu und verarbeite alles zu einer formbaren Masse. Forme Knödel in beliebiger Größe und gib sie in siedende Suppe oder Brühe in einem Topf. Sind sie fest geworden, nimm sie heraus und wälze sie in einem Eierteig oder einer Eierpanade (rohe Eier, nach Belieben mit einer Prise Salz und Safran verquirlt). Spieße die Knödel auf und brate sie über offenem Feuer oder auf dem Rost, bis die Panade gebräunt und die Knödel innen durchgewärmt sind. Serviere sie heiß.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-071-orig" n="schaffein" resp="#fyndling">Hammel- oder Lammfleisch - Wort steht nur im Titel, nicht im Zubereitungssatz selbst</note>
        <note type="gloss" target="#mha-071-orig" n="manigen geschniten speck" resp="#fyndling">"manigen" = viel, reichlich (Mengenangabe) - nicht "fein" (Schnittgüte)</note>
        <note type="gloss" target="#mha-071-orig" n="kar" resp="#fyndling">Topf</note>
        <note type="gloss" target="#mha-071-orig" n="erwell" resp="#fyndling">wälzen, rollen</note>
        <note type="gloss" target="#mha-071-orig" n="ayr taig" resp="#fyndling">Eierteig oder Eierpanade</note>
        <note type="gloss" target="#mha-071-orig" n="prats" resp="#fyndling">braten</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-071-orig" n="schaffein knodlein" resp="#fyndling">Hammelknödel</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-071-orig" n="ayr taig" resp="#fyndling">Eierteig oder Eierpanade</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-076-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein magerer Rehrücken (laut Text austauschbar mit ganzem Hasenbraten) wird gespickt, gewürzt und in einen rohen Krapfenteig eingewickelt, der zusammen mit dem Braten im Ofen gebacken wird. Die Garprobe erfolgt allein über die Bräune der Kruste. Das ist der Grundtyp „Fleisch im Teigmantel gebacken" - näher an der Pastete als an einem frittierten Krapfen; der Teig dient hier ausschließlich als Schutz- und Saft-Hülle im Ofen.

Praxis. Spicke den Rehrücken mit dünnen Speckstreifen, um das magere Fleisch von innen mit Fett zu versorgen. Besprenge ihn reichlich mit Salz und streue Pfeffer, Ingwer und Kümmel darüber - die Gewürze gehören vor das Einwickeln, da sie durch den Teigmantel später kaum noch ins Fleisch ziehen würden. Für die Hülle eignet sich der Krapfen-Grundteig (Mehl, Wasser, Schmalz, etwas Ei); er wird roh um den Braten gewickelt, ohne Öffnungen, damit der Fleischsaft im Inneren bleibt. Der Text nennt weder Ofentemperatur noch Backzeit noch eine Kerntemperatur - die einzige vorgesehene Kontrolle ist die Bräune der Teigkruste. Das ist eine echte Ungenauigkeit des Originalverfahrens und keine Lücke, die sich mit modernen Messwerten auffüllen lässt: Wer nachkocht, sollte die Garzeit selbst im Blick behalten und notfalls anschneiden, um das Innere zu prüfen. Nach demselben Verfahren lässt sich, wie im Text vermerkt, auch ein ganzer Hasenbraten zubereiten.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-076-orig" n="krappfflein" resp="#fyndling">Mhd. 'Krapfen' sind im 15. Jh. typischerweise frittierte Teigtaschen. Hier wird nicht der Krapfen selbst zubereitet, sondern der Krapfen-Teig als Hülle für den Braten verwendet - der Mehl-Wasser-Schmalz-Ei-Grundteig wird nicht frittiert, sondern um den Braten gewickelt und im Ofen mitgebacken. Form und Funktion sind also eine Pastete, der Teig stammt aber aus der Krapfenteig-Tradition; vergleichend siehe auch den Pastetenteig-Eintrag, der die Coffyn-Tradition für Ofen-Pasteten dokumentiert. Die CoReMA-Objektseite (o:corema.bs1.76) glosst kraeppfflein als „fried dumpling" (Q2282540), was die hier gezogene Trennung Krapfenteig (Hülle) vs. Krapfen (frittiertes Gericht) zusätzlich stützt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-076-orig" n="ymber" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ymber">Frühneuhochdeutsche Bezeichnung für Ingwer. Die CoReMA-Wikidata-Glosse bestätigt „ginger" (Q15046077).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-076-orig" n="kumich" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Bezeichnung für Kümmel.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-076-orig" n="spick den klain mit speck" resp="#fyndling">Das Spicken ist eine alte Küchentechnik, bei der mageres Fleisch mit dünnen Streifen von Speck durchzogen wird, um es saftiger und aromatischer zu machen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-076-orig" n="kumich" resp="#fyndling">Mhd. kumich kann sowohl Kümmel (Carum carvi, heimisch) als auch Kreuzkümmel (Cuminum cyminum, Mittelmeer-Import) bezeichnen, die Termini wurden im Spätmittelalter oft nicht klar getrennt. Die CoReMA-Wikidata-Glosse (Q22978145) glosst den Basler Beleg eindeutig als „caraway" = Kümmel, was Kümmel hier zur textnäheren Vorzugslesart macht. Bei einer wohlhabenden Hofküche wie der Basler ist beides erhältlich, Kreuzkümmel als „exotisches" Gewürz bei Wildbret aber ebenfalls plausibel. Wer authentisch nachkochen will, kann mit beiden experimentieren oder sie kombinieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-076-orig" n="wart an dem liecht" resp="#fyndling">Wörtlich „warte an dem Licht", gemeint ist die Beobachtung der Bräune-/Goldgelb-Farbe der Teigkruste als Garzustands-Indikator. Mhd. liecht steht hier für die Helligkeit/Farbe der gebackenen Oberfläche, nicht für ein Ofenfenster (das hatten Backöfen im 15. Jh. noch nicht). Klassische Augenmaß-Kontrolle der Bratzeit.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-076-orig" n="krappfflein" resp="#fyndling">Teigmantel / Pastetenteig. Die Anweisung ‚wie Krapfen‘ bezieht sich auf die Formgebung oder die Art des Teiges, der den Braten umschließt und im Ofen gebacken wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-076-orig" n="wart an dem liecht ob er ganncz pachen sej" resp="#fyndling">Beobachte die Bräune-/Goldgelb-Farbe der Teigkruste, um zu kontrollieren, ob der Braten durchgebacken ist. liecht steht hier für die Helligkeit/Farbe der gebackenen Oberfläche, eine klassische Augenmaß-Kontrolle in mhd. Backrezepten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-081-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht, sondern ein kurzer Küchen-Kniff für die heißesten Wochen des Jahres - die Augsten (Hundstage Ende Juli bis Ende August), in denen frisches Fleisch ohne Kühlung am schnellsten umschlägt. Der Trick ist verwandt mit dem, was man bis heute mit angegangenem oder stark gesalzenem Fleisch macht: zweimal kochen, das erste Wasser wegschütten.

Das doppelte Sieden. Der Kern ist das erwallen (Aufwallen, Abbrühen) mit anschließendem Verwerfen der ersten Brühe. Dieser Schritt zieht Oberflächentrübes, Blut und - bei vorgesalzenem oder schon leicht strengem Fleisch - überschüssiges Salz und Fehlaromen heraus. Erst das zweite, frische Wasser gart das Fleisch dann sauber zu Ende. Der Text sagt nicht, wie das Fleisch zuvor behalten (aufbewahrt) wurde - in den Augsten lief das praktisch immer über Salzen, Pökeln oder Trocknen, sonst wäre nichts haltbar. Das Rezept setzt diese Vorratshaltung als bekannt voraus und liefert nur den Garschritt.

Praxis. Setze das (vorgesalzene oder einfach nicht mehr ganz taufrische) Fleisch in reichlich kaltem Wasser auf und bringe es zum Aufwallen. Nach wenigen Minuten Wallen das gesamte Wasser abgießen, den Topf kurz ausspülen, das Fleisch mit frischem kaltem Wasser erneut aufsetzen und bei mildem Sieden gar ziehen lassen - je nach Stück 30 Minuten bis mehrere Stunden, bis es zart, aber nicht zerfallen ist. Anschließend nach Belieben in einer frischen Brühe oder Sauce mit Pfeffer, Ingwer, Nelke und einem Schuss Verjus oder Essig vollenden. Sicherheitshinweis: Die historische Vorratshaltung von Fleisch bei Raumtemperatur entspricht nicht heutigen Standards - vorgesalzenes Fleisch heute im Kühlschrank lagern und nach dem Kochen binnen weniger Tage verzehren.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-081-orig" n="Augsten" resp="#fyndling">Die Augsten sind die heißen Hundstage rund um den August - die kritischste Zeit für die Fleischhaltung ohne Kühlung, in der frisches Fleisch am schnellsten verdirbt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-081-orig" n="erwall es wol" resp="#fyndling">Erwallen = kurz aufwallen/abbrühen. Das erste Kochwasser wird verworfen; es nimmt Trübstoffe, Blut und bei vorgesalzenem Fleisch überschüssiges Salz mit.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-081-orig" n="behalten" resp="#fyndling">Behalten = aufbewahren, haltbar machen. Wie das Fleisch zuvor konserviert wurde (Salzen, Pökeln, Trocknen), sagt der Text nicht - er liefert nur den Garschritt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-081-orig" n="Behalten ... In den Augsten" resp="#fyndling">Anleitung, wie man im August aufbewahrtes (gesalzenes/gepökeltes) Fleisch zum Verzehr fertig kocht - das Abbrühen entsalzt und reinigt, das frische Wasser gart sauber zu Ende.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-085-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist im Geiste ein Vorläufer unserer heutigen Krapfen und Berliner, ein knuspriges Schmalzgebäck, das warm mit einem würzigen Honigsirup übergossen wird.

So gelingt es. Der Schlüssel liegt in einem sehr festen Teig und dem hauchdünnen Ausrollen. Als Startpunkt nimmst du für zwei Eier (Größe M) etwa 200-250g Weizenmehl und knetest es so lange, bis ein sehr fester, aber elastischer Teig entsteht, der sich nicht mehr klebrig anfühlt - bei Bedarf gibst du noch etwas Mehl hinzu. Rolle den Teig dann wirklich hauchdünn aus, wie eine Oblate, sonst werden die Kuchen beim Frittieren zäh statt knusprig. Schneide die Streifen wie beschrieben zu und frittiere sie in reichlich auf 170-175°C erhitztem Schmalz (oder Pflanzenöl) goldbraun und knusprig. Der häufigste Fehler ist zu dick ausgerollter Teig, der sich mit Fett vollsaugt - das vermeidest du durch konsequentes Dünn-Ausrollen und die richtige Frittiertemperatur.

So wird es richtig gut. Für den Honigsirup erwärmst du den Honig sanft mit frisch gemahlenem schwarzem Pfeffer. ‚Honig wurczen‘ erlaubt dir, weitere zeittypische Gewürze wie Zimt, Nelken, Ingwer oder eine Prise Muskat hinzuzufügen - das gibt dem Sirup Tiefe. Eine winzige Prise Salz im Sirup hebt die Süße und die Gewürze hervor. Um die Süße des Honigs zu balancieren, kannst du einen kleinen Schuss Verjus oder Apfelessig in den warmen Sirup geben, das sorgt für eine angenehme Säurenote, die im Mittelalter sehr geschätzt wurde. Serviere die Heidnischen Kuchen sofort nach dem Frittieren, noch warm und knusprig, mit dem frisch übergossenen, gewürzten Honigsirup.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="Ain haydennischen" resp="#fyndling">'Heidnisch' bzw. 'haydennisch' ist im spätmittelalterlichen deutschen Kochwortschatz ein etablierter Bezeichnungstyp für Speisen, die exotisch, ungewöhnlich oder 'fremdländisch' wirkten - selten mit direkter religiöser Konnotation, sondern als Verweis auf eine 'andere' Zubereitung oder Zutatenkombination. Wahrscheinliche Etymologie: entweder von 'Heiden' im Sinne von Buchweizen ('Heidenkorn', importiert aus dem Osten), oder als Verweis auf orientalisch-importierte Gewürze und Zubereitungsweisen. Im Korpus belegt mit verschiedensten Speisetypen: gefüllte Pasteten, Mandel-Erbsen-Pasten, Schaugericht-Köpfe (siehe bgs-005a, bgs-063, bgs-095).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="zertreib kuochen" resp="#fyndling">Das Verb 'zertreiben' bedeutet hier 'zubereiten' oder 'machen', nicht wörtlich 'zerreiben'.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="wallczen" resp="#fyndling">Eine 'Walze' ist ein Nudelholz oder eine Teigrolle.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="oblat" resp="#fyndling">Eine 'Oblate' ist ein sehr dünnes, ungesäuertes Gebäck, oft für Hostien verwendet - hier als Vergleich für die gewünschte Teigdicke ('dünn wie eine Oblate').</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="drej vinger" resp="#fyndling">Mittelalterliche Maßangabe für die Streifen-Breite, etwa 5-6 cm.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="lennger dann ain hannd" resp="#fyndling">Länger als eine Handbreite, also etwa 15-20 cm Streifen-Länge.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="pach es In schmalcz" resp="#fyndling">'Backen in Schmalz' meint im Spätmittelalter das Frittieren oder Ausbacken im heißen Fett - die Vorform unserer modernen Krapfen- und Schmalzgebäck-Tradition (Berliner, Faschingskrapfen, Quarkbällchen).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="gepefferten honigk trannck" resp="#fyndling">Wörtlich 'gepfefferter Honig-Trunk', meint hier kein eigenständig vergorenes Getränk (Met), sondern eine schnell selbstgemachte warme Sauce aus erwärmtem Honig mit frisch gemahlenem Pfeffer.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="honig wurczen" resp="#fyndling">Wörtlich 'Honig-Würzen'; analog zum gepfefferten Honig eine warme Sauce aus Honig mit ergänzenden Gewürzen (Zimt, Nelken, Ingwer, Kardamom etc.). Im Original durch 'oder' alternativ zum Pfeffer-Honig angeboten.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-085-orig" n="hausen plasen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">Direkte Form-Vergleichs-Bezeichnung: Die Hausenblase, getrocknete Schwimmblase des Hausen-Störs, war im Mittelalter teure Importware zur Bier- und Wein-Klärung (Vorform der modernen Gelatine). Optisch: dünn, langgestreckt, glasig-durchscheinend, leicht goldig-bräunlich - exakt wie die in Schmalz frittierten dünnen Teigstreifen aussehen. Sympathische Demo-Speise: günstiges Gebäck, das wie kostbare Importware wirkt. Ergänzend: 'hausen' bezeichnet im Glossar auch den Stör selbst (fetter Fisch, wie Speck ausgelassen) - stützt die Kostbarkeits-Assoziation der Namensgebung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-085-orig" n="zertreib kuochen" resp="#fyndling">Das Verb ‚zertreiben‘ bedeutet hier ‚zubereiten‘ oder ‚machen‘, nicht wörtlich ‚zerreiben‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-085-orig" n="honig wurczen" resp="#fyndling">Dies ist eine plausible Alternative zum gepfefferten Honigtrank, die einen gewürzten Honigsirup meint.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-085-orig" n="ain taig mit ayren" resp="#fyndling">Obwohl Mehl nicht explizit genannt wird, ist es für einen Teig, der ausgerollt und gebacken wird, eine notwendige Zutat.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-091-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Eidotter-Häppchen im Teigmantel: Die Dotter gekochter Eier werden herausgelöst, mit rohem Ei zu einer formbaren Masse gebunden und zwischen einer dünnen Teigplatte mitgebacken - ein in Stücke geschnittenes Häppchen für die Tafel. Der enge Zwilling mon-089 überliefert praktisch dieselbe Sequenz samt der Wendung „pach sy rot“, füllt die Dottermasse dort aber ausdrücklich zurück in die ausgehöhlten Eiweißhälften und brät sie zusätzlich in der Pfanne an, bevor beides mit dem Fladen zusammengebacken wird. mha-091 nennt diesen Rückfüll-Schritt nicht - die Dotter werden hier offenbar frei geformt (zue dem schapffen) statt in die Eiweiß-Schale zurückgegeben. Ob der Titel „Gefüllte Eier“ die volle Eiweiß-Hülle korrekt abbildet, bleibt daher am mha-091-Wortlaut selbst nicht sicher belegt.

Die Dottermasse. Aus den ausgelösten Dottern und etwas zugeschlagenem Ei wird eine geschmeidige Masse gerührt (meng dar zue aber ayr = menge weitere Eier dazu, ker dar zue die totter zue dem schapffen = gib/wende die Dotter dazu in das Schapffen). Das rohe Ei bindet die krümeligen Kochdotter zu einer Masse, die sich formen lässt und beim Mitbacken zusammenhält.

„schapffen“ - eine offene Frage. Das Wort ist auch in der CoReMA-Erschließung selbst als ungeklärt eingestuft (kein gesichertes Wikidata-Äquivalent, anders als ayr, totter und plat auf derselben Manuskriptseite). Gemeint ist wohl eine Form oder ein Gefäß, in das die Dottermasse gegeben wird - der genaue Gegenstand bleibt aber Hapax/ungeklärt.

„pach sy rot“ - ein Bräunungsgrad, kein Färbemittel. Der enge Zwilling mon-089 verwendet exakt dieselbe Wendung („pach sy rott“) für dieselbe Dotter-Ei-Masse, dort ausdrücklich beim Anbraten „in der phann“ (in der Pfanne). Das spricht dafür, „rot“ als kräftige, rötlich-goldbraune Bräunung beim Anbraten zu lesen - dieselbe Farbformel wie „bis es goldrot wird“ bei m5919-087 - statt als Auftrag, mit einem eigens zugesetzten Färbemittel zu arbeiten. Ein zusätzliches rotes Färbemittel wie Sandelholz oder Alkanna bliebe denkbar, ist aber durch den Text nicht gefordert.

Praxis. Eier hart kochen (nicht zu lange, sonst werden die Dotter grau), längs halbieren, Dotter auslösen. Dotter mit etwas rohem Ei zu einer formbaren Masse verrühren und formen - der Text nennt weder Gewürz noch Salz noch eine feste Form. Eine dünne Teigplatte auflegen (Zutaten und Zubereitung des Teigs nennt der Text nicht) und Platte und Dottermasse gemeinsam backen, bis der Teig gar ist. In mundgerechte Stücke schneiden und auftragen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-091-orig" n="pach sy rot" resp="#fyndling">„Backe sie rot“ - vermutlich ein Bräunungsgrad, kein Färbemittel: Der Zwilling mon-089 verwendet dieselbe Wendung für dieselbe Dotter-Ei-Masse ausdrücklich beim Anbraten in der Pfanne, was für kräftiges rötlich-goldbraunes Anbraten spricht (vgl. „bis es goldrot wird“ bei m5919-087). Ein zusätzliches Färbemittel wie Sandelholz oder Alkanna wäre denkbar, ist aber im Text nicht gefordert.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-091-orig" n="dunn plat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Eine dünn ausgerollte Teigplatte (oder dünner Fladen), in der die gefüllten Eier zwischen zwei Lagen mitgebacken werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-091-orig" n="ker" resp="#fyndling">ker (kêren = wenden, geben, hinwenden) - im Satz ker dar zue die totter zue dem schapffen: „gib/wende die Dotter dazu in das Schapffen“. Konsistent mit dem Zwilling mon-089 (cher die tutter in der phann = wende die Dotter in die Pfanne).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-091-orig" n="schapffen" resp="#fyndling">Eine Form oder ein Gefäß, in das die Dottermasse gegeben wird; meng dar zue aber ayr meint, weitere (rohe) Eier zur Bindung unterzumengen. Das Wort selbst ist auch in der CoReMA-Erschließung als ungeklärt eingestuft - im Unterschied zu ayr, totter und plat auf derselben Manuskriptseite gibt es dafür kein gesichertes Wikidata-Äquivalent.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-091-orig" n="pach sy rot" resp="#fyndling">Ein Bräunungsgrad beim Anbraten, kein Farbauftrag: Der Zwilling mon-089 verwendet dieselbe Wendung für dieselbe Dotter-Ei-Masse ausdrücklich beim Anbraten in der Pfanne (vgl. „bis es goldrot wird“ bei m5919-087).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-091-orig" n="schapffen" resp="#fyndling">Eine Form oder ein Gefäß, in das die Dottermasse zum Formen gegeben wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-111-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist eine klassische mittelalterliche Scheinfastenspeise - ein Fischgericht, das Form und Zubereitung eines gebratenen Rebhuhns imitiert, um die strengen Fastenregeln formal einzuhalten und trotzdem festlich zu tafeln. Verwandte Gerichte sind die "falschen" Eier oder Rehbraten aus Fisch bzw. Mandelmilch, wie sie im 15. Jahrhundert verbreitet waren; als Fischfarce ist es zugleich ein Vorfahre heutiger Fischklöße.

Die Formen und das Garen. Der Text nennt kein Bindemittel für die Fischfarce - Fisch wird lediglich entgrätet, entschuppt, klein gehackt und gewürzt. Auffällig und textlich eindeutig ist, dass nicht nur die Farce gesotten wird, sondern die gefüllten Holzformen selbst mit ins Wasser kommen ("seud das gar wol mit den holczeren"): das Holz dient als Gargefäß und Formhalter zugleich. Zwei enge Zwillingstexte (ri15632-001, mon-138) bestätigen dieses Verfahren wortnah. Da eine reine Fischhackmasse ohne Bindemittel beim Garen und späteren Herauslösen aus der Form leicht zerfällt, ist zu vermuten, dass die beiden Formhälften vor dem Sieden mit einer Schnur zusammengebunden wurden, wie es ein Paralleltext explizit nennt - mha-111 selbst schweigt dazu.

Praxis. Für die Farce eignet sich ein festfleischiger, magerer Fisch wie Hecht oder Zander: gründlich entgräten und entschuppen, dann fein hacken und kräftig würzen. Die gefüllten Formen fest verschließen (notfalls mit Küchenschnur fixieren) und in leicht siedendem Wasser garen, bis die Farce fest ist. Anschließend auf den Spieß stecken und braten, bis die Oberfläche goldbraun ist. Zum Schluss mit bereits gebratenem Hecht spicken - der Hecht wird nicht mitgegart, sondern als fertiges, festes Element in die gegarte Form gesteckt, wohl um die Federstruktur eines Rebhuhns an der Oberfläche anzudeuten.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-111-orig" n="Repphuneren" resp="#fyndling">Rebhühner (die Vögel)</note>
        <note type="gloss" target="#mha-111-orig" n="vasten" resp="#fyndling">Fastenzeit</note>
        <note type="gloss" target="#mha-111-orig" n="holczer zwen furmen" resp="#fyndling">Zwei hölzerne Formen</note>
        <note type="gloss" target="#mha-111-orig" n="graet" resp="#fyndling">Gräten</note>
        <note type="gloss" target="#mha-111-orig" n="schuepps" resp="#fyndling">Schuppen</note>
        <note type="gloss" target="#mha-111-orig" n="gewurcz gar wol" resp="#fyndling">Sehr gut gewürzt</note>
        <note type="gloss" target="#mha-111-orig" n="spis" resp="#fyndling">Spieß</note>
        <note type="gloss" target="#mha-111-orig" n="spick es" resp="#fyndling">Spicke es (mit Speck oder anderen Zutaten durchziehen)</note>
        <note type="gloss" target="#mha-111-orig" n="hechten praten" resp="#fyndling">Gebratener Hecht</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-111-orig" n="Repphuneren" resp="#fyndling">Das Gericht soll optisch Rebhühner imitieren, obwohl es aus Fisch besteht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-111-orig" n="gewurcz gar wol" resp="#fyndling">Die genaue Würzung bleibt dem Koch überlassen, da keine spezifischen Gewürze genannt werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-111-orig" n="holczer zwen furmen" resp="#fyndling">Es handelt sich um zwei aus Holz geschnitzte Formen, die die Gestalt von Rebhühnern haben.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-121-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Im Geiste eine frühe Form frittierter Käsestangen - dünne, in Schmalz knusprig ausgebackene Käse-Teig-Streifen. Der nächste Verwandte im eigenen Korpus ist m5919-052 (fast wortgleicher Text), dazu die Fastenzeit-Variante mit Milch statt Ei kkm-076 und die zu Hufeisen gekrümmten Käsekrapfen rfk-041, ri15632-012, m384-077, mon-095 sowie die schlichteren Streifen aus m384-079.

Käse, Mehl, Ei - das Verhältnis. Der Text gibt Käse und Mehl yeglichs gleichs als vil (von beidem gleich viel) vor; das Ei kommt schrittweise dazu, bis ein fester, knetbarer Teig entsteht - er soll nicht kleben, aber auch nicht bröseln. Zu viel Ei lässt den Käse beim Ausbacken zerlaufen. Der Teig muss gar dunne (sehr dünn) ausgerollt werden - der Text nennt zwar keinen Grund, doch beim Frittieren bleibt ein dickerer Streifen innen roh, während die Außenseite schon dunkel wird. Die struczel (lange, dünne Streifen, nicht im Sinne eines modernen Strudels) werden erst nach dem Ausbacken in eine Schüssel geschnitten.

„fromde" - was für Käse? Fromde meint am ehesten fremd im Sinne von ausländisch/importiert - also einen geschätzten Importkäse wie den damals hochbegehrten Parmesan. Dafür spricht auch der zweite Beleg desselben Worts im Buch (mha-039, „ain fromdes pachens"), wo es ebenfalls im Sinne von fremdartig/ungewöhnlich gebraucht wird. Die Lesart „von guter Qualität, edel" bleibt daneben denkbar, ist aber schwächer belegt. Praktisch passt jeder kräftige, gut schmelzende Hartkäse (gereifter Bergkäse, Parmesan, kräftiger Gouda).

Praxis. Käse und Mehl im Verhältnis 1:1 mischen, Eier nach und nach einarbeiten, würzen (weißer Pfeffer, etwas Ingwer und Muskat schmeicheln dem Käse) und gut durchkneten. Auf dem Brett hauchdünn ausrollen, in lange schmale Streifen schneiden und in reichlich Schmalz bei mittlerer Hitze goldbraun ausbacken - die Temperatur stimmt, wenn ein Teigkrümel sofort aufsteigt und brutzelt. Sofort heiß servieren, bei Bedarf mit etwas Salz oder frischem Pfeffer.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-121-orig" n="fromde" resp="#fyndling">Im Kontext von Käse bedeutet ‚fromde‘ hier am ehesten ‚fremd, ausländisch‘ - vermutlich ein importierter, hochwertiger Käse. Die Lesart ‚von guter, edler Qualität‘ ist als schwächer belegte Nebenlesart denkbar.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-121-orig" n="struczel" resp="#fyndling">Lange, dünne Teigstreifen oder kleine Teigstücke, nicht im Sinne eines modernen Strudels.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-121-orig" n="schmalcz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz, zum Ausbacken.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-121-orig" n="fromde kaeß" resp="#fyndling">‚Fremder‘, also ausländischer/importierter Käse. Dies ist die wahrscheinlichste Lesart: das Wort selbst bedeutet primär ‚fremd‘, und der zweite Beleg desselben Worts im Buch (mha-039, „ain fromdes pachens") wird ebenfalls im Sinne von fremdartig/ungewöhnlich gebraucht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-132-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein saures, gestocktes Hafergrütze-Gericht (Geislitz) in zwei Fastenzeit-Varianten: warm mit Öl aufgewallt und Gewürzpulver bestreut, oder kalt gestürzt, gehäutet und mit Mandelmilch übergossen. Die Grütze selbst - vorher gesäuert und fest geworden - wird hier als bekannte Grundzubereitung vorausgesetzt und nicht beschrieben, wie im gesamten Kochbuch üblich. Modern erinnert die warme Variante an einen angesäuerten Haferbrei-Verwandten, die kalte an ein einfaches Sauermilch-Dessert. Etymologie und die beiden Mondseer Schwesterrezepte mon-151 (warm) und mon-152 (kalt) sind in der Annotation zu ‚Geysslicz‘ erläutert.

Praxis. Für die Basis fertige, feste (saure) Hafergrütze eine Weile stehen lassen, damit sich Flüssigkeit absetzt und sie stockt, dann im Topf aufkochen und würzen. Für die warme Variante wenig Pflanzenöl in einer Pfanne erhitzen, die Grütze hineingeben und kurz aufwallen lassen - ein knappes Erwärmen/Anschwenken in wenig Fett, kein erneutes Durchgaren -, danach mit Gewürzpulver bestreut servieren. Für die kalte Variante die gesiedete Grütze auf eine Schüssel gießen, vollständig erkalten lassen, die sich bildende Haut abziehen (ein gewöhnlicher Effekt bei abkühlendem Getreidebrei, keine besondere Zubereitungstechnik nötig) und mit selbstgemachter Mandelmilch übergießen - anders als beim Mondseer Schwesterrezept mon-152 ohne Zucker, wie es der Text auch hier vorgibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-132-orig" n="Geysslicz" resp="#fyndling">Geislitz = eine saure Hafergrütze, kein Ziegen- oder Milchprodukt trotz des Anklangs an ‚Geiß‘ (reiner Gleichklang, keine echte Wortverwandtschaft). Slawisches Lehnwort (böhm. ‚kyselice‘ = saure Mehlspeise, ‚kyselý‘ = sauer), belegt bei Lexer, im Schweizerischen Idiotikon und im Grimm'schen DWB - das genau DIESE Stelle als Beleg zitiert: ‚im kochbuch des meister Hans, des von Wirtenberg koch, geyszlitz in der vasten mach also‘ (Grimm, mit Verweis auf Wackernagel bei Haupt 9, 367). Meister Hans bündelt hier beide Zubereitungsarten, die im Mondseer Kochbuch als zwei getrennte Rezepte überliefert sind: die warme, in Öl aufgewallte Variante (mon-151) und die kalte, mit Mandelmilch übergossene Variante (mon-152). In Alpendialekten (Pustertal, Kärnten) überlebte das Wort bis in die Neuzeit für sauren, kalt gegessenen Haferbrei.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-132-orig" n="vasten" resp="#fyndling">Die Fastenzeit, in der der Verzehr von Fleisch, Eiern und Milchprodukten untersagt war. Pflanzenöl und Mandelmilch waren erlaubte Alternativen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-132-orig" n="gefall" resp="#fyndling">Bedeutet hier ‚gerinnt‘ oder ‚stockt‘, also fest werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-132-orig" n="gestüpp" resp="#fyndling">Ein allgemeiner Begriff für Gewürzpulver, oft eine Mischung aus verschiedenen gemahlenen Gewürzen wie Pfeffer, Ingwer, Zimt oder Nelken.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-132-orig" n="haut ab" resp="#fyndling">Bezieht sich auf die Haut, die sich auf der Oberfläche von gekochten und erkalteten Flüssigkeiten oder Breien bildet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-132-orig" n="geysslicz / geislicz" resp="#fyndling">‚Geyslicz‘ = eine saure Hafergrütze. Gesichert durch Lexer, Schweizerisches Idiotikon und das Grimm'sche DWB, das exakt diese Textstelle als Beleg zitiert (‚im kochbuch des meister Hans, des von Wirtenberg koch, geyszlitz in der vasten mach also‘) - eine direktere, stärkere Quelle als die generischen CoReMA-Kategorien ‚sauce‘/‚aspic‘. Die Anweisungen ‚lass sy ain weil stan das sy gefall‘ (stocken lassen) und ‚zeuch Ir die haut ab‘ (Haut abziehen) passen zu einer festen, gestockten Grützemasse.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-141-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gefüllter Krapfen: Hefeteig, gefüllt mit einer in der Pfanne gerührten Eier-Butter-Masse, unter die gehackte italienische Rosinen und Gewürz gemischt werden. Strukturell am nächsten an heutigen Berlinern bzw. an süddeutsch-österreichischen Rosinen-Krapfen, allerdings mit einer eierbasierten statt einer Frucht- oder Cremefüllung - eine Nachbarschaft, kein direkter Vorfahr, da eine ununterbrochene Traditionslinie sich nicht belegen lässt.

Warum Ei und Butter, nicht Nuss und Öl. Andere Krapfen-Rezepte desselben Umfelds (etwa Fastenkrapfen mit Nusskernen oder mit Feigen) verzichten bewusst auf Ei und Butter, weil beides an Fastentagen verboten war. Meister Hans setzt hier ausdrücklich beides ein - das Rezept gehört damit in die freie, nicht in die fastenzeitliche Küche.

Praxis. Schlage die Eier zusammen mit der Butter in einer Pfanne und rühre alles durcheinander, bis eine feste Masse entsteht. Hacke die italienischen Rosinen (Korinthen oder Sultaninen) fein und mische sie unter, dann gib Gewürz dazu. Fülle die abgekühlte Masse in einen Krapfenteig. Zur Garmethode schweigt der Text - üblich für Krapfen ist das Ausbacken in heißem Fett, denkbar wäre aber auch ein Backen im Ofen; beides ist mit dieser Füllung machbar.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-141-orig" n="krappfen / krapffen" resp="#fyndling">Krapfen, eine Art gefülltes oder ungefülltes Gebäck, oft frittiert.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-141-orig" n="putteren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#putteren">Hier als Substantiv „Butter“ (schwache Dativ-/Akkusativform auf -en), nicht als Verb. Der Satz „schlachs In ain pfannen vnd putteren“ liest sich als „schlage sie in eine Pfanne und [zu] Butter“ - zwei parallele Objekte. Beleg: Parallelstellen mon-044 und mon-062 verwenden „putteren“ ebenfalls als Substantiv (Butter als Zutat), MHDBDB lemmatisiert konsistent auf „buter“.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-141-orig" n="welisch weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">„welisch weinper" = welsche/italienische Weinbeeren, das spätmittelalterliche Wort für getrocknete italienische Trauben (Rosinen, Korinthen, Sultaninen) aus dem Mittelmeerraum. Der Begriff „welisch / welsch" bedeutete in der mhd./fnhd. Zeit speziell „romanisch / italienisch" (gleicher Stamm wie Walnuss = welsche Nuss), NICHT generisch „ausländisch". Hauptimporteur waren venezianische Händler, daher in deutschen Quellen ein typisches Festtags- und Bürgerküchen-Ingredienz.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-141-orig" n="gewurcz" resp="#fyndling">Unspezifische Gewürzmischung; typisch für die Zeit waren Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken oder Muskat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-141-orig" n="putteren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#putteren">„Butter“ (Substantiv) - Eier werden zusammen mit Butter in die Pfanne geschlagen, nicht in Butter „gebraten“ im Sinne einer eigenen Handlung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-141-orig" n="gewurcz" resp="#fyndling">‚Gewürze‘ - Da keine spezifischen Gewürze genannt werden, ist eine typische mittelalterliche Gewürzmischung aus Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken oder Muskat gemeint.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-141-orig" n="full es In ainen taig" resp="#fyndling">‚Fülle es in einen Teig‘ - Es wird angenommen, dass die gefüllten Teiglinge anschließend in Fett ausgebacken werden, wie es für Krapfen typisch ist, auch wenn die Methode nicht explizit genannt wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-151-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine klassische mittelalterliche Fischpastete - ein hafen von taig (Topf aus Teig), also ein raised pie oder coffyn, bei dem die feste Teighülle zugleich Backform, Garhülle und Servierschale ist. Verwandt sind die Aal- und Lachspasteten bgs-019 und mar-148 (gleiche Gerichtsfamilie: Fisch in Teighülle gebacken); bgs-037 folgt einem abweichenden Verfahren (vorgekochter, gefüllter Aal wird geröstet statt lang gebacken) und ist eher lose verwandt.

Der Teig-Topf (coffyn). Mach ain hafen von taig verlangt einen festen, formstabilen Teig, der ohne Form steht - kein weicher Mürbeteig, sondern ein heißwassergebrühter Pastetenteig (wie für englische Pork Pies) oder ein fester Roggen-Weizen-Teig. Er hält den Fisch und seine Säfte und bräunt zur essbaren oder als Servierschale dienenden Kruste. Das aufgestrichene Eigelb (ayr toetter ... mach In obennan gancz) versiegelt und glänzt den Deckel.

Würze und Säure. Petersilie, Ingwer, Pfeffer, kuemich (Kümmel; das Wort ist mehrdeutig und kann auch Kreuzkümmel meinen) und Salz würzen den Fisch; wein oder essich bringt Saftigkeit und die nötige Säure. Der Kümmel kann dominieren - sparsam dosieren und abschmecken.

„als lanng als rogkeins prot". Die Backzeit wird über das vertraute Roggenbrot bemessen - eine lange, mäßige Hitze. Modern entspricht das etwa 160-170 °C für 1,5 bis 2 Stunden, bis die Kruste goldbraun und der Fisch gar ist.

Praxis. Etwa 500-700 g Fischfilet (Hecht, Zander, Lachs, Forelle oder Aal) grob würfeln, mit gehackter Petersilie, Ingwer, Pfeffer, wenig Kümmel, Salz und einem Schuss Wein, Essig oder Verjus mischen. Den festen Teig mindestens 5 mm dick als Topf formen, die Füllung einlegen, mit Teigdeckel verschließen, mit Eigelb bestreichen und im Ofen backen. Vor dem Anschneiden kurz ruhen lassen, damit sich die Säfte setzen. Warm oder bei Raumtemperatur in dicken Scheiben servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-151-orig" n="hafen von taig" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Wörtlich „Topf aus Teig" - eine feste, formstabile Teighülle (coffyn/raised pie), die zugleich Backform, Garhülle und Servierschale ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-151-orig" n="kuemich" resp="#fyndling">Kümmel; das Wort ist mehrdeutig und kann auch Kreuzkümmel (Cuminum cyminum) bezeichnen. Sparsam dosieren, da der Geschmack leicht dominiert.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-151-orig" n="mach In obennan gancz" resp="#fyndling">Den Teigdeckel obenauf vollständig mit Eidotter bestreichen - versiegelt die Pastete und gibt eine glänzende, gebräunte Kruste.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-151-orig" n="als lanng als rogkeins prot" resp="#fyndling">Backzeit-Angabe über das geläufige Roggenbrot: lange, mäßige Hitze, modern etwa 1,5-2 Stunden bei 160-170 °C.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-151-orig" n="mach In obennan gancz" resp="#fyndling">Den Teigdeckel obenauf vollständig mit Eigelb bestreichen (Glasur und Versiegelung).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-155-trans" resp="#fyndling">Welches Rezept ist das? Im Geiste ist das eine Färbeanleitung für Textilien: Farbstofflösung (Dimpten/Tinte) und zerstoßener Alaun werden zusammen vermischt, um Tuch oder Garn grün zu färben. Ein direkter handwerklicher Nachfahre ist die Naturfärberei mit Alaunbeize, wie sie bis heute im Textil-Kunsthandwerk praktiziert wird - das Grundprinzip Farbstoff plus Alaun-Mordant ist seit Jahrhunderten unverändert.

So gelingt es. Das Original nennt nur einen Arbeitsschritt: die Farbstofflösung wird mit zerstoßenem Alaun 'durcheinander gedrückt', also gründlich vermischt. Der Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) wirkt dabei als Beizmittel - er hilft, den Farbstoff auf der Faser zu fixieren, ein in der spätmittelalterlichen Textilfärberei gut belegtes Standardverfahren. Ein Hitzeschritt oder Kochen wird im Text nicht erwähnt.

Praxis. Zerstoßenen Alaun gründlich in die Farblösung einarbeiten, bis eine homogene Mischung entsteht, dann Tuch oder Garn darin tränken. Menge, Einwirkzeit und Spülvorgang nennt das Original nicht - hier ist man auf färberisches Erfahrungswissen angewiesen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-155-orig" n="dimpten" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Form von Tinte, von lateinisch tinctura (Farbstoff, Färbung). In Handschriften auch als dimpte, dinte oder dintten belegt. Hier keine Schreibtinte, sondern eine Farbstofflösung, die zusammen mit Alaun als Beize ein gutes Grün ergibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-155-orig" n="gestossen Allaun" resp="#fyndling">Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) als Beize (Mordant): fixiert Farbstoff auf der Faser und verbessert Farbechtheit, gut belegtes Standardverfahren der spätmittelalterlichen Textilfärberei. Hier direkt mit der Farblösung vermischt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-155-orig" n="zue tuoch oder zue garen" resp="#fyndling">'Für Tuch oder Garn' - eindeutig Textilfärbung. Das Original lässt keinen Zweifel am Verwendungszweck.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-155-orig" n="dimpten" resp="#fyndling">Tinte - frühneuhochdeutsche Form von tinctura (Farbstofflösung). Keine Pflanze.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-158-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist kein Gericht, sondern eine detaillierte Anleitung zum Gerben von Leder mittels Alaun- und Salzbeize - einer der ältesten belegten Gerbmethoden, die ein weiches, helles Leder (Weißleder) ergibt, ohne es zu verhärten. Es ist ein Beispiel für die handwerklichen Inhalte in mittelalterlichen Kochbüchern; lebende Verwandtschaft findet sich nicht in der Küche, sondern im Handwerk: Alaungerbung wird bis heute von Hobby- und Spezialgerbern als milde, nicht-chromhaltige Methode für Felle und Pelze praktiziert.

Die Beize. Alaun und Salz werden in klarem Wasser gelöst, dazu kommt ein wenig Schmalz oder Öl und verquirltes Eigelb. Das Fell wird in diese Mischung getaucht und immer wieder ausgedrückt, damit die Flüssigkeit gut eindringt. Im zweiten Schritt wird etwas Mehl zur Beize gegeben - der Text erklärt nicht, wozu genau, vermutlich verbessert es die Konsistenz oder die Haftung der Beize am Fell. Das Fell verbleibt danach zwei Tage und Nächte darin.

Praxis. Nach dem Beizen wird das Fell herausgenommen, abgezogen und zum Trocknen aufgehängt. Der letzte Schritt ist das Ziehen durch einen ‚Teig‘ - wahrscheinlich eine mechanische Bearbeitung, um die getrocknete Haut zu lockern und geschmeidig zu halten, wie sie unter dem Begriff „Stollen“ in der historischen Lederherstellung belegt ist; die genaue Funktion bleibt im Original vage. Wichtiger Hinweis: Das Gerben von Tierhäuten ist ein Prozess mit Chemikalien (Alaun) und erfordert Fachwissen sowie entsprechende Schutzausrüstung. Dieses historische Rezept dient der Dokumentation und ist nicht als Anleitung zum Nachmachen ohne professionelle Anleitung und Sicherheitsvorkehrungen gedacht.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-158-orig" n="lot" resp="#fyndling">Ein Lot war eine historische Gewichtseinheit, die regional variierte. Hier wird ein süddeutsches Lot von etwa 15 g angenommen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-158-orig" n="allawn" resp="#fyndling">Alaun ist ein Doppelsalz, meist Kaliumaluminiumsulfat, das seit der Antike zum Gerben von Leder, als Beizmittel beim Färben und in der Medizin verwendet wird. Es macht das Leder weich und geschmeidig.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-158-orig" n="hafelain" resp="#fyndling">Ein kleines Häflein oder Topf.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-158-orig" n="paysse" resp="#fyndling">Die Beize, eine Flüssigkeit, die zum Gerben oder zur Vorbehandlung von Materialien verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-158-orig" n="taig" resp="#fyndling">Hier ist ein Teig aus Mehl und Wasser gemeint, durch den das Leder gezogen wird, um es weiter zu glätten und zu konditionieren. Der genaue Zweck bleibt im Text selbst unterspezifiziert.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-171-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein mittelalterlicher, leicht vergorener Senf, der als dicke Paste auf Vorrat gehalten und zum Servieren mit Wein glattgerührt wird - im Geiste ein rustikaler, süß-säuerlicher Bauernsenf, verwandt mit dem lombardischen Senf foc-141 und dem süßen Wein-Honig-Senf kkm-104. Die lebende Verwandtschaft liegt näher bei mildem, süßlichem Wein-/Mostsenf, wie er in Teilen Süddeutschlands und der Schweiz noch bekannt ist, als beim scharfen Industrie-Senf.

Wein-Honig-Sud und Senfmehl. Wein und Honig werden zusammen gut aufgekocht und sorgfältig geschaimpt (abgeschäumt) - das klärt den Sud und entfernt Trübstoffe. Als Startpunkt eignen sich 2 Teile Wein zu 1 Teil Honig. In den noch heißen Sud rührt man Seniff mel (Senfmehl, fein gemahlene Senfsaat) ein, piss es dick werde das der loffel darInne gestee - bis der Löffel darin stehen bleibt. Sparsam mit dem Senfmehl zu sein ist der häufigste Fehler; es nimmt viel Flüssigkeit auf.

Die Gärung - girt er als ain taig. Der Topf wird mit einer Brotrinde abgedeckt und gut verschlossen, dann über Nacht warm gestellt (vf einem ofen oder dar hinder vf der helle - auf dem oder hinter dem Ofen, an der warmen Stelle). Dort girt (gärt) der Senf wie ein Teig und geht leicht auf. Der Text selbst nennt keinen Wirkmechanismus für die Gärung - vermutlich wirken Umgebungshefen, ähnlich einer Sauerteig-Führung, doch das bleibt Vermutung. Danach kühl, aber frostfrei lagern.

Praxis. 200 ml trockenen Weißwein mit 100 g Honig aufkochen, gründlich abschäumen, unter Rühren noch heiß so viel Senfmehl (Mischung aus gelber und brauner Saat, frisch gemahlen) einrühren, dass eine sehr dicke Paste entsteht. Mit einer Scheibe Brotrinde abdecken und gut verschließen, über Nacht an einem warmen Ort (z. B. nahe der Heizung) gären lassen, bis er leicht aufgeht und Bläschen zieht. Anschließend kühl stellen. Zum Servieren eine Portion entnehmen und mit etwas frischem Wein oder Verjus glattrühren. Sicherheitshinweis: Historische Langzeitlagerung bei Raumtemperatur entspricht nicht heutigen Standards - fertigen Senf im Kühlschrank aufbewahren und binnen weniger Wochen verbrauchen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-171-orig" n="Seniff mel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mel">Senfmehl - fein gemahlene Senfsaat. Wird direkt in den heißen Wein-Honig-Sud eingerührt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-171-orig" n="geschaimpt" resp="#fyndling">Abgeschäumt - der beim Kochen aufsteigende Schaum wird entfernt, was den Sud klärt und konzentriert.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-171-orig" n="girt er als ain taig" resp="#fyndling">„Er gärt wie ein Teig" - der Senf fermentiert über Nacht und geht leicht auf; ein für das Korpus seltener, konkret beschriebener Gärungsschritt (girt ist sonst nirgends belegt). Der Text nennt keinen Wirkmechanismus.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-171-orig" n="helle" resp="#fyndling">Die warme Stelle am/hinter dem Ofen (dar hinder vf der helle) - der wärmste Platz der Küche, ideal zum Gären. Gemeint ist die Wärme, nicht die Helligkeit.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-171-orig" n="prots Rinden" resp="#fyndling">Brotrinde - dient im Text als Abdeckung und Verschluss des Topfs während der Gärung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-171-orig" n="Seniff mel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mel">Fein gemahlene Senfsaat (Senfmehl), die direkt in die heiße Flüssigkeit eingerührt wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-180-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist eine mittelalterliche ‚Endoring'-Technik, eine weiße Glasur für gebratenes Geflügel, die dem Huhn ein edles, zartes Aussehen verleihen sollte, ähnlich einem Blancmanger, und sich von den üblichen goldbraunen Braten abhob.

So gelingt es. Der Schlüssel liegt in der richtigen Konsistenz der Glasur und der Hitzeführung. Nimm für ein ganzes Huhn etwa zwei bis drei Eiweiß und rühre mit einem Schneebesen langsam einen Teelöffel feines Mehl ein, bis eine glatte, leicht dickflüssige Masse entsteht - wie ein dünner Pfannkuchenteig. Das Huhn sollte schon fast fertig gebraten sein, mit knuspriger Haut. Bestreiche es dann großzügig mit der Eiweiß-Mehl-Mischung oder übergieße es damit. Stelle es danach nur noch kurz und bei mäßiger Hitze zurück zum Feuer oder in den Ofen (Oberhitze vermeiden), bis die Glasur stockt und mattweiß wird. Der häufigste Fehler ist zu viel Hitze, wodurch die Glasur bräunt und ihren weißen Effekt verliert. Halte die Temperatur niedrig und beobachte es genau.

So wird es richtig gut. Die weiße Glasur ist ein reines Schau-Element, daher muss das Huhn darunter geschmacklich überzeugen. Würze das Huhn vor dem Braten kräftig mit Salz, Pfeffer (falls schon im Haushalt, sonst langer Pfeffer) und zeittypischen Gewürzen wie Ingwer, Muskat oder Nelken. Ein Hauch Verjus oder Essig in der Bratenflüssigkeit gibt dem Huhn eine feine Säure, die gut zur Milde der Glasur passt. Achte darauf, dass die Glasur gleichmäßig und nicht zu dick aufgetragen wird, damit sie schön matt und ebenmäßig stockt. Serviere das Huhn warm, am besten auf einem dunklen Teller oder mit farbigen Beilagen, um den Kontrast des weißen Geflügels zu betonen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-180-orig" n="Mach weiss" resp="#fyndling">Dies ist ein Fragment der Überschrift und bedeutet ‚Mach es weiß‘. Es bezieht sich auf die Technik, das gebratene Huhn mit einer hellen Glasur zu überziehen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-180-orig" n="geprattne huner" resp="#fyndling">Das Rezept beschreibt die Veredelung eines bereits gebratenen oder während des Bratens befindlichen Huhns, nicht den Bratvorgang selbst.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-180-orig" n="gar gerecht werde" resp="#fyndling">Eine typisch mittelalterliche Formulierung, die bedeutet, dass das Gericht den gewünschten Zustand der Perfektion erreicht hat - in diesem Fall, dass die Glasur fest und das Huhn gar ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-180-orig" n="Mach weiss / geprattne huner" resp="#fyndling">Das Rezept beschreibt eine Veredelungstechnik für ein bereits gebratenes Huhn, nicht den gesamten Bratvorgang. Die Anweisung 'Mach weiss' bezieht sich auf die weiße Glasur.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-180-orig" n="ain wenig schon mel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">‚Schon‘ bedeutet hier ‚fein‘ oder ‚gut‘, also feines, hochwertiges Mehl. ‚Ein wenig‘ ist eine unpräzise Mengenangabe, die nach Gefühl zu dosieren ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-181-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Rote Hühner - Huhn, das mit einer safrangelb-goldenen Ei-Mehl-Mischung überzogen und am Feuer weitergegart wird; die farbige Schwester der vorangehenden Hühner-Serie desselben Buches (weiß, schwarz, grün) - hier ist Safran das Farbmittel für Rot-Gold.

Was der Rückverweis bedeutet. Der Text ist ein reines Skelett-Rezept: "nym Saffran ayer vnd mel vnd thue dem als du dem hast gethan" - mach damit dasselbe, was du zuvor getan hast. Ein konkretes Vorrezept nennt der Text nicht, aber die unmittelbare Nachbarschaft im Buch (mha-180: weißes Huhn mit Eiweiß-Mehl-Guss; mha-182: schwarzes Huhn) legt nahe, dass hier dieselbe Grundtechnik gemeint ist: Huhn am Spieß oder in der Pfanne über dem Feuer braten und während oder nach dem Braten mit der Ei-Mehl-Mischung begießen, bis sich eine farbige Kruste bildet. Für ein separates Vorkochen in Wasser oder ein Zerlegen in Stücke vor dem Garen gibt der Text keinen Anhaltspunkt.

Praxis. Huhn am Spieß oder in der Pfanne über offenem Feuer braten. Safran, Eier und Mehl zu einer dickflüssigen, safrangelben Masse verrühren und während des Bratens oder kurz vor Ende mehrfach über das Huhn geben, sodass sich eine goldene Kruste bildet. Gut mit Salz und Pfeffer würzen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-181-orig" n="Item" resp="#fyndling">Standard-Einleitung für ein neues Rezept oder einen neuen Abschnitt in mittelalterlichen Kochbüchern.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-181-orig" n="als du dem hast gethan" resp="#fyndling">Diese Formulierung bedeutet "wie du es zuvor getan hast" und verweist auf eine bekannte oder bereits beschriebene Zubereitungsweise - im Buch liegt die naheliegendste Referenz bei mha-180 (weißes Huhn, Eiweiß-Mehl-Guss aufs bratende Huhn).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-181-orig" n="gewurcz es wol" resp="#fyndling">Würze es gut. Im Mittelalter waren dies typischerweise Salz, Pfeffer und je nach Gericht weitere Gewürze wie Ingwer, Nelken oder Muskat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-181-orig" n="als du dem hast gethan" resp="#fyndling">Verweis auf eine dem Koch geläufige Technik: Huhn am Feuer braten und mit einer Ei-Mehl-Mischung begießen, analog zur unmittelbar vorangehenden Hühner-Serie desselben Buches (mha-180, mha-182). Ein wörtlich benanntes Vorrezept nennt der Text nicht - die Wendung bleibt eine offene Rückverweisung auf bekannte Praxis.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-182-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein reines Bankett-Schaugericht der spätmittelalterlichen Tafelkultur: gebratenes Geflügel wird mit einer tiefschwarzen, glänzenden Sauce übergossen und mit Silber- oder Goldblatt-verzierten Gewürznelken bestückt. Das Prinzip - Farbcodierung von Fleischgängen als Statusdemonstration - findet sich quer durch Europa, etwa in der englischen Forme of Cury mit ihrer eigenen schwarzen Sauce für Kapaune. Am engsten verwandt ist koe-012 aus dem Königsberger Kochbuch, das fast dasselbe Verfahren beschreibt, nur ohne die Edelmetall-Garnitur.

Die Schwärzung. Das Original kennt zwei Wege zur schwarzen Basis: entweder Lebzelten (würziger Honig-Lebkuchen) direkt in der Pfanne verbrennen, bis er schwarz ist, oder ersatzweise Honig und Semmelmehl anstelle des Lebkuchens ebenso schwarz brennen. Der Text verlangt ausdrücklich starke Hitze bis zur sichtbaren Schwärzung, nicht ein vorsichtiges Anrösten - das ist der eigentliche Witz der Technik und keine Fehlerquelle, die es zu vermeiden gilt.

Binden und Passieren. Die geschwärzte Masse lässt man erkalten, verreibt sie mit Eiern und streicht sie durch ein Tuch, bis eine glatte, schwarze Sauce entsteht. Das Ei dient hier als zeittypisches Bindemittel. Erst wenn die Hühner fertig gebraten sind, werden sie mit der Sauce übergossen - die Reihenfolge ist im Text klar festgelegt.

Praxis. Für den Mörser-Schritt reicht heute eine Küchenmaschine oder ein Blender. Zum Garnieren spickt man die Hühner mit Gewürznelken: rote Hühner erhalten silberne, schwarze goldene und grüne sowohl silberne als auch goldene Nägelein - dazu die Nelken vorsichtig mit essbarem Blattmetall belegen. Diese Feinarbeit macht das Gericht zu einem Tafelstück für zuhause, nicht für die Lagerküche.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-182-orig" n="leczellten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#leczellten">„Leczellten" ist die spätmhd./fnhd. Form von Lebzelten / Lebkuchen, gewürztes Honigkuchen-Gebäck aus Roggen- oder Weizenmehl, Honig und einer Mischung aus Zimt, Nelken, Anis und anderen Gewürzen. Im süddeutschen und ostmitteldeutschen Sprachraum (Bayern, Österreich, Böhmen) heute noch als Lebzelten erhalten; verwandt mit Aachener Printen, Pulsnitzer Pfefferkuchen und Nürnberger Lebkuchen. Wichtig zur Disambiguierung: kein dünnes Waffelgebäck und keine Oblate, sondern ein dichter, würziger Honigkuchen. Die Rezept-Alternative (Honig + Semmelmehl, in der Pfanne dunkel geröstet) bestätigt das: man simuliert die Lebkuchen-Basis aus den Grundzutaten, falls man keinen fertigen Lebzelten zur Hand hat.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-182-orig" n="prenn den vncz das er schwarcz werde" resp="#fyndling">‚Brenne es, bis es schwarz wird‘ - die mittelalterliche Anweisung zur kontrollierten dunklen Röstung als Färbe- und Aromatechnik. Gemeint ist ein sehr dunkles, randverkohltes Bräunen, keine vorsichtige Bräunung und kein Verbrennen zu Asche. Die Bitterkeit wird in der fertigen Sauce durch Ei und den Fond des gebratenen Geflügels ausbalanciert.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-182-orig" n="spicken mit nagelein" resp="#fyndling">‚Spicken‘ bedeutet hier nicht das Einziehen von Speckstreifen, sondern das Verzieren oder Garnieren mit Gewürznelken.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-182-orig" n="silbrein / guldein naegelein" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#naegelein">Die Anweisung, Hühner mit ‚silbernen‘ und ‚goldenen Nägelein‘ zu spicken, bezieht sich auf das Anbringen von Gewürznelken, die mit essbarem Silber- oder Goldblatt überzogen wurden. Dies war eine gängige Praxis in der höfischen Küche, um Speisen prunkvoll zu präsentieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-182-orig" n="silbrein / guldein naegelein" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#naegelein">Die ‚silbernen‘ und ‚goldenen Nägelein‘ sind Gewürznelken, die mit essbarem Silber- oder Goldblatt überzogen sind - eine prunkvolle Edelmetall-Garnitur der höfischen Bankettküche.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-183-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein spätmittelalterliches Bankett-Schaugericht: gebratene Hühner, übergossen mit einer ungekochten, durch ein Tuch passierten Petersilien-Ei-Sauce. Die Grundidee - frische Kräuter roh mit Ei und Mehl verquirlt, passiert, über warmes Fleisch gegossen - ist eine frühe Vorstufe der grünen Kräutersaucen-Familie (Sauce Verte, Salsa Verde), allerdings ohne deren spätere Essig-Öl-Emulsion. Fast wortgleich findet sich dasselbe Verfahren im Königsberger Kochbuch (koe-011, „Grün gebratenes Huhn") sowie, mit anderer Verwendung, in der englischen Verde Sawse (foc-136).

Praxis. Die Hühner werden zunächst gebraten, wie im vorhergehenden Rezept mha-182 beschrieben. Für die Sauce Petersilie fein hacken oder im Mörser zerstoßen (geriben), mit Eiern und etwas Mehl vermischen und kräftig würzen, der Text nennt keine festen Mengen, üblich für „gewurcz wol" waren Salz, Pfeffer, Ingwer, Galgant und Nelken. Die Masse durch ein feines Tuch passieren, das entfernt Petersilienfasern und Ei-Klümpchen und ergibt eine glatte, sattgrüne Sauce. Anschließend über die bereits gebratenen Hühner gießen.

Eine Schwachstelle sollte man ehrlich benennen: Der Text erwähnt kein Erhitzen der Sauce selbst, sie wird kalt angerührt und lediglich über das heiße Huhn gegossen. Die Resthitze eines fertig gebratenen Huhns reicht kaum aus, um rohes Ei sicher zu garen oder eine verlässliche Bindung zu erzeugen, in der Praxis empfiehlt es sich, die Petersilien-Ei-Mischung kurz und vorsichtig zu erwärmen, bevor sie über die Hühner kommt. Frisch passieren und zügig servieren, Petersiliengrün oxidiert und verfärbt sich sonst braun. Zum Abschluss die Hühner mit Gewürznelken spicken, die abwechselnd mit Silber- und Goldblatt überzogen sind, laut mha-182 ist diese doppelte Edelmetall-Garnierung den grünen Hühnern als teuerster Variante der Serie vorbehalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-183-orig" n="grunen huner" resp="#fyndling">„Grüne Hühner" sind gebratene Hühner, die ihre Farbe durch eine grüne Petersilien-Ei-Sauce erhalten. Sie sind das dritte Glied einer dreiteiligen Bankett-Serie im Meister Hans: rote Hühner (mit silbernen Nägelein), schwarze Hühner (mit goldenen Nägelein), grüne Hühner (mit silbernen UND goldenen Nägelein). Die Garnier-Hierarchie hebt die grüne Variante als Höhepunkt hervor.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-183-orig" n="geriben" resp="#fyndling">Hier im Sinne von fein gehackt oder im Mörser zerstoßen, nicht gerieben wie mit einer Reibe. Im Mhd. kann „reiben" auch das feine Zerkleinern im Mörser meinen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-183-orig" n="gewurcz wol" resp="#fyndling">Eine allgemeine Anweisung zum kräftigen Würzen, die typischerweise Salz, Pfeffer, Ingwer, Galgant und Nelken umfasste.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-183-orig" n="schlachs durch ain tuoch" resp="#fyndling">Die Masse durch ein feines Tuch passieren, um eine sehr glatte Sauce-Konsistenz zu erzielen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-183-orig" n="Als oben geschriben stet" resp="#fyndling">Bezieht sich auf das unmittelbar vorhergehende Rezept (mha-182, „Schwarze Hühner mit farbigen Nägelein"), das die Anweisung enthält, die Sauce über die gebratenen Hühner zu gießen und sie mit Gewürznelken zu spicken. Für die grünen Hühner gilt dabei nach mha-182 ausdrücklich: silberne UND goldene Nägelein (die rote Variante nur silbern, die schwarze nur golden).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-183-orig" n="grunen huner" resp="#fyndling">‚Grüne Hühner‘ sind gebratene Hühner, die durch eine grüne Petersilien-Ei-Sauce ihre Farbe erhalten. Diese Lesart ergibt sich zwingend aus dem Verweis auf das vorhergehende Rezept mha-182, das eine identische Sauce-über-Huhn-Logik beschreibt und die grünen Hühner ausdrücklich in der Garnier-Hierarchie nennt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-183-orig" n="geriben" resp="#fyndling">‚Geriben‘ wird hier im Sinne von fein gehackt oder im Mörser zerstoßen verstanden, um die Petersilie für die glatte Sauce vorzubereiten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-184-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalte, ungekochte Frucht-Wein-Sauce aus fein zerriebenen Rosinen, bestem Weißwein und Gewürzen, durchs Tuch passiert - als Begleitsauce zu hellem Hühnerfleisch. Im Prinzip eine Vorfahrin heutiger kalter Frucht-Wein-Saucen wie der Cumberland-Sauce: süß-säuerlich, ungekocht, als Kontrast zu Geflügel.

Praxis. Reibe oder zerstoße die Rosinen möglichst fein, etwa im Mörser. Gib den besten Weißwein hinzu, den du bekommen kannst, bis eine streichfähige Masse entsteht. Presse diese Masse kräftig durch ein Tuch, um Fruchthäute und grobe Reste abzutrennen - das Original nennt hierfür ausdrücklich kein feines Sieb, ein sauberes Leinentuch genügt. Würze die passierte Flüssigkeit zuletzt mit den besten Gewürzen, die du hast; historisch passen Ingwer, Pfeffer, Muskat oder Galgant. Das Ergebnis bleibt trotz Passieren eine leicht trübe, fruchtige Flüssigkeit und keine seidig-glatte Sauce im modernen Sinn - dafür fehlt ein feines Sieb oder ein Mixer. Reiben, Wein zugeben, passieren, würzen: mehr Schritte kennt das Original nicht, es braucht keine Hitzequelle und ist am Marktstand mit Mörser oder Reibe und einem Tuch in wenigen Minuten fertig.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-184-orig" n="waelisch weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Italienische Rosinen, meist Korinthen oder Sultaninen, die über Handelswege aus dem Mittelmeerraum importiert wurden.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-184-orig" n="sals sallsen" resp="#fyndling">Eine doppelte Formulierung für ‚Sauce‘ oder ‚Tunke‘, die im Mittelalter häufiger vorkam.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-184-orig" n="das pest gewurcz" resp="#fyndling">Eine typische mittelalterliche Anweisung, die eine Mischung aus hochwertigen, aromatischen Gewürzen wie Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat oder Kardamom impliziert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-184-orig" n="waelisch weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Italienische Rosinen (Korinthen / Sultaninen). welsch bezeichnete im Spätmittelalter vor allem romanisch-italienische Herkunft; bei Handelsware wie getrockneten Weinbeeren meint es konkret die aus dem Mittelmeerraum importierten Sorten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-185-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Das ist im Grunde eine mittelalterliche Salsa verde, eine frische, säuerliche Kräutersauce, die als lebendiger Farb- und Geschmackskontrast zu dunklen, kräftigen Fleischgerichten dient, wie hier zu den schwarzen und roten Hühnern. Verwandte Gerichte leben bis heute fort: die Frankfurter Grie Soß, die italienische Salsa verde und die französische Sauce verte funktionieren nach demselben Grundprinzip - fein verarbeitete grüne Kräuter mit Säure als frischer Kontrast zu schwerem Fleisch.

Zum Text. Das Original nennt genau einen Arbeitsschritt: die Kräuter werden mit Essig „durchgeschlagen", also durchgearbeitet beziehungsweise durch ein Tuch oder Sieb passiert. Ein eigenes Wort für Zerstoßen oder Mörsern (wie es die Schwesterrezepte mha-183 mit „geriben" oder mha-184 verwenden) enthält der Text nicht - das Verfahren selbst bleibt also offen, ob mit dem Messer fein gehackt, im Mörser bearbeitet oder direkt mit dem Essig durchgeschlagen wird.

Praxis. Um dennoch eine streichfähige, glatte Sauce zu erhalten, hat sich in der Nachkoch-Praxis bewährt, die Kräuter fein zu zerkleinern (etwa im Mörser oder mit dem Messer) und mit Essig zu einer Paste zu verarbeiten; wer eine besonders feine Konsistenz möchte, kann die Masse anschließend durch ein Tuch oder Sieb passieren - das ist eine Koch-Empfehlung, keine Textvorgabe. Menge und Essig-Anteil richten sich nach Geschmack: die Sauce soll kräftig säuerlich schmecken, aber nicht beißen, und dickflüssig genug bleiben, um auf dem Teller stabil zu sein. Da Petersilie rasch nachdunkelt, sollte die Sauce erst kurz vor dem Servieren zubereitet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-185-orig" n="salsen" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für Sauce oder Tunke, hier spezifisch im Sinne einer Begleitsauce am Tellerrand (im Gegensatz zur Überziehsauce, die direkt über das Gericht gegossen wird).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-185-orig" n="schwarczen huner / schwarczen roten huneren" resp="#fyndling">Verweist auf das Konzept der Farb-Bankett-Hühner aus mha-182: gebratene Hühner werden mit farbigen Sauce-Überzügen serviert (rot, schwarz, grün), garniert mit silbernen oder goldenen Gewürznelken. Dieses Sauce-Rezept ist die grüne Begleit-Salse, die zu den schwarzen UND roten Varianten gereicht wird, um den Farb-Kontrast und die Säure-Frische zu liefern.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-185-orig" n="schlach das durch" resp="#fyndling">Wörtlich „schlage es durch": die Kräuter werden mit dem Essig durchgearbeitet bzw. durch ein Tuch oder Sieb passiert. Der Text nennt kein eigenes Wort für Zerstoßen oder Mörsern - anders als die Schwesterrezepte mha-183/184, wo ein solches Verb eigens steht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-186-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dieses Gericht ist im Geiste ein sehr frühes, extrem reduziertes Blancmanger, eine Art fein püriertes Huhn, das mit Brot gebunden und mit Wein oder Brühe geschmeidig gemacht wird.

So gelingt es. Der Schlüssel liegt in der Zartheit des Huhns und der feinen Textur. Siede das Huhn mit Knochen langsam und schonend, bis es vom Knochen fällt - das dauert je nach Größe 1,5 bis 2 Stunden bei milder Hitze. Das Fleisch muss so weich sein, dass du es mühelos zerstoßen oder pürieren kannst. Trenne das Fleisch von den Knochen und zerstoße es sehr fein in einem Mörser oder Food Processor, bis es eine glatte Paste ist. Für das Semmelbrot nimm altbackene Brötchen ohne Rinde; als Startpunkt für ein mittelgroßes Huhn (ca. 1,2 kg) etwa 100-150g davon in etwas Brühe oder Wein einweichen. Die eingeweichte Brotmasse zum Hühnerpüree geben und alles gut vermischen. Gib dann schrittweise den guten Wein oder die Hühnerbrühe hinzu, bis eine cremige, standfeste Konsistenz entsteht - ähnlich einem dicken Pâté. Der häufigste Fehler ist eine zu grobe Textur; das Gericht lebt von seiner feinen, homogenen Beschaffenheit.

So wird es richtig gut. Die Qualität der wenigen Zutaten ist entscheidend: Ein gutes Suppenhuhn und ein kräftiger, trockener Weißwein machen den Unterschied. Schmecke die Masse sorgfältig ab. Da das Originalrezept keine Gewürze nennt, kannst du behutsam mit zeittypischen, optionalen Akzenten spielen: Eine Prise Ingwer oder langer Pfeffer (modern: schwarzer Pfeffer) würde die Aromen heben. Auch ein Hauch Safran für Farbe und Aroma wäre denkbar, da er oft in Blancmanger-Varianten vorkommt. Die Säure des Weins ist wichtig für die Balance; falls du Brühe verwendest, kann ein kleiner Schuss Verjus oder Weißweinessig Frische geben. Serviere das gestoßene Huhn lauwarm, vielleicht in kleinen Schalen oder auf geröstetem Brot angerichtet. Die glatte, cremige Textur ist das Highlight, achte auf ein makelloses Finish.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-186-orig" n="gestossen hun" resp="#fyndling">„Gestoßenes Huhn“ - bezieht sich auf die Zubereitungsart, bei der das gekochte Hühnerfleisch im Mörser zu einer feinen Paste zerstoßen wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-186-orig" n="stoss rain" resp="#fyndling">„Stoße rein“ - bedeutet, das Fleisch sauber und fein zu zerstoßen, bis es eine glatte Konsistenz hat.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-186-orig" n="semlein prot" resp="#fyndling">„Semmelbrot“ - ein feines Weißbrot, oft altbacken verwendet, um Saucen oder Mus zu binden und zu strecken.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-186-orig" n="stoss rain" resp="#fyndling">Zerstoße das Fleisch fein im Mörser. Dies ist die gängige Interpretation für „stoßen“ im Kontext von Fleischzubereitung in mittelalterlichen Rezepten, um eine glatte Farce zu erhalten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-186-orig" n="semlein prot darunder" resp="#fyndling">Gib Semmelbrot hinzu, um die Masse zu binden und zu strecken. Brot war ein übliches Bindemittel und Füllstoff.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-191-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein einzelnes Gericht, sondern eine Anekdote und Verwertungs-Lehrstück: Der Meister kauft mangels Auswahl ein ganzes Kalb und macht daraus für viele Gäste eine ganze Tafel verschiedener Speisen - mittelalterliches „Nose to Tail". Die Einzelglieder haben lebende Nachfahren: die Sülze aus den Füßen ist eine Vorform heutiger Kalbssülze/Aspik, die gefüllte Kröse eine Vorform der gefüllten Wurst-/Saumagen-Familie, die im Netz gegrillte Leber ein naher Verwandter von Crépinette bzw. Fegato nella rete (vgl. die Zwillinge mon-130 und mar-027), die Blut-Wein-Lebkuchen-Sauce eine Vorstufe von Schwarzsauer/Panhas (nahezu wortgleich in m5919-099), und das Lungenmus mit Eigelb ein Vorläufer heutiger Innereien-Ragouts.

Charakter. Der Text ist als Erzählung gehalten (‚einst kamen wir in eine Stadt …') und führt vor, wie sich aus einem Tier Braten, Muse, Sülzen und Innereiengerichte ableiten lassen. Wir geben ihn als Verwertungs-Lehrstück wieder, ohne eine feste Einzel-Rezeptur hineinzulesen.

Kröse gesondert sieden. Die Ei-Speck-Semmel-Füllung wird getrennt von den übrigen, dunkler garenden Innereien gekocht - das schützt sie vor Verfärbung durch die Brühe und hält sie hell, wie der Text selbst festhält (‚so bleibt es schön weiß').

Leber im Netz. Das Netz (Bauchfell) hält die weiche Leber-Ei-Brot-Masse beim Garen zusammen und liefert eigenes Fett; die zwei bis drei Hölzer auf dem Rost dienen als Wendehilfe, damit die Masse beim Umdrehen nicht bricht - beides steht wörtlich im Text.

Praxis. Als Leitfaden lesen: Edelteile braten oder schmoren, Innereien zu Mus/Leberpfeffer, Füße und Schwarte zu Sülze, Reste zu Farce - die einzelnen Verfahren stehen je in den verwandten Rezepten. Für eine einzelne Feuerstelle ist die Koordination der rund zehn Teilgerichte mit unterschiedlichem Timing (sofort verarbeiten vs. erst kalt stellen) anspruchsvoll und realistisch nur mit mehreren Kochstellen oder Personen zu bewältigen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="haissen wein vnd stach das kalb also ganncz" resp="#fyndling">Das Kalb wird mit heißem Wein durchstochen - der Zweck bleibt im knappen Wortlaut offen (Durchtränken/Vorbereiten vor der Zerlegung oder ein Brüh-/Reinigungsschritt sind beide denkbar).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="sullcz" resp="#fyndling">Sülze oder Aspik, ein Gericht, das durch das Gelieren von Kollagen aus Knochen und Bindegewebe entsteht.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="kroeesz" resp="#fyndling">Die Kröse, auch Omentum oder Bauchfell genannt, ist eine fetthaltige Membran, die die Bauchorgane umhüllt und hier als Hülle für eine Füllung dient. Der Begriff ist im Korpus ein Hapax legomenon (nur hier belegt); die CoReMA-Sachglossen bieten keine über den TEI-Text hinausgehende Klärung.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="kragen vnd das wamlein" resp="#fyndling">Bezeichnet hier Teile der Kröse oder des Bauchfells, die gefüllt werden. Auch wamlein ist im Korpus ein Hapax legomenon; die Lesart als Bauchfell-Teil ist plausibel, aber ohne Zweitquelle nicht letztgültig zu sichern.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="wampen vnd den magen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen">Pansen und Magen des Kalbes, die hier gekocht und in Scheiben serviert werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="semlein prot" resp="#fyndling">Ein Weißbrot, oft eine feine Semmel oder ein Brötchen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="wurfflat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#wurfflat">Würfelig geschnitten.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="necz" resp="#fyndling">Das Netz, auch Bauchfell oder Omentum, eine fetthaltige Membran, die hier zum Umwickeln des Lebergerichts verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="hollczer" resp="#fyndling">Holzstücke, die als provisorischer Rost oder zum Wenden des Bratguts dienen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="schwaiss von dem kalb" resp="#fyndling">Kalbsblut, ein häufiges Bindemittel und Zutat in mittelalterlichen Saucen und Gerichten.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="resssen leczellten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#leczellten">ressen leczellten = scharfer/würziger Lebkuchen (Lebzelten), nicht Semmelbrösel. Geriebener Lebkuchen bindet und würzt die Blut-Wein-Sauce (Leberpfeffer-Prinzip); dasselbe Wort steht in mha-014 und mha-182 für Lebkuchen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="lungel muoss" resp="#fyndling">Ein Mus oder Ragout aus Kalbslunge, das mit Brühe und Eigelb angedickt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="ayer totter" resp="#fyndling">Eigelb.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="praettig fleisch von dem diehe" resp="#fyndling">Fettiges Fleisch vom Kalbsschenkel.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="praten" resp="#fyndling">Hier im Sinne von gebratenen oder gekochten Fleischpasteten/Frikadellen, nicht als Braten im modernen Ofensinn.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="naegelein" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#naegelein">Nelken, ein beliebtes Gewürz im Mittelalter.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="lanng" resp="#fyndling">Ein langes, zusammenhängendes Stück Fleisch, das gekocht und geschnitten wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="geprennten pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Gebrannter Pfeffer, eine mittelalterliche Würzzutat, bei der Pfefferkörner geröstet oder leicht verkohlt wurden, um ein rauchiges Aroma zu erzielen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="zwifel" resp="#fyndling">Zwiebeln.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="vaistne von dem fleisch" resp="#fyndling">Fettiges Stück vom Fleisch.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="furhessen" resp="#fyndling">Ein Vorgericht oder eine Vorspeise - vor-essen, nicht ‚für den Fürsten‘ (naheliegende, aber falsche Lesart).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-191-orig" n="vnndereinannder" resp="#fyndling">Unklare Stelle im Original (‚Nym vnndereinannder das lanng leg…'). Möglicherweise ein Verschreiber-Rest aus dem vorangehenden Absatz (‚miteinannder‘) oder eigenständig im Sinn von ‚nimm darunter/gemischt‘ - Wortsinn nicht sicher zu klären.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-191-orig" n="haissen wein vnd stach das kalb also ganncz" resp="#fyndling">Das ganze Kalb wird mit heißem Wein durchstochen - vermutlich um es zu durchtränken/vorzubereiten, bevor es zerlegt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-191-orig" n="resssen leczellten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#leczellten">Scharfer/würziger Lebkuchen (Lebzelten), gerieben - als Binder und Würze für die Blut-Wein-Sauce (Leberpfeffer-Prinzip). leczellten/lebzelten ist Lebkuchen; dasselbe Wort steht in mha-014 und mha-182 für Lebkuchen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-192-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist kein eigenständiges Rezept, sondern eine kurze Vorrede zur Sektion der ‚Mus‘-Gerichte (Breie, Pürees, Eintöpfe) im Kochbuch. Es benennt die grundlegenden Zutaten, die für viele dieser Speisen im Mittelalter unverzichtbar waren: Ackerfrüchte (Getreide und Hülsenfrüchte), Milch und Weizenmehl.

So gelingt es. Da es sich um eine Einführung und nicht um ein Rezept handelt, gibt es hier keine Zubereitungsschritte im eigentlichen Sinne. Der Text unterstreicht die Wichtigkeit von Ackerfrüchten - also Getreide wie Hirse, Gerste, Hafer, Dinkel oder Roggen, aber auch Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen und Ackerbohnen (Saubohnen) - als Basis der Ernährung. Der Hinweis, im März mit der Vorratshaltung zu beginnen, ist ein praktischer Tipp für die damalige Haushaltsführung, da zu dieser Zeit oft die letzten Erntevorräte aufgebraucht wurden und neue Saaten vorbereitet werden mussten, was eine vorausschauende Planung erforderte.

So wird es richtig gut. Die genannten Zutaten sind die Säulen der mittelalterlichen Alltagsküche. Aus Ackerfrüchten, Milch und Mehl ließen sich unzählige nahrhafte und sättigende Gerichte zubereiten, von einfachen Getreidebreien (oft mit Milch gekocht) bis hin zu verdickten Eintöpfen und Suppen. Weizenmehl war dabei die Grundlage für Brot, aber auch für Nudeln, Teigtaschen und zum Binden von Saucen. Die Kombination dieser Grundnahrungsmittel ermöglichte eine vielseitige und ausgewogene Ernährung für alle Schichten der Gesellschaft.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-192-orig" n="Merczen" resp="#fyndling">März. Der Text beginnt mit dem landwirtschaftlichen Jahreszyklus.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-192-orig" n="acker spisz milich" resp="#fyndling">‚Ackerspeise [und] Milch‘. ‚Ackerspeise‘ bezeichnet im Frühneuhochdeutschen meist Feldfrüchte im engeren Sinn - Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen) und/oder Getreide - also keine allgemeine ‚Acker-Speise‘, sondern eine konkrete Zutatenkategorie.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-192-orig" n="manigerlaj weiss" resp="#fyndling">‚Mancherlei Weißes‘ - die vielen weißen Erzeugnisse, die aus Feldfrüchten und Milch gewonnen werden (Mehl, Brei, Brot, Milchprodukte).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-192-orig" n="kristen haiden Iuden" resp="#fyndling">Christen, Heiden, Juden. Rhetorischer Topos für ‚alle Menschen‘ - soll die universelle Bedeutung von Brot und Milch als Grundnahrung unterstreichen, keine theologische Aussage.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-192-orig" n="Aber ein guet gemuess gemueß" resp="#fyndling">Dittographie/Schreiberwiederholung: Der Schreiber hat den Überschriftstext versehentlich in den Fließtext wiederholt. Sinngemäß zu lesen als: ‚Item, der ein guet gemueß wil machen…‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-192-orig" n="Aber ein guet gemuess" resp="#fyndling">‚Aber‘ bedeutet hier ‚noch ein‘ - der Titel reiht den Eintrag in eine Serie von Mus-/Gemüese-Rezepten ein (vgl. Rezept 191 endet u.a. mit ‚guot gemuesz‘). Der Eintrag ist als Vorrede zu dieser Sektion zu lesen, nicht als eigenständiges Rezept.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-192-orig" n="Item der guot Aber ein guet gemuess gemueß wil machen" resp="#fyndling">Dittographie/Schreiberwiederholung: ‚Aber ein guet gemuess‘ ist die versehentlich noch einmal eingeschobene Überschrift. Sinngemäß: ‚Item, der ein guet gemueß wil machen, der heb in dem Merczen an…‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-192-orig" n="acker spisz" resp="#fyndling">‚Ackerspeise‘ als konkrete Zutatenkategorie: Feldfrüchte im engeren Sinn - vor allem Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen) und Getreide, die typische Basis eines spätmittelalterlichen ‚Mus‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-192-orig" n="acker spisz milich" resp="#fyndling">Aufzählung: ‚Ackerfrüchte [und] Milch‘ - die zwei Hauptzutatenkategorien für ein Mus.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-194-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist ein prächtiger, ganzer, wieder gefüllter Hecht vom Rost - im Geiste verwandt mit einer Fisch-Galantine oder Ballotine, aber über offenem Feuer zubereitet. Nach dem Garen sieht der Hecht wieder aus wie ein unversehrter, ganzer Fisch, ist innen aber reine Farce - ein Schaustück der spätmittelalterlichen Fischküche.

So gelingt es. Der Schlüssel liegt im sorgfältigen Ablösen der Haut. Löse mit einem kleinen, scharfen Messer am Rücken beginnend, am Schwanz ansetzend, das Fischfleisch von der Haut, solange dieses zwischen der Haut noch ganz locker ist. Ziel ist es, die Haut mit den Schuppen unversehrt zu erhalten. Das entgrätete Hechtfleisch und zusätzliches Weißfischfleisch (als Startpunkt etwa 1:1 Hecht zu weiterem Fisch) werden sehr fein gehackt - idealerweise durch den Fleischwolf oder mit dem Wiegemesser zur feinen Farce verarbeitet. Für die Würzung der Farce reichen als Startpunkt je 1-2 Teelöffel der gehackten Kräuter (Bertram, Ysop, Eberraute oder Salbei, Petersilie) pro 500g Fischmasse, dazu eine kräftige Prise guter Gewürze. Für Nicht-Fastentage kannst du 1-2 geriebene Äpfel und 1-2 Eier pro 500g Fischmasse untermischen - die Eier binden die Farce zusätzlich. Fülle die Haut nicht zu prall, sonst platzt sie beim Garen. Das Haupt wird mit Küchengarn wieder angenäht. Lege den gefüllten Hecht auf einen Rost und brate ihn sauber und schön - der Text nennt weder Glutführung noch Wende-Häufigkeit, achte also selbst darauf, dass die Haut nicht anbrennt oder am Rost festklebt.

Praxis. Die größte Tücke liegt genau dort, wo der Originaltext schweigt: Die mit Farce gefüllte, wieder angenähte Haut kann auf dem blanken Rost festkleben und beim Wenden reißen, gerade weil sie dünn und mit Schuppen intakt bleiben soll. Ein gut vorgeheizter, sauberer Rost und vorsichtiges, seltenes Wenden helfen. Die Schindel wird im Text nur als separat anzufertigendes Brettchen in Hechtlänge erwähnt - wozu genau sie dient, sagt das Rezept nicht; vermutlich als Unterlage oder Formhilfe beim Befüllen, das bleibt aber Vermutung. Serviere den Hecht warm, direkt vom Rost.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-194-orig" n="perchtram" resp="#fyndling">Der Bertram (Anacyclus pyrethrum) ist eine Korbblütler-Art, deren Wurzel als scharf-prickelndes Gewürz und Heilmittel geschätzt wurde. Er ist in Apotheken als Bertramwurzel erhältlich.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-194-orig" n="ysoppen" resp="#fyndling">Ysop (Hyssopus officinalis) ist ein aromatisches Kraut mit leicht bitterem, minzigem Geschmack, das in der mittelalterlichen Küche häufig verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-194-orig" n="Abrautten" resp="#fyndling">Eberraute (Artemisia abrotanum) ist ein zitronig-bitteres Beifuß-Gewächs, das in der schwäbisch-alemannischen Küche oft zu Fisch und Sülzen verwendet wurde. Nicht zu verwechseln mit Weinraute.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-194-orig" n="Saluan" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saluan">Salbei (Salvia officinalis) ist ein weit verbreitetes Küchenkraut, das für seinen kräftigen, leicht bitteren Geschmack bekannt ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-194-orig" n="guotem gewurcz" resp="#fyndling">Im Spätmittelalter umfassten ‚gute Gewürze‘ typischerweise eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Muskatnuss, Nelken und Zimt. Die genaue Zusammensetzung variierte je nach Verfügbarkeit und Wohlstand des Haushalts.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-194-orig" n="vast tag" resp="#fyndling">Ein Fastentag im mittelalterlichen Christentum bedeutete den Verzicht auf Fleisch von Landtieren und Eier. Fisch galt als Fastenspeise. Die Zugabe von Äpfeln und Eiern ist daher nur für Nicht-Fastentage vorgesehen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-194-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein Rost bezeichnet hier einen Grill oder eine Vorrichtung zum Braten über offenem Feuer oder Glut. Dies konnte ein Metallrost oder auch ein hölzerner Rost aus frischem, grünem Holz sein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-194-orig" n="mannnEin Schaft zuviel und zusätzliches n?" resp="#fyndling">Die CoReMA-Edition markiert hier eine unklare Stelle. Wir interpretieren den Satz als generische Anweisung, die sich auf den gefüllten Hecht bezieht, und ignorieren die Editor-Anmerkung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-194-orig" n="nym der selben In die or= waennglein" resp="#fyndling">Wir interpretieren ‚orwaennglein‘ als die Kiemen des Fisches, die ebenfalls mit der Füllung versehen werden können, um den Hecht praller erscheinen zu lassen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-194-orig" n="das die fuell schon ge= waschen sey" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Wir interpretieren dies als eine Anweisung, die Zutaten für die Füllung gründlich zu waschen, bevor sie verarbeitet werden, da die fertige Füllung selbst normalerweise nicht gewaschen wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-201-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein früher, rein pflanzlicher Aufstrich beziehungsweise ein süßes Zwischengericht: Hanfsamen werden im Mörser zerrieben und im Kessel geschlagen und gesiedet, bis eine dickliche, quarkartige Masse entsteht - ein sogenannter "Schotten". Serviert wird sie mit in Öl gebratenen Apfelspalten und Zucker. Im Kochbuch des Meisters Hans ist das kein Einzelfall: Der Mandel-Schotten (mha-005) und der Mohn-"Käse" (mha-024) nutzen dasselbe Grundverfahren - Samen oder Kerne zerreiben, zu einer Masse verarbeiten und einsieden - nur mit anderer Rohstoffbasis. Eine moderne Entsprechung mit Eigennamen gibt es nicht; am ehesten vergleichbar sind heutige vegane Zubereitungen aus Samenmilch, die zu einer quarkartigen Masse eingedickt werden.

Die Konsistenz. Der Transkripttext nennt kein Passieren durch ein Tuch oder Sieb - anders als bei manchen Mandelmilch-Rezepten des Korpus wird die im Mörser geriebene Hanfmasse direkt im Kessel weiterverarbeitet. Ohne diesen Schritt bleibt das Ergebnis eher ein grobes, faseriges Hanfmus als eine feine, glatte Masse. Wer eine glattere Textur möchte, kann die geriebene Masse vor dem Sieden durch ein feines Tuch passieren - das ist eine sinnvolle moderne Ergänzung, aber keine Vorgabe des Originaltexts.

Praxis. Wasche die rohen Hanfsamen gründlich und reibe sie im Mörser. Gib die geriebene Masse in einen Kessel und lass sie unter ständigem Rühren langsam köcheln, bis die Flüssigkeit reduziert ist und eine dickliche, quarkähnliche Masse entsteht - das ständige Rühren verhindert dabei das Anbrennen am Kesselboden. Der Text nennt drei Stunden als Richtwert; das ist als lange, langsame Reduktion ohne Uhr zu verstehen, nicht als starre Zeitvorgabe. Schäle in der Zwischenzeit zwei bis drei Äpfel und schneide sie der Länge nach in Spalten. Brate die Apfelspalten in Öl an, bis sie weich sind, ohne dass sie schwarz werden. Richte die fertige Hanfmasse an, lege die Apfelspalten an den Tellerrand und bestreue beides mit Zucker.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-201-orig" n="haniff" resp="#fyndling">Hanf. Hier sind Hanfsamen gemeint, aus denen eine Art Pflanzenmilch gewonnen wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-201-orig" n="schlah In durch drej stund" resp="#fyndling">Wörtlich „schlage ihn drei Stunden lang durch“. Dies bezieht sich wahrscheinlich auf ein langes, langsames Rühren und Sieden, um die Hanfmilch zu verdicken und eine quarkähnliche Konsistenz zu erreichen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-201-orig" n="rindlein vol" resp="#fyndling">Ein kleines Schälchen oder eine Tasse voll. Eine ungenaue Mengenangabe.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-201-orig" n="prenn die ab" resp="#fyndling">Wörtlich „brenne sie ab“. Hier im Sinne von „kurz anbraten“ oder „sautieren“, nicht verbrennen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-201-orig" n="reim" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#reim">Rand, Kante, hier im Sinne von „Tellerrand“. Die Beleglage ist dünn - nur ein Idiotikon-Fund stützt diese Lesart, ähnlich wie bei „rindlein“.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-201-orig" n="schott" resp="#fyndling">Im Kontext von Meister Hans bezeichnet „Schotten“ eine Art Quark oder Dickmilch, oft aus pflanzlichen Zutaten wie Nüssen oder Samen hergestellt - vergleiche den Mandel-Schotten (mha-005) und den Mohn-„Käse“ (mha-024) im selben Werk.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-201-orig" n="schlah In durch drej stund" resp="#fyndling">Die Hanfmasse nach dem Reiben im Mörser drei Stunden lang unter ständigem Rühren im Kessel sieden lassen, um eine dicke, quarkähnliche Konsistenz zu erzielen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-201-orig" n="ain rindlein vol" resp="#fyndling">Ein kleines Schälchen oder eine Tasse voll des fertigen Hanfschottens.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-201-orig" n="schott" resp="#fyndling">Eine Art Quark oder Dickmilch, hier aus Hanfsamen hergestellt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-201-orig" n="rindlein" resp="#fyndling">kleines Schälchen</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-201-orig" n="reim" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#reim">Tellerrand.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-209-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Das Rezept beschreibt keine eigenständige Speise, sondern die Herstellung zweier Komponenten: eine gebackene Hülle aus Mehl- oder Eierteig in einer Form (‚kopff') und einen separat gefärbten Reisfladen (‚plat auss reiss'). Beide dienen offenbar als Präsentationsrahmen für ein im Titel genanntes, aber nicht näher beschriebenes ‚gemuess'. Verwandte Konstruktionen, bei denen Teig oder Ei zugleich Hülle und Backform sind, finden sich auch in ant-106 (Erbsen im Teigbecher) und ant-068 (Forelle im Teigmantel). Der Reisfladen ist dabei kein Gefäß, sondern - wie der Korpus-Parallelbeleg m5919-087 (‚mach ain plat von ayren ... pach es in smaltz') zeigt, wo dasselbe Wort ‚plat' eindeutig einen flachen, in Schmalz gebackenen Eierkuchen bezeichnet - ein flacher Fladen.

Die Hülle aus Mehl oder Eiern. Für die Mehlvariante wird ein fester Teig aus Mehl und Wasser oder Ei in eine Form gegeben und abgebacken oder abgebraten, bis er fest ist. Die Eier-Variante ist eine kräftig verquirlte, in einer Form gestockte Eierspeise. Der Text nennt weder Mengen noch Garzeiten noch eine Wandstärke - das bleibt der eigenen Erfahrung überlassen. ‚Prenn In ab' heißt schlicht: backe oder brate es fertig.

Der Reisfladen. Rundkornreis wird gar gekocht und zu einem flachen Fladen verarbeitet, der wahlweise weiß belassen oder grün gefärbt wird. Der Text nennt kein Färbemittel; naheliegend und period-treu wäre Petersiliensaft, belegt ist das hier aber nicht. Wie der Reis genau in Fladenform gebracht wird, bleibt offen - die Bindung dürfte allein durch die Stärke des klebrig gekochten Reises erfolgen.

Praxis. Für die Hülle einen festen Mehlteig oder verquirlte Eier in eine gefettete, hitzefeste Form geben und in der Pfanne oder im Ofen abbacken, bis die Masse fest und leicht gebräunt ist. Für den Reisfladen Rundkornreis in reichlich Wasser weich und klebrig kochen, abtropfen lassen und zu einem flachen Fladen formen; für die grüne Variante feingehackte Petersilie oder ihren ausgepressten Saft unterheben. Was als ‚gemuess' dazugehört, sagt der Text nicht - hier bleibt Raum für eine eigene, zeittypische Füllung nach Wahl.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-209-orig" n="kopff" resp="#fyndling">Hier eindeutig 'Form/Schüssel' (Backform), nicht 'Kopf' als Körperteil - der Satzbau ('den mach von mel oder von ayren') schließt die wörtliche Lesart aus. Korpusweit ist 'kopff' aber ein Homograph: in mha-231 und kkm-054 bezeichnet dasselbe Wort einen echten Tier-/Schweinskopf.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-209-orig" n="vach oder mach" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#vach-oder-mach">Satzeröffnende Disjunktion: 'vach' (vâhen = fangen/anfangen, gestützt durch den Zwillingsbeleg mon-083 'vach den Swayß' = 'fang das Blut auf') stellt zwei alternative Herangehensweisen nebeneinander - etwas beginnen/anfangen versus es direkt machen ('mach'). Im MHDBDB ist 'vach' als Adjektiv mit den Bedeutungsfeldern Gewässer/Handarbeit/Jagd belegt, ein eindeutiger Beleg für 'beginnen' fehlt jedoch.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-209-orig" n="prenn In ab" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch für 'backe oder brate es ab', also das Fertiggaren der Hülle.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-209-orig" n="plat auss reiss" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Ein flacher Fladen aus Reis, kein Gefäß - der Korpus-Parallelbeleg m5919-087 ('mach ain plat von ayren ... pach es in smaltz') zeigt dasselbe Wort eindeutig als flachen, gebackenen Eierkuchen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-209-orig" n="grun oder weiss" resp="#fyndling">Bezieht sich auf die Farbe des Reisfladens, der entweder weiß belassen oder grün gefärbt werden kann.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-209-orig" n="gemuess" resp="#fyndling">In den sieben übrigen Korpusbelegen (mha-144, mha-192, mha-207, mha-211, mha-239, mha-241, mha-252) bezeichnet 'gemuess' durchgängig ein gekochtes Mus, nicht 'Gemüse' im modernen Sinn. mha-209 selbst ist strukturell kein Mus-Rezept, sondern beschreibt nur Hülle und Reisfladen - die genaue Bedeutung hier bleibt daher unsicher (siehe interpretive_choices).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-209-orig" n="Das gemuess" resp="#fyndling">Der Titel 'Das gemuess' wird als allgemeiner Begriff für ein zubereitetes (Mus-)Gericht verstanden, dessen Komponenten hier beschrieben werden, ohne die Füllung explizit zu nennen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-209-orig" n="vach oder mach" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#vach-oder-mach">Die Disjunktion am Satzanfang stellt zwei alternative Herangehensweisen nebeneinander: etwas beginnen/anfangen ('vach', vâhen) oder es direkt machen ('mach').</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-209-orig" n="In ainen kopff" resp="#fyndling">Die Phrase 'In ainen kopff' wird als Anweisung verstanden, eine Form oder Schüssel zu verwenden, um eine gebackene Hülle herzustellen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-209-orig" n="plat grun oder weiss auss reiss" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Dies wird als flacher Reisfladen interpretiert, der entweder weiß belassen oder grün gefärbt wird - gestützt durch den Parallelbeleg m5919-087, wo 'plat' eindeutig einen flachen, gebackenen Eierkuchen bezeichnet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-209-orig" n="gemuess" resp="#fyndling">Gericht/Mus</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-209-orig" n="prenn" resp="#fyndling">braten/backen</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-211-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Fischmus aus beliebigen Fischen in Mandelmilch - eine feine Fastenspeise (fischtauglich, milchfrei durch die Mandelmilch).

Praxis. Fische gar ziehen, fein hacken und zerstoßen, in dicke Mandelmilch geben, würzen und sämig einkochen. Gehört zu den Mandelmilch-Fastenmusen des Korpus.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-211-orig" n="gemuess" resp="#fyndling">Im Mittelalter ein Sammelbegriff für Brei, Püree oder auch Auflauf, nicht nur für Gemüse.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-211-orig" n="mandel milich" resp="#fyndling">Pflanzliche Milch aus gemahlenen Mandeln und Wasser, eine wichtige Zutat in der mittelalterlichen Küche, besonders während der Fastenzeit.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-211-orig" n="gemuess" resp="#fyndling">Mus / Püree. Die Zubereitung als dickes Püree oder Farce aus Fisch, eingedickt mit Mandelmilch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-211-orig" n="hack denn klain vnd hack sy" resp="#fyndling">Die Verbverdopplung "die hack denn klain vnd hack sy" ist verdächtig - sie spricht stark dafür, dass der zweite Vorgang ursprünglich ein Komplement hatte, das in der Überlieferung verloren ging. Plausible rekonstruierte Vorlagen: "hack sy IN den mörser" (= dann zerstoße sie im Mörser, also ein zweiter Zerkleinerungs-Schritt mit anderem Werkzeug zur Pasten-Konsistenz), oder "hack/stoss sy MIT [brot/mandeln/reis]" (= dann zerstoße sie mit dem Bindemittel zusammen, also Integration im Mörser). quellenübergreifender Beleg in kkm-028 "Feines Fischmus mit Mandeln und Reis": dort explizit "Zerstoße den Fisch sehr gut im Mörser zusammen mit Mandelmilch und in Mandelmilch eingeweichtem Weißbrot" - das ist die Vollform des Verfahrens, das mha-211 hier auf die kürzeste mögliche Notiz reduziert. Diese Lesart konvergiert mit dem zweiten Indiz für Vorlagen-Kürzung (siehe "mandel milich (Andickungs-Logik)"): wenn der Mörser-mit-Brot-Schritt fehlt, fehlt auch der Binder - die zwei Anomalien zeigen denselben gekürzten Vollverfahrens-Kern.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-211-orig" n="mandel milich (Andickungs-Logik)" resp="#fyndling">Reine, geseihte Mandelmilch (= flüssige Mandel-Wasser-Mischung nach dem Abseihen der Festbestandteile) dickt durch Sieden allein NICHT ein, sie reduziert höchstens. Damit das Fischmus wie gefordert "dick werde", muss eines (oder mehrere) zutreffen: 1) Hier ist "dicke Mandelmilch" gemeint, also die UNGESIEBTE Mandelmasse mit Mandel-Festanteilen (so explizit in bgs-056 "Fischfladen mit Apfel und Mandelmilch": dort "dicken mandelmilch" + Reismehl). 2) Die fein gehackte Fischmasse selbst trägt als Hauptbulk zur Andickung bei, sobald die Flüssigkeit reduziert ist - bei reichlich Fisch und wenig Mandelmilch ergibt sich ein dickes Fisch-Mus mit Mandel-Sauce. 3) Ein zusätzliches Bindemittel (Brot, Reis, Reismehl) wird vorausgesetzt, aber als bekannte Standardpraxis nicht erwähnt - so explizit in kkm-028 "Feines Fischmus mit Mandeln und Reis": dort Mandelmilch + in Mandelmilch eingeweichtes Weißbrot + weich gekochter Reis. Praktischer Modus: 1-2 EL gestoßene Mandeln in der Mandelmilch belassen ODER 1 Scheibe Weißbrot darin einweichen und mitstoßen, dann mit der Fischmasse vermengen und einkochen. Zweites unabhängiges Indiz für eine gekürzte Vorlage: die Verbverdopplung "hack denn klain vnd hack sy" (siehe eigener interpretive_choice) - der zweite hack-Schritt hat vermutlich ein Komplement verloren ("hack/stoss sy IN den mörser MIT brot"), das genau den fehlenden Binder einführen würde. Beide Anomalien zeigen also denselben gekürzten Kern.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-214-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein einfacher, gebackener Käse-Eier-Fladen, im Geiste verwandt mit einem herzhaften Käsekuchen ohne Boden oder einem Gratin, der als Vorspeise oder Beilage diente. Die ‚Masannczen‘ sind quasi kleine Käse-Mäsle, die im Ofen gestockt werden.

So gelingt es. Der Schlüssel liegt in der richtigen Käse-Ei-Balance und der Hitzeführung. Nimm einen kräftigen, gut reibbaren Käse, der nicht zu fett ist, damit er beim Backen nicht zu stark ausölt - ein gereifter Bergkäse, alter Gouda oder ein kräftiger Emmentaler sind ideal. Als Startpunkt für 250g geriebenen Käse rechne mit 2-3 mittelgroßen Eiern. Die Masse sollte dickflüssig, aber noch streichfähig sein, ähnlich einem sehr dicken Pfannkuchenteig. Verteile sie etwa 1-2 cm dick auf einem leicht gefetteten Blech oder in einer flachen Auflaufform. Backe die Masannczen bei mittlerer Hitze (ca. 180-200°C Ober-/Unterhitze) im Ofen, bis sie goldbraun sind und die Masse vollständig gestockt ist. Das dauert je nach Dicke 15-25 Minuten. Der häufigste Fehler ist eine zu dünne Masse, die nicht richtig stockt, oder zu langes Backen, wodurch der Käse trocken und zäh wird. Halte die Backzeit im Auge und nimm die Masannczen aus dem Ofen, sobald sie fest und goldbraun sind.

So wird es richtig gut. Das ‚wenig Gewürz‘ ist entscheidend: Ein Hauch frisch geriebener Muskatnuss und etwas schwarzer Pfeffer heben den Käsegeschmack wunderbar hervor. Für eine besondere Note kannst du auch eine Prise Ingwer oder Nelke hinzufügen. Wenn du Safran verwendest, weiche die Fäden kurz in einem Esslöffel warmem Wasser oder Weißwein ein, bevor du sie zur Käsemasse gibst - so entfalten sie Farbe und Aroma optimal. Ein Spritzer Verjus oder Weißweinessig in der Masse kann die Käsenote wunderbar aufbrechen und für eine feine Säurebalance sorgen, die das Gericht lebendiger macht. Serviere die Masannczen warm, vielleicht mit einem einfachen grünen Salat dazu. Die Ränder dürfen ruhig leicht knusprig werden, das gibt schöne Röstaromen und Textur.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-214-orig" n="Masannczen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#masannczen">Frühneuhochdeutscher Begriff aus der schwäbisch-alemannischen Küchensprache: vermutlich gebildet aus mhd. masse ("Klumpenmasse, Teig") mit dem regional produktiven Diminutiv-Suffix -ancz / -enczen, also mutmaßlich "kleine Mäsle" / "kleine Käse-Portionen". Die Herleitung ist unsicher (Hapax legomenon im Korpus): lexikalisch belegt ist mhd. mâze/masse vor allem im Sinne von "Maß, Mäßigung", nicht als "Teigmasse" - die kulinarische Deutung stützt sich daher auf die naheliegende Nähe zum heutigen schwäbischen Käs-Mäsle, nicht auf eine gesicherte mhd. Belegstelle. Kulinarisch entspricht das Rezept einer auf einem Blech gebackenen Käse-Ei-Masse, Auflauf- bzw. Frittata-Charakter, optional mit Safran gelb gefärbt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-214-orig" n="plat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Bezeichnet hier ein Backblech oder eine flache Platte, auf der die Masse gebacken wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-214-orig" n="gewurcz" resp="#fyndling">Im Mittelalter war 'Gewürz' oft eine Mischung aus gängigen Gewürzen wie Pfeffer, Ingwer, Muskat oder Nelken, je nach Verfügbarkeit und Geschmack.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-214-orig" n="gell" resp="#fyndling">Mhd. gel, Farbadjektiv "gelb" (MHDBDB, Bedeutungsfeld Farben) - hier bewusst nicht als alemannische Interjektion "gell?" ("nicht wahr?") gelesen, da der Satzzusammenhang ("wiltu es gell machen so thue saffran daran") eindeutig eine Färbe-Absicht beschreibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-214-orig" n="Masannczen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#masannczen">Vermutlich Diminutivbildung aus mhd. masse ("Klumpenmasse, Teig") mit dem schwäbisch-alemannischen Suffix -ancz/-enczen, wörtlich "kleine Mäsle / kleine Käse-Massen". Naheliegendes modernes Pendant ist das schwäbische Käs-Mäsle; kulinarisch eine Käse-Ei-Speise mit Auflauf-Charakter. Die Etymologie ist nicht sicher belegt (Hapax legomenon im Korpus, keine direkte lexikalische Entsprechung für die Teigmasse-Bedeutung gefunden).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-215-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzer Fisch wird am Spieß über der Glut gebraten und dabei mit einer flüssigen, safran-gelben Ei-Brot-Panade übergossen, die auf der heißen Fischoberfläche eindickt und zu einer würzigen, gelben Kruste stockt. Der Grundgedanke ähnelt einem heutigen krustierten oder gratinierten Fisch: Ei liefert die Bindung, Brotkrume dickt zusätzlich ein, Safran färbt und würzt.

Praxis. Schuppe und salze den Fisch. Rühre für die Panade Eier, feines Brot (Semmelbrösel), Safran sowie Wein oder Essig und Wasser zu einer gießbaren Mischung an. Als Richtwert für einen mittelgroßen Fisch (ca. 1 kg): 2-3 Eier, 50 g Brotbrösel, etwa 100-150 ml Flüssigkeit (z.B. halb Wein, halb Wasser, mit einem Schuss Essig). Gieße die Mischung über den am Spieß bratenden Fisch und lass sie auf der heißen Oberfläche aufkochen, bis sie eben dick wird - nicht verbrennen lassen, dafür die Glut mäßig halten und den Spieß gleichmäßig drehen. Eine flüssige Panade tropft am offenen Spieß leicht ab; wer das umgehen will, gart im Backofen (siehe Rezepttext).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-215-orig" n="materj" resp="#fyndling">‚Materie‘ oder ‚Mischung‘. Der Bezug zu einer vorhergehenden Grundmischung ist im Text nicht ausbuchstabiert; welches Rezept genau gemeint ist, bleibt ungeklärt. Die Zutaten werden für dieses Rezept ohnehin erneut aufgeführt.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-215-orig" n="praten" resp="#fyndling">‚Braten‘ oder ‚Gebratenes‘. Im Mittelalter konnte dies sowohl ein am Spieß gebratenes Gericht als auch ein in der Pfanne gebratenes oder gebackenes Gericht bezeichnen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-215-orig" n="an ainem spiss" resp="#fyndling">‚An einem Spieß‘. Dies deutet auf eine Zubereitung über offenem Feuer oder in einem Ofen hin, bei der das Gargut gedreht wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-215-orig" n="visch schuppen" resp="#fyndling">Keine Zutat, sondern Verb-Anweisung. Mhd. schuppen ist hier Imperativ: „Fisch [und] schuppen [und] Salzen", also den Fisch schuppen und salzen, bevor die Panade darauf gegossen wird. Mittelhochdeutsche Kochbücher schreiben solche Vorbereitungs-Verb-Reihen oft ohne Kommata. Die alternative Lesart „Fischschuppen als Zutat" ist culinary-praktisch ausgeschlossen, Schuppen sind harte Kalk-Bestandteile, die nicht in der Panade bleiben können.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-215-orig" n="erwallen eben dick" resp="#fyndling">‚Aufkochen, bis es recht dick wird‘. Bezieht sich auf das Eindicken der Beschichtung auf dem Fisch während des Bratvorgangs.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-215-orig" n="visch schuppen" resp="#fyndling">Verb-Anweisung: nimm den Fisch, schuppe und salze ihn. Mhd. Kochbücher schreiben Vorbereitungs-Verben oft als Reihe direkt hintereinander. Die nachfolgende Anweisung „gieß das Wasser auf den Braten" setzt einen ganzen, vorbereiteten Fisch voraus.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-215-orig" n="praten an ainem spiss / geuss das wasser vf den praten" resp="#fyndling">Ein Fisch wird am Spieß gebraten und dabei mit der flüssigen Mischung (Panade) bestrichen, die auf dem Fisch eindickt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-228-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein festliches Spanferkel vom Spieß mit einer Füllung aus Innereien oder Eiern, Brot und Speck - die unmittelbare Vorstufe des heute bekannten Spanferkels vom Spieß, wie man es von Mittelaltermärkten kennt. Die Füllung aus Lunge oder Ei, eingeweichtem Brot und Speck erinnert entfernt an ein modernes Stuffing, hier aber mit Innereien statt Obst oder Maroni.

Zweistufiger Bratvorgang. Das Rezept beschreibt zwei getrennte Bratphasen mit einem Arbeitsschritt dazwischen: Zuerst wird das ganze, noch ungefüllte Ferkel auf schwacher, gemäßigter Hitze durchgebraten ("prat es kuel" - im Korpus mehrfach belegt als Anweisung zu reduzierter Hitze, nicht als nachträgliches Abkühlen). Erst danach wird es vom Kopf her der Länge nach gespalten, mit der Füllung versehen, erneut aufgespießt und ein zweites Mal - kürzer - gebraten, bis die Füllung durchgewärmt und die Schwarte wieder knusprig ist. Diese Reihenfolge löst ein praktisches Problem: Ein ganzes Ferkel roh zu füllen und in einem Zug durchzugaren birgt das Risiko, dass die Füllung noch roh ist, während die Schwarte bereits verbrennt. Der Umweg über "erst schonend durchbraten, dann öffnen und füllen" macht den Vorgang steuerbarer.

Die Füllung. Für die Lunge (ersatzweise Herz oder Leber) oder alternativ hartgekochte Eier - das Original nennt keine Stückzahl bei den Eiern, hier ist die Menge Ermessenssache. Dazu zwei saubere, weiche Brote als Bindemittel und Füllstoff ("schone" meint hier sauber/rein, nicht ästhetisch schön), fein gehackter Speck für Fett und Feuchtigkeit, Safran, Pfeffer und Salz. Alles gut vermengen, bis eine bindige Masse entsteht.

Praxis. Brate das Ferkel zunächst bei gemäßigter Hitze am Spieß durch, mit ausreichend Abstand zur Glut, damit die Schwarte nicht verbrennt, bevor das Fleisch gar ist. Lass es kurz ruhen, spalte es vom Kopf her der Länge nach, fülle es mit der vorbereiteten Masse und stecke es erneut auf den Spieß. Beträufle es beim zweiten, kürzeren Bratdurchgang mit Schmalz, bis die Füllung durchgewärmt und die Schwarte wieder knusprig ist. Der häufigste Fehler ist zu starke Hitze in der ersten Phase - dem begegnest du mit Geduld und ausreichend Abstand zur Glut.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-228-orig" n="spannfaeckel" resp="#fyndling">Ein junges, noch gesäugtes Schwein, das für seinen zarten Geschmack geschätzt wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-228-orig" n="kuel" resp="#fyndling">„Kuel“ (kühl) ist hier ein Hitzegrad-Adverbial, kein nachträgliches Abkühlen. Im Korpus (Cgm 5919, selbes Buch wie der wortnahe Zwilling m5919-074) ist „kuel/kull“ zweimal eindeutig als „auf schwacher, gemäßigter Hitze“ belegt (etwa: bei schwacher Hitze auf Kohlen rösten; bei schwacher Hitze kurz backen, damit nichts verbrennt). „Prat es kuel“ heißt also „brate es auf schwacher Hitze“ - ein einziger Vorgang (Braten + Hitzegrad), keine zwei getrennten Schritte.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-228-orig" n="lungel oder herte ayer" resp="#fyndling">Das Rezept bietet zwei Optionen für die Füllung: die Lunge des Ferkels selbst oder hartgekochte Eier. Innereien waren eine gängige Zutat in mittelalterlichen Füllungen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-228-orig" n="zwaj waichen schone prot" resp="#fyndling">Zwei weiche, saubere Brote, die als Bindemittel und Füllstoff dienen. „Schone“ meint hier nicht ästhetisch schön, sondern sauber/rein - eine im Korpus wiederkehrende Bedeutung von „schön/schone“.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-228-orig" n="betraeff es mit schmalcz" resp="#fyndling">Das Beträufeln mit Schmalz (tierischem Fett) während des (zweiten) Bratens sorgt für eine knusprige Schwarte und hält das Fleisch saftig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-228-orig" n="prat es kuel" resp="#fyndling">„Kuel“ lesen wir als Hitzegrad-Adverbial: „brate es auf schwacher, gemäßigter Hitze“. Gestützt durch zwei eindeutige Parallelbelege im selben Buchkontext (Cgm 5919), wo „kuel/kull“ jeweils schwache Hitze bezeichnet, nicht nachträgliches Abkühlen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-239-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Im Geiste ist dies ein mittelalterliches Blancmange, eine cremige, süß-herzhafte Hühnerpastete, die hier durch die unerwartete Schärfe des Meerrettichs eine spannende Wendung bekommt, verwandt mit einem modernen Hühnerfrikassee, aber mit deutlich anderer Würzung und Konsistenz.

So gelingt es. Der Schlüssel liegt in der sorgfältigen Zubereitung der Blancmange-Basis und dem richtigen Zeitpunkt für den Meerrettich. Zuerst kochst du die Stadelhenne weich und zupfst das weiße Brustfleisch sehr fein. Aus den gemahlenen Mandeln stellst du eine kräftige Mandelmilch her (als Startpunkt: 500g Mandeln mit ca. 1,2-1,5 Liter heißem Wasser pürieren und durch ein Tuch passieren). Diese Mandelmilch rührst du mit dem Reismehl (ca. 125g) bei milder Hitze - idealerweise im Wasserbad - langsam und kontinuierlich, bis sie zu einer dicken, cremigen Paste wird, die am Löffel haftet. Nun rührst du das fein gezupfte Hühnerfleisch, das Schweineschmalz (2-3 Esslöffel für die Geschmeidigkeit) und den Zucker (ca. 125g, nach Geschmack anpassen) ein. Die Eier (als Startpunkt: 2-3 Eigelb oder 1-2 ganze Eier) verquirlst du und rührst sie unter ständigem Rühren zügig in die leicht abgekühlte Masse, damit sie binden, aber nicht stocken. Der häufigste Fehler ist, den Meerrettich zu früh oder zu lange mitzukochen: Seine Schärfe verflüchtigt sich schnell. Reibe ihn erst ganz am Ende, kurz bevor du die Eier einrührst, direkt in die warme Masse.

So wird es richtig gut. Die Kunst liegt in der Balance zwischen Süße, Schärfe und der feinen Mandelnote. Um die Schärfe des Meerrettichs optimal zur Geltung zu bringen, solltest du ihn frisch reiben und erst ganz zum Schluss unter das Mus heben. Probiere und passe die Menge an - ein guter Startpunkt ist eine mittelgroße Wurzel (ca. 100-150g). Ein Spritzer Verjus oder ein Hauch Weißweinessig (modern, aber lecker) kann die Süße und die Schärfe wunderbar ausbalancieren und dem Gericht Frische verleihen. Für eine besonders feine Textur kannst du das Mus vor dem Einrühren der Eier noch durch ein feines Sieb passieren. Serviere das Kren-Mus lauwarm, damit sich alle Aromen optimal entfalten. Ein paar geröstete Mandelblättchen (modern) oder etwas frisch geriebener Kren als Garnitur geben dem Gericht den letzten Schliff.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-239-orig" n="Kren" resp="#fyndling">Bairisch-österreichisch für Meerrettich. 'Ainen Kren' ist keine präzise Mengenangabe - Wurzeln variieren enorm in Größe und Schärfe. Im Verhältnis zu 500 g Mandeln und 125 g Reis bleibt völlig offen, ob ein kleines Stück oder eine ganze große Wurzel gemeint ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-239-orig" n="muost" resp="#fyndling">Hier im Sinne von ‚musst haben' oder ‚benötigst'.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-239-orig" n="vierdung" resp="#fyndling">Ein Viertel Pfund, also etwa 125 Gramm.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-239-orig" n="gestossenns Reisz" resp="#fyndling">Fein gemahlener Reis, also Reismehl. Dies diente als Bindemittel und zur Texturgebung.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-239-orig" n="Stadel hennen" resp="#fyndling">Eine Stadelhenne ist eine ältere Legehenne, die nicht mehr so produktiv ist. Ihr Fleisch ist kräftiger im Geschmack und eignet sich gut zum Sieden für Brühen und Mus-Gerichte.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-239-orig" n="weiss praet" resp="#fyndling">Das helle Brustfleisch der Henne, das nach dem Kochen entnommen wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-239-orig" n="schweinein schmalcz" resp="#fyndling">Schweineschmalz, ein häufig verwendetes Fett in der mittelalterlichen Küche, das dem Gericht Reichhaltigkeit und Geschmack verleiht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-239-orig" n="ainen krenn haben wir" resp="#fyndling">Kren (Meerrettich) ist eine explizite Zutat: 'ainen Kren nehmen wir.' Das Rezept nennt ihn zuerst, listet dann die weiteren Zutaten, ohne Kochschritte zu beschreiben.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-241-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süßes Wein-Mandel-Mus mit Rosinen - ein einfaches Frucht-Dessertmus aus der Familie der Mandel-Frucht-Muse (vgl. verwandte Kernmus-Rezepte). Der Wortlaut ist denkbar knapp: Weinbeeren (Rosinen), Mandeln, guter Wein, reichlich Zucker, Salz nach Maß - dann, so der Text, „wird das Mus gut“.

Auffällig: Meister Hans nennt hier kein einziges Verfahrenswort - kein Kochen, kein Zerstoßen, kein Passieren, kein Einkochen. Nur die Zutatenliste und das Ergebnisversprechen. Das ist typisch für seinen knappen Stil, der sich an Köche richtet, die Handwerk und Mengen aus Erfahrung kannten.

Praxis. Da Rosinen und Mandeln nicht von selbst zu einem Mus werden, ist folgender Weg die naheliegende Umsetzung, auch wenn der Text sie nicht ausformuliert: Rosinen und Mandeln in Wein weich köcheln, bis sie sich zerkleinern lassen, dann fein zerstoßen oder passieren. Mit Zucker süßen, mit Salz abschmecken und bei Bedarf offen einkochen, bis das Mus sämig bindet. Ein Topf am Feuer genügt, kein Ofen nötig.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-241-orig" n="gemuess" resp="#fyndling">Ein allgemeiner Begriff für eine Speise oder Zubereitung, nicht zwingend ein Gemüsegericht im modernen Sinne.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-241-orig" n="muosz" resp="#fyndling">Weiter Sammelbegriff für breiig-dickflüssige Speisen, süß wie herzhaft - keine moderne Gleichsetzung mit „Brei“ allein.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-241-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weinbeeren, in diesem Kontext wahrscheinlich getrocknete Rosinen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-241-orig" n="zue massen" resp="#fyndling">Nach Maß/Belieben - die Menge bleibt dem Erfahrungswissen des Kochs überlassen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-241-orig" n="gemuess / muosz" resp="#fyndling">Die Begriffe „gemuess“ und „muosz“ wurden als allgemeine Bezeichnung für eine Speise oder ein Püree interpretiert, das in diesem Fall süß ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-241-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">„Weinper“ wurde als getrocknete Weinbeeren (Rosinen) übersetzt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-252-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Das ist ein süß-saures Mus aus gebratenem Fisch - herzhafte Röstaromen treffen auf die Süße von Rosinen und Zucker, abgerundet mit Wein und Gewürzen. Im Kochbuch des Meisters Hans selbst nur als knappe Zutatenliste notiert, findet sich das Rezept nahezu wortgleich auch im Mondseer Kochbuch (mon-056, mon-102) - dort mit dem zusätzlichen Verfahrensschritt „stoß durch ein ander“ (zerstoßen, zusammen vermengen), der bei mha-252 nur im Wort „gemuess“ (Mus) mitschwingt.

Praxis. Brate den Fisch (zum Beispiel Hecht, Zander oder Karpfen) gut durch. Die Zwillingsüberlieferung legt nahe, den gebratenen Fisch anschließend mit den Rosinen zu zerstoßen beziehungsweise zu vermengen, statt ihn in Stücken zu belassen - das Ergebnis ist ein sämiges Mus, kein Ragout mit intakten Fischstücken. Gib guten Wein, Gewürze (Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken sind eine zeittypische Mischung) und Zucker dazu und vermenge alles zu einer sämigen Masse. Vergiss das Salz nicht. Mengen und genauer Garablauf stehen im Text nicht - hier ist Erfahrung und eigenes Abschmecken gefragt.

So wird es richtig gut. Die Balance zwischen der Süße der Rosinen, der Säure des Weins und den Gewürzen ist entscheidend. Serviere das Mus warm.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-252-orig" n="gemuess" resp="#fyndling">Im ‚Kochbuch des Meisters Hans‘ bezeichnet ‚Mus‘ eine breitere Palette von gekochten, oft gebundenen Speisen mit sämiger Konsistenz, nicht nur süße Fruchtpürees.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-252-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">‚Weinper‘ kann sowohl frische Weintrauben als auch Rosinen bedeuten. Im Kontext eines gekochten ‚Mus‘ mit Zucker sind Rosinen die plausiblere Zutat.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-252-orig" n="gewurcz" resp="#fyndling">Ein Sammelbegriff für die damals üblichen, oft importierten Gewürze wie Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskatnuss und Zimt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-252-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Rosinen, da sie eine konzentrierte Süße und Textur bieten, die gut zu einem gekochten Mus passen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-255-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Fasten-Schaugericht, das gehackten Fisch zu einem täuschend echten Wildbraten formt - ein Trompe-l'œil der mittelalterlichen Tafel, das die Illusion von Fleisch erzeugt, wo an Fastentagen keines erlaubt ist. Ein direktes lebendes Gegenstück gibt es in der heutigen Alltagsküche nicht; die Grundidee - Fisch, der wie Fleisch daherkommt - lebt am ehesten im Prinzip moderner Fisch-„Braten“-Formungen fort.

Der Schweiß ist Jägersprache. Schwaisz meint das Blut der Fische (mhd. „Schweiß“ = Wildbret-Blut); es liefert die dunkle Bratenfarbe und bindet die Masse, damit sie „für einen rechten Braten“ durchgeht. Heute schwer zu beschaffen - die Optik lässt sich mit einer dunklen Würzpaste (etwas Lebkuchen oder geröstetes Brot, Rotwein) andeuten, ohne dass das Gericht seinen Sinn verliert.

Die Mandeln sind eine Fasten-Bardierung. Besteck In mit guotem mandel - das Spicken mit Mandeln ersetzt hier nicht die Saftigkeit, sondern die Speckstreifen eines echten Bratens: außen aufgesteckt, bräunen sie mit und vollenden die Fleisch-Illusion. Reine Schauoptik, kein Einziehen ins Innere.

Praxis. Auf etwa 1 kg festes Filet (Hecht oder Karpfen) grob - nicht fein - hacken, damit die Faserstruktur an Wildfleisch erinnert. Mit kräftigem Gewürz und frisch geriebener Muskatnuss abschmecken (Pfeffer, Ingwer, eine Prise Nelke passen), salzen, gut durchmengen und zu einem Laib oder um einen Spieß formen. Unbedingt kalt stellen, bis die Masse fest ist - der häufigste Fehler ist zu feines Hacken oder zu warme Masse, beides lässt sie beim Braten zerfallen. Außen mit gehäuteten Mandeln spicken, dann am Spieß über der Glut oder in der Pfanne braten (heute üblich: in Butterschmalz) und sofort heiß auftragen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-255-orig" n="schwaisz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schwaisz">Blut (der Fische). ‚Schweiß‘ ist die Jägersprache für das Blut des Wilds; das Fischblut lässt die Speise wie einen echten (Wild-)Braten erscheinen - nicht ‚Schwanz‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-255-orig" n="geprattens / Rechpraten" resp="#fyndling">Gebratenes / Wildbraten. Der Fisch wird so zubereitet, dass er in Form und Würzung an Wildfleisch erinnert.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-255-orig" n="besteck In mit guotem mandel" resp="#fyndling">Spicke ihn mit guten Mandeln. Das Spicken von Fleisch oder Fisch mit Mandeln war eine gängige Methode, um Geschmack und Textur zu verbessern.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-255-orig" n="pachen (Titel: „Von vischen zue pachen“)" resp="#fyndling">Im Titel steht ‚pachen‘ (backen) als weit gefasster Oberbegriff für „einen Fisch zubereiten“; die konkrete Garanweisung im Text lautet durchgehend ‚praten‘ (braten am Spieß oder in der Pfanne) - kein Widerspruch, sondern zwei Ebenen (Ankündigung vs. Ausführung).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-261-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein dreifarbiges Mandelmilch-Gelee als Tafel-Schaustück: Mit Hausenblase (Fischschwimmblasen-Gelatine) wird eine dicke Mandelmilch zum Gelieren gebracht, gedrittelt und grün, weiß und gelb eingefärbt, dann in Pfännchen kalt fest werden lassen. Die lebende Verwandtschaft reicht von der Götterspeise/Wackelpudding-Schichttorte bis zu italienischen gelatina- und Blancmange-Traditionen - überall dasselbe Prinzip: geliertes Milchprodukt, mehrfarbig geschichtet, kalt gestürzt. Vier Parallelquellen (Königsberger Kochbuch, Anonymes Kochbuch, Mondseer Kochbuch) belegen, dass dies ein verbreitetes spätmittelalterliches Schaugericht der Tafelkultur war, kein Einzelstück.

Die gelbe Farbe. Das Transkript nennt für die gelbe Schicht nur eytel gell ("ganz gelb") - anders als bei Grün, wo die Petersilie ausdrücklich als Farbgeber genannt wird, fehlt hier ein Färbemittel im Text. Das gilt korpusweit für alle Parallelfassungen. Safran ist eine plausible, periodentreue Ergänzung für die Praxis, aber keine Textaussage.

Das Lösen aus der Pfanne. Heb es dann vber das feur vnd pald wider darabe meint ein kurzes Anwärmen der Pfannenunterseite, damit sich die feste Gallerte löst - kein Garschritt. Die Parallelfassung im Königsberger Kochbuch löst dieselbe Aufgabe anders (Schlagen auf eine Bank) - beides sind eigenständige, textgetreue Verfahren, keine Verwechslung.

Praxis. Hausenblase (ersatzweise Gelatine oder Agar) in Wasser vollständig auflösen, mit dicker Mandelmilch verrühren und dritteln: ein Drittel mit fein gehackter Petersilie und Zucker (grün), die restlichen zwei Drittel gezuckert und in der Pfanne kurz aufgekocht, davon eine Hälfte naturweiß, die andere Hälfte periodentreu z. B. mit Safran gelb gefärbt. In flache Pfännchen gießen und kalt fest werden lassen, zum Lösen kurz die Pfannenunterseite erwärmen, dann würfeln und schachbrettartig grün-weiß-gelb in einer Schüssel anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-261-orig" n="hausen plater" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">Hausenblase, die getrocknete Schwimmblase des Hausens (einer Störart), diente als Geliermittel.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-261-orig" n="schaffczaglat" resp="#fyndling">Schachbrettmuster. Das Gericht sollte in kleinen Quadraten geschnitten und abwechselnd farbig angeordnet werden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-262-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein kunstvolles Schaugericht der spätmittelalterlichen Tafelkultur: drei getrennt gebackene, dünne Eier-Pfannenfladen in Grün (Eiweiß mit Petersilie), Gelb (Eigelb) und Weiß (Eiweiß) werden übereinandergelegt, schachbrettartig geschnitten, aufgespießt, in gelb gefärbten Ei-Wasser-Teig gezogen und in Schmalz gebacken. Die nächste Verwandtschaft findet sich nicht in der modernen Küche, sondern im eigenen Korpus: mon-076 und m5919-093 folgen fast wortgleich demselben Verfahren - offenbar dieselbe Rezeptfamilie in drei Handschriften.

Die drei Farben. Eiweiß und Eigelb werden getrennt gehalten: Eiweiß mit fein gehackter Petersilie ergibt Grün, reines Eigelb Gelb, reines Eiweiß Weiß - kein zusätzliches Färbemittel nötig, das Ei liefert die Farben selbst. Jede Farbe wird einzeln als dünner Fladen in der Pfanne mit Schmalz gestockt.

Praxis. Die drei Fladen übereinanderlegen, das grüne in die Mitte, dann schachbrettartig (mhd. schâchzabel) in Quadrate schneiden und auf kleine Spieße stecken. Ein weiteres gelbes Blatt wird um den Spieß gezogen, danach ein aus Ei und Wasser angerührter, gelb gefärbter Teig darübergezogen, bevor im heißen Schmalz gebacken wird. Nach dem Herausziehen der Spieße wird der Länge nach aufgeschnitten, sodass die Farbschichten sichtbar werden, und reichlich Zucker darübergegeben. Der Text nennt keine Mengen, Zeiten oder Hitzegrade; als Startpunkt eignen sich 2-3 Eier pro Farbe. Entscheidend ist, dass die Fladen dünn bleiben und beim Backen ihre Farbe behalten statt zu bräunen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-262-orig" n="gepachen" resp="#fyndling">Ein ‚Gebackenes' bezeichnet hier eine Art Pfannkuchen oder Fladen, der in Fett ausgebacken wird, nicht im Ofen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-262-orig" n="schaffczag lat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schaffczag-lat">Schachbrettartig: zu mhd. schâchzabel (Schachbrett). Das Gericht wird in gleichmäßige Quadrate geschnitten und farblich abwechselnd wie die Felder eines Schachbretts angeordnet. Die sauberen Abschriften m5919-057 (schach zaglatt), koe-017 (schagzaglett) und mha-261 (schaffczaglat, dasselbe Buch) belegen die Lesart; die verschriebene Form schaffczag lat ist dasselbe Wort - nicht „Schafzacken“ (mhd. zagel = Schwanz, kein Schnittbegriff).</note>
        <note type="gloss" target="#mha-262-orig" n="spiszlein" resp="#fyndling">Kleine Spieße, vermutlich aus Holz, um die einzelnen Schichten zusammenzuhalten und den Teigmantel aufzutragen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-262-orig" n="versalcz nicht" resp="#fyndling">Eine häufige Mahnung in mittelalterlichen Rezepten, die auf die Wichtigkeit der richtigen Würzung hinweist, insbesondere bei der Kombination von süßen und herzhaften Elementen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-262-orig" n="mach ain gell" resp="#fyndling">Diese Anweisung wird als das Färben des Teiges mit Safran interpretiert, um die gewünschte gelbe Farbe zu erzielen. Safran war ein gängiges und teures Färbemittel in der mittelalterlichen Küche.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-264-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Reihermus gehört zur spätmittelalterlichen Familie der Mortrews: mageres Fleisch wird fein gemörsert, mit eingeweichtem Weißbrot und Eiklar gebunden, gewürzt und gegart. Am nächsten verwandt ist das bereits verlinkte Mortrews von Huhn und Schwein (foc-043) - gleiches Grundprinzip aus gehackter, gemörserter Fleischmasse mit Brot-Ei-Bindung. Reiher galt als hochgeschätzte Jagdbeute der Falknerei und stand auf herrschaftlichen Tafeln; heute ist er streng geschützt, weshalb sich die Zubereitung nur mit anderem Geflügel nachvollziehen lässt.

Zur Textur. Das Fleisch wird von den Knochen gelöst, klein gehackt und im Mörser zu einer feinen Farce gestoßen - der Text nennt keine Mengenangaben für Brot und Eiklar, hier hilft nur schrittweises Herantasten: wenig Weißbrot einweichen, mit dem Fleisch und etwas Eiklar vermengen und die Konsistenz prüfen, bis eine geschmeidige, gut bindende Masse entsteht.

Zum Garen. Die Anweisung lautet, die Masse gut aufwallen zu lassen. Der Text sagt nicht, worin - ob direkt im Topf, in Wasser oder in Brühe, bleibt offen. Ein sanftes Garen bei nicht zu starker Hitze ist naheliegend, damit die Farce nicht austrocknet.

Zur Würze. Das Original nennt kein einziges konkretes Gewürz, nur die Anweisung, gut zu würzen. Zeittypisch wären etwa Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat oder Safran denkbar, doch welche davon hier tatsächlich verwendet wurden, ist aus dem Text nicht zu erschließen. Serviert wird das Mus ohne weitere Angabe im Rezept.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-264-orig" n="Raigerpain" resp="#fyndling">Reiherknochen. Das Rezept impliziert, dass das Fleisch von den Knochen gelöst wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-264-orig" n="ayer klar" resp="#fyndling">Eiklar, also das Eiweiß. Im Mittelalter oft verwendet, um Speisen hell zu halten oder zu binden.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-264-orig" n="erwallen" resp="#fyndling">Aufwallen lassen, zum Kochen bringen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-264-orig" n="gewurcz das wol" resp="#fyndling">Würze es gut. Typische mittelalterliche Gewürze wären Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat oder Safran.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-264-orig" n="Raigerpain klain als dann das fleisch ist dauon nym" resp="#fyndling">Nimm das Reiherfleisch von den Knochen. Die Anweisung, die Knochen klein zu stoßen, könnte für eine spätere Verwendung (z.B. Brühe) gedacht sein, ist aber für die Farce nicht relevant.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-271-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süß-saures Erdbeermus - passierte Erdbeeren mit Weißbrot gebunden, mit Honig gesüßt, mit Essig und Wein gesäuert, gewürzt. Nahezu wortgleich zu rfk-068 (Rheinfränkisches Kochbuch: „slag erperen dorch mit wiszem brode vnd mit honige vnde mit wurczen vnde mit eszige“) und verwandt mit m725-003 (Erdbeermus mit Wein und Gewürzen) - ein im Korpus mehrfach belegter Rezepttyp.

Praxis. Frische oder eingelegte Erdbeeren durch ein Sieb oder Tuch streichen, mit eingeweichtem Weißbrot binden, mit Honig süßen, mit Essig und Wein säuern, gut würzen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-271-orig" n="Erper muoss" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#erper">‚Erper' ist eine frühneuhochdeutsche Schreibvariante von ‚Ertber'/Erdbeere (Lexer: „erper s. ertber“; Idiotikon: „erd-ber- erper-“), nicht von ‚Erbse'. Die CoReMA-Sachglosse verlinkt ‚Erper' im Volltext konsistent zu Wikidata Q146684 (Erdbeere). ‚Muoss' (modern: Mus) bezeichnete im Mittelalter eine breite Palette von Pürees, Breien oder dickflüssigen Speisen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-271-orig" n="Schlah Erper durch" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#erper">Bedeutet, die Erdbeeren durch ein Sieb oder Tuch zu passieren, um ein glattes Mus zu erhalten - vgl. m725-003: „treib sy dann durch ein tuech“.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-271-orig" n="guot gewurcz" resp="#fyndling">‚Gute Gewürze' waren im Mittelalter typischerweise eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat und Zimt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-272-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Im Kern ein warmes, gewürztes Birnenmus, das durch geröstetes Mehl statt durch Ei oder Brot gebunden wird - eine erdig-nussige Note, die dem heutigen glatten Fruchtmus fremd ist. Die nächste lebende Verwandtschaft ist eher ein warmes Birnenkompott mit Röstnote als das industrielle Apfelmus von heute.

Praxis. Schäle reife Birnen, entkerne und schneide sie klein. Koche sie in wenig Wasser weich und passiere sie anschließend samt Kochwasser durch ein feines Tuch oder Sieb zu einem glatten Mus - das Kochwasser liefert dabei zugleich die Flüssigkeit, eine separate Zugabe braucht es nicht. Röste parallel etwas Mehl in einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze, bis es hellbraun ist und nussig duftet; nicht verbrennen, das ist der häufigste Fehler. Rühre das geröstete Mehl klumpenfrei ins Mus ein (am einfachsten erst mit etwas kaltem Mus anrühren), gib Honig und Gewürze hinzu und lasse alles unter Rühren kurz aufkochen, damit das Mehl bindet. Mengen für Mehl, Honig und Gewürze nennt der Text nicht - hier ist eigenes Abschmecken gefragt. Serviere das Mus warm oder lauwarm.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-272-orig" n="pieren muoss" resp="#fyndling">Ein Mus aus Birnen, also ein Birnenpüree oder -brei.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-272-orig" n="schlahs durch" resp="#fyndling">Bedeutet, die gekochten Birnen durch ein Sieb oder Tuch zu passieren, um eine feine Konsistenz zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-272-orig" n="prenn ain mel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mel">Das Mehl soll geröstet oder gebräunt werden, um ihm einen nussigen Geschmack zu verleihen und es als Bindemittel zu aktivieren. Dies ist eine gängige Technik in der mittelalterlichen Küche.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-272-orig" n="gewurcz" resp="#fyndling">Bezeichnet eine allgemeine Gewürzmischung. Typische mittelalterliche Gewürze für süße Speisen waren Zimt, Nelken, Muskat, Ingwer oder Kardamom.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-273-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Im Geiste ein herzhaftes Hühner-Mus oder eine feine Geflügel-Mousse, die durch Brot und Ei gebunden wird, eine bürgerliche Variante des höfischen Blancmanger.

So gelingt es. Der Schlüssel zu diesem Gericht liegt in der Textur: Es muss eine absolut feine, glatte Masse werden. Koche das Huhn sehr zart, bis es fast vom Knochen fällt - das ist die Basis. Dann zerlegst du es, entfernst Haut und Knochen. Das weiße Brot (am besten altbacken und ohne Rinde) weichst du in etwas warmer Hühnerbrühe ein. Gib dann das gekochte Hühnerfleisch, das eingeweichte Brot und nach und nach die restliche Brühe in einen Mixer oder Food Processor. Püriere alles, bis es eine samtige Konsistenz hat, wie ein dickes Püree oder eine sehr feine Farce. Als Startpunkt für ein Huhn von etwa 1 kg empfehle ich 100-150g Weißbrot und 200-300ml Brühe. Die Eier (1-2 Stück) kommen zum Schluss dazu und werden kurz mitpüriert, sie geben zusätzliche Bindung und Cremigkeit. Der häufigste Fehler ist eine zu grobe Konsistenz - nimm dir Zeit beim Pürieren und füge die Brühe schrittweise hinzu, bis die gewünschte Glätte erreicht ist.

So wird es richtig gut. Die Würzung ist entscheidend: Salz und weißer Pfeffer sind selbstverständlich, aber erst frisch geriebener Ingwer (oder gemahlener) gibt dem Mus seinen charakteristischen mittelalterlichen Kick. Ein Hauch Safran, in etwas warmer Brühe gelöst, verleiht nicht nur eine schöne goldene Farbe, sondern auch ein feines Aroma, das den bürgerlichen Blancmanger adelt. Für die nötige Frische und Balance empfehle ich einen kleinen Schuss Verjus oder guten Weißweinessig - das hebt die Aromen und verhindert, dass das Gericht zu schwer wirkt. Schmecke es vorsichtig ab, bis die Süße des Huhns, die Schärfe des Ingwers und die Säure perfekt harmonieren. Serviere das Mus lauwarm, so entfalten sich die Aromen am besten. Es lässt sich schön glatt in einer Schale anrichten und kann mit ein paar frischen Petersilienblättchen garniert werden, um einen Farbtupfer zu setzen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-273-orig" n="gemuesz" resp="#fyndling">Im Mittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen war ‚Mus‘ (mhd. ‚muoz‘) ein Oberbegriff für eine Vielzahl von Gerichten mit breiiger oder pastenartiger Konsistenz, sowohl süß als auch herzhaft. Hier bezieht es sich auf ein fein gestampftes Hühnergericht.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-273-orig" n="durch geschlagen" resp="#fyndling">Diese Anweisung bedeutet, die Zutaten so lange zu zerstoßen, zu passieren oder zu pürieren, bis eine sehr feine, homogene Masse entsteht. Dies konnte mit einem großen Mörser oder durch Passieren durch ein Sieb geschehen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-273-orig" n="gewurcz" resp="#fyndling">Da dies die bürgerliche Variante des Blancmanger ist (mit Hühnerbrühe statt Mandelmilch), gilt eine andere Gewürz-Logik als bei höfischen Varianten. Galgant und Muskatblüte aus der klassischen Poudre Blanche waren im bürgerlichen Haushalt des 15. Jh. unerschwinglich (Fernhandels-Privileg). Realistisch für eine bürgerliche Küche der Meister-Hans-Zeit: Pfeffer (das einzige bezahlbare Fernhandels-Gewürz, in Stuttgart und Tübingen erschwinglich), Salz als Hauptwürze, Kümmel oder Anis als heimischer Geschmacksgeber, frische Petersilie und Salbei aus dem Garten. Optional Ingwer-Pulver, wenn der Haushalt es sich leisten konnte. Für die helle Farbe des Blancmanger: weißer Pfeffer wenn verfügbar (gehoben-bürgerlich), sonst sparsam gemahlener schwarzer. Siehe Blancmanger, bürgerlich oder höfisch? für die Würz-Wahl-Topographie.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-273-orig" n="gemuesz" resp="#fyndling">Wir interpretieren ‚gemuesz‘ hier als ein herzhaftes, fein gestampftes Gericht, ähnlich einer Farce oder einem Pâté, da es aus Huhn und Brot besteht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-273-orig" n="durch geschlagen" resp="#fyndling">Die Anweisung ‚durchschlagen‘ wird als das Zerstoßen oder Passieren der Zutaten zu einer sehr feinen, homogenen Paste verstanden, was eine glatte Textur des Hühnermus ergibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-273-orig" n="gewurcz" resp="#fyndling">Für die ‚Gewürze‘ schlagen wir eine Mischung aus gängigen mittelalterlichen Gewürzen wie Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken und Muskat vor, die gut zu Geflügel passen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-273-orig" n="ayr daran ne= men also" resp="#fyndling">Die Zugabe von Eiern wird als eine Option zur weiteren Bindung und Anreicherung des Mus interpretiert, möglicherweise durch Eigelb für eine cremigere Textur oder ganze Eier für mehr Volumen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-275-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? mha-275 ist kein eigenständiges Rezept, sondern eine Verallgemeinerungs-Klausel: Meister Hans verweist auf das unmittelbar vorausgehende Rezept mha-274 (Rosinensauce) und erklärt, dasselbe Verfahren funktioniere ebenso mit jeglichem Steinobst. Heute erinnert das Ergebnis an eine reduzierte, mit Brot gebundene Fruchtsauce zu Braten - eine Vorstufe des heutigen Pflaumenmus als Beilage oder einer süß-sauren Frucht-Mostarda zu Wild und Geflügel. Strukturell hat der Text eine lebende Verwandtschaft im italienischen sapore-Genre: mar-110 (Martino, Kirschsauce) macht dieselbe rhetorische Bewegung - „folge dem oben beschriebenen Traubensauce-Verfahren, nur die Frucht ändert sich“.

Was steht wirklich da? Der Text selbst nennt kein eigenes Verfahren, keine Mengen und keine Zeitangaben - nur den Verweis „wenn du es richtig machst“. Alles Konkrete stammt aus mha-274: Frucht in wenig Flüssigkeit weichkochen, durch ein Sieb oder Tuch passieren, die glatte Masse zurück auf das Feuer geben und einkochen, mit Honig und Gewürzen abschmecken, beim Anrichten mit geriebenem Weißbrot und Essig oder Verjus binden.

Praxis. Steinobst (Pflaumen, Kirschen, Pfirsiche, Aprikosen - frisch oder getrocknet) entkernen und in wenig Wasser oder Wein weich kochen, bis die Früchte zerfallen. Passieren, die Fruchtmasse wieder erhitzen und unter Rühren einkochen, bis sie sämig ist. Mit Honig und den zeittypischen Gewürzen (Zimt, Ingwer, Nelke) abschmecken, mit geriebenem Weißbrot binden und mit einem Schuss Essig oder Verjus säuern. Warm oder lauwarm zu Braten oder Geflügel servieren. Genaue Mengen und Garzeiten nennt keine der beiden Quellstellen - sie richten sich nach Menge und Saftigkeit des verwendeten Obstes.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-275-orig" n="Sallsen / salsen" resp="#fyndling">Wir lesen salsen hier als „Sauce“: der Kontext „Steinobst“ legt eine flüssige, fruchtige Beilage nahe, und der Eintrag steht unmittelbar nach der ausgeführten Rosinensauce mha-274.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-275-orig" n="wer Ir recht thuot" resp="#fyndling">„wenn du es richtig machst“ - ein impliziter Rückverweis auf das unmittelbar vorausgehende Verfahren von mha-274 (Rosinensauce). mha-275 steht im Manuskript direkt danach und liefert keine eigene Anweisung; der Autor setzt voraus, dass der Leser das gerade gelesene Verfahren kennt und nur den Ausgangsstoff tauscht: aufkochen, passieren, mit Honig und Gewürzen eindicken, mit Essig-Brot anrichten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mha-287-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein herzhaftes, weißes Fischmus - im Kern eine Fasten-Blancmange: die Brühe von gekochtem Fisch wird mit einer weißen Paste (Mandeln oder eingeweichtem Weißbrot) sämig gebunden und durchpassiert. Eine Fastenvariante ohne Kuhmilch, verwandt mit dem Fisch-Blancmanger mar-091 und den Mortrews foc-121, die beide dasselbe Grundverfahren teilen: Fischbrühe, Mandel- oder Brotbindung, Passieren durch ein Tuch.

Warum „Milchmus" ohne Milch? Milich muoss - der Name beschreibt die weiße, milchige Konsistenz, nicht die Zutat. An Fastentagen war Kuhmilch verboten; die weiße Farbe und Cremigkeit kommt von Mandeln (oder Brot) und der Fischbrühe. Genau diese Umdeutung von „Milch" als Textur statt Tierprodukt zieht sich durch die ganze Fastenküche.

Die weiße Priss bindet. Weiss priss ist die weiße Paste, die das Mus zusammenhält. Der Text selbst lässt offen, ob fein gemahlene Mandeln oder eingeweichtes, ausgedrücktes Weißbrot gemeint sind - beides war ein zeittypisches Bindemittel. Das Wort „priss" kommt im Korpus nur an dieser Stelle vor (Hapax legomenon) und bleibt in seiner genauen Bedeutung ungeklärt; die Lesart als Paste/Brei stützt sich auf den Kontext, nicht auf einen gesicherten Wörterbucheintrag. Das Verb schlah sy durch verlangt das Passieren durch ein feines Tuch - der Schritt, der die glatte Konsistenz erst herstellt.

Praxis. Fisch in Wasser gar kochen und die entstandene Brühe auffangen. Die weiße Paste (Mandeln oder ausgedrücktes Weißbrot) mit der Brühe verrühren und durch ein feines Sieb oder Passiertuch streichen, damit sie fein und glatt wird. Anschließend aufkochen lassen und gut würzen. So entsteht ein „Milchmus" - serviert wird es direkt zum Essen.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-287-orig" n="milich muoss" resp="#fyndling">Im Mittelalter konnte ‚Muoss' ein allgemeiner Begriff für eine Speise sein, nicht nur für süßen Brei. ‚Milich' (Milch) bezeichnete oft eine weiße, cremige Konsistenz, die auch durch Fischbrühe oder Mandeln erreicht wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mha-287-orig" n="priss" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#priss">Ein ‚Priss' ist vermutlich eine Paste oder ein Brei aus gemahlenen Mandeln oder eingeweichtem Weißbrot, die zur Bindung und Weißfärbung der Speise dienen. Das Wort ist im Korpus ein Hapax legomenon (kommt nur hier vor) und auch in der CoReMA-Edition als ungeklärt vermerkt - die Lesart „Paste/Brei" ergibt sich aus dem Kontext, nicht aus einem gesicherten Wörterbucheintrag.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mha-287-orig" n="weiss priss" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#priss">Gemahlene Mandeln als weiße Binde-Paste - typisch für „milchige" Fastengerichte ohne tierische Milch.</note>
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