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      <titleStmt>
        <title>Mondseer Kochbuch (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1))</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/quellen/mondseer_kochbuch/</idno>
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        <bibl>
          <title>Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)</title>
          <date when="1480">1480</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.gr1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. GR1 (CC BY 4.0)</note>
        </bibl>
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      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="mon-001">
        <head>Eierbrühe aus Mandeln und Wein (eilose Fastensuppe)</head>
        <div type="original" xml:id="mon-001-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-001-trans">
          <p>ITem wildw machen ein guet air von mandel so nymb den mandel vnd Stoß in chlain vnd streich In mit weinn durch vnd thue dar ein Imberr vnd ain wincziger dunner visch prue dar vnder ob dw der visch prue nit hast so gewß ein winczig wasser dar vnder vnd mach es gelb vnd wenn dw es an richczst so sneydt dar ein pat semmel wurflat das magstu ge= ben am freytag fur ein suppen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-001-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-001-orig">
          <p>Wenn du eine gute Eierbrühe aus Mandeln zubereiten möchtest, nimm die Mandeln und stoße sie fein. Streiche sie dann mit Wein durch ein Tuch oder Sieb, um eine glatte Mandelmilch zu erhalten.</p>
          <p>Gib Ingwer hinzu und eine kleine, dünne Fischbrühe. Wenn du keine Fischbrühe hast, gieße stattdessen eine kleine Menge Wasser dazu. Färbe die Mischung gelb, am besten mit Safran.</p>
          <p>Wenn du das Gericht anrichtest, schneide geröstete (gebähte) Semmelwürfel hinein. Dies kannst du am Freitag als Suppe servieren.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinn">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Imberr">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch prue">Fischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gelb">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pat semmel wurflat">Semmelwürfel, geröstet</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-002">
        <head>Gebackene Reisküchlein</head>
        <div type="original" xml:id="mon-002-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-002-trans">
          <p>ITem willdw machen ein pachens von reisch So nymb vnd sewdt den reisch In ainen wasser doch das es sich nit vast versiedt seich In dan schon ab vnd thue In ainen reib scherben vnd reib In schon vnd treib rache air durch mach In nicht cze dwnn thue ein Smalcz in ein phann vnd siech es durch dy hanndt als pran= tew chuchlen wan es gepachen ist So sa ein czugker dar auff vnd versalcz es nicht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-002-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-002-orig">
          <p>Wenn du ein Gebäck aus Reis zubereiten möchtest, so nimm den Reis und siede ihn in Wasser, doch nicht zu stark, damit er nicht zu Brei zerfällt.</p>
          <p>Seihe das Wasser dann gut ab und gib den Reis in eine Reibschale (einen Mörser). Reibe ihn darin fein und rühre rohe Eier darunter, sodass die Masse nicht zu dünn wird.</p>
          <p>Gib Schmalz in eine Pfanne, forme die Masse mit der Hand zu Küchlein und backe sie aus, wie man gebrannte Küchlein macht. Wenn sie gebacken sind, streue Zucker darüber und versalze sie nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="reisch">Reis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rache air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czugker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-003">
        <head>Ein Mus von Eidottern</head>
        <div type="original" xml:id="mon-003-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-003-trans">
          <p>ITem ain gmuess von airen So nymb dar czw walsch wein vnd ain wenig von ainer semel vnd streich es durch ain ander vnd thue dar ein czugker hastu das nicht so nymb honig an die stat thue es In ain chlains heffen und secz es auff ain cho= ller vnd ruer es ymber als es dick wirdt so hebs her ab so wirdt es guet etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-003-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-003-orig">
          <p>Ein Mus von Eidottern: Nimm dazu welschen Wein und ein wenig geriebene Semmel. Streiche alles mit den Eidottern miteinander durch ein Tuch und gib Zucker hinzu. Hast du keinen Zucker, so nimm Honig stattdessen.</p>
          <p>Gib die Masse in ein kleines Häfchen und setze es auf glühende Kohlen. Rühre es stets, bis es dick wird. Dann hebe es von der Glut, so wird es gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="airen">Eidotter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="walsch wein">Welscher Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain wenig von ainer semel">Semmel, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czugker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-004">
        <head>Gefüllte Eier in Schmalz gebraten</head>
        <div type="original" xml:id="mon-004-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-004-trans">
          <p>ITem wildw machen ain guet essenn von airen So nymbs vnd sewds wol Schels vnd Sneys yeglichgs ein czway vnd nymb dy tutter dar awß vnd hack sy ch= lain mit pettersill oder saluon vnd nymb ge= wurcz dar ein vnd fuls wider czw vnd nymb hayß Smalcz vnd rost es durch dar Inn vnd mach ein air prue dar czw vnd machs ab</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-004-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-004-orig">
          <p>Item, willst du ein gutes Essen von Eiern machen, so nimm sie und siede sie gut. Schäle und schneide jedes in zwei.</p>
          <p>Und nimm den Dotter daraus und hacke ihn klein mit Petersilie oder Salbei. Nimm Gewürz darein und fülle es wieder in die Eihälften zurück.</p>
          <p>Und nimm heißes Schmalz und röste die gefüllten Eier darin durch. Mache eine Eierbrühe dazu und richte es an.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="airen">Eier</ingredient> - 6</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saluon">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ge= wurcz">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prue">Brühe</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-005">
        <head>Gefüllte Eier am Spieß</head>
        <div type="original" xml:id="mon-005-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-005-trans">
          <p>ITem wildw aber machen von aier So thue sy auff ann paiden orten vnd thue dy tutter dar awß vnd nymb ein smalcz vnd tue dy tutter dar ein vnd ruer es mit pettersill vnd gburcz vnd full dy air wider vnd vber prenß stoß sy dar nach an ain spyß vnd pracz also werden sew gerecht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-005-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-005-orig">
          <p>Wenn du wiederum Eier zubereiten willst, so öffne sie an beiden Enden und nimm nur das Eigelb heraus - das Eiweiß bleibt in der Schale. Nimm dann Schmalz und gib das Eigelb hinein. Rühre es mit Petersilie und Gewürz.</p>
          <p>Fülle die noch mit Eiweiß gefüllten Schalen wieder und lass sie kurz anziehen. Danach stecke sie auf einen Spieß und brate sie. So werden sie richtig zubereitet.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aier">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="tutter">Eigelb</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-006">
        <head>Geröstete Eier in Safranrahm</head>
        <div type="original" xml:id="mon-006-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-006-trans">
          <p>ITem aber von air kochen so sewd sy herdt vnd schels vnd sy in ainem smalcz also gancz vnd nymb ain oberen milich vnd sewdt Sy wol vnd machs ab mit saffrann vnd mit gburcz vnd gewß ains wenigen smalcz dar an also ist es guett</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-006-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-006-orig">
          <p>Siede die Eier hart. Schäl die Eier und röste sie so ganz [ungeteilt] in einem Schmalz.</p>
          <p>Nimm danach die obere Milch (Rahm) und siede sie gut. Schmeck sie mit Safran und Gewürzen ab und gieße ein wenig Schmalz daran. So ist es gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz / ains wenigen smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oberen milich">Sahne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffrann">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-007">
        <head>Eier mit Petersilien-Weinsauce</head>
        <div type="original" xml:id="mon-007-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-007-trans">
          <p>ITem aber von airen chochen so sewd sy herdt vnd sneydt sy von ainander vnd hack pettersill gar chlain vnd stoß vnd / Slachs durch mit guetten wein vnd mah= gs ab / an die air vnd gib sy also chaldt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-007-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-007-orig">
          <p>Ein weiteres Rezept für Eier: Siede die Eier hart und schneide sie auseinander. Hacke Petersilie sehr klein, stoße sie im Mörser und schlage sie mit gutem Wein durch ein Tuch. Richte die Sauce an den Eiern an und serviere sie kalt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="airen">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-008">
        <head>Grüne Eier im Schmalz</head>
        <div type="original" xml:id="mon-008-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-008-trans">
          <p>ITem wil man herte air sol machen gruen So nymb pettersill vnd stoß den vnd slachs in mit wein durch vnd nymb honig dar czw vnd machs mit gburcz ab vnd rast sy ym smalcz vnd thue sy in dy gruen varb also werden sy gerecht vnd guett</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-008-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-008-orig">
          <p>Wenn du hartgekochte Eier grün färben möchtest: Nimm Petersilie und stoße sie. Schlage sie mit Wein durch und gib Honig dazu. Würze sie mit Gewürz ab. Röste die Eier im Schmalz und gib sie dann in die grüne Farbe. So werden sie recht und gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="herte air">Eier, hartgekocht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-009">
        <head>Eier im Pfeffer</head>
        <div type="original" xml:id="mon-009-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-009-trans">
          <p>ITem willdw mach air ym phefferr so mach sy also vnd sewd sy herdt vnd spal schels sy vnd spalcz sy von ein ander vnd rost sy ym smalcz vnd tue sy In die gruenn varib vnd nymb honig wein vnd slachs durch legs dar ein vnd machs ab asso ist es gerecht etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-009-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-009-orig">
          <p>Wenn du Eier im Pfeffer zubereiten willst, so mache sie folgendermaßen:</p>
          <p>Siede die Eier hart. Schäle sie und spalte sie voneinander. Röste sie in Schmalz.</p>
          <p>Gib die gerösteten Eier dann in die grüne Farbe. Nimm Honig und Wein, schlage es durch und gib die Mischung dazu. Schmecke ab. So ist es recht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die gruenn varib">Grüne Kräutersauce (Petersilie, Wein, Honig)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-010">
        <head>Gebackener Muskat-Mörserkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-010-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-010-trans">
          <p>ITem wildw ein guetten morschuchen machen So reib semel vnd air dar vnder vnd mach es gelb vnd stupp es woll vnd sneyd trey muscat schon dar vnder vnd dar nach thue ein smalcz in denn morser vnd secz auff ein gluedt vnd laß es pachen vnd wan es gepachen ist so sneyd es dann czw scheybm vnd gib es hin auff den tisch etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-010-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-010-orig">
          <p>Wenn du einen guten Mörserkuchen machen willst, so reibe Semmel und Eier darunter und mache es gelb. Würze es gut [mit Gewürzpulver] und schneide drei Stücke Macis (Muskatblüte) fein darunter.</p>
          <p>Danach gib Schmalz in den Mörser und setze ihn auf eine Glut. Lasse es darin backen. Und wenn es gebacken ist, so schneide es dann in Scheiben und gib es auf den Tisch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semel">Geriebenes Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="trey muscat">Macis (Muskatblüte)</ingredient> - 3</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(mach es gelb)">Safran (impliziert, zum Färben)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-011">
        <head>Holunderblütenmus mit Eiern</head>
        <div type="original" xml:id="mon-011-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-011-trans">
          <p>ITem wildw ein holler mueß machen So nymb die plue von der holler vnd leg denn in ein milich vnd laß ein guette czeyt in ruen ligen seich dar nach die milich durch ein tuech vnd secz czw dem fuer vnd ruer es das es nicht gering gebing dar nach slach in air dar ein vnd nymb dar czwe guecz geburcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-011-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-011-orig">
          <p>Wenn du ein Holunderblütenmus zubereiten möchtest, so nimm die Blüten vom Holunder und lege sie in Milch. Lasse sie eine gute Zeit lang darin ruhen.</p>
          <p>Seihe danach die Milch durch ein Tuch und setze sie ans Feuer. Rühre sie, damit sie nicht gerinnt. Schlage danach Eier hinein und nimm dazu gute Gewürze.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die plue von der holler">Holunderblüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein milich">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guecz geburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-012">
        <head>Eier-Mehl-Mus in Milch</head>
        <div type="original" xml:id="mon-012-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-012-trans">
          <p>ITem wildw ain guete air prue von airen ein gmuß machen so nymb air vnd hack die mit mell auff ein vnd Sewdt das gehack in einem milich etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-012-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-012-orig">
          <p>Wenn du aus Eiern ein gutes Mus (eine Eierbrühe) machen willst, so nimm Eier und hacke sie mit Mehl zu einer Masse.</p>
          <p>Und siede das Gehackte in Milch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mell">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milich">Milch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-013">
        <head>Eier-Strauben in Wein mit Honig und Gewürzen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-013-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-013-trans">
          <p>ITem wildw aber von air kochen so nymb vj air vnd czewch da mit einen taig vnd pachs geleych als strawben vnd hachs dar nach chlain vnd sewdt es In einem hayssen wein mags dar nach mit ha= nig vnd mit guetten gburcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-013-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-013-orig">
          <p>Willst du aber mit Eiern kochen, so nimm sechs Eier und rühre damit einen Teig an. Backe ihn gleich wie Strauben und hacke ihn danach klein. Siede ihn in einem heißen Wein. Schmecke ihn danach mit Honig und guten Gewürzen ab.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="se vj air">Eier</ingredient> - 6</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Schmalz oder Pflanzenöl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hayssen wein">Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ha= nig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten gburcz">Süße Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-014">
        <head>Backerbsen in Eierbrühe</head>
        <div type="original" xml:id="mon-014-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-014-trans">
          <p>ITem wildw aber ein gmueß machen mit airen So czewch ein taig ab mit iij airen vnd secz dar nach auff ein haysss Smalcz vber vnd nymb ein schon loffel vnd halt yn vber das Smalcz vnd gewß den taig gnwgsam dar auff durch so geradt es czw aribassen czewgss dar nach auß der phann vnd mach ein air prue vnd laß dar ein vnd mags ab etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-014-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-014-orig">
          <p>Willst du aber ein Mus mit Eiern zubereiten, so rühre einen Teig mit drei Eiern an.</p>
          <p>Setze danach eine Pfanne mit heißem Schmalz auf. Nimm einen schönen Löffel und halte ihn über das heiße Schmalz. Gieße den Teig genügend darauf durch, sodass sie zu Backerbsen geraten. Ziehe sie danach aus der Pfanne.</p>
          <p>Bereite eine Eierbrühe zu, gib die Backerbsen hinein und vollende das Gericht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="iij airen">Eier</ingredient> - 3.0</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="taig">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="haysss Smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air prue">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air prue">Brühe</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-015">
        <head>Frittierte Sauerkirschen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-015-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-015-trans">
          <p>ITem wildw ein pachen weychslen machen so czewch ain taig ab mit vier airen vnd mit wasser mach In ab mit gburcz nym darnach ein hayss smalcz vnd tunck dy weychslen in den taig vnd pachs in dem smalcz etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-015-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-015-orig">
          <p>Willst du gebackene Weichseln zubereiten, so rühre einen Teig an mit vier Eiern und Wasser. Würze ihn mit Gewürz. Nimm danach heißes Schmalz, tunke die Weichseln in den Teig und backe sie im Schmalz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weychslen">Sauerkirschen</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vier airen">Eier</ingredient> - 4</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="taig">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hayss smalcz">Schweineschmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-016">
        <head>Krebsmus</head>
        <div type="original" xml:id="mon-016-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-016-trans">
          <p>ITem wil dw ein grewssen mueß machen so nym die chrewssen vnd sneydt das paß von den augen vnd stoß das in einem morser vnd treybs mit einer milich durch ein siblein vnd reyb ein semel dar czw vnd Slach das durch ein ander vnd mach einn mueß dar auß in ainer phann das wird guedt vnd gerecht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-016-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-016-orig">
          <p>Item, willst du ein Krebsmus zubereiten, so nimm die Krebse und schneide die ungenießbaren Teile beim Kopf und den Augen weg.</p>
          <p>Stoße das Übrige in einem Mörser und treibe es mit etwas Milch durch ein Siebchen. Reibe eine Semmel dazu und schlage alles gut durcheinander.</p>
          <p>Bereite daraus ein Mus in einer Pfanne zu. Das wird gut und gerecht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="grewssen / chrewssen">Krebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milich">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semel">Semmel</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-017">
        <head>Eierpfannkuchen in Wein-Honig-Sud</head>
        <div type="original" xml:id="mon-017-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-017-trans">
          <p>ITem wil dw von airen machen ein taig mit etlichen airen an so dw aller her= tist magst vnd gibb den vnd mach dar auß pletter als phanczelten das pach ym smalcz vnd nymb dar nach ein guetten wein vnd habl als vill honigs vnd er well das vnder einander vnd czewch das pachen dar durch so dw eß an wildt richten etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-017-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-017-orig">
          <p>Willst du aus Eiern einen Teig machen, so nimm dazu hartgekochte Eier, so hart wie du sie nur bekommen kannst. Färbe ihn (gelb) und forme daraus dünne Blätter wie Pfannkuchen. Backe diese im Schmalz. Nimm danach einen guten Wein und halb so viel Honig und lass das miteinander aufkochen. Ziehe das Gebackene (die Pfannkuchen) durch diesen Sud, wenn du es anrichten willst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="airen / etlichen airen">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schweineschmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honigs">Honig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-018">
        <head>Krause Eier (gefüllte Eierschalen vom Rost)</head>
        <div type="original" xml:id="mon-018-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-018-trans">
          <p>ITem wil dw ein praten von air machen So slach air auff dacz dem grossen spicz vnd czechlopff sy gar woll vnd thue pheffer vnd saffran dar ein vnd gehackten pettersill vnd saluan vnd rast das in einerr phann vnd hacks chlain vnd tue es wider In dy air schall vnd stoß an ainen vnd legs auff ein rast</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-018-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-018-orig">
          <p>Item, willst du einen Eierbraten machen, so schlage die Eier am großen (stumpfen) Ende auf und verquirle sie sehr gut. Gib Pfeffer und Safran hinein, dazu gehackte Petersilie und Salbei.</p>
          <p>Röste das in einer Pfanne, hacke es klein und fülle es wieder zurück in die Eierschalen. Stecke sie an ein Spießchen und lege sie auf einen Rost.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gehackten pettersill">Petersilie, gehackt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saluan">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air schall">Eierschalen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-019">
        <head>Einfache Eier auf Papier</head>
        <div type="original" xml:id="mon-019-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-019-trans">
          <p>ITem wildw machen armm Smalcz auff papier so slach die air in einer schussel vnd mags czesam vnd legs in des art des papier ains chlains taigel vnd mach ein haysß Smalcz In einen phann vnd czewch ein guette gluedt her fur an aschen vnd gewß das hayß smalcz auff das papier vnd volpecz es reschlich auff die gluedt ze stund gewmg es sein gnug also gib+ es hin mit dem papir</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-019-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-019-orig">
          <p>Willst du einfaches Schmalz auf Papier zubereiten, so schlage die Eier in einer Schüssel und vermenge sie. Setze eine kleine Portion dieser Masse an die Stelle des Papiers.</p>
          <p>Erhitze Schmalz in einer Pfanne. Ziehe eine gute, aschefreie Glut hervor. Gieße das heiße Schmalz auf das Papier und gib es rasch auf die Glut. Sobald es dir genug dünkt, serviere es sogleich mit dem Papier.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="papier">Papier (Backpapier oder Pergament)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-020">
        <head>Gepresstes Milch-Eier-Mus mit Safran</head>
        <div type="original" xml:id="mon-020-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-020-trans">
          <p>ITem wildw ein guet gmuß machen So nymb ain guet tail ainer milich vnd sewds vnd slach dar nach xx air in dy milich daz sy aber vor chlain geslagen sein salz es vnd mach es ab mit saffrann vnd ander gburcz vnd wan dy milich sewdt so thue dy air drein vnd laß auff einer glud sten schut es dar nach als mit ein ander auff ein tuech vnd halt das tuech vast zesam vnd leg ein prett dar auff das das wasser dar auss gee vnd wan es erkalt So sneyd es czw langen snytten vnd thue czu= cker dar auff etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-020-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-020-orig">
          <p>Wenn du ein gutes Mus zubereiten möchtest, nimm einen guten Teil Milch und siede sie.</p>
          <p>Schlage danach zwanzig Eier in die Milch, nachdem sie zuvor fein verquirlt wurden. Salze die Milch und würze sie mit Safran und anderen Gewürzen ab. Sobald die Milch siedet, gib die Eier hinein und lass die Mischung auf einer Glut stehen, damit sie sanft stockt.</p>
          <p>Schütte das Ganze danach auf ein Tuch und halte das Tuch fest zusammen. Lege ein Brett darauf, damit das Wasser herausgepresst wird. Wenn es erkaltet ist, schneide es zu langen Schnitten und bestreue es mit Zucker.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain guet tail ainer milich">Kuhmilch</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="xx air">Eier</ingredient> - 20</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffrann">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ander gburcz">Andere Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czu=cker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-021">
        <head>Wein-Semmel-Mus mit Honig</head>
        <div type="original" xml:id="mon-021-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-021-trans">
          <p>ITem wil dw machen aber ein gmuss So nymb ein guetten wein vnd ein Semell vnd reib es durch ein ander duech ein pfeffer thuech mit honig vnd mit gueten gburcz ab gemacht vnd secz auff daz fewerr das es ein guete wal thue so hat es sein gnug</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-021-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-021-orig">
          <p>Wenn du ein weiteres Mus zubereiten möchtest, so nimm einen guten Wein und eine Semmel. Reibe es durch ein anderes Tuch, ein Pfeffertuch. Mache es mit Honig und mit guten Gewürzen ab. Setze es auf das Feuer, damit es einmal gut aufkocht. Dann hat es seine Genüge.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein Semell">Semmel</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gueten gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-022">
        <head>Wurst aus Hecht und Krebsen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-022-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-022-trans">
          <p>ITem wildw ein burst von grewssen machen so nymb das prat von hechten vnd Sewd die grewssen gar rein vnd nymb dy hels da von vnd hacks mit den prat vnd nymb sex air dar czw vnd machs durch ein ander vnd tue es ann ainen spiß vnd windt es vmb geleich als ein andrew wurst pracz vnd gib sy hin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-022-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-022-orig">
          <p>Wenn du eine Wurst aus Krebsen machen willst, dann nimm das Fleisch vom Hecht. Siede die Krebse gar und säubere sie sorgfältig, und nimm die Hälse davon. Hacke die Krebshälse mit dem Hechtfleisch und nimm sechs Eier dazu. Mische alles gut durcheinander und stecke es auf einen Spieß. Wickle es darum, gleich wie eine andere Wurst, brate es und serviere es.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prat von hechten">Hechtfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="grewssen">Krebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy hels da von">Krebsschwänze</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="sex air">Eier</ingredient> - 6</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-023">
        <head>Weinbeeren-Feigen-Pfannkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-023-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-023-trans">
          <p>ITem wildw von weinperen vnd von veign / So nymb sy vnd well sy schon vnd wen sy woll erwallen daz sy sinbell werden dar nach nymb sy vnd hacks garr chlain vnd ein guecz gburcz nym dar vnder vnd sneyd dan einer semell gar dwn= ne snitel vnd dy weinper mit einem messerr auff vnd dar nach wein vnd mell vnd mach ein dunnes taigel als czw strawben vnd czew da pradt dar durch in ain phan vnd laß es pachen vnd wan dw es an richcz so sa czugker dar auff vnd versalcz nit</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-023-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-023-orig">
          <p>Willst du Weinbeeren und Feigen zubereiten: Nimm sie und lass sie gut aufwallen, und wenn sie gut gewallt haben, sodass sie rundlich aufquellen, nimm sie danach und hacke sie ganz klein. Mische ein gutes Gewürz darunter.</p>
          <p>Schneide dann von einer Semmel ganz dünne Schnitten. Streiche die Weinbeeren mit einem Messer darauf. Gib danach Wein und Mehl hinzu und mache einen dünnen Teig, wie für Struben.</p>
          <p>Ziehe das belegte Brot durch den Teig in eine Pfanne und lass es backen. Wenn du es anrichtest, streue Zucker darauf und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinperen">Weinbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="veign">Feigen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein guecz gburcz">Gewürz (unbestimmt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einer semell">Semmel (Weißbrot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mell">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Schmalz oder Pflanzenöl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czugker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-024">
        <head>Feines Eiergericht mit verschiedenen Zubereitungen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-024-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-024-trans">
          <p>ITem wil dw ein guet wilprat von airen machen so nymb her vier air czw ainer schussel vnd ein kochloffel mit milich dar vnder der nicht ze groß sey vnd mach da mit ain taig als vill dich benugt In der dick als ein kuchel taig vnd stupp In wol vnd mach In gelb vnd ein sachlin vnd gewß den taig dar ein vnd hach es /ein / In / siedens wasser das es nyndter an ruer vnd laß es sieden als lang vncz das es dich gar dick tunck So nymb es dan vnd sneid es chlain als den ministen vinger vnd leg es dan in ein hayß Smalcz vnd laß es pachen vncz das es fein gnug hab vnd mach es dan ein vnd hack dan eins weyssen von einem ay dar an oder da vntter fur ein speck da mit wil dw es gernn geben So gib es also trucken als pachen awß der phannen wil dw es aber noch ein mal geben so gib es auß einem zisseinlen will dw es aber anders geben so gib es auß ainem gelb prolin will dw es aber anders verlieren so gig es gemacht mit einer mi= lich vnd ein wenigs mell vnd wels da= mit vnd auch mit einem wenigen honig vnd mit guetten gburcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-024-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-024-orig">
          <p>Willst du ein feines Gericht aus Eiern zubereiten, so nimm vier Eier in eine Schüssel und einen Kochlöffel voll Milch hinzu, der nicht zu groß sei. Mache damit einen Teig, so viel du benötigst, in der Dicke eines Kuchenteigs.</p>
          <p>Bestäube den Teig gut und färbe ihn gelb. Gib den Teig in ein Säcklein und hänge es so in siedendes Wasser, dass es nirgends anstößt. Lasse es so lange sieden, bis es dir ganz dick erscheint. Nimm es dann heraus und schneide es fingerdick.</p>
          <p>Lege die Stücke dann in heißes Schmalz und lasse sie backen, bis sie fein genug sind. Richte es dann an und hacke das Weiße von einem Ei daran oder darunter, um Speck zu imitieren. Willst du es so servieren, gib es trocken und gebacken aus der Pfanne.</p>
          <p>Willst du es aber noch anders servieren, so gib es aus einem kleinen Schälchen. Willst du es noch anders geben, so gib es aus einem gelben Brötchen. Willst du es aber noch anders darbieten, so gib es mit Milch und ein wenig Mehl gemacht, wälze es darin und gib auch ein wenig Honig und gute Gewürze hinzu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vier air">Eier</ingredient> - 4</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein kochloffel mit milich">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain taig">Teig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stupp In wol">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mach In gelb">Safran (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein sachlin">Kochbeutel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="siedens wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hayß Smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="eins weyssen von einem ay">Eiweiß</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gelb prolin">Gelbes Brötchen (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milich">Milch (für süße Variante)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenigs mell">Mehl (für süße Variante)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig (für süße Variante)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten gburcz">Gewürze (für süße Variante)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-025">
        <head>Gestücktes Gebäck mit Weinsauce</head>
        <div type="original" xml:id="mon-025-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-025-trans">
          <p>ITem wildw ein gestuecz pachen machen von air So mach ein taig vnd ma= ch Inn als czw einem haidnischen pachen vnd mach auch pleter vnd sneid ein snitten dy Smeller sey dan ein vinger versneidt dy pletter an kainem artt vnd laß sy gancz vnd nym ein smalcz in einem morser vnd secz den hayß vber al / das wellig werdt vnd nym ein koch loffel in die handt oder ein hoczel das sie als groß sein das dw mugst geraichen an die pletter wan dw die pletter gesotten hast vnd ye ains vber das ander vnd wierff es ab dem holcz in denn morsar vnd la es pachen das dich sein benugt ist es ym not so ker es vmb in dem morsar vnd pach es piß das es sein genug gewingt vnd mach dan guet suppen dar czw vnd dar czw ein wenig wein einen piczolten vnd stra dar Ein wenigg weinper vnd gewß dy suppen auff Das pach wan dw wellest es an richtenn etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-025-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-025-orig">
          <p>Wenn du ein gestücktes Gebäck aus Eiern machen willst, so bereite einen Teig zu und forme ihn wie für ein heidnisches Gebäck. Mach auch Teigblätter und schneide daraus Streifen, die schmäler sind als ein Finger. Schneide die Teigblätter in keiner Weise weiter zu und lass sie ganz (lang).</p>
          <p>Nimm Schmalz in einen tiefen Topf (Mörser) und erhitze es gründlich, bis es zu wallen beginnt. Nimm einen Kochlöffel oder einen Schöpflöffel in die Hand, die so groß sind, dass du die Teigstreifen gut erreichen kannst, wenn du sie frittiert hast, und lege sie jeweils eines über das andere. Wirf das Gebäck vom Holzbrett in den Topf und lass es frittieren, bis es dir genügt. Ist es nötig, so kehre es im Topf um und frittiere es, bis es genug Farbe und Knusprigkeit gewinnt.</p>
          <p>Mach dann eine gute Sauce dazu. Gib dazu ein wenig Wein - einen piczolten - und streue ein wenig Weinbeeren (Rosinen) hinein. Was piczolten genau meint, ist ungeklärt; am ehesten ein mit eingekochtem Gewürz-/Lebzelten versetzter Wein. Gieße die Sauce über das Gebäck, wenn du es anrichten willst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="taig">Teig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="piczolten">Gewürzgebäck (vermutet, ungeklärter Hapax)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-026">
        <head>Gestrecktes Hohlgebäck (Cannoli-Verwandte)</head>
        <div type="original" xml:id="mon-026-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-026-trans">
          <p>ITem wil dw ein gestracz pachen machen so mach an ainen taig mit eytetll air als czw kuchlenn vnd von melb vnd gburcz In wol vnd mach In gelb vnd gwarem dich ganczer halbern als vil dw ier haben wildt vnd stra dy helbem in den taig das sy doch werden taigig vnd la sy pachen vncz das sy prawnn werden So nymb sy dan herr auß der phannen vnd czewch die helbem her auß</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-026-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-026-orig">
          <p>Item, willst du ein gestrecktes Gebäck machen, so bereite einen Teig mit etlichen Eiern, wie für Küchlein, und von Mehl.</p>
          <p>Würze den Teig gut und färbe ihn gelb. Halte dir ganze Stäbe bereit, so viele du davon haben möchtest. Lege sie an und hülle sie in den Teig ein, sodass sie ganz vom Teig umschlossen sind.</p>
          <p>Lass das Gebäck backen, bis es braun wird. Dann nimm es aus der Pfanne und ziehe die Stäbe wieder heraus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eytetll air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="melb">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz In wol">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mach In gelb">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-027">
        <head>Gefüllte Eier, grün und rot</head>
        <div type="original" xml:id="mon-027-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-027-trans">
          <p>ITem wildw ein gefuult air machen So nymb viij air vnd slag sy an den spicz auff vnd ein wenig Smalcz tue in ein phannen vnd gewß die dar Ein vnd czeuch sy an mit einem loffel vnd la sy ein wenig sieden veicht vnd thue sy dan ab dem fewr hack sy chlain auff einem panck vnd hack dar vnter guet burczen vnd pettersill vnd fuel sy wider in dy schall vnd legs in ain phannen vnd laß sy Sieden vncz das dy sein benug So nymb sy dan her wider auß vnd schel sy schon vnd stoß ann Ein spissel vnd mach dar czw gruenen saft vnd meng die tutter als vil dich gnugt czway oder trew die werden grunn vnd als dy anderen als vil der gruenn sindt das das dy werden rott vnd leg dan dy air czw dem fewr pey dem spicz vnd laß sy werden hayß vnd weslach ains gruen das ander rott da mit rich es an</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-027-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-027-orig">
          <p>Wenn du gefüllte Eier zubereiten willst, so nimm acht Eier und öffne sie am spitzen Ende, sodass die Schalen ganz bleiben. Tu ein wenig Schmalz in eine Pfanne, gib die Eier hinein und ziehe sie mit einem Löffel an, sodass sie leicht stocken. Lasse sie ein wenig sieden und nimm sie dann vom Feuer.</p>
          <p>Hacke sie klein auf einem Brett und hacke gute Wurzeln und Petersilie darunter. Fülle die Masse wieder in die Eierschalen und lege sie in eine Pfanne. Lasse sie dort sieden, bis sie gar sind.</p>
          <p>Nimm sie dann wieder heraus und schäle sie sauber. Spieße sie auf ein kleines Spießlein und bereite dazu grünen Saft. Menge die Dotter, so viel dir genügt, zwei oder drei, sodass sie grün werden, und ebenso viele andere, wie es grüne sind, sollen rot werden.</p>
          <p>Lege dann die Eier zum Feuer an den Spieß und lasse sie heiß werden. Richte sie abwechselnd an, eins grün, das andere rot.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="viij air">Eier</ingredient> - 8</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig Smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guet burczen">Wurzeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gruenen saft">Grüner Saft</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rott">Roter Farbstoff</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-028">
        <head>Hübsches Eier-Wildbret-Päckchen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-028-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-028-trans">
          <p>ITem wildw machen ein hubsch essen von airen so mach trew pletter weiß gruen rott vnd nym dan ains wilcz pracz als dw pest gehaben mugst Ein chlain halt das da gesotten sey vnd woll geburcz vnd gemacht mit weinper vnd nymb es dan her vnd praydt sey vnd als dick sy sein da mit bindt sy vmb ein anderen als einen bunten prieff yegligs plat besunder vnd mach dar awß ein taig dar czw sy yn bezogen werden vnd Im Smalcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-028-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-028-orig">
          <p>Ein hübsches Essen von Eiern und Wildbret: Willst du ein hübsches Essen von Eiern machen, so mach drei Eierfladen - einen weißen, einen grünen und einen roten.</p>
          <p>Nimm dann ein Stück Wildbret, das du am besten bekommen kannst. Es soll ein kleines, gekochtes Stück sein, gut gewürzt und mit Weinbeeren (Rosinen) zubereitet.</p>
          <p>Nimm die Eierfladen dann her und breite sie aus; und so dick sie sind, binde sie damit umeinander wie einen bunten Brief, jedes Blatt für sich. Mache daraus einen Teig, in den sie eingehüllt werden, und backe sie im Schmalz aus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="airen">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wilcz pracz">Wildbret, gekocht und gewürzt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Weinbeeren (Rosinen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="taig">Teig (zum Umhüllen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-029">
        <head>Frittierte Feigen-Weinbeeren-Kugeln</head>
        <div type="original" xml:id="mon-029-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-029-trans">
          <p>ITem wildw machen von veygen vnd von weinper So nymb sy vnd wasch sy von erst vnd stoß dar nach In einem morsar vnd mach dar nach chugel Dar auß geleich als air vnd mach dar nach ein taiglin an mit wein vnd gilb das taigel vnd thue die chugel dar ein vnd pachgs dar nach In ol oder in Smalcz vnd gburcz sy von ersten etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-029-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-029-orig">
          <p>Willst du Feigen und Weinbeeren zubereiten, so nimm sie und wasche sie zuerst. Stoße sie danach in einem Mörser fein und würze die Masse von Anfang an mit Gewürzen. Forme daraus Kugeln, die etwa wie Eier groß sind.</p>
          <p>Bereite danach einen kleinen Teig mit Wein an und färbe diesen Teig gelb. Lege die geformten Kugeln in den Teig und backe sie anschließend in Öl oder Schmalz aus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="veygen">Feigen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Weinbeeren (Rosinen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ol oder in Smalcz">Pflanzenöl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gilb das taigel">Safran (optional, zum Färben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz sy">Gewürze (süß)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-030">
        <head>Mandel-Reindel auf Kohlen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-030-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-030-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein reindel von mandel So nym dar czw ein guette milich vnd ein geriben semel vnd thue das alles in ein scherblin als vil das er + dick werdt mengs dan mit saffran vnd mit gburcz als vil dich genugt vnd ein wenig honig das es dester pesser werdt vnd secz auff choller vnd laß sieden vncz das es trucken werdt etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-030-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-030-orig">
          <p>Willst du ein Mandel-Reindel zubereiten, so nimm dazu gute Milch und geriebene Semmel. Gib dies alles in ein kleines Schälchen, so viel, dass es dick wird. Mische es dann mit Safran und Gewürz nach Belieben und ein wenig Honig, damit es desto besser wird. Setze es auf Kohlen und lass es sieden, bis es trocken wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein guette milich">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein geriben semel">Semmelbrösel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig honig">Honig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-031">
        <head>Imitierte Fischeier aus Hechtbrät</head>
        <div type="original" xml:id="mon-031-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-031-trans">
          <p>ITem wildw machen vischair so nym das geprat von hechten vnd Stoß das in einem morsar vnd nym dar nach vnd vber prenn dy das sy tutterlen sein vnd prich darnach das ay an paiden artten auff vnd thue den tutter dar auß vnd mach ein gestossen mit guetten gburcz ab vnd fuls in dy ayr schall vnd legs in einen morsar vnd vber prens dar= nach schels vnd stoß ann ein spiß vnd salcz vnd pracz sy also etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-031-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-031-orig">
          <p>Willst du Fischeier zubereiten, so nimm das Brät von Hechten und stoße es in einem Mörser. Nimm danach Ingwer und erhitze das Brät, bis es dotterähnlich (wie kleine Dotter) wird.</p>
          <p>Brich danach das Ei an beiden Enden auf und entnimm den Dotter. Bereite das gestoßene Brät mit guten Gewürzen zu und fülle es in die leeren Eierschalen. Lege die gefüllten Eierschalen in ein Gefäß [die Quelle sagt wörtlich »Mörser«] und erhitze sie noch einmal. Schäle sie danach, stecke sie auf einen Spieß, salze und brate sie so.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geprat von hechten">Hechtbrät</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ay">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-032">
        <head>Gebackene Strauben aus der Pfanne</head>
        <div type="original" xml:id="mon-032-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-032-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein pachens als ein schussel So mach ein taig als czw strawben dan daz er dick sey vnd secz ein phann vber den herdt vnd nym ein eysnen loffl vnd gewß den taig aussen dar auff mit einem anderen loffel vnd hab dan den eysnen loffel in dy phann</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-032-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-032-orig">
          <p>Willst du ein Gebackenes als Gericht zubereiten, so mache einen Teig, wie er für Strauben üblich ist, und zwar dick. Stelle eine Pfanne auf den Herd und nimm einen eisernen Löffel. Gieße den Teig mit einem zweiten Löffel außen darauf und halte dann den eisernen Löffel in die Pfanne.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein taig">Teig für Strauben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Milch oder Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Schmalz oder Pflanzenöl</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-033">
        <head>Sauce aus sauren Äpfeln</head>
        <div type="original" xml:id="mon-033-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-033-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein salssen von weinling So thue sy in einen haffen vnd laß sy sieden vnd das sy nicht ckalt werden streich sy dar nach durch ein tuechel vnd thue sy aber in den haffen vnd secz auf ein gluedt vnd laß wol sieden vnd ruer sy vncz das sy dick wirdt vnd thue dar vnter honich vnd griben pratt nagel vnd guet gburcz vnd thue sy darnach in ein vaffel so beleyben trew oder vier Iar</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-033-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-033-orig">
          <p>Willst du eine Sauce aus Weinlingen (sauren Äpfeln) zubereiten, so gib sie in einen Topf und lass sie sieden. Achte darauf, dass sie nicht kalt wird. Streiche sie danach durch ein Tuch und gib sie wieder in den Topf. Setze den Topf auf eine Glut und lass die Sauce gut sieden. Rühre sie, bis sie dick wird.</p>
          <p>Gib dann Honig, geriebene Nelken und gute Gewürze hinzu. Fülle die fertige Sauce danach in ein Gefäß, so bleibt sie drei oder vier Jahre haltbar.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinling">Weinling (saure Äpfel)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honich">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="griben pratt nagel">Nelken, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guet gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-034">
        <head>Birnen-Latwerge mit Gewürz</head>
        <div type="original" xml:id="mon-034-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-034-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein ledtwaring von regelspirren so schel dy pieren Schon vnd sneyd sy czw viertaillen vnd Sneyd dy schon auß vnd thue dan dy pieren in einen haffen vnd secz es auff ain gluedt vnd gewß dar an ein viertaill wasser vnd vermach den haffen das der tunst her auß nit gee wann sy dan sein ge= nug haben so stoß sy chlain vnd thue sy in einen chessel vnd secz sy auff ein dryf= fueß vnd ein guet gluet dar vnter ruer sy furstar vnd ye pey ainer weil so gewß ein winczig wasser dar an vnd stup sy wol ab mit / gburcz /guetem/ so wird es guet</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-034-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-034-orig">
          <p>Item, wenn du eine Latwerge aus Kochbirnen zubereiten willst, so schäle die Birnen sauber und schneide sie in Viertel. Schneide das Kerngehäuse sauber heraus. Gib die Birnen dann in einen Topf und setze ihn auf eine Glut. Gieße ein Viertel Liter Wasser hinzu und verschließe den Topf, damit der Dampf nicht entweicht.</p>
          <p>Wenn die Birnen dann weich genug sind, zerstoße sie fein. Gib sie in einen Kessel und setze diesen auf einen Dreifuß mit guter Glut darunter. Rühre sie fortwährend und gieße von Zeit zu Zeit ein winziges bisschen Wasser hinzu. Würze sie gut ab, dann wird es gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="regelspirren">Birnen (Kochbirnen)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient> - 0.25 l</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz guetem">Gewürz (z.B. Zimt, Ingwer, Nelken)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-035">
        <head>Latwerge aus Weintrauben</head>
        <div type="original" xml:id="mon-035-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-035-trans">
          <p>ITem wil dw machen latwarig von weinperen so nym dy weinperen vnd prich sy ab dem chempten vnd thue sy in einen chessel vnd secz auff ainen trifueß vnd thue ein glued dar vnter vnd dw solt nichcz dar an giessen vnd wen es sieden wirt so laß es chalt werden so streich es durch ein tuech vnd thue/es wider in den chessel vnd secz es wider auff einen triffueß vnd laß es wol sieden stupp es dan wol ab mit guetten gburcz vnd gewss sew wider auff ein predt vnd lass sey chalt werden sequitur</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-035-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-035-orig">
          <p>Willst du Latwerge aus Weintrauben zubereiten, so nimm die Weintrauben und brich sie von den Stielen. Gib sie in einen Kessel und stelle diesen auf einen Dreifuß. Lege Glut darunter und gieße nichts hinzu.</p>
          <p>Wenn es zu sieden beginnt, lass es kalt werden. Dann streiche es durch ein Tuch und gib es wieder in den Kessel. Setze ihn erneut auf einen Dreifuß und lass es gut sieden. Würze es dann gut ab mit guten Gewürzen und gieße es wieder auf ein Brett. Lass es dort kalt werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinperen">Weintrauben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-036">
        <head>Fischsauce mit Salbei, Zimt und Walnuss</head>
        <div type="original" xml:id="mon-036-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-036-trans">
          <p>ITem wildw machen ein salsen czw vischen So nym saluan vnd zina= mey vnd walisch nuss das reib mit guetten wein ab vnd esseich durch also wird es guett</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-036-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-036-orig">
          <p>Willst du eine Sauce für Fisch zubereiten, so nimm Salbei, Zimt und Walnüsse. Reibe diese mit gutem Wein ab und passiere sie mit Essig. So wird die Sauce gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saluan">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zinamey">Zimt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="walisch nuss">Walnüsse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-037">
        <head>Hecht auf dreierlei Art gebraten</head>
        <div type="original" xml:id="mon-037-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-037-trans">
          <p>ITem wil dw treylay essen von einen visch machen vnd das der gancz pe= leyb so nym ein hechten vnd slag vmb das mitter tail ein tuech das naß sey vnd yn dan auff ein rost salcz in vnd laß in praten das vodertaill begewß mit smalcz das da hayß sey vnd spreng es mit mell vnd das tuech begewß mit hayssem wein den das hindter tail das prat sich selber auf dem rost gib ein guette salsen dar czw</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-037-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-037-orig">
          <p>Willst du drei Arten von Speisen aus einem Fisch zubereiten, so dass er ganz bleibt, so nimm einen Hecht.</p>
          <p>Schlage um das Mittelteil ein nasses Tuch. Lege den Fisch dann auf einen Rost, salze ihn und lass ihn braten.</p>
          <p>Das Vorderteil begieße mit heißem Schmalz und bestreue es mit Mehl. Das Tuch begieße mit heißem Wein, und das Hinterteil brät sich selbst auf dem Rost.</p>
          <p>Gib eine gute Sauce dazu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein hechten">Hecht</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein tuech">Tuch</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz in">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mell">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hayssem wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein guette salsen">Sauce</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-038">
        <head>Mandel-Igel</head>
        <div type="original" xml:id="mon-038-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-038-trans">
          <p>ITem wildw machen ein ygel von ma= ndel So nym mandel als vil er haben well vnd stoß in vnd wirff in dar nach in ainen chlain haffen vnd ruer In mit ainem chlainen holczlin schuedt In dar nach auff ein tuech das er enpar lig vnd seich In dar nach das er drucken werdt wesa in mit czucker vnd nym dar nach geviertailt mandel kernn das dy rott sey mit saffrann vnd bestoß es dan das esß sech als ein ygel gewß dar nach dar an ein ticke mi= lich von mandel vnd auff ein schussel so ist es gerecht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-038-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-038-orig">
          <p>Willst du einen Igel aus Mandeln machen, so nimm Mandeln, so viel du haben willst, und stoße sie. Wirf sie danach in einen kleinen Topf und rühre sie mit einem kleinen Hölzchen. Schütte sie danach auf ein Tuch, damit sie sich ausbreiten kann, und seihe sie danach ab, damit sie trocken wird.</p>
          <p>Bestreue die Mandelmasse mit Zucker. Nimm danach geviertelte Mandeln, die rot gefärbt sind mit Safran, und stecke sie dann so hinein, dass es wie ein Igel aussieht. Gieße danach eine dicke Mandelmilch darüber, und auf einer Schüssel ist es angerichtet.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel als vil er haben well">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geviertailt mandel kernn das dy rott sey mit saffrann">Mandeln, geviertelt und mit Safran gefärbt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain ticke milich von mandel">Dicke Mandelmilch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-039">
        <head>Eigelbmus mit Wein und Honig</head>
        <div type="original" xml:id="mon-039-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-039-trans">
          <p>ITem wil dw ein gmuß von air tutter machen so nymb dar czw walisch wein vnd ein winczige semel dar vntter vnd streich es durch ein tuech mit ein ander vnd thue dar ein czuckerr hast dw des czucker nicht so nym ein honig an dy stat vnd thue es in ein chlains heffen vnd secz auff ein kollerr vnd ruer es furstar vnd paldt es dick wird so heb es her ab vnd versalcz nicht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-039-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-039-orig">
          <p>Wenn du ein Mus aus Eidotter zubereiten möchtest, dann nimm dazu welschen Wein und eine kleine Semmel (geriebenes Weißbrot) darunter. Streiche es miteinander durch ein Tuch. Gib Zucker hinzu. Hast du keinen Zucker, so nimm stattdessen Honig.</p>
          <p>Gib es in ein kleines Häfchen und setze es auf ein Kohlenbecken. Rühre es fortwährend. Sobald es dick wird, nimm es herunter und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air tutter">Eidotter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="walisch wein">Welscher Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="winczige semel">Semmel (geriebenes Weißbrot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czuckerr">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-040">
        <head>Gebratene Äsche mit Salbei</head>
        <div type="original" xml:id="mon-040-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-040-trans">
          <p>ITem wildw ein aschen machen so nym dy aschen vnd stupp sy nicht sneid sy auff die panck vnd spalt den darm in dem visch vnd stoß gancz saluan pletter vnd salcz in dem visch vnd bespreng in mit salcz awssen vnd leg in auff ain rost vnd pradt In woll also magstu awch dy forchen den allen vnd den braxsenn thuen etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-040-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-040-orig">
          <p>Willst du eine Äsche zubereiten, so nimm die Äsche und würze sie nicht, sondern schneide sie auf der Arbeitsplatte auf und schlitze ihr den Bauch auf, um die Eingeweide zu entfernen. Dann stoße ganze Salbeiblätter und Salz in den Fisch. Besprenge ihn außen mit Salz und lege ihn auf einen Rost. Brate ihn gut.</p>
          <p>Ebenso kannst du es auch mit Forelle, Aal und Brachsen tun.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="aschen">Äsche</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saluan pletter">Salbeiblätter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-041">
        <head>Gebratener Hecht mit Kräuterfüllung</head>
        <div type="original" xml:id="mon-041-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-041-trans">
          <p>ITem wil dw praten hechten machen so nym gruem hechten schupp In vnd laß den darmm aus also also das er gancz beleyb oder laß awß den gratt vnd stoß sy In ainem morser vnd thue dar czw pheffer vnd saluan saffriann vnd salz da mit full den hechten bespreng mit salcz vnd prat In etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-041-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-041-orig">
          <p>Wenn du gebratenen Hecht zubereiten willst, so nimm einen frischen Hecht. Schuppe ihn und nimm den Darm heraus, sodass der Fisch ganz bleibt.</p>
          <p>Alternativ kannst du den Grat entfernen und das Fischfleisch in einem Mörser zerstoßen. Gib dazu Pfeffer, Salbei, Safran und Salz.</p>
          <p>Damit fülle den Hecht. Besprenge ihn anschließend mit Salz und brate ihn.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gruem hechten">Hecht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saluan">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffriann">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-042">
        <head>Gebratener Aal mit Kräuterfüllung</head>
        <div type="original" xml:id="mon-042-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-042-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein all so nym ainen frischen al vnd treib ab im sein fleim In frischen aschen der da chalt sey vnd zewch Im ab dy hawdt daz sy nit zereiß vnd hack saluan pletter vnd gestossen ymber pheffer anneyß salcz vnd wierff es auff den all vnd czewch die hawt wider dar vber vnd spreng In mit salcz vnd pradt In gar woll sequitur etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-042-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-042-orig">
          <p>Willst du einen Aal zubereiten, so nimm einen frischen Aal und reibe ihm seinen Schleim mit frischer, kalter Asche ab.</p>
          <p>Zieh ihm die Haut vorsichtig ab, sodass sie nicht zerreißt. Hacke Salbeiblätter und zerstoße Ingwer, Pfeffer und Anis. Vermische diese Gewürze mit Salz und gib die Mischung auf den Aal.</p>
          <p>Zieh die Haut wieder über den Aal, bestreue ihn mit Salz und brate ihn sehr gut durch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainen frischen alt">Aal, frisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frischen aschen der da chalt sey">Asche, kalt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saluan pletter">Salbeiblätter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gestossen ymber">Ingwer, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="anneyß">Anis, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-043">
        <head>Gefüllter Aal nach Mondseer Art</head>
        <div type="original" xml:id="mon-043-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-043-trans">
          <p>ITem wil dw aber al praten wenn dw einen al sein hawdt hast ab geczogen so sneyd Im ab das hawp vnd sew In gar woll vnd loß dar nach awß dy grat vnd hack den al vnd nym saluan vnd air vnd schonß prat pheffer ymber vnd salcz vnd full damit dy hawt vnd das dy hawt hawdt nichcz zeuoll sey das sy nit czeprech full das hawp auch wider hin an vnd prat In woll etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-043-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-043-orig">
          <p>Willst du wiederum einen Aal braten: Wenn du einem Aal bereits die Haut abgezogen hast, so schneide ihm das Haupt ab und siede ihn gar wohl. Löse danach die Gräten aus und hacke das Aal-Fleisch fein.</p>
          <p>Nimm Salbei, Eier, feinen Pfeffer, Ingwer und Salz und fülle damit die Haut. Achte darauf, dass die Haut nicht zu voll sei, damit sie nicht zerbricht. Fülle auch das Haupt wieder an und brate den Aal gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="alt">Aal</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hawdt">Aalhaut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hawp">Aalkopf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saluan">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-044">
        <head>Stockfisch im Teigmantel</head>
        <div type="original" xml:id="mon-044-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-044-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein stockvisch so nym ein stock visch vnd thue ym ab sein hawdt vnd wasserr In ein nacht dar Inen sten truck In ainen essich vnd dan In vnd betrawpf In mit putteren vber all vnd mach ain taig von melb vnd von airen thue dar czw pheffer vnd saffran vnd salz vnd be slach denn stoß den visch treystundt da mit vnd laß prawn werden gegen dem fewer vnd betrawfp In woll vnd gib In hin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-044-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-044-orig">
          <p>Wenn du einen Stockfisch zubereiten willst, so nimm einen Stockfisch und ziehe ihm die Haut ab. Wässere ihn eine Nacht lang, indem du ihn darin stehen lässt.</p>
          <p>Drücke ihn dann in Essig aus und beträufle ihn danach überall mit Butter. Mache einen Teig aus Mehl und Eiern, gib Pfeffer, Safran und Salz hinzu. Bestreiche den Fisch damit und schlage den Teig dreimal auf ihn, dann lasse ihn über dem Feuer braun werden. Beträufle ihn dabei gut und serviere ihn.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein stock visch">Stockfisch</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasserr In ein nacht">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="putteren">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="melb">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="airen">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-045">
        <head>Stockfisch mit Milch, Ei und Safran</head>
        <div type="original" xml:id="mon-045-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-045-trans">
          <p>vnd schell ein stockvisch vnd sew In gar vnd schudt In auff ein hack predt laß awß dy grat vnd hack In chlain thue dar czw milich air semel prot pheffer saffran vnd salcz vnd laß es er wallenn vnd gib es hin oder mach dar auff ain gelbew suppen mit saffrann</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-045-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-045-orig">
          <p>Schäle einen Stockfisch und siede ihn gar. Schütte ihn auf ein Hackbrett, entferne die Gräten und hacke ihn klein.</p>
          <p>Gib dazu Milch, Eier, geriebenes Semmelbrot, Pfeffer, Safran und Salz. Lasse es aufkochen und serviere es.</p>
          <p>Alternativ kannst du dazu eine gelbe Suppe mit Safran zubereiten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein stockvisch">Stockfisch</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milich">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semel prot">Semmelbrot, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-046">
        <head>Hitzefeste Fisch-Sülze mit Obstbaum-Gummi</head>
        <div type="original" xml:id="mon-046-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-046-trans">
          <p>ITem wil dw ein visch guet sulczen vnd paldt machen vnd sy pestendt wie hayß es sey nym das pech von denn weinlingpawm trucken das daz es trucken sey vnd stoß es czw pulver vnd schuedt das in dy sulcz wie hayß es ist so bestett si vnd ist guett</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-046-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-046-orig">
          <p>Willst du einen Fisch gut sülzen und rasch zubereiten, sodass die Sülze fest bleibt, egal wie heiß es ist: Nimm das Pech vom Weinling-Baum, trockne es, sodass es ganz trocken ist, und stoße es zu Pulver. Schütte das Pulver in die Sülze; wie heiß sie auch ist, so wird sie fest und ist gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pech von denn weinlingpawm">Obstbaum-Gummi</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy sulcz">Sülze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-047">
        <head>Gebratener Erbsen-Scheinbraten</head>
        <div type="original" xml:id="mon-047-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-047-trans">
          <p>ITem wil dw ein gepraten arbayssen machen So mach von erst ein ckalt gossen vnd sewd die arbayssen dar im vnd czeug dy pelg da vonn vnd sewd sy gancz an dy stat stoß dar nach in einem morsar vnd thue honig dar ein nym dar nach geribens prott mit tutter mit vij airen vnd thue smalcz dar czw vnd nym dar nach ain hulczen spiß vnd mach dan ein praten vnd leg in hin czw vnd prat In vnd begewß in offt mit hayssen Smalcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-047-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-047-orig">
          <p>Willst du einen gebratenen Erbsen-Scheinbraten zubereiten, so mache zuerst einen Kaltguss und koche die Erbsen darin. Ziehe dann die Häute davon ab und koche sie stattdessen ganz weich.</p>
          <p>Danach stoße sie in einem Mörser und gib Honig hinzu. Nimm anschließend geriebenes Brot mit Eidotter und sieben Eiern und gib Schmalz dazu.</p>
          <p>Nimm danach einen hölzernen Spieß und forme daraus einen Braten. Lege ihn auf den Spieß und brate ihn. Begieße ihn dabei oft mit heißem Schmalz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="arbayssen">Erbsen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ckalt gossen">Kaltguss (Teig aus Mehl und Wasser)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geribens prott">geriebenes Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="tutter">Eidotter</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="s vij airen">Eier</ingredient> - 7</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-048">
        <head>Erbsenwürmer mit Senf-Honig-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="mon-048-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-048-trans">
          <p>ITem wil dw arbayssen machn als Regnwurmm So mach ein chaltgossen Als vor vnd sewd dy arbayssen an dy stat vnd treibs durch ein siblein awff ein sch= ussel als regnwurmm vnd thue das daz dar einen durchgeriben seniff vnd honig vnd mags aber mit saffran vnd gburcz etc. Sequitur ???</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-048-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-048-orig">
          <p>Wenn du ‚Arbayssen‘ als Regenwürmer zubereiten willst, so mache zuerst einen ‚Kaltguss‘, wie zuvor beschrieben, und siede die ‚Arbayssen‘ darin bis zur richtigen Konsistenz.</p>
          <p>Treibe sie dann durch ein kleines Sieb auf eine Schüssel, sodass sie wie Regenwürmer aussehen.</p>
          <p>Gib dazu [durch das Sieb] geriebenen Senf und Honig. Du kannst es auch mit Safran und weiteren Gewürzen verfeinern.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="arbayssen">Erbsen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="seniff">Senf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-049">
        <head>Ziger mit Mandelmilch und Kernen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-049-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-049-trans">
          <p>vnd besteck es mit mandel chernn nym dan den selbigen czuger vnd leg In mitten in ein schussel vnd gewss mandel milich dar an Sequitur</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-049-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-049-orig">
          <p>Und bestecke es mit Mandelkernen. Nimm dann denselben Ziger und lege ihn mittig in eine Schüssel. Gieße Mandelmilch darüber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel chernn">Mandelkerne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czuger">Ziger</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel milich">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-050">
        <head>Mandel-Fischrogen-Fladen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-050-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-050-trans">
          <p>ITem mer von mandel So nym man= del vnd hack dy chlain vnd verreyb den selbigen halben mit saffrann vnd das busunder in die schussel vnd dar nach nym weinperen wol er chlawpt vnd erbell das sy sinbel werden vnd leg die auch besunder in ein schussel czw denn mandel dar nach nym aller lay visch rogen dan von parben nit vnd stoß die in einem morsar mit einem wenigen weissen mel das daz werdt als ein str= auben taig vnd verb es dar nach alles thue alles auff denn fladen vnd pach es in einem offenn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-050-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-050-orig">
          <p>Nimm Mandeln und hacke sie klein. Die Hälfte davon färbe mit Safran und gib sie separat in eine Schüssel.</p>
          <p>Danach nimm Weinbeeren, zupfe sie gut von den Stielen und koche sie kurz auf, sodass sie kugelrund und prall werden. Lege auch diese separat in eine Schüssel zu den Mandeln.</p>
          <p>Nimm danach allerlei Fischrogen, aber nicht von Barben. Stoße den Rogen in einem Mörser mit ein wenig weißem Mehl, sodass die Masse wie ein Straubenteig wird. Färbe es danach.</p>
          <p>Gib alles auf einen Fladen und backe ihn in einem Ofen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffrann">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinperen">Weinbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch rogen">Fischrogen (nicht von Barben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weissen mel">Weißes Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fladen">Fladenbrot-Teig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-051">
        <head>Feigenmus-Krapfen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-051-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-051-trans">
          <p>ITem wil dw ein mueß von veigen chochen so nym nuß veigen vntter Ein anderen ineinem morsar vnd geburcz das woll vnd verib es dar nach woll vnd legs num in ein phann vnd thue oll dar an vnd erbelles vnd mach ein chrapfen weiß In einen er haben taig dar nach pach es woll In oll vnd gib es chalt czw essen etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-051-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-051-orig">
          <p>Wenn du ein Mus von Feigen kochen willst, so nimm getrocknete Feigen und zerstoße sie gut in einem Mörser. Würze das Mus gut und reibe es danach fein. Lege es nun in eine Pfanne, gib Öl dazu und lass es aufkochen. Mache daraus Krapfen, wie du sie haben willst, in einem aufgegangenen Teig. Danach backe sie gut in Öl und gib sie kalt zu essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nuß veigen">Feigen, getrocknet</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oll">Pflanzenöl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="taig">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="taig">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-052">
        <head>Armes Mandelschmalz mit Stör und Grieben</head>
        <div type="original" xml:id="mon-052-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-052-trans">
          <p>ITem wil dw ein armen smalcz von man= del machen so stoz den mandel chlain in einem morsar vnd streich In dick durch mit wasser vnd nym In dan in ein phann vnd sew In das er dick werdt als ein mueß vnd nym dan aines vaisten hawssen vnd sneyd In wirfladt vnd ein frisch smalz vnd rost es in ainem phenlein als ein Sweinen speck vnd nym dy chrewppen her awß vnd leg dy mandel in das smalz vnd praid dy mit einem loffel awß ein anderr Nym dar nach ein saffrann vnd verb augen dar auff als vill dw wellest vnd halt es pey Sierem vnd das dw es wellest an richten so hast ein guecz armen smalcz von mandel etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-052-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-052-orig">
          <p>Willst du ein armes Schmalz von Mandeln zubereiten, so stoße die Mandeln fein in einem Mörser und streiche sie dick mit Wasser durch. Nimm die Mandelmasse dann in eine Pfanne und koche sie, bis sie dick wie ein Mus wird.</p>
          <p>Nimm danach einen feisten Hausen (Stör) und schneide ihn in Würfel. Gib frisches Schmalz dazu und röste ihn darin wie Schweinespeck aus. Nimm die Grieben heraus und gib die Mandelmasse in das ausgelassene Schmalz. Breite sie mit einem Löffel gleichmäßig aus.</p>
          <p>Nimm danach Safran und färbe damit die Masse, so viel du möchtest. Halte das Gericht bei Wärme bereit. Wenn du es anrichten willst, hast du ein gutes armes Schmalz von Mandeln.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aines vaisten hawssen">Hausen (Stör)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frisch smalz">Schweineschmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffrann">Safranfäden</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-053">
        <head>Kalter Lebkuchen-Wein-Sud (Lebkuchen-Pfeffer)</head>
        <div type="original" xml:id="mon-053-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-053-trans">
          <p>ITem wil dw guettew kostel machen wil dw es machen guet So nym wein vnd esseich vnd honig vnd gueten leczelten vnd stoz das durch ein tuech vnd sewd es vnd so gewss dar nach vnd iss so es chalt werdt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-053-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-053-orig">
          <p>Wenn du eine gute Speise zubereiten möchtest, und sie gut machen willst, dann nimm Wein, Essig und Honig. Gib auch guten Lebkuchen hinzu.</p>
          <p>Stoße diese Mischung durch ein Tuch und siede sie. Gieße den Sud danach in ein Gefäß und iss ihn, wenn er kalt geworden ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gueten leczelten">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="tuech">Passiertuch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-054">
        <head>Klare Sülze von Fisch mit Brennnesselwasser</head>
        <div type="original" xml:id="mon-054-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-054-trans">
          <p>ITem wil dw ein chlare sulcz machen So nym nessel wurczen ein guette hant volle vnd wasch die gar schon vnd gewß ein viertail wasser dar an vnd laß czwo stund sieden vnd dar nach ein vr oder czwo chal werden nym dar nach die visch vnd beraicz sawber mit dem das dar czw gehordt wierfs dar nach In ain wasser vnd in wein vnd in esseich das ains als vill sey als des anderen doch das des wasser ein benigs minder sey nym dar nach dy selben prue vnd streich die durch vnd nym dan das nessel wasser czw der prue ein wenig czw das ains als vill werdt als des anderen In das selb mach ain chlar ab hab es dar nach vber das fewr vnd wenn es warmm will wernn so wird es obenn truebig so thue das truebig als her ab vncz das der wall her ab gett das es nymmer truebig sey so wird es dan faimen wan es dan faimbt so czeuch den faimbt nicht her ab vnd laß es woll sieden das es nicht vber gee nym dar nach ain ph= effer der nicht gestossen sey vnd gancze nagel der pheffer sol ein wenig czerp= rochen sein vnd czimerrindten dy sneydt czw pischem vnd laß dar Innen sieden vnd salcz czw massen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-054-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-054-orig">
          <p>Willst du eine klare Sülze zubereiten, so nimm eine gute Handvoll Brennnesselwurzeln. Wasche diese sehr sauber und gieße einen Viertelliter Wasser dazu. Lasse die Wurzeln zwei Stunden lang sieden und danach ein bis zwei Stunden kalt werden.</p>
          <p>Nimm danach den Fisch und bereite ihn sauber zu, wie es sich gehört. Wirf ihn anschließend in eine Mischung aus Wasser, Wein und Essig, sodass von jedem etwa gleich viel ist, das Wasser jedoch ein wenig weniger. Nimm danach diese Brühe und streiche sie durch ein Tuch.</p>
          <p>Gib dann das Brennnesselwasser zu der Brühe, ein wenig davon, sodass es etwa die gleiche Menge wie die Brühe ergibt. Damit bewirkst du eine Klärung. Halte es danach über das Feuer, und wenn es warm werden will, wird es oben trüb. Schöpfe das Trübe immer wieder ab, bis die Wallung nachlässt, sodass es nicht mehr trüb ist.</p>
          <p>Danach wird es schäumen. Wenn es dann schäumt, ziehe den Schaum nicht ab, sondern lasse es gut sieden, sodass es nicht überkocht. Nimm danach ungemahlenen Pfeffer und ganze Nelken; der Pfeffer soll ein wenig zerbrochen sein. Schneide Zimtrinde in Stücke und lasse alles darin sieden. Salze es nach Geschmack.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nessel wurczen">Brennnesselwurzeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein guette hant volle">eine gute Handvoll</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein viertail wasser">Wasser</ingredient> - 250 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die visch">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain pheffer der nicht gestossen sey">Pfeffer, ungemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gancze nagel">Gewürznelken, ganz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czimerrindten">Zimtrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-055">
        <head>Fischsülze mit Blüten</head>
        <div type="original" xml:id="mon-055-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-055-trans">
          <p>ITem wil dw das die sulz gestee Im sumer als Im winter So nym cherss plue vnd arbaiß plue so es erst auf schewst vnd deer das an der sunnen vnd nymb der arbayß plue also vill Sam dw vnter trein vinger gehaben magst vnd cherssen plue czwier so vill vnd thue es in ein chuchlin vnd laß mit den vischen sieden vnd wan es ge= soten ist So thue die prue dar awß vnd mach es nicht zegelb nym guetten esseich So gestet es in ij stunden etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-055-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-055-orig">
          <p>Wenn du möchtest, dass die Sülze im Sommer wie im Winter fest wird, dann nimm Kirschblüten und Erbsenblüten, sobald sie zuerst aufsprießen. Dörre diese an der Sonne. Nimm von den Erbsenblüten so viel, wie du unter drei Fingern halten magst, und von den Kirschblüten zweimal so viel. Gib die Blüten in ein kleines Säcklein und lass es mit den Fischen sieden.</p>
          <p>Wenn es gesotten ist, nimm die Brühe heraus und achte darauf, dass sie nicht zu gelb wird. Gib guten Essig hinzu, dann wird die Sülze in zwei Stunden fest.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="cherss plue">Kirschblüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="arbaiß plue">Erbsenblüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vischen">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten esseich">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-056">
        <head>Fischmus mit Wein und Gewürzen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-056-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-056-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein gmueß von vischen So nymb ain pratt visch vnd weinpern vnd stoß durch ein ander nym dar nach guetten wein gburcz vnd czucker vnd machs also an die statt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-056-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-056-orig">
          <p>Wenn du ein Mus von Fischen zubereiten möchtest, so nimm einen gebratenen Fisch und Weinbeeren und stoße sie zusammen. Nimm danach guten Wein, Gewürze und Zucker hinzu und mach es damit an dieser Stelle fertig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain pratt visch">Gebratener Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinpern">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-057">
        <head>Feigenbraten am Spieß</head>
        <div type="original" xml:id="mon-057-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-057-trans">
          <p>ITem wil dw ein pratten von veigen machen so nym ein 1/2 libra veigen vnd Stoß die chlain vnd machs mit gburcz vnd gancz weinper ab vnd stoß an ainen spiß der hulczen sey vnd spick in mit mandel vnd leg in czw vnd laß in praten</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-057-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-057-orig">
          <p>Willst du einen Braten aus Feigen zubereiten, so nimm 250 g Feigen und zerstoße sie klein. Würze sie mit Gewürz und gib ganze Weinbeeren hinzu.</p>
          <p>Stecke die Masse auf einen hölzernen Spieß und spicke sie mit Mandeln. Lege ihn ans Feuer, an die Glut, und lass ihn braten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="1/2 libra veigen">Feigen</ingredient> - 0.5 kg</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze (z.B. Zimt, Ingwer, Nelken)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gancz weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="spiß der hulczen sey">Holzspieß</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, geschält</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-058">
        <head>Gefüllter Hecht</head>
        <div type="original" xml:id="mon-058-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-058-trans">
          <p>ITem wil dw ein gefulten hechten machen So slach in pey der floß in den grat ab vnd czewch Im dy hawt ab vnd zer gehackt die geprat vnd thue dar vnter weinper vnd gburcz etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-058-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-058-orig">
          <p>Willst du einen gefüllten Hecht zubereiten, so schlage ihn bei der Flosse ein, bis zur Gräte, und ziehe ihm die Haut ab. Zerhacke das Fischbrät sehr fein und mische Weinbeeren sowie Gewürze unter.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hechten">Hecht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz etc.">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-059">
        <head>Fischknödel in Wein-Essig-Suppe</head>
        <div type="original" xml:id="mon-059-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-059-trans">
          <p>ITem wil dw chodel von vischen ma= chen so hack sy chlain mit czwain airen vnd press vnd sneid es chlain vnd machs in der suppen mit wein vnd esseich</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-059-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-059-orig">
          <p>Wenn du Fischknödel machen willst, dann hacke die Fische klein. Gib zwei Eier hinzu, presse die Masse und schneide sie klein. Gib die Stücke dann in die Suppe, die mit Wein und Essig zubereitet ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vischen">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="czwain airen">Eier</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-060">
        <head>Harte Mandeleier</head>
        <div type="original" xml:id="mon-060-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-060-trans">
          <p>ITem wil dw hertte air von mandel machen wil dw sy machen als ich dich gelernet han die tatter von dem weyssen auff ain vierdung oder auff ein halb phundt als vil dw wilt vnd vber sewd sy vnd nym dan her auß vnd stoz sy in einem morsar vnd zewch sy durch ein tuech als dick dw mugst dar In sy gestossen sein vnd mach sy dan mitt gueten gburcz ab vnd mit ainer semel das die werden als dick als dy vorigen essen vnd da mit secz sy auff ein chol vnd rich sy dan hin an als die vorigen essenn etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-060-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-060-orig">
          <p>Wenn du harte Eier aus Mandeln zubereiten möchtest, so wie ich es dich gelehrt habe: Nimm die Dottermasse von der weißen Mandelzubereitung, etwa ein Viertel oder ein halbes Pfund, ganz nach Belieben. Überbrühe sie und nimm sie dann heraus.</p>
          <p>Stoße die Masse in einem Mörser und ziehe sie dann durch ein Tuch, so dick wie du es vermagst, nachdem sie gestoßen wurde. Würze sie anschließend mit guten Gewürzen und binde sie mit geriebener Semmel, sodass sie so dick werden wie die zuvor genannten Speisen.</p>
          <p>Setze sie dann auf glühende Kohlen und richte sie an wie die zuvor genannten Speisen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="die tatter von dem weyssen auff ain vierdung oder auff ein halb phundt">Mandelpaste (eidotterähnlich)</ingredient> - 125 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gueten gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainer semel">Semmel, gerieben</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-061">
        <head>Hausen geruchsneutral zubereiten</head>
        <div type="original" xml:id="mon-061-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-061-trans">
          <p>ITem wildw hawssen machen das Sy nit Smecken So nym aschen vnd sa den schon durch ain sib vnd mach In dar nach in ein wasser als ein garen gall vnd leg die hawssen dar ein vnd lass sieden vnd nym sy dan her auß vnd wasch sy gar schon vnd mach sy dann wie dw sy haben wilt so werden sy guet vnd Smechent nymer</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-061-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-061-orig">
          <p>Wenn du Hausen zubereiten willst, damit er nicht unangenehm riecht, dann nimm Asche und siebe sie fein durch ein Sieb.</p>
          <p>Mache daraus anschließend in Wasser eine Art dicke Lauge und lege den Hausen hinein und lasse ihn sieden. Nimm ihn dann heraus und wasche ihn sehr sauber.</p>
          <p>Bereite ihn danach zu, wie du ihn haben möchtest; so wird er gut und riecht niemals mehr unangenehm.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aschen">Asche</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain sib">Sieb</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hawssen">Hausen (Stör)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-062">
        <head>Zweierlei Aal: Gefüllt und Gesotten</head>
        <div type="original" xml:id="mon-062-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-062-trans">
          <p>ITem wil dw machen von ainem al czwenn So czewch dem al sein + hawdt ab vnd mach ein guette full von airen vnd stupp sew woll vnd full dy haut vnd cher die hawt an das recht vnd stoz das hawp in dy ful vnd na + es das es nit auß vall vnd nym dan den al vnd sewdt in mit wasser vnd mit wein vnd stupp es wol ab vnd nym dan dyssen al in der hawt vnd prat den schon auff einem rast vnd petreuff in mit putteren so es ge= pratten ist so leg In auff ein schussel vnd leg den gesoten al auch dar czw gib sy paidt hin dem herren so mag der herrr etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-062-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-062-orig">
          <p>Willst du aus einem Aal zweierlei zubereiten, so ziehe dem Aal seine Haut ab.</p>
          <p>Mache eine gute Füllung aus Eiern und würze sie gut. Fülle die Haut damit und kehre die Haut auf die rechte Seite. Stoße den Kopf in die Füllung und nähe es zu, damit nichts herausfällt.</p>
          <p>Nimm dann den restlichen Aal und siede ihn mit Wasser und Wein. Würze auch diesen gut.</p>
          <p>Nimm dann den gefüllten Aal in der Haut und brate ihn schön auf einem Rost. Beträufele ihn dabei mit Butter. Wenn er gebraten ist, lege ihn auf eine Schüssel und lege den gesottenen Aal ebenfalls dazu. Gib sie beide dem Herrn hin, so mag der Herr etc.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ainem al">Aal</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="airen">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stupp sew woll / stupp es wol ab">Gewürze (Salz, Pfeffer)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="putteren">Butter</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-063">
        <head>Eingelegte Nüsse in Honig</head>
        <div type="original" xml:id="mon-063-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-063-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein gmacht mueß so nym dy nuss ach tag vor sunnibenten vnd nym ein phriem vnd stich in die nuß vnd In die nuss . v . locher laß sy ym wasser acht tag vnd schol sy dan Im wein vnd sewd sy nur einen winczigen vnd laß sy nur ein tag trucknen vnd sewd sy in honig vnd thue sy dan her wider auß vnd besteck sy mit ymber vnd mit czimerrinten vnd nym dan ein sawbers honig vnd laß dar In sieden vnd mach es ab mit honig mit gueter ymber stupp vnd leg dan die nuß dar ein vnd thue es dan in ein fassel etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-063-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-063-orig">
          <p>Willst du eine Nuss-Zubereitung machen, so nimm die Nüsse acht Tage vor Sunnibenten. Nimm einen Pfriem und stich fünf Löcher in jede Nuss.</p>
          <p>Lass die Nüsse acht Tage lang im Wasser liegen. Sie sollen dann im Wein nur einen winzigen Augenblick lang sieden, und lass sie dann einen Tag lang trocknen.</p>
          <p>Siede die Nüsse anschließend in Honig und nimm sie dann wieder heraus. Spicke sie mit Ingwer und Zimtrinden. Nimm dann einen sauberen Honig und lass die Nüsse darin sieden. Schließe die Zubereitung ab, indem du sie mit Honig und gutem Ingwerpulver bestäubst.</p>
          <p>Lege die Nüsse dann in den Honig und fülle alles in ein Fass.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy nuss">Nüsse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein phriem">Pfriem</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ym wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Im wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="in honig / ein sawbers honig / mit honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer (ganz und gemahlen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czimerrinten">Zimtrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein fassel">Fass</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-064">
        <head>Mehrfarbige Mandelsülze mit Edelmetall-Garnitur</head>
        <div type="original" xml:id="mon-064-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-064-trans">
          <p>ITem wil dw gesulcz mandel machen wil dw sy machen dy dreylay ge= stalt haben So nym hausen platteren dy versewd in wasser schon vnd nym dan diche mandel milich vnd nym dan pettersill vnd hack den gar chlain vnd nym dan das trittaill der mandel milich dar vntter vnd zuckers woll ab das wirdt dan ein gruenew varib vnd nym disew czway taill vnd dy sewd ineiner phann ab vnd czuckers auch woll ab vnd laß es dan sieden in der phan vnd gewss ein taill auff ein phandel Also weyß vnd dan das drittail gleich gelb vnd laß sy sieden dar In als vor ge= schriben stett ITem will dw nun dy sulcz in ein schussel machen So mach ein chrewcz das nicht dick sey vnd das gar woll an lig ander schussel da mit das sulcz czw der ander nit gruen mug vnd gewß dan die weyß gegen der Swarczen vnd dy gelb gegen der plaben yecz in ein fellt ITem dy gelb sulcz machs manichlichen als man dan sy gemanichlich ma= chen ist etc. ITem es sind aller lay visch guett In den variben czw sulcz awß ge= nomen die varichen da muest dw dy varib durch slach mit hawssen pletter ITem czw der swarczen sulcz nym versilbete nagel oder mandel cheren vnd czw weyssen nym vergolt mandel cheren vnd steck sy dar ein ITem czw der plaben nym vergollte nagel ITem czw der gelb versilbete nagel ITem in die mitt mach ein guldenen Steren so pesteß dw mit der sulcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-064-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-064-orig">
          <p>Willst du gesülzte Mandeln zubereiten, die dreierlei Gestalt haben sollen, so nimm Hausenblase. Weiche sie schön in Wasser ein und siede sie. Nimm dann dicke Mandelmilch und Petersilie, hacke diese ganz klein. Gib ein Drittel der Mandelmilch zur Petersilie und süße es gut mit Zucker ab; das wird dann eine grüne Farbe.</p>
          <p>Nimm die restlichen zwei Teile der Mandelmilch und siede sie in einer Pfanne ab. Süße auch diese gut mit Zucker. Lass es dann in der Pfanne sieden und gieße einen Teil davon als Weiß in ein Reindl oder eine Form. Das dritte Teil gestalte gleich gelb. Lass sie darin sieden, wie zuvor beschrieben.</p>
          <p>Willst du die Sülze nun in eine Schüssel geben, so mache ein Kreuz als Trenner, das nicht zu dick ist und gut an der Schüssel anliegt, damit sich die Sülze nicht miteinander vermischt oder ineinanderläuft. Gieße dann die weiße Sülze gegen die schwarze und die gelbe gegen die blaue, jeweils in ein Feld. Die gelbe Sülze kannst du auf vielfältige Weise gestalten, wie man sie dann üblicherweise macht.</p>
          <p>Allerlei Fische eignen sich gut für farbige Sülzen, ausgenommen Forellen (bairisch-österreichisch "Forchen"); bei diesen musst du die Farbe mit Hausenblase klären. Zur schwarzen Sülze nimm versilberte Nelken oder Mandelkerne und stecke sie hinein. Zur weißen Sülze nimm vergoldete Mandelkerne. Zur blauen Sülze nimm vergoldete Nelken. Zur gelben Sülze nimm versilberte Nelken. In die Mitte setze einen goldenen Stern; so besteckst du die Sülze am besten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hausen platteren">Hausenblase</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="diche mandel milich">Mandelmilch, dickflüssig</ingredient> - 1 l</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient> - 1 Bund</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zuckers">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran (optional, für gelbe Farbe)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versilbete nagel">Gewürznelken, versilbert (Garnitur)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel cheren">Mandelkerne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vergolt mandel cheren">Mandelkerne, vergoldet (Garnitur)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vergollte nagel">Gewürznelken, vergoldet (Garnitur)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guldenen Steren">Goldener Stern (Garnitur)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-065">
        <head>Versalzenes Essen wiederherstellen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-065-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-065-trans">
          <p>ITem wie man das versalczen essen wider pringt So secz das heffen mit der chost von verren czw dem fewr das sied vnd teck mit einem schon tuech czwe pindt es gar woll vnd nym ein gawffen vol salz vnd legs oben auff das essen das dw verpunden hast vnd wardt das die prue nit vber gee an das tuech so czewcht das ober salcz das vntter auß auß vnd wirdt guet vnd gerecht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-065-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-065-orig">
          <p>Wenn du versalzenes Essen wiederherstellen willst: Setze den Topf mit dem Gericht von weitem ans Feuer, sodass es siedet. Decke es mit einem schönen Tuch zu und binde es gut fest. Nimm eine Handvoll Salz und lege sie oben auf das Tuch über das Essen, das du verbunden hast. Achte darauf, dass die Brühe nicht über das Tuch steigt. So zieht das obere Salz das untere, überschüssige Salz aus dem Gericht heraus, und es wird wieder gut und richtig im Geschmack.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das versalczen essen">Versalzenes Essen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein schon tuech">Tuch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein gawffen vol salz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-066">
        <head>Verdorbene Speise retten</head>
        <div type="original" xml:id="mon-066-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-066-trans">
          <p>ITem wann ein chost stinckundt wirdt wie man sy wider pringen Soll so nym ein rockens talir vnd wirff es in das fewr als wellest dw es ab prennen als czw einem pheffer vnd czewch ein gluedt her auß vnd leg das prat oben dar auff vnd secz das stinckundt essen oben dar auff vnd laß also sieden so ver treibt es dem gesmach</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-066-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-066-orig">
          <p>Item, wenn eine Speise stinkend wird und du sie wiederherstellen willst:</p>
          <p>Nimm einen Roggenfladen und wirf ihn ins Feuer, als wolltest du ihn abbrennen wie für einen Pfeffer. Zieh dann eine Glut heraus und lege das Bratgut oben darauf. Setze das stinkende Essen oben auf das Bratgut und lass es so sieden. So vertreibt es den schlechten Geschmack.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chost stinckundt">Verdorbene Speise (Bratgut)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein rockens talir">Roggenfladen</ingredient> - 1 Stück</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-067">
        <head>Rindfleischpastete oder Fischpastete</head>
        <div type="original" xml:id="mon-067-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-067-trans">
          <p>ITem wildw ein guett pastellen von rindt fleysch machen So Sneydt ma= gers rindtfleisch chlain vnd das trittail vnsslitt vnd die Sway taill fleisch vnd nym dar vntter vogelen vnd tawben oder hunern vnd misch es durch ein ander vnd stupp es woll ab vnd mach die haffen auß rucken mell wol In einem haissen wasser ab vnd thue dan dy full In den haffen vnd mach pletter dar vntter vnd prich dan ein loch dar ein vnd schewß es dann in den offen vnd laß es woll pachen also magstu sy auch von guetten vischen hastu des vaissten nitt so nym puteren an der statt vnd sneydt die visch vill grosser dan das rindfleisch vnd ver= salcz nitt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-067-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-067-orig">
          <p>Willst du eine gute Pastete von Rindfleisch machen, so schneide mageres Rindfleisch klein. Nimm ein Drittel Unschlitt und zwei Teile Fleisch. Gib dazu Vögel und Tauben oder Hühner und mische es durcheinander. Bestäube es gut.</p>
          <p>Forme die Pastetenformen aus Roggenmehlteig gut in heißem Wasser. Gib dann die Füllung in die Pastetenformen und mache Deckel darauf. Brich dann ein Loch hinein und schiebe es dann in den Ofen. Lass es gut backen.</p>
          <p>So kannst du sie auch von guten Fischen machen. Hast du kein Fett, so nimm Butter an dessen Stelle. Schneide den Fisch viel größer als das Rindfleisch und versalze nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="magers rindtfleisch">Rindfleisch, mager</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vnsslitt">Unschlitt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vogelen">Vögel (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="tawben">Tauben (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hunern">Hühner (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rucken mell">Roggenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied from 'stupp es woll ab')">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied from 'versalcz nitt')">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="puteren">Butter (alternativ zu Unschlitt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vischen">Fisch (alternativ zu Rindfleisch)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-068">
        <head>Hasenmus mit Wein und Gewürzen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-068-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-068-trans">
          <p>ITem will dw ein gmuß von hassen machen So nym ein hassen vnd slach In czw+ grossen stucken vnd sew In seinem selbs swaiß vnd gewß einn wein dar an vnd ein fleyschprue vnd laß dar In sieden woll vnd wann es gesoten ist so czewch es auff ein anricht vnd chlawb dy pain alle her auß vnd das pratt hack + chlain vnd thue es dan wider In dy prue vnd guett gburcz dar ein wirt es czw dunn so reib ein benig prott dar ein also magstu es awch machen von weinpern</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-068-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-068-orig">
          <p>Wenn du ein Hasenmus machen willst, so nimm einen Hasen und zerteile ihn in zwei große Stücke. Koche ihn in seinem eigenen Saft und gieße dann Wein und eine Fleischbrühe hinzu. Lass es darin gut sieden.</p>
          <p>Wenn das Fleisch gar ist, nimm es aus dem Topf und lege es auf eine Arbeitsfläche. Löse alle Knochen heraus und hacke das Fleisch fein. Gib es dann wieder in die Brühe und füge gute Gewürze hinzu.</p>
          <p>Wird das Mus zu dünn, so reibe ein wenig Brot hinein, um es anzudicken. So kannst du es auch von Weinbeeren machen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein hassen">Hase</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einn wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein fleyschprue">Fleischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guett gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein benig prott">Brot, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinpern">Rosinen (Alternativ-Zubereitung)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-069">
        <head>Gekochte Rebhühner mit Senf-Honig-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="mon-069-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-069-trans">
          <p>ITem wil dw repphunern chochen so nym repphunern vnd sewd sy woll vnd dar nach thue sy auß der prue dar nach thue ains vnd reibb seniff mit honig vnd seich den rain vnd thue ein gestossen ymber dar ein vnd leg dy repphunern vnd czw sneydt dy an der prust oder czw glider sy</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-069-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-069-orig">
          <p>Wenn du Rebhühner kochen willst, so nimm Rebhühner und siede sie gut. Danach nimm sie aus der Brühe.</p>
          <p>Dann bereite eine Sauce zu: Reibe Senf mit Honig und seihe die Mischung rein. Gib gestoßenen Ingwer hinein.</p>
          <p>Lege die Rebhühner und zerschneide sie an der Brust oder in Glieder.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="repphunern">Rebhühner</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prue">Kochbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="seniff">Senf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gestossen ymber">Ingwer, gemahlen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-070">
        <head>Brachvogel mit Wacholderbeer-Füllung</head>
        <div type="original" xml:id="mon-070-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-070-trans">
          <p>ITem wil dw grossen prach vogel So nym brach vogel vnd mach den schon so nym chraniperen vnd gewß dar auff ein wein oder esseich also das der waichen vnd stoz sy dan In den vogell mit gburcz vnd pratt sy dan an dem spiß etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-070-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-070-orig">
          <p>Möchtest du einen großen Brachvogel zubereiten, so nimm einen Brachvogel und bereite ihn sorgfältig vor. Nimm dann Wacholderbeeren und gieße Wein oder Essig darüber, sodass sie weich werden.</p>
          <p>Stopfe die Beeren dann mit Gewürzen in den Vogel und brate ihn anschließend am Spieß.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="brach vogel">Brachvogel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chraniperen">Wacholderbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wein oder esseich">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürz(e)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-071">
        <head>Gebratene Wachteln mit Wein und Safran</head>
        <div type="original" xml:id="mon-071-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-071-trans">
          <p>ITem wil dw wachtel machen so nym wachtel vnd viertails vnd leg Sy dan in chopff vnd thue smalcz dar an vnd lasß woll pratten dar Inn vnd gewß ein wenig wein oder esseich dar an vnd thue saffran dar an</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-071-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-071-orig">
          <p>Willst du Wachteln zubereiten, so nimm Wachteln und viertle sie. Lege sie dann in einen Topf, gib Schmalz hinzu und lass sie darin gut braten.</p>
          <p>Gieße ein wenig Wein oder Essig dazu und füge Safran hinzu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wachtel">Wachteln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig wein oder esseich">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-072">
        <head>Anleitung zum Würzen von Wildbret</head>
        <div type="original" xml:id="mon-072-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-072-trans">
          <p>ITem an welichs wiltpratt man gburcz vnd pheffer thun sol in den chopff zw allem wiltpratt sol man gburcz machen vnd dar an thuen in den chopff den czw einem gesoten rechen oder hierssen czw dem secz man etwas besunder gemacht in einem schulsl ab czw hassen aichornn vnd czw vogelen an die alle gewst man gburcz in dem chopf Nun merck man sol awch kain phuesß noch gburczen noch salczen die man besunder czw dem Silpratt will wan das wilprat ist vor gesalczen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-072-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-072-orig">
          <p>Des Weiteren: Zu welchem Wildbret man Gewürz und Pfeffer geben soll, in den Topf. Zu allem Wildbret soll man Gewürz anrühren und es in den Topf hineingeben. Dann, zu einem gesottenen Reh oder Hirsch, setze man etwas besonders Gemachtes in einer Schüssel beiseite. Zu Hasen, Eichhörnchen und zu Vögeln gießt man das Gewürz ebenfalls in den Topf. Nun merke: Man soll auch keine zusätzliche Keule, keine zusätzlichen Gewürze, kein zusätzliches Salz hinzufügen, wenn man es besonders zum Wildbret geben will, denn das Wildbret ist zuvor gesalzen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wiltpratt">Wildbret</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rechen">Reh</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hierssen">Hirsch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hassen">Hase</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aichornn">Eichhörnchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vogelen">Vögel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="phuesß">zusätzliche Keule</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburczen">zusätzliche Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salczen">zusätzliches Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-073">
        <head>Fisch-Presskopf nach Art eines Schweinskopfes</head>
        <div type="original" xml:id="mon-073-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-073-trans">
          <p>ITem will dw machn ein gemachten prest sweinsckopf wil dw In machen von vischen So nym charpffen oder slein oder parben so stupp In schon vnd slach In auff vnd mach In czw stucken vnd thue In In ain phann vnd gewß dar an halbs wasser vnd halbs wein vnd das die prue nur eins vinger gee dar vber dy visch vnd heb sy vber ein guet fewr vnd laß es wol sieden vnd salcz leischt vnd stupp sy woll sy nur haben wenig sindt gesotten so seich die prue in ein schussel vnd nym dy visch vnd thue die grat hack ein winczig durch ein ander vnd thues dar wider in ein phann vnd gewß die prue dar an vnd laß es wider ein winczig sieden vnd die suppen se die sewdt Nun stoz es dan vnd sy durch vnd gewß als sambt durch ein ander in ain chlaine phann vnd laß es sten piß das es herdt wirdt vnd hab es vber ein fewr vnd czwck es pald her wider vnd slach es auff ein an= richt vnd sneydt es in ein chalde prue suesse das geist inder vasten fur prest sweinkopf</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-073-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-073-orig">
          <p>Wenn du einen zubereiteten Presskopf vom Schweinskopf machen willst, und zwar aus Fisch, so nimm Karpfen oder Schleien oder Barben. Schuppe den Fisch schön, nimm ihn aus und teile ihn in Stücke. Gib ihn in eine Pfanne und gieße halb Wasser und halb Wein hinzu, sodass die Brühe nur einen Fingerbreit über die Fische reicht. Erhitze die Pfanne über einem guten Feuer und lasse es gut sieden. Salze leicht und würze die Fische gut, wenn sie nur wenig Sud haben und gesotten sind.</p>
          <p>Seihe die Brühe in eine Schüssel ab. Nimm die Fische, entferne die Gräten und hacke das Fischfleisch ein wenig durcheinander. Gib das gehackte Fischfleisch wieder in eine Pfanne und gieße die Brühe daran. Lasse es nochmals ein wenig sieden. Und die Schuppen, die lass sieden.</p>
          <p>Nun stoße es und seihe es durch. Gieße alles zusammen in eine kleine Pfanne und lasse es stehen, bis es hart wird. Hebe es dann über ein Feuer und löse es schnell aus der Form. Stürze es auf eine Anrichte und schneide es in eine kalte, süße Brühe. Dies gilt in der Fastenzeit als Presskopf vom Schweinskopf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="charpffen oder slein oder parben">Karpfen, Schleien oder Barben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz leischt">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stupp sy woll">Gewürze (nach Geschmack)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-074">
        <head>Hühner in pfeffrig-saurer Zwiebelsauce</head>
        <div type="original" xml:id="mon-074-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-074-trans">
          <p>ITem wil dw hueneren chochen so nym altew huener vnd pratt sy halbew vnd hack sy dan czw stucke vnd da hals suppen vnd hals suppen vnd halswasser dar In sewdt sy das sy marb werden nym zwiuall vnd hack vnd sew sy waich In wenig wein smalz vnd In wenig wasser nym pheffer prott chum herdt air salcz esseich vnd ein wenig pheffer vnd meng das czw samen vnd mach sy vnd gewß die zwiuoll czw dem gemallen gewß das auff die hueneren laß es sieden eben dick In dissem condiment mag man aller lay pratten machen aber den hassen pratten sol man lassen pheffer</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-074-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-074-orig">
          <p>Willst du Hühner kochen, so nimm alte Hühner und brate sie halb gar. Hacke sie dann in Stücke und gib halb Brühe und halb Wasser hinein, darin siede sie, bis sie mürbe werden.</p>
          <p>Nimm Zwiebeln, hacke sie und siede sie weich in wenig Wein, Schmalz und in wenig Wasser. Nimm Pfeffer, Brot, Kümmel, hartgekochte Eier, Salz, Essig und ein wenig Pfeffer und mische das zusammen. Mache daraus die Sauce und gieße die Zwiebeln zu dem Gemahlenen.</p>
          <p>Gieße das auf die Hühner und lasse es sieden, bis es eben dick ist. In diesem Kondiment kann man allerlei Braten zubereiten, aber den Hasenbraten soll man pfeffern.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="altew huener">Hühner</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hals suppen vnd hals suppen vnd halswasser">Brühe und Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zwiuall">Zwiebeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wenig wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wenig wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prott">Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chum">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="herdt air">Eier, hartgekocht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-075">
        <head>Böhmisches Huhn im Teigmantel</head>
        <div type="original" xml:id="mon-075-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-075-trans">
          <p>ITem will dw ein morsar hain machen Fuell ein huenn mit airen vnd mit speck saluan vnd mit salz ynnen cwischen hawt vnd fleysch vnd stoz es an ainen spiß vnd mach ainen air taig fest mit einem walczen praidt In dvnn vnd pebindt das hain da mit prat es nit gar gib es hin also gancz daz haist ein pehaiimschhuen etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-075-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-075-orig">
          <p>Wenn du ein Mörserhuhn zubereiten willst, fülle ein Huhn mit Eiern, Speck, Salbei und Salz. Stopfe die Füllung innen zwischen Haut und Fleisch. Stecke das Huhn auf einen Spieß.</p>
          <p>Mache einen Eierteig fest und rolle ihn mit einer Walze sehr breit und dünn aus. Binde das Huhn damit ein. Brate es gar.</p>
          <p>Serviere es dann so ganz. Dies nennt man ein Böhmisches Huhn.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein huenn">Huhn</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="airen">Eier (für die Füllung)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saluan">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air taig">Eier (für den Teig)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-076">
        <head>Dreifarbiges Gebäck auf Spießen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-076-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-076-trans">
          <p>ITem wil dw ein guecz pachen von trey= lay pleter machen ainß gruen das ander weyß das tritt gelb so nym air vnd thue das weyß da von vnd thue+ es besunder vnd hack pettersill chlain vnd reib In chlain vnd reib air dar vntter vnd dan ein phann vnd mach sy halb mit einem smalcz vnd mach dan ein gruenß platt her auß vnd mach dan ein gelb plat von denn tutter vnd thue auch her awß vnd chlopff dan das weyß platt her auß vnd leg dy pletter auff ein ander vnd das gruenn mitten so sneydt sy dan chlain schassczogbit vnd stoz es an ein spissel vnd mach dan ain taig mit airen vnd von wasser mach In gelb vnd zeuch es durch ein taig vnd pach es In einem smalcz vnd czewch dan dy spissel her auß vnd sneydt es dan nach der leng von ein ander vnd leg es dan auff die schussel vnd czuckers genug dar auff vnd salcz nitt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-076-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-076-orig">
          <p>Wenn du ein gutes Gebäck aus dreierlei Blättern zubereiten willst - das eine grün, das andere weiß, das dritte gelb -, so nimm Eier und trenne das Eiweiß davon ab. Lege das Eiweiß beiseite. Hacke Petersilie klein und reibe sie fein, dann mische Eier darunter.</p>
          <p>Nimm dann eine Pfanne und fülle sie zur Hälfte mit Schmalz. Backe daraus ein grünes Blatt (aus der Petersilien-Ei-Mischung) und ein gelbes Blatt (aus dem Eidotter) und nimm sie heraus. Schlage dann das Eiweiß auf und backe daraus ein weißes Blatt.</p>
          <p>Lege die drei Blätter aufeinander, das grüne in die Mitte. Schneide sie dann in kleine, kunstvolle Stücke und stecke diese auf einen Spieß. Bereite dann einen Teig aus Eiern und Wasser zu, färbe ihn gelb (z.B. mit Safran) und ziehe die Spieße durch diesen Teig. Backe sie in Schmalz aus.</p>
          <p>Zieh dann die Spieße heraus und schneide das Gebäck der Länge nach auseinander, um die Schichten zu zeigen. Lege es auf eine Schüssel und streue reichlich Zucker darüber. Salze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czuckers">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mach In gelb">Safran (zum Färben)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-077">
        <head>Rehbraten im Teigmantel</head>
        <div type="original" xml:id="mon-077-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-077-trans">
          <p>ITem wil dw ein rech pratten spick In woll wespreng In woll mit salcz wirff dar auff vber pheffer bepindt In mit air taig als ein chropflin laß in einem offen pachen beidenlich greiff ob es gesotten sey gepratten also magstu auch den hassen thuen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-077-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-077-orig">
          <p>Wenn du einen Rehbraten zubereiten willst, spicke ihn gut und besprenge ihn gut mit Salz. Streue danach Pfeffer darüber. Umhülle den Braten mit einem Eierteig wie eine Teigtasche. Lasse ihn in einem Ofen beidseitig backen. Prüfe, ob er durchgegart und gebraten ist. Ebenso kannst du es auch mit einem Hasen machen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein rech pratten">Rehbraten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="spick">Speck (zum Spicken)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air taig">Eierteig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den hassen">Hase (optional, als Alternative zum Reh)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-078">
        <head>Mus von Reh-Lunge und Hirschleber</head>
        <div type="original" xml:id="mon-078-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-078-trans">
          <p>ITem wildw einen hirssen machen so nym dy lungel vnd pluet von dem Rech vnd sewdt es vnd sneydt es dan also wirffladt seich es schon durch ein tuech das nicht harss dar Innen beleib vnd thue es dan wider in den haffen thue dar czw Smalcz vnd laß es vast sieden das es dick werdt so dw es dan hin gibst so stra wurczen dar auff des hirsch leber vnd pracz auch also etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-078-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-078-orig">
          <p>Willst du ein Wildgericht zubereiten, so nimm die Lunge und das Blut vom Reh. Siede es und schneide es dann in Würfel. Seihe es gut durch ein Tuch, sodass keine groben Bestandteile darin verbleiben.</p>
          <p>Gib es dann wieder in den Topf und füge Schmalz hinzu. Lass es kräftig sieden, bis es dick wird. Wenn du es dann servierst, streue Gewürze darauf.</p>
          <p>Die Hirschleber brate ebenfalls auf diese Weise.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy lungel von dem Rech">Reh-Lunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pluet von dem Rech">Reh-Blut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurczen">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="des hirsch leber">Hirschleber</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-079">
        <head>Wildbret im August haltbar machen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-079-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-079-trans">
          <p>ITem wildw in dem augst wiltpratt behalten so nym czway tail salcz das trittail gesotten wasser vnd sneydt das fleysch czw stucken vnd truffterß in dem salcz laß es ein halb taig dar Innen ligen vnd wasch es vnd leg es in das gesotten salcz das eß naß werdt also magstu behalten aller lay fleisch In dem augst als dw es sieden willt so er well es vnd gewß das schon ab vnd gewß frisch wasser dar an vnd laß es dan gar sieden etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-079-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-079-orig">
          <p>Wenn du im August Wildbret haltbar machen willst, dann nimm zwei Teile Salz und ein Drittel gekochtes Wasser.</p>
          <p>Schneide das Fleisch in Stücke und reibe es gründlich mit Salz ein. Lass es einen halben Tag darin liegen. Wasche es anschließend und lege es in das gekochte Salzwasser, damit es vollständig benetzt wird.</p>
          <p>So kannst du allerlei Fleisch im August haltbar machen. Wenn du es kochen willst, dann lass es kurz aufkochen, gieße das Wasser sauber ab und gib frisches Wasser hinzu. Lass es dann ganz gar kochen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wiltpratt">Wildbret</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gesotten wasser">Wasser, gekocht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frisch wasser">Wasser, frisch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-080">
        <head>Mörserhühner-Küchlein</head>
        <div type="original" xml:id="mon-080-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-080-trans">
          <p>ITem wil dw ein pratten huen machen so nym ein gepratten huen czw glid das chlain nym weyß prott einen dunnen taig von airen mit pheffer anneis vnd sa= ffrann vnd stoz es in ainem morsar als czw mall vnd pach es ineinem chlain smalcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-080-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-080-orig">
          <p>Wenn du ein gebratenes Huhn zubereiten willst, kannst du diese Küchlein dazu reichen. Nimm ein gebratenes Huhn und zerteile es klein. Füge weißes Brot und einen dünnen Teig aus Eiern hinzu, gewürzt mit Pfeffer, Anis und Safran. Stoße alles zweimal in einem Mörser. Backe es anschließend in etwas Schmalz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gepratten huen czw glid das chlain">Gebratenes Huhn</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weyß prott">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einen dunnen taig von airen">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="anneis">Anis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffrann">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chlain smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-081">
        <head>Königshühner</head>
        <div type="original" xml:id="mon-081-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-081-trans">
          <p>ITem wil dw aber anderlay hunerm machen czw glider gepratnew hunerm vnd Slach air mit ymberr vnd ein chlain a= anneis gewß das mit hunernn Ineinen vaisten haissen morsar laß es pachen ge= leich gewß es mit einem chlain smalcz das haissent chunig hunernn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-081-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-081-orig">
          <p>Willst du wieder eine andere Art Hühner zubereiten, so nimm gebratenes Huhn, in Stücke zerteilt. Schlage Eier mit Ingwer und ein wenig Anis. Gieße diese Mischung zusammen mit dem Hühnerfleisch in einen feisten, heißen Mörser. Lass es gleichmäßig backen. Gieße es dann mit ein wenig Schmalz an. Dies nennt man Königshühner.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czw glider gepratnew hunerm">gebratenes Huhn</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymberr">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chlain a= anneis">Anis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chlain smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-082">
        <head>Hühnermus mit Mandelmilch</head>
        <div type="original" xml:id="mon-082-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-082-trans">
          <p>ITem wil dw ein gmuß von hunernn machen dw solt nemen ein hunern vnd sewd das woll wenn das gesotten Ist so nym das weyß ausß der prust vnd der zayß leg In ain phann vnd derr das woll ob dem fewr vnd wenn es dur sey so czer reib es In einem reib sib oder czw stoß In einem morsar chlain als ein melb so nymb mandel milich von der gesoten hennen prue machen wil dw es sueß haben so leg czucker dar czw vnd laß es ein wenig sieden</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-082-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-082-orig">
          <p>Möchtest du ein Hühnermus zubereiten? Nimm ein Huhn und siede es gut. Ist es gar gekocht, so entnimm das weiße Fleisch aus der Brust und zerzupfe es.</p>
          <p>Lege das Fleisch in eine Pfanne und dörre es gut über dem Feuer. Sobald es trocken ist, zerreibe es in einem Reibsieb oder zerstoße es im Mörser fein wie Mehl.</p>
          <p>Nimm dann Mandelmilch und die Brühe der gekochten Henne, um das Mus zuzubereiten. Wenn du es süß haben möchtest, gib Zucker hinzu und lass es ein wenig sieden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein hunern">Huhn</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das weyß ausß der prust vnd der zayß">Hühnerbrust (weißes Fleisch)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel milich">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hennen prue">Hühnerbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker (optional)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-083">
        <head>Hasen-Innereien-Mus</head>
        <div type="original" xml:id="mon-083-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-083-trans">
          <p>ITem will dw ein furheß machen So nym lungel vnd leber vnd die wuext von einem hassen vnd czw sneydt das wurfflat vnd vach den Swayß vnd sewd es da mit thue ein wenig prue von wein oder esseich vnd honig vnd rockens pratt dar ein vnd hack dar an so hast ein guet fieressen etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-083-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-083-orig">
          <p>Wenn du ein Hasen-Innereien-Mus zubereiten willst, dann nimm Lunge, Leber und das Gekröse eines Hasen und schneide diese würfelig. Fange das Blut des Hasen auf und siede die Innereien darin. Gib ein wenig Brühe von Wein oder Essig, Honig und Roggenbrot hinzu und hacke Speck darunter, so hast du ein gutes, herzhaftes Gericht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lungel">Hasenlunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leber">Hasenleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wuext von einem hassen">Hasengekröse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Swayß">Hasenblut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig prue von wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oder esseich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rockens pratt">Roggenbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hack dar an (erschlossen aus Zwillingsüberlieferung)">Speck</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-084">
        <head>Mörserhühner</head>
        <div type="original" xml:id="mon-084-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-084-trans">
          <p>ITem wil dw von morsar huener machen So nym gepratew huener czw glidt die chlain vnd nym weyß prott air vnd melb vnd mach ain taig der gar dunn sey mit pheffer aneis vnd saffrann vnd leg dar ein das prott vntter die hieren vnd gewß ein wenig smalcz in einen morsar vnd stoß das als dar ein vnd laß es pachen mit ein ander das haysset ein morsar huenerr</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-084-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-084-orig">
          <p>Wenn du Mörserhühner zubereiten willst, so nimm ein gebratenes Huhn und zerteile es klein. Nimm Weißbrot, Eier und Mehl und mache einen sehr dünnen Teig mit Pfeffer, Anis und Safran. Gib das Brot unter die Hühnerstücke. Gieße etwas Schmalz in einen Mörser und stoße alles hinein. Lasse es miteinander garen. Das nennt man Mörserhühner.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gepratew huener czw glidt die chlain">Gebratenes Huhn</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weyß prott">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="melb">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aneis">Anis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffrann">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-085">
        <head>Wildschweinkopf mit höllischen Flammen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-085-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-085-trans">
          <p>ITem wil dw machen eins wildens Swein choppf das hellich flammen dar auß varen so sewd In von ersten an dy statt vnd wen er gesoten ist So nym In her awß vnd rost In schon das es prawn werdt vnd sneydt In wurfflat das er dan noch gancz sey vnd stra In aussen mit ymber vber all vnd nym ein salsen In ein schussel voll geprancz wein vnd ymber dar In vnd schudt In halben in denn hals vnd traff das ander aussenn dar vmb vnd nym ein durr pratt sain ein nuss gross vnd mach ein chlains lungel mitten dar ein vnd thue ein glinden bisling dar ein als groß sam ein pann so dw es dar wilt geben so stoß nuß in den halss hin ein vnd sperr ym das maul auf mit einem rotten appffel vnd laß es vestlich hin tragen wan man es an ruert vnd essen will So enczundt es sich von dem wein vnd von dem kisling das hellisch flammen dar auß faren gruenn vnd plab vnd smecket sam ein veygel vnd ist hubslich etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-085-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-085-orig">
          <p>Willst du einen Wildschweinkopf zubereiten, sodass höllische Flammen daraus fahren, so siede ihn zuerst auf der Stelle. Wenn er gesotten ist, nimm ihn heraus und röste ihn schön, bis er braun wird.</p>
          <p>Schneide ihn würfelförmig ein, sodass er noch ganz bleibt. Bestreue ihn außen überall mit Ingwer. Nimm eine Sauce in eine Schüssel voll gebrannten Weins und Ingwer darin. Schütte die Hälfte davon in den Hals des Kopfes und träufle die andere Hälfte außen darum.</p>
          <p>Nimm ein trockenes Stück Brot, so groß wie eine Nuss, und mache ein kleines Loch mitten hinein. Tue ein glühendes Zündmaterial hinein, so groß wie eine Bohne. Wenn du den Kopf servieren willst, so stoße Nüsse in den Hals hinein und sperre ihm das Maul mit einem roten Apfel auf.</p>
          <p>Lass ihn fest hintragen. Wenn man ihn anrührt und essen will, so entzündet er sich von dem Wein und dem Zündmaterial, sodass höllische Flammen daraus fahren, grün und blau. Er schmeckt wie ein Veilchen und ist prächtig anzusehen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="eins wildens Swein choppf">Wildschweinkopf</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geprancz wein">Branntwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein durr pratt sain">Trockenes Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein glinden bisling">Glühendes Zündmaterial</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nuß">Nüsse</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein rotten appffel">Roter Apfel</ingredient> - 1 Stück</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-086">
        <head>Mus im Mörser gebacken</head>
        <div type="original" xml:id="mon-086-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-086-trans">
          <p>ITem wil dw ein dem morsar chochen So nym semel vnd sneydt es wierfflat vnd chlopff air chlain vnd thue dan die semel dar vntter muscat vnd anderen stupp vnd mach es gelb vnd slach dan dar durch pratnew + hunern ob dw der hunerm nicht habst So nym tauben oder dw magst nemen leber magel oder fuessel vnd thue dan ein smalcz in morsar vnd secz auff ein gluett vnd gewß dan die ful dar ein vnd laß es pachen vnd gib es hin etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-086-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-086-orig">
          <p>Wenn du ein Gericht im Mörser zubereiten willst, dann nimm Semmelbrot und schneide es würfelförmig. Schlage Eier klein und gib dann die Semmel, Muskat und andere Gewürzpulver darunter. Färbe es gelb und schlage dann gebratenes Hühnerfleisch durch die Masse.</p>
          <p>Wenn du kein Hühnerfleisch hast, so nimm Tauben, oder du kannst Leber, Magen oder Keule verwenden. Gib dann Schmalz in den Mörser und stelle ihn auf eine Glut. Gieße dann die Masse hinein und lass es backen und serviere es.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semel">Semmelbrot, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscat">Muskat</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="anderen stupp">Gewürzpulver</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hunern">Hühnerfleisch, gebraten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="tauben">Tauben, gebraten (alternativ)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leber">Leber, gebraten (alternativ)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="magel">Magen, gebraten (alternativ)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fuessel">Geflügelkeule, gebraten (alternativ)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-087">
        <head>Kernenmus von Mandeln mit Weinbeeren</head>
        <div type="original" xml:id="mon-087-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-087-trans">
          <p>ITem wil dw ein cheren muß machen So nym mandel vnd weinper darczw + vnd gueten wein vnd thue czucker genug dar ein so wirdt das mueß guett vnd versalcz nit</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-087-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-087-orig">
          <p>Willst du ein Kernenmus zubereiten, so nimm Mandeln und Weinbeeren dazu. Gib guten Wein und genug Zucker hinzu. So wird das Mus gut, und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Weinbeeren (Rosinen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gueten wein">Wein, rot oder weiß</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker genug">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-088">
        <head>Gebratener Frischmilchkäse</head>
        <div type="original" xml:id="mon-088-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-088-trans">
          <p>ITem wil dw ein gepraten new milich machen so nym air vnd milich ge= leich vnd chlopff die vast vntter ein ander vnd thue saffrann dar ein vnd thue es dan in einen haffen vnd secz es in ein siedens wasser In dem haffen In einen chessel also das das wasser nit dar ein gee In den haffen vnd laß dar Innen sieden vncz das es gedeck dar nach schuet es auff ein weyß tuech vnd beswar es daz das wasser da von gee so wirdt es hert als ein chaß darnach czw sneydt es also als ein autter vnd stoz an spissel vnd pracz auff einem rost vnd thue gburcz dar auff vnd begewß mit smalcz vnd gib es hin etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-088-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-088-orig">
          <p>Wenn du einen gebratenen Frischmilchkäse zubereiten möchtest, nimm Eier und Milch zu gleichen Teilen und schlage sie kräftig untereinander. Gib Safran hinzu und fülle die Mischung dann in einen Topf.</p>
          <p>Setze diesen Topf in einen Kessel mit siedendem Wasser, sodass kein Wasser in den Topf gelangen kann. Lass es darin sieden, bis es gestockt ist. Danach schütte die Masse auf ein weißes Tuch und beschwere es, damit das Wasser abläuft. So wird es hart wie ein Käse.</p>
          <p>Schneide es anschließend wie Butter, stecke es auf Spieße und brate es auf einem Rost. Würze es und begieße es mit Schmalz, dann serviere es.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milich">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffrann">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-089">
        <head>Gefüllte Eier in Fladen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-089-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-089-trans">
          <p>ITem wil dw von airen chochen So thue ains vnd sewdt air herdt vnd schell die enczway dw auß dy tutter dan so mengs mit rohen airen vnd mit geburcz full sy wider In die selbigen halben air cher die tutter in der phann pach sy rott nach ein dvnn placz leg die air dar auff laß paid placz vnd air czw samen pachen lab es dan von ein ander vnd gib es hin etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-089-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-089-orig">
          <p>Wenn du Eier zubereiten willst, geh so vor: Siede Eier hart und schäle sie. Teile sie entzwei und nimm die Eidotter heraus.</p>
          <p>Dann vermische die Eidotter mit rohen Eiern und Gewürzen. Fülle diese Mischung wieder in die halbierten Eiweiße. Wende die Dotterfüllung in der Pfanne und backe sie rot.</p>
          <p>Bereite danach einen dünnen Fladen und lege die Eier darauf. Lass beides, den Fladen und die Eier, zusammen backen. Löse es dann voneinander und serviere es.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air herdt">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rohen airen">Eier, roh</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gebürcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-090">
        <head>Weißkraut mit Senf-Honig-Dressing</head>
        <div type="original" xml:id="mon-090-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-090-trans">
          <p>ITem wil dw machen weysse chraut So nym vnd sneidt die hawbt czw taillen vnd prens ab vnd nym dar nach weinper vnd air durch ein ander vnd ein wenig ein hayß smalcz vnd thue die air dar ein vnd fuls vnd vber prens nym dar nach guetten seniff vnd honig vnd gburcz durch ein ander vnd leg die spelten dar ein vnd gib also chalcz hin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-090-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-090-orig">
          <p>Wenn du weißes Kraut zubereiten willst, so nimm einen Weißkohlkopf und schneide ihn in Teile. Brate diese ab. Nimm danach Weinbeeren und Eier und vermische sie miteinander, gib ein wenig heißes Schmalz hinzu und fülle die Eier-Weinbeeren-Mischung in das Kraut und brate es nochmals kräftig an.</p>
          <p>Nimm danach guten Senf, Honig und Gewürz und vermische alles miteinander. Lege die Kohlspalten in diese Mischung und gib das Gericht so kalt hin.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="hawbt chraut">Weißkohlkopf</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Weinbeeren (Rosinen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig ein hayß smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten seniff">Senf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-091">
        <head>Weißes gebackenes Kraut</head>
        <div type="original" xml:id="mon-091-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-091-trans">
          <p>ITem wil dw weyß pachens chraucz Smachen So nym ein vierdung weinper vnd acht ayr vnd full die spelten vnd prens gmach vnd dar nach ein wenigen taig mit iij airen vnd wasser vnd sewcz haiß smalcz vber vnd thue dy spelten in den taig vnd leg sy in das haisz smalcz vnd laß also pachen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-091-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-091-orig">
          <p>Wollt ihr weißes gebackenes Kraut zubereiten, so nehmt ein Viertelpfund Weinbeeren und acht Eier. Füllt damit die Kohlspalten und bratet sie sachte an.</p>
          <p>Danach bereitet einen kleinen Teig mit drei Eiern und Wasser. Erhitzt heißes Schmalz in einem Topf. Taucht die gefüllten Kohlspalten in den Teig und legt sie in das heiße Schmalz. Lasst sie so backen, bis sie goldbraun sind.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein vierdung weinper">Weinbeeren (Rosinen)</ingredient> - 125 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="acht ayr">Eier</ingredient> - 8</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenigen taig">Teig</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="iij airen">Eier</ingredient> - 3</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="haiß smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-092">
        <head>Brandteig-Taler mit Zucker</head>
        <div type="original" xml:id="mon-092-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-092-trans">
          <p>ITem wil dw von gepachen ding chochen So nym siednuß wasser vnd Reib melb dar ein vnd czw reib das wol doch das es pey der dich beleyb So nym vnd slach iiij air dar ein vnd misch das woll So streich denn taig mit einem loffel auff den anderen In die phann mit smalcz wenn es gepacht so sol man es mit czucker salben</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-092-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-092-orig">
          <p>Wenn du ein gebackenes Gericht zubereiten möchtest, nimm siedendes Wasser und reibe Mehl hinein. Zerarbeite dies gut, sodass es eine dicke Konsistenz behält.</p>
          <p>Dann schlage vier Eier hinein und mische alles gründlich. Streiche den Teig löffelweise in die Pfanne mit Schmalz. Wenn es gebacken ist, bestreiche es mit Zucker.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="siednuß wasser">Wasser, siedend</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="melb">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="iiij air">Eier</ingredient> - 4</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sp smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-093">
        <head>Eier-Käse-Speck-Krapfen aus der Pfanne</head>
        <div type="original" xml:id="mon-093-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-093-trans">
          <p>ITem will dw air chrapffen machen So nymb herten chaß vnd reib denn vnd slach air dar an vnd hack ein wenig speck dar an vnd ein we= nigs melb das misch vntter einander vnd streichs in die phann wenn es ge pacht so salbs mit czuckerr</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-093-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-093-orig">
          <p>Wenn du Eierkrapfen machen willst, so nimm harten Käse und reibe ihn. Schlage Eier daran und hacke ein wenig Speck hinein, dazu ein wenig Mehl. Mische das alles untereinander und streiche es in die Pfanne. Wenn es gebacken ist, bestreiche es mit Zucker.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="herten chaß">Harter Käse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig speck">Speck, gewürfelt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein we= nigs melb">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czuckerr">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-094">
        <head>Fischrogen-Pachens in dunkler Pfeffersauce</head>
        <div type="original" xml:id="mon-094-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-094-trans">
          <p>ITem wil dw ein pachens von rogen machen So nym visch rogen aber nicht von perben vnd stoz in einem morsar vnd pach dar awß ein plaites plat das sneyd bierfflat prenn ein mell in einem ol in der phan das es swarcz werdt vnd mach mit visch prue auß dem melb ein pheffer mit wein oder mit esseich vnd gburcz vnd laß das zw Snitten dar ein erballen vnd sneydt ainen semel burfflat vnd rost das in oll vnd stra das auff essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-094-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-094-orig">
          <p>Wenn du ein Pachens von Rogen zubereiten möchtest, so nimm Fischrogen, aber nicht den von Barben. Stoße den Rogen in einem Mörser fein und backe daraus einen breiten Fladen. Schneide diesen würfelig.</p>
          <p>Röste nun Mehl in Öl in einer Pfanne, bis es schwarz wird. Mache aus diesem gerösteten Mehl mit Fischbrühe eine Pfeffersauce, würze sie mit Wein oder Essig und Gewürz. Lasse die geschnittenen Rogen-Stücke darin aufkochen.</p>
          <p>Schneide eine Semmel (Weißbrot) würfelig, röste sie in Öl und streue sie auf das fertige Gericht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch rogen">Fischrogen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="perben">Barbenrogen (nicht verwenden)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mell / melb">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ol">Pflanzenöl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch prue">Fischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semel">Weißbrot</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-095">
        <head>Gebackener Käseteig als Hufeisen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-095-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-095-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein pachens als roß eyssen So reyb guetten chaß vnd nym halbes vill mell vnd slach air dar ein das es sich laß wellen vnd puluer das wol vnd welig das auff einen panck das es werdt als ein wurst das mach dvnn vnd ckimps als roß eyssen vnd pach es Im smalcz oder von dem taig magstu machen lang stru= czell gar dwnn vnd pach es In vill Smalcz dar nach sneyd es in ein schussell</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-095-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-095-orig">
          <p>Willst du ein Gebackenes wie Hufeisen zubereiten, so reibe guten Käse und nimm halb so viel Mehl. Schlage Eier darein, sodass sich der Teig gut kneten lässt. Würze ihn gut mit Gewürzpulver.</p>
          <p>Wälze den Teig auf einer Arbeitsplatte zu einer Wurst, mache diese dünn und krümme sie zu Hufeisen. Backe sie anschließend im Schmalz aus.</p>
          <p>Alternativ kannst du aus dem Teig auch lange, ganz dünne Gebäckstangen formen und diese in viel Schmalz ausbacken. Danach schneide sie in eine Schüssel und serviere sie.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="halbes vill mell">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="puluer das wol">Gewürzpulver</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schweineschmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-096">
        <head>Gesülzter Fisch in Essig-Sud</head>
        <div type="original" xml:id="mon-096-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-096-trans">
          <p>ITem wil dw sulcz visch machen so nym rains wasser vnd esseich geleich vnd sewdt visch dar Innen vnd gburcz vnd wermibs vnd gewß an vnd laß chalt werden</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-096-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-096-orig">
          <p>Wenn du gesülzten Fisch zubereiten möchtest, nimm reines Wasser und Essig zu gleichen Teilen. Siede den Fisch darin mit Gewürzen und Wermutkraut. Gieße den Sud über den Fisch und lass ihn kalt werden, damit er geliert.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rains wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wermibs">Wermutkraut</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-097">
        <head>Feigensülze mit Lebkuchen und Wein</head>
        <div type="original" xml:id="mon-097-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-097-trans">
          <p>ITem wil dw ein veigen sulz machen So steck ye vj veigen an ain spisel so vil dw wilt vnd sewcz in einem chessel= lein oder in einem haffen vnd gewß wein dar an prott vnd leczelten geriben vnd thue an dy suppen von den veigen vnd honig vnd esseich vnd streich es durch ein sib gburcz vnd geverbs vnd erbels das alles durch ein ander vnd leg dy veigen in ain rains wasser vnd gewß dan das dar an vnd wenn dw das an richtest so bestra es mit erbellten synibellen weinper vnd iss+ also chalt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-097-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-097-orig">
          <p>Willst du eine Feigensülze zubereiten, so stecke jeweils sechs Feigen auf ein Spießchen, so viele du möchtest. Koche sie dann in einem kleinen Kessel oder in einem Topf.</p>
          <p>Gieße Wein dazu, gib geriebenes Brot und geriebenen Lebkuchen hinzu. Füge dies alles zu dem Sud der Feigen, zusammen mit Honig und Essig. Streiche die gesamte Mischung durch ein Sieb.</p>
          <p>Würze es, färbe es und lass es alles miteinander aufwallen. Lege die Feigen in reines Wasser und gieße dann den Sud darüber. Wenn du es anrichtest, bestreue es mit aufgekochten, prallen Weinbeeren und iss es kalt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vj veigen an ain spisel so vil dw wilt">Feigen</ingredient> - 6</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prott geriben">Brot, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leczelten geriben">Lebkuchen, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="erbellten synibellen weinper">Weinbeeren (Rosinen), aufgekocht</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-098">
        <head>Guter Senf nach Mondseer Art</head>
        <div type="original" xml:id="mon-098-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-098-trans">
          <p>ITem wil dw ein guetten seniff machen so nym seniff sam vnd denn sawber schon vnd stoz denn einen mor= sar gar chlain vnd reib es dan durch ein tuech vnd stos zymeid plue vnd misch es vntter ein ander seniff vnd zwir es mit honig gar vast vntter ein ander recht als der wax pa vnd wenn dw wilt so nym den selbigen ein+ wenig vnd reib es mit wein so+ hast dw guetten seniff</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-098-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-098-orig">
          <p>Wenn du einen guten Senf machen willst, so nimm Senfsaat und reinige sie sauber. Zerstoße sie dann in einem Mörser sehr fein und passiere sie anschließend durch ein Tuch. Stoße dazu gestoßene Zimtblüte und mische sie unter den Senf. Verrühre ihn zweimal sehr kräftig mit Honig, bis die Konsistenz wie Wachs ist. Und wenn du willst, so nimm etwas von diesem Senf und rühre es mit Wein an, so hast du guten Senf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="seniff sam">Senfsaat</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zymeid plue">Zimtblüte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-099">
        <head>Fastenkrapfen mit Nüssen, Kirschen und Feigen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-099-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-099-trans">
          <p>ITem wil dw chrapffen in der vasten machen so stoz nuß cheren vnd veigen durch ein ander In einem morsar vnd gburcz das woll vnd leg es in ain phann vnd gewß oll dar an vnd erbell es vnd mags in chrapffen weyß in einen erhaben taig vnd pach es woll in oll vnd gibs chalcz czw essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-099-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-099-orig">
          <p>Wenn du Krapfen in der Fastenzeit zubereiten willst, dann stoße Nüsse, Kirschen und Feigen in einem Mörser durcheinander und würze das gut. Lege es in eine Pfanne, gieße Öl daran und lass es aufwallen.</p>
          <p>Forme die Füllung krapfenweise in einen aufgegangenen Teig und backe es gut in Öl. Gib es kalt zu essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nuß">Nüsse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="cheren">Kirschen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="veigen">Feigen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz das woll">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oll">Pflanzenöl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="erhaben taig">Hefeteig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-100">
        <head>Schwarzes oder Braunes Fruchtmus</head>
        <div type="original" xml:id="mon-100-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-100-trans">
          <p>ITem wil dw ein schwarcz muß machen so nym weinper dar czw vnd opfel vnd pieren dy must haben wil dw nur dy varib haben das chumpt von pra= ten leczelten da vntter must czucker vnd honig haben vnd must guetten wein vnd gburcz auch dar czw haben vnd salcz ein maß magstu es woll gemachen da gemuß wird prawn oder swarcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-100-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-100-orig">
          <p>Wenn du ein schwarzes Mus zubereiten möchtest, dann nimm Weinbeeren, Äpfel und Birnen, die du bereit haben musst. Wenn du nur die Farbe beeinflussen willst, so kommt diese von gebratenen Lebkuchen, die du darunter mischst. Du musst Zucker und Honig haben, und du musst guten Wein und Gewürze auch dazu haben, und Salz nach [gutem] Maß. So kannst du es gut zubereiten, damit das Mus braun oder schwarz wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Weinbeeren (Rosinen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="opfel">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pieren">Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="praten leczelten">Lebkuchen, geröstet</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz ein maß">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-101">
        <head>Weißes Hühnermus mit Schweineschmalz</head>
        <div type="original" xml:id="mon-101-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-101-trans">
          <p>ITem wil dw ein weyss gemuß machen so nym mandl dar czw vnd das weyß von denn hueneren must auch han das muest chlain hacken an czucker salz solt dw nit vergessen oder das ander wirt gar entwicht vnd ein 1/2 libra sweines fleysch smalcz must auch hann</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-101-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-101-orig">
          <p>Willst du ein weißes Mus zubereiten, so nimm Mandeln dazu. Du musst auch das weiße Fleisch von Hahnhühnern haben. Hacke das Fleisch fein.</p>
          <p>Zucker und Salz sollst du nicht vergessen, denn sonst wird das Gericht ganz fade. Du musst auch ein halbes Pfund Schweineschmalz haben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandl">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das weyß von denn ham hueneren">Hühnerfleisch, weiß</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein 1/2 libra sweines fleysch smalcz">Schweineschmalz</ingredient> - 250 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-102">
        <head>Gewürztes Fischmus mit Wein</head>
        <div type="original" xml:id="mon-102-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-102-trans">
          <p>ITem wildw aber ein gmuß machen So nym ein guetten prat visch vnd nym weinper dar czw vnd stos es durch ein ander dar czw mustu haben guetten wein das mueß ist auster massen guett vnd guett gburcz muest haben vnd czucker salcz vergiß nit dar ann</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-102-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-102-orig">
          <p>Wenn du aber ein Mus machen willst, dann nimm einen guten gebratenen Fisch und gib Rosinen dazu. Stoße alles durcheinander. Dazu musst du guten Wein haben. Dieses Mus ist außerordentlich gut. Und du musst gute Gewürze haben. Vergiss nicht, Zucker und Salz daran zu geben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein guetten prat visch">Gebratener Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guett gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-103">
        <head>Hechtpastete im Ofen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-103-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-103-trans">
          <p>ITem wil dw ein hechten chochen So schueb hechten vnd hack sy czw Stucken hack pettersil saluan pheffer ymber chum saffran salcz wein oder esseich mach ein choppf voll von tail vnd thue dar ein den visch mit der condinent mach es oben gancz mit tayg vnd pach es in einem offen als lang als ein rocken prott vnd gib es hin allso magstu machen die verichen den lachgsten den vnd ander visch</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-103-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-103-orig">
          <p>Wenn du einen Hecht kochen willst, dann schuppe den Hecht und hacke ihn zu Stücken.</p>
          <p>Hacke Petersilie, Salbei, Pfeffer, Ingwer, Kümmel, Safran, Salz, Wein oder Essig. Bereite eine Schüssel voll Teig und gib den Fisch mit der Würzsauce hinein. Bedecke es oben ganz mit Teig und backe es in einem Ofen, so lange wie ein Roggenbrot.</p>
          <p>Und serviere es. So kannst du auch Forellen, Lachs und andere Fische zubereiten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hechten">Hecht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersil">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saluan">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chum">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein oder esseich">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="choppf voll von tail / tayg">Teig (für Pastete)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-104">
        <head>Gekochter Fisch mit Zwiebel-Gewürz-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="mon-104-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-104-trans">
          <p>ITem wilt wie man dy visch sieden soll aller lay visch sewd in wasser nicht vollen gar salcz sy czw wassen ge= wß ab das prod vnd gewß wein wider dar auff so nym czwiffol vnd hack dy chlain vnd laß sy sieden waich inolein vnd ain chlain wasser vnd gewss sy auff dy visch vnd sew sy vollen gar vnd thue dar czw pheffer ymber chumel saffran temperir das nach dem gesmachen sewd sy eben dick vnd gib sy hin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-104-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-104-orig">
          <p>Fisch kochen: Siede allerlei Fisch in Wasser, aber nicht ganz gar. Salze ihn zum Reinigen. Gieße das Kochwasser ab und gieße Wein wieder darauf.</p>
          <p>Nimm dann Zwiebeln und hacke sie klein. Lasse sie in etwas Öl und ein wenig Wasser weich sieden. Gieße sie auf den Fisch und siede alles ganz gar.</p>
          <p>Gib dazu Pfeffer, Ingwer, Kümmel und Safran. Würze dies nach Geschmack. Siede die Sauce eben dick und serviere sie.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aller lay visch">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czwiffol">Zwiebeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="inolein">Öl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chumel">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-105">
        <head>Sieben Farben für festliche Speisen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-105-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-105-trans">
          <p>ITem wil dw von maniger lai varib chochen In dem summer heb ich an ich wil In dem wintter gemach han wir sullen trachten vmb fromde gmueß die wer= dent in dem wintter guett so tracht das dw siben lay varib hast So magstu mit eren stan swarcz ckruen plab must tu hann gelb weysß rott vnd prawnn daß ist auch nott ckunbt wir das czw samen pringen wo wil dw die varib vinden plab chaneren plurmen mustu haben die nym In dem summer die soltu derren In dem offen aber der offen sol nit cze haiß sein so wirdt dy varib fein vnd stoz sy schon vnd be= halt sy czw lan Gruen mag vns nicht vergessen ob der pettersill war vergangen So hab wir wayczen sangen oder saffran da wirt es gelb die rott gibt varib von weychslin dan wan sy czeytig werden so soltu sy prechen ab vnd wenn sy den chernn lassen so soltu sy sieden vnd den tritten tail mit honig dar an dar Innen soltu sy sieden lan wenn es nun ge= sotten ist so soltu es chalt lassen werden wil dw es wol bebaren so thue es in ein haffen dar Innen pistu der varib frey So magstu sy behalten ein gancz Iar das sy die varib nicht verlewst das solt dw decken schon das sy nicht verderbb dan die prawn varib die hastu da etc. gewß auch das auff ein phandlin vnd laß es dan sten vnd sewd dan die gruen varib auch in einem phandlin vnd gewß es auff ain phann vnd also laß es auch stenn das es hert werdt also hastu der dreylay varib gruenn weiß gelb vnd heb es dan vber das fewr vnd thue es palt her wider ab vnd slach es auff ein anricht vnd sneydt es dan schaff czaglat vnd leg es auff die schussel ein weill weyß ein weil gelb ein weil gruenn piß das dy schussel voll wirdt vnd gib es dan hin vnd thue ym recht so wirt es guett das gelawb mir</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-105-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-105-orig">
          <p>Wenn du Speisen in vielerlei Farben zubereiten möchtest: Im Sommer beginne ich, denn im Winter wollen wir es gemütlich haben. Wir sollen uns um besondere Speisen bemühen, die im Winter gut schmecken. So trachte danach, dass du sieben Arten von Farben hast. Dann kannst du dich mit Ehre präsentieren: Schwarz, Grün, Blau musst du haben, Gelb, Weiß, Rot und Braun - das ist auch notwendig. Wenn wir das zusammenbringen, wo wirst du die Farben finden?</p>
          <p>Blaue Farbe: Kornblumen musst du haben. Nimm sie im Sommer, du sollst sie im Ofen dörren, aber der Ofen soll nicht zu heiß sein, so wird die Farbe schön. Und stoße sie fein und bewahre sie lange auf.</p>
          <p>Grüne und Gelbe Farbe: Grün soll uns nicht vergessen werden. Wenn die Petersilie vergangen ist, so haben wir gelbe Pflanzenfarbstoffe oder Safran, damit wird es gelb.</p>
          <p>Rote Farbe: Die rote Farbe gibt man von Sauerkirschen. Wenn sie reif werden, so sollst du sie abbrechen. Und wenn sie die Kerne lassen (entkernt sind), so sollst du sie sieden und den dritten Teil mit Honig dazugeben. Darin sollst du sie sieden lassen. Wenn es nun gesotten ist, so sollst du es kalt werden lassen. Willst du es gut bewahren, so gib es in einen Topf. Darin bist du der Farbe sicher. So kannst du sie ein ganzes Jahr behalten, dass sie die Farbe nicht verliert. Das sollst du schön zudecken, damit sie nicht verderbe. Die braune Farbe hast du schon da.</p>
          <p>Anrichten der Farben: Gieße das (die rote Farbe) auch auf ein Pfännchen und lass es dann stehen. Und siede dann die grüne Farbe auch in einem Pfännchen und gieße es auf eine Pfanne und lass es auch so stehen, dass es hart wird. So hast du dreierlei Farben: Grün, Weiß und Gelb. Und hebe es dann über das Feuer und nimm es bald wieder herunter. Und schlage es auf eine Anrichte und schneide es dann schachbrettartig (in Rauten/Karos). Und lege es auf die Schüssel, eine Weile weiß, eine Weile gelb, eine Weile grün, bis die Schüssel voll wird. Und gib es dann hin und mache es richtig, so wird es gut, das glaube mir.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="plab chaneren plurmen">Kornblumen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wayczen sangen">Gelbe Pflanzenfarbstoffe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weychslin">Sauerkirschen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="swarcz">Schwarze Farbe (impliziert)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weysß">Weiße Farbe (impliziert)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prawnn">Braune Farbe (impliziert)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-106">
        <head>Mandelmilch-Zucker</head>
        <div type="original" xml:id="mon-106-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-106-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein czucker von mandel milich der sol nemen mandel vill wie vil er haben will vnd sol sy stossen vnd durch ein tuechlein seichen vnd sy in ein haffen wermen vnd rueren vntter ein ander vnd dw solt der mandel milich chalter pehalten vnd sy dar auff giessen mit czucker gemischt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-106-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-106-orig">
          <p>Willst du einen Mandelmilch-Zucker zubereiten, so nimm viele Mandeln, so viel du haben möchtest. Stoße sie und seihe sie durch ein feines Tuch. Die so gewonnene Mandelmilch teile in zwei Portionen.</p>
          <p>Eine Portion wärme in einem Topf und rühre sie dabei um. Die andere Portion Mandelmilch halte kälter und gieße sie dann, mit Zucker vermischt, über die warme Mandelmilch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel vill wie vil er haben will">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied) Wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-107">
        <head>Fischpastete mit Stör und Apfel-Beeren-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="mon-107-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-107-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein pastel von vischen So nym hausen vnd wasser thue dar ein in pastel so mach ein prue von weinperren vnd von gburcz vnd von opffel vnd der es mir anders machen will der nemb ein gehack von anderer vischen vnd thue das in das pastel so es auß dem offen chumpt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-107-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-107-orig">
          <p>Fischpastete mit Stör: Willst du eine Pastete von Fischen machen, so nimm Hausen (Stör) und Wasser und gib es in die Pastete.</p>
          <p>Apfel-Beeren-Gewürz-Sauce: Dann mache eine Brühe aus Weinbeeren, Gewürz und Äpfeln. Serviere diese Sauce zur Fischpastete.</p>
          <p>Variante mit anderem Fisch: Und wer es anders machen will, der nehme ein Gehacktes von anderen Fischen und gebe das in die Pastete, wenn sie aus dem Ofen kommt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pastel">Pastetenteig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hausen">Stör</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinperren">Weinbeeren (Rosinen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="opffel">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gehack von anderer vischen">Gehacktes von anderem Fisch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-108">
        <head>Verlorene Eier aus Mandeln</head>
        <div type="original" xml:id="mon-108-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-108-trans">
          <p>ITem wil dw verlorene air vonn mandel auff ein schussel machen So nym ein . 1/2 . libra vnd stocz In wol vnd tail In in drey taill auß dem morsar nym das erst tail vnd mach In mit saffran vnd misch es mit stupp vnd mit honig vnd geriben semell vnd mach denn auß dem anderen taill ttotter als dw dich verstet daz doch czw ainer schussel sol sein vnd nym das trittail das ist weyß vnd mach dar ausss czetlein vnd verprig die totter dar ein sambs verlorenn vnd nym auch ein taill her dar auß mach ein milich mit czucker vnd mach es mit einem stocklein melbs vnd ein saffran dar an</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-108-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-108-orig">
          <p>Wenn du verlorene Eier aus Mandeln auf einer Schüssel zubereiten willst, so nimm ein halbes Pfund Mandeln und stoße sie gut im Mörser.</p>
          <p>Teile die Masse aus dem Mörser in drei Teile. Nimm den ersten Teil und färbe ihn mit Safran. Mische ihn mit Gewürzpulver, Honig und geriebenem Weißbrot.</p>
          <p>Forme dann aus dem zweiten Teil Dotter, wie es dir beliebt, sodass es für eine Schüssel ausreicht. Nimm den dritten Teil, der weiß ist, und forme daraus kleine Fladen. Verberge die Dotter darin, wie es bei verlorenen Eiern üblich ist.</p>
          <p>Nimm auch einen Teil davon, mache daraus eine Mandelmilch mit Zucker und dicke sie mit einem kleinen Stück Mehl an. Gib etwas Safran hinzu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="1/2 libra mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient> - 250 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stupp">Gewürzpulver</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geriben semell">Weißbrot, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stocklein melbs">Mehl</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-109">
        <head>Gefüllte Eier in Weinsauce</head>
        <div type="original" xml:id="mon-109-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-109-trans">
          <p>ITem wil dw machen chros air So sewdt die air daz sy tutter waich werden vnd mach dan ein lochlein In den spicz vnd thue die tutter her auß vnd das weyß laß dar Innen peleyben vnd hack dar nach pettersil chlain vnd reib die tutter dar vntter thue darnach ein smalcz in ein phann vnd ruer es alles durch ein ander ein guete weil vnd mach es nicht czw hert ob dem fewr vnd ful es dan wider in die schal vnd laß in einem wein sieden vnd wen sy verrechen so zewch sy auff auß vnd thue dy vogel da von vnd reibs mit esseich durch vnd mit wein vnd sewd es dar Innen machs dar nach mit pheffer vnd mitt guetten gburcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-109-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-109-orig">
          <p>Wenn du gefüllte Eier zubereiten willst, dann siede die Eier, sodass ihre Dotter weich werden.</p>
          <p>Danach mache ein kleines Loch in die Spitze der Eier und nimm die Dotter heraus. Das Eiweiß lasse darin verbleiben. Hacke anschließend Petersilie klein und reibe die Dotter darunter.</p>
          <p>Gib danach Schmalz in eine Pfanne und rühre alles gut eine Weile durcheinander. Achte darauf, dass es über dem Feuer nicht zu hart wird. Fülle die Masse dann wieder in die Eierschalen und lasse sie in Wein sieden.</p>
          <p>Wenn sie zerbrechen, dann ziehe die Eier heraus und entferne die Schalenreste davon (Wort im Original ungeklärt, hier aus der Kochlogik erschlossen). Reibe den Inhalt mit Essig und Wein durch und siede es darin. Mache es danach mit Pfeffer und guten Gewürzen fertig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersil chlain">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten gburcz">Gewürze (z.B. Ingwer, Muskat, Nelken)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-110">
        <head>Reis-Mandel-Mus</head>
        <div type="original" xml:id="mon-110-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-110-trans">
          <p>ITem wil dw machen von mandel ein gmuß So nym ein reisch vnd wasch den wol auß vier wasser so nym In vnd trucken In ainer phan oder auff einem tuech an der sunnen wen es trucken ist worden so stos es in einem morsar chlain vnd ra es durch ein tuech oder sib so nym vnd mach ein dick mandl milich vnd secz die czw dem fewr vnd thue des gestossen reisch= wol gegen ainen halben loffel dar ein vnd czuckerr etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-110-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-110-orig">
          <p>Wenn du ein Mus von Mandeln machen willst, dann nimm Reis und wasche ihn gut in vier Wassern. Nimm ihn dann und trockne ihn in einer Pfanne oder auf einem Tuch in der Sonne. Wenn er trocken geworden ist, stoße ihn klein in einem Mörser und reibe ihn durch ein Tuch oder Sieb.</p>
          <p>Nimm dann und mache eine dicke Mandelmilch und setze diese zum Feuer. Gib den gestoßenen Reis, wohl einen halben Esslöffel, hinein und Zucker - und so weiter (vermutlich weitere Gewürze nach Belieben, die der Text nicht einzeln nennt).</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="reisch">Reis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dick mandl milich">Mandelmilch, dick</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="des gestossen reisch">Reismehl</ingredient> - 0.5 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czuckerr">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-111">
        <head>Mörserküchlein vom Huhn</head>
        <div type="original" xml:id="mon-111-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-111-trans">
          <p>ITem wil dw ein morsar chuchlin machen so nym semel vnd sneydt Sy wirfflat vnd chlopf air chlain vnd thue dan die semel dar vnder mustat et ander stupp vnd mach es gelb vnd slach dan dar durch prattnew hunern ob dw der hienerr nit haben mugst so nym tauben oder dw magst nemen leberr maglein oder fussel vnd thue dan ein smalcz in einen morsar vnd secz auff ein gluedt vnd gewß dan die ful dar ein vnd laß es pachen vnd es dan hin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-111-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-111-orig">
          <p>Willst du ein Mörserküchlein zubereiten, so nimm Semmelbrot und schneide es würfelig. Schlage Eier klein und gib die Semmelwürfel darunter. Füge Muskatnuss und andere Gewürze hinzu und färbe die Masse gelb. Schlage dann gebratene Hühner darunter.</p>
          <p>Falls du keine Hühner zur Verfügung hast, so nimm Tauben oder du kannst Leber, Magen oder Keulen verwenden. Gib dann Schmalz in einen Mörser und setze ihn auf eine Glut. Gieße die vorbereitete Füllung (Masse) darein und lass es backen. Gib es dann hin.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semel">Semmelbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mustat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ander stupp">Gewürze (zum Färben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prattnew hunern">Hühnerfleisch (gebraten, klein gehackt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="tauben">Tauben (alternativ)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leberr">Leber (alternativ)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="maglein">Magen (alternativ)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fussel">Keule (alternativ)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-112">
        <head>Pastete mit Rebhuhn, Äpfeln und Honigsauce</head>
        <div type="original" xml:id="mon-112-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-112-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein guecz pachen so chloppf air chlain vnd Sneyd dar vnder semel wirfflat vnd mach es gelb vnd sneydt dar vntter muscat chlain vnd thue ein smalcz in ein phanlin vnd mach ain platt von halbem taig vnd thue dan das selbig her ausß vnd mach dan von dissem taig auch ein platt vnd laß es dar In vnd nym dan gerost opfel vnd nym dan prattnew repphuenerr vnd ob dw der rephuener nit hast so nym Iuge huener oder tauben vnd leg ein legt gerost opfel auff daz plat vnd halbe huener die leg auch dar auff vnd heb es dan vber den hert vnd leg das ain plat dar vber vnd chlopf dan czway air vnd gewß es dan vmb vnd vmb an die ortter so werden die pletter gancz vnd mach dan ein guett honig das fuams sawber vnd thue dar ein guette gburcz vnd prich ein loch durch das platt vnd gewß das honig dar ein vnd laß es dan dar In hin vnd her lauffen das ist ain edelew speyß vnd versalcz nit so ist es guett</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-112-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-112-orig">
          <p>Willst du ein gutes Gebäck zubereiten, so schlage Eier schaumig und schneide gewürfelte Semmel darunter. Mache die Mischung gelb und schneide Macis (Muskatblüte) fein darunter.</p>
          <p>Gib Schmalz in ein Pfännchen und forme aus der Hälfte des Teiges eine Platte. Nimm diese Platte dann wieder heraus. Forme anschließend aus dem restlichen Teig eine weitere Platte und lasse sie im Pfännchen liegen. Lege dann geröstete Äpfel und gebratene Rebhühner bereit. Wenn du keine Rebhühner hast, nimm junge Hühner oder Tauben.</p>
          <p>Lege eine Schicht gerösteter Äpfel auf die Teigplatte im Pfännchen und darauf die halbierten Hühner. Hebe das Pfännchen dann über den Herd und lege die erste Teigplatte darüber. Schlage dann zwei Eier und gieße sie ringsum an die Ränder, sodass die Teigplatten ganz verschlossen werden.</p>
          <p>Bereite dann einen guten Honig zu, indem du den Schaum sauber abschöpfst, und gib gute Gewürze hinein. Stich ein Loch durch die obere Teigplatte und gieße den Honig hinein. Lasse ihn dann darin hin und her laufen. Das ist eine edle Speise. Versalze sie nicht, so ist es gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air chlain">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semel wirfflat">Semmel, gewürfelt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscat chlain">Macis (Muskatblüte)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="halbem taig">Ei-Semmel-Masse (als Fladen gebacken)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gerost opfel">Äpfel, geröstet</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prattnew repphuenerr">Rebhühner, gebraten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Iuge huener oder tauben">Junge Hühner oder Tauben (alternativ)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="czway air">Eier</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guette gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-113">
        <head>Weißes Mus von Schweinefleisch</head>
        <div type="original" xml:id="mon-113-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-113-trans">
          <p>ITem wil dw ein weyß gmuess machen so nym mandel vnd Sweines fleysch mager vnd vaist vnd las es sie= den an die stat vnd hack es dan chlain so wirdt das muess vain weins bedrafft dw nicht czucker must dw haben da wirdt es suesß vonn etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-113-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-113-orig">
          <p>Willst du ein weißes Mus zubereiten, so nimm Mandeln und Schweinefleisch, sowohl mageres als auch fettes. Lass das Fleisch sieden, bis es gar ist, und hacke es dann klein. So wird das Mus rein. Wein benötigst du hierfür nicht, doch Zucker musst du haben, denn davon wird es süß.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Sweines fleysch mager vnd vaist">Schweinefleisch (mager und fett)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="an die stat">Wasser oder Brühe</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-114">
        <head>Safran-Rindfleischlaib nach Mondseer Art</head>
        <div type="original" xml:id="mon-114-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-114-trans">
          <p>ITem wil dw ein pachen machen von rindfleisch so nym gesotten rindt fleisch das da warmm sey vnd legs auff ein anricht vnd hack es chlain thue es aber dar nach in ein char oder in wew dw es haben wilt machen dar nach nym air tutter vnd geriben semel vnd petter sill vnd hack es chlain vnd garb es durch ein ander dar nach nym ain obry milich hastu der nicht so nym ein vaiste prue vnd mach es da mit len gburcz es vnd mach es gelb vnd thue es auff ein saubers pretel vnd czewch es mit einem loffel ein</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-114-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-114-orig">
          <p>Willst du einen Rindfleischlaib zubereiten, so nimm gekochtes Rindfleisch, das noch warm ist.</p>
          <p>Lege es auf ein Anrichtebrett und hacke es klein. Gib es danach in eine Form, oder mache es, wie du es haben willst. Nimm danach Eier, Eidotter und geriebene Semmel sowie Petersilie, hacke alles klein und mische es gut durcheinander.</p>
          <p>Nimm danach Sahne; hast du keine, so nimm eine fette Brühe. Mache die Masse damit lang, würze sie und färbe sie gelb. Gib sie auf ein sauberes Brettchen und ziehe sie mit einem Löffel glatt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gesotten rindt fleisch">Rindfleisch, gekocht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="tutter">Eidotter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geriben semel">Semmelbrösel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petter sill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain obry milich">Sahne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein vaiste prue">Fette Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz es">Gewürze (Salz, Pfeffer, Ingwer)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mach es gelb">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-115">
        <head>Wildbretmus mit Honig und Lebkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-115-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-115-trans">
          <p>ITem wil dw ein gmuß von wiltprat machen so nym halbs magers vnd halbs vaist vnd hack es chlain durch ein ander vnd mach ein pheffer als czw wiltprat vnd ain chlain ding dunner vnd wan es ge sew so thue honig vnd leczelten dar ein vnd gburcz es ab mit guetten gburcz so ist es guett vnd gar gerecht etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-115-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-115-orig">
          <p>Wenn du ein Mus von Wildbret zubereiten möchtest, so nimm zur Hälfte mageres und zur Hälfte fettes Fleisch und hacke es fein durcheinander.</p>
          <p>Bereite eine Pfeffersauce zu, wie sie zu Wildbret passt, und mache sie etwas dünnflüssiger. Und wenn es gekocht ist, gib Honig und Lebkuchen hinein und würze es mit guten Gewürzen ab. So ist es gut und sehr passend.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wiltprat">Wildfleisch (mager und fett)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffersauce</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leczelten">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze (nach Geschmack)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-116">
        <head>Gebäck aus Kalbslunge</head>
        <div type="original" xml:id="mon-116-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-116-trans">
          <p>ITem wildw ein pachen von lungel machen von chelbrin so hack dy chlain vnd nym ein wenig gesotens specks dar vntter vnd czwen air tutter vnd guett stupp dar vnter vnd hack es gar chlain durch ein ander mach dar nach chlaine chugel darauß vnd mach ein guetten strawben taig vnd czewch dy chugel dar Inn durch vnd pach es Inn ainem smalz so wirdt es guett vnd versalcz nit</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-116-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-116-orig">
          <p>Wenn du ein Gebäck aus Kalbslunge zubereiten willst, so hacke die Lunge klein und nimm ein wenig gekochten Speck dazu. Gib zwei Eigelb und gutes Gewürzpulver darunter und hacke alles sehr klein durcheinander. Mache danach kleine Kugeln daraus.</p>
          <p>Bereite einen guten Straubenteig zu und ziehe die Kugeln darin hindurch. Backe sie anschließend in Schmalz aus, so wird es gut und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lungel von chelbrin">Kalbslunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig gesotens specks">Gekochter Speck</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="czwen air tutter">Eigelb</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guett stupp">Gewürzpulver</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein guetten strawben taig">Straubenteig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem smalz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-117">
        <head>Gebackene Kalbsfüße im Teigmantel</head>
        <div type="original" xml:id="mon-117-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-117-trans">
          <p>ITem wil dw chalbs fueß machen So mach sy schon vnd sewd sie an die statt vnd mach dar nach air taig ab czw dem pachen vnd thue iiij air dar ein vnd leg die fueß in den taig vnd pachs in einem smalcz vnd thue czucker oben dar auff etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-117-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-117-orig">
          <p>Wenn du Kalbsfüße zubereiten willst, dann reinige sie gut und siede sie, bis sie gar sind. Mache danach einen Eierteig zum Backen an und gib vier Eier hinein. Lege die Kalbsfüße in den Teig und backe sie in Schmalz. Gib Zucker oben darauf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chalbs fueß">Kalbsfüße</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schon vnd sewd sie an die statt">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air taig ab czw dem pachen">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air taig ab czw dem pachen">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="iiij air">Eier</ingredient> - 4</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-118">
        <head>Kalbsfleischknödel in gelber Brühe</head>
        <div type="original" xml:id="mon-118-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-118-trans">
          <p>ITem wil dw von chalbs fleysch chnodel machen So hack das fleysch gar chlain vnd nym iiij air vnd geriben prott vnd gburcz durch ein ander vnd czew= chs in ein wasser das haiß sey vnd mach ein gelbs pruelein dar vnd legs dar ein so ist es guett vnd gerecht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-118-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-118-orig">
          <p>Wenn du Kalbsfleischknödel zubereiten möchtest, hacke das Kalbsfleisch sehr fein. Nimm vier Eier und geriebenes Brot sowie Gewürz und mische alles gut miteinander. Forme daraus Knödel und ziehe sie in heißem Wasser gar.</p>
          <p>Bereite dann ein gelbes Brühelein zu. Lege die fertigen Knödel in diese gelbe Brühe. So ist es gut und recht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chalbs fleysch">Kalbsfleisch</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="iiij air">Eier</ingredient> - 4</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geriben prott">Brot, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pruelein">Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gelbs">Safran (zum Färben)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-119">
        <head>Gebratener Reiher mit Safranbrühe</head>
        <div type="original" xml:id="mon-119-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-119-trans">
          <p>ITem wil dw raiger guett machen So mach ain gepratten raiger vnd ein guecz pruelein mit saffran vnd gibs also safftig hin auff den tisch</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-119-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-119-orig">
          <p>Wenn du einen guten Reiher zubereiten willst, dann brate einen Reiher.</p>
          <p>Bereite dazu eine gute Brühe mit Safran zu und serviere es dann saftig auf den Tisch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="raiger">Reiher</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pruelein">Brühe</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-120">
        <head>Rebhühner mit Senf-Honig-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="mon-120-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-120-trans">
          <p>ITem wil dw chlainen geflugelen machen So nym rephunern vnd sewd dw sy auß der prue wan sy gesotten sindt nym dar nach seniff vnd honig vnd seich den rain vnd dar nach thue ein gestossen ymber dar ein czw glider dar nach dy an der prust vnd gewß dar an so ist es guett</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-120-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-120-orig">
          <p>Wenn du kleine Geflügel zubereiten willst, dann nimm Rebhühner und siede sie in der Brühe. Wenn sie gar sind, nimm danach Senf und Honig und seihe es rein. Gib danach ein Lot gestoßenen Ingwer in diese Mischung. Nimm die Rebhühner, zerteile sie in Glieder, besonders die Bruststücke, und gieße die Senf-Honig-Mischung darüber. So ist es gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="rephunern">Rebhühner</ingredient> - 2 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prue">Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="seniff">Senf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein I gestossen ymber">Ingwer, gemahlen</ingredient> - 15 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-121">
        <head>Eichhörnchen mit Zwiebeln und Schmalz</head>
        <div type="original" xml:id="mon-121-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-121-trans">
          <p>ITem wil dw aichoren geraitten So nym vnd sewd die aichoren vnd faysß fleysch dar an gehackts vnd stupp sy dar nach prayt dy aichoren vnd czw glider sy vnd nym czwiffal vnd rost in einem smalcz smalcz vnd leg dy aichoren dar ein vnd laß ein wenig dar in sieden so werden sy guett</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-121-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-121-orig">
          <p>Willst du Eichhörnchen zubereiten, so nimm die Eichhörnchen und siede sie. Gib fettes, gehacktes Fleisch hinzu und würze sie danach mit Gewürzpulver.</p>
          <p>Bereite die Eichhörnchen zu und zerteile sie in Glieder. Nimm Zwiebeln und röste sie in Schmalz. Lege die Eichhörnchen dazu und lass sie ein wenig darin sieden, so werden sie gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aichoren">Eichhörnchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="faysß fleysch">Fettes Fleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Gewürzpulver (implied from 'stupp sy')">Gewürzpulver</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czwiffal">Zwiebeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-122">
        <head>Gewürzte Rebhühner</head>
        <div type="original" xml:id="mon-122-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-122-trans">
          <p>ITem wil dw repphuener machen so nym repphuener vnd sew sy Auch vnd hack speck dar vntter vnd ein wenig wein oder esseich vnd thue auch dar an pheffer etc. vnd saffran</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-122-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-122-orig">
          <p>Wenn du Rebhühner zubereiten willst: Nimm Rebhühner und siede sie. Hacke Speck dazu und gib ein wenig Wein oder Essig hinzu. Würze es auch mit Pfeffer etc. und Safran.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="repphuener">Rebhühner</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein oder esseich">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer etc.">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-123">
        <head>Gebratene kleine Vögel</head>
        <div type="original" xml:id="mon-123-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-123-trans">
          <p>ITem wil dw chlain vogel beraitten So nym chlain vogel vnd thue sy in ein haffen vnd gewß smalcz dar an vnd laß gar dar Innen pratten nym dar nach walisch wein pettersil vnd reibs mit esseich oder mit bein vnd gewß dar mit gburcz dar an etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-123-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-123-orig">
          <p>Wenn du kleine Vögel zubereiten willst, dann nimm kleine Vögel und gib sie in einen Topf. Gieße Schmalz hinzu und lass die Vögel darin gar braten.</p>
          <p>Nimm danach Welschwein und Petersilie, und vermenge dies mit Essig oder mit Wein. Gieße das zusammen mit Gewürzen darüber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chlain vogel">Kleine Vögel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="walisch wein">Welscher Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersil">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-124">
        <head>Spanferkel mit Leber-Gewürzsauce</head>
        <div type="original" xml:id="mon-124-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-124-trans">
          <p>ITem wil dw von einer spen saw In einer leber chochen so nym zway tail wein vnd ain tail wasser vnd sewd die spensaw vnd ein chalbs leber da pey vnd wan es nun gesotten ist so seich dick prue her ab vnd stoß die leber in einem morsar vnd nym ein gepatte semel vnd iiij air tutter vnd thue die auch an die leber vnd streich sy mit der prue durch das Inne gesotten ist vnd nym es in ein phannen vnd erbell es vnd mach es ab mit saffran vnd mit gueten gburcz vnd gewß es dan vber dy spensaw In wein dw sy gelegett hast so ist es gerech vnd guett</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-124-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-124-orig">
          <p>Wenn du ein Spanferkel mit Leber zubereiten möchtest, nimm zwei Teile Wein und einen Teil Wasser. Siede darin das Spanferkel und eine Kalbsleber mit.</p>
          <p>Sobald alles gar gesotten ist, seihe die dicke Brühe ab. Stoße die Leber in einem Mörser fein. Nimm eine geriebene Semmel und vier Eigelb und gib diese ebenfalls zur Leber.</p>
          <p>Streiche die Lebermasse mit der abgeseihten Brühe durch ein Sieb oder Tuch. Nimm die passierte Masse in eine Pfanne und lasse sie aufkochen. Schmecke sie mit Safran und guten Gewürzen ab.</p>
          <p>Gieße die fertige Sauce dann über das Spanferkel, das du zuvor in Wein gelegt hast. So ist es richtig und gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="spen saw">Spanferkel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chalbs leber">Kalbsleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zway tail wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain tail wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein gepatte semel">Semmel, gerieben</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="iiij air tutter">Eigelb</ingredient> - 4</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gueten gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-125">
        <head>Wildbret mit Brühe oder Kastanien</head>
        <div type="original" xml:id="mon-125-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-125-trans">
          <p>ITem wil dw wol chochen von wilpratt der nemb dar czw nit vil wein nur guett rindreinn prue oder chastrawne so wirdt es gemacht woll</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-125-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-125-orig">
          <p>Wenn du Wildbret gut zubereiten willst, nimm dazu nicht viel Wein, sondern nur gute reine Rinderbrühe oder Kastanien. So wird es gut gemacht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wilpratt">Wildbret</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guett rindreinn prue">Rinderbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chastrawne">Kastanien</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-126">
        <head>Ganzes Huhn im Glas</head>
        <div type="original" xml:id="mon-126-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-126-trans">
          <p>ITem wil dw ein huenn ganczen in ein chraclas clas machen So prue das huenn schon vnd las nu die haut dem hals pegreiff es schon czwischen heydt vnd fleysch czewch Im die ab also gancz piß an die fueß vnd sneyd dy fueß ain wenig ab das sy an/der haut beleyben vnd mach ein stumphacz holczlin vnd plast dy hawt vnd wo sy dan zer= prochen ist da na sy czw vnd nym dan von stoz einen fueß In das glas vnd dar nach den anderen vnd nym dan das stumpfhat holczlin vnd stoß dy hawt ye ein winczig hin ein wenn dw dan dy hawt in ein stossen pist a den hals so behalt den hals hin oben vnd vber sturcz die hawtt vber das glas vnd pintt es dan mit einem vaden czw vnd nym dan das huen vnd wirff auff ein fleisch vnd laß es sieden vnd wen es dan gesotten ist so hack air saluan pettersill vnd guecz stupp vnd plas in das clas so thuet sich das huen auff vnd full dan dy full dar ein vnd wen dy hautt vol ist so vermach sy eben woll das dy hautt nit hin ein vall vnd das auch chain wasser hin ein mug chomen vnd teck es dan czw vnd laß es dan sieden so wirdt es sich stercken in dem clas das man siecht sein flugel vnd seinen hals vnd sein fueß vnd sein ganczen pottich</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-126-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-126-orig">
          <p>Brühe das Huhn schön ab. Löse die Haut vom Hals beginnend vorsichtig zwischen Fleisch und Haut ab, und zwar vollständig bis zu den Füßen. Schneide die Füße ein wenig ab, sodass sie noch an der Haut hängen bleiben. Mache ein stumpfes Hölzlein und blase in die Haut; wo sie dabei zerbrochen ist, nähe sie zusammen.</p>
          <p>Nimm dann einen Fuß und stoße ihn in das Glas, danach den anderen. Nimm dann das stumpfe Hölzlein und stoße die Haut Stück für Stück hinein. Wenn du die Haut bis zum Hals hineingestoßen hast, halte den Hals oben, stülpe die Haut über das Glas und binde es dann mit einem Faden zu.</p>
          <p>Nimm dann das Huhn und gib es in eine Fleischbrühe, lass es sieden. Wenn es dann gar gekocht ist, hacke Eier, Salbei und Petersilie fein und mische es mit Gewürzpulver, und blase in das Glas, sodass sich die Hühnerhaut darin öffnet. Fülle dann die Füllung hinein.</p>
          <p>Wenn die Haut voll ist, verschließe sie gut, damit sie nicht ins Glas fällt und auch kein Wasser eindringen kann. Decke es dann zu und lass es sieden. So wird es sich im Glas strecken, sodass man seine Flügel, seinen Hals, seine Füße und seine ganze Gestalt sehen kann.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="huenn ganczen">Huhn, ganz</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="chraclas clas">Glasgefäß</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stumphacz holczlin">Holzstäbchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vaden">Faden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saluan">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guecz stupp">Gewürzpulver</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-127">
        <head>Hirschlunge in Lebkuchensauce</head>
        <div type="original" xml:id="mon-127-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-127-trans">
          <p>ITem wil dw ein hirsss lungel machen So nym frisch hirssen lungelen so mag Sy gehaben mach vnd sewdt sy in irs selbers prue ist aber das si smacken so sol man in einem ander prue machen petter= sill vnd sunst nym guet gburcz vnd machs auch mit leczelten mit wein vnd mit esseich machen vnd sol dar an giessen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-127-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-127-orig">
          <p>Willst du eine Hirschlunge zubereiten, so nimm frische Hirschlungen.</p>
          <p>Lass sie die richtige Konsistenz bekommen und siede sie in ihrer eigenen Brühe. Sollte sie jedoch einen zu starken Eigengeschmack haben, so bereite sie in einer anderen Brühe zu.</p>
          <p>Gib Petersilie und gute Gewürze hinzu. Mache die Sauce auch mit Lebkuchen, Wein und Essig und gieße sie über die Lunge.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frisch hirssen lungelen">Hirschlunge, frisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="irs selbers prue">Eigene Brühe der Lunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ander prue">Brühe (optional, falls nötig)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petter= sill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guet gburcz">Gute Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leczelten">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-128">
        <head>Kalbshaut-Nestel mit Gewürzweinsauce</head>
        <div type="original" xml:id="mon-128-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-128-trans">
          <p>ITem wil dw ein chalb machen so nym ein chalb czewch im dy haut ab nym die haut vnd har die oder sy in einem warmen wasser vnd mach sy gar schon dar nach leg sy in einen haffen vnd laß sy gar waich werden sieden dar nach so nymbs her auß vnd leg sy auff ein anricht vnd sneyd sy czw geleicher weiss als hassen nestelen sind inder mitt prait vnd an den artten spisczig vnd leg sy in ein schussel vnd spiczigen ortteren dy vber golt vnd nym dan weinper vnd mandel vnd geriben leczelten vnd ein guetten wein saffran pheffer ymber nagl muscat vnd thue das in den wein vnd laß es siedenn pey dem fewr dar nach laß es chalt werden vnd gewß es auff dy hassen nestel vnd laß die stefften nit naß werden</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-128-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-128-orig">
          <p>Ein Kalb zubereiten: Nimm ein Kalb und ziehe ihm die Haut ab. Nimm die Haut und enthaare sie oder säubere sie in warmem Wasser und mache sie ganz sauber. Danach lege sie in einen Topf und lasse sie ganz weich sieden. Nimm sie danach heraus und lege sie auf eine Anrichte.</p>
          <p>Schneide sie in gleicher Weise, wie Hasennestel geformt sind: in der Mitte breit und an den Enden spitzig. Lege sie in eine Schüssel und die spitzigen Enden über Gold (Blattgold oder goldfarbene Garnitur).</p>
          <p>Nimm dann Rosinen, Mandeln, geriebenen Lebkuchen, einen guten Wein, Safran, Pfeffer, Ingwer, Nelken und Muskat. Gib dies alles in den Wein und lasse es beim Feuer sieden. Danach lasse es kalt werden und gieße es über die Hasennestel. Achte darauf, dass die spitzigen Enden nicht nass werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein chalb">Kalb</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy haut">Kalbs-Haut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="warmen wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geriben leczelten">Lebkuchen, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein guetten wein">Wein, rot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagl">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy vber golt">Blattgold (optional)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-129">
        <head>Kalbskopf-Pastete mit Honig und Gewürzen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-129-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-129-trans">
          <p>ITem wil dw vonn dem haup des chalb chochen So nym das hawbt vnd har es gar schonn vnd slach ein mitten von ein ander vnd nym das hieren her auß vnd secz das chalt haubt czw einem guetten wein vnd laß es sieden piß es gar waich wirdt vnd nym dy pain da uon vnd stos das gepratt gar chlain In einem morsar vnd nym die prue da das chalbs hawbt vnd secz es wider czw dem fewr nym honig vnd mach es sueß nym pheffer ymber vnd guet gburcz vnd laß es sieden piß das es dicklat wirdt so nym dan ein schons peck da nit czw großsey vnd das daz peck ein wenigs seycht sey vnd gewß dan das gesotten chalbs haubt in das peck secz es in ein chalten chaler so wirt es hert so nym es dan vnd sneyd es wecklat In dem peck vnd legs dan auff ein schussel dar auff als auff die hasen nestel das das schickt chalt sey</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-129-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-129-orig">
          <p>Wenn du vom Kalbskopf kochen willst, so nimm den Kopf und säubere ihn sehr gründlich. Schlage ihn in der Mitte auseinander und nimm das Hirn heraus. Setze den Kalbskopf mit einem guten Wein auf und lass ihn sieden, bis er ganz weich wird.</p>
          <p>Nimm die Knochen vom Kopf und stoße das gekochte Fleisch sehr fein in einem Mörser. Nimm die Brühe, in der der Kalbskopf gekocht wurde, und setze sie wieder auf das Feuer. Gib Honig hinzu und süße die Brühe. Füge Pfeffer, Ingwer und gute Gewürze hinzu und lass es sieden, bis es eindickt.</p>
          <p>Nimm dann ein schönes Becken, das nicht zu groß und ein wenig seicht sei. Gieße das gesottene Kalbskopffleisch (die Fleischmasse mit der eingedickten Brühe) in das Becken. Stelle es in einen kalten Keller, damit es fest wird. Nimm es dann heraus und schneide es in kleinen, runden Stücken in dem Becken. Lege die Stücke dann auf eine Schüssel, so angerichtet wie Hasennestel, sodass das Gericht kalt serviert wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hawbt des chalb">Kalbskopf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guet gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-130">
        <head>Kalbsleber im Netz gebraten</head>
        <div type="original" xml:id="mon-130-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-130-trans">
          <p>ITem wil dw leber von einem chalb machen so nym dy leber vnd sewd Sy woll vnd leg sy dan auff ein anricht vnd hack sy chlain vnd nym dar vntter vj oder viij air vnd einen speck vnd gburcz saffran chum weinperren vnd mach es alles in das necz vnd vber spell da mit es nit her auß vall vnd leg es auff einen rost vnd chuel pratten</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-130-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-130-orig">
          <p>Wenn du Kalbsleber zubereiten willst, dann nimm die Leber und siede sie gut. Lege sie dann auf eine Anrichte oder ein Schneidebrett und hacke sie klein.</p>
          <p>Nimm dazu sechs oder acht Eier, ein Stück Speck, Gewürze, Safran, Kümmel und Rosinen. Gib alles in ein Netz (z.B. Schweinenetz oder ein Leinentuch) und überspanne es, damit nichts herausfällt.</p>
          <p>Lege es auf einen Rost und brate es langsam, bis es gar ist, und lasse es darauf abkühlen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leber von einem chalb">Kalbsleber</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vj oder viij air">Eier</ingredient> - 6</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einen speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chum">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinperren">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das necz">Netz (z.B. Schweinenetz oder Leinentuch)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein rost">Rost</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-131">
        <head>Sülze in vier Farben (Weiß, Gelb, Blau und Schwarz)</head>
        <div type="original" xml:id="mon-131-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-131-trans">
          <p>ITem ein sulcz machen von iiij stuck= len In ein schussel das ist weiß gelb plab wil dw Swarcz sulcz machen so nym ein hand volle weinper stoz sy chlain in einem morsar vnd slach sy durch mit guetten wein vnd leg dy visch dar ein die dw swarcz wilt haben aber hechten oder cherpffen warren gar guet vnd machs in geleicher= weyß als ander sulcz visch dan alain denn saffran nym nit dar czw ITem czw der weyssen nym ein halbe hant voller grosser mandel vnd schell dy schon vnd stoz den chlain in einem morsar vnd slach In durch ein tuech mit guetten suessen wein vnd nym dan die visch dy dw in der weyssen sulcz wilt geben vnd leg sy dar ein vnd laß sieden mach sy sueß mit czuckerr vnd machs mit weysß ymber mit parischoren mit longen pheffer zw der plaben sulcz nym choren plue vnd deerr sy schon vnd reib sy ab als ein saffran vnd slach sy durch vnd nymb guett gburcz dar czw vnd laß sy Sieden dar nach leg die visch dar ein vnd thu auch gburcz dar an als vorer /</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-131-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-131-orig">
          <p>Mache eine Sülze aus vier Stücken Fisch in einer Schüssel; sie kann weiß, gelb oder blau sein. Willst du auch eine schwarze Sülze machen, so nimm eine Handvoll Rosinen, stoße sie klein in einem Mörser und passiere sie mit gutem Wein.</p>
          <p>Schwarze Sülze: Lege dann den Fisch hinein, den du schwarz haben möchtest; Hechte oder Karpfen wären sehr gut. Bereite es auf die gleiche Weise zu wie andere Sülzenfische, nur nimm keinen Safran dazu.</p>
          <p>Weiße Sülze: Für die weiße Sülze nimm eine halbe Handvoll großer Mandeln, schäle sie gründlich und stoße sie klein in einem Mörser. Passiere sie durch ein Tuch mit gutem süßen Wein. Nimm dann den Fisch, den du in die weiße Sülze geben willst, lege ihn hinein und lasse ihn sieden. Süße ihn mit Zucker und würze ihn mit weißem Ingwer, Paradieskörnern und langem Pfeffer.</p>
          <p>Blaue Sülze: Für die blaue Sülze nimm Kornblumenblüten und dörre sie gründlich. Reibe sie ab wie Safran und passiere sie. Nimm gute Gewürze dazu und lasse sie sieden. Danach lege den Fisch hinein und gib auch Gewürze hinzu wie zuvor.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="iiij stucklen">Fisch</ingredient> - 4 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein hand volle weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein halbe hant voller grosser mandel">Mandeln, geschält</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten suessen wein">Süßer Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czuckerr">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weysß ymber">Ingwer, weiß</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="parischoren">Paradieskörner</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="longen pheffer">Langer Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="choren plue">Kornblumenblüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guett gburcz">Gewürze (Ingwer, Paradieskörner, Langer Pfeffer)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-132">
        <head>Gesalzener Hering mit Zwiebeln und Essig</head>
        <div type="original" xml:id="mon-132-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-132-trans">
          <p>ITem wildw machen ein guett essen versallczen haring so nym die haring vnd wirfß in ain chaltew chaltguß vnd sy dar Innen sieden vnd wartt eben das sy sich nit versieden czewch sy dar nach her auß vnd wasch rain auwss vnd legs sy dan in ain chalcz wasser vnd richcz dar nach an vnd czwiuall dar an vnd in esseich</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-132-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-132-orig">
          <p>Wenn du ein gutes Essen aus gesalzenem Hering zubereiten willst, so nimm die Heringe und gib sie in einen kalten Guss Wasser. Lass sie darin sieden und achte genau darauf, dass sie nicht verkochen.</p>
          <p>Zieh die Heringe danach heraus und wasche sie gründlich rein. Lege sie dann in kaltes Wasser. Richte sie danach an, gib Zwiebeln dazu und serviere sie in Essig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="haring">Gesalzener Hering</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chaltew chaltguß / chalcz wasser">Kaltes Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czwiuall">Zwiebel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-133">
        <head>Hering in Schmalz mit Äpfeln und Rosinen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-133-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-133-trans">
          <p>ITem wil dw aber machen ein guet essen von haring so wasser sy ein vnd schr= ipfs dar nach vnd pach sy In hayssen smalcz oder oll vnd hack czwifall vnd opfhell chlain durich ein ander vnd nym weinper dar czw vnd mach es ab mit geburcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-133-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-133-orig">
          <p>Wenn du aber ein gutes Gericht aus Hering zubereiten willst, dann wässere ihn zuerst ein und schröpfe ihn danach.</p>
          <p>Backe den Hering anschließend in heißem Schmalz oder Öl. Hacke Zwiebeln und Äpfel klein durcheinander und gib Weinbeeren (Rosinen) dazu. Würze das Gericht damit ab.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="haring">Hering</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz oder oll">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czwifall">Zwiebeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="opfhell">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geburczt">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-134">
        <head>Gebratene gefüllte Krebse</head>
        <div type="original" xml:id="mon-134-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-134-trans">
          <p>ITem wil dw krewssen pachen so sewdcz von erst an dy statt vnd nym auff ein guett essen xij ayr mach ein full von ayr gburcz vnd full dan albeg ein schall mit der full vnd mit den anderen laren schallen machs gancz legs dar nach In pracz dan pegewss mit smalcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-134-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-134-orig">
          <p>Wenn du Krebse braten willst, so siede sie zuerst an Ort und Stelle. Nimm für ein gutes Mahl zwölf Eier und mache eine Eierfüllung mit Gewürz. Fülle dann stets eine Schale mit dieser Füllung und mache es mit den anderen leeren Schalen wieder ganz. Lege sie danach zum Braten und begieße sie dann mit Schmalz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="krewssen">Krebse</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="xij ayr">Eier</ingredient> - 12</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-135">
        <head>Gefüllte Krebse in Schmalz gebacken</head>
        <div type="original" xml:id="mon-135-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-135-trans">
          <p>ITem gepachen chrewssen seucz an dy statt vnd schels dar nach mach ein ayr full mit gwucz vnd mit smalcz vnd fuls ein vnd dy ckragel mach schon vnd stoz an den chrewssen als vorer vnd pachs Inn haissem smalz vnd richt es also annn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-135-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-135-orig">
          <p>Nimm gebratene Krebse. Lege sie beiseite und schäle sie danach. Bereite eine Eierfüllung mit Gewürz und Schmalz zu und fülle sie ein. Und das Ckragel (den Kragen-/Halsbereich) reinige gründlich, und setze es an die Krebse an wie zuvor. Backe sie in heißem Schmalz und richte sie so an.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chrewssen">Krebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gwucz">Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz / smalz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-136">
        <head>Gefüllte Fasten-Krapfen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-136-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-136-trans">
          <p>Item zuo krapfen In der vasten Stos nuskeren vnd feygen vnder ain ander in einem morser vnd gwurcz das woll vnd ferib es vnd leg es In ein phannen vnd gewß oll dar ab vnd er woll es vnd machss In krappen geweiß In erhabpten taig vnd packs woll in oll vnd gibs kaldt zw essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-136-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-136-orig">
          <p>Nusskerne und Feigen in einem Mörser zusammenstoßen. Würze dies gut und färbe es. Lege die Masse in eine Pfanne, gieße Öl darüber und koche es gut auf.</p>
          <p>Forme die Masse dann in Krapfen-ähnlicher Weise. Hülle diese Füllung in erhobenen Teig und backe die Krapfen gut in Öl aus. Serviere sie kalt zum Essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nuskeren">Nusskerne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="feygen">Feigen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gwurcz das woll">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oll">Pflanzenöl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="erhabpten taig">Erhobener Teig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-137">
        <head>Gewürzter Honigsenf</head>
        <div type="original" xml:id="mon-137-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-137-trans">
          <p>Item nym seniff samen vnd sawber den vnd stos den In ainem morser gar klain vnd treib es dan durich ein tuoech vnd stos zw pulffer vnd mi= sch vnder den sennpff vnd ruer es mitt honig sam vast vnder ain ander recht als der wachss vnd wenn dw wilet so nym das selb ein wenig vnd reib es mitt wein so hastu seniff</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-137-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-137-orig">
          <p>Nimm Senfsaat und reinige sie. Zerstoße sie in einem Mörser sehr fein und streiche die entstandene Paste dann durch ein Tuch. Stoße etwas zu Pulver (vermutlich Zimtblüte, siehe Anmerkung) und mische es unter die zuvor passierte Senfpaste.</p>
          <p>Rühre die Senfpaste mit Honig so kräftig untereinander, dass sie die Konsistenz von Wachs annimmt. Wenn du möchtest, nimm etwas davon und reibe es mit Wein an, so hast du Senf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="seniff samen">Senfsaat</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-138">
        <head>Rebhühner von Fischen (Fastenspeise)</head>
        <div type="original" xml:id="mon-138-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-138-trans">
          <p>Item von geprotten rebhunern + In der vassten hayss dir graben zbayholczer In den varmm wenn man sy zw samen druckt das sy einen vornn Machent als ein rephon Nim visch vnd den gratt thue dar von vnd die suppen vnd hack den pratten vnder ein ander gar klain vnd gw= urcz es woll vnd sewdt es woll mitt den holczeren das hatt ein varmm als ein rephon das pratt vnd spick es mitt hechten pratten</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-138-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-138-orig">
          <p>Für die Fastenzeit lasse dir zwei Hölzer so schnitzen oder formen, dass sie, wenn du sie zusammenpresst, die Gestalt eines Rebhuhns annehmen.</p>
          <p>Nimm Fisch, entferne die Gräten und die Schuppen davon. Hacke das gekochte Fischfleisch sehr fein durcheinander und würze es gut mit Salz und anderen Gewürzen.</p>
          <p>Siede es gut mit den Hölzern, sodass es die Form eines Rebhuhns annimmt. Dies ist das Spickbrät. Spicke es dann mit Hechtbrät.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pratten">gekochtes Fischfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gw=urcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hechten pratten">Hechtbrät</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-139">
        <head>Fischbraten für die Fastenzeit</head>
        <div type="original" xml:id="mon-139-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-139-trans">
          <p>Item zw einem rechten pratten In der vasten nym grosch visch welherlay das sein vnd thue den gratt dar von vnd supp thue auch darvon vnd zehack den pratten gar klain vnd reib ein prott dar vnder vnd gwurcz das woll vnd mach das zw samen mitt nassen me= ssernn auff der an richt in der vormm als ein recht pratten vnd leg das In ein phann vnd erboll es dar nach Nym einen spis vnd stos dar durich vnd spick In mitt gruenen echten pratten</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-139-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-139-orig">
          <p>Nimm großen Fisch, welcher Art auch immer er sei. Entferne die Gräten und die Schuppen. Zerhacke das Fischfleisch sehr fein und reibe altes Brot darunter. Würze die Masse gut und forme sie mit nassen Messern auf der Anrichte zu einem Braten.</p>
          <p>Lege den geformten Braten in eine Pfanne und koche ihn auf. Nimm danach einen Spieß, stoße ihn durch den Braten und spicke ihn mit frischem, rohem Hechtbrät.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="grosch visch welherlay das sein">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein prott">Brot, alt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gwurcz das woll">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gruenen echten pratten">Hechtbrät, roh (zum Spicken)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-140">
        <head>Mandel-Quark (vegan)</head>
        <div type="original" xml:id="mon-140-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-140-trans">
          <p>Item zw einem mandel zyger Nym geschelhetten mandel vnd stos den In einem morser vnd mach dick milich da von vnd seich das durich ein tuech In ein phannen vnd reib ein wenig weis protten dar ein ee es er wall vnd ein wenig guecz weins dar ein vnd wenn es erwoldt so zeuch es auß der phannen auf ein sib oder auf ein tuech so seich das wa= sser da von vnd wirt guetter ziger dy richt lang gelegt als panprein vnd bestock sy mitt mandel chernn nim den selben ziger vnd leg In dy virtaill ainer schussell vnd gews mandel milich dar an</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-140-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-140-orig">
          <p>Nimm geschälte Mandeln und stoße sie in einem Mörser. Mache daraus eine dicke Mandelmilch und seihe diese durch ein Tuch in eine Pfanne.</p>
          <p>Reibe ein wenig Weißbrot hinein, bevor es aufkocht, und gib auch ein wenig guten Wein dazu. Wenn es aufgekocht ist, nimm es aus der Pfanne und gib es auf ein Sieb oder ein Tuch, damit das Wasser abtropfen kann. So entsteht ein guter Ziger.</p>
          <p>Lege das Gericht länglich aus, wie einen Hirsebrei, und bestecke es mit Mandelkernen. Nimm von demselben Ziger ein Viertel und lege es in eine Schüssel. Gieße dann Mandelmilch darüber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geschelhetten mandel">Mandeln, geschält</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig weis protten">Weißbrot, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig guecz weins">Wein, weiß</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel chernn">Mandelkerne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel milich">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-141">
        <head>Eingelegter Fischrogen für die Fastenzeit</head>
        <div type="original" xml:id="mon-141-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-141-trans">
          <p>Item zuo gebeichten In der vasten Nym mandel vnd hack den gar klain vnd ferib den halbin mitt saffran das leg pesunder In ein schussel nym weinper woll erlesen vnd er boll sy das sy sin woll vnd leg sy besunder zw disem in die schussell Nym aller visch rogen on armen rogen vnd stos den In einem morsar mitt einem wenigen weyß melbß daß eß werd als ein streubm taig vnd verb vnd gewß auf fladen vnd pachß In einem offen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-141-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-141-orig">
          <p>Nimm Mandeln und hacke sie sehr fein. Die Hälfte der gehackten Mandeln färbe mit Safran und lege diese Mischung beiseite in eine Schüssel.</p>
          <p>Nimm Weinbeeren (Rosinen), lies sie sorgfältig aus und lasse sie aufquellen, bis sie prall und gut sind. Lege auch diese Rosinen beiseite zu den Mandeln in die Schüssel.</p>
          <p>Nimm nun Fischrogen von allen Fischarten, außer Barbenrogen. Stoße den Rogen in einem Mörser mit ein wenig weißem Mehl, sodass ein Teig entsteht, der die Konsistenz eines Sträuben-Teigs hat. Verarbeite diesen Teig und gieße ihn zu Fladen. Backe die Fladen anschließend in einem Ofen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gehackt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aller visch rogen on armen rogen">Fischrogen (alle Arten, außer Barbenrogen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weyß melbß">Weißes Mehl</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-142">
        <head>Feigensülze</head>
        <div type="original" xml:id="mon-142-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-142-trans">
          <p>Item zuo feigen sulcz Stoß ye vj feigen an ein spisel vnd der spislein als vill dw wildt vnd sewczß In einem kossell oder In einem haffen vnd gewß gleich weyns vnd wasser dar an dar nach nym prott vnd leczeldt geriben vnd thue es an dy suppen vnd de feigen vnd honig vnd essich vnd streichs durich ein sib gewurcz vnd pheffers wol vnd erboll das vnder ein ander leg dy feigen In ain rayns wasser vnd gews das dar an vnd wenn dw das an richtest so bestre es mitt erwolltten symwellein wein= peren vnd ysß es khaldt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-142-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-142-orig">
          <p>Stecke jeweils sechs Feigen auf einen Spieß, und so viele Spießchen, wie du möchtest. Siede oder koche diese Spießchen in einem Kessel oder einem Topf und gieße gleichermaßen Wein und Wasser hinzu.</p>
          <p>Danach nimm geriebenes Brot und geriebenen Lebkuchen und gib es zu der Flüssigkeit, den Feigen, Honig und Essig. Streiche alles durch ein Sieb, würze und pfeffere es gut und lasse es miteinander aufkochen.</p>
          <p>Lege die Feigen in reines Wasser und gieße den Sud darüber. Wenn du das Gericht anrichtest, bestreue es mit aufgequollenen Rosinen und Zimt und iss es kalt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vj feigen">Feigen</ingredient> - 6 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein spisel">Spieß</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gleich weyns">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vnd wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prott geriben">Brot, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leczeldt geriben">Lebkuchen, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffers">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="symwellein">Zimt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein= peren">Rosinen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-143">
        <head>Pfannkuchen nach heidnischer Art</head>
        <div type="original" xml:id="mon-143-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-143-trans">
          <p>Item zuo haydenischen kuechen Mach ein taig mitt eyttlichen ayren so aller hortigst machst vnd verib das vnd welig das dw neew pletter dar auß werden ain phaczeldten vnd pach daß In smalcz nim einen guetten wein halb als vill honig vnd er woll daß vnder ein ander vnd zeuch daß gepachen dar durich so dw eß wollest anrichten</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-143-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-143-orig">
          <p>Mache einen Teig mit etlichen Eiern, so hart wie du ihn nur machen kannst, und verarbeite ihn gut. Rolle den Teig aus, sodass dünne Blätter daraus werden, wie für einen Pfannkuchen.</p>
          <p>Backe diese Teigblätter in Schmalz aus. Nimm einen guten Wein und die halbe Menge Honig dazu. Rühre beides gut untereinander.</p>
          <p>Ziehe das Gebackene durch diese Sauce, wenn du es anrichten möchtest.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyttlichen ayren">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein taig">Weizenmehl (für den Teig)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schweineschmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einen guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="halb als vill honig">Honig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-144">
        <head>Gepoche von Fischrogen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-144-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-144-trans">
          <p>Item ein gepocheß von rogen Nym visch rogen aber nitt von par men vnd stoß das In einem morsar vnd pach daß auf ain praiczpladt das sneydt wurflat prenn woll mit oll in der phannen daß eß sbarcz werdt vnd mach mitt visch prue aus dem mell einen phaffer mitt wein vnd essich vnd gewurcz vnd laß daß ze= snitten dar Inn er wallen vnd sneidt aine semell wurfladt vnd rast das In oll vnd stra das auf das essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-144-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-144-orig">
          <p>Nimm Fischrogen, jedoch nicht den von Barben. Stoße den Rogen in einem Mörser fein.</p>
          <p>Backe das Mus auf einem Bratblech und schneide es würfelig. Brate die Würfel gut mit Öl in der Pfanne, bis sie schwarz werden.</p>
          <p>Mache mit Fischbrühe, Wein, Essig und Gewürzen eine Pfeffersauce aus dem gebratenen Rogenmus. Lasse die zerschnittenen Rogenwürfel darin aufwallen.</p>
          <p>Schneide eine Semmel würfelig und röste sie in Öl. Streue die gerösteten Semmelwürfel auf das fertige Gericht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch rogen">Fischrogen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oll">Pflanzenöl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch prue">Fischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Rotwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semell">Semmel</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-145">
        <head>Bubenpolster aus Kalbslunge</head>
        <div type="original" xml:id="mon-145-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-145-trans">
          <p>Item zuo einem essen haist ein puoebpulster Nym ein kalbs lungel vnd sewdt dy gar woll vnd hack sy klain vnd sneydt Speck dar vnder auch schlagch ayr dar ein vnd pheffer vnd saffran vnd ein air pladt so dw es zw sam legst mitt air doteren an der fregeten</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-145-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-145-orig">
          <p>Nimm eine Kalbslunge und siede sie gar weich. Hacke die Lunge danach fein und schneide Speckwürfel darunter. Schlage auch ganze Eier, Pfeffer und Safran in die Masse. Wenn du die Speise zusammensetzt, lege ein dünnes Eierblatt auf die Bratpfanne. Darauf gibst du die Lungenmasse und belegst sie mit Eigelb.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein kalbs lungel">Kalbslunge</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein air pladt">Eierblatt</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air doteren">Eigelb</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-146">
        <head>Kalbsinnereien-Wurst</head>
        <div type="original" xml:id="mon-146-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-146-trans">
          <p>Item von dem after darInn Nym den affter darInn von dem kalb vnd mach den gar sewr vnd hack dy lungel vnd spek vnder ein ander vnd gwurcz vnd feribs vnd fasß das In denn darm vnd sewdt dy w= urst vnd pracz dar nach ysß also truken</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-146-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-146-orig">
          <p>Nimm den Enddarm vom Kalb und mache ihn ganz sauber. Hacke die Lunge und den Speck untereinander. Würze und färbe die Masse. Fülle sie dann in den Darm. Siede die Wurst und brate sie danach. Iss sie so trocken.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den affter darInn von dem kalb">Kalbs-Enddarm (als Wursthülle)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy lungel">Kalbslunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="spek">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gwurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-147">
        <head>Imitierte Eier für die Fastenzeit</head>
        <div type="original" xml:id="mon-147-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-147-trans">
          <p>Item air Im smalcz In der vasten Nym geselhetten mandel vnd stoß den In eynem morser vnd leg wenig weiß prott dar zwe vnd mach dar auß schellem vnd veribss mitten vnd legs In einen phannen vnd gew= ss ol dar an oder mach synwell air dar auß vnd sneydt die von ein ander nach der leng vnd veribs an der stat do der totter leig scholl vnd gib sy mitt pettersill oder mitt ess= ich daß synd gewalborte air</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-147-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-147-orig">
          <p>Nimm geschälte Mandeln und stoße sie in einem Mörser. Lege wenig weißes Brot dazu und verarbeite alles zu einer feinen Masse.</p>
          <p>Variante 1: Gebratene Mandel-Brot-Scheiben Forme aus dieser Masse Scheiben oder andere Formen. Reibe sie in der Mitte aus und lege sie in eine Pfanne. Gieße Öl daran und brate sie.</p>
          <p>Variante 2: Imitierte Eier Oder forme aus der Mandel-Brot-Masse gekochte Eier. Schneide diese imitierten Eier der Länge nach voneinander. Verreibe die Masse in die Vertiefung, wo der Dotter (im echten Ei) läge. Gib sie mit Petersilie oder mit Essig. Das sind gewölbte Eier.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geselhetten mandel">Mandeln, geschält</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weiß prott">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ol">Pflanzenöl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-148">
        <head>Falsche Morcheln aus Trauben und Mandeln</head>
        <div type="original" xml:id="mon-148-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-148-trans">
          <p>Item von maurochen Nym welischweinper vnd laß sy du= rich varen vnd stos In einem morsar So nim gescheldten mandel kernn vnd stoß sy da mitt vnd misch dar zwe Inngper vnd zwker so daß geschikt so welg eß in der hant das es geschaffen werdt als dy pyren so hab ganczen mandel kernn von mandel vnd stos sy vndter dar ein sam dy stingel</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-148-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-148-orig">
          <p>Nimm Welsche Weinbeeren (Trauben) und lasse sie durch ein Sieb passieren. Stoße sie dann in einem Mörser. Nimm anschließend geschälte Mandelkerne und stoße sie mit der Fruchtmasse. Mische Ingwer und Zucker hinzu, bis die Masse geschmeidig ist.</p>
          <p>Wälze die Masse in den Händen zu kleinen Birnen - bauchig mit einem schmalen, spitz zulaufenden Ende. Nimm ganze Mandeln und stecke sie als Stiele in die geformten Birnen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="welischweinper">Welsche Weinbeeren (vermutlich frische Trauben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gescheldten mandel kernn">Mandeln, geschält</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Inngper">Ingwer, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zwker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ganczen mandel kernn von mandel">Mandeln, ganz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-149">
        <head>Fleischmus vom Schweinebauch</head>
        <div type="original" xml:id="mon-149-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-149-trans">
          <p>Item von flewsch mueß Nym sbeinen fleisch an der wuest ab dem pauch vnd la das woll sy= eden so das er schier woll lesen von der haut so thue dy hawt da von vnd hacks clain als ein lukmueß so leg eß wider in die selbpich vnd czwir es mitt einer we= nige semel vnd pfeffers vnd maches fayst also mach lukmueß vnd alle andre fleischmues</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-149-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-149-orig">
          <p>Nimm Schweinefleisch vom Bauch und lass es gut sieden, sodass es sich leicht von der Haut lösen lässt. Dann entferne die Haut und hacke das Fleisch klein, wie für ein Lungenmus. Lege es wieder in die selbe Brühe und vermische es mit ein wenig Semmel und Pfeffer. Mache es feist und reichhaltig. So bereitest du Lungenmus und alle anderen Fleischmuse zu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sbeinen fleisch an der wuest ab dem pauch">Schweinefleisch vom Bauch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy hawt">Schweinehaut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semel">Semmel, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffers">Pfeffer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-150">
        <head>Blancmanger vom Huhn</head>
        <div type="original" xml:id="mon-150-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-150-trans">
          <p>Item ein plamantschier Dw scholdt nemen ein hon vnd sewd daß woll wenn daß gesotten sey so nym daß weis daß pruest vnd cze zayß es vnd leg eß In ein pfannen der daß ob dem feur wen es dur sey so zer reib eß In einem reib sib oder zerstoß in einem morsar clain als ein mell so nim mandel mili= ch vnd der gesotten hennen prue ze machen wild dw es sueß machen so leg zuker darzwe vnd laß es ein wenig syeden</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-150-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-150-orig">
          <p>Nimm ein Huhn und siede es gut. Wenn es gar ist, nimm das weiße Brustfleisch und zerzupfe es. Lege es in eine Pfanne über dem Feuer. Wenn es trocken ist, zerreibe es in einem Reibsieb oder zerstoße es in einem Mörser so fein wie Mehl.</p>
          <p>Nimm dann Mandelmilch und die Brühe des gekochten Huhns. Wenn du es süß machen willst, gib Zucker dazu und lasse es ein wenig sieden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein hon">Huhn</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das weis das pruest">Hühnerbrust</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel mili=ch">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="der gesotten hennen prue">Hühnerbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zuker">Zucker (optional)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-151">
        <head>Geislitz - saure Hafergrütze, in Öl aufgewallt</head>
        <div type="original" xml:id="mon-151-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-151-trans">
          <p>Item von der geyslicz Nym geyslicz vnd laß sy ein wenig weill sten daß sy geuall so seich sy czue vnd gewur sy In dem haf= =fen wenn man sy dan essen will so thue ein wenig oll in ein reindel oder in ein schirb vnd thue dy geyslicz dar ein vnd laß sy erballen vnd schutt stupp dar an</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-151-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-151-orig">
          <p>Geislitz: Nimm die Geislitz-Grütze und lass sie eine Weile stehen, damit sie sich setzt. Dann seihe sie ab und würze sie in dem Topf. Wenn du sie dann essen willst, gib ein wenig Öl in ein Reindl oder in eine Schüssel und gib die Geislitz-Grütze hinein. Lass sie aufwallen und streue Gewürzpulver darüber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geyslicz">Geislitz (saure, feste Hafergrütze)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oll">Öl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stupp">Gewürzpulver</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-152">
        <head>Geislitz - saure Hafergrütze mit gezuckerter Mandelmilch</head>
        <div type="original" xml:id="mon-152-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-152-trans">
          <p>Item aber von der geyslicz Item wil dw aber geyslicz machen so sewd sy vnd gewß sy auff ein schusel vnd laß sy erchalten so czewch ir dy haut ab vnd mach ein mandel milich mit czucker vnd gews sy dar auff</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-152-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-152-orig">
          <p>Willst du die Geislitz-Grütze noch einmal anders zubereiten, so gehe wie folgt vor:</p>
          <p>Koche sie und gieße sie auf eine Schüssel und lasse sie erkalten. Dann ziehe die Haut davon ab. Und bereite eine Mandelmilch mit Zucker zu und gieße sie darüber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geyslicz">Geislitz (saure Hafergrütze)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel milich">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-153">
        <head>Gekräuselte Krebsschwänze in Gewürzessig</head>
        <div type="original" xml:id="mon-153-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-153-trans">
          <p>Itm von chrossen czagellen dw solt nemmen krewssen vnd sewd dy vnd schell In dy czagel wenn sy gesotten sein vnd leg sy in ein reindel vnd gewß dar ein gburcz vnd esseich</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-153-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-153-orig">
          <p>Des Weiteren, für gekräuselte Krebsschwänze: Nimm genügend Krebse und siede sie. Wenn sie gar sind, schäle die Schwänze aus den Panzern. Lege die geschälten Schwänze in ein Reindl und gieße Gewürz und Essig darüber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="g krewssen">Krebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-154">
        <head>Der Wurst-Trick mit Quecksilber</head>
        <div type="original" xml:id="mon-154-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-154-trans">
          <p>ITem wil dw wurst auss ainem chossel wurst machen lassen / so nym lebendigß chochsilber vnd wirff das in den chossel so er aller pest sewdt so lauffen sy her auß</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-154-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-154-orig">
          <p>Wenn du Würste aus einer Kesselwurst erscheinen lassen willst, dann nimm lebendiges Quecksilber und wirf es in den Kessel, wenn dieser am besten siedet. Dann laufen die Würste heraus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurst auss ainem chossel wurst">Kesselwurst (als Requisite)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lebendigß chochsilber">Quecksilber</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-155">
        <head>Ei in eine Flasche bringen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-155-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-155-trans">
          <p>I Tem wil dw ein gancz ay Ineinen angster pringen so leg das ay In einen essich trey tag vnd drey nacht vnd wen es waich wirt so gewß es dan in den angster vnd laß dan den essich her ab so wirt es gancz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-155-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-155-orig">
          <p>Willst du ein ganzes Ei in eine Flasche mit engem Hals bringen, so lege das Ei für drei Tage und drei Nächte in Essig.</p>
          <p>Wenn es weich wird, gieße es dann in die Flasche und lasse den Essig ab. So wird das Ei wieder ganz und fest.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein gancz ay">Ei</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einen essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="einen angster">Flasche mit engem Hals</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-156">
        <head>Stockfisch auf dreierlei Art</head>
        <div type="original" xml:id="mon-156-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-156-trans">
          <p>ITem wil dw ettwas von vischen geben so machs wan stock visch must pey der nacht ein waichen In ein wasser das gesalczen sey des morgens wen dw In wilt czw seczen so wasch In aus dem wasser mit roglar hantt secz in in ein anders wasser wider czw vnd la In gar ein wenig erballen so nym yn her auß vnd lueg das dw In machst dy hautt ab czichen So nym das nur her auß auff ein schone anricht vnd hack das pratig chlain so es czw czeitten So nym czway air dar vnder vnd ein wol erlessen weinper vnd ein frische ymberr muscat vnd muscat plue temperir es woll vntter ein ander wenn dw das alles hast gethan so nym dy full wider vnd thue sew In dy hautt dy dw ab hast geczogen war es dan czeitig so magstu es woll in dem airen vmb cziechen so mustu es pachenn in ainer phann das es prawn werdt so magstu in gebben den visch wie dw willt / wildw der frawen geben in einer sulz So mustu dy sulcz ab geburczen mit ymber muscat vnd muscat plue den selbigen visch machtw ir woll dar Innen sulczen ain taill willdw ir dan pratten geben / so pratt In Inainem laybel protts das selbig pratt mustu sneyden mitten von ein ander dar auß mustu nemmen die smollen vnd leg den visch In die rindten den dw pratten wilt vnd sneydt ettliche locher In die rindten verstreich dw die rindt mit einem taig so schueß in In das offel hin ein vnd laß es pachen das dw dan gehaicz hast vnd wan es dan sein genug hatt so nym es her auß den selben visch macht dw woll geben wan die fraw vier wo= chen alt ist so thue ein wenig galraydt dar auff vnd gib irs czw essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-156-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-156-orig">
          <p>Wenn du etwas aus Fisch servieren möchtest, bereite es aus Stockfisch zu. Diesen musst du über Nacht in gesalzenem Wasser einweichen. Am Morgen, wenn du ihn zubereiten willst, wasche ihn gründlich aus dem Wasser. Lege ihn dann in frisches Wasser zurück und lasse ihn nur ein wenig aufwallen. Nimm ihn anschließend heraus und achte darauf, dass du die Haut abziehen kannst.</p>
          <p>Nimm nun das reine Fischfleisch heraus und richte es auf einer sauberen Unterlage an. Hacke das Fleisch fein in Stücke. Mische zwei Eier, gut verlesene Rosinen, frischen Ingwer, Muskatnuss und Muskatblüte darunter und verrühre alles gut miteinander. Wenn du dies alles getan hast, nimm die Füllung und gib sie zurück in die abgezogene Fischhaut. War es dann bereit, kannst du es gut in den Eiern wenden. Dann musst du es in einer Pfanne backen, bis es braun wird. So kannst du den Fisch servieren, wie du möchtest.</p>
          <p>Als Sülze für die Dame: Willst du es der Dame in einer Sülze servieren, so würze die Sülze mit Ingwer, Muskatnuss und Muskatblüte. Den Fisch kannst du ihr darin gut als eine gute Portion einlegen.</p>
          <p>Als Braten im Brotleib: Willst du ihr dann einen Braten geben, so brate ihn in einem Laib Brot. Diesen Brotleib musst du in der Mitte auseinanderschneiden. Daraus musst du die Brotkrume entnehmen und den Fisch, den du braten willst, in die Rinde legen. Schneide einige Löcher in die Rinde und bestreiche die Rinde mit einem Teig. Schiebe ihn dann in den Ofen und lasse ihn backen, was du geheizt hast. Und wenn es dann genug gebacken ist, nimm es heraus. Diesen Fisch kannst du gut geben, wenn die Dame vier Wochen alt ist. Gib dann ein wenig Gallerte darauf und serviere es zum Essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stock visch">Stockfisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wasser das gesalczen sey">Salzwasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein anders wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="czway air">Eier</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wol erlessen weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein frische ymberr">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscat plue">Muskatblüte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy sulcz">Sülze</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ainem laybel protts">Brotlaib</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einem taig">Teig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig galraydt">Gallerte</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-157">
        <head>Ritual zur Entlarvung eines Giftmischers</head>
        <div type="original" xml:id="mon-157-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-157-trans">
          <p>ITem wil dw Innen werden wan man dir auß ainem essen ist So nym ge= weychcz honig das an dem oster tag ge= weicht ist worden vnd s? vier pfabem federen die chlain spiegel haben vnd ein chochsilber das geweicht ist warnn an dem ostertag nym dw das ls alsamer yegliß ain ainIn haben vedt vnd streichs an drew endt auff das das man dir geessen hatt vnd sprich czw iglichen stucklen ain patter noster sand ele= na so sicz dw in ainer stuben vnd voderst das gancz hauß volck czam ist es genatnper das es von dem mut gett oder das dem leib so sprich so czw iglichem ich frag dich in sandt elena nam als der sich selber schuldig gab so wirstu gewar weligs das gethan hat so wird es von stund an oben vnd vntten vonn Im genn so wirt man In welicher das getan hatt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-157-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-157-orig">
          <p>Item, willst du erfahren, wenn dir jemand etwas in ein Essen getan hat: So nimm geweihten Honig, der am Ostertag geweiht worden ist, und suche vier Pfauenfedern, die kleine Spiegel haben, und ein Quecksilber, das am Ostertag geweiht worden ist.</p>
          <p>Nimm du es allesamt, jedes einzeln habend, und streiche es an drei Enden auf das, was man dir zu essen gegeben hat. Und sprich zu jedem Stücklein ein Vaterunser, Sankt Helena.</p>
          <p>Dann sitze du in einer Stube und versammle das ganze Hausvolk. Ist es so beschaffen, dass es vom Gemüt kommt oder den Leib betrifft, so sprich zu jedem: 'Ich frage dich im Namen der heiligen Helena, als der, der sich selbst schuldig gab.' So wirst du gewahr, wer das getan hat. Dann wird es von Stund an oben und unten von ihm gehen, so wird man ihn gewahr, welcher das getan hat.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ge=weychcz honig das an dem oster tag ge=weicht ist worden">Honig (geweiht am Ostertag)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vier pfabem federen die chlain spiegel haben">Pfauenfeder (mit kleinen Spiegeln)</ingredient> - 4</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein chochsilber das geweicht ist warnn an dem ostertag">Quecksilber (geweiht am Ostertag)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-158">
        <head>Krebs-Prancz mit Branntwein</head>
        <div type="original" xml:id="mon-158-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-158-trans">
          <p>ITem wil dw machen ain prancz von krepphssen so nym die grossen chrewssen die dw gehaben magst an ain funffczigk so gewß ein halb prancz malsel wein wan sy dan gesotten sein so seich den wein ab vnd waich ain wenig weyß prott dar ein deck es czw dy chrewssen schar dy 1/2 laß dw waidenlich dy hopfel die laß auch dy anderen schall dy mustu stossen wan es dan gestossen sey so nym das prowtt vnd den wein vnd streychs mit ein ander durch sey es czw weis so mers mit einem prantten wein so thue es dan in ein newß schaffel temperir es ab mit musca vnd mit musca plue mit ymber das es nit czw rass werdt mach ym ein gestalt mit saffran so nym ein geschubcz prettel das vber das heffen recht sey da sneydt ain lochel durch das prettel so thue ain loffel durch das haffendel das pretl oben dar vber vnd ruer es furstdar so nymm dy chrewssen schar vnd mach dir ain pa= fessen do steck dy chrewssen schar dar ein dy dw gemacht hast leg es auff ein flossew schussel dy hossel auff vmb die posselen so gews das gesotten dar ein das dw ge= sotten hast in dem haffen lueg das man dir mit nichte dar ein greyff so chumb es also ganz auff den tisch machstu es woll czw essen geben</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-158-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-158-orig">
          <p>Willst du einen Prancz von Krebsen zubereiten, so nimm etwa fünfzig große Krebse, die du bekommen kannst. Gieße ein halbes Maß Wein hinzu. Wenn die Krebse dann gekocht sind, seihe den Wein ab und weiche ein wenig Weißbrot darin ein.</p>
          <p>Decke die Krebsschalen zu. Die Hälfte der Krebsschwänze lass ganz, die anderen Schalen musst du im Mörser stoßen. Wenn es dann gestoßen ist, nimm das Brot und den Wein und streiche es miteinander durch. Sollte es zu hell sein, so mehre es mit einem Branntwein.</p>
          <p>Gib es dann in eine neue Schüssel und temperiere es mit Muskatnuss, Muskatblüte und Ingwer ab, sodass es nicht zu scharf wird. Gib ihm eine Farbe mit Safran. Nimm dann ein geschobenes Brettchen, das genau über das Häfchen passt. Schneide ein kleines Loch durch das Brettchen. Stecke einen Löffel durch das Häfchen, das Brettchen oben darüber, und rühre es hin und her.</p>
          <p>Nimm dann die Krebsschalen und forme dir kleine Pofesen. Stecke die Krebsschalen, die du vorbereitet hast, hinein. Lege diese auf eine flache Schüssel und ordne die Krebsschalen um die Pofesen an. Gieße das Gekochte, das du in dem Topf gesotten hast, hinein. Sieh zu, dass man dir mitnichten hineingreift, so kommt es also ganz auf den Tisch. Dann kannst du es gut zu essen geben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="die grossen chrewssen">Krebse</ingredient> - 50</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein halb prancz meff malsel wein">Wein</ingredient> - 0.5 l</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain wenig weyß prott">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy chrewssen schar">Krebsschalen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy hopfel">Krebsschwänze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy anderen schall">Krebsschalen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prantten wein">Branntwein (Weinbrand)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="musca">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="musca plue">Muskatblüte (Macis)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-159">
        <head>Krähendes Huhn als Schaugericht</head>
        <div type="original" xml:id="mon-159-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-159-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein huen das auff dem tisch kra so gee hin vnd tott das huen das ym der chragen gancz beleib wider dw es das dw es nicht zerreist nym den chropff hindten ausser das er vor gancz beleib vmb den ch= roppel mach das Im der hals stee als eim huen der da krat pratt dw es+ chuell ab vnd begewß offt mit smalcz wan es pratten sey so thue ym chochsilber in den leib vnd hals das man es dann Snell fuer secz so chrat es dan auff dem tisch vnd ist selczsam etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-159-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-159-orig">
          <p>Willst du ein Huhn zubereiten, das auf dem Tisch kräht, so geh hin und töte das Huhn. Achte darauf, dass ihm der Kragen ganz bleibt. Wende es so, dass du es nicht zerreißt. Nimm den Kropf von hinten heraus, aber so, dass er vorne ganz bleibt.</p>
          <p>Um den Halsansatz herum richte es so her, dass der Hals wie bei einem krähenden Huhn aufrecht steht. Brate es, kühle es ab und begieße es oft mit Schmalz. Wenn es gebraten ist, so gib Quecksilber in seinen Leib und Hals, damit man es dann schnell vorsetzt. So kräht es dann auf dem Tisch und ist seltsam anzusehen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein huen">Huhn</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chochsilber">Quecksilber</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-160">
        <head>Sülze mit Schaufischen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-160-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-160-trans">
          <p>ITem will dw ein sulcz mach da le= bentig visch vntter gendt so nym dw mett da sewt dw dy visch Innen / welcher lay dw sulczen wilt vnd dy chlain vischel dy dw vntten auff dy schussel lassen wilt dy sewdt in lautterem wein ab vnd nym ein chochsilber vnd thue in iglichcz vischel als ain arbayssen vnd wan dw dy vischel dy dw sunst wilt sulczen dy dw legst auff dy chlain dy temperir mit ymber vnd mit muscat plue dy sulcz / gewß/vnd/ dy sulcz chalt wan es gestett So mag mans woll herren fur seczen etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-160-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-160-orig">
          <p>Willst du eine Sülze zubereiten, unter die lebendige Fische gegeben werden sollen, so nimm Met und siede darin die Fische, welche Art du sülzen möchtest.</p>
          <p>Die kleinen Fischlein, die du unten auf die Schüssel setzen willst, die siede in klarem Wein ab. Nimm dann Quecksilber und gib in jedes Fischlein eine Menge wie eine Erbse. Wenn du die Fischlein, die du sonst sülzen möchtest, auf die kleinen legst, dann würze die Sülze mit Ingwer und Muskatblüte.</p>
          <p>Gieße die Sülze kalt auf, wenn sie fest wird. So kann man sie wohl den Herren vorsetzen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sulcz">Sülze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mett">Met (Honigwein)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy visch">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy chlain vischel">Kleine Fische</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lautterem wein">Klarer Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chochsilber">Quecksilber (hochgiftig!)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain arbayssen">Erbse (als Größenreferenz)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscat plue">Muskatblüte</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-161">
        <head>Vogel in Pastete mit Federkleid</head>
        <div type="original" xml:id="mon-161-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-161-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein pachens da lembtig vogel In sindt so gee hin vnd secz ein morsar auff ain chuedt vnd nym als manig als manig ay als dw es machen wilt so nym pettersill vnd saluan vnd hack den chlain so nym weinper dar vndder vnd temperir es vnder die air nym dw ein holcz ein ch= nospel als ein faust wann das smalcz haizz ist in dem morsar so secz das chnospel dar ein vnd gewß dy ayr dar auff deck es mit einer haffendeck vnd pratt es chuel ab vnd wan es pachen Ist so nym dw einen rauchen vogel czeuch Imdas palgel ab vnd das swanczel vnd das flugel vnd das / gancz / haupp / beleib so pratt dw den vogel vnd begewß Inn mit smalcz vnd nym chochsilber da thue in den vogel wan es gepratten sey In der groß als ein pann der macht dw gemachen wieuill dw wilt vnd czeuch Im das palgel wider vber den vogel so ist er wider rauch nym dw das pachen vnd sneyd es von ein ander das chnospel nym her wider auss das dw hin ein hast gelegt vnd secz den vogel an die statt vnd temperir es durch ein anderr mit einem ayr tutter das es pachen werdt gib es haiß czw essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-161-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-161-orig">
          <p>Wenn du eine Pastete machen willst, in der lebendige Vögel sind, dann stelle einen Mörser auf die Glut. Nimm so viele Eier, wie du für die Pastete verwenden möchtest. Nimm Petersilie und Salbei und hacke sie klein. Gib Rosinen dazu und verrühre sie unter die Eier.</p>
          <p>Nimm einen Holzknüppel von Faustgröße. Wenn das Schmalz im Mörser heiß ist, setze den Knüppel hinein und gieße die Eier darauf. Decke es mit einem Topfdeckel zu und brate es langsam gar. Wenn es gebacken ist, nimm einen befiederten Vogel, ziehe ihm den Balg mit den Federn ab, dazu Schwanz und Flügel, und der ganze Kopf soll daran bleiben.</p>
          <p>Brate den Vogel und begieße ihn mit Schmalz. Nimm Quecksilber und gib es in den Vogel, wenn er gebraten ist, in der Größe wie eine Bohne - davon kannst du machen, wieviel du willst. Ziehe ihm den Federbalg wieder über den Vogel, so ist er wieder befiedert.</p>
          <p>Nimm die Pastete und schneide sie auseinander. Nimm den Knüppel wieder heraus, den du hineingelegt hast, und setze den Vogel an dessen Stelle. Verbinde es miteinander mit einem Eidotter, damit es wie eine Pastete wird. Gib es heiß zu essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ay / air / ayr tutter">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saluan">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vogel">Vogel (befiedert)</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chochsilber">Quecksilber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pastetenteig (implied)">Pastetenteig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-162">
        <head>Fladen von Kalbslunge mit Gewürzen und Zucker</head>
        <div type="original" xml:id="mon-162-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-162-trans">
          <p>ITem ein fladen von chals flungel nym dy lungel vnd woll sieden vnd thue dy druezz da von vnd hack sy auster massen chlain hastu nicht weinper so nym oppffel vnd hack das dar vnder vnd slach ayr dar an vnd geburcz mit ymber pheffer saffran vnd mach rodinaglin von weyssem melb nym milich dar czw / czw der podl vnd wann die nun ge macht sein so haiß das offendel gar woll czestreichen dy full auff dy podel mul dicker dan eins halben finger vnd schewß in das offendel vnd laß woll pachen vnd gib sy also hayß cze essen mit czucker</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-162-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-162-orig">
          <p>Nimm die Kalbslunge und siede sie gut. Entferne die Drüsen davon und hacke die Lunge äußerst fein. Hast du keine Rosinen, so nimm Äpfel und hacke diese darunter. Schlage Eier daran und würze mit Ingwer, Pfeffer und Safran.</p>
          <p>Bereite kleine Teigstückchen aus weißem Weizenmehl zu und nimm Milch dazu, um daraus den flachen Teig (Podl) zu formen. Wenn diese nun gemacht sind, so lasse den Ofen sehr gut einfetten.</p>
          <p>Verteile die Füllung auf dem flachen Teig, dicker als ein halber Finger, und schiebe es in den Ofen. Lasse es gut backen und serviere es dann heiß mit Zucker zum Essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chals flungel / lungel">Kalbslunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="druezz">Drüsen (entfernt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oppffel">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weyssem melb">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milich">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-163">
        <head>Fladen aus Fischrogen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-163-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-163-trans">
          <p>ITem fladel von visch rogen nym aller lay visch rogen allain parben rogen nicht vnd stoz die woll in einem mor= sar das er wirt als ein strawben taig vnd stoz dar vndern ein wenig weyß prott vnd streich es durch ein tuech gburcz ab mit ymber saffran czymerrrintten mach pode mal von weissen melb vnd lautter wasser vnd salcz dy ful wan dw dy pode= mal hast gemacht vnd der offen woll gehaiczt ist so streich dy full auff pode mall vnd schueß sy in den offen vnd laß pachen wan sy nun pachen sind so gib haiß czw essen mit zucker</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-163-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-163-orig">
          <p>Nimm Fischrogen aller Art, jedoch keinen Barbenrogen. Stoße den Rogen gut in einem Mörser, bis er die Konsistenz eines Straubenteiges annimmt. Stoße dann ein wenig Weißbrot darunter und streiche die Masse durch ein Tuch. Würze sie mit Ingwer, Safran und Zimt.</p>
          <p>Bereite einen dünnen Fladen aus Weizenmehl und klarem Wasser zu. Salze die Füllung (das Rogenmus). Wenn du den Fladen gemacht und der Ofen gut geheizt ist, streiche die Füllung auf den Fladen und schiebe ihn in den Ofen. Lasse ihn backen.</p>
          <p>Sobald die Fladen gebacken sind, serviere sie heiß mit Zucker bestreut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aller lay visch rogen allain parben rogen nicht">Fischrogen (außer Barbenrogen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig weyß prott">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czymerrrintten">Zimt, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weissen melb">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="latter wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-164">
        <head>Fisch-Rebhuhn in der Fastenzeit</head>
        <div type="original" xml:id="mon-164-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-164-trans">
          <p>ITem von reb huen in der vasten nym groß visch wellicher lay dy sind den nur hechten nit vnd thue dy stuppen vnd dy gratt da von vnd hack dy pratten gar chlain vnd gburcz dy mit ymber saffran vnd pheffer vnd beschaidenlich salcz ein wenig weiß prowt hachk dar vnder chlain la dir graben czbay holczel wan sy czw samen taucht das sy ein formm machen als rebhuen vnd thue den pratten dar ein vnd pind dy holczer wol mit einer guetten Snuer etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-164-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-164-orig">
          <p>Für ein Rebhuhn in der Fastenzeit nimm große Fische, welcher Art sie auch sein mögen, nur keinen Hecht. Entferne die Schuppen und die Gräten davon und hacke das Fischfleisch sehr klein. Würze es mit Ingwer, Safran und Pfeffer und salze es bescheiden. Hacke ein wenig weißes Brot fein darunter.</p>
          <p>Lass dir zwei Hölzchen schnitzen, die, wenn sie zusammengefügt werden, eine Form wie ein Rebhuhn ergeben. Gib das vorbereitete Fischmus hinein und binde die Hölzer gut mit einer guten Schnur zusammen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="groß visch wellicher lay dy sind den nur hechten nit">Fischfilet (gräten- und schuppenfrei)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig weiß prowt">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="czbay holczel wan sy czw samen taucht das sy ein formm machen als rebhuen">Holzform (Rebhuhn-Gestalt)</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Snuer">Küchengarn</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-165">
        <head>Rebhuhn-Imitat aus Fischbraten</head>
        <div type="original" xml:id="mon-165-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-165-trans">
          <p>ITem von den selbigen visch pratten machstu wol gemachen einen rebhuenn pratten als das rebhuen vnd gib in also hay= ssen czw essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-165-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-165-orig">
          <p>Aus demselben Fischbraten kannst du gut einen Rebhuhn-Braten zubereiten, der wie ein Rebhuhn geformt ist. Serviere ihn dann heiß.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den selbigen visch pratten">Fischbraten (fertig zubereitet)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-166">
        <head>Gefüllte Morcheln vom Spieß (Fastenzeit)</head>
        <div type="original" xml:id="mon-166-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-166-trans">
          <p>ITem von dem selbigen pratten In der vasten sol man nemmen morchen haist mans maurachen vnd sol die fullen mit weinper vnd mit mandel chlain gehackt durch ein ander vnd einen spiß gestossen vnd pratten betrawppf sy mit oll od mit smalcz etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-166-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-166-orig">
          <p>Nimm von dem besagten Braten in der Fastenzeit Morcheln, die man auch Maurachen nennt.</p>
          <p>Fülle diese Morcheln mit Weinbeeren und klein gehackten Mandeln, die du zuvor miteinander vermischt hast. Stecke sie dann auf einen Spieß und brate sie.</p>
          <p>Beträufle die Morcheln beim Braten mit Öl oder (pflanzlichem) Schmalz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="morchen haist mans maurachen">Morcheln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel chlain gehackt">Mandeln, gehackt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="oll">Pflanzenöl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Pflanzenfett (Fasten-Schmalz)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-167">
        <head>Fisch-Element in der Fastenzeit</head>
        <div type="original" xml:id="mon-167-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-167-trans">
          <p>ITem ein element von vischen in der vasten nym groß visch welicher das sindt vnd laß sy sieden auff halben weg thw dy stupp vnd gratt all da uon vnd la dirß woll stossen In ainem morsar nym ein be= schaiden hait leczelten vnd reib das dar vnder nym guetten wein waich dy hausen nassen von ersten woll in dem wein vnd laß die dan besunder sieden nym ein wenig honig vnd ein wenig esseich vnd wein als vill dich bedunckt das dw sein genugen habst vnd temperir das durch ein ander vnd streiß durch auff das aller dickist nym dan nagel uil mer dan pfheffer vnd ymberer vnd mach das selb in das element auff ein praitew schussel vnd lass vber nacht sten vnd sneydt es dan vnd wan dw es czw essenn wilt geben so gib es chalt mit czucker oder mit zinamomi vnd salcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-167-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-167-orig">
          <p>Nimm große Fische, welche es auch immer sind, und lass sie zur Hälfte sieden. Entferne dann alle Schuppen und Gräten davon und lass das Fischfleisch gut in einem Mörser stoßen.</p>
          <p>Nimm eine angemessene Menge Lebkuchen und reibe diesen unter das Fischmus. Nimm guten Wein und weiche die Hausenblase zuerst gut in diesem Wein ein. Lass die Hausenblase dann gesondert sieden.</p>
          <p>Nimm ein wenig Honig und ein wenig Essig und Wein, so viel dich dünkt, dass du genug davon hast. Vermische dies alles miteinander und seihe es durch, um die dickste Konsistenz zu erreichen. Nimm dann Nelken, viel mehr als Pfeffer und Ingwer, und gib diese Gewürze unter die Fischmasse.</p>
          <p>Gib alles auf eine breite Schüssel und lass es über Nacht stehen. Schneide es dann in Stücke. Wenn du es zu essen geben willst, serviere es kalt, bestreut mit Zucker oder mit Zimt und Salz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="groß visch welicher das sindt">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein beschaiden hait leczelten">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hausen nassen">Hausenblase</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig esseich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagel uil mer dan pfheffer">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymberer">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zinamomi">Zimt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-168">
        <head>Fischrogen-Fladen mit Mandeln und Rosinen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-168-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-168-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein geweichcz in der vasten so nym visch rogen von aller lay vischen den von perben nit vnd la die selbi= gem clain stossen das es wirdt als ein s= trawben taig dunne vnd thue ein wenig weyß melbs dar vnder vnd salcz beschai= denhait streich es durch Ingwer saffrann czimmerrintten das thue dar ein mach pode malein von taig streich das dar auff vnd pach das in einem offellein nym wol gesch= elten mandel wol durch lesen vnd wel dy weinper woll In wein das sy synibell werden vnd wan dw die fladel czw essen gibst so be= steck sy mit den mandel vnd stra dy weinper dar auff vnd gib es haiß czw essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-168-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-168-orig">
          <p>Item, willst du ein zartes Gericht für die Fastenzeit zubereiten, so nimm Fischrogen von allerlei Fischen, jedoch nicht den von Barben. Lass diesen Rogen sehr fein stoßen, sodass er dünn wird wie ein Straubenteig. Gib ein wenig weißes Mehl darunter und salze es nach Bescheidenheit. Arbeite Ingwer, Safran und Zimt gründlich hinein - das gib alles dazu.</p>
          <p>Bereite flache Teigfladen zu. Streiche das Fischrogenmus darauf und backe es in einem kleinen Ofen. Nimm gut geschälte, sorgfältig verlesene Mandeln. Wälle die Rosinen gut in Wein auf, sodass sie rund und prall aufquellen.</p>
          <p>Wenn du die Fladen zum Essen gibst, bestecke sie mit den Mandeln und streue die Rosinen darauf. Serviere es heiß.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch rogen von aller lay vischen den von perben nit">Fischrogen (nicht von Barben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weyß melbs">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingwer">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffrann">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czimmerrintten">Zimt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Mehl (für Fladen, impliziert)">Mehl (für Fladen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wasser (für Fladen, impliziert)">Wasser (für Fladen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wol gesch= elten mandel">Mandeln, geschält</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-169">
        <head>Hecht in gesulzter Mandelmilch</head>
        <div type="original" xml:id="mon-169-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-169-trans">
          <p>ITem ein gesulzte mandel milich machen nym mandel ein genugen vnd la dy czw mal woll stozzen in ein morsar vnd+ das hawssen plasen ein nacht oder ein tag wol gewaickt sein in einem wasser oder wein nu laß dy hawsen plasen sieden vnd str= eich denn mandel vnd hawsen plasen mit der prue mit ein ander durch vnd mach gar ein guette dicke mandel milich vnd thue musca pluedt gestossen vnd czimerrintten ains als vill als der anderen wan dy man= del milich ab ist gesoten so gburcz es ab mit der musca pluedt vnd mitder czi= merrintten vnd temperiris woll durch ein ander vnd gewß auff ain praittew schussel+ vnd laß vber nacht sten wil dw dan gernn das es rott sey so nym dise ander vnd verib si halbe ab vnd gewß die selbig besunder auff ein schussel von den selben magstu wol machen choll vnder phiffarling von der weissen mandel milich magstu wol gemachen ein hechten in einer gesulczten mandel milich Nym ein + hechten der nicht czw groß sey vnd sneidt in pey dem hawpp auff mach dir ein holcz da mit dw im dy hawtt gelassen magst vnd czeuch im dy hautt ab pis auff den czagel das sy gancz beleibee vnd laß den pratten allen schon da von + vnd czeuch die hawtt wider vber vnd ein grosse phann mit siedung wasser leg die hautt dar ein mit hawbt mit all das + woll siedt vnd salcz + wan sy wol gesoten Ist So laß sy inder phann stan als lang pis das wasser dar an erchalt So nym es dan her auß vnd mach holzer in ein haffen ist das sy eben her auß genn mach den haffen dar czw das er dar Inn ge= sten mag vnd gewß die gesulcz man= del milich in die haut vnd full die czw vnd secz den haffen ab dem wege vnd laß den hechten dar in stann vnd wen er gestanden ist so sneidt in czw scheiben vnd leg das hawp stuckel dar czw vnd gib inn czw essen mit czucker</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-169-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-169-orig">
          <p>Um eine gesulzte Mandelmilch zuzubereiten, nimm eine ausreichende Menge Mandeln und lasse sie zweimal gut in einem Mörser zerstoßen. Die Hausenblase soll eine Nacht oder einen Tag lang gut in Wasser oder Wein eingeweicht sein. Lasse nun die Hausenblase sieden und streiche dann die Mandeln und die Hausenblase mit der Brühe miteinander durch. Bereite eine sehr gute, dicke Mandelmilch zu.</p>
          <p>Gib gestoßene Muskatblüte und Zimtrinde hinzu, jeweils zu gleichen Teilen. Wenn die Mandelmilch fertig gesotten ist, würze sie mit der Muskatblüte und der Zimtrinde und vermenge alles gut miteinander. Gieße die Masse auf eine breite Schüssel und lasse sie über Nacht stehen.</p>
          <p>Willst du, dass es rot sei, so nimm die andere Hälfte und färbe sie zur Hälfte rot. Gieße diesen gefärbten Teil separat auf eine Schüssel. Aus derselben Mandelmilch kannst du auch ‚Kohlen unter Pfifferlingen‘ zubereiten. Aus der weißen Mandelmilch kannst du auch einen Hecht in gesulzter Mandelmilch zubereiten.</p>
          <p>Nimm einen Hecht, der nicht zu groß ist, und schneide ihn am Kopf auf. Bereite dir ein Holz vor, mit dem du ihm die Haut lösen kannst, und ziehe ihm die Haut bis zum Schwanz ab, sodass sie ganz bleibt. Löse das gesamte Fleisch sauber davon ab. Ziehe die Haut wieder über das Holz.</p>
          <p>Lege die Haut mit dem Kopf und allem in eine große Pfanne mit siedendem Wasser, lasse es gut sieden und salze es. Wenn sie gut gesotten ist, lasse sie in der Pfanne stehen, bis das Wasser darin erkaltet ist. Nimm sie dann heraus und stecke Hölzer in einen Topf, sodass sie gerade herausragen. Richte den Topf so her, dass die Haut darin stehen kann.</p>
          <p>Gieße die gesulzte Mandelmilch in die Haut und fülle sie damit. Stelle den Topf beiseite und lasse den Hecht darin fest werden. Wenn er fest geworden ist, schneide ihn in Scheiben, lege das Kopfstückchen dazu und serviere ihn mit Zucker.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel ein genugen">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hawssen plasen">Hausenblase</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser oder wein">Wasser oder Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="musca pluedt gestossen">Muskatblüte, gestoßen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czimerrintten">Zimtrinde</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="hechten der nicht czw groß sey">Hecht (nicht zu groß)</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-170">
        <head>Gallerte auf Schauplatte</head>
        <div type="original" xml:id="mon-170-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-170-trans">
          <p>ITem ein galraydt von slechtem pedem la dir machen ein kraucz das dunne sey wan man das auff den podem secz das es geleich auff stee das der podem woll gehobelt sey vnd ganncz Nw nym thue fueß die da schon gepratten sein die sewdt gar woll das die payn all da uon vallenn die weill die fuesß sieden die waill laß dir stossen mandel vnd pettersill chlain gehacht vnd auch woll gestossen dar nach soltu die chue fuesß woll stozzen vnd tail sy in viertaill vnd streich die mandel mit ain taill vnd den pettersill mit dem anderen taill mit der prue / streich dar nach dy czway taill mit ein ander durch vnd nym es halbs vnd verbs gelb ab das ander taill verb Swarcz ab mit ainem linden ckoll vnd mit nagel vnd gesodtne hunnr vnd span= fackel das das auch gesoten sey von vogel groß oder chlain die grossen an ainen spiß gepratten dy chlain In ainem smalcz woll gerost vnd wan das gar ab beraidt ist so geburcz am erstem die mandel milich mit czimerrintten vnd musca plued wan sy ab gesoten ist mit czuckerr sunst gemacht mit honig das gruen vnd das gel sol sawber sein mit esseich vnd mit wein wan dw die vier plue hast ab gewelt So secz das chrawt auff den podem vnd mach ein starcken taig von ro= ckchem melb vnd mach einen rowst vmb das chrawdt vnd leg dy hunnr auff ain taill vnd dy vogel auff das ander taill gesotten visch auf das tritt taill die span= vackel oder sweinen fuesß auff das fier= taill so nym dan die prue vnd gewß auff dy visch auff die gelben prue auff die + hunnr dy weissen prue auff die vogel dy swarcz prue + Der tail mach acht das al= beg dy weiß prue vnd die swarcz gegen= ein ander sagen vnd dy gruen vnd die gelb auch gegen einander In iedem veldt also secz vnd laß die nacht sten vnd des margen wan man fur soll tragen so thue den taig her ab vnd schaw das chain taig auff dem podem weleib czeuch dy span gar seyberleich her auff das dw die galraidt nicht czw pregst dar nach nym das chrewcz pey der mitt vnd hab das auch her ausß die leistel da das chrewcz ist gewessen das gehordt czw vergolden vnd welicher vogl das hawpp vber sich reckt das sol man auch vergolden das gibt man hin fur preydt essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-170-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-170-orig">
          <p>Lass dir eine Gallerte auf einer schlichten Platte zubereiten. Fertige dazu ein Trennkreuz an, das dünn sei, damit es, wenn man es auf die Platte setzt, gleichmäßig aufliegt. Die Platte soll wohl gehobelt und ganz sein.</p>
          <p>Nimm nun, tue Füße hinein, die schon gebraten sind, und siede sie gar wohl, sodass die Knochen alle davon fallen. Während die Füße sieden, lass Mandeln stoßen und Petersilie klein hacken und auch wohl stoßen. Danach sollst du die Kalbsfüße wohl stoßen und sie in Viertel teilen. Streiche die Mandeln mit einem Teil und die Petersilie mit dem anderen Teil mit der Brühe. Streiche danach die zwei Teile miteinander durch.</p>
          <p>Nimm die Hälfte davon und färbe sie gelb mit Safran. Das andere Teil färbe schwarz mit einer milden Holzkohle und mit Nelken. Bereite gesottene Hühner und gesottenes Spanferkel vor. Auch Vögel, groß oder klein, sollen gesotten sein. Die großen brate an einem Spieß, die kleinen röste wohl in Schmalz.</p>
          <p>Wenn alles gar zubereitet ist, würze zuerst die Mandelmilch mit Zimtrinde und Muskatblüte. Wenn sie abgesotten ist, süße sie mit Zucker, sonst mit Honig. Das Grüne und das Gelbe (die Saucen) sollen sauber sein, mit Essig und mit Wein. Wenn du die vier Brühen (Saucen) ausgewählt hast:</p>
          <p>Setze das Trennkreuz auf die Platte und mache einen starken Teig aus Roggenmehl. Mache einen Rahmen aus diesem Teig um das Trennkreuz. Lege die Hühner auf ein Feld und die Vögel auf das andere Feld, gesottenen Fisch auf das dritte Feld, das Spanferkel oder die Schweinefüße auf das vierte Feld.</p>
          <p>Nimm dann die Brühe und gieße sie auf den Fisch. Die gelbe Brühe gieße auf die Hühner, die weiße Brühe auf die Vögel, die schwarze Brühe auf die übrigen Speisen. Achte darauf, dass immer die weiße Brühe und die schwarze einander gegenüberliegen und die grüne und die gelbe auch einander gegenüberliegen. Setze es in jedem Feld so ein und lass es die Nacht stehen.</p>
          <p>Des Morgens, wenn man es vortragen soll, tue den Teigrahmen herab und schau, dass kein Teig auf der Platte verbleibt. Ziehe die Sägespäne gar säuberlich herauf, damit du die Gallerte nicht zerbrichst. Danach nimm das Kreuz bei der Mitte und hebe es auch heraus. Die Leisten, wo das Kreuz gewesen ist, gehören vergoldet. Und welcher Vogel den Kopf über sich reckt, den soll man auch vergolden. Das gibt man hin für ein Prachtessen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="slechtem pedem">Servierplatte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kraucz">Trennkreuz (aus Holz)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="thue fueß / chue fuesß">Kalbsfüße (als Gelierbasis)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie, frisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prue">Brühe (von den Kalbsfüßen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gelb">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ckoll">Holzkohle (milde, zum Färben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagel">Gewürznelken, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hunnr">Hühner (gesotten)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="span= fackel">Spanferkel (gesotten)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vogel">Geflügel (gesotten, gebraten oder geröstet)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schweineschmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel milich">Mandelmilch (als weiße Brühe)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czimerrintten">Zimtrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="musca plued">Muskatblüte (Macis)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czuckerr">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ro= ckchem melb">Roggenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rowst">Rahmen (aus Roggenteig)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch">Fisch (gesotten)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sweinen fuesß">Schweinefüße (als Alternative zu Spanferkel, viertes Feld)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="span">Sägemehl (fein, unbehandelt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vergolden">Blattgold (essbar)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gelben prue">Gelbe Brühe (mit Safran)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="swarcz prue">Schwarze Brühe (mit Holzkohle und Nelken)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weissen prue">Weiße Brühe (Mandelmilch)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gruen prue">Grüne Brühe (nicht näher beschrieben)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-171">
        <head>Gefüllte Gründlinge mit Zimt</head>
        <div type="original" xml:id="mon-171-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-171-trans">
          <p>ITem wil dw gefult grundel machen nym die grossen grundel so dw sy magst gehaben vnd thue sy in ein frischs wasser vnd mach dar nach ein guette mandel milich mit zucker vnd gestossen czymmerrintten dar ein vnd laß die grundel durch die handt lauffen ye aine nach der anderen In ein an= ders frisch wasser Also laß durch trew oder vier wasser nach ein ander lauffen Vnd czvm lesten laß sy durch die hanndt lauffen in dy mandel milich vnd wan sy al dar Inn er truncken sind so hab ein phan mit siedunden wasser vnd heb sy auß der mandel milich mit einem faym loffel In das wasser vnd das das wasser nicht versalczen sey vnd laß dar Innen sieden gibs haiß czw essen mit czymoen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-171-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-171-orig">
          <p>Willst du gefüllte Gründlinge zubereiten, so nimm die größten Gründlinge, die du bekommen kannst. Lege sie in frisches Wasser.</p>
          <p>Bereite danach eine gute Mandelmilch mit Zucker und gestoßener Zimtrinde zu. Lass die Gründlinge einzeln, einen nach dem anderen, durch deine Hand in ein anderes frisches Wasser gleiten. Wiederhole diesen Vorgang mit drei oder vier Wasserdurchgängen nacheinander.</p>
          <p>Zuletzt lass die Gründlinge durch deine Hand in die Mandelmilch gleiten. Wenn sie alle darin getränkt sind, halte eine Pfanne mit siedendem Wasser bereit. Hebe die Gründlinge mit einem Schaumlöffel aus der Mandelmilch in das Wasser. Achte darauf, dass das Wasser nicht gesalzen ist, und lass die Gründlinge darin sieden.</p>
          <p>Serviere sie heiß mit Zimt bestreut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die grossen grundel">Gründlinge, groß</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frischs wasser">Frisches Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein guette mandel milich">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gestossen czymmerrintten">Zimtrinde, gestoßen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="siedunden wasser">Siedendes Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czymoen">Zimt</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-172">
        <head>Dreifarbiges Mandelmus mit Füllung</head>
        <div type="original" xml:id="mon-172-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-172-trans">
          <p>ITem von ainem schefczelten gemueß wan dw hast ein mandel cziger ge= macht so nym In vnd tail yn in drew taill vnd verb das ain tail gruen ab mit pettersill das ander gelb mit saffran / das tritt laß nicht weiß vnd mach ein fuell gleich als czw dem ygel das selb hack chlain vnd gburcz woll ab Auch soltu das gruen mit yngwer vnd mit czymer= rintten gburczen das weiß mit czucker das gelb auch mit yngwer / streich czw dem ersten an das weiß auff ein schussel langklat dar nach dar swarcz czw nagst da pey das gruen an dem swarczen ver= golt mandel ckernn sol man das swarcz vnd weiß nicht bedecken / Dar nach mandel ckernn die vber silbert sein sol man das gelb vnd das grun nicht bedeckhen ob dw des golcz nicht gehaben macht so nym rotten confertt vnd weissen vnd das weiß bestra mit rottem das swarcz mit weissem das gelb mit rottem das gruenn mit weissem</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-172-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-172-orig">
          <p>Ein Mandelmus-Fladen: Wenn du einen Mandel-Käse-Ersatz gemacht hast, dann nimm ihn und teile ihn in drei Teile. Färbe den einen Teil grün mit Petersilie, den anderen gelb mit Safran. Den dritten Teil lass weiß.</p>
          <p>Mache eine Füllung, gleich wie für den Igel. Diese hacke klein und würze sie gut. Auch sollst du das Grüne mit Ingwer und Zimtrinde würzen, das Weiße mit Zucker, das Gelbe ebenfalls mit Ingwer.</p>
          <p>Streiche zuerst das Weiße lang und flach auf eine Schüssel. Danach die dunkle Füllung daneben, und daneben das Grüne, angrenzend an die Füllung.</p>
          <p>Vergoldete Mandeln sollen die dunkle Füllung und das Weiße nicht bedecken. Versilberte Mandeln sollen das Gelbe und Grüne nicht bedecken. Wenn du das Gold nicht haben kannst, dann nimm rote und weiße Konfektstücke. Bestreue das Weiße mit Rotem, die dunkle Füllung mit Weißem, das Gelbe mit Rotem und das Grüne mit Weißem.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel cziger">Mandel-Käse-Ersatz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fuell">Füllung (gezuckerte Mandelpaste, wie Mandel-Igel)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="yngwer">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czymer=rintten">Zimtrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vergolt mandel ckernn">Mandeln, vergoldet</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vber silbert mandel ckernn">Mandeln, versilbert</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rotten confertt">Konfekt, rot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weissen confertt">Konfekt, weiß</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-173">
        <head>Gebackener Schafszagel aus Ei und Feigen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-173-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-173-trans">
          <p>ITem ein schaff czagel pachen mit air nym air vnd slach das weiß besunder den tutter auch besunder vnd laß pettersil gar woll stossen vnd czer= chloffen das weiß gar woll vnd gewß ein loffel vollen oder czwenn mit milich dar vnderr vnd ruer es ab in einem smalcz vnd schudt das auff ein tuech vnd preß da slach air vnder vnd das gruen auch dar vnder vnd ruer das selb auch ab vnd nym den air tutter vnd chlopf sy woll vnd mach ein chochel in einem chlain phan dar aus vnd schneid yeglichs besunder ains chlicz lang an der lenng vnd la dir machen spissell alsuil dw ir haben wilt vnd nym veigen auch dar czw stos am ersten ein grus an einen spisseln dar nach ein weyß dar nach ein veigen dar nach ein gelbs als pis das spissel voll wierdt mach ein taig von airen vnd czeuch die spisslein dar durch dar durch vnd pach das vnd wan dw das an wilt richten so czeuch die spissel her auß vnd sneidt sy nach der + leng auff vnd richs an vnd gibs czw essen mit czuckerr etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-173-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-173-orig">
          <p>Nimm Eier und schlage das Eiweiß separat, den Eidotter ebenfalls separat.</p>
          <p>Lasse Petersilie sehr gut zerstoßen und zerklopfe das Eiweiß sehr gut. Gieße einen oder zwei Löffel voll Milch darunter und rühre es in Schmalz ab (stocken lassen). Schütte das dann auf ein Tuch und presse es dort aus. Schlage weitere Eier darunter und auch die zerstoßene Petersilie. Rühre dasselbe ebenfalls ab.</p>
          <p>Nimm den Eidotter und klopfe ihn gut. Mache daraus einen kleinen Kuchen in einer kleinen Pfanne. Schneide jedes vorbereitete Stück (Eiweiß-Petersilien-Masse, Eidotter-Kuchen, Feigen) einzeln ein kleines Stück lang der Länge nach.</p>
          <p>Lasse dir Spieße machen, so viele du haben willst. Nimm auch Feigen dazu. Stecke zuerst ein grünes Stück (der Petersilien-Eiweiß-Masse) auf einen Spieß, danach ein weißes Stück (der Eiweiß-Masse), danach eine Feige, danach ein gelbes Stück (des Eidotter-Kuchens). Fahre so fort, bis der Spieß voll wird.</p>
          <p>Mache einen Teig aus Eiern und ziehe die Spießchen hindurch. Backe (frittiere) das Ganze. Wenn du das anrichten willst, so ziehe die Spieße heraus und schneide die gebackene Hülle der Länge nach auf. Richte es an und gib es mit Zucker bestreut zu essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersil">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="milich">Milch</ingredient> - 1 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="veigen">Feigen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czuckerr">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-174">
        <head>Gefüllte und gefärbte Pfannkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-174-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-174-trans">
          <p>ITem ge fulte pletter ge varbtew schlach air vnd nym das weiß besunder vnd die tutter besunder vnd stoz pettersill gar woll vnd slach auch air dar ein vnd chloppf + yedes wesunder gar ausß der massen woll vnd gilb dy tutter mit saffran ein wenig vnd mach auß den selbigen pletteren als vil dw haben wilt vnd von dem gruen des selben geleich vnd des weissen awch vnd das dy selben pletter dicker sein dann dy anderen vnd mach ein full mitt ophell vnd mit weinper vnd mit veigen als czw dem obblaten wan dw die pletter gefult hast So mach ein taig von airen vnd pachs dar Inne vnd gibs haiß czw essen etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-174-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-174-orig">
          <p>Nimm das Eiweiß gesondert und die Eidotter gesondert. Stoße Petersilie sehr gut. Schlage auch Eier darein und klopfe jedes gesondert über die Maßen gut. Färbe die Eidotter mit Safran ein wenig gelb.</p>
          <p>Mache aus denselben Pfannkuchen so viele, wie du haben willst, und zwar von dem grünen Teig gleichermaßen und von dem weißen Teig auch. Achte darauf, dass dieselben Pfannkuchen dicker sein sollen als die anderen.</p>
          <p>Mache eine Füllung mit Äpfeln und mit Rosinen und mit Feigen, wie für Oblaten. Wenn du die Pfannkuchen gefüllt hast, so mache einen Teig aus Eiern und backe sie darin. Gib es heiß zu essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air / weiß / tutter / airen">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ophell">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="veigen">Feigen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-175">
        <head>Mandelmilch-Töpfchen in der Fastenzeit</head>
        <div type="original" xml:id="mon-175-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-175-trans">
          <p>ITem milich topflein in der vasten mach ein guetten mandel ziger vnd der topfflein Alsso vil vnd dw ir haben wilt vnd fuell die tophlein vol pis ainen halben vinger laß lar sten wann sy ein weil in dem offlein gestanden sind das sy nachendt gepachen sindt so mach ein dicke mandel milich vnd verb dy ab mit saffran vnd gewß oben in die toppfel In den cziger vnd schewß wider in den offen vnd laß gancz pachen vnd gibs hayß czw essen mit czucker etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-175-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-175-orig">
          <p>Nimm für die Fastenzeit Mandelmilch-Töpfchen. Bereite einen guten Mandel-Ziger zu und so viele Töpfchen, wie du haben möchtest.</p>
          <p>Fülle die Töpfchen bis zu einem halben Finger unter den Rand. Lass diesen Raum leer, und wenn die Töpfchen eine Weile im Ofen gestanden sind, so dass sie beinahe gebacken sind, dann bereite eine dicke Mandelmilch zu.</p>
          <p>Färbe diese Mandelmilch mit Safran und gieße sie oben in die Töpfchen über den Ziger. Schieb die Töpfchen wieder in den Ofen und lass sie ganz durchbacken. Serviere sie heiß mit Zucker.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel ziger">Mandel-Ziger</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="topfflein">Backförmchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel milich">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-176">
        <head>Römische Pastete mit Huhn und Kirschen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-176-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-176-trans">
          <p>ITem ein romische posseten nym Iunge hunr oder vogel sewd die ab gancz auf Die statt vnd nym piessen ckrawt das schon sey vnd woll erlessen vnd weychsel prich auch von dem stingel mach ain praycz platt von taig das nicht czw dunn sey vnd schneydt speck einer guetten spann langk oder lennger vnd leg den in ein phann das der speck vber die phan her auß gee vnd praydt das platt In die phan vnd leg ein legkh wey= chsel czw den ersten vnd dar nach ein leg huener viertaill weyß vnd dar nach ein leg chrawdt auff die huener dar nach aber ein leg weichsel vnd aber ein leg hunr dar nach aber ein leg chrawtt dar auff vnd secz es auff ein gluedt + mach ein platt oben dar vber vnd sturcz ein phan oder ein plech oder ain grossew haffendeck dar vber vnd choller oben dar auff vnd wan es ein weill gepachen hatt so nym + vaistew prue vnd gewurcz dee mit yngberr vnd mach ein chlains lochel oben dar ein vnd gewß die prue dar ein vnd mach das lochel wider czw vnd gibs hayß czw essenn etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-176-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-176-orig">
          <p>Nimm junge Hühner oder anderes Geflügel und siede sie ganz gar. Nimm Mangold, der sauber und gut verlesen sei, und Sauerkirschen, die du von ihren Stielen brichst.</p>
          <p>Bereite einen breiten Teigfladen, der nicht zu dünn sei. Schneide Speck, eine gute Spanne lang oder länger, und lege ihn so in eine Pfanne, dass der Speck über den Pfannenrand hinausragt. Breite den Teigfladen in die Pfanne.</p>
          <p>Lege zuerst eine Schicht Sauerkirschen hinein, danach eine Schicht Hühnerviertel vom weißen Fleisch. Darauf folgt eine Schicht Mangold. Danach wieder eine Schicht Sauerkirschen und erneut eine Schicht Hühner, darauf wieder eine Schicht Mangold.</p>
          <p>Setze die Pfanne auf glühende Kohlen. Lege einen weiteren Teigfladen als Deckel darüber und stürze eine Pfanne, ein Backblech oder einen großen Topfdeckel darüber. Lege auch darauf Kohlen.</p>
          <p>Wenn es eine Weile gebacken hat, nimm fette Brühe und würze diese mit Ingwer. Mache ein kleines Loch oben in die Pastete und gieße die Brühe hinein. Verschließe das Loch wieder und serviere die Pastete heiß.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Iunge hunr oder vogel">Junge Hühner oder Geflügel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="piessen ckrawt">Mangold</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weychsel">Sauerkirschen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="taig">Teig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vaistew prue">Fette Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="yngberr">Ingwer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-177">
        <head>Hirschbraten in schwarzer Gewürzbrühe</head>
        <div type="original" xml:id="mon-177-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-177-trans">
          <p>ITem hiersen pratten die pratt von ersten gar woll ab vnd spichs vnd laß die + chalt werden mach ein swarczen prun mit prott ab vnd mit wein vnd mit honig vnd nagel vnd pheffer vnd laß woll dar Innen sieden das gewurcz ab so es aber nit Swarcz genug wolt werden So nym ein lindten / choll vnd verb es da mit schneidt den pratten czw scherben vnd leg In In die prue dy weil sy warmm sey vnd gib das chalt czw essen vnd das der pratten nit czw versalczen sey +</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-177-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-177-orig">
          <p>Des Weiteren: Brate den Hirschbraten zuerst sehr gut gar und spicke ihn. Lass ihn danach kalt werden.</p>
          <p>Bereite eine schwarze Brühe mit Brot, Wein, Honig, Nelken und Pfeffer zu. Lass das Gewürz darin gut sieden. Sollte die Brühe nicht schwarz genug werden, so nimm eine Lindenkohle und färbe sie damit.</p>
          <p>Schneide den Braten in Scheiben und lege ihn in die Brühe, solange diese warm ist. Gib das Gericht kalt zu essen und achte darauf, dass der Braten nicht zu versalzen ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hiersen pratten">Hirschbraten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="spichs">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prott">Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Rotwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagel">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lindten choll">Lindenkohle</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-178">
        <head>Römischer Kümmelbraten (kalt serviert)</head>
        <div type="original" xml:id="mon-178-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-178-trans">
          <p>ITem romischen chumell pratt So nym Iunge hunr als vill dw ir haben wilt oder tauben oder Iung genß oder Rebhunr wan die woll gepratten sindt vnd nicht versalczen so nym semeln vnd guetten wein vnd auch ein magre prue von fleisch vnd laß das sieden in einer phan oder in einem haffen vnd den romischen chumel wolge= stossen den laß nit sieden streich das durch ein tuech vnd well es wider ab vnd gburcz mit saffran pheffer vnd laß nit sieden wan die prue vber slagen sey So leg die hunr oder dy tawben oder dy genß dar ein Gib das chalt czw essen vnd bedechs woll das es nicht riech das magstw ach oder newn tag behalten das es nicht verdirbt /</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-178-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-178-orig">
          <p>Nimm junge Hühner, Tauben, junge Gänse oder Rebhühner, so viele du haben möchtest. Brate sie gut, aber salze sie nicht zu stark.</p>
          <p>Nimm Semmeln und guten Wein, dazu eine magere Fleischbrühe. Lass dies in einer Pfanne oder einem Topf sieden. Den römischen Kümmel stoße gut und gib ihn hinzu, aber lass ihn nicht mitkochen. Streiche die Brühe durch ein Tuch und lass sie wieder aufwallen. Würze sie mit Safran und Pfeffer. Lass sie nicht mehr sieden, sobald die Brühe aufgekocht ist.</p>
          <p>Lege die Hühner, Tauben oder Gänse in die Brühe. Serviere das Gericht kalt und decke es gut zu, damit es nicht riecht. So kannst du es acht oder neun Tage aufbewahren, ohne dass es verdirbt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Iunge hunr als vill dw ir haben wilt oder tauben oder Iung genß oder Rebhunr">Geflügel (junge Hühner, Tauben, junge Gänse oder Rebhühner)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semeln">Semmeln (Weißbrot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="magre prue von fleisch">Magere Fleischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="romischen chumel wolge=stossen">Römischer Kümmel, gestoßen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-179">
        <head>Hühnerinnereien in Wildbret-Brühe</head>
        <div type="original" xml:id="mon-179-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-179-trans">
          <p>ITem in der swarczen prue da die wildt= pratt In gelegen sindt dar ein mach= stu woll machen das den hunr als das hawpp leberel vnd magel etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-179-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-179-orig">
          <p>Nimm die schwarze Brühe, in der das Wildbret gelegen hat. Darin kannst du gut das Hühnerklein garen, nämlich den Kopf, das Leberlein und das Mägelein und was sonst noch an Innereien dazugehört.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="swarczen prue">Brühe vom Wildbret (schwarz)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das hawpp">Hühnerkopf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leberel">Hühnerleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="magel">Hühnermagen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="etc.">Weitere Hühnerinnereien</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-180">
        <head>Eingelegte Weichseln in Gewürz-Honig-Sirup</head>
        <div type="original" xml:id="mon-180-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-180-trans">
          <p>ITem wil dw weichsel wehalten jar vnd tag So nym dy aller frischisten weichsell so dw sy gehaben magst vnd prock sy von dem stingel nym ein schussel voll oder mer vnd als vill honig das dich geduncht dw hast sein genug czw denn weichsell vnd sol die selbigen weichseln mit dem honig sieden wan sy dan vber slagen sein So streich sy durch ein tuech vnd laß woll wider auff sieden vnd gburcz sy ab mit yngber mit pfeffer mit muscatplue vnd la dir machen ein schons vassell vnd die weichslein dar ein die man ab ge= prock hatt vnd wan die prue erchalt ist So gewß sy vber die weichsel vnd verslach das vassel vnd secz in einen chalten cheler vnd cher es all tag ain stund vmb von ainem poden auff den anderen zw weinnachten prich das vassel auff vnd gib da von czw essen vnd als offt dw es auff prichst als offt sla es wider czw die weichsell + machstw woll behalten pys in dy vasten oder vber Iarr etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-180-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-180-orig">
          <p>Willst du Sauerkirschen ein Jahr und einen Tag lang haltbar machen, so nimm die allerfrischesten Sauerkirschen, die du bekommen kannst. Zupfe sie von den Stielen und nimm eine Schüssel voll oder mehr.</p>
          <p>Gib so viel Honig hinzu, dass es dir scheint, du hast genug davon zu den Kirschen. Siede dieselben Kirschen mit dem Honig. Wenn sie dann aufgekocht sind, streiche sie durch ein Tuch und lass die Flüssigkeit gut wieder aufkochen.</p>
          <p>Würze sie ab mit Ingwer, mit Pfeffer und mit Muskatblüte. Lass dir ein passendes Gefäß machen und gib die abgezupften Kirschen hinein. Wenn die Brühe (der Saft) erkaltet ist, so gieße sie über die Kirschen und verschließe das Gefäß. Setze es in einen kalten Keller und drehe es jeden Tag einmal um, von einem Boden auf den anderen.</p>
          <p>Zu Weihnachten brich das Gefäß auf und gib davon zu essen. Und so oft du es aufbrichst, so oft verschließe es wieder zu den Kirschen. So kannst du es gut bis in die Fastenzeit oder über ein Jahr lang behalten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy aller frischisten weichsell / ein schussel voll oder mer / die selbigen weichseln / die weichslein / die weichsel">Sauerkirschen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="als vill honig das dich geduncht dw hast sein genug">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="yngber">Ingwer, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer">Pfeffer, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscatplue">Muskatblüte, gemahlen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-181">
        <head>Eingelegte Sauerkirschen aus dem Brunnen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-181-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-181-trans">
          <p>ITem mer von weichsellen So nym frisch weichsell die gar frisch sein vnd thue Sy ineinen chrueg dar oben graglat vnd enng sey mit stingel mit all vnd ye ein wenig weichsell lawb dar czw ain rossen oder vier thw auch dar czw vnd vermach Den chrueg gar woll das auch kain wasser dar ein gee vnd mach an das or des + chruegs ein stain das er In In das wasser cziech in den prunn vnd pindt In an ein snur da mit dw In her wider auß mugst cziechen an dem weinnacht tag so czwech den chrueg her wider ausß vnd czer slach den vnd frisch weichsell czw essenn vnd leg die rosen dar czw etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-181-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-181-orig">
          <p>Nimm frische Sauerkirschen, die ganz frisch sind, und gib sie in einen Krug, der oben mit einem Rand versehen und eng ist. Gib die Kirschen mit Stielen und allem hinein, dazu ein wenig Kirschlaub und ein oder vier Rosen. Verschließe den Krug sehr gut, sodass auch kein Wasser eindringen kann. Befestige an das Ohr des Kruges einen Stein, damit er in das Wasser im Brunnen gezogen wird, und binde ihn an eine Schnur, damit du ihn wieder herausziehen kannst.</p>
          <p>Am Weihnachtstag ziehe den Krug wieder heraus, zerschlage ihn und iss die frischen Sauerkirschen mit den Rosen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frisch weichsell">Sauerkirschen, frisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stingel mit all">Kirschstiele</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weichsell lawb">Kirschblätter</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain rossen oder vier">Rose (oder vier)</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="chrueg">Krug</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="stain">Stein</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="snur">Schnur</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-182">
        <head>Ingwer in Zuckersirup einlegen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-182-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-182-trans">
          <p>ITem von grun Ingwer nym der aller weissisten ingwer vnd der aller frischisten Vnd wasch den ausß czwain oder auß drein chalt gussen gar woll vnd dar nach payß In einen frischen chalten gusß vnd laß dar Innen drey tag vnd drey nacht dar Innen ligen nach dem so nymb chalch vnd thw In In ein schaff mit wasser wan das wasser lawtter ist worden an dem chalch So gew es gar seyberlich her ab das es nicht truebich werdt vnd payß den Ingwer dar ein ein tag vnd ein nacht so czewch In awß dem wasser In ein frischen prunn wasser vnd reib In gar woll auß dem wasser vnd leg In dar nach mer In ein prunn wasser vnd laß dar Innen ligenn ein tag vnd ein nacht vnd auß dem prunnn wasser leg in In einen guetten wein vnd laß ein tag vnd ein nacht dar Innen ligen Nym czwcker oder rayffel oder malmasyer oder weylich wein vnd nym des weins ein wenig in ein phan vnd nym des czucker woll vierstundt als vill mer dan des weins ist gewessen dar ein vnd laß den czucker woll sieden In dem wein vnd mach dir ein hubsches guecz schafflein da mit dw in rainest wan es czach ist worden so heb In her ab vnd thew den chrun Ingwer auß dem wein In ein schons verglastew ckrawssen vnd gewß den czwcker den dw gemacht hast dar vber in die chrawssen vnd vermach die chrawssen gar woll das es nicht awß riech Also machstw woll mischeren von weillischen nussen awch machen den Ingwer wellhisch nuß dy well sy frisch sindt so laß den cheren schellen vnd wan sy ge= schellett sindt So machtw sy woll in dy selbig pru legen da der grunn Ingwer In ist etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-182-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-182-orig">
          <p>Nimm den weißesten und frischesten Ingwer. Wasche ihn sehr gründlich zwei- oder dreimal mit kalter Lauge. Lege ihn danach in eine frische kalte Lauge und lasse ihn dort drei Tage und drei Nächte liegen.</p>
          <p>Danach nimm Kalk und gib ihn in ein Schaff (eine Wanne) mit Wasser. Wenn das Wasser vom Kalk klar geworden ist, gieße es sehr sauber ab, sodass es nicht trüb wird. Lege den Ingwer für einen Tag und eine Nacht in dieses Kalkwasser.</p>
          <p>Ziehe ihn dann aus dem Kalkwasser in frisches Brunnenwasser und reibe ihn sehr gut ab. Lege ihn danach erneut für einen Tag und eine Nacht in Brunnenwasser. Aus dem Brunnenwasser nimm ihn heraus und lege ihn in einen guten Wein, wo er einen Tag und eine Nacht liegen soll.</p>
          <p>Nimm Zucker, dazu wahlweise Rayffel-Wein, Malvasier oder welschen Wein. Gib ein wenig des Weins in eine Pfanne und füge viermal so viel Zucker hinzu, wie Wein vorhanden war. Lasse den Zucker im Wein gut sieden. Mache dir ein hübsches, gutes Schäfflein, mit dem du ihn (den Sirup) abschöpfst; wenn er zäh geworden ist, nimm ihn vom Feuer.</p>
          <p>Gib den frischen Ingwer aus dem Wein in einen schönen, verglasten Krug und gieße den zubereiteten Zuckersirup darüber in den Krug. Verschließe den Krug sehr gut, damit nichts entweichen kann. Auf diese Weise kannst du auch Mischungen von Walnüssen zubereiten. Wenn die Walnüsse frisch sind, schäle die Kerne. Sind sie geschält, kannst du sie in denselben Sirup legen, in dem der Ingwer liegt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="grun Ingwer / aller weissisten ingwer vnd der aller frischisten / chrun Ingwer">Ingwer, frisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czwain oder auß drein chalt gussen / frischen chalten gusß">Kalte Lauge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chalch">Kalk</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser / prunn wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein / des weins ein wenig">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czwcker / des czucker woll vierstundt als vill mer dan des weins ist gewessen">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weillischen nussen / wellhisch nuß / cheren">Walnüsse, frisch, geschält (optional)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-183">
        <head>Eingelegte grüne Walnüsse mit Honig und Gewürzen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-183-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-183-trans">
          <p>ITem von ein gemachten nussen nym nuß ee das sy hertt werden vnd schell sy schon vnd wan die nuß geschelt sein so payß sy in einer chalt guß drey tag vnd nacht dar nach leg sy in ein frisch wasser vnd payß sy vj tag vnd nacht vnd all tag iij wasser dar an der morgens ains czw mittentag ains vnd czw dem abent ains dar nach sy ain tag vnd nacht In wein dar nach nym sy auß dem wein vnd leg sy in ein hayß siedungs honig vnd laß sy auch ein tag vnd ein nach dar Inn sten dar nach czewch sy auß dem honig vnd leg sy auff ein schons syb vnd laß sy woll trucken werden dar nach besteck sy mit czymmerrintten mit muscat nagl vnd Ingwer dar nach mach ein frisch wallundes honig vnd wol syedundes vnd leg die nuß dar ein vnd mach sy woll czw das der ruck da von nit gee oder gen mug</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-183-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-183-orig">
          <p>Nimm Nüsse, ehe sie hart werden, und schäle sie gründlich. Wenn die Nüsse geschält sind, beize sie in einer kalten Lauge drei Tage und Nächte lang.</p>
          <p>Danach lege sie in frisches Wasser und wässere sie sechs Tage und Nächte lang. Wechsle dabei jeden Tag dreimal das Wasser: morgens einmal, mittags einmal und abends einmal.</p>
          <p>Danach lege die Nüsse einen Tag und eine Nacht in Wein. Nimm sie anschließend aus dem Wein und lege sie in einen heißen, siedenden Honig. Lass sie auch darin einen Tag und eine Nacht stehen.</p>
          <p>Danach ziehe sie aus dem Honig und lege sie auf ein sauberes Sieb, damit sie gut trocknen können. Bestecke sie anschließend mit Zimtrinden, Muskatnuss, Nelken und Ingwer.</p>
          <p>Danach bereite einen frischen, wallenden und gut siedenden Honig zu. Lege die Nüsse hinein und verschließe sie gut, damit nichts davon entweicht oder entweichen kann.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nuß ee das sy hertt werden">Grüne Walnüsse (unreif)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chalt guß">Kalte Lauge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frisch wasser">Frisches Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czymmerrintten">Zimtrinden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagl">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingwer">Ingwer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-184">
        <head>Eingelegte Quitten und Nüsse in Honig</head>
        <div type="original" xml:id="mon-184-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-184-trans">
          <p>ITem von eingemachten kutten nym chutten vnd viertaill die das sy schon geschellet sein vnd Sneydt dy cheren davon stopf sy mit einem messer vnd besteck sy wol mit czymmerrintten mit nagel yngber vnd + muscat ein schon haffen mit honig secz den auff ein choll wan das nun sewdt so leg dy ckutten dar ein vnd laß sy woll sieden wan sy woll gesotten sein So secz sy in einen chalten cheller vnd deck sy woll czw das sy nich auß riechen des geleich soltw den nussen awch thun vnd in einen chalten cheller seczen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-184-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-184-orig">
          <p>Nimm Quitten und viertle sie, nachdem sie sauber geschält sind. Schneide die Kerne heraus. Stopfe die Quitten mit einem Messer und spicke sie gut mit Zimtrinde, Nelken, Ingwer und Muskatnuss.</p>
          <p>Setze einen sauberen Topf mit Honig auf die Glut. Wenn der Honig siedet, lege die Quitten hinein und lasse sie gut sieden. Wenn sie gut gesotten sind, setze sie in einen kalten Keller und decke sie gut zu, damit sie ihr Aroma nicht verlieren. Desgleichen sollst du es auch mit den Nüssen tun und sie in einen kalten Keller setzen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kutten / chutten / ckutten">Quitten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="cheren davon">Quittenkerne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="cymmerrintten">Zimtrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagel">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="yngber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nussen">Nüsse (z.B. Walnüsse, Haselnüsse)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-185">
        <head>Eingemachte Schlehen zu Weihnachten</head>
        <div type="original" xml:id="mon-185-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-185-trans">
          <p>ITem von schlechen nym slechen die wol czeittig sein vnd die frisch sein nym der ein schussel vols vnd sewds ab in wein mit honig wan sy chalt werden so streich sy durch als dw aller dickest mugst vnd geburcz ab mit pheffer Ing= wer mit gestossen nagel vnd sewd die prue czw dem anderen mall vnd wan sy dan erkalt so thew dy slechen dar ein vnd laß sy sten biß hin gen weinachten So gib es dan czw essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-185-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-185-orig">
          <p>Nimm Schlehen, die gut reif und frisch sind. Nimm eine Schüssel voll davon und koche sie in Wein mit Honig ein. Wenn sie kalt werden, streiche sie so dick wie möglich durch ein Sieb. Würze die passierten Schlehen mit Pfeffer, Ingwer und zerstoßenen Nelken.</p>
          <p>Koche den verbleibenden Sud ein zweites Mal auf. Wenn dieser dann erkaltet ist, gib die gewürzten Schlehen wieder hinein und lass sie bis Weihnachten stehen. Dann gib sie zum Essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schlechen / slechen">Schlehen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ing= wer">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gestossen nagel">Nelken, gemahlen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-186">
        <head>Eingelegter Weißkohl mit Wein und Honig</head>
        <div type="original" xml:id="mon-186-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-186-trans">
          <p>ITem von einem gutten appotecken chrawtt nym weysse hewpel dy da hert vnd guett sein vnd sneidt sy czw viertaill doch das dy vie= rtaill gancz beleiben vnd hab ein chessel mit siedunten wasser vnd thue das chrawtt dar ein vnd laß sieden nit gar ain viertaill einer stund vnd czewch das ckrawtt ausser ein schons weyß syb vnd legs woll auff ein ander das es erkalt dar nach nym denn pesten wein so dw In gehaben macht vnd ho= nig den trittail vnd sewdt es durch ein ander nym saffran muscapluedt czymmerrintten Ingber vnd gbuercz die prue vnd laß da mit woll sieden vnd wan die prue woll vber schlagen ist das ein wenig wermmer ist dan lab so + leg das ckrawtt dar ein vnd wedecks rain das es nicht awsriech vber viij tag So magstu es wol czw essen geben das krawtt werdt Iar vnd tag wildw eß schon behalten So scholt dw das ckrawtt nit salczen etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-186-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-186-orig">
          <p>Für ein gutes Apothekerkraut nimm weiße Kohlköpfe, die fest und gut sind. Schneide sie in Viertel, doch so, dass die Viertel ganz bleiben.</p>
          <p>Nimm einen Kessel mit siedendem Wasser und gib das Kraut hinein. Lass es nicht ganz eine Viertelstunde sieden. Ziehe das Kraut aus einem sauberen, weißen Sieb und lege es gut aufeinander, damit es erkaltet.</p>
          <p>Danach nimm den besten Wein, den du bekommen kannst, und ein Drittel Honig. Siede es durcheinander. Nimm Safran, Muskatblüte, Zimtrinde, Ingwer und würze die Brühe damit und lass es damit gut sieden.</p>
          <p>Und wenn die Brühe gut abgekühlt ist, sodass sie nur noch ein wenig wärmer ist als Lab, dann lege das Kraut hinein und bedecke es reinlich. So kannst du es gut zu essen geben, ohne dass es über acht Tage sein Aroma verliert. Das Kraut hält ein Jahr und einen Tag. Willst du es gut erhalten, so sollst du das Kraut nicht salzen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weysse hewpel">Weißkohlköpfe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig den trittail">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscapluedt">Muskatblüte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czymmerrintten">Zimtrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingber">Ingwer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-187">
        <head>Eingelegter Mangold mit Wein und Honig</head>
        <div type="original" xml:id="mon-187-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-187-trans">
          <p>ITem ein guett ckrawtt nym piersen ckrawtt Wol durich lessen thue die stingel da vonn Vnd wasch Das rain vnd schneyds das czw dreyn taillen vnd pru sy in einem ckessell ab gar woll vnd czewch sy dann auff ein syb das das wasserr woll da von gee + Nym guetten wein vnd honig vnd weinperern woll durich lessen vnd gebuercz es ab mit pheffer mit czymen vnd Ingwerr vnd well dy prue da mit ab vnd leg das ckrawtt in ein schons vassel vnd gewß dy prue dar vber vnd ruer es mit einem loffel vnd In dem vassel wol durch ein ander Nym geschelten mandell vnd las In schneyden czw dreynn oder viertaill vnd nym sein ein guett tail vnd thue es in das ckrawtt vnd ruer es aber durch ein ander vnd secz ab dem weg vnd decks schon czw das ckrawtt so magstu es behalten Iar vnd tag vnd nit salcz etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-187-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-187-orig">
          <p>Nimm für ein gutes Kraut Mangold. Lies es gut durch, entferne die Stiele und wasche es rein. Schneide es dann in drei Teile und brühe es in einem Kessel sehr gut ab. Gieße es anschließend auf ein Sieb ab, damit das Wasser gut abläuft.</p>
          <p>Nimm guten Wein, Honig und gut verlesene Rosinen. Würze die Mischung mit Pfeffer, Zimt und Ingwer und koche diese Würzsauce damit auf. Lege dann den Mangold in ein sauberes Fass und gieße die Würzsauce darüber. Rühre es mit einem Löffel in dem Fass gut durcheinander.</p>
          <p>Nimm geschälte Mandeln und lass sie in Drittel oder Viertel schneiden. Nimm davon eine gute Menge und gib sie zum Mangold. Rühre es nochmals gut durch. Stelle das Kraut dann beiseite und decke es gut zu. So kannst du es Jahr und Tag aufbewahren und es nicht salzen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="piersen ckrawtt">Mangold</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinperern">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czymen">Zimt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingwerr">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geschelten mandell">Mandeln, geschält</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-188">
        <head>Gefüllter Kohlkopf in Teighülle</head>
        <div type="original" xml:id="mon-188-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-188-trans">
          <p>ITem ein ckrawtt nym ein weiß hawbt das nicht czw hertt sey vnd sneidt es oben auff sam ein platten vnd lasß dan in + einem haffen woll sieden dar nach czewch es her ausß vnd lass das wasser wol da von gen vnd hab ein scherben vollen mit smalcz vnd secz das chrawtt dar ein vnd cher dy platten vber sich dar chlopff air vnd reyb ein wenig guecz kass dar vntter weinpern woll gelessen vnd geschnitten mandel vnd gburcz es mit saffran vnd Ingber vnd salcz ein wenig vnd gewß in das ckrawtt vnd deck es czw mit einem haffen deck vnd thue ein wenig choll dar auf reib den scheriben offt vmb das er nicht an prin machs chuell ab vnd gibs haysß czw essenn etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-188-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-188-orig">
          <p>Nimm einen weißen Kohlkopf, der nicht zu hart ist, und schneide ihn oben wie eine Platte auf. Lass ihn dann in einem Topf gut sieden. Danach ziehe ihn heraus und lass das Wasser gut davon ablaufen.</p>
          <p>Habe eine Teighülle, gefüllt mit Schmalz, und setze den Kohlkopf hinein. Wende die abgeschnittene Platte zur Seite. Schlage Eier hinein und reibe ein wenig feinen Käse darunter, gut verlesene Rosinen und geschnittene Mandeln.</p>
          <p>Würze es mit Safran und Ingwer und salze es ein wenig. Gieße die Mischung oben in den Kohlkopf und decke ihn mit einem Topfdeckel zu. Lege ein wenig Glut darauf. Drehe die Teighülle oft um, damit sie nicht anbrennt. Lass es abkühlen und serviere es heiß zum Essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein weiß hawbt">Kohlkopf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein scherben">Teighülle</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="air">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig guecz kass">Feiner Käse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinpern woll gelessen">Rosinen, verlesen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geschnitten mandel">Mandeln, geschnitten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig choll">Glut</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-189">
        <head>Geflügelpastete mit Äpfeln</head>
        <div type="original" xml:id="mon-189-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-189-trans">
          <p>ITem czw guetten posteten mit vogel mach ein gerawmen vnd weutten topffh von taig vnd rost dy vogel am ersten In smalcz ab nym ein guette vaiste prue vnd guetten wein dar vnder geburcz es ab mit saffran pheffer Ingber Schneydt ain ophell oder czwen chlain vnd thue das selb auff dy vogell an dy posteten mit den vogeln vnd Schneid aber ein chlains locheln dar durich vnd schewb es in das offenndel vnd lass pachen vnd gibs haiß czw essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-189-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-189-orig">
          <p>Für gute Pasteten mit Geflügel, mache eine geräumige und weite Topfform aus Teig. Brate das Geflügel zuerst in Schmalz an.</p>
          <p>Nimm eine gute, fette Brühe und guten Wein dazu. Würze es mit Safran, Pfeffer und Ingwer. Schneide ein oder zwei kleine Äpfel und gib diese zu dem Geflügel in die Pastete.</p>
          <p>Schneide noch ein kleines Loch in die Pastete und schieb sie in den Ofen. Lass sie backen und gib sie heiß zu essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="topffh von taig">Teig für die Pastetenform</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy vogel">Geflügel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guette vaiste prue">Kräftige Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain ophell oder czwen chlain">Äpfel</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-190">
        <head>Gefüllte Semmel mit Vögeln und Äpfeln</head>
        <div type="original" xml:id="mon-190-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-190-trans">
          <p>ITem ein gefulte semel mit vogel nym chlain vogel vnd rost dy ab in smalcz vnd hack opfhell chlain vnd rost dy auch ab in smalcz vnd geburcz dy ab mit saffran Ingber Nym semel vnd mach die holl vnd nym die mollen her auß vnd thue weinper vnnder dy opfhel vnd nym ein wenige vaiste prue dar vnder vnd nym guetten wein vnd leg die vogel in die selben prue vnd opfhel vnd thw es in dy semel vnd mach dy semel woll czw mach ein taig als ein stra= wben taig vnd czewch die semel dar durich vnd pach sy dan In Smalcz vnd mach ein guette prue mit leczelten vnd mit wein vnd ein wenig honig vnd weinperer woll erlessen vnd laß das sieden vnd gburcz es mit saffrann vnd Ingber wan dw dy semmell machest So gewß die prue oben dar vber + vnd gib hayß czw essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-190-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-190-orig">
          <p>Nimm kleine Vögel und brate sie in Schmalz an. Würze sie mit Safran.</p>
          <p>Hacke Äpfel klein und brate sie ebenfalls in Schmalz an. Würze sie mit Safran und Ingwer.</p>
          <p>Nimm eine Semmel und höhle sie aus. Entferne die Brotkrume. Gib Rosinen zu den Äpfeln und mische etwas fette Brühe darunter. Nimm guten Wein und mische ihn ebenfalls darunter. Lege die Vögel in diese Wein-Brühe-Apfel-Mischung. Fülle alles in die Semmel und verschließe sie gut.</p>
          <p>Bereite einen Teig wie für Strauben (Trichterkuchen) zu. Ziehe die gefüllte Semmel durch diesen Teig und backe sie dann in Schmalz aus.</p>
          <p>Bereite eine gute Sauce mit Lebkuchen, Wein, etwas Honig und gut ausgelesenen Rosinen zu. Lass dies sieden und würze es mit Safran und Ingwer. Wenn du die Semmel anrichtest, gieße die Sauce darüber und serviere sie heiß.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chlain vogel">Kleine Vögel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="opfhell">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="semel">Weißbrot</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vaiste prue">Fette Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leczelten">Lebkuchen (für Saucen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-191">
        <head>Pasteten von Wildbret und Geflügel</head>
        <div type="original" xml:id="mon-191-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-191-trans">
          <p>ITem von posteten nym bybprat vnd sneid es wurfflat vnd ein guetten frischen speck dar vnder vnd gburcz es ab mit nagel Ingber pheffer Salcz ein wenig thw ess in denn postetten haffen vnd schews es also in den offen vngedeckt vnd wann dich dunck das es halben pachen sey so nym es her auß vnd seych das wasser da von vnd nym ein wenig vaister prue von rindfleisch vnd gewß die dar an vnd mach den postetten haffen oben czw vnd schewß es wider in das offendel vnd laß es gar pachen Also magstu postetten machen von rindtfleisch von lemprat Auch also von rebhunern die solt dw gancz lassen vnd nicht chlain machen vnd thue In albeg also als dw dem wilprat gethan hast Auch magstu machen postetten von hunern magel von leberen des selbigen geleich vonn + ckranwitt vogeln / Auch als dan czw den rebhunern gehort sunder prue Nym guetten wein vaiste prue von rindtfleisch vnd reib ein wenig leczelten dar vntter vnd gburcz es mit saffran Ingwer wan dw den po= stetten haben wildt verdeckten das das reb= huen gepratten ist So gewß dy prue dar vber Auch soltw das reb hain in derr postetten offt vmb cheren ee dw das czw decks das es sich geleich pratt So deck dan das hunn czw vnd schewß es in das offendel vnd lass wol pachen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-191-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-191-orig">
          <p>Nimm für Pasteten Wildbret und schneide es würfelig. Mische guten, frischen Speck darunter und würze es mit Nelken, Ingwer, Pfeffer und Salz. Gib ein wenig davon in den Pastetentopf und schiebe ihn unbedeckt in den Ofen.</p>
          <p>Wenn es dir scheint, dass es halb gebacken ist, nimm es heraus und gieße das Wasser ab. Nimm dann ein wenig fette Rinderbrühe und gieße sie hinzu. Verschließe den Pastetentopf oben und schiebe ihn wieder in den Ofen und lasse es gar backen.</p>
          <p>Varianten: So kannst du Pasteten auch von Rindfleisch oder Rinderlende machen. Auch von Rebhühnern, die du ganz lassen und nicht klein schneiden sollst. Verfahre dabei immer so, wie du es mit dem Wildbret getan hast. Du kannst auch Pasteten von Hühnermägen, von Hühnerlebern oder von Wacholderdrosseln machen.</p>
          <p>Spezielle Brühe für Rebhühner: Für die Rebhühner gehört eine besondere Brühe. Nimm guten Wein und fette Rinderbrühe, reibe ein wenig Lebkuchen darunter und würze es mit Safran und Ingwer. Wenn du die Pastete, in der das Rebhuhn gebraten ist, bedecken willst, so gieße diese Brühe darüber. Du sollst das Rebhuhn in der Pastete oft wenden, bevor du sie zudeckst, damit es gleichmäßig brät. Dann decke das Huhn zu und schiebe es in den Ofen und lasse es gut backen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bybprat">Wildbret</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frischen speck">Frischer Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagel">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vaister prue von rindfleisch">Fette Rinderbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rindtfleisch">Rindfleisch (optional, für Variante)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lemprat">Rinderlende (optional, für Variante)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rebhunern">Rebhühner (optional, für Variante)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hunern magel">Hühnermägen (optional, für Variante)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leberen des selbigen">Hühnerlebern (optional, für Variante)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ckranwitt vogeln">Wacholderdrosseln (optional, ⚠ Artenschutz)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Guter Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leczelten">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-192">
        <head>Gebackene Hühnerleber mit Rosinen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-192-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-192-trans">
          <p>ITem czw den hunern leberen vnd magen soltw nemmen grossen Rosin vnd suessen wein vnd prue von rindtfleisch vnd gburcz es mit saffran Ingber vnd ein wenig phfeffer vnd verdeck den haffen vnd thue es in den offen vnd lass pachen vnd gibs hayss czw essen etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-192-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-192-orig">
          <p>Nimm zu den Hühnerlebern und -magen große Rosinen, süßen Wein und Rinderbrühe. Würze es mit Safran, Ingwer und ein wenig Pfeffer.</p>
          <p>Decke den Topf zu, stelle ihn in den Ofen und lass es backen. Serviere es heiß.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hunern leberen vnd magen">Hühnerlebern und -magen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="grossen Rosin">Rosinen, groß</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="suessen wein">Süßer Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prue von rindtfleisch">Rinderbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig phfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-193">
        <head>Rindfleischpastete mit Mandeln und Gewürzen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-193-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-193-trans">
          <p>ITem posten von rindtfleisch vnd da selbs magstw woll nemmen mandel vnd den chlain dar vnder schneiden vnd guetten wein vaistew prue vnd rindfleisch gburcz mit saffran Ingber nagel so wirt es sbarcz vnd gewß das wasßer auch da von ee dw dy prue dar vber gewst vnd verdeck es vnd secz es in den offen vnd laß pachen gibs haiß czw essenn etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-193-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-193-orig">
          <p>Nimm Rindfleisch für eine Pastete. Schneide die Mandeln klein und mische sie unter das Fleisch. Würze das Fleisch mit Safran, Ingwer und Nelken, sodass es sehr dunkel wird - dafür brauchst du auch guten Wein und fette Brühe.</p>
          <p>Setze die Pastete ungedeckt in den Ofen. Gieße die Flüssigkeit, die sich vom Fleisch absetzt, ab, ehe du die Brühe darüber gießt. Bedecke die Pastete danach, setze sie zurück in den Ofen und lasse sie fertig backen. Serviere sie heiß.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rindtfleisch">Rindfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Rotwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vaistew prue">Rinderbrühe, fett</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingber">Ingwerpulver</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagel">Gewürznelken, gemahlen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-194">
        <head>Halsband-Gebäck für ein Hochzeitsmahl</head>
        <div type="original" xml:id="mon-194-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-194-trans">
          <p>ITem von ainem hals pandt mach ein praycz plat von taig vnd den taig soltu mit wein ab machen vnd nicht mit airen vnd mach ein guette full mit opfhel vnd mit weinperer vnd prenn das mit einem honig ab vnd geburcz es mit pheffer Ingber vnd leg dy ful nach einem czirckell vmb hin als weit das es vmb ein choph gee vnd schneidt in das platt mitten ein chlains lochel vnd czewch es mitten vber die fuell vnd sneid das mit einem chrapfen eyssenn lawbe vnd chlepletter vnd leg es seiber= lich in ain phann vnd mach ein smalcz haiß In ainer anderen phann vnd gewß es also hais auff das halspandt In dy anderen phann vnd laß es pachen vnd wan es gepachen ist so gewß das smalcz wider ab das es er chalt vnd nym es dan auß der phann das soltu vergolten das es ein halspand geleich sey das gibstw woll hin fur einer prawtt essen etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-194-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-194-orig">
          <p>Nimm von einem Halsband die Form und mache daraus einen breiten Fladen aus Teig. Den Teig sollst du mit Wein anmachen und nicht mit Eiern. Mache eine gute Füllung mit Äpfeln und Rosinen und reduziere diese mit Honig. Würze die Füllung mit Pfeffer und Ingwer.</p>
          <p>Lege die Füllung kreisförmig ringsherum aus, so weit, dass sie um einen Kopf geht. Schneide in die Mitte des Fladens ein kleines Loch und ziehe den Fladen durch dieses Loch über den Füllungsring, sodass der Teig ihn wie ein Kranz umschließt. Schneide den überstehenden Teigrand mit einem Krapfen-Eisen in Laub- und Kleeblätter-Formen.</p>
          <p>Lege das Gebäck säuberlich in eine Pfanne. Mache in einer anderen Pfanne Schmalz heiß und gieße es dann so heiß über das Halsband-Gebäck in die andere Pfanne. Lass es backen. Wenn es gebacken ist, gieße das Schmalz wieder ab, damit es erkaltet. Nimm es dann aus der Pfanne und vergolde es, damit es einem Halsband gleich sei. Das gibst du gut für ein Brautessen hin.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="taig">Teig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="opfhel">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinperer">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schweineschmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vergolten">Blattgold (essbar)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-195">
        <head>Weizenstärke selbst herstellen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-195-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-195-trans">
          <p>ITem kraft mell nym schon lawtter + waicz vnd wasch den gar schon dar nach paiß In Ineinem frischen wasßer vier= czechen tag vnd all tag iij wasßer des mor= genss czw mittentag des abencz dar nach stoß in einem morsar gar woll vnd streich In Ineinem frischen wasßer durcz ein tuech vnd laß es also sten ein tag vnd ein nacht dar nach gews das wasßer da von vnd laß es trucken werden vnd wan es + trucken ist so czewches auff vnd stoß es in einem morsar vnd choch es + dan wan dw wildt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-195-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-195-orig">
          <p>Nimm reinen, sauberen Weizen und wasche ihn sehr gründlich. Danach weiche ihn vierzehn Tage lang in frischem Wasser ein. Wechsle dabei das Wasser jeden Tag dreimal: morgens, mittags und abends.</p>
          <p>Danach stoße den eingeweichten Weizen sehr gut in einem Mörser. Streiche ihn dann in frischem Wasser durch ein Tuch und lass die so gewonnene Stärkemilch einen Tag und eine Nacht stehen.</p>
          <p>Danach gieße das Wasser ab und lass die verbleibende Stärkemasse trocknen. Wenn sie trocken ist, zieh sie auseinander und stoße sie erneut in einem Mörser. Koche die Stärke dann, wann immer du sie verwenden möchtest.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="waicz">Weizen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frischen wasßer">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-196">
        <head>Römisches Huhn mit Kräuter-Semmel-Kruste</head>
        <div type="original" xml:id="mon-196-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-196-trans">
          <p>ITem ein romisch huen Nym Iunge hunr vnd laß sy czwm ersten woll sieden vnd czegelider die czw vir stucken schlach ayr auß so vil dich duncht das dw ir be= durffest petter sil vnd saluan hack chlain Reib ein wenig semel dar vnder vnd + gburcz das mit czymmerrintten Ingber vnd salcz ein wenig mach smalcz hayß in + einem morsar vnd leg die hueren dar ein In das haiß smalcz vnd temperir dy semel pettersil vnd salua vnd das gburcz dar vnder vnd gewß in den morsar vber dy hunr vnd pach es chuell ab das es sich woll durch cziech vnd gibs haiß czw essen etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-196-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-196-orig">
          <p>Nimm junge Hühner und lass sie zuerst gut sieden. Zergliedere sie dann in vier Stücke. Schlage Eier aus, so viel du ihrer bedarfst.</p>
          <p>Hacke Petersilie und Salbei klein. Reibe ein wenig Semmelbrösel darunter und würze das Ganze mit Zimtrinde, Ingwer und ein wenig Salz.</p>
          <p>Erwärme Schmalz in einem Mörser. Lege die Hühner in das heiße Schmalz. Temperiere die Semmelbrösel, Petersilie, Salbei und die Gewürze darunter und gieße sie über die Hühner in den Mörser. Backe es ab. Lass es abkühlen, sodass es sich gut durchzieht, und gib es heiß zu essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Iunge hunr">Hühner</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petter sil">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saluan">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semel">Semmelbrösel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czymmerrintten">Zimtrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-197">
        <head>Holunderblüten-Mus</head>
        <div type="original" xml:id="mon-197-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-197-trans">
          <p>ITem holler prein Nym holler plue vnd vnd prock das abe vnd laß das woll sieden in einer milich vnd seich sy dan durch ein teuch vnd mach ein taig mit airen das er dunner sey dan ein strawben taig vnd wan dy milich wider sewdt so choch das chlain dar ein das ist den heren gesundt +</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-197-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-197-orig">
          <p>Holunderblüten-Mus: Nimm Holunderblüten und zupfe sie von den Dolden ab. Lass die Blüten gut in Milch sieden. Seihe die Milch dann durch ein Tuch. Mache einen Teig mit Eiern, der dünner ist als ein Straubenteig. Und wenn die gesiebte Milch wieder siedet, so koche den Teig in kleinen Stücken hinein. Dies ist den Herren zuträglich.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="holler plue">Holunderblüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milich">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="airen">Eier</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-198">
        <head>Gewürzte Weingallerte</head>
        <div type="original" xml:id="mon-198-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-198-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein guette galraidt so ge dw hin das dw habst muscat vnd muscaplue vnd czymmerrintten vnd nagel Ingber pheffer wil dw es machen von czwain viertail weins so muestw haben des suessen leczelten also uil dw sein vmb ein phenning ckawffest vnd nym ein massel honigs auch dar czw vnd nym vier snitten weiß procz dy pa wan dw das alles hast so nym ein newen haffen dar czw vnd das gburcz als dar ein vnd den wein den secz auff ein chlains chluetel vnd laß er warmen ain wenig nym es dan her ab vnd slach es durch ein weiss tuech also mit ein ander thue es dan wider in den haffen wil dw es ein halbs iar behalten so laß czwo vvr siedenn vnd ruer es offt wan es golt= varb wirt In czwain vren so hatt es sein genug vnd nym es dan her ab vnd secz in einen chuellen cheller vnd deck es woll czw das mugstu nemmen an wew dw wilt doch ain wenig als offt dw dar auß nymbst so dech es wider czw /</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-198-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-198-orig">
          <p>Wenn du eine gute Gallerte zubereiten möchtest, so nimm Muskatnuss, Muskatblüte, Zimtrinde, Nelken, Ingwer und Pfeffer. Wenn du sie aus zwei Viertel Wein herstellen willst, so benötigst du süßen Lebkuchen, so viel du für einen Pfennig kaufen kannst, und gib auch eine kleine Menge Honig dazu. Nimm außerdem vier Scheiben Weißbrot. An dieser Stelle bricht der Text mit dem unklaren Fragment ‚dy pa‘ ab, dessen Bedeutung ungeklärt bleibt.</p>
          <p>Wenn du all dies beisammen hast, so nimm einen neuen Topf und gib alle Gewürze hinein. Den Wein setze auf eine kleine Glut und lass ihn ein wenig erwärmen. Nimm ihn dann vom Feuer und schlage ihn durch ein weißes Tuch, um alles miteinander zu vermischen und zu passieren. Gib die Flüssigkeit dann wieder in den Topf.</p>
          <p>Wenn du die Gallerte ein halbes Jahr lang aufbewahren möchtest, so lass sie zwei Stunden lang sieden und rühre oft um. Wenn sie nach zwei Stunden goldfarben wird, ist sie ausreichend gekocht. Nimm sie dann vom Feuer und stelle sie in einen kühlen Keller. Decke sie gut zu. Du kannst davon nehmen, so viel du möchtest, doch nimm immer nur eine kleine Menge und decke sie jedes Mal wieder gut zu, nachdem du etwas entnommen hast.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscaplue">Muskatblüte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czymmerrintten">Zimtrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="? nagel">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pheffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="czwain viertail weins">Wein</ingredient> - 1.5 l</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="des suessen leczelten also uil dw sein vmb ein phenning ckawffest">Süßer Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein massel honigs">Honig</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vier snitten weiß procz">Weißbrot</ingredient> - 4 Scheibe</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-199">
        <head>Apfel-Lebkuchen-Röllchen mit Sauce oder Gallerte</head>
        <div type="original" xml:id="mon-199-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-199-trans">
          <p>ITem wil dw wurfell von ophfell machen so nym ein flossew phan die eben auff dem poden sey amb ersten laß ein smalcz auff dem poden vmb lawffen so nym ain ay do mach czway pletter auß vnd laß auch auff dem poden vmb lauffen wan dw dan der pletter genug hast pachen so pach der ophfell die nit Inn melb vnd In taig sind vmb czogen sind wann dich czymbt das dw ein genugen hast so geburcz das woll mit muscat vnd mit muscatplue mit Ingber vnd mit nagel vnd nym ain bening geribens leczelten dar vnder vnd ein honig vnd temperir das woll in ainer gluedt durch ein anderr wan dich czymbt das es sein genug hat so nymb dw die pletter die dw gema= cht hast vnd sewds czwayr vinger prait So nym dw die fuell die streich auff dy pleter mit ainem czucker vnd thue es dan vmb ein ander wan dw es dan hast als gemacht so ge hin vnd czerchloff czway ayr chlar Nym dw die furst ains nach dem anderen vnd pach in ainem smalcz + chuell ab da macht dw machen ein czy= seindel dar vber oder ein galraitt gib dw es czw essen fur ein prawtt essen etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-199-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-199-orig">
          <p>Wenn du Würfel von Äpfeln zubereiten möchtest, so nimm zuerst eine flache Pfanne, die eben auf dem Boden steht. Lass etwas Schmalz auf dem Boden zerlaufen.</p>
          <p>Nimm dann ein Ei, forme daraus zwei dünne Pfannkuchen und lass sie ebenfalls auf dem Boden der Pfanne zerlaufen. Wenn du genug Pfannkuchen gebacken hast, backe die Äpfel, die nicht in Mehl und Teig umhüllt sind. Wenn es dir genügt, würze die Äpfel gut mit Muskatnuss, Muskatblüte, Ingwer und Nelken. Gib ein wenig geriebenen Lebkuchen und Honig hinzu und temperiere dies alles gut miteinander über Glut.</p>
          <p>Wenn es dir genügt, nimm die Pfannkuchen, die du gemacht hast, und schneide sie zu zwei Finger breiten Streifen zu. Streiche die Füllung mit etwas Zucker auf die Pfannkuchen und rolle sie dann zusammen. Wenn du sie so zubereitet hast, gehe hin und zerklopfe zwei Eiklar.</p>
          <p>Nimm die ersten Röllchen, eines nach dem anderen, und backe sie in Schmalz. Kühle sie danach ab. Dazu kannst du eine Sauce oder eine Gallerte reichen. Gib es als Hochzeitsgericht zu essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schweineschmalz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain ay">Ei</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ophfell">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="muscatplue">Muskatblüte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ingber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagel">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain bening geribens leczelten">Lebkuchen, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="czway ayr chlar">Eiklar</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein czyseindel">Sauce (zum Servieren)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein galraitt">Gallerte (zum Servieren)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-200">
        <head>Ritual und Speisen für eine Wöchnerin</head>
        <div type="original" xml:id="mon-200-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-200-trans">
          <p>ITem als chochs wil dw ein frawenn besechen czw einem kindt czw ersten= mall wan dw an wilt heben so fleiss dich das dw habst ein news tuech das ainer ellen lanck sey das dw dan habst czway laybell frisch wax das nye genucz sey worden das leg in ain phann die auch nye genucz sey worden vnd czer gews dar Inn so nym dan ein hassen fueß den nye genucz sey worden vnd streichs auff das tuech halbs czw der ain seytten wan es dan ge stercht ist so fleiss dich das dw habst ain frischen saffrann In ainem puchslein als groß als ein hassell nuss das waxein ert ain ckich das leg der frawen auff den leib vnd den saffran gib ir in die ain hannt das sy In pey ir behalt vnd dar czw smeck / was dw dan der frawen czw essen gibst das ist der frawen czymlich zwm ersten mall das dw czw essen wilt geben Ist es czw der czeit das man fleisch ist so gib ir ain guttew hunr prue vnd ain snitell prott dar ein zw dem anderen mal mach + ir ain phanczel vndter das phanczel nym ein guetten malmasyr wil dw machen von czwain airen so nymb des weissen ain= wenig dar vndter machs vndter drew air nym ain smalcz das als groß sey als ein hasell nuß In ein sawbers phandel das dw gemacht hast von denn ayren das gewß dar ein wan es hayß wirdt vnd secz es in ain gluetel das es chuell werdt so gett es auff in dem phandlen ein wenig gen ainer frischen gluedt so wirt + es aber auch prawen das macht tu geben der + frawen In ainer wein suppen oder ploß / czwm anderen mal wildw der frawenn ain gestozzens geben von den voglein so nym aineer Iung da chain ander vogel bey sey mach ir ain wenigs gestossens dar auß etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-200-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-200-orig">
          <p>Das Ritual: Wenn du als Koch eine Frau nach der ersten Geburt versorgen willst: Willst du damit beginnen, so bemühe dich, ein neues Tuch zu haben, das eine Elle lang ist. Dann nimm zwei Laibchen frisches Wachs, das noch nie benutzt worden ist. Lege es in eine Pfanne, die ebenfalls noch nie benutzt wurde, und schmelze es darin. Nimm dann einen Hasenfuß, der noch nie benutzt wurde, und streiche das Wachs halb auf eine Seite des Tuches. Wenn es dann fest geworden ist, bemühe dich, frischen Safran in einem Büchschen zu haben, das so groß wie eine Haselnuss ist. Das wächserne Herz, ein Küchlein, lege der Frau auf den Leib, und den Safran gib ihr in die eine Hand, damit sie es bei sich behält und daran riecht.</p>
          <p>Die Speisen: Was du dann der Frau zu essen gibst, das ist ihr zum ersten Mal zuträglich, das du ihr geben willst. Ist es zu der Zeit, dass man Fleisch isst, so gib ihr eine gute Hühnerbrühe und eine Schnitte Brot hinein.</p>
          <p>Zum zweiten Mal mache ihr einen Pfannkuchen. Für den Pfannkuchenteig nimm einen guten Malvasier. Willst du ihn aus zwei Eiern machen, so nimm etwas Eiweiß dazu und bereite ihn mit insgesamt drei Eiern zu. Nimm Schmalz, so viel wie eine Haselnuss groß ist, in eine saubere Pfanne, die du für die Eier benutzt hast, und gieße es hinein. Wenn es heiß wird, setze sie auf eine milde Glut, damit diese mild bleibt; dann geht der Teig in der Pfanne ein wenig auf. Nähert man ihn einer frischeren Glut, so wird er auch braun. Das kannst du der Frau in einer Weinsuppe oder pur geben.</p>
          <p>Zum zweiten Mal, willst du der Frau ein Mus von Vögelchen geben, so nimm einen jungen Vogel - nur eine einzige Art, ohne eine andere beizumischen -, und mache ihr ein wenig Mus daraus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="news tuech das ainer ellen lanck sey">Tuch</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="czway laybell frisch wax">Wachs (frisch)</ingredient> - 2 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein hassen fueß den nye genucz sey worden">Hasenfuß</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain frischen saffrann">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain guttew hunr prue">Hühnerbrühe</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain snitell prott">Brot</ingredient> - 1 Scheibe</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="drew air">Eier</ingredient> - 3</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain guetten malmasyr">Malvasier (Wein)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain smalcz das als groß sey als ein hasell nuß">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainer wein suppen">Weinsuppe</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Iung da chain ander vogel bey sey">Junger Vogel (Art nicht spezifiziert)</ingredient> - 1 Stück</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-201">
        <head>Birnenmus aus getrockneten Birnen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-201-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-201-trans">
          <p>ITem wil dw ein gemuß von cloczen machen So wasch dy cloczen schann vnd secz dar nach vnd stoz nach dem sieden chlain vnd sewcz hin wider vnd dar vntter nymb honig nagl vnd guecz stupp genug war es noch cze duen so reib + ain prawt dar vntter thue es dar nach in ain heffen so beleibt es guet vier oder sex vj tag vnd wochen etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-201-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-201-orig">
          <p>Willst du ein Mus von getrockneten Birnen zubereiten, so wasche die Birnen gründlich und setze sie danach zum Kochen auf. Stoße sie nach dem Sieden klein und siede sie dann wieder. Gib Honig, Nelken und gutes Gewürzpulver in ausreichender Menge hinzu. Wäre es noch zu dünn, so reibe ein Brot darunter. Gib es danach in einen Topf, so bleibt es gut vier oder sechs Tage und Wochen haltbar.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="cloczen">Getrocknete Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagl">Gewürznelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guecz stupp">Gutes Gewürzpulver</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain prawt">Brot, gerieben</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-202">
        <head>Zubereitetes Kraut mit Senf-Honig-Sud</head>
        <div type="original" xml:id="mon-202-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-202-trans">
          <p>ITem wil dw machen ain gemachens ckrawt so sewdt weissew heipper vnd nym czway tail seniff vnd trew tail honig die selbig prue mach durich ein ander mit wein vnd dar vndter ein chum vnd angneyß vnd das gesotten ckrawtt dar ein vnd gib es chalcz czw essen so ist es guett / Also machstw auch machen puessen ckrawtt dy sewd mitt wurrczen vnd mit ckrawtt vnd gibs dan chalt czw essen so ist es guett</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-202-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-202-orig">
          <p>Ein zubereitetes Kraut: Wenn du ein zubereitetes Kraut machen willst, so siede weißen Kohl. Nimm zwei Teile Senfsaat und drei Teile Honig; die Brühe des Kohls vermische mit Wein und gib Kümmel und Anis darunter. Gib das gesottene Kraut hinein und serviere es kalt, so ist es gut.</p>
          <p>Mangold-Variante: Ebenso kannst du auch Mangold zubereiten: Siede ihn mit Wurzeln und mit Kraut, und serviere ihn dann kalt, so ist es gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weissew heipper">Weißkohl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czway tail seniff">Senfsaat</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="trew tail honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chum">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="angneyß">Anis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="puessen ckrawtt">Mangold</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurrczen">Mangoldwurzeln</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-203">
        <head>Lungenmus mit Speck</head>
        <div type="original" xml:id="mon-203-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-203-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein guet gemuss von kue lungel wenn sy nun gesotten Sindt So hack sy chlain vnd thue sy ann guette fleisch prue vnd secz sy auff ain + guette chluett vnd lass es merr sieden vnd reib ein pratt dar an vnd stupp es dann ab vnd sneidt speck chlain wurfflat vnd Smelcz es in einer phann vnd wan dw das gmus an richcz So thue den speck dar an vnd versalcz nicht etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-203-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-203-orig">
          <p>Item, wenn du ein gutes Mus von Kuh-Lunge zubereiten willst: Nachdem die Lunge gekocht ist, hacke sie klein. Gib sie dann in gute Fleischbrühe und setze sie auf gute Glut. Lass es weiter sieden und reibe Brot daran. Bestreue es dann. Schneide Speck klein würfelig und schmelze ihn in einer Pfanne. Wenn du das Mus anrichtest, gib den Speck dazu und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kue lungel">Rinderlunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guette fleisch prue">Fleischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pratt">Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stupp es dann ab">Gewürze (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versalcz nicht">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-204">
        <head>Fisch-Presskopf nach Art eines Schweinskopfes</head>
        <div type="original" xml:id="mon-204-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-204-trans">
          <p>ITem will dw machen prestswein= chophf von vischen So nym charphenn oder flem oder parben vnd schabb yn schon vnd slach yn schon auff vnd mach yn + czw stucken vnd thue ynn In ain phann vnd gewß dar an halbs mit wasser vnd halbs mit wein vnd das die prue ains vingerr hoch gee vber dy visch vnd heb sy vber ein guett fewr vnd laß sy sieden vnd salcz sew leich vnd stupp sy das sew halbew sey gesotten So + seich die prue in ain schussel vnd nym dy guetten dar awß vnd hack das pratt ein wincziges durch einander vnd thue es dan wider in dy phann vnd gewss die prue vnd la es wider ein wenigs sieden vnd dy schueben stoß sewdt vnd sy dan vnd streichs durch vnd gewss alles czambmen in ain phann vnd la es sten vnczt das es hertt werdt so heb es wider vber ein fewr vnd czuck es wider her abb pald vnd slach es auff ein panck vnd sneydt es in ain chal= tew suessew prue das gib in der vasten fur prest swein chophff dar etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-204-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-204-orig">
          <p>Wenn du einen Press-Schweinskopf aus Fisch zubereiten möchtest, so nimm Karpfen, Flem oder Barben. Schuppe den Fisch gründlich und schneide ihn sauber auf. Teile ihn in Stücke und gib diese in eine Pfanne.</p>
          <p>Begieße den Fisch zur Hälfte mit Wasser und zur Hälfte mit Wein, sodass die Brühe etwa einen Finger hoch über dem Fisch steht. Stelle die Pfanne auf ein gutes Feuer und lass den Fisch sieden. Salze ihn leicht und würze ihn, bis er halb gar ist.</p>
          <p>Seihe dann die Brühe in eine Schüssel ab und nimm die guten Fischstücke heraus. Hacke das Fischfleisch ein wenig durcheinander und gib es dann wieder in die Pfanne. Gieße die Brühe zurück und lass alles noch einmal kurz sieden.</p>
          <p>Die Fischschuppen zerstoße, siede sie dann und streiche sie durch. Gieße alles zusammen in eine Pfanne und lass es stehen, bis es fest wird. Dann hebe es kurz wieder über ein Feuer und nimm es schnell herunter.</p>
          <p>Schlage den Presskopf auf eine Bank und schneide ihn. Serviere ihn in einer kalten, süßen Brühe. Dies wird in der Fastenzeit anstelle eines Press-Schweinskopfes gereicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="charphenn">Karpfen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="flem">Flem (Fischart)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="parben">Barben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stupp">Gewürze (gemahlen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schueben">Fischschuppen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="suessew prue">Süße Brühe (zum Servieren)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-205">
        <head>Gesülzte Morcheln</head>
        <div type="original" xml:id="mon-205-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-205-trans">
          <p>ITem will dw machen gesulczt maw= rochen So full dy mawrochen mit einer guetten full von airen vnd stozz sy dan an spyssel vnd pratt sy schon vnd gewss dar an ain guette prue dy von fleisch sey gemacht vnd thue yn ain guette hyllff von hawssen platteren oder von wee dw wilt das es holl gestee vnd versalcz nicht so ist es guett</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-205-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-205-orig">
          <p>Willst du gesülzte Morcheln zubereiten, so fülle die Morcheln mit einer guten Eierfüllung.</p>
          <p>Stecke sie dann an Spieße und brate sie gründlich. Gieße danach eine gute Fleischbrühe darüber, die von Fleisch gemacht sei.</p>
          <p>Gib eine gute Zugabe von Hausenblase oder von dem, was du willst, hinzu, damit es hohl fest werde. Versalze es nicht, so ist es gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mawrochen">Morcheln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="full von airen">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="spyssel">Spieße</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guette prue dy von fleisch sey gemacht">Fleischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hawssen platteren">Hausenblase</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wee dy dw wilt">Anderes Geliermittel (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versalcz nicht">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-206">
        <head>Imitierte Morcheln auf grünem Eierfladen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-206-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-206-trans">
          <p>ITem will dw machen mawrochen auff ain platt So nym chelbrenn lungel vnd sewd sy vnd hack ainn ain ay dar vntter vnd thue dar vntter Guett stupp vnd ein geribens pratt vnd hack es gar chlain vnd mach ein holcz dar czw czw paiden seitten spuczig seynn vnd in der mit groß als dy mawrochen vnd streich dy full dar ein an das holcz vnd mach es geleich vmb vnd vmb das es Enmitten albeg groß sey vnd pach es In ein smalcz mit holcz mit taill vnd sneydt es dan enmitten von ein ander vnd czewch es ab dem holcz So sein ir czwo also gemacht also macht dw machen wie vill dw wilt So mach ein guette full von airen vnd full dy mawrochen schon da mit vnd mach dan ein gruns platt vonn airen vnd von pettersill vnd la das platt nitt vast pachen in der phan vnd secz dy mawrochen dar auff vnd la es an ein ander vnd richt es dan an das macht dw geben In welicher czeitt Im Iar dw wilt vnd mach es nicht gelb so hatt es recht dy gestalt als dy mawrochenn etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-206-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-206-orig">
          <p>Willst du Morcheln auf einem Fladen zubereiten, so nimm Kalbslunge und siede sie. Hacke sie dann fein und gib ein Ei darunter, dazu gute Gewürze und geriebenes Brot. Hacke alles sehr klein.</p>
          <p>Forme einen Holzstab, der zu beiden Seiten spitzig ist und in der Mitte so dick wie die Morcheln. Streiche die Füllung darauf, sodass sie gleichmäßig rundherum liegt und in der Mitte stets dick ist. Backe es im Schmalz mitsamt dem Holzstab, in Teilen. Schneide es dann in der Mitte auseinander und ziehe es vom Holzstab ab, so sind zwei Morcheln fertig. So kannst du so viele zubereiten, wie du möchtest.</p>
          <p>Bereite eine gute Eierfüllung zu und fülle die Morcheln damit gründlich. Mache dann einen grünen Fladen aus Eiern und Petersilie. Lasse diesen Fladen nicht zu stark in der Pfanne backen. Setze die Morcheln darauf und lasse sie zusammenkommen. Richte es dann an. Dieses Gericht kannst du zu jeder Jahreszeit servieren. Mache es nicht gelb, so hat es genau die Gestalt wie Morcheln.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chelbrenn lungel">Kalbslunge</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain ay">Ei</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Guett stupp">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein geribens pratt">Geriebenes Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="full von airen">Eierfüllung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="airen">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-207">
        <head>Ein Ei aus dreißig Eiern</head>
        <div type="original" xml:id="mon-207-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-207-trans">
          <p>ITEm wildw machen treyssick / oder vierczick ayr czw ainem ay So nym sczwo saw platteren das die ain chlainer sey dan dy anderen Sways + sy gar schon mit einem wasser Innen vnd nym dan dy air vnd schaidt dy tutter vnd das weiss von ein ander das weyß besunder vnd dy tutter wesunder vnd nym dan dy chlainer platter vnd ruer die + tutter durch einander vnd gewss in dy platter das sy von den tutter voll werdt vnd verpint sey dan schon mit ein varmm vnd hacks dann In ainen haffen vnd lass woll sieden das der tutter herdt werdt vnd schell dy platteren ab dem tutter vnd nym dan dysew platterr vnd sneyd ain loch dar ein Also gross als der tutter dar In mug vnd na dann dy + platterr schon wider czw So slach dan das weysss durch ein anderen vnd la + das weyß oben dar ein das vmb und vmb / vmb inder platteren der tutter gee vnd pintt sey dan mit einem varmm schonnn czwe vnd hachs in ain haffen der mit haissem wasser sey vnd la das weyss Inn dem tutter sieden So wirt ain ay? dar awss vnd gib es dan Ewbeg vnd gib ain essach dar czw etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-207-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-207-orig">
          <p>Willst du dreißig oder vierzig Eier zu einem einzigen Ei verarbeiten, so nimm zwei Schweinsblasen, wobei die eine kleiner sein soll als die andere. Wasche die Blasen innen ganz gründlich mit Wasser.</p>
          <p>Nimm dann die Eier und scheide das Eigelb und das Eiweiß voneinander, das Eiweiß für sich und das Eigelb für sich. Nimm dann die kleinere Blase und rühre das Eigelb durcheinander. Gieße es in die Blase, sodass sie vom Eigelb voll werde, und binde sie dann gründlich mit einem Faden zu.</p>
          <p>Gib die gefüllte Blase dann in einen Topf und lass sie gut sieden, sodass das Eigelb hart werde. Schäl die Blase vom Eigelb ab. Nimm dann die größere Blase und schneide ein Loch hinein, so groß wie das Eigelb hineinpasst. Nähe dann die Blase wieder gründlich zu.</p>
          <p>Schlage dann das Eiweiß durcheinander und lass das Eiweiß oben hinein, sodass es ringsum das Eigelb in der Blase umgibt. Binde sie dann mit einem Faden gründlich zu und gib sie in einen Topf, der mit heißem Wasser gefüllt ist. Lass das Eiweiß um das Eigelb sieden.</p>
          <p>So wird ein Ei daraus. Gib es dann warm und reiche einen Essig dazu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="treyssick / oder vierczick ayr">Eier</ingredient> - 30</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="sczwo saw platteren">Schweinsblasen</ingredient> - 2 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="varmm">Faden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essach">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-208">
        <head>Zweierlei Aal: Gefüllt und Gesotten</head>
        <div type="original" xml:id="mon-208-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-208-trans">
          <p>ITem will dw machen auss ainem als all maczwenn all So czeuch ab dem al dy hautt vnd thue sy wider an das recht vnd stoz das hawpp in dy full vnd na es an das es nicht ab vall vnd nym dan dar In des allen vnd sewdt Inn mit wasser vnd mit wein vnd stupp es woll ab vnd nym dan den all in der hawtt vnd pratt den schon auff dem rost vnd bes betraphff yn mit puteren So es ist gepratten So leg In auff ein schussel vnd leg dan den gesotten all vnd gib sy paydt hin den heren So mag der herr woll gesprechen von wann chumbt der ainn all etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-208-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-208-orig">
          <p>Wenn du aus einem Aal zwei Aale machen willst: Ziehe dem Aal die Haut ab und ziehe sie wieder auf den Körper. Stecke den Kopf in die Füllung und nähe es fest, damit es nicht abfällt.</p>
          <p>Nimm dann das Fleisch des Aals und siede es mit Wasser und Wein. Würze es gut ab. Nimm dann den Aal in der Haut und brate ihn gründlich auf dem Rost. Beträufle ihn dabei mit Butter.</p>
          <p>Wenn er gebraten ist, lege ihn auf eine Schüssel. Lege dann den gesottenen Aal dazu und gib beides den Herren. So mag der Herr wohl sprechen: „Woher kommt dieser eine Aal?“</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem als all">Aal</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy hautt">Aalhaut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das hawpp">Aalkopf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy full">Füllung (nicht näher spezifiziert)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="des allen">Aalfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stupp">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="puteren">Butter</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-209">
        <head>Gewürzter Honigsenf</head>
        <div type="original" xml:id="mon-209-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-209-trans">
          <p>ITem will dw machen ain gemachten seniff So nym seniff sam sawberr Vnd stoz den chlain vnd reib In durich ein tuech das enng sey vnd stoz czw nent= =plued vnd misch vnder einander vnd cze= per das mit henung sam vast vnder ein ander recht als das wackchs vnd wan wilt so nym ain wenigs vnd cze= treibs mit wein so hastw guetten seniff</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-209-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-209-orig">
          <p>Willst du einen gemachten Senf zubereiten, so nimm saubere Senfsaat. Stoße sie klein und reibe sie durch ein eng gewebtes Tuch. Stoße dazu Zimtblüte und mische alles untereinander. Zerreib das Ganze mit Honig fest untereinander, recht wie Wachs.</p>
          <p>Wenn du den Senf verwenden willst, so nimm ein Weniges davon und zerreib es mit Wein. So hast du guten Senf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="seniff sam sawberr">Senfsaat, sauber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czw nentplued">Zimtblüte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="henung sam">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein (zum Anrühren)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-210">
        <head>Gallerte aus Honig, Essig und Lebkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="mon-210-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-210-trans">
          <p>WIll dw machen czw ainer galredt So nym honig esseich leczelten stoz Durich ein ander vnd seichs durch + ein tuech senkches gewss an vnd vnd gibs hin etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-210-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-210-orig">
          <p>Willst du eine Gallerte zubereiten, so nimm Honig, Essig und Lebkuchen. Stoße diese Zutaten durcheinander und seihe die Mischung durch ein Tuch. Gieß sie danach ab und serviere sie.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leczelten">Lebkuchen (für Sauce)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein tuech">Passiertuch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-211">
        <head>Sülze von Hosennestel (Reh-Haut)</head>
        <div type="original" xml:id="mon-211-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-211-trans">
          <p>ITem will dw machen ain sulcz von hassen stellen So nym ain rech= hauwtt prue vnd czewch das harr herr awß vnd sewd dy hawtt gar woll so + chumphfft es sich gar vast czesam die czesneyd span lang vnd czwayer vinger praitt vnd mach dar awss ain sulcz tue / wein vnd esseich dar vnderen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-211-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-211-orig">
          <p>Wenn du eine Sülze von Hosennestel machen willst, so nimm eine Reh-Haut und brühe sie, damit sich das Haar vollständig herausziehen lässt. Siede die Haut dann sehr gut, sodass sie sich stark zusammenzieht.</p>
          <p>Schneide sie danach in spannenlange und zwei Finger breite Streifen. Mache daraus eine Sülze und gib Wein und Essig darunter.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rechhauwtt">Reh-Haut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-212">
        <head>Gefüllter Kalbsdarm</head>
        <div type="original" xml:id="mon-212-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-212-trans">
          <p>ITem wil dw machen ain affter darmm So nym ain affter darmm aus ainem chalb mach den gar sawber hach lungel vnd speck vntter ein ander vnd geburcz woll vnd reibs + vnd thue das in den darmm sneyd wurst dar aus vnd pracz vnd gibs trucken czw Essenn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-212-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-212-orig">
          <p>Wenn du einen Afterdarm zubereiten willst, so nimm einen Afterdarm von einem Kalb und reinige ihn sehr gründlich. Hacke Lunge und Speck untereinander. Würze gut und reibe es. Und fülle dies in den Darm. Schneide Würste daraus. Und brate sie und gib sie trocken zu essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain affter darmm aus ainem chalb">Kalbs-Afterdarm</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lungel">Kalbslunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-213">
        <head>Mandel-Weinmus</head>
        <div type="original" xml:id="mon-213-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-213-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein wein muss von mandel So nym 1/2 ? tail mandel reyb dye chlain vnd slachs mit reymel durich</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-213-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-213-orig">
          <p>Wenn du ein Weinmus von Mandeln machen willst, so nimm einen halben Teil Mandeln. Reibe sie klein und schlage sie mit Rainfal durch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="1/2 ? tail mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient> - 250 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein / reymel">Süßwein (Rainfal)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-214">
        <head>Mohnkäse mit Mohnmilch</head>
        <div type="original" xml:id="mon-214-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-214-trans">
          <p>ITem wil dw machen ein chas von magen So nym magen vnd wasch den schon vnd stoz denn in dy schotten obem vnd mach ab ain kass da von schol man nuss milich ein machen vnd mit czucker mach die milich suesss vnd ge= wss sy dan auff den chass</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-214-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-214-orig">
          <p>Wenn du einen Käse aus Mohn machen willst, dann nimm Mohn und wasche ihn gründlich. Stoße ihn dann, bis sich oben der Schotten absetzt - nimm ihn ab und mach daraus einen Käse.</p>
          <p>Dazu soll man Mohnmilch zubereiten und diese mit Zucker süßen. Gieße die gesüßte Mohnmilch dann auf den Käse.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="magen">Mohn</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schotten">Schotten (Mohn-Quark)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nuss milich">Mohnmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-215">
        <head>Ein Erbsenmus</head>
        <div type="original" xml:id="mon-215-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-215-trans">
          <p>ITem wil dw machen ain czisser= muss So nym chalt gwsß dy starck / sey vnd tauch dy cziserr dar ein vnd lass sy sieden das sy dy palich verliessen wasch schon lass trucken sieden wen sy nun gesotten sein so czereib sy mit ainem loffel Da mach ain muss von etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-215-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-215-orig">
          <p>Wenn du ein Erbsenmus zubereiten willst, so nimm eine starke, kalte Lauge und tauche die Erbsen darin ein.</p>
          <p>Lasse sie darin sieden, bis sie ihre Schale verlieren. Wasche die Erbsen gründlich und lasse sie dann trocken sieden.</p>
          <p>Wenn sie nun gar gekocht sind, zerreibe sie mit einem Löffel. Daraus mache ein Mus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chalt gwsß dy starck">Starke Lauge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy cziserr">Erbsen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-216">
        <head>Weißes gebratenes Huhn</head>
        <div type="original" xml:id="mon-216-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-216-trans">
          <p>ITem welt ir ain weysß gepraten hun mach pratt ain hunn vnd nempt das weyß von den ayren vnd Ein wenig melb dar czw gburcz das vnd slach durch ein ander vnd pegewss das hun da mit vnd dar nach habs czw dem fewr etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-216-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-216-orig">
          <p>Wollt ihr ein weißes gebratenes Huhn zubereiten:</p>
          <p>Brate ein Huhn. Nimm das Weiße von den Eiern und ein wenig Mehl dazu. Würze es und schlage alles durcheinander. Begieße das Huhn damit und danach halte es zum Feuer.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain hunn">Huhn</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das weyß von den ayren">Eiklar</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ein wenig melb">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-217">
        <head>Gerötete Hühner mit Safran-Ei</head>
        <div type="original" xml:id="mon-217-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-217-trans">
          <p>Slach ayr vnd saffrann durich einn ander vnd thue Inn als vor so hast rawttew huener etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-217-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-217-orig">
          <p>Schlage Eier und Safran durcheinander. Gib diese Mischung dann zu den Hühnern hinzu, wie es zuvor beschrieben wurde. So erhältst du gerötete Hühner.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffrann">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="huener">Hühner</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-218">
        <head>Grüne Hühner mit Petersilien-Mantel</head>
        <div type="original" xml:id="mon-218-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-218-trans">
          <p>ITem welt ir machen gruene huner So nempt petter sill vnd reib den chlain vnd slach In durich vnd nempt ayr vnd melb vnd thue dars alles durich einander gewurcz vnd pegewss dy hunr etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-218-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-218-orig">
          <p>Wollt ihr grüne Hühner zubereiten, so nehmt Petersilie und reibt sie fein. Schlage die Petersilie dann durch, um sie zu passieren. Nehmt Eier und Mehl, vermengt alles miteinander und würzt es. Begießt die Hühner damit.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="huner">Hühner</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petter sill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="melb">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-219">
        <head>Schwarze Hühner mit Gold und Nelken</head>
        <div type="original" xml:id="mon-219-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-219-trans">
          <p>WIll dw machen swarcze hunr So + nym leczelten schuffel pren dy daz Sy swarcz werden hastudes nicht so nym honig vnd melb pren das in ainer phan vncz das es swarcz wert laß chalt werden stoz in ainem morsar chlain slach es durich mit ayer vnd pegewss dy hunr vnd thue In das als vor gescriben stett vnd spick / sy mit gulden nagelein dy weyssen mit swarcz dy rotten mit silbren die gruen mit gulden vnd mit silbrenn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-219-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-219-orig">
          <p>Willst du schwarze Hühner zubereiten, so nimm Lebkuchen. Brenne sie auf einer Schaufel, damit sie schwarz werden. Hast du keine schwarzen Lebkuchen, so nimm Honig und Mehl. Brenne diese Mischung in einer Pfanne, bis sie schwarz wird.</p>
          <p>Lass die schwarze Masse kalt werden. Stoße sie in einem Mörser fein. Schlage sie dann mit Eiern durch und begieße damit die Hühner. Gib in die Hühner, was zuvor beschrieben steht (die schwarze Sauce).</p>
          <p>Spicke die Hühner mit goldenen Nelken. Die weißen (Hühner) verziere mit Schwarz, die roten mit Silber, die grünen mit Gold und Silber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hunr">Hühner</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leczelten">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig (alternativ)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="melb">Mehl (alternativ)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagelein">Gewürznelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gulden">Blattgold</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="silbren">Blattsilber</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-220">
        <head>Sauce für Braten und Hühnersülze</head>
        <div type="original" xml:id="mon-220-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-220-trans">
          <p>ITem will dw machen aine sallsen czw pratten vnd czw sulczen alten hunrn So nym mandel dy reib chlain slach durich ein tuch mit wein vnd mit esseich</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-220-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-220-orig">
          <p>Willst du eine Sauce für Braten und für Sülze von alten Hühnern zubereiten, so nimm Mandeln. Reibe sie fein und schlage sie durch ein Tuch mit Wein und Essig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel dy reib chlain">Mandeln, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-221">
        <head>Sauce zu weißen Hühnern</head>
        <div type="original" xml:id="mon-221-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-221-trans">
          <p>+ Salsen czw weyssen hunern So nempt walischew weinpern vnd reib dy chlain slachs durich ein tuech mit guetten wein vnd gburcz woll So hastu ain guette salssen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-221-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-221-orig">
          <p>Sauce zu weißen Hühnern: Nimm walisische Weinbeeren (Rosinen) und reibe sie klein. Schlage sie dann durch ein Tuch mit gutem Wein und würze es gut. So hast du eine gute Sauce.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="walischew weinpern">Rosinen (walisische)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-222">
        <head>Grüne Sauce für zubereitete Hühner</head>
        <div type="original" xml:id="mon-222-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-222-trans">
          <p>WElt ir machen salsen czw ratten hunern So nembt pettersill vnd reib den chlain vnd slach In durich ain tuch mit ainem ay vnd mit esseich geburcz so wircz guett dar czw so magstu nemmenn gruenss chrawtt welichicher lay das ist das nur rainn sey etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-222-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-222-orig">
          <p>Wollt ihr eine Sauce für gut zubereitete Hühner herstellen, so nehmt Petersilie und reibt sie fein. Schlage sie dann durch ein Tuch, zusammen mit einem Ei, Essig und Gewürz, damit sie gut wird. Dazu kannst du auch grünes Kraut nehmen, welcher Art es auch sei, Hauptsache, es ist rein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ainem ay">Ei</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geburcz">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gruenss chrawtt">Grünes Kraut (optional)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-223">
        <head>Graue Mandel-Rosinen-Sauce zu schwarzen Hühnern</head>
        <div type="original" xml:id="mon-223-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-223-trans">
          <p>WElt ir machen grabew salsen czw + Swarczen hunern so nym mandel vnd weinper geleich reib sy chlain slach sy durich ein tuech mit wein vnd mit esseich gburcz es so wirt es guett</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-223-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-223-orig">
          <p>Wollt ihr eine graue Sauce zu schwarzen Hühnern machen, so nehmt Mandeln und Rosinen gleichermaßen. Zerreibt sie klein und schlagt sie durch ein Tuch mit Wein und mit Essig. Würzt es, so wird es gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Rotwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esseich">Weinessig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Zimt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Swarczen hunern">Hühnerfleisch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-224">
        <head>Blancmanger von Huhn</head>
        <div type="original" xml:id="mon-224-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-224-trans">
          <p>ITem welt ir machen plabmatschir von alten hur?ern hunern So nym czwo alt henn sewd dy daz sy werden morb nym 1/2 talentum mandel stoz dy vnd slach sy mit der henn prue durich ain vierdung reibs chlaub den schonn vnd sewdt den vnd slach In durich ain tuech vnd nym dy pratten von der prust der hackchs chlain tue dy pratten vnd den reiss in den mandel milich new das durich ein ander vnd lass sieden an dy statt nym ain p tail Smalcz dar an vnd ruer es vast als paldt es an hebt czw sieden vnd dick cze wernn so thue ain vierdung czucker dar In vnd sweinens smalcz dar an vnd ruer es aber vast lass das woll sieden als lang vncz das es das smalcz wider geb so ist das essen weraidt vnd richt es an mit ainem vesten loffel vnd machs praytt das es slecht wertt vnd leg dy henn obenn obenn dar auff etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-224-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-224-orig">
          <p>Wollt ihr einen Blancmanger von alten Hühnern zubereiten, so nehmt zwei alte Hennen. Siedet sie, bis sie zart werden.</p>
          <p>Nehmt 250 g Mandeln, stoßt sie und passiert sie mit der Hühnerbrühe. Reinigt 125 g Reis gründlich, siedet ihn und passiert ihn durch ein Tuch.</p>
          <p>Nehmt das Fleisch von der Hühnerbrust, hackt es klein. Gebt das gehackte Fleisch und den Reis in die Mandelmilch, vermischt das gut und lasst es auf dem Herd sieden.</p>
          <p>Gebt 500 g Schweineschmalz hinzu und rührt es kräftig, sobald es zu sieden und dick zu werden beginnt. Dann gebt 125 g Zucker und weiteres Schweineschmalz hinein und rührt es wieder kräftig. Lasst es so lange gut sieden, bis es das Schmalz wieder abgibt.</p>
          <p>Dann ist das Gericht bereit. Richtet es mit einem festen Löffel an und streicht es glatt. Legt die Hennen obenauf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="czwo alt henn">Hennen</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="1/2 talentum mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient> - 250 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="henn prue">Hühnerbrühe</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain vierdung reibs">Reis</ingredient> - 125 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain p tail Smalcz">Schweineschmalz</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain vierdung czucker">Zucker</ingredient> - 125 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sweinens smalcz">Schweineschmalz (zusätzlich)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="mon-235">
        <head>Scherzgericht: Pastete mit lebendigen Vögeln</head>
        <div type="original" xml:id="mon-235-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#mon-235-trans">
          <p>IDem welt ir ein schympffessen So macht czwen tophff von taig ain grosseren wendt denn anderen also das es klainer in dem grosseren gesten mog vnd d ettwas der czwisschen sey weytt wenn lembtig vogel der sczwisschen sein sullen dar vmb solt er ainer hantt weitter sein den der ander so dw sy richt hast so pachs in ainen offen dar nach nym ain repphuen vnd pracz an dy statt vnd chlain vogel dar czw vnd mach ein gestupp oder ain czeseinbel wie dw willt czw leg das rephuen als ein chapp pawn auff das gestupp machstu machen mit will hyssenn hischem wein mit czucker vnd sunst mit guetten gburcz dar nach mach das repphuen vnd dy vogel hays vnd thue sy in denn chlain tophffen wan dw an richten wilt nym ain tutter vnd pestreich Da mit des grossen tophen podem vnd secz denn chlain obem darr auff so hafft er vnd wirt/vest mit mell vnd von wasßer mach ain praw taig vnd mach ain praicz platt vber den tophfen das es vmb ain guetten her ab pass gee oder lang slach iij tutter durch ein ander vnd be= streich den tophff da mit vmb den pratt vnd secz in In ain offen wan es er sein genug hatt so thue In her auss vnd mach ain turel in den grossen offen topfhen nemb der seytten nym ain snitten pratt vnd mach ain turel dar fur das tu/es auff vnd czw tuen mugst nym xx lemtiger vogel vnd thue dy In denn tophffen czw den tuerelein mach Ettlichen dy snabel silbren ettleich gulden tue das tuerel wider czw mach ettwo vill locher In den tophff das dy vogellein nit der sticken Sneyd also ein loch als der chlain tophff also mit den selbigen platt decks wider czw wan dw es auff den tisch wilt geben wan sy des repphuens vnd ders Der vogel geessen haben so prechen sew das Inner auff da mit fliegen dy vogel dahin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="mon-235-trans" xml:lang="de" corresp="#mon-235-orig">
          <p>Wenn du ein Scherzgericht zubereiten willst, so mache zwei Pastetentöpfe aus Teig. Den größeren wende so, dass der kleinere im größeren stehen kann und etwas Platz dazwischen ist. Wenn lebendige Vögel dazwischen sein sollen, so soll der eine Topf eine Handbreit weiter sein als der andere. Wenn du sie fertiggestellt hast, backe sie in einem Ofen.</p>
          <p>Danach nimm ein Rebhuhn und brate es sogleich, und brate auch kleine Vögel dazu. Mache dazu ein Gewürzpulver oder eine Sauce, wie du willst. Lege das Rebhuhn wie einen Kapaun auf das Gewürzpulver. Das Gewürzpulver kannst du mit heißem südlichen Wein, mit Zucker und sonst mit guten Gewürzen zubereiten.</p>
          <p>Danach mache das Rebhuhn und die Vögel heiß und gib sie in den kleinen Pastetentopf. Wenn du anrichten willst, nimm einen Eidotter und bestreiche damit den Boden des großen Pastetentopfes. Setze den kleinen Topf oben darauf, so haftet er und wird fest. Mit Mehl und Wasser mache einen braunen Teig und forme einen breiten Fladen über den Pastetentopf, sodass er gut ringsum hinabreicht oder lang ist. Schlage drei Eidotter durcheinander und bestreiche den Pastetentopf damit rings um das Brot herum und setze ihn in einen Ofen. Wenn er genug gebacken ist, nimm ihn heraus.</p>
          <p>Und mache ein Türchen in den großen, offenen Pastetentopf an der Seite. Nimm ein geschnittenes Brot und mache ein Türchen davor, das du öffnen und schließen kannst. Nimm zwanzig lebendige Vögel und gib sie in den Pastetentopf zu den Türchen. Mache etlichen die Schnäbel silbern, etlichen golden. Schließe das Türchen wieder. Mache etliche viele Löcher in den Pastetentopf, damit die Vögelchen nicht ersticken. Schneide ein Loch so groß wie der kleine Pastetentopf, und decke es mit demselben Teigfladen wieder zu.</p>
          <p>Wenn du es auf den Tisch geben willst: Wenn sie das Rebhuhn und die Vögel gegessen haben, so brechen sie das Innere auf, damit die Vögel davonfliegen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="tophff von taig">Teig für Pastetentöpfe</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain repphuen">Rebhuhn</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="chlain vogel">Kleine Vögel (gebraten)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gestupp oder ain czeseinbel">Gewürzpulver oder Sauce</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hyssenn hischem wein">Südlicher Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten gburcz">Gute Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain tutter">Eidotter</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mell">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasßer">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="iij tutter">Eidotter</ingredient> - 3</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="snitten pratt">Brot (geschnitten)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="xx lemtiger vogel">Lebendige Vögel (für den Scherz)</ingredient> - 20</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="silbren">Silber (für Vogelschnäbel)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gulden">Gold (für Vogelschnäbel)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#mon-001-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine eilose Mandel-Fastensuppe nach Eierbrüh-Art. Der historische Gericht-Name air von mandel (in der wortgleichen Regensburger Schwester m5919-026 ausgeschrieben als ayr prue = „Eierbrühe“) verspricht eine Eierspeise - doch es kommt kein einziges Ei hinein: Die Mandeln liefern Körper und Cremigkeit, Safran das ei-gelbe Aussehen. Eine klassische Fasten-Illusion, verwandt mit den nachgemachten Eiern aus Mandelmilch (mha-009) und den Mandel-„Spiegeleiern“ mit Hausen (m5919-018).

Crux. pat semmel wurflat heißt nicht „gebackene Würfel“, sondern gebähte (geröstete), gewürfelte Semmel - Croutons. pat steht für gebäht (mhd. bähen = leicht rösten, eine bekannte Lesefalle: nicht „backen“ oder „einweichen“), wurflat ist das Adjektiv würfeleht (= würfelförmig, gewürfelt). Die Schwester schreibt dieselbe Stelle gepad semel wurflat.

Praxis. Gemahlene Mandeln mit dem Wein verrühren und durch ein Passiertuch zu einer glatten Mandelmilch ausdrücken - der Wein statt Wasser ist der Kniff, er gibt Säure und Aroma (Richtwert ~100 g Mandeln auf 400-500 ml Flüssigkeit). Mit gemahlenem Ingwer abschmecken und nur wenig eingekochte Fischbrühe zugeben - mangels Brühe oder an strengen Fasttagen schlicht ein wenig Wasser. Safran vorher in etwas warmer Flüssigkeit ziehen lassen, dann einrühren, das gibt gleichmäßiges Eier-Gelb. Nur sanft warm werden lassen, nicht kochen - sonst flockt die Mandelmilch. Es ist eine dünne Suppe, kein Mus. Die Semmelwürfel separat rösten und erst beim Anrichten einstreuen, sonst weichen sie durch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-001-orig" n="air von mandel" resp="#fyndling">Wörtlich „Ei(erspeise) aus Mandeln“. Der Gericht-Name ist „Eierbrühe“ (in der Regensburger Parallele ayr prue), obwohl gar kein Ei verwendet wird - eine typische Fastenspeise, die ein Eiergericht nachstellt. Das ei-gelbe Aussehen entsteht durch Safran.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-001-orig" n="pat semmel wurflat" resp="#fyndling">Gebähte (geröstete), gewürfelte Semmel - also Croutons. pat = gebäht (von bähen, leicht rösten), wurflat = würfeleht (würfelförmig). Nicht „gebacken“.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-001-orig" n="am freytag fur ein suppen" resp="#fyndling">Der Freitag war ein traditioneller Fastentag, an dem kein Fleisch gegessen werden durfte. „Suppen“ bezeichnete im Mittelalter oft flüssige oder breiige Speisen, die mit Brot gegessen wurden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-001-orig" n="wildw" resp="#fyndling">'willst du' - eine typische frühneuhochdeutsche Form der Anrede und Einleitung eines Rezepts.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-001-orig" n="nymb" resp="#fyndling">'nimm' - der Imperativ von 'nehmen', eine gängige Anweisung in Kochrezepten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-001-orig" n="wincziger / winczig" resp="#fyndling">'winziger' bzw. 'winzig' - bedeutet 'klein' oder 'gering', hier für die Menge der Brühe/des Wassers.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-001-orig" n="richczst" resp="#fyndling">'anrichtest' - bezieht sich auf das Servieren oder Präsentieren des fertigen Gerichts.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-001-orig" n="sneydt" resp="#fyndling">'schneidet' - der Imperativ von 'schneiden', hier für das Zerteilen der Semmelwürfel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-001-orig" n="pat ... wurflat" resp="#fyndling">'gebäht ... würfeleht' - pat (auch gepad) steht für gebäht/geröstet (mhd. bähen = leicht rösten), wurflat für das Adjektiv würfeleht = gewürfelt (MHDBDB-Lemma, im Korpus 10-fach belegt). Zusammen: geröstete, gewürfelte Semmel (Croutons). Belegt durch die wortgleiche Parallele m5919-026 ('gepad semel wurflat').</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-002-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Süße, in Schmalz ausgebackene Reisküchlein - gekochter Reis, fein gerieben, mit rohem Ei gebunden und mit der Hand zu kleinen Küchlein geformt, in heißem Schmalz frittiert und gezuckert. Eine nahezu wortgleiche Schwester ist ri15632-026 aus dem Kloster Rott am Inn; eine Reismehl-Variante derselben Familie ist kkm-091.

Crux scherben. Der gekochte Reis kommt in einen reib scherben - eine raue Reibschale, also einen Mörser (lateinisch mortarium), keine Backform. Das pachen meint hier das Ausbacken in der Pfanne, nicht das Backen im Ofen; entsprechend ist es kein Kuchen, sondern frittiertes Pfannengebäck (prantew chuchlen = gebrannte, ausgebackene Küchlein).

Praxis. Etwa 150 g Rundkornreis bissfest kochen (nicht weich, sonst verklebt er zu Brei und lässt sich weder reiben noch formen), abtropfen, in einer Reibschale oder einem Mörser grob zerreiben. 1-2 rohe Eier unterrühren, bis die Masse formbar, aber nicht flüssig ist. Mit der Hand zu kleinen Talern oder Nocken formen und in reichlich heißem Schmalz (etwa 170-180 °C) goldbraun ausbacken, dann heiß zuckern. ‚Versalze nicht' meint: die Grundmasse nur dezent salzen, das Gericht wird süß serviert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-002-orig" n="reib scherben" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#scherben">Ein ‚Reibescherben' ist eine raue, innen ungeglasierte Keramik-Reibschale - im Grunde ein Mörser im Sinn des lateinischen mortarium: das Reibgefäß, in dem der gekochte Reis durch Reiben zerkleinert wird. Es ist ein Gefäß, keine Zutat. Das bairische Kompositum reib scherben ist klar von der bloßen Teigform-scherben verwandter alemannischer Handschriften zu unterscheiden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-002-orig" n="prantew chuchlen" resp="#fyndling">‚Gebrannte Küchlein' - kleine, in heißem Fett ausgebackene und gebräunte Küchlein (nicht ‚angebrannt' und nicht im Ofen gebacken). Die fast wortgleiche Schwester-Handschrift ri15632-026 hat hier ‚als praten kuechel' (wie gebratene Küchlein).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-002-orig" n="pachens" resp="#fyndling">Hier ‚in der Pfanne ausgebacken/frittiert', nicht das moderne Backen im Ofen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-002-orig" n="reib scherben" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#scherben">Ein Reibescherben - eine raue Keramik-Reibschale, also ein Mörser im Sinn des lateinischen mortarium, in den der gekochte Reis zum Zerreiben gegeben wird. Ein Gefäß, keine Zutat. Beleg: dialekt-getaggter Glossareintrag reyb scherben = Reibschale (bairisch, Ehlert 1999) und die fast wortgleiche Schwester-Handschrift ri15632-026.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-002-orig" n="rache air" resp="#fyndling">rohe Eier. ‚Rache' ist eine bairische Adjektivform für ‚roh'; die rohen Eier werden in die warme Reismasse gerührt und binden sie. Gestützt durch die Roh-Glossen des Korpus (row/gruey = roh) und durch die Schwester-Handschrift ri15632-026, die an gleicher Stelle schlicht ‚ruer ayer dar vnder' (rühre Eier darunter) hat.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-003-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süßes Eidotter-Wein-Mus - ein Vorfahr der Zabaglione/Weinschaumcreme: Eidotter mit welschem Wein, etwas geriebener Semmel und Zucker (oder Honig) auf der Glut cremig dick gerührt. Im Mondseer Korpus steht es neben der eilosen Fasten-Variante mon-001; hier ist es aber die echte Eierspeise.

Der Titel und die fehlenden Eier. Der Mondseer Schreiber nennt die Eier nur im Titel von airen und lässt sie im Verfahrenstext aus - eine Auslassung, keine Absicht. Die fast wortgleichen Schwesterrezepte m5919-014 und ri15632-027 tragen den Titel ayr totteren / ayer toter (Eidotter) und belegen, dass die Dotter zum Binden gehören; sie sind hier ergänzt, nicht erfunden.

Welscher Wein, nicht Weißwein. Walsch wein meint welschen, also romanisch-südländischen (oft süßen) Importwein - die Schwester m5919-014 schreibt welhisch wein. Ein süßer Dessertwein trifft den Charakter am besten.

Praxis. Eidotter, welschen Wein, Zucker und die geriebene Semmel verrühren und durch ein Tuch streichen. In einem kleinen Häfchen über milder Glut stetig rühren (ruer es ymber = rühre es stets), bis es cremig eindickt - nicht sprudelnd kochen, sonst gerinnt der Dotter und ‚legt sich an'. Sobald es bindet, sofort von der Glut nehmen. Die Säure des Weins verlangt sanfte Hitze.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-003-orig" n="walsch wein" resp="#fyndling">Welscher (italienischer/südländischer) Wein - meist ein süßerer, kräftiger Importwein; nicht zu verwechseln mit ‚Weißwein'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-003-orig" n="airen" resp="#fyndling">Eier, hier die Eidotter - die Bindung des Muses. Im Mondseer Verfahrenstext nur über den Titel ‚von airen' genannt, in den fast wortgleichen Schwesterrezepten als ‚ayr totteren' (Eidotter) ausgeschrieben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-003-orig" n="cho= ller" resp="#fyndling">‚Glut' / glühende Kohlen - die Masse wird zum Eindicken auf die Glut gesetzt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-004-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte, in Schmalz gebratene Eier unter einer Eierbrühe - der bairisch-österreichische Vertreter der größten Gericht-Familie des Korpus, dem mittelalterlichen Urahn der heutigen gefüllten Eier (Eier mimosa, deviled eggs). Eng verwandt sind die Schalen-Refill-Variante Gefüllte Eier mit gebratener Dottermasse aus Regensburg und die Schwestervariante Gefüllte Eier am Spieß vom selben Folio. Methodisch am nächsten steht aber Gefüllte Eier für Ordensleute, wo die Eier ebenfalls halbiert, gefüllt, gebraten und mit einer Ei-Sauce übergossen werden.

Die Methode. Anders als bei den Schalen-Refill-Varianten werden die Eier hier geschält und yeglichgs ein czway - jedes in zwei - geschnitten. Der tutter (Dotter) wird herausgenommen, klein gehackt mit Petersilie oder Salbei (das Original bietet beide Kräuter als Wahl an, nicht als Mischung) und Gewürz zur Füllpaste verarbeitet und zurückgefüllt. Dann rost es durch dar Inn - in heißem Schmalz beidseitig durchbraten.

air prue - die Eierbrühe. air heißt im Mondseer Dialekt Eier, prue ist Brühe. Gemeint ist hier keine Kochflüssigkeit, in der die Eier garen, sondern eine mit verquirltem Ei gebundene Brühe, die als Sauce über die schon gebratenen Eier gegeben wird - genau wie in boc-038, wo eine Ei-Sauce über die gebratenen Eier gegossen und stocken gelassen wird. Der Regensburger Zwilling m5919-027 zeigt dieselbe Finish-Wahl: anrichten in einer guten Brühe oder in Schmalz rösten.

Praxis. Eier hart kochen, schälen, halbieren. Dotter mit fein gehackter Petersilie oder Salbei und einer Prise Gewürz (Pfeffer, Ingwer, Muskatblüte) verkneten - bei Bedarf mit etwas rohem Ei binden, damit die Füllung beim Braten hält. Die Hälften mit der Füllseite nach unten in heißem Schmalz anbräunen. Für die Sauce heiße Brühe mit verquirltem Ei legieren und über die gebratenen Eier geben, bei milder Hitze stocken lassen - nicht aufkochen, sonst gerinnt sie. Die gebratenen Eier nicht lange in der Flüssigkeit ziehen lassen, sonst weicht die Kruste auf.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-004-orig" n="tutter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tutter">Der Dotter, also das Eigelb.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-004-orig" n="saluon" resp="#fyndling">Salbei (Salvia officinalis). Die Form saluon ist im Korpus nur hier belegt; die Lesart stützt sich auf das lateinische salvia (mit dem im Mittelalter üblichen Wechsel von v und u) und die im Korpus mehrfach belegte Schreibform selbey = Salbei. Die feste Paarung von Petersilie und Salbei ist eine klassische mittelalterliche Kräutermischung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-004-orig" n="air prue" resp="#fyndling">Eierbrühe (air = Eier, prue = Brühe): eine mit verquirltem Ei gebundene Brühe, die hier als Sauce über die gebratenen Eier gegeben wird, vergleichbar der Ei-Sauce in boc-038.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-004-orig" n="machs ab" resp="#fyndling">Eine gängige Schlussanweisung in mittelalterlichen Kochbüchern: das Gericht fertigstellen und anrichten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-004-orig" n="saluon" resp="#fyndling">'Salbei' (Salvia officinalis). Die Form saluon ist im Korpus singulär (nur in diesem Rezept) und hat keinen direkten Wörterbuch-Treffer. Die Lesart ist dennoch solide: Sie geht auf lateinisch salvia zurück (Graphem-Wechsel v/u) und entspricht der mehrfach belegten Korpus-Schreibform selbey = Salbei; die Kombination Petersilie + Salbei ist eine übliche Kräuterpaarung der Zeit.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-005-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht? Eine spätmittelalterliche Schau- und Tafelspeise: gefüllte Eier am Spieß. Das Ei wirkt äußerlich ganz, ist aber neu gewürzt - der Reiz liegt in der Optik beim Servieren, nicht in einer raffinierten Technik. Dasselbe Gericht steht fast wortgleich als Gefüllte Eier am Spieß im Tegernseer Speisenbuch und als Krause Eier im Rheinfränkischen Kochbuch. Innerhalb derselben Quelle ist es die Spieß-Variante zum unmittelbar vorausgehenden gefüllten Eierrezept auf demselben Folio.

Die Mondseer Notiz nimmt nur den Dotter heraus (thue dy tutter dar awß), das rohe Eiweiß bleibt in der Schale. Genau deshalb folgt der eigene Zwischenschritt vber prenß: die wieder gefüllte Schale wird kurz über der Glut oder in heißem Fett angezogen, damit Füllung und verbliebenes Eiweiß stocken, bevor das Ei auf den Spieß kommt. Das Wort gehört zum Stamm brennen (überbrennen, kurz über Feuer ziehen) - kein Verbrennen, sondern ein gezieltes Festigen. Die engsten Parallelen garen die Masse stattdessen vor dem Füllen; die Mondseer Fassung nennt das Stocken eigens, weil hier eben rohes Eiweiß in der Schale blieb.

Praxis. Eier roh an beiden Spitzen aufstechen - unten ein Nadelstich, oben ein etwas größeres Loch. Das Ei mit dem größeren Loch nach unten halten und leicht pusten: der runde Dotter (feste Membran, glatte Oberfläche) rutscht durch das Loch heraus, während das viskose Eiweiß an der Schaleninnenwand klebt und zurückbleibt. Das gelingt nur mit sehr frischen Eiern - bei älteren Eiern reißt die Dottermembran sofort und die Trennung scheitert. Den Dotter mit zerlassenem Schmalz, feingehackter Petersilie und einer Prise Gewürz (Pfeffer, Ingwer, Muskat) glattrühren und zurück in die Schale füllen. Die gefüllte Schale kurz dicht über der Glut oder in heißem Fett anziehen lassen, bis Eiweiß und Füllung gestockt sind - erst dann hält das Ei am Spieß. Auf ein dünnes Spießlein stecken und über ruhiger Glut rundum bräunen. Die Schalenränder sind scharf, also vorsichtig aufstecken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-005-orig" n="tutter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tutter">Das Eigelb des Eis.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-005-orig" n="smalcz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz. Für eine vegetarische Variante kann Pflanzenöl oder Butter verwendet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-005-orig" n="pettersill" resp="#fyndling">Petersilie, ein häufig verwendetes Kraut in der mittelalterlichen Küche.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-005-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Ein unspezifischer Begriff für Gewürze. Typische Gewürze der Zeit waren Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat oder Galgant.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-005-orig" n="spyß" resp="#fyndling">Ein Spieß, auf den die gefüllten Eier zum Braten gesteckt werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-005-orig" n="vber prenß" resp="#fyndling">Als 'kurz anziehen / stocken lassen' übersetzt (Stamm 'brennen', überbrennen): Die wieder gefüllte Schale wird kurz über der Glut oder in heißem Fett gefestigt, damit das verbliebene rohe Eiweiß und die Füllung stocken, bevor das Ei auf den Spieß kommt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-006-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht? Hartgekochte, also gancz (ganz, ungeteilt) in Schmalz geröstete Eier, übergossen mit einer siedend-heißen Safran-Rahmsauce - eine gehaltvolle Eierspeise ohne Füllung, ohne Zerteilen. Im Mondseer Kontext bemerkenswert: alle Nachbarrezepte dieses Folios halbieren oder spalten die Eier - mon-004 (sneys yeglichgs ein czway, halbiert und gefüllt), mon-009 (spal ... von ein ander, gespalten). Hier bleiben die Eier ausdrücklich ungeteilt in der Pfanne. Das Gericht ist kein Fasten-Imitat - smalcz und oberen milich (Rahm) sind beides Fleischtagszutaten.

Crux: fehlendes Verb. Das Transkript zeigt schels vnd [Verb fehlt] sy in ainem smalcz also gancz - zwischen 'schäle' und 'sie in einem Schmalz' fehlt ein Verb. Das Mondseer Kochbuch belegt das fehlende rösten zweifach auf demselben Folio: in mon-004 (rost es durch dar Inn) und in mon-009 (rost sy ym smalcz). Details zur Lesart stehen in den Lesarten unten.

Technik: oberen milich. Die obere Milch ist der Rahm, der sich auf unhomogenisierter Rohmilch absetzt - bairisch-österreichisch 'Obers'. Die Rahmsauce wird separat gesotten, mit Safran und gburcz (Gewürzmischung, typisch Pfeffer, Ingwer, optional Zimt) abgeschmeckt, dann noch ein wenig Schmalz eingerührt - das gibt Seidigkeit und bindet die Sauce leicht.

Praxis. Eier hart sieden (ca. 10 Minuten), kalt abschrecken, schälen. In heißem Schmalz ringsum anrösten, bis die Oberfläche leicht Farbe nimmt - die Eier rollen dabei in der Pfanne. Safran wirklich sparsam dosieren: 2-3 Fäden auf 150-200 ml Rahm genügen, mehr macht die Sauce medizinal-bitter. Die fertig gerösteten Eier in eine Schüssel geben und die heiße Rahmsauce direkt darübergießen - nicht lange stehen lassen, sonst wird die Röstoberfläche aufgeweicht. Die Eier dürfen zum Servieren halbiert werden, auch wenn das Original sie ganz lässt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-006-orig" n="oberen milich" resp="#fyndling">Dies bezeichnet die ‚obere Milch', also den Rahm oder die Sahne, die sich auf unhomogenisierter Milch absetzt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-006-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚Gewürz' ist eine allgemeine Bezeichnung für eine Gewürzmischung, deren genaue Zusammensetzung oft nicht spezifiziert wurde. Typisch waren Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken oder Galgant.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-006-orig" n="sewd / sewdt" resp="#fyndling">'Sieden' - das Verb sieden (kochen, garen) ist die naheliegendste und kontextuell passende Lesart; MHDBDB Lemma sieden (VRB), Schreibvariante sewd im MHD-Korpus belegt. Im Rezept zweifach: einmal für die Eier (hart sieden), einmal für den Rahm.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-006-orig" n="schels" resp="#fyndling">'Schälen' - im Kontext von gesottenen Eiern ist 'schälen' die einzig sinnvolle Handlung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-006-orig" n="nymb" resp="#fyndling">'Nimm' - der Imperativ von 'nehmen' ist die korrekte Übersetzung für diese Anweisung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-006-orig" n="saffrann" resp="#fyndling">'Safran' - die Schreibweise ist eine regionale Variante des Gewürzes Safran.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-006-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">'Gewürz' - bairisch-österreichische Schreibweise für 'Gewürz' im 15. Jahrhundert; im Mondseer Kochbuch durchgängig (mon-004, mon-005, mon-010) und in Cgm 5919 mit 14+ Belegen gesichert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-006-orig" n="gewß" resp="#fyndling">'Gieße' - der Imperativ von 'gießen'; MHDBDB Lemma giezen (VRB), Schreibvariante gews belegt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-006-orig" n="oberen milich" resp="#fyndling">'Rahm' oder 'Sahne' - die 'obere Milch' ist der fettreiche Teil, der sich auf Rohmilch absetzt. Grimm WB: 'vaiste der milch = raam'; Korpus-Parallelbeleg m5919-010 'obry milch' im selben bairisch-österreichischen Dialektraum.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-006-orig" n="vnd sy in ainem smalcz also gancz" resp="#fyndling">'röste sie so ganz in einem Schmalz' - das Verb ist im Transkript ausgefallen (Augensprung des Schreibers). Erschlossen aus dem Manuskript-internen Muster: mon-004 'rost es durch dar Inn' und mon-009 'rost sy ym smalcz' (beide Ms. 1609, Fol. 011v) belegen rœsten (MHDBDB Lemma rœsten, VRB, Bedeutungsfeld Nahrungszubereitung) als das Mondseer Standardverb für diesen Prozessschritt. 'also gancz' = so ganz, als Ganzes, ungeteilt - expliziter Kontrast zu mon-004 (halbiert) und mon-009 (gespalten).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-007-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Halbierte hartgekochte Eier, kalt serviert mit einer leuchtend grünen Petersilien-Weinsauce - ein Kaltstarter vom Typ der mittelalterlichen Salsa verde. Verwandter Typ: Eier in Weinsauce für Nonnen (boc-055) (warme, safrangelbe Variante, päpstlicher Hof) und Grüne Eier im Schmalz (mon-008) (selbe Handschrift, selbe Technik, mit Honig und Rösten). Mon-007 ist die asketischste Form: keine Gewürze, keine Bindung, kein Erhitzen der Sauce.

Technik: stoß und slach durch Das Herzstück des Rezepts ist dreistufig: Petersilie zunächst sehr fein hacken (hack gar chlain), dann im Mörser zerstoßen (stoß), schließlich die Masse mit gutem Wein durch ein Leinentuch schlagen (Slachs durch). Das Durchschlagen ist keine bloße Verrührung - es ist die mittelalterliche Technik der Farbextraktion: das Tuch filtert alle Fasern heraus und lässt nur den intensiv grünen, weinduftigen Kräutersaft durch. Ergebnis ist eine klare, leuchtend grüne Flüssigkeit, kein Kräuterbrei. Dieselbe Technik belegen unmittelbar benachbarte Mondseer Rezepte: mon-008 (slachs in mit wein durch) und mon-009 (slachs dur).

Crux: mach=gs ab / an die air Das Gleichheitszeichen ist ein mittelalterlicher Divis, ein Zeilenwechsel-Marker in der Handschrift - kein Inhaltssignal. Die Phrase lautet durchgehend: machs ab an die air = "richte die Sauce fertig an und gib sie zu den Eiern." Machs ab ist eine stehende fnhd. Kochformel für Fertigstellen und Anrichten; im Mondseer Korpus direkt belegt in mon-008 (machs mit gburcz ab = "würze die Mischung ab") und mon-009 (machs ab = "Richte es an, so ist es recht"). Weitere Belege im Gesamtkorpus: kkm-002 (machs ab mit Saltz vnd Würtz), kkm-021 (mit würtz abmachen = fertigstellen).

Praxis. Eier 10-12 Minuten hart kochen, halbieren. Eine große Handvoll Petersilie sehr fein hacken, im Mörser gründlich zerstoßen. Die Masse in ein feines Leinentuch geben, mit trockenem Weißwein begießen und auspressen, bis die Sauce klar und hellgrün ist. Die grüne Weinsauce abschmecken (das Rezept nennt kein Salz, aber ein wenig wäre period-konform). Kalt über die Eierhälften gießen und sofort so servieren. Kein zweiter Hitzeschritt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-007-orig" n="stoß" resp="#fyndling">Im Mörser zerstoßen - erster Schritt der Kräuterverarbeitung vor dem Durchschlagen; Ziel ist möglichst feines Aufschließen der Zellstruktur zur Farbextraktion.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-007-orig" n="Slachs" resp="#fyndling">Petersilienmasse mit Wein durch ein Tuch schlagen - Technik der Farb- und Aromaextraktion, um eine glatte, grüne Flüssigkeit zu gewinnen (keine Schwebstoffe). Belegt identisch in mon-008 (slachs in mit wein durch) und mon-009 (slachs dur). MHDBDB: Lemma slahen, Bedeutungsfeld Bewegungen/Objektbezogene Aktivität.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-007-orig" n="mach=gs ab" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Kochformel: die Sauce fertigstellen und anrichten. Das = ist ein Divis (Zeilenwechsel-Marker in der Handschrift), kein Inhaltssignal. An die air gibt die Richtung an: zu den Eiern. Korpus-Parallelen: mon-008 (machs mit gburcz ab = würze und richte ab), mon-009 (machs ab = richte an, so ist es recht), kkm-002 (machs ab mit Saltz vnd Würtz).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-007-orig" n="chaldt" resp="#fyndling">"kalt" - Adjektiv/Adverb des Servierzustands (bairisch-österr. Schreibung mit -dt-Auslaut).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-007-orig" n="mach=gs ab" resp="#fyndling">"mach es fertig und richte es an" - stehende fnhd. Kochformel (fertigstellen/abschmecken/anrichten). Das = ist ein Divis (Zeilenwechsel-Marker). Belege: mon-008, mon-009, kkm-002.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-008-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht? Hartgekochte Eier, kurz in Schmalz angebraten, in einer grünen Honig-Wein-Petersiliensauce - eine vereinfachte mittelalterliche Grünsauce vom Typ der Agliata verde, ohne Knoblauch, mit Honig gesüßt statt mit Essig gesäuert. Das Direktnachbarrezept mon-007 zeigt dieselbe Grundtechnik in der schlichten Alltagsform: kalt, ohne Honig, ohne Rösten. Mon-008 ist die reichere, wärmere Festtagsvariante.

Technik: „slachs in mit wein durch“ Das ist der Kern des Rezepts. Die gestoßene Petersilie wird mit Wein vermengt und durch ein Leinentuch oder grobes Sieb geschlagen - nicht verrührt. Das Durchpressen löst das Chlorophyll aus den Zellen und ergibt eine kräftig grüne, herb-weinige Flüssigkeit. Nur diese Technik liefert die versprochene Farbe; bloßes Umrühren ergibt ein blasses Ergebnis. Dieselbe Technik steht explizit in meb-006: „schlach es durch ain tuch oder durch ain sib“ - Tuch oder Sieb werden dort direkt genannt. Honig und gburcz (Gewürz, bairisch-österreichisch für Gewürzmischung) werden in die Flüssigkeit eingerührt. Als Gewürz passt Ingwer am besten zu Honig und Wein; Pfeffer ergänzt gut, Zimt kann den Grünton optisch beeinträchtigen.

Praxis. Reihenfolge: Erst Sauce bereiten (Petersilie stoßen, mit Wein durch Tuch schlagen, Honig einrühren, abschmecken). Dann Eier in heißem Schmalz rundum anbraten - ganz gebraten entstehen schöne Röststellen, halbiert bräunt die Schnittfläche. Heiß aus der Pfanne sofort in die grüne Sauce legen oder die Sauce darübergießen. Die Sauce nicht kochen - sie bleibt roh und frisch. Kurz vor dem Servieren herstellen, sie oxidiert und verblasst wenn sie steht. Die Abschlussformel „also werden sy gerecht vnd guett“ ist eine feste Schlussformel des Mondseer Kochbuchs, wortgleich auch in mon-007 und m725-004 belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-008-orig" n="herte air" resp="#fyndling">Hartgekochte Eier.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-008-orig" n="slachs in mit wein durch" resp="#fyndling">Schlage die gestoßene Petersilie mit Wein durch ein Tuch oder Sieb - nicht verrühren. Das Durchpressen extrahiert den grünen Farbstoff und das Aroma. Dieselbe Technik steht in meb-006 explizit: „schlach es durch ain tuch oder durch ain sib“. Belege auch in mon-007 und mon-009 (selbe Handschrift).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-008-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Ein allgemeiner Begriff für Gewürze. Im Spätmittelalter waren dies typischerweise Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat oder Galgant. Die Schreibung gburcz ist eine bairisch-österreichische Variante von „Gewürz“.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-008-orig" n="rast sy ym smalcz" resp="#fyndling">Die hartgekochten Eier werden kurz in Schmalz angebraten, um eine leichte Röstung und zusätzlichen Geschmack zu erhalten. Rast steht hier als Verb (anbraten/rösten); Parallele m5919-060: „rost es darinen ab vnd rast es kull auff kolen“.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-008-orig" n="gruen varb" resp="#fyndling">Die grüne Farbe - konkret: die zuvor hergestellte grüne Petersilien-Wein-Honig-Sauce. Nicht metaphorisch, sondern ein Verweis auf die Extraktionsflüssigkeit aus dem Durchschlag-Schritt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-008-orig" n="sol mach sol machen gruen" resp="#fyndling">Schreiber-Dittographie: der Kopist hat „sol mach“ begonnen, abgebrochen und „sol machen gruen“ neu angesetzt. Inhalt: „soll man grün machen“. Kein eigenständiger Bedeutungsunterschied.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-008-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Als „Gewürz“ (allgemeine Gewürzmischung) übersetzt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-008-orig" n="slachs in mit wein durch" resp="#fyndling">Schlage die gestoßene Petersilie mit Wein durch ein Tuch oder Sieb (Passieren/Durchschlagen zur Farbstoffextraktion). Belegt durch meb-006 („schlach es durch ain tuch oder durch ain sib“), mon-007/mon-009 (selbe Handschrift), m384-026 und weitere Korpusbelege.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-008-orig" n="rast sy ym smalcz" resp="#fyndling">Anbraten/Rösten der Eier im Schmalz. In m5919-060 steht „rost es darinen ab vnd rast es kull auff kolen“ - dort beschreibt die Abfolge Anbraten und Nachgaren; in mon-008 ist „rast“ mit Akkusativobjekt „sy“ und Hitzemedium „ym smalcz“ eindeutig ein Bratvorgang.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-009-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht? Hartgekochte Eier, halbiert und in Schmalz angebraten, dann in eine grüne Kräuter-Honig-Wein-Sauce eingelegt. „Pfeffer“ im Titel ist der Gattungsname für eine würzige Sauce - die Sauce heißt Pfeffer, enthält aber im Rezepttext kein Pfeffer-Gewürz als Einzelzutat. Schwesterrezepte auf demselben Folium 012r: Eier mit Petersilien-Weinsauce (mon-007, kalte Variante) und Grüne Eier im Schmalz (mon-008, nahezu identische Technik mit expliziter Saucenbeschreibung).

Crux: spal schels sy vnd spalcz sy von ein ander. Das „spal“ vor „schels“ ist ein Schreibversprecher des Kopisten: Er beginnt mit „spalcz“ (spalten), bricht ab und setzt mit „schels sy“ (schäle sie) neu an. Danach folgt der eigentlich beabsichtigte Schritt vollständig: „spalcz sy von ein ander“ = spalte sie voneinander. Die korrekte Sequenz lautet also: schälen, dann halbieren - nicht drei separate Befehle.

Crux: die gruenn varib. Wörtlich „die grüne Farbe“ (mhd. varwe): eine fertige Kräutersauce, kein bloßer Farbstoff. mon-008 beschreibt die Herstellung auf demselben Fol. 012r: Petersilie fein stoßen, mit Wein durchschlagen (slachs durch), Honig zugeben, mit Gewürz abschmecken. mon-009 setzt diese Technik als bekannt voraus und nennt sie nur verkürzt. Der Unterschied zur Schwester: mon-008 bereitet die Sauce zuerst, dann kommen die Eier hinein; mon-009 röstet die Eier zuerst, dann wird die Sauce mit Honig und Wein aufgezogen - zwei Wege zur selben grünen Sauce.

Crux: machs ab. Im Mondseer Kochbuch Standardformel für abschmecken und fertigstellen (belegt mon-004, mon-006, mon-008). Bedeutet nicht nur anrichten, sondern das letzte Würzen und Justieren.

Praxis. Eier können vorgekocht zum Markt mitgebracht werden. Petersilie überlebt den Tag problemlos. Schmalz-Rösten in der Eisenpfanne dauert 2-3 Minuten, Schnittfläche nach unten. Petersilie frisch im Mörser stoßen, mit Wein aufgießen, durch ein Tuch oder ein feines Sieb passieren - so entsteht die grüne Sauce. Honig einrühren. Geröstete Eier einlegen, kurz durchziehen lassen, abschmecken. Gewürz (Pfeffer, Ingwer) nach Belieben - der Rezepttext nennt keines explizit; mon-008 hat „gburcz“ = Gewürz allgemein.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-009-orig" n="gruenn varib" resp="#fyndling">Mhd. varwe (MHDBDB Lemma varwe, Bedeutungsfeld Farben/Visuell): die fertige grüne Kräutersauce, kein bloßer Farbstoff. mon-008 beschreibt die Herstellung auf demselben Fol. 012r: Petersilie fein stoßen, mit Wein durchschlagen, Honig zugeben, mit Gewürz abschmecken. mon-009 setzt diese Technik als bekannt voraus und nennt sie nur verkürzt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-009-orig" n="phefferr" resp="#fyndling">Gattungsname für eine würzige Sauce (Glossar Ehlert1999: „würzige, gebundene Sauce / ein Pfeffer-Gericht“; Götze: „pfeffer m. gewürzte sauce.“). Im Rezepttext selbst erscheint kein Pfeffer-Gewürz als Zutat - „phefferr“ benennt nur die Saucengattung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-009-orig" n="willdw" resp="#fyndling">„willst du“ - gängige frühneuhochdeutsche Form der Anrede, die eine Handlungsaufforderung einleitet. Mondseer Standardöffner (vgl. mon-002).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-009-orig" n="phefferr" resp="#fyndling">Gattungsname für eine würzige Sauce (Glossar Ehlert1999: „würzige, gebundene Sauce / ein Pfeffer-Gericht“; MHDBDB Lemma phëffer, Bedeutungsfeld Nahrungszubereitung). Erscheint ausschließlich im Titel „air ym phefferr“, nicht als Zutat im Zubereitungstext. Kein Beleg für Pfeffer-Gewürz als Einzelzutat im Rezept.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-009-orig" n="spal schels sy" resp="#fyndling">Schreibversprecher des Kopisten: „spal“ ist der abgebrochene Schreibansatz von „spalcz“ (spalten). Der Schreiber korrigiert sich und setzt mit „schels sy“ (= schäle sie) neu an. Die eigentlich beabsichtigte Spaltung folgt danach vollständig als „spalcz sy von ein ander“. Die korrekte Sequenz lautet: schälen, dann halbieren - zwei Handlungen, kein eigenständiger dritter Befehl (Lexer: „useinander spal-“; MHDBDB Lemma spalten).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-009-orig" n="sewd" resp="#fyndling">„siede“ - Imperativform des Verbs „sieden“ (kochen). MHDBDB Lemma sieden, belegt in 24 Rezepten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-009-orig" n="schels" resp="#fyndling">„schäle“ - Imperativform des Verbs „schälen“. Belegt in mon-004, mon-006, ka1-012, m384-028.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-009-orig" n="spalcz" resp="#fyndling">„spalte“ - Imperativform des Verbs „spalten“. MHDBDB Lemma spalten, belegt in 16 Rezepten. Hier: „spalcz sy von ein ander“ = spalte/halbiere sie voneinander.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-009-orig" n="nymb" resp="#fyndling">„nimm“ - Imperativform des Verbs „nehmen“. Mondseer Standardform.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-009-orig" n="slachs durch" resp="#fyndling">„schlage es durch“ - Passieren oder Verrühren zur glatten Mischung. MHDBDB Lemma slahen; in mon-007 und mon-008 als Extraktionsverfahren für Petersiliensaft belegt (Kräuter mit Wein durchschlagen). Hier ohne explizite Kräuter, daher eher Verrühren/Emulgieren von Honig und Wein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-009-orig" n="die gruenn varib" resp="#fyndling">„die grüne Farbe“ (mhd. varwe, MHDBDB Lemma varwe, Bedeutungsfeld Ästhetisches Empfinden/Visuell/Farben) = fertige grüne Kräutersauce, kein bloßer Farbstoff. mon-008 auf demselben Fol. 012r beschreibt die Herstellung explizit (Petersilie stoßen, mit Wein durchschlagen, Honig zugeben). mon-009 setzt diese Technik als bekannt voraus.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-009-orig" n="legs dar ein" resp="#fyndling">„lege es (die Honig-Wein-Mischung) da hinein“ - die Eier sind zu diesem Zeitpunkt bereits in der grünen Farbe („tue sy In die gruenn varib“). „legs dar ein“ bezieht sich daher auf die Honig-Wein-Sauce, die zu den Eiern in die grüne Farbe gegeben wird. Parallele mon-007: Sauce wird an die Eier gegeben, nicht umgekehrt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-009-orig" n="machs ab" resp="#fyndling">„mache es fertig / schmecke ab“ - Standardformel für das letzte Würzen und Fertigstellen. Im Mondseer Kochbuch belegt in mon-004 („mach ein air prue dar czw vnd machs ab“), mon-008 („machs mit gburcz ab“). Bedeutet Abschmecken und Anrichten, nicht nur das reine Anrichten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-010-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht? Ein herzhafter Semmel-Ei-Auflauf, reich mit Muskat gewürzt und im gefetteten Mörser auf Glut gebacken - kein Süßdessert im modernen Sinn. Das Gericht gehört zur bairisch-österreichischen Mörserkuchen-Familie, die auch im Königsberger Kochbuch (koe-021) und in Cgm 5919 (m5919-097) überliefert ist.

Mach es gelb - Safranfärbung. „Mach es gelb“ ist eine Standardformel: Safran wird in wenig warmem Wasser aufgelöst und unter die Semmel-Ei-Masse gezogen. Das ergibt die erwartete goldgelbe Farbe. Safran erscheint im Transkript nicht als eigene Zutat, ist aber konventionell impliziert.

Stupp es woll - Gewürzpulver. Bevor die Masse in den Mörser kommt, wird sie gut mit einem feinen Gewürzpulver (stupp, bairisch: Staub/Pulver) bestäubt oder eingearbeitet. Das entspricht der mittelalterlichen poudre fine - typisch: Ingwer, Pfeffer, Zimt, Nelke, fein gemahlen. Vgl. mha-191 „ain guot stupp darauf mit gewurcz“.

Trey muscat - drei Stücke Macis (Muskatblüte). Das Zubereitungsverb sneyd (schneide) ist diagnostisch: Macis - der blattartige Samenmantel der Muskatnuss - lässt sich fein schneiden; eine ganze Muskatnuss wird gerieben oder gestoßen, nie geschnitten. Der Zwilling koe-021 nennt „Muskatnuss oder Muskatblüte" ohne Mengenangabe - die Dreizahl in der Mondseer Fassung ist eine großzügige, aber für Festküche normale Würzmenge.

Mörser als Backgefäß - das Dutch-Oven-Prinzip. Der Mörser wird mit Schmalz gefettet und auf ausgereifter Glut (keine Flamme) erhitzt, die Masse hineingegeben und gestockt. Strahlungswärme von unten, Restwärme der schweren Wände - eine Frühform des geschlossenen Backgefäßes. Das Ergebnis ist eine feste, schneidbare Masse: „schneide es dann in Scheiben“.

Praxis. Semmelbrösel und Eier (ca. 4-6 Eier auf 80-100 g Brösel) verrühren. Safranwasser einarbeiten bis zur goldgelben Farbe. Feines Gewürzpulver (Ingwer, Pfeffer, Zimt) einarbeiten. Macis fein schneiden und unterziehen - die Blütenblätter geben eine feinere, blumigere Note als Muskatnuss. Mörser, Dutch Oven oder gusseiserne Pfanne mit Schmalz fetten, erhitzen, Masse eingießen. Bei ca. 180 °C (oder auf Glutbett) stocken lassen bis fest, auskühlen, in Scheiben schneiden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-010-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Hier ist geriebenes Weißbrot gemeint, das als Bindemittel dient, nicht Mehl. Die Verwendung von Mehl zur Bindung ist in der mittelalterlichen Küche selten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-010-orig" n="mach es gelb" resp="#fyndling">Standardformel für Safranfärbung. Safran war das übliche Färbemittel der Zeit und ist hier konventionell impliziert, auch wenn er nicht als eigene Zutat im Transkript erscheint. Vgl. Zwilling koe-021 (annotation „thu mach es gell“: „meist durch Safran oder zusätzliche Eigelb“).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-010-orig" n="stupp es woll" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Stupp bezeichnet im Bairischen Staub bzw. feines Pulver (Glossar Ehlert 1999; Idiotikon; Grimm). Im Rezept-Korpus belegt als Gewürzpulver: mha-191 „ain guot stupp darauf mit gewurcz“, meb-003 „gut gestup“ = Gewürzpulver (cross-source gesichert durch m5919-047), m725-002 „Ingwer stupp“ = Ingwerpulver. „Stupp es woll“ bedeutet hier: Würze die Masse gut mit einem feinen Gewürzpulver - kein Kneten oder Durcharbeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-010-orig" n="morser" resp="#fyndling">Im Mittelalter war der Mörser oft ein großes, schweres Gefäß aus Stein oder Metall, das nicht nur zum Zerstoßen, sondern auch als Koch- oder Backgefäß verwendet werden konnte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-010-orig" n="gluedt" resp="#fyndling">Glut, also heiße, rauchfreie Holzkohle. Ideal für das langsame Garen oder Backen in einem Topf oder Mörser.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-010-orig" n="pachen" resp="#fyndling">Backen. Hier im Sinne des Garens in einem geschlossenen Gefäß auf oder in der Glut.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-010-orig" n="morschuchen" resp="#fyndling">„Mörserkuchen“ - ein Kuchen, der direkt im Mörser gebacken wird. Der Kontext des Rezepts, das Anweisen, Schmalz in den Mörser zu geben und ihn auf Glut zu setzen, bestätigt die Verwendung des Mörsers als Backgefäß. Cross-source gesichert durch koe-021 „morsser kochenn“ und m5919-097 „morser kuchenn“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-010-orig" n="stupp es woll" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">„Würze/bestäube es gut [mit feinem Gewürzpulver]“. Stupp bezeichnet im Bairischen Staub bzw. feines Pulver (Glossar Ehlert 1999). Im Korpus als Gewürzpulver belegt: mha-191 „ain guot stupp darauf mit gewurcz“; meb-003/m5919-047 „gut gestup/stupt“ = Gewürzpulver; m725-002 „Ingwer stupp“ = Ingwerpulver.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-010-orig" n="trey muscat / sneyd" resp="#fyndling">"drei Stücke Macis (Muskatblüte), fein geschnitten." Das Zubereitungsverb sneyd (schneiden) ist diagnostisch: Macis - der blattartige, getrocknete Samenmantel der Muskatnuss - lässt sich fein schneiden oder slicen. Eine ganze Muskatnuss hingegen wird gerieben (reib), gestoßen oder gemahlen - nie geschnitten. Die Dreizahl bezeichnet drei Stücke/Blätter Macis, keine ganzen Nüsse.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-011-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht? Ein blütenparfümiertes Eier-Milch-Mus - ein mittelalterlicher Holunderblüten-Custard. Lebende Verwandtschaft sind Holunderblüten-Pannacotta und -Crème: dieselbe Idee, Blütenmilch sanft zu binden. Im Holunderblüten-Cluster gehört das Mondseer Rezept zur Eier-Fassung (so auch Holunderblüten-Milchmus aus dem Cgm 5919 und Meister Hans) - im Gegensatz zur Brot- oder Mehl-Bindung anderer Fassungen. Eine Besonderheit: das Mondseer Rezept nennt kein Fett, es endet bei Eiern und Gewürzen.

Aroma und Seihen. Die Holunderblüten ziehen eine guette czeyt - eine gute Weile - in der Milch, damit sich das feine Blütenaroma überträgt. Du kannst die Dolden kalt über mehrere Stunden ziehen lassen oder die Milch kurz aufwallen lassen und dann ziehen lassen. Anschließend durch ein Tuch seihen, damit die groben Rispen zurückbleiben und nur die parfümierte Milch in den Topf kommt.

Damit es nicht gerinnt. Der Kern des Rezepts: die Milch am Feuer rühren, das es nicht gering gebing - damit sie nicht gerinnt. Schlage die Eier nicht direkt in die heiße Milch, sondern temperiere sie: verquirle sie, gib eine Kelle der warmen Milch unter Rühren hinzu und rühre diese Mischung dann zurück in den Topf. Bei milder Hitze knapp unter dem Siedepunkt unter stetem Rühren binden lassen - nicht kochen, sonst flockt die Masse aus.

Praxis. Würze mit guecz geburcz - guten Gewürzen - die das Rezept offen lässt. Periodtreu passen eine Prise Zimt, ein Hauch Muskat oder etwas Ingwer, bei Bedarf ein Löffel Honig zum Süßen. Sparsam würzen, damit das zarte Blütenaroma trägt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-011-orig" n="holler" resp="#fyndling">Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) ist ein weit verbreiteter Strauch, dessen Blüten und Beeren in der mittelalterlichen Küche vielfältig verwendet wurden. Die Blüten haben ein süßlich-herbes Aroma.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-011-orig" n="milich" resp="#fyndling">Im Mittelalter war meist Kuhmilch gemeint, aber auch Ziegen- oder Schafmilch waren gebräuchlich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-011-orig" n="gering gebing" resp="#fyndling">Bairisch-österreichische Doppelformel für 'gerinnen': 'gering' trägt das Verb (gerinnt), 'gebing' ist ein nur in dieser Schreiberhand belegtes Begleitglied (Hapax; vgl. Schmellers bairisches 'Gebing'). Die Lesart ist über die quasi-wortgleichen Schwesterfassungen gesichert: das Cgm 5919 hat an dieser Stelle 'das es nicht grein', Meister Hans 'das sy nit gerynn' - beide eindeutig gerinnen/stocken.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-011-orig" n="gering gebing" resp="#fyndling">Gelesen als 'damit sie nicht gerinnt'. Die Doppelform 'gering gebing' ist eine verdoppelte Schreibung der gerinn-Anweisung dieser Hand: 'gering' trägt das Verb, 'gebing' ist ein Begleitglied derselben Formel. Beleg sind die quasi-identischen Schwesterfassungen, die an exakt dieser Stelle nur ein Wort haben - m5919-029 'das es nicht grein' und mha-127 'das sy nit gerynn' - beide eindeutig gerinnen/stocken. Gestützt durch MHDBDB-Lemma 'gerinnen' (VRB) sowie Grimm WB ('mittel zum gerinnen machen der milch, lab, coagulum'). 'gebing' ist nur in mon-011 belegt (Hapax dieser Hand), die Lesart der Stelle ist über den Cluster dennoch eindeutig.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-012-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht? Ein karges Eier-Mehl-Mus, das in Milch gegart wird - eine Vorform des Einlauf- oder Nockerlmus: Eier und Mehl werden zu einer Masse verschlagen und in heißer Milch zum Stocken gebracht. Es gehört in die Familie der gesottenen Eier-Milch-Muse, am engsten verwandt mit dem Gebratenen Mus mit Eierteigblättern, wo ebenfalls eine Eiermasse fein zerteilt und mit Eiern und Milch zum Mus gebunden wird. Vom gestockten Wasserbad-Custard (Gebratene Milch) unterscheidet es sich durch das Mehl und das direkte Sieden im Topf.

Crux. Die Wendung hack die mit mell auff ein meint nicht zwei Schritte, sondern einen: Eier und Mehl werden zu einer Masse verhackt, also zu einem dicklichen Teig verschlagen. Sewdt das gehack heißt dann, eben diese Masse in der Milch zu sieden.

Praxis. Eier mit so viel Mehl verquirlen, dass ein dicklicher, gerade noch tropffähiger Teig entsteht. Milch nur leicht köcheln lassen - nicht stark kochen, sonst gerinnt sie oder brennt an. Den Teig löffelweise einlaufen lassen oder unter Rühren einrühren und sanft stocken lassen. Das Original bricht mit etc. ab und setzt das Fertig-Binden als bekannt voraus; eine Würzung (etwa Salz oder, süß, etwas Zucker) ist Sache des Kochs.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-012-orig" n="air prue" resp="#fyndling">Bairisch für „Eierbrühe" (air = Eier, prue = brüeje/Brühe; mittelhochdeutsch brüeje, MHDBDB belegt). Hier Gattungsbezeichnung für eine in Milch gesottene Eierspeise. Bildet eine kleine quellinterne Mondseer Reihe (mon-004, mon-009, mon-012, mon-014).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-012-orig" n="gmuß" resp="#fyndling">Bairische Synkope von „gemüese"/„muos" = Mus, breiige Speise (MHDBDB-Lemma gemüese). Nicht „Gemüse" im modernen Sinn, sondern die mittelalterliche Gattung weicher, gestoßener oder gekochter Speisen, süß oder herzhaft.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-012-orig" n="hack die mit mell auff ein" resp="#fyndling">Ein Schritt, nicht zwei: Die Eier werden mit Mehl „auf ein(s)" = zu einer einzigen Masse verhackt, also zu einem dicklichen Teig verschlagen. „auff ein" heißt „zu einer Masse / zusammen", nicht örtlich „auf eines"; parallel zur Schlag-/Verrührformel in m384-051.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-013-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht? Ein zweistufiges Strauben-Mus - dieselbe Speisenfamilie wie Mus von gebackenen Strauben, gebackene Strauben und der Scheiterhaufen-Vorfahr Strauben-Auflauf-Mus. Anders als jene löst mon-013 das Gebäck nicht in Dickmilch, sondern in heißem Wein mit Honig - ein Finish, das eng an gebackene Erbsenküchlein mit Wein-Honig-Sud erinnert. Es lebt fort im österreichisch-bairischen Scheiterhaufen und im Geist des ‚armen Ritters'.

Zwei Stufen. Pachs geleych als strawben heißt: backe den Teig wie Strauben aus - also frittiere ihn. Aus den sechs Eiern und etwas Mehl wird ein Teig angerührt und wie Strauben in heißem Fett zu lockerem Trichtergebäck ausgebacken. Das ist Stufe eins; Stufe zwei ist das anschließende Sieden im Wein.

Praxis. Das frittierte Gebäck klein hacken und in heißem Wein nur sieden lassen, nicht stark durchkochen - das Gebäck zieht den Wein auf und soll saftig bleiben, nicht zerfallen. Zum Schluss mit Honig und süßen Gewürzen (Zimt, Ingwer, Nelken) abschmecken. Soll es Farbe bekommen, periodtreu mit etwas Safran - das Original verlangt aber keine Färbung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-013-orig" n="strawben" resp="#fyndling">Strauben sind ein frittiertes Trichtergebäck: Teig wird in spiralförmigen Mustern in heißes Fett gegossen. Hier dient das Gebäck als Grundlage, die anschließend klein gehackt und im Wein-Sud gesotten wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-013-orig" n="guetten gburcz" resp="#fyndling">Mit ‚guten Gewürzen' ist eine süße Würzmischung gemeint, etwa aus Zimt, Ingwer und Nelken. Eine konkrete Mischung nennt das Original nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-013-orig" n="czewch" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">‚rühre an / bereite' - der Mondseer Schreiber benutzt czewch ... taig durchgehend für das Anrühren eines Teigs.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-013-orig" n="strawben" resp="#fyndling">‚Strauben' - ein frittiertes Trichtergebäck, durch Gießen des Teigs in heißes Fett.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-013-orig" n="mags" resp="#fyndling">‚mach es ab' = schmecke es ab - das Schluss-Verb mags ist die mit dem Pronomen es verschmolzene Form von mach (ab), nicht eine eigene Vokabel.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-014-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht? Backerbsen sind ausgebackene Eierteig-Tröpfchen, die als Einlage in eine herzhafte Eierbrühe gegeben werden. Der Gerichtsname aribassen ist die bairisch-österreichische Dialektform zu „Erbsen" - die erbsengroßen Teigtröpfchen geben dem Gericht den Namen. Bis heute sind Backerbsen in Österreich und Süddeutschland eine geläufige Suppeneinlage; das Verfahren ist über die Jahrhunderte unverändert geblieben.

Der dünne Teig. So czewch ein taig ab mit iij airen - aus drei Eiern und etwas Mehl wird ein dünnflüssiger Teig angerührt. Er muss flüssig genug bleiben, um in Tröpfchen abzureißen; ist er zu fest, klumpt er statt sich zu erbsengroßen Perlen zu teilen.

Das Tröpfeln durch den Löffel. Das Schmalz muss richtig heiß sein. Halte einen durchbrochenen Schaum- oder Schöpflöffel über das Fett und gieße den Teig gnwgsam, also reichlich, hindurch - er fällt in erbsengroßen Tröpfchen ins Schmalz und backt dort golden aus. Mit dem Schaumlöffel abschöpfen und gut abtropfen lassen.

Praxis. Ziehe die fertigen Backerbsen aus der Pfanne und ziehe separat eine mit Ei legierte Eierbrühe auf. Die Backerbsen erst kurz vor dem Servieren in die heiße Brühe geben, damit sie nicht durchweichen. Am Feuer mit einer Pfanne und einem Topf in rund 20 Minuten machbar.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-014-orig" n="aribassen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#aribassen">Bairisch-österreichische Dialektform zu „Erbsen" - gemeint sind Backerbsen: erbsengroße Teigtröpfchen, die durch einen Löffel ins heiße Schmalz gegossen und ausgebacken werden. In Österreich und Süddeutschland bis heute als Suppeneinlage bekannt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-014-orig" n="aribassen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#aribassen">'Aribassen' ist die bairisch-österreichische Dialektform zu 'Erbsen' (vgl. alemannisch 'arwis' = Erbse, m384). Glossar-Beleg [lesefalle], lemma='erbse', Autorität Fyndling: hier der Gerichtsname Backerbsen - der Teig wird durch einen Schaumlöffel ins heiße Schmalz gegossen, sodass kleine, erbsengroße Teigtröpfchen ausbacken. Kein Eigenname.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-014-orig" n="air prue" resp="#fyndling">Eierbrühe: air=Eier (Mondseer-Profil), prue → MHDBDB Lemma brüeje (Bedeutungsfeld Nahrungszubereitung) = Brühe. Mit Ei legierte Brühe, keine eigenständige Zutat.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-015-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Frittierte Sauerkirschen im Ausbackteig - das mittelalterliche Geschwister des Kirschkrapfens. Die ganzen Weichseln werden durch einen Eierteig gezogen und in heißem Schmalz goldgelb gebacken, ganz nach dem Tempura-Prinzip. Dieselbe Tunk-und-Frittier-Technik findet sich bei den frittierten Apfelspalten, den frittierten Salbeiblättern und - herzhaft - bei den Lungenbällchen, die ebenfalls durch den Teig gezogen und im Schmalz gebacken werden. Verwandt im weiteren Umfeld ist auch das gebackene Schmalzgebäck der Strauben-Familie, bei dem allerdings der Teig selbst das Gericht ist.

Das Original eröffnet mit der stehenden Mondseer Wendung czewch ain taig ab - „ziehe einen Teig ab“, also rühre einen dünnen Ausbackteig an. Dieselbe Formel leitet im Mondseer Korpus mehrere Backrezepte ein. Gewürzt wird nur mit gburcz, unbestimmtem „Gewürz“; periodtreu passen süße Gewürze wie Zimt, Ingwer, Nelke oder Muskat. Mehl nennt das Original nicht - es ist als taig stillschweigend vorausgesetzt, denn ein reiner Ei-Wasser-Guss ergäbe keinen Teig.

Praxis. Rühre aus vier Eiern, etwas Wasser und so viel Weizenmehl einen dünnflüssigen Ausbackteig an - dick genug zum Haften, dünn genug für eine knusprige Kruste. Die vier Eier geben Bindung und beim Backen die goldgelbe Farbe. Schmecke den Teig mit den süßen Gewürzen ab. Erhitze reichlich Schmalz auf etwa 170 Grad; ein Teigtropfen muss sofort sprudelnd aufsteigen. Tunke die Weichseln in den Teig und backe sie goldgelb aus. Die Kirschen mit Stiel sind ideal, der Stiel dient als Griff zum Tunken. Mit Kern bleiben sie formstabil und saftig (Gäste auf den Kern hinweisen), entkernt laufen sie aus und durchnässen den Teig. Heiß servieren und nach Belieben mit Zucker bestreuen - frittierte Früchte verlieren rasch ihre Knusprigkeit. Am Lager gut machbar, aber heißes Fett über wechselnder Glut verlangt eine ruhige Hand und ständige Aufsicht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-015-orig" n="weychslen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weychslen">Weichseln = Sauerkirschen (Prunus cerasus); regionaler bairisch-österreichischer Fruchtname, wörterbuchbelegt bei Idiotikon und Fischer. Im Mondseer Korpus nur hier belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-015-orig" n="czewch ain taig ab" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">‚Ziehe einen Teig ab' = einen dünnen Ausbackteig anrühren. Stehende Mondseer Eröffnungsformel, die mehrere Backrezepte derselben Sammlung einleitet - ein Schreiber-Idiom der Handschrift, kein Einzelfall.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-015-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Der Begriff ‚Gewürz' ist hier unspezifisch (bairischer b/w-Wechsel). Typische süße Gewürze der Zeit waren Zimt, Ingwer, Nelken oder Muskat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-015-orig" n="czewch ain taig ab" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">‚einen Teig anrühren/zubereiten' - die Phrase ‚einen Teig abziehen' im Sinne von ‚anrühren' ist eine stehende Mondseer Backteig-Formel.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-016-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein passiertes Krebsmus - eine fein gebundene Krebspaste, die als vornehme Fastenspeise auf den Tisch kam. Es ist der spätmittelalterliche Vorfahr der französischen Krebs- und Hummerbisque und der bürgerlichen Krebsbutter: Schalentier im Mörser zerstoßen, mit Milch durch ein Sieb treiben, mit geriebener Semmel binden und in der Pfanne zum Mus einkochen. Heute am ehesten als feine Krebs- oder Garnelen-Mousseline wiederzuerkennen. Das Rezept wandert fast wortgleich durch den bairisch-österreichischen Raum und steht in mehreren Schwesterhandschriften (m5919-044, ri15632-011, m384-058) - die Mondseer Fassung ist die knappste, eilose Variante.

Was beim Kopf weggeschnitten wird. Der erste Schritt ist ein Putzschritt: Die harte, bittere Kopf- und Augenpartie samt Magen wird entfernt, der essbare Rest - Schwanz und Scheren - kommt weiter. Die alte Wendung „das paß von den augen“ meint nicht das Augenfleisch, sondern das Schlechte, Ungenießbare am Kopf, das man wegschneidet. Die Schwesterfassungen machen das eindeutig: dort heißt es „das pos zw den augenn“ beziehungsweise „daz poß pey den augen“ - der ungenießbare Teil wird abgeschnitten, das Übrige verarbeitet.

Mit oder ohne Schale. Die Krebse werden mitsamt der Schale gestoßen - erst beim Durchtreiben durch das Sieb trennt sich das rote, aromatische Krebsfleisch von den harten Schalenstücken, die zurückbleiben. So bekommt man Geschmack und Farbe ins Mus, ohne dass es später knirscht. Die Milch ist dabei Trägerflüssigkeit und Bindung zugleich. Die geriebene Semmel ist das zeittypische Bindemittel - keine Mehlschwitze, sondern schlicht Brot, das beim Erhitzen quillt und das Mus standfest macht.

Praxis. Krebse kurz in der Brühe garen, bis sie rot sind, das macht das Auslösen leichter. Kopf-, Augen- und Magenpartie wegschneiden, den Rest mitsamt Schale im schweren Steinmörser zur Paste stoßen. Mit etwas Milch durch ein feines Sieb oder ein Passiertuch treiben, sodass die Schalenstücke zurückbleiben. Eine geriebene Semmel unterrühren, alles in der Pfanne unter Rühren erhitzen, bis es zum glatten Mus abbindet. Wer es satter und stabiler mag, kann nach Art der reicheren Schwesterfassungen ein Eidotter unterschlagen - das gibt zusätzliche Bindung und eine sattere rote Farbe; im Mondseer Original steht es nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-016-orig" n="grewssen / chrewssen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#grewssen">Krebse. Im Mittelalter wurden Krebse oft als Fastenspeise verzehrt und galten als „Fisch“. Die Schreibweise ist eine bairisch-österreichische Variante von „Krebse“ (Titelform grewssen, Textform chrewssen) - nicht etwa Kresse oder Gebäck.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-016-orig" n="paß von den augen" resp="#fyndling">das Ungenießbare beim Kopf/den Augen. paß ist hier die bairische p-Schreibung für mhd. bôs(e) = das Böse, Schlechte, Ungenießbare. Gemeint ist also: die harte, bittere Kopf-, Augen- und Magenpartie wegschneiden, nicht das Augenfleisch herauslösen. Die Schwesterhandschriften lesen es geschlossen so: „das pos zw den augenn“ (Cgm 5919), „daz poß pey den augen“ (Clm 15632), „das bosz czuo den augen“ (Cgm 384).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-016-orig" n="morser" resp="#fyndling">Mörser. Gemeint ist ein großer Fleischmörser, in dem die Krebse mitsamt Schale zu einer feinen Paste zerstoßen werden. Für moderne Nachkocher ist eine Küchenmaschine oder ein Blender eine gute Alternative.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-016-orig" n="siblein" resp="#fyndling">Siebchen. Ein feines Sieb oder Passiertuch, durch das das Krebsfleisch mit der Milch getrieben wird - die harten Schalenstücke bleiben zurück, das Mus wird glatt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-016-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Semmel / Weißbrot. Geriebenes Weißbrot diente als zeittypisches Bindemittel - keine Mehlschwitze, sondern Brot, das beim Erhitzen quillt und das Mus standfest macht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-016-orig" n="das wird gut und gerecht" resp="#fyndling">Gelingens- und Gütestempel-Formel mittelalterlicher Kochbücher. Sinngemäß: „so gerät es richtig“. Die Parallelfassungen schreiben an dieser Stelle „das wird rot“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-016-orig" n="grewssen / chrewssen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#grewssen">Die Schreibweise 'grewssen' im Titel und 'chrewssen' im Text sind bairisch-österreichische Varianten von 'Krebse' (vgl. 'krewssen/ckreussen' im Glossar).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-016-orig" n="paß von den augen" resp="#fyndling">'paß' ist bairisch p- für mhd. 'bôs(e)' = das Schlechte/Ungenießbare. Die Anweisung lautet: die ungenießbare Kopf-, Augen- und Magenpartie wegschneiden, den essbaren Rest verarbeiten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-017-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süßes, in Schmalz ausgebackenes Eier-Gebäck, das beim Anrichten durch einen heißen Wein-Honig-Sud gezogen wird - der spätmittelalterliche Vorfahr des sirupgetränkten Schmalzgebäcks und der durch süßen Sud gezogenen Pfannkuchen. mon-017 gehört zur Familie der Hart-Ei-Teige des Korpus: Der nahezu wortgleiche Zwilling ri15632-013 aus dem Rheinfränkischen Kochbuch beschreibt dasselbe Verfahren, und die Teig-Idee lebt in den ausgepressten Eierteig-Würmlein (mha-032, kkm-034, frühe Eiernudel-Verwandte) weiter.

Der Teig ist kein roher Eierbrei, sondern hartgekochte Eier. Die Wendung „so hart wie du nur kannst" bezieht sich auf die Eier selbst, nicht auf eine Teigfestigkeit: Ganz hart gekochte Eier werden zerstoßen und zu einer formbaren, schnittfesten Masse gebunden. Das ist der entscheidende Punkt - ein roher, mehlfreier Eierteig ließe sich nicht zu dünnen Blättern formen und braten, ohne in der Pfanne zu zerfallen. Die Bindung kommt allein aus dem Eiprotein der gekochten Eier; es braucht weder Mehl noch eine Schwitze. Der Zwilling nennt zusätzlich ein Gelbfärben der Masse (period-treu mit Safran), das im Mondseer Text knapp anklingt.

Der Sud wird aufgekocht, nicht nur kalt verrührt. „Er well das vnder einander" meint erwellen/aufwallen: Wein und halb so viel Honig werden miteinander aufgekocht, bis der Honig vollständig gelöst und der Sud leicht eingedickt ist - so entsteht ein sirupartiger Tauch-Sud. Bloßes Kaltmischen ergäbe einen dünnen, wenig haftenden Sud. Das Verhältnis ist definiert: doppelt so viel Wein wie Honig.

Praxis. Eier ganz hart kochen (gut 10 Minuten), pellen und durch ein Sieb treiben oder fein zerstoßen, bis eine knetbare Masse entsteht; nach Wunsch mit etwas Safranwasser gelb färben. Die Masse dünn ausformen oder ausrollen und in reichlich heißem Schmalz beidseitig goldbraun backen. Parallel guten Wein mit halb so viel Honig in einem kleinen Topf aufkochen und leicht sirupartig einkochen lassen. Die fertig gebackenen Blätter erst unmittelbar vor dem Servieren kurz durch den heißen Sud ziehen, damit sie knusprig bleiben. Alles über offenem Feuer in Topf und Pfanne machbar, in rund 20-30 Minuten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-017-orig" n="phanczelten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#phanczelten">Pfann + zelten (zelten = flacher Kuchen/Fladen, vgl. bimezelten); ein dünner, in der Pfanne gebackener Eierfladen, also ein Pfannkuchen. Nicht Lebzelten/Lebkuchen. Entspricht der Marginal-Notiz am Faksimile.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-017-orig" n="er well … vnder einander" resp="#fyndling">er + wellen = erwellen/erwallen = aufkochen, aufwallen lassen. Wein und Honig werden miteinander aufgekocht, nicht bloß vermischt - so auch im Zwilling ri15632-013. Im Mittelbairischen oft mit b: erbelten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-017-orig" n="aller her=tist magst" resp="#fyndling">Bezieht sich auf die Eier („so hart wie du sie nur bekommen kannst" = ganz hart gekocht), nicht auf eine Teigfestigkeit. Identisch im Zwilling ri15632-013 („von herten ayeren so du aller hertest magst"). Markiert mon-017 als Hart-Ei-Teig-Rezept.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-017-orig" n="habl" resp="#fyndling">= halb (bairische b/l-Vertauschung), nicht Imperativ von „haben". Der Zwilling ri15632-013 hat an identischer Stelle „halb als vil honigk" = halb so viel Honig wie Wein - eine definierte Mengenangabe.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-017-orig" n="gibb den" resp="#fyndling">wahrscheinlich „gilb in/den" = (gelb) färben (b/l-Lesefalle; gilben/gilwen = gelb färben). Der Zwilling ri15632-013 hat „gilb in" - das Gelbfärben (period-treu mit Safran) ist ein Standardschritt dieser Rezeptfamilie.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-017-orig" n="aller her=tist magst (taig von airen)" resp="#fyndling">Teig aus hartgekochten Eiern, so hart wie möglich gekocht - ganz hart gekochte Eier werden zerstoßen und zu einer formbaren Masse gebunden. Der wortgleiche Zwilling ri15632-013 hat „tayg von herten ayeren so du aller hertest magst" und löst die unsichere Stelle (das ? in der Transkription) eindeutig auf.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-017-orig" n="phanczelten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#phanczelten">Pfannzelten = Pfannkuchen, aus Pfann + zelten (zelten = flacher Kuchen/Fladen). Gemeint sind dünne, in der Pfanne gebackene Eierfladen. Nicht zu verwechseln mit Lebzelten/Lebkuchen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-017-orig" n="habl als vill honigs" resp="#fyndling">halb so viel Honig (wie Wein) - „habl" ist die bairische/schreiberische b/l-Form von „halb". Der Zwilling ri15632-013 hat an identischer Stelle „halb als vil honigk".</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-017-orig" n="gibb den" resp="#fyndling">„gilb in/den" = (gelb) färben - bairische b/l-Lesefalle, gilben/gilwen = gelb färben (period-treu mit Safran). Der Zwilling ri15632-013 hat „gilb in".</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-017-orig" n="er well das vnder einander" resp="#fyndling">lass das miteinander aufkochen - er + wellen = erwellen/erwallen = aufkochen, aufwallen lassen. Wein und Honig werden zu einem sirupartigen Sud aufgekocht. So auch im Zwilling ri15632-013.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-018-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist eine Variante der weit verbreiteten ‚Krausen Eier‘ beziehungsweise ‚Kroßeier‘ - eine gewürzte Eierspeise, die in den geleerten eigenen Schalen wieder aufgerichtet und über der Glut gebräunt wird. Die nahezu wortgleichen Schwesterfassungen rfk-047 (‚Krause Eier‘) und m384-081 (‚Kroßeier‘) überliefern jeden Schritt und lösen die Lesart eindeutig.

Der ‚große Spitz‘ ist kein Bratspieß. ‚Schlag die Eier an dem großen Spitz auf‘ meint das große, stumpfe Ende des Eis, an dem die Schale aufgeschlagen wird - so bleibt die Halbschale ganz und dient später als Form. Die Schwesterfassungen sagen es ausdrücklich: ‚brich die eyer ander groszen spiczen uff vnd lere die schalen‘. Der einzige Spieß im Rezept ist das kleine Spießchen am Ende (‚stoß an ainen‘, vgl. rfk-047 ‚stosz sie an ein spisselin‘), an das man die gefüllten Schalen zum Rösten steckt.

Praxis. Eier am stumpfen Ende vorsichtig köpfen, ausleeren, die leeren Halbschalen beiseitestellen. Die Eier gut verquirlen, mit Pfeffer, einer Prise Safran (sattes Gelb und Aroma), fein gehackter Petersilie und Salbei würzen. In etwas Schmalz bei mittlerer Hitze in der Pfanne stocken lassen - nur durchgaren, nicht hart braten, sonst lässt es sich schlecht hacken und wird zäh. Die gestockte Masse fein hacken und in die aufbewahrten Halbschalen zurückfüllen. An ein Holz- oder Metallspießchen stecken und kurz und heiß über der Glut auf dem Rost bräunen. Eine Bindung braucht es nicht - das Ei bindet beim Stocken selbst, period-treu ohne Mehl oder Schwitze.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-018-orig" n="praten von air" resp="#fyndling">Ein ‚Braten von Eiern‘ meint hier kein Bratenstück, sondern eine geröstete, gewürzte Eierspeise - verwandt mit Omelett und Frittata, im Korpus unter den Namen ‚Krause Eier‘ und ‚Kroßeier‘ geläufig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-018-orig" n="grossen spicz" resp="#fyndling">‚An dem großen Spitz‘ bezeichnet das große, stumpfe Ende des Eis, an dem man die Schale aufschlägt - nicht einen Bratspieß. Die Schwesterfassungen machen das ausdrücklich: ‚brich die eyer ander groszen spiczen uff vnd lere die schalen‘ und ‚schlach ayer vff czuo dem grossen spitz‘. Das stumpfe Ende wird gewählt, damit die geleerte Schale ganz bleibt und später wieder als Form dient.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-018-orig" n="air schall" resp="#fyndling">Die geleerten Eierschalen werden aufbewahrt und nach dem Hacken wieder mit der gewürzten Eiermasse gefüllt - sie sind die Form, die der Speise ihre eiförmige Gestalt zurückgibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-018-orig" n="stoß an ainen" resp="#fyndling">Ellipse für ‚stecke (sie) an ein Spießchen‘ - gemeint ist ein kleines Spießchen zum Halten über der Glut, vgl. die Schwesterfassung ‚stosz sie an ein spisselin‘. Dies ist der einzige Spieß im Rezept.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-018-orig" n="czechlopff" resp="#fyndling">‚zerklopfen‘ im Sinne von verquirlen, kräftig schlagen. Die Schwesterfassungen bestätigen dies mit ‚slag die wol‘ und ‚kropff die gar wol‘.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-019-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine schlichte gestockte Eierspeise - aber ohne Pfanne: Verquirltes Ei wird als kleine, dünne Portion auf ein Stück Papier gestrichen, mit heißem Schmalz übergossen und auf saubere Glut gelegt, bis es stockt. Der Rezepttyp armm Smalcz (einfaches Schmalz) ist nach dem Muster des Armen Ritters benannt: eine bewusst karge Fett-Eier-Speise, kein Urteil über das Schmalz. Der nächste lebende Verwandte ist das Garen en papillote beziehungsweise im Backpapier in der Glut; geschmacklich landet man bei einem rustikalen Vorfahren von Omelett und Frittata.

Das Rätselwort volpecz ist im gesamten Korpus nur hier belegt und bleibt unsicher gelesen - kein anderes Rezept klärt es auf. Sinngemäß steckt darin „gib/leg es rasch (auf die Glut)", abgesichert durch das folgende reschlich auff die gluedt (rasch auf die Glut). Denkbar ist auch eine Nähe zu einem Backverb (pachen, „backe es gut"), was zur Glut-Logik passen würde - entscheidbar ist es nicht. Für die Praxis ändert das nichts: Die Handlung ist „zügig auf die heiße Glut".

Praxis. Eier in einer Schüssel verquirlen, damit sie gleichmäßig stocken. Eine kleine Portion mittig auf ein gut hitzebeständiges Papier (Backpapier oder Pergament) geben - flach und klein, damit es schnell durchgart und der Rand nicht verkohlt. Schmalz in der Pfanne richtig heiß werden lassen und über die Eimasse gießen: Das heiße Fett stockt das Ei von oben und tränkt zugleich das Papier, wodurch dieses schmort statt zu verbrennen. Dann das Papier rasch auf eine kräftige, von Asche befreite Glut legen, sodass die Unterhitze das Garen vollendet. Wichtig ist eine wirklich aschefreie, gleichmäßige Glut ohne offene Flamme - sonst kokelt der Papierrand oder das Ei stockt ungleichmäßig. Sobald es fest ist, mit dem Papier als Unterlage servieren; ein Ablösen wäre unnötig fummelig. Wer es sicherer mag, brät das verquirlte Ei einfach im heißen Schmalz in der Pfanne - die robustere Lager-Variante derselben Speise.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-019-orig" n="armm Smalcz" resp="#fyndling">Rezepttyp-Bezeichnung „armes Schmalz" = einfache, schlichte Schmalz-/Eierspeise, benannt nach dem Muster des „Armen Ritters" - kein Urteil über die Fettqualität. Solche „arm"-Speisen bezeichnen im Spätmittelalter bewusst die karge Alltagsküche der einfachen Leute.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-019-orig" n="auff papier (Garen auf Papier)" resp="#fyndling">Authentische spätmittelalterliche Garmethode: Das Papier dient zugleich als Garunterlage über der Glut, als Hitzepuffer gegen Anbrennen und als Serviervehikel (gib es hin mit dem papir). Direkter Vorläufer des heutigen Garens „en papillote" beziehungsweise im Backpapier. Im übrigen Korpus erscheint „papier" meist nur als Dünn-Vergleich für ausgewalzten Teig - hier ungewöhnlich als reale Garfläche.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-019-orig" n="gluedt her fur an aschen" resp="#fyndling">Eine „gute Glut ohne Asche" bedeutet, dass die Glut sauber und heiß sein soll, ohne isolierende Ascheschicht, die die Hitzeübertragung behindern würde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-019-orig" n="volpecz" resp="#fyndling">Hapax legomenon (nur in mon-019 belegt, ohne Cross-Beleg im Korpus). Sinngemäß als „gib/leg es rasch (auf die Glut)" gedeutet, die genaue Lesung bleibt unsicher; eine Nähe zu „falzen/wenden" oder zu einem Backverb (pachen, „backe es gut") ist nicht entscheidbar.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-019-orig" n="armm Smalcz" resp="#fyndling">'Einfaches Schmalz' - Rezepttyp-Name für eine schlichte Fett-Eier-Speise nach dem Muster des 'Armen Ritters', nicht auf die Qualität des Fettes bezogen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-019-orig" n="des art des papier" resp="#fyndling">'an die Stelle des Papiers' - 'des art' vermutlich 'das ort' (a/o-Verschreibung), also eine bestimmte Stelle bzw. die Mitte des Papiers, nicht generisch 'auf das Papier'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-019-orig" n="taigel" resp="#fyndling">'Teigel' - ein Diminutiv von Teig, hier eine kleine Portion bzw. ein Klümpchen der Eiermasse.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-019-orig" n="volpecz" resp="#fyndling">'Gib/leg es rasch auf die Glut' - die genaue Bedeutung ist unklar; abgesichert durch das folgende 'reschlich auff die gluedt' (rasch auf die Glut).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-019-orig" n="gewmg" resp="#fyndling">'sobald es dir genug dünkt' - im Kontext der Garprobe; vermutlich korrupte Form von 'gedünkt/vermeinst' ('wenn es dich dünkt, es sei genug').</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-020-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine spätmittelalterliche "gepresste Milch" - ein safrangelber, gestockter Milch-Ei-Custard, der unter einem beschwerten Brett zu einer festen, käseartigen Masse entwässert, kalt in lange Schnitten geschnitten und mit Zucker bestreut wird. Es ist der reine Dessert-Pol einer im deutschsprachigen Raum weit verbreiteten Gerichtsfamilie: Die rheinfränkische gebraten mylch und das Eier-Mus aus dem Cgm 384 beschreiben dasselbe Kernverfahren, braten die gepressten Scheiben anschließend aber noch herzhaft auf dem Rost. Mondsee lässt diesen Bratschritt weg und endet süß - die kalte, gezuckerte Schwester der "gebratenen Milch". Geschmacklich ein fester Safran-Eierstich, technisch der nächste Verwandte von Frischkäse und Topfen (Auspressen unter Gewicht).

Stocken über sanfter Glut. Die heikelste Stelle. Die Milch wird zuerst aufgekocht, Safran, Salz und Gewürze gehen früh hinein, damit der Safran in der heißen Flüssigkeit ausblutet und Farbe wie Aroma abgibt. Dann kommen die verquirlten Eier dazu, und die Masse stockt über sanfter Glut, nicht über Flamme. Eiprotein gerinnt bei zu großer Hitze körnig - dann schlägt die glatte Pressmasse in Rührei-Krümel um. Der Quelltext meint mit "auf einer Glut stehen lassen" genau diese Restwärme. Die Schwesterfassung aus dem Rheinfränkischen Kochbuch löst dasselbe Problem robuster mit einem Wasserbad (Topf im siedenden Kessel); wer unsicher ist, gart besser so statt direkt über der Glut.

Pressen und Schneiden. Die gestockte Masse wird auf ein Tuch geschüttet, das Tuch straff zusammengehalten und mit einem Brett beschwert, bis die wässrige Phase austritt - dieselbe Logik wie bei der Frischkäse- oder Topfengewinnung. Zurück bleibt eine feste, schnittfähige Masse. Erst nach dem Erkalten ist sie fest genug, um sauber in lange Streifen geschnitten zu werden; der Zucker obendrauf macht sie zum Dessert.

Praxis. Die zwanzig Eier sind bewusst viel - die Bindung muss kräftig genug sein, damit die Masse presbar wird. Als Richtwert aus der rheinfränkischen Fassung etwa zwei Eier je 100 ml, zwanzig Eier verlangen also gut einen Liter Milch. Zu viel Milch und die Masse bindet nicht presbar, zu wenig und sie wird gummiartig. Eier verquirlen, in die heiße gewürzte Milch geben und bei niedrigster Hitze unter Aufmerksamkeit stocken lassen (im Zweifel im Wasserbad). Auf ein feuchtes Tuch geben, fest verschnüren, mit Brett und Gewicht beschweren, abkühlen lassen. Press- und Kühlzeit großzügig kalkulieren - bis zur sauberen Schnittfähigkeit vergehen real eher zwei bis drei Stunden als eine. Kalt in lange Schnitten teilen, mit Zucker bestreuen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-020-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Schreibweise für ‚Gewürz‘. Die genaue Mischung ist nicht spezifiziert, aber typisch wären Pfeffer, Ingwer, Zimt oder Muskatblüte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-020-orig" n="glud" resp="#fyndling">‚Glut‘. Das Gericht soll auf indirekter, sanfter Hitze stocken, ähnlich einem Wasserbad oder einem langsamen Garen auf Restwärme - bei zu großer Hitze gerinnt das Ei körnig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-020-orig" n="gmuß" resp="#fyndling">Bairisch-österreichische Schreibung von ‚Mus‘ (mhd. muos); bezeichnet eine breiige bis feste Speise, hier durch Pressen sogar schnittfähig. Nicht im Sinne von Obstmus, sondern als gestockte Milch-Ei-Masse zu verstehen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-020-orig" n="vast zesam" resp="#fyndling">‚fest zusammen‘ (mhd. vaste); das Tuch wird straff zusammengehalten, damit das Wasser unter dem Brettgewicht austritt - dieselbe Logik wie bei der Frischkäse- und Topfengewinnung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-020-orig" n="snytten" resp="#fyndling">‚Schnitten, Scheiben‘ (mhd. snîden). Die erkaltete, gepresste Masse wird in lange Streifen geschnitten - Voraussetzung dafür ist die feste, käseartige Konsistenz nach dem Auspressen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-020-orig" n="prett" resp="#fyndling">‚Brett‘. Hier wird ein Brett als Gewicht verwendet, um die Flüssigkeit aus dem Mus zu pressen und eine feste Konsistenz zu erreichen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-020-orig" n="milich" resp="#fyndling">Kuhmilch. Da kein Fastenkontext oder die Zutat ‚Mandel‘ explizit genannt wird, ist tierische Milch die wahrscheinlichste Lesart.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-021-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süßes Wein-Semmel-Mus: eingeweichtes Weißbrot wird mit Wein durch ein Tuch passiert, mit Honig und Gewürzen abgeschmeckt und einmal aufgekocht. Lebende Verwandtschaft ist die warme bayerisch-österreichische Weinsuppe und der süße, eingedickte Weinbrei. Im Korpus ist es die schlanke, eifreie Schwester von ri15632-050 ("Weinmus mit Eiern und Semmel") - dieselbe Grundidee aus Wein, Semmel, Honig und Gewürz, nur ohne die reichere Bindung mit Eidotter.

Das Passiertuch. Das "Pfeffertuch" ist ein feines Seihtuch, kein gewürztes Tuch. Man weicht die Semmel im Wein ein und streicht die Masse durch das Tuch, bis eine glatte Paste zurückbleibt; Krustenstücke und grobe Reste bleiben im Tuch. Genau dieses Passieren gibt dem Mus seine breiige Konsistenz - die Glätte ist Funktion des Durchstreichens, nicht einer besonderen Feinheit des Tuchs.

Die Bindung. Gebunden wird zeittypisch über die passierte Semmel selbst: beim Aufkochen quillt die Brotstärke und dickt den Wein ein. Kein Mehl, keine Schwitze, kein Ei in dieser Fassung. Das "einmal gut aufkochen" (ein guete wal thue) lässt die Masse binden und nimmt dem rohen Wein die Schärfe.

Praxis. Eine Semmel entrinden, in etwa einem Viertelliter kräftigem Rotwein einweichen, dann durch ein feines Seihtuch streichen. Einen guten Esslöffel Honig und Gewürze nach Geschmack (etwa Zimt, Ingwer, eine Spur Nelke) zugeben und in einem Topf über mittlerer Glut einmal aufkochen lassen. Dabei ständig rühren - das brotgebundene Wein-Mus legt sich am Boden schnell an und brennt sonst an. Bleibt es zu dünn, ein wenig mehr passiertes Brot einrühren; das Wein-Brot-Verhältnis steuert allein die Bindung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-021-orig" n="aber ein gmuss" resp="#fyndling">‚aber' bedeutet hier ‚abermals / noch ein' - das Rezept ist bewusst als weitere Variante einer Mus-Serie der Handschrift notiert, nicht als eigenständiges Gericht. Das verweist auf den Sammlungscharakter des Mondseer Kochbuchs.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-021-orig" n="gmuss" resp="#fyndling">Ein ‚Mus' ist eine breiige Speise, oft aus zerstoßenen oder passierten Zutaten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-021-orig" n="Semell" resp="#fyndling">Eine ‚Semmel' ist ein kleines Weißbrot, vergleichbar mit einem Brötchen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-021-orig" n="ein ander duech / pfeffer thuech" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">‚ein anderes Tuch', nämlich ein ‚Pfeffertuch' - ein feines Seihtuch zum Passieren von Breien. Dieselbe Vokabel bezeichnet im Korpus (KKM ‚gestossen Hüner', kkm-055/056/059) durchgehend das Tuch, durch das man Breie ‚bricht' bzw. ‚zwingt' - ein Küchengerät zum Passieren, kein mit Pfeffer gewürztes Tuch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-021-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Eine bairisch-österreichische Schreibweise für ‚Gewürz'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-021-orig" n="wal thue" resp="#fyndling">bairisch zu ‚wallen' = aufwallen/aufkochen: ‚damit es einmal gut aufkocht'. Dieselbe Wendung findet sich in ri15632 und weiteren Korpus-Belegen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-021-orig" n="gnugtur" resp="#fyndling">Bedeutet ‚Genüge' oder ‚ausreichend'. Hier im Sinne von: Es ist fertig oder hat die gewünschte Konsistenz erreicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-021-orig" n="gmuss" resp="#fyndling">‚Mus' im Sinne eines Breis oder einer passierten Speise.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-021-orig" n="pfeffer thuech" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">‚Pfeffertuch' als ein feines Tuch zum Passieren von gewürzten Flüssigkeiten oder Breien.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-022-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Fastenwurst aus Fisch und Krebsfleisch - eine "falsche" Wurst ohne Schweinefleisch und ohne Naturdarm. Hechtfleisch und gekochte Krebsschwänze werden fein gehackt, mit Ei zu einer bindenden Masse vermengt, frei um einen Spieß gewickelt und über der Glut gebraten. Es ist gewissermaßen der mittelalterliche Vorläufer der Fischbratwurst und teilt sein Verfahren mit anderen Fisch- und Krebs-Bräten zur Wurstform im Korpus (siehe Weiße Fischwürste vom Rost und Gefüllte Krebse vom Spieß).

Die zentrale Lesefalle steckt im Schlusssatz: "windt es vmb geleich als ein andrew wurst pracz". Hier ist pracz kein Bestandteil von "Bratwurst", sondern der Imperativ braten - der Schreiber benutzt dasselbe Wort an anderer Stelle eindeutig als Verb ("stoß sy an ain spyß vnd pracz"). Der Satz lautet also: wickle die Masse um den Spieß wie eine gewöhnliche Wurst, brate sie und richte sie an. Der Bratschritt ist damit ausdrücklich genannt, nicht bloß angedeutet.

Praxis. Krebse zuerst kurz abkochen - das festigt das Fleisch und löst die Schalen, sodass sich die Schwänze sauber aus dem Hinterleib ziehen lassen (roh kaum möglich). Das Schwanzfleisch dann mit dem Hechtfleisch sehr fein hacken oder im Mörser stoßen: Je feiner, desto klebriger wird die Masse und desto besser hält sie am Spieß. Sechs ganze Eier sind für ein Fischbrät reichlich Flüssigkeit - die Masse wird dadurch weich. Wer sicher gehen will, stößt das Hechtfleisch gut durch (für klebriges Eiweiß) und hält das Brät eher fest; ein Teil zusätzliches Eiweiß stabilisiert zusätzlich. Das frei geformte Ei-Brät ohne Hülle ist der heikle Punkt: Es rutscht beim Drehen leicht ab, solange das Ei nicht gestockt ist. Darum über moderater Glut garen, nie über loderndem Feuer, und stetig drehen. Bei guter Glut ist so ein Brät-Spieß in etwa fünfzehn bis fünfundzwanzig Minuten durch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-022-orig" n="grewssen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#grewssen">Alte bairisch-österreichische Bezeichnung für Krebse (Flusskrebse), nicht ‚Kresse‘. Per Korpus bestätigt (Mondsee-Variante zu krewssen, vgl. mon-016). Krebse waren eine beliebte Fastenspeise und Delikatesse.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-022-orig" n="dy hels da von" resp="#fyndling">Wörtlich ‚die Hälse davon‘, meint hier die essbaren Krebsschwänze, also das Muskelfleisch aus dem Hinterleib der Krebse. Die Lesart ist durch andere Krebsrezepte des Korpus bestätigt, in denen dieselbe Verarbeitung die ‚Hälse‘ von den Scheren trennt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-022-orig" n="burst" resp="#fyndling">Hier im Sinne von ‚Wurst‘ (bairischer b/v/w-Wechsel), einer geformten Masse, die wie eine Wurst zubereitet wird - nicht ‚Brust‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-022-orig" n="pracz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pracz">Form zu braten (bairischer b/p-Anlautwechsel). Im Korpus über das Lemma brâten belegt; derselbe Schreiber nutzt pracz an anderer Stelle eindeutig als Verb (‚an ain spyß vnd pracz‘). Hier also nicht das Substantiv ‚Bratwurst‘, sondern der Imperativ ‚brate‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-022-orig" n="burst" resp="#fyndling">‚Wurst‘ - eine geformte Masse aus Fisch- und Krebsfleisch, die wie eine Wurst zubereitet wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-022-orig" n="pracz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pracz">‚braten‘ - der Imperativ, der den Garschritt am Spieß benennt (‚wickle es um wie eine Wurst, brate es‘).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-022-orig" n="dy hels da von" resp="#fyndling">‚die Krebsschwänze davon‘ - das Muskelfleisch aus dem Hinterleib der Krebse.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-023-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gefüllter, in Schmalz ausgebackener Brotschnitten in dünnem Wein-Mehl-Teig - der mittelalterliche Vorfahr der bairisch-österreichischen Pofesen (auch Bofesen) und der süßen Armen Ritter. Die lebende Verwandtschaft reicht von der fruchtgefüllten Pofese über den French Toast bis zu den Struben (Strauben), dem Schmalzgebäck aus dünnem Teig, das das Rezept selbst ausdrücklich als Vorbild nennt.

Wein- und Feigen vorquellen. Getrocknete Feigen und Weinbeeren (im 15. Jahrhundert meist Rosinen/Zibeben, nicht frische Trauben) werden zuerst gut aufgewallt, bis sie sinbell - rundlich und prall - aufquellen. Genau dieses Aufquellen ist der Anker der Lesart: Frische Trauben würden beim Wallen platzen statt rund zu werden, getrocknete Ware geht prall auf. Das macht sie weich genug, um sie anschließend ganz klein zu hacken und mit dem Gewürz (Pfeffer, Ingwer, Zimt) zu einer streichfähigen Fruchtmasse zu verarbeiten.

Aufstreichen, nicht aufschneiden. Die Quelle sagt dy weinper mit einem messerr auff - das Messer ist hier Streichwerkzeug, nicht Schneidwerkzeug. Die bereits klein gehackte Fruchtmasse wird mit dem Messer auf die dünnen Semmelschnitten aufgestrichen. Ein zweites Aufschneiden ganzer Beeren ergäbe nach dem Hacken keinen Sinn mehr.

Praxis. Schneide von einer leicht altbackenen Semmel ganz dünne Schnitten und bestreiche sie mit der gewürzten Fruchtmasse. Rühre aus Wein und Mehl einen dünnen, gerade fließfähigen Teig an - so dünn wie für Struben, dünn genug zum Anhaften, nicht zum Stehenbleiben. Erhitze reichlich Schmalz oder Öl in der Pfanne (richtig heiß, sonst saugt der Teig und wird fettig statt kross), ziehe die belegten Brotschnitten durch den Teig und backe sie portionsweise goldbraun aus. Zum Anrichten mit Zucker bestreuen. Eine Prise Salz im Teig ist erlaubt - aber, wie die Quelle mahnt, nicht zu viel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-023-orig" n="erwallen" resp="#fyndling">Aufwallen lassen, aufkochen. well sy schon ist hier das Kochverb wellen (wallen/sieden), nicht waschen - die Früchte werden aufgewallt, bis sie aufquellen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-023-orig" n="sinbell" resp="#fyndling">sinwel/sinbel = rund, kugelrund (mittelbairisch b für w). Beschreibt das Aufquellen der Früchte beim Aufwallen, bis sie prall und rund werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-023-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weinbeeren - im 15. Jahrhundert meist getrocknete Trauben (Rosinen/Korinthen), nicht zwingend frische Trauben; passt zur Kombination mit den ebenfalls getrockneten Feigen als Trockenfrucht-Fülle.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-023-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Gewürz (mittelbairisch b für w). Im Mittelalter oft eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken oder Galgant.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-023-orig" n="semell" resp="#fyndling">Feines Weißbrot. Hier in ganz dünne Schnitten geschnitten als Träger für die Fruchtfülle, nicht als Mehlbindung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-023-orig" n="strawben" resp="#fyndling">Struben (Strauben): in Schmalz ausgebackenes Gebäck aus dünnem, fast flüssigem Teig. Der Vergleich als czw strawben definiert hier die Teigkonsistenz. Dieselbe Vergleichsformel ist quellenübergreifend belegt: mon-013 (pachs geleych als strawben) und koe-022 (Königsberg, dicken strawben tagk vonn wein).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-023-orig" n="pachen" resp="#fyndling">Backen oder Braten, je nach Kontext. Hier im Sinne von in heißem Fett ausbacken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-023-orig" n="versalcz nit" resp="#fyndling">‚Versalze es nicht.‘ Eine in mittelalterlichen Rezepten verbreitete Schlussformel, die zeigt, dass auch süße Speisen eine Prise Salz vertragen konnten, aber nicht zu viel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-023-orig" n="auff" resp="#fyndling">dy weinper mit einem messerr auff = die klein gehackte Fruchtmasse mit dem Messer auf die Semmelschnitten aufstreichen. Das Messer ist hier Streich-, nicht Schneidwerkzeug.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-024-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein wilprat von airen - ein Scheinwildbret aus Eiern, also bewusst angerichtetes Falsch-Fleisch. Ein gelb gefärbter Ei-Milch-Teig wird im Tuchsäcklein im Sudwasser fest gegart, fingerdick geschnitten und in Schmalz goldbraun gebacken, bis die Scheiben fleisch- und bratenartig aussehen. Lebende Verwandte sind der gebackene, in Scheiben gebratene Eierstich und in Streifen gebratenes Eier- und Pfannkuchengebäck (Flädle, Frittaten); die Pochier-im-Beutel-und-Schneide-Technik teilt es entfernt mit Eier- und Käsekrapfen.

Wilprat von airen wörtlich Wildbret, hier aber durch den Zusatz "von airen" und die Speck-Imitation aus Eiweiß klar als feines Schaugericht zu lesen - der Witz des Rezepts liegt darin, aus billigen Eiern teures Wild vorzutäuschen. Das Fragezeichen auf dem Faksimile ("wilprat ?!") fragt genau danach; der Eierbezug löst es auf.

Das Säcklein (sachlin) ist Form und Hitzeschutz zugleich: Der weiche Teig stockt darin zu einem kompakten, schnittfähigen Laib, ohne am heißen Topfboden anzubrennen. Das frei schwebende Hängen ("das es nyndter an ruer", dass es nirgends anstößt) hält den Laib in Form und vermeidet lokale Überhitzung. Das anschließende Bestäuben mit Mehl (stupp in wol) bindet die Masse fester und hilft gegen Kleben.

Verlieren ist hier ein Homograph: Im Kochwortschatz steht verlorne sonst für pochieren (so die pochierten Eier in mar-185), im Zusammenhang der "geben"-Serie meint es jedoch schlicht darbieten oder anrichten - die hier gewählte Lesart.

Praxis. Vier Eier mit nur einem Löffel Milch und etwas Mehl zu einem dicken, festen Teig verrühren (die knappe Milchmenge ist Absicht, damit die Masse schnittfest bleibt) und mit Safran oder zusätzlichem Eigelb gelb färben. In ein Leinensäcklein oder Mulltuch füllen, gut verschließen und in ruhig - nicht sprudelnd - siedendem Wasser frei hängend garen, bis die Masse fest und schnittfähig ist (gut 20-30 Minuten); zu starkes Wallen treibt den Beutel und gart ungleichmäßig. Herausnehmen, etwas abkühlen lassen (heiß zerfiele der Laib) und fingerdick schneiden. Die Scheiben in heißem Schmalz goldbraun ausbacken. Zum Speck-Imitat ein gekochtes Eiweiß fein hacken und über die Scheiben streuen - das ist vor allem ein Augen-Effekt, die helle Würfelung auf gebräuntem Grund wirkt speckartig, geschmacklich bleibt es Ei. Serviervarianten: trocken aus der Pfanne, aus einem Schälchen, in einem (safrangelben) Brötchen oder süß - die gebackenen Stücke in Milch mit etwas Mehl wälzen und mit Honig und Gewürzen abschmecken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-024-orig" n="wilprat" resp="#fyndling">Wörtlich ‚Wildbret', hier aber durch den Zusatz ‚von airen' und die Speck-Imitation klar als ‚feines (Schau-)Gericht' zu lesen - ein Scheinwildbret aus Eiern. Belegkontrast: In m5919-078/079 desselben süddeutschen Korpus meint ‚wilprat' echtes Wildfleisch; der Imitations-Kontrast ist hier der Witz des Rezepts. Löst das Schreiber-Fragezeichen auf dem Faksimile auf.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-024-orig" n="stupp In wol" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">‚Stäube ihn wohl' - das Bestäuben des Teigs mit Mehl, das die Eiermasse fester bindet und ein Ankleben im Säcklein verhindert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-024-orig" n="sachlin" resp="#fyndling">Ein kleines Säcklein aus Leinen, das den weichen Teig beim Pochieren im Wasser zu einem kompakten, schnittfähigen Laib formt und ihn zugleich vor dem heißen Topfboden schützt. Ähnlich einem Mulltuch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-024-orig" n="vncz das es dich gar dick tunck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#dich">‚Bis es dir ganz dick dünkt' - der Teig soll im Säcklein so lange garen, bis er fest und schnittfähig ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-024-orig" n="fur ein speck" resp="#fyndling">‚Für einen Speck' - gehacktes Eiweiß als optische Imitation von gebratenem Speck, Kern der Schauessen-Küche, in der billige Zutaten Höherwertiges vortäuschen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-024-orig" n="zisseinlen" resp="#fyndling">Hapax legomenon (nur in mon-024 belegt, lexikalisch nicht eindeutig auflösbar). Im Kontext der Servieroptionen ist ein kleines Gefäß oder Schälchen die plausibelste Lesart; bleibt interpretationsbedürftig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-024-orig" n="gelb prolin" resp="#fyndling">‚Gelbes Brötchen' (prolin/Brötlein, Diminutiv) als Serviergefäß oder Beilage, vermutlich safran- oder eigelbgefärbtes Gebäck. Nur schwach extern belegt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-024-orig" n="wilprat" resp="#fyndling">‚Scheinwildbret aus Eiern' - ein feines Schaugericht. Wörtlich ‚Wildbret', doch der Zusatz ‚von airen' und die Speck-Imitation aus Eiweiß machen klar, dass hier aus Eiern teures Wild nachgeahmt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-024-orig" n="stupp In wol" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">‚Bestäube ihn gut' - Bestäuben des Teigs mit Mehl, um ihn fester zu binden und ein Ankleben im Säcklein zu verhindern.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-024-orig" n="hach es dar ein" resp="#fyndling">‚Hänge es hinein' - das Säcklein wird frei in das siedende Wasser gehängt, gestützt durch ‚das es nyndter an ruer' (dass es nirgends anstößt), also schwebend gegart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-024-orig" n="verlieren" resp="#fyndling">‚Darbieten' oder ‚anrichten'. Im Zusammenhang der ‚geben'-Serie der Servieroptionen meint ‚verlieren' hier schlicht das Anrichten der jeweiligen Variante.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-024-orig" n="zisseinlen" resp="#fyndling">‚Kleines Schälchen'. Hapax legomenon ohne externen Beleg; im Kontext der Servieroptionen ist ein kleines Gefäß die plausibelste Kontext-Konjektur.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-025-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein frittiertes, geschichtetes Schmalzgebäck aus fingerschmalen, langen Eierteig-Streifen, übergossen mit einer süß-würzigen Weinsauce. Es gehört zur weitverzweigten Familie der Schmalzgebäcke und Fastnachts-Fritter und hat heute lebende Verwandte in den österreichisch-süddeutschen Strauben, den italienischen Crostoli/Chiacchiere (frittierte Teigbänder) und den Knieküchle/Auszognen. Im Quelltext nennt der Schreiber das Verfahren selbst als Vorbild: Der Teig wird gemacht wie für ein haidnisches Gebäck - dieselbe Technik wie das gut belegte „Heidnische Gebäck / Hausenblätter“ (dünner Eierteig, oblatendünn ausgerollt, in fingerbreite Streifen geschnitten, in Schmalz frittiert, mit süß-würziger Sauce übergossen). mon-025 ist die oberösterreichische Wein-Variante dieses Teigstreifen-Gebäcks.

Der Teig und das Schneiden. Ein eierreicher Teig wird walzendünn ausgerollt - dünn ergibt große Oberfläche, sodass die Streifen in Sekunden goldbraun aufknuspern, während der Eieranteil Form und Biss hält. In Streifen schmäler als ein Finger schneiden und lang lassen: Die Länge ist Handhabungs-Geometrie, damit man die Streifen beim Schichten „eines über das andere“ legen und später mit Löffel oder Schöpfer aus dem heißen Fett heben kann.

Die Frittiertemperatur. Das Schmalz muss im tiefen Gefäß sprudelnd-wallend heiß sein - eine eingeworfene Teigprobe zischt sofort auf. Das ist die eigentliche Funktion des „bis es wallt“: nur bei deutlicher Hitze (Richtwert rund 170-180 Grad) frittiert der dünne Teig knusprig auf. Bei lauer Hitze saugt er Fett und wird speckig statt knusprig. Über dem Feuer gilt: gleichmäßige Glut, kein loderndes Feuer, sonst verbrennt das dünne Gebäck außen und bleibt innen roh. Wenden sorgt für gleichmäßige Bräunung, da die Streifen oben aus dem Fett ragen.

Die Sauce. Wein, zerbröselter Gewürzkuchen (piczolten, ein Pfeffer-/Lebzelten) und Rosinen. Der zerkrümelte Gewürzkuchen ist hier das Bindemittel - eine klassische Gebäckbrösel-Bindung, wie sie die Zeit kennt, keine Mehlschwitze. Er liefert zugleich Süße und Würze (Honig, Zimt, Nelke), die Rosinen geben Süße und einen Säurekontrast, der Wein die flüssige Basis. Da der Quelltext keine Mengen nennt: Zunächst sparsam Wein angießen und Gewürzkuchen zugeben, bis eine sämige, nicht zu dünne Tunke entsteht - lieber nachgießen als die Sauce ertränken. Heiß über das angerichtete Gebäck gießen.

Praxis. Eierteig dünn ausrollen, in fingerschmale lange Streifen schneiden. Schmalz in einem tiefen Topf oder Dutch Oven richtig heiß werden lassen (Teigprobe zischt sofort), die Streifen einzeln einlegen, nicht überladen, und goldbraun-knusprig ausbacken, einmal wenden. Auf Papier abtropfen lassen, locker schichten. Für die Sauce Wein mit zerbröseltem Lebkuchen und Rosinen kurz aufkochen, bis sie bindet, dann heiß überziehen. Im Lager: Vorsicht vor Schmalzspritzern am Bodenfeuer; das Schichten direkt im Fett ist fummelig - besser einzeln frittieren und erst nach dem Abtropfen stapeln.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-025-orig" n="haidnischen pachen" resp="#fyndling">‚Heidnisches Gebäck‘ - KEINE vorchristliche oder religiöse Bedeutung, sondern ein etablierter spätmittelalterlicher Bezeichnungstyp für exotisch oder fremdländisch wirkende Speisen (wohl von ‚Heidenkorn‘ = Buchweizen oder orientalischen Gewürzen). Der Geschwisterbeleg „haidennischen kuchen oder hausen plater“ beschreibt exakt dieses frittierte Eierteig-Streifen-Gebäck; mon-025 nennt es hier als Formvorbild. Breit belegt, etwa bei den ‚Heidnischen Erbsen‘ und ‚Heidnischen Köpfen‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-025-orig" n="morser" resp="#fyndling">Hier ist der ‚Mörser‘ als ein tiefer Topf zum Frittieren gemeint, nicht das übliche Gerät zum Zerstoßen von Gewürzen. Im Korpus bezeichnet das Wort sonst fast durchweg das Stoßgerät - hier muss es küchenpraktisch ein tiefes Kochgefäß meinen, damit das Schmalz die Teigstreifen umschließt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-025-orig" n="suppen" resp="#fyndling">‚Suppe‘ meint hier eine flüssige Sauce oder Tunke zum Übergießen (mhd./fnhd. suppe = Brühe/Tunke), nicht eine Löffelsuppe - im Korpus durchgängig so verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-025-orig" n="piczolten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#piczolten">Korpus-unikal (Hapax), ohne Wörterbuchbeleg - eine gesicherte Deutung fehlt. Fyndling-Vermutung: ein „be-zelter“ Wein, in dem ein Gewürz-/Lebzelten aufgekocht wurde (zelten = Fladen/flacher Kuchen, vgl. Lebzelten/Lebkuchen; passt grammatisch zum maskulinen wein). Eine konkurrierende Deutung sieht stattdessen ein alpenromanisches Wein-Attribut (‚gespritzter/gesprenkelter‘ Wein). Für die Nachkoch-Praxis folgen wir der Zelten-Lesart: Lebkuchen/Pfefferkuchen in den Wein einkochen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-025-orig" n="gestuecz pachen" resp="#fyndling">„Gestücktes Gebäck“ - dies bezieht sich auf ein Gebäck, das aus einzelnen Teigstücken oder -streifen zusammengesetzt und dann frittiert wird, passend zur Anweisung „ye ains vber das ander“ (eines über das andere).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-025-orig" n="versneidt dy pletter an kainem artt vnd laß sy gancz" resp="#fyndling">„schneide die Teigblätter in keiner Weise weiter zu und lass sie ganz (lang)“ - der Text nennt ausdrücklich „dy pletter“ (die Teigblätter); die zuvor geschnittenen Streifen sollen lang und ungeteilt bleiben, um sie schichten zu können.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-025-orig" n="morser" resp="#fyndling">„tiefer Topf zum Frittieren“ - obwohl ein Mörser normalerweise zum Zerstoßen dient, beschreiben die Anweisungen („secz den hayß vber al“, „ker es vmb“, „pach es“) eindeutig einen Kochvorgang in einem tiefen Gefäß. Dies ist die einzig kochbar sinnvolle Lesart; ein Transkriptions- oder Schreiberproblem ist nicht völlig ausgeschlossen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-025-orig" n="hoczel" resp="#fyndling">„Schöpflöffel“ oder „Schaumlöffel“ - im Kontext eines „koch loffel“ (Kochlöffel) ist dies ein weiteres Utensil zum Hantieren mit Speisen in heißem Fett.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-025-orig" n="piczolten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#piczolten">Korpus-unikal (Hapax) und ohne Wörterbuchbeleg (ungeklärt). Fyndling-Lesart: ein „be-zelter“ Wein - bairisch steht p- für b- (be-), piczolten = Partizip „be-zelt(et)“, also ein Wein, in dem ein Gewürz-/Lebzelten (Honigzelten) aufgekocht wurde. Das erklärt die Kongruenz mit dem maskulinen wein (ein wenig wein einen piczolten), knüpft an das zelten-Wortfeld an (vgl. leczelten, bimezelten) und ergibt küchenpraktisch die klassische Lebkuchen-Weinsauce (Wein + eingekochter Gewürzkuchen + Rosinen über das Gebäck).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-026-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gewürzter, safrangelber Eier-Mehl-Teig wird über kleine Stäbe oder Röhren gezogen, ausgebacken und von der Form abgezogen - zurück bleiben hohle, längliche Teigröhren. Damit ist mon-026 ein mittelalterlicher Verwandter der Cannoli und der heimischen Stab- und Spießgebäcke (Prügelkrapfen, Trdelník, Baumkuchen). Die nächsten Verwandten im Korpus sind das rheinfränkische rfk-058 (hohle Teigröhrchen, hohl wie Pfeifen) und das gefüllte ri15632-053.

Das Verfahren ist in diesen Schwesterrezepten eindeutig: eine Form - Röhrchen, Stab oder Schaft (helb) - wird ganz mit Teig umhüllt (das sy doch werden taigig), braun gebacken und am Ende wieder herausgezogen (czewch die helbem her auß). Genau dieses Herausziehen der Form macht das Stück hohl. Die früher vermutete Lesart als eingebackene Kirschkerne trägt nicht: man zieht eine Form heraus, keine Füllung.

Das seltene Wort gestracz (gestrecktes Gebäck) ist sonst nirgends belegt; im Bedeutungsfeld der Form passt es zu den langen, walzenförmigen Röhren, die beim Backen über der Form entstehen.

Wie wurde es gegessen? Das hängt an der Größe der Form, und der Korpus zeigt beide Pole: dünne Röhren, über schmale Röhrchen oder Halme gebacken, wurden meist nur mit Zucker bestreut (so rfk-058, hohl wie Pfeifen); breitere, über kräftigere Formen gebackene Röhren wurden gefüllt (so ri15632-053 - mit Eiern, gerösteten Äpfeln, Semmelbröseln, Petersilie und Anis). Da helb einen kräftigen Schaft (Axtstiel) meint und nicht einen dünnen Halm, gehört mon-026 eher zur größeren, füllbaren Sorte - die Serviervorschrift selbst lässt der knappe Text aber offen.

Praxis. Einen relativ flüssigen, eierreichen Teig wie für Küchlein anrühren, gut würzen (Zimt, Ingwer, eine Prise Nelke und Pfeffer) und mit etwas Safran gelb färben. Glatte, gut eingefettete Stäbe oder hitzefeste Röhrchen mit dem Teig umhüllen und über dem Feuer oder in reichlich Schmalz rundum goldbraun ausbacken, dann von der Form abziehen. Das Einfetten ist der entscheidende Handgriff, damit sich der Teig sauber löst. Schmale Röhren mit Zucker bestreuen; breitere nach Belieben füllen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-026-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">'Würze' - Im Mittelalter wurden Gewürze oft pauschal genannt, ohne genaue Auflistung. Typisch für Gebäck wären Zimt, Ingwer, Nelken und eine Prise Pfeffer.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-026-orig" n="mach In gelb" resp="#fyndling">'Färbe ihn gelb' - Die gelbe Farbe wurde meist durch Safran oder Eigelb erzielt. Da Eier ohnehin im Teig sind, kann zusätzliches Eigelb die Farbe verstärken; Safran war das teure Statussymbol.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-026-orig" n="halbern / helbem" resp="#fyndling">Schwankende Schreibung für ein und dasselbe Wort (bairische b/w-Lautgleichheit). helb ist frühneuhochdeutsch der Stiel, Schaft oder Axtstiel (Goetze, Lexer, Idiotikon) - hier ein formgebender Stab oder eine Röhre, um die der Teig gebacken und die danach herausgezogen wird. Das Schwesterrezept rfk-058 nennt an gleicher Stelle Röhrchen; die genaue Gestalt der Form bleibt offen, die Technik (Form herausziehen, Gebäck wird hohl) ist cross-source gesichert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-026-orig" n="gestracz pachen" resp="#fyndling">'Gestrecktes Gebäck' - längliches, walzenförmiges Gebäck (Idiotikon: 'gestrecktes, walzenförmiges Weißbrot'; MHDBDB-Lemma gestrackter, Bedeutungsfeld Gestalt/Form). Beschreibt die Form der hohlen Teigröhren, die über der Form entstehen. Das Wort ist im übrigen Korpus nicht belegt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-026-orig" n="halbern / helbem" resp="#fyndling">Ein formgebender Stab, Schaft oder eine Röhre (helb = fnhd. Stiel/Schaft/Axtstiel), um den der Teig gebacken und der danach wieder herausgezogen wird, sodass das Gebäck hohl bleibt. Cross-source bestätigt durch rfk-058 (Röhrchen ... danach heraus, so wird das Gebäck hohl wie Pfeifen) und ri15632-053. Die genaue Gestalt der Form - Stab, Schaft oder Röhre - lässt der Text offen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-026-orig" n="gestracz" resp="#fyndling">'Gestrecktes Gebäck' - längliches, walzenförmiges Hohlgebäck, wie es das Backen des Teigs über einer Stab- oder Röhrenform ergibt. Im Korpus sonst nicht belegt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-027-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte Eier in der festlichen Schauvariante - der spätmittelalterliche Vorfahr unserer heutigen gefüllten Eier ("Eier russisch", deviled eggs). Die ganzen Eier werden gegart und am spitzen Ende geöffnet, der Dotter herausgelöst und mit Wurzelgemüse und Petersilie zu einer Füllung gehackt, dann wieder in die erhaltenen Schalen gefüllt und am Spieß angerichtet - das Besondere hier ist die zweifarbige Inszenierung grün und rot. Im Mondseer Kochbuch bildet das Rezept mit den schlichteren mon-004 und mon-005 einen kleinen Eier-Füll-Cluster; dieselbe Verfahrenskette (Schale leeren, hacken, würzen, wieder einfüllen, am Spießlein braten) findet sich quer durchs Korpus in mon-018, m725-020, rfk-047 und mha-280.

Wie öffne ich die Eier? Der Originaltext "slag sy an den spiß spicz auff" meint nicht das Aufspießen, sondern das Aufschlagen am spitzen Ende der Schale: das Ei wird oben an der Spitze geöffnet, die Schale bleibt im Ganzen erhalten, damit man die fertige Füllung später wieder hineinfüllen kann ("fuel sy wider in dy schall"). Das Korpus buchstabiert diese Krosseier-Technik mehrfach aus, etwa ka1-082 "brich ayer vff an der spitz vnd lar die schallan gantz". Praktisch heißt das: die Eier hart sieden, abschrecken, vorsichtig an der Spitze köpfen, den Inhalt entnehmen, Schale aufbewahren.

Was wird gefärbt? "meng die tutter" - tutter ist hier der Dotter, die gegarte Eimasse, nicht etwa "die Hälfte". Dieselbe Schreibung steht in den Schwesterrezepten mon-004 ("nymb dy tutter dar awß") und mon-005 ("thue dy tutter dar awß") eindeutig für das Eigelb. Die Füllmasse wird also in zwei Portionen geteilt: eine wird mit grünem Saft (kalt ausgepresster Petersilien- oder Spinatsaft) eingefärbt, die andere rot (Sandelholz oder Alkanna). Die Färbung ist reine Schauwirkung an der gehobenen Tafel des 15. Jahrhunderts.

Praxis. Acht Eier hart kochen (etwa 9-10 Minuten), kalt abschrecken, an der Spitze köpfen und vollständig auslösen, die Schalen aufheben. Dotter mit fein gehacktem, gegartem Wurzelgemüse (Karotte oder Pastinake; harte Wurzeln vorher kurz weich kochen) und reichlich Petersilie verhacken - der mehlige Dotter bindet die Masse selbst, etwas Schmalz gibt Geschmack und Feuchte, ein Zusatzbinder ist nicht nötig. Die Masse halbieren, eine Hälfte mit Petersilien- oder Spinatsaft grün, die andere mit Sandelholzpulver rot einfärben. Schalen wieder befüllen, auf kleine Spießchen stecken und nur kurz am Glutrand durchwärmen - kein Garschritt, das Anwärmen fixiert die Farbe und bringt Serviertemperatur; der grüne Kräutersaft darf nicht stark erhitzt werden, sonst bricht die Farbe ins Bräunliche. Abwechselnd grün und rot anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-027-orig" n="tutter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tutter">Eidotter (mittelhochdeutsch toter/dotter, bairische Schreibung mit anlautendem t-). Im Mondseer Buch identisch in mon-004 ("nymb dy tutter dar awß") und mon-005 ("thue dy tutter dar awß") als Dotter verwendet; das Wörterbuch belegt das Lemma im Bedeutungsfeld Eier. "meng die tutter" heißt also: die gehackte Dottermasse mischen und teilen, nicht "die Hälfte".</note>
        <note type="gloss" target="#mon-027-orig" n="spiß spicz auff" resp="#fyndling">Aufschlagen am spitzen Ende der Eierschale, nicht Aufspießen. Die ganze Schale bleibt erhalten, damit die Füllung wieder hineinkommt; das Korpus buchstabiert die Technik in ka1-082 aus ("brich ayer vff an der spitz vnd lar die schallan gantz"). Der eigentliche Spieß kommt erst am Schluss ("stoß ann Ein spissel").</note>
        <note type="gloss" target="#mon-027-orig" n="guet burczen" resp="#fyndling">Gute Wurzeln, also Wurzelgemüse (mittelhochdeutsch wurz, bairisches b- für w-). Ein Sammelbegriff, im 15. Jahrhundert plausibel Petersilienwurzel, Pastinake oder Möhre, in der Kräuterfüllung neben der Petersilie. In den Schwesterrezepten mon-004 und mon-005 steht an gleicher Stelle "Gewürz", weshalb hier auch "gute Würze" mitschwingen kann.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-027-orig" n="weslach" resp="#fyndling">Bairische Form von "wechsle ab" (Wechsel, mit b/w-Vertauschung): die Eier abwechselnd grün und rot anrichten. Nur in mon-027 belegt, aus dem Kontext erschlossen ("ains gruen das ander rott").</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-027-orig" n="slag sy an den spiß spicz auff" resp="#fyndling">"schlage sie an der Spitze auf" - die Eier werden am spitzen Ende der Schale geöffnet, die Schalen bleiben ganz, damit sie später wieder befüllt werden können (Krosseier-Technik). Das Korpus löst die Stelle eindeutig auf, etwa ka1-082 "brich ayer vff an der spitz vnd lar die schallan gantz".</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-027-orig" n="tutter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tutter">"Dotter" - die herausgelöste, gehackte Eimasse, die zum Färben in zwei Portionen geteilt wird. Im selben Korpus mehrfach als Eigelb belegt (mon-004, mon-005 "tutter dar awß", ka1-035 "tuo daz tutter dar vß").</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-027-orig" n="burczen" resp="#fyndling">"Wurzeln" - Wurzelgemüse (bairisches b- für w-), passend zur Petersilie in der Kräuterfüllung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-028-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein spätmittelalterliches Schauessen: drei verschiedenfarbige Eierfladen (weiß, grün, rot) werden um ein Stück gekochtes, gewürztes Wildbret mit Rosinen gewickelt, das Päckchen in einen Teig gehüllt und im Schmalz ausgebacken. In der Küchenfamilie steht es bei den gefüllt-frittierten Krapfen aus gekochtem Fleisch, ist aber durch die dreifarbige Fladen-Hülle deren festlich aufgehübschte Sonntags-Variante - ein optisch motiviertes Gericht, das innen bunt und außen golden auf den Tisch kommt.

Die drei farbigen Eierfladen (pletter). Pletter sind dünne, in der Pfanne gebackene Eierfladen, die hier als biegsame Trägerblätter zum Einschlagen dienen. Sie müssen elastisch und nicht zu trocken gebacken sein, sonst brechen sie beim Falten. Die Farbführung verlangt milde, gut kontrollierte Hitze - grüne und rote Fladen dürfen nicht bräunen, sonst geht die Farbe verloren. Weiß bleibt der reine Ei-Mehl-Fladen; für Grün arbeitest du am besten einen fein passierten Anteil Petersilien- oder Spinatpüree ein (purer Saft wässert und stört das Gerinnen), für Rot etwas Sandelholz.

Die Wildbret-Füllung. Ein kleines Stück Wildbret wird vorgekocht (gesotten), gut gewürzt und mit Rosinen abgeschmeckt. Das Vorgaren ist hier zentral: rohes Wild bleibt fest und sehnig und würde im kurzen Schmalzbad nicht durchgaren - vorgekocht wird es mürbe. Die Rosinen setzen den süß-herzhaften Akzent, der zeittypisch zum gehobenen Wildbret gehört.

Das Falten zum bunten Brief. Breite die Fladen aus und lege sie, so dick sie sind (also ganzflächig, ohne sie zu zerschneiden), wie einen Briefumschlag um die Füllung - jedes Blatt für sich, sodass sich die drei Farben sichtbar schichten. Ob man die Blätter mit Füllung dazwischen rollt oder einzeln um die Füllung wickelt, lässt das Original offen; beide Wege tragen.

Praxis. Hülle das gefaltete Päckchen in einen Ausbackteig (wie ein Bierteig-Mantel) und backe es in heißem Schmalz aus. Der Teigmantel dichtet ab, hält die Form und gibt die knusprige Kruste - frittiere zügig bei richtig heißem Fett, nicht zu kühl, sonst saugt sich alles fettig voll. Anders als beim Fladenbacken gilt hier hohe Hitze. Eine ehrliche Spannung steckt im Rezept selbst: die mühsam erzeugte Buntheit verschwindet unter dem braunen Teigmantel - sie ist als Überraschung beim Anschneiden gedacht, innen das farbige Querschnittsbild, außen golden gebacken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-028-orig" n="pletter / plat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Dünne, in der Pfanne gebackene Eierfladen (Blätter), hier in drei Farben weiß, grün und rot. Grün durch Kräuter oder Spinat, Rot durch Sandelholz - die Dreifarbigkeit ist das klassische Tafelfarben-Trio des Spätmittelalters.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-028-orig" n="wilcz pracz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pracz">Wildbret. pracz steht für brâte (Fleischstück, Braten), nicht für eine Pratze - im Korpus mehrfach als Fleisch belegt (mon-005, mon-022, m5919). Wild war Adelsprivileg und markiert das Gericht als festlich-herrschaftlich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-028-orig" n="bunten prieff" resp="#fyndling">Wörtlich bunter Brief: das fertig gefaltete, mehrfarbige Eierfladen-Päckchen wird mit einem kostbar gefalteten und versiegelten Brief verglichen - eine Metapher aus der Schreiberwelt, die zugleich Falttechnik und Schau-Charakter beschreibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-028-orig" n="hubsch essen" resp="#fyndling">Ein hübsches Essen deutet auf ein Gericht, das auch optisch ansprechend sein soll - passend zu den farbigen Eierfladen und dem ganzen Schau-Charakter der Speise.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-028-orig" n="praydt sey" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">‚breite sie [die Eierfladen] aus‘ - praydt ist die bairische Schreibung (p- für b-) von ‚breiten / ausbreiten‘, und sey/sy sind Plural und beziehen sich auf die zuvor genannten Eierfladen, nicht auf das eine Wildbret-Stück.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-028-orig" n="wilcz pracz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pracz">‚Wildbret‘ - eine Zusammensetzung aus ‚wild‘ und brâte (Fleischstück), der Oberbegriff für Wildfleisch.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-029-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Frittierte Kugeln aus Trockenobst: getrocknete Feigen und Rosinen werden im Mörser zu einer klebrigen Paste gestoßen, eigroß portioniert, durch einen safrangelben Weinteig gezogen und in Öl oder Schmalz ausgebacken. Es ist ein ungefüllter Vorläufer des gefüllten Krapfens und gehört zur Familie der süddeutsch-österreichischen Backteig-Süßspeisen (man denke an Apfelkücherl im Ausbackteig). Im eigenen Korpus ist es die knappere, vermutlich ältere bairisch-österreichische Schwester von kkm-047 aus der Koch und Kellermeisterei, die dieselbe Technik fast wortgleich, nur ausführlicher beschreibt.

Die Fruchtpaste bindet sich selbst. Trockenfeigen und Rosinen sind von Natur aus so klebrig, dass die gestoßene Masse ohne jedes Bindemittel zu Kugeln hält - kein Ei, kein Brot, keine Mandel nötig. Das Waschen am Anfang reinigt nicht nur die Trockenfrüchte vom Lagerstaub, sondern macht zähe Feigen geschmeidiger fürs Stoßen. Stoße im Mörser, bis eine zusammenhängende, formbare Paste entsteht.

Wann wird gewürzt? Das Original würzt „von ersten“ - also zuerst, von Anfang an. Die süßen Gewürze (Zimt, Ingwer, Nelke, etwas Muskat) kommen daher in die Fruchtmasse, bevor du Kugeln formst, nicht über die fertig frittierten Bällchen. So zieht das Aroma durch die ganze Kugel. Der Cross-Source-Zwilling ri15632-005 würzt die Feigen-Nuss-Masse ebenfalls vor dem Frittieren - das stützt diese Reihenfolge.

Der gelbe Weinteig ist eine Ausbackhülle. Das „taiglin an mit wein“ meint einen dünnen Ausbackteig aus Wein und Mehl (das Mehl ist im knappen Text mitgedacht, ein reiner Weinteig bäckt nicht). Er bildet beim Frittieren eine knusprige Kruste und schützt die Frucht vor direktem Fettkontakt. Gelb gefärbt wird mit Safran oder, günstiger, mit Eigelb - dass sich das Gilben auf den Teig bezieht, bestätigt das Schwesterrezept kkm-047 wörtlich.

Praxis. Eigroße Kugeln sind fürs Frittieren reichlich groß: eine kalte, dichte Fruchtkugel braucht im Fett lange, bis sie innen warm wird, während die dünne Hülle schon zu dunkel werden kann. Forme die Kugeln eher walnuss- bis pflaumengroß. Frittiere bei mittlerer Hitze, nicht zu heiß, bis die Hülle goldbraun ist - das Innere muss nur durchwärmen, das Trockenfruchtmus ist ohnehin genießbar. Haftet der Teig schlecht an der fettigen Paste, hilft ein leichtes Bemehlen der Kugeln vor dem Eintauchen. Mörser plus ein Topf mit Fett über der Glut genügen; ein Schaumlöffel zum Wenden ist praktisch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-029-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Mittelhochdeutsch für Weinbeeren, hier im Sinne von Rosinen oder getrockneten Weintrauben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-029-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Ein großer Mörser, wie er im Mittelalter zum Zerkleinern von Fleisch, Fisch oder Früchten verwendet wurde. Für dieses Rezept kann auch ein moderner Food Processor verwendet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-029-orig" n="gilb das taigel" resp="#fyndling">Imperativ zu gilwen (gelb färben), im Korpus vielfach belegt. Gefärbt wird der Ausbackteig, nicht die fertige Speise - das bestätigt das Schwesterrezept kkm-047 wörtlich („Das Müslin mach mit warmen Wein vnd weis Mehl, gilb es“). Umgesetzt mit Safran oder, günstiger, mit Eigelb; Safrangelb imitierte Gold und erhöhte den Status der Speise.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-029-orig" n="pachgs" resp="#fyndling">pach + enklitisches -s = „backe sie“ (das angehängte -s steht für „sie“). Da in Öl oder Schmalz zubereitet wird, ist Frittieren gemeint, kein Ofenbacken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-029-orig" n="gburcz sy von ersten etc." resp="#fyndling">gburcz = „würze“ / „Gewürze“, mit dem im Bairischen verbreiteten b für w (g[b]urcz = gewürz). von ersten heißt wörtlich und idiomatisch „zuerst / von Anfang an“ - dieselbe Wendung steht am Rezeptbeginn („wasch sy von erst“ = wasche sie zuerst). Die Masse wird also vor dem Formen gewürzt. Das „etc.“ verweist auf eine bekannte süße Gewürzmischung (Zimt, Ingwer, Nelke, Muskat).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-029-orig" n="gburcz sy von ersten etc." resp="#fyndling">„Würze die Masse zuerst“ - von ersten bedeutet wörtlich und idiomatisch „zuerst / von Anfang an“; dieselbe Wendung steht am Rezeptbeginn („wasch sy von erst“). Die süßen Gewürze kommen also in die Fruchtmasse, bevor Kugeln geformt werden. Der Cross-Source-Zwilling ri15632-005 würzt die Feigen-Nuss-Masse ebenfalls vor dem Frittieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-029-orig" n="gilb das taigel" resp="#fyndling">„Färbe den Teig gelb“ - das Färbemittel wird im Original nicht genannt; Safran oder Eigelb waren die gängigen Optionen. Dass sich das Gilben auf den Ausbackteig (nicht die fertige Speise) bezieht, bestätigt kkm-047 wörtlich.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-030-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein dickes Mandel-Milch-Mus, das in einem kleinen Schälchen auf der Glut so lange eingekocht wird, bis es fest steht. Gebunden wird es nicht mit Ei oder einer Mehlschwitze, sondern - ganz zeittypisch - mit geriebener Semmel: Die Brösel quellen in der Milch und geben der Masse von Anfang an Stand. Gesüßt mit etwas Honig, golden gefärbt mit Safran. Es ist ein Vorfahr des bairisch-österreichischen Mandelmus und steht zugleich am Anfang der Semmel-Milch-Auflauf-Linie. Den Namen trägt es nach seinem Gefäß: Ein Reindel ist ein kleines Töpfchen - dasselbe Wort lebt in der Alpenküche bis heute als Reindl weiter.

Die Bindung. Die geriebene Semmel ist hier kein Beiwerk, sondern das tragende Bindemittel. Sie saugt die Milch auf und macht aus dem späteren Eintrocknen ein schnittfestes Mus statt Klümpchen in Suppe. Brösel deshalb nach Augenmaß zugeben, bis die Masse dick steht - genau wie die Quelle es sagt: so viel, dass es dick wird. Den Safran zusammen mit dem Gewürz in die feuchte, warme Masse rühren, denn er gibt Farbe und Aroma nur an warme Flüssigkeit ab. Den Honig bewusst sparsam.

Was trocken hier heißt. Bis es trocken wird meint, dass die Milchflüssigkeit verkocht ist und die Masse anzieht - nicht staubtrocken, sondern ein dickes, schnittfestes Mandelmus. Wer es wirklich trocknen wollte, würde es nur anbrennen.

Praxis. Ein Schälchen direkt auf die volle Glut zu stellen ist der heikle Punkt: Die brösel-gebundene Masse setzt am Boden an und brennt, bevor die Mitte durch ist. Deshalb mit zurückgezogener, milder Glut arbeiten, das Schälchen an den Rand der Glut oder auf einen heißen Stein setzen und immer wieder rühren. So verdampft die Milch langsam, das Mandel-Brösel-Gerüst zieht an und steht am Ende als festes Mus. Im Lager ist alles bis auf die Frischmilch unkühl haltbar; wer ohne Kühlung kocht, ersetzt die Milch durch Mandelmilch - das passt thematisch sogar besser und ist die mittelalterliche Fastenlösung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-030-orig" n="reindel von mandel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#reindel">Reindel ist die Verkleinerungsform zu mittelhochdeutsch Rein(e), einem flachen Koch- und Backtopf (bei Grimm als rein/reinel/reindel belegt). Das Gericht ist also nach seinem Gefäß benannt - ein im Reindl zubereitetes Mandelgericht. Dasselbe Wort lebt heute als österreichisches Reindl (Töpfchen, Auflaufform) weiter; im selben Schreibmilieu auch als reindlein bezeugt. Es meint das Gefäß, nicht eine runde Speiseform.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-030-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Geriebene Semmel = geriebenes Weißbrot beziehungsweise Semmelbrösel als Bindemittel, nicht Mehl. Mittelalterlich bindet man mit Brot, Semmel, Mandel, Ei oder Reis; eine Mehlbindung wäre anachronistisch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-030-orig" n="scherblin" resp="#fyndling">Ein kleines irdenes Gefäß oder Schälchen (Diminutiv zu ‚Scherben‘), in dem hier alles vermengt und auf der Glut gegart wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-030-orig" n="choller" resp="#fyndling">Glühende Kohlen als Hitzequelle. Das kleine Gefäß steht direkt in der Glut, bis die Masse ‚trocken‘ (fest, eingedickt) wird - typische offene Herdgartechnik ohne geschlossenen Ofen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-030-orig" n="trucken werdt" resp="#fyndling">‚Trocken werden‘ heißt hier, dass die Milchflüssigkeit verkocht und die Masse fest anzieht - ein dickes, schnittfestes Mandelmus, kein staubtrockenes Gericht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-031-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein spätmittelalterliches Schau-Ei: gewürztes Hechtbrät wird in echte, an beiden Enden geöffnete und entleerte Hühnereierschalen gefüllt, in der Schale gestockt, dann gepellt, aufgespießt, gesalzen und gebraten. Das Endprodukt sieht aus wie ein riesiges Ei beziehungsweise Fischei. Lebende Verwandtschaft: der direkte Vorfahr der gefüllten Eier, und ein Geschwister des als Rebhuhn geformten Fischbräts (ri15632-001) - dieselbe Lust an der Verwandlung gewöhnlicher Zutaten in ein optisch täuschendes Tafelstück.

Das Brät stammt vom Hecht, und das ist genau das richtige Material: mager, festfleischig, neutral genug fürs Würzen. Beim Stoßen im Mörser schließt das Fischeiweiß auf und wird bindefähig, sodass die Masse später formbar ist und in der Schale von selbst stockt - kein Fremdbinder, kein Ei und keine eingeweichte Semmel nötig.

Zweimal erhitzen. Die Quelle benutzt für beide Hitzeschritte dasselbe Wort (vber prenn / vber prens, also »überbrennen« im Sinne von erhitzen, anziehen lassen) - kein Übergießen mit Wasser, denn an dieser Stelle ist keine Flüssigkeit im Spiel. Beim ersten Mal zieht die gewürzte Masse leicht an, bis sie dotterfarben und fest genug zum Einfüllen ist. Beim zweiten Mal stockt die in die Schalen gefüllte Farce vollends durch, sodass sie sich schälen und aufspießen lässt. Ein Backofen ist nicht zwingend - das Stocken gelingt am offenen Feuer in Glut oder heißer Asche genauso.

Mörser oder Gefäß? Im zweiten Schritt steht in der Quelle abermals »Mörser«. Entweder ist tatsächlich ein standfester Steinmörser gemeint, in dem die Schalen aufrecht stehen und über Hitze stocken, oder es ist ein Schreiber-Echo des Mörsers aus dem ersten Satz (die Schwesterfassung nennt hier gar kein Gefäß). In der Praxis genügt jedes hitzebeständige Standgefäß, in dem die einseitig gefüllten Schalen aufrecht und unbeschädigt garen.

Praxis. Hechtfarce knapp würzen und glatt stoßen, leicht erhitzen bis sie anzieht. Eier an beiden Enden öffnen, ausblasen, Schale ausspülen und trocknen. Farce ohne Lufteinschlüsse einfüllen, die Schalen aufrecht in ein Standgefäß setzen und bei sanfter Hitze durchstocken (Glut, heiße Asche oder ein abgedeckter Topf am Feuer). Heikel ist das Schälen ohne die gestockte Füllung zu zerbröseln und das Aufspießen der noch weichen Masse - das ist filigrane Vorführ-Arbeit mit spürbarer Ausschussquote, kein Mengengericht. Zuletzt am Spieß scharf braten, das gibt Bräune und Röstaromen und macht aus dem Brät-»Ei« das fertige Schaustück.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-031-orig" n="geprat" resp="#fyndling">Das »Brät« bezeichnet hier fein zerkleinertes, rohes Fischfleisch, das zu einer Farce verarbeitet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-031-orig" n="vischair" resp="#fyndling">Wörtlich »Fisch-Eier« (Fisch + air = Eier; vgl. Grimm: »der tail der vischair verderbent, wenn der rogner diu air«). Im Korpus ein sprechender Titel für ein Fasten-Schaugericht: kein echter Rogen, sondern aus Hecht zubereitete Imitations-Eier. Geschwister: das als Rebhuhn geformte Fischbrät ri15632-001.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-031-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Ein großer Mörser, wie er im Mittelalter zum Zerkleinern von Fleisch und Fisch zu Brät verwendet wurde. Nicht zu verwechseln mit einem kleinen Gewürzmörser.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-031-orig" n="tutterlen" resp="#fyndling">Bairisch-österreichischer Diminutiv zu »Dotter« (tutter = Eidotter, nicht »Hälfte«; cross-source bestätigt in ka1-035/082 und im Mondseer Korpus). das sy tutterlen sein = damit es dotterähnlich, also gelb wie kleine Eidotter, wird - das gewürzte, erhitzte Hechtbrät soll Eigelb nachahmen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-031-orig" n="ay an paiden artten auff" resp="#fyndling">artten = Enden/Seiten. Das Ei wird an beiden Enden aufgebrochen und entleert; die geleerte Hühnereierschale dient als verlorene Garform für das Fischbrät, das mit der Schale gegart und danach gepellt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-031-orig" n="vber prenn / vber prens" resp="#fyndling">»Überbrennen« im Sinne von erhitzen, anziehen lassen (bairisch p- für b-, vgl. pracz = braten). Im Rezept zweimal mit demselben Wort: zuerst zieht das gewürzte Brät an, bis es dotterfarben stockt; später garen die gefüllten Schalen vollends durch, bevor sie gepellt, aufgespießt und gebraten werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-031-orig" n="gestossen" resp="#fyndling">Das »Gestoßene« ist die im Mörser zu einer Paste verarbeitete Masse.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-031-orig" n="spiß" resp="#fyndling">Ein Holz- oder Metallspieß, auf den die gefüllten und gegarten »Eier« gesteckt werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-031-orig" n="vber prenn / vber prens" resp="#fyndling">»erhitze es / brenne es über« - dasselbe Verb (über)prennen an beiden Stellen, im Sinne von erhitzen, anziehen lassen, sengen über Glut. An keiner der beiden Stellen ist Brühflüssigkeit im Spiel; zuerst stockt die Masse leicht an, dann gart die gefüllte Schale durch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-031-orig" n="morsar (zweite Nennung)" resp="#fyndling">Wörtlich »Mörser«; sinngemäß ein standfestes, hitzebeständiges Gefäß, in das die gefüllten Eierschalen zum Durchgaren aufrecht gesetzt werden. Die Quelle nennt zweimal »Mörser«.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-032-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Das ist das Grundrezept der Strauben - das süddeutsch-österreichische Schmalzgebäck, bei dem dünnflüssiger Teig in heißes Fett gegossen und knusprig ausgebacken wird. Heute leben die Strauben als Kirtag- und Jahrmarktsgebäck in Tirol, Bayern und Österreich weiter (Spiral- oder Nestform, mit Puderzucker und Kompott oder Preiselbeeren); ihre technische Schwester über dem Atlantik ist der amerikanische funnel cake. Im Mondseer Kochbuch ist dieser Eintrag das Mutterrezept: Die übrigen Strauben-Rezepte setzen den Teig bloß voraus ("Teig wie zu Strauben"), hier wird er und vor allem die Gießtechnik selbst beschrieben.

Der Teig wird bewusst dick angesetzt. Das ist der entscheidende Parameter: Zu dünn zerläuft der Strang im Fett zu einem formlosen Netz, zu dick fließt er gar nicht erst sauber vom Löffel. Richtig ist er, wenn er zäh-reißend abläuft. Gebunden wird allein über Mehl und Ei, das beim Ausbacken stockt - keine Mehlschwitze, das wäre für die Zeit untypisch.

Die Zwei-Löffel-Technik ist der Kern: Mit dem einen Löffel gießt du den Teig ins Fett, der zweite, eiserne Löffel dient als Anschlag und Hilfe, an dem du den fließenden Strang führst und in Form hältst. Da der eiserne Löffel in der heißen Pfanne sekundenschnell selbst heiß und fettbenetzt ist, arbeitet man eher mit kurzen, führenden Stupf-Bewegungen als mit einem ruhend liegenden Werkzeug.

Praxis. Rühre einen dicken Pfannkuchenteig aus Weizenmehl, Ei und etwas Milch oder Wasser mit einer Prise Salz - so zäh, dass er reißend vom Löffel fällt. Erhitze reichlich Schmalz (ersatzweise Pflanzenöl) in einer schweren Pfanne oder einem Reindl auf etwa 170 Grad. Lass den Teig mit einem Löffel in kreisenden Bahnen ins Fett laufen und führe ihn mit einem zweiten Löffel zur Spiral- oder Nestform. Goldbraun ausbacken, wenden, auf Küchenpapier abtropfen lassen und warm mit Puderzucker servieren. Der Quelltext nennt das Schmalz und das Garende nicht ausdrücklich - beides ist aus dem Straubenteig und den Schwesterrezepten ergänzt, etwa ri15632-053 mit "strawben tayg", "heys schmalcz" und dem vorsichtigen Abziehen. Am offenen Feuer ist das Frittieren der heikelste Schritt: Halte die Glut gleichmäßig, das Fett im Griff und rechne mit Spritzern.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-032-orig" n="pachens" resp="#fyndling">‚Gebackenes‘ oder ‚Frittiertes‘ (mhd. gebackenes); Sammelbegriff für in Fett ausgebackene Speisen. Im Korpus mehrfach belegt (mha-039, mha-041, mon-002, ri15632-045).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-032-orig" n="schussel" resp="#fyndling">Hier im Sinne von ‚Gericht‘ oder ‚Speise‘, die in einer Schüssel serviert wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-032-orig" n="herdt" resp="#fyndling">Der Herd, die Feuerstelle zum Kochen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-032-orig" n="strawben" resp="#fyndling">Strauben - in heißes Fett gegossenes Schmalzgebäck; bairisch-österreichisch bis heute (Tiroler Strauben). Lesart korpusweit abgesichert (koe-022, mon-013, mon-023, ri15632-053); die Alternativlesart ‚Erdbeeren‘ ist auszuschließen (Mondsee schreibt Erdbeeren ‚bresteling‘).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-032-orig" n="eysnen loffl" resp="#fyndling">Eiserner Löffel - hier nicht zum Schöpfen, sondern als Hilfe beim Führen des mit einem zweiten Löffel gegossenen Teigstrangs in der Pfanne. Handwerkliche Vorstufe des späteren Straubentrichters.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-032-orig" n="strawben" resp="#fyndling">‚Strauben‘ - in heißes Fett gegossenes, frittiertes Schmalzgebäck; passt zur beschriebenen Gießtechnik und ist korpusweit gesichert.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-033-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Im Kern eine eingekochte, mit Honig und Nelken haltbar gemachte Apfel-Reduktion - der lebende Verwandte ist das rheinische Apfelkraut beziehungsweise das englische apple butter. Keine frische Tafelsauce, sondern eine konzentrierte Fruchtpaste (Latwerge) zum Würzen von Braten und Wild. Anders als die im Korpus verwandten Salsen aus sauren Äpfeln, die rohe Weintrauben und Äpfel zu einer sauren Verjus-Sauce verpressen, zielt mon-033 bewusst auf die süße, vorratswirtschaftliche Variante: eine Ein-Frucht-Reduktion, durch Honig gesüßt und auf Jahre konserviert.

Warum nicht kalt werden lassen? Die Äpfel werden zuerst im Topf weichgesotten, damit das Fruchtfleisch durchs Tuch passierbar wird. Der Hinweis, sie nicht kalt werden zu lassen, ist praxisecht: Kaltes Apfelmus geliert über sein Pektin und setzt sich fest, warm streicht es deutlich flüssiger durch. Das Passieren trennt Schalen, Kerngehäuse und Fasern ab und muss vor dem Reduzieren geschehen, sonst kochen die Schalen zäh und bitter mit ein.

Warum die Glut, warum Honig erst zum Schluss? Das zweite, lange Sieden geschieht über Glut, nicht über offener Flamme - die sanfte, gleichmäßige Hitze reduziert das Mus, ohne dass die zuckernde Paste anbrennt. Hier liegt das eigentliche Konservierungsprinzip: Wasserentzug und Zuckerkonzentration. Gebunden wird rein physikalisch durch die Reduktion und das natürliche Apfelpektin - kein Mehl, kein Bindemittel, zeittypisch sauber. Honig, geriebene Nelken und die übrigen Gewürze kommen erst ans fertig eingedickte Mus, damit Honigaroma und flüchtige Gewürzöle nicht zerkochen.

Praxis. Du brauchst nur Topf, Tuch, Holzlöffel und ein gleichmäßiges Glutbett. Rechne mit einem deutlichen Vielfachen an rohen Äpfeln für das fertige Glas - aus viel Frucht wird wenig Paste. Über Glut sind realistisch eher zwei bis zweieinhalb Stunden Einkochen einzuplanen, dazu fast ununterbrochenes Rühren, sobald die Masse dick wird und am Boden zu kleben beginnt. Streichfähig und dunkel eingedickt ist sie fertig. Die Mehrjahres-Angabe der Quelle ist optimistisch gerundet: Eine saure, zuckerreiche, dick eingekochte Fruchtpaste hält kühl und dunkel real lange, aber ohne moderne Sterilabfüllung sollte man sie eher in Monaten als in Jahren denken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-033-orig" n="weinling" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinling">‚Weinling‘ bezeichnet weinsäuerliche, herbe Apfelsorten, die sich wegen ihrer Säure und Festigkeit besonders zum Einkochen und Konservieren eigneten. Der Begriff ist in der Wörterbuch-Tradition (Goetze, Pritzel, Grimm) belegt, im Rezeptkorpus jedoch nur hier - eine seltene, dialektal oberdeutsche Vokabel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-033-orig" n="haffen" resp="#fyndling">Ein ‚Haffen‘ ist ein Topf oder Kessel, typischerweise aus Keramik oder Metall, der über dem Feuer oder auf Glut verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-033-orig" n="tuechel" resp="#fyndling">Ein ‚Tuch‘, hier zum Passieren der gekochten Früchte, um eine feine, glatte Sauce zu erhalten. Dies entspricht dem heutigen Passieren durch ein Sieb oder eine Flotte Lotte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-033-orig" n="griben pratt nagel" resp="#fyndling">‚Bratnägel‘ (auch ‚Bratnägelein‘) ist die geläufige frühneuhochdeutsche Bezeichnung für Gewürznelken - benannt nach ihrer nagelartigen Form (lat. clavus = Nagel). Das ‚griben‘ davor (zu mhd. rîben, reiben) meint die geriebenen, zerstoßenen, nicht die ganzen Nelken; gemahlen ziehen sie gleichmäßiger durch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-033-orig" n="vaffel" resp="#fyndling">Hier im Sinne von ‚Gefäß‘, genauer ein Fässlein oder Fässchen - eine Schreibervariante zu mhd. ‚vaz‘ (Faß, Behältnis), Diminutiv ‚vässel‘. Ein kleines Einlagerfaß passt zur mehrjährigen Aufbewahrung. Die formgleiche Wörterbuch-Lesart ‚vaffel = Reibeisen‘ ist ein Homograph und im Kontext einer einzulagernden Sauce ausgeschlossen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-033-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚Gewürz‘ - Die Schreibung ‚gb‘ für anlautendes ‚gw‘ ist eine wiederkehrende bairisch-österreichische Lautvariante im Frühneuhochdeutschen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-033-orig" n="griben pratt nagel" resp="#fyndling">‚geriebene Bratnägel‘, also zerstoßene Gewürznelken (‚griben‘ zu mhd. rîben = reiben/gerieben; ‚pratt nagel‘ = Bratnägel = Nelken).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-033-orig" n="vaffel" resp="#fyndling">‚Gefäß‘, konkret ein Fässlein/Fässchen (zu mhd. ‚vaz‘, Diminutiv ‚vässel‘) zum Einlagern. Im Kontext der mehrjährigen Aufbewahrung die mit Abstand plausibelste Lesart.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-034-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gewürzte Birnen-Latwerge - ein durch langes Einkochen schnittfest reduziertes, allein durch die Frucht gesüßtes Birnenmus. Der lebende Verwandte ist das österreichisch-bairische Birnenmus beziehungsweise Kletzenmus und die schwäbisch-fränkische Birnenlatwerge (Birabäz, „Birnenhonig"), wie sie bis heute eingekocht und aufs Brot gestrichen wird. Funktional der Vorfahr der modernen Fruchtbutter, technisch näher am eingedickten Mus als an der Gelee-Marmelade: kein zugesetzter Zucker, keine Pektin-Gelierung, reine Reduktion. Im Korpus ist die enge Schwester die Birnen-Latwerge kkm-107 aus dem Kuchenmaistrey-Druck, die am Ende so fest wird, dass man sie wie Teig ausrollen und in Stücke schneiden kann.

Regelspirren sind eine feste Koch- beziehungsweise Mostbirne, keine Tafelbirne - genau die Sorte, die der Parallelbeleg kkm-107 als „Leutsbirn" führt. Auf ihren hohen Pektin- und Tanningehalt baut die ganze Bindung. Mit modernen Tafelbirnen aus dem Supermarkt gelingt die Latwerge zwar, sie bleibt aber heller, weicher und weniger schnittfest; wer kann, nimmt feste Most- oder Kochbirnen vom Streuobstwiesen-Markt.

Der erste Schritt ist Dämpfen: Die Birnenviertel garen im geschlossenen Topf im eigenen Saft weich, die ¼ l Wasser sind nur Anschubfeuchte, bis die Frucht Saft zieht. „Das der tunst herauß nit gee" verlangt dabei nur einen gut sitzenden Deckel, damit der Dampf drinbleibt - keinen luftdichten Lehmrand. Der zweite Schritt ist die eigentliche Latwerge-Arbeit: das weiche Birnenfleisch fein zerstampfen (ein Sieb braucht es nicht) und im Kessel auf dem Dreifuß über gleichmäßiger Glut einkochen. Das gelegentliche winzige bisschen Wasser ist kein Verdünnen, sondern das Gegensteuern gegen das Ansetzen am Boden. Gewürzt wird erst am Ende, mit „gutem Gewürz" - die Wahl überließ man dem Vermögen des Kochs; klassisch passen Zimt, Ingwer, Nelken oder Muskat.

Praxis. Etwa 1,5 kg feste Kochbirnen schälen, vierteln, entkernen. Im Topf mit gut sitzendem Deckel und ¼ l Wasser über ruhiger Glut weich dämpfen. Weich zerstampfen, dann im weiten Kessel über gleichmäßiger Glut (nicht über offener Flamme - die zähe Masse verträgt keine direkte Hitze) unter ständigem Rühren einkochen, bis es dick und dunkel ist. Das dauert realistisch eher drei bis fünf Stunden, im Lagermaßstab länger, und bindet eine Person ans Dauerrühren. Zum Schluss mit Zimt, Ingwer und Nelken abschmecken. Heiß in saubere Gläser füllen; sehr lange haltbar.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-034-orig" n="ledtwaring" resp="#fyndling">Latwerge (mhd. latwârje, von lat. electuarium = „Auszulesendes"): ursprünglich eine apothekerlich-arzneiliche Einkoch-Paste, hier rein kulinarisch ein durch langes Reduzieren schnittfest eingekochtes Fruchtmus. Im Korpus mehrfach belegt, u.a. die Birnen-Latwerge kkm-107.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-034-orig" n="regelspirren" resp="#fyndling">Birnensorte, kein botanischer Allgemeinbegriff. „Spirre/Spire" bezeichnet im oberdeutschen Raum eine kleine, harte Most- oder Kochbirne; „Regel-" verweist (vgl. Grimm s.v. Regelbirne) ebenfalls auf eine benannte Kochbirnensorte. Gemeint ist eine feste, zum Frischverzehr weniger geeignete Birne, die sich gut einkochen lässt - das Pendant zur „Leutsbirn" des Parallelbelegs kkm-107.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-034-orig" n="vermach den haffen das der tunst herauß nit gee" resp="#fyndling">„tunst" = Dampf/Brodem (mhd.); den Topf so verschließen, dass der Dampf nicht entweicht. Die Birnen garen im eigenen Saft - die mittelalterliche Entsprechung des heutigen geschlossenen Schmorens. Ein gut sitzender Deckel genügt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-034-orig" n="dryf=fueß" resp="#fyndling">Ein Dreifuß, ein dreibeiniges Gestell, auf das der Kessel über der Glut gestellt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-034-orig" n="stup sy wol ab" resp="#fyndling">abstupfen = abwürzen/abschmecken („mit gburcz guetem" = mit gutem Gewürz). Nicht von „stopfen" (füllen); die Ergänzung „mit Gewürz" macht die Würz-Lesart eindeutig. Die nahezu wortgleiche Formel „wurtz ez wol ab mit gutem gewurtz" in ri15632-043 bestätigt die Lesart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-034-orig" n="ledtwaring" resp="#fyndling">Latwerge (durch langes Einkochen schnittfest reduziertes Fruchtmus).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-034-orig" n="viertaill" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#viertaill">ein Viertel Liter (ca. 250 ml) Wasser als Anschubfeuchte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-034-orig" n="furstar" resp="#fyndling">fortwährend / weiter (rühren) - aus dem Kontext erschlossen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-035-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein schnittfestes Trauben-Fruchtbrot - die Weintrauben-Schwester des Quittenbrots. Selten im Korpus: Hier werden ausdrücklich frische Weintrauben verarbeitet, nicht Rosinen - von rund 70 Rezepten mit "Weinbeeren" im Korpus sind mon-035 und sein Zwilling ri15632-043 die einzigen zwei, die das explizit machen. Das Entstielen allein wäre kein zwingender Beweis (getrocknete Rosinen wurden mittelalterlich auch als ganze, am Stiel getrocknete Dolden gehandelt), aber die Kochanweisung entscheidet es: Ohne zugesetztes Wasser "zu sieden" zu beginnen, setzt den hohen Wasseranteil frischer Trauben voraus - trockene Rosinen würden dabei verkohlen statt zu kochen. Es ist keine streichfähige Konfitüre, sondern eine wasserlos und lang eingekochte Fruchtpaste, die auf ein Brett gegossen erstarrt und sich schneiden lässt. Lebende Verwandtschaft sind das spanische membrillo (Quittenbrot), ostösterreichische und südtiroler Fruchtbrote sowie das moderne Fruchtleder.

Der pfiffigste Kniff steckt gleich am Anfang: Es wird ausdrücklich nichts angegossen. Trauben bestehen zu rund vier Fünfteln aus Wasser und ziehen über milder Glut von selbst ihren Saft - so muss man später keine zugesetzte Flüssigkeit wieder austreiben. Das Entstielen ist kein Schönheitsschritt: An den Stielen sitzen Bitter- und Gerbstoffe, die ins Mus gehen und das Passieren erschweren.

Das erste Aufkochen mit anschließendem vollständigem Erkalten ist funktional: Erst nach dem Aufkochen lösen sich Schalen und Kerne, und die kalte Maische lässt sich durch ein Tuch streichen, ohne sich die Hände zu verbrühen. Das Tuch trennt Schalen und Kerne ab und liefert reinen Saft mit Pulpe. Gebunden wird ausschließlich durch das natürliche Pektin der Trauben und durch Verdunstung beim zweiten, langen Sieden - kein Mehl, keine Schwitze.

Die Schlussanweisung stupp es dan wol ab mit guetten gburcz heißt abwürzen, nicht eindicken. Das Eindicken ist im vorausgehenden laß es wol sieden längst erledigt; stupp ist im Bairischen feines Pulver, hier also Gewürzpulver. Der nahezu wortgleiche Zwilling aus dem Rheinfränkischen Kochbuch schreibt an genau dieser Stelle wurtz ez wol ab mit gutem gewurtz. Küchenpraktisch ergibt das auch mehr Sinn: Die Gewürze kommen erst zum Schluss, damit ihr Aroma nicht über die lange Siedezeit verfliegt. Gut sind wärmende Importgewürze wie Zimt, Nelken, Ingwer.

Praxis. Frische, reife Trauben von den Stielen zupfen und ohne Wasserzusatz im Topf bei milder Hitze langsam erhitzen, bis sie aufzukochen beginnen. Vom Feuer nehmen, vollständig erkalten lassen, dann durch ein Tuch oder feines Sieb streichen, sodass Schalen und Kerne zurückbleiben. Den durchgestrichenen Saft zurück in den Topf geben und unter zunehmendem Rühren lange einkochen, bis eine dicke, pastenartige Masse entsteht (gegen Ende Anbrenngefahr - aufmerksam rühren). Erst jetzt mit den Gewürzen abschmecken, dann flach auf ein geöltes Brett oder Backpapier ausgießen. Plane mehr Zeit ein als eine knappe Stunde: Zwei Siedephasen, das vollständige Abkühlen und die lange Reduktion brauchen realistisch mehrere Stunden aktive Arbeit. Die ausgegossene Paste muss anschließend einige Tage erkalten und trocknen, bis sie schnittfest ist - der Zwilling sagt es ausdrücklich: sechs Tage erkalten lassen, dann nach Belieben schneiden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-035-orig" n="trifueß / triffueß" resp="#fyndling">Ein Dreifuß ist ein dreibeiniges Gestell, das über einer Feuerstelle platziert wird, um einen Topf oder Kessel darauf zu stellen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-035-orig" n="chempten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#chempten">Die Traubenstiele beziehungsweise Kämme (Rappen) - das Gerüst, an dem die Beeren sitzen. sy ab dem chempten brechen heißt die Beeren vom Stiel zupfen. Gemeint sind ausdrücklich frische Trauben, nicht Rosinen; der wortgleiche Zwilling schreibt ab dem kammen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-035-orig" n="latwarig" resp="#fyndling">Latwerge (mittelhochdeutsch latwârje, letztlich aus lateinisch electuarium): ursprünglich eine medizinische Honigpaste der Klosterapotheke, im Spätmittelalter zur süßen, lang eingekochten und haltbar gemachten Fruchtpaste geworden - hier so fest eingekocht, dass sie schnittfest wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-035-orig" n="stupp es dan wol ab" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Würze es dann gut ab mit feinem Gewürzpulver. stupp ist im Bairischen Staub beziehungsweise feines Pulver und korpusweit als Gewürzpulver belegt; der nahezu wortgleiche Zwilling hat an genau dieser Stelle wurtz ez wol ab mit gutem gewurtz. Nicht eindicken - das Reduzieren steckt im vorausgehenden laß es wol sieden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-035-orig" n="chempten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#chempten">‚Stielen' - die Stiele, Kämme oder Rispen der Weintrauben, an denen die Beeren sitzen. Das bairische ch- steht hier für k-; der nahezu wortgleiche Zwilling ri15632-043 schreibt an derselben Stelle ‚kammen'. Die Beeren werden vom Stiel gebrochen, weil Stiele Bitter- und Gerbstoffe abgeben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-035-orig" n="stupp es dan wol ab" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">‚Würze es dann gut ab' - die Masse mit feinem Gewürzpulver abschmecken. stupp ist im Bairischen ‚Staub/feines Pulver' und korpusweit als Gewürzpulver belegt; der nahezu wortgleiche Zwilling ri15632-043 hat an genau dieser Verfahrensstelle ‚wurtz ez wol ab mit gutem gewurtz'. Das Eindicken ist bereits durch das vorausgehende ‚laß es wol sieden' abgedeckt, und die Gewürze kommen bewusst erst zum Schluss, damit ihr Aroma nicht verfliegt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-036-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalte, ungekochte Würztunke - eine salse - zu Fisch: Salbei, Zimt und Walnüsse werden im Mörser zerstoßen, mit gutem Wein zu einer streichfähigen Masse abgerieben und mit Essig durch ein Sieb passiert. Sie gehört zur großen spätmittelalterlichen Familie der grünen Salsen, kalter Kräuter-Essig-Saucen zu Fisch (vgl. foc-136). Das Besondere: Statt des sonst fast überall üblichen eingeweichten Brotes bindet hier die Walnuss - eine nussgebundene Kaltsauce, die im Korpus selten ist. Heute erinnert sie unmittelbar an die ligurische salsa di noci und, über die Achse Salbei-Nuss-Fisch, an moderne kalte Kräuter-Nuss-Saucen.

Die Walnuss ist hier Körper und Bindemittel zugleich, nicht bloß Aroma: Ihr Öl und ihre Zellmasse geben der sonst dünnen Wein-Essig-Flüssigkeit Substanz und eine leichte Emulsion. Sie übernimmt damit die Rolle, die im übrigen Salse-Genre das Weißbrot spielt (vgl. m5919-104, das mit Wein oder Essig getempert wird). Der Essig senkt zugleich den pH-Wert und setzt einen frisch-sauren Kontrast gegen den öligen Fisch, während der Zimt die süß-warme, prestigeträchtige Note liefert.

Praxis. Salbei, Zimt und Walnüsse fein im Mörser zerstoßen, dann mit gutem Wein zu einer geschmeidigen Paste abreiben. Anschließend mit Essig durch ein Sieb oder Tuch streichen - das entfernt Walnusshäutchen und faserige Salbeistiele und ergibt eine glatte Tunke. Am offenen Lager darf man das Passieren auch weglassen und die Sauce fein gemörsert rustikaler lassen. Zwei Kippgefahren: Salbei sehr zurückhaltend dosieren, sonst wird die Sauce bitter-medizinal; Essig vorsichtig zugeben, sonst wird sie zu scharf. Eine Prise Salz gehört küchenpraktisch dazu, auch wenn der knappe Text sie nicht nennt - im Salse-Genre ist Salz oft stillschweigend vorausgesetzt. Für eine üppigere Sauce einfach mehr Walnuss nehmen. Serviert wird sie kalt als Beilagen-Tunke zu Fisch, nicht als gekochte, sämige Sauce - das ist bewusst eine rohe Frischtunke.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-036-orig" n="saluan" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saluan">Bairische Schreibweise für Salbei (Salvia officinalis).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-036-orig" n="salsen" resp="#fyndling">Eine würzige Tunke oder Sauce, nicht Speisesalz. Cross-source bestätigt durch foc-136 (Verde sawse) und m5919-104 (Ein andre salssen).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-036-orig" n="walisch nuss" resp="#fyndling">Wälsche oder welsche Nuss = Walnuss; wörtlich die romanische, italienische Nuss (belegt bei Pritzel: walisch nuss - mitthd.). Der Name spiegelt die südländische Herkunft und passt zur italienischen Verwandtschaft dieser Nuss-Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-036-orig" n="zinamey" resp="#fyndling">Zimt (Zimmet), ein prestigeträchtiges Fernhandelsgewürz. Die Lesart ist gegenüber der theoretisch möglichen Deutung als Zinnkraut eindeutig, da Zimt in Fischsaucen der Zeit üblich war.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-036-orig" n="esseich durch" resp="#fyndling">‚und passiere sie mit dem Essig durch (ein Sieb)' - das Verb ist elliptisch ausgelassen; sinngemäß ‚durchtreiben' oder ‚durchseihen'.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-037-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Schaustück der spätmittelalterlichen Festtafel: ein einziger ganzer Hecht, der zugleich auf dreierlei Art gegart wird und dennoch im Ganzen aufgetragen erscheint. Das Kunststück ist Zonengaren auf einem Rost - drei Abschnitte desselben Fisches bekommen drei verschiedene Garregime über derselben Glut. Das Gericht ist eng verwandt mit den fast wortgleichen Fassungen im Regensburger Kochbuch und bei Meister Eberhard; der ganze Typus zieht sich quer durch Europa vom italienischen Martino bis zum Ménagier de Paris.

Vorderteil - knusprig gebacken. Der Kopfteil wird mit heißem Schmalz begossen und mit Mehl bestreut. Das Fett liefert an der Rostzone einen ausbackenden Effekt, das Mehl bindet daran zu einer bräunenden, knusprigen Kruste - praktisch eine gemehlte, fettgebratene Haut mit kräftigen Röstaromen.

Mittelteil - saftig gedämpft. Um dieses Stück wird ein nasses Tuch geschlagen und dieses mit heißem Wein begossen. Das feuchte Tuch schirmt die direkte Strahlungshitze ab und hält die Zone unter dem Siedepunkt: das Fleisch dünstet im eigenen Saft und im verdampfenden Wein, statt zu rösten. Der Wein gibt Aroma und hält das Tuch nass, damit es nicht durchbrennt.

Hinterteil - trocken geröstet. Das dünnere Schwanzende liegt nackt auf dem Rost und wird nur gesalzen. Es gart durch die reine Rosthitze am schnellsten und braucht keine Zuwendung - es brät sich selbst.

Praxis. Ein großer Hecht (etwa 60-80 cm) passt längs auf einen Feldrost über gleichmäßiger, gut regulierbarer Glut. Der Knackpunkt ist das Timing: das dünne Schwanzende ist deutlich früher gar als das dicke, gemehlt-fettgebackene Kopfende. Nutze heißere und kühlere Rostzonen aus oder verschiebe den Fisch, damit das Hinterteil nicht austrocknet, während vorne noch die Kruste zieht. Das Tuch braucht Aufmerksamkeit - ständig mit Wein nachbegießen, sonst verkohlen die Ränder über der Glut. Herablaufendes Schmalz-Mehl-Gemisch tropft in die Glut, das raucht und flammt; ein Gericht, das Glutkontrolle und Können belohnt. Dazu reicht man eine würzige Salse (siehe Anmerkungen).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-037-orig" n="treylay" resp="#fyndling">Bairisch-österreichisch für ‚dreierlei' (-lay = -lei, Art/Weise). Im gesamten Korpus nur in diesem Rezept belegt; die Lesart ist über die fast wortgleichen Schwesterfassungen im Regensburger Kochbuch (dort ‚dreyr lay') und bei Meister Eberhard (‚dreyerlej') gesichert. Auf diesen Ausdruck bezieht sich die Randnotiz der Handschrift.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-037-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein ‚Rost' war im Mittelalter oft ein hölzerner Rost aus frischem, grünem Hartholz, der über der Glut platziert wurde. Dieser verbrannte nicht sofort und gab dem Gargut ein leicht rauchiges Aroma. Siehe Der hölzerne Rost für Details.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-037-orig" n="salsen" resp="#fyndling">Eine ‚Salse' (von lateinisch ‚salsa') bezeichnete eine würzige Tunke oder Sauce zu Fisch oder Fleisch - nicht Salz (das steht im Rezept separat als ‚salcz'). Es gab unzählige Varianten, von einfachen Kräutersaucen bis zu komplexen Gewürzsaucen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-037-orig" n="den das hindter tail das prat sich selber" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tail">‚und das Hinterteil brät sich selbst'. Das ‚den' ist hier koordinierend/demonstrativ (‚und'), nicht die kausale Konjunktion ‚denn'. Die Konstruktion ist ein schlichter Aussagesatz mit resumptivem ‚das': das unbehandelte Hinterteil gart durch die reine Rosthitze von selbst. Das Weinbegießen des Tuchs ist gerade nicht der Grund dafür.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-038-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein kaltes Rohmarzipan-Konfekt, zum Igel geformt und mit safranroten Mandelspitzen als Stacheln besteckt - ein Schaugericht der mittelalterlichen Festtafel. Der direkte Nachfahre lebt heute im Marzipan-Igel der Konditorei weiter; das fast wortgleiche Igel aus Mandeln des Meister-Hans-Korpus zeigt dasselbe Verfahren. Es wird an keiner Stelle erhitzt.

Der Topf ist ein Rührgefäß, kein Kochtopf. "Wirf sie in einen kleinen Topf und rühre sie mit einem Hölzchen" meint das Homogenisieren der gestoßenen Mandeln zur einheitlichen Masse, nicht das Erhitzen - kalt, ohne Feuer. Der nahezu wortgleiche Zwilling verlangt an gleicher Stelle einen sauberen Topf zum Rühren.

Das Abtropfen im Tuch ist der tragende Schritt. Frisch gestoßene Mandeln geben Öl ab. Erst wenn dieses Öl und die Feuchtigkeit im Tuch herausgezogen sind, wird die Masse fest genug, um die Igelform zu tragen und die Stacheln zu halten. Der Zwilling beschreibt das Ziel als "wenn er nun hart ist". Ohne dieses Entölen bleibt die Masse schmierig und der Igel fällt flach.

Praxis. Rechne mit etwa gleich viel Zucker wie Mandeln - ein praktikabler Richtwert, denn das Rezept nennt keine Menge ("so viel du haben willst") - und arbeite ihn nach dem Abtropfen ein, bis eine knetbare Masse entsteht; wer fertig gemahlene Mandeln nimmt, spart das Stoßen. Forme den Igelkörper und lass ihn kurz fest werden, bevor du die geviertelten, mit ein wenig Safranwasser rot gefärbten Mandelspitzen dicht als Stacheln einsteckst. Fühlt sich die Masse noch schmierig an, hilft etwas mehr Zucker oder kurzes Antrocknen. Die dicke Mandelmilch (durch Reduzieren oder mit etwas Reismehl beziehungsweise Brotkrume gebunden) erst zum Schluss und sparsam angießen - zu dünn oder zu warm weicht sie den frisch geformten Igel wieder auf.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-038-orig" n="ygel" resp="#fyndling">Ein ‚Igel' war im Mittelalter ein beliebtes Schaugericht, das die Form eines Igels nachbildete. Oft wurden dabei Mandeln als Stacheln verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-038-orig" n="czucker" resp="#fyndling">Zucker war im Mittelalter ein teures Importgut und wurde sparsam, oft als Statussymbol, eingesetzt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-038-orig" n="saffrann" resp="#fyndling">Safran diente nicht nur als Gewürz, sondern auch als kostbares Färbemittel, um Speisen eine leuchtend gelbe bis rote Farbe zu verleihen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-038-orig" n="seich In" resp="#fyndling">‚seichen' hier = durchseihen/abtropfen lassen (mhd. sīhen), nicht ‚pissen'. Die im Tuch liegende Mandelmasse gibt Öl und Feuchtigkeit ab, bis sie trocken und fest wird; der Zwilling Igel aus Mandeln liest an gleicher Stelle ‚seich In piss er trucken werde' und bestätigt das Abtropfen als Ziel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-038-orig" n="das er enpar lig" resp="#fyndling">‚enpar' (mhd. enbor/enpor) meint hier ‚offen ausgebreitet daliegen': Die Mandelmasse soll flach auf dem Tuch verteilt sein, damit sie gut abtrocknen kann. Keine Zutat und keine Technik, nur eine Lagebeschreibung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-038-orig" n="bestoß es dan das esß sech als ein ygel" resp="#fyndling">‚bestoßen' hier = bestecken/besetzen, also die Mandelviertel als Stacheln hineinstecken - nicht ‚zerstoßen'. ‚stoß'-Verben werden im Korpus sonst meist als Zerkleinern gebraucht; hier ist ausnahmsweise das Gegenteil gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-038-orig" n="dicke milich von mandel" resp="#fyndling">Hier ist eine eingedickte Mandelmilch gemeint, die durch Reduzieren oder Zugabe von Bindemitteln wie Reismehl oder Brotkrume eine cremige Konsistenz erhält. Mandelmilch war eine wichtige Zutat in der Fastenküche.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-038-orig" n="wesa in mit czucker" resp="#fyndling">‚Bestreue sie mit Zucker' - der Zucker wird trocken über die abgetropfte Mandelmasse gestreut, bevor der Igel geformt wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-039-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine warme, süße Weincreme aus Eidotter - ein früher Verwandter des italienischen Zabaglione und des französischen Sabayon: Eigelb, Wein und Zucker werden über sanfter Hitze cremig-dick gerührt. Gebunden wird hier nicht mit Mehl, sondern mit ein wenig geriebenem Weißbrot, was die Speise in die Familie der mittelalterlichen Muse einreiht. Auch dem englischen Caudle und Posset - warmen, weingebundenen Eierspeisen für Genesende - ist das Gericht nah verwandt.

Warum welscher Wein? Der welsche (südländisch-romanische, meist italienische) Importwein bringt Volumen und eine feine Säure, die die Creme frisch hält. Ein kräftiger, etwas süßerer Weißwein trifft den Charakter am besten. Die kleine Semmel ist bewusst knapp gehalten: Das eigentliche Bindemittel sind die Dotter, das Brot gibt nur Körper und puffert das Gerinnen ab, weil die Stärke aus dem Brot die Gerinnungsschwelle der Dotter leicht anhebt.

Was ist das Kohlenbecken? Das kollerr ist die Glut beziehungsweise ein Kohlenbecken, auf das das kleine Häfchen zum sanften Erhitzen gestellt wird - keine offene Flamme, sondern gebändigte, indirekte Hitze. Die Schwestertexte lösen die im Original mit einem Fragezeichen versehene Stelle eindeutig: an gleicher Stelle steht dort auf ein kol beziehungsweise auf ein glut.

Praxis. Wein und geriebene Semmel unter die Eidotter rühren und den rohen Ansatz durch ein Tuch streichen - das entfernt Hagelschnüre und Brotklümpchen, damit eine glatte Creme entsteht. Faustregel fürs Lager, weil das Rezept keine Mengen nennt: pro 100 ml Wein etwa drei bis vier Dotter, sonst bindet es nicht und bleibt Suppe. Zucker (ersatzweise Honig, der etwas mehr Eigengeschmack und Flüssigkeit mitbringt) einrühren. Dann das kleine Häfchen an den Rand der Glut stellen - nicht in die Flamme - und fortwährend rühren. Die Dotter binden bei etwa 65-70 Grad; sobald die Masse sichtbar andickt, sofort herunternehmen. Das Zeitfenster zwischen sämig und Rührei ist schmal, weil es ohne Wasserbad direkt über der Glut gart - das erste Häfchen kann kippen, also lieber zu früh als zu spät abheben. Eine Prise Salz rundet ab, mehr nicht. Frisch und warm essen: Die fertige Creme ist wie jede Eier-Legierung nicht lagerfähig und bei Sommerhitze am Markt binnen Stunden verderblich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-039-orig" n="tutter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tutter">Bairische Dialektform für Eidotter (mhd. toter/doder). Eine belegte Lesefalle - nicht ‚Hälfte'; die Lesart ist im Korpus cross-source gesichert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-039-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Hier ist geriebenes Weißbrot zur Bindung gemeint, nicht Mehl. Mehlbindung war in dieser Zeit unüblich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-039-orig" n="walisch wein" resp="#fyndling">Welscher Wein, also importierter Wein aus romanischem (meist italienischem) Anbaugebiet. walisch/welsch bezeichnete im Spätmittelalter allgemein das Romanisch-Fremde (vgl. walisch nuss = Walnuss in mon-036). Der Zwillingstext m5919-014 schreibt an dieser Stelle ausdrücklich welhisch wein. Gemeint ist ein südländischer Importwein, nicht die moderne Rebsorte gleichen Namens.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-039-orig" n="chlains heffen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#heffen">Ein kleines Töpfchen oder Kochgefäß (zu mhd. haven = Kochtopf).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-039-orig" n="kollerr" resp="#fyndling">Kohlenglut beziehungsweise ein kleines Kohlenbecken, auf das das Häfchen zum sanften Erhitzen gestellt wird. Die Lesart ist durch den Korpus gesichert: An gleicher Stelle schreiben die Schwestertexte kol/Kohle (m5919-014) beziehungsweise glut (ri15632-027), die Mondseer Doublette mon-003 hat choller. Wortverwandt mit mhd. kol = Kohle; kein Bezug zum gleichlautenden koller = Halsbekleidung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-039-orig" n="furstar" resp="#fyndling">Bedeutet ‚fortwährend' oder ‚weiter', also ‚rühre es fortwährend'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-039-orig" n="versalcz nicht" resp="#fyndling">Formelhafte Schlussfloskel der Gattung. Auch süße Musspeisen wurden mit einer Prise Salz abgerundet; die Warnung mahnt, es damit nicht zu übertreiben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-039-orig" n="kollerr" resp="#fyndling">Wir interpretieren 'kollerr' als 'Kohlenbecken' oder 'Glutbett', eine flache Schale mit glühenden Kohlen zum sanften Erhitzen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-040-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzer, am Rost über der Glut gegrillter Süßwasserfisch, innen mit Salbei und Salz gefüllt und außen gesalzen - der direkte Vorfahr des bairisch-österreichischen Steckerlfischs und jeder modernen gefüllten Grillforelle. Statt der heute üblichen Petersilie, Zitrone oder Dill kommt hier Salbei in die Bauchhöhle; dieselbe Salbei-Salz-Fülltechnik zeigt im selben Buch der Aal (mon-042). Weil das Rezept ausdrücklich auch für Forelle, Aal und Brachsen gilt, ist es weniger ein Einzelrezept als ein Grundverfahren für Grillfisch.

Warum außen nicht würzen? Der erste Schritt ist ein bewusster Verzicht: außen wird nicht gewürzt (stupp sy nicht). Der Grund steckt in der Grilltechnik. Der Fisch kommt ungeschuppt mit Haut auf den Rost, wo sie als Schutzhülle das feine Fleisch vor der direkten Glut bewahrt - dabei verkohlt sie und wird vor dem Essen abgezogen und weggeworfen. Teures Pulvergewürz auf diese Opferhaut zu stäuben wäre Verschwendung; gewürzt wird darum nur innen, in der Bauchhöhle, wo Salbei und Salz direkt ans Fleisch kommen. Das Salz außen (bespreng in mit salcz awssen) ist kein Widerspruch dazu: es soll nicht würzen, sondern der Haut Wasser entziehen, damit sie auf dem Rost fester wird und nicht anklebt.

Praxis. Eine Äsche (ersatzweise Forelle oder Saibling) ausnehmen und den Bauch aufschneiden. Einige ganze Salbeiblätter mit etwas Salz in die Bauchhöhle geben - ganze Blätter, keine gehackten, damit sie in der Trockenhitze nicht sofort verkohlen und sich hinterher leicht entfernen lassen. Dann die Haut außen ringsum salzen; das Salz zieht oberflächlich Wasser und macht die Haut beim Grillen fester und krosser. Den Fisch auf einen Rost über gut durchgeglühter Holzkohle legen (nicht in die Flamme) und von beiden Seiten in wenigen Minuten garen, bis die Haut fest ist und sich das Fleisch löst. Das Original nennt kein Fett - ein ganzer magerer Fisch klebt auf heißem Metall aber leicht fest und reißt beim Wenden ein; deshalb den Rost (oder die Haut) leicht einfetten und den Fisch nicht zu früh wenden. Kein Mehl, keine Bindung, keine Sauce - die ungeschuppte Haut ist die natürliche Garhülle: Nach dem Grillen zieht man die verkohlte Haut ab und isst das darunter saftig gebliebene Fleisch. (Dass die Haut abgezogen wird, sagt das knappe Rezept nicht ausdrücklich - es folgt aber zwingend daraus, dass außen nicht gewürzt und der Fisch nicht geschuppt wird.)</note>
        <note type="gloss" target="#mon-040-orig" n="aschen" resp="#fyndling">Die Äsche (Thymallus thymallus) ist ein Süßwasserfisch aus der Familie der Lachsfische, der in klaren, sauerstoffreichen Flüssen und Seen Europas vorkommt. Sie war im Mittelalter ein geschätzter Edelfisch. Im Mondseer Kochbuch ist aschen ein Homograph: Hier meint der Kontext (Darm, Füllen, Braten auf dem Rost) eindeutig den Fisch, während dasselbe Wort im Schwesterrezept vom Aal (mon-042) die Asche zum Abreiben des Fischschleims bezeichnet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-040-orig" n="stupp sy nicht" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">stupp als Verb = mit (Gewürz-)Pulver bestreuen, also würzen; im Mondseer Kochbuch durchweg im Würz-Sinn (mon-010 mit Macis, mon-035 mit gburcz). stupp sy nicht heißt hier also würze sie nicht - die delikate Äsche bleibt zunächst ungewürzt; erst beim Füllen kommen Salbei und Salz hinzu. Kein Mehl: der Fisch wird gegrillt, nicht frittiert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-040-orig" n="panck" resp="#fyndling">panck ist die Bank beziehungsweise Hack- oder Schneidebank (bairisch b zu p), auf der der Fisch aufgeschnitten wird - die Arbeitsfläche der mittelalterlichen Küche.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-040-orig" n="spalt den darm in dem visch" resp="#fyndling">Nicht wörtlich „den Darm spalten“: darm ist hier die Sammelbezeichnung für die gesamten Eingeweide, spalt das Aufschlitzen des Fischbauchs. Gemeint ist das waidgerechte Ausnehmen - den Bauch öffnen und die Innereien entfernen -, damit der Fisch anschließend mit Salbei und Salz gefüllt werden kann.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-040-orig" n="saluan" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saluan">Eine bairische Schreibweise für Salbei (Salvia officinalis), ein in der mittelalterlichen Küche häufig verwendetes Kraut, besonders zu Fisch und Fleisch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-040-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein Rost ist ein Grillgitter. Im Mittelalter wurden oft Roste aus frischem, grünem Holz verwendet, die direkt über der Glut lagen und dem Grillgut ein besonderes Aroma verliehen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-040-orig" n="forchen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#forchen">Die Forelle, ein beliebter Süßwasserfisch, der in vielen mittelalterlichen Rezepten vorkommt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-040-orig" n="allen" resp="#fyndling">Der Aal, ein fettreicher und geschätzter Speisefisch, der im Mittelalter auch als Fastenspeise galt. Die Lesart allen = Aal ergibt sich hier aus dem Kontext der Fischaufzählung (Forelle, Aal, Brachsen).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-040-orig" n="braxsenn" resp="#fyndling">Der Brachsen (Abramis brama), auch Blei genannt, ist ein Karpfenfisch und ein häufiger Süßwasserfisch in der mittelalterlichen Küche.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-040-orig" n="aschen" resp="#fyndling">'Äsche' - ein Süßwasserfisch (Thymallus thymallus). Der Kontext des Rezepts (Fisch, Darm, Braten) macht diese Lesart eindeutig.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-041-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzer, mit Kräuter-Fisch-Farce gefüllter und gebratener Hecht - der direkte Vorfahre des heute noch bekannten gefüllten bzw. farcierten Hechts der süddeutsch-österreichischen Gasthausküche. Dieselbe Grundtechnik - Fischfleisch im Mörser zu einer Farce zerstoßen, würzen, in die Fischhülle zurückfüllen - lebt auch im Weihnachtskarpfen mit Farce-Füllung und in der französischen Fisch-Quenelle weiter.

Ganzer Fisch oder Farce - zwei Wege, ein Rätsel. Der Text nennt ausdrücklich zwei Zubereitungswege. Weg eins: den Hecht schuppen, ausnehmen, ganz lassen und füllen. Weg zwei: den Fisch entgräten und sein Fleisch im Mörser zerstoßen. Hier wird der Text knapp: Wenn das Fleisch des einen Hechts bereits zur Farce verarbeitet ist, kann es nicht denselben Hecht füllen, dessen Hülle es war. Der enge Zwilling im Königsberger Kochbuch (koe-003) löst genau dieses Rätsel auf - dort wird ausdrücklich ein zweiter, beliebiger Fisch gesotten, entgrätet und zerstoßen, um damit den ganzen, unversehrten Hecht zu füllen. Naheliegend, dass mon-041 dieselbe Praxis voraussetzt, sie aber - wie im Kochbuch öfter zu beobachten - stichwortartig verkürzt, weil der Koch das Verfahren bereits kannte.

Praxis. Für die unkomplizierte Variante: den Hecht schuppen, ausnehmen, den Bauchraum mit einer Farce aus zerstoßenem Fischfleisch (eines zweiten Fischs oder von Resten), Pfeffer, Salbei, Safran und Salz füllen, außen salzen und in der Pfanne oder auf dem Rost braten. Das Zerstoßen im Mörser lässt sich am Marktstand gut durch Fleischwolf oder Blender ersetzen. Die Farce bindet beim Braten von selbst über das gerinnende Fischprotein, eine Mehlschwitze braucht es nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-041-orig" n="saluan" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saluan">Salbei. Eine bairisch-österreichische Dialektform für Salbei (Salvia officinalis).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-041-orig" n="morser" resp="#fyndling">Hier kein kleiner Küchenmörser, sondern der grobe Fleisch-/Fischmörser zum Zerstoßen von rohem Fleisch oder Fisch zu Farce - Standardwerkzeug für Füllungen in der mittelalterlichen Küche.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-041-orig" n="gruem" resp="#fyndling">Als 'frischen' bzw. 'rohen' Hecht gelesen - eine bairische Lesart von 'grün' im Sinne von unverarbeitet/roh. Gestützt durch den Korpus-Beleg im Münchner Kochbuch cgm5919 (m5919-056), wo dieselbe Lemma-Form 'gruey' im eindeutigen Kontext von rohem, noch ungegartem Fleisch erscheint.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-042-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllter, gebratener Aal in der eigenen Haut - ein Rezepttyp, der bis heute in der traditionellen ost- und mitteleuropäischen Fischküche als "Aal in der eigenen Haut" nachlebt und als Vorläufer der späteren Aalwurst gilt. Die Aalhaut wird abgezogen, mit einer Kräuter-Gewürz-Mischung bestückt wie eine Wursthülle und wieder über den Fisch gezogen - so bleibt die Würzung am Fleisch, und beim Braten liefert die Haut zugleich das Eigenfett für den Garprozess. Fast wortgleiche Fassungen finden sich im Buch von guter Speise und im Königsberger Kochbuch - das Verfahren war spätmittelalterliches Küchen-Allgemeingut, kein Mondseer Sonderweg.

Die Asche. Das Abreiben mit kalter, frischer Asche dient nicht der Würzung, sondern rein mechanisch: Der Aalschleim macht den Fisch sonst extrem schlüpfrig, die abrasive, trockene Asche bindet ihn und macht die Haut erst greifbar - eine Vorbereitung fürs Häuten, keine Zutat im eigentlichen Sinn.

Praxis. Frischen Aal zunächst mit kalter Asche gründlich abreiben, bis der Schleim gebunden ist und sich abwischen lässt. Die Haut vom Kopf zum Schwanz hin vorsichtig abziehen, wie einen Strumpf - sie wird gleich wiederverwendet und darf daher nicht einreißen. Salbeiblätter fein hacken, Ingwer, Pfeffer und Anis im Mörser zerstoßen und mit Salz vermengen; diese Mischung auf das enthäutete Fleisch geben. Anschließend die Haut wieder über den Aal ziehen, außen kräftig mit Salz bestreuen und über offener Glut oder auf dem Rost gründlich durchbraten, bis das Fleisch zart ist. Der Originaltext nennt kein Bratgerät und erwähnt auch das Ausnehmen der Eingeweide nicht ausdrücklich - beides wird stillschweigend vorausgesetzt (das abschließende "sequitur etc." verweist nur auf das folgende Rezept der Vorlage, nicht auf einen ausgelassenen Arbeitsschritt).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-042-orig" n="fleim" resp="#fyndling">Der natürliche Schleim des Aals, der traditionell mit Asche oder Salz abgerieben wird, um die Haut griffiger zu machen und für das Enthäuten vorzubereiten. Die Lesart wird durch die fast wortgleichen Parallelrezepte im Königsberger Kochbuch ("scleim") und im Buch von guter Speise ("slim") zusätzlich bestätigt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-042-orig" n="gestossen" resp="#fyndling">Zerstoßen oder gemörsert. Im Mittelalter wurden Gewürze oft frisch im Mörser zerstoßen, um ihr volles Aroma zu entfalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-042-orig" n="pradt In gar woll" resp="#fyndling">Brate ihn gar wohl. Eine Anweisung, den Aal gründlich durchzugaren, bis er zart und gut gebräunt ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-042-orig" n="sequitur etc." resp="#fyndling">Lateinischer Schreibervermerk ("es folgt usw."), der nur auf das nächste Rezept der Vorlage verweist - kein Bestandteil der Zubereitung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-042-orig" n="fleim" resp="#fyndling">Schleim. Dies ist die plausibelste Lesart, da das Entfernen des Schleims mit Asche eine bekannte Methode zur Vorbereitung von Aal ist - extern bestätigt durch die Parallelrezepte im Königsberger Kochbuch ("scleim") und im Buch von guter Speise ("slim").</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-043-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein wieder in die eigene Haut gefüllter Aal ist im Kern eine mittelalterliche Ballotine-Technik: Der Fisch wird entbeint, sein eigenes Fleisch mit Salbei, Ei und Gewürzen vermengt, in die zurückbehaltene Haut samt Kopf zurückgestopft und dann gebraten. Die lebende Verwandtschaft ist die Anguille en ballottine der klassischen französischen Küche, entfernter auch die Gefillte-Fisch-Tradition (gefüllter Karpfen/Hecht) - mon-043 ist ihre bairisch-österreichische Vorfahrin, nur heiß gebraten statt kalt pochiert. Im Korpus ist es der engste Verwandte von bgs-037 (dieselbe Grundtechnik, zusätzlich mit Teigmantel) und koe-014 (gleiche Idee, ohne Sieden/Hacken).

Der Eröffnungssatz setzt voraus, dass die Haut bereits abgezogen ist - das Rezept baut auf eine vorangehende Aal-Zubereitung im selben Buch auf und beschreibt eine weitere, zweite Art, den Aal zuzubereiten. Das Häuten selbst ist hier keine neue Anweisung, sondern die Ausgangslage.

Praxis. Zieh dem Aal die Haut ab (falls noch nicht geschehen) und schneide den Kopf ab. Siede den Aal gar, löse dann das Fleisch von den Gräten und hacke es fein. Vermenge das Fleisch mit gehacktem Salbei, verquirltem Ei, Pfeffer, Ingwer und Salz zu einer bindigen Masse und fülle damit die Haut - nicht zu prall, sonst reißt sie beim Braten. Fülle auch den Kopf mit der Masse und setze ihn wieder an, dann brate den ganzen Aal in der Pfanne oder auf dem Rost über der Glut, bis die Haut fest und die Füllung durchgegart ist. Wer keine Zeit für das doppelte Garen hat, kann die Füllung auch ohne vorheriges Sieden direkt aus rohem, fein gehacktem Aalfleisch anrühren - dann etwas länger braten, bis alles durch ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-043-orig" n="alt" resp="#fyndling">Hier ist ‚alt‘ eine frühneuhochdeutsche Schreibweise für Aal, einen in der mittelalterlichen Küche sehr beliebten Speisefisch - keine Altersangabe.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-043-orig" n="saluan" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saluan">‚Saluan‘ ist eine bairisch-österreichische Lautform von Salbei (vgl. ‚selbey‘ in anderen Quellen); klassische Fisch-Kräuterkombination mit Pfeffer und Ingwer, im Korpus auch bei anderen Aal- und Hecht-Füllungen belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-043-orig" n="ymber" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ymber">‚Ymber‘ bezeichnet Ingwer, ein importiertes und geschätztes Gewürz des Mittelalters.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-043-orig" n="grat" resp="#fyndling">Die ‚Grat‘ sind die Gräten des Fisches, die vor dem Füllen sorgfältig entfernt werden müssen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-043-orig" n="schonß prat" resp="#fyndling">‚Feiner [Pfeffer] zum Braten‘ - ‚prat‘ ist hier eine adjektivische Wendung vor der Gewürzaufzählung, nicht das Substantiv ‚Brät/Farce‘, das eine Artikel-plus-Substantiv-Konstruktion erfordern würde.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-043-orig" n="schonß prat" resp="#fyndling">‚feiner Pfeffer zum Braten‘ - ‚schonß‘ als ‚schönes/feines‘ und ‚prat‘ als ‚Brat-‘ im Sinne von ‚zum Braten‘, was die nachfolgenden Gewürze Pfeffer, Ingwer und Salz näher beschreibt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-044-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ausgebackener Stockfisch im Eierteigmantel, über offener Flamme gebraten statt frittiert - im Kern ein Fisch-im-Ausbackteig avant la lettre, wie ihn heute etwa der Bierteig-Fisch der britischen Fish and Chips fortführt, nur ohne Trieb- oder Backfett. Die engste Verwandtschaft im Korpus sind zwei nahezu wortgleiche Fassungen aus dem gut hundert Jahre älteren, südwestdeutschen Buch von guter Speise (bgs-020, bgs-038) - dieselbe Schrittfolge, derselbe Teig, dieselbe Gartechnik. Mondsee hat das Rezept demnach nicht neu erfunden, sondern eine seit Generationen zirkulierende Klosterküchen-Zubereitung übernommen.

Bestreichen und Schlagen - zwei Handlungen, nicht eine. Die Stelle 'be slach denn stoß den visch treystundt da mit' beschreibt zwei aufeinanderfolgende Schritte: zuerst wird der bereits erhitzte Fisch mit dem Teig bestrichen bzw. überzogen, dann wird der Teig zusätzlich aufgeschlagen. Die Zwillingsrezepte im Buch von guter Speise formulieren die zweite Handlung als 'mit eime swanke' - mit einem Schwung. Das deckt sich mit der Küchenpraxis: Auf die bereits warme Fischoberfläche gegeben, backt der dünnflüssige Teig sofort an, statt abzulaufen.

'Dreimal' oder ein einziger Schwung? Der Schreiber selbst hat am Rand vermerkt: 'treystundt ?!' - ein Stutzen über eine ihm offenbar schon leicht altertümlich wirkende Zählform. 'Dreystunt' heißt im Frühneuhochdeutschen zuverlässig 'dreimal' (die Zähl-Endung -stunt/-stund ist gut belegt, etwa in 'manigstunt' = manchmal); eine wörtliche Lesart als 'drei Stunden' scheidet aus, weil niemand einen Fisch drei Stunden lang mit Teig bearbeitet. Die Zwillingstexte selbst kennen an dieser Stelle keine Zahlangabe, sondern beschreiben einen einmaligen, zügigen Schwung Teig über den Fisch - das spricht dafür, das dreimalige Auftragen als eigene, leicht abweichende Mondsee-Variante zu verstehen, nicht als Kopierfehler.

Praxis. Den gewässerten, enthäuteten Stockfisch in Essig ausdrücken - das strafft das durch das Wässern aufgeweichte Fleisch, damit es beim Garen nicht zerfällt. Danach großzügig mit Butter beträufeln und über milder Glut oder in der Pfanne leicht anwärmen. Für den Teig Mehl und Eier zu einer dünnflüssigen Masse verrühren, mit Pfeffer, Safran und Salz würzen. Den warmen Fisch mit dem Teig bestreichen und den restlichen Teig in ein bis drei zügigen Schwüngen darüberschlagen, dann bei mittlerer Hitze braun werden lassen, bis die Kruste fest ist. Vor dem Servieren noch einmal mit Butter beträufeln. Moderner, industriell getrockneter Stockfisch braucht meist zwei bis drei Tage Wässerung mit mehrfachem Wasserwechsel statt der im Rezept genannten einen Nacht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-044-orig" n="stockvisch" resp="#fyndling">Stockfisch ist getrockneter, ungesalzener Fisch (meist Kabeljau oder Dorsch), der vor der Zubereitung lange gewässert werden muss.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-044-orig" n="hawdt" resp="#fyndling">Die Haut des Stockfischs ist zäh und wird vor dem Wässern entfernt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-044-orig" n="wasserr In ein nacht" resp="#fyndling">Das Wässern des Stockfischs über Nacht ist notwendig, um ihn weich und genießbar zu machen. Moderner, industriell getrockneter Stockfisch braucht in der Praxis meist zwei bis drei Tage mit mehrfachem Wasserwechsel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-044-orig" n="truck In ainen essich" resp="#fyndling">Das Ausdrücken in Essig strafft das durch das Wässern aufgeweichte Fleisch, damit der Fisch beim Garen nicht zerfällt - eine Funktion, die die Zwillingsrezepte im Buch von guter Speise ausdrücklich nennen ('daz er blibe gantz' - damit er ganz bleibt).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-044-orig" n="putteren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#putteren">Butter war ein wertvolles Fett, das hier zum Beträufeln und Aromatisieren verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-044-orig" n="taig von melb vnd von airen" resp="#fyndling">Ein einfacher Teig aus Mehl und Eiern, ähnlich einem Ausbackteig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-044-orig" n="pheffer vnd saffran vnd salz" resp="#fyndling">Eine typische Gewürzmischung der Zeit, wobei Safran für Farbe und Luxus stand.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-044-orig" n="be slach denn stoß den visch treystundt da mit" resp="#fyndling">Zwei Handlungen, kein einziges Verb: Der Fisch wird zunächst mit dem Teig bestrichen ('beslach'), dann wird der Teig zusätzlich dreimal aufgeschlagen ('stoß'). Die Zwillingsrezepte im Buch von guter Speise beschreiben den zweiten Schritt als 'mit einem Schwung' - der Teig wird über den bereits warmen Fisch geschlagen, damit er sofort anbackt statt abzulaufen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-044-orig" n="prawn werden gegen dem fewer" resp="#fyndling">Das Bräunen über offenem Feuer ist eine gängige Garmethode.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-044-orig" n="treystundt" resp="#fyndling">‚dreimal' - Der Teig wird in drei Schwüngen auf den Fisch geschlagen, eine leichte Variante gegenüber den Zwillingsrezepten, die nur einen einzigen Schwung nennen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-045-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Stockfisch-Ragout: vorgekochter, geschälter und klein gehackter Stockfisch, gebunden mit Milch, Ei und geriebenem Semmelbrot, mit Pfeffer und Safran gewürzt und gelb gefärbt - wahlweise als feste Masse oder als safrangelbe Milchsuppe gereicht. Es steht in der langen Linie der Stockfisch-Auflauf- und Stockfisch-Pudding-Rezepte, die bis ins 19./20. Jahrhundert in norddeutschen Kochbüchern fortleben, und ist entfernt mit der französischen Brandade und dem skandinavischen Lutefisk-Umfeld verwandt - überall dasselbe Prinzip: trockener Stockfisch wird durch ein Milchprodukt wieder saftig und gesellschaftsfähig gemacht.

Der Text setzt das mehrtägige Wässern des Stockfischs voraus, ohne es zu erwähnen - das war für die Zeit selbstverständliches Vorwissen. Ungewässerter Stockfisch ist hart und brettartig wie ein Brett und lässt sich so nicht gar sieden, darum muss dieser Schritt vorab passieren: 1-3 Tage in kaltem Wasser, mehrmals täglich das Wasser wechseln.

Das „schälen” bezieht sich auf die zähe Haut des Stockfischs, die sich nach dem Wässern und Garkochen leicht abziehen lässt. Danach wird der Fisch entgrätet und auf dem Hackbrett klein gehackt - ein notwendiger Zwischenschritt, weil gegarter Stockfisch in Fasern zerfällt und die Gräten von Hand herausgelesen werden müssen.

Milch, Ei und geriebenes Semmelbrot sind die zeittypischen Bindemittel, keine Mehlschwitze. Zusammen mit dem klein gehackten Fisch ergibt das eine gebundene, safrangelbe Fischmasse. Wichtig für die Hitzeführung: Milch und Ei vertragen kein starkes oder langes Kochen, sie würden ausflocken beziehungsweise gerinnen. Das kurze „Aufwallen” bindet die Masse gerade genug, ohne sie zu zerstören - die Verdopplung „wallen wallenn” im Text ist vermutlich Schreiberbetonung, keine Anweisung zu zweimaligem Kochen.

Praxis. Stockfisch vorab wässern (1-3 Tage, Wasser mehrfach wechseln), dann in Wasser gar sieden. Haut abziehen, Gräten entfernen, Fisch klein hacken. Milch, Eier, geriebenes Semmelbrot, Pfeffer, Safran und Salz dazugeben und bei mittlerer Hitze kurz aufwallen lassen, bis die Masse bindet - nicht kochen, sonst gerinnt das Ei. Sofort servieren. Wer mag, reicht dazu eine zweite, dünnflüssige Safran-Milchsuppe als Beilage - ein einfacher Topf am Feuer reicht für beide Zubereitungen, ein Ofen wird nicht gebraucht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-045-orig" n="stockvisch" resp="#fyndling">Getrockneter, ungesalzener Kabeljau oder Dorsch. Muss vor der Zubereitung gewässert und gekocht werden, um weich zu werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-045-orig" n="schell" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für „schälen” beziehungsweise „enthäuten”. Im Rezeptkorpus mehrfach belegt (etwa ka1-010, m384-026, m384-049) und dort ebenfalls im Sinne von „Schale/Haut entfernen” verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-045-orig" n="semel prot" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Geriebenes Weißbrot oder Semmelbrösel, das als Bindemittel dient.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-045-orig" n="saffran" resp="#fyndling">Safran war ein sehr teures Gewürz und Statussymbol. Er wurde nicht nur für den Geschmack, sondern auch für die leuchtend gelbe Farbe verwendet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-045-orig" n="schell ein stockvisch" resp="#fyndling">‚Schäle einen Stockfisch' - dies bezieht sich auf das Entfernen der Haut des Stockfisches nach dem Wässern und Kochen, bevor er weiterverarbeitet wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-045-orig" n="er wallen wallenn" resp="#fyndling">‚aufkochen lassen' - die Wiederholung 'wallen wallenn' wird als emphatische Wiederholung oder als Schreibfehler des Schreibers interpretiert, der die Anweisung zum Aufkochen verstärken soll.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-045-orig" n="mach dar auff ain gelbew suppen mit saffrann" resp="#fyndling">‚mache dazu eine gelbe Suppe mit Safran' - dies wird als eine optionale Sauce oder Beilage interpretiert, die mit der Stockfischmasse serviert wird, um das Gericht zu variieren oder zu bereichern.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-046-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Der eigentliche Clou ist kein Gericht, sondern ein Kniff: eine Fisch-Sülze, die auch in der Wärme fest bleibt. Dafür sorgt ein pflanzliches Geliermittel - getrocknetes, pulverisiertes Obstbaum-Gummi.

Was ist das „Pech vom Weinling-Baum“? weinling ist die weinsäuerliche Apfelsorte (so im selben Buch mon-033), weinlingpawm also der Apfel-/Obstbaum. Sein „Pech“ ist der Gummifluss des Baums (wie Kirschgummi), ein wasserlösliches Pflanzengummi - verwandt mit Gummi arabicum oder Tragant. Solche Gummen quellen und binden in Wasser und bleiben dabei hitzestabil; genau deshalb hält die Sülze fest, „wie heiß es sey“, während eine reine Gelatine-Sülze in der Wärme wieder zerläuft.

Praxis. Das Gummi vollständig trocknen, fein zerstoßen und in die noch warme Fisch-Sülze einrühren, bis es sich gelöst hat. Modern lässt sich der Effekt mit etwas Gummi arabicum (E414) oder einem anderen pflanzlichen Geliermittel nachstellen. Dass weinlingpawm der Obstbaum ist, ist eine über den Korpus erschlossene Lesart - der Wortlaut nennt nur „das Pech vom Weinling-Baum“.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-046-orig" n="weinlingpawm" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinlingpawm">Der Weinling-Baum = ein (wein-säuerlicher) Apfel-/Obstbaum: weinling ist die weinsäuerliche Apfelsorte (so ausdrücklich im selben Buch mon-033, „salssen von weinling“; auch Goetze: „weinling = weinsäuerlicher Apfel“). Sein pech ist folglich kein Nadelbaum-Harz, sondern das Gummi bzw. der Gummifluss des Obstbaums (wie Kirschgummi) - ein wasserlösliches Pflanzengummi. Das erklärt, warum es die Sülze bindet und sie sogar in der Wärme fest hält (Pflanzengummi ist hitzestabil, anders als Gelatine). Erschlossene Lesart über den Korpus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-046-orig" n="sulczen" resp="#fyndling">sulczen = sülzen, eine feste Sülze bzw. einen Aspik herstellen - nicht „einlegen/pökeln“. Das ganze Rezept dreht sich darum, dass die sulcz fest wird und fest bleibt (bestett).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-046-orig" n="puluer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#puluer">Hier wörtlich das zu Pulver zerstoßene, getrocknete Gummi - kein Gewürzpulver.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-046-orig" n="weinlingpawm" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinlingpawm">Der Weinling-/Obstbaum: weinling = weinsäuerliche Apfelsorte (belegt in mon-033 und bei Goetze), pawm = Baum. Das pech davon ist der Gummifluss des Obstbaums (Kirschgummi-artig) - ein wasserlösliches, hitzestabiles Pflanzengummi, das die Sülze bindet und auch in der Wärme fest hält. Über den Korpus erschlossene Lesart.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-047-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Ackerbohnen-Braten, sondern ein Erbsen-Scheinbraten: eine aus gekochten, gemörserten Erbsen gebundene Farce, die am Spieß wie ein Fleischbraten aussieht, aber keiner ist. Das unmittelbar folgende mon-048 („Als vor“) verarbeitet dieselbe Kaltguss-Erbsenmasse zu einem zweiten Schaugericht, den ‚Regenwürmern‘ - beide Rezepte bilden ein Diptychon aus derselben Grundmasse.

Die Erbsenmasse. Getrocknete Erbsen kalt ansetzen und im Kaltguss (einem einfachen Mehl-Wasser-Teig) aufkochen - das Kaltansetzen verzögert das Quellen und verhindert, dass die Schale reißt, bevor der Kern durchgeweicht ist. Nach dem Weichkochen die Häute abziehen und die Erbsen im Mörser zu einer feinen, homogenen Paste zerstoßen. Honig unterrühren.

Die Bindung. Geriebenes Brot, Eidotter und die ganzen Eier binden die Farce beim späteren Garen: die Brotkrume nimmt Feuchtigkeit auf und gibt Halt, das Eiweiß koaguliert in der Hitze und hält die Masse zusammen. Schmalz sorgt dafür, dass die magere Erbsenmasse am Feuer nicht austrocknet. Bei sieben Eiern auf eine vergleichsweise kleine Menge Erbsenpaste wird die Farce eher weich und eierkuchenartig binden als fest wie echtes Fleisch - das ist für ein Schaugericht kein Mangel, sondern gehört zum Charakter der Täuschung.

Praxis. Die Farce fest um einen hölzernen (oder ersatzweise metallenen) Spieß formen und mit angepressten Händen möglichst gleichmäßig verteilen - ohne Netz oder Bindfaden hält die Masse nur, wenn sie eng am Spieß anliegt und zunächst bei niedriger Glut anzieht, bevor sie gedreht wird. Beim Braten wiederholt mit heißem Schmalz begießen: das verhindert das Austrocknen der fettarmen Farce und sorgt für eine gebräunte Kruste.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-047-orig" n="arbayssen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#arbayssen">Bairisch/österreichisch für Erbsen (Arbeis/Erbeis, Wortfamilie mit arwis/aribassen) - NICHT Ackerbohnen. Das Zwillingsrezept mon-048 verarbeitet dieselben ‚arbayssen‘ (Verweis „Als vor“) unzweideutig zu einer feinen, siebfähigen Masse für ein Regenwürmer-Schaugericht; eine grobe Ackerbohnenfarce ließe sich nicht durch ein Sieb treiben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-047-orig" n="gepraten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#gepraten">Mittelhochdeutsch für ‚gebraten‘ oder ‚geröstet‘. Hier im Sinne eines Bratens, der auf einem Spieß zubereitet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-047-orig" n="ckalt gossen / chaltgossen" resp="#fyndling">„Kaltguss“ - ein kalt angerührter Teig aus Mehl und Wasser, der als Basis für die Erbsenmasse dient. Durch das Schwesterrezept mon-048 als formbare Teigbasis bestätigt, nicht als reine Kochflüssigkeit.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-047-orig" n="an dy stat" resp="#fyndling">„Stattdessen“ - dieselbe Wendung findet sich in mon-039 desselben Buches („nym ein honig an dy stat“ = „nimm stattdessen Honig“) und belegt diese Lesart eindeutig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-047-orig" n="tutter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tutter">Mittelhochdeutsch für ‚Eidotter‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-047-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall, nicht der kleine Gewürzmörser. Er diente als mittelalterliche Küchenmaschine, um Zutaten wie Fleisch, Fisch oder Hülsenfrüchte zu einer feinen Farce zu zerstoßen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-047-orig" n="hulczen spiß" resp="#fyndling">Ein hölzerner Spieß wurde über offener Glut verwendet. Er muss aus frischem, grünem Hartholz (z.B. Hasel, Weide, Buche) bestehen, um nicht sofort zu verbrennen. Für moderne Nachkocher ist ein Metallspieß praktikabler, aber der hölzerne Spieß verleiht ein besonderes Aroma.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-047-orig" n="arbayssen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#arbayssen">Erbsen (bairisch/österreichisch Arbeis/Erbeis). Das Zwillingsrezept mon-048 verweist mit „Als vor“ auf denselben Kaltguss-Ansatz und verarbeitet dieselbe Zutat unzweideutig zu einer feinen, durch ein Sieb treibbaren Masse - das gelingt nur mit einer glatten Erbsenpaste, nicht mit einer groben Ackerbohnenfarce.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-047-orig" n="ckalt gossen" resp="#fyndling">Kaltguss - ein kalt angerührter Teig aus Mehl und Wasser, der als formbare Basis für die Erbsenmasse dient. Das Schwesterrezept mon-048 bestätigt diese Lesart, da dort derselbe Kaltguss zu einer siebfähigen Teigmasse verarbeitet wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-047-orig" n="s vij airen" resp="#fyndling">Sieben Eier. 'vij' ist die römische Ziffer für 7, und 'airen' sind Eier. Das vorangehende 's' ist wahrscheinlich eine Schreibabkürzung für 'Stück' oder ein überflüssiges Zeichen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-048-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Nudelgericht, sondern ein Erbsen-Schaugericht: Erbsen werden weichgekocht, zerstoßen und durch ein feines Sieb gepresst, sodass wurmförmige Stränge auf die Schüssel fallen - dazu eine süß-scharfe Senf-Honig-Sauce. Die ‚Regenwurm‘-Form ist reine Tischbelustigung, keine echte Zutat. Das unmittelbare Schwester-Rezept mon-047 nutzt dieselbe Kaltguss-Technik für einen Erbsen-Scheinbraten - beide gehören zur Familie der mittelalterlichen Täuschgerichte, die aus einfachen Grundstoffen eine überraschende Illusion formen.

Kaltguss und Erbsen. Der ‚Kaltguss‘ ist kein Teig, sondern das kalte Wasser, in dem die getrockneten Erbsen angesetzt und dann gegart werden - eine gängige Technik, damit Hülsenfrüchte gleichmäßig quellen und nicht anbrennen. Getrocknete Erbsen brauchen dafür deutlich mehr Zeit als in der Kurzfassung angegeben: am besten über Nacht einweichen, dann 45-90 Minuten weichkochen, bis sie sich leicht zerdrücken lassen.

Praxis. Die weichgekochten Erbsen abtropfen lassen und zu einem glatten Püree stampfen oder passieren. Das warme Püree portionsweise durch ein Sieb mit mittelgroßen Löchern (oder einen Spätzlehobel/Presse) auf eine Schüssel drücken - es fallen wurmartige Stränge heraus. Senf fein reiben und mit Honig zu einer glatten Sauce verrühren, nach Belieben mit Safran und Gewürzen (Pfeffer, Ingwer, Nelken) abrunden. Die Sauce über die ‚Regenwürmer‘ geben und warm auftischen - ein Gericht, das keine Kühlung braucht und sich gut am Lagerfeuer vorbereiten lässt, wenn man die Erbsen vorquellen lässt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-048-orig" n="arbayssen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#arbayssen">Bair./österr. für Erbsen (Arbeis/Erbeis), im Korpus-Glossar für mon-047 und mon-048 belegt. Nicht zu verwechseln mit ‚aribassen‘ (Backerbsen). Hier werden gekochte Erbsen zu Erbsenpüree verarbeitet, das durch ein Sieb zu ‚Regenwürmern‘ gepresst wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-048-orig" n="chaltgossen" resp="#fyndling">Wörtlich ‚Kaltguss‘. Im Vergleich mit dem Schwester-Rezept mon-047 (wo derselbe Kaltguss zum Garen von Erbsen mit anschließendem Abziehen der Häute dient) als das kalte (Koch-)Wasser bzw. der Sud zu verstehen, in dem die Erbsen weichgekocht werden - nicht als angerührter Teig. Die Formulierung ‚Als vor‘ verweist auf das vorhergehende Rezept im Manuskript, das dieses Verfahren beschreibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-048-orig" n="an dy stat" resp="#fyndling">Feste Kochformel für ‚bis zur richtigen Konsistenz/gar‘, im Korpus mehrfach belegt (u.a. mon-039, mon-047).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-048-orig" n="durchgeriben" resp="#fyndling">Bedeutet ‚gerieben‘ bzw. ‚zerstoßen‘. Bezieht sich auf den Senf, der fein gerieben wird, um eine glatte Sauce zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-048-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Eine frühneuhochdeutsche Schreibweise für ‚Gewürz‘. Da keine spezifischen Gewürze genannt werden, ist eine Mischung aus gängigen mittelalterlichen Gewürzen wie Pfeffer, Ingwer oder Nelken denkbar.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-048-orig" n="arbayssen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#arbayssen">‚Arbayssen‘ wird als Erbsen (bair./österr. Arbeis/Erbeis) gelesen, die gekocht, zerstoßen und zu Erbsenpüree verarbeitet werden. Das Glossar belegt diese Lesart konsistent für mon-047 und mon-048; das direkte Zwillingsrezept mon-047 zeigt dasselbe Kaltguss-Verfahren für die Hülsenfrucht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-048-orig" n="chaltgossen" resp="#fyndling">‚Kaltguss‘ wird als das kalte Koch-/Sudwasser für die Erbsen gelesen, nicht als Teig. Der Vergleich mit mon-047 (Kaltguss zum Garen der Hülsenfrucht, danach Häute abziehen) stützt diese Lesart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-048-orig" n="das daz dar einen" resp="#fyndling">Die Transkriptionsstelle ‚thue das daz dar einen durchgeriben seniff vnd honig‘ bleibt an der Formulierung ‚das daz dar einen‘ unklar bzw. möglicherweise verderbt. Sinngemäß übersetzt als ‚gib dazu geriebenen Senf und Honig‘, die genaue grammatische Auflösung der Wortfolge ist jedoch nicht gesichert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-048-orig" n="an dy stat" resp="#fyndling">Die Phrase ‚an dy stat‘ wird als ‚bis zur richtigen Konsistenz‘ bzw. ‚bis sie gar sind‘ übersetzt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-049-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ziger mit Mandelmilch und Mandelkernen ist ein Frischkäse-Dessert ohne Teig - im Kern das spätmittelalterliche Vorbild heutiger Quark-mit-Mandelmilch-Desserts. Sein nächster lebender Verwandter ist der alpine „süße Ziger“ bzw. Schotten, wie er bis heute in Vorarlberg, der Schweiz und Südtirol als Dessert oder Krapfenfüllung fortlebt: ein Molkenquark, der pur mit einer aromatisierten Milch angerichtet und mit Kernen bestreut wird. Statt Kuhrahm verwendet die Klosterküche hier die fastenkonforme Mandelmilch, um dem einfachen Molkenprodukt einen festlicheren Anstrich zu geben.

Ein Fragment. Der Text setzt mit „und“ ein und spricht von „demselben Ziger“ - er führt also ein vorangehendes, im Manuskript nicht erhaltenes Rezept fort, das die eigentliche Zubereitung des Ziger beschrieben haben muss. Was diesem Anrichte-Schritt vorausging, lässt sich nicht rekonstruieren; überliefert ist nur die Präsentation.

Praxis. Ziger (ersatzweise Magerquark oder Skyr) mittig in eine Schüssel setzen, mit kalter Mandelmilch großzügig umgießen und mit ganzen oder gehackten Mandelkernen bestecken. Kein Kochschritt nötig - der feste, cremige Kern bildet den Blickpunkt, die Mandelmilch sorgt als umgebende Flüssigkeit für Feuchtigkeit und milde Süße, die Kerne geben einen knusprigen Kontrast. Am besten frisch anrichten und zügig servieren, da der Ziger gekühlt bleiben sollte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-049-orig" n="czuger" resp="#fyndling">Wir haben 'czuger' als 'Ziger' (Molkenquark) interpretiert. Dies ist ein regionaltypisches Milchprodukt, das gut zur Anweisung 'lege ihn mittig in eine Schüssel' passt und kulinarisch sinnvoll ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-050-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süß-herzhafter Fastenfladen: geriebene Mandeln (teils safrangefärbt), aufgekochte Weinbeeren und zu einer straubenteig-artigen Paste gestoßener Fischrogen (kein Barbenrogen) werden auf einen Fladen gestrichen und im Ofen gebacken. Man kann sich das am ehesten als mittelalterlichen Vorläufer einer süß-pikanten Fischrogen-Tarte vorstellen - eine Fastenspeise (Rogen statt Fleisch), die durch Mandeln, Safran und Weinbeeren dennoch festtäglich-kostbar wirkt. Der Aufbau folgt einem im Korpus mehrfach belegten Rezeptmuster: Mandeln färben, Weinbeeren vorbereiten, Rogen im Mörser zu Straubenteig-Konsistenz verarbeiten, alles auf den Fladen, backen.

Die zwei Färbe-Schritte. Am Anfang wird die Hälfte der gehackten Mandeln mit Safran gefärbt und separat von der ungefärbten Hälfte sowie den Weinbeeren bereitgestellt - das ergibt später einen Farbkontrast in der fertigen Masse. Am Ende wird noch einmal gefärbt: die fertige Rogen-Mehl-Paste erhält denselben goldenen Ton, vermutlich mit dem restlichen Safran. Beide Färbe-Schritte sind reine Optik, kein Geschmacksträger im engeren Sinn - Safran signalisierte im Mittelalter zugleich ein feines, teures Essen.

Die Weinbeeren. Getrocknete Weinbeeren werden von den Stielen gezupft und dann kurz aufgekocht beziehungsweise gequollen, bis sie wieder rund und prall sind - ein einfacher Rehydrierungsschritt, kein Entkernen. Das Ergebnis sind pralle, gleichmäßig runde Beeren statt schrumpeliger Rosinen.

Der Rogen-Mörser-Schritt. Fischrogen ist von Natur aus feucht und körnig. Das wenige weiße Mehl bindet diese Feuchtigkeit, sodass im Mörser eine streichfähige, kohärente Masse entsteht - die Straubenteig-Konsistenz beschreibt dabei nur das Zielgefühl (dickflüssig-geschmeidig), es wird nichts frittiert. Die Masse gart komplett roh auf dem Fladen im Ofen durch, ohne Vorkochen.

Praxis. Mandeln grob hacken, zur Hälfte mit in wenig Wasser angerührtem Safran einfärben, beide Hälften getrennt bereitstellen. Weinbeeren entstielen und in etwas warmem Wasser oder Wein kurz aufquellen lassen, bis sie prall sind, abtropfen. Fischrogen (nicht von Barbe/Karpfen) im Mixer oder Mörser mit wenig Weißmehl zu einer dickcremigen Paste verarbeiten und mit dem restlichen Safran einfärben. Mandeln und Weinbeeren unter die Rogenmasse heben, alles auf einen ausgerollten Fladenteig streichen und bei mittlerer Ofenhitze (ca. 180 °C) backen, bis der Belag gestockt und der Rand des Fladens durchgebacken ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-050-orig" n="sinbel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sinbel">Bairisch-österreichische Form für ‚rund‘ oder ‚kugelrund‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-050-orig" n="parben" resp="#fyndling">Barben sind Karpfenfische, deren Rogen giftig ist - er kann die sogenannte „Barbenkrankheit" auslösen (Erbrechen, Durchfall, v.a. zur Laichzeit), weshalb hier explizit davor gewarnt wird. Die mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank (MHDBDB) bestätigt ‚parben‘ als Schreibvariante zum Lemma ‚barbe‘ (Barbe). Die wiederholte Warnung in mehreren Kochbüchern (mha-018, mha-031) spricht ebenfalls für diese Lesart - ein harmloser Alltagsfisch wie der Karpfen bräuchte keine eigene, wiederkehrende Ausschlussklausel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-050-orig" n="strauben taig" resp="#fyndling">Ein ‚Straubenteig‘ ist eine dicke Teigmasse, die zu Schmalzgebäck (Strauben) verarbeitet wird. Hier ist eine formbare, pastöse Konsistenz gemeint, die sich gut auf dem Fladen verteilen lässt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-050-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein ‚Mörser‘ ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall, der zum Zerkleinern und Pürieren von Fleisch, Fisch oder anderen feuchten Zutaten verwendet wurde. Er entspricht in seiner Funktion einer modernen Küchenmaschine oder einem Fleischwolf.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-050-orig" n="busunder" resp="#fyndling">‚Separat‘ - die Zutaten sollen getrennt voneinander in Schüsseln gelegt werden, bevor sie später kombiniert werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-050-orig" n="er chlawpt" resp="#fyndling">‚Abgezupft‘ beziehungsweise verlesen/ausgeklaubt - die Weinbeeren sollen von ihren Stielen gelöst und gesäubert werden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-051-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies sind feigengefüllte Krapfen aus Hefeteig, in Öl frittiert und kalt serviert - ein Vorfahre der süßen Fastenkrapfen mit Trockenfrüchtefüllung, wie sie im bairisch-österreichischen Raum bis heute zur Fastenzeit gebacken werden. Ein fast wortgleiches Schwesterrezept aus Clm 15632 (ri15632-005, "Gefüllte Krapfen mit Nuss-Feigen-Paste") teilt Zutaten, Verfahren und sogar die Schlussformel "gibs kalt ze essen" - beide Fassungen gehören derselben Rezeptfamilie an.

Erbelles - erwellen, nicht formen. Die Handschrift schreibt "erbelles". Im bairischen Dialekt wechselt b häufig mit w (vgl. "erbelten" = "erwellen" im Glossar), sodass die naheliegendere Lesart "erwelle es" - lass es kurz aufkochen bzw. erwärme es gut - ist. Das Schwesterrezept ri15632-005 hat an derselben Stelle wörtlich "vnd erwell ez wol darnach mach krapffen", was diese Lesart stützt. Küchentechnisch ergibt das auch mehr Sinn: Die krümelige Feigenmasse alleine ist zu trocken zum Einwickeln, erst das kurze Erhitzen mit Öl in der Pfanne bindet sie zu einer geschmeidigen, formbaren Paste.

Erhaben Teig - ein Hefeteig. Die Formulierung "In einen er haben taig" ist am plausibelsten als "in einen erhaben(en) Teig" zu lesen, also einen mit Sauerteig oder Hefe aufgegangenen Teig. Auch hier bestätigt das Schwesterrezept diese Lesart wörtlich ("In erhaben taig"). Der Teig braucht also vorherige Gehzeit an einer warmen Stelle - ein Aufwand, der sich gegenüber einem ungetriebenen Teig lohnt, weil der Hefeteig beim Frittieren zusätzlich aufgeht und die Krapfen luftig-knusprig werden.

Praxis. Getrocknete Feigen im Mörser (oder ersatzweise in einer Küchenmaschine) zu einer groben Masse zerstoßen, mit Gewürzen (Zimt, Ingwer, Nelken, Muskatblüte) würzen und anschließend fein durchreiben oder passieren, um Kerne und Fasern zu entfernen. Die Masse mit etwas Öl in einer Pfanne kurz erhitzen, bis sie geschmeidig und formbar ist. Aus einem zuvor angesetzten und gegangenen Hefeteig kleine Teigstücke ausrollen, mit der warmen Feigenmasse füllen und zu Krapfen verschließen. In reichlich heißem Öl goldbraun ausbacken, abkühlen lassen und kalt servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-051-orig" n="nuß veigen" resp="#fyndling">‚Nussfeigen‘ bezeichnet getrocknete Feigen, die durch den Trocknungsprozess eine feste, nussartige Konsistenz erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-051-orig" n="geburcz" resp="#fyndling">Das Verb ‚geburcz‘ bedeutet ‚würzen‘. Welche Gewürze genau gemeint sind, wird nicht spezifiziert - im Mittelalter waren dafür Mischungen aus Zimt, Ingwer, Nelken und Muskatblüte üblich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-051-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein ‚Mörser‘ ein großes, schweres Gefäß aus Stein oder Metall, das zum Zerstoßen von Fleisch, Nüssen oder feuchten Zutaten zu einer feinen Paste verwendet wurde. Es ist das Äquivalent einer modernen Küchenmaschine.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-051-orig" n="chrapfen" resp="#fyndling">‚Krapfen‘ sind im Mittelalter eine Sammelbezeichnung für verschiedene Arten von frittiertem Gebäck, ähnlich heutigen Krapfen oder Berlinern, oft süß oder gefüllt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-051-orig" n="erbelles" resp="#fyndling">Bairische b/w-Lesefalle: ‚erbelles‘ ist wahrscheinlich ‚erwelle es‘ (von ‚erwellen‘ - aufkochen, gut erhitzen), nicht ‚erballen‘ (zu Bällchen formen). Das Schwesterrezept ri15632-005 hat an derselben Stelle wörtlich ‚erwell ez wol‘, was diese Lesart stützt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-051-orig" n="In einen er haben taig" resp="#fyndling">Vermutlich ‚in einen erhaben(en) Teig‘ - einen mit Sauerteig oder Hefe aufgegangenen Teig. Das Schwesterrezept ri15632-005 hat an derselben Position ‚In erhaben taig‘ und stützt diese Lesart gegenüber einem ungetriebenen Teig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-051-orig" n="geburcz" resp="#fyndling">‚Würze‘ - als Verb ‚würzen‘, die Zutat sind die Gewürze selbst.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-051-orig" n="chrapfen weiß" resp="#fyndling">‚Krapfen, wie du sie haben willst‘ - ‚weiß‘ ist wahrscheinlich eine Verschreibung/Kürzung von ‚als‘ (wîse, Art und Weise), nicht das Farbadjektiv ‚weiß‘.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-052-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein bloßes Grieben-Beilagengericht, sondern die Vorstufe einer Fasten-Illusionsspeise - ein „Spiegelei ohne Ei". Der fast wortgleiche Zwilling m5919-018 (Regensburger Kochbuch, Cgm 5919, um 1500) trägt den Titel „Ein Ei im Schmalz von Mandel" und führt genau dieselbe Zubereitung einen Schritt weiter: die safrangefärbte Mandelmasse spielt das Eigelb, die Fischgrieben werden als Eiweiß-Attrappe daneben angerichtet. mon-052 durchläuft exakt dieselbe Kochfolge, bricht aber vor dem letzten Anrichte-Schritt ab. Auch innerhalb des Mondseer Kochbuchs ist diese Ei-Täuschung kein Einzelfall: mon-001 (eine eilose Fastensuppe aus Mandeln und Wein) spielt dieselbe Idee durch. Wer heute vegane „Rühr-Ei"-Attrappen aus Kichererbsenmehl oder Tofu mit Kurkuma-Gelb kennt, sieht hier ihren spätmittelalterlichen Vorfahren - nur mit Mandeln und Safran statt Kurkuma.

Was wird da eigentlich ausgelassen? Der entscheidende Punkt: Im Satz „gib frisches Schmalz dazu und röste ihn darin wie Schweinespeck aus" bezieht sich das „ihn" auf den zuvor gewürfelten Hausen, nicht auf das Schmalz selbst. Der Fisch wird im Schmalz ausgelassen wie Speckwürfel - das Schmalz ist nur das Röstfett dazu. Die entstehenden „Grieben" sind folglich keine gewöhnlichen Fett-Grieben, sondern die knusprig ausgebratenen Fischwürfel-Reste: der Hausen spielt hier buchstäblich den Speck.

Praxis. Mandeln im Mörser fein stoßen, mit Wasser zu einer dicken Mandelmilch verstreichen und in einem Topf einkochen, bis die Masse musartig bindet (kein Rühren nötig, die Mandelmasse bindet durch Verdunstung und ihr eigenes Fett). Parallel Stör- oder Wels-/Hechtfilet würfeln und mit frischem Schmalz in einer Pfanne auslassen, bis die Würfel knusprige Grieben bilden - diese herausnehmen (und als Fastenspeise-„Eiweiß" beiseitestellen, wer die Illusion vollständig nachstellen möchte). Die fertige Mandelmasse ins ausgelassene, fischig aromatisierte Schmalz geben und mit dem Löffel glattstreichen. Mit Safran gelb färben und warmhalten, bis angerichtet wird. Ohne Mengenangaben im Original empfiehlt sich ein Verhältnis von etwa 200 g gemahlenen Mandeln auf 300 ml Wasser als Ausgangspunkt, mit dem sich die Konsistenz beim Einkochen gut steuern lässt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-052-orig" n="armen smalcz von mandel" resp="#fyndling">‚Armes Schmalz‘ bezeichnete eine schlichte, fleischlose Fettbasis für die Fastenzeit. Hier wird sie mit Fisch, Schmalz und Safran zu einer Fasten-Illusionsspeise veredelt: Der Zwilling m5919-018 ("Ein Ei im Schmalz von Mandel") zeigt, dass die safrangefärbte Mandelmasse als Eigelb-Attrappe gedacht ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-052-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein ‚Mörser‘ ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall, der zum Zerkleinern von Fleisch, Fisch oder Nüssen zu einer feinen Farce verwendet wurde, nicht der kleine Gewürzmörser.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-052-orig" n="Hausen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">Der Hausen ist eine Störart, die im Mittelalter ein beliebter und hochgeschätzter Speisefisch war. Heute sind Störe in Deutschland und der EU streng geschützt und dürfen nicht gefangen oder gehandelt werden. Zucht-Wels ist eine gute Alternative.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-052-orig" n="chrewppen" resp="#fyndling">Die knusprig ausgebratenen Würfel des Hausen selbst - der Fisch wird im Schmalz ausgelassen wie Speck und bildet dabei seine eigenen "Grieben". Der Zwilling m5919-018 bestätigt diese Lesart: dort wird "griebe" an derselben Stelle als eigenständiger Begriff neben den Fischwürfeln verwendet und später als Eiweiß-Attrappe zwischen die "Eigelb"-Masse gelegt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-052-orig" n="verb augen" resp="#fyndling">färben. Im Kontext von Safran ist die primäre Funktion das Färben der Speise, hier der Mandelmasse.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-052-orig" n="Sierem" resp="#fyndling">bei Wärme. 'Pey Sierem halten' bedeutet, das Gericht bis zum Anrichten warm zu halten, was für eine Mus-Konsistenz sinnvoll ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-053-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalte, süß-saure Sauce aus Wein, Essig, Honig und Lebkuchen - im engsten Zwilling des Korpus (m384-035) ausdrücklich als Galrei (Gelee) bezeichnet, kein Getränk. Das ist ein Lebkuchen-Pfeffer: eine eigene Gattung süß-saurer, mit Lebkuchen gebundener Saucen, die zu Wild, Geflügel, Fisch und Eiern gereicht wurde - m384-035 nennt ausdrücklich "gebratenes Fleisch oder Fisch" als Begleitung. Lebkuchen diente hier nicht als Süßgebäck, sondern als Binde- und Würzmittel - eine Funktion, die in der heutigen Küche kaum noch bekannt ist.

Warum durchs Tuch pressen? Der zerkrümelte Lebkuchen wird zusammen mit Wein, Essig und Honig gestoßen und dann durch ein Tuch gepresst. Das entfernt gröbere Krumenstücke, presst aber zugleich das feine Lebkuchenmehl als Bindemittel in die Flüssigkeit - vergleichbar mit einer zeittypischen Brotbindung, nicht mit einer Mehlschwitze.

Praxis. Lebkuchen fein zerkrümeln und mit Wein, Essig und Honig verrühren. Die Mischung durch ein feines Tuch oder Sieb pressen, damit sie glatt wird. Kurz aufsieden lassen, dann in ein Gefäß abfüllen und vollständig auskühlen lassen, bevor der Sud gegessen oder getrunken wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-053-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Bezeichnung für Lebkuchen, hier als Würz- und Bindezutat für den Sud eingesetzt, nicht als Süßgebäck - die klassische Bindung des Lebkuchen-Pfeffers, einer eigenen Sauce-Gattung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-053-orig" n="stoz das durch ein tuech" resp="#fyndling">Wörtlich ‚stoße das durch ein Tuch‘ - dies bedeutet, die Mischung durch ein feines Tuch zu passieren oder zu pressen, um sie zu klären und eine glatte Konsistenz zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-053-orig" n="Galrei" resp="#fyndling">Der wortidentische Zwilling m384-035 bezeichnet dieses Rezept ausdrücklich als ‚Galrei‘ (Gelee, von lateinisch gelata) - das ordnet den Sud kulturhistorisch in die mittelalterliche Gelee-/Galantine-Tradition ein statt in eine reine Getränke-Kategorie.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-053-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">‚Lebkuchen‘ - basierend auf dem Korpus-Glossar und der historischen Verwendung von gewürztem Gebäck in solchen Zubereitungen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-054-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine klare Fischsülze (fnhd chlare sulcz) - der unmittelbare Vorfahr der heutigen Fischsülze bzw. des Fischaspiks. Wichtig für die Praxis: Das Geliermittel ist hier der Fisch selbst - genauer seine Haut, Schuppen und Gräten, die beim Kochen Kollagen abgeben. Wer stattdessen ein reines Filet in den Brennnesselwurzel-Sud gibt, bekommt eine aromatische, aber flüssige Brühe statt einer Sülze. Lebende Verwandtschaft: die "Sulz" der süddeutsch-österreichischen Wirtshausküche (meist als Kalbs- oder Schweinssulz bekannt, hier aber die edlere Fisch-Variante der gehobenen spätmittelalterlichen Tafel), der klassische französische Aspic de poisson sowie - als entfernter Cousin im selben Sülz-Genre - der jüdisch-osteuropäische gefilte Fisch in Aspik. Das Rezept ist praktisch textidentisch mit dem Zwillingsrezept m5919-045 aus dem Cgm 5919 (Regensburg, um 1500) und gehörte damit zum festen Repertoire der spätmittelalterlichen Klosterküche im bairisch-österreichischen Raum.

Die Klärtechnik. Das Rezept beschreibt im Kern die Vorstufe des heutigen Klärens von Fond oder Consommé: Fischbrühe wird mit Wein, Essig und dem Sud aus Brennnesselwurzeln vermischt, über dem Feuer erwärmt und das aufsteigende Trübe wiederholt abgeschöpft, bis die Wallung nachlässt und die Brühe klar bleibt. Ein separates Klärmittel wie Hausenblase oder Eiweiß wird im Text nicht genannt - die Klärung entsteht allein durch das Erhitzen und Abschöpfen der Mischung aus Fischbrühe und Nesselwurzelwasser selbst.

Der Schaum, der bleiben darf. Bemerkenswert ist die Unterscheidung zwischen dem früh abzuschöpfenden Trüben und dem später aufsteigenden Schaum, der ausdrücklich nicht abgezogen werden soll. Der Text nennt den Grund nicht - denkbar ist, dass dieser spätere Schaum bereits das geklärte Ergebnis begleitet und sein Entfernen die erreichte Klarheit wieder stören würde.

Praxis. Den Nesselwurzelsud rechtzeitig vorbereiten, da er nach dem Sieden noch ein bis zwei Stunden abkühlen muss. Beim Klären braucht es Geduld: die Brühe langsam erwärmen und das Trübe mehrfach mit einem Schaumlöffel abnehmen, bis die Brühe nicht mehr aufwallt und klar bleibt. Pfeffer, Nelken und Zimtrinde werden bewusst ganz beziehungsweise nur grob angedrückt mitgekocht - gemahlene Gewürze würden die mühsam erreichte Klarheit der Brühe wieder eintrüben. Die fertige, gewürzte Brühe über den vorbereiteten Fisch geben und kalt stellen, bis sie zur Sülze erstarrt - das Gelieren erfolgt über das Fischkollagen, nicht über die Brennnesselwurzel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-054-orig" n="sulcz" resp="#fyndling">Hier im Sinne einer klaren, gelierten Speise, also einer Sülze oder Gallerte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-054-orig" n="nessel wurczen" resp="#fyndling">Die Wurzeln der Brennnessel wurden im Mittelalter nicht nur als Heilmittel, sondern auch in der Küche verwendet, hier als aromatisierender und klärend wirkender Sud.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-054-orig" n="viertail" resp="#fyndling">Ein Viertelliter, also etwa 250 ml.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-054-orig" n="die visch" resp="#fyndling">Der Fisch selbst ist hier das Geliermittel: Haut, Schuppen und Gräten enthalten das Kollagen, das beim Kochen austritt und die Brühe beim Erkalten zur Sülze erstarren lässt. Ein entschupptes, entgrätetes Filet liefert dieses Kollagen nicht und würde in diesem Sud - trotz Brennnesselwurzel und Essig - nicht fest werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-054-orig" n="beraicz sawber mit dem das dar czw gehordt" resp="#fyndling">Bereite den Fisch sauber zu, wie es sich gehört - das bedeutet ausnehmen, schuppen und waschen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-054-orig" n="prue" resp="#fyndling">Brühe, hier die Flüssigkeit, in der der Fisch eingelegt und gekocht wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-054-orig" n="ain chlar ab" resp="#fyndling">Keine zusätzliche Zutat, sondern eine Verb-Konstruktion: die Mischung wird dadurch klar (geklärt). Der Zwilling m5919-045 hat an derselben Stelle 'das macht ain clar hab vber das ander feur' - auch dort folgt kein Substanz-Name, sondern der Imperativ 'hab' (halte). Ein zugesetztes Klärmittel wie Hausenblase oder Eiweiß wird an keiner Stelle genannt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-054-orig" n="wall her ab gett" resp="#fyndling">'Wall' meint hier das Aufwallen bzw. die Wallung der erhitzten Flüssigkeit, nicht einen Bodensatz. Das Abschöpfen des Trüben endet, wenn die Wallung nachlässt und die Brühe klar bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-054-orig" n="faimen" resp="#fyndling">Schäumen. Der später aufsteigende Schaum soll hier - im Unterschied zum zuvor abgeschöpften Trüben - nicht entfernt werden; der Text nennt dafür keinen Grund.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-054-orig" n="gancze nagel" resp="#fyndling">Ganze Gewürznelken. 'Nagel' bezieht sich auf die nagelähnliche Form der Nelken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-054-orig" n="czimerrindten" resp="#fyndling">Zimtrinde. Im Mittelalter wurde Zimt oft in Stücken mitgekocht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-054-orig" n="salcz czw massen" resp="#fyndling">Salze es nach Maß, also nach Geschmack und Bedarf.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-054-orig" n="ain chlar ab" resp="#fyndling">Verb-Konstruktion: 'damit bewirkst du eine Klärung' - keine zusätzliche Zutat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-054-orig" n="wall her ab gett" resp="#fyndling">'Bis die Wallung nachlässt' - das Aufwallen/Aufkochen der erhitzten Flüssigkeit legt sich.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-055-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Fischsülze - der spätmittelalterliche Vorfahr heutiger "Fisch in Gelee"-Gerichte. Die Brühe geliert von selbst durch das Kollagen aus Haut und Gräten des Fisches, unterstützt durch Essig; eine Mehlschwitze oder ähnliches Bindemittel braucht es nicht. Verwandte dieser Fastenspeise leben bis heute weiter, etwa in der ostpreußisch-baltischen Fisch-Sulz oder im polnischen Weihnachtsgericht Karp w galarecie (Karpfen in Aspik).

Was macht die Blüten hier besonders? Kirsch- und Erbsenblüten dienen als Farb- und Aromageber - ihr im Text genannter Zweck ist, dass die Brühe dabei "nicht zu gelb" wird - und zugleich als leichtes, unterstützendes Geliermittel: Das Rezept fügt sie eigens hinzu, damit die Sülze "im Sommer wie im Winter" fest wird. Die Hauptfestigkeit stammt vom Fischkollagen und vom Essig; die Blüten liefern dazu einen zusätzlichen, kleineren Beitrag zur sommerfesten Gelierung. Ein enger Zwilling dieses Rezepts (Cgm 5919, Rezept "Klare Fischsülze mit Blüten") überliefert dieselbe Passage ausführlicher und ergänzt an dieser Stelle eine Safran-Dosierung - dort verhindert also gerade der sparsame Safran-Einsatz die Übergelbung, während mon-055 nur den Essig nennt. Der Mondsee-Text ist damit die knappere, gewürzärmere Fassung desselben Grundrezepts.

Praxis. Kirsch- und Erbsenblüten beim ersten Austrieb im Frühjahr sammeln und in der Sonne trocknen. Für den Sud eine Handvoll ("unter drei Fingern") getrocknete Erbsenblüten und die doppelte Menge Kirschblüten in ein kleines Säcklein binden und mit dem Fisch aufkochen - so bleiben keine losen Blütenblätter in der fertigen Sülze. Nach dem Sieden die Brühe abnehmen und mit gutem Essig abschmecken; sie zieht dann innerhalb von zwei Stunden fest. Da mon-055 nur diesen Blüten-Zusatzschritt überliefert, braucht es für ein vollständiges Gericht noch die übliche Grundzubereitung einer Fischsülze: den Fisch selbst garen und die Brühe vor dem Würzen klären.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-055-orig" n="sulz" resp="#fyndling">Bezeichnet hier eine ‚Sülze‘ oder ‚Gallerte‘, also ein Gericht, das durch Gelierung fest wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-055-orig" n="plue" resp="#fyndling">‚Blüte‘. Kirsch- und Erbsenblüten dienen hier als Farb- und Aromageber - der Text nennt ausdrücklich das Ziel, die Brühe ‚nicht zu gelb‘ zu machen - UND als leichtes, unterstützendes Geliermittel: Das Rezept fügt sie eigens hinzu, damit die Sülze ‚im Sommer wie im Winter‘ fest wird. Die Hauptfestigkeit kommt weiterhin vom Fischkollagen und vom Essig, aber der Text schreibt den Blüten selbst einen (leichten) Beitrag zur sommerfesten Gelierung zu.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-055-orig" n="trein vinger" resp="#fyndling">Eine historische Mengenangabe, die ‚drei Finger‘ bedeutet und eine kleine, unpräzise Menge beschreibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-055-orig" n="chuchlin" resp="#fyndling">Ein ‚Säcklein‘ im Sinne eines kleinen Stoffsäckchens, in dem die Blüten beim Kochen mitgekocht werden, um sie später leicht entfernen zu können. Ein enger Zwilling dieses Rezepts (Cgm 5919) verwendet an derselben Stelle ‚tuchlein‘, was diese Lesart zusätzlich stützt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-055-orig" n="esseich" resp="#fyndling">‚Essig‘. Essig spielt eine wichtige Rolle bei der Gelierung von Sülzen und trägt zum Geschmack bei.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-055-orig" n="cherss plue" resp="#fyndling">‚Kirschblüten‘. ‚Cherss‘ ist eine bairische Variante von ‚Kirsche‘, und ‚plue‘ bedeutet ‚Blüte‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-055-orig" n="arbaiß plue" resp="#fyndling">‚Erbsenblüten‘. ‚Arbaiß‘ ist die bairisch-österreichische Form für ‚Erbse‘, und ‚plue‘ bedeutet ‚Blüte‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-055-orig" n="schewst" resp="#fyndling">‚aufsprießt‘ oder ‚aufblüht‘. Dies beschreibt den Zeitpunkt, zu dem die Blüten gesammelt werden sollen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-055-orig" n="deer" resp="#fyndling">‚dörre‘ oder ‚trockne‘. Die Blüten sollen an der Sonne getrocknet werden, um sie haltbar zu machen oder ihre Inhaltsstoffe zu konzentrieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-055-orig" n="trein" resp="#fyndling">‚drei‘. Die Mengenangabe ‚vnter trein vinger‘ bedeutet ‚unter drei Fingern‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-055-orig" n="chuchlin" resp="#fyndling">‚Säcklein‘ im Sinne eines kleinen Stoffsäckchens. Dies ist die plausibelste Lesart für einen Behälter, in dem die Blüten mitgekocht werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-055-orig" n="pl prue" resp="#fyndling">‚Brühe‘. Das Präfix ‚pl‘ ist unklar, könnte ein Schreibfehler sein oder eine verkürzte Form eines Adjektivs wie ‚bleich‘ oder ‚blank‘, da die Anweisung folgt, die Brühe nicht zu gelb zu machen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-056-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süß-saures Fischmus: gebratener Fisch wird mit Rosinen zerstoßen und anschließend mit Wein, Gewürzen und Zucker zu einer streichfähigen Masse verarbeitet. Das Prinzip - Fisch, Süße und Säure zu einem Mus vereint - gehört zur breiteren Familie süß-saurer Fischgerichte, die bis in barocke und volkstümliche Kochbücher fortlebt, hier aber näher mit Fisch-Farcen und Pastetenfüllungen verwandt ist als mit einem servierten Fischstück in Sauce. Ein nahezu wortgleicher Zwilling findet sich in mha-252 ("Mus von gebratenem Fisch"), was zeigt, dass diese Zubereitung im spätmittelalterlichen Kochbuch-Korpus kein Einzelfall war.

Warum wird der Fisch zuerst gebraten? Rohes Fischfleisch zerfällt beim Stoßen eher in Fasern statt zu einer homogenen Masse zu binden. Das Braten festigt das Fleisch, sodass es sich im Mörser zu einem gleichmäßigen Mus verarbeiten lässt.

Praxis. Brate den Fisch zunächst gut durch und lass ihn etwas abkühlen. Stoße ihn dann zusammen mit den Rosinen im Mörser zu einer feinen Masse - alternativ funktioniert feines Hacken und Pürieren mit dem Stabmixer. Erst danach rührst du guten Wein, die Gewürze und den Zucker ein, bis eine streichfähige, süß-saure Fischmasse entsteht. Der Wein verdünnt die feste Fisch-Rosinen-Paste zur Mus-Konsistenz; eine Mehlschwitze oder andere Bindung ist nicht nötig. Der Text lässt offen, ob das fertige Mus noch einmal erwärmt oder kalt-lauwarm angerichtet wird - beides ist denkbar.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-056-orig" n="gmueß" resp="#fyndling">Mus, Püree. Im Mittelalter oft eine breiige Zubereitung aus zerstoßenen Zutaten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-056-orig" n="pratt visch" resp="#fyndling">Gebratener Fisch. Das Verb 'praten' (braten) ist hier als Partizip verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-056-orig" n="stoß durch ein ander" resp="#fyndling">Zerstoße die Zutaten im Mörser oder hacke sie sehr fein, sodass ein Mus entsteht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-056-orig" n="an die statt" resp="#fyndling">Räumlich-substitutive Wendung ('an die/dieser Stelle', 'statt dessen'), korpusweit so belegt (u.a. mon-003, mha-012, mha-072). Gemeint ist: die zuletzt genannten Zutaten (Wein, Gewürze, Zucker) werden dort - an der bereits gestoßenen Fisch-Rosinen-Masse - eingearbeitet und die Speise damit fertiggestellt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-056-orig" n="guetten wein" resp="#fyndling">Keine Farbangabe im Text - „guetten wein“ ist eine Qualitäts-, keine Farbaussage. Siehe die ausführlichere Einordnung im engen Zwilling mon-102: die moderne Regel „Weißwein zu Fisch“ ist eine überwiegend neuzeitliche Konvention, keine mittelalterliche.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-057-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Braten im heutigen Sinn - es kommt kein Fleisch auf den Spieß. Aus gestoßenen Feigen, Süßgewürz und ganzen Rosinen wird eine klebrige Masse geformt, auf einen hölzernen Spieß gesteckt, mit Mandeln gespickt und über der Glut geröstet. Alle Zutaten sind pflanzlich - das ist eine Fastenspeise, die sich bewusst als Fleischbraten verkleidet: Der Spieß und das Wort pratten zitieren die Form eines Fleischbratens, gefüllt ist die Speise aber rein mit Trockenfrüchten - eine Konfekt-Schauspeise, wie sie in der spätmittelalterlichen Festtagsküche an Fasttagen neben (oder statt) echten Fleischbraten auf die Tafel kam. Nächste lebende Verwandte sind mediterrane Feigen-Mandel-Rollen der winterlichen Vorratsküche, auch wenn dort heute kalt gepresst statt am Feuer geröstet wird.

Praxis. Getrocknete Feigen im Mörser oder auf dem Brett fein zerstoßen, bis eine formbare Masse entsteht - das ist kein Garschritt, sondern reine Zerkleinerung. Süßgewürz und ganze Rosinen einarbeiten; die Rosinen bleiben als Biss-Kontrast ganz. Die Masse fest um einen frischen, grünen Holzspieß formen und mit geschälten Mandeln spicken - die Mandeln liefern nicht nur Röstaroma, sie fixieren auch die klebrige Masse am Spieß. Den Spieß seitlich an die Glut legen, nicht in die offene Flamme, und drehend rösten, bis die Oberfläche Farbe nimmt und die Mandeln anziehen. Da die Masse bereits essfertig ist, geht es nur um Röstung und Karamellisierung der Außenseite - eine feste Zeitangabe braucht es nicht, das Auge entscheidet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-057-orig" n="libra" resp="#fyndling">„Pfund“; im 15. Jahrhundert entsprach ein Pfund in der Regel etwa 500 g.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-057-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Eine gängige frühneuhochdeutsche Schreibweise für „Gewürz“. Es ist eine allgemeine Bezeichnung, die eine Mischung aus gängigen süßen Gewürzen wie Zimt, Ingwer und Nelken impliziert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-057-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">„Weinbeeren“; in diesem Kontext sind getrocknete Weinbeeren, also Rosinen, am wahrscheinlichsten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-057-orig" n="hulczen spiß" resp="#fyndling">„Hölzerner Spieß“; im Mittelalter wurden oft frische, grüne Hartholzspieße verwendet, die über der Glut nicht sofort verbrennen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-058-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gefüllter Hecht nach dem klassischen spätmittelalterlichen Verfahren: Das Fischfleisch wird aus der intakten Haut gelöst, fein gehackt, mit Rosinen und Gewürzen vermischt und zurück in die Fischhaut gefüllt, sodass der Fisch äußerlich wieder ganz erscheint - ein Repräsentationsgericht, das die ursprüngliche Fischform als essbare "Verpackung" der Farce wiederverwendet.

Ein Name, wahrscheinlich eine Technik. mon-058 trägt exakt denselben Gerichtsnamen ("gefulten/gefüllten hechten") wie zwei ausführlichere Parallelrezepte im Korpus (Meister Hans, Buch von guter Speise), die die volle Technik beschreiben: Haut lösen ohne sie zu verletzen, Fleisch herausnehmen, hacken, würzen, zurück in die Haut füllen, bei Bedarf den Kopf wieder mit einem Faden anheften. Die Mondsee-Fassung bricht direkt nach dem Würzen ab - typisch für dieses Buch, das bekannte Verfahren oft nur anreißt. Eine nahe verwandte, aber andere Technik (Farce in eine Model pressen) findet sich in m384-048 ("Hechtbraten in der Model") - dort jedoch unter einem anderen Namen und mit ausdrücklicher Nennung der Model und ihres Zwecks (Umformung in eine andere Gestalt), beides fehlt in mon-058.

Praxis. Den Hecht an der Flosse ansetzen und bis zur Gräte einschneiden, dann Fleisch und Haut vorsichtig voneinander lösen, ohne die Haut zu verletzen oder die Schuppen zu beschädigen - sie bleibt die spätere Hülle. Das entgrätete Fleisch sehr fein hacken, Rosinen und Gewürzmischung untermischen. Die überlieferte Anweisung endet hier; nach dem Vorbild der ausführlicheren Parallelrezepte wird die Füllung anschließend zurück in die Fischhaut gegeben, der Fisch bei Bedarf mit einem Faden wieder verschlossen und auf dem Rost oder am Spieß gar gebraten. Der Fisch muss frisch und gut gekühlt verarbeitet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-058-orig" n="geprat" resp="#fyndling">Das Brät ist das fein zerkleinerte Fisch- oder Fleischfleisch, eine Art Farce.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-058-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weinbeeren sind hier Rosinen gemeint, getrocknete Weintrauben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-058-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Eine allgemeine Bezeichnung für Gewürze. Im Spätmittelalter waren dies oft Mischungen aus Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken und Muskat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-058-orig" n="gefulten hechten / dy hawt ab" resp="#fyndling">Der Hecht wird nach der klassischen "Gefüllter Hecht"-Technik zubereitet: Das Fleisch wird aus der Haut gelöst, wobei die Haut als Hülle intakt bleibt, fein gehackt, gewürzt und zurück in die Haut gefüllt, sodass der Fisch äußerlich wieder ganz erscheint - so wie es die ausführlicheren Parallelrezepte mit exakt demselben Gerichtsnamen zeigen: mha-194 ("Ain gefüllten hechten") und bgs-017 ("Gefuelte hechden"). Die Mondsee-Fassung bricht nach dem Würzen ab, bevor Zurückfüllen und Garschritt beschrieben werden - typisch für dieses Buch, das Standardverfahren oft nur anreißt (vgl. die häufigen "etc."-Enden). Dass Zurückfüllen hier nicht erwähnt wird, spricht eher für die Verkürzung eines bekannten Verfahrens als für ein anderes Gericht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-059-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Das sind Fischklößchen, gegart in einer säuerlichen Wein-Essig-Brühe - der unmittelbare Vorfahr der heutigen österreichischen Fischknödel und, weiter gedacht, der französischen quenelles de poisson. Rohe Fischmasse wird gehackt, mit Ei gebunden, gepresst, in Stücke geschnitten und direkt in der siedenden Suppe gegart. Damit unterscheidet sich das Verfahren deutlich von Rezepten, die den Fisch erst ganz kochen und danach zu einer Masse verarbeiten - hier bleibt alles roh, bis es in die Brühe kommt.

Was ist mit 'chodel' gemeint? Das Wort ist im Rezept ein Einzelfall - im ganzen Korpus taucht es nur hier auf, während andere Rezepte durchgängig 'knodel/knödel' mit -n- schreiben. Der ch-für-k-Wechsel ist im selben Satz belegt ('chlain' = klein), die Lesart 'Knödel/Klößchen' ist daher lautlich naheliegend, aber nicht durch einen zweiten Beleg abgesichert. Ein Rezept für Hammelknödel im Kochbuch des Meister Hans zeigt dasselbe Handlungsmuster - gehacktes Fleisch, mit Ei gebunden, geformt, in Suppe gesotten - nur eben mit Hammel statt Fisch. Das stützt die Knödel-Lesart, ohne sie zu beweisen.

Praxis. Für 2-4 Personen etwa 400-500 g festes, mageres Weißfischfilet (Hecht, Zander, Karpfen) sehr fein hacken oder im Mixer kurz pulsieren - nicht zu einer glatten Paste, etwas Struktur darf bleiben. Zwei Eier einarbeiten, die Masse gut durchkneten und pressen, bis sie zusammenhält. Aus der gepressten Masse mit den Händen oder zwei Löffeln kleine Klößchen formen. Für die Garflüssigkeit Wein und Essig im Verhältnis etwa 2:1 mit Wasser aufkochen, leicht salzen. Die Klößchen darin bei mäßiger Hitze etwa 8-10 Minuten sanft ziehen lassen, bis sie fest und durchgegart sind - nicht sprudelnd kochen, sonst zerfallen sie. Warm in der Brühe servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-059-orig" n="chodel" resp="#fyndling">Im Korpus ein Einzelfall - kein zweiter Beleg für diese Schreibweise, während andere Rezepte durchgängig 'knodel/knödel' mit -n- schreiben. Lautlich naheliegend als 'Knödel/Klößchen' zu deuten (ch-für-k-Wechsel, vgl. im selben Text 'chlain' = klein, 'czwain' = zwei). Ein Rezept für Hammelknödel im Kochbuch des Meister Hans zeigt dasselbe Verfahren - gehacktes Fleisch, mit Ei gebunden, geformt, in Suppe gesotten - mit Hammel statt Fisch; das stützt die Lesart, beweist sie aber nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-059-orig" n="chodel" resp="#fyndling">Als 'Fischknödel' oder 'Fischklößchen' übersetzt, da die Zubereitung (hacken, mit Eiern binden, pressen und schneiden) auf eine geformte Fischmasse hindeutet, die dann in Stücke geteilt wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-060-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Fasten-Ei-Imitat aus Mandelmasse: Was heute an die Grundtechnik der Marzipan-Herstellung erinnert (Mandeln stoßen, durch ein Tuch passieren, mit Bindemittel zu einer formbaren, dichten Masse verarbeiten), diente hier einem anderen Zweck - die Masse sollte wie ein hartgekochtes Eigelb aussehen und sich auch so anfühlen. In der Fastenzeit, wenn Eier verboten waren, wurde so der Anschein einer verbotenen Speise erzeugt.

Das Rezept ist kein Standalone-Rezept, sondern setzt ein voriges, im Mondseer Kochbuch nicht erhaltenes Grundrezept voraus ("wie ich es dich gelehrt habe"). Der Zwilling mha-009 ("Imitierte Eier aus Mandelmilch") zeigt, was gemeint ist: Aus einer eingedickten Mandelmilch wird eine safrangefärbte Portion ("Dotter") von einer ungefärbten Portion ("Weißes") getrennt. Genau diese schon fertige Dotter-Portion nimmt unser Rezept als Ausgangspunkt und verarbeitet sie weiter.

Praxis. Für die Ausgangsmasse fertige Mandelpaste verwenden oder blanchierte, geschälte Mandeln fein pürieren. Die Masse kurz überbrühen, dann im Mörser stoßen und durch ein Tuch ziehen - so dick wie möglich, damit möglichst wenig Flüssigkeit verloren geht (anders als bei der Mandelmilch-Herstellung, wo man die Flüssigkeit will). Mit hellen Gewürzen würzen und mit geriebener Semmel binden, bis die Masse fest und formbar ist. Zu eiförmigen Stücken formen und auf schwacher Glut nur warmhalten beziehungsweise die Oberfläche leicht anziehen lassen - die Masse ist durch das Überbrühen und Passieren bereits fertig, hier wird nicht mehr gegart, nur temperiert und serviert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-060-orig" n="hertte air von mandel" resp="#fyndling">Ein klassisches Imitationsgericht der Fastenzeit, um Eier zu ersetzen. Die ‚harten Mandeleier' wurden so zubereitet, dass sie in Form und Konsistenz an gekochte Eier erinnerten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-060-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Im Mittelalter wurde zur Bindung von Speisen häufig geriebenes Weißbrot oder Semmelmehl verwendet, nicht Weizenmehl im modernen Sinne.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-060-orig" n="auff ein chol" resp="#fyndling">Das Gericht wird nicht direkt gekocht, sondern auf glühenden Kohlen nur sanft erwärmt oder warmgehalten, um die Konsistenz zu festigen und die Aromen zu entfalten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-060-orig" n="die tatter von dem weyssen" resp="#fyndling">‚Die Dottermasse von der weißen Mandelzubereitung' - eine bereits vorbereitete, eidotterähnliche Mandelmasse, die von einer flüssigeren ‚weißen' Mandelbasis getrennt wurde. Das Rezept setzt eine Vorbereitung oder ein bekanntes Grundrezept voraus. Der Zwilling mha-009 (‚Imitierte Eier aus Mandelmilch') bestätigt das Verfahren konkret: Aus einer eingedickten Mandelmilch wird eine safrangefärbte Portion (‚Dotter') von einer ungefärbten Portion (‚Weißes') getrennt - genau diese Dotter-Portion verarbeitet unser Rezept weiter.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-061-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht, sondern eine reine Vorbehandlungstechnik für stark riechenden Fisch - hier Hausen (Stör). Als großer, bodennah lebender Süßwasserfisch entwickelt der Hausen, besonders in älteren, fettreichen Exemplaren, häufig einen ausgeprägten Schlamm- und Trangeruch im Fettgewebe - ein bei Bodenfischen bekanntes Problem, das die Vorbehandlung nötig machte. Ihr lebender Verwandter ist die heute übliche Praxis, Rochen, Hai oder Stör vor der Zubereitung in Milch, Zitronen- oder Essigwasser einzulegen, um den Ammoniak-/Trimethylamin-Geruch zu binden. Das Mondseer Rezept geht chemisch den umgekehrten Weg: statt einer Säure setzt es eine alkalische Aschelauge ein.

Wie stark diese Lauge den Geruch tatsächlich chemisch neutralisiert, ist fraglich, da Fischgeruchsstoffe selbst basisch sind - eine zusätzliche Lauge müsste sie eher verstärken als binden. Plausibler ist eine mechanisch-reinigende Wirkung: Die Lauge löst Fett-, Schleim- und Blutreste von Haut und Fleisch, die beim anschließenden gründlichen Waschen mit entfernt werden. Der Geruchseffekt käme dann vom Entfernen dieser Rückstände, nicht von einer echten chemischen Bindung der Geruchsmoleküle.

Praxis. Feine Holzasche (am Lagerfeuer reichlich vorhanden) durch ein Sieb geben, um Grobpartikel zu entfernen, dann in Wasser einrühren, bis eine dicke, milchig-trübe Lauge entsteht. Den Fisch darin kurz sieden lassen, danach herausnehmen und sehr sorgfältig unter fließendem Wasser abwaschen, damit keine Laugenreste zurückbleiben, die sonst bitter-seifig schmecken würden. Erst danach nach Belieben weiter zubereiten - das Rezept lässt die eigentliche Garmethode offen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-061-orig" n="hawssen" resp="#fyndling">Der Hausen (Huso huso) ist eine Störart, die im Mittelalter in großen Flüssen wie der Donau heimisch war und als Speisefisch sehr geschätzt wurde. Heute sind Störe in Europa streng geschützt; für den Verzehr kommt nur Zuchtstör in Frage.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-061-orig" n="aschen" resp="#fyndling">Holzasche, insbesondere von Hartholz, wurde im Mittelalter häufig zur Herstellung von Lauge verwendet. Diese alkalische Lösung diente als Reinigungsmittel, zum Bleichen oder wie hier zur Vorbehandlung stark riechender Lebensmittel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-061-orig" n="garen gall" resp="#fyndling">Wörtlich ‚dicke Galle‘. Im Korpus ist die Formulierung ein Hapax (nur hier belegt); im Kontext von Asche und Wasser ist eindeutig eine alkalische Lauge gemeint, die durch das Einweichen von Asche in Wasser entsteht - eine Tiergalle scheidet als Lesart aus, da sie nicht aus Asche und Wasser hergestellt würde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-061-orig" n="smecken / Smechent" resp="#fyndling">Im Frühneuhochdeutschen konnte ‚smecken‘ sowohl ‚schmecken‘ als auch ‚riechen‘ bedeuten, oft mit der Konnotation eines unangenehmen Geruchs oder Geschmacks.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-061-orig" n="wildw" resp="#fyndling">'willst du' - eine gängige Anredeformel in frühneuhochdeutschen Kochrezepten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-061-orig" n="smecken / Smechent" resp="#fyndling">'riechen / riecht unangenehm' - im Kontext der Geruchsneutralisierung des Fisches ist die Beseitigung eines unangenehmen Geruchs das primäre Ziel des Rezepts.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-062-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Illusions-/Schauspeise: Aus einem einzigen Aal werden zwei, die zusammen auf der Schüssel liegen - die abgezogene, wieder gefüllte und gebratene Haut auf der einen Seite, das gesottene Restfleisch auf der anderen. Der Trick lebt bis heute weiter in der Aal-Galantine, bei der Fisch enthäutet, gefüllt und in die eigene Haut zurückgeformt wird; im weiteren Sinn ist es ein Vorfahr moderner Täuschungsgerichte, die auf den ersten Blick etwas anderes zeigen als sie sind.

Das Häuten. Die Aalhaut lässt sich, sobald der Kopf gelöst ist, wie ein Strumpf vom Fleisch abziehen. Wichtig ist, sie dabei nicht einzureißen, denn sie wird gleich zur Hülle für die Illusion. Nach dem Häuten wird sie auf die rechte, also glatte Seite gewendet, damit außen die vertraute Aalhaut sichtbar bleibt.

Die Füllung. Eier bilden allein das Bindemittel - keine Mehlschwitze, das ist zeittypisch. Die Füllung wird kräftig gewürzt, in die Haut gegeben, der Kopf obenauf zurückgesteckt und die Öffnung zugenäht. So bleibt die Form beim Garen stabil und die Täuschung vollständig: von außen sieht die gefüllte Haut wie ein ganzer, unversehrter Aal aus.

Praxis. Das restliche Aalfleisch wird parallel in Wasser und Wein gesotten und ebenfalls gewürzt. Die gefüllte Haut brätst du auf einem hölzernen Rost über reiner Glut und beträufelst sie dabei mehrfach mit Butter, damit sie nicht austrocknet und schön bräunt. Zum Anrichten kommen beide Teile gemeinsam auf eine Schüssel - der servierte "doppelte Aal" aus nur einem Tier ist die eigentliche Pointe des Gerichts.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-062-orig" n="al czwenn" resp="#fyndling">„Aal zweierlei“ - der eigentliche Trick besteht darin, dass ein Aal wie zwei Aale aussieht und serviert wird: die gefüllte, gebratene Haut und das gesottene Restfleisch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-062-orig" n="stupp sew woll / stupp es wol ab" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Eine allgemeine Anweisung zum Würzen oder Bestäuben, hier im Kontext der Füllung und des gesottenen Aals. Typische Gewürze der Zeit wären Salz, Pfeffer, Ingwer oder Safran.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-062-orig" n="cher die hawt an das recht" resp="#fyndling">Die Anweisung, die abgezogene Aalhaut wieder auf die Außenseite zu kehren, also ‚rechts‘ herum zu wenden, bevor sie gefüllt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-062-orig" n="stoz das hawp in dy ful" resp="#fyndling">Der abgetrennte Aal-Kopf wird zurück in die Füllung der Haut gesteckt, damit die gefüllte Haut äußerlich wie ein vollständiger, unversehrter Aal wirkt - Grundlage der Illusion, dass aus einem Aal zwei werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-062-orig" n="rast" resp="#fyndling">Ein hölzerner Rost, der über der Glut platziert wird. Er verleiht dem Gargut ein besonderes Aroma und verhindert das Anbrennen. Siehe Der hölzerne Rost.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-062-orig" n="so mag der herrr etc." resp="#fyndling">Das abgebrochene „etc.“ setzt eine Pointenformel als bekannt voraus. Der Zwilling im Regensburger Hausbuch (Cgm 5919) schreibt sie aus: Der Herr solle nun wohl fragen, woher ihm der eine zusätzliche Aal komme - der Witz der Illusionsspeise.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-062-orig" n="czwenn" resp="#fyndling">‚zwei‘ - bezieht sich auf die zwei Zubereitungsarten des Aals.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-062-orig" n="czewch" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">‚zieh‘ - Imperativ des Verbs ‚ziehen‘, im Sinne von ‚abziehen‘ der Haut.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-062-orig" n="hawdt / hawt" resp="#fyndling">‚Haut‘ - die abgezogene Haut des Aals.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-062-orig" n="hawp" resp="#fyndling">‚Haupt‘ - der Kopf des Aals.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-062-orig" n="sewdt" resp="#fyndling">‚siede‘ - Imperativ des Verbs ‚sieden‘, also ‚kochen‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-062-orig" n="petreuff" resp="#fyndling">‚beträufe‘ - Imperativ des Verbs ‚beträufeln‘, im Sinne von ‚begießen‘ oder ‚bestreichen‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-062-orig" n="paidt" resp="#fyndling">‚beide‘ - bezieht sich auf die beiden zubereiteten Aal-Teile.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-063-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eingelegte grüne, noch unreife Walnüsse in einem Wein-Honig-Sud - der mittelalterliche Vorfahr der bis heute bayerisch-österreichischen Schwarzen Nüsse und, über denselben Erntezeitpunkt, auch des italienischen Nocino-Walnusslikörs. Ein eng verwandtes Verfahren findet sich fast Schritt für Schritt in zwei weiteren Quellen des Korpus: Nüsse werden mit einer Ahle durchstochen, tagelang gewässert, in einem Honig-Sud gegart und mit Gewürz gespickt.

Das Rezept nennt die Nussart nicht ausdrücklich, doch die Anweisung passt nur zu grünen, noch weichen Walnüssen: Nur bei ihnen lässt sich die Schale überhaupt mit dem Pfriem durchstechen, und nur die grüne Schale enthält die Bitter- und Gerbstoffe, die das achttägige Wässern herauszieht. Reife, verholzte Nüsse im Herbst wären für dieses Verfahren ungeeignet.

Der Zeitpunkt „acht Tage vor Sunnibenten“ meint die Sommersonnenwende (Ende Juni) bzw. den volkstümlich damit gekoppelten Johannistag (24. Juni) - genau die Jahreszeit, in der die Walnussschale noch nicht verholzt ist. Das Wort selbst ist im Korpus nur hier belegt, der Erntezeitpunkt deckt sich aber mit einem verwandten Rezept im Korpus (m384-011).

Schälen oder Sieden - ein Lesefall. An der Stelle „schol sy dan Im wein“ zeigt das Digitalisat einen auf den ersten Blick unklaren letzten Buchstaben in „schol“: eine sichtbare Überschreibung/Nachbesserung, die wie eine Streichung aussehen kann. Die TEI-Transkription löst das auf - CoReMA markiert genau diesen Buchstaben mit dem Korrektur-Code „TR.TF.CO.OW“ (Textform-Korrektur durch Überschreiben, in-place), einem anderen Code als die echten Streichungen im selben Rezept (z.B. das getilgte „stp“ vor „stupp“ zwei Zeilen weiter unten, dort korrekt mit dem Streichungs-Code „TR.DL.WR.ST“ markiert). Der Buchstabe ist also geschrieben-und-korrigiert, nicht getilgt - an der Lesung „schol“ selbst besteht kein Zweifel.

Die eigentliche Doppeldeutigkeit steckt nicht in der Schrift, sondern im Wort: Grimms Wörterbuch bucht „scholn“ auch als Verb für „schälen“ („opfel zu scholn“ = Äpfel schälen) - dieselbe Lautfolge könnte also „schäle sie dann im Wein“ bedeuten. Im Korpus selbst kommt „schol“ aber noch sechsmal vor (Mondseer Kochbuch mon-214, fünf Rezepte aus Cgm 5919) und ist dort jedes Mal eindeutig das Modalverb „sollen“ - „das schol man essen“ = „das soll man essen“, „schol man nuss milich ein machen“ = „soll man Nussmilch machen“. Diese 6:0-Konsistenz im eigenen Korpus, dazu die Küchenpraxis (grüne Walnüsse werden für Schwarze Nüsse/Nocino angestochen, nicht geschält), sprechen klar für „sollen“: „[man] soll sie dann im Wein nur einen winzigen Augenblick sieden“ - eine auseinandergezogene Modalverb-Konstruktion, kein Schälschritt. Die Nüsse bleiben also ganz, wie es für grüne Walnüsse in dieser Konservierungsart auch kulinarisch plausibel ist. Der kurze Wein-Sud gibt Aroma und fixiert die Textur, das anschließende Trocknen entzieht Wasser, damit die Nüsse im folgenden Honigbad nicht verdünnen. Das doppelte Sieden in Honig - erst ein Vorsud, dann ein frischer, „sauberer“ Honig nach dem Spicken - ist klassische Zuckerkonservierung mit steigender Süße-Konzentration. Ingwer und Zimtrinde beim Spicken sowie Honig mit Ingwerpulver beim Bestäuben sind reine Würz- und Oberflächenschritte.

Praxis. Grüne, noch weiche Walnüsse (ersatzweise unreife Haselnüsse) mit einem Schaschlikspieß mehrfach durchstechen, acht Tage in Wasser wässern (Wasser gelegentlich wechseln), dann kurz in Wein aufkochen (ganz lassen, nicht schälen), einen Tag antrocknen lassen. In Honig weich sieden, herausnehmen, mit Ingwerstücken und Zimtrinde spicken, in frischem Honig erneut sieden. Zum Schluss mit Honig und gemahlenem Ingwer bestäuben und mit dem Sud in ein Glas oder kleines Fass füllen. Kühl und dunkel lagern.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-063-orig" n="ymber" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ymber">Im Kontext des Spickens und Bestäubens ist hier sowohl ganzer Ingwer (zum Spicken) als auch gemahlener Ingwer (zum Bestäuben) gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-063-orig" n="stupp" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Mhd. 'stuben' oder 'stüpfen' bedeutet 'stauben' oder 'mit Staub/Pulver bedecken'. Hier ist das Bestäuben mit feinem Ingwerpulver gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-063-orig" n="dy nuss" resp="#fyndling">Gemeint sind vermutlich grüne, noch unreife Walnüsse mit weicher Schale, nicht reife Nüsse im Herbst - nur so lassen sich Durchstechen und das Auswässern von Bitterstoffen sinnvoll erklären. Ein eng verwandtes Rezept im Korpus (m384-011) benennt diese Nussart und den Erntezeitpunkt ausdrücklich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-063-orig" n="gmacht mueß" resp="#fyndling">CoReMA-GAMS glossiert diese Eröffnungsstelle rezeptspezifisch mit der Sachkategorie 'walnut', nicht mit der generischen Bedeutung 'Mus/Brei'. 'Mueß' fungiert hier also als allgemeiner Begriff für 'Zubereitung/Confekt', passend zum gesamten übrigen Rezept, das durchgehend ganze, angestochene Nüsse beschreibt - keine Mus-Konsistenz.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-063-orig" n="schol" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schol">Seh-Befund am Digitalisat: der Buchstabe 'l' am Ende von 'schol' zeigt eine sichtbare Überschreibung/Nachbesserung, die auf den ersten Blick wie eine Streichung wirkt. Transkript-Befund (TEI): CoReMA kodiert genau diesen Buchstaben mit ana='TR.TF.CO.OW' (Textform-Korrektur durch Überschreiben, IN-PLACE) - ein anderer Code als echte Streichungen im selben Rezept (ana='TR.DL.WR.ST', z.B. beim getilgten 'stp' vor 'stupp' zwei Zeilen weiter unten). Der Buchstabe gilt damit als geschrieben-und-korrigiert, nicht als getilgt; die Lesung 'schol' selbst steht nicht infrage. Bedeutungs-Befund: 'schol' ist trotzdem doppeldeutig, aber aus einem ganz anderen Grund - nicht der Schrift, sondern dem Wort selbst. Grimms Wörterbuch bucht 'scholn' als Verb für 'schälen' ('opfel zu scholn' = Äpfel schälen), dieselbe Lautfolge könnte also 'schälen' bedeuten. Im Korpus selbst kommt 'schol' aber noch sechsmal vor (mon-214, fünf Rezepte in Cgm 5919) und ist dort jedes Mal eindeutig das Modalverb 'sollen' ('das schol man essen' = 'das soll man essen'). Diese interne 6:0-Konsistenz plus die Küchenpraxis (grüne Walnüsse werden für Schwarze Nüsse/Nocino angestochen, nicht geschält) sprechen für 'sollen': '[man] soll sie dann im Wein sieden', keine Schäl-Anweisung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-063-orig" n="gmacht mueß" resp="#fyndling">'Eine Zubereitung/ein Confekt' - CoReMA-GAMS glossiert die Stelle mit der Sachkategorie 'walnut' statt mit der generischen Wortbedeutung 'Mus/Brei'. Passt zum gesamten übrigen Rezept, das durchgehend ganze, angestochene Nüsse beschreibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-063-orig" n="sunnibenten" resp="#fyndling">Die Sommersonnenwende (Ende Juni) bzw. der volkstümlich damit gekoppelte Johannistag (24. Juni) - der traditionelle Erntezeitpunkt für grüne, noch weiche Walnüsse, solange die Schale nicht verholzt ist. Ein verwandtes Rezept im Korpus (m384-011) datiert denselben Verarbeitungsschritt auf genau diese Jahreszeit; volkstümlich sind Sonnenwende und Johannistag als Zeitmarke ohnehin gekoppelt (vgl. Idiotikon-Beleg „vor St. Johannis Tag zur Sonnenwende“).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-063-orig" n="schol sy dan Im wein" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schol">'[Man] soll sie dann im Wein nur einen winzigen Augenblick sieden.' - 'schol' ist hier NICHT 'schälen', sondern das Modalverb 'sollen' (3. Pers., wie in 'schol' konsequent im übrigen Korpus, z.B. m5919-031 'das schol man essen' = 'das soll man essen', mon-214 'schol man nuss milich ein machen' = 'soll man Nussmilch machen'). 'schol ... sewd' bildet eine auseinandergezogene Modalverb-Konstruktion ('soll ... sieden'), 'dan' und 'Im wein' stehen dazwischen. Es gibt also GAR KEINEN Schäl-Schritt im Rezept - passt zur Praxis bei Schwarzen Nüssen/Nocino, wo grüne Nüsse angestochen, aber nicht geschält werden. Paläographische Gegenprobe: Die TEI markiert den letzten Buchstaben ('l') mit ana='TR.TF.CO.OW' (Korrektur/Überschreibung durch den Schreiber, IN-PLACE - kein Streichungscode 'TR.DL...'), die Lesung 'schol' ist also auch am Original keine Streichung, sondern ein vom Schreiber selbst korrigierter, gültiger Buchstabe.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-063-orig" n="einen winczigen" resp="#fyndling">Einen 'winzigen' Augenblick, also sehr kurz.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-063-orig" n="czimerrinten" resp="#fyndling">Ganze Zimtrindenstücke, die zum Spicken der Nüsse verwendet werden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-064-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine geformte, mehrfarbige Mandelmilch-Sülze, geliert mit Hausenblase (Fischgelatine aus der Stör-Schwimmblase), im ersten Teil dreifarbig (grün/weiß/gelb), im zweiten Teil zu einem vierfarbigen Schaugericht (weiß/gelb/schwarz/blau) mit vergoldeten und versilberten Gewürznelken, Mandelkernen und einem goldenen Stern erweitert. Vier Handschriften überliefern denselben Grün-Weiß-Gelb-Grundteil fast wortgleich (Königsberger Kochbuch, Cgm 5919 zweimal, Meister Hans) - mon-064 ist die aufwendigste Ausbaustufe dieses verbreiteten Schaugerichts.

Die Kreuz-Trennwand. Das "Kreuz" ist keine Zutat, sondern eine dünne Trennwand, die man in die Schüssel einsetzt, bevor man die verschiedenfarbigen Sülzen eingießt - ein rein mechanisches Hilfsmittel, damit die Farben beim Eingießen nicht ineinanderlaufen, vergleichbar mit einem Tortenring mit Fächern. Erst nach dem Erkalten und Fest-Werden der Sülze wird die Trennwand wieder entfernt.

Schwarz und Blau bleiben unerklärt. Der Grundteil des Rezepts erklärt nur, wie Grün (Petersilie), Weiß (natürliche Mandelmilch) und Gelb entstehen. Für die im zweiten Teil verwendeten Farben Schwarz und Blau nennt der Text weder Zutat noch Verfahren - er setzt sie offenbar als dem Koch bereits bekannte Standardfarben voraus. Das ist eine Lücke im Originaltext selbst, keine Auslassung der Übersetzung. Wer nachkochen will, kann sich an anderen mittelalterlichen Rezepten mit vergleichbaren Mehrfarb-Sülzen orientieren, etwa an schwarzer Färbung über eine dunkle, mit Nelken und Pfeffer gewürzte Grundlage oder blauer Färbung über period-treue Pflanzenfarbstoffe.

Praxis. Hausenblase in Wasser einweichen, dann sieden, bis sie sich auflöst. Dicke Mandelmilch herstellen und dritteln: Ein Drittel mit sehr fein gehackter Petersilie mischen und zuckern (ergibt Grün). Die restlichen zwei Drittel in einer Pfanne mit Zucker abschmecken und weiterköcheln; davon die Hälfte als Weiß, die andere Hälfte gelb eingefärbt (etwa mit Safran) in flache Formen oder ein Reindl gießen. Alle drei Farben mit der aufgelösten Hausenblase binden. Für die Schaupräsentation: eine Kreuz-Trennwand in eine Schüssel einsetzen, die vier Felder mit weiß/gelb/schwarz/blau befüllen, kalt stellen, bis die Sülze fest ist, Trennwand entfernen. Vor dem Anrichten mit vergoldeten und versilberten Gewürznelken, Mandelkernen und einem goldenen Stern in der Mitte bestecken - reine Zierde ohne kulinarische Funktion, aber das eigentliche Statement dieses Gerichts.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-064-orig" n="hausen platteren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">Hier ist die Hausenblase gemeint, ein traditionelles Geliermittel, das aus der Schwimmblase des Störs gewonnen wird. Sie wurde in getrockneten ‚Blättern' oder ‚Platten' gehandelt und zum Klären und Gelieren von Flüssigkeiten verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-064-orig" n="diche mandel milich" resp="#fyndling">‚Dicke Mandelmilch' bezeichnet eine konzentrierte Mandelmilch, die durch einen höheren Mandelanteil oder leichtes Einkochen eine cremigere Konsistenz erhält. Sie ist die Basis für viele weiße Speisen der mittelalterlichen Küche.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-064-orig" n="phandel" resp="#fyndling">Ein ‚Phandel' ist ein kleines, flaches Pfännchen oder eine Form, oft aus Metall, das zum Garen oder zum Anrichten von Speisen verwendet wurde. Vergleichbar mit einem modernen Reindl.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-064-orig" n="chrewcz" resp="#fyndling">Ein ‚Kreuz' dient hier als Trennwand in der Form, um die verschiedenen Farbschichten der Sülze sauber voneinander abzugrenzen und ein Muster zu erzeugen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-064-orig" n="gruen (2. Vorkommen)" resp="#fyndling">Im Satz „damit die Sülze zur anderen nicht gruen mug“ meint ‚gruen' hier vermutlich nicht die Farbe Grün, sondern eine Schreibvariante von ‚rinnen/runnen' im Sinn von ‚ineinanderlaufen, sich vermischen' - anders als drei Sätze zuvor, wo ‚gruen' tatsächlich die Farbe bezeichnet. Ein klassischer Homograph innerhalb desselben Rezepts.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-064-orig" n="varichen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#varichen">Forellen - bairisch-österreichisch "Forchen", hier mit dem in diesem Kochbuch durchgehenden v/f-Wechsel als "varichen" geschrieben (vgl. mon-040, wo "forchen" im selben Buch explizit als Forelle glossiert ist). Forellen geben beim Sieden viel rötlich-graue Hautfarbe und Schleim ab, was die Klarheit der farbigen Sülze stören würde - daher die Sonderanweisung, ihre Farbe zusätzlich mit Hausenblase zu klären.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-064-orig" n="versilbete nagel / vergollte nagel" resp="#fyndling">‚Versilberte' oder ‚vergoldete Nägel' sind Gewürznelken, die mit essbarem Silber- oder Blattgold überzogen wurden. Dies war eine luxuriöse Garnitur, die den hohen Status des Gerichts und des Gastgebers unterstrich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-064-orig" n="gesulcz" resp="#fyndling">‚Sülze'/‚gesülzt' als Bezeichnung für gelierte Speisen, nicht spezifisch auf Fleisch- oder Fisch-Aspik beschränkt - auch als Grundlage für Mandelmilch-Süßspeisen belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-064-orig" n="manichlichen / gemanichlich" resp="#fyndling">Verweist auf eine dem Koch bereits bekannte Standard-Zubereitung - ein Hinweis darauf, dass mon-064 eine Erweiterungsnotiz zu einem verbreiteten Grundrezept ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-064-orig" n="hausen platteren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">‚Hausenblase', das Geliermittel aus dem Stör. ‚Platteren' bezieht sich auf die getrockneten Blätter oder Platten der Schwimmblase.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-064-orig" n="czuckers" resp="#fyndling">‚zuckern' (als Verb, also ‚süße es ab').</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-064-orig" n="phandel" resp="#fyndling">‚Reindl' oder eine flache Form. Ein ‚Reindl' ist ein kleines, flaches Pfännchen oder eine Schüssel, typisch für die österreichische Küche.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-064-orig" n="gruen (2. Vorkommen, 'nit gruen mug')" resp="#fyndling">Schreibvariante von ‚rinnen/runnen' im Sinn von ‚überlaufen, ineinanderlaufen' - nicht die Farbe Grün.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-064-orig" n="manichlichen / gemanichlich" resp="#fyndling">‚manigfach' oder ‚vielfältig'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-064-orig" n="variben" resp="#fyndling">‚Farben'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-064-orig" n="varichen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#varichen">Forellen (bairisch-österreichisch "Forchen"), hier mit dem im Buch durchgehenden v/f-Wechsel geschrieben. Der Satz verlangt grammatisch einen Fischnamen als Ausnahme von "allerlei Fisch"; die Deutung wird durch mon-040 gestützt, wo "forchen" im selben Kochbuch explizit als Forelle glossiert ist. Forellen geben beim Sieden viel rötlich-graue Hautfärbung und Schleim ab, was die Klarheit der farbigen Sülze stören würde.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-064-orig" n="hawssen pletter" resp="#fyndling">‚Hausenblase'. ‚Pletter' ist eine Variante von ‚Blätter' und bezieht sich auf die Form der getrockneten Hausenblase.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-064-orig" n="mandel cheren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#cheren">‚Mandelkerne'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-064-orig" n="vergolt mandel cheren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#cheren">‚vergoldete Mandelkerne'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-064-orig" n="guldenen Steren" resp="#fyndling">‚goldener Stern'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-064-orig" n="pesteß" resp="#fyndling">‚besteckst' (verzierst, bestückst) - gestützt durch Korpus-Parallelen (mon-038, mon-049 'bestecken' zum Garnieren).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-064-orig" n="gelb (Farbe)" resp="#fyndling">Die gelbe Farbe wird im Rezept nicht explizit durch eine Zutat erzeugt. Historisch wurde Gelb in der Küche meist mit Safran erzielt. Daher wird Safran als optionale Zutat für die gelbe Farbe angenommen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-065-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein eigentliches Gericht, sondern ein Küchen-Rettungstrick: Ein versalzener Topf wird mit einem Tuch abgedeckt, obenauf kommt eine Handvoll Salz, die dem Gericht angeblich sein überschüssiges Salz wieder entzieht. Der lebende Verwandte dieses Verfahrens ist die bis heute kolportierte Küchenweisheit, eine rohe Kartoffel oder eine Handvoll Salz ziehe das Salz aus einer zu stark gesalzenen Suppe - hier noch ohne Kartoffel (die erst nach 1500 nach Europa kommt), dafür mit Salz als Zugmittel. Es gehört damit eher in die Familie der Notfall-Hausmittel als in eine Rezept-Traditionslinie.

Der im Text behauptete Mechanismus - oberes Salz zieht unteres Salz aus der Brühe - lässt sich kochtechnisch nicht bestätigen. Gelöstes Salz wandert nicht durch ein trockenes Tuch hindurch in eine Salzschicht hinein; ein Konzentrationsgefälle allein bewegt hier nichts. Plausibler ist, dass der aufsteigende Dampf das Tuch anfeuchtet, das aufliegende Salz anlöst und als zusätzliche Salzlösung zurücktropft - im ungünstigen Fall wird das Essen dadurch salziger statt milder. Das Original behauptet den Effekt, erklärt aber keinen Mechanismus dafür; es handelt sich um eine zeitgenössische Küchenüberzeugung nach dem Prinzip "Salz zieht Salz", nicht um ein belegtes Verfahren.

Die einzige technisch tragfähige Anweisung im Text ist die Warnung, dass die Brühe das Tuch nicht erreichen darf: Schwappt sie doch hinauf, trägt sie zusätzliches Salz ein statt welches abzugeben - das Gegenteil des gewünschten Effekts.

Praxis. Den Topf mit dem versalzenen Essen auf kleiner, indirekter Flamme sanft köcheln lassen. Ein sauberes Tuch straff über die Topföffnung spannen und festbinden, sodass es nicht in die Brühe einsinkt. Eine Handvoll Salz mittig auf das Tuch geben. Den Siedegrad so niedrig halten, dass die Brühe deutlich unter dem Tuch bleibt. Ob sich der Salzgehalt dadurch tatsächlich mindert, darf man mit Neugier statt Erwartung testen - als Rettungsversuch schadet die Methode zumindest nicht, sofern die Brühe wirklich unten bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-065-orig" n="versalczen" resp="#fyndling">Das Verb 'versalzen' beschreibt den Zustand des Essens, das zu viel Salz enthält.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-065-orig" n="heffen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#heffen">Ein 'Heffen' (mhd. hefen, heffen) ist ein Kochgefäß, ein Topf oder Kessel, der über dem Feuer verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-065-orig" n="chost" resp="#fyndling">'Chost' (mhd. kost) bezeichnet hier das zubereitete Gericht oder Essen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-065-orig" n="czw / czwe" resp="#fyndling">Orthographische Varianten von mhd./bairisch 'zuo' = 'zu' (im Korpus vielfach belegt). Im Rezept zweimal verwendet: 'czw dem fewr' (zu dem Feuer) und 'teck ... czwe' (decke ... zu) - beide Male als Präposition/Partikel 'zu', nicht als eigenständiges Zahlwort oder Verbal-Präfix.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-065-orig" n="gawffen" resp="#fyndling">Eine 'Gawffen' (bairisch 'Gaufen') ist eine alte Maßeinheit, die einer Handvoll entspricht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-065-orig" n="czewcht" resp="#fyndling">Das Verb 'ziehen' (mhd. ziehen) beschreibt den im Text behaupteten Vorgang, bei dem das Salz auf dem Tuch das überschüssige Salz aus dem Gericht ziehen soll - eine zeitgenössische Küchenüberzeugung, kein nachweislich funktionierender Mechanismus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-065-orig" n="guet vnd gerecht" resp="#fyndling">Die Formulierung bedeutet, dass das Gericht wieder 'gut und richtig' im Geschmack ist, also erfolgreich entsalzen wurde.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-065-orig" n="czw dem fewr / teck ... czwe" resp="#fyndling">'zu dem Feuer' / 'decke ... zu' - 'czw' und 'czwe' sind dieselbe orthographische Variante von mhd./bairisch 'zuo' (= 'zu'), einmal als Präposition vor 'fewr', einmal als Verbpartikel zu 'teck' (zudecken). Danach beginnt mit 'pindt es gar woll' ein neuer Hauptsatz ('binde es sehr gut').</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-065-orig" n="czewcht" resp="#fyndling">'zieht heraus' - Das Verb 'ziehen' (mhd. ziehen) beschreibt hier den im Text behaupteten Vorgang, bei dem das Salz auf dem Tuch das überschüssige Salz aus dem Gericht herausziehen soll.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-066-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht, sondern eine Rettungstechnik für angebranntes oder verdorbenes Bratgut - der mittelalterliche Vorfahre des Kochkniffs, schlechte Aromen mit Rauch und Röstaromen zu überdecken. Ein direktes Nachfolge-Rezept gibt es nicht, doch das Grundprinzip lebt in Räucherverfahren und im Grillen weiter, wenn angegangenes Fleisch durch starkes Anrauchen geschmacklich gerettet wird.

Praxis. Ein Roggenfladen (oder ein Stück Roggenbrot) wird ins Feuer gelegt und stark verkohlt, bis er durchgehend schwarz ist. Aus der Glut wird dann ein Nest herausgezogen - eine kontrollierte, indirekte Hitzequelle ohne offene Flamme. Das zu rettende Bratgut kommt zuerst auf diese Glut, die verdorbene Speise wird obenauf gesetzt. Beide Schichten ziehen so gemeinsam Hitze und Rauch. Der Text nennt das "sieden", obwohl weder Gefäß noch Flüssigkeit im Spiel sind - gemeint ist ein kurzes Durchziehen in der Resthitze, kein Kochen im eigentlichen Sinn. Nach etwa 20 Minuten ist die Speise heiß und angeraucht; der schlechte Geruch ist überdeckt, nicht beseitigt. Diese Technik ist keine Konservierung und macht wirklich verdorbenes Essen nicht sicher - sie eignet sich nur, wenn die Speise noch genießbar, aber bereits leicht angegangen war.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-066-orig" n="chost" resp="#fyndling">‚Kost‘ oder ‚Speise‘, hier das zu rettende Gericht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-066-orig" n="stinckundt" resp="#fyndling">‚Stinkend‘ oder ‚verdorben‘. Ein Hinweis auf den Zustand der Speise, die gerettet werden soll.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-066-orig" n="wider pringen" resp="#fyndling">‚Wieder bringen‘ oder ‚wiederherstellen‘. Gemeint ist, die Speise wieder genießbar zu machen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-066-orig" n="rockens talir" resp="#fyndling">Ein flacher Kuchen oder Fladen aus Roggenmehl, ähnlich einem dicken Pfannkuchen oder Brotlaib. ‚Taler‘ bezieht sich auf die runde Form.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-066-orig" n="ab prennen als czw einem pheffer" resp="#fyndling">‚Abbrennen wie zu einem Pfeffer‘. Dies bedeutet, den Roggenfladen stark zu verkohlen. ‚Pfeffer‘ (mhd. pheffer) war im Mittelalter oft der Name für dunkle, stark gewürzte Saucen, die durch geröstetes oder verkohltes Brot ihre Farbe und ein rauchiges Aroma erhielten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-066-orig" n="czewch ein gluedt her auß" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">‚Zieh eine Glut heraus‘. Die Anweisung, glühende Kohlen aus dem Feuer zu holen, um darauf zu arbeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-066-orig" n="prat" resp="#fyndling">‚Bratgut‘ oder ‚Gebratenes‘. Hier bezieht es sich auf die verdorbene Speise, die wahrscheinlich ein gebratenes Fleischgericht ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-066-orig" n="sieden" resp="#fyndling">Im Kontext dieses Rezepts bedeutet ‚sieden‘ eher ‚erhitzen‘ oder ‚garen‘, nicht unbedingt in Flüssigkeit, sondern durch die Hitze und den Rauch der Glut.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-067-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist eine stehende Pastete (englisch coffin pie) - der Vorfahr der englischen pork pie und Verwandter von Pâté en croûte und Terrine: eine Farce aus magerem Rindfleisch, Talg und Geflügel, komplett von einem eigenständig tragenden Teigmantel umschlossen, der zugleich als Backform dient.

Das Verhältnis von einem Drittel Unschlitt zu zwei Teilen Fleisch ist keine beliebige Zutatenwahl, sondern technisch notwendig: mageres Rindfleisch würde in der langen, trockenen Ofenhitze sonst austrocknen. Der Talg hält die Füllung während der Backzeit saftig.

Die Formulierung „gib dazu Vögel und Tauben oder Hühner“ liest sich am ehesten als Auswahl unter mehreren Geflügelarten, nicht als Pflicht, alle drei gleichzeitig zu verwenden - je nachdem, was verfügbar war.

„Bestäube es gut“ (stupp es woll ab) bleibt in seiner genauen Funktion offen: gemeint sein können feine Gewürze zum Würzen oder auch Mehl/Semmelbrösel zur Bindung der Füllung - beide Lesarten sind in Pastetenrezepten dieser Zeit gebräuchlich.

Der „Hafen“ (haffen) ist hier kein Kochtopf, sondern der aus Roggenmehl geformte Teigmantel selbst, der die Funktion eines Gefäßes übernimmt. Die Technik dahinter ist der Heißwasser-Mürbeteig: Roggenmehl wird mit heißem Wasser und Fett angebrüht, lässt sich warm von Hand zu einer freistehenden Form bringen und kühlt zu einer selbsttragenden, festen Kruste aus - ganz ohne Backform. Der Deckel (pletter) mit eingestochenem Loch ist ebenfalls kein Zierrat: das Loch dient als Dampfabzug, ohne den die geschlossene Kruste beim Backen platzen oder durchfeuchten würde.

Die Fischvariante tauscht Talg gegen Butter und schneidet den Fisch in größere Stücke, da dieser beim Garen leichter zerfällt als Rindfleisch - größere Stücke halten die Struktur besser. Warum hier nicht gesalzen werden soll, sagt der Text nicht; naheliegend ist entweder bereits gesalzener oder gepökelter Fisch, oder schlicht die Vorsicht vor zu kräftigem Salzgeschmack.

Praxis. Für die Kruste Roggenmehl mit wirklich heißem Wasser und etwas Fett zu einem festen, aber noch warm formbaren Teig verarbeiten (Vorsicht vor Verbrühung, das Zeitfenster zum Formen ist kurz) und zu einer stehenden Hülle mit Boden und Seitenwand aufbauen. Die Füllung einfüllen, Deckel aufsetzen, Dampfloch einstechen und im vorgeheizten Ofen gut durchbacken. Für die Lagerküche braucht es zwingend einen Ofen oder einen Dutch Oven mit Oberhitze - am offenen Feuer lässt sich die freistehende Kruste nicht zuverlässig backen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-067-orig" n="pastellen" resp="#fyndling">Eine stehende Pastete mit einem stabilen, selbsttragenden Teigmantel - kein streichfähiger Aufstrich, sondern ein eigenständiges, essbares Backgefäß.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-067-orig" n="vnsslitt" resp="#fyndling">Rinderfett, auch Talg genannt. Das Verhältnis von einem Drittel Talg zu zwei Teilen Fleisch ist technisch notwendig, damit die Füllung beim langen Backen nicht austrocknet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-067-orig" n="stupp es woll ab" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">‚Bepudere es gut'. Im Kontext einer Pastetenfüllung wahrscheinlich mit feinen Gewürzen oder Mehl/Semmelbröseln zum Binden oder Würzen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-067-orig" n="haffen auß rucken mell wol In einem haissen wasser ab" resp="#fyndling">‚Forme die Pastetenformen aus Roggenmehlteig, der mit heißem Wasser zubereitet wurde'. Dies ist die Technik für Heißwasser-Mürbeteig, der eine stabile, stehende Pastetenkruste ergibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-067-orig" n="haffen" resp="#fyndling">Wörtlich ‚Hafen' im Sinne von Gefäß oder Topf. Hier ist nicht ein Kochtopf gemeint, sondern der aus Teig geformte Pastetenkorpus selbst, der die Funktion eines Gefäßes übernimmt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-067-orig" n="pletter" resp="#fyndling">‚Blätter', hier der Deckel der Pastete.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-067-orig" n="schewß es dann in den offen" resp="#fyndling">‚Schiebe es dann in den Ofen'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-067-orig" n="vaissten" resp="#fyndling">‚Fetten', hier im Sinne von Fett allgemein oder fettem Fleisch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-067-orig" n="stupp es woll ab" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">‚Bestäube es gut (mit Gewürzen)'. Dies ist die wahrscheinlichste Lesart, da Gewürze häufig zum Würzen von Fleischfüllungen verwendet wurden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-068-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dieses Hasenmus ist ein früher Vorfahre des bis heute bekannten Hasenpfeffers: Hase in großen Stücken im eigenen Saft angeschmort, mit Wein und Brühe aufgegossen, das ausgelöste und klein gehackte Fleisch in der gewürzten Brühe weitergegart und mit geriebenem Brot gebunden. Diese Grundstruktur - Vorkochen, Entbeinen, Zerkleinern, Rückführung in den gewürzten Sud, Bindung durch Brot statt Mehlschwitze - ist bis in die heutige Hasenpfeffer-Tradition hinein stabil; nur die spätere Säurekomponente (Essig, Blut) fehlt hier noch.

Praxis. Den Hasen in zwei große Stücke teilen und im eigenen Bratensaft anschwitzen, bevor Wein und Fleischbrühe aufgegossen werden - dieses Anschwitzen konzentriert die Röstaromen, bevor sie mit Flüssigkeit gestreckt werden. Zwei große statt viele kleine Stücke sind sinnvoll, weil sich das gegarte Fleisch dann in wenigen Handgriffen vom Knochen löst, statt viele Einzelknochen einzeln auslösen zu müssen. Nach dem Garen das Fleisch herausnehmen, entbeinen, fein hacken und zurück in die Brühe geben, erst jetzt würzen - so bleiben die teuren Importgewürze aromatisch, statt beim langen Mitkochen an Kraft zu verlieren. Wird das Mus zu dünn, dickt man es mit etwas geriebenem Brot an; diese Bindetechnik funktioniert zuverlässig und kommt ohne die spätere Mehlschwitze aus.

Der Schlusssatz ‚so kannst du es auch von Weinbeeren machen‘ meint keine Zugabe zum Hasenmus, sondern eine eigenständige zweite Zubereitung: ein Mus aus Weinbeeren (vermutlich Rosinen) an Stelle des Hasenfleischs, nach demselben Grundverfahren - kochen, zerkleinern, würzen, bei Bedarf mit Brot binden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-068-orig" n="swaiß" resp="#fyndling">Hier im Sinne von ‚Saft‘ oder ‚Flüssigkeit‘, die beim Kochen aus dem Fleisch austritt. Es beschreibt das Garen im eigenen Fleischsaft.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-068-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚Gewürz‘. Im Mittelalter war dies eine Mischung aus teuren Importgewürzen wie Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat und Galgant. Die genaue Zusammensetzung variierte je nach Verfügbarkeit und Reichtum des Haushalts.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-068-orig" n="czewch es auff ein anricht" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">‚Zieh es auf eine Anrichte‘ - hier im Sinne von ‚nimm es aus dem Topf und lege es auf eine Arbeitsfläche‘, da das Fleisch danach noch weiterverarbeitet wird (Knochen lösen, hacken).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-068-orig" n="weinpern" resp="#fyndling">‚Rosinen‘ - im Kontext eines Mus, das angedickt wird, sind getrocknete Weinbeeren (Rosinen) wahrscheinlicher, da sie Süße und eine gewisse Bindung beitragen, ohne zu viel Flüssigkeit hinzuzufügen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-069-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gesottenes Rebhuhn mit einer geseihten Senf-Honig-Ingwer-Sauce ist ein später Vorfahre der heute bekannten Honig-Senf-Sauce zu Geflügel und Wild. Die Grundformel - süß durch Honig, scharf durch Senf und Ingwer, glatt durch Seihen - findet sich fast wortgleich im tschechischen Rezeptbuch (sev-033, „Vögel mit Senf"): dort werden Vögel ebenfalls gekocht und mit einer durchgeseihten Senf-Honig-Sauce übergossen. Im Mondseer Kochbuch selbst taucht dieselbe Sauce noch einmal auf (mon-048), dort zu Erbsen statt zu Geflügel - ein Hinweis, dass Senf-Honig-Sauce als eigenständiger, wiederverwendbarer Baustein gedacht wurde.

Die Sauce bleibt an einer Stelle offen. Der Text nennt kein Lösungsmittel für die Senf-Honig-Mischung, bevor sie geseiht wird - Senf und Honig allein ergeben eine dickflüssige Paste, die sich kaum durch ein Sieb oder Tuch drücken lässt. Der Zwilling sev-033 löst dieselbe Sauce ausdrücklich mit Essig auf. Naheliegend ist, mit etwas Essig, Wein oder auch mit der eigenen Kochbrühe der Rebhühner zu verdünnen, bis die Mischung fließfähig wird - der Text selbst legt sich darauf nicht fest, und das sollte man beim Nachkochen offen angehen, statt es als vollständig beschriebenes Verfahren zu behandeln.

Praxis. Die Rebhühner in reichlich Wasser oder Brühe im Topf gar sieden, bis sie mürbe sind, dann herausnehmen (die Brühe selbst wird laut Text nicht weiterverwendet). Für die Sauce Senf mit Honig im Mörser oder in einer Schüssel glattreiben, mit etwas Essig oder Wein verdünnen und durch ein feines Sieb oder Tuch streichen, damit Senfkornhüllen und Fasern herausbleiben. Zerstoßenen Ingwer einrühren - die Sauce bleibt kalt, sie wird nicht mehr erhitzt. Die gesottenen Rebhühner vor dem Servieren an der Brust aufschneiden oder ganz in Glieder zerteilen, dann mit der Sauce übergießen. Reicht für 2-4 Personen und ist mit Topf, Mörser und Sieb komplett lagerküchentauglich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-069-orig" n="repphunern" resp="#fyndling">Rebhühner waren im Mittelalter beliebtes Jagdwild, das sowohl in bürgerlich-klösterlichen als auch in höfischen Küchen verarbeitet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-069-orig" n="sewd sy woll" resp="#fyndling">‚Wohl sieden' bedeutet, sie gar zu kochen, aber nicht zu zerfallen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-069-orig" n="gestossen ymber" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ymber">Frischer Ingwer wurde im Mörser zerstoßen; heute verwendet man meist gemahlenen Ingwer.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-069-orig" n="repphunern" resp="#fyndling">Rebhühner. Die Schreibweise ‚repphunern' ist eine bairisch-österreichische Variante von Rebhühnern.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-069-orig" n="ains" resp="#fyndling">Etwas / eine Sauce. Die Formulierung ‚thue ains' leitet hier die Zubereitung der Sauce ein, ohne eine spezifische Zutat zu nennen, die hinzugefügt werden soll.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-069-orig" n="reibb" resp="#fyndling">Reibe. Eine bairisch-österreichische Schreibweise für das Verb ‚reiben'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-069-orig" n="rain" resp="#fyndling">Rein. Hier im Sinne von ‚sauber' oder ‚geklärt', bezogen auf das Seihen der Sauce.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-069-orig" n="czw sneydt dy an der prust oder czw glider sy" resp="#fyndling">Zerschneide sie an der Brust oder in Glieder. ‚Czw' ist eine bairisch-österreichische Form von ‚zu', hier im Sinne von ‚in' oder ‚zu'.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-070-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzes Wildgeflügel - hier der Brachvogel - wird gesäubert, mit in Wein oder Essig erweichten Wacholderbeeren und Gewürzen gefüllt und am Spieß gebraten. Das ist die unmittelbare Vorstufe eines bis heute geläufigen Pairings: Wacholderbeere als klassisches Gewürz zu Wildgeflügel und Wildbraten, wie man es von Ente, Gans oder Fasan mit Wacholder kennt. Der nahezu wortgleiche Zwilling im Korpus, m5919-009 aus dem Münchner Cgm 5919, überliefert dasselbe Rezept mit der Beerenform 'kranbipir' - derselbe Wortstamm wie 'chraniperen' in diesem Text.

Warum werden die Beeren eingeweicht? Getrocknete oder halbtrockene Wacholderbeeren sind roh eher hart und geben ihr Aroma kaum ab. Das Einweichen in Wein oder Essig macht sie weich und lässt sie zugleich das Aroma des Suds aufnehmen, bevor sie gewürzt in die Bauchhöhle gestopft werden. So würzt die Füllung den Vogel während des Bratens von innen.

Praxis. Den Vogel (ersatzweise Ente, Gans oder ein großes Huhn) innen und außen säubern. Eine Handvoll Wacholderbeeren in Rotwein oder Essig etwa eine Stunde einweichen, bis sie weich sind, dann mit Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken vermengen und in die Bauchhöhle füllen. Am Spieß über kontrolliertem Feuer gleichmäßig drehend braten, bis das Fleisch gar ist. Die Wacholder-Würze zieht dabei von innen ins Fleisch - ein Effekt, der sich mit der klassischen Wacholdersauce zu Wildgeflügel bis heute deckt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-070-orig" n="prach vogel" resp="#fyndling">Der Große Brachvogel ist eine in Deutschland und der EU streng geschützte Vogelart. Für die moderne Küche sollte auf Zuchtgeflügel wie Ente oder Gans zurückgegriffen werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-070-orig" n="mach den schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Bedeutet ‚säubern‘ oder ‚vorbereiten‘, nicht ‚schön machen‘ im ästhetischen Sinne.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-070-orig" n="chraniperen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#chraniperen">Wacholderbeere (Kranewitt/Kranbeer), nicht Preiselbeere und nicht Cranberry - ein bairischer falscher Freund. Der nahezu wortgleiche Zwilling m5919-009 (Münchner Cgm 5919, um 1500) überliefert dasselbe Rezept mit der Form 'kranbipir' = Wacholderbeere.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-070-orig" n="gewß dar auff ein wein oder esseich also das der waichen" resp="#fyndling">Die Beeren werden in Wein oder Essig eingeweicht, um sie weicher zu machen und ihnen zusätzlichen Geschmack zu verleihen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-070-orig" n="stoz sy dan In den vogell" resp="#fyndling">Die Beeren werden in den Vogel gestopft, also als Füllung verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-070-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Eine allgemeine Bezeichnung für Gewürze. Im Mittelalter waren dies oft Mischungen aus Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-070-orig" n="pratt sy dan an dem spiß" resp="#fyndling">Das Braten am Spieß war eine gängige Zubereitungsart für Geflügel und Wild.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-071-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein technisch denkbar knappes Kurzbratgericht: Wachteln vierteln, im Schmalz im Topf scharf anbraten, mit einem Schuss Wein oder Essig ablöschen und mit Safran würzen. Das ist im Kern das Ur-Prinzip des Sautierens/Schmorens mit Ablöschflüssigkeit - der direkte Vorfahr dessen, was heute als Wachtel in Weißwein-Safran-Fond serviert würde. Ein bürgerlich-praktisches Gegenstück zu den aufwendigen Wachtel-Pasteten der höfischen Küche.

chopff = Topf, nicht Kopf. Wie im benachbarten Rezept mon-072 belegt, meint die bairische Lautform "chopff" das Kochgefäß, nicht den Kopf des Tieres.

Praxis. Wachteln vierteln, im Schmalz im Topf über offenem Feuer gut anbraten. Mit einem Schuss Wein oder Essig ablöschen und den Bratensatz lösen. Safran erst gegen Ende zugeben, damit Farbe und Aroma nicht verkochen - kurz ziehen lassen, fertig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-071-orig" n="wachtel" resp="#fyndling">Wachteln waren im Mittelalter eine beliebte Jagdbeute und Delikatesse, die oft gebraten oder in Pasteten zubereitet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-071-orig" n="smalcz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz, aber auch Gänse- oder Hühnerschmalz, war ein gängiges Bratfett im Mittelalter.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-071-orig" n="saffran" resp="#fyndling">Safran war ein sehr teures Gewürz und Statussymbol. Es wurde nicht nur wegen seines Geschmacks, sondern auch wegen seiner intensiven goldgelben Farbe verwendet, die Gerichten ein luxuriöses Aussehen verlieh.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-072-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Rezept, sondern eine Würz-Systematik für Wildbret - eine Art Merkregel, wie sie Köche für die Lagerküche brauchten. Der nahezu wortgleiche Paralleltext im Kochbuch des Meister Hans (mha-139) zeigt, dass diese Anleitung als feststehendes, überregional zirkulierendes Küchenwissen weitergegeben wurde: Großwild wird anders gewürzt als Kleinwild.

Der Topf, nicht der Tierkopf. Die Handschrift schreibt an zwei Stellen 'in den chopff'. Das ist der Topf oder die Pfanne, in die die Gewürzmischung gegeben wird - keine geheimnisvolle 'Hauptzubereitung' und schon gar nicht der Kopf des erlegten Tieres. Das eigene Kochbuch belegt das doppelt: im benachbarten Rezept mon-071 steht 'leg sie dann in den Topf ... lass sie darin gut braten', und im Vergleichsrezept mha-139 heißt es an derselben Stelle 'in den Hafen' beziehungsweise 'in der Pfanne oder in dem Hafen'.

Zwei Wege je nach Wildart. Bei gesottenem Reh oder Hirsch wird die Gewürzmischung gesondert in einer eigenen Schüssel bereitgehalten und erst bei Tisch dazugegeben - eine kleine, aufwendigere Geste für das edlere Wild. Bei Hase, Eichhörnchen und kleinen Vögeln rührt man das Gewürz dagegen direkt mit ins Kochgefäß.

Die Keule, nicht die Füße. Am Schluss der Regel steht 'kain phuesß'. Im Manuskript hat der Schreiber davor zunächst 'fueß' (Füße) geschrieben, dieses Wort aber selbst durchgestrichen und getilgt - ein korrigierter Fehlansatz. Das tatsächlich intendierte 'phuesß' bezeichnet die Keule (Hirsch- oder Rehkeule), wie die wissenschaftliche CoReMA-Edition glossiert. Gemeint ist: Zur eigens zurückgelegten Portion für das Wildbret soll keine zusätzliche Keule, kein weiteres Gewürz und kein weiteres Salz mehr dazukommen.

Praxis. Wildbret wurde damals oft schon vorgesalzen oder gepökelt, um es haltbar zu machen - deshalb die klare Warnung am Schluss, kein zusätzliches Salz mehr zuzugeben. Für die Lagerküche heißt das: Gewürzmischung (Pfeffer und weitere Gewürze) bereithalten, ins Kochgefäß geben oder in einer kleinen Schüssel separat servieren - fertig ist die historische Würzregel, ganz ohne Ofen oder Kühlung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-072-orig" n="wiltpratt" resp="#fyndling">Wildfleisch, Wildbret.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-072-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Allgemeine Bezeichnung für Gewürz oder eine Gewürzmischung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-072-orig" n="chopff" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#chopff">Topf oder Pfanne (Kochgefäß), bairische Lautform, vergleichbar mit 'hafen'. Beleg: im selben Buch übersetzt mon-071 dasselbe Wort als 'Topf' ('leg sie dann in den Topf ... lass sie darin gut braten'). Der Paralleltext mha-139 hat an derselben Stelle 'in den Hafen' bzw. 'in der Pfanne oder in dem Hafen'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-072-orig" n="gesoten" resp="#fyndling">Gesotten, gekocht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-072-orig" n="rechen" resp="#fyndling">Reh.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-072-orig" n="hierssen" resp="#fyndling">Hirsch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-072-orig" n="schulsl" resp="#fyndling">Schüssel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-072-orig" n="aichornn" resp="#fyndling">Eichhörnchen. Der Verzehr von Eichhörnchenfleisch war im Mittelalter als Wildbret üblich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-072-orig" n="vogelen" resp="#fyndling">Vögel, hier als Sammelbegriff für kleinere Wildvögel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-072-orig" n="merck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#merck">Eine Rubrik- oder Kopfformel, die eine wichtige Anmerkung oder einen Hinweis einleitet (lat. nota).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-072-orig" n="phuesß" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#phuesss">Keule (Hirsch- oder Rehkeule) - die CoReMA-Edition glossiert das Wort selbst wörtlich als "deer joint" (verlinkt mit Wikidata Q67777561 "haunch of venison"); "joint" ist hier der britisch-englische Küchenbegriff für ein großes Bratenstück (wie in "a joint of beef"), nicht die Anatomie - beide Angaben meinen also dasselbe Fleischstück. Die Handschrift schreibt davor zunächst "fueß" (Füße), streicht dieses Wort aber selbst durch und tilgt es zusätzlich - ein korrigierter Fehlansatz des Schreibers, bevor er den Fachbegriff für die Keule notierte. Dasselbe Muster - "Fuß"-Wortfamilie in der Zutatenliste meint Keule, kein Körperteil - bestätigt sich unabhängig bei "fuessel" (Geflügelkeule) in mon-086, m5919-096 und koe-020, jeweils ebenfalls per CoReMA-Wortglosse belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-072-orig" n="Silpratt" resp="#fyndling">Schreibvariante von 'wiltpratt' (Wildbret) - so auch die CoReMA-Edition selbst ('Wortbedeutung unklar: Ev. Verschreibung für wilpratt').</note>
        <note type="gloss" target="#mon-072-orig" n="vor gesalczen" resp="#fyndling">Zuvor gesalzen. Dies deutet darauf hin, dass das Wildbret bereits vor der weiteren Zubereitung gepökelt oder gesalzen wurde, um es haltbar zu machen oder vorzubereiten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-072-orig" n="phuesß" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#phuesss">Keule (Hirsch- oder Rehkeule) - die CoReMA-Edition glossiert das Wort selbst als "deer joint" (Wikidata Q67777561 "haunch of venison"); "joint" meint hier ein Bratenstück, nicht ein Körpergelenk. Die vorausgehende Schreibung "fueß" (Füße) ist im Manuskript vom Schreiber selbst durchgestrichen und getilgt; sie war ein korrigierter Fehlansatz vor dem eigentlichen Fachbegriff.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-072-orig" n="gburczen / salczen" resp="#fyndling">'zusätzliche Gewürze' und 'zusätzliches Salz'. Im Kontext von 'man sol awch kain phuesß noch gburczen noch salczen' sind dies parallel gebaute Nomen für weitere Zugaben, die vermieden werden sollen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-073-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Fisch-Sülze nach dem Vorbild eines Presskopfs vom Schweinskopf - eine Fastenzeit-Illusionsspeise, die Form und Serviertradition des Fleischgerichts (kalt gestürzt, in Scheiben geschnitten, in gallertartiger Brühe) originalgetreu nachahmt, obwohl kein Schwein beteiligt ist. Ein enger Zwilling im Königsberger Kochbuch (koe-023) bestätigt Verfahren und Zutaten fast wortgleich.

Warum wird die Sülze fest? Reine Fischbrühe geliert bei Zimmertemperatur meist nicht zuverlässig. Der Zwillingstext macht den entscheidenden Schritt sichtbar, der im mon-073-Text nur verkürzt erhalten ist: Die zuvor abgeschuppten Fischschuppen werden separat weichgekocht und durchgestrichen. Fischschuppen enthalten viel Kollagen - genau das liefert die Gelatine, die die Masse beim Erkalten fest werden lässt.

Praxis. Fisch schuppen und die Schuppen aufheben. Fisch ausnehmen, in Stücke teilen, mit Wasser und Wein (1:1, knapp bedeckt) aufkochen, leicht salzen, würzen. Brühe abseihen, Fisch entgräten, Fleisch grob hacken, mit der Brühe zurück in die Pfanne geben und nochmals kurz aufkochen. Parallel die aufgehobenen Schuppen in wenig Wasser weich kochen und durch ein Sieb streichen - diese kollagenreiche Flüssigkeit zur Fischmasse geben. Alles fein zerstoßen (Mörser oder Küchenmaschine) und passieren, in eine Form füllen und kühl fest werden lassen. Zum Stürzen die Form kurz erwärmen, damit sich der Rand löst. In Scheiben schneiden und mit einer kalten, leicht gesüßten Brühe anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-073-orig" n="prest sweinsckopf" resp="#fyndling">Ein ‚Presskopf vom Schweinskopf' ist eine Art Sülze oder Gallerte, die aus gekochtem und zerkleinertem Schweinefleisch, oft vom Kopf, hergestellt und in einer Form gepresst wird. Hier wird sie aus Fisch als Fastenspeise imitiert. Ein enger Zwilling mit fast identischer Anweisungsfolge findet sich im Königsberger Kochbuch (koe-023).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-073-orig" n="stupp" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Das Wort ‚stupp' hat in diesem Rezept zwei unterschiedliche Bedeutungen: Zuerst ‚schuppen' (den Fisch von Schuppen befreien), später ‚würzen' oder ‚bestäuben' (mit Gewürzen). Die genaue Lesart hängt stark vom Kontext ab.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-073-orig" n="grat" resp="#fyndling">Die ‚Gräten' des Fisches, die für eine feine Sülze sorgfältig entfernt werden müssen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-073-orig" n="winczig" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch für ‚winzig' oder ‚wenig'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-073-orig" n="sewdt" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch für ‚siedet' (kocht).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-073-orig" n="schupen" resp="#fyndling">Die zuvor abgeschuppten Fischschuppen, die im Text irrtümlich leicht wie ‚suppen' erscheinen (b/pp-Verschreibung). Sie werden separat weichgekocht und durchgestrichen - das kollagenreiche Kochwasser ist die eigentliche Gelierquelle der Sülze. Bestätigt durch den Zwilling koe-023 (‚vnd die schupen sewdt vnd strewch sie durch').</note>
        <note type="gloss" target="#mon-073-orig" n="cze?ch czwck" resp="#fyndling">Eine schwer zu entziffernde Phrase, die hier als ‚herauslösen' oder ‚stürzen' interpretiert wird, im Sinne des Entformens der Sülze. Der Zwilling koe-023 überliefert an der Parallelstelle nur ‚zuck eß pald wider her abe' - das stützt die Lesart und deutet darauf hin, dass ‚cze?ch' im mon-073-Manuskript eine Verschreibung/Dittographie statt eines eigenständigen Worts ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-073-orig" n="anricht" resp="#fyndling">Die ‚Anrichte' ist eine Servierplatte oder ein Tisch, auf dem Speisen angerichtet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-073-orig" n="chalde prue suesse" resp="#fyndling">Eine ‚kalte, süße Brühe' als Servierbegleitung. Süß-saure Kombinationen waren in der mittelalterlichen Küche sehr beliebt und sind hier auch bei herzhaften Gerichten zu finden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-073-orig" n="vasten" resp="#fyndling">Die ‚Fastenzeit', in der der Verzehr von Fleisch verboten war. Fisch galt als Fastenspeise.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-073-orig" n="cze?ch czwck es pald her wider" resp="#fyndling">‚löse es schnell aus der Form' - im Kontext des Entformens eines gelierten Gerichts ist dies die plausibelste Lesart. Der Zwilling koe-023 überliefert an der Parallelstelle nur ‚zuck eß pald wider her abe', was die Lesart stützt und ‚cze?ch' als Verschreibung/Dittographie statt eigenständiges Wort erklärt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-074-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist ein "Pfeffer" im mittelalterlichen Sinn: eine dunkle, säuerlich-scharfe Sauce aus Zwiebeln, Pfeffer, Kümmel, Essig und einer Brot-Ei-Bindung, in der halbgebratenes, dann weichgekochtes Huhn fertiggegart wird. Die lebende Verwandtschaft ist unmittelbar erkennbar: Das ist der Vorfahr des bis heute bekannten Hasenpfeffers (und verwandter Gerichte wie Rehpfeffer) - genau jenes Sauce-Genus, das der Schlusssatz des Rezepts selbst als Universal-Kondiment ausweist. Nahezu wortgleiche Fassungen desselben Rezepts finden sich in zwei weiteren Handschriften (m5919-061, mha-061), was zeigt, wie verbreitet dieser Hühner-Pfeffer im süddeutsch-österreichischen Raum des 15. Jahrhunderts war.

Die Garflüssigkeit steht im Mondseer Text als "hals suppen vnd hals suppen vnd halswasser" - eine dreifach verstolperte Verschreibung. Beide Schwestertexte lösen die Stelle eindeutig auf: halb Brühe und halb Wasser als Garflüssigkeit für die Hühner, keine eigene Zutat "Hühnerhälse".

Bei "chum herdt air" gehört "herdt" wahrscheinlich zu den Eiern, nicht zum Kümmel: Beide Zwillinge haben "herte/hert" direkt vor "ayer/ayr" stehen, gemeint sind also hartgekochte Eier als Bindemittel, dazu Kümmel als eigenständiges Gewürz.

Der Schlusssatz zum Hasenbraten ist zwischen den drei Handschriften uneinheitlich überliefert: Mondseer Kochbuch und die Cgm-5919-Fassung sagen übereinstimmend, man solle den Hasenbraten pfeffern, während die Basler Fassung ausdrücklich das Gegenteil verlangt (nicht pfeffern). Da zwei der drei Zeugen übereinstimmen, bleibt hier die Pro-Pfeffer-Lesart die nähergelegene, auch wenn die einzelne Handschrift für sich unklar bliebe.

Praxis. Alte Hühner (Suppenhuhn) in Schmalz kräftig anbraten, bis sie Farbe angenommen haben, dann in Stücke hacken. Mit gleichen Teilen Brühe und Wasser aufgießen (für ein ganzes Huhn reichen 1-1,5 Liter) und weichschmoren, bis das Fleisch mürbe ist und sich vom Knochen löst. Parallel Zwiebeln fein hacken und in wenig Wein, Schmalz und Wasser weich dünsten. Für die Bindung eingeweichtes Weißbrot mit hartgekochten Eiern, Kümmel, Pfeffer, Salz und Essig zu einer feinen Masse verarbeiten, mit den gedünsteten Zwiebeln vermengen und über die Hühner gießen. Unter gelegentlichem Rühren einkochen, bis die Sauce sämig ist und am Löffel haftet - bei zu starkem Sieden kann das Ei ausflocken statt zu binden, daher milde Hitze halten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-074-orig" n="altew huener" resp="#fyndling">Alte Hühner waren im Mittelalter üblich und zäher als heutige Masthühner. Sie eignen sich gut für Schmorgerichte, da sie viel Geschmack haben und bei längerer Garzeit mürbe werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-074-orig" n="hals suppen vnd hals suppen vnd halswasser" resp="#fyndling">Verschreibung von "halb suppen vnd halb wasser" (halb Brühe, halb Wasser) - die durch die Schwestertexte m5919-061 ("halb suppen") und mha-061 ("halb suppen vnd halbs wasser") eindeutig belegte Garflüssigkeit für die Hühner. Keine eigenständige Zutat "Hühnerhälse".</note>
        <note type="gloss" target="#mon-074-orig" n="zwiuall" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Schreibweise für Zwiebel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-074-orig" n="chum herdt" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#chum">"Chum" ist eine regionale Form von Kümmel (vgl. mon-103). "Herdt" gehört wahrscheinlich zu den nachfolgenden Eiern (hartgekochte Eier), nicht zum Kümmel - in beiden Schwestertexten steht "herte/hert" direkt vor "ayer/ayr".</note>
        <note type="gloss" target="#mon-074-orig" n="condiment" resp="#fyndling">Im Mittelalter ein breiter Begriff für eine würzige Sauce oder Beilage, die zu verschiedenen Gerichten gereicht wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-074-orig" n="lassen pheffer" resp="#fyndling">Mondseer Kochbuch und die Cgm-5919-Fassung sagen hier übereinstimmend, den Hasenbraten zu pfeffern. Die Basler Fassung (Meister Hans) verneint an derselben Stelle ausdrücklich ("nicht sol man lassen pfefferen") - ein Hinweis darauf, dass die Handhabung von Pfeffer bei Hasenbraten zwischen den Überlieferungen schwankte oder in einer der Fassungen ein Wort ausfiel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-074-orig" n="chum herdt" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#chum">Kümmel, dazu hartgekochte Eier. "Chum" ist eine bairische Form von Kümmel; "herdt" gehört wahrscheinlich zu den folgenden Eiern ("air"), nicht zum Kümmel selbst.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-074-orig" n="lassen pheffer" resp="#fyndling">Soll man pfeffern. Mondseer Kochbuch und die Cgm-5919-Fassung (m5919-061) stimmen hier überein: den Hasenbraten soll man pfeffern.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-075-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzes Huhn, zwischen Haut und Fleisch gefüllt und in einem dünn ausgerollten Eierteigmantel am Spieß gebraten - die unmittelbare Vorstufe des Garens "en croûte" (vergleichbar dem heutigen Beef-Wellington-Prinzip: Garhülle statt Kruste). Der nahezu identische Zwilling m5919-064 überliefert dasselbe Verfahren unter dem Namen "pachensch hun".

Ein Teigmantel, der schwer zu beherrschen ist. Am offenen Spieß über Glut verbrennt der dünne Mantel außen leicht, bevor das Huhn innen durchgegart ist, oder er rutscht herab. Der Zwilling empfiehlt für die Lagerküche die Alternative: das gefüllte Huhn klassisch ohne Mantel am Spieß braten, oder den Teigmantel im Bräter bzw. unter geschlossener Glut garen, wo die Hitze gleichmäßiger ist.

Durchgaren, nicht "nicht gar". Die Mondseer Handschrift schreibt an dieser Stelle "prat es nit gar" (brate es nicht gar) - der Zwilling m5919-064 hat exakt an derselben Stelle das Gegenteil: "prat es gar" (brate es durch), ohne Verneinung. Bei einem ganzen, mit rohem Ei und Speck gefüllten Vogel ist Durchgaren die einzig sichere und auch die einzig historisch plausible Anweisung; das "nit" gilt daher als Schreibfehler dieser einen Handschrift. Auf eine Kerntemperatur von 72-74 Grad prüfen, nicht auf die Bräune des Mantels vertrauen.

Praxis. Ei, Speck, Salbei und Salz vermengen, vorsichtig zwischen Haut und Fleisch des Huhns verteilen, ohne die Haut einzureißen. Aus Mehl, Ei, etwas Wasser und Salz einen festen Teig kneten, ruhen lassen, dann breit und dünn ausrollen (Nudelholz). Huhn auf den Spieß stecken, mit dem Teig umwickeln und über gleichmäßiger Glut langsam durchgaren - der Mantel ist Schutz- und Garhülle, keine knusprige Kruste, und wird zum Servieren oft wieder entfernt. Am offenen Feuer lieber im Bräter oder unter geschlossener Glut garen als am frei drehenden Spieß.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-075-orig" n="morsar hain" resp="#fyndling">‚Mörser' bezeichnet im Korpus sonst durchweg das Stampfen/Zerkleinern von Zutaten im Mörser (vgl. mon-010, mon-084, mon-086, koe-002/013/020/021, m5919-063/065/096/097) - ein Schritt, der in diesem Rezept an keiner Stelle vorkommt: Das Huhn bleibt ganz. Der Name passt also nicht zum beschriebenen Verfahren. Das Rezept nennt sich selbst am Ende ‚pehaiimschhuen' (Böhmisches Huhn) - dieser Eigenname ist der verlässlichere Titel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-075-orig" n="saluan" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saluan">Eine bairische Schreibweise für Salbei (Salvia officinalis), ein in der mittelalterlichen Küche häufig verwendetes Kraut, besonders zu Geflügel und Fleisch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-075-orig" n="pehaiimschhuen" resp="#fyndling">Wörtlich ‚Böhmisches Huhn' - der vom Text selbst gegebene Name des fertigen Gerichts (wörterbuchbelegt, Lexer/Goetze). Der nahezu identische Zwilling m5919-064 nennt dasselbe Verfahren am Ende ‚pachensch hun' (gebackenes Huhn) - eine Namensvarianz zwischen den Handschriften, kein Widerspruch in der Sache.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-075-orig" n="prat es nit gar" resp="#fyndling">Die Handschrift schreibt hier eine Verneinung ("nit"), der nahezu wortgleiche Zwilling m5919-064 hat an derselben Stelle jedoch das Gegenteil: "prat es gar" (brate es durch), ohne Verneinung. Da das Huhn mit rohem Ei, Speck und Salbei gefüllt ist und als ganzer Vogel im Teigmantel gegart wird, ist Durchgaren die einzig sichere und auch die einzig historisch plausible Anweisung - ein absichtliches "nicht gar braten" ergäbe weder küchentechnisch noch lebensmittelrechtlich Sinn. Das "nit" gilt daher als Schreibfehler dieser einen Handschrift.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-075-orig" n="morsar hain" resp="#fyndling">‚Mörserhuhn' - ein gefülltes Huhn. Der Name selbst passt allerdings nicht zum beschriebenen Verfahren: Ein echter Stampf-/Mörserschritt kommt im Text nicht vor (vgl. Korpus-Vergleich unter der Annotation). Der Text selbst nennt das fertige Gericht am Ende ‚pehaiimschhuen' (Böhmisches Huhn).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-075-orig" n="prat es nit gar" resp="#fyndling">"Brate es gar" (durch) - das "nit" (nicht) im Mondseer Text gilt als Schreibfehler. Der Zwilling m5919-064 hat an identischer Stelle "prat es gar", ohne Verneinung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-076-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein dreifarbiges Schau-Omelette: drei separat gebackene, gefärbte dünne Eier-Blätter (grün mit Petersilie, gelb mit Eidotter, weiß mit Eischnee) werden übereinandergeschichtet, geschnitten, aufgespießt, durch einen safrangelben Ausbackteig gezogen und ein zweites Mal in Schmalz frittiert. Beim Längsaufschnitt zeigt sich der dreifarbige Schichtquerschnitt - ein Vorläufer heutiger geschichteter Eierspeisen-Schaugerichte.

Schachbrettartig geschnitten. Der rätselhafte Ausdruck für die Schnittform lässt sich über den Zwilling aus dem Meister-Hans-Kochbuch auflösen: Gemeint ist ein schachbrettartiges Muster, in das die geschichteten Blätter vor dem Aufspießen geschnitten werden.

Praxis. Die drei Ei-Blätter werden nacheinander in einer schmalzhalb gefüllten Pfanne wie dünne Frittata-Blätter gebacken - erst das grüne (Petersilie mit Eigelb verrührt), dann das gelbe (reines Eidotter), zuletzt das weiße (aufgeschlagenes Eiweiß). Die drei Blätter übereinander schichten, das grüne in die Mitte, und schachbrettartig in kleine Stücke schneiden. Die Stücke auf Spieße stecken - das fixiert die feuchten, fettigen Schichten, die sonst leicht auseinanderfallen. Die Spieße durch einen mit Safran gelb gefärbten Ei-Wasser-Teig ziehen und in reichlich heißem Schmalz nochmals ausbacken. Vor dem Servieren die Spieße entfernen, das Gebäck der Länge nach aufschneiden, damit die drei Farbschichten sichtbar werden, großzügig mit Zucker bestreuen und nicht salzen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-076-orig" n="schassczogbit" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schassczogbit">Bairische Lautvariante von 'schaffczag(lat)' &lt; mhd. 'schâchzabel' (Schachbrett) - textkritisch gestützt durch den nahezu wortgleichen Zwilling mha-262 sowie die verwandten Belege mha-261, m5919-057 und koe-017. Bedeutet 'schachbrettartig geschnitten', nicht 'Schafzacken' (mhd. 'zagel' = Schwanz ist hier kein Schnittbegriff).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-076-orig" n="guecz pachen" resp="#fyndling">'Ein gutes Gebäck zubereiten' - 'guecz' wurde als 'gutes' (Adjektiv) und 'pachen' als 'backen/braten' im Sinne von zubereiten verstanden, da es sich um ein süßes Gericht handelt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-076-orig" n="pettersill" resp="#fyndling">'Petersilie' - die Schreibweise ist eine bairisch-österreichische Variante von Petersilie, die im Kontext des Grünfärbens von Speisen sehr plausibel ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-076-orig" n="schassczogbit" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schassczogbit">'Schachbrettartig geschnitten' - der Zwilling mha-262 (Meister-Hans-Kochbuch) überliefert an derselben Stelle 'schaffczag lat', eine bairische Lautvariante von mhd. 'schâchzabel' (Schachbrett). Weitere Cross-Belege (mha-261 'schaffczaglat', m5919-057 'schach zaglatt', koe-017 'schagzaglett') sowie der Wörterbucheintrag bei Goetze ('schachzabel, -zagel f. schachbrett') stützen diese Lesart konsistent.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-077-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Ein en croûte gegarter Wildbraten - der unmittelbare Vorfahr der klassischen Wellington-Familie (Wildbraten im Teigmantel), wie sie heute noch in gehobener Wildküche vorkommt. Die Teighülle diente im 15. Jahrhundert vor allem als Gar- und Feuchtigkeitsschutz, nicht als eigenständige Beilage. Ein technisches Geschwisterrezept findet sich im Münchner Kochbuch Cgm 5919 (m5919-064, gefülltes Huhn im Eierteig): dort wird dünn ausgerollter Eierteig ebenso um ganzes Fleisch gewickelt und im Ofen gegart. Das zeigt, dass "Fleisch in Eierteig einbacken" ein etabliertes, überregionales Verfahren der spätmittelalterlichen Küche war, keine Einzelidee des Mondseer Schreibers.

Das Einbinden des Teigmantels ("bepindt") sollte den Braten möglichst dicht verschließen, damit der Fleischsaft beim Garen im Teig gehalten wird statt auszutreten.

Praxis.

Reh- oder Hasenrücken beziehungsweise -keule spicken, mit Salz und Pfeffer würzen. Einen einfachen Eierteig aus Mehl, Ei und wenig Wasser dünn ausrollen und den Braten darin vollständig einschlagen, die Nähte gut verschließen. Im Ofen bei mittlerer Hitze backen, bis die Kruste goldbraun ist. Garprobe per Einstich: Der Fleischsaft sollte klar bis leicht rosé austreten. Die Kruste diente ursprünglich vor allem als Garhülle und kann vor dem Servieren entfernt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-077-orig" n="rech pratten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#rech">Bezieht sich auf einen Braten vom Reh, nicht auf Rebhuhn.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-077-orig" n="spick" resp="#fyndling">Das ‚Spicken' bezeichnet das Durchziehen von magerem Fleisch mit Speckstreifen, um es saftiger zu machen und Geschmack zu verleihen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-077-orig" n="wespreng" resp="#fyndling">b/w-Lautwechsel: ‚wespreng' steht für ‚bespreng' (besprengen). MHDBDB-Lemma ‚besprengen', im Korpus auch in kkm-040, m5919-102 und meb-023 belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-077-orig" n="bepindt" resp="#fyndling">p/b-Lautwechsel von ‚bewindet' (be+pinden/binden). Im Korpus bezeichnet das Verb oft ein konkretes Fest- oder Einbinden (vgl. mon-065: ‚pindt es gar woll' - binde es gut fest; mon-028: ‚bindt sy vmb ein anderen' - binde sie umeinander), hier im übertragenen Sinn auf das feste Einschlagen in den Teigmantel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-077-orig" n="chropflin" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#chropflin">Wörtlich ‚Kropf', hier im Sinne einer Teigtasche oder Hülle, die den Braten umschließt. Als Substantiv im Korpus ein Hapax, aber die Bedeutung ‚gefüllte Teigtasche' ist jetzt auch außerhalb des Korpus lexikalisch gesichert: Das Grimm'sche DWB belegt unter ‚Kropf' für das 15. Jh. (nd./rheinisch) ‚croppe' als Gebäckbezeichnung, direkt mit lat. ‚artocreas' (= Brot mit Fleischfüllung, gefüllter Krapfen) gleichgesetzt - exakt dieselbe Teigtaschen-Bedeutung wie hier, nicht nur die Körperteil-Bedeutung. Die Technik selbst ist zusätzlich durch m5919-064 (Eierteig-Ummantelung) korpusintern bestätigt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-077-orig" n="gesotten" resp="#fyndling">Wörtlich ‚gekocht'. Im Transkript fehlt zwischen ‚gesotten sey' und ‚gepratten' vermutlich das Wort ‚oder' - gemeint ist wahrscheinlich eine Entweder-Oder-Garprobe (gekocht oder gebraten), keine Bedeutungsverschiebung von ‚gesotten' selbst. Die genaue Stelle ist im Original nicht ganz eindeutig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-077-orig" n="bepindt" resp="#fyndling">‚umhüllen' - im Zusammenhang mit dem Eierteig, der den Braten wie eine Teigtasche umschließt, passt ‚umhüllen' inhaltlich am besten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-077-orig" n="gesotten" resp="#fyndling">‚gar' - im Kontext der Garprobe nach dem Backen ist wahrscheinlich eine allgemeine Gar-Feststellung gemeint, keine Aussage über die Kochmethode.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-078-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein deftiges Mus aus gesottener, passierter Reh-Lunge und Rehblut, mit Schmalz sämig eingekocht - die Hirschleber wird separat auf dieselbe Art zubereitet. Das ist die spätmittelalterliche Vorstufe dessen, was im bairisch-österreichischen Raum als Beuschel oder Lüngerl überlebt hat: gekochte, klein geschnittene und zu einer sämigen Masse eingekochte Lunge. Der Unterschied zum modernen Beuschel: Dort sorgt Essig für die Säure, hier übernimmt das Blut die Bindung - das rückt das Gericht eher in die Nähe blutgebundener Wildsaucen.

Das Würfeln und Passieren. Lunge und Blut werden zunächst gesotten, dann in Würfel geschnitten (wirffladt) und durch ein Tuch passiert. Dabei bleiben grobe Fasern und Häute (harss) im Tuch zurück, während eine feine, glatte Masse hindurchläuft - ein in Mus-Rezepten der Zeit übliches Sorgfaltsmerkmal.

Die Bindung. Anders als das nächstverwandte Rezept im Korpus (m5919-099, ein Kalbsblut-Lungen-Mus mit exakt derselben Grundtechnik - Schmalz, gutes Gewürz erst am Ende darübergestreut - dort aber zusätzlich mit Lebkuchen oder Honig gebunden), verlässt sich dieses Mus allein auf die Blutgerinnung sowie das erneute kräftige Einkochen mit Schmalz. Das ist eine schlankere, einfachere Bindetechnik - nicht raffinierter, aber eigenständig funktionsfähig.

Praxis. Lunge und Blut vom Reh in Wasser weich sieden, in Würfel schneiden und durch ein sauberes Tuch passieren, bis nur die feine Masse durchläuft. Diese zurück in den Topf geben, Schmalz zugeben und kräftig einkochen, bis sie dick wird. Erst beim Anrichten mit Gewürzen bestreuen - so bleibt ihr Aroma frisch. Die Hirschleber auf dieselbe Weise garen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-078-orig" n="hirssen machen" resp="#fyndling">‚Einen Hirsch machen' ist ein generischer Küchenterminus für die Zubereitung eines Wildgerichts oder von Wildinnereien - nicht die Anweisung, einen ganzen Hirsch zu verarbeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-078-orig" n="wirffladt" resp="#fyndling">Im Korpus mehrfach bezeugte Lautvariante von ‚wirflot/wurfflott' (=würfelig geschnitten), u.a. in der Karlsruher-Kuchenmeisterei-Familie (ka1-Rezepte). Kein Hapax, sondern etablierter Fachbegriff für Würfelschnitt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-078-orig" n="seich es schon durch ein tuech" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Das Passieren durch ein Tuch dient dazu, eine feine, glatte Konsistenz für das Mus zu erhalten und unerwünschte Fasern oder grobe Stücke zu entfernen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-078-orig" n="vast sieden" resp="#fyndling">‚Vast sieden' bedeutet hier, kräftig oder lange zu sieden, bis die Flüssigkeit stark reduziert und die Masse dick wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-078-orig" n="stra wurczen dar auff" resp="#fyndling">Die Gewürze werden erst am Ende auf das fertige Mus gestreut, was auf eine aromatische Garnitur hindeutet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-078-orig" n="hirssen machen" resp="#fyndling">‚Ein Wildgericht zubereiten' - die Formulierung ‚einen Hirsch machen' ist hier generisch für die Zubereitung von Wildfleisch oder Wildinnereien zu verstehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-078-orig" n="wirffladt" resp="#fyndling">‚In Würfel geschnitten' - im Korpus als ‚wirflot/wurfflott' mehrfach belegter Fachbegriff (u.a. Karlsruher-Kuchenmeisterei-Familie) für das Würfeln von Fleisch/Innereien vor dem Weiterverarbeiten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-078-orig" n="harss" resp="#fyndling">‚Grobe Bestandteile/Fasern' - dies passt am besten zum Kontext des Passierens durch ein Tuch, um eine glatte Masse zu erhalten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-078-orig" n="vast sieden" resp="#fyndling">‚Kräftig sieden/eindicken' - dies wird durch die nachfolgende Phrase ‚das es dick werdt' bestätigt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-079-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht, sondern eine reine Konservierungsanleitung: Trockensalzen, dann Einlegen in starke, vorgekochte Salzlake. Das ist die unmittelbare technische Grundlage des heutigen Surfleischs beziehungsweise Selchfleischs im bairisch-österreichischen Raum - dieselbe Zweistufigkeit (erst trocken anpökeln, dann in Lake) findet sich bis heute in der Selch- und Wurstküche sowie bei Corned Beef.

Das Verfahren läuft in zwei Phasen. Zuerst wird das zerteilte Fleisch trocken mit Salz eingerieben und liegt einen halben Tag - das Salz entzieht per Osmose Wasser und löst Blut, deshalb wird danach gewaschen. Erst dann kommt das Fleisch in die separat gekochte Lake: Das Kochen des Wassers löst das Salz vollständig und reduziert Keime, das Fleisch selbst bleibt dabei roh und wird nur eingelegt.

Der letzte Absatz beschreibt nicht einen zusätzlichen Wässerungsschritt vor dem Sieden, sondern den Kochvorgang selbst in zwei Etappen: kurz aufkochen, die erste - stark salzige - Brühe sauber abgießen, mit frischem Wasser auffüllen und erst dann ganz gar kochen. So verliert das Fleisch einen Teil seines Salzes, ohne dass es einen eigenen Wässer-Schritt braucht.

Die Mengenangabe zwei Teile Salz, ein Drittel gekochtes Wasser bleibt unsicher - gemeint ist ein sehr salzreicher, praktisch gesättigter Ansatz, eine genaue Gewichtsangabe lässt der Text nicht zuverlässig zu.

Praxis. Für etwa 500 g Wildbret rund 150 g Salz zum Trockensalzen verwenden, einen halben Tag ziehen lassen, dann gründlich abwaschen. Eine gesättigte Lake aus abgekochtem, wieder erkaltetem Wasser mit reichlich Salz ansetzen und das Fleisch darin vollständig bedecken. Kühl lagern - ein Keller reicht, kein Kühlschrank nötig, die hohe Salzkonzentration ist genau dafür da. Zum Garen das Fleisch kurz aufkochen, die erste Brühe abgießen, mit frischem Wasser auffüllen und fertig gar kochen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-079-orig" n="augst" resp="#fyndling">August. Die Erwähnung des Monats August unterstreicht die Notwendigkeit der Konservierung in wärmeren Monaten ohne moderne Kühlmöglichkeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-079-orig" n="wiltpratt" resp="#fyndling">Wildbret, also Fleisch von Wildtieren. Im Mittelalter eine wichtige Proteinquelle, die oft durch Jagd erworben wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-079-orig" n="czway tail salcz salcz das trittail gesotten wasser" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tail">Die Mengenangaben 'zwei Teile Salz' und 'ein Drittel gekochtes Wasser' beschreiben ein Verhältnis für eine starke Pökellake. Die Wiederholung 'salcz salcz' ist wahrscheinlich ein Schreibfehler (Dittographie).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-079-orig" n="truffterß" resp="#fyndling">Einreiben oder Bestreuen mit Salz, hier im Sinne von gründlichem Einmassieren des Salzes in das Fleisch. Der Schreiber selbst markierte das Wort als auffällig (vgl. hand_note_scan). Der Zwilling m5919-078 hat an derselben Stelle 'petrauff es mit saltz' (bestreuen) - stützt unabhängig die Lesart 'einreiben/bestreuen' statt der anachronistischen Bedeutung 'trüffeln'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-079-orig" n="gesotten salcz" resp="#fyndling">Gekochtes Salzwasser, also eine Pökellake oder Salzlake, die durch das Kochen haltbarer gemacht wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-079-orig" n="er well es" resp="#fyndling">Von 'erwellen' (b/w-Wechsel, vgl. Glossar 'erbelten') = kurz aufkochen, aufwallen lassen - nicht 'wässern'. Derselbe Ausdruck taucht im Korpus mehrfach auf (u.a. mon-017) und wird dort einheitlich als 'aufkochen lassen' übersetzt: Der letzte Absatz beschreibt den zweistufigen Kochvorgang (aufkochen, Brühe abgießen, mit frischem Wasser fertig garen), nicht einen separaten Entsalzungsschritt vor dem Sieden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-079-orig" n="wildw" resp="#fyndling">‚willst du‘ - eine gängige frühneuhochdeutsche Kontraktion der Anrede.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-079-orig" n="czway tail salcz salcz das trittail gesotten wasser" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tail">‚Nimm zwei Teile Salz und ein Drittel gekochtes Wasser.‘ - Die Wiederholung ‚salcz salcz‘ wird als Dittographie des Substantivs ‚Salz‘ interpretiert, und die Phrase als Mengenangabe für die Bestandteile der Pökellake.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-079-orig" n="truffterß" resp="#fyndling">‚reibe es ein‘ - Abgeleitet von ‚truffieren‘ im Sinne von einreiben oder einmassieren, was im Kontext des Trockensalzens sinnvoll ist und durch den Zwilling m5919-078 (‚petrauff‘ = bestreuen) an derselben Textstelle gestützt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-079-orig" n="er well es" resp="#fyndling">‚lass es (kurz) aufkochen‘ - von mittelhochdeutsch ‚erwellen‘ (b/w-Wechsel, vgl. Glossar ‚erbelten‘) = aufwallen/aufkochen lassen. Cross-Referenz mon-017, wo dieselbe Form korrekt als ‚aufkochen lassen‘ übersetzt ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-080-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Küchlein aus fein gestoßenem, bereits gebratenem Hühnerfleisch - nicht aus rohem Brät. Der Textzwilling Mörserhühner aus dem Regensburger Hausbuch (Cgm 5919, m5919-063) liefert im eigenen Wortlaut den zeitgenössischen Namen für dieses Gericht und bestätigt die Zubereitung fast wortgleich. Es ist eine Resteverwertung: aus einem bereits gebratenen Huhn wird eine würzige, formbare Masse gemacht - die spätmittelalterliche Vorstufe heutiger Geflügelklößchen oder Fleischpflanzerl aus Resten.

Zutaten-Identität. Ein gepratten huen czw glid das chlain heißt "nimm ein gebratenes Huhn, zerteile es klein" - ein einziges, bereits durchgegartes Huhn, keine zwei separaten Fleischkomponenten und kein rohes Brät. Das Fleisch ist also schon gegart, bevor es weiterverarbeitet wird.

Praxis. Ein bereits gebratenes Huhn (Reste vom Vortag eignen sich gut) klein zerteilen. Eingeweichtes Weißbrot und einen dünnen Ei-Teig mit Pfeffer, Anis und Safran dazugeben. Alles zweimal im Mörser fein stoßen, bis eine homogene, formbare Masse entsteht - der Mörser übernimmt hier die Funktion eines Fleischwolfs. Aus der Masse flache Küchlein formen und in wenig Schmalz in der Pfanne von beiden Seiten goldbraun backen. Da das Fleisch bereits durchgegart ist, geht es nur noch um Bindung, Aroma und eine knusprige Kruste - keine Sicherheitsfrage wie bei rohem Geflügelbrät.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-080-orig" n="gepratten huen" resp="#fyndling">Partizip "gebraten" mit Artikel vor einem Fleisch-Substantiv ("ein gepratten huen") bedeutet hier "gebratenes Huhn", nicht "Brät" (rohe Farce). Die Brät-Lesart gilt im Korpus nur für die artikellose Substantivform (z. B. "hechten prät" = Hechtbrät). Der Textzwilling m5919-063 ("Nym ain gepraten huen zeglidt das clain...das sint moser huner") bestätigt unabhängig dieselbe Lesart und nennt das Gericht beim Namen: Mörserhühner.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-080-orig" n="Morsar" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein Mörser ein großes, schweres Gefäß aus Stein oder Metall mit einem kräftigen Stößel. Er diente dazu, Fleisch, Fisch oder andere Zutaten zu einer feinen Paste (Farce) zu zerstoßen. Dies entspricht der Funktion einer modernen Küchenmaschine oder eines Fleischwolfs.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-080-orig" n="anneis" resp="#fyndling">Anis (Pimpinella anisum).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-081-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Königshühner sind ein Ei-Fleisch-Gericht: bereits gebratenes, in Stücke zerteiltes Huhn wird mit einer gewürzten Eimasse aus Ingwer und Anis übergossen und in einem großen, gefetteten heißen Kochgefäß gestockt. Strukturell ist das eine frühe Verwandte der Frittata beziehungsweise eines Hühnerauflaufs - Ei als alleiniges Bindemittel, kein Mehl, keine Mehlschwitze.

Mit ‚Mörser' ist hier kein Zerkleinerungswerkzeug gemeint, sondern ein großes, feuerfestes Kochgefäß nach Art eines Dutch Ovens, das direkt in der Glut oder am offenen Feuer steht. Für Oberhitze eignet sich zusätzliche Glut auf einem Deckel.

‚Feist' (vaisten) heißt gefettet - der heiße Mörser wird also eingefettet, damit die Ei-Fleisch-Masse beim Stocken nicht anhaftet, ganz wie beim Einfetten einer Auflaufform.

Praxis. Brate ein Huhn (oder verwende Reste von einem bereits gebratenen) und zerteile das Fleisch in mundgerechte Stücke. Verquirle Eier mit Ingwer und wenig Anis. Fette einen großen, feuerfesten Topf oder eine Gusseisenpfanne ein, erhitze ihn und gib das Hühnerfleisch hinein. Gieße die Ei-Gewürz-Mischung darüber und lass sie bei mittlerer Hitze - im Idealfall mit etwas Oberhitze durch Deckelglut - gleichmäßig stocken, bis die Eimasse fest ist. Zum Schluss etwas Schmalz darüber verteilen: Das dient nur noch dem Glanz und der Saftigkeit, nicht mehr dem Garen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-081-orig" n="gepratnew hunerm (czw glider)" resp="#fyndling">‚Gepratnew' ist hier das Partizip gebraten vor dem Substantiv ‚hunerm' (Huhn/Hühner) - nicht die artikellose Substantivform ‚geprät' (mhd. ‚gebræt' = rohe Farce). ‚Czw glider' bedeutet ‚zu Gliedern/Stücken [zerteilt]', keine Mengenangabe. Gemeint ist also bereits gebratenes Hühnerfleisch, das in Stücke zerlegt wird - nicht rohes Hühnerbrät. Bestätigt durch die wortnahen Zwillinge m5919-065 (‚prattini huner ... zu gliden' = zerteile gebratene Hühner in Stücke), bgs-028 (junge, gebratene Hühner, zerteilt) und koe-013 (gebratene Hühner, klein gehackt) sowie durch das strukturell identische mon-080 (‚gepratten huen czw glid das chlain').</note>
        <note type="gloss" target="#mon-081-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext war der ‚Mörser' oft ein großes, feuerfestes Gefäß aus Stein oder Metall, das auch zum Kochen und Backen über offenem Feuer verwendet wurde, ähnlich einem modernen Dutch Oven oder einem großen Schmortopf.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-081-orig" n="chunig hunernn / künic" resp="#fyndling">‚Chunig' ist mhd. ‚künic' (König). Der Name ‚Königshühner' ist kein singulärer Mondsee-Befund: fast wortgleiche Fassungen finden sich im Cgm 5919 (‚kunigs huen') und im Königsberger Kochbuch (‚kungs huner'), was auf ein gemeinsames, überregional zirkulierendes Rezept-Repertoire im spätmittelalterlichen bairisch-österreichischen und ostmitteldeutschen Raum hindeutet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-081-orig" n="hunerm / hunernn" resp="#fyndling">Das Wort ‚hunerm' (und seine Variante ‚hunernn') wird als ‚Hühner' oder ‚Hühnerfleisch' übersetzt. Die genaue Bedeutung variiert je nach Kontext im Rezept (als allgemeine Bezeichnung für Geflügelgerichte, als Zutat oder als Teil des Gerichtsnamens).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-081-orig" n="anderlay" resp="#fyndling">Übersetzt als ‚andererlei', was ‚eine andere Art' oder ‚eine andere Sorte' bedeutet.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-082-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? mon-082 ist ein Blancmanger - eine der bekanntesten Speisen der mittelalterlichen Küche überhaupt, quer durch alle Sprachräume belegt (mittelhochdeutsch, mittelenglisch, altfranzösisch, italienisch als biancomangiare). Sein engster Verwandter im Korpus ist mha-131 (Meister-Hans-Kochbuch), das denselben Rezepttext nahezu satzgleich überliefert - ein Beleg dafür, wie stark spätmittelalterliche deutschsprachige Kochbücher voneinander abschrieben oder auf eine gemeinsame Vorlage zurückgingen. Eine anschauliche lebende Verwandtschaft ist die türkische Süßspeise Tavuk Göğsü (Hühnerbrust-Pudding), die bis heute nach demselben Prinzip zubereitet wird: gekochte, fein zerfaserte Hühnerbrust wird zu einer süßen Milchcreme verarbeitet.

Eine kleine Crux betrifft das Wort zayß an der Stelle, wo das Fleisch aus der Brust entnommen wird. Es gehört zur Wortfamilie zaisen/zeisen (zupfen, zerrupfen, zerzausen) und beschreibt hier keinen zweiten Hühnerteil, sondern die Handlung: das Fleisch wird sofort nach der Entnahme zerzupft. Der Zwilling mha-131 bestätigt das an derselben Stelle mit "zerzupfe es", ebenso das italienische Pendant, das vom Zerfasern der Brust spricht.

Praxis. Das Huhn wird gut gesotten, bis sich das Fleisch leicht löst. Anschließend wird nur das weiße Brustfleisch entnommen und in Fasern zerzupft. Das zerzupfte Fleisch kommt danach in eine Pfanne und wird über dem Feuer gedörrt (getrocknet), bis es fest und trocken ist - das entzieht ihm die Restfeuchte und macht es mahlbar. Im Reibsieb oder Mörser wird es anschließend so fein wie Mehl zerrieben. Diese Fleisch-Mehl-Konsistenz wird dann mit Mandelmilch und der eigenen Hühnerbrühe zu einem Mus verrührt und kurz aufgekocht; die Bindung entsteht dabei allein durch das fein zerriebene Fleisch, ohne zusätzliches Bindemittel. Wer es süß mag, gibt Zucker hinzu. Für die Lagerküche reicht Topf, Pfanne und Mörser am offenen Feuer; das Dörren braucht etwas Aufsicht gegen Anbrennen, das rohe Huhn sollte bis zur Verarbeitung kühl gehalten werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-082-orig" n="zayß" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#zayss">Hapax im Mondseer Kochbuch (nur dieser eine Beleg). Gehört zur Wortfamilie zaisen/zeisen = zupfen, zerrupfen, zerzausen (Fischer-Wörterbuch: "abzaisen = abrupfen"; Grimm: "schaben, zaisen"; MHDBDB-Lemma "zeisen", Bedeutungsfeld Geflügelverarbeitung). Der wortgleiche Zwilling mha-131 hat an derselben Satzstelle "zer czaiss das" -&gt; "zerzupfe es"; das italienische Pendant ant-048 verwendet sfilare (zerfasern) an vergleichbarer Stelle. Beschreibt somit die Handlung des Zerzupfens des Brustfleischs, nicht einen zweiten Körperteil.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-082-orig" n="reib sib" resp="#fyndling">Ein "Reibsieb" - ein grobes Sieb (Rosshaar, Weidengeflecht oder durchlöchertes Material), durch das gegartes, getrocknetes Gut mit einem Löffel oder Stößel gerieben/gepresst wird, um es fein und gleichmäßig zu zerkleinern. Der Text nennt es als gleichwertige Alternative zum Mörser - beide Werkzeuge dienen demselben Zweck: das getrocknete Hühnerfleisch "wie Mehl" fein zu bekommen, die Grundlage für das Mus mit Mandelmilch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-082-orig" n="zayß" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#zayss">Verbform aus der Familie zaisen/zeisen (zerzupfen, zerrupfen von Geflügelfleisch) - beschreibt die Verarbeitung des entnommenen Brustfleischs, kein zweiter Fleischteil.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-083-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Fürhess (mhd. vor-ezzen) - eine Vorspeise aus Innereien, die den Auftakt einer mehrgängigen Tafel bildete. Hier ein blutgebundenes, süß-saures Geschnetzeltes von Hasen-Innereien (Lunge, Leber, Gekröse), das seine engsten Verwandten in Czernina, Schwarzsauer und dem französischen civet hat - alle drei leben vom selben Prinzip: Blut, Säure und Brot als Bindung.

Die Innereien. Lunge, Leber und Gekröse (nicht Herz - der Textzwilling m384-030 nennt an derselben Stelle ‚westin‘, also Wanst/Gekröse) werden würfelig geschnitten, bevor sie ins Blut kommen. Kleinschneiden vor dem Garen sorgt dafür, dass auch das zähere Gekröse in der kurzen Siedezeit gart.

Blut als Kochflüssigkeit und Bindemittel. Das beim Ausnehmen aufgefangene Blut ist nicht nur Farb- und Geschmacksgeber, sondern die eigentliche Bindung: Beim Erhitzen gerinnt es zu einer dunklen, dicken Masse, die die Innereien umschließt - Garen und Binden in einem Arbeitsschritt. Wichtig ist Tempo: Blut gerinnt außerhalb des Körpers rasch, darum sollte es zügig verarbeitet werden.

Praxis. Wein oder Essig geben Säure gegen die schwere Blutnote, Honig rundet ab, Roggenbrot verdickt zusätzlich und gibt Textur. Am Ende wird gewürfelter Speck untergehackt, bevor alles zur streichfähigen Mus-Konsistenz verarbeitet wird - so belegen es auch die Zwillingsfassungen ri15632-018, m384-030 und m384-031. Ein Topf am offenen Feuer genügt, ein Ofen wird nicht gebraucht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-083-orig" n="Fürhess / furheß" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#fuerhess">Mhd. vor-ezzen - fachsprachlicher Begriff für eine gehaltvolle Innereien-Vorspeise aus Wild, mit Blut gebunden. In den engsten Textzwillingen (m384-030, m384-031) durchgängig als Vorspeise übersetzt und entsprechend eingeordnet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-083-orig" n="Schweiß / Swayß" resp="#fyndling">Jägersprachlicher Fachbegriff für das Blut des erlegten Wildes, nicht Körperschweiß. Korpusweit vielfach belegt (MHDBDB-Lemma sweiʒ), hier als Kochflüssigkeit für die Innereien verwendet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-083-orig" n="furheß" resp="#fyndling">‚Vorspeise‘. Mhd. vor-ezzen bezeichnet den ersten Gang einer mehrgängigen Tafel. Die engsten Textzwillinge (m384-030, m384-031) führen dasselbe Gericht konsistent als Vorspeise.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-083-orig" n="wuext von einem hassen" resp="#fyndling">‚das Gekröse eines Hasen‘. Der direkte Textzwilling m384-030 hat an strukturell identischer Position (Lunge, Leber, drittes Organ) den Begriff ‚westin‘, der als Gekröse/Wanst belegt ist (Ehlert-Glossar, MHDBDB). Das legt eine Verlesung oder Schreibvariante von ‚westin‘ zu ‚wuext‘ nahe.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-083-orig" n="czw sneydt das wurfflat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#wurfflat">‚und schneide [die zuvor genannten Innereien] würfelig‘. ‚wurfflat‘ ist korpusweit (u.a. m5919-077, mha-018, mon-085, ri15632-020) durchgängig ein Adjektiv/Adverb im Sinne von ‚würfelig, in Würfel geschnitten‘ (MHDBDB-Lemma ‚würfeleht‘), kein Substantiv für ein Körperteil. Beide direkten Zwillinge (m384-030 ‚czerschnid das wurff=lott‘, ri15632-018 ‚schneydt daz wurflat‘) übersetzen die Stelle an identischer Position als Anweisung, die zuvor genannten Innereien würfelig zu schneiden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-083-orig" n="Swayß" resp="#fyndling">‚Blut‘. In der mittelalterlichen Jagd- und Kochsprache ist ‚Schweiß‘ der Fachbegriff für das Blut des Wildes.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-083-orig" n="sewd es da mit" resp="#fyndling">‚siede es im Blut‘. ‚da mit‘ bezieht sich auf das zuvor aufgefangene Blut, in dem die Innereien gekocht werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-083-orig" n="prue von wein" resp="#fyndling">‚Wein‘. ‚Prühe‘ (Brühe) kann hier generisch für eine Flüssigkeit stehen, die von Wein stammt, also Wein selbst. Die Alternative ‚Essig‘ unterstützt diese Lesart als Säurekomponente.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-083-orig" n="vnd hack dar an" resp="#fyndling">‚und hacke [Speck] dazu‘. Die Zwillinge zeigen an dieser Position typischerweise eine Speck-Zugabe (m384-030 ‚speck dar czuo‘, ri15632-018 ‚schon speck daran‘, m384-031 ‚hack speck gar klain ouch darIn‘). ‚daran‘ führt grammatisch eher eine neue Zutat ein als dass es die Gesamtmasse abschließend zerkleinert.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-084-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Mörserhühner sind kein rohes Hühnerbrät, sondern eine Verfeinerung von bereits gebratenem Huhn: Das Fleisch wird klein zerteilt, mit einem dünnen Ei-Mehl-Teig und eingeweichtem Weißbrot vermengt, würzig mit Pfeffer, Anis und Safran abgeschmeckt und dann gemeinsam im Mörser fertiggegart. Das Ergebnis ist eine grobe, feuchte Geflügelmasse - ein früher Verwandter der heutigen Geflügel-Rillettes oder -Terrine, entstanden aus der Idee, ein schon gegartes Grundprodukt in eine neue, feinere Speise zu verwandeln. Näher an der eigenen Küchentradition liegt die Verwandtschaft zu gebundenen Frikassee- und Küchlein-Gerichten, bei denen gegartes Fleisch mit Ei und Brot zu einer festen Masse gebunden und in der Pfanne gestockt wird.

Die Krux: Garen im Mörser. Der Steinmörser dient hier nicht nur zum Zerstoßen, sondern zugleich als Gargefäß - eine in der heutigen Küche unbekannte Doppelfunktion. Der Zwillingstext m5919-065 präzisiert dieselbe Technik als Garen in einem 'faisten, haissen' (gefetteten, heißen) Mörser, und die Zwillinge koe-002 und bgs-011 beschreiben zusätzlich, den Mörser dabei immer wieder ans Feuer zu drehen, damit die Hitze gleichmäßig bleibt. m5919-065 gehört allerdings zur eigenständigen Schwesterfamilie der 'Königshühner' (vgl. mon-081): dort bindet allein Ei ohne Brot, gewürzt mit Ingwer statt Safran - eine leichtere, frittata-artige Variante desselben Mörser-Gartricks, keine zweite Fassung dieses Rezepts. Das legt nahe: Das Gefäß wurde vorgewärmt und diente nahe der Glut als Pfannenersatz, nicht als Siedegefäß. Ein Steinmörser direkt ins Feuer zu stellen ist riskant (Thermoschock), und die kleine Menge Farce würde darin ungleichmäßig garen.

Praxis. Verwende ein gebratenes oder gegartes Hähnchen vom Vortag (Reste sind ideal) und zerkleinere das Fleisch fein mit dem Messer oder in der Küchenmaschine. Rühre aus Eiern, etwas Mehl, Pfeffer, Anis und Safran einen sehr dünnen Teig an und weiche das Weißbrot darin ein. Mische Brot und Hühnerfleisch gut durch. Statt der historischen Mörser-Garung eignet sich für die moderne Nachkochbarkeit eine gut geschmalzene Pfanne oder ein Dutch Oven bei mittlerer Hitze: die Masse darin unter gelegentlichem Wenden stocken lassen, bis sie fest und goldgelb ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-084-orig" n="gepratew huener" resp="#fyndling">Partizip 'gepraten' mit Fleisch-Substantiv bedeutet 'gebraten', nicht 'Brät' (Farce). Der bereits gebratene Vogel wird hier klein zerteilt und erst danach im Mörser weiterverarbeitet - das Rezept verfeinert also ein bereits gegartes Huhn zu einer neuen Speise, es wird kein rohes Fleisch zu Farce verarbeitet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-084-orig" n="hieren" resp="#fyndling">Im Kontext ('leg das Brot unter die hieren') vermutlich eine Schreib-/Flexionsvariante von 'huener' (Hühnerstücke), nicht 'Hirn'. Auch in keinem der Zwillingstexte (mon-080, m5919-063/065, koe-002, bgs-011) taucht an der analogen Stelle ein Hirn-Wort auf - überall wird Brot schlicht unter die Hühnerstücke gemischt, was die Lesart 'huener' zusätzlich absichert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-084-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein 'Mörser' ein großes, schweres Gefäß aus Stein oder Metall mit einem kräftigen Stößel, das zum Zerstoßen von Fleisch, Fisch oder Nüssen zu einer feinen Paste verwendet wurde. Hier dient er zugleich als Gargefäß.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-084-orig" n="pachen" resp="#fyndling">Das Verb 'pachen' kann im Frühneuhochdeutschen sowohl 'backen' als auch 'garen' oder 'kochen' bedeuten. Im Kontext der Zubereitung im Mörser ist 'garen' die wahrscheinlichere Lesart - der Zwillingstext m5919-065 präzisiert dieselbe Technik als Garen in einem 'faisten, haissen' (gefetteten, heißen) Mörser.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-085-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist kein Alltagsgericht, sondern ein Schauessen (entremet) für die Festtafel - vergleichbar mit den englischen sotelties oder den „Wundergerichten“ der spätmittelalterlichen Hofküche: ein Wildschweinkopf, der bei Tisch scheinbar von selbst Feuer speit. Der lebende Nachfahr dieses Prinzips ist die moderne Tisch-Flambage (Crêpes Suzette, Feuerzangenbowle) - Alkohol plus versteckte Zündquelle als Spektakel am Tisch. Verwandt ist auch die Familie der feuerspeienden Schaugerichte aus Pastetenteig (Drachen, Pfauen), die demselben Grundprinzip folgen: verstecktes Glutmaterial und hochprozentiger Alkohol ergeben Spektakel, keine echte Magie. Der Wildschweinkopf selbst - gesotten, geröstet, mit Nüssen im Rachen und Apfel im aufgesperrten Maul - steht in der bekannten Tradition des herrschaftlichen „Boar's Head“-Festgerichts, hier aber ganz zur Bühnenrequisite für den Flammeneffekt umfunktioniert.

Was ist das Zündmaterial? Der Zwillingstext mha-231 (Meister Hans, Basel, um 1460) überliefert nahezu denselben Ablauf und benennt den Zündkörper explizit als glühenden, haselnussgroßen Kieselstein, den man in ein nussgroßes Stück trockenes Brot steckt. Das stützt die Lesart „glühendes Zündmaterial“ und liefert eine konkrete Vorstellung: ein erhitzter Stein oder ähnlicher Glutträger, kein Zunderpilz im eigentlichen Sinn. Der Mondseer Text bemisst den Stein selbst mit „so groß wie eine Bohne“ (CoReMA glossiert „pann“ hier ausdrücklich als Ackerbohnen-Vergleich, nicht als Pfannkuchen) - eine ähnliche Größenordnung wie der haselnussgroße Stein im Basler Zwilling, nur mit einem anderen Vergleichsobjekt.

Praxis. Den Wildschweinkopf zunächst sieden, dann im Ofen rösten, bis die Haut braun ist. Anschließend würfelförmig einschneiden, ohne das Fleisch zu durchtrennen - das hält die Form für die spätere Inszenierung zusammen und vergrößert die Oberfläche für die Ingwerkruste. Außen großzügig mit Ingwer bestreuen. Eine Mischung aus hochprozentigem Alkohol (Rum oder Doppelkorn als heutiges Äquivalent zum Branntwein) und Ingwer zur Hälfte in den Hals gießen, die andere Hälfte außen aufträufeln. Ein nussgroßes Stück trockenes Brot mit einem kleinen Loch versehen und darin einen stark erhitzten, haselnussgroßen Stein platzieren - dieser hält die Glut lange genug, um den Alkohol beim Anzünden am Tisch sicher zu entzünden. Der Originaltext beschreibt es so, als entzünde bereits das bloße Berühren des Kopfes die Flammen - tatsächlich ist es der vorbereitete, glühende Stein, der beim Kontakt mit dem alkoholgetränkten Brot zündet, keine durch Berühren ausgelöste Reaktion. Vor dem Servieren Nüsse in den Hals stecken und einen roten Apfel ins aufgesperrte Maul klemmen. Die Flammenshow gehört ausschließlich ins Freie oder unter professionelle Brandschutzaufsicht - offener Alkohol-Flambé an der Festtafel ist eine ernstzunehmende Brandgefahr, kein Kinderspiel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-085-orig" n="salsen" resp="#fyndling">Im Mittelalter bezeichnete „Salse“ eine würzige Tunke oder Sauce, nicht Speisesalz. Hier ist es eine Flüssigkeit, die in den Kopf gegossen wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-085-orig" n="geprancz wein" resp="#fyndling">Wörtlich „gebrannter Wein“, was Branntwein oder einen hochprozentigen Alkohol meint. Dieser dient hier als Brennstoff für die Flammen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-085-orig" n="ein durr pratt" resp="#fyndling">„Pratt“ ist als Schreibvariante sowohl von „brâte“ (Braten) als auch von „brôt“ (Brot) belegt. Der nahezu wortgleiche Zwillingstext mha-231 hat an derselben Stelle zweimal eindeutig „prot“ (Brot: „ain durrs prot als grosz als ain nusz“, „das durr prot“) - gemeint ist ein trockenes Stück Brot, kein Speck.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-085-orig" n="glinden bisling / kisling" resp="#fyndling">Belegt via MHDBDB als Lemma 'kiselinc' (Bedeutungsfeld Mineralien) - ein glühender Kieselstein, der als Zündquelle diente. Bestätigt durch den nahezu wortgleichen Zwillingstext mha-231 (Meister Hans), der denselben Begriff „kissling“ explizit als glühenden, haselnussgroßen Kieselstein verwendet, den man dort in trockenes Brot steckt, um den Branntwein zu entzünden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-085-orig" n="wurfflat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#wurfflat">Würfelförmig eingeschnitten - ein Zierschnitt, der die Kopfhaut in ein Würfelmuster teilt, ohne das Fleisch vollständig zu durchtrennen. Im Korpus konsistent belegt, u.a. in mha-018, m5919-077, ri15632-020 und im nahezu wortgleichen Zwillingstext mha-231.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-085-orig" n="gruenn vnd plab" resp="#fyndling">Der Text nennt keinen Farbzusatz. Die grün-blaue Flammenfärbung ist wahrscheinlich literarische Übertreibung im Duktus der Wundergerichte-Rhetorik oder beschreibt die natürliche, bläuliche Färbung einer reinen Alkoholflamme - eine gesicherte Rezeptur mit Metallsalzen ist durch den Text nicht belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-085-orig" n="smecket sam ein veygel" resp="#fyndling">Eine poetische Umschreibung für einen angenehmen, aromatischen Geschmack, der durch die Würzung mit Ingwer und Branntwein entsteht. Es ist unwahrscheinlich, dass das Gericht tatsächlich nach Veilchen schmeckte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-085-orig" n="glinden bisling / kisling" resp="#fyndling">„Glühendes Zündmaterial“, konkret vermutlich ein stark erhitzter Kieselstein. Der Zwillingstext mha-231 verwendet den lexikalisch verwandten Begriff „kissling“ eindeutig für einen glühenden, haselnussgroßen Kieselstein, der - wie hier - in trockenem Brot steckt. Die Größenangabe „als groß sam ein pann“ ist NICHT „so groß wie ein Pfannkuchen“ (das wäre für ein nussgroßes Loch viel zu groß), sondern „so groß wie eine Bohne“ - CoReMA glossiert „pann“ selbst als Vergleichsobjekt mit der Ackerbohne (Wikidata Q61672189). Das passt zur Größenordnung des Zwillingstexts (haselnussgroßer Stein) deutlich besser als ein Pfannkuchen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-085-orig" n="chlains lungel" resp="#fyndling">„Kleines Loch“ - eine Aushöhlung mitten im trockenen Brot, um das Zündmaterial darin zu platzieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-085-orig" n="veygel" resp="#fyndling">„Veilchen“. Hier metaphorisch für einen angenehmen, aromatischen Geschmack, nicht wörtlich zu nehmen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-086-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine im Mörser über Glut gegarte Farce aus zerstoßenem gebratenem Geflügel(-fleisch oder -innereien), geriebenem Weißbrot, Ei und Gewürzpulver, gelb gefärbt. Das ist ein Vorläufer der heutigen Geflügelfarce bzw. des Geflügel-Pastetenfülls (wie er etwa in einer Terrine de volaille fortlebt) - nur dass hier nicht im Ofen oder Wasserbad gegart wird, sondern direkt im Mörsergefäß selbst, das zugleich Zerkleinerungswerkzeug und Kochtopf ist. Bei der Innereien-Variante (Leber, Magen, Keule statt Hühnerfleisch) ist die Verwandtschaft eher zu heutigen Ragout-fin- und Geflügelklein-Verwertungen zu ziehen - eine sinnvolle Resteverwertung, keine Notlösung.

Praxis. Semmelbrot wird gewürfelt, nicht in Scheiben - das ergibt eine bessere Bindung und zieht schneller Flüssigkeit. Die verquirlten Eier mit Semmel, Muskat und weiterem Gewürzpulver ergeben eine klassische Panade-Basis, das Ei wirkt als Bindemittel. Das Hühnerfleisch wird vor dem Zerstoßen gebraten - der Garpunkt ist damit bereits erreicht, der Mörser-Schritt dient vor allem dem Binden und leichten Erwärmen der Masse, nicht dem Garen von rohem Geflügel. Werden stattdessen Innereien oder eine Keule verwendet, liefert besonders die Keule durch Haut und Sehnengewebe zusätzliche Bindung und mehr Fett und Aroma als reine Brust.

Das eigentliche Garen erfolgt im mit Schmalz ausgekleideten Mörser auf der Glut: das Schmalz wirkt als Antihaft- und Wärmeleitmedium, das Gefäß selbst ersetzt den Ofen. Der Text von mon-086 nennt dabei keine Details zum Anbrennschutz. Der enge Zwilling koe-002 (Königsberger Kochbuch) beschreibt für dieselbe Technik zusätzlich, den Mörser beim Garen immer wieder zum Feuer zu drehen, damit die Hitze gleichmäßig bleibt - eine Ergänzung aus dem Vergleichsrezept, die sich im mon-086-Text selbst nicht findet, aber beim Nachkochen sehr hilft, ein Anbrennen der Masse am Gefäßrand zu vermeiden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-086-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Hier ist geriebenes Weißbrot gemeint, das als Bindemittel dient. Im Mittelalter wurde selten mit Mehl gebunden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-086-orig" n="stupp" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Bezeichnet feines Pulver, in diesem Kontext Gewürzpulver. Die genaue Mischung ist nicht spezifiziert, aber typisch wären Pfeffer, Ingwer oder Zimt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-086-orig" n="Mörser" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext ist meist ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall gemeint, der zum Zerkleinern von Fleisch und anderen Zutaten zu einer feinen Farce verwendet wurde. Er konnte auch zum Kochen über direkter Hitze eingesetzt werden - diese Doppelfunktion als Zerkleinerungswerkzeug und Kochgefäß ist im Mondseer Kochbuch mehrfach belegt (u. a. mon-010, mon-025, mon-047, mon-060) und findet sich mit fast identischem Ablauf auch im Königsberger Kochbuch (koe-002), dort mit der Zusatzanweisung, den Mörser zum Feuer hin zu drehen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-086-orig" n="mach es gelb" resp="#fyndling">Die Gelbfärbung von Speisen war ein Statussymbol und wurde meist mit dem teuren Gewürz Safran erreicht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-086-orig" n="fuessel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#fuessel">Wörtlich „Füßchen“ (Diminutiv zu Fuß), gemeint ist aber kein abgetrennter Fuß, sondern die Keule: CoReMA glossiert das Wort auf der Objektseite zu diesem Rezept selbst als englisch „chicken leg“ (Wikidata Q7196561). Derselbe Fuß-als-Keule-Sprachgebrauch begegnet im Mondseer Kochbuch bereits bei mon-072 („phuesß“ = Wildbretkeule) und wird durch die Zwillinge m5919-096 („füßchen“) und das Königsberger koe-020 („Fusslenn“) bestätigt - CoReMA glossiert dort ebenfalls konsistent „chicken leg“. Kulinarisch ergibt das mehr Sinn als der wörtliche Fuß: Leber, Magen und Keule sind zusammen die ergiebigsten Teile, wenn kein ganzes Huhn zur Verfügung steht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-086-orig" n="ful" resp="#fyndling">‚Masse‘ - die vorbereitete Mischung aus Fleisch, Brot und Gewürzen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-087-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Trotz der älteren Übersetzung ist dies kein Kirschenmus, sondern ein Kernenmus - ein Mus aus Mandelkernen mit Weinbeeren, Wein und Zucker. Es gehört in die Familie der mittelalterlichen Mandel-Mus-Desserts, bei denen ausgestoßene Mandeln statt Milch die Bindung und Cremigkeit liefern - fastenkonform und ohne tierisches Milchprodukt. Mit dem Blancmanger (Geflügel oder Fisch in Mandelmilch) hat das nur die Mandelbasis gemein, nicht die Zutatenkomposition: mon-087 enthält kein Fleisch und keine Mandelmilch, sondern ganze gemahlene Mandeln, Weinbeeren, Wein und Zucker. Am engsten verwandt ist es mit den Rezepten Mus mit Weinbeeren und Mandeln (mha-241) und einem fast wortgleich überlieferten Kernmus (m5919-039): gleiche Zutaten, gleiches Verfahren, gleiche Schlusswarnung vor dem Übersalzen.

Die Schlusswarnung. ‚Und versalze es nicht‘ ist eine reine Warnung, keine Kochanweisung mit Salzmenge - das Rezept nennt Salz an keiner Stelle als Zutat. Es handelt sich um eine stehende Schlussformel bei süßen Mus-Gerichten dieses Kochbuchs, vergleichbar der Vorstellung, dass auch süße Speisen durch eine winzige Salznote runder schmecken, wenn man sie nicht übertreibt.

Praxis. Gemahlene Mandeln werden mit gutem Wein zu einer Mandelmilch ausgestoßen - Wein statt Wasser, damit die Masse zugleich Säure und Aroma bekommt. Weinbeeren (Rosinen) werden untergerührt und die Mischung bei mittlerer Hitze eingekocht, bis sie sämig wird - die fein vermahlenen Mandeln binden von selbst, ein zusätzliches Bindemittel braucht es nicht. Zucker nach Geschmack einrühren, bis das Mus rund schmeckt, und am Ende nicht salzen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-087-orig" n="cheren muß" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#cheren">‚Cheren‘ ist eine Schreibvariante von ‚kernen‘ (Kerne) - kein Wort für Kirschen. Beleg im Korpus: mha-022 trägt selbst den Titel ‚Ain keren‘ und erläutert ‚ain keren muosz von mandel‘ (ein Kernmus aus Mandeln); m5919-039 überliefert einen nahezu wortgleichen Text als ‚kernen mus‘. ‚Cheren muß‘ ist damit ein Mandelkern-Mus, kein Kirschenmus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-087-orig" n="versalcz nit" resp="#fyndling">‚Und versalze es nicht‘ ist eine reine Warnung vor dem Übersalzen - keine Anweisung, Salz zuzugeben. Salz wird an keiner Stelle des Rezepts als Zutat genannt. Die Formel ist eine stehende Schlusswendung bei süßen Mus-Gerichten des Korpus (u. a. auch mon-023) und begegnet dort unabhängig davon, ob überhaupt gesalzen wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-087-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weinbeeren = Rosinen (getrocknete Weinbeeren). Standardlesart für ‚weinper‘ im Korpus: auch die engsten Zwillinge mha-241 und m5919-039 lesen dasselbe Wort an identischer Stelle als Weinbeeren, beide ohne jeden Frisch-Marker im Text - genau wie hier.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-088-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein aus Milch und Eiern zu gleichen Teilen hergestellter Frischkäse, der nicht durch Lab oder Säure, sondern allein durch Hitzegerinnung im Wasserbad gestockt wird - anschließend gepresst, in Scheiben geschnitten, aufgespießt und über der Glut gegrillt. Küchentechnisch ist er der Vorfahr moderner nicht schmelzender Grillkäse wie Halloumi oder Saganaki: eine Masse, die beim Erhitzen eine Kruste bildet statt zu zerlaufen. Als Produkt selbst steht er näher bei einem festen Eierstich als bei klassischem Labkäse.

Das Rezept ist eng mit zwei weiteren Fassungen im Korpus verwandt, die nahezu wortgleich denselben Text und dasselbe Verfahren überliefern - ein stabiler, überregional verbreiteter Rezept-Typus und kein Einzelfall.

Praxis. Eier und Milch im Verhältnis 1:1 kräftig verschlagen, mit Safran (Farbe, nicht Geschmack) versehen und in einen Topf füllen. Diesen Topf in einen Kessel mit siedendem Wasser stellen, sodass kein Wasser in den Topf gelangt - ein klassisches Wasserbad, das ein Anbrennen verhindert und für gleichmäßiges Stocken sorgt. Sieden lassen, bis die Masse geronnen ist, dann auf ein weißes Tuch schütten und beschweren, damit das Wasser abläuft. Nach ein bis zwei Stunden Pressen ist die Masse fest wie Käse und lässt sich wie Butter in Scheiben schneiden. Diese auf Spieße stecken, auf einem Rost über der Glut braten, würzen und mit Schmalz begießen. Mengen- und Zeitangaben nennt die Vorlage nicht näher (nur "zu gleichen Teilen"); das lässt sich in der Praxis nach Konsistenz statt nach Uhr steuern.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-088-orig" n="new milich" resp="#fyndling">Hier ist frische, unfermentierte Milch gemeint, im Gegensatz zu „dicker Milch“ (Sauermilch/Quark).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-088-orig" n="haffen In einen chessel" resp="#fyndling">Dies beschreibt die Zubereitung im Wasserbad (Bain-marie), eine schonende Garmethode, die das Anbrennen verhindert und eine gleichmäßige Stockung der Masse ermöglicht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-088-orig" n="gedeck" resp="#fyndling">Bedeutet hier „geronnen“ oder „gestockt“, also dass die Ei-Milch-Mischung fest geworden ist, ähnlich einem Pudding oder Frischkäse. Zwei eng verwandte Fassungen im Korpus bestätigen diese Lesart an derselben Textstelle mit „gestock“ beziehungsweise „zu samen get“.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-088-orig" n="als ein autter" resp="#fyndling">Der Vergleich meint „wie Butter“ - gemeint ist die schnittfeste, aber geschmeidige Konsistenz der gepressten Masse. Eine eng verwandte Fassung im Korpus hat an derselben Stelle „als ein puteren“ (Butter), was diese Lesart sichert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-088-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein Rost, oft aus frischem, grünem Holz gefertigt, wurde über der Glut platziert, um Speisen schonend zu braten oder zu grillen, ohne dass sie direkt mit der Flamme in Berührung kamen. Siehe auch Der hölzerne Rost.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-089-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gefülltes, hartgekochtes Ei, das doppelt gegart wird - erst in der Pfanne angebacken, dann noch in einen dünnen Eierkuchenteig eingebacken. Das Grundprinzip "Ei in einer Hülle" kennt man heute vom britischen Scotch Egg, näher verwandt ist aber der süddeutsch-österreichische gefüllte Palatschinken: eine Einlage, die in einen dünnen Pfannkuchenteig eingearbeitet wird. Drei enge Verwandte im Korpus (m725-019, boc-038, m384-049) zeigen, dass "gefüllte Eier" im 14./15. Jahrhundert ein verbreitetes Motiv der Kochbuchliteratur waren - mit wechselnder Füllung von Kräutern bis Ingwer, Zimt und Safran.

Die Fladen-Zutaten. Was genau in den "placz" hineingehört, sagt der Text nicht - schon die alte Handnotiz am Rand vermerkt ratlos "placz ?!". Der Zwilling m384-049 zieht die gefüllten Eier durch einen dünnen, mit Safran und Zucker gewürzten Eierteig und backt sie darin aus; das stützt die Lesart von "placz" als dünnem, mitgebackenem Eierkuchenteig und nicht als bloße Unterlage zum Servieren.

Praxis. Eier hart kochen, schälen, halbieren und die Dotter herauslösen. Die Dotter mit rohem Ei und Gewürzen zu einer streichfähigen Masse verrühren - das rohe Ei bindet die sonst krümelige Dottermasse wieder. Die Mischung zurück in die Eiweißhälften füllen. Die gefüllte Seite in der Pfanne anbacken, bis sie kräftig Farbe nimmt: Da die Hälften hier offen bleiben und nicht wieder verschlossen werden, gelingt das Wenden am sichersten mit einem breiten Pfannenwender und wenig Fett, damit die halbflüssige Füllung nicht ausläuft. Parallel einen dünnen Fladen aus Eierteig in der Pfanne ausbacken, die gefüllten Eier daraufsetzen und gemeinsam fertigbacken, bis beides eine zusammenhängende Fläche bildet. Zum Servieren Ei und Fladen mit dem Pfannenwender voneinander lösen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-089-orig" n="tutter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tutter">Bairisch-österreichische Bezeichnung für den Eidotter.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-089-orig" n="gebürcz" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Schreibweise für 'Gewürze'. Die genaue Mischung ist nicht angegeben, aber typisch wären Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken oder Muskat.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-089-orig" n="placz" resp="#fyndling">Bezeichnet einen dünnen Fladen oder Pfannkuchen. Die Zutaten sind im Rezept nicht spezifiziert, doch der Zwilling m384-049 zieht die gefüllten Eier durch einen dünnen, mit Safran und Zucker gewürzten Eierteig - das stützt die Lesart als mitgebackener Eierkuchenteig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-089-orig" n="pach sy rott" resp="#fyndling">„Backe sie rot“ - hier ein Bräunungsgrad, keine Zutatenfarbe: Die Dotterfüllung soll in der Pfanne kräftig rötlich-braun anbacken, ähnlich der Formel „bis es goldrot wird“ (vgl. m5919-087). Der enge Zwilling mha-091 verwendet exakt dieselbe Wendung „pach sy rot“ für dieselbe Dotter-Ei-Masse - dort wurde sie bislang als Hinweis auf ein Färbemittel (Sandelholz) gelesen, was angesichts des hiesigen Pfannen-Kontexts eher für die Bräunungs-Lesart spricht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-089-orig" n="cher die tutter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tutter">Die Phrase 'cher die tutter' wurde als 'Wende die Dotterfüllung' übersetzt. 'Cher' bedeutet 'kehren' oder 'wenden' und bezieht sich hier - wörtlich wie im Glossar festgelegt - auf 'tutter', den Eidotter bzw. die daraus bereitete Füllmasse, nicht auf die Eiweißhälfte als Ganzes.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-089-orig" n="lab" resp="#fyndling">'Lab es dan von ein ander' wurde als 'Löse es dann voneinander' übersetzt. Gemeint ist das Trennen von Fladen und Ei nach dem gemeinsamen Backen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-090-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süß-scharfes Weißkohlgericht, das kalt serviert wird - die spätmittelalterliche Vorstufe des heutigen Krautsalats mit Senf-Honig-Dressing, wie man ihn als Beilage zu Wurst oder deftigem Fleisch kennt. Die Grundidee (gemachtes Kraut in einer kalten Senf-Honig-Mischung) war im bairisch-österreichischen Raum offenbar weit verbreitet; die Mondseer Fassung sticht durch eine zusätzliche Fülle aus Ei und Weinbeeren heraus, die das gebratene Kraut anreichert und im Kochbuch-Vergleich sonst nicht auftaucht - eher eine kalte Kraut-Frittata mit süßer Marinade als ein loser Salat.

Zwei Bratgänge, ein Missverständnis vermeiden. Der Text nennt zweimal eine Bratanweisung: erst wird der geschnittene Kohl solo abgebraten, dann kommt die verquirlte Ei-Weinbeeren-Masse dazu und das Ganze wird nochmals kräftig angebraten. Das ist keine Dopplung oder ein Abschreibfehler, sondern zwei getrennte Hitzeschritte - erst Röstaromen auf den Schnittflächen des Kohls, dann das Stocken des Eis zwischen den Kohlspalten wie bei einer Art Kraut-Omelette. Das Ei dient hier als zeittypisches Bindemittel, keine Mehlschwitze.

Praxis. Weißkohlkopf in Spalten schneiden und in heißem Schmalz kräftig anbraten. Eier und Weinbeeren (Rosinen) verquirlen, mit einem Schuss heißem Schmalz verrühren und zum angebratenen Kraut geben; nochmals kräftig anbraten, bis das Ei zwischen den Kohlspalten gestockt ist. Für die Sauce Senf, Honig und Gewürz kalt verrühren. Das gebratene Kraut vollständig auskühlen lassen, dann in die Senf-Honig-Mischung legen und kalt servieren - wer das Kraut warm in die Marinade gibt, riskiert eine zerlaufende Sauce und ein unangenehm lauwarmes statt frisch-kühles Gericht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-090-orig" n="chraut" resp="#fyndling">Im Mittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen bezeichnet ‚Kraut‘ allgemein eine Pflanze oder ein Gemüse, nicht ausschließlich Sauerkraut. Hier ist Weißkohl gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-090-orig" n="spelten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#spelten">‚Spelten‘ sind aus dem Kohlkopf geschnittene Kohlspalten - dieselbe Schneidetechnik wie bei modernen Kartoffelspalten, nur aus Kohl statt Kartoffel. Keine Teighüllen und nicht zu verwechseln mit ‚Spelt‘ (dem Getreide Dinkel). Im Korpus nur hier und im Zwilling mon-091 belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-090-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weinbeeren = Rosinen (getrocknete Weinbeeren), nicht frische Weintrauben - Standardlesart für ‚weinper‘ im Korpus. Auch außerhalb: Lexer führt ‚weinper‘ 1482 direkt als lateinisch ‚passile‘ (= Rosine), Grimm ebenso als ‚trucken weinper... rosine‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-090-orig" n="smalcz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz. Für eine vegetarische Variante kann Pflanzenöl verwendet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-090-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Ein generischer Begriff für Gewürze. Typische Gewürzmischungen der Zeit enthielten Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken oder Galgant.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-090-orig" n="prens / vber pren" resp="#fyndling">Vom Verb ‚brennen‘ im Kochsinn: anbraten oder rösten. Die Wiederholung im Text (‚ab-braten‘, dann ‚über-braten‘) meint zwei getrennte Bratgänge - erst den Kohl solo, dann Kohl und Ei-Weinbeeren-Fülle gemeinsam.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-091-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Weißkohlgericht, kein Krapfen: Kohlspalten werden mit einer Ei-Weinbeeren-Masse gefüllt, angebraten, in einen dünnen Ei-Wasser-Teig getaucht und in Schmalz gebacken. Es ist die frittierte Schwester von mon-090, demselben Grundgericht aus Weißkohl mit Ei-Weinbeeren-Fülle - dort wird kalt mit Senf-Honig-Sud serviert, hier wird zusätzlich paniert und frittiert. Als lebende Verwandtschaft lässt sich am ehesten an gefüllte, panierte Kohlgerichte denken - eine entfernte, süßere Vorstufe dessen, was man sich heute als frittierte Krautröllchen vorstellen könnte.

Die Kohlspalten, nicht Teighüllen. ‚Spelten‘ sind die aus dem Kohlkopf geschnittenen Stücke - im Zwilling mon-090 eindeutig belegt als das, was übrig bleibt, wenn man einen Kohlkopf in Teile schneidet. Sie werden hier mit der Ei-Weinbeeren-Masse gefüllt statt (wie zunächst vermutet) in eine separate Teighülle gepackt.

Praxis. Einen Weißkohlkopf in Spalten schneiden. Acht Eier mit 125 g Weinbeeren (Rosinen) verquirlen und zwischen die Kohlspalten füllen, dann sachte in Schmalz anbraten, bis das Ei zwischen den Blättern anzieht. Für den Backteig drei Eier mit etwas Wasser zu einem dünnen Teig verrühren. Schmalz in einem Topf heiß werden lassen, die gefüllten Kohlspalten durch den Teig ziehen und im heißen Schmalz goldbraun backen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-091-orig" n="chraucz" resp="#fyndling">‚Chraucz‘ ist eine graphematische Schreibvariante von ‚chraut‘ (Kraut, hier Weißkohl) - dasselbe Lemma wie im unmittelbar vorhergehenden Zwillingsrezept mon-090, das mit fast identischem Incipit beginnt (‚wil dw machen weysse chraut‘ / ‚wil dw ... chraucz Smachen‘) und dort eindeutig einen Kohlkopf meint, der in Teile geschnitten wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-091-orig" n="vierdung" resp="#fyndling">Ein ‚Vierdung‘ war eine alte Maßeinheit, die einem Viertel Pfund entsprach. Ein Pfund im Mittelalter entsprach etwa 500 g, somit sind 125 g gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-091-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weinbeeren = Rosinen (getrocknete Weinbeeren), nicht frische Weintrauben - Standardlesart für ‚weinper‘ im Korpus, wie im Zwilling mon-090. Lexer führt ‚weinper‘ 1482 direkt als lateinisch ‚passile‘ (= Rosine), Grimm ebenso als ‚trucken weinper... rosine‘. Sie bilden zusammen mit den Eiern die Füllung für die Kohlspalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-091-orig" n="spelten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#spelten">‚Spelten‘ sind die aus dem Kohlkopf geschnittenen Kohlspalten (vgl. Kartoffelspalten), keine Teighüllen. Belegt durch mon-090, wo derselbe Begriff eindeutig die geschnittenen Kohlteile bezeichnet (‚sneidt die hawbt czw taillen ... leg die spelten dar ein‘). Im Korpus ist ‚spelten‘ nur in diesen beiden Rezepten belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-091-orig" n="prens gmach" resp="#fyndling">‚prens‘ ist die bairische Form von ‚braten/rösten‘ (nicht ‚pressen‘), belegt im Zwilling mon-090 (‚prens ab‘ = brate ab) sowie in mon-031 (‚vber prens‘ = nochmals erhitzen). ‚prens gmach‘ bedeutet also ‚bratet sachte/gemächlich an‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-091-orig" n="sewcz haiß smalcz vber" resp="#fyndling">‚sewcz‘ ist die bairische Form von ‚sieden‘. Die Anweisung meint, heißes Schmalz in einem Topf zu erhitzen, um darin zu backen/frittieren.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-092-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist ein früher Brandteig (die Vorform der modernen Choux-Masse): Mehl wird in siedendem Wasser verkleistert, dann werden vier Eier eingearbeitet, der Teig löffelweise in heißes Schmalz gestrichen und nach dem Backen mit Zucker bestrichen. Zwei nahezu wortgleiche Zwillinge - mha-140 ("Aber ain gepachenns") und m5919-037 ("Ain prantz gepachen", wörtlich "gebranntes Gebäck") - bestätigen Satz für Satz denselben Ablauf und benennen die Technik als eigene, im 15. Jahrhundert bereits etablierte Backart. Im Ergebnis nahe an gezuckertem Schmalzgebäck aus Brandmasse - ein Vorfahre von Windbeuteln, Eclairs und Quarkbällchen, jedoch ohne Fett im Kochwasser, wodurch die Masse dichter und kompakter bleibt als moderner Brandteig.

Konsistenz und Bindung. "czw reib das wol doch das es pey der dich beleyb" heißt zerarbeiten, bis der Teig eine feste, klebrige Konsistenz hält - beide Zwillinge bestätigen diese Lesart ("zertreib"/"zereib", "dick"). Erst danach werden die Eier eingeschlagen.

Praxis. Mehl in siedendes Wasser einrühren und zu einem festen Kloß verarbeiten. Den Kloß vor der Ei-Zugabe etwas abkühlen lassen (Handwärme) - sonst gerinnt das Ei im noch zu heißen Teig; das Original erwähnt diesen Schritt nicht, er ergibt sich aber aus der Technik selbst. Danach vier Eier gründlich einarbeiten, den Teig löffelweise in heißes, leicht gebräuntes Schmalz streichen und portionsweise zu flachen Talern ausbacken. Nach dem Backen mit Zucker bestreuen oder bestreichen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-092-orig" n="gepachen ding" resp="#fyndling">Wörtlich "gebackenes Ding" - im Textzwilling mha-140 als "gepachenns" die Sammelbezeichnung für in heißem Fett gebackene Mehl-Ei-Zubereitungen (Krapfen-/Schmalzgebäck-Familie), hier konkret die Brandteig-Technik, nicht ein beliebiges Gebäck.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-092-orig" n="pey der dich beleyb" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#dich">"dich" ist hier eine Schreibvariante von "dick" (ck/ch-Schwund) - der Zwilling m5919-037 hat an derselben Stelle "pey der dick peleib". Gemeint ist die feste, dickliche Konsistenz des Brandteigs vor der Ei-Zugabe.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-092-orig" n="czw reib" resp="#fyndling">Zerreiben/zerarbeiten (Verbpräfix "zer-"), nicht "zwei reiben" - beschreibt das Einrühren von Mehl in siedendes Wasser bis zur festen Brandteig-Konsistenz.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-092-orig" n="salben" resp="#fyndling">Hier "bestreichen/bestreuen" (mit Zucker), nicht "salzen" - der Zwilling m5919-037 hat an derselben Stelle "strae" (streue) Zucker, was die Lesart "bestreuen" stützt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-092-orig" n="pey der dich beleyb" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#dich">"dick" - Schreibvariante mit ck/ch-Schwund zu "dich", gemeint ist die feste, dickliche Konsistenz des Teigs.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-093-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein flacher, in der Pfanne gestockter Eier-Käse-Speck-Teig mit abschließender Zuckerbestreichung - näher an einem dicken Käse-Omelett als an einem gerollten Palatschinken. Man kann darin einen Vorläufer der österreichischen Schmarrn-Familie im herzhaften Zweig erkennen: das Grundprinzip (Ei-Masse flach in der Pfanne gestockt) verbindet dieses Rezept mit dem späteren Kaiserschmarrn, bevor sich süß und pikant in der Küche strikter trennten.

Praxis. Harten Käse reiben, damit er sich beim Erhitzen mit Ei und Mehl zu einer streichfähigen Masse verbindet statt zu klumpen. Eier daranschlagen - sie sind das Bindemittel, das die Masse gieß- und streichfähig macht und beim Erhitzen fest werden lässt. Speck hacken und untermischen: er liefert Fett, Röstaroma und Saftigkeit. Wenig Mehl untermischen für zusätzliche Struktur, da Käse und Ei bereits die Hauptbindung stellen. Die Masse flach in eine Pfanne mit wenig Fett streichen und bei mittlerer Hitze backen, bis die Unterseite goldbraun ist - das Original nennt kein Ausbacken in reichlich Schmalz, anders als bei anderen Krapfen-Rezepten dieses Kochbuchs, daher eher Backen/Braten in wenig Fett als Frittieren. Nach dem Backen mit Zucker bestreuen - ein rein geschmacklicher, süß-pikanter Abschluss ohne technische Funktion.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-093-orig" n="chrapffen" resp="#fyndling">Krapfen, ein Oberbegriff für verschiedene Arten von Gebäck, die sowohl herzhaft als auch süß, gebacken oder frittiert sein konnten. Hier deutet die Zubereitung in der Pfanne auf einen flachen, gebackenen oder gebratenen Teigfladen hin - anders als bei Rezepten dieses Kochbuchs, die ein Ausbacken in reichlich Schmalz vorschreiben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-093-orig" n="ge pacht" resp="#fyndling">Gebacken. Im Kontext von 'in die phann' bedeutet dies wahrscheinlich in der Pfanne gebacken oder gebraten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-093-orig" n="salbs mit czuckerr" resp="#fyndling">Bestreiche es mit Zucker. Die Kombination von herzhaften Zutaten (Käse, Speck) mit einer süßen Bestreuung war in der mittelalterlichen Küche weit verbreitet und ein Zeichen von Wohlstand und Raffinesse.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-093-orig" n="chrapffen" resp="#fyndling">Krapfen (flacher, gebackener oder gebratener Teigfladen).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-094-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gebackener Fischrogen-Fladen ("Pachens") in schwarz gerösteter Mehl-Essig-Pfeffersauce, garniert mit gerösteten Weißbrotwürfeln. Damit steht das Rezept in der spätmittelalterlichen Vorstufe der süddeutsch-österreichischen "sauren Sauce"-Familie - einer dunklen, mit stark geröstetem Mehl gebundenen Säure-Schärfe-Sauce, wie sie bis heute in der sauren Kalbsleber oder dem Beuschel fortlebt. Der Rogen-Fladen selbst ist ein Vorläufer heutiger Fischfrikadellen, die gerösteten Semmelwürfel als Sauce-Topping die direkte Linie zu Croûtons.

Der Rogen-Fladen. Fischrogen besteht aus Eiweiß und feinen Fettkörnchen und stockt beim Backen zu einer festen Masse - ähnlich wie geschlagenes Ei. Aus dem im Mörser fein gestoßenen Rogen entsteht so ein breiter, flacher Fladen, der anschließend würfelig geschnitten wird.

Die schwarze Mehlröstung. Das trockene Anrösten von Mehl in Öl bis zur Schwarzfärbung erzeugt über die Maillard-Reaktion Röststoffe, die Farbe und ein kräftiges, leicht bitteres Aroma liefern - namensgebend für den "schwarzen Pfeffer" dieser Saucenklasse. Erst danach wird mit Fischbrühe abgelöscht und mit Wein oder Essig sowie Gewürz zur Sauce verkocht. Das geröstete Mehl bindet die Sauce bereits vollständig; die Rogenwürfel müssen darin nur noch kurz aufkochen, um durchzuwärmen, da sie durch das vorherige Backen schon gegart sind.

Die Semmelwürfel. Sie werden separat in Öl geröstet und erst zum Schluss über das fertige Gericht gestreut - reine Textur- und Röstaroma-Garnitur, nicht Teil der Bindung.

Praxis. Fischrogen im Mörser oder Blender fein pürieren, in einer Pfanne zu einem breiten, flachen Fladen backen, auskühlen lassen und würfeln. Mehl in reichlich Öl unter Rühren dunkel bis fast schwarz rösten, mit Fischbrühe ablöschen, mit Wein oder Essig und einer Gewürzmischung abschmecken. Die Rogenwürfel darin kurz aufkochen. Semmelwürfel getrennt in Öl knusprig rösten und erst beim Anrichten über das Gericht streuen. Das genaue Mengenverhältnis von Rogenmasse zu Sauce nennt das Original nicht - hier nach Augenmaß eine sämige, nicht zu dünne Sauce anstreben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-094-orig" n="pachens" resp="#fyndling">Ein 'Pachens' bezeichnet hier eine Art gebackenen oder gestampften Fladen, oft aus pürierten Zutaten hergestellt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-094-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein 'Mörser' ein großer Fleischmörser, der zum Zerkleinern und Pürieren von Fleisch, Fisch oder anderen Zutaten verwendet wurde. Für dieses Rezept ist ein kleinerer Mörser oder ein Blender ausreichend.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-094-orig" n="prenn ein mell in einem ol in der phan das es swarcz werdt" resp="#fyndling">Das 'Schwarzbrennen' von Mehl in Öl ist eine alte Technik, um eine dunkle Farbe und einen intensiven, leicht bitteren Geschmack zu erzeugen. Es ist die Basis für eine dunkle Sauce, ähnlich einem sehr dunklen Roux.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-094-orig" n="pheffer" resp="#fyndling">Im Mittelalter bezeichnete 'Pfeffer' oft nicht nur das Gewürz, sondern eine ganze Kategorie von dunklen, kräftig gewürzten Saucen, die häufig mit geröstetem Brot oder Mehl gebunden wurden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-094-orig" n="perben" resp="#fyndling">‚Barben' - der Rogen von Barben (Barbus barbus) ist giftig, daher die Warnung, diesen nicht zu verwenden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-094-orig" n="plaites" resp="#fyndling">‚breites' - bezieht sich auf die Form des gebackenen Rogen-Fladens.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-094-orig" n="bierfflat / burfflat" resp="#fyndling">‚würfelig, würfelförmig' - bezieht sich auf die Schnittart des Rogen-Fladens bzw. des Weißbrots, nicht auf ein eigenes Produkt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-094-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚Gewürz' - eine allgemeine Bezeichnung für eine Gewürzmischung, deren genaue Zusammensetzung nicht näher spezifiziert ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-095-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Frittiergebäck aus geriebenem Käse, Mehl und Ei, gewürzt und in Schmalz ausgebacken - die Konsistenz liegt zwischen Käsekräcker und Käsegebäck-Krapfen. In heutiger Küche am ehesten mit Käsestangen (Cheese Straws) verwandt, nur eben frittiert statt im Ofen gebacken. Die Hufeisenform ist dabei reine Zierform ohne Gartechnik-Funktion.

Warum diese Zutaten funktionieren. Geriebener, fester Käse plus halb so viel Mehl ergibt zusammen mit dem Ei einen bindefähigen, formbaren Teig - vergleichbar mit modernen Käsestangen-Teigen. Das Ei ist hier das Bindemittel: es koaguliert beim Frittieren und stabilisiert die Form, ganz ohne die spätere Mehlschwitze-Technik.

Praxis. Käse fein reiben, mit halb so viel Mehl und Ei zu einem geschmeidigen Teig verkneten und großzügig würzen. Auf einer Arbeitsfläche zu einer dünnen Wurst rollen und zu einem Hufeisen biegen. In reichlich Schmalz bei mittlerer Hitze (ca. 160-180°C) ausbacken, bis die Oberfläche goldbraun ist - bei dünn gehaltenem Teigstrang gart der Kern durch, bevor die Oberfläche verbrennt. Für die Stangen-Variante denselben Teig zu langen, sehr dünnen Strängen rollen, ebenfalls in viel Schmalz ausbacken und danach in eine Schüssel geschnitten servieren. Käse und Eier sollten bis zur Verarbeitung kühl gelagert werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-095-orig" n="pachens" resp="#fyndling">Ein ‚Gebackenes‘, hier im Sinne eines frittierten Teiggebäcks.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-095-orig" n="roß eyssen" resp="#fyndling">Wörtlich ‚Rosseisen‘, also Hufeisen. Dies beschreibt die gewünschte Form des Gebäcks.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-095-orig" n="puluer das wol" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#puluer">Bedeutet ‚würze das gut‘. Im Mittelalter wurden Gerichte oft mit einer Mischung aus teuren Gewürzen wie Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken verfeinert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-095-orig" n="wellen" resp="#fyndling">Hier im Sinne von ‚kneten‘ oder ‚verarbeiten‘, sodass der Teig geschmeidig wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-095-orig" n="panck" resp="#fyndling">Eine ‚Bank‘ oder ‚Arbeitsplatte‘, auf der der Teig ausgerollt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-095-orig" n="ckimps" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ckimps">Bestätigt durch den Zwilling ri15632-012, der an exakt derselben Satzposition ‚krumpt ez alz die hueff eysen‘ (= ‚krümme es wie das Hufeisen‘) hat, sowie durch den Wörterbuch-Beleg ‚kimpfen‘ (mittelfränkisch kampfen/krümmen, Lexer/Grimm). ‚ckimps‘ ist damit eine Lautvariante zu krimpfen/krümpfen = ‚krümme (es)‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-095-orig" n="struczell" resp="#fyndling">Längliche Gebäckstangen oder Strudel. Eine Variante des Gebäcks, die ebenfalls frittiert wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-095-orig" n="smalcz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz, das hier zum Frittieren verwendet wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-095-orig" n="struczell" resp="#fyndling">‚Gebäckstangen‘ oder ‚Strutzel‘. Der Begriff ‚Strutzel‘ ist im bairisch-österreichischen Raum für längliche Gebäcke bekannt und passt zur Beschreibung ‚lang‘ und ‚dünn‘.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-096-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gesülzter Fisch in Essig-Sud ist der unmittelbare Vorfahr der heute noch im Fischgeschäft erhältlichen Fischsülze bzw. des Fisch-in-Aspik: Der Kollagengehalt von Fischhaut und -gräten liefert beim Auskühlen dieselbe natürliche Gelierung wie moderne Gelatine, nur ganz ohne Zusatz. Ein fast wortgleiches Schwesterrezept findet sich in Clm 15632 (ri15632-009), dort mit Wein und Safran statt Wermutkraut - mon-096 ist die schlichtere, weinlose Variante desselben Grundrezepts.

Der Essig-Wasser-Sud. Wasser und Essig zu gleichen Teilen bilden zugleich Gar- und Konservierungsmedium: Die Säure senkt den pH-Wert und liefert die Basis für die spätere Sülze. Der Fisch wird darin mit Gewürzen und Wermutkraut gesiedet - ein Schritt, der Garprozess und Aromatisierung verbindet. Das lange Sieden löst zugleich Kollagen aus Haut und Gräten, wodurch die spätere Gelierung ganz ohne zusätzliches Bindemittel gelingt.

Praxis. Fisch in der Essig-Wasser-Lösung bei schwachem Sieden garen, mit Gewürzen und etwas Wermutkraut versehen. Den Sud anschließend über den Fisch geben (oder gegen Ende der Garzeit im selben Gefäß nachgießen) und vollständig auskühlen lassen, bis die Sülze fest wird. Die Zubereitung selbst gelingt problemlos am offenen Feuer; der limitierende Faktor ist allein die Kühlphase danach - ohne Erdkeller, kaltes Fließwasser oder kühle Jahreszeit zieht sich das Gelieren im Sommerlager hin oder bleibt unzuverlässig. Wer vorführen möchte, setzt den Sud am Vortag an und stellt ihn über Nacht kühl.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-096-orig" n="sulcz visch" resp="#fyndling">‚Gesülzter Fisch‘ oder ‚Fisch in Sülze‘. Eine traditionelle Methode, Fisch durch Kochen in Essig-Sud haltbar zu machen und zu gelieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-096-orig" n="geleich" resp="#fyndling">‚Gleich‘ oder ‚zu gleichen Teilen‘. Hier bezieht es sich auf das Verhältnis von Wasser und Essig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-096-orig" n="sewdt" resp="#fyndling">Eine bairisch-österreichische Variante von ‚sieden‘, also kochen oder köcheln.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-096-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Eine regionale Schreibweise für ‚Gewürz‘. Die genaue Mischung wird nicht spezifiziert, was dem Koch freie Hand lässt. Typisch wären Pfeffer, Ingwer, Nelken oder Muskatblüte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-096-orig" n="gewß an" resp="#fyndling">‚Gieße an‘ oder ‚übergieße‘. Hier die Anweisung, den Sud über den Fisch zu gießen, damit er darin geliert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-096-orig" n="wermibs" resp="#fyndling">Hapax legomenon - nur in mon-096 belegt, kein weiterer Korpus- oder Wörterbuch-Treffer. Die Lesart ‚Wermutkraut‘ stützt sich auf den bairischen b/w-Lautwandel (vgl. ‚gburcz‘, ‚gewß‘ im selben Text) und auf die strukturelle Parallele zum Zwillingsrezept ri15632-009, das an derselben Satzposition ‚saffran‘ nennt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-096-orig" n="wermibs" resp="#fyndling">‚Wermutkraut‘ (Artemisia absinthium). Aufgrund phonetischer Ähnlichkeit zu ‚Wermut‘, des im Text selbst belegten bairischen b/w-Lautwandels (vgl. ‚gburcz‘, ‚gewß‘) und der Verwendung von Wermut als Bittermittel in der mittelalterlichen Küche.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-097-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gewürzte, mit Lebkuchen und Brot gebundene Wein-Honig-Essig-Sauce über pochierten Feigen, kalt serviert und mit aufgekochten, prallen Weinbeeren bestreut - eine mittelalterliche Sülze im Sinne einer sämigen Kompott-Sauce, nicht einer Gelatine-Sülze. Nächste lebende Verwandte sind das weihnachtliche Feigen- oder Birnenkompott mit Lebkuchengewürz sowie süß-saure Frucht-Mostarden. Das nahezu wortgleiche Zwillingsrezept m5919-006 (Cgm 5919) bestätigt Rezeptidentität und -technik über zwei Handschriften hinweg.

‚Erbels‘ heißt aufwallen, nicht klären. ‚Gburcz vnd geverbs vnd erbels das alles durch ein ander‘ ist eine Verb-Trias: würzen, färben, aufwallen lassen. ‚Erbels‘ ist die bairische b-für-w-Schreibung von ‚erwellen‘ (aufkochen) - kein Klärverfahren mit Eiweiß oder Schaumabschöpfen, sondern schlicht das letzte gemeinsame Aufkochen der gewürzten, gefärbten Masse. Derselbe Lautwechsel begegnet im Korpus mehrfach (m5919-011) und im Zwilling m384-076 an exakt derselben Stelle (‚erwels als vnder ain andren‘).

Die Weinbeeren werden rund und prall, nicht ‚Sinnbeeren‘ hinzugefügt. ‚Erbellten synibellen weinper‘ ist keine Aufzählung zweier Beerensorten, sondern eine Doppel-Beschreibung der Weinbeeren selbst: aufgekocht (erbellten) und rund/prall geworden (synibellen, von sinwel/sinbel). Das Buch belegt diese Lesart selbst in mon-023, wo Weinbeeren beim Aufwallen ausdrücklich ‚sinbell‘ werden. Es braucht also keine zweite, unbelegte Fruchtsorte als Garnitur - nur Rosinen, die beim Aufkochen aufquellen.

Praxis. Feigen zu je sechs auf ein Spießchen stecken und im Kessel oder Topf in Wein weichkochen. Geriebenes Brot und geriebenen Lebkuchen in den Feigensud rühren, Honig und Essig zugeben und durch ein Sieb streichen, um Kerne und Fasern zu entfernen. Die passierte Masse würzen (Pfeffer, Ingwer, Zimt), mit period-treuer Farbe (etwa Safran) einfärben und noch einmal kurz gemeinsam aufkochen lassen. Die Feigen ins Anrichtegefäß legen, den Sud darübergießen und auskühlen lassen. Rosinen separat kurz aufkochen, bis sie prall aufgequollen sind, und vor dem Servieren darüberstreuen. Kalt servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-097-orig" n="sulz" resp="#fyndling">Eine ‚Sülze‘ bezeichnete im Mittelalter oft eine dickflüssige, gewürzte Sauce oder einen Brei, der kalt serviert wurde und durch Reduktion oder Bindemittel eine sämige bis gelierte Konsistenz erhielt. Nicht immer war ein Geliermittel im modernen Sinne (wie Gelatine) enthalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-097-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">‚Leczelten‘ oder ‚Lebzelten‘ ist die frühneuhochdeutsche Bezeichnung für Lebkuchen oder gewürztes Gebäck (vgl. Nürnberger Lebkuchen-Würze). Er wurde oft gerieben als Bindemittel und Gewürzträger in Saucen und Süßspeisen verwendet. Siehe m725-002 für ein eigenes Lebkuchen-Rezept aus dem Korpus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-097-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚Gburcz‘ ist eine bairisch-österreichische Variante von ‚Gewürz‘. Die genaue Mischung ist nicht spezifiziert, aber typisch für süße Speisen wären Zimt, Ingwer, Nelken oder Muskatblüte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-097-orig" n="erbels" resp="#fyndling">‚Erbels‘ ist nicht ‚erhelle/kläre‘, sondern eine bairische b-für-w-Schreibung von ‚erwellen‘ = aufkochen, aufwallen lassen. Derselbe Lautwechsel begegnet im Korpus mehrfach (u.a. m5919-011: ‚weinpir erbels dan‘ = ‚lass die Weinbeeren aufwallen‘) und im nahezu wortgleichen Zwillingsrezept m384-076, das an derselben Stelle ‚erwels als vnder ain andren‘ liest.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-097-orig" n="synibellen" resp="#fyndling">‚Synibellen‘ ist keine eigene Beerensorte, sondern eine Schreibvariante von ‚sinwel/sinbel‘ = rund, kugelrund, prall - wieder mit b für w. Beschreibt gemeinsam mit ‚erbellten‘ (aufgekocht) den Zustand der Weinbeeren nach dem Aufwallen: aufgekocht und rund/prall geworden. Das Buch selbst belegt diese Lesart in mon-023, wo Weinbeeren beim Aufwallen ausdrücklich ‚sinbell‘ werden. Der Zwilling m5919-006 bestätigt zusätzlich dieselbe Wortfolge (‚sinbelen erbelten weinper‘) an identischer Stelle.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-097-orig" n="sewcz" resp="#fyndling">‚siede es‘ - die Feigen in Flüssigkeit kochen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-097-orig" n="rains wasser" resp="#fyndling">‚reines Wasser‘ - die Feigen werden vor dem Übergießen mit dem Sud in klares Wasser gelegt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-098-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Vorläufer des heutigen süßen (Honig-)Senfs: eine dickflüssige, mit Honig statt Essig gebundene Senfpaste aus fein gemörserter und durch ein Tuch passierter Senfsaat. Über die abschließende Anmach-Variante mit Wein ist er zudem ein struktureller Cousin der französischen moutarde au vin, die bis heute Traubenmost oder Wein statt Essig zur Säure gibt. Im Mondseer Kochbuch selbst gibt es mit mon-137 noch ein zweites, fast wortgleiches Senfrezept - dort fehlt allerdings die Zimtblüte-Nennung, was sich erst im Vergleich mit dieser Fassung als wahrscheinliches Abschreibversehen zeigt.

Die Zimtblüte. Das Rätselwort der Handschrift, "zymeid plue", ist keine Brühe, sondern Zimtblüte - das Gewürz wird zusammen mit der gestoßenen Senfsaat unter den Senf gemischt, bevor Honig eingerührt wird. Die eng verwandten Rezepte mha-013 und m5919-017 bestätigen diese Zutat an derselben Stelle im Ablauf.

Praxis. Senfsaat im Mörser sehr fein zerstoßen und durch ein feines Tuch passieren, damit keine Schalenreste zurückbleiben. Gestoßene Zimtblüte untermischen, dann mit Honig zweimal kräftig durcharbeiten, bis eine feste, wachsartige Paste entsteht - diese Grundpaste hält sich gut und lässt sich portionsweise mit Wein zu Tafelsenf anrühren, wenn er gebraucht wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-098-orig" n="seniff sam" resp="#fyndling">Senfsaat (Senfkörner). Im Mittelalter wurde Senf oft aus ganzen Körnern frisch zubereitet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-098-orig" n="sawber schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">‚Sauber reinigen‘ oder ‚schön machen‘. Eine übliche Anweisung für Gewürze und Samen, die oft mit Verunreinigungen gehandelt wurden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-098-orig" n="mor= sar" resp="#fyndling">Mörser. Hier ist ein großer Fleischmörser gemeint, um die Samen sehr fein zu zerstoßen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-098-orig" n="tuech" resp="#fyndling">Tuch. Zum Passieren der Senfpaste, um eine feine, glatte Konsistenz zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-098-orig" n="zymeid plue" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#zymeid-plue">Zimtblüte. Die eng verwandten Rezepte mha-013 ("zimen plue") und m5919-017 ("zimad plud") haben an derselben Stelle im Ablauf unzweideutig dieselbe Zutat: Zimt (zim(en)/zimet) und Blüte (mhd. pluot). "plue" ist hier ein Homograph zu "Blut" (bluot), meint aber Blüte - konkret die getrocknete Blüte des Zimtbaums als Gewürz.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-098-orig" n="zwir" resp="#fyndling">Zweimal. Als Zahladverb (mhd. zwir[ent] = zweimal) zu lesen, nicht als eigenständiges Verb - gemeint ist zweimaliges, gründliches Durcharbeiten des Senfs mit dem Honig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-098-orig" n="wax pa" resp="#fyndling">Wachs. Beschreibt die gewünschte dicke, streichfähige Konsistenz des Senfs.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-099-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein in Öl frittierter Hefeteig-Krapfen mit einer gestoßenen Nuss-Feigen-Fülle - die Fastenspeise-Variante des Krapfens. Er gehört zu einer weitverbreiteten Rezeptfamilie, die über Sprachraum-Grenzen hinweg fast wortgleich überliefert ist: Die engen Verwandten m384-078 (Cgm 384, bairisch) und rfk-001 (Rheinfränkisches Kochbuch, mittelrheinisch) teilen mit mon-099 denselben Kern-Wortlaut und dasselbe Verfahren - Nüsse und Trockenfrüchte im Mörser stoßen, würzen, in Öl erwärmen, in aufgegangenen Teig hüllen, frittieren, kalt servieren. Das war offenbar ein überregionales Standardrezept der spätmittelalterlichen Fastenküche.

Was bedeutet ‚cheren‘? Das Wort ist im Korpus nicht eindeutig. Es kann ‚Kirschen‘ heißen - dann hätte die Füllung drei Bestandteile (Nüsse, Kirschen, Feigen). Es kann aber auch ‚Kerne‘ bedeuten, wie in mon-064 (‚mandel cheren‘ = Mandelkerne) und mon-087 (‚cheren muß‘ = Kernenmus) - dann wäre ‚nuß cheren‘ schlicht ‚Nusskerne‘. Die beiden engsten Zwillingsrezepte m384-078 und rfk-001 nennen nur zwei Füllzutaten (Nüsse und Feigen), keine dritte Frucht, was für die Kerne-Lesart spricht. Der Fließtext bleibt bei ‚Kirschen‘, da dies die traditionell übernommene Lesart ist - wer möchte, kann die Füllung auch ohne Kirschen als reine Nuss-Feigen-Fülle zubereiten.

Praxis. Nüsse und Feigen (nach Wahl mit oder ohne Kirschen) im Mörser fein zerstoßen, bis eine formbare, klebrige Paste entsteht - Nussfett und Feigenzucker binden von selbst, ein zusätzliches Bindemittel braucht es nicht. Kräftig würzen, etwa mit Zimt, Ingwer und Pfeffer. Die Masse in eine Pfanne mit Öl geben und kurz aufwallen lassen: Dieser Zwischenschritt zieht etwas Feuchtigkeit ab und ummantelt die Fülle mit Fett, damit sie beim späteren Frittieren den Hefeteig nicht durchweicht. Die abgekühlte Füllung in Portionen aufgegangenen Hefeteig einschlagen, krapfenförmig formen und in reichlich Öl goldbraun ausbacken. Kalt servieren - praktisch für Vorbereitung und Standbetrieb, da keine Warmhaltung nötig ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-099-orig" n="chrapffen" resp="#fyndling">Krapfen sind in Fett ausgebackene Gebäckstücke, die im Mittelalter oft süß gefüllt wurden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-099-orig" n="vasten" resp="#fyndling">Die Fastenzeit war eine Periode, in der der Verzehr von Fleisch, Milchprodukten, Eiern und tierischem Schmalz verboten war. Daher die Verwendung von Pflanzenöl.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-099-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Ein großer Mörser diente im Mittelalter als Küchenmaschine, um Zutaten wie Nüsse und Früchte zu einer feinen Paste zu zerstoßen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-099-orig" n="erhaben taig" resp="#fyndling">Dies bezieht sich auf einen aufgegangenen Teig, typischerweise einen Hefeteig, der durch Gärung an Volumen zunimmt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-099-orig" n="oll" resp="#fyndling">Öl, im Mittelalter oft Olivenöl oder Nussöl, wurde in der Fastenzeit als Ersatz für tierische Fette verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-099-orig" n="cheren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#cheren">‚Kerne‘ oder ‚Kirschen‘ - im Korpus nicht eindeutig geklärt. In mon-064 und mon-087 bezeichnet dasselbe Wort ‚Kerne‘ (dort Mandelkerne), was auch hier ‚Nusskerne‘ nahelegen könnte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-099-orig" n="erbell" resp="#fyndling">‚erwellen‘ (bairisch b für w) - kurz aufwallen/aufkochen lassen. Die fast wortgleichen Parallelstellen in m384-078 (‚das es erwalle‘) und rfk-001 (‚erwelle isz‘) stützen diese Lesart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-099-orig" n="chrapffen" resp="#fyndling">‚Krapfen‘ - ein in Fett ausgebackenes Gebäck, oft süß gefüllt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-099-orig" n="cheren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#cheren">‚Kirschen‘ - als weitere Füllungszutat neben Nüssen und Feigen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-099-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚würze‘ (Verb) - als Anweisung, die Füllung zu würzen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-099-orig" n="erbell" resp="#fyndling">‚erwellen‘ (Verb) - die Füllung in Öl kurz aufwallen/aufkochen lassen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-100-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein dunkel eingefärbtes, süßes Fruchtmus aus Weintrauben, Äpfeln und Birnen, das seine schwarzbraune Farbe gezielt durch untergerührte geröstete Lebkuchen erhält, gesüßt mit Zucker und Honig, aromatisiert mit gutem Wein, Gewürzen und Salz nach Maß. Die nächste lebende Verwandtschaft ist weniger ein Dessert im heutigen Sinn als die Gewürzlebkuchen-Sauce zu Wild, wie sie in mancher bairisch-österreichischen Weihnachtsküche noch als Beilage überlebt hat, verwandt mit dem Prinzip des böhmisch-mährischen dunklen Pflaumenmuses.

Die Garführung der Früchte bleibt im Text offen: ob roh vermust oder gekocht und durch ein Sieb gestrichen, wird nicht gesagt. Ein verwandtes Lebkuchen-Wein-Rezept desselben Kochbuchs nennt an vergleichbarer Stelle ausdrücklich das Durchstreichen durch ein Sieb - hier fehlt dieser Schritt, was offen bleibt, statt ihn hineinzulesen.

Die geröstete Lebkuchen-Zugabe erfüllt eine Doppelfunktion: Sie liefert die namensgebende dunkle Farbe und durch die quellende Gebäckkrume zugleich Bindung, ganz ohne Mehlschwitze. Das Rösten vor der Zugabe verstärkt Röstaroma und Farbe zusätzlich.

Praxis. Trauben, Äpfel und Birnen weich köcheln und zu einem Mus verarbeiten. Lebkuchen bei niedriger Temperatur rösten, damit er nicht verbrennt, dann zerkleinert unter das Mus rühren, bis die gewünschte dunkle Farbe und Bindung erreicht sind. Zucker und Honig gemeinsam süßen, mit gutem Wein auf gießbare Konsistenz bringen, mit dem Gewürzsatz (etwa Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken) würzen und zuletzt mit Salz abschmecken, um die Süße auszubalancieren. Ein einfacher Topf am offenen Feuer genügt, Ofen oder Kühlung braucht es nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-100-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weinbeeren = Rosinen, die Standardlesart für „weinper“ im Korpus (vgl. Glossar; Lexer 1482 „passile“ = Rosine, Grimm „rosine“). Ein ausdrücklicher Frisch-Marker fehlt im Text - anders als bei reinen Mandel-Mus-Rezepten ist frisches Traubenobst neben Äpfeln und Birnen in dieser Obst-Mischung aber auch nicht kulinarisch abwegig. Der Zwilling m5919-040 bleibt an derselben Stelle ebenso unentschieden („Weinbeeren“, ohne weitere Festlegung).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-100-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Lebkuchen oder gewürztes Gebäck (vgl. Nürnberger Lebkuchen-Würze). Hier geröstet, um dem Mus eine dunkle Farbe und würzige Note zu verleihen. Siehe m725-002 für ein eigenes Lebkuchen-Rezept aus dem Korpus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-100-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Eine allgemeine Bezeichnung für Gewürze. Im Spätmittelalter typischerweise eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken und Muskat.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-100-orig" n="varib" resp="#fyndling">Farbe. Die Farbgebung wird im Text als eigenständiges Zubereitungsziel behandelt, getrennt vom Geschmack - typisch für die spätmittelalterliche Tafelästhetik, bei der Farbkontraste (hier: dunkles gegen helles Mus) einen eigenen Stellenwert hatten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-100-orig" n="muß" resp="#fyndling">Mus. Ein Brei oder Püree aus zerstoßenen Früchten oder anderen Zutaten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-100-orig" n="salcz ein maß" resp="#fyndling">Salz nach [rechtem] Maß, also eine angemessene, wohldosierte Menge - keine Mini-Prise. Der wortnahe Zwilling im Kochbuch M5919 ("salcz sein mas") verwendet dieselbe Formel und bestätigt sie als feste, korpusweite Wendung für 'nach eigenem Ermessen salzen'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-100-orig" n="ein maß" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ein-mass">Salz nach [gutem] Maß, also eine angemessene, bewusst dosierte Menge - nicht als Hauptwürze, sondern zur Kontrastierung der Süße.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-100-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weinbeeren = Rosinen, die korpusweite Standardlesart, da der Text keinen ausdrücklichen Frisch-Marker nennt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-101-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Mon-101 gehört zur Blancmanger-Familie - dem weißen Mandel-Huhn-Mus, das über Jahrhunderte und quer durch die europäischen Küchentraditionen als Prestigegericht galt (französisch blanc manger, italienisch biancomangiare, katalanisch menjar blanc). Diese Fassung ist eine schlanke, eher rustikale Variante ohne die sonst oft übliche Mandelmilch-Bindung - eine Kurzform, die die Zubereitung offenbar als bekannt voraussetzt. Im Korpus findet sich mit m5919-089 eine fast wortgleiche Parallelfassung aus einer anderen Handschrift, die exakt dasselbe Verfahren beschreibt.

Praxis. Die Mandeln werden gemahlen als Bindemittel bereitgestellt. Das weiße Fleisch der Hahnhühner wird fein mit dem Messer gehackt - der Text verlangt „chlain hacken", keine Mörserarbeit ist zwingend nötig, ein scharfes Messer und etwas Geduld reichen. Zucker und Salz werden untergemischt, sonst bleibt das Gericht fade. Das Schweineschmalz wird als Fett- und Bindekomponente eingearbeitet, wie bei den „weißen Müsen“ der Zeit üblich. Der Originaltext nennt keinen eigenen Garschritt - das Fleisch sollte vor oder während des Vermengens mit dem heißen Schmalz durcherhitzt werden, bis es gar ist, bevor die Masse angerichtet wird. Die Fettmenge ist auffällig hoch für die vage Fleischangabe (250 g Schmalz auf unbestimmt „weißes Fleisch“) - technisch verwandt mit dem Confit-Prinzip (Garen und Haltbarmachen von Fleisch in reichlich eigenem oder zugesetztem Fett), das in ähnlicher Form auch aus dem gascognisch-südwestfranzösischen Raum des Spätmittelalters belegt ist. Der entscheidende Unterschied: Hier wird das Fleisch fein gehackt und mit dem Schmalz zu einem Mus verarbeitet, nicht als ganzes Stück unter einer Fettschicht eingelagert und aufbewahrt - ein Verwandter des Confit-Prinzips also, kein Confit im engeren konservierungstechnischen Sinn.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-101-orig" n="ham hueneren" resp="#fyndling">Bezeichnet Hahnhühner, also Kapaune oder Masthühner, die für ihr besonders zartes und reichhaltiges Fleisch geschätzt wurden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-101-orig" n="entwicht" resp="#fyndling">Bedeutet hier ‚nichtsnutzig‘ oder ‚fade‘. Das Gericht würde ohne die genannten Zutaten seinen Geschmack verlieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-101-orig" n="libra" resp="#fyndling">Ein mittelalterliches Pfund, das je nach Region zwischen 300 und 500 Gramm variierte. Im bairisch-österreichischen Raum des 15. Jahrhunderts kann man von etwa 500 g ausgehen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-101-orig" n="gemuß / gemus" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch ‚muos‘ bezeichnet hier eine breiige, pastöse Speise - nicht ‚Gemüse‘ im heutigen Sinn. Die Bedeutung hat sich seit dem Mittelalter deutlich verengt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-102-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? mon-102 ist die spätmittelalterliche Vorstufe eines gebundenen, süß-sauer gewürzten Fisch-Mus - eine Textur- und Geschmackskategorie, die es heute in dieser Form nicht mehr gibt. Am ehesten vergleichbar ist eine grobe Fischmousse, geschmacklich noch näher kommen süß-sauer geschmorte Fischgerichte mit Rosinen, wie sie später etwa als "Karpfen polnisch" bekannt wurden: gebratener oder gekochter Fisch trifft dort ebenfalls auf Rosinen, Wein- oder Essigsäure, Zucker und Gewürz zu einer süß-sauren Bindung.

Braten statt Kochen. Der Fisch wird ausdrücklich gebraten, nicht gekocht - das entzieht Feuchtigkeit, gibt Röstaromen und sorgt für eine feste Struktur, die sich anschließend gut zerstoßen lässt. Gekochter Fisch würde beim Mörsern eher zu einer schmierigen Masse zerfallen.

Zerstoßen zum Mus. Der gebratene Fisch wird zusammen mit den Rosinen im Mörser durcheinandergestoßen, bis eine musartige Masse entsteht - keine Sondertechnik, sondern das Standardverfahren der Mondseer Mus-Rezepte. Erst danach wird guter Wein untergerührt, der die gestoßene Masse streckt und mit Säure und Aroma versieht. Der Text nennt keinen weiteren Garschritt nach der Weinzugabe - vermutlich wird das Mus nur kurz durchgezogen oder direkt angerichtet, nicht noch einmal erhitzt.

Praxis. Fisch (Hecht, Karpfen oder ein anderer fester Weißfisch) in Fett braten, bis er fest und durchgegart ist. Danach mit Rosinen im Mörser zu einer groben Mus-Masse zerstoßen. Guten Wein unterrühren, bis die Konsistenz sämig, aber nicht flüssig ist. Mit Gewürzen (etwa Pfeffer, Ingwer, Zimt), Zucker und Salz abschmecken. Für die Lagerküche eignet sich das Rezept gut - einzig der frische Fisch verlangt eine Kühlkette oder den Einkauf am selben Tag, während Rosinen, Wein und Gewürze problemlos vorrätig mitgeführt werden können.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-102-orig" n="gmuß" resp="#fyndling">Ein ‚Mus' ist ein Brei aus zerstoßenen oder pürierten Zutaten - im Mondseer Kochbuch eine eigene kleine Rezeptgruppe (u. a. mon-012, mon-020, mon-039, mon-056, mon-068, mon-082, mon-110), keine Restehäufung, sondern eine eigenständige, geschätzte Zubereitungsart.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-102-orig" n="prat visch" resp="#fyndling">‚Gebratener Fisch' - Fisch, der in Fett gebraten wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-102-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">‚Weinbeeren' - hier mit Rosinen (getrockneten Weinbeeren) übersetzt, nicht mit frischen Weintrauben. Der wortnahe Zwilling mha-252 liest dasselbe Wort im fast identischen Rezept ebenfalls als Rosinen; auch mon-056 und weitere Mus-Rezepte des Korpus (mon-087, m5919-039) folgen dieser Lesart, wenn kein ausdrücklicher Frisch-Marker im Text steht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-102-orig" n="auster massen" resp="#fyndling">‚Außer Maßen' - bedeutet ‚außerordentlich' oder ‚sehr'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-102-orig" n="stos es durch ein ander" resp="#fyndling">‚Stoße es durcheinander' - hier im Sinne von pürieren oder fein zerdrücken und vermischen; dasselbe Verfahren-Idiom findet sich wortgleich in mon-056 und mha-252.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-102-orig" n="guetten wein" resp="#fyndling">Keine Farbangabe im Text - „guetten wein“ ist eine Qualitäts-, keine Farbaussage. Die moderne Faustregel „Weißwein zu Fisch“ ist eine spätere, weitgehend erst neuzeitliche Konvention (Tannin-Geschmackspaarung); mittelalterliche Rezepte differenzieren Weinfarbe kaum nach Proteinart. Praktisch spricht die bairisch-österreichische Weinlandschaft der Zeit eher für einen hellen/weißen Wein (die Region produzierte überwiegend Weißwein), aber aus regionaler Verfügbarkeit heraus, nicht aus Geschmacks-Pairing-Logik - und in diesem gewürzten, gesüßten Fisch-Mus mit Rosinen wäre auch ein leichter Rotwein nicht unplausibel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-102-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">‚Rosinen' - getrocknete Weinbeeren. Der wortnahe Zwilling mha-252 ('Mus von gebratenem Fisch') übersetzt dasselbe Wort in einer fast satzidentischen Rezeptur ebenso als Rosinen, und auch andere Mus-Rezepte des Korpus (mon-056, mon-087, m5919-039) folgen dieser Lesart. Rosinen passen zudem besser zur Lagerküchen-Logik: Sie sind saisonunabhängig, lagerfähig und lassen sich im Mörser zu einer homogenen Mus-Masse verarbeiten, während frische Trauben mit Kernen und Schale das Zerstoßen technisch erschweren würden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-103-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine im Ofen gebackene Fischpastete: Hecht (wahlweise Lachs oder Forelle) wird geschuppt, in Stücke gehackt und mit einer kräftigen Kräuter-Gewürz-Mischung aus Petersilie, Salbei, Pfeffer, Ingwer, Kümmel, Safran, Salz sowie Wein oder Essig vermengt. Das Ganze wird vollständig in eine Teighülle eingeschlagen und im Ofen gebacken, „so lange wie ein Roggenbrot“. Das ist die mittelalterliche Pastete im Teigmantel - die kulinarische Großtante der heutigen Fischpastete bzw. des Coulibiac, und über die Teigmantel-Technik auch entfernt mit modernen Varianten von Fisch im Blätterteig verwandt.

Der Teig als Garbehälter. Die Teighülle diente im Mittelalter in erster Linie als Gargefäß: Sie schließt Feuchtigkeit und Aroma der Würzmischung ein und schützt den Fisch vor direkter Ofenhitze, ähnlich einem Dampfgarer. Ob die Kruste selbst mitgegessen wurde, lässt der Text offen - der enge Textzwilling mha-151 zeigt zusätzlich das Bestreichen mit Eidotter vor dem Backen, ein Hinweis darauf, dass die Kruste in dieser Rezeptfamilie durchaus dekorativ glänzend gebacken und mitverzehrt werden konnte.

Praxis. Hecht schuppen und in grobe, bratfertige Stücke hacken. Petersilie und Salbei fein hacken, mit Pfeffer, Ingwer, Kümmel, Safran, Salz und einem Schuss Wein oder Essig zu einer würzigen, rohen Marinade verrühren und über die Fischstücke geben. Einen Mürbeteig (siehe Grundrezept) so auslegen, dass er ein Gefäß bildet - etwa in einer Kastenform oder freigeformt auf dem Blech -, Fisch samt Würzsauce hineingeben und oben vollständig mit einer weiteren Teigschicht verschließen. Im Ofen bei mittlerer Hitze backen, bis die Kruste goldbraun und durchgebacken ist, als grobe Orientierung ein bis zwei Stunden je nach Größe. Die Würzsauce gart mit dem Fisch im geschlossenen Teigmantel und bindet sich dabei allein durch den austretenden Fischsaft, ganz ohne zusätzliches Bindemittel. Nach dem Backen anschneiden und servieren; dieselbe Zubereitung funktioniert ebenso mit Forelle oder Lachs.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-103-orig" n="schueb" resp="#fyndling">‚Schuppe‘ - Verb, bedeutet den Fisch von Schuppen befreien.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-103-orig" n="condinent" resp="#fyndling">‚Kondiment‘ - hier die zuvor genannte Kräuter-Gewürz-Wein-Essig-Mischung, mit der der Fisch gewürzt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-103-orig" n="choppf voll von tail" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tail">‚ein Gefäß voll Teig‘ - der enge Textzwilling mha-151 hat an derselben Stelle „mach ain hafen von taig“ (Topf/Gefäß aus Teig). Das bestätigt textextern, dass „choppf“ hier Gefäß/Behältnis meint und „tail“ eine Schreibvariante von „taig“ (Teig) ist - keine individuelle Verschreibung, sondern eine feste Rezept-Floskel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-103-orig" n="als lang als ein rocken prott" resp="#fyndling">‚So lange wie ein Roggenbrot [im Ofen steht]‘ - eine im spätmittelalterlichen Kochbuch-Korpus breit belegte Zeitmaß-Redewendung (u. a. fast wortgleich im Zwilling mha-151), keine feste Stundenangabe.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-103-orig" n="verichen" resp="#fyndling">‚Forellen‘ - bairisch-österreichische Dialektform, im Korpus-Glossar als eigener Eintrag (`varichen`) bestätigt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-103-orig" n="lachgsten" resp="#fyndling">‚Lachs‘ - bairisch-österreichische Dialektform für Lachs.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-103-orig" n="pettersil" resp="#fyndling">‚Petersilie‘ - Standardküchenkraut, passt gut zu Fisch und den anderen Gewürzen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-103-orig" n="choppf voll von tail" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tail">‚ein Gefäß voll Teig‘ - gestützt durch den Textzwilling mha-151 („mach ain hafen von taig“ an derselben Rezeptstelle). „tail“ ist eine Schreibvariante von „taig“ (Teig), „choppf“ meint hier Gefäß/Behältnis.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-103-orig" n="chum" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#chum">‚Kümmel‘ - korpusweit und im Glossar bestätigt, gestützt durch mon-074 („pheffer prott chum herdt air salcz esseich“) sowie den Zwilling mha-151 („kuemich“ an derselben Stelle). Kümmel ist ein häufiges Gewürz in mittelalterlichen Fischgerichten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-103-orig" n="verichen" resp="#fyndling">‚Forellen‘ - bestätigt durch das Korpus-Glossar (`varichen` = Forelle, Mondsee-eigene v/f-Wechsel-Form) und den Kontext (Liste weiterer Fische).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-103-orig" n="lachgsten" resp="#fyndling">‚Lachs‘ - plausible bairisch-österreichische Dialektform, gestützt durch den engen Rezeptverwandten bgs-019 („Lachs im Teigmantel“ aus der Edelen Spise, fast identischer Rezeptaufbau).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-104-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein zweistufig gegarter Fisch in einer Zwiebel-Wein-Sauce - der Fisch wird zunächst in Wasser vorgesiedet und "gewaschen" (das trübe erste Kochwasser wird verworfen), dann in einem separat angesetzten Zwiebel-Wein-Sud fertiggegart, der mit Pfeffer, Ingwer, Kümmel und Safran gewürzt wird. Strukturell ist das der Vorfahr der bis heute lebendigen Zwiebel-Weißweinsauce zu pochiertem Fisch (etwa Forelle oder Karpfen), und das Vorbrühen zum Entschleimen findet sich im Kern noch im heutigen "Fisch blau" wieder.

Zwei Kochgänge statt einem. Der Fisch wird nicht durchgehend in einer Flüssigkeit gegart, sondern erst separat vorgesiedet, dann in einem eigens vorbereiteten Sud fertiggegart. Das erste Kochwasser nimmt Schleim und unerwünschte Fischaromen auf und wird deshalb komplett verworfen - der Wein danach bringt Säure und Aroma anstelle der trüben Brühe. Parallel dazu werden die Zwiebeln in Öl und wenig Wasser separat weich gedünstet, damit sie nicht roh und ungleichmäßig im Fischsud garen. Erst danach werden beide Teile zusammengeführt und fertiggegart.

Bindung ohne Bindemittel. Anders als viele Saucen des Kochbuchs wird diese nicht mit Brot, Mandeln oder Ei gebunden, sondern ausschließlich durch Einkochen eingedickt. Das ergibt eine konzentrierte, aromatische Sauce - eher schlank als sämig. Wer eine cremigere Konsistenz möchte, kann länger reduzieren, sollte aber kein Bindemittel unterstellen, das im Text nicht vorkommt.

Praxis. Den Fisch in Wasser knapp unter den Siedepunkt bringen und nicht ganz gar ziehen lassen, salzen, das Kochwasser abgießen und durch Wein ersetzen. Parallel die klein gehackten Zwiebeln in etwas Öl und wenig Wasser weich dünsten, dann zum Fisch geben und gemeinsam fertiggaren. Mit Pfeffer, Ingwer, Kümmel und Safran würzen, nach Geschmack abschmecken und offen einkochen lassen, bis die Sauce eben (also gerade richtig) dick ist. Insgesamt in etwa 45 Minuten am offenen Feuer machbar.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-104-orig" n="sewd" resp="#fyndling">'Sieden' bedeutet hier Kochen in Flüssigkeit, nicht Braten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-104-orig" n="czw wassen" resp="#fyndling">'Zum Waschen' oder 'zum Reinigen' - eine Vorbereitung, um den Fisch von Schleim oder unerwünschten Aromen zu befreien, bevor das erste Kochwasser verworfen wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-104-orig" n="prod" resp="#fyndling">Hier im Sinne von Kochwasser oder Brühe, nicht Brot. Es wird angewiesen, es abzugießen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-104-orig" n="czwiffol" resp="#fyndling">Eine regionale Schreibweise für Zwiebel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-104-orig" n="inolein" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#inolein">Ein im Gesamtkorpus einmalig belegter Begriff, am plausibelsten als 'in Ölein' (Diminutiv zu Öl) zu lesen - passend zum Weichdünsten der Zwiebeln.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-104-orig" n="gesmachen" resp="#fyndling">Eine regionale Schreibweise für Geschmack.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-104-orig" n="gig gib" resp="#fyndling">Wahrscheinlich ein Schreibfehler oder eine Emphase für 'gib'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-104-orig" n="czw wassen" resp="#fyndling">'zum Reinigen / zum Entwässern' - Der Fisch wird gesalzen, um ihn zu reinigen oder überschüssiges Wasser zu entziehen, bevor das Kochwasser abgegossen wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-104-orig" n="inolein" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#inolein">'in Ölein' - Diminutiv zu Öl, eine kleine Menge Öl zum Dünsten der Zwiebeln.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-104-orig" n="gig gib" resp="#fyndling">'gib' - Das Wort 'gig' ist wahrscheinlich ein Schreibfehler oder eine Emphase.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-105-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dieses Rezept ist kein einzelnes Gericht, sondern eine Farbstoff-Fibel für die höfische Schauküche - ein "Rezept für Rezepte". Es beschreibt, wie man die für ein festliches Mahl nötige Palette an Speisefarben herstellt: Blau aus Kornblumen, Rot aus Sauerkirschen mit Honig, Grün aus Petersilie, Gelb aus Safran oder einem unklaren "wayczen sangen". Die lebende Verwandtschaft liegt nicht in einem Gericht, sondern in der Technik: Wer heute Naturfarben für Konfekt oder Fondant selbst ansetzt - Safran, Spinat, Sandelholz statt industrieller Farbpaste - arbeitet nach demselben Prinzip. Der knappe Schluss-Absatz (Farbmasse im Pfännchen hart werden lassen, schachbrettartig schneiden, schichtweise anrichten) verweist auf denselben Rezepttyp wie das Schichtkonfekt aus dem Königsberger Kochbuch (koe-017): dort findet sich fast wortgleich dieselbe Anrichte-Formel, bis hin zur Schnitttechnik.

Die Kornblumen-Farbe. Das Trocknen bei mäßiger Ofenhitze ist technisch genau beobachtet: zu große Hitze zerstört die empfindlichen blauen Farbstoffe der Blüten, weshalb der Text ausdrücklich davor warnt. Fein gestoßen und trocken gelagert, ergeben die Blüten ein haltbares blaues Farbpulver - eine Vorstufe, die sich Tage im Voraus herstellen und gut aufbewahren lässt.

Die rote Farbe. Entkernte Sauerkirschen werden gesotten und mit einem Drittel Honig eingekocht, kalt gestellt und in einem Tontopf gut verschlossen gelagert. Das ist eine klassische Konservierung durch Zuckerkonzentration, wie bei einer Fruchtlatwerge - die im Text genannte Haltbarkeit von einem Jahr ist dafür realistisch.

Die unklare Stelle: "wayczen sangen". Was genau mit dieser als Ersatz für Safran genannten gelben Zutat gemeint ist, bleibt ungeklärt. Die Wortbestandteile - "Weizen" und eine Form nahe "same/Same(n)" - lassen sich einzeln belegen, die genaue Wortverbindung bleibt aber ein Hapax ohne direkten Beleg. Die hier gewählte Lesart als gelber Pflanzenfarbstoff folgt der nächstliegenden Textlogik ("da wirt es gelb"), ist aber eine Auslegung, keine gesicherte Identifikation.

Praxis. Nachkochbar sind die drei Grundfarben zuverlässig: Kornblumen trocknen und mahlen, Sauerkirschen mit Honig zu einer festen Fruchtpaste einkochen, Petersiliensaft oder Safransud als Grün/Gelb ansetzen - alles vorbereitbar und lagerfähig, ideal für eine Marktvorführung mit gestaffelten Arbeitsschritten. Die im letzten Absatz beschriebene Endmontage - Farbmasse im Pfännchen fest werden lassen, kurz erhitzen, dann schachbrettartig (in Rauten/Karos) schneiden und schichtweise auf der Schüssel anrichten - lässt sich in der knappen Textform allein nicht sicher nachvollziehen: Es fehlt die Angabe einer bindenden Grundmasse (etwa aus Mandeln, Reismehl oder Eiweiß), wie sie das strukturell verwandte Schichtkonfekt mit sieben Farben ausdrücklich nennt. Für eine Vorführung empfiehlt es sich daher, die Farbpasten als das zu zeigen was sie sind - fertige Zutat für weitere Konfekte -, statt die letzte Anricht-Sequenz Wort für Wort nachzubauen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-105-orig" n="varib" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für ‚Farbe‘. Im Kontext dieses Rezepts sind damit Lebensmittelfarben gemeint, die zur optischen Gestaltung von Speisen dienen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-105-orig" n="chaneren plurmen" resp="#fyndling">Eine bairisch-österreichische Schreibweise für ‚Kornblumen‘ (Centaurea cyanus). Diese wurden im Mittelalter häufig zum Färben von Speisen und Textilien verwendet, insbesondere für Blautöne.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-105-orig" n="weychslin" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für ‚Sauerkirschen‘. Sie wurden für ihre intensive rote Farbe geschätzt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-105-orig" n="phandlin" resp="#fyndling">Ein Diminutiv von ‚Pfanne‘, also ein kleines Pfännchen oder eine flache Schale.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-105-orig" n="schaff czaglat" resp="#fyndling">Bairische Form derselben Wortfamilie wie 'schassczogbit' (mon-076) und 'schagzaglett' (koe-017) - abgeleitet von mhd. 'schâchzabel' (Schachbrett). Bedeutet 'schachbrettartig geschnitten', NICHT 'gezackt/zackig' - eine Deutung, die die eigene Annotation von koe-017 zur selben Formel bereits ausdrücklich als 'Schafzacken' zurückweist (mhd. 'zagel' = Schwanz ist hier kein Schnittbegriff).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-105-orig" n="wayczen sangen" resp="#fyndling">Ein Hapax ohne direkten Wörterbuch-Beleg als Wortverbindung. Die Einzelbestandteile - ‚Weizen‘ und eine Form nahe ‚same/Same(n)‘ - liegen im Bedeutungsfeld Getreideanbau, die genaue Referenz (etwa eine gelbe Pflanzensubstanz) bleibt aber unklar.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-105-orig" n="wayczen sangen" resp="#fyndling">‚Gelbe Pflanzenfarbstoffe‘ - die Phrase steht als Alternative zu Safran und wird explizit mit ‚da wirt es gelb‘ (damit wird es gelb) verbunden. Dies legt nahe, dass es sich um einen gelben Farbstoff handelt, auch wenn die genaue botanische Herkunft unklar bleibt und die Wortverbindung selbst ein Hapax ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-105-orig" n="schaff czaglat" resp="#fyndling">'Schachbrettartig geschnitten' - Wortfamilie mit 'schassczogbit' (mon-076) und 'schagzaglett' (koe-017), beide &lt; mhd. 'schâchzabel' (Schachbrett). Koe-017s eigene Annotation zur nahezu wortgleichen Anrichte-Formel bestätigt diese Lesart unabhängig und weist die Alternative explizit zurück.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-106-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Mon-106 ist die schlichteste, ungebundene Form der mittelalterlichen Mandelmilch-Süßspeisen - die "kleine Schwester" von Rezepten wie dem Mandelkäs (mit Hausenblase gestockt) oder der Rosinen-Sülze (aufwendig geliert und geformt). Hier gibt es kein Bindemittel, kein Gerinnen, keine Form: Der Effekt entsteht durch unterschiedliche Behandlung zweier Portionen derselben Mandelmilch: eine wird unter Rühren eingekocht und leicht eingedickt, die andere bleibt roh und wird frisch gezuckert. Am ehesten vergleichbar mit einem einfachen Mandelmilch-Trunk aus gekochter und roher Portion - eine sehr frühe, formlose Vorstufe der späteren Blancmanger-Familie.

Mandelmilch war im Spätmittelalter das zentrale "Milch"-Substitut der gehobenen Küche: An Fast- und Abstinenztagen erlaubt, weil kein Tierprodukt, und zugleich ein Luxusgut wegen der teuren, importierten Mandeln. Dieses Rezept zeigt, wie aus derselben Grundmasse durch unterschiedliche Behandlung zweier Portionen - eine eingekocht und eingedickt, die andere roh und frisch gesüßt - ein einfaches, zweischichtiges Getränk ohne teures Bindemittel entsteht.

Praxis. Mandeln stoßen (oder fein mahlen) und mit Wasser durch ein feines Tuch seihen, bis eine glatte Mandelmilch entsteht. Die Milch in zwei Portionen teilen. Die eine Portion in einem Topf unter ständigem Rühren erwärmen und leicht einkochen, bis sie etwas eingedickt ist - das Rühren verhindert dabei ein Anbrennen am Topfboden. Die andere Portion roh und kälter lassen und erst jetzt mit Zucker vermischen, damit der Zucker frisch bleibt und nicht mitkocht. Zum Schluss die kalte, gezuckerte Portion über die warme, eingedickte gießen. Es entsteht kein festes Gericht, sondern ein einfacher, zweischichtiger Mandelmilch-Trunk - die Temperaturangabe im Text beschreibt dabei in erster Linie den Arbeitsablauf (erst einkochen, dann frisch süßen), nicht einen beabsichtigten Warm-Kalt-Kontrast beim Trinken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-106-orig" n="czucker von mandel milich" resp="#fyndling">Bezeichnet hier eine süße Speise oder Zubereitung aus Mandelmilch, nicht nur den Rohstoff Zucker.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-106-orig" n="seichen" resp="#fyndling">Das Durchseihen durch ein Tuch dient dazu, die Mandelmilch von den festen Mandelresten zu trennen und eine feine, glatte Flüssigkeit zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-106-orig" n="chalter pehalten" resp="#fyndling">Bedeutet, einen Teil der Mandelmilch ungewärmt/kühler zu lassen. „Wermen vnd rueren“ (erwärmen UND rühren) beschreibt einen aktiven Einkoch-/Eindickschritt - gerührt wird, um beim Reduzieren ein Anbrennen zu verhindern. Die kalt gebliebene, gezuckerte Portion bleibt dagegen ungekocht und frisch-süß. Die Temperaturangabe ist damit eine Verfahrensanweisung, kein beabsichtigter Warm-Kalt-Kontrast beim Trinken.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-106-orig" n="chalter pehalten" resp="#fyndling">Technischer Verfahrensschritt: Eine Portion wird unter Rühren eingekocht/eingedickt („wermen vnd rueren“ - Rühren spricht für aktives Reduzieren, nicht bloßes Warmhalten), die andere bleibt roh, kalt und wird erst dann gezuckert. Die Temperaturdifferenz ist Nebeneffekt der unterschiedlichen Behandlung, nicht der eigentliche Zweck.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-107-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Fisch-Pastete: Hausen (Stör) wird zusammen mit Wasser in eine Teighülle gegeben und darin gebacken, dazu eine separat gekochte süß-saure Apfel-Weinbeeren-Gewürz-Sauce. Eine zweite, genügsamere Variante ersetzt den ganzen Stör durch ein Gehacktes von anderem Fisch. Das ist die unmittelbare Vorstufe der klassischen Fischpastete im Teigmantel, wie sie sich bis ins 19. Jahrhundert hielt - entfernt verwandt mit der russischen Coulibiac und dem englischen raised pie (heute etwa Lachs im Blätterteig), näher noch mit den Fischpasteten der bürgerlichen Küche des 18./19. Jahrhunderts, die ebenfalls mit einer Weinbeeren-Sauce serviert wurden.

Die Sauce. Die Apfel-Weinbeeren-Gewürz-Brühe reiht sich in die verbreitete spätmittelalterliche Praxis ein, kräftigen Fisch mit einer süß-säuerlichen, gewürzten Sauce zu kontrastieren. Sie wird getrennt vom Backvorgang gekocht: Weinbeeren, Gewürzmischung und klein geschnittene Äpfel köcheln zu einer dicklichen Sauce ein, deren Bindung allein über die Frucht kommt, ohne Mehlschwitze.

Die Variante mit Gehacktem. Der Zeitpunkt, zu dem das Gehackte in die Pastete kommt, ist im Text nicht ganz eindeutig gelöst (siehe Lesart unten) - küchenpraktisch spricht einiges dafür, die Farce nicht erst in die bereits fertig gebackene, auskühlende Hülle zu geben, weil rohes gehacktes Fischfleisch darin nicht mehr durchgart. Wer diese Variante nachkocht, gibt das Gehackte deshalb besser ein, solange die Pastete noch heiß genug ist, um es durchzugaren - etwa indem die Hülle kurz geöffnet, gefüllt und nochmals kurz in den Ofen gegeben wird.

Praxis. Pastetenteig blind backen oder mit rohem Hausen füllen und im Ofen garen, bis die Kruste goldbraun ist. Parallel Weinbeeren mit Gewürzmischung und klein geschnittenen Äpfeln und etwas Wasser einköcheln, bis die Sauce dicklich bindet. Fischpastete warm mit der Sauce servieren. Für die Fisch-Variante: Gehacktes von magerem Fisch (Hecht, Karpfen oder Wels) fein hacken, in die noch heiße Pastete geben und kurz durchziehen bzw. nachgaren lassen, bevor serviert wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-107-orig" n="hausen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">Hausen (Stör) war ein großer, geschätzter Speisefisch mit fettem, speckartigem Fleisch - anders als der magere Hecht. Historisch ein Delikatessfisch aus Donau und Großflüssen, heute in Europa streng geschützt und nur aus Zucht erhältlich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-107-orig" n="pastel" resp="#fyndling">Eine Pastete ist ein Gericht, das in einer Teighülle gebacken wird. Die Teighülle diente oft auch als Schutzschicht für die Füllung, um sie länger haltbar zu machen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-107-orig" n="prue" resp="#fyndling">Eine ‚Brühe' (mhd. ‚brüe') war im Mittelalter oft eine dickflüssige Sauce oder ein Sud, nicht zwingend eine klare Suppe.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-107-orig" n="gehack" resp="#fyndling">‚Gehacktes' bezeichnete im Mittelalter fein zerkleinertes Fleisch oder Fisch, oft im Mörser zu einer Farce verarbeitet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-107-orig" n="weinperren" resp="#fyndling">Im Gesamtkorpus als eigene Schreibform ein Hapax (nur hier belegt), aber über die im Mondseer Kochbuch etablierte bairische b/w-Verschiebung (vgl. „gburcz“ = Gewürz) zwanglos als „Weinberren“ = Weinbeeren zu lesen. Wie bei „weinper“ im übrigen Korpus (vgl. Glossar) ist damit meist Rosinen gemeint, nicht frische Weintrauben - Lexer führt das Wort 1482 direkt als lateinisch „passile“ (= Rosine), Grimm ebenso als „rosine“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-107-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Gewürz / Gewürzmischung. Dies ist eine gängige Abkürzung für ‚Gewürz' im Frühneuhochdeutschen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-107-orig" n="thue das in das pastel so es auß dem offen chumpt" resp="#fyndling">Gib das Gehackte in die Pastete, wenn sie aus dem Ofen kommt. Sprachlich die eindeutigere Lesart (‚so' + Präsens ‚chumpt' = ‚sobald/wenn'), aber küchenpraktisch nicht ganz unproblematisch: rohes Gehacktes in einer bereits fertig gebackenen, auskühlenden Hülle gart nicht mehr durch.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-108-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Trompe-l'œil-Spiegelei ganz ohne Ei: Mandelmasse wird gedrittelt und zu Safran-Dotter, weißem Eiweiß-Fladen und einer gesüßten Mandelmilch-Sauce als Spiegel verarbeitet. Es ist eine Imitation zweiter Ordnung - "verlorene Eier" (pochierte Eier) sind selbst schon ein bekanntes Gerichtsmotiv der Zeit, hier wird das ganze Konzept zusätzlich komplett aus erlaubter Fastenzutat nachgebaut. Der lebende Nachfahre ist weniger das pochierte Ei selbst als die Familie der Marzipan-Trompe-l'œil-Konditorei, wie man sie heute noch in der sizilianischen Frutta Martorana oder in Marzipan-Spiegeleiern zu Ostern findet.

Die Mengen-Crux. Der Text kündigt an, die Mandelmasse "in drey taill" zu teilen, verlangt am Ende aber einen vierten, nicht angekündigten Anteil für die Sauce ("nimm auch einen Teil davon"). Die Dreiteilung geht rechnerisch nicht mit vier Verwendungszwecken auf. Ob damit ein vierter, ursprünglich mitgedachter Teil oder ein Rest aus einem der drei bereits gebildeten Teile gemeint ist, bleibt im Text offen - vermutlich wurde mehr Grundmasse angesetzt, als die genannte Menge Mandeln hergibt, oder es wurde schlicht nicht genau gezählt.

Zwei Bindetechniken, zwei Zwecke. Die Dotter-Masse wird mit Honig und geriebenem Weißbrot gebunden - die zeittypische Brotbindung für feste, formbare Massen. Die Mandelmilch-Sauce dagegen wird mit einem kleinen Stück Mehl angedickt: kein Widerspruch, sondern eine andere Aufgabe. Hier dickt Mehl gezielt eine dünne Flüssigkeit an, während die feste Dotter-Masse ihre Bindung aus Brot bezieht.

Praxis. Mandeln fein im Mörser zerstoßen, bis eine glatte, formbare Paste entsteht. Die Masse in drei Teile teilen. Den ersten Teil mit Safran gelb färben und mit Gewürzpulver, Honig und geriebenem Weißbrot zu einer festen Masse verarbeiten - daraus haselnussgroße Dotter formen. Aus dem zweiten, weißen Teil kleine Fladen formen und die Dotter darin einschließen, wie bei einem pochierten Ei. Aus dem dritten Teil eine Mandelmilch mit Zucker ansetzen, mit dem Mehlstück andicken und mit etwas Safran gelb färben. Der eigentliche Aufwand liegt nicht im Kochen, sondern im sauberen Formen: Die Dotter-Kugeln müssen rund und die Fladen exakt genug sein, um sie vollständig zu umschließen, sonst bricht die Ei-Illusion.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-108-orig" n="verlorene air vonn mandel" resp="#fyndling">Doppelte Imitation: "Verlorene Eier" (pochierte Eier) sind selbst schon ein Standardmotiv der Fastenküche, hier aber komplett aus Mandelmasse nachgebildet - eine Fastenspeise, die ein bereits bekanntes Ei-Gericht ganz ohne Ei nachstellt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-108-orig" n="libra" resp="#fyndling">Ein Pfund, im Spätmittelalter regional unterschiedlich, meist um die 500 Gramm.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-108-orig" n="stocz In wol" resp="#fyndling">Die Mandeln sollen im Mörser sehr fein zerstoßen werden, um eine glatte Paste zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-108-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Hier ist ein großer Fleischmörser gemeint, nicht der kleine Gewürzmörser. Er diente als mittelalterliche Küchenmaschine zum Zerkleinern und Pürieren von Zutaten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-108-orig" n="stupp" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Bezeichnet hier ein feines Gewürzpulver, das zum Würzen verwendet wird. Für weiße Speisen wurde oft eine "Poudre Blanche" aus hellen Gewürzen wie weißem Pfeffer, Ingwer und Muskatblüte verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-108-orig" n="geriben semell" resp="#fyndling">Geriebenes Weißbrot, das als Bindemittel und zur Texturgebung dient. Mehlbindung war für feste Massen in dieser Zeit noch unüblich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-108-orig" n="czetlein" resp="#fyndling">Diminutiv von "Zettel" oder "Zeltlein", hier im Sinne von kleinen Formen oder Fladen, die aus der Mandelmasse geformt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-108-orig" n="verprig" resp="#fyndling">Das Verb "verbergen" oder "einbetten". Die geformten Dotter werden in die "Eiweiß"-Fladen gelegt und darin eingeschlossen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-108-orig" n="stocklein melbs" resp="#fyndling">Ein kleines Stück Mehl, das hier als Bindemittel zum Andicken der Mandelmilch-Sauce dient.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-108-orig" n="ttotter" resp="#fyndling">Dotter (Eigelb).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-109-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein historischer Vorläufer der gefüllten Eier: Dotter wird entnommen, mit Petersilie und Gewürzen vermengt und zurückgefüllt. Ein Zwilling in der Münchner Kochbuchhandschrift Cgm 5919 (Rezept 27, "Wildu machen kroß ayr") beschreibt fast wortgleich dasselbe Verfahren - dort löst der Titel das Rätselwort dieses Rezepts: "chros" ist als "kroß" zu lesen, ein feststehender Name für diese Ei-Zubereitung, kein Hapax. Eine zweite Handschrift, Cgm 384 (Rezept 81, "Kroßeier"), bestätigt den Namen als eigene Rezeptfamilie, zeigt dort aber eine andere Zubereitung (Rühren/Braten auf dem Rost statt Füllen).

Ungewöhnlich ist der zweite Teil: Das gefüllte Ei wird noch einmal in der Schale in Wein gesiedet, danach zerfällt es (oder wird bewusst zerlegt), und der gesamte Inhalt wird durch Essig und Wein passiert und zu einer sämigen Sauce weiterverkocht. Am Ende steht also kein intaktes gefülltes Ei, sondern ein durchpassiertes Ei-Wein-Mus - der Text beschreibt dieses Zerfallen als vorgesehenen Ablauf, nicht als Störfall.

Zwei Stellen bleiben philologisch ungeklärt: Was genau mit "dy vogel da von" gemeint ist, lässt sich weder über das Korpus noch über die Wörterbücher sichern - "vogel" bedeutet im gesamten Korpus sonst immer wörtlich Geflügel als Speise, nie Schale, und das Rezept selbst benutzt kurz zuvor bereits das eindeutige Wort "schal" für die Eierschale. Als Arbeitslesart übernehmen wir trotzdem "Schalenreste" - nicht philologisch gesichert, sondern schlicht die einzige Lesart, die an dieser Stelle im Kochablauf Sinn ergibt: Die Schale ist gerade im Wein zerbrochen, und bevor der Inhalt durchgerieben werden kann, muss irgendetwas Festes heraus. Ebenso ungeklärt ist "wen sieb sy verrechen" - "sieb" ergibt hier keinen Sinn als Küchengerät und bleibt eine offene Stelle im Text.

Praxis. Die Eier weich sieden, sodass der Dotter noch formbar ist. Ein kleines Loch in die Spitze stechen und nur den Dotter entnehmen, das bereits feste Eiweiß bleibt als Hülle zurück. Petersilie fein hacken und mit dem Dotter verreiben, in Schmalz in der Pfanne unter Rühren erwärmen, dabei ausdrücklich nicht fest werden lassen - die Masse muss geschmeidig genug bleiben, um durch das kleine Loch zurück in die Schale zu passen. Die gefüllten Eier in Wein sieden; das Loch bleibt dabei laut Text unverschlossen, ein Verschluss wird nirgends erwähnt. Sobald die Schalen beim Sieden zerbrechen, den Inhalt herauslösen, mit Essig und Wein durch ein Sieb oder Tuch passieren, nochmals aufkochen und mit Pfeffer und Gewürzen abschmecken. Ergebnis ist eine sämige, durch das Ei selbst gebundene Wein-Essig-Sauce, keine Mehlschwitze nötig.

Ehrlich angemerkt. Das ist ein erstaunlicher Aufwand für ein Ei-Gericht: Eier füllen, in Wein sieden bis die Schale bricht, den Inhalt durch ein Tuch passieren, nochmals aufkochen und würzen - am Ende steht eine Sauce, für die man ebenso gut gleich mit rohen Dottern hätte beginnen können. Das ergibt nur als bewusstes Tafelstück Sinn, nicht als effizienter Weg zu einer Ei-Wein-Sauce; der Umweg über das gefüllte, ganze Ei ist der eigentliche Punkt des Rezepts, nicht ein Nebenprodukt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-109-orig" n="chros air" resp="#fyndling">Durch den Twin in der Münchner Kochbuchhandschrift Cgm 5919 (Rezept 27, "Wildu machen kroß ayr") aufgelöst: ‚chros' ist als ‚kroß' zu lesen, ein feststehender Name für diese Eier-Füll-Zubereitung, kein Hapax. Eine zweite Parallele in Cgm 384 ("Kroßeier") bestätigt den Begriff als eigene Rezeptfamilie im bairischen Kochbuch-Korpus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-109-orig" n="tutter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tutter">Bairisch-österreichische Bezeichnung für den Eidotter.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-109-orig" n="verrechen" resp="#fyndling">Hapax legomenon, nur in mon-109 belegt. Wörterbuchbelege (Lexer/Idiotikon: ‚Rechnung ablegen', ‚Maulwurfshaufen verrechen') passen inhaltlich nicht. ‚Zerbrechen' (bezogen auf die Eierschalen beim Sieden) ist ein plausibler Kontextschluss, aber kein gesicherter Beleg.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-109-orig" n="vogel" resp="#fyndling">Philologisch ungeklärt (siehe editors_note für alle geprüften und verworfenen Lesarten: wörtlich Geflügel, „fogel/facula" = Spießchen, „vogen/fugen" = fügen). Praktisch am plausibelsten aus der Kochlogik erschlossen: An dieser Stelle sind die Eierschalen gerade beim Sieden zerbrochen - bevor man den Inhalt mit Essig und Wein durch ein Tuch reiben kann, müssen die Schalenreste zwingend heraus. Das ist keine Wörterbuch-Lesart, sondern eine Verfahrens-Notwendigkeit: irgendetwas muss an dieser Stelle entfernt werden, damit der nächste Schritt (Durchreiben/Passieren) überhaupt funktioniert, und Schalenreste sind das einzige Objekt im Text, das dafür in Frage kommt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-109-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚Gute Gewürze' bezeichnet eine Mischung aus gängigen, oft teuren Gewürzen der Zeit, wie Ingwer, Muskat, Nelken oder Zimt. Für eine helle Speise wie diese eignen sich besonders helle Gewürze wie weißer Pfeffer, Ingwer und Muskatblüte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-109-orig" n="chros air" resp="#fyndling">‚Kroße Eier' / gefüllte Eier - bestätigt durch den Twin in Cgm 5919 ("Wildu machen kroß ayr"), der dasselbe Verfahren beschreibt und den Begriff im Rezepttitel selbst verwendet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-109-orig" n="verrechen" resp="#fyndling">‚zerbrechen' - bezieht sich auf die Eierschalen, die beim Sieden in Wein zerbrechen können. Hapax legomenon, kein Wörterbuchbeleg, reiner Kontextschluss.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-109-orig" n="vogel" resp="#fyndling">Praktisch erschlossen als Schalenreste - nicht philologisch gesichert, sondern aus der Verfahrenslogik: Nach dem Sieden in Wein bis zum Zerbrechen der Schale muss vor dem Durchreiben mit Essig und Wein zwingend etwas Festes entfernt werden, sonst ergibt der nächste Schritt keinen Sinn. Schalenreste sind das einzige Objekt im Text, auf das das zutrifft.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-109-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚Gewürze' - eine allgemeine Bezeichnung für eine Mischung aus Gewürzen, die nach Geschmack und Verfügbarkeit gewählt wurden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-110-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Reis-Mandel-Mus - die reduzierte, fastentaugliche Form des mittelalterlichen Blancmanger: statt mit Hühnerbrust oder Fisch wird die dicke Mandelmilch hier ausschließlich mit Reismehl gebunden und gezuckert. Näheste lebende Verwandte sind der türkische Sütlaç, das französische Riz au Lait und die alte deutsche Reismilch - über die Mandelmilch-Basis ist es zugleich ein früher Vorläufer heutiger veganer Reispuddings.

Der Reis wird selbst zu Mehl verarbeitet. Das Rezept setzt kein fertiges Reismehl voraus, sondern beschreibt die komplette Herstellung von Grund auf: Reis in vier Wassern waschen (entfernt Spreu, Sand und Stärkestaub des unpolierten Importreises), trocknen (in der Pfanne oder an der Sonne - nasser Reis verklumpt im Mörser statt zu zerfallen), dann im Mörser fein stoßen und durch ein Tuch oder Sieb reiben. Das ist die mittelalterliche Methode, ohne Mühle an feines Mehl zu kommen.

Praxis. Für die Nachkoch-Küche lohnt sich die Abkürzung: fertiges Reismehl und gekaufte Mandelmilch sparen die aufwendigsten Schritte. Die dicke Mandelmilch wird aufs Feuer gesetzt, dann kommen der gestoßene Reis (ein halber Esslöffel - das ist knapp bemessen, das Ergebnis eher ein dünn-sämiges Mus als eine feste Creme) und Zucker hinein, kurz aufkochen, bis die Mischung bindet. Wer es fester mag, darf beim Reismehl großzügiger sein, als das Original angibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-110-orig" n="reisch" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für Reis. Im Mittelalter war Reis ein teures Importgut und wurde oft als Bindemittel oder für feine Mus-Speisen verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-110-orig" n="vier wasser" resp="#fyndling">Die Anweisung, Reis in vier Wassern zu waschen, diente der praktischen Reinigung von Spreu, Sand und Stärkestaub des unpolierten Importreises - eine gängige Vorbereitung für Getreide und Hülsenfrüchte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-110-orig" n="trucken In ainer phan oder auff einem tuech an der sunnen" resp="#fyndling">Der Reis sollte entweder in einer Pfanne (vermutlich über milder Hitze) oder an der Sonne getrocknet werden. Das Trocknen war Voraussetzung für den nächsten Schritt: nasser Reis verklumpt im Mörser, statt zu feinem Pulver zu zerfallen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-110-orig" n="morsar chlain vnd ra es durch ein tuech oder sib" resp="#fyndling">Der Reis wird im Mörser zu feinem Pulver zerstoßen und anschließend durch ein Tuch oder Sieb gerieben ("ra" - vermutlich ein Schreibkürzel für "reib"), um Reismehl herzustellen. Dies war die mittelalterliche Methode, um feines Mehl aus Getreide zu gewinnen, ohne eine Mühle zu benutzen. Derselbe Arbeitsschritt (Reis stoßen, sieben) findet sich im Mondseer Kochbuch selbst noch einmal fast wortgleich bei den gebackenen Reisküchlein (mon-002).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-110-orig" n="gestossen reisch" resp="#fyndling">Reismehl statt Weizenmehl als Bindemittel ist das Kennzeichen der Blancmanger-Rezeptfamilie - vergleiche die englische Resmolle ("flour of Rys"), die auf dieselbe Weise Mandelmilch zu einem süßen Mus bindet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-110-orig" n="dick mandl milich" resp="#fyndling">Eine dicke Mandelmilch ist eine konzentrierte Form von Mandelmilch, die entweder mit weniger Wasser zubereitet oder durch Reduzieren eingedickt wurde. Sie dient als cremige Basis für das Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-110-orig" n="halben loffel" resp="#fyndling">Ein „Löffel“ bezeichnet hier wahrscheinlich einen Esslöffel. Ein halber Löffel Reismehl ist eine knappe Bindemittelmenge - das fertige Mus dürfte eher dünn-sämig als fest ausfallen, wenn die Mandelmilch für mehrere Portionen gedacht war.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-110-orig" n="I?" resp="#fyndling">Die Transkription „I?“ ist ein Lesefehler im Original. Kontextuell ist hier „ihn“ (bezogen auf den Reis) gemeint.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-110-orig" n="etc." resp="#fyndling">Das „etc.“ am Ende des Rezepts deutet auf weitere, nicht näher spezifizierte Zutaten hin, die nach Belieben oder Kenntnis des Kochs hinzugefügt werden konnten. Es ist keine spezifische Zutat gemeint, sondern eine offene Ergänzung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-111-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein im gefetteten Mörser direkt auf der Glut gestocktes Semmel-Ei-Geflügel-Gericht - kein Kuchen im heutigen Sinn, sondern eher die Vorstufe eines herzhaften Auflaufs. Weißbrotwürfel, geschlagene Eier und gebratenes Geflügelfleisch werden zu einer Masse verarbeitet und in einer improvisierten Form gestockt - ein entfernter Verwandter der französischen Timbale oder heutiger herzhafter Brot-Aufläufe.

Das Fleisch wird geschlagen, nicht passiert. 'Slach dan dar durch' meint, die bereits gebratenen Hühner klein zu hacken und unter die Semmel-Ei-Masse zu schlagen - kein Passieren durch ein Tuch oder Sieb. In der Praxis: das Geflügel vorher braten, dann mit dem Messer fein hacken oder im Mörser kurz stoßen und unter die Masse arbeiten.

Praxis. Weißbrot würfeln, mit geschlagenen Eiern, Muskatnuss, weiteren Gewürzen und etwas Safran (für die gelbe Farbe) vermengen. Hühner-, Tauben- oder Innereienfleisch (Leber, Magen, Keule) braten, klein hacken und unterheben. Einen Mörser (oder eine feuerfeste Form) mit Schmalz auskleiden, die Masse einfüllen und auf der Glut stocken lassen, bis sie fest ist. Warm servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-111-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Hier ist geriebenes Weißbrot oder Semmelmehl gemeint, das als Bindemittel dient. Eine Mehlbindung war in dieser Zeit unüblich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-111-orig" n="mustat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">Bezieht sich hier primär auf die Muskatnuss selbst. 'Mustat' steht in einer reinen Gewürz-Aufzählung ohne begleitendes Schneide-Verb - in solchen Fällen ist im Korpus durchweg die ganze Nuss gemeint, während Muskatblüte (Macis) nur dort vorliegt, wo ausdrücklich vom Schneiden der Blüte die Rede ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-111-orig" n="stupp" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Das Verb 'stuppen' bedeutet 'bepudern' oder 'bestreuen'. Hier ist gemeint, die Masse mit feinem Gewürzpulver zu bestreuen oder zu vermischen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-111-orig" n="mach es gelb" resp="#fyndling">Ein Hinweis auf die Verwendung von Safran oder einer anderen gelbfärbenden Zutat, um dem Gericht eine ansprechende Farbe zu verleihen. Safran war ein teures Statussymbol.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-111-orig" n="slach dan dar durch" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#slach-dan-dar-durch">Das Verb 'slahen' (schlagen) meint hier das Zerkleinern und Einarbeiten: Die gebratenen Hühner werden klein gehackt und unter die vorbereitete Semmel-Ei-Masse geschlagen. Kein Passieren durch ein Tuch oder Sieb - im Text ist von einem solchen Arbeitsschritt nirgends die Rede.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-111-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein 'Mörser' ein großes, schweres Gefäß aus Stein oder Metall, das zum Zerkleinern und Pürieren von Fleisch, Fisch oder Nüssen verwendet wurde. Hier dient er auch als Backform.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-111-orig" n="gluedt" resp="#fyndling">Bezeichnet die heiße Glut eines Feuers, auf der der Mörser zum Backen platziert wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-111-orig" n="chuchlin" resp="#fyndling">Diminutiv von 'Kuchen' oder 'Küchlein'. Hier im Kontext des Mörsers als 'Mörserküchlein' oder 'Mörserpastete' zu verstehen, eine kleine, im Mörser geformte und gebackene Speise.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-111-orig" n="sneydt Sy wirfflat" resp="#fyndling">Übersetzt als 'schneide sie würfelig'. 'wirfflat' ist eine bairische Variante von 'würflott', was 'würfelig' bedeutet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-111-orig" n="leberr maglein oder fussel" resp="#fyndling">Übersetzt als 'Leber, Magen oder Keule'. 'Maglein' bezieht sich hier auf den anatomischen Magen (Muskelmagen/Gizzard) und 'fussel' auf die Keule (Bein) des Geflügels.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-111-orig" n="ful" resp="#fyndling">Übersetzt als 'Füllung' oder 'Masse'. Bezieht sich auf die vorbereitete Fleisch-Brot-Ei-Mischung, die in den Mörser gegeben wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-112-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine im Pfännchen geschlossen gebackene Geflügel-Apfel-Pastete mit nachträglich eingegossener Gewürzhonig-Sauce, die durch ein Loch im Deckel eingefüllt wird. Strukturell ein früher Verwandter der später geschlossen gebackenen Game Pies und der französischen Tourte: Beide verbinden Wildgeflügel, geröstetes Obst und eine würzige Fülle in einer Teighülle. Die süß-salzige Kombination aus Honig und herzhafter Geflügelfüllung ist heute selten - die moderne Küche hat die süße Komponente meist abgespalten.

Was ist die 'Platte' wirklich? Der Text nennt keinen eigenen Mehlteig. Beide 'Platten' (plat) entstehen aus derselben gelben Ei-Semmel-Masse, die zu Beginn angerührt wird: schaumig geschlagene Eier, gewürfelte Semmel, Macis. Aus der Hälfte dieser Masse wird im Schmalz-Pfännchen eine dünne Platte geformt und beiseitegelegt, aus der anderen Hälfte eine zweite, die als Boden im Pfännchen bleibt. Die Semmel bindet die Masse zu einer formbaren, backfähigen Schicht - kein Mürbeteig oder Blätterteig aus dem Kühlregal, sondern ein gebackener Ei-Semmel-Fladen.

Warum wird die Füllung vorgegart? Äpfel und Geflügel sind beim Zusammenbau bereits geröstet beziehungsweise gebraten. Das Pfännchen über der Glut dient danach nur noch dem Verschmelzen der beiden Fladen zu einer geschlossenen Hülle, nicht dem Durchgaren roher Zutaten - das schont die empfindliche Fladen-Konstruktion und ist sicherheitstechnisch sauber gedacht.

Praxis. Eier schaumig schlagen, gewürfelte Semmel und feingeschnittene Macis einrühren, mit etwas Safran gelb färben. Aus der Hälfte der Masse im gefetteten Pfännchen eine dünne Platte backen, herausnehmen und beiseitelegen. Aus der zweiten Hälfte ebenso eine Platte formen und im Pfännchen liegen lassen. Geröstete Apfelscheiben darauf verteilen, halbierte gebratene Rebhühner (oder junge Hühner, Tauben, Wachteln) darauflegen. Das Pfännchen über die Glut heben, die erste Platte als Deckel aufsetzen. Zwei verquirlte Eier ringsum an den Rand gießen, damit beide Fladen an der Naht fest verkleben. Honig erhitzen, den aufsteigenden Schaum sauber abschöpfen, mit Gewürzen (Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken) versehen. Ein Loch in den Deckel stechen und den heißen, gewürzten Honig einfüllen, dabei das Pfännchen leicht kippen, damit die Sauce zwischen Füllung und Kruste läuft. Nicht übersalzen - das ist die einzige ausdrückliche Warnung des Originaltexts.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-112-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Im Mittelalter wurde oft geriebenes Weißbrot oder Semmel zur Bindung und Texturgebung in Speisen verwendet, nicht Mehl im modernen Sinne.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-112-orig" n="wirfflat" resp="#fyndling">Bedeutet ‚würfelig‘ oder ‚in Würfel geschnitten‘. Hier bezieht es sich auf die Semmel, die in Würfel geschnitten wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-112-orig" n="muscat" resp="#fyndling">Das Verb ‚sneydt‘ (schneiden) ist diagnostisch: Eine ganze Muskatnuss wird gerieben oder gestoßen, nie geschnitten. Geschnitten wird dagegen Macis, der blattartige, fein schneidbare Samenmantel der Muskatnuss - dieselbe Lesart wie in mon-010 und im Zwillingsrezept m5919-101.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-112-orig" n="platt" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#platt">Bezeichnet hier keinen eigenen Mehlteig, sondern einen dünnen Fladen, der in der Pfanne aus der zuvor angerührten Ei-Semmel-Masse gebacken wird - zwei solche Fladen bilden Boden und Deckel der Pastete. Diese Lesart bestätigt sich am wortnahen Zwilling m5919-101, dessen FAQ dieselbe Konstruktion ausdrücklich klärt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-112-orig" n="hert" resp="#fyndling">Der Herd, also die Feuerstelle oder Kochplatte, über der das Pfännchen erhitzt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-112-orig" n="fuams sawber" resp="#fyndling">Das Abschöpfen des Schaums beim Erhitzen von Honig ist eine Methode zur Klärung, um eine reinere und klarere Honigsauce zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-112-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚Gute Gewürze‘ meint die typische mittelalterliche Gewürzmischung für süß-pikante Speisen, oft bestehend aus Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken und Muskat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-112-orig" n="guecz pachen" resp="#fyndling">‚Gutes Gebäck‘ - ‚guecz‘ als ‚gutes‘ und ‚pachen‘ als ‚Gebäck‘ oder ‚gebackenes Gericht‘.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-113-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dieses Rezept gehört zur weitverzweigten Familie des Blancmanger - fein gehacktes, mageres und fettes Schweinefleisch wird gesotten und mit Mandeln und Zucker zu einem hellen, gebundenen Mus verarbeitet, ganz ohne Wein und ohne dunkle Gewürze. Innerhalb dieser europaweiten Gerichtekategorie ist es die schlichteste Ausprägung: kein Mörser, keine Mandelmilch, kein Reismehl - nur Sieden, Hacken, Mandeln, Zucker. Der engste bekannte Verwandte ist m5919-091, dessen Rezeptformel praktisch wortgleich ist.

Die Anweisung, das Fleisch fein zu hacken, damit das Mus ‚rein‘ wird, bezieht sich auf die reine, helle Farbe, nicht auf eine besonders feine Textur - die ist mit ‚klein hacken‘ bereits benannt. Farbreinheit war bei weißen Mus-Gerichten das eigentliche Qualitätsmerkmal, nicht die Feinheit der Zerkleinerung.

Praxis. Mageres und fettes Schweinefleisch zusammen in Wasser weichkochen, bis es gar ist, dann von Hand oder mit dem Messer klein hacken - ein echtes Glätten wie im Mörser oder durch ein Tuch ist im Text nicht vorgesehen, das Ergebnis bleibt eine feinkrümelige, keine sämige Masse. Gemahlene Mandeln einrühren, mit Zucker süßen. Kein Wein, keine dunklen Gewürze - die helle Farbe ist der Punkt des Gerichts.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-113-orig" n="gmuess" resp="#fyndling">Eine bairisch-österreichische Variante von ‚Mus‘, was im Mittelalter eine breiige oder pürierte Speise aus Fleisch, Fisch, Gemüse oder Obst bezeichnete.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-113-orig" n="an die stat" resp="#fyndling">Diese Wendung bedeutet ‚bis es gar ist‘ oder ‚bis es die gewünschte Konsistenz erreicht hat‘, nicht wörtlich ‚an Ort und Stelle‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-113-orig" n="vain" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#vain">Bedeutet ‚rein‘ (weiß, sauber) und bezieht sich auf die Farbreinheit des Mus, nicht auf seine Textur - die Feinheit ist bereits durch ‚klein hacken‘ ausgedrückt. Der Twin m5919-091 hat an identischer Stelle die eindeutige Form ‚rain weins‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-113-orig" n="gmuess" resp="#fyndling">‚Mus‘ - eine bairisch-österreichische Variante von ‚Mus‘ (Püree/Brei), wobei das ‚g-‘ ein häufiges Präfix in frühneuhochdeutschen Nomen ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-114-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Der Titel im Original spricht von einem "pachen" - trotz der Wortnähe zu "Backen" ist das hier kein Rezept mit Teigmantel und Ofen wie die echte Rindfleisch-Pastete des Mondseer Kochbuchs (dort mit Roggenmehlteig-Hülle). Stattdessen wird gekochtes Rindfleisch gehackt, mit Ei, Eidotter, Semmelbröseln und Petersilie gebunden, mit Sahne oder fetter Brühe gestreckt, gewürzt und safrangelb gefärbt - näher an einem geformten Fleischlaib oder einer Farce als an einer Pastete im heutigen Sinn.

Die Form am Ende. Der Text bricht mit der geformten, glattgezogenen Masse auf dem Brettchen ab, ohne einen abschließenden Back- oder Garschritt zu nennen. Andere "pachen"-Rezepte im Mondseer Kochbuch enden mit einer Phase in Fett gebacken oder gebraten - das legt nahe, dass auch hier im Anschluss noch gegart wurde, auch wenn der Schreiber diesen letzten, für ihn selbstverständlichen Schritt nicht ausschreibt. Wer das Gericht nachkocht, sollte den Laib deshalb nicht roh servieren, sondern ihn in Fett von beiden Seiten braten oder im Ofen fertig garen, bis Ei und Fleisch durchgezogen sind.

Praxis. Das Rindfleisch warm (direkt nach dem Kochen) klein hacken - das gelingt leichter als mit abgekühltem Fleisch. Mit Eiern, Eidotter, Semmelbröseln und gehackter Petersilie gut vermischen, dann mit Sahne oder ersatzweise der fetten Kochbrühe des Rindfleischs zu einer streichfähigen Masse verlängern. Würzen, mit Safran gelb färben, auf ein Brettchen geben und mit dem Löffel glattziehen. Anschließend in Fett goldbraun braten oder im Ofen durchgaren, bis die Masse fest ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-114-orig" n="pachen" resp="#fyndling">Im Mondseer Kochbuch bezeichnet 'pachen' durchgehend eine Zubereitung, die am Ende in Fett gebacken oder gebraten wird. Hier bricht der Text vor diesem letzten Schritt ab und endet mit der geformten, glattgezogenen Rohmasse - die anschließende Back- bzw. Bratphase ist im Transkript nicht ausgeschrieben, aber durch die übrigen 'pachen'-Rezepte des Buches nahegelegt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-114-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Im mittelalterlichen Kontext sind 'Semmel' oder 'Semmelbrösel' geriebenes Weißbrot, das als Bindemittel verwendet wird, nicht Mehl im modernen Sinne. Eine Mehlbindung war in dieser Zeit unüblich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-114-orig" n="obry milich" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#obry-milich">Wörtlich 'obere Milch', was sich auf den Rahm oder die Sahne bezieht, die sich auf unhomogenisierter Milch absetzt. Es ist die fettreichere Komponente der Milch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-114-orig" n="char" resp="#fyndling">Schüssel oder Gefäß, in das die gehackte Fleischmasse zum Anrichten gegeben wird - kein Backvorgang, sondern reines Umfüllen. Die externe CoReMA-Objektbeschreibung (Universität Graz) bestätigt diese Lesart unabhängig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-114-orig" n="czewch es mit einem loffel ein" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">'ziehe es mit einem Löffel glatt' - Im Mondseer Kochbuch bedeutet 'czewch/ziehen' durchgängig ein Abziehen oder Glattziehen (Teig, Haut, Glut), nicht 'formen' im Sinn von Gestaltgeben. Im Kontext des Anrichtens auf dem Brettchen heißt das: die Masse mit dem Löffel glattstreichen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-115-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süß-pikantes Wildragout: fein gehacktes Wildfleisch in einer dicken, mit Honig und zerkrümeltem Lebkuchen gebundenen Pfeffersauce. Das ist die spätmittelalterliche Vorstufe dessen, was heute als Wildpfeffer oder Hirschpfeffer bekannt ist - die Lebkuchenbindung der Sauce lebt bis heute im alpenländischen Hasen- und Rehpfeffer weiter.

Praxis. Wildfleisch zur Hälfte aus magerem, zur Hälfte aus fettem Anteil fein hacken - das Verhältnis gleicht die Trockenheit von Wild aus und sorgt für Saftigkeit. Eine Pfeffersauce nach Grundrezept zubereiten, dabei etwas dünnflüssiger anlegen als sonst üblich, denn das gehackte Fleisch sowie später der Lebkuchen binden zusätzlich nach. Das Fleisch darin gar köcheln lassen. Erst wenn es durchgegart ist, Honig und Lebkuchen einrühren: Der Lebkuchen zerfällt in der heißen Flüssigkeit und bindet das Mus, ohne dass es breiig wird. Zum Schluss mit guten Gewürzen abschmecken, um die durch Honig und Lebkuchen veränderte Balance wieder auszutarieren. Am offenen Feuer im Topf machbar, keine Ofenschritte nötig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-115-orig" n="wiltprat" resp="#fyndling">Wildbret, also Wildfleisch. Hier wird eine Mischung aus magerem und fettem Fleisch empfohlen, was für eine ausgewogene Textur und Geschmack sorgt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-115-orig" n="pheffer" resp="#fyndling">Im Mittelalter bezeichnete 'Pfeffer' oft eine kräftige, dunkle Würzsauce, die typischerweise mit Brot gebunden und stark gewürzt war, nicht nur das Gewürz selbst.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-115-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Lebkuchen, ein gewürztes Honiggebäck. Es dient hier nicht nur zum Süßen, sondern auch als Bindemittel für das Mus und trägt zu einem komplexen Aroma bei.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-115-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Gewürze. Im Spätmittelalter waren dies oft Mischungen aus Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken und Muskat, die großzügig verwendet wurden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-116-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Frittierte Innerei-Bällchen im Ausbackteig - im Kern ein herzhafter Vorläufer der Straubenfamilie, nur mit Fleischfarce statt süßer Fülle. Die nächste lebende Verwandtschaft: das Prinzip "gehackte Innerei-Kugel, durch dünnen Ausbackteig gezogen, in Fett frittiert" lebt in Beignets à la viande und in frittierten Kroketten weiter. Innerhalb des Mondseer Kochbuchs ist es die unsüße Schwester der Strauben-Rezepte und ein naher Cousin der bairisch-österreichischen Beuschl-Verwertung von Kalbslunge - hier aber frittiert statt geschmort. Der Zwilling kkm-063 ("Gebackene Kalbslunge-Küchlein") zeigt, dass es sich um einen etablierten Rezepttyp handelt: Lunge hacken, Teiglein aus Eidotter binden, Küchlein formen, durch Straubenteig ziehen, in Fett ausbacken.

Praxis. Die Lunge wird zuerst gesotten - das macht das sonst zähe, schwammige Gewebe schneidbar und entfernt Blutreste. Danach fein hacken, mit gekochtem Speck (gleicht die Magerkeit der Lunge aus), zwei Eigelb (Bindemittel für die Kugeln) und Gewürzpulver vermengen und nochmals durchhacken. Aus der Masse kleine Kugeln formen, durch einen dünnflüssigen Straubenteig ziehen und in Schmalz ausbacken. Der Teigmantel schützt die feuchte Fülle beim Frittieren und liefert die knusprige Hülle - vergleichbar mit einer Frikadelle im Ausbackteig. Der Text nennt keine Back- oder Garzeit; bei kleinen Kugeln ist das unkritisch, sollte aber nicht durch eine erfundene Zeitangabe geglättet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-116-orig" n="lungel von chelbrin" resp="#fyndling">Die Kalbslunge war im Mittelalter eine häufig verwendete Innerei, die oft zu Farcen oder Mus verarbeitet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-116-orig" n="pachen" resp="#fyndling">Hier als Nomen verwendet, bedeutet es ein Gebäck oder eine gebratene/gebackene Speise, die in Fett ausgebacken wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-116-orig" n="tutter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tutter">Das Eigelb dient hier als Bindemittel und zur Geschmacksgebung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-116-orig" n="stupp" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">In diesem Kontext bezieht sich ‚stupp‘ auf ein feines Pulver, wahrscheinlich eine Mischung aus Gewürzen, die dem Gericht Aroma verleihen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-116-orig" n="strawben taig" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#strawben-taig">Ein Straubenteig ist ein dünnflüssiger Teig, der typischerweise aus Mehl, Eiern und Flüssigkeit besteht und zu ‚Strauben‘, einer Art Schmalzgebäck, ausgebacken wird. Der Name leitet sich von der ‚straubigen‘, unregelmäßigen Form ab.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-116-orig" n="versalcz nit" resp="#fyndling">Die Anweisung, nicht zu versalzen, ist ein häufiger Hinweis in mittelalterlichen Rezepten, da Salz ein wertvolles Konservierungsmittel war und oft großzügig verwendet wurde.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-116-orig" n="wildw" resp="#fyndling">‚willst du‘ - eine gängige Kontraktion von ‚wilt du‘ im bairisch-österreichischen Frühneuhochdeutsch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-116-orig" n="chelbrin" resp="#fyndling">‚kälbern‘ oder ‚Kalbs-‘ - die adjektivische Form von Kalb.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-116-orig" n="gesotens" resp="#fyndling">‚gesottenen‘ oder ‚gekochten‘ - das Partizip Perfekt von ‚sieden‘ (kochen).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-116-orig" n="czwen" resp="#fyndling">‚zwei‘ - eine häufige frühneuhochdeutsche Schreibweise für die Zahl zwei.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-116-orig" n="stupp" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">‚Gewürzpulver‘ - das Wort ‚guett‘ (gut) im Kontext von ‚stupp‘ (Pulver) legt nahe, dass es sich um eine Mischung aus feinen Gewürzen handelt, die dem Gericht Geschmack verleihen soll.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-116-orig" n="czewch" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">‚ziehe‘ - der Imperativ des Verbs ‚ziehen‘, hier im Sinne von ‚hindurchziehen‘ oder ‚eintauchen‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-116-orig" n="versalcz" resp="#fyndling">‚versalze‘ - der Imperativ des Verbs ‚versalzen‘ (zu viel Salz hinzufügen).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-117-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gekochte Kalbsfüße werden durch einen Eierteig gezogen und in Schmalz gebacken, zum Schluss mit Zucker bestreut - ein Süß-Herzhaft-Ausbackgericht. Strukturell ist das der Vorfahr der Fett-Ausback-Familie (Krapfen/Beignet-Technik), hier aber mit einem Fleisch- statt einem Obst- oder Süßkern. Die nächste lebende Verwandtschaft ist die französische Küche: Pieds de veau frits - vorgekochte Kalbsfüße, die paniert oder im Teig ausgebacken werden - ist bis heute ein Klassiker der traditionellen französischen Bistro-Küche und folgt demselben Grundprinzip wie das Mondseer Rezept. Verwandt ist außerdem die alpine Tradition, festes gekochtes Fleisch oder Innereien - Hirn, Euter, Beuschel - in Ei- oder Bierteig zu tunken und in Schmalz auszubacken; diese Linie ist bis ins 19./20. Jahrhundert in süddeutsch-österreichischen Kochbüchern belegt.

Der Grundteig ist im Original ausdrücklich ein Eierteig ("air taig"), in den zusätzlich vier Eier gegeben werden - eine für die Epoche ungewöhnlich präzise Mengenangabe. Vermutlich sorgt die doppelte Ei-Gabe für einen besonders reichen, gut bindenden Ausbackteig, der beim Frittieren stabil bleibt und goldbraun wird.

Praxis. Die Kalbsfüße zunächst gründlich säubern und in Wasser weichkochen, bis das Bindegewebe zart ist - das dauert mehrere Stunden, da Kalbsfüße sehr sehnig und kollagenreich sind. Erst nach diesem Vorkochen lässt sich das Fleisch in vernünftiger Zeit ausbacken; roh oder zu kurz gekocht bliebe es zäh. Aus Mehl, Salz und den vier Eiern einen dickflüssigen Ausbackteig anrühren. Die vorgekochten, weichen Füße durch den Teig ziehen und in reichlich heißem Schmalz goldbraun ausbacken. Der Teigmantel hält die Feuchtigkeit und gibt einen Texturkontrast: außen knusprig durch Teig und Schmalz, innen weich-gallertig durch das beim Vorkochen freigesetzte Kollagen. Zum Servieren mit Zucker bestreuen. Das Rezept sagt nicht ausdrücklich, ob die Füße vor dem Backen vom Knochen gelöst werden - für ganze Füße mit Knochen wäre das Ausbacken unpraktisch, ausgelöstes Fußfleisch ist die naheliegendere Umsetzung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-117-orig" n="chalbs fueß" resp="#fyndling">Kalbsfüße waren eine beliebte Zutat in der mittelalterlichen Küche, meist gekocht und wegen ihres hohen Gelatineanteils zu Sülzen oder Pasteten weiterverarbeitet. Das Ausbacken im Teig, wie hier, ist die seltenere Variante.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-117-orig" n="schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Bedeutet hier ‚sauber‘ oder ‚reinigen‘. Die Kalbsfüße müssen gründlich gesäubert werden, bevor sie gekocht werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-117-orig" n="sewd" resp="#fyndling">Eine bairisch-österreichische Form von ‚sieden‘, also kochen oder garziehen lassen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-117-orig" n="an die statt" resp="#fyndling">Diese Phrase bedeutet hier ‚bis sie gar sind‘ oder ‚bis zur richtigen Konsistenz‘. Die Kalbsfüße müssen weich gekocht werden, bevor sie weiterverarbeitet werden. Die feste Wendung ist im Mondseer Kochbuch und im weiteren Korpus wiederholt in diesem Sinn belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-117-orig" n="air" resp="#fyndling">Bairisch-österreichisch für ‚Ei/Eier‘ - im gesamten Mondseer Kochbuch ausschließlich in dieser Bedeutung belegt, nie als unbestimmter Artikel (der hier stets ‚ein‘/‚ain‘ geschrieben wird). ‚Air taig‘ bedeutet daher ‚Eierteig‘, nicht ‚ein Teig‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-117-orig" n="smalcz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz, das zum Braten oder Backen verwendet wurde. Es verleiht dem Gericht einen kräftigen Geschmack und eine knusprige Textur.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-117-orig" n="czucker" resp="#fyndling">Zucker war im Mittelalter ein teures Luxusgut und Statussymbol. Er wurde oft auch für herzhafte Speisen verwendet, um einen süß-pikanten Kontrast zu schaffen oder den Reichtum des Gastgebers zu demonstrieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-117-orig" n="sewd" resp="#fyndling">‚Sieden‘ - das Verb bedeutet ‚kochen‘ oder ‚garziehen lassen‘, was für Kalbsfüße die übliche Garmethode ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-117-orig" n="an die statt" resp="#fyndling">‚Bis sie gar sind‘ - im Kontext des Kochens von Kalbsfüßen ist dies die plausibelste Lesart, um die gewünschte Weichheit zu erreichen. Die feste Wendung ist korpusweit einheitlich in diesem Sinn belegt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-118-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kalbsfleischknödel aus fein gehacktem Rohfleisch, gebunden mit Ei und geriebenem Brot, in heißem Wasser gegart und anschließend in eine safrangelb gefärbte Brühe gelegt. Das ist ein unmittelbarer Vorfahre der böhmisch-österreichischen Fleischknödel-in-der-Brühe und verwandt mit der Klopse-in-gelber-Soße-Familie, aus der später auch die Königsberger Klopse hervorgingen - nur ohne Kapern und Zitrone. Ein enger Zwilling findet sich in ri15632-019 (Kalbsfleisch-Kugeln mit Petersilie): dort dasselbe Grundverfahren, nur anders angerichtet.

Das Fleisch. Vor der Erfindung des Fleischwolfs wurde Rohfleisch für Knödelmassen fein gehackt oder gewiegt, nicht gemahlen. Das ist arbeitsintensiv, aber notwendig, damit die Masse bindet und im Wasser durchgart, ohne dass grobe Stücke roh bleiben.

Die Bindung. Ei und geriebenes (Alt-)Brot sind die zeittypische Bindung für Fleischfarcen - keine Mehlschwitze. Das Ei emulgiert, das Brot bindet Flüssigkeit und macht die Masse geschmeidig, damit sie beim Garen nicht zerfällt.

Praxis. Forme aus der Masse Knödel und ziehe sie in heißem, aber nicht sprudelnd kochendem Wasser gar - so reißen sie außen nicht auf und halten die Form. Bereite parallel in einem zweiten Topf ein gelbes Brühelein zu, gefärbt mit Safran oder Eigelb, und lege die fertig gegarten Knödel erst danach hinein, damit die Brühe klar bleibt und nicht mit dem Schaum des Garwassers vermengt wird. Am offenen Feuer sind zwei Töpfe parallel Standard, kein Sonderaufwand. Ohne Salz zubereitet - nach eigenem Geschmack nachsalzen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-118-orig" n="chnodel" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für ‚Knödel‘ oder ‚Klöße‘, eine weit verbreitete Speiseform im Mittelalter. Die Schreibvariante ist auch im mittelhochdeutschen Referenzkorpus (MHDBDB) unter dem Lemma ‚knode‘ belegt - die Lesart ist unstrittig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-118-orig" n="geriben prott" resp="#fyndling">Geriebenes Brot, also Brotkrümel oder Semmelbrösel, diente als Bindemittel und Füllstoff.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-118-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Eine bairisch-österreichische Schreibvariante für ‚Gewürz‘. Die genaue Mischung ist nicht spezifiziert, aber typisch wären Pfeffer, Ingwer, Nelken oder Muskat.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-118-orig" n="gelbs pruelein" resp="#fyndling">Ein kleines, gelb gefärbtes Brühelein oder eine dünne Sauce. Die gelbe Farbe wurde meist durch Safran oder Eigelb erzielt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-118-orig" n="czew= chs" resp="#fyndling">Wir interpretieren 'czew= chs' als 'zieh es' oder 'forme es'. Dies bezieht sich auf das Formen der Knödel und deren Garen im heißen Wasser. Die Lesart als 'ziehen/rühren' ist korpusweit durchgehend belegt (u.a. mon-013, mon-014, mon-015, mon-017, mon-019, mon-026, mon-042, mon-058, mon-062, mon-066), nie als 'hacken' - das Fleisch-Hacken ist bereits im vorigen Satz mit einem eigenen Verb erledigt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-118-orig" n="machz?" resp="#fyndling">Angesichts des Fragezeichens in der Transkription und der unmittelbar folgenden, klareren Anweisung 'mach ein gelbs pruelein dar', interpretieren wir 'machz?' als eine allgemeine, vielleicht redundante oder unvollständige Anweisung 'mache es' oder 'bereite es zu', die wir in die flüssige Übersetzung integrieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-118-orig" n="pruelein" resp="#fyndling">Wir lesen 'pruelein' als das Diminutiv von 'Brühe', also 'Brühelein' oder 'kleine Brühe/Sauce'. Der lexikalische Zwilling mon-119 ('ein guecz pruelein mit saffran' zu gebratenem Reiher) bestätigt 'pruelein' dort eindeutig als Flüssigkeit/Sauce, nicht als Brei oder Mus.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-119-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Im Kern ist das ein ganz gebratener Wildvogel mit separat aufgekochter, safrangefärbter Bratensauce - die nächste lebende Verwandtschaft ist die klassische Wildgeflügelplatte mit Bratensauce (Wildente, Fasan), bei der das Fleisch ganz gebraten und mit einem reduzierten, gewürzten Fond serviert wird.

Zwei getrennte Arbeitsschritte, keine Bindung. Der Reiher wird am Spieß oder im Bratrohr durchgegart, während parallel eine dünnflüssige Safranbrühe entsteht - vom Text nicht als sämige Sauce beschrieben, eher als klare, goldgelbe Jus-artige Begleitflüssigkeit. Eine Bindung mit Semmel, Mandeln oder Ei wird im Rezept nicht erwähnt und sollte auch nicht unterstellt werden.

Praxis. Reiher ist in Deutschland und der EU streng geschützt und darf nicht gejagt, gehandelt oder gegessen werden - für eine Nachstellung eignet sich ein ganzer Gänse- oder Entenbraten. Der Vogel wird gerupft, ausgenommen und am Spieß oder im Ofen bei mittlerer Hitze langsam gebraten, bis er durchgegart, aber innen noch saftig ist (bei einem großen Vogel 1,5 bis 2 Stunden). Parallel dazu Geflügelfond mit einer guten Prise Safran aufkochen und offen etwas einkochen lassen, bis die Farbe kräftig goldgelb ist. Zum Servieren wird der Braten mit der Safranbrühe beträufelt oder die Brühe daneben gereicht, sodass das ganze Gericht - Fleisch und Sauce zusammen - saftig auf den Tisch kommt. Für die Lagerküche ist das wegen der langen Bratzeit und der nötigen Zeitfenster-Koordination zwischen Braten und Sauce eher ein Schaugericht am Spieß über offener Flamme als ein Alltagsgericht im Taktbetrieb.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-119-orig" n="raiger" resp="#fyndling">Der Reiher war im Mittelalter ein beliebtes Jagdwild und galt als Statussymbol auf der Tafel des Adels. Heute sind Reiher in Deutschland und der EU streng geschützt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-119-orig" n="gepratten" resp="#fyndling">Partizip 'gebraten', hier im Sinne von 'einen gebratenen Reiher zubereiten'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-119-orig" n="safftig" resp="#fyndling">Bedeutet 'saftig' im Sinne von feucht und aromatisch, nicht 'säftig' im modernen Sinne von viel Saft enthaltend.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-119-orig" n="guecz" resp="#fyndling">Schreibvariante von 'guot' (=gut); im Mondseer Kochbuch mehrfach belegt (u.a. mon-011, mon-023, mon-052, mon-076, mon-112, mon-126), nie als Kurzform von 'gewürz'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-119-orig" n="gepratten" resp="#fyndling">'Gebraten' - als Partizip des Verbs 'braten', bezogen auf den Reiher.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-120-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gekochte Rebhühner mit einer kalt angerührten Senf-Honig-Ingwer-Sauce - kein geschmortes oder gebratenes Wildgericht, sondern ein zweistufiges Verfahren: erst gart der Vogel in der Brühe durch, dann kommt die Würzsauce separat und ungekocht dazu. Der Kontrast zwischen warmem Fleisch und der nicht mehr erhitzten, süß-scharfen Sauce ist der eigentliche Reiz - näher an einer kalten Senfsauce zu Wildgeflügel als an den sonst im Korpus üblichen, mitgekochten Pfeffersaucen.

Die Sauce bleibt roh. Senf und Honig werden nach dem Garen des Vogels vermischt und durch ein Tuch geseiht ("seich den rain" - für eine feine, klare Sauce ohne Senfkörner), dann kommt gestoßener Ingwer hinzu. Der Text nennt keinen weiteren Hitzeschritt für diese Mischung - sie wird kalt bzw. lauwarm über das heiße, zerteilte Fleisch gegossen, nicht mitgekocht.

Praxis. Rebhühner (ersatzweise Wachteln oder kleine Hähnchen) in Brühe gar sieden. Senf mit Honig glattrühren und durch ein feines Tuch oder Sieb streichen, damit die Sauce klar bleibt; gestoßenen (oder gemahlenen) Ingwer einrühren - der Text nennt kein Verhältnis zur Vogelzahl, daher lieber schrittweise einrühren und abschmecken statt die volle Menge auf einmal zu verwenden, sonst wird die Sauce für 2-3 Rebhühner schnell zu scharf. Die gegarten Vögel in Stücke teilen - die Bruststücke besonders sorgfältig - und die Senf-Honig-Ingwer-Sauce darübergießen. Warm servieren, die Sauce selbst bleibt kalt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-120-orig" n="geflugelen" resp="#fyndling">Diminutiv von Geflügel, hier im Sinne von ‚kleines Geflügel'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-120-orig" n="rephunern" resp="#fyndling">Rebhühner waren im Mittelalter eine beliebte Jagdbeute und galten als Delikatesse.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-120-orig" n="sewd dw sy auß der prue" resp="#fyndling">Wörtlich ‚siede sie aus der Brühe', gemeint ist ‚siede sie in der Brühe gar'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-120-orig" n="seich den rain" resp="#fyndling">Bedeutet ‚seihe es rein' oder ‚kläre es durch Seihen', um eine feine, klare Sauce zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-120-orig" n="ein I" resp="#fyndling">Die römische Ziffer ‚I' steht hier für ein ‚Lot', eine mittelalterliche Gewichtseinheit, die etwa 15 Gramm entsprach. Der Text nennt allerdings keine Anzahl an Rebhühnern, auf die sich diese Menge bezieht - die 15 g sind daher eine absolute Gewürzmenge für eine unbekannte Portionsgröße, kein Verhältniswert. Für unsere Portionsangabe (2 Rebhühner) im Zweifel schrittweise einrühren und abschmecken, statt die volle Menge auf einmal zu verwenden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-120-orig" n="gestossen ymber" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ymber">Ingwer wurde im Mittelalter oft frisch im Mörser zerstoßen, um sein volles Aroma freizusetzen. Für moderne Nachkocher ist gemahlener Ingwer aus dem Gewürzregal praktikabler.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-120-orig" n="geflugelen" resp="#fyndling">‚kleines Geflügel' - Diminutiv von Geflügel, passend zu Rebhühnern als kleine Wildvögel.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-121-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein schlichtes Wildgericht: gesottenes Eichhörnchenfleisch, mit fettem Fleisch angereichert und mit Gewürzpulver bestreut, danach in Glieder zerteilt und kurz mit angerösteten Zwiebeln in Schmalz nachgezogen. Eichhörnchen waren im Spätmittelalter eine bekannte, wenn auch seltene Jagdbeute für kleinere Wildgerichte.

Historisches Dokument, kein Nachkoch-Rezept. Eichhörnchen stehen in Deutschland und der gesamten EU unter strengem Artenschutz und dürfen weder gejagt noch gehandelt werden. Anders als bei den meisten Wildarten im Korpus gibt es hier keinen sinnvollen modernen Ersatz, der dieselbe Zubereitung nachvollziehbar machen würde - wir dokumentieren das Rezept daher als historisches Zeugnis der mittelalterlichen Jagdküche, nicht zur Nachahmung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-121-orig" n="stupp" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Das Verb ‚stuppen‘ bedeutet ‚bepudern‘ oder ‚bestreuen‘. Hier ist es im Sinne von ‚würzen‘ mit Gewürzpulver zu verstehen, um dem Gericht Geschmack zu verleihen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-121-orig" n="aichoren" resp="#fyndling">‚Eichhörnchen‘ - Die Lesart ‚Eichhörnchen‘ ist aufgrund der Erwähnung von ‚fleisch‘ und der Anweisung, das Tier in ‚glider‘ (Glieder) zu zerteilen, die plausibelste. Eichhörnchen waren im Mittelalter eine bekannte, wenn auch seltene Jagdbeute.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-121-orig" n="geraitten" resp="#fyndling">‚zubereiten‘ oder ‚richten‘ - Das Verb ‚geraitten‘ wird hier im Sinne von ‚zubereiten‘ oder ‚zurichten‘ verstanden, da es die allgemeine Vorbereitung der Eichhörnchen beschreibt, bevor spezifische Kochschritte folgen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-121-orig" n="faysß" resp="#fyndling">‚fettes‘ - ‚faysß‘ ist eine bairische Variante von ‚feiß‘ oder ‚feist‘, was ‚fett‘ oder ‚beleibt‘ bedeutet. Dies passt gut zu magerem Wildfleisch wie Eichhörnchen, das oft mit zusätzlichem Fett angereichert wurde.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-121-orig" n="czwiffal" resp="#fyndling">‚Zwiebeln‘ - ‚czwiffal‘ ist eine plausible bairische Schreibvariante für ‚Zwiebel‘. Zwiebeln sind eine gängige Zutat in mittelalterlichen Fleischgerichten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-121-orig" n="smalcz smalcz" resp="#fyndling">‚in Schmalz‘ - Die Wiederholung von ‚smalcz‘ ist höchstwahrscheinlich ein Schreibfehler oder eine emphatische Wiederholung des Schreibers, die als ‚in Schmalz‘ zu verstehen ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-121-orig" n="stupp sy" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">‚bestreue sie (mit Gewürzpulver)‘ - Basierend auf der Glossar-Definition von ‚stupp‘ als ‚bepudern/bestreuen mit feinem Pulver‘ und dem Kontext, dass das Gericht ‚guett‘ (gut/schmackhaft) werden soll, ist das Würzen mit Gewürzpulver die plausibelste Interpretation.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-122-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein schlankes, unkompliziertes Rebhuhngericht: Die Vögel werden gesotten, mit gehacktem Speck angereichert und mit etwas Wein oder Essig sowie Pfeffer und Safran gewürzt - keine aufwendige Sauce oder Farce, sondern eine knappe Grundanleitung.

Praxis. Rebhühner (ersatzweise Wachteln oder Hähnchenkeulen) in Wasser oder Brühe gar sieden. Gehackten Speck unterheben, mit einem Schuss Wein oder Essig abschmecken, mit Pfeffer, Safran und nach Belieben weiteren Gewürzen (Ingwer, Nelken, Galgant - das ‚etc.' im Original lässt hier bewusst Raum) würzen. Kein Bindemittel, keine separate Sauce - ein deftiges, schnelles Wildgeflügelgericht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-122-orig" n="repphuener" resp="#fyndling">Dies sind Rebhühner (Partridges). Obwohl das Mondseer Kochbuch auch Imitationsgerichte wie 'Rebhühner von Fischen' kennt, gibt es hier keine Hinweise auf eine solche Zubereitung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-122-orig" n="sew sy Auch" resp="#fyndling">Das Verb 'sew' bedeutet 'sieden' oder 'kochen'. Die Rebhühner sollen also in Flüssigkeit gar gezogen werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-122-orig" n="etc." resp="#fyndling">Die Abkürzung 'etc.' (et cetera) ist in mittelalterlichen Kochbüchern häufig und deutet an, dass hier weitere übliche Gewürze der Zeit nach Belieben hinzugefügt werden können, wie Ingwer, Nelken oder Galgant.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-122-orig" n="repphuener" resp="#fyndling">Rebhühner (Partridges). Die Lesart als tatsächliche Rebhühner ist naheliegend, da das Rezept keine Hinweise auf eine Imitation gibt und die Zubereitung für echtes Geflügel typisch ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-123-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kleine Vögel, im Topf in Schmalz gar gebraten und mit einer einfachen Wein-Kräuter-Würze abgeschmeckt - kein aufwendiges Sauce-Gericht, sondern eine schlanke Zubereitung für kleines Wildgeflügel.

Zwei Flüssigkeiten, zwei Aufgaben. Der Welschwein (importierter Südwein) dient zusammen mit der Petersilie als Basis-Würze; separat davon wird mit Essig oder Wein - vermutlich zur Süße-Säure-Balance gegen den schwereren Welschwein - nachgeschärft, bevor die Gewürze dazukommen.

Praxis. Kleine Vögel (ersatzweise Wachteln oder junge Tauben aus Zucht) im Topf in Schmalz gar braten. Welschwein (oder ein kräftiger Weißwein) mit gehackter Petersilie verrühren, mit einem Schuss Essig oder Wein abschmecken, mit Gewürzen (Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken) würzen und über die gebratenen Vögel geben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-123-orig" n="chlain vogel" resp="#fyndling">Im Mittelalter wurden viele kleine Wildvögel wie Lerchen, Drosseln oder Ammern verzehrt. Heute sind diese Arten streng geschützt. Für ein ethisch vertretbares Nachkochen eignen sich Wachteln oder junge Tauben aus Zucht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-123-orig" n="haffen" resp="#fyndling">Ein Topf oder eine Pfanne, wie sie auch heute noch in der Küche verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-123-orig" n="smalcz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz. In der Fastenzeit wurde es durch Pflanzenöl oder 'Fastenbutter' ersetzt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-123-orig" n="walisch wein" resp="#fyndling">Welscher Wein, also importierter Wein aus romanischem (meist italienischem) Anbaugebiet. Walisch/welsch bezeichnete im Spätmittelalter allgemein das Romanisch-Fremde, nicht eine Farbe oder Süße - gemeint ist ein südländischer Importwein, nicht die moderne Rebsorte 'Welschriesling'. Farbe und Süßegrad sind historisch nicht gesichert; siehe die Anmerkung zu 'bein' zur möglichen Süße-Säure-Balance mit dem später genannten Essig/Wein.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-123-orig" n="pettersil" resp="#fyndling">Petersilie, ein weit verbreitetes Küchenkraut.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-123-orig" n="esseich" resp="#fyndling">Essig, ein grundlegendes Würzmittel in der mittelalterlichen Küche.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-123-orig" n="bein" resp="#fyndling">Nicht ‚Knochen' (die naheliegende, aber hier falsche moderne Lesart), sondern eine Nebenform/Verschreibung für ‚Wein' - so glossiert CoReMA selbst auf der Objektseite zu diesem Rezept (englisch ‚wine', Wikidata Q282). Vermutlich kein sinnloses Wein-in-Wein: Welschwein aus südlichen/romanischen Gebieten galt als schwerer und süßer als lokale Weine - Essig oder ein herberer Wein gleicht diese Süße vermutlich aus, eine im Mittelalter geläufige Balance-Technik.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-123-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Gewürze. Im Mittelalter war dies oft eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken und Safran, je nach Verfügbarkeit und Wohlstand des Haushalts.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-123-orig" n="pettersil" resp="#fyndling">Übersetzt als 'Petersilie'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-123-orig" n="esseich" resp="#fyndling">Übersetzt als 'Essig'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-123-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Übersetzt als 'Gewürze'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-123-orig" n="bein" resp="#fyndling">‚Wein' - Nebenform/Verschreibung, nicht ‚Knochen'. So glossiert CoReMA selbst auf der Objektseite zu diesem Rezept (englisch ‚wine', Wikidata Q282); die diplomatische CoReMA-Transkription weist an dieser Stelle zudem keine Lücke auf.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-123-orig" n="reibs mit esseich oder mit bein" resp="#fyndling">‚Vermenge [Welschwein und Petersilie] mit Essig oder mit Wein' - vermutlich eine bewusste Süße-Säure-Balance: Welschwein aus südlichen/romanischen Gebieten galt als schwerer und süßer als lokale Weine, Essig oder ein herberer Wein gleicht das vermutlich aus. Kein fehlendes/unbekanntes festes Ingredienz, keine Textlücke.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-124-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Spanferkel wird zusammen mit einer Kalbsleber in einer Wein-Wasser-Mischung gegart; aus der Leber, geriebener Semmel, Eigelb und der abgeseihten Kochbrühe entsteht eine safran-goldene, sämige Sauce, die über das Ferkel gegossen wird - ein Gericht für die gehobene Festtafel.

Die Sauce ist der eigentliche Aufwand. Die mitgekochte Kalbsleber wird nicht als eigene Beilage serviert, sondern im Mörser zerstoßen, mit geriebener Semmel und Eigelb zu einer Paste verarbeitet und mit der reservierten Kochbrühe durch ein Tuch passiert - so entsteht eine feine, bindende Sauce ohne separate Mehlschwitze. Safran und gute Gewürze runden sie farblich und geschmacklich ab.

Praxis. Spanferkel und eine Kalbsleber gemeinsam in einer Mischung aus zwei Teilen Wein und einem Teil Wasser gar sieden. Leber herausnehmen, Brühe abseihen und reservieren. Die gekochte Leber im Mörser (oder mit dem Pürierstab) fein zerstoßen, mit geriebener Semmel und vier Eigelb vermengen. Die Masse mit der reservierten Brühe durch ein feines Sieb oder Tuch streichen, in einer Pfanne aufkochen und mit Safran und guten Gewürzen abschmecken. Über das warme Spanferkel gießen und servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-124-orig" n="spen saw" resp="#fyndling">Das ‚Spanferkel‘ ist ein junges, noch gesäugtes Schwein, das für seinen zarten Geschmack geschätzt wurde. Es war eine beliebte Festtags- und Schmaus-Speise.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-124-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Hier ist ‚Semmel‘ als geriebenes Weißbrot gemeint, das als Bindemittel für die Sauce dient. Es ist keine Mehlbindung im modernen Sinne.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-124-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Ein ‚Mörser‘ bezeichnet hier einen großen Fleischmörser aus Stein oder Metall, der zum Zerkleinern und Pürieren von Fleisch oder Innereien verwendet wurde, nicht den kleinen Gewürzmörser.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-124-orig" n="streich sy mit der prue durch" resp="#fyndling">Diese Anweisung bedeutet, die Masse durch ein feines Sieb oder ein Tuch zu passieren, um eine glatte, feine Sauce zu erhalten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-124-orig" n="tail" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tail">Im Kontext von ‚zway tail wein vnd ain tail wasser‘ wurde ‚tail‘ als ‚Teil‘ (im Sinne eines Mengenverhältnisses) übersetzt. Dies ist die einzig sinnvolle Lesart für eine Flüssigkeitsmischung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-124-orig" n="sewd" resp="#fyndling">‚sewd‘ wurde als ‚siede‘ (Imperativ von sieden, kochen) übersetzt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-124-orig" n="gepatte" resp="#fyndling">‚gepatte semel‘ wurde als ‚geriebene Semmel‘ übersetzt, da geriebenes Brot ein typisches Bindemittel in mittelalterlichen Saucen ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-124-orig" n="erbell" resp="#fyndling">‚erbell es‘ wurde als ‚lasse es aufkochen‘ übersetzt, in Anlehnung an das mittelhochdeutsche ‚erwellen‘ (aufwallen lassen).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-124-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚gburcz‘ wurde als ‚Gewürz‘ übersetzt, eine phonetische Variante des Wortes.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-124-orig" n="gelegett" resp="#fyndling">‚gelegett‘ wurde als ‚gelegt‘ übersetzt, das Partizip Perfekt von ‚legen‘.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-125-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Rezept, sondern ein knapper Küchentipp: Wer Wildbret zubereitet, soll dabei nicht auf viel Wein setzen, sondern auf kräftige, reine Rinderbrühe oder Kastanien als Flüssigkeits- bzw. Geschmacksbasis.

Praxis. Diesen Tipp bei einem beliebigen Wildbret-Gericht des Korpus anwenden: statt einer weinbasierten Garflüssigkeit eine kräftige, reine Rinderbrühe verwenden, oder geschälte, weichgekochte Kastanien zum Wildbret geben. Beides sorgt für einen erdigeren, volleren Geschmack als eine reine Weinbrühe.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-125-orig" n="wilpratt" resp="#fyndling">Wildbret (Wildfleisch)</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-125-orig" n="rindreinn" resp="#fyndling">reine Rinderbrühe</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-125-orig" n="chastrawne" resp="#fyndling">Kastanien</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-126-trans" resp="#fyndling">Kuriosum, kein Nachkoch-Rezept. Ein extravagantes Schau-Huhn für die Tafel - aufwendig, halb illusionär und nichts, was man heute ernsthaft nachkocht. Das Huhn wird gehäutet, die leere Haut in ein Glas hineingestoßen und so gegart, dass sie sich darin wieder zur ganzen, prallen Vogelgestalt streckt.

Die Technik. Das gebrühte Huhn vorsichtig zwischen Haut und Fleisch lösen, die Haut ganz abziehen (bis zu den Füßen, deren Knochen man kappt). Mit einem stumpfen Hölzchen in die Haut blasen, um sie aufzublähen - dabei entstehende Risse zunähen. Dann die Haut mit demselben Hölzchen in das Glas hineinstoßen, Füße zuerst, bis nur noch der Hals herausschaut; den Halsrand über die Glasöffnung stülpen und mit Faden festbinden. Das Fleisch separat in Fleischbrühe sieden, mit gehackten Eiern, Salbei und Petersilie zu einer Farce verarbeiten und mit Gewürzpulver würzen. Nochmals in das Glas blasen, damit sich die Haut öffnet, dann die Farce einfüllen und die Haut oben dicht verschließen. Verschlossen im Topf mit Wasser garen - die gefüllte Haut streckt sich dabei im Glas, sodass Flügel, Hals, Füße und die ganze Gestalt wieder sichtbar werden.

Drei Textzeugen, ein Verfahren. Dieselbe Anleitung findet sich nahezu wortgleich in Huhn im Glas, als Schaugericht (Regensburg) und im fragmentarischen Huhn im Glasgefäß (Meister Eberhard). Der Vergleich klärt zwei Mondsee-eigene Unschärfen: das hier zunächst als „formen“ gelesene plast/plas ist tatsächlich „blasen“ (beide Zwillinge haben an der Parallelstelle unzweideutig plos/plas), und die Schluss-Formulierung pottich (Gestalt/Körper) ist mit meb-018 zusammen die Mehrheitslesart gegenüber dem vereinzelten vermugen in m5919-001.

Schaustück - oder Scherzrezept? Nichts zum Nachkochen. Entweder maßlose Tafel-Angeberei (ein „wiederbelebtes“, neu in Form gegartes Huhn) - oder ein Prahl-/Unmöglich-Rezept: ein ganzes Huhn im Glas, das man weder herausbekommt noch daraus essen kann. Wir geben es als historisches Kuriosum wieder, ohne einen praktikablen Trick zu erfinden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-126-orig" n="chraclas clas" resp="#fyndling">‚chraclas‘ ist ein Hapax Legomenon. Der wortnahe Zwilling m5919-001 hat an dieser Stelle ‚kutraf glas‘ - ebenfalls sonst unbelegt, vermutlich ein Anklang an Kutt(e)rolf (bauchiges Glas mit engem Hals). Ob ‚chraclas‘ dieselbe Wortfamilie meint oder eine weitere Verschreibung ist, bleibt offen; sicher ist nur, dass ein Glasgefäß gemeint ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-126-orig" n="plast" resp="#fyndling">Nicht ‚formen‘ oder ‚drücken‘, sondern ‚blase‘ (von ‚blasen‘): der Zwilling m5919-001 hat an dieser Stelle unzweideutig ‚plos In dy haut‘ = ‚blase in die Haut‘. Bestätigt durch die zweite, klare Parallelstelle im selben Rezept (‚vnd plas in das clas so thuet sich das huen auff‘) - dasselbe Verb, hier eindeutig ‚blasen‘. Die Haut wird aufgeblasen, um Risse zu finden bzw. zu nähen und sie später leichter zu füllen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-126-orig" n="von stoz" resp="#fyndling">Vermutlich eine Verschreibung von ‚vnd stoß‘ (und stoße) - der Zwilling m5919-001 hat an exakt dieser Stelle ‚nimm dan vnd stoß‘, ohne das rätselhafte ‚von‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-126-orig" n="wirff auff ein fleisch" resp="#fyndling">Der Zwilling m5919-001 hat an dieser Stelle ‚wirf es In ain fleysch prue‘ (gib es in eine Fleischbrühe) - ‚prue‘ (Brühe) fehlt im Mondsee-Text, vermutlich ein Abschreibfehler. Gemeint ist: das Hühnerfleisch (ohne Haut) separat in Brühe gar sieden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-126-orig" n="guecz stupp" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#guecz-stupp">‚guecz‘ ist wahrscheinlich eine Verballhornung oder regionale Variante von ‚Gewürz‘, passend zu ‚stupp‘ (bepudern).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-126-orig" n="pottich" resp="#fyndling">Hier im Sinne von ‚Körper‘ oder ‚Gestalt‘ des Huhns, die im Glas sichtbar wird, nicht als ‚Gefäß‘. Bestätigt durch den Zwilling meb-018, der an derselben Schlussstelle ebenfalls ‚pottich‘ hat - zwei von drei Textzeugen. Nur der dritte Zwilling m5919-001 hat hier ‚vermugen‘ (Aussehen); ‚pottich‘ ist damit die wahrscheinlichere Mehrheitslesart, nicht die auffällige Ausnahme.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-126-orig" n="chraclas clas" resp="#fyndling">‚im Glas‘ - „chraclas“ ist ein Hapax Legomenon. Der wortnahe Zwilling m5919-001 hat an dieser Stelle ‚kutraf glas‘ (ebenfalls sonst unbelegt, vermutlich ein Anklang an Kutt(e)rolf), sicher ist in beiden Fällen nur, dass ein Glasgefäß gemeint ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-126-orig" n="pegreiffen" resp="#fyndling">‚begreifen‘ (umfassen, erfassen) - Die Haut am Hals fassen, um sie abzulösen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-126-orig" n="von stoz" resp="#fyndling">‚stoße einen Fuß in das Glas‘ - vermutlich eine Verschreibung von ‚vnd stoß‘; der Zwilling m5919-001 hat an exakt dieser Stelle ‚nimm dan vnd stoß‘, ohne das rätselhafte ‚von‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-126-orig" n="plast dy hawt" resp="#fyndling">‚blase in die Haut‘ - nicht ‚forme/drücke die Haut‘. Der Zwilling m5919-001 hat an dieser Stelle unzweideutig ‚plos In dy haut‘. Bestätigt durch die zweite, klare Parallelstelle im selben Rezept (‚plas in das clas‘), wo dasselbe Verb eindeutig ‚blasen‘ bedeutet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-126-orig" n="wirff auff ein fleisch" resp="#fyndling">‚gib es in eine Fleischbrühe‘ - der Zwilling m5919-001 hat an dieser Stelle ‚wirf es In ain fleysch prue‘; ‚prue‘ (Brühe) fehlt im Mondsee-Text, vermutlich ein Abschreibfehler.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-126-orig" n="guecz stupp" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#guecz-stupp">‚Gewürzpulver‘ - „guecz“ wird als eine regionale oder verschliffene Form von „Gewürz“ interpretiert, passend zu „stupp“ (bepudern).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-126-orig" n="pottich" resp="#fyndling">‚Gestalt‘ oder ‚Körper‘ - Hier im Sinne der gesamten Form des Huhns, die im Glas sichtbar wird. Der Zwilling meb-018 hat an derselben Schlussstelle ebenfalls ‚pottich‘ - zwei von drei Textzeugen. Nur m5919-001 hat hier ‚vermugen‘ (Aussehen); ‚pottich‘ ist damit die Mehrheitslesart.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-127-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Frische Hirschlunge wird in ihrer eigenen (oder bei zu starkem Wildgeschmack einer anderen) Brühe gegart und mit einer süß-säuerlichen Sauce aus Petersilie, Gewürzen, Lebkuchen, Wein und Essig übergossen - eine der zahlreichen Lebkuchen-gebundenen Wildsaucen des Korpus.

Die Brühe-Wahl ist eine Qualitätsentscheidung. Der Text erlaubt ausdrücklich zwei Wege: Sieden in der eigenen Brühe der Lunge konzentriert den Eigengeschmack, bei zu intensivem Wildaroma wird stattdessen eine fremde, neutralere Brühe verwendet - eine pragmatische, geschmacksgesteuerte Anweisung statt einer starren Vorschrift.

Praxis. Frische Hirschlunge (ersatzweise Lamm- oder Kalbslunge) in Wasser oder eigener Brühe gar sieden; bei starkem Wildgeschmack in einer neutraleren Brühe (Gemüsebrühe, Wildfond) sieden. Petersilie und gute Gewürze in die Sauce geben, mit geriebenem Lebkuchen, Wein und Essig zu einer sämigen, süß-säuerlichen Sauce verkochen und über die gegarte Lunge gießen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-127-orig" n="Hirschlunge" resp="#fyndling">Innereien, insbesondere Lunge, waren im Mittelalter eine häufig verwendete Zutat, oft in Mus- oder Pastetenform. Hirschlunge war eine geschätzte Wildbret-Spezialität.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-127-orig" n="eigene Brühe" resp="#fyndling">Das Sieden in der eigenen Brühe ist eine Methode, um den Eigengeschmack der Lunge zu konzentrieren und das Aroma zu erhalten. Bei zu starkem Wildgeschmack wurde eine frische Brühe verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-127-orig" n="Lebkuchen" resp="#fyndling">Im Mittelalter wurde Lebkuchen (oder ‚Leczelt‘) oft in herzhaften Saucen als Bindemittel und zur Geschmacksgebung eingesetzt. Er lieferte Süße, Würze und eine sämige Konsistenz.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-127-orig" n="gute Gewürze" resp="#fyndling">Typische mittelalterliche Gewürze für Wildbret waren Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken und Galgant. Die genaue Mischung hing vom Haushalt und Anlass ab.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-127-orig" n="hirsss lungel / hirssen lungelen" resp="#fyndling">‚Hirschlunge‘ bzw. ‚Hirschlungen‘. Die Schreibweise ‚hirsss‘ ist eine Genitivform von Hirsch, und ‚lungel‘ ist die Lunge.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-127-orig" n="gehaben mach" resp="#fyndling">‚die richtige Konsistenz bekommen‘. Dies bezieht sich auf das Sieden der Lunge, bis sie die gewünschte Textur erreicht hat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-127-orig" n="smacken" resp="#fyndling">‚einen starken Eigengeschmack hat‘. Dies impliziert, dass der natürliche Wildgeschmack der Lunge für das Gericht zu intensiv sein könnte, und eine mildere Brühe bevorzugt wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-128-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Fleischgericht im engeren Sinn, sondern ein Schau-Beilagenstück: weichgekochte Kalbshaut wird wie ‚Hasennestel' (in der Mitte breit, an den Enden spitz zulaufend) zurechtgeschnitten, mit Blattgold an den Spitzen verziert und mit einer kalten, gewürzten Wein-Lebkuchen-Sauce serviert.

Die Spitzen bleiben trocken. Die Anweisung, die vergoldeten Enden nicht mit der Sauce zu benetzen, ist kein Zufall - das Blattgold würde sich sonst lösen oder die Optik ruinieren. Dieselbe Schnittform - ‚Hasennestel', spitz-oval wie ein Schnürsenkel-Ende, nicht zu verwechseln mit ‚Hasennestern' - dient auch der Kalbskopf-Pastete als Anrichteweise, dort für die kalte Sülze statt für die Kalbshaut selbst.

Praxis. Kalbshaut enthaaren, in warmem Wasser reinigen und im Topf ganz weich sieden. Herausnehmen, auf einer Anrichte in Hasennestel-Form schneiden (Mitte breit, Enden spitz) und in eine Schüssel legen, die Spitzen über etwas Blattgold oder eine goldfarbene Garnitur. Rosinen, Mandeln, geriebenen Lebkuchen, Safran, Pfeffer, Ingwer, Nelken und Muskat in gutem Wein aufkochen, abkühlen lassen und über die Kalbshaut-Nestel gießen - dabei die goldenen Spitzen trocken halten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-128-orig" n="hassen nestelen" resp="#fyndling">‚Hasennestel‘ waren im Mittelalter dekorative Bänder oder Schnüre, oft aus Leder oder Stoff, die zum Verschließen von Kleidung oder Beuteln dienten. Hier beschreibt der Begriff die Form der Kalbshautstreifen: in der Mitte breit und an den Enden spitz zulaufend, ähnlich einer stilisierten Schleife oder einem Band.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-128-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Historischer Begriff für Lebkuchen oder gewürzten Honigkuchen. Er diente nicht nur als Süßspeise, sondern auch als Bindemittel und Geschmacksgeber in herzhaften Saucen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-128-orig" n="dy vber golt" resp="#fyndling">Diese Anweisung, die spitzigen Enden ‚über Gold‘ zu legen, deutet auf eine luxuriöse Präsentation hin. Dies konnte echtes Blattgold sein, das als Statussymbol aufgetragen wurde, oder eine goldfarbene Garnitur, die den Reichtum des Gerichts unterstreichen sollte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-128-orig" n="har die oder sy" resp="#fyndling">‚enthaare sie oder säubere sie‘. Die Anweisung bezieht sich auf die Reinigung der Kalbshaut vor dem Kochen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-128-orig" n="spiczigen ortteren dy vber golt" resp="#fyndling">‚die spitzigen Enden über Gold‘, was Blattgold oder eine goldfarbene Garnitur meint.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-128-orig" n="stefften" resp="#fyndling">‚die spitzigen Enden der Kalbshautstreifen‘, die nicht von der Sauce benetzt werden sollen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-129-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalte Kalbskopf-Sülze: der gekochte Kalbskopf wird entbeint, im Mörser fein zerstoßen und mit einer honig-gewürzten, eingedickten Brühe zu einer festen Masse verarbeitet, die kalt geliert, in runde Scheiben geschnitten und - wie schon bei der Kalbshaut-Nestel - dekorativ als ‚Hasennester' angerichtet wird.

Süß-herzhaft statt klassischer Sülze. Anders als eine gewöhnliche, nur gesalzene Kopf-Sülze wird die Brühe hier mit Honig gesüßt und mit Pfeffer, Ingwer und guten Gewürzen aufgekocht, bevor sie mit dem zerstoßenen Fleisch fest wird - eine süß-würzige Terrine, kein neutrales Aspik.

Praxis. Kalbskopf gründlich säubern, spalten, Hirn entfernen, in gutem Wein weichkochen. Fleisch vom Knochen lösen und im Mörser (oder mit der Küchenmaschine) sehr fein zerstoßen. Die Kochbrühe mit Honig süßen, mit Pfeffer, Ingwer und guten Gewürzen würzen und einkochen, bis sie eindickt. Fleischmasse und eingedickte Brühe in ein flaches Becken geben und im Kühlschrank (statt im historischen ‚kalten Keller') fest werden lassen. In kleine, runde Stücke schneiden und kalt anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-129-orig" n="gepratt" resp="#fyndling">‚Geprat‘ oder ‚Brät‘ bezeichnet fein zerstoßenes oder gehacktes Fleisch, das zu einer Paste verarbeitet wird. In diesem Rezept ist es das gekochte Kalbskopffleisch, das im Mörser zu einer feinen Masse verarbeitet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-129-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Im Mittelalter war ein ‚Mörser‘ oft ein großes, schweres Gefäß aus Stein oder Metall mit einem kräftigen Stößel, um Fleisch oder andere Zutaten zu einer feinen Farce zu zerstoßen. Für dieses Rezept kannst du stattdessen eine moderne Küchenmaschine oder einen starken Mixer verwenden, um das gekochte Fleisch zu pürieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-129-orig" n="hasen nestel" resp="#fyndling">NICHT ‚Hasennester‘ (Nest), sondern ‚Hasennestel‘: dieselbe Form-Referenz wie in mon-128, wo sie explizit als Schnittform beschrieben wird - ‚nestel‘ ist ein Schnür-/Bandende (Aglet), also in der Mitte breit und an den Enden spitz zulaufend. CoReMA glossiert den Begriff in beiden Rezepten mit derselben Wikidata-Entität (Q107246447, ‚calf skin‘ - die traditionelle Zuschnittform aus Kalbshaut). Die Kalbskopf-Sülze wird also in dieser spitz-oval zulaufenden Form angerichtet, nicht nestartig gehäuft.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-129-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚Gute Gewürze‘ - ein generischer Begriff für eine Mischung aus teuren Importgewürzen, die dem Gericht Geschmack und Status verliehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-129-orig" n="dicklat" resp="#fyndling">‚dickflüssig wird‘ - bezieht sich auf das Eindicken der Sauce durch Kochen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-129-orig" n="grossey" resp="#fyndling">‚zu groß sei‘ - eine Zusammensetzung aus ‚groß‘ und der Konjunktivform ‚sei‘ des Verbs ‚sein‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-129-orig" n="seycht" resp="#fyndling">‚seicht sei‘ - bedeutet, dass das Becken flach sein soll.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-129-orig" n="sneyd" resp="#fyndling">‚schneide‘ - der Imperativ des Verbs ‚schneiden‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-129-orig" n="wecklat" resp="#fyndling">‚in kleinen, runden Stücken‘ - interpretiert als kleine, brotlaibähnliche Formen, die anschließend spitz-oval wie ‚Hasennestel‘ (siehe dort) angerichtet werden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-130-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Leberwickel im Netz vom Rost: vorgekochte, gehackte Kalbsleber wird mit Eiern, Speck, Safran, Kümmel und Rosinen zu einer Farce vermengt, in ein Netz (Schweinenetz oder ersatzweise Leinentuch) gepackt und über der Glut langsam gegart.

Verwandt, aber technisch eigen. Das Rezept gehört zur korpusweiten Familie der ‚Leberwickel im Netz vom Rost' (Gebratene Kalbsleber im Netz, Leberwickel im Schweinenetz vom Rost, Klobwurst), weicht aber ab: Hier wird die Leber vor dem Hacken gekocht statt roh verarbeitet, sechs bis acht Eier kommen direkt in die Farce statt nur als Eigelb-Glasur außen, und Safran/Kümmel ersetzen die zweifarbige Rot-Grün-Eigelb-Schauglasur der Meister-Eberhard-Fassung.

Praxis. Kalbsleber gar sieden, auf einem Brett fein hacken. Mit 6-8 Eiern, gewürfeltem Speck, Gewürzen, Safran, Kümmel und Rosinen vermengen. In ein Schweinenetz (oder ein Leinentuch) füllen und straff überspannen, damit nichts herausfällt. Auf einen Rost legen und über milder Glut langsam gar braten, dann auf dem Rost abkühlen lassen, damit die Masse fest wird und sich schneiden lässt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-130-orig" n="anricht" resp="#fyndling">Eine ‚Anrichte' war im Mittelalter ein Tisch oder eine Platte, auf der Speisen angerichtet oder vorbereitet wurden. Hier ist ein Schneidebrett oder eine Arbeitsfläche gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-130-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Eine bairische Schreibvariante für ‚Gewürz‘. Es ist keine spezifische Gewürzmischung genannt, daher kann man eine typische mittelalterliche Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Nelken oder Muskatblüte verwenden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-130-orig" n="das necz" resp="#fyndling">Hier ist ein Netz gemeint, das die gehackte Lebermasse zusammenhält. Am wahrscheinlichsten ist ein Schweinenetz (Netz vom Schwein), das auch heute noch für Terrinen oder Farcen verwendet wird. Alternativ könnte ein Leinentuch gemeint sein, das die Masse beim Garen in Form hält.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-130-orig" n="vber spell" resp="#fyndling">Die Phrase ‚vber spell‘ bedeutet hier, die Masse im Netz zu ‚überspannen‘ oder ‚zu umwickeln‘, um sicherzustellen, dass sie beim Braten nicht auseinanderfällt. Es ist eine Anweisung zum Fixieren des Netzes.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-130-orig" n="chuel pratten" resp="#fyndling">‚Chuel pratten‘ kann als ‚kühl braten‘ oder ‚langsam braten‘ verstanden werden. Es deutet auf ein schonendes Garen über milder Hitze hin, um die Lebermasse durchzugaren, ohne sie auszutrocknen oder zu verbrennen. Das anschließende Abkühlen auf dem Rost hilft der Terrine, ihre Form zu behalten und fest zu werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-130-orig" n="sewd" resp="#fyndling">‚siede‘ - die Leber wird vor dem Hacken gekocht, um sie zu garen und die Textur vorzubereiten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-130-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚Gewürze‘ - als allgemeiner Begriff für eine Mischung aus Gewürzen, die nach Geschmack hinzugefügt werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-130-orig" n="vber spell" resp="#fyndling">‚überspanne‘ - als Verb, das Anweisungen gibt, das Netz um die Lebermasse zu wickeln und zu fixieren, damit es beim Braten nicht aufgeht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-130-orig" n="chuel pratten" resp="#fyndling">‚brate es langsam und lasse es darauf abkühlen‘ - dies impliziert ein schonendes Garen über milder Hitze und ein anschließendes Abkühlen, damit die Terrine fest wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-131-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine mehrfarbige Fischsülze - der unmittelbare Vorfahr der heutigen Sulzfisch-Tradition (vgl. fränkischer und böhmischer Karpfen in Sülze, tschechischer Weihnachtskarpfen in Sulc). Ungewöhnlich und heute weitgehend verloren ist die bewusste Mehrfarbigkeit: Ein und dieselbe Grundzubereitung wird in bis zu vier Farbvarianten nebeneinander in einer Schüssel serviert - ein Schaugericht, das die Beherrschung teurer Farbstoffe (Kornblumenblüte für Blau, vermutlich Safran für Gelb, Rotwein und Rosinen für Schwarz) zur Statusdemonstration nutzt.

Die Mörserarbeit. Rosinen, Mandeln und Kornblumenblüten werden jeweils im Mörser fein gestoßen und anschließend mit Wein durch ein Tuch passiert ("slach durch") - so entsteht keine grobe Paste, sondern eine feine, farbgebende Flüssigkeit, die den Sud einfärbt, ohne ihn zu trüben. Die Kornblumenblüten werden vorher gründlich getrocknet ("deerr sy schon") und dann wie Safran abgerieben, bevor sie passiert werden - das konzentriert den Blaufarbstoff.

Praxis. Für jede Farbvariante wird ein eigener Sud angesetzt: Rotwein mit Rosinen für Schwarz (ausdrücklich ohne Safran), süßer Wein mit Mandeln, Zucker und Ingwer/Paradieskörnern/langem Pfeffer für Weiß, ein Gewürzsud mit Kornblumenextrakt für Blau. Der Fisch (Hecht oder Karpfen) wird jeweils im passenden Sud gargezogen. Zum Gelieren reicht das natürliche Kollagen aus Gräten und Haut von Hecht/Karpfen; kalt gestellt (Kühlschrank, im Sommer 2-3 Blatt Gelatine zusätzlich) bindet der Sud über Nacht zur Sülze. Für die gelbe Variante, die der Text nur nennt, aber nicht ausführt, bietet sich Safranfärbung nach demselben Muster wie bei Weiß an.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-131-orig" n="sulcz" resp="#fyndling">Eine Sülze oder Aspik, ein Gericht, bei dem Fleisch oder Fisch in einer gelierten Flüssigkeit (oft Brühe oder Wein) konserviert oder serviert wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-131-orig" n="plab" resp="#fyndling">Eine bairisch-österreichische Schreibweise für „blau“.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-131-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Im Mittelalter meist getrocknete Weinbeeren, also Rosinen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-131-orig" n="schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Bedeutet hier ‚sauber‘ oder ‚gründlich‘, nicht ‚schön‘ im ästhetischen Sinne.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-131-orig" n="slach sy durch" resp="#fyndling">Wörtlich „schlage sie durch“, gemeint ist das Passieren durch ein Sieb oder Tuch, um eine feine Flüssigkeit oder Paste zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-131-orig" n="ymbner" resp="#fyndling">Eine Schreibvariante für Ingwer. „Weißer Ingwer“ bezieht sich auf helles Ingwerpulver, das die Farbe des Gerichts nicht beeinträchtigt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-131-orig" n="parischoren" resp="#fyndling">Eine dialektale Schreibweise für Paradieskörner (Aframomum melegueta), ein pfefferähnliches, scharfes Gewürz.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-131-orig" n="longen pheffer" resp="#fyndling">Langer Pfeffer (Piper longum), eine Pfeffersorte mit komplexerem, süßlich-scharfem Aroma.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-131-orig" n="choren plue" resp="#fyndling">Kornblumenblüten, die im Mittelalter als Farbstoff für blaue Speisen und Textilien verwendet wurden. Im Korpus ein Hapax (nur hier belegt), aber transparent und unproblematisch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-131-orig" n="deerr sy schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">„Dörre sie gründlich“ - die Kornblumenblüten sollen getrocknet werden, um die Farbe zu konzentrieren und später besser abreiben zu können.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-131-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Eine dialektale Schreibweise für „Gewürz“. Hier bezieht es sich auf die zuvor genannten Gewürze für die weiße Sülze.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-131-orig" n="cherpffen" resp="#fyndling">Karpfen. Karpfen war ein häufiger Süßwasserfisch in der mittelalterlichen Küche, oft neben Hecht genannt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-132-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Vorfahre des heute bekannten Herings in Essigsauce beziehungsweise der Bismarckhering-Familie: gesalzener Hering wird entsalzt, kalt nachgespült und mit Zwiebeln und Essig angerichtet. Die engste Verwandtschaft findet sich im Menagier de Paris, wo versalzener Hering nach demselben Grundprinzip - Wässern mit Wasserwechsel vor dem Verzehr - vorbereitet wird, wenn auch ohne den Siede-Schritt.

Der Text nennt keine separate Wässerungszeit vor dem ersten Sieden - Sieden in kaltem, aufkochendem Wasser übernimmt hier zugleich die Rolle des Entsalzens (Salz diffundiert ins Kochwasser) und der Rehydrierung des harten Salzfischs. Die Warnung, die Heringe nicht zu "versieden", ist ein authentisches Praxis-Detail: Salzfisch zerfällt bei zu langer Garzeit leicht.

Praxis. Gesalzenen Hering in kaltem Wasser aufsetzen und langsam erhitzen, bis er gerade eben durchgezogen ist - nicht kochen lassen, sonst zerfällt er. Herausnehmen, unter fließendem Wasser gründlich abspülen, um Salzkruste und Schaum zu entfernen. Danach nochmals in kaltes Wasser legen; das kühlt den Fisch ab und festigt ihn, bevor er zerteilt wird (warmer Fisch zerfällt beim Anrichten leichter). Zum Servieren in Stücke teilen, rohe Zwiebelringe oder -würfel dazugeben und mit Essig beträufeln. Wer stark gesalzenen Hering verwendet, sollte vor dem Sieden zusätzlich ein bis zwei Stunden in kaltem Wasser vorwässern - der knappe Originaltext nennt diesen Schritt nicht, aber für kräftig gesalzene Ware ist er in der Praxis oft nötig, um den Salzgehalt wirklich auf ein genießbares Maß zu senken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-132-orig" n="versallczen haring" resp="#fyndling">Bezieht sich auf gesalzenen, also konservierten Hering, der vor dem Verzehr entsalzen werden muss. Hering war eine wichtige Fastenspeise.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-132-orig" n="chaltew chaltguß" resp="#fyndling">Wörtlich 'kalter Guss', gemeint ist ein Gefäß mit kaltem Wasser, in das die Heringe zum Wässern gelegt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-132-orig" n="czewch sy dar nach her auß" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">Die Anweisung, die Heringe 'herauszuziehen', bezieht sich auf das Entnehmen aus dem Kochwasser oder dem Wässerungsbad.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-132-orig" n="wasch rain auwss" resp="#fyndling">Bedeutet 'wasche sie gründlich rein'. 'Schon' oder 'rain' im Mittelalter meinte oft 'sauber' oder 'gründlich', nicht 'ästhetisch schön'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-132-orig" n="czwiuall" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czwiuall">Bairische Schreibvariante zu 'zwifel/zwibel/zibolle' = Zwiebel, nicht etwa eine Verbform für 'zerlegen'. Die Zwiebel wird beim Anrichten dazugegeben, zusammen mit dem Essig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-132-orig" n="wildw" resp="#fyndling">'Willst du' - eine typische bairisch-österreichische Form der Anrede und Rezepteinleitung im 15. Jahrhundert.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-133-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gewässerter, geschröpfter und in Schmalz oder Öl gebratener Hering mit einer klein gehackten Mischung aus Zwiebeln, Äpfeln und Rosinen, gewürzt zum Schluss. Das ist die spätmittelalterliche Vorstufe des heute bekannten Brathering mit Zwiebeln und Äpfeln - entfernt verwandt mit der nord- und ostseeraumtypischen Tradition, salzigen Bratfisch mit einer süß-sauren Frucht-Zwiebel-Note zu kontrastieren.

Warum wässern und schröpfen? Handelsüblicher Hering war im Spätmittelalter fast immer stark gesalzener Fasshering. Das Wässern - am besten über mehrere Stunden bis über Nacht mit mehrfachem Wasserwechsel - entzieht ihm das überschüssige Salz und macht ihn erst brattauglich. Das anschließende Schröpfen, ein quer zur Faser gesetztes Einschneiden von Haut und Fleisch, zerkleinert feine Gräten und lässt die Haut beim Braten gleichmäßiger knusprig werden.

Was passiert mit Zwiebeln, Äpfeln und Rosinen? Der Text lässt offen, ob dieses Gemisch roh zum fertig gebratenen Hering gegeben oder noch kurz im selben Fett nachgezogen wird - er sagt nur, dass alles klein gehackt und durcheinandergemengt wird. Rohe Zwiebel wirkt neben heißem Bratfisch recht scharf, weshalb ein kurzes Mitschwenken im Bratfett naheliegt, auch wenn der Text das nicht ausdrücklich verlangt.

Praxis. Den Hering über Nacht mit mehreren Wasserwechseln wässern, dann quer einschneiden (schröpfen). In heißem Schmalz oder Öl braten. Zwiebeln und Äpfel klein hacken, mit Rosinen mischen und zum Fisch geben - roh oder kurz im Bratfett erwärmt, je nach Vorliebe. Zum Schluss mit Pfeffer, Ingwer und etwas Zimt abschmecken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-133-orig" n="schr= ipfs" resp="#fyndling">‚Schröpfen‘ bezeichnet das Einschneiden der Fischhaut oder des Fleisches in regelmäßigen Abständen, um Gräten zu zerkleinern oder die Haut beim Braten knuspriger zu machen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-133-orig" n="czwifall" resp="#fyndling">Eine bairisch-österreichische Schreibvariante für ‚Zwiebeln‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-133-orig" n="opfhell" resp="#fyndling">Eine bairisch-österreichische Schreibvariante für ‚Äpfel‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-133-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Im Mittelalter meist getrocknete Weinbeeren, also Rosinen. Frische Weintrauben wurden nur bei expliziter Erwähnung verwendet. Anders als in anderen Mondseer Rezepten mit ‚weinper‘ werden sie hier roh und ungekocht direkt zu den gehackten Zwiebeln und Äpfeln gegeben, statt zuvor erweicht zu werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-133-orig" n="geburczt" resp="#fyndling">Eine bairisch-österreichische Schreibvariante für ‚gewürzt‘. Da keine spezifischen Gewürze genannt werden, ist eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer und Zimt denkbar.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-133-orig" n="czwifall" resp="#fyndling">Als ‚Zwiebeln‘ übersetzt. Dies ist eine belegte bairisch-österreichische Schreibvariante für Zwiebeln.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-133-orig" n="opfhell" resp="#fyndling">Als ‚Äpfel‘ übersetzt. Der Wortstamm ‚opf-‘ ist klar für Apfel, und die Kombination von Hering mit Äpfeln ist in der mittelalterlichen Küche häufig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-133-orig" n="geburczt" resp="#fyndling">Als ‚gewürzt‘ übersetzt. Dies ist eine bairisch-österreichische Schreibvariante des Partizips ‚gewürzt‘, was sich auf die Zugabe von Gewürzen bezieht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-133-orig" n="wasser sy ein" resp="#fyndling">Als ‚wässere sie ein‘ übersetzt. Dies bezieht sich auf das Einweichen von gesalzenem Hering, um überschüssiges Salz zu entfernen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-134-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte Krebse - eine Schale wird geleert, mit einer gewürzten Ei-Masse neu befüllt, mit der zugehörigen leeren Gegenschale wieder zu einem scheinbar ganzen Krebs verschlossen und gebraten. Das Prinzip ist im Korpus mehrfach belegt (kkm-012, rfk-008, m384-027) - mon-134 ist davon die knappste, elliptischste Fassung: mehrere Arbeitsschritte (Schälen, Fleisch entnehmen und hacken) setzt der Text stillschweigend voraus, ohne sie auszuschreiben.

Auffällig ist, dass mon-134 als Füllung nur "Eier und Gewürz" nennt, während die Zwillinge kkm-012, rfk-008 und m384-027 alle zusätzlich gehacktes Krebsfleisch in die Füllung geben. Der Text schließt das nicht aus - denkbar ist, dass das gegarte Krebsfleisch stillschweigend mit hineingehackt wurde, weil es dem Schreiber selbstverständlich erschien. Genauso denkbar ist aber eine reine Eierfüllung. Beide Lesarten sind mit dem Wortlaut vereinbar; wir folgen der Textoberfläche und nennen nur, was tatsächlich dasteht.

Der Titel spricht von "pachen" (backen), die Anweisung aber von "In pracz" (zum Braten) und "pegewss mit smalcz" (mit Schmalz begießen) - das Backen im Titel ist hier im weiter gefassten mittelalterlichen Sinn zu verstehen, die Detailanweisung beschreibt eindeutig ein Braten in der Pfanne oder über dem Feuer, nicht das Garen im Ofen.

Offen bleibt, wie "an dy statt" beim Sieden genau zu verstehen ist - räumlich ("an Ort und Stelle", also die frisch gefangenen Krebse gleich noch lebend kochen) oder zeitlich ("sofort", "auf der Stelle"). Beide Lesarten sind im Korpus belegt, auch bei anderen Mondseer Rezepten uneinheitlich - wir folgen hier der räumlichen Lesart, die zur Frischehaltung der Krebse passt, halten sie aber nicht für zweifelsfrei gesichert.

Praxis. Die lebenden Krebse zunächst in kochendem Wasser garen, dann die Schalen vorsichtig ablösen, ohne sie zu beschädigen - beide Hälften werden später wieder benötigt. Zwölf Eier mit Gewürz (Pfeffer, Ingwer, Muskatblüte, Zimt) verquirlen, wer mag, hackt zusätzlich das Krebsfleisch mit hinein. Je eine Schalenhälfte mit der Ei-Masse füllen, die leere Gegenhälfte als Deckel aufsetzen, sodass wieder ein ganzer Krebs entsteht. Die gefüllten Krebse liegend braten - in der Pfanne oder auf dem Rost - und dabei wiederholt mit heißem Schmalz begießen, bis die Ei-Füllung gestockt ist und die Schale eine leichte Kruste bekommt. Frittieren in schwimmendem Fett funktioniert nicht, da die offene Füllung dabei auslaufen würde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-134-orig" n="krewssen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#krewssen">Krebse. Im Mittelalter galten Krebse als Fastenspeise und waren eine beliebte Zutat.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-134-orig" n="schall" resp="#fyndling">Die Schale des Krebses, die hier als Gefäß für die Füllung dient.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-134-orig" n="laren schallen" resp="#fyndling">Die leeren Schalen der Krebse, die nach dem Ausnehmen der Tiere übrig bleiben. Sie werden verwendet, um die gefüllten Hälften wieder zu einem ganzen Krebs zusammenzusetzen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-134-orig" n="gancz" resp="#fyndling">Hier im Sinne von 'ganz' oder 'vollständig', da die gefüllten Krebshälften wieder zu einem ganzen Krebs zusammengefügt werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-134-orig" n="an dy statt" resp="#fyndling">'an Ort und Stelle' - räumlich verstanden: Die frisch gefangenen Krebse sollen gleich noch lebend gesotten werden, bevor sie transportiert oder gelagert werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-134-orig" n="pachen / pracz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pracz">'braten' - Obwohl der Titel 'pachen' (backen) verwendet, weist die Anweisung 'legs dar nach In pracz' (lege sie danach zum Braten) auf das Braten oder Frittieren in Fett hin. Im Mittelalter konnte 'backen' auch das Garen in Fett umfassen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-135-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Mon-135 ist die spätmittelalterliche Vorstufe der klassischen farcierten Krebse: Flusskrebse werden gegart, das Fleisch - vor allem aus dem Kragenbereich - gepult, gereinigt und wieder an die leeren Panzer angesetzt, zusammen mit einer Ei-Gewürz-Füllung, dann in heißem Schmalz ausgebacken. Ihre nächste lebende Verwandte ist die französische écrevisses farcies; im Ausback-Schritt ist sie außerdem eine Verwandte heutiger Krebs- und Krabbenbeignets. Im Mondseer Kochbuch selbst steht ihr mon-134 ("Gebratene gefüllte Krebse") sehr nahe - fast dasselbe Verfahren, nur mit Braten statt Ausbacken als letztem Schritt.

Die Reihenfolge im Originaltext ist enger als es die bisherige Übersetzung vermuten ließ: Zuerst wird die Ei-Gewürz-Füllung angesetzt und in die geschälten Panzer gefüllt, erst danach wird vom übrigen Krebsfleisch (dem "ckragel", vermutlich der Kragen-/Halspartie) die Rede - es wird gereinigt und an die bereits gefüllten Krebse angesetzt, so wie zuvor beschrieben. Das Krebsfleisch wird also nicht, wie man beim ersten Lesen meinen könnte, zerstoßen und in die Ei-Masse eingerührt, sondern eher als zweite Lage aufgesetzt beziehungsweise aufgesteckt, ähnlich wie beim Wiederzusammensetzen der Schalenhälften in den Zwillingsrezepten. "Ckragel" (Kragen-/Halsbereich) ist als Wort selbst kein Hapax - 'kragel/kregelin' ist bei Lexer, Grimm und Idiotikon belegt -, nur im Korpus einmalig verwendet. Ob damit hier Fleisch aus dieser Zone (gestützt durch kkm-012, das 'Hälß' als eigens verarbeiteten Krebsteil nennt) oder ein intaktes Schalenstück mit Scheren gemeint ist, das nach dem Füllen zur optischen Rekonstruktion wieder angesteckt wird, lässt sich aus dem Text allein nicht entscheiden.

Praxis. Krebse zunächst vorgaren (kurz abkochen oder braten), damit sich die Panzer leichter unbeschädigt lösen lassen - dies ist über die ganze Rezeptfamilie hinweg (rfk-008, m384-027, kkm-012) die Standardreihenfolge. Danach schälen und die leeren Schalen aufbewahren. Aus Eiern, Gewürz und etwas Schmalz eine gebundene Füllung anrühren und in die Schalen einfüllen. Das übrige Krebsfleisch - besonders die Halspartie - sauber auslösen und an die gefüllten Schalen ansetzen, ähnlich dem Zusammenfügen der Schalenhälften bei den verwandten Rezepten. Zum Schluss in reichlich heißem Schmalz ausbacken, bis die Füllung gestockt und die Oberfläche leicht gebräunt ist.

Verwandte Technik, andere Schale. Dasselbe Grundprinzip - eine hohle Naturschale füllen, verschließen und in Schmalz ausbacken - findet sich im Korpus auch bei gefüllten Eiern (dort halbe Eierschalen statt Krebspanzer als Hülle).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-135-orig" n="gepachen chrewssen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#chrewssen">Hier als ‚gebratene Krebse' übersetzt, da der Text später das Backen/Braten in Schmalz beschreibt. Es könnte sich um vorgekochte oder bereits gebratene Krebse handeln, die dann weiterverarbeitet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-135-orig" n="ckragel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ckragel">Kragen-/Halsbereich des Krebses - 'kragel/kregelin/kraglein' (Diminutiv zu 'Kragen') ist bei Lexer, Grimm und Idiotikon belegt, im Korpus selbst aber nur hier verwendet. Ob Fleisch aus dieser Zone (gestützt durch kkm-012, das 'Hälß' als eigens verarbeiteten Krebsteil nennt) oder ein intaktes Schalenstück mit Scheren/Beinen gemeint ist, bleibt aus dem Text allein offen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-135-orig" n="stoz an" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stoz-an">‚Stoz an' bedeutet hier ‚ansetzen/anstecken/hineinstecken', nicht ‚zerstoßen'. Belegt durch dieselbe Wendung in mon-088 (‚stoz an spissel' = auf Spieße stecken), mon-018/rfk-047 (‚stosz sie an ein spisselin') und mon-062 (‚stoz das hawp in dy ful' = den Kopf in die Füllung stecken). Wäre ‚zerstoßen/zerkleinern' gemeint, stünde im Korpus durchgängig ‚stoz klein' oder ‚gestossen' (vgl. mon-031, mon-052, mon-053, mon-060).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-135-orig" n="gwucz" resp="#fyndling">Gewürz.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-135-orig" n="ckragel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ckragel">Kragen-/Halsbereich des Krebses - Fleisch aus dieser Zone, gestützt durch kkm-012 ('Hälß' als eigens verarbeiteter Krebsteil).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-136-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein in siedendem Öl ausgebackener, gefüllter Krapfen aus gehobenem (Hefe-)Teig mit einer Nuss-Feigen-Paste als Füllung - der unmittelbare Vorfahr des heutigen gefüllten Berliners, nur fastentauglich (kein Ei, keine Milch, sondern Öl) und mit einer Trockenobst-Nuss-Fülle statt Marmelade. Ein nahezu wortgleicher Zwilling findet sich im Rheinfränkischen Kochbuch (ri15632-005), was zeigt, dass dieses Fasten-Krapfen-Rezept im bairisch-österreichischen Raum des 15. Jahrhunderts offenbar verbreitetes Gemeingut war. Dieselbe Krapfen-Grundidee mit anderer Füllung (Walnuss-Apfel statt Nuss-Feige) zeigt bgs-060 - offenbar eine Füllungs-Variante innerhalb derselben Fasten-Krapfen-Familie, nicht ein eigenständiges Gericht.

Was bedeutet "färbe es"? Das Verb an dieser Stelle ist "ferib", ein Imperativ von "ferben/verben" (färben), nicht von "verreiben". Der Zwilling ri15632-005 färbt an derselben Stelle explizit "mit saffran" goldgelb; mon-136 selbst nennt kein Färbemittel, die Anweisung zu färben bleibt aber bestehen - naheliegend ebenfalls mit Safran, wie es für süße Füllungen dieser Zeit üblich war.

Praxis. Nusskerne (Walnuss oder Haselnuss) und getrocknete Feigen im Mörser zu einer groben Paste zerstoßen - die Feige liefert durch ihre Klebrigkeit die Bindung, ohne Ei oder Mehlschwitze. Kräftig würzen (Zimt, Ingwer, Nelken, etwas Pfeffer) und mit etwas Safran gelb färben. Die Masse in einer Pfanne mit Öl kurz aufkochen, das macht sie fester und formbar - dieser Schritt ist kein bloßes Vorwegnehmen des späteren Frittierens, sondern nötig, damit sich die Füllung zu Kugeln formen lässt, ohne zu zerlaufen. Aus aufgegangenem Hefeteig Krapfen formen, mit der Nuss-Feigen-Masse füllen und in heißem Öl goldbraun ausbacken. Kalt servieren - das ist im Text so vorgegeben und für die Lagerküche praktisch, da sich die Krapfen gut vorbereiten lassen; frisch gebacken sind sie aromatisch reichhaltiger, aber genauso überliefert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-136-orig" n="In der vasten" resp="#fyndling">„In der Fastenzeit“ - dieses Rezept ist für die christliche Fastenzeit gedacht, in der der Verzehr von Fleisch und tierischen Produkten (außer Fisch) verboten war. Nüsse, Feigen und Pflanzenöl sind fastentauglich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-136-orig" n="morser" resp="#fyndling">Ein Mörser bezeichnete im Mittelalter oft einen großen Fleischmörser aus Stein oder Metall, der zum Zerkleinern und Pürieren von Zutaten diente. Für Nüsse und Feigen ist ein solcher Mörser ideal, alternativ kann eine moderne Küchenmaschine verwendet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-136-orig" n="Krapfen" resp="#fyndling">Mittelalterliche Krapfen waren meist gefüllte Teigtaschen, die in Fett ausgebacken wurden. Sie konnten sowohl süß als auch herzhaft sein.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-136-orig" n="erhabpten taig" resp="#fyndling">„Erhobener Teig“ bedeutet einen Teig, der durch Hefe oder Sauerteig aufgegangen ist. Dies ist ein Hinweis auf die Verwendung von Triebmitteln, die den Teig luftiger und leichter machen. Der Zwilling ri15632-005 verwendet an gleicher Stelle die Formulierung „erhaben taig“ und stützt damit diese Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-136-orig" n="ferib" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ferib">„Ferib“ ist Imperativ von „ferben/verben“ = färben, nicht von „verreiben“. Die CoReMA-Objektseite glossiert das Wort explizit als Färben; der Zwilling ri15632-005 färbt an gleicher Stelle „mit saffran“ - mon-136 selbst nennt kein Färbemittel, die Anweisung zu färben bleibt jedoch bestehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="Stols" resp="#fyndling">Als Verb 'stoße' (Imperativ von stoßen) gelesen. Dies ist eine plausible dialektale Variante oder ein Schreibfehler für 'stoß', passend zum Kontext des Zerkleinerns in einem Mörser. Der Zwilling ri15632-005 hat an gleicher Stelle unzweideutig 'stoß'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="nuskeren" resp="#fyndling">Als 'Nusskerne' (Plural von Nusskern) gelesen. Dies passt zum Kontext der Feigen und des Zerkleinerns im Mörser.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="gwurcz" resp="#fyndling">Als Verb 'würze' (Imperativ von würzen) gelesen. Dies ist eine übliche Form für Anweisungen in Kochrezepten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="ferib" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ferib">Als Verb 'färbe' (Imperativ von ferben/verben = färben) gelesen, nicht von 'verreiben'. Belegt durch die CoReMA-Objektseite (glossiert 'ferib' als Färben) sowie durch die Zwillinge ri15632-005 ("gilbs mit saffran" an gleicher Satzposition) und mon-141 ("ferib den halbin mitt saffran", dort selbst korrekt als 'färbe' übersetzt). mon-136 nennt kein konkretes Färbemittel, die Anweisung zu färben bleibt aber unabhängig davon bestehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="er woll es" resp="#fyndling">Als 'koche es gut auf' gelesen, wobei 'er' als Teil des Verbs 'erwellen' (aufkochen, aufquellen lassen) interpretiert wird. Dies passt zum Erhitzen der Masse in Öl in einer Pfanne und wird durch zahlreiche Korpusbelege (u.a. mon-097/099 erbelten/erbell) sowie den Zwilling ri15632-005 ('erwell ez wol') gestützt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="machss" resp="#fyndling">Als 'mache es' (Imperativ von machen) gelesen. Die Endung '-ss' ist eine dialektale oder verkürzte Form für 'es'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="geweiß" resp="#fyndling">Als 'Weise' (Art und Weise) gelesen. 'In Krapfen-Weise' bedeutet 'in der Art von Krapfen'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-136-orig" n="erhabpten" resp="#fyndling">Als 'erhabenem' (Partizip von erheben, hier: aufgegangen, gelockert durch Hefe oder Sauerteig) gelesen. Dies beschreibt die Eigenschaft des Teigs.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-137-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein fertiger Tafelsenf, sondern ein haltbares Senf-Konzentrat - die Vorstufe dazu. Das Rezept beschreibt zwei Stufen: zuerst eine feste, wachsartige Honig-Senf-Masse als Vorrat, die sich lange hält, dann das portionsweise Anrühren mit Wein zum fertigen, streichfähigen Senf erst kurz vor dem Gebrauch. Diese Formel ist keine Mondseer Eigenheit, sondern zirkulierte im 15. Jahrhundert buchübergreifend fast wortgleich - die engsten Fassungen finden sich unter mha-013 und m5919-017.

Zerstoßen und Passieren. Die Senfsaat wird zunächst im Mörser sehr fein zerstoßen und durch ein Tuch gestrichen. Das Zerkleinern bricht die Samenschale auf und setzt erst dadurch die Schärfe frei; das Passieren durch das Tuch trennt Schalen- und Faserreste ab und ergibt eine glatte Basis.

Das zweite Pulver. An dieser Stelle nennen gleich drei Fassungen ausdrücklich Zimtblüte als das Pulver, das untergemischt wird: mha-013 ("zimen plue"), m5919-017 ("zimad plud") - und, am gewichtigsten, mon-098 ("zymeid plue"), das zweite Senfrezept desselben Mondseer Kochbuchs. In mon-137 selbst fehlt die Zutatenbenennung - der Text sagt nur "stos zw pulffer", ohne zu sagen, was zu Pulver zerstoßen wird. Dass ausgerechnet der eigene Schreiber des Buchs die Zutat an anderer Stelle klar benennt, macht ein Abschreibversehen (ausgefallener Gewürzname) deutlich wahrscheinlicher als eine bewusst andere Zubereitung mit einer zweiten Senfsaat-Portion.

Praxis. Senfsaat im Mörser fein zerstoßen und durch ein Tuch streichen, damit alle Schalenreste ausbleiben. Mit Honig kräftig verrühren, bis eine feste, wachsartige Masse entsteht - das gelingt rein durch mechanisches Einarbeiten, ganz ohne Erhitzen. Diese Masse hält sich als Vorrat gut, weil Honig selbst feuchteentziehend und keimhemmend wirkt. Zum Gebrauch jeweils eine kleine Menge abnehmen und mit Wein zu einem streichfähigen Senf anreiben - genau diese Zweistufigkeit macht das Rezept auch für die Lagerküche praktikabel: nur Mörser, Tuch und Rührschüssel nötig, kein Feuer, keine Kühlung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-137-orig" n="seniff samen" resp="#fyndling">Im Mittelalter wurde Senf oft frisch aus der Saat zubereitet, was eine intensivere Schärfe und ein komplexeres Aroma ergab als fertiger Senf.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-137-orig" n="morser" resp="#fyndling">Ein großer Mörser war im Mittelalter eine gängige Küchenmaschine, um Zutaten zu feinen Pasten oder Pulvern zu verarbeiten. Für Senfsaat ist ein kleinerer Gewürzmörser ausreichend.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-137-orig" n="treib es dan durich ein tuoech" resp="#fyndling">Das Passieren durch ein Tuch (oder Sieb) diente dazu, eine besonders feine und glatte Senfpaste ohne grobe Schalenreste zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-137-orig" n="stos zw pulffer" resp="#fyndling">Gleich drei Fassungen nennen an dieser Stelle ausdrücklich Zimtblüte als das untergemischte Pulver: mha-013 ('zimen plue'), m5919-017 ('zimad plud') und - am gewichtigsten, weil aus demselben Buch - mon-098 ('zymeid plue'), das Mondseer Kochbuchs eigenes zweites Senfrezept. In mon-137 fehlt diese Zutatenbenennung im Text - vermutlich eine Verkürzung beim Abschreiben, nicht eine andere Zubereitung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-137-orig" n="wachss" resp="#fyndling">Die angestrebte wachsartige Konsistenz war typisch für mittelalterliche Senfzubereitungen. Sie ermöglichte eine längere Haltbarkeit und eine flexible Verwendung, da der Senf bei Bedarf mit Flüssigkeit (hier Wein) angerührt werden konnte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-137-orig" n="stos zw pulffer vnd mi= sch vnder den sennpff" resp="#fyndling">Gemeint ist vermutlich Zimtblüte als das untergemischte Pulver, auch wenn mon-137 selbst die Zutat nicht benennt. Gleich drei Fassungen nennen an dieser Stelle ausdrücklich Zimtblüte: mha-013 ('zimen plue'), m5919-017 ('zimad plud') - und, am gewichtigsten, mon-098 aus demselben Mondseer Kochbuch ('zymeid plue'). Ein beim Abschreiben ausgefallener Zutatenname ist damit deutlich wahrscheinlicher als eine zweite Senfsaat-Portion.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-138-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Fasten-Schaugericht: Fischfarce wird in einer zweiteiligen Holzform zu einem "Rebhuhn" gegossen, gesotten und mit Hechtstreifen gespickt, um ein gebratenes Rebhuhn nachzubilden. Damit ist es ein Vorfahr der heutigen Terrinen- und Pâté-Technik in Formen - hier fastentauglich mit Fisch statt Fleisch und mit Fischstreifen statt Speck-Lardierung.

Die Holzform. "Zbayholczer In den varmm" bezeichnet zwei passgenau geschnitzte Holzhälften, die zusammengepresst innen die Gestalt eines Rebhuhns ergeben. Das ist reine Vorbereitung, keine Kochtechnik im engeren Sinn - die Form gibt vor, was die Farce beim Sieden annimmt. Drei Zwillingsrezepte im Korpus (mha-111, ri15632-001, rfk-003) beschreiben dasselbe Verfahren und bestätigen die Lesart übereinstimmend.

Fisch entgräten und entschuppen. Der Fisch wird vom Gräten- und Schuppenwerk befreit, bevor er zu Farce verarbeitet wird - beides feste, ungenießbare Bestandteile, die vor dem Hacken entfernt werden müssen. Danach wird das gekochte Fischfleisch sehr fein durcheinandergehackt und kräftig gewürzt.

Sieden in der Form, dann Spicken. Die Farce wird in der geschlossenen Holzform gesiedet, bis sie formfest ist - die Eiweißgerinnung des Fisches presst und fixiert dabei die Rebhuhn-Gestalt zugleich, ganz ohne Mehlschwitze oder andere Bindemittel. Anschließend wird das geformte Fisch-Rebhuhn mit Streifen von Hechtbrät gespickt, also mit einer zweiten, feineren Farce durchzogen - das ersetzt optisch und geschmacklich die Speck-Bardierung eines echten Bratens.

Praxis. Zwei Holzformhälften in Rebhuhnform lassen sich mit Schnitzwerkzeug oder einer Standardformschale nachbilden; ersatzweise funktioniert auch eine kleine ovale Terrinenform. Weißfischfilet (z.B. Kabeljau oder Seelachs) vorkochen, sorgfältig entgräten und die Haut/Schuppen entfernen, dann fein hacken oder pürieren und mit Salz, Pfeffer, Ingwer und etwas Muskatblüte würzen. Die Farce in die Form drücken und im Wasserbad oder sanft köchelnd pochieren, bis sie fest ist. Aus der Form lösen und mit dünnen Streifen einer zweiten, aus Hecht (oder Zander) hergestellten Farce spicken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-138-orig" n="geprotten rebhunern" resp="#fyndling">Dieses Gericht ist ein sogenanntes ‚Imitationsgericht‘ oder ‚Scheingericht‘, das in der Fastenzeit eine Fleischspeise (gebratene Rebhühner) durch Fisch nachbildet. Solche Gerichte waren im Mittelalter sehr beliebt, um die Entbehrungen der Fastenzeit optisch zu mildern.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-138-orig" n="vassten" resp="#fyndling">Die Fastenzeit im Mittelalter bedeutete den Verzicht auf Fleisch von Landtieren und Geflügel. Fisch, der im Wasser lebte, war hingegen erlaubt und wurde oft aufwendig zubereitet, um die fleischlosen Tage zu überbrücken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-138-orig" n="zbayholczer In den varmm" resp="#fyndling">Hier ist eine spezielle Holzform gemeint, die aus zwei Hälften besteht und, wenn sie zusammengepresst wird, die Gestalt eines Rebhuhns annimmt. Diese Form dient dazu, die Fischfarce in die gewünschte Gestalt zu bringen. Die drei Zwillingsrezepte mha-111, ri15632-001 und rfk-003 beschreiben an derselben Stelle unzweideutig dieselbe Holzform-Technik und sichern damit die Lesart ‚Form‘ zusätzlich ab.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-138-orig" n="suppen" resp="#fyndling">Gelesen als ‚Schuppen‘ (nicht ‚Brühe‘/Suppe): Die Zwillingsrezepte mha-111 (‚thue die graet dauon vnd schuepps‘) und ri15632-001 (‚thue die grat vnd die schueppen da uon‘) haben an derselben Stelle im selben Nomen-Paar mit ‚Gräten‘ eindeutig ‚Schuppen‘. Man entfernt vom Fisch feste Bestandteile - Gräten und Schuppen -, nicht Brühe.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-138-orig" n="spick pratt" resp="#fyndling">‚Spickbrät‘ bezeichnet eine feine Farce oder Paste, die zum Spicken (Lardieren) vorbereitet wird. Hier ist es die Hauptmasse des Fischgerichts, die in Rebhuhnform gebracht wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-138-orig" n="hechten pratten" resp="#fyndling">‚Hechtbrät‘ ist eine Farce aus Hechtfleisch. Sie wird hier verwendet, um das geformte Fisch-Rebhuhn zu spicken, also mit kleinen Streifen oder Stücken zu durchziehen, was sowohl die Optik als auch den Geschmack bereichert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-138-orig" n="geprotten rebhunern" resp="#fyndling">‚gebratenen Rebhühnern‘. Dies ist eine übliche adjektivische Form von ‚braten‘ (rösten/braten) in Kombination mit ‚Rebhühnern‘. Das Rezept beschreibt eine Nachbildung davon.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-138-orig" n="hayss dir graben zbayholczer In den varmm" resp="#fyndling">‚Lass dir zwei Hölzer in die Form schnitzen/formen‘. ‚Graben‘ wird hier als ‚schnitzen‘ oder ‚formen‘ des Holzes interpretiert, um die Gussform zu schaffen. ‚Varmm‘ wird als ‚Form‘ gelesen, gestützt durch die Zwillinge mha-111 (‚furmen‘/‚furm‘) und ri15632-001 (‚furem‘/‚geformiert‘).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-138-orig" n="suppen" resp="#fyndling">‚und die Schuppen‘. Die Zwillinge mha-111 (‚graet dauon vnd schuepps‘) und ri15632-001 (‚grat vnd die schueppen‘) haben an derselben Position exakt dasselbe Nomen-Paar mit ‚Gräten‘. Man entfernt vom Fisch feste Bestandteile - Gräten und Schuppen -, nicht Brühe, die erst beim Kochen entsteht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-138-orig" n="pratten" resp="#fyndling">‚das gekochte Fischfleisch‘. Dies bezieht sich auf den Hauptfisch, der gekocht und nun für die Farce vorbereitet wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-138-orig" n="spick pratt" resp="#fyndling">‚Spickbrät‘ (Farce zum Spicken). Dies bezeichnet die Hauptfischpaste, die geformt und dann gespickt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-138-orig" n="hechten pratten" resp="#fyndling">‚Hechtbrät‘ (Hechtfarce). Dies ist die Farce, die zum Spicken verwendet wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-139-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Fastenzeit-Kunstbraten aus Fischfarce: roher Fisch wird entgrätet, entschuppt, fein gehackt, mit altem Brot gebunden, gewürzt und mit nassen Messern zu einer Bratenform modelliert, dann in der Pfanne aufgekocht und schließlich mit einem Spieß durchstochen und mit zusätzlichem rohem Hechtbrät „gespickt“. Das moderne Gedächtnisbild dafür ist die Familie der Fisch-Terrinen und Fischlaibe in Bratenform.

thue den gratt dar von vnd supp thue auch darvon - „supp“ bedeutet hier „Schuppen“, nicht „Suppe/Brühe“ (CoReMA glossiert die Stelle selbst mit Wikidata Q5454665 = „fish scale“). Parallel zu „gratt“ (Gräten) direkt davor: beide werden vom rohen Fisch entfernt, bevor er zerhackt wird - kein vorheriger Garschritt nötig oder im Text angedeutet.

erboll - „aufkochen“, korpusweit stark abgesichert (mon-097 erbels, mon-099 erbell, der Zwilling m384-076 erwels). Das kurze Aufkochen in der Pfanne festigt die geformte Farce, damit sie beim anschließenden Durchstoßen mit dem Spieß nicht zerfällt.

gruenen echten pratten - die diplomatische Transkription liest „echten“, aber die CoReMA-Objektseite glossiert die Stelle selbst mit dem Hechtfilet-Begriff (Wikidata Q67773148 = „northern pike filet“). Gemeint ist also „hechten pratten“ (Hechtbrät), „grün“ heißt „roh/frisch“. Kein Fleisch, keine Fastenbruch-Frage - schlicht zusätzliche rohe Fischfarce zum Spicken, die dem Laib mehr Struktur gibt.

Praxis. Rohen Fisch entgräten und entschuppen. Das Fischfleisch sehr fein hacken, mit geriebenem altem Brot binden und kräftig würzen. Auf einer nassen Arbeitsfläche mit nassen Messern zu einer Bratenform streichen - das Nasshalten der Messer verhindert, dass die klebrige Farce daran haftet. Den Laib in eine leicht gefettete Pfanne legen und kurz aufkochen, bis er fest ist. Danach einen Holzspieß längs durchstoßen und außen mit Streifen frischem, rohem Hechtbrät bespicken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-139-orig" n="pratten" resp="#fyndling">‚Braten‘ - Im Kontext der Fastenzeit bezieht sich dies auf ein Gericht, das in Form und Aussehen einem Fleischbraten nachempfunden ist, hier aus Fisch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-139-orig" n="vasten" resp="#fyndling">‚Fastenzeit‘ - Eine Zeit der Enthaltsamkeit von Fleisch und tierischen Produkten (außer Fisch).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-139-orig" n="gratt" resp="#fyndling">‚Gräten‘ - Die Knochen des Fisches.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-139-orig" n="supp" resp="#fyndling">‚Schuppen‘, nicht ‚Suppe/Brühe‘. Die CoReMA-Objektseite glossiert ‚supp' an dieser Stelle mit Wikidata Q5454665 = ‚fish scale'. Parallele Konstruktion zu ‚gratt' direkt davor (beide ‚thue ... dar von' = entferne ... davon): Gräten UND Schuppen werden vom rohen Fisch entfernt, bevor er zerhackt wird - kein impliziter Kochschritt nötig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-139-orig" n="prott" resp="#fyndling">‚Brot‘ - Wahrscheinlich altbackenes Weißbrot, das gerieben als Bindemittel dient.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-139-orig" n="gruenen echten pratten" resp="#fyndling">‚Grünem hechten Brät‘ - nicht ‚echtem [Fleisch-]Braten‘. Die diplomatische Transkription liest zwar ‚echten', aber die CoReMA-Objektseite glossiert ‚echten pratten' selbst mit Wikidata Q67773148 = ‚northern pike filet' (Hechtfilet). Die beiden Zwillinge schreiben die Stelle zudem völlig eindeutig mit ‚h': rfk-004 ‚spicke isz mit hechte braden', mha-111 ‚spick es mit hechten praten' - mon-139 fehlt hier schlicht das Anfangs-h. ‚Grün' bedeutet ‚roh/frisch'. Gemeint ist also frisches, rohes Hechtbrät zum Spicken - keine Fleisch-Illusion, sondern schlicht zusätzliche rohe Fischfarce, ganz im Rahmen des Fastengebots.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-139-orig" n="supp" resp="#fyndling">‚Schuppen‘ - CoReMA glossiert die Stelle selbst mit Wikidata Q5454665 (‚fish scale'). Parallel zu ‚gratt' (Gräten) direkt davor: beide werden vom rohen Fisch entfernt, bevor er zerhackt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-139-orig" n="gwurcz" resp="#fyndling">‚würze‘ - Der Kontext ‚vnd gwurcz das woll‘ (und würze das gut) legt die Verbform nahe, nicht das Substantiv ‚Gewürz‘ als eigenständige Zutat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-139-orig" n="erboll" resp="#fyndling">‚aufkochen‘ - Das Korpus-Glossar enthält ‚erbelten‘ = aufkochen/aufwallen lassen, was lautlich und kontextuell (in einer Pfanne) sehr gut passt. Es beschreibt das Erhitzen des geformten Bratens.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-140-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dieser Mandel-Ziger ist ein veganer Käse-/Quark-Ersatz aus eingedickter Mandelmilch, die mit Weißbrot und Wein gebunden, aufgekocht und abgeseiht wird - im Kern dasselbe Prinzip wie ein moderner Mandelquark oder Cashewkäse. Er gehört zu einer ganzen Rezeptfamilie mit fast identischer Zubereitung, die sich über mehrere Kochbücher des Spätmittelalters zieht - kein Mondseer Sonderfall, sondern ein verbreitetes Grundrezept der Fastenküche.

Der Gerinnungsmechanismus. Die eigentliche Kochtechnik steckt im Zusammenspiel von Säure und Hitze: Der Wein liefert die Säure, das Aufkochen die Hitze, und beides zusammen bringt das gelöste Mandeleiweiß (zusammen mit der Brotstärke) zum Ausflocken - ein pflanzliches Gegenstück zur Milchgerinnung bei der Käse- oder Quarkherstellung, wo sonst Lab oder Molke diese Rolle übernehmen. Das anschließende Abtropfen durch Tuch oder Sieb trennt die feste Ziger-Masse von der Flüssigkeit, genau wie beim Abtropfen von frischem Quark.

Panprein als Formvergleich. Der Text sagt ausdrücklich, den Ziger „lang gelegt als panprein“ auszulegen - „panprein“ (Hirsebrei) ist ein Kompositum aus „pan-“ (Panicum/Rispenhirse) und „prein“ (Brei, so auch bei Schmeller und in der MHDBDB als Schreibvariante von „brî“ belegt), im Mondseer Kochbuch selbst ein Hapax, aber außerhalb lexikalisch gut bezeugt - und sogar im engsten Zwilling ri15632-003 wortgleich als „pan prein“ belegt, was den Vergleich als festen Bestandteil dieser Rezeptfamilie bestätigt (nicht als Mondseer Einzelfall). Wie ein Hirsebrei damals tatsächlich angerichtet wurde und warum „länglich“ dafür eine naheliegende Formbeschreibung war, wissen wir nicht unabhängig - der Vergleich im Text ist die einzige Quelle dafür. Praktisch zählt nur die Anweisung selbst: eine längliche, laibförmige Form.

Praxis. Geschälte Mandeln im Mörser fein stoßen und mit Wasser zu einer dicken Mandelmilch verarbeiten, dann durch ein Tuch in eine Pfanne abseihen. Etwas geriebenes Weißbrot einrühren, dazu einen Schuss guten Wein geben und kurz aufkochen lassen. Die entstandene Masse aus der Pfanne nehmen und auf ein Sieb oder Tuch geben, damit die Flüssigkeit abtropfen kann - zurück bleibt der feste Ziger. Diesen länglich auslegen und mit Mandelkernen bestecken. Ein Viertel des Zigers in eine Schüssel geben und mit zusätzlicher Mandelmilch übergießen. Das Rezept nennt keine Süßung - und das ist die Norm der Familie, nicht eine Mondseer Lücke: Von den fünf bekannten Zwillingen (mha-113, rfk-017, ri15632-003, bgs-039, m384-071) verzichten vier komplett auf Süßung, nur m384-071 bestreut ganz am Schluss die übergossene Mandelmilch mit etwas Zucker - nicht den Ziger selbst. Der unversüßte, mild-nussige Fastenkäse ist also die eigentliche Zielrichtung, Zucker höchstens eine optionale Garnitur.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-140-orig" n="mandel zyger" resp="#fyndling">Ein „Ziger“ ist eine Art Frischkäse oder Quark, der traditionell aus Molke hergestellt wird. Hier wird er jedoch aus Mandeln zubereitet, was ihn zu einer veganen Alternative macht, die besonders für Fastenzeiten geeignet war.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-140-orig" n="dicke milich" resp="#fyndling">Wörtlich „dicke Milch“. Im Kontext der Mandelzubereitung ist hier eine sehr konzentrierte Mandelmilch gemeint, die durch das Zerstoßen und Auspressen der Mandeln gewonnen wird, nicht fermentierte Tiermilch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-140-orig" n="seich das wasser da von" resp="#fyndling">‚Wasser‘ ist hier kein zuzugebendes Zutat, sondern die überschüssige Flüssigkeit (die geronnene Mandelmilch/Molke), die beim Abtropfen aus der festen Ziger-Masse abläuft und verworfen wird - CoReMA-GAMS glossiert die Stelle entsprechend als ‚Mandelmilch, ausdrücklich ausgeschlossen‘: das Wasser gehört NICHT zum fertigen Gericht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-140-orig" n="Panprein" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#panprein">Hirsebrei. Kompositum aus 'pan-' (Panicum/Rispenhirse, auch per CoReMA-Wikidata Q165196 belegt) und 'prein' (Brei): Schmeller glossiert 'prein' direkt als lat. 'milium' (Hirse) UND 'puls' (Brei/Mus), MHDBDB führt 'prein' als Schreibvariante von 'brî' (=Brei). 'Pan-' präzisiert das allgemeinere 'prein' speziell auf Hirsebrei. Die frühere Lesart 'Brotpudding' war unbelegt und ist zu verwerfen. Der Text nutzt 'panprein' als Formvergleich ('lang gelegt als panprein'), aber wie ein Hirsebrei damals konkret angerichtet wurde, ist uns nicht unabhängig bekannt - wir haben nur diesen einen Vergleich, keine externe Beschreibung seiner Form.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-140-orig" n="geschelhetten" resp="#fyndling">‚Geschält‘ - die Mandeln werden vor dem Zerstoßen von ihrer Schale befreit, was für die Herstellung von heller Mandelmilch üblich ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-140-orig" n="erwoldt" resp="#fyndling">‚Erwallt‘ - eine bairisch-österreichische Schreibvariante für ‚aufgekocht‘ oder ‚aufgewallt‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-140-orig" n="panprein" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#panprein">‚Hirsebrei‘ - der Text nutzt es als Formvergleich für den Mandel-Ziger ('lang gelegt als panprein'). Kompositum aus 'pan-' (Panicum/Rispenhirse) und 'prein' (Brei) - Schmeller glossiert 'prein' als lat. 'milium' (Hirse) und 'puls' (Brei), MHDBDB führt es als Schreibvariante von 'brî' (=Brei). Im Korpus ein Hapax, außerhalb aber lexikalisch gut bezeugt. Wie ein Hirsebrei damals konkret aussah/angerichtet wurde, ist unabhängig davon nicht belegt - der Vergleich selbst ist die einzige Quelle dafür, dass 'länglich' gemeint ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-140-orig" n="virtaill" resp="#fyndling">‚Viertel‘ - gemeint ist ein Viertel des fertigen Zigers, das in eine Schüssel gelegt und mit Mandelmilch übergossen wird, nicht eine Vierteilung der Schüssel selbst.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-141-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Fastenzeit-Fladen aus Fischrogen statt Fleisch oder Eiern - der Rogen übernimmt hier die Bindefunktion, die sonst Ei oder Fleischbrät hätte. Die Konsistenz-Referenz auf Sträuben (normalerweise ein in heißem Fett ausgebackener Rührteig-Strang) zeigt, wie fest der Rogenteig werden muss - nur wird er hier nicht frittiert, sondern als flacher Fladen im Ofen gebacken.

So gelingt es. Rohen Fischrogen (Hering, Karpfen, Forelle - nur kein Barbenrogen, siehe Annotation) im Mörser mit wenig weißem Mehl zu einem zähen, formbaren Teig verarbeiten. Der Text trennt Mandel-Safran-Mischung und aufgequollene Rosinen zunächst in einer eigenen Schüssel ab - am plausibelsten werden beide anschließend unter den Rogenteig gehoben, bevor er zu Fladen verstrichen und im Ofen gebacken wird; ohne diese Einarbeitung blieben Mandeln und Rosinen ohne Funktion im Rezept. Der Rogenteig muss fest genug sein, um beim Backen nicht zu zerfallen - im Zweifel etwas mehr Mehl zugeben.

So wird es richtig gut. Die mit Safran gelb gefärbte halbe Mandelmenge gibt den Fladen eine ansprechende Farbe im Anschnitt. Bei Backofen-Hitze (ca. 180°C) reicht meist eine knappe halbe Stunde, bis die Fladen fest und leicht gebräunt sind - zu lange Backzeit trocknet den Rogen aus und macht ihn krümelig statt saftig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-141-orig" n="gebeichten" resp="#fyndling">Im kulinarischen Kontext des Mittelalters bedeutet ‚gebeichtet‘ hier ‚gebeizt‘ oder ‚eingelegt‘, also konserviert. Es hat keine religiöse Bedeutung im Sinne der Beichte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-141-orig" n="vasten" resp="#fyndling">Die ‚Vasten‘ bezeichnet die Fastenzeit, in der der Verzehr von Fleisch verboten war. Fisch und pflanzliche Produkte waren jedoch erlaubt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-141-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Ein mittelalterlicher Mörser war oft ein großes, schweres Gefäß aus Stein oder Metall mit einem kräftigen Stößel, der zum feinen Zerstoßen von Zutaten wie Fischrogen, Fleisch oder Nüssen verwendet wurde - vergleichbar mit einer modernen Küchenmaschine.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-141-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">‚Weinper‘ sind Weinbeeren, die im mittelalterlichen Kontext meist getrocknet, also Rosinen, meinten, es sei denn, ein expliziter Hinweis auf frische Trauben ist gegeben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-141-orig" n="on armen rogen" resp="#fyndling">‚Ohne Barbenrogen‘, nicht ‚ohne minderwertigen Rogen‘. ‚Armen‘ ist hier eine um das Anlaut-B verkürzte Form von ‚Barben‘ (Barbe = Cyprinus/Barbus barbus, ein Karpfenfisch). CoReMA glossiert ‚armen rogen' selbst mit Wikidata Q107246431 = ‚barbel's roe'. Die Zwillinge mha-031 (‚an parben rogen nicht') und rfk-002 (‚an barben rogen') schreiben die Ausnahme jeweils unzweideutig mit B. Roher Barbenrogen ist akut toxisch - historisch als ‚Barben-Cholera' bekannt - und bleibt auch nach dem Garen magenreizend; Rezepte, die ‚allerlei Fischrogen' fordern, nahmen ihn deshalb wiederholt ausdrücklich aus.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-141-orig" n="on armen rogen" resp="#fyndling">‚ohne Barbenrogen‘ - ‚armen‘ ist eine um das Anlaut-B verkürzte Form von ‚Barben‘. CoReMA glossiert die Stelle selbst mit Wikidata Q107246431 (‚barbel's roe'), als ausdrücklich ausgeschlossen markiert. Zwei Zwillinge (mha-031 ‚an parben rogen nicht', rfk-002 ‚an barben rogen') schreiben die Ausnahme unzweideutig mit B.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-141-orig" n="ferib" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ferib">‚färbe‘ - Die Hälfte der gehackten Mandeln mit Safran einfärben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-141-orig" n="pesunder" resp="#fyndling">‚beiseite‘ - Die vorbereiteten Zutaten separat in eine Schüssel legen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-141-orig" n="er boll sy" resp="#fyndling">‚lasse sie aufquellen‘ - Die Rosinen sollen durch Einweichen oder leichtes Erhitzen prall werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-141-orig" n="streubm taig" resp="#fyndling">‚Teig wie für Sträuben‘ - Ein dickflüssiger Teig oder eine Art zähflüssiger Brei, der geformt und gebacken wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-142-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine süß-würzige Feigen-Gallerte (Sülze im Sinn von Gelee, nicht von Fleischsülze): Feigen werden in einem Wein-Wasser-Sud gegart, der Sud selbst wird mit geriebenem Brot und Lebkuchen sämig gebunden und über die Feigen gegossen.

So gelingt es. Je sechs Feigen auf Spießchen stecken (praktisch für das spätere Herausnehmen aus dem Sud) und in gleichen Teilen Wein und Wasser weich sieden. Den Sud abseihen, mit geriebenem Weißbrot und geriebenem Lebkuchen sowie Honig und Essig verrühren und durch ein Sieb streichen - das entfernt Krümel und macht die Bindung glatt. Gut würzen und pfeffern, dann kurz aufkochen, bis die Masse sämig wird. Die Feigen in klares Wasser legen (spült die Spieß-Reste ab und hält sie feucht) und den heißen Sud darübergießen.

So wird es richtig gut. Über Nacht kalt stellen, bis die Bindung fest wird - erst beim Anrichten mit aufgequollenen Rosinen und Zimt bestreuen, sonst ziehen die Rosinen Feuchtigkeit aus der Sülze. Kalt servieren; die Lebkuchen-Würze (Zimt, Nelke, Ingwer je nach Rezept) sollte in der Sülze selbst schon präsent sein, der Zimt obendrauf ist ein zweiter, frischerer Akzent.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-142-orig" n="leczeldt" resp="#fyndling">Lebkuchen oder Honigkuchen, ein gewürztes Gebäck, das hier gerieben als Bindemittel und Geschmacksgeber dient.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-142-orig" n="sulcz" resp="#fyndling">Im Mittelalter bezeichnete ‚Sülze‘ (oder ‚Sulz‘) oft eine Art Aspik oder eine eingedickte, kalt servierte Speise, die durch Kollagen oder Pektin geliert wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-142-orig" n="pheffers wol" resp="#fyndling">Die Anweisung, „gut zu pfeffern“, ist typisch für die mittelalterliche Küche, in der Pfeffer als teures und prestigeträchtiges Gewürz großzügig eingesetzt wurde, oft auch in süßen Gerichten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-142-orig" n="spisel / spislein" resp="#fyndling">‚Spieß‘ und ‚Spießchen‘ - die Feigen werden auf kleine Holzspieße gesteckt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-142-orig" n="sewczß" resp="#fyndling">‚siede/koche‘ - ein gängiges Verb für das Erhitzen von Flüssigkeiten und Zutaten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-142-orig" n="kossell" resp="#fyndling">‚Kessel‘ - ein großes Kochgefäß, das hier synonym mit ‚Hafen‘ (Topf) verwendet wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-142-orig" n="pheffers" resp="#fyndling">‚Pfeffer‘ als Zutat und ‚pfeffere‘ als Verb - die Anweisung, das Gericht gut mit Pfeffer zu würzen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-142-orig" n="erboll" resp="#fyndling">‚aufkochen/aufwallen lassen‘ - ähnlich dem im Korpus belegten ‚erbelten‘, bedeutet es, die Flüssigkeit zum Kochen zu bringen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-142-orig" n="erwolltten" resp="#fyndling">‚aufgequollen‘ - bezieht sich auf die Rosinen, die durch die Flüssigkeit prall und weich werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-142-orig" n="symwellein" resp="#fyndling">‚Zimt‘ (Diminutiv von Zimmet) - als feines Gewürzpulver zur Garnitur von Süßspeisen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-143-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Pfannkuchen im heutigen Sinn, sondern dünn ausgerollte, feste Eierteig-Blätter, die in Schmalz ausgebacken und danach durch eine Wein-Honig-Sauce gezogen werden - näher an einer knusprigen Waffel oder einem frühen Krapfengebäck als an einem gerührten Pfannkuchenteig.

So gelingt es. Den Teig bewusst fest („so hart wie du ihn nur machen kannst“) aus reichlich Eiern und Mehl anmachen - er muss straff genug sein, um dünn ausgerollt zu werden, ohne zu reißen oder beim Ausbacken zu zerfallen. Die dünnen Blätter in reichlich heißem Schmalz goldbraun ausbacken, ähnlich wie Krapfen. Für die Sauce guten Wein mit der halben Menge Honig gut verrühren, bis der Honig sich löst - keine weitere Erhitzung nötig.

So wird es richtig gut. Die gebackenen, noch warmen Teigblätter direkt vor dem Servieren durch die Wein-Honig-Sauce ziehen, nicht darin einlegen - sonst werden sie durchweicht statt nur glasiert. Wer mag, schneidet die Blätter vorher in mundgerechte Stücke; das erleichtert das gleichmäßige Durchziehen durch die Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-143-orig" n="tail" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tail">‚Tail‘ ist eine Schreibvariante von ‚Teig‘. Es bezeichnet die Masse aus Mehl und Eiern, die zu dünnen Blättern ausgerollt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-143-orig" n="phaczeldten" resp="#fyndling">‚Phaczeldten‘ ist eine bairisch-österreichische Variante von ‚Pfannzelten‘, was einen dünnen, in der Pfanne gebackenen Eierfladen oder Pfannkuchen bezeichnet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-143-orig" n="verib" resp="#fyndling">‚Verib‘ ist der Imperativ von ‚verreiben‘, was hier das gründliche Durcharbeiten des Teiges bedeutet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-143-orig" n="welig" resp="#fyndling">‚Welig‘ ist der Imperativ von ‚wellen‘, also das Ausrollen des Teiges mit einem Nudelholz.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-143-orig" n="er woll" resp="#fyndling">‚Er woll‘ ist eine Form von ‚erwellen‘ oder ‚umrühren‘, was das Vermischen der Sauce bedeutet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-143-orig" n="zeuch" resp="#fyndling">‚Zeuch‘ ist der Imperativ von ‚ziehen‘, hier im Sinne von ‚hindurchziehen‘ oder ‚eintauchen‘, um die gebackenen Teigblätter mit der Sauce zu überziehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-143-orig" n="Mehl (implied)" resp="#fyndling">Weizenmehl als notwendige Zutat für den Teig, obwohl nicht explizit im Originaltext genannt. Dies war in mittelalterlichen Rezepten üblich, da Mehl als selbstverständliche Basis für Teig angenommen wurde.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-144-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein zweistufig gegartes Fischrogen-Gericht: erst wird der zerstoßene Rogen zu einem festen Mus gebacken und in Würfel geschnitten, dann werden diese Würfel scharf angebraten und zuletzt in einer Pfeffersauce aufgewallt - mit gerösteten Semmelwürfeln als knuspriger Abschluss.

So gelingt es. Rohen Fischrogen (außer Barbenrogen, siehe Annotation) im Mörser fein zerstoßen, dann auf einem Blech im Ofen zu einem festen Mus backen, das sich in Würfel schneiden lässt. Diese Würfel in reichlich Öl scharf braten, bis sie deutlich dunkel/tief gebräunt sind („schwarz“ ist hier als kräftige Röstung zu lesen, nicht als verkohlt) - das gibt Röstaromen, die das eher milde Rogenmus brauchen. Aus Fischbrühe, Wein, Essig und Gewürzen eine Pfeffersauce ansetzen und die gebratenen Würfel darin kurz aufwallen lassen, damit sie die Sauce aufnehmen.

So wird es richtig gut. Die Semmelwürfel separat in Öl knusprig rösten und erst unmittelbar vor dem Servieren über das fertige Gericht streuen - sonst verlieren sie im Sud ihre Knusprigkeit. Die Säure der Pfeffersauce (Essig, Wein) sollte kräftig genug sein, um gegen die Röstnoten der geschwärzten Würfel zu bestehen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-144-orig" n="gepocheß" resp="#fyndling">Bezeichnet ein Gericht, das durch ‚Pochen‘, also Zerstoßen oder Zerstampfen, zubereitet wird. Hier ein Mus oder Brei aus Fischrogen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-144-orig" n="par men" resp="#fyndling">Bezieht sich auf die Fischart ‚Barbe‘. Der Rogen von Barben kann in größeren Mengen leicht giftig sein, wenn er nicht speziell behandelt wird, daher die Warnung im Rezept.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-144-orig" n="praiczpladt" resp="#fyndling">Ein ‚Bratblech‘ oder eine flache Platte, die zum Braten oder Backen über dem Feuer oder im Ofen verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-144-orig" n="sbarcz werdt" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sbarcz">Die Anweisung, die Rogenwürfel ‚schwarz werden‘ zu lassen, deutet auf ein sehr starkes Anbraten oder Rösten hin, um intensive Röstaromen und eine dunkle Farbe zu erzielen. Dies war typisch für bestimmte mittelalterliche Saucen und Gerichte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-144-orig" n="phaffer" resp="#fyndling">Eine ‚Pfeffersauce‘, ein im Mittelalter weit verbreiteter Saucentyp, der oft dunkel, würzig und mit Brot oder gerösteten Zutaten gebunden war. Der Name leitet sich von der prominenten Verwendung von Pfeffer und anderen Gewürzen ab.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-144-orig" n="semell" resp="#fyndling">Eine ‚Semmel‘ ist ein Weißbrotbrötchen, das hier gewürfelt und geröstet als knusprige Garnitur dient.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-144-orig" n="gepocheß" resp="#fyndling">‚Mus‘ oder ‚Brei‘, abgeleitet vom Verb ‚pochen‘ (zerstoßen, stampfen).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-144-orig" n="par men" resp="#fyndling">‚Barben‘, eine Fischart, deren Rogen in größeren Mengen als leicht giftig bekannt ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-144-orig" n="praiczpladt" resp="#fyndling">‚Bratblech‘ oder ‚Bratplatte‘, eine flache Unterlage zum Backen oder Braten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-144-orig" n="sneydt / sneidt" resp="#fyndling">‚schneiden‘ (Imperativ oder Infinitiv).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-144-orig" n="wurflat / wurfladt" resp="#fyndling">‚würfelig‘, also in Würfel geschnitten. Dies ist eine belegte bairische Variante von ‚wurfflott‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-144-orig" n="sbarcz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sbarcz">‚schwarz‘, was ein sehr starkes Anbraten oder Rösten bis zur Dunkelfärbung bedeutet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-144-orig" n="phaffer" resp="#fyndling">‚Pfeffersauce‘, ein bekannter mittelalterlicher Saucentyp, der oft dunkel und würzig war.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-144-orig" n="mell" resp="#fyndling">Das ‚Mus‘ oder die ‚Masse‘ des zuvor zubereiteten und gebratenen Rogenmuses.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-145-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein „Bubenpolster“ (wörtlich: Bubenkissen) - anders als die eng verwandten Rezepte m384-001 und rfk-040, die die Lungenfarce in dünne Eierblätter EINROLLEN und ausbacken, wird die Masse hier flach auf ein Eierblatt in der Pfanne gegeben und direkt darin gegart - näher an einer gefüllten Omelette als an einem Röllchen.

So gelingt es. Die Kalbslunge weich sieden (ca. 1,5-2 Stunden), abkühlen lassen und fein hacken, dann Speckwürfel, ganze Eier, Pfeffer und Safran einarbeiten, bis eine formbare Farce entsteht. Für das Eierblatt einen dünnen Eierkuchen (Ei, wenig Mehl, Salz) in einer gut geölten Pfanne ausbacken. Die Lungenmasse darauf verteilen und im Eierblatt in der Pfanne fertig garen - das Eierblatt wirkt hier als Boden/Hülle, nicht als Röllchen-Wickel.

So wird es richtig gut. Das Belegen mit Eigelb am Ende sorgt für Glanz und eine zusätzliche Bindung obenauf, wenn es kurz mitgart oder -stockt. Pfeffer und Safran wie beim Röllchen-Zwilling großzügig verwenden - sie sind die einzige Würzung der deftigen Lunge-Speck-Masse.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-145-orig" n="puoebpulster" resp="#fyndling">Der Name ‚Bubenpolster‘ (oder ‚Knabenkissen‘) ist eine spielerische Bezeichnung für eine weiche, kissenartige Speise. Es handelt sich um eine Art Terrine oder Pastete aus Lunge, die mit Eiern und Speck gebunden und in einem Eierblatt serviert wird. Dasselbe Gericht trägt in anderen Handschriften andere Kissen-Namen: m384-001 ‚Bubenpfulwe', rfk-040 ‚Bubenpulbe' - drei verschiedene mittelalterliche Wörter für ‚Kissen', dieselbe scherzhafte Idee.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-145-orig" n="lungel" resp="#fyndling">Diminutivform von ‚Lunge‘, hier Kalbslunge. Innereien waren im Mittelalter eine gängige und geschätzte Zutat.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-145-orig" n="air pladt" resp="#fyndling">Ein ‚Eierblatt‘ ist ein dünner, in der Pfanne gebackener Eierfladen oder ein Omelett, das hier als Hülle oder Unterlage für die Lungenmasse dient.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-145-orig" n="fregeten" resp="#fyndling">Bezieht sich auf die Bratpfanne oder die Bratmethode. Die Speise wird auf einer flachen, erhitzten Oberfläche zubereitet oder fertiggestellt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-145-orig" n="puoebpulster" resp="#fyndling">‚Bubenpolster‘ - eine spielerische Bezeichnung für eine weiche, kissenartige Speise.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-145-orig" n="fregeten" resp="#fyndling">‚Bratpfanne‘ oder ‚beim Braten‘ - bezieht sich auf die Zubereitung auf einer flachen, erhitzten Oberfläche.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-146-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Brühwurst aus Kalbslunge und Speck, im Kalbs-Enddarm gefüllt, erst gesiedet, dann gebraten und ganz ohne Sauce ("trocken") gegessen - ein deftiges, einfaches Innereien-Gericht ohne die aufwändige Würzung anderer Wurst-Rezepte des Buchs.

So gelingt es. Der Enddarm muss wirklich gründlich gereinigt werden (der Text betont das ausdrücklich), aber - anders als bei vielen anderen Darm-Rezepten im Buch - ohne Säuern, da das Milde des Darms hier offenbar erwünscht ist. Kalbslunge und Speck fein und gleichmäßig hacken, würzen (Pfeffer als Standard-Annahme) und färben (Safran für Gelb, oder Petersilie für Grün - im Text nicht spezifiziert). Die Masse locker in den vorbereiteten Darm füllen, damit beim Sieden noch Platz zum Ausdehnen bleibt.

So wird es richtig gut. Erst sieden (bindet die Füllung und macht die Wurst schnittfest), dann erst braten (für Röstaromen und eine krossere Haut) - diese Zweistufigkeit ist der Kern der Technik. Da die Wurst „trocken“, also ohne Sauce, gegessen wird, sollte die Würzung in der Füllung selbst kräftig genug sein, um für sich zu bestehen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-146-orig" n="after darInn" resp="#fyndling">NICHT ‚Innereien‘ allgemein: mhd./fnhd. ‚after‘ = ‚hinten/danach‘ - der ‚after darInn‘ ist der End-/Mastdarm (der letzte, dickste Darmabschnitt), die traditionelle Hülle für dicke Würste, weil er viel Füllung aufnimmt und beim Sieden+Braten formstabil bleibt. Der nahezu wortgleiche Zwillingstext mha-020 (‚Wurst machstu aus ainem affter darmm von ainem kalb‘) bestätigt diese Lesart eindeutig - dort ist unmissverständlich der Darm als Wursthülle gemeint, nicht die Innereien insgesamt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-146-orig" n="mach den gar sewr" resp="#fyndling">NICHT ‚sauer zubereiten‘: Der Zwillingstext mha-020 hat an exakt derselben Stelle ‚mach den gar sauber‘ (mache ihn ganz sauber) - ‚sewr‘ ist hier vermutlich eine Schreiber-Verwechslung von mhd. ‚sûr‘ (sauer) mit dem lautlich ähnlichen ‚sûber‘ (sauber), oder schlicht ein Kopierfehler. Gemeint ist die gründliche Reinigung des Enddarms, bevor er mit der Lungen-Speck-Masse gefüllt wird - eine Standard-Vorbereitung bei der Wurstherstellung, kein Säuerungsprozess.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-146-orig" n="lungel" resp="#fyndling">Eine Diminutivform von Lunge, hier die Kalbslunge.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-146-orig" n="darm" resp="#fyndling">Bezeichnet denselben Enddarm, der zuvor gereinigt wurde (siehe ‚after darInn‘) - hier wird er mit der fertigen Lungen-Speck-Masse gefüllt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-146-orig" n="pracz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pracz">Eine bairische Lautvariante des Verbs ‚braten‘, hier im Imperativ: brate es.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-146-orig" n="after darInn" resp="#fyndling">‚After darInn‘ = der End-/Mastdarm des Kalbes, verwendet als Wursthülle - nicht die Innereien im Allgemeinen. Der nahezu wortgleiche Zwillingstext mha-020 (‚Wurst machstu aus ainem affter darmm von ainem kalb‘) bestätigt diese Lesart eindeutig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-146-orig" n="sewr" resp="#fyndling">‚Sauber‘, nicht ‚sauer‘ - der Zwillingstext mha-020 hat an derselben Position exakt ‚mach den gar sauber‘. ‚Sewr‘ ist vermutlich eine Schreiber-Verwechslung der lautlich ähnlichen mhd. Wörter ‚sûr‘ (sauer) und ‚sûber‘ (sauber).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-146-orig" n="gwurcz" resp="#fyndling">‚Gwurcz‘ wird als Verb ‚würze‘ im Imperativ interpretiert, was eine Anweisung zum Würzen der Masse darstellt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-146-orig" n="feribs" resp="#fyndling">‚Feribs‘ wird als Verb ‚färbe es‘ im Imperativ gelesen, was die Anweisung gibt, die Wurstmasse farblich zu gestalten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-147-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Fastenzeit-Illusionsspeise: eine Mandel-Brot-Masse, die entweder zu gebratenen Scheiben oder - deutlich raffinierter - zu Fake-„gekochten Eiern" geformt wird, ganz ohne tierisches Produkt. Der Zwilling mha-009 beschreibt für die Dotter-Illusion einen Schritt, den der Mondseer Text nicht ausschreibt.

So gelingt es. Geschälte Mandeln im Mörser fein stoßen, wenig weißes Brot dazugeben und zu einer geschmeidigen, formbaren Masse verarbeiten - genug Brot für Bindung, aber nicht so viel, dass der Mandelgeschmack verloren geht. Variante 1 (Scheiben): aus der Masse Scheiben formen, in der Mitte eine Mulde eindrücken, in Öl braten. Variante 2 (Eier): die Masse zu länglichen Eiformen rollen, längs halbieren und in die Mitte (wo im echten Ei der Dotter läge) eine Mulde drücken. Für die Dotter-Illusion einen kleinen, haselnussgroßen Teil der Masse separat mit Safran gelb färben, in die Mulde der weißen Hälfte pressen und die Form wieder schließen, bevor man sie längs aufschneidet - so zeigt der Anschnitt einen gelben „Dotter" in weißem „Eiweiß".

So wird es richtig gut. Die aufgeschnittenen Fake-Eier mit Petersilie oder einem Spritzer Essig anrichten - beides bricht die Süße/Milde der Mandelmasse und erinnert geschmacklich eher an ein echtes Ei-Gericht. Wichtig für die Illusion: die Safran-Färbung sollte kräftig genug für einen satten Dotter-Gelbton sein, aber nicht so viel, dass sie bitter schmeckt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-147-orig" n="geselhetten mandel" resp="#fyndling">Hier als ‚geschälte Mandeln‘ übersetzt, da dies die gängigste Form für helle, feine Mus- und Imitationsgerichte war.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-147-orig" n="smalcz In der vasten" resp="#fyndling">‚Schmalz in der Fastenzeit‘ - dies bezieht sich auf pflanzliches Fett oder Öl, da tierisches Schmalz in der Fastenzeit verboten war.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-147-orig" n="schellem" resp="#fyndling">Bezeichnet hier die aus der Mandel-Brot-Masse geformten ‚Scheiben oder Formen‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-147-orig" n="veribss" resp="#fyndling">‚Verreibe sie‘ - gemeint ist das Ausreiben oder Einarbeiten der Masse.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-147-orig" n="synwell air" resp="#fyndling">Wörtlich ‚Siedewellen Eier‘, hier als ‚gekochte Eier‘ im Sinne von imitierten Eiern aus der Mandel-Brot-Masse verstanden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-147-orig" n="scholl" resp="#fyndling">In diesem Kontext als ‚Schale‘ oder ‚Vertiefung‘ des imitierten Eies interpretiert, in die die Masse gefüllt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-147-orig" n="veribs an der stat do der totter leig scholl" resp="#fyndling">Der Mondseer Text bleibt hier vage: Er sagt nur, dass an der Dotter-Stelle etwas ‚verrieben‘ (eingearbeitet/glattgestrichen) wird, nennt aber keine eigene Farbe oder Zutat für den Dotter. Der eng verwandte Fasten-Ei-Typ mha-009 beschreibt dieselbe Illusion viel genauer: Dort wird ein kleiner, mit Safran gelb gefärbter Teil der gleichen Mandelmasse haselnussgroß geformt und in eine Mulde der weißen Masse gedrückt, bevor man sie verschließt. Vermutlich ist hier dasselbe gemeint - der Mondseer Schreiber setzt die Technik als bekannt voraus, statt sie auszubuchstabieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-147-orig" n="pettersill" resp="#fyndling">Die ‚Petersilie‘ war ein häufig verwendetes Kraut in der mittelalterlichen Küche.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-147-orig" n="gewalborte air" resp="#fyndling">‚Gewölbte Eier‘ - dies bestätigt den Charakter des Gerichts als Imitation von Eiern, die durch ihre Formgebung an echte Eier erinnern.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-147-orig" n="geselhetten" resp="#fyndling">‚Geschälte Mandeln‘ - dies ist die plausibelste Lesart für die Zubereitung einer feinen, hellen Masse, wie sie für Imitationsgerichte typisch ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-147-orig" n="schellem" resp="#fyndling">‚Scheiben oder Formen‘ - dies passt zur Anweisung, die Masse zu formen und in einer Pfanne zu braten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-147-orig" n="veribss mitten" resp="#fyndling">‚Verreibe sie in der Mitte‘ - dies bezieht sich auf das Ausreiben der geformten Scheiben oder Formen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-147-orig" n="synwell air" resp="#fyndling">‚Gekochte Eier‘ - hier im Sinne von imitierten Eiern, die aus der Mandel-Brot-Masse geformt werden, um echte Eier nachzuahmen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-147-orig" n="veribs an der stat do der totter leig scholl" resp="#fyndling">‚Verreibe [etwas] an der Stelle, wo der Dotter läge‘ - der Mondseer Text nennt keine eigene Zutat oder Farbe für diese Stelle. Nach dem Vorbild des engen Verwandten mha-009 ist am wahrscheinlichsten ein safrangelb gefärbter, haselnussgroßer Klumpen derselben Mandelmasse gemeint, der als Dotter-Illusion eingesetzt wird - der Schreiber setzt die Technik offenbar als bekannt voraus.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-148-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Schaugericht: Eine süße Trauben-Mandel-Masse wird von Hand zu einem bauchigen, spitz zulaufenden Körper gerollt und mit einer ganzen Mandel als Stiel versehen - eine essbare Morchel-Nachbildung. Die Handschrift beschreibt die Zielform über den Vergleich mit einer Birne (als dy pyren), weil eine Birnen-Silhouette (bauchiger Körper, verjüngtes Ende) der Form eines Morchelkopfes mit Stiel am nächsten kommt.

So gelingt es. Frische dunkle Trauben durch ein Sieb passieren, um Kerne und Schalen zu entfernen, dann die Fruchtmasse im Mörser mit geschälten Mandelkernen zu einer feinen Paste stoßen. Ingwer und Zucker einarbeiten, bis die Masse geschmeidig und formbar ist - zu feucht lässt sie sich schlecht rollen, zu trocken bröckelt sie. Kleine Portionen in der Hand zu einem bauchigen, spitz zulaufenden Körper formen.

So wird es richtig gut. In das schmale Ende jeder Form eine ganze Mandel als Stiel stecken - Kopf und Stiel zusammen ergeben die Morchel-Silhouette. Eine gerippt-wabige Oberflächenstruktur wie beim echten Morchelhut beschreibt der Text nicht - für die Wirkung auf der Festtafel reichte offenbar die Grundform. Wer Rosinen statt frischer Trauben nimmt (ganzjährig, siehe Lagerküche-Hinweis), weicht sie vorher in Wasser oder Wein ein, bis sie prall sind - erst dann lassen sie sich sinnvoll „durch ein Sieb passieren".

Warum von Birnen die Rede ist. Die Handschrift überschreibt das Rezept mit „von maurochen" (Morcheln) - und genau das stellt der Text auch her, nur beschreibt er die Zielform ausschließlich über den Vergleich mit Birnen (als dy pyren, Mandel sam dy stingel als Stiel), weil das die griffigste Formbeschreibung war. Die wissenschaftliche CoReMA-Edition führt die Seite entsprechend als „Fake morels". Der fast wortgleiche Paralleltext m5919-036 aus dem Regensburger Kochbuch nutzt dieselbe Rolltechnik tatsächlich für ein echtes Birnenkonfekt (dort mit echten Weinbirnen statt Trauben, Überschrift „Zu guten piren") - dieselbe Formtechnik diente in den beiden Handschriften offenbar für zwei unterschiedliche Zielgerichte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-148-orig" n="maurochen" resp="#fyndling">Die Überschrift „Item von maurochen“ (Morcheln) markiert dieses Rezept als Schaugericht-Morchel: Die Masse wird zu einem bauchigen, spitz zulaufenden Körper geformt (als dy pyren = wie Birnen - reine Formreferenz, keine Zutat) und mit einer ganzen Mandel als Stiel (sam dy stingel) versehen; Kopf plus Stiel ergeben die Morchel-Silhouette, auch wenn die wabige Oberflächenstruktur einer echten Morchel in Fruchtpaste nicht nachgebildet wird. Die CoReMA-GAMS-Edition führt die Rezeptseite (gr1.148) entsprechend als ‚Fake morels, raisins and almonds‘. Der fast wortgleiche Paralleltext m5919-036 aus dem Regensburger Kochbuch belegt dieselbe Rolltechnik für ein tatsächliches Birnenkonfekt (dort mit echten Weinbirnen statt Trauben, Überschrift ‚Zu guten piren‘) - dieselbe Formtechnik wurde offenbar für zwei unterschiedliche Zielgerichte genutzt. Wir waren zunächst der gegenteiligen Auffassung (die Überschrift sei ein Schreiberfehler, das Gericht tatsächlich Birnen) und hatten CoReMA deswegen kontaktiert - nach genauerem Vergleich mit m5919-036 (dort echte Weinbirnen als Zutat, hier nur Trauben) und der zur Morchel passenden Kopf-plus-Stiel-Form sind wir davon wieder abgerückt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-148-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein ‚Mörser‘ ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall, nicht der kleine Gewürzmörser. Er dient zum Zerkleinern und Pürieren von Fleisch, Fisch oder Nüssen zu einer feinen Farce.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-148-orig" n="pyren" resp="#fyndling">‚Pyren‘ sind Birnen (bair. pirn/pyren) - hier aber als reine Formreferenz für die Zielform der Morchel-Nachbildung, nicht als Zutat oder Identität des Gerichts (siehe ‚maurochen‘). Eine Birnen-Silhouette (bauchiger Körper, schmal auslaufendes Ende) kommt der Form eines Morchelkopfes mit Stiel am nächsten und war offenbar die naheliegende Vergleichsform, um die Zielform in Worten zu beschreiben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-148-orig" n="stingel" resp="#fyndling">Die ganze Mandel wird als Stiel (bair. stingel) in das schmale Ende der geformten Masse gesteckt - zusammen mit dem bauchigen Körper ergibt das die Silhouette einer Morchel: Kopf und Stiel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-148-orig" n="maurochen" resp="#fyndling">Ein Schaugericht in Morchel-Form: Die Überschrift „von maurochen“ (Morcheln) ist wörtlich zu nehmen. Der Rezepttext beschreibt die Zielform nur über den Vergleich mit Birnen (als dy pyren) - eine bauchig-spitze Silhouette, die zusammen mit dem Mandel-‚Stiel‘ (sam dy stingel) die Form einer Morchel (Kopf + Stiel) nachbildet. Trauben statt echter Birnen als Zutat (anders als im Paralleltext m5919-036 mit echten Weinbirnen) stützen die Lesart, dass die Birne hier nur Formreferenz, nicht Zielidentität ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-148-orig" n="welischweinper" resp="#fyndling">Wahrscheinlich frische ‚welsche‘ (italienische/fremde) Weintrauben, kein getrocknetes Produkt. ‚Welischweinper‘ ist kein eigenständiges/seltenes Wort - nur eine Zusammenschreibung der zwei sehr gewöhnlichen Wörter ‚welisch‘ (fremd/italienisch, auch sonst im Korpus belegt, z.B. m5919-019) und ‚weinper‘ (die häufigste Frucht-Zutat im ganzen Buch); das Zusammenschreiben von Wortpaaren ist in dieser Handschrift keine Seltenheit. Auffällig ist aber die Zubereitung: Wo immer sonst ‚weinper‘ (Rosinen) verwendet werden (z.B. mon-141, mon-023, mon-156), steht davor konsistent ein Einweich-/Quell-Schritt (‚woll erlesen ... erboll sy das sy sin woll‘ = gut ausgelesen und aufgequollen). Genau dieser Schritt fehlt hier komplett - der Text geht direkt von ‚nym welischweinper‘ zu ‚laß sy durich varen‘ (durch ein Sieb passieren) über. Das ergibt nur mit einer bereits saftig-weichen Frucht Sinn, die man ohne Vorbehandlung durch ein Sieb streichen kann, um Haut und Kerne abzutrennen - eine Standardtechnik für frisches Beerenobst, nicht für getrocknete Ware.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-148-orig" n="du= rich varen" resp="#fyndling">durchfahren / passieren (durch ein Sieb streichen), um aus einer saftigen Frucht Haut und Kerne abzutrennen und eine glatte Masse zu gewinnen - eine Technik, die frisches, weiches Beerenobst voraussetzt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-148-orig" n="ganczen mandel kernn von mandel" resp="#fyndling">Ganze Mandeln</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-148-orig" n="sam dy stingel" resp="#fyndling">wie ein Stiel - konkret der Stiel der nachgebildeten Birne, dargestellt durch eine eingesteckte ganze Mandel (siehe ‚maurochen‘).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-149-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein deftiges Fleischmus vom Schweinebauch, das der Text ausdrücklich als Grundverfahren für Lungenmus und andere Fleischmuse des Buchs bezeichnet - hier steht also nicht nur ein einzelnes Rezept, sondern die allgemeine Methode dahinter.

So gelingt es. Schweinebauch so lange sieden, bis sich die Haut leicht ablösen lässt (das ist der Garprobe-Punkt, nicht eine feste Zeitangabe). Haut entfernen und aufbewahren (sie kann anderweitig verwertet werden), das Fleisch fein hacken - so klein wie bei Lungenmus, also fast musartig. Das gehackte Fleisch zurück in die eigene Kochbrühe geben und mit wenig geriebener Semmel und Pfeffer binden.

So wird es richtig gut. "Feist und reichhaltig" ist die entscheidende Zielangabe: die Brühe sollte durch das ausgekochte Fett des Bauchfleischs bereits kräftig sein, notfalls mit etwas Schmalz nachhelfen. Die Semmelmenge nur so hoch wählen, dass die Brühe sämig, aber nicht breiig wird - dieses Grundverfahren lässt sich mit anderen Fleischsorten (Kalb, Lunge, Geflügel) genauso wiederholen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-149-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Hier ist geriebene Semmel oder Weißbrot zur Bindung gemeint, nicht Mehl. Dies war eine typische Bindemethode im Mittelalter.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-149-orig" n="pfeffers" resp="#fyndling">Bezieht sich auf das Gewürz Pfeffer. Im Mittelalter war Pfeffer ein teures Importgut und ein Statussymbol.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-149-orig" n="sbeinen" resp="#fyndling">Als 'Schweinefleisch' übersetzt. Dies ist die plausibelste Lesart im Kontext von 'Bauchfleisch' für ein Fleischmus.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-149-orig" n="an der wuest" resp="#fyndling">Die Phrase 'an der wuest' wurde in der Übersetzung nicht explizit als eigenständige Zutat oder Schnittführung berücksichtigt, sondern als allgemeine Beschreibung des Bauchfleisches interpretiert, da 'wuest' in diesem kulinarischen Kontext keine klare, belegte Bedeutung hat. Es könnte sich um eine regionale Bezeichnung für einen bestimmten Teil des Bauches oder eine weniger edle Qualität handeln.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-149-orig" n="lukmueß" resp="#fyndling">Als 'Lungenmus' übersetzt. Dies ist eine bekannte historische Art von Fleischmus, die gut in den Kontext des Rezepts passt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-149-orig" n="selbpich" resp="#fyndling">Als 'selbe Brühe' übersetzt. Nach dem Sieden des Fleisches ist es naheliegend, es in die Kochflüssigkeit zurückzugeben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-149-orig" n="czwir" resp="#fyndling">Als 'vermische' übersetzt. Dies beschreibt das Einarbeiten von Semmel und Pfeffer in das gehackte Fleisch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-149-orig" n="fayst" resp="#fyndling">Als 'feist und reichhaltig' übersetzt. Dies bezieht sich auf die Anreicherung des Mus's, möglicherweise durch die Verwendung von fettem Fleisch oder die Zugabe von weiterem Fett.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-149-orig" n="flewsch mueß / fleischmues" resp="#fyndling">Als 'Fleischmus' übersetzt. Dies ist die offensichtliche Bedeutung und der Titel des Rezepts.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-150-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein klassisches Blancmanger ("weiße Speise") - eine cremig-weiße Mus-Suppe aus fein zerriebenem Hühnerbrustfleisch und Mandelmilch, eines der bekanntesten Gerichte der mittelalterlichen Festküche überhaupt.

So gelingt es. Ein Huhn gar sieden, die Brühe aufheben. Nur das weiße Brustfleisch verwenden, zerzupfen und in einer Pfanne über dem Feuer trocken rösten (ohne Fett, ohne Farbe - nur das Wasser soll verdunsten), bis es ganz trocken ist. Erst dann lässt es sich in einem Reibsieb oder Mörser wirklich mehlfein zerreiben, ohne zu einer klumpigen Paste zu werden - der Trocken-Schritt ist hier der entscheidende, oft übersehene Zwischenschritt.

So wird es richtig gut. Das mehlfeine Hühnerpulver mit Mandelmilch und der eigenen Hühnerbrühe zu einer glatten, sämigen Masse verrühren und kurz aufkochen lassen, bis es leicht bindet. Für die süße Variante Zucker zugeben; ungesüßt bleibt es eine herzhafte weiße Suppe. Die Mandelmilch selbst frisch ansetzen (Mandeln fein gemahlen, mit warmem Wasser oder Brühe ausgezogen) - fertige Mandelmilch aus dem Handel ist meist zu dünn für die gewünschte Cremigkeit.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-150-orig" n="plamantschier" resp="#fyndling">Eine der bekanntesten Speisen des europäischen Mittelalters, ein „weißes Gericht“ (frz. blanc manger). Es handelt sich um eine feine, oft süß-pikante Speise aus zerzupftem oder püriertem hellem Fleisch (Huhn, Fisch) mit Mandelmilch, Reis und Zucker.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-150-orig" n="sewd" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Schreibweise für ‚sieden‘, also kochen oder köcheln.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-150-orig" n="pruest" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Schreibweise für ‚Brust‘, hier das Brustfleisch des Huhns.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-150-orig" n="zayß" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#zayss">‚Zerzupfen‘, das Fleisch in feine Fasern zerteilen. Dies ist ein charakteristischer Schritt für Blancmanger, um die gewünschte feine Textur zu erzielen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-150-orig" n="clain als ein mell" resp="#fyndling">‚Fein wie Mehl‘ - dies unterstreicht die Notwendigkeit, das Fleisch sehr gründlich zu zerkleinern, entweder durch Reiben oder im Mörser, um eine glatte Paste zu erhalten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-150-orig" n="plamantschier" resp="#fyndling">Blancmanger - der Titel des Rezepts ist eine frühneuhochdeutsche Variante des bekannten Gerichtsnamens.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-150-orig" n="pruest" resp="#fyndling">Brust - eine gängige frühneuhochdeutsche Form des Substantivs ‚Brust‘, hier bezogen auf das Brustfleisch des Huhns.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-150-orig" n="der daß ob dem feur" resp="#fyndling">Die (Pfanne) über dem Feuer - die Konstruktion ‚der daß‘ ist eine archaische oder redundante Form, die hier als Bezug auf die Pfanne interpretiert wird, die über dem Feuer steht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-151-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Grundrezept, sondern eine Finish-Anleitung für bereits vorgesäuerte Geislitz-Grütze - eine gekochte Hafergrütze, die man vorab absetzen und säuerlich anziehen lässt. Wie die Grütze ursprünglich gekocht wird, schreibt auch der Schwesterrezept mon-152 nicht aus (auch dort wird von bereits fertiger Grütze ausgegangen) - beide sind unterschiedliche Serviervarianten derselben vorbereiteten Basis. Etymologie-Hintergrund bei mha-132, das beide Varianten in einem Rezept zusammenfasst.

So gelingt es. Die fertige, feste Geislitz-Grütze eine Weile stehen lassen, damit sich Flüssigkeit absetzt, dann abseihen und im Topf würzen (Gewürzpulver - typischerweise eine milde Mischung wie Ingwer/Zimt). Zum Verzehr wenig Öl in einem Reindl oder einer feuerfesten Schüssel erhitzen, die Grütze hineingeben und kurz aufwallen lassen - das ist im Kern ein Anbraten/Erwärmen der festen Masse in wenig Fett, kein erneutes Garen von Grund auf.

So wird es richtig gut. Da die Grütze bereits sauer vorgegoren ist, gleicht das Öl beim Aufwallen die Säure etwas aus. Frisches Gewürzpulver erst nach dem Aufwallen darüberstreuen, nicht mitkochen - so bleibt das Aroma präsent statt sich im heißen Öl zu verflüchtigen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-151-orig" n="geyslicz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#geyslicz">Geislitz = eine saure Hafergrütze/-brei, zu einer festen Masse gekocht. Wortherkunft ist NICHT ‚Geiß‘ (Ziege) - reiner Klanganklang, keine echte Verwandtschaft -, sondern ein slawisches Lehnwort (böhm. ‚kyselice‘ = saure Mehlspeise, ‚kyselý‘ = sauer). Belegt bei Lexer (‚als ein geislitz‘, 15. Jh. - zeitgleich mit dem Mondseer Kochbuch), im Schweizerischen Idiotikon und im Grimm'schen DWB, das nahezu wortgleich zitiert: ‚thue die geislitz darein und lasz sie erwallen‘ - fast identisch mit unserer Stelle ‚thue dy geyslicz dar ein vnd laß sy erballen‘. In den Alpentälern (Pustertal, Kärnten) überlebte das Wort bis in dialektale Neuzeit als Bezeichnung für sauren, kalt gegessenen Haferbrei. Das eng verwandte mon-152 zeigt die Grundzubereitung (kochen, ausgießen, kalt werden lassen, Haut abziehen); hier wird die bereits fertige, feste Grütze in Öl wieder aufgewallt und gewürzt serviert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-151-orig" n="reindel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#reindel">Ein 'Reindl' ist ein flaches Pfännchen oder eine kleine Bratschüssel, typisch für die bayerisch-österreichische Küche.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-151-orig" n="stupp" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Das Verb 'stuppen' bedeutet 'bepudern' oder 'bestreuen' mit feinem Pulver. Hier ist ein Gewürzpulver gemeint, das dem Gericht am Ende hinzugefügt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-151-orig" n="geyslicz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#geyslicz">‚Geislitz‘ - eine saure Hafergrütze, zu einer festen Masse gekocht. Gesichert durch Lexer (15. Jh.), Schweizerisches Idiotikon und Grimm'sches DWB (fast wortgleiches Zitat derselben Zubereitungsanweisung), Herkunft aus dem Slawischen (böhm. ‚kyselice‘ = saure Mehlspeise).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-151-orig" n="geuall" resp="#fyndling">Das Wort 'geuall' wurde als 'sich setzen' oder 'absetzen' interpretiert, was im Kontext des Seihens einer Flüssigkeit sinnvoll ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-152-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Die kalte, süße Schwestervariante zu mon-151: dieselbe Geislitz-Hafergrütze wird hier nicht warm in Öl aufgewallt, sondern kalt gestürzt und mit gezuckerter Mandelmilch übergossen - vom deftigen Fastenimbiss zum süßen Nachtisch.

So gelingt es. Die Geislitz-Grütze noch einmal kurz aufkochen, dann auf eine flache Schüssel gießen und vollständig auskühlen lassen. Beim Erkalten bildet sich obenauf eine feste Haut - diese abziehen, bevor die Mandelmilch darübergegossen wird, sonst stört die zähe Haut die glatte Konsistenz beim Essen.

So wird es richtig gut. Die Mandelmilch mit Zucker gut aufkochen und noch warm über die kalte, gestürzte Grütze gießen - der Temperaturkontrast (warme süße Milch, kalte säuerliche Grütze) ist der eigentliche Reiz dieser Variante. Die Säure der Geislitz gleicht die Süße der Mandelmilch aus, ähnlich wie bei einem Buttermilch- oder Joghurt-Dessert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-152-orig" n="geyslicz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#geyslicz">Geislitz = eine saure Hafergrütze, keine Ziegen- oder Milchspeise trotz des Anklangs an ‚Geiß‘ (reiner Gleichklang, keine echte Wortverwandtschaft). Slawisches Lehnwort (böhm. ‚kyselice‘ = saure Mehlspeise, ‚kyselý‘ = sauer), belegt bei Lexer (15. Jh.), im Schweizerischen Idiotikon und im Grimm'schen DWB - letzteres zitiert eine fast wortgleiche Stelle: ‚so seud sy und geusz sy dann auf ain schüssel und lasz sy erkalten, und zeuch ir die haut ab‘, praktisch identisch mit unserem Text. In Alpendialekten (Pustertal, Kärnten) überlebte das Wort bis in die Neuzeit für sauren, kalt gegessenen Haferbrei. Dieses Rezept zeigt die Grundzubereitung; das eng verwandte mon-151 zeigt, wie die fertige Grütze später in Öl wieder aufgewärmt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-152-orig" n="haut" resp="#fyndling">Die „Haut“ bezieht sich hier auf die beim Abkühlen von gekochten Flüssigkeiten oder Puddings entstehende feste Schicht an der Oberfläche.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-152-orig" n="geyslicz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#geyslicz">‚Geislitz‘ - eine saure Hafergrütze. Gesichert durch Lexer (15. Jh.), Schweizerisches Idiotikon und Grimm'sches DWB (fast wortgleiches Zitat derselben Zubereitungsanweisung: kochen, auf eine Schüssel gießen, erkalten lassen, Haut abziehen), Herkunft aus dem Slawischen (böhm. ‚kyselice‘ = saure Mehlspeise).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-152-orig" n="sewd" resp="#fyndling">Sieden / Kochen. 'Sewd' ist eine bairisch-österreichische Form von 'sieden' oder 'kochen', was im Kontext der Zubereitung einer Speise am plausibelsten ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-152-orig" n="erchalten" resp="#fyndling">Erkalten / Abkühlen. 'Erchalten' ist eine Form von 'erkalten' oder 'abkühlen', was im Kontext des Abziehens einer Haut nach dem Kochen und Gießen auf eine Schüssel sinnvoll ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-153-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine schnelle, kalte Krebsschwanz-Marinade - die "Kräuselung" im Titel bezieht sich nicht auf eine Zubereitungstechnik, sondern schlicht auf die natürlich gekrümmte Form der Krebsschwänze nach dem Kochen (siehe Annotation zu „chrossen czagellen").

So gelingt es. Genügend Krebse in reichlich Wasser sieden, bis sie durchgegart sind (die Schale färbt sich rot-orange). Nach dem Abkühlen die Schwänze aus dem Panzer lösen - das gelingt am leichtesten, wenn die Krebse noch etwas warm sind. Die geschälten Schwänze in ein flaches Reindel (Pfännchen/Bratschüssel) legen.

So wird es richtig gut. Gewürz (eine Mischung wie Pfeffer, Ingwer, Nelken, Zimt, Galgant) und Essig direkt über die geschälten Schwänze gießen, ohne weiteres Erhitzen - das Rezept ist bewusst kalt gehalten und dient zugleich als kurze Haltbarmachung. Kurz durchziehen lassen, bevor serviert wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-153-orig" n="krewssen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#krewssen">Krebse. Im Mittelalter eine beliebte Fastenspeise, da sie im Wasser leben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-153-orig" n="reindel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#reindel">Ein flaches Pfännchen oder eine kleine Bratschüssel, typisch für die bayerisch-österreichische Küche.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-153-orig" n="chrossen czagellen" resp="#fyndling">Wörtlich ‚gekräuselte Schwänze‘. Bezieht sich auf die typisch gekrümmte Form der Krebsschwänze nach dem Kochen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-153-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Allgemeiner Begriff für Gewürze. Im 15. Jahrhundert waren dies oft Mischungen aus Pfeffer, Ingwer, Nelken, Zimt und Galgant.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-153-orig" n="chrossen czagellen" resp="#fyndling">gekräuselte Schwänze</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-153-orig" n="g krewssen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#krewssen">genügend Krebse</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-154-trans" resp="#fyndling">Kein Kochrezept - ein historischer Tischtrick. Dieser Eintrag beschreibt keine Speise, sondern eine Verblüffungs-Nummer für die Festtafel: siedendes Quecksilber sollte scheinbar von selbst Würste aus einem Kessel "herauslaufen" lassen. Die zugrundeliegende Physik-These steht in den Anmerkungen unten.

Für die Praxis (Reenactment): Echtes Quecksilber gehört niemals in die Nähe von Lebensmitteln oder eine Feuerstelle mit Publikum - das Original ist mit heutigem Wissen schlicht ein Giftanschlag, kein Kunststück. Wer die Verblüffung historisch korrekt nacherzählen möchte, tut das am besten erzählerisch (als Anekdote über mittelalterliche Tafel-Kuriositäten) statt als nachgestellte Vorführung. Dieses Rezept dient in Fyndling ausschließlich der dokumentarischen Einordnung, nicht als Anleitung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-154-orig" n="chossel wurst" resp="#fyndling">Hier als ‚Kesselwurst' interpretiert, eine Art Wurst, die als Requisite für den Trick dient. Es könnte sich um eine große Wurst handeln, aus der kleinere Würste scheinbar hervorkommen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-154-orig" n="lebendigß chochsilber" resp="#fyndling">‚Lebendiges Quecksilber' ist der historische Begriff für flüssiges Quecksilber. Es ist hochgiftig und darf unter keinen Umständen in Kontakt mit Lebensmitteln oder zum Verzehr kommen. Dieses Rezept ist ein historisches Kuriosum und nicht zum Nachkochen geeignet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-154-orig" n="Physikalische These zum Mechanismus" resp="#fyndling">Eine chemische Reaktion findet nicht statt - Quecksilber reagiert nicht mit siedendem Wasser, und sein eigener Siedepunkt liegt bei 357°C, weit über jeder Kochtemperatur; es verdampft hier also nicht. Plausibel ist stattdessen ein rein physikalischer Effekt aus zwei Eigenschaften des Quecksilbers: Es ist rund 13,6-mal dichter als Wasser und sinkt daher praktisch augenblicklich auf den Kesselboden, dorthin, wo die Hitze der Feuerstelle am größten ist; zugleich leitet es Wärme etwa 800-mal besser als Wasser. Am Boden angekommen, überträgt es die Hitze schlagartig und lokal in das umgebende Wasser - ein plötzlicher, heftiger Siedeausbruch genau unter den (durch eingeschlossene Gase in der Wursthülle leicht schwimmenden) Würsten, der sie durchaus kräftig hochschleudern könnte. Damit wäre der ‚Trick' eine reale, aber vermutlich stark überzeichnete Beobachtung - ein plötzliches, heftiges Aufwallen beim Eintauchen eines dichten Fremdkörpers in siedende Flüssigkeit (vergleichbar dem ‚Stoßsieden' bei überhitzten Flüssigkeiten) -, keine verlässliche, wiederholbare Vorführung wie im Text behauptet. Dasselbe Prinzip - Quecksilber als dichte, stets in Bewegung bleibende Flüssigkeit, die einem toten Gegenstand ‚Leben' verleiht - nutzen im selben Buch auch mon-159 (Quecksilber im Hals eines gebratenen Huhns lässt es beim Aufsetzen scheinbar krähen) und mon-160 (erbsengroße Mengen in kleinen Sülze-Fischen lassen sie beim Bewegen der Schüssel zappeln) - dort geht es aber um fortgesetzte Eigenbewegung nach der Störung, nicht um einen einmaligen Siede-Ausbruch wie hier.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-154-orig" n="chossel / chossel wurst" resp="#fyndling">'Kessel' (Kochgefäß) und ‚Kesselwurst' (eine Art Wurst, die als Requisite dient). Die Phrase ‚wurst auss ainem chossel wurst' wird als ‚Würste aus einer Kesselwurst' interpretiert, wobei die Kesselwurst der Ursprung der erscheinenden Würste ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-154-orig" n="Gesamtrezept" resp="#fyndling">Das Rezept beschreibt einen Tischtrick oder ein Schau-Element, bei dem Würste scheinbar aus einem Gefäß erscheinen, nicht die Zubereitung einer Speise zum Verzehr.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-155-trans" resp="#fyndling">Kein Kochrezept - ein chemisches Kunststück. Essigsäure löst den Kalk der Eierschale auf; nach ein paar Tagen bleibt nur noch die weiche, gummiartige Eihaut übrig, durch die man das Ei unbeschadet zusammendrücken und durch einen engen Flaschenhals schieben kann - ein Trick, der bis heute in Chemie-Vorführungen gezeigt wird.

So gelingt es (ungefährlich, gut vorführbar). Ein rohes Ei drei Tage und Nächte vollständig in Essig legen, bis sich die Schale komplett aufgelöst hat und nur die durchsichtige Membran übrig bleibt - das Ei fühlt sich dann gummiartig-elastisch an. Vorsichtig samt Essig in die enge Flasche gießen, dann den Essig wieder abgießen. Mit "wieder ganz und fest" ist gemeint, dass die feuchte Eihaut beim Trocknen wieder straff wird und wie ein intaktes Ei aussieht - die Kalkschale selbst kommt nicht zurück.

Für die Vorführung. Gut sichtbar am Lagerfeuer erklären: das Ei wird VOR den Augen des Publikums weich und schlüpft durch den engen Hals - der eigentliche „Aha-Effekt" entsteht, wenn man das fertige Ei später aus der Flasche zeigt und erklärt, wie es hineingekommen ist, ohne die Flasche zu zerbrechen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-155-orig" n="angster" resp="#fyndling">Ein Angster ist eine kleine Flasche oder ein Gefäß mit engem Hals, oft für Essig oder Öl verwendet. Der Begriff ist verwandt mit dem lateinischen ‚angustus‘ (eng).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-155-orig" n="gancz" resp="#fyndling">Hier bedeutet ‚ganz‘ nicht nur ‚unversehrt‘, sondern auch ‚fest‘ oder ‚wieder in fester Form‘, nachdem die Schale durch den Essig weich und flexibel geworden ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-155-orig" n="gancz" resp="#fyndling">Die Lesart ‚ganz‘ im Sinne von ‚fest‘ oder ‚wieder in fester Form‘ wurde gewählt, da das Ei nach dem Ablassen des Essigs seine ursprüngliche Festigkeit zurückgewinnt, nachdem die Schale weich geworden ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-156-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Grundzubereitung für gefüllten Stockfisch mit drei Serviervarianten - gebraten, in Sülze, oder im Brotlaib gebacken. Die dritte Variante war laut Text eigens für eine Frau im Wochenbett gedacht (siehe FAQ) - ein leicht verdauliches, in Brotrinde geschütztes Schongericht.

So gelingt es. Stockfisch über Nacht in gesalzenem Wasser einweichen, am Morgen gründlich auswaschen, in frischem Wasser nur kurz aufwallen lassen (nicht durchgaren) und dann die Haut vorsichtig ganz abziehen, ohne sie zu zerreißen - sie wird später als Füllhülle wiederverwendet. Das reine Fischfleisch fein hacken und mit zwei Eiern, gut verlesenen Rosinen, frischem Ingwer, Muskatnuss und Muskatblüte zu einer Füllung verrühren. Diese Füllung zurück in die abgezogene Fischhaut geben, sodass wieder eine fischförmige Hülle entsteht.

So wird es richtig gut - drei Varianten. Für die gebratene Version die gefüllte Fischhaut in Ei wenden und in der Pfanne braten, bis sie braun ist. Für die Sülze die Gallerte separat mit Ingwer, Muskatnuss und Muskatblüte würzen und die gefüllte Haut darin einlegen. Für die Brotlaib-Variante einen Brotlaib quer halbieren, die Krume aushöhlen, den gefüllten Fisch in die Rinde legen, einige Löcher in die Rinde schneiden und diese mit Teig verstreichen, dann im Ofen backen - die Brotrinde wirkt wie eine schützende Kruste, die den Fisch gart, ohne ihn auszutrocknen. Vor dem Servieren mit etwas Gallerte bestreichen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="stock visch" resp="#fyndling">Stockfisch ist ungesalzener, an der Luft getrockneter Fisch, meist Kabeljau. Er muss vor der Zubereitung lange gewässert werden, um wieder weich zu werden und seinen intensiven Geschmack zu mildern.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="schone" resp="#fyndling">Im Mittelhochdeutschen bedeutet 'schon' hier nicht 'schön' im ästhetischen Sinne, sondern 'sauber' oder 'gründlich'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weinbeeren sind im Kontext von Kochrezepten meist getrocknete Weinbeeren, also Rosinen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="ymberr" resp="#fyndling">Ymberr ist die mittelhochdeutsche Bezeichnung für Ingwer.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="muscat plue" resp="#fyndling">Muskatblüte (Macis) ist der Samenmantel der Muskatnuss. Sie hat ein feineres, blumigeres Aroma als die Muskatnuss selbst.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="sulcz" resp="#fyndling">Eine Sülze ist eine gelierte Speise, oft aus Fleisch oder Fisch, die in einer würzigen Brühe zubereitet und kalt serviert wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="galraydt" resp="#fyndling">Gallerte ist ein Gelee, das durch das Auskochen von kollagenreichen Tierprodukten (Knochen, Haut) oder durch Zugabe von Geliermitteln entsteht und oft als Überzug oder Beilage dient.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-156-orig" n="vier wochen alt" resp="#fyndling">Nicht das Alter einer Person, sondern das Wochenbett: die vier- bis sechswöchige Erholungszeit einer Frau nach der Geburt, die im Deutschen bis heute "die Wochen" heißt ("im Wochenbett liegen"). "Die Fraw ist vier Wochen alt" = sie ist vier Wochen im Wochenbett. Der leicht verdauliche, in Brotrinde geschützte Fisch ist damit eine gezielte Schonspeise für die Rückbildungszeit, kein Rätsel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-156-orig" n="roglar hantt" resp="#fyndling">‚kräftiger Hand' - Dies impliziert ein gründliches und energisches Waschen des Stockfischs, was für die Vorbereitung dieser Zutat notwendig ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-156-orig" n="czw czeitten" resp="#fyndling">‚in Stücke' - Die Anweisung, das Fleisch 'chlain' (klein) zu hacken, wird durch 'czw czeitten' als 'in kleine Stücke' präzisiert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-156-orig" n="czeitig" resp="#fyndling">‚bereit' - Im Kontext der Zubereitung bedeutet 'czeitig' hier, dass das Gericht den passenden Zustand erreicht hat, um den nächsten Schritt (in Eiern wenden) auszuführen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-156-orig" n="ain w taill" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#taill">‚eine gute Portion' - Im Kontext des Einlegens von Fisch in Sülze ist 'Teil' als 'Portion' am plausibelsten. Das 'w' könnte eine Abkürzung für 'wol' (wohl/gut) sein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-156-orig" n="smollen" resp="#fyndling">‚Brotkrume' - Aus einem aufgeschnittenen Brotleib wird die weiche innere Brotkrume entnommen, um Platz für den Fisch zu schaffen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-157-trans" resp="#fyndling">Kein Kochrezept - ein magisches Ritual. Dieser Eintrag beschreibt keine Speise, sondern einen abergläubischen Zauber zur Enttarnung eines vermeintlichen Giftmischers: geweihter Honig, Pfauenfedern und geweihtes Quecksilber werden einzeln auf das verdächtige Essen gestrichen, dazu Gebete gesprochen und die Hausgemeinschaft verhört. Die Verwendung von echtem Quecksilber macht das Ritual selbst giftig - unabhängig davon, ob tatsächlich vergiftet wurde.

Für die Praxis (Reenactment): Dieses Ritual gehört nicht nachgestellt, weder mit echtem noch mit Ersatz-Quecksilber - es hat keinen kulinarischen oder harmlosen Schau-Nutzen wie die anderen Quecksilber-Einträge des Buchs (vgl. mon-154, mon-159, mon-160). Der Wert liegt allein in der Dokumentation: es zeigt, wie eng Aberglaube, Volksmedizin und Alltagsängste vor Vergiftung im spätmittelalterlichen Haushalt verwoben waren. Am besten als Anekdote erzählen, nicht vorführen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-157-orig" n="Innen werden" resp="#fyndling">Erfahren, gewahr werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-157-orig" n="ausß ainem essen ist" resp="#fyndling">Wenn dir jemand etwas in ein Essen getan hat.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-157-orig" n="ge=weychcz honig" resp="#fyndling">Geweihter Honig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-157-orig" n="pfabem federen" resp="#fyndling">Pfauenfedern.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-157-orig" n="chlain spiegel" resp="#fyndling">Die augenähnlichen Flecken auf Pfauenfedern.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-157-orig" n="chochsilber" resp="#fyndling">Quecksilber (hochgiftig!).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-157-orig" n="czw iglichen stucklen ain patter noster sand ele=na" resp="#fyndling">Ein Vaterunser zu jedem Stück, im Namen der Heiligen Helena.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-157-orig" n="czam" resp="#fyndling">Zusammen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-157-orig" n="mut" resp="#fyndling">Gemüt, Geist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-157-orig" n="leib" resp="#fyndling">Körper.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-157-orig" n="als der sich selber schuldig gab" resp="#fyndling">Als der, der sich selbst schuldig gab (eine Eidesformel, oft auf Christus bezogen).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-157-orig" n="oben vnd vntten vonn Im genn" resp="#fyndling">Erbrechen und Durchfall.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-157-orig" n="weychcz honig" resp="#fyndling">‚Geweihter Honig' - die Formulierung ‚geweicht ist worden' im selben Satz stützt die Lesart als konsekrierter Honig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-157-orig" n="s?" resp="#fyndling">‚Suche' - als Imperativ, um die Pfauenfedern zu beschaffen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-157-orig" n="pfabem federen" resp="#fyndling">‚Pfauenfedern' - die Erwähnung von ‚chlain spiegel' (kleinen Spiegeln) passt zu den augenähnlichen Flecken auf Pfauenfedern.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-157-orig" n="ls alsamer yegliß ain ainIn haben vedt" resp="#fyndling">‚es allesamt, jedes einzeln habend' - eine Interpretation, die die Phrase als Anweisung zum Sammeln und Bereithalten der einzelnen Zutaten versteht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-157-orig" n="genatnper" resp="#fyndling">‚so beschaffen' - im Sinne von ‚ist es so geartet/konstituiert'.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-158-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein aufwendiges Schaugericht: ein fein gewürztes, geröstetes Krebsmus (Prancz, siehe Annotation) wird IN den leergeschälten Krebsschalen als kleine „Pofesen" (siehe Annotation zu ‚pafessen‘) präsentiert - Optik und Geschmack kommen bewusst getrennt zusammen.

So gelingt es. Etwa 50 große Krebse in einem halben Maß Wein kochen, den Wein danach abseihen und aufbewahren. Die Schwänze aus den Panzern lösen: die Hälfte bleibt ganz (für die spätere Deko/Füllung), die andere Hälfte wird samt Schalen im Mörser fein gestoßen. Diese gestoßene Masse mit eingeweichtem Weißbrot und dem abgeseihten Krebswein glattstreichen (durch ein Sieb oder Tuch passieren) - ist die Farbe zu hell, mit etwas Branntwein nachhelfen (Branntwein dient hier der Farbvertiefung, nicht nur dem Aroma). Mit Muskatnuss, Muskatblüte und Ingwer sparsam würzen und mit Safran gelb-orange färben.

So wird es richtig gut. Für die charakteristische Rührtechnik ein Brettchen mit einem kleinen Loch genau über das Kochgefäß (Häfchen) legen, einen Löffel durch das Loch stecken und die Masse damit rühren - das hält Spritzer zurück und ermöglicht gleichmäßiges Rühren auch bei kleiner Gefäßöffnung. Die leeren Krebsschalen zu kleinen „Pofesen" arrangieren, mit den aufbewahrten ganzen Schwänzen füllen, auf einer flachen Schüssel um die „Pofesen" anordnen und das fertige Mus einfüllen - das Gericht wird unberührt ("dass man dir mitnichten hineingreift") direkt so auf den Tisch gebracht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-158-orig" n="prancz" resp="#fyndling">CoReMA-GAMS glossiert die Eröffnungsstelle ‚ain prancz von krepphssen‘ direkt als ‚pan fried‘ (Wikidata Q17073916) - ein gebratenes/geröstetes Gericht, vom mhd. Verbstamm ‚brennen/brinnen‘ (scharf braten, rösten, sengen). Das Wort ist Dish-Name, nicht Farbbeschreibung: ‚braunes Mus‘ trifft nur das Endergebnis der Röst-Technik, nicht die eigentliche Wortbedeutung. CoReMAs eigener englischer Rezepttitel für dieses Rezept lautet passend ‚Freshwater crayfish with brandy‘ - eine zweite, spätere Rezeptstelle nutzt tatsächlich Branntwein (‚prantten wein‘, siehe dort), vom selben Wortstamm. Ein zweites ‚prancz‘ taucht weiter oben in der stark verderbten Passage ‚ein halb prancz meff malsel wein‘ auf - diese Stelle bleibt ungeklärt (siehe Lesarten unten), CoReMA glossiert sie nicht eigens.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-158-orig" n="chrewssen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#chrewssen">Mittelhochdeutsche Schreibweise für Krebse. Im Mittelalter waren Krebse eine beliebte Zutat, oft als Fastenspeise klassifiziert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-158-orig" n="seich den wein ab" resp="#fyndling">Den Wein abseihen oder filtern, um feste Bestandteile zu entfernen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-158-orig" n="stossen" resp="#fyndling">Im Mörser zerstoßen. Dies war die gängige Methode, um Zutaten zu einer feinen Paste zu verarbeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-158-orig" n="streychs mit ein ander durch" resp="#fyndling">Die Masse durch ein Sieb oder Tuch passieren, um eine sehr feine, glatte Konsistenz zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-158-orig" n="temperir es ab" resp="#fyndling">Die Gewürze so dosieren, dass der Geschmack ausgewogen ist und nicht zu dominant wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-158-orig" n="musca plue" resp="#fyndling">Muskatblüte, auch Macis genannt, ist die getrocknete Samenmantel der Muskatnuss. Sie hat ein feineres, blumigeres Aroma als die Nuss selbst.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-158-orig" n="mach ym ein gestalt mit saffran" resp="#fyndling">Hier ist nicht nur die Form, sondern auch die Farbe gemeint. Safran wurde verwendet, um Speisen eine leuchtend gelbe bis orange Farbe zu verleihen, was als Zeichen von Reichtum und Festlichkeit galt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-158-orig" n="pafessen" resp="#fyndling">CoReMA-GAMS glossiert diese Stelle mit Wikidata Q197973 (‚french toast‘) - derselben Wikidata-ID, mit der CoReMA auch die ‚pofese‘ in mon-023 (Weinbeeren-Feigen-Pfannkuchen: Brotscheiben durch einen Wein-Mehl-Teig gezogen und gebacken) glossiert. ‚Pofese‘/‚Bofese‘ ist ein historischer deutscher Begriff für in Ei/Teig getunktes, gebratenes Weißbrot, verwandt mit ‚Arme Ritter‘. Die MHD-Wörterbücher (Lexer, Fischer, Goetze, Grimm) buchen ‚pafese‘ hauptsächlich als ‚Pavese‘ (großer Schild) - ein Homograph ohne Küchenbezug.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="prancz" resp="#fyndling">‚Ein Geröstetes/Gebratenes von Krebsen‘ - CoReMA-GAMS glossiert diese Stelle rezeptspezifisch als ‚pan fried‘ (Wikidata Q17073916): ‚prancz‘ benennt die Röst-/Bratmethode als Dish-Typ, nicht primär die Farbe. Bestätigt durch CoReMAs eigenen englischen Rezepttitel ‚Freshwater crayfish with brandy‘ und die spätere Stelle ‚prantten wein‘ (Branntwein) vom selben Wortstamm.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="funffczigk" resp="#fyndling">‚etwa fünfzig‘ - Die Mengenangabe ‚an ain funffczigk‘ wird als ungefähre Anzahl von fünfzig Krebsen interpretiert, was für ein Gericht dieser Art eine plausible Menge darstellt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="prancz meff / malsel wein" resp="#fyndling">Ungeklärt. Die Phrase ‚ein halb prancz meff malsel wein‘ ist stark verderbt oder stenografisch verkürzt; ‚ein halbes Maß Wein‘ ist eine plausible Näherung für den Gesamtsinn (eine Flüssigkeitsmenge Wein), aber KEINE belegte Auflösung der einzelnen Wortbestandteile. Ob das zweite ‚prancz‘ hier dieselbe Bedeutung wie im Rezepttitel hat (Röst-/Brenn-Bezug) oder ein eigenständiges Maßwort ist, lässt sich aus dem Text nicht sicher entscheiden. CoReMA-GAMS glossiert diese zweite Stelle nicht eigens.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="waidenlich" resp="#fyndling">‚reichlich‘ - Die Anweisung ‚dy 1/2 laß dw waidenlich‘ wird als ‚die Hälfte lass du reichlich‘ verstanden, was bedeutet, dass diese Teile großzügig oder unversehrt belassen werden sollen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="hopfel" resp="#fyndling">‚Krebsschwänze‘ - ‚hopfel‘ wird als die essbaren Schwänze der Krebse interpretiert, die oft als ‚Hüpfer‘ bezeichnet wurden und den Hauptfleischanteil bilden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="p prowtt" resp="#fyndling">‚Brot‘ - Dies wird als Schreibfehler für ‚prott‘ (Brot) interpretiert, da es im Kontext der Zutatenliste und der Zubereitung (Einweichen in Wein) sinnvoll ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="prantten wein" resp="#fyndling">‚gebrannter Wein‘ (Branntwein/Weinbrand) - CoReMA-GAMS glossiert diese Stelle direkt als ‚brandy‘ (Wikidata Q146470), und CoReMAs eigener englischer Rezepttitel für dieses ganze Rezept lautet ‚Freshwater crayfish with brandy‘ - der Branntwein ist demnach eine namensgebende Zutat, nicht nur ein Farbmittel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="rass" resp="#fyndling">‚scharf/herb‘ - ‚das es nit czw rass werdt‘ wird als ‚dass es nicht zu scharf oder herb wird‘ übersetzt, was sich auf den Geschmack der Gewürze bezieht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="geschubcz prettel" resp="#fyndling">‚geschobenes Brettchen‘ - Dies wird als ein Brettchen interpretiert, das über ein Gefäß geschoben wird und ein Loch enthält, durch das die Masse gerührt wird. Dies könnte eine Technik zum Passieren oder Emulgieren sein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="heffen / haffendel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#heffen">‚Häfchen‘ (kleines Gefäß/Topf) - Beide Begriffe werden als Diminutive von ‚Hafen‘ (Topf) verstanden, die ein kleines Gefäß bezeichnen, das unter dem Brettchen platziert wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="lochel" resp="#fyndling">‚Löchlein‘ - Dies ist die Diminutivform von ‚Loch‘ und beschreibt die Öffnung im Brettchen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="furstdar" resp="#fyndling">‚hin und her‘ - Die Anweisung ‚ruer es furstdar‘ wird als ‚rühre es hin und her‘ interpretiert, was eine gründliche und gleichmäßige Bewegung beim Rühren beschreibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="pafessen" resp="#fyndling">‚Pofese‘ (auch ‚Bofese‘) - ein historischer deutscher Begriff für in Ei/Teig getunktes, gebratenes Weißbrot, verwandt mit ‚Arme Ritter‘. CoReMA-GAMS glossiert ‚pafessen‘ rezeptspezifisch mit Wikidata Q197973 (‚french toast‘) - derselben Wikidata-ID, mit der CoReMA auch die ‚pofese‘ in unserem eigenen mon-023 (Weinbeeren-Feigen-Pfannkuchen: dünne Brotscheiben durch einen Wein-Mehl-Teig gezogen und in der Pfanne gebacken) glossiert. Die unabhängige Übereinstimmung zweier Rezepte desselben Buchs stützt diese Lesart deutlich stärker als eine isolierte Glosse.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="flossew schussel" resp="#fyndling">‚flache Schüssel‘ - ‚flossew‘ wird als ‚flach‘ interpretiert, was eine geeignete Form für die Präsentation des Gerichts auf dem Tisch ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="hossel / posselen" resp="#fyndling">‚Hülsen‘ (Schalen) / ‚Pasteten‘ - ‚hossel‘ wird als die Krebsschalen (Hülsen) interpretiert, die um die ‚posselen‘ (Pasteten) angeordnet werden sollen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="greyff" resp="#fyndling">‚greift‘ - Das Verb ‚greyff‘ wird als ‚greift‘ übersetzt, was sich auf das Hineingreifen in das Gericht vor dem Servieren bezieht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-158-orig" n="chumb" resp="#fyndling">‚kommt‘ - Das Verb ‚chumb‘ wird als ‚kommt‘ übersetzt, was sich auf das Servieren des Gerichts auf dem Tisch bezieht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-159-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Zwei Teile in einem Rezept: ein ganz normal gebratenes, kunstvoll präpariertes Huhn - UND ein gefährlicher Quecksilber-Trick, der es nach dem Braten scheinbar zum Leben erweckt (Mechanismus-These in den Anmerkungen unten).

Der Brat-Teil (unbedenklich, echt nachkochbar): Das Huhn so ausnehmen und rupfen, dass Kragen und Kropfhaut vorne intakt bleiben, und den Hals so herrichten, dass er aufrecht steht wie bei einem krähenden Hahn. Braten und dabei oft mit Schmalz begießen - das ist reguläre, gute Brattechnik für knusprige Haut und saftiges Fleisch, unabhängig vom Schaueffekt.

Der Trick-Teil (NIEMALS nachmachen): Das Original gibt nach dem Braten Quecksilber in Leib und Hals, damit die Bewegung des flüssigen Metalls beim Auftischen wie ein Kopfrucken/Krähen aussieht. Quecksilber in einem tatsächlich servierten Lebensmittel ist ein Giftanschlag, keine Show-Technik. Für eine harmlose Reenactment-Vorführung: das Huhn wie beschrieben braten und aufrecht herrichten, den Quecksilber-Schritt komplett weglassen und die Krähen-Illusion nur erzählerisch vermitteln.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-159-orig" n="kra" resp="#fyndling">Das Verb ‚kra‘ (krähen) bezieht sich auf den beabsichtigten Effekt des Gerichts, bei dem das Huhn durch die Bewegung des Quecksilbers den Anschein erwecken sollte, zu krähen. Physikalische These zur Machart: Der Text gibt ungewöhnlich präzise Präparationsschritte für den Hals vor - der Kragen (Halshaut) muss ganz bleiben, der Kropf wird von hinten entfernt, aber vorne intakt gelassen, und der Hals wird eigens so gerichtet, ‚das Im der hals stee als eim huen der da krat‘ (dass ihm der Hals steht wie einem krähenden Huhn) - also in aufgerichteter Kräh-Haltung fixiert, BEVOR das Quecksilber hineinkommt. Wird dann Quecksilber in Leib UND Hals gegossen und das Gericht ‚Snell‘ (schnell) aufgetragen, würde die schwere, träge Flüssigkeit beim Tragen und abrupten Absetzen auf dem Tisch im engen, vorgeformten Halsschlauch heftig hin- und herschwappen - genug, um den leichten, ausgehöhlten Hals sichtbar ruckartig vor- und aufschnellen zu lassen, ähnlich der Hals-Vorschnellbewegung eines echten krähenden Hahns. Ein tatsächlicher Kräh-LAUT ist damit kaum zu erklären (kein funktionierender Stimmapparat mehr vorhanden); allenfalls könnte verdrängte Luft beim plötzlichen Schwappen durch einen Spalt am Schnabel/Rachen einen kurzen Zischer erzeugen. Die ‚Snell‘-Anweisung passt zur These: Der Effekt braucht die frische Erschütterung vom Tragen/Absetzen und lässt nach, sobald das Quecksilber zur Ruhe kommt - daher muss zügig serviert werden. Vermutlich also primär ein optischer Bewegungs-Trick, den der Text als vollen ‚Kräh‘-Effekt überzeichnet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-159-orig" n="chochsilber" resp="#fyndling">‚Chochsilber‘ ist die frühneuhochdeutsche Bezeichnung für Quecksilber. Es ist hochgiftig und darf unter keinen Umständen in Lebensmitteln verwendet oder konsumiert werden. Die Verwendung hier dient rein dem Schauwert und ist nicht zum Verzehr gedacht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-159-orig" n="selczsam" resp="#fyndling">Das Wort ‚selczsam‘ bedeutet im Frühneuhochdeutschen ‚seltsam‘, ‚wunderlich‘ oder ‚erstaunlich‘. Es beschreibt den überraschenden und beeindruckenden Effekt des Gerichts, nicht seinen Geschmack.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-159-orig" n="das tl" resp="#fyndling">Die Passage ‚das tl dw es nicht zerreist‘ ist sprachlich unklar. Die gewählte Lesart ‚dass du es nicht zerreißt‘ interpretiert ‚tl‘ als eine verkürzte oder verschriebene Form von ‚teil‘ oder als Teil einer Redewendung, die zur Vorsicht beim Umgang mit dem Huhn mahnt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-159-orig" n="chropff / ch= roppel" resp="#fyndling">Der Begriff ‚chropff‘ bezeichnet den Kropf des Huhns. ‚ch= roppel‘ ist eine Fortsetzung desselben Wortes über einen Zeilenumbruch hinweg. Die Anweisung, den Kropf von hinten zu entfernen, aber vorne intakt zu lassen, dient dazu, die Halsregion für den ‚Kräheffekt‘ zu präparieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-159-orig" n="hindten" resp="#fyndling">Das Wort ‚hindten‘ bedeutet ‚hinten‘. Die Anweisung, den Kropf von hinten zu entfernen, präzisiert die Schnittführung, um den vorderen Halsbereich intakt zu halten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-159-orig" n="chuell" resp="#fyndling">Das Wort ‚chuell‘ bedeutet ‚kühl‘. Die Anweisung, das Huhn nach dem Braten abzukühlen, ist ein normaler Schritt vor der weiteren Präparation.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-159-orig" n="begewß" resp="#fyndling">Das Wort ‚begewß‘ ist eine Form von ‚begießen‘. Es beschreibt das Bepinseln oder Übergießen des Huhns mit Schmalz während des Bratens, um es saftig zu halten und eine schöne Kruste zu erzeugen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-159-orig" n="selczsam" resp="#fyndling">Das Wort ‚selczsam‘ bedeutet im Frühneuhochdeutschen ‚seltsam‘, ‚wunderlich‘ oder ‚erstaunlich‘. Es beschreibt den überraschenden Effekt des Gerichts, nicht seinen Geschmack.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-160-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Keine lebenden Tiere, sondern eine reine Quecksilber-Illusion auf totem Fisch: Der Titel „Schaufische" und die Formulierung „lebendige Fische" beschreiben das gewünschte SCHEINBILD, nicht den tatsächlichen Zustand - beide Fischgruppen werden vorher gekocht. Zwei Ebenen: eine ganz reguläre Fisch-Sülze (Hauptfische in Met gesotten) obenauf - UND darunter eine Schicht kleiner, ebenfalls gekochter Fischlein, die durch eingebrachtes Quecksilber beim Bewegen der Schüssel scheinbar zappeln. Mechanismus-These in den Anmerkungen unten.

Der Sülze-Teil (unbedenklich, echt nachkochbar): Die Hauptfische in Met sieden, mit Ingwer und Muskatblüte würzen und die Sülze kalt aufgießen, bis sie fest wird - eine klassische Fisch-in-Gelee-Technik, unabhängig vom Trick darunter.

Der Trick-Teil (NIEMALS nachmachen): Das Original siedet die kleinen Fischlein separat in klarem Wein - sie sind zu diesem Zeitpunkt bereits tot - und gibt jedem eine erbsengroße Menge Quecksilber in den Körper, bevor sie unter die Hauptfische gelegt werden. Als flüssiges Metall bleibt das Quecksilber in Bewegung und erzeugt beim Anheben oder Bewegen der Schüssel ein unheimlich lebendig wirkendes Zappeln in den toten Fischlein - genau das ist die "lebendige"-Illusion des Titels. Quecksilber in einem servierten Gericht ist trotzdem hochgiftig, unabhängig davon, dass kein echtes lebendes Tier involviert ist. Für eine harmlose Reenactment-Vorführung: nur die eigentliche Sülze zubereiten, den Quecksilber-Fisch-Trick komplett weglassen und nur erzählerisch erwähnen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-160-orig" n="sulcz" resp="#fyndling">Sülze oder Aspik. Im Mittelalter oft für Schaugerichte verwendet, um Zutaten zu konservieren oder zu präsentieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-160-orig" n="lebendig visch vntter gendt" resp="#fyndling">NICHT wörtlich lebende Fische: „lebendig" beschreibt hier das gewünschte Scheinbild, nicht den biologischen Zustand - der Text selbst siedet (kocht) beide Fischgruppen, bevor sie verarbeitet werden. Gemeint sind die unten in die Sülze gegebenen kleinen Fischlein, die mit Quecksilber präpariert werden: das flüssige Metall bleibt in Bewegung und erzeugt beim Anheben der Schüssel ein täuschend lebendig wirkendes Zappeln in den bereits toten Tieren. Dieselbe Illusions-Logik wie beim krähenden Bratenhuhn mon-159 - dort ist ebenfalls kein lebendes Tier, sondern ein präpariertes totes im Spiel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-160-orig" n="mett" resp="#fyndling">Hier als Kochflüssigkeit für Fisch verwendet. Met (Honigwein) war ein beliebtes Getränk, aber seine Verwendung zum Kochen von Fisch ist ungewöhnlich und deutet auf eine luxuriöse Zubereitung hin.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-160-orig" n="chochsilber" resp="#fyndling">Quecksilber. Ein hochgiftiges Schwermetall, das hier verwendet wurde, um die kleinen Fische in der Sülze durch seine Dichte und Beweglichkeit scheinbar ‚schwimmen' zu lassen. Dieses Rezept ist aufgrund der Verwendung von Quecksilber nicht zum Verzehr geeignet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-160-orig" n="arbayssen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#arbayssen">Erbsen. Hier als Größenreferenz für die Menge des Quecksilbers.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-160-orig" n="ymber vnd mit muscat plue" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ymber">Ingwer und Muskatblüte waren beliebte Gewürze in der mittelalterlichen Küche, die oft in Kombination verwendet wurden, um Speisen zu würzen und zu verfeinern.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-160-orig" n="mett" resp="#fyndling">Met (Honigwein). Als Kochflüssigkeit für die Fische, was auf eine luxuriöse Zubereitung hindeutet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-160-orig" n="sulczen" resp="#fyndling">Sülzen (als Verb). Das Einlegen oder Zubereiten in einer Gallerte.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-161-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein essbares Gericht, sondern ein Schauessen für die höfische Tafel: ein gegarter, anschließend wieder ins abgezogene Federkleid gehüllter Vogel, der - mit Quecksilber gefüllt - in einer aufgeschnittenen Pastete scheinbar lebt. Die essbare, trickfreie Schwester ist die schlichte Vogel-Pastete (vgl. Torte von Vögeln, m5919-010) - dieselbe Pastetenbasis, nur ohne den Quecksilber-Trick. Innerhalb des Mondseer Korpus gehört es zu einer kleinen Reihe von Quecksilber-Schaugerichten (das krähende Huhn mon-159, die schwimmenden Fische mon-160, die wackelnden Würste mon-154).

Der Federbalg (palgel, rauch). Der Kniff steckt in der Reihenfolge: Der Vogel wird nicht Feder für Feder gerupft, sondern die Federhaut wird am Stück als Balg abgezogen (Schwanz und Flügel bleiben daran, der Kopf bleibt am Körper). Der nackte Vogel wird gebraten, dann wird der Federbalg wieder übergestülpt - so ist er wider rauch, also wieder befiedert und sieht aus wie ein lebender Vogel. Das mittelhochdeutsche rauch/rûch meint hier rauh, befiedert - nicht gerupft.

Die Eierhülle. Der Mörser dient über der Glut als Bratgefäß mit guter Hitzespeicherung - ein Ersatz-Reindl; der Topfdeckel (haffendeck) gibt Oberhitze, damit die Eiermasse gleichmäßig durchgart. Der faustgroße Holzknüppel (chnospel) ist ein Formkörper: Die Eiermasse gart rund um ihn und hinterlässt nach dem Herausziehen einen paßgenauen Hohlraum für den Vogel - dieselbe Idee wie Blindbacken mit Stützkörper. Pratt es chuel ab ist langsam/gemächlich garbraten (nicht abkühlen), damit die Hülle innen fest wird, ohne außen zu verbrennen; der Zwilling mon-130 (chuel pratten) belegt diese Lesart.

Das Quecksilber. Der Effekt ist Bewegung: Das schwere flüssige Metall rollt im warmen Hohlkörper des Vogels hin und her und lässt ihn auf der Tafel zucken und sich neigen. Es ist hochgiftig - ein reines historisches Kuriosum, das nicht nachgekocht wird. Der Eidotter am Schluss ist ein zeittypischer Klebstoff (keine Mehlschwitze), um die Pastete als intakt erscheinen zu lassen.

Praxis. Nachkochbar ist allenfalls die harmlose Basis: die gebackene Kräuter-Rosinen-Eierhülle im Mörser über Glut, langsam unter dem Deckel gegart, und eine schlicht gebratene Vogel-Pastete. Alles rund um Federbalg und Quecksilber bleibt Schauwerk zum Ansehen, nicht zum Essen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-161-orig" n="lembtig vogel" resp="#fyndling">„Lebendiger Vogel" meint die Illusion, nicht das Backen lebender Tiere: Der Vogel wird gegart, wieder ins abgezogene Federkleid gehüllt und mit Quecksilber zum scheinbaren Leben gebracht - ein höfisches Tafelwunder (entremet/subtileté). Er fliegt hier gerade nicht auf, sondern zappelt scheinbar durch das rollende Quecksilber.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-161-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein „Mörser" ein großes Gefäß aus Stein oder Metall mit einem schweren Stößel, das zum Zerstoßen von Fleisch, Fisch oder Nüssen zu einer feinen Farce diente. Hier wird er als Bratgefäß über der Glut verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-161-orig" n="chuedt" resp="#fyndling">„Glut" - die heißen, glühenden Kohlen eines Feuers, über denen gekocht wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-161-orig" n="holcz ein ch= nospel als ein faust" resp="#fyndling">Ein Holzknüppel von Faustgröße, der als Formkörper in die Eierhülle gesetzt wird, um beim Herausziehen einen paßgenauen Hohlraum für den Vogel zu hinterlassen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-161-orig" n="haffendeck" resp="#fyndling">Ein Topfdeckel, der den Mörser während des Garens abdeckt und für Oberhitze sorgt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-161-orig" n="rauchen vogel" resp="#fyndling">Ein befiederter Vogel. Mittelhochdeutsch rauch/rûch = rauh, mit Federn - hier der noch befiederte Vogel, dem der Federbalg am Stück abgezogen wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-161-orig" n="palgel" resp="#fyndling">Der Balg, also die Federhaut des Vogels, die am Stück abgezogen und nach dem Braten wieder übergezogen wird - so erscheint der Vogel „wider rauch", wieder befiedert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-161-orig" n="swanczel" resp="#fyndling">Der Schwanz mit seinen Federn, der am abgezogenen Federbalg bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-161-orig" n="flugel" resp="#fyndling">Die Flügel des Vogels, die am abgezogenen Federbalg bleiben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-161-orig" n="haupp" resp="#fyndling">Der Kopf des Vogels, der am Körper bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-161-orig" n="chochsilber" resp="#fyndling">„Quecksilber" (MHDBDB-Lemma quecsilber; im Mondseer Korpus in mehreren Schaugerichten belegt). Hier als beweglicher Füllstoff, dessen Rollen im warmen Hohlkörper den toten Vogel scheinbar lebendig zappeln lässt. Quecksilber ist extrem giftig und darf unter keinen Umständen in Lebensmitteln verwendet oder konsumiert werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-161-orig" n="pann" resp="#fyndling">Ein Größenvergleich für die Quecksilbermenge, keine Zutat: „in der groß als ein pann" meint eine kleine Portion. Die genaue Bezugsgröße ist ungeklärt; das Mondseer Schwesterrezept mon-160 setzt an gleicher Stelle „als ain arbayssen" (erbsengroß).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-161-orig" n="rauchen vogel / wider rauch" resp="#fyndling">Befiederter Vogel; „wider rauch" = wieder befiedert. Mittelhochdeutsch rauch/rûch bedeutet rauh, mit Federn: Der Vogel wird befiedert genommen, sein Federbalg wird am Stück abgezogen, der nackte Vogel gebraten und der Balg wieder übergestülpt, sodass er „wider rauch" - wieder befiedert - erscheint und lebendig aussieht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-161-orig" n="palgel" resp="#fyndling">Der Balg, die Federhaut des Vogels, am Stück abgezogen und nach dem Braten wieder übergezogen. Der Cross-Book-Zwilling mar-014 (Pfau im wieder übergezogenen Federkleid) belegt dieselbe Refeathering-Technik.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-161-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Rosinen. Im Kontext einer gebackenen Pastetenfüllung sind getrocknete Weinbeeren (Rosinen) kulinarisch plausibler und in mittelalterlichen Rezepten häufiger als frische Weintrauben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-161-orig" n="pratt es chuel ab" resp="#fyndling">Brate es langsam/gemächlich gar. Der Zwilling mon-130 (chuel pratten -&gt; „brate es langsam") belegt diese Lesart im Korpus - beim Braten einer Eierhülle über Glut sorgt langsames Garen für gleichmäßiges Durchgaren, ohne dass die Hülle außen verbrennt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-161-orig" n="pann" resp="#fyndling">Größenvergleich für die Quecksilbermenge, keine Zutat: „in der groß als ein pann" meint eine kleine Portion. Die genaue Bezugsgröße ist ungeklärt; das Wörterbuch legt „Pfanne" nahe, was als Dosierungsmaß aber keinen Sinn ergibt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-162-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein herzhaft-süßer, gefüllter Fladen - ein offenes Ofenküchlein mit einer Farce aus feingehackter, vorgekochter Kalbslunge, Ei und Gewürzen, dazu Rosinen oder Äpfel, auf dünnem Milch-Weizenteig gebacken und heiß mit Zucker bestreut. Der nächste lebende Verwandte ist das süddeutsch-österreichische Lüngerl beziehungsweise Beuschel - klein gehacktes Kalbslungenragout -, hier in einer süß gewürzten Fest-Variante als flache Innereien-Pastete. Innerhalb des Korpus steht es in einer ganzen Fladen-Reihe: gehackte Füllung, mit Ei gebunden, gewürzt, auf einen frisch gemachten Flach-Boden gestrichen, im Ofen gebacken und heiß serviert. Der engste buchübergreifende Zwilling ist der Kalbsleber-Fladen bgs-090 aus dem Buch von guter Speise (Organ-Fleisch + Speck + Würze auf einem gemachten Boden, nur Leber statt Lunge), dazu die weiteren BvgS-Fleischfladen (bgs-087, bgs-088); im selben Mondseer Buch teilen mon-163 und mon-168 den exakten Boden-Begriff pode mal (dort ein Fischrogen- statt Lungen-Fladen).

Lunge vorkochen. Das Gutsieden der Lunge (woll sieden) ist kein Umweg, sondern Voraussetzung: rohe Lunge ist schwammig und blutig und lässt sich kaum fein hacken. Erst das Garkochen macht sie schnittfest, spült Blut und Trübstoffe aus und macht das feine Hacken überhaupt möglich. Die Drüsen und zähen Bronchialansätze (druezz) schneidest du vorher heraus - sie sind zäh und schmecken unangenehm.

Die Füllung. Die gekochte Lunge äußerst fein hacken, damit eine homogene, streichfähige Masse entsteht. Das Ei bindet das sonst krümelige Lungenbrät zu einer schnittfesten Füllung - eine zeittypische Bindung ganz ohne Mehlschwitze. Rosinen oder Äpfel bringen Süße und Feuchtigkeit, Ingwer, Pfeffer und Safran das gehoben-würzige Profil. Genau dieselbe Grundfarce - Kalbslunge sieden, fein hacken, mit Ei binden, Pfeffer und Safran - findet sich fast wortgleich bei mha-019 und ri15632-021; dort wird sie aber (mit Speck statt Obst) in ein dünnes Eierblatt gefaltet und ausgebacken (Bubenpolster-Art), nicht auf einen Teigboden gestrichen - dasselbe Lungenbrät, ein anderes Gefäß. Ehrlicher Hinweis: mageres Innereienbrät ohne zugesetztes Fett neigt beim Backen zum Austrocknen - das Rezept nennt Fett nur fürs Einfetten des Ofens. Ei und Obst puffern das nur teilweise; ein Löffel Butter oder Schmalz in der Masse hilft, bleibt aber deine Ergänzung.

Der Teig und das Backen. Aus weißem Weizenmehl und Milch formst du einen dünnen, flachen Teigboden (podl). Der Backofen wird gut eingefettet (czestreichen), damit nichts anhaftet. Die Füllung dann gut einen halben Finger dick auf dem Teig verteilen und im heißen Ofen backen, bis der Boden gar und gebräunt ist - die Füllung ist ja schon gar, das Backen fixiert sie und backt den Boden aus. Der Text nennt keine Temperatur oder Zeit (laß woll pachen), das bleibt Erfahrungssache; als Richtwert mittlere Ofenhitze, bis der Rand goldbraun ist. Heiß servieren und großzügig mit Zucker bestreuen.

Der Begriff rodinaglin ist ein Hapax - er kommt nur in diesem einen Rezept vor und ist nirgends sonst belegt. Aus dem Satzbau (von weyssem melb, nym milich dar czw, czw der podl) ergibt sich, dass ein aus Mehl und Milch geformtes Teigprodukt gemeint ist, aus dem der flache Teigboden entsteht - vermutlich kleine Teiglinge oder Fladenscheiben. Eine gesicherte Bedeutung gibt es nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-162-orig" n="rodinaglin" resp="#fyndling">Echtes Hapax legomenon - nur in diesem Rezept belegt, sonst nirgends. Der Satzkontext (mach rodinaglin von weyssem melb, nym milich dar czw, czw der podl) legt ein aus Mehl und Milch geformtes Teigprodukt nahe, das zum flachen Teig (podl) verarbeitet wird, vermutlich kleine Teiglinge oder Fladenscheiben. Eine gesicherte Etymologie fehlt; die Bedeutung bleibt im Kontext ein Mehl-Milch-Teigprodukt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-162-orig" n="podl" resp="#fyndling">Flacher Teig beziehungsweise Teigboden, die Basis des Fladens. Dass es sich um eine flache Teiglage handelt, stützen die verwandten Fladen aus dem Buch von guter Speise, die die Füllung konsistent auf eine Teigplatte legen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-162-orig" n="chals flungel / lungel" resp="#fyndling">Kalbslunge (bairisch Lüngerl). Die Drüsen (druezz) werden vor dem Hacken herausgeschnitten. Verwandt mit den Kalbsinnereien-Rezepten rfk-028 und mha-191.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-162-orig" n="auster massen chlain" resp="#fyndling">Äußerst fein. Auster massen ist die stehende frühneuhochdeutsche Formel ausser der massen = über die massen, also außerordentlich; die Lunge wird demnach außerordentlich fein gehackt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-162-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Rosinen. Weinper bezeichnet getrocknete Weinbeeren, also Rosinen - eine im Korpus und im Glossar mehrfach belegte Lesart (Lexer, Grimm trucken weinper... rosine). Da keine Frische erwähnt wird und Äpfel als Alternative genannt sind, sind hier getrocknete Weinbeeren gemeint.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-162-orig" n="rodinaglin" resp="#fyndling">Kleine Teigstückchen. Der Begriff ist ein Hapax und nur hier belegt. In Verbindung mit weyssem melb (weißem Mehl) und milich (Milch) sowie der Anweisung, daraus den podl (flachen Teig) zu machen, ist ein aus Mehl und Milch geformtes Teigprodukt gemeint - vermutlich kleine Teiglinge, die den Boden des Fladens bilden. Die Bedeutung bleibt ungeklärt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-162-orig" n="mul dicker dan eins halben finger" resp="#fyndling">Wohl dicker als ein halber Finger. Mul ist als bairische Form von wol/wohl zu lesen (im Sinne von gut, ein gutes Stück); dicker dan ist ein Komparativ - die Füllung wird also ein gutes Stück dicker als ein halber Finger aufgetragen, nicht bloß einen halben Finger dick.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-163-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gebackener, herzhaft-süßer Fischrogen-Fladen und die schlichte Grundform eines verbreiteten Fastengerichts: ein dünner Boden aus Weizenmehl und Wasser, bestrichen mit einem gewürzten Rogenmus und heiß mit Zucker bestreut. Kulinarisch ist es der Vorfahr einer offenen, herzhaften Tarte. Die passierte, mit Brot gebundene Rogenmasse lebt heute in der griechischen Taramosalata weiter, die mit derselben Technik aus Rogen und eingeweichtem Weißbrot durch ein Tuch gestrichen wird.

Der Rogen als Farce. Der rohe Rogen wird im Mörser zu einer zähen, ziehenden Masse gestoßen - das mechanische Aufbrechen der Eisackhäute lässt die Masse binden. Der Vergleich mit Straubenteig ist ein echter Konsistenz-Deskriptor: dickflüssig und zäh. Das eingearbeitete Weißbrot ist der zeittypische Binder (es saugt Feuchtigkeit und stabilisiert) - keine Mehlschwitze. Das Durchstreichen durch ein Tuch entfernt Häute und Fasern zu einer glatten Farce; bei der schon dicklichen Brot-Rogen-Masse ist das echte Handarbeit.

Der Boden und das Backen. Der Fladen aus nur Mehl und Wasser, ohne Fett und ohne Trieb, ist ein reiner Trägerfladen - er backt hart und knusprig aus, nicht zart. Das ist beabsichtigt. Beim Backen leistet die Ofenhitze die ganze Arbeit: Sie setzt das Rogen-Eiprotein (es koaguliert wie eine Custard-Füllung) und backt den Boden durch.

Praxis. Rogen im Mörser (oder Blitzhacker) zu einer bindenden Paste stoßen, ein wenig altbackenes Weißbrot einarbeiten, durch ein Tuch streichen. Mit Ingwer, Safran und Zimt würzen, salzen. Aus Weizenmehl und Wasser einen dünnen Fladen ausrollen, die Rogenfüllung dünn aufstreichen (nicht zu dick, sonst setzt sie im dünnen Boden nicht sauber durch) und bei kräftiger, gleichmäßiger Oberhitze backen, bis der Rogen gestockt und der Boden fest ist. Auf ein leicht bemehltes Blech oder einen Backstein legen, damit der fettlose Boden nicht ansetzt. Heiß mit Zucker bestreut servieren. Mengen nennt das Original nicht - Verhältnis Rogen zu Brot und Füllungsdicke nach Gefühl tarieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-163-orig" n="parben rogen" resp="#fyndling">Rogen der Barbe (Barbus barbus). Barbenrogen ist giftig und sollte nicht verzehrt werden. Das Rezept schließt ihn ausdrücklich aus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-163-orig" n="geweichtes / geweichcz" resp="#fyndling">Rezepttyp-Bezeichnung für ein Fastengericht ('ein geweichtes in der Fasten'). Der Begriff fehlt im knappen Wortlaut von mon-163, ist aber die Gattung des Gerichts - die Verwandten mon-168 und mha-031 nennen sie ausdrücklich. Fischrogen diente in der Fastenzeit als fleischloser, wohlschmeckender Ersatz.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-163-orig" n="mor=sar" resp="#fyndling">Ein großer Fleischmörser, wie er im Mittelalter zum Zerkleinern von Fleisch, Fisch oder Nüssen zu einer feinen Farce verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-163-orig" n="strawben taig" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#strawben-taig">Beschreibt die Konsistenz des Rogenmuses, ähnlich einem Teig für Strauben (Schmalzgebäck, das durch einen Trichter in heißes Fett gegossen wird). Der Teig ist dickflüssig und zäh.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-163-orig" n="tuech" resp="#fyndling">Ein feines Tuch, wie ein Seihtuch oder Käsetuch, zum Passieren der Masse.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-163-orig" n="gburcz ab" resp="#fyndling">Eine gängige Formulierung für 'würze ab' oder 'würze fertig'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-163-orig" n="pode mal / podemal" resp="#fyndling">Fladenboden - ein dünn ausgezogener Teig aus Weizenmehl und Wasser, der als Träger für den Rogenbelag dient und im heißen Ofen gebacken wird. Wortbildung zu 'Boden' + '-mal' (flaches Gebilde).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-163-orig" n="offen woll gehaiczt" resp="#fyndling">Ein gut vorgeheizter Backofen. Im Mittelalter waren dies oft Steinöfen, die mit Holz befeuert wurden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-163-orig" n="zucker" resp="#fyndling">Zucker war im Mittelalter ein teures Importgut und wurde oft sparsam als Gewürz oder Statussymbol auf herzhafte Speisen gestreut.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-163-orig" n="pode mal / podemal" resp="#fyndling">Fladenboden - ein dünn ausgezogener Teig aus Weizenmehl und Wasser als Träger für den Rogenbelag. Das Wort ist ein Hapax und lässt sich lexikalisch nicht direkt belegen; die Funktions-Lesart ergibt sich aus dem Rezept selbst ('mach pode mal von melb vnd wasser', 'streich dy full auff pode mall') und dem Verwandten mha-031, der an derselben Stelle 'fladen' schreibt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-164-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Fasten-Scheingericht: aus Fischbrät wird ein Rebhuhn nachgebildet. Die nächsten lebenden Verwandten sind die Fisch-Terrine und die Fisch-Quenelle - in eine Form gegartes Fischbrät - sowie die Fischwurst. Als Idee ist es die Fasten-Schwester des falschen Hasen (Hackbraten in Tiergestalt): eine erlaubte Zutat wird in Form und Farbe einer verbotenen Speise serviert. Im Korpus gibt es dazu einen fast wortgleichen Zwilling, rfk-003 aus dem Rheinfränkischen Kochbuch, der dieselbe Schauspeise ausführlicher beschreibt.

Das Fischbrät. Große, grätenarme Fische werden entschuppt, entgrätet und sehr fein gehackt - ausdrücklich kein Hecht, im Lager bieten sich Karpfen oder Zander an. Ingwer, Safran und Pfeffer würzen die Masse, der Safran färbt sie zugleich goldgelb wie gebratenes Geflügel: das ist der optische Kern der Täuschung. Bescheiden gesalzen und mit etwas fein gehacktem Weißbrot vermengt entsteht ein bindiges Brät - das Brot ist die zeittypische Panade, keine Mehlschwitze. Salz und Brot geben der Masse Körper und Formstabilität.

Die Form. Zwei geschnitzte Hölzer bilden zusammengesetzt eine zweiteilige Hohlform in Rebhuhn-Gestalt. Das Brät wird hineingedrückt, die Hälften mit einer festen Schnur dicht zusammengebunden. Der Zwilling rfk-003 bestätigt diese Lesart unabhängig: dort wird die Masse in eine zweiteilige Form gedrückt, so gewinnet isz ein formie als ein raphune.

Praxis. Der Mondseer Text endet beim Zubinden - das eigentliche Garen fehlt hier. Der Zwilling rfk-003 liefert den Schritt: die geschlossene Form wird in heißem Wasser gesiedet, bis das Fischeiweiß fest geworden ist (Terrinen-Prinzip), erst danach lässt sie sich öffnen, ohne dass die Skulptur zerfließt. In rfk-003 wird das Rebhuhn anschließend gesalzen, kurz gebraten und mit Hechtstreifen gespickt. Am Feuer ist das Sieden eines geschlossenen Holzmodels im Kessel machbar, aber langsam und heikel: das Holz schwimmt und verzieht sich, die Garkontrolle im Inneren läuft nur über die Zeit. Deshalb ist es ein aufwendiges Schaugericht, kein schnelles Lagergericht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-164-orig" n="reb huen in der vasten" resp="#fyndling">‚Rebhuhn in der Fastenzeit‘ - ein Fasten-Scheingericht: eine aus Fischbrät geformte Rebhuhn-Nachbildung. Der Sinn liegt in der Illusion - eine erlaubte Fastenzutat (Fisch) wird in Gestalt eines in der Fastenzeit verbotenen Bratvogels serviert. Der wortnahe Zwilling rfk-003 im Rheinfränkischen Kochbuch nennt genau diese Speise fromde essen (exotisch, außergewöhnlich).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-164-orig" n="stuppen" resp="#fyndling">Hier das Substantiv ‚Schuppen‘ (Fischschuppen, mhd. schuope) - ein Homograph zum sonst im Korpus häufigen bairischen Verb stuppen (mit Pulver bestäuben/bestreuen, so etwa in mon-063 und mon-121). Die Konstruktion ‚thue dy stuppen vnd dy gratt da von‘ ist eine Entfernungs-Anweisung: ‚tu Schuppen und Gräten davon‘. Der Zwilling rfk-003 hat an gleicher Stelle ‚du die hut vnd grete davon‘. Der Kontext, nicht die Wortform, entscheidet die Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-164-orig" n="pratten" resp="#fyndling">Hier ‚das (Fisch-)Fleisch‘ - mhd. brâte bezeichnet das Fleisch bzw. die fleischigen Teile, auch von Fischen (MHDBDB, Lemma brâte). Trotz der lautlichen Nähe zu ‚braten‘ ist an dieser Stelle kein Bratvorgang gemeint, sondern schlicht das zerkleinerte Fischfleisch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-164-orig" n="beschaidenlich salcz" resp="#fyndling">‚bescheiden salzen‘ - maßvoll und nicht übermäßig salzen. Das Salz würzt und hilft zugleich, das Fischbrät zu binden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-164-orig" n="czbay holczel wan sy czw samen taucht das sy ein formm machen als rebhuen" resp="#fyndling">‚zwei Hölzchen, die, wenn sie zusammengefügt werden, eine Rebhuhnform ergeben‘ - eine zweiteilige Holz-Hohlform, in die das Fischbrät gedrückt wird, damit es die Gestalt eines Rebhuhns annimmt. taucht steht hier für mhd. tügen/tugen ‚zusammenpassen/zusammenfügen‘, nicht für ‚tauchen‘; graben meint ‚einschnitzen, aushöhlen‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-164-orig" n="stuppen" resp="#fyndling">Substantiv ‚Schuppen‘ (Fischschuppen), zu entfernen</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-164-orig" n="czbay holczel wan sy czw samen taucht das sy ein formm machen als rebhuen" resp="#fyndling">zwei Hölzer, die zusammengefügt eine zweiteilige Hohlform in Rebhuhn-Gestalt bilden</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-165-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Fasten-Schaugericht: aus erlaubtem Fisch wird die Gestalt eines Rebhuhns nachgeformt und heiß serviert. mon-165 ist kein eigenständiges Rezept, sondern die kurze Fortsetzung von mon-164 - der einleitende Rückverweis von den selbigen visch pratten ("aus demselben Fischbraten") bezieht sich auf die dort beschriebene Farce. Verwandt sind die Rebhuhn-Imitate aus Fisch in ri15632-001 und rfk-003 sowie das Reh-Imitat ri15632-002 - alle nach demselben Muster: gräten- und schuppenfrei zerkleinerter, gewürzter Fisch, in eine tierähnliche Form gebracht. Modern erinnert das an eine geformte Fisch-Farce oder Fisch-Terrine.

Woher kommt die Form? Die eigentliche Technik steht in mon-164: der Fisch wird entgrätet und entschuppt, fein gehackt, mit Ingwer, Safran, Pfeffer und Salz gewürzt und mit altbackenem Weißbrot gebunden - der zeittypischen Bindung für eine Fischfarce, nicht mit einer Mehlschwitze. Die Masse wird in eine zweiteilige, innen rebhuhnförmige Holzform gedrückt, die man mit Schnur zusammenbindet. Der Safran wirkt dabei doppelt: als Würze und als Färbemittel, das dem hellen Fischfleisch einen geflügelartigen Ton gibt. Die Rebhuhn-Gestalt entsteht also allein aus der Form, nicht aus einem gesonderten Zier-Schritt.

Praxis. Bereite die gewürzte, mit eingeweichtem altbackenem Weißbrot gebundene Fischfarce nach mon-164 zu und presse sie in eine zweiteilige Form; eine geölte, verschließbare Terrinen- oder Pastetenform in länglicher Vogelgestalt ist der praktikable Ersatz für das historische Holzformenpaar. Über Glut oder im Reindl garen, bis die Farce fest ist, dann aus der Form lösen und - das ist der einzige eigene Schritt von mon-165 - heiß auftragen. Der Reiz liegt im Schau-Effekt der Formgebung, nicht in Tempo oder Haltbarkeit.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-165-orig" n="ITem" resp="#fyndling">Standard-Einleitung für ein neues Rezept oder einen neuen Abschnitt in mittelalterlichen Kochbüchern.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-165-orig" n="von den selbigen visch pratten" resp="#fyndling">"Von demselben Fischbraten" - ein ausdrücklicher Rückverweis auf das vorhergehende Rezept mon-164, das den Fischbraten mit der zweiteiligen Rebhuhn-Holzform herstellt. mon-165 ist dessen Fortsetzung, mon-166 setzt die Kette mit dem selbigen pratten weiter fort. Die drei Rezepte bilden einen zusammenhängenden Fasten-Schaugericht-Cluster.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-165-orig" n="rebhuenn pratten als das rebhuen" resp="#fyndling">"Rebhuhn-Braten, der wie das Rebhuhn geformt ist" - ein Fasten-Schaugericht (Scheingericht): aus erlaubtem Fisch wird die Gestalt eines Landvogels nachgeformt, um in der Fastenzeit optisch ein Fleischgericht zu bieten. Korpusweit belegt (mon-164, mha-111, ri15632-001, rfk-003).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-165-orig" n="hay= ssen czw essen" resp="#fyndling">Heiß zu essen. Das Gericht sollte warm serviert werden, nicht kalt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-165-orig" n="rebhuenn pratten als das rebhuen" resp="#fyndling">Rebhuhn-Braten als Rebhuhn-Imitat: Aus dem Fischbraten wird die Gestalt eines Rebhuhns nachgeformt - ein Fasten-Schaugericht. Der Zusatz als das rebhuen verweist zugleich auf die Form- und Gartechnik des vorangehenden mon-164, das dasselbe Fisch-Rebhuhn mit einer zweiteiligen Holzform herstellt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-166-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte, am Spieß gebratene Morcheln mit süß-nussiger Füllung aus Rosinen und gehackten Mandeln - eine gehobene Fastenspeise, die den Rang eines Fleischbratens imitiert. Der lebende Verwandte ist der gefüllte Grillpilz (Portobello, Champignon vom Rost); wegen der süßen Füllung steht das Gericht aber ebenso den gefüllten Datteln oder marzipangefüllten Früchten nahe. Der Pilz ist hier das Gefäß: seine natürliche Hohlkammer wird gefüllt.

Die Füllung. Getrocknete Weinbeeren (Rosinen) und klein gehackte Mandeln werden vermischt in den Hohlraum der Morchel gestopft. Beide Zutaten sind bewusst trocken - sie geben beim Braten keine überschüssige Feuchte ab und machen die Füllung nicht matschig; deshalb Rosinen statt frischer Trauben. Die Mandeln werden fein gehackt, damit die Stücke in die enge Kammer passen und nicht herausfallen.

Das Beträufeln. Die dünnwandige Pilzhaube und die trockene Füllung neigen über der Glut zum Austrocknen und Anbrennen. Das kontinuierliche Beträufeln mit Öl oder pflanzlichem Fett während des Bratens (nicht danach) hält die Oberfläche saftig und trägt Aroma ein. Fasten-konform bleibt es, solange pflanzliches Fett verwendet wird.

Sicherheit - unbedingt beachten. Echte Morcheln sind roh giftig: sie enthalten hitzelabile, blutzersetzende Stoffe und lösen roh oder halbgar das sogenannte Morchel-Syndrom aus (Magen-Darm-Beschwerden, in seltenen Fällen neurologische Symptome). Sie müssen zwingend vollständig durchgegart werden. Ein kurzes Anbraten am Spieß leistet das nicht sicher - gare die Morcheln daher lange genug über mäßiger Glut, oder gare sie vor. Getrocknete Morcheln vollständig einweichen und rehydrieren; das Einweichwasser wegen möglicher Verunreinigungen verwerfen.

Praxis. Getrocknete Morcheln rehydrieren (Einweichwasser weggießen), Rosinen und gehackte Mandeln mischen, die Morcheln damit füllen und quer auf einen Spieß stecken. Über mäßiger, nicht zu direkter Glut braten - bei zu heißem Feuer verbrennt die Haube außen, bevor der Pilz innen durch ist. Beim Braten fortlaufend mit Öl oder pflanzlichem Fett beträufeln. Ausreichend lange garen, bis der Pilz durch und durch gegart ist. Für eine Handvoll kleiner Morcheln als Beilage oder Schaugang rechnet man eher mit 2 Personen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-166-orig" n="morchen haist mans maurachen" resp="#fyndling">‚Morcheln, die man auch Maurachen nennt' - eine Namensgleichsetzung, die den echten Pilz meint. ‚Maurachen'/‚Morchen' ist die oberdeutsch-bairische Bezeichnung der Morchel (Grimm belegt ‚morchen, morcheln oder maurachen' nebeneinander). Hier wird der echte Pilz gefüllt und am Spieß gebraten. Nicht verwechseln mit dem benachbarten mon-148: Dort steht ‚maurochen' zwar in der Überschrift, das Rezept formt aber Birnen aus einer Trauben-Mandel-Masse - dort kommen gar keine Morcheln vor. Dass die CoReMA-Edition beide Rezeptseiten mit ‚Fake morels' etikettiert, stiftet zusätzliche Verwirrung (siehe Editorische Notiz).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-166-orig" n="von dem selbigen pratten In der vasten" resp="#fyndling">Rückverweis auf die vorangehende Fasten-Imitations-Serie (mon-163 ff.): ‚von demselben Braten in der Fastenzeit'. Gemeint ist kein bestimmter Fleischbraten, sondern das Serienmuster der Fastenbraten, die festliche Gerichte nachbilden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-166-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">‚Weinbeeren' meint hier getrocknete Weinbeeren, also Rosinen, da diese sich besser für eine Füllung eignen und beim Braten keine überschüssige Feuchte abgeben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-166-orig" n="smalcz" resp="#fyndling">Pflanzenfett (Fasten-Schmalz) - da das Rezept explizit für die Fastenzeit ist, ist die Verwendung von tierischem Schmalz ausgeschlossen. ‚Smaltz' konnte im Mittelhochdeutschen auch pflanzliche Fette bezeichnen, die als Ersatz dienten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-167-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalte, über Nacht gestockte Fisch-Sülze - der lebende Nachfahre ist die heutige Fischsülze beziehungsweise der Fisch in Aspik (heute salzig-sauer, hier noch süß-würzig). Halbgar gesottenes Fischfleisch wird im Mörser zu Paste zerstoßen, mit geriebenem Lebkuchen und einem gewürzten Wein-Honig-Sud verbunden und mit Hausenblase zu einer schnittfesten Masse geliert. Der Tegernseer Sulzvisch (teg-009) baut dasselbe Gericht mit identischer Lebkuchen-Bindung und Hausenblase, ebenso die eingemachten Fische in würzigem Aspik (mha-148).

Halbgar sieden. Die Fische werden nur zur Hälfte gesotten, nicht durchgegart: halbgares Fleisch löst sich leichter von Schuppen und Gräten und behält mehr Bindekraft, weil das Kollagen noch nicht ausgelaugt ist. Das Entschuppen und Entgräten ist die arbeitsintensivste Handarbeit des Rezepts - es muss restlos geschehen, weil das Fleisch anschließend zu Mus zerstoßen wird und Gräten dann nicht mehr auszulesen sind.

Hausenblase als Geliermittel. Die Hausenblase (das getrocknete Häutchen der Schwimmblase des Hausen, einer Störart) muss erst im Wein quellen und dann gesondert - also getrennt vom empfindlichen Fischmus - in heißer Flüssigkeit gelöst werden, damit sie ihre Gelierkraft entfaltet. Modern lässt sie sich durch geschmacksneutrale Blattgelatine ersetzen.

Lebkuchen bindet und würzt. Der geriebene Lebkuchen unter das Fischmus hat doppelte Funktion: Würze und zusätzliche Bindung über die Gebäckkrume - zeittypisch und kein Mehlschwitzen-Anachronismus. Dieselbe Lebkuchen-Bindung nutzt der Tegernseer Zwilling teg-009.

Praxis. Fische halbgar sieden, entschuppen und entgräten, im Mörser (heute Küchenmaschine oder Blender) zu feiner Paste stoßen und den geriebenen Lebkuchen darunterarbeiten. Hausenblase im Wein einweichen, gesondert erhitzen bis sie sich löst. Honig, Essig und Wein zum süß-sauren Sud verrühren und durch ein Tuch passieren, damit er klar und möglichst konzentriert wird. Reichlich Nelken - deutlich mehr als Pfeffer und Ingwer - dazugeben; hier vorsichtig dosieren, die nelkenlastige Würze wird sonst schnell bitter und dominant. Wichtig: Fischmus, gelöste Hausenblase und passierter Würzsud vor dem Ausbreiten gründlich vereinen, sonst geliert nur die Flüssigkeit und das Mus schwimmt. Alles auf eine breite, flache Schüssel streichen und über Nacht kalt stellen. Erst wenn die Masse fest ist, in Stücke schneiden und kalt servieren, bestreut mit Zucker oder mit Zimt und Salz. Da die Bindung allein von Hausenblase und Lebkuchen kommt (Fastenspeise, kein Ei, kein tierisches Fett), gilt: lieber etwas mehr Hausenblase, sonst wird die Masse krümelig statt schnittfest. Die Übernacht-Gelierung braucht verlässliche Kühlung - im Sommer ohne Kühlung wird die Sülze weder fest noch lebensmittelsicher.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-167-orig" n="element" resp="#fyndling">Als Speisebezeichnung im Korpus ein Hapax (nur in mon-167 belegt) und in keinem Wörterbuch als Gerichtname nachgewiesen - philologisch ungeklärt. Gemeint ist hier die fertige Speise, eine schnittfeste Fisch-Sülze. Die ‚vier-Elemente'-Deutung ist eine unbelegte Vermutung, keine gesicherte Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-167-orig" n="in der vasten" resp="#fyndling">Dieses Gericht ist für die Fastenzeit gedacht, in der der Verzehr von Fleisch, Eiern und Milchprodukten untersagt war. Fisch galt als Fastenspeise.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-167-orig" n="stupp vnd gratt" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Bezieht sich auf die Schuppen und Gräten, die vom halbgar gesottenen Fisch restlos entfernt werden, bevor das Fleisch zu Mus zerstoßen wird. ‚Stupp' meint hier die Fischschuppen (nicht das gleichlautende Verb ‚stuppen' = bepudern).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-167-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Ein großer Fleischmörser, in dem das gekochte Fischfleisch zu einer feinen Paste zerstoßen wird. Für moderne Nachkocher ist eine Küchenmaschine oder ein Blender eine gute Alternative.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-167-orig" n="beschaiden hait leczelten" resp="#fyndling">‚Beschaiden hait' bedeutet eine angemessene, wohldosierte Menge. ‚Leczelten' sind Lebkuchen (gewürztes Gebäck), hier als bindende und würzende Einlage untergerieben - genau wie im Tegernseer Zwilling teg-009 ‚Sulzvisch'. Nicht ‚Pfannzelten' (Fladen).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-167-orig" n="hausen nassen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">Hausenblase (Isinglas): das getrocknete Innenhäutchen der Schwimmblase des Hausen (einer Störart, nicht des Hechts). Klassisches Geliermittel; im Wein eingeweicht und gesondert gesotten, verfestigt es das Fischmus zur schnittfesten Sülze. Moderne Alternative: geschmacksneutrale Blattgelatine.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-167-orig" n="streiß durch auff das aller dickist" resp="#fyndling">Die Würzflüssigkeit soll durch ein Tuch oder Sieb passiert werden, um eine möglichst dicke, klare und gelierfähige Konsistenz zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-167-orig" n="nagel uil mer dan pfheffer vnd ymberer" resp="#fyndling">Die Anweisung, deutlich mehr Nelken als Pfeffer und Ingwer zu verwenden, unterstreicht die Vorliebe für intensive, aromatische Gewürze in der mittelalterlichen Küche. Nelken waren ein hochgeschätztes und teures Gewürz.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-167-orig" n="praitew schussel" resp="#fyndling">Eine breite Schüssel, in der das Gericht zum Erkalten und Gelieren ausgebreitet wird, um später in Scheiben oder Stücke geschnitten werden zu können.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-167-orig" n="czucker oder mit zinamomi vnd salcz" resp="#fyndling">Das Servieren mit Zucker oder Zimt und Salz zeigt die typisch mittelalterliche Vorliebe für süß-saure und süß-salzige Geschmacksbilder, auch bei herzhaften Gerichten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-167-orig" n="element" resp="#fyndling">‚Element' als Bezeichnung für die fertige Speise - eine schnittfeste Fisch-Sülze. Die Gerichtsklasse (kalt gelierter Sülzfisch) ist über die Zwillinge teg-009 und mha-148 gesichert.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-168-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein herzhaftes Fasten-Fladengericht: ein dünner Teigfladen, obenauf bestrichen mit einem fein gestoßenen, mit wenig Mehl gebundenen und mit Ingwer, Safran und Zimt gewürzten Fischrogen-Mus, gebacken und mit Mandeln und in Wein aufgequollenen Rosinen garniert. Konzeptuell die mittelalterliche Fasten-Verwandte einer offenen, herzhaft-süßen Tarte mit Fischrogen-Aufstrich - Fischrogen liefert das Protein am fleischlosen Tag. Im Korpus ist es kein Einzelstück, sondern der Mondseer Vertreter einer breit belegten Rezeptfamilie: nahezu wortgleich mit dem Meister Hans (mha-031, dort als Ain geweichts betitelt) und der Reichen Kuchenmaistrey (ri15632-004), dazu die knappere Fassung rfk-002 sowie die Mondseer Geschwister mon-050 und mon-141.

Der Rogen als Bindung. Der Rogen wird im Mörser fein zerstoßen, bis die Masse dünnfließend wird - im Original verglichen mit Straubenteig, also einem gießbaren Batter. Das kleine Fischeiweiß im Rogen stockt beim Backen von selbst ei-artig; es braucht daher keine Fremdbindung. Das wenig weiße Mehl ist keine Mehlschwitze, sondern eine Körperzugabe, die den flüssigen Batter gerade so weit versteift, dass er auf dem Fladen hält statt abzulaufen. Safran würzt und färbt in einem Zug - die Schwesterrezepte weisen das Gelbfärben als eigenen Schritt aus, mon-168 faltet Würzen und Färben zusammen.

Der Ofen ist der Kernschritt. Alle Fassungen backen im Ofen (offellein = kleines Öflein), nicht in der Pfanne oder auf dem Rost - und das aus gutem Grund: die feuchte Rogenmasse obenauf braucht umschließende Strahlungshitze, damit sie gleichmäßig durchstockt und leicht bräunt, bevor der dünne Fladenboden verbrennt. Auf offener Flamme verkohlt der Boden lange bevor das Topping gart. Im Lager gelingt das nur mit einem gut regelbaren Dutch Oven oder einer Backglocke, daher die Einstufung „eingeschränkt“.

Die Rosinen. Wällen (Original wel, in den Zwillingen erwell/erwel) meint aktives Aufkochen in Wein, kein bloßes Kaltquellen: die Rosinen ziehen im warmen Wein durch, bis sie sinwel - rund und prall - aufgequollen sind. Kurz in Wein aufsetzen und ziehen lassen, nicht kochen bis sie zerfallen.

Praxis. Rogen im Mörser (oder mit dem Pürierstab) fein zerstoßen, wenig weißes Mehl, Salz sowie Ingwer, Safran und Zimt einarbeiten, bis ein streichfähiger, dünnfließender Batter entsteht. Dünne Teigfladen (Mehl-Wasser-Teig) vorbereiten, den Rogen-Batter dünn aufstreichen und im Ofen bei mittlerer Hitze backen, bis die Masse gestockt und der Boden gar ist. Rosinen kurz in Wein aufkochen und rund aufquellen lassen. Fertige Fladen mit geschälten Mandeln bestecken, die weingezogenen Rosinen darüber, heiß servieren. Die Mengen sind im Original völlig offen (ein wenig Mehl) - wieviel Rogen einen Fladen deckt, bleibt Tastversuch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-168-orig" n="geweichcz" resp="#fyndling">‚Geweichcz/geweichts‘ (zu mhd. ‚weich‘) ist im oberdeutsch-österreichischen Raum ein etablierter Gattungsname für ein weiches Fasten-Musgericht, kein Hapax und keine bloße Konsistenzbeschreibung: der Meister Hans trägt Ain geweichts als Rezepttitel (mha-031) und spricht von einem geweichten in der vasten. Es bezeichnet damit eine ganze abgegrenzte Gerichtsfamilie.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-168-orig" n="perben" resp="#fyndling">‚Perben‘ sind Barben (Barbus barbus), eine Karpfenfischart. Ihr Rogen ist giftig und löst die sogenannte ‚Barbenkrankheit‘ mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall aus - daher der Ausschluss ‚den von perben nit‘. Dieselbe Klausel steht wortgleich in mehreren Rezepten dieser Tradition (mon-050, mha-018, mha-031).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-168-orig" n="stossen" resp="#fyndling">Das ‚Stoßen‘ im Mörser war eine gängige Methode, um Zutaten sehr fein zu zerkleinern und zu einer Paste oder einem Mus zu verarbeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-168-orig" n="strawben taig" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#strawben-taig">‚Straubenteig‘ - der dünne, gießfähige Ausbackteig für Strauben, ein spiralig ins heiße Fett laufendes Schmalzgebäck (regional auch als Trichterkuchen bekannt). Hier keine Zutat, sondern ein Konsistenz-Vergleich: Das Fischrogenmus soll so dünnflüssig geschlagen werden wie ein Straubenteig. Dieselbe Konsistenzformel steht in allen Schwesterrezepten (strauben/straublein/striben taig), was die Lesart absichert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-168-orig" n="beschaidenhait" resp="#fyndling">‚Nach Bescheidenheit‘ bedeutet ‚nach eigenem Ermessen‘ oder ‚in Maßen‘. Es ist eine Aufforderung, die Zutat (hier Salz) nach Geschmack und Erfahrung zu dosieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-168-orig" n="streich es durch" resp="#fyndling">In diesem Kontext bedeutet ‚durchstreichen‘, die Gewürze gründlich in die Masse einzuarbeiten. Das fast wortgleiche Schwesterrezept mon-163 hat an vergleichbarer Stelle ‚streich es durch ein tuech‘, also ein Passieren durch ein Tuch; in mon-168 fehlt das Tuch und der Wortlaut ist verkürzt, sodass hier das Einarbeiten der Gewürze die naheliegende Lesart ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-168-orig" n="czimmerrintten" resp="#fyndling">‚Zimmerrintten‘ ist eine bairisch-österreichische Schreibweise für Zimtrinde oder Zimt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-168-orig" n="pode malein von taig" resp="#fyndling">‚Flache Teigfladen‘ sind dünne, ungefüllte Teigscheiben, die als Basis für das Fischrogenmus dienen. Das fast wortgleiche mon-163 zeigt die Herstellung: ‚mach pode mal von weissen melb vnd lautter wasser‘ - ein flacher Boden aus weißem Mehl und klarem Wasser.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-168-orig" n="offellein" resp="#fyndling">Ein ‚offellein‘ ist ein kleines Öflein oder Backofen, der zum Backen der Fladen verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-168-orig" n="synibel" resp="#fyndling">‚Synibell‘ ist die bairische Schreibvariante (b für w) von ‚sinwel/sinbel‘ = ‚rund, kugelrund‘. Es beschreibt die rund-prall aufgequollenen Rosinen. Die Parallelrezepte belegen dasselbe Wort im identischen Schritt: mha-031 ‚das sy sinbel werden‘, ri15632-004 ‚daz si sinwel werden‘ - das Wort ist damit klar belegt, kein ungeklärtes Rätselwort.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-168-orig" n="wel dy weinper woll In wein" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">‚Wellen‘ (in den Zwillingen ‚erwell/erwel‘) meint hier ein aktives Aufkochen bzw. Aufwallen in Wein, nicht bloßes Kaltquellen: die Rosinen ziehen im warmen Wein durch, bis sie rund und prall aufgehen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-168-orig" n="fladel" resp="#fyndling">‚Fladel‘ sind die fertigen, gebackenen Fladen mit dem Fischrogenmus.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-169-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein spätmittelalterliches Schau- und Fasten-Kunststück: ein Fastenhecht, der wie ein ganzer Fisch aussieht, aber keinen Bissen Fisch mehr enthält. Der Hecht wird intakt enthäutet, sein Fleisch komplett entfernt, und die leere Haut mitsamt Kopf mit gewürzter, per Hausenblase gelierter Mandelmilch zur Fischform wieder aufgefüllt. Das Verfahren ‚Haut ganz abziehen und wieder befüllen‘ ist im Korpus breit belegt (bgs-046, bgs-036, mon-058) - mon-169 ist davon die fleischlose Imitat-Variante. Die gesulzte Mandelmilch selbst ist die Fasten-Schwester heutiger Panna cotta bzw. des Mandelpuddings, hier als schnittfestes Gelee gegossen.

Zweimal stoßen, zusammen durchstreichen. Die Mandeln werden zweimal gemörsert, damit die Mandelmilch sehr fein und dick wird - grobe Stücke bleiben sonst beim Passieren im Tuch. Die zentrale Idee des Rezepts: Die Hausenblase (Kollagen aus der Stör-Schwimmblase) quillt über Nacht in Wasser oder Wein, wird dann ausgekocht, und diese heiße Gelatine-Brühe dient zugleich als Passierflüssigkeit für die Mandeln. So werden Bindemittel und Mandelmasse in einem Arbeitsgang verheiratet. Muskatblüte und Zimt kommen zu gleichen Teilen erst nach dem Sieden hinein, damit die feinen Aromen die Hitze nicht verlieren.

verib si halbe ab - die halbe Rotfärbung. Für den Farbkontrast der Schauplatte wird die andere Hälfte der Masse zur Hälfte rot gefärbt und separat gegossen. verib ist hier kontextabhängig: dasselbe Zeichen kann verrîben (zerreiben) meinen, doch der Folgesatz ‚das es rott sey‘ und die Parallele in mon-177 (‚verb es da mit‘ zum Färben) machen die Färbe-Lesart eindeutig. Period-treue Rot-Töne kommen von Sandelholz oder dem Saft roter Beeren.

Die Haut als Gussform. Der Hecht wird bewusst ‚nicht zu groß‘ gewählt, weil eine große, dünne Haut beim Häuten und Sieden leicht reißt. Am Kopf aufschneiden, mit einem Holz die Haut vorsichtig bis zum Schwanz intakt abziehen, das Fleisch sauber (schon = sauber, nicht schön) ablösen. Die leere Haut mit Kopf wird in siedendem Salzwasser vorgegart - das denaturiert die Hautproteine, sodass die Haut ihre Form hält - und darf im Sud auskühlen, damit sie beim frühen Herausnehmen nicht zerfällt. Dann steckt man Hölzer in einen Topf als Stützgerüst, sodass die Haut aufrecht in Fischform steht, füllt die gesulzte Mandelmilch ein und lässt sie fest werden.

Praxis. Statt Hausenblase 10-12 Blatt Blattgelatine als grobe Startgröße (die Gelierkraft hängt stark vom Verhältnis Gelatine zu Flüssigkeit ab - lieber am fertigen, noch flüssigen Ansatz eine Löffelprobe im Kühlschrank machen, bevor du alles in die Haut gießt). Zwei ehrliche Stolpersteine: Das Vorsieden der leeren Hechthaut misslingt oft, weil die Haut reißt - kleiner Fisch und ruhiges Auskühlen im Sud senken die Ausschussquote, eliminieren sie aber nicht. Und ohne verlässliche Kühlung über Nacht wird die Sülze nicht schnittfest; auf einem warmen Sommermarkt ohne Kaltstellung funktioniert das Gericht schlicht nicht - deshalb Schaugericht, nicht Alltagskost. Zu wenig Bindung und die Füllung fällt beim Anschneiden zusammen, zu viel und sie wird gummiartig. Serviert wird in Scheiben, das Kopfstück dazugelegt, mit Zucker bestreut.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-169-orig" n="gesulzte mandel milich" resp="#fyndling">Eine ‚gesulzte Mandelmilch‘ ist eine mit Geliermittel (hier Hausenblase) gebundene Mandelmilch, die nach dem Erkalten fest wird. Sie diente oft als Basis für Fastenspeisen oder als Füllung für Imitationsgerichte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-169-orig" n="hawssen plasen" resp="#fyndling">Die Hausenblase ist ein traditionelles Geliermittel, das aus der Schwimmblase des Störs gewonnen wird. Sie wurde im Mittelalter häufig zum Klären von Wein und Bier sowie zum Gelieren von Speisen verwendet. Dasselbe Geliermittel trägt im Korpus die ganze Familie der gesulzten Mandelspeisen (koe-017, m5919-057, m5919-092, mha-004, mha-012) - als Fasten-Geliermittel ist es damit korpusweit gut bezeugt. Heute ist der Stör unter Artenschutz, daher ist die Beschaffung schwierig; alternativ dient moderne Blattgelatine.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-169-orig" n="musca pluedt" resp="#fyndling">Muskatblüte (Macis) ist der Samenmantel der Muskatnuss. Sie hat ein feineres, blumigeres Aroma als die Muskatnuss selbst und wurde in der mittelalterlichen Küche oft für helle Speisen verwendet, da sie keine dunklen Punkte hinterlässt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-169-orig" n="czimerrintten" resp="#fyndling">Zimtrinde, also Zimtstangen oder gemahlener Zimt, war ein beliebtes und teures Gewürz im Mittelalter. Hier wird es zusammen mit Muskatblüte zum Würzen der Mandelmilch verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-169-orig" n="choll vnder phiffarling" resp="#fyndling">‚choll‘ ist hier Kohle (nicht Kohl als Gemüse): Der Ausdruck bezeichnet ein weiteres, aus derselben Mandelmilch herstellbares Imitationsgericht - ‚Kohlen unter Pfifferlingen‘. Die genaue Optik ist nicht überliefert. Der Ausdruck ist im Korpus nur hier und in mon-177 belegt (dort ‚lindten choll‘ = Lindenkohle zum Schwarzfärben des Sudes), was die Deutung als ‚Kohle‘ stützt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-169-orig" n="holcz" resp="#fyndling">Ein ‚Holz‘, hier als Spieß oder Stab verwendet, diente dazu, die Haut des Hechts beim Abziehen zu stützen und später die gefüllte Haut in Form zu halten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-169-orig" n="pratten" resp="#fyndling">‚Pratten‘ (mhd. brâte) bezeichnet hier nicht den ‚Braten‘ als Zubereitung, sondern das Muskelfleisch des Hechts, das sauber von der Haut gelöst werden soll.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-169-orig" n="schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">‚Schon‘ bedeutet hier ‚sauber‘ oder ‚gründlich‘, nicht ‚schön‘ im ästhetischen Sinne. Das Fleisch soll sorgfältig und restlos von der Haut gelöst werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-169-orig" n="verib si halbe ab" resp="#fyndling">‚Färbe sie zur Hälfte rot‘ - die Phrase bezieht sich auf die andere Portion der Mandelmilch, die mit einem nicht näher spezifizierten Farbstoff rot eingefärbt werden soll.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-169-orig" n="holcz / holzer" resp="#fyndling">‚Holz‘ oder ‚Hölzer‘ als Spieße oder Stäbe, die zum Ablösen der Fischhaut und später zum Stützen der gefüllten Haut dienen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-170-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine spätmittelalterliche Vier-Felder-Schaugallerte - der Prunk-Vorfahr der modernen Sülze in Aspik. Eine gehobelte Platte wird durch ein herausnehmbares Holzkreuz in vier Quadranten geteilt, jedes Feld mit anderem Fleisch oder Fisch belegt und in eigener farbiger Gallerte erstarrt: eine essbare Landkarte für die Festtafel. Lebende Verwandtschaft ist die kalte Sülzplatte beziehungsweise die terrine en gelée; im Korpus stehen die einfachere Kalbsfuß-Gallerte m384-064 und die französische Fleisch-Fisch-Gallerte men-251 als Geschwister.

Nur ein Satz Füße - Kalbsfüße. Die Gelierbasis sind Kalbsfüße, keine Schweinefüße. Dieselben Füße, die zu Beginn gesotten werden, bis die Knochen davon fallen, werden zwei Sätze später ausdrücklich als Kalbsfüße gestoßen und geviertelt. Der Zwilling m384-064 macht es eindeutig: vier Kalbsfüße sieden, bis das Bein davonfällt, im Mörser stoßen, mit Essig und Brühe heiß durch ein Tuch streichen. Schweinefüße erscheinen im Rezept nur einmal am Ende als Alternative zum Spanferkel für das vierte Feld, nicht als Bindemittel.

Bindung über Kollagen, nicht über Mehl. Das lange Sieden löst das Kollagen der Füße; die Brühe geliert beim Erkalten von selbst. Mandeln und Petersilie werden je mit einem Teil der gestoßenen Kalbsfüße und der Brühe glatt durchgestrichen (passiert) - das ergibt zwei faserfreie, gelierfähige Pasten, weiß-mandelig und grün-petersilig, wie es die makellose Schauoptik verlangt. Gefärbt wird rein optisch und period-treu: gelb mit Safran, schwarz mit milder Holzkohle und Nelken, grün über die Petersilie. Für Schwarz nimm heute medizinische Kohle aus der Apotheke.

Trennkreuz und Roggenrahmen sind eine verlorene Form. Das dünne Holzkreuz hält die vier Farbfelder getrennt, der umlaufende Rahmen aus festem Roggenteig dämmt die flüssigen Gelees ein, bis sie fest sind; beide werden nach dem Erstarren wieder entfernt. Das feine Sägemehl unter der Gallerte ist eine Antihaftschicht, die beim Ablösen mitsamt der Speise vorsichtig heraufgezogen wird, damit das empfindliche Gelee nicht bricht.

Praxis. Kalbsfüße mehrere Stunden köcheln, bis sich die Knochen lösen; Fleisch, Spanferkel, Vögel und Fisch separat garen (große Vögel am Spieß, kleine in Schmalz geröstet). Kalbsfüße mörsern, vierteln, je zur Hälfte mit gestoßenen Mandeln und mit gehackter Petersilie und Brühe durch ein Tuch streichen. Die weiße Mandelmilch-Brühe mit Zimt und Macis würzen und mit Zucker oder Honig süßen, die grüne und gelbe mit Essig und Wein sauber abschmecken. Fleisch auf die vier Felder legen, farbige Gelees übergießen (weiß gegenüber schwarz, grün gegenüber gelb), über Nacht kühl gelieren lassen - das braucht kühle Temperaturen, im Sommerlager unzuverlässig. Am Morgen Teigrahmen abheben, Sägemehl vorsichtig abziehen, Kreuz herausheben, die freigelegten Kanten und aufgerichtete Vogelköpfe mit essbarem Blattgold vergolden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-170-orig" n="galraydt" resp="#fyndling">Gallerte (Aspik, Sülze) - eine durch kollagenreiche Kalbsfüße gebundene, kalt erstarrende Speise. Im Korpus breit belegt (vgl. m384-064, mon-156); hier als geliertes Prunk-Schaugericht ausgeführt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-170-orig" n="thue fueß" resp="#fyndling">„thue“ ist das Verb tun (tu hinein), nicht das Substantiv „Schwein“; gemeint sind die Kalbsfüße, die gleich darauf ausdrücklich als „chue fuesß“ gestoßen werden. Es gibt im Rezept nur einen Satz Füße als Gelierbasis. Der Zwilling m384-064 sichert die Kalbsfuß-Lesart cross-source.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-170-orig" n="kraucz / chrewcz" resp="#fyndling">Herausnehmbares Trennkreuz (Holz), das die Platte in vier Felder teilt; nach dem Erstarren wird es „bei der Mitte“ herausgehoben, die freigelegten Kanten werden vergoldet. Die Lesart Kreuz (nicht Kraut) ist intern-kontextuell zwingend: das Objekt wird gesetzt, gliedert die Felder und wird wieder entfernt („die leistel da das chrewcz ist gewessen“).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-170-orig" n="pedem / podem" resp="#fyndling">Hier die gehobelte Servierplatte als Unterlage für das Schaugericht („auff den podem secz“), nicht der anatomische Fuß, obwohl lateinisch pedem „Fuß“ heißt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-170-orig" n="chue fuesß" resp="#fyndling">Kalbsfüße, für ihre gelierende Wirkung geschätzt und hier die Kollagen-Basis der farbigen Pasten. Dieselben Füße, die zu Beginn gesotten werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-170-orig" n="ckoll" resp="#fyndling">Holzkohle, hier zum Schwarzfärben verwendet. Medizinische Kohle aus der Apotheke ist eine moderne, sichere Alternative.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-170-orig" n="nagel" resp="#fyndling">Gewürznelken, die hier zusammen mit Holzkohle die schwarze Komponente färben und würzen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-170-orig" n="rowst" resp="#fyndling">Umlaufender Rahmen aus festem Roggenteig als verlorene Form, der die flüssige Gallerte bis zum Erstarren in Form hält und vor dem Servieren abgehoben wird. Vergleichbar mit dem mittelalterlichen Pastetenrand. Der Homograph Rost (Grille) scheidet kontextuell aus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-170-orig" n="span" resp="#fyndling">Holzspäne beziehungsweise Sägemehl, die unter die Gallerte gestreut werden, damit sie sich sauber vom Plattenboden löst; vor dem Servieren wird das Sägemehl „säuberlich heraufgezogen“. MHDBDB-Lemma spân (Holzspan). Ungewöhnliche, aber technisch schlüssige Antihaftmethode.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-170-orig" n="vergolden" resp="#fyndling">Das Anbringen von essbarem Blattgold als luxuriöse Dekoration, ein deutliches Zeichen von Reichtum und hohem Status des Gerichts.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-170-orig" n="preydt essen" resp="#fyndling">Prachtessen / Prunkmahl - benennt den Zweck des Gerichts als höfisches Repräsentationsstück für die Festtafel, nicht als Sättigungsspeise.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-170-orig" n="thue fueß" resp="#fyndling">„tue Füße hinein“ - „thue“ ist das Verb tun (MHDBDB-Lemma tuon), gemeint sind die Kalbsfüße als einzige Gelierbasis.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-170-orig" n="kraucz / chrawt / chrewcz" resp="#fyndling">„Trennkreuz“ - ein herausnehmbares Holzwerkzeug zur Gliederung der Platte in vier Felder.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-170-orig" n="pedem / podem" resp="#fyndling">„Platte“ / „Boden“ - die Unterlage für das Gericht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-170-orig" n="das gruen vnd das gel sol sawber sein mit esseich vnd mit wein wan dw die vier plue hast ab gewelt" resp="#fyndling">Anweisung, vier farbige Brühen (gelb, schwarz, weiß, grün) zu verwenden und symmetrisch anzuordnen. Die grüne Brühe ist nicht eigens beschrieben und fällt vermutlich mit der grünen Petersilien-Paste zusammen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-171-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein kleiner Süßwasserfisch - der Gründling (Gobio gobio) - in gesüßter, mit Zimt gewürzter Mandelmilch getränkt und dann in ungesalzenem Wasser sanft gegart, eine reine Fastenspeise. Heute erinnert das an ganz kleine, im Ganzen gegarte Fischlein wie Stinte oder Gründlinge, hier aber nicht frittiert, sondern in einem süß-aromatischen Mandelsud gebeizt und pochiert. Ein echter moderner Nachfahr fehlt; am nächsten kommen süß-würzige Fischzubereitungen mit Zimt und Zucker aus dem iberisch-mediterranen Escabeche-Umfeld. Die schlichte Grundform desselben Fisches im selben Sied-Verfahren zeigt Grundel gesotten (mar-210); mon-171 ist die veredelte Fastenvariante.

Der Titel gefüllt meint hier keine Bauchhöhlen-Füllung - im Text steht keinerlei Füllmasse. Gemeint ist mittelhochdeutsches vüllen im Sinne von vollsaugen: die Fischlein sollen sich mit Mandelmilch vollsaugen (wan sy al dar Inn ertruncken sind - wenn sie ganz darin getränkt sind). Titel und Verfahren stehen damit in offener Spannung; die Deutung „getränkt statt gefüllt“ ist die einzige, die der Ablauf hergibt.

Praxis. Setze zuerst eine Mandelmilch aus gemahlenen Mandeln und Wasser an, süße sie und rühre gestoßene Zimtrinde ein. Lass die Gründlinge nacheinander einzeln durch die Hand in frisches Wasser gleiten und wiederhole das über drei bis vier frische Wasserbäder - das entfernt bei diesem grundnahen Fisch Schleim, Sand und Erdgeschmack und geht zugleich schonend mit den kleinen Fischen um. Zuletzt zieh sie durch die Mandelmilch und hebe sie mit einem Schaumlöffel in eine Pfanne mit siedendem, ungesalzenem Wasser; lass sie darin nur sieden, nicht sprudelnd kochen, damit sie ganz bleiben. Sei dir bewusst, dass der Mandelmilch-Film beim Eintauchen ins Wasser weitgehend abgespült wird - der Zimt-Geschmack am Teller kommt vor allem vom abschließenden Bestreuen mit Zimt. Wer den Mandel-Zimt-Charakter deutlicher schmecken will, gibt am Ende großzügig Zimt darüber.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-171-orig" n="gefult grundel" resp="#fyndling">Das Titel-Wort meint hier keine Bauchhöhlen-Füllung - im Rezept steht keine Füllmasse. Gemeint ist mittelhochdeutsches vüllen im Sinne von vollsaugen: die Fischlein sollen sich mit Mandelmilch vollsaugen (wan sy al dar Inn ertruncken sind - wenn sie ganz darin getränkt sind).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-171-orig" n="grundel" resp="#fyndling">Der Gründling (Gobio gobio, englisch common gudgeon) ist ein kleiner, bodenlebender Süßwasserfisch, in Europa weit verbreitet. Er war ein häufiger, billiger Fastenfisch und wird hier durch Zucker, Zimt und Mandelmilch zu einem bewusst höfisch veredelten Gericht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-171-orig" n="mandel milich" resp="#fyndling">Mandelmilch war im Mittelalter eine wichtige Zutat, besonders in der Fastenzeit als Ersatz für Tiermilch, aber auch in der höfischen Küche für ihre feine Textur und ihren Geschmack.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-171-orig" n="czymmerrintten / czymoen" resp="#fyndling">Beide Begriffe bezeichnen Zimt. ‚Czymmerrintten‘ (Zimtrinde) wird für die Mandelmilch verwendet, während ‚czymoen‘ (Zimt) am Ende zum Bestreuen dient, was auf gemahlenen Zimt hindeutet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-171-orig" n="durch die handt lauffen" resp="#fyndling">Die Fische einzeln durch die Hand gleiten zu lassen dürfte dem gründlichen Reinigen dienen - bei einem grundnahen Fisch wie dem Gründling ließen sich so Schleim und Erdgeschmack entfernen, und das mehrfache Handling war zugleich schonend gegenüber den kleinen Fischen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-171-orig" n="versalczen" resp="#fyndling">Das ausdrückliche Verbot zu salzen (das das wasser nicht versalczen sey) ist hier gezielt: der süß-aromatische Mandel-Zimt-Charakter soll ungestört bleiben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-171-orig" n="faym loffel" resp="#fyndling">Ein Schaumlöffel, ein Küchengerät mit Löchern, das zum Abschöpfen von Schaum oder zum schonenden Herausheben fester Bestandteile aus Flüssigkeiten verwendet wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-171-orig" n="gefult grundel" resp="#fyndling">‚Gefüllte Gründlinge‘ - hier im Sinne von ‚mit Mandelmilch vollgesogene/getränkte Gründlinge‘. Der Rezepttext beschreibt keine Füllmasse, sondern nur ein Tränken in Mandelmilch (wan sy al dar Inn ertruncken sind); mittelhochdeutsches vüllen deckt diese Bedeutung ‚vollsaugen‘ ab. Titel und Verfahren bleiben damit in offener Spannung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-172-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein spätmittelalterliches Fasten-Schaugericht aus Mandeln - kein Mus im modernen Sinn, sondern eine geformte, mehrfarbig gestreifte Mandel-Konfekt-Platte. Die Basis mandel cziger ist ein milchfreier Frischkäse-Ersatz aus gemahlenen Mandeln (ziger = Molken-/Frischkäse, bis heute als alpines Ziger/Zieger lebendig). Diese feste, süße Mandelmasse ist praktisch identisch mit früher Marzipanmasse - das Gericht steht am Anfang der europäischen Marzipan- und Konfekt-Tradition und erinnert an eine kunstvoll dekorierte Marzipan-Platte oder buntes, geschichtetes Konfekt. Die Fasten-Kurzfassung desselben Prinzips ist m384-072 (dreifarbiges Mandelmus).

Die Füllung. Der Verweis fuell gleich als czw dem ygel löst sich korpusintern auf: Das Igel-Rezept ist mon-038 (Mandel-Igel), eine gestoßene, ausgepresste und mit Zucker abgeschmeckte Mandelmasse, fest genug zum Formen; dieselbe Machart auch bei mha-006 (weißer Igel). Die Füllung ist also eine süße, formbare Mandelpaste - keine Semmelbrösel und kein Fleisch. Hier wird sie klein gehackt und kräftig gewürzt (gburcz woll ab), wodurch sie dunkel wird: genau das swarcz des Textes. Es gibt also drei gefärbte Mandel-Teile plus die dunkle Füllung, keine vierte, schwarz gefärbte Schicht.

Farben. Petersiliensaft (grün) und Safran (gelb) sind zeittypische, geschmacklich verträgliche Färbemittel; der dritte Teil bleibt weiß - dasselbe Muster wie in m384-072. Bindung und Halt kommen ausschließlich aus der abgetropften Mandelmasse und dem Zucker, nicht aus Ei oder Mehlschwitze.

Praxis. Feuerloses Kalt-Montagegericht, gut vorzubereiten. Am Vortag den Mandel-cziger anrühren: gemahlene Mandeln mit wenig Wasser oder Rosenwasser zu fester Paste, über ein Tuch abtropfen lassen, mit Zucker verrühren - so wird sie schnitt- und formfest. In drei Teile teilen: einen mit fein passiertem Petersiliensaft grün färben und mit Ingwer und Zimtrinde würzen, einen mit in wenig Flüssigkeit gelöstem Safran gelb färben und mit Ingwer würzen, den dritten weiß lassen und mit Zucker abschmecken. Für die Füllung eine weitere Portion der gezuckerten Mandelpaste klein hacken und kräftig würzen, bis sie dunkel wird. Auf einer Schüssel lang und flach nebeneinander aufstreichen: erst das Weiße, dann die dunkle Füllung, dann das Grüne - als lesbare Streifen. Zum Schluss nach festem Farbschema bestreuen: vergoldete Mandeln nicht auf die dunkle Füllung und das Weiße, versilberte nicht auf Gelb und Grün; ersatzweise rotes Konfekt aufs Weiße und Gelbe, weißes aufs Dunkle und Grüne. Nur Schüssel, Tuch und Messer/Löffel nötig - kein Ofen, keine Flamme am Anrichtepunkt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-172-orig" n="schefczelten gemueß" resp="#fyndling">gemueß = Mus/Paste; das Bestimmungswort schefczelten ist ein Hapax (nur hier belegt) und bleibt ungeklärt, gehört aber ins Wortfeld zelten (flacher Kuchen/Fladen, vgl. phanczelten, bimezelten, leczelten). Passt zur langgestreckten, flachen Anrichtform (langklat).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-172-orig" n="mandel cziger" resp="#fyndling">Mandel-Ziger: ein milchfreier Frischkäse-Ersatz aus gemahlenen Mandeln für die Fastenzeit. ziger (Molken-/Frischkäse) ist im MHD-Korpus als Lebensmittel belegt und bis heute als alpines/schweizerisches Ziger/Zieger lebendig. Die feste, süße Mandelmasse ist praktisch identisch mit frühem Marzipan.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-172-orig" n="fuell gleich als czw dem ygel" resp="#fyndling">Die Füllung wird zubereitet wie beim Mandel-Igel (mon-038 im selben Buch, vgl. mha-006): eine süße, mit Zucker abgeschmeckte Mandelmasse. Der Verweis ist also süß und mandelbasiert - keine Fleischfüllung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-172-orig" n="gburcz woll ab" resp="#fyndling">‚Würze gut ab‘ - gburcz zeigt den mittelbairischen b-Anlaut für würzen/gewürz (b für w). Gemeint ist eine kräftige Würzung, die die Füllung dunkel färbt (das swarcz des Textes).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-172-orig" n="verb ... ab" resp="#fyndling">‚Färbe ... ab‘ - verb mit mittelbairischem b-Anlaut für ferb/färb (b für f).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-172-orig" n="czymer=rintten" resp="#fyndling">Zimtrinde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-172-orig" n="langklat" resp="#fyndling">Lang und flach. Beschreibt die Form, in der das Mus streifenweise auf der Schüssel angerichtet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-172-orig" n="vergolt / vber silbert mandel ckernn" resp="#fyndling">Mit Blattgold bzw. Blattsilber überzogene Mandeln - geschmacksneutraler Luxus-Dekor als Statuszeichen der höfisch-bürgerlichen Schauküche; als günstigere Alternative nennt das Rezept rot-weißes Konfekt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-172-orig" n="confertt" resp="#fyndling">Konfektstücke, hier farbig (rot und weiß), als günstigere Alternative zu Gold und Silber.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-172-orig" n="schefczelten gemueß" resp="#fyndling">‚Mandelmus-Fladen‘. zelten (Fladen/Kuchen) und gemueß (Mus/Püree) deuten auf eine geformte, flach angerichtete Speise hin; schefczelten selbst bleibt ein ungeklärtes Hapax.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-172-orig" n="fuell" resp="#fyndling">Süße, gezuckerte Mandelpaste wie beim Mandel-Igel (mon-038), klein gehackt und kräftig gewürzt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-172-orig" n="swarcz" resp="#fyndling">‚swarcz‘ bezeichnet die Füllung, die durch die kräftige Würzung dunkel geworden ist - der Text zählt drei gefärbte Mandel-Teile plus diese dunkle Füllung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-173-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein dreifarbiges Ei-Spießgericht aus der spätmittelalterlichen Schauküche - grün (mit Petersilie gefärbtes Eiweiß), weiß (reines Eiweiß) und gelb (Eidotter) werden getrennt in der Pfanne gestockt, in Streifen geschnitten, abwechselnd mit Feigen auf kleine Spießchen gesteckt, in Eierteig getaucht und frittiert. Es ist keine Fleischspeise: die Zutaten (Eier, Milch, Petersilie, Schmalz, Feigen, Zucker) enthalten kein Schaf. Im Korpus gehört es in die gut belegte Farbschau-Familie und hat direkte Geschwister in mon-076, mha-262 und m5919-093 (dasselbe Drei-Farben-Verfahren) sowie in koe-004 (die Apfel-Variante). Der lebende Techniknachfahr ist der frittierte Beignet-Spieß: Streifen aufreihen, in Ausbackteig hüllen, frittieren, zuckern.

Die grüne und weiße Masse (Eiweiß). Schlage das Eiweiß gut auf, hebe fein zerstoßene Petersilie und ein bis zwei Löffel Milch unter und rühre die Masse in heißem Schmalz auf, bis sie stockt - das ergibt eine feste, grüne Rührei-artige Masse ohne Dotter. Schütte sie auf ein Tuch und presse die überschüssige Feuchtigkeit heraus: das ist küchentechnisch zwingend, denn nur entwässert wird die Masse schnittfest genug, um in Streifen geschnitten und aufgespießt zu werden. Für die weiße Schicht dieselbe Prozedur ohne Petersilie.

Chochel - die gelbe Schicht. Der Text sagt ausdrücklich, sie werde aus dem Eidotter in einer kleinen Pfanne gemacht: gut verklopfter Dotter, in der Pfanne zu einem kleinen, festen, sattgelben Küchlein gestockt (bair. kuchel/köchel = kleiner Kuchen, Küchlein). Ein reiner Dotterkuchen liefert die dritte, kräftig gelbe Farbe und ist ebenfalls schnittfest. Eine Grieß-Deutung trägt hier nicht - im Rezept kommt kein Grieß vor.

Spießchen, nicht Bratspieß. Gemeint sind kleine Steck-/Holzspießchen: einzelne kleine Segmente werden farblich alternierend grün-weiß-Feige-gelb aufgereiht (so viele Spießchen, wie man will), nicht ein großer Bratspieß über dem Feuer. Der Eierteig umhüllt beim Frittieren den ganzen Spieß, verklebt die lose aufgereihten Segmente zu einem festen Strang und bräunt außen goldgelb.

Praxis. Alles ist am offenen Feuer machbar: kleine Pfanne (Reindl) zum Stocken der Massen und für den Dotterkuchen, ein Schmalz-Frittierbad im Kessel oder Reindl über Glut zum Ausbacken - kein Ofen, keine Kühlung nötig. Die Massen sollten vor dem Schneiden kalt und fest sein, damit sich saubere Streifen aufspießen lassen; darum bereitet man sie vor und spießt/backt vor Publikum. Nach dem Frittieren den Spieß herausziehen, die Hülle der Länge nach aufschneiden, sodass das grün-weiß-gelbe Ringmuster sichtbar wird, und mit Zucker bestreuen. Ehrlich gesagt trägt die reine Eiweiß-Schicht geschmacklich wenig (gestocktes Eiweiß ohne Salz-/Fettangabe) - sie ist Farb- und Strukturelement; Geschmack kommt aus Feige, Zucker und dem Frittierteig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-173-orig" n="schaff czagel" resp="#fyndling">Wörtlich ‚Schafsschwanz‘ (zagel = Schwanz, bair.). Hier ein formbezogener Schauname, kein Fleischgericht: die aufgeschichtete, langgezogene und der Länge nach aufgeschnittene Spießhülle erinnert optisch an einen Schwanz; die Zutatenliste enthält kein Schaf. Verwandt mit dem korpusweiten Ausdruck ‚schaffczaglat‘ (in Schafszagel-Form, länglich geschnitten), der auch für andere geschichtete Speisen verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-173-orig" n="tutter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tutter">Bairische Form für ‚Eidotter‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-173-orig" n="pettersil" resp="#fyndling">Bairische Form für ‚Petersilie‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-173-orig" n="smalcz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz. Für eine vegetarische Variante kann Pflanzenöl oder Butter verwendet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-173-orig" n="tuech" resp="#fyndling">Ein feines Tuch, ähnlich einem Passiertuch oder Käsetuch, zum Auspressen der Eiweißmasse.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-173-orig" n="chochel" resp="#fyndling">Bair. ‚kuchel‘/‚köchel‘ - ein kleiner Kuchen bzw. Küchlein (zu mhd. kuoche; Lexer ‚kuchel s.v.a. kuchen‘, Goetze ‚kuchel f., bair./österr.‘). Im Rezept ausdrücklich aus Eidotter in einer kleinen Pfanne gestockt: ein kleiner, fester Eidotter-Kuchen, der die gelbe Farbschicht liefert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-173-orig" n="phan" resp="#fyndling">Bairische Form für ‚Pfanne‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-173-orig" n="spissell" resp="#fyndling">Kleine Steck-/Holzspießchen zum Aufreihen der einzelnen Komponenten, die dann in Teig getaucht und frittiert werden - kein großer Bratspieß. Die Anweisung, einzeln ein grünes, ein weißes, eine Feige und ein gelbes Stück aufzustecken, macht die kleinen Spieße evident.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-173-orig" n="grus" resp="#fyndling">Das ‚grüne‘ Stück, also die mit Petersilie grün gefärbte Eiweißmasse (Kontrast zu ‚weyß‘ = weiß und ‚gelbs‘ = gelb im selben Aufspieß-Schema). Intern durch ‚das gruen‘ weiter oben im Rezept verankert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-173-orig" n="czuckerr" resp="#fyndling">Zucker war im Mittelalter ein teures Luxusgut und wurde oft sparsam als Gewürz oder zur Dekoration eingesetzt, auch bei herzhaften oder süß-sauren Gerichten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-173-orig" n="schaff czagel pachen mit air" resp="#fyndling">‚Ein gebackener Schafsschwanz mit Ei‘ - als dreifarbiges Schaugericht mit formbezogenem Namen verstanden, das aus Eiern, Feigen und einer Teighülle besteht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-174-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dreifarbige, gefüllte Eierfladen - pletter meint hier Pfannkuchen, nicht Blätter. Drei getrennt aufgeschlagene Ei-Teige (weiß aus Eiweiß, grün aus Ei mit gestoßener Petersilie, gelb aus mit Safran gefärbtem Dotter) werden zu bewusst dicken Fladen gebacken, mit süßer Trockenobst-Füllung belegt und in einem zweiten Eierteig ausgebacken. Der nächste lebende Verwandte ist die gefüllte Palatschinke mit Obstfüllung; über die Ei-Schlag-Technik gehört es in die Familie der Kaiserschmarrn- und Omelette-souffle-Verwandtschaft. Die Farbtrias weiß/grün/gelb macht es zum Schauessen der Festtafel.

Die Bindung läuft ausschließlich über Ei - keine Mehlschwitze, keine Semmelbindung. Damit jede Farbe rein bleibt, werden die drei Massen gesondert und über die Maßen gut aufgeschlagen, also außerordentlich gründlich, bis sie luftig und stabil sind. Die Färbung ist reine Optik: Safran gibt Gelb, gestoßene Petersilie Grün, unbehandeltes Eiweiß Weiß - Petersilie und Safran würzen hier nicht, sie färben. Der Vergleich der Füllung mit Oblaten (als czw dem obblaten) ist ein Machart-Hinweis: die Fruchtmasse soll so beschaffen sein wie das, was man sonst in dünne Oblaten einschlägt, nicht eine Oblate als Zutat.

Der zweite Backgang dient dem Einschließen: der Eierteig als Hülle versiegelt die gefüllten Fladen beim Braten, ganz wie ein Fritter- oder Arme-Ritter-Überzug - es entsteht eine umhüllte Einzelportion, keine geschichtete Textur.

Praxis. Trenne die Eier und setze drei Schüsseln an: reines Eiweiß (weiß), Ei mit fein gestoßener Petersilie (grün), Dotter mit einer Prise in wenig Flüssigkeit gelöstem Safran (gelb). Jede Masse getrennt kräftig aufschlagen. In einer Pfanne mit etwas Schmalz oder Öl (im Text nicht genannt, aber nötig) aus jeder Farbe mehrere Fladen backen, absichtlich etwas dicker als sonst, damit sie beim Füllen nicht reißen. Für die Füllung Äpfel, Rosinen und Feigen zu einer süßen Masse verarbeiten. Fladen füllen, zusammenklappen, durch verquirltes Ei ziehen und in der Pfanne rundum ausbacken, bis das Ei stockt. Heiß servieren. Wegen der drei parallelen Ansätze, der Einzelfüllung und des doppelten Garvorgangs ist das eher fingerfertige Vorführ-Arbeit als ein schnelles Gericht; eine einfarbige Reduktion vereinfacht es deutlich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-174-orig" n="pletter" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch für ‚Pfannkuchen‘ oder ‚Eierfladen‘, nicht ‚Blätter‘ im botanischen Sinne. Korpusintern klar belegt (u.a. mon-017, mon-025), gestützt durch Lexer, Schmeller und Grimm (‚blat/pletter‘).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-174-orig" n="tutter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tutter">Bairische Form für ‚Eidotter‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-174-orig" n="wesunder" resp="#fyndling">Bairisch-österreichische Variante von ‚besunder‘ (= gesondert, separat) mit typischem w-/b-Wechsel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-174-orig" n="ausß der massen woll" resp="#fyndling">Feste frühneuhochdeutsche Wendung ‚über die Maßen wohl‘ = außerordentlich, überaus gut. Ein Intensivierer zum Verb ‚chloppf‘ (klopfe/schlage), kein Bezug auf die Ei-Masse. Dieselbe Wendung erscheint im Korpus auch in bgs-018, m384-077 und mar-233.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-174-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Wörtlich ‚Weinbeeren‘, im Kontext einer Füllung mit getrockneten Früchten sind ‚Rosinen‘ gemeint (Lexer 1482 ‚passile‘, Grimm ‚trucken weinper = rosine‘).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-174-orig" n="obblaten" resp="#fyndling">Machart- und Konsistenzvergleich: die Füllung soll so beschaffen sein wie das, was man in dünne Waffel-/Oblaten einschlägt. Keine Zutat des Rezepts. Korpus-Hapax (nur mon-174).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-174-orig" n="gilb" resp="#fyndling">Imperativ des Verbs ‚gilben/gelben‘, also ‚färbe gelb‘. Gemeint ist nicht das Gewürz Safran als Zutat, sondern die Handlung des Gelbfärbens damit.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-174-orig" n="ausß der massen woll" resp="#fyndling">‚über die Maßen wohl‘ = außerordentlich, überaus gut. Feste frühneuhochdeutsche Adverbialwendung, die das Verb ‚chloppf‘ (klopfe/schlage) verstärkt: die Eiermassen sollen überaus gründlich aufgeschlagen werden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-175-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein festliches Fasten-Dessert: kleine Backförmchen mit Mandel-Ziger, vorgebacken, dann mit safrangelber dicker Mandelmilch übergossen und durchgebacken, heiß mit Zucker serviert. Es ist der milchfreie Fasten-Vorfahr des überbackenen Ricotta-Törtchens - ein Mandel-Cheesecake im Miniaturformat, komplett milchfrei. Der Mandel-Ziger ersetzt Quark, die Mandelmilch die Milch.

Der Ziger als standfeste Basis. Der Mandel-Ziger ist eine bereits geronnene, abgetropfte und leicht gepresste Masse (Mandelmilch durch Säure gefällt). Beim Backen schmilzt er nicht wie Milchkäse - ihm fehlen Milchfett und Casein -, sondern er trocknet und festigt sich und hält so die Form im Förmchen. Genau deshalb wird er erst fast durchgebacken, bevor die flüssige Deckschicht daraufkommt: eine noch weiche Zigermasse würde von der dünnen Milch aufgeweicht und unterwandert.

Die dicke Mandelmilch als Guss. Der Text schreibt eine dicke Mandelmilch vor, nennt aber - fastentypisch, also ohne Ei - kein Bindemittel. Dick wird sie nur über starke Reduktion, sehr hohen Mandelanteil oder einen Zusatz von Reis beziehungsweise Reismehl (Korpus-Konvention). Wer sie nur leicht eingedickt ansetzt, riskiert ein Topping, das im Ofen nicht stockt und beim Servieren verläuft. Der Safran ist reine Färbung (goldgelb, festlich), er bindet nichts.

Praxis. Mandel-Ziger herstellen (oder festen Mandel-Ricotta/Mandelquark nehmen), Förmchen bis einen halben Finger, also etwa 1 bis 1,5 cm, unter den Rand füllen und den Rand frei lassen. Im Ofen backen, bis der Ziger fest steht und fast durchgebacken ist. Währenddessen die dicke Mandelmilch ansetzen und mit einem hohen Mandelanteil oder etwas Reismehl auf Guss-Konsistenz bringen, mit Safran goldgelb färben. Über den Ziger gießen (der frei gelassene Rand fängt sie auf, nichts läuft über) und wieder in den Ofen, bis der Guss zu einer custardartigen Haut gestockt und alles ganz durchgebacken ist. Heiß mit Zucker bestreut servieren. Der Guss ist dabei nicht nur Deko, sondern auch der Feuchtigkeits-Deckel für den sonst zum Austrocknen neigenden Ziger.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-175-orig" n="mandel ziger" resp="#fyndling">Ein ‚Ziger‘ bezeichnet einen Molken- beziehungsweise Frischkäse; hier die milchfreie Mandel-Variante: Mandelmilch, durch Säure zum Gerinnen gebracht und abgetropft - der klassische Fastenersatz für Quark oder Ricotta, um die Fastengebote einzuhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-175-orig" n="offlein" resp="#fyndling">Ein kleiner Backofen. Für dieses Rezept ist eine kontrollierte Backtemperatur wichtig, um die empfindlichen Töpfchen gleichmäßig zu garen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-175-orig" n="vasten" resp="#fyndling">Die christliche Fastenzeit, in der der Verzehr von Fleisch und tierischen Produkten (außer Fisch) verboten war. Mandelmilch und Mandel-Ziger waren beliebte Ersatzprodukte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-175-orig" n="milich / mandel milich" resp="#fyndling">Aufgrund des Kontextes ‚in der vasten‘ (in der Fastenzeit) und der späteren ausdrücklichen Nennung von ‚mandel milich‘ wird ‚milich‘ hier durchgängig als Mandelmilch interpretiert - der gängige Milchersatz während der Fastenzeit.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-175-orig" n="topflein / topfflein / tophlein / toppfel" resp="#fyndling">Die verschiedenen Schreibweisen werden als ‚Töpfchen‘ beziehungsweise ‚Backförmchen‘ übersetzt. Der Ablauf - einzeln füllen bis einen halben Finger unter den Rand, im ‚offlein‘ backen, dann mit Guss übergießen und fertigbacken - legt kleine, individuelle Backformen nahe, nicht einen einzelnen großen Kochtopf.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-175-orig" n="laß lar sten" resp="#fyndling">Diese Phrase wird als ‚lass [den oberen Teil] leer stehen‘ übersetzt (‚lar‘ = leer). Sie bezieht sich auf den zuvor genannten ‚halben vinger‘ Platz, der frei bleiben soll, um später die Safran-Mandelmilch aufzunehmen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-176-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gedeckte, geschichtete Geflügelpastete - die deutschsprachige Schwester der italienischen crostata di pollo und Vorfahr der herzhaften raised pie. Heute erinnert sie am ehesten an eine gedeckte Hühnerpastete oder einen im gusseisernen Topf gebackenen Auflauf. Der Zwilling ist das nahezu deckungsgleiche italienische Rezept mar-010 (crostata de pippioni o de pollastri mit Kirschen): dieselbe Kern-Konstruktion aus vorgegartem, zerteiltem Geflügel, Teigkruste in der Pfanne, Kirschen als Fruchtkomponente und dem Finish mit fetter Brühe, über der Glut fertiggebacken.

Warum das Geflügel vorgegart wird. Der erste Schritt - sewd die ab gancz, also das Geflügel ganz gar sieden - ist nicht optional, sondern garantiert den Gargrad: Die Pastete backt anschließend nur relativ kurz unter der Glut, rohes Huhn würde in der geschlossenen Teighülle in dieser Zeit nicht sicher durchgaren. Das Vorgaren macht zugleich das saubere Auslegen der Viertel einfach. Weyß (weiß) steht nur bei der ersten Hühnerlage - die späteren Lagen sind unqualifiziert; vermutlich wird bewusst zuerst das helle Brustfleisch geschichtet.

Speck als Boden. Der Speck, eine gute Spanne lang, wird so in die Pfanne gelegt, dass er über den Rand hinausragt. Das ist doppelt sinnvoll: Er fettet und isoliert den Boden gegen das Anbrennen auf der Glut und liefert Bratfett und Geschmack; der überstehende Rand dient zum Umschlagen und als Dichtung.

Backen mit Ober- und Unterhitze. Glut unten, ein zweiter Teigfladen als Deckel, darüber eine gestürzte Pfanne, ein Blech oder ein großer Topfdeckel (haffendeck) mit Kohlen obenauf - das klassische Dutch-Oven- beziehungsweise Reindl-Prinzip als Ersatz für den gemauerten Backofen. Das reale Risiko ist Anbrennen unten; der Speckboden mildert es, ersetzt aber keine Aufmerksamkeit und regelmäßiges Kohle-Nachlegen.

Der Brüh-Nachguss. Erst wird trocken angebacken, damit sich der Teig setzt und verfestigt. Dann ein kleines Loch oben hinein, die mit Ingwer gewürzte fette Brühe eingießen und das Loch wieder verschließen - so bleibt die Füllung saftig und trocknet nicht aus, das Loch dient zugleich als Dampfabzug. Gebunden wird allein durch Fleisch, Brühe und Teighülle, ohne Mehlschwitze.

Praxis. Hühnerviertel vollständig gar kochen, Sauerkirschen entstielen, Mangold waschen und grob verlesen. Einen kräftigen, nicht zu dünnen Teig (Mehl, Wasser, Salz) ausrollen, in die speckausgelegte Pfanne oder einen Dutch Oven legen und im Wechsel Kirschen, Huhn, Mangold schichten. Mit einem Teigdeckel verschließen, bei mittlerer Ober- und Unterhitze anbacken, dann durch ein Loch etwas kräftige, mit Ingwer gewürzte Brühe eingießen und heiß servieren. Ob man die Teighülle mitisst oder nur als Backform nutzt, lässt das Original offen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-176-orig" n="schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Bedeutet hier ‚sauber‘ oder ‚rein‘, nicht ‚schön‘ im ästhetischen Sinne. Der Mangold soll gründlich gereinigt und verlesen sein.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-176-orig" n="platt" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#platt">Bezeichnet einen Fladen aus Teig, der als Boden und Deckel der Pastete dient, nicht einen Pfannkuchen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-176-orig" n="posseten" resp="#fyndling">Bairische Schreibvariante zu ‚Pastete‘ (vgl. basteden in rfk-039, basteten in m384-017, italienisch crostata in mar-010): eine in Teig eingeschlagene, gedeckt gebackene Fleisch-Frucht-Pastete. Die Lesart ist durch die Zwillingsrezepte gesichert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-176-orig" n="romisch" resp="#fyndling">‚Römisch‘ meint hier keine antik-römische Speise, sondern kennzeichnet - wie oft in deutschen Kochhandschriften des 15. Jahrhunderts - eine als vornehm oder welsch (italienisch) empfundene Zubereitung. Der italienische Zwilling mar-010 belegt die Anleihe.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-176-orig" n="piessen ckrawt" resp="#fyndling">Mangold (Beta vulgaris). Das Wort piessen erscheint auch in m811-003 als iung piessen pleter (junge Mangold-Blätter); Goetze belegt biese f. mangold (lat. beta). Damit ist die durch die Randnotiz ‚?!‘ markierte Stelle gesichert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-176-orig" n="weychsel" resp="#fyndling">Bezieht sich auf Sauerkirschen (Prunus cerasus), die im Mittelalter häufig in herzhaften Gerichten verwendet wurden, um eine süß-saure Note zu erzielen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-176-orig" n="haffendeck" resp="#fyndling">Hafendeckel - der Deckel eines irdenen Kochtopfs (bairisch Hafen = Topf). Er wird hier zweckentfremdet als gluthaltender Oberdeckel über die Pastete gestürzt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-176-orig" n="sewd die ab gancz auf Die statt" resp="#fyndling">Übersetzt als ‚siede sie ganz gar‘: gancz (ganz) plus die Garformel ab sieden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-176-orig" n="posseten" resp="#fyndling">Als ‚Pastete‘ oder gedeckter Auflauf übersetzt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-176-orig" n="huener viertaill weyß" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#viertaill">Als ‚Hühnerviertel vom weißen Fleisch‘ übersetzt: weyß steht nur bei der ersten Hühnerlage.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-176-orig" n="grossew haffendeck" resp="#fyndling">Als ‚großen Topfdeckel‘ übersetzt: bairisch Hafen = Topf, hier als gluthaltender Oberdeckel gestürzt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-176-orig" n="gewurcz dee mit yngberr" resp="#fyndling">Als ‚würze diese mit Ingwer‘ übersetzt. Obwohl gewurcz allgemein ‚Gewürz‘ bedeutet, wird hier nur Ingwer genannt, was ihn als Leitgewürz der Brühe ausweist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-177-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gespickter Hirschbraten, gar gebraten, kalt in Scheiben geschnitten und mit einer schwarzen, süß-scharfen Gewürzsauce aus Wein, Honig, geröstetem Brot, Nelken und Pfeffer übergossen - kalt serviert. Das ist der spätmittelalterliche Klassiker der schwarzen Pfeffersauce zu gebratenem Wildbret. Heute erinnert es an einen kalt aufgeschnittenen Wildbraten mit dunkler, würzig-süßer Wildsauce; es ist der direkte Vorfahr der brotgebundenen deutschen Wild- und Pfeffersauce und ein enger Verwandter des Sauerbraten-Prinzips (dunkle, mit Brot gebundene süß-saure Rotweinsauce) sowie der französischen sauce poivrade zu Wild.

Braten spicken und erkalten lassen. Wildbret ist mager - das Spicken mit Speckstreifen bringt Fett ins Fleisch und hält es beim Durchbraten saftig. Der Braten muss vollständig gar durchgebraten werden (kontrollierte, langanhaltende Hitze aus Ofen oder am Spieß, nicht schnelle Glut). Nach dem Braten lässt man ihn ganz erkalten - erst das erkaltete, gefestigte Fleisch lässt sich sauber in dünne Scheiben schneiden.

Die schwarze Brühe. Der Sud aus geröstetem/geriebenem Brot, Wein, Honig, Nelken und Pfeffer wird gut durchgesiedet, bis das Brot zerfällt und die Sauce bindet - das geröstete Brot ist hier das zeittypische Bindemittel, keine Mehlschwitze. Der Honig balanciert die Weinsäure, das lange Sieden zieht die Gewürzaromen aus. Die schwarze Farbe entsteht regulär aus geröstetem Brot, dunklem Wein und den Gewürzen.

Nachfärben nur im Notfall. Wird der Sud nicht dunkel genug, färbt man mit einer Lindenkohle (Holzkohle) nach. Die Kohle ist geschmacksneutral und löst sich nicht auf - sie schwärzt durch feine Verteilung im Sud. Modern lässt sich Aktivkohle in Lebensmittelqualität einsetzen.

Praxis. Alles am Vortag vorbereiten: Braten garen, spicken, erkalten lassen; Sud durchsieden. Die kalten Bratenscheiben in die noch warme (nicht heiße) Brühe legen, damit die Sauce einzieht - dann kalt zu Tisch geben. Da Brot, Wein und Honig bereits kräftig würzen und ein kaltes Gericht Salz stärker wahrnehmbar macht, mit dem Salz zurückhaltend sein (der Originaltext warnt ausdrücklich vor dem Versalzen). Mengen nennt die Quelle nicht - Bindung und Würze nach Gefühl einstellen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-177-orig" n="swarczen prun" resp="#fyndling">‚Schwarze Brühe/Sauce' (prun/prue zu mhd. brüeje = Brühe). Eine dunkle Wein-Honig-Pfeffer-Sauce zu Braten und Fisch - ein europaweit verbreiteter Typ der gehobenen mittelalterlichen Küche. Die schwarze Farbe entsteht regulär durch geröstetes/geriebenes Brot, Wein und die Gewürze; die Kohle-Färbung ist im Rezept nur die optionale Reserve, falls das nicht genügt. Das lateinische Pendant im Registrum Coquine (boc-018a, ‚piperatum nigrum de vino') wird ausdrücklich ‚pro magnatibus' - für die Vornehmen - empfohlen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-177-orig" n="lindten choll" resp="#fyndling">Lindenkohle - Holzkohle aus Lindenholz, hier als geschmacksneutrales schwarzes Färbemittel für die Sauce, falls sie nicht dunkel genug wird. Der explizit benannte Färbe-Schritt ist ein belegter, aber seltener Beleg für gezieltes Schwarzfärben in einem deutschsprachigen Rezept des 15. Jahrhunderts. Heute lässt sich Aktivkohle in Lebensmittelqualität verwenden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-177-orig" n="scherben" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#scherben">Hier ‚Scheiben/Stücke' - der kalte Braten wird zum Servieren aufgeschnitten. Nicht zu verwechseln mit der andernorts im Mondseer Kochbuch belegten Bedeutung ‚Teighülle/Pastetenform' und ebenso wenig mit ‚Tongefäß/Scherbe'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-177-orig" n="scherben" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#scherben">‚Scheiben' oder ‚Stücke' - der kalte Braten wird zum Servieren aufgeschnitten. Hier lizenziert der Splitter-/Bruchstück-Sinn von ‚Scherbe' (Fleisch zu Stücken schneiden) das Schneiden, nicht der Gefäß-Sinn.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-178-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein kalt serviertes Geflügelgericht: gut gebratenes Geflügel wird in einer gewürzten, eingekochten Wein-Fleischbrühe eingelegt, die beim Erkalten bindet und den Braten mehrere Tage haltbar hält. Die lebende Verwandtschaft ist Geflügel in Aspik beziehungsweise Hühnersülze - kein Confit, denn hier gibt es keine Fettschicht, sondern eine reduzierte, safrangewürzte Wein-Brüh-Gallerte. Küchentechnisch gehört es zur spätmittelalterlichen Gallert-Familie (vgl. die Brotgallerte kkm-052 und das Gelee men-253).

Kümmel spät zugeben. Der römische Kümmel (Kreuzkümmel) wird gestoßen und erst nach dem ersten Sieden zugegeben, aber ausdrücklich nicht mitgekocht. Das ist reines Aroma-Management: langes Kochen treibt die flüchtigen Aromaöle des Cumins aus und macht sie bitter. Die späte Zugabe bewahrt den Duft - eine bemerkenswert präzise Anweisung.

Bindung ohne Mehl. Gebunden wird über eingeweichte Semmel (Brotbindung) plus die Gelatine aus der reduzierten Fleischbrühe - keine Mehlschwitze. Damit die Brühe beim Erkalten wirklich zu einer stabilen Gallerte geliert, sollte die Fleischbrühe kollagenreich angesetzt sein (etwa aus Kalbsfuß, Schwarten oder Geflügelkarkassen); eine sehr magere Brühe allein bindet nur schwach.

Praxis. Geflügel über der Glut oder am Spieß gut braten, dabei sparsam salzen (die Brühe salzt später nach). Semmel, guten Wein und die magere Fleischbrühe in Topf oder Pfanne aufsetzen und sieden lassen. Den gestoßenen Kümmel einrühren, nicht weiterkochen, dann alles durch ein Tuch streichen. Die passierte Brühe erneut aufwallen lassen und mit Safran und Pfeffer würzen; sobald sie einmal aufgekocht ist, vom Feuer nehmen, nicht überreduzieren. Das Geflügel in Stücke schneiden, in die Brühe legen und vollständig erkalten lassen, gut zugedeckt. Wichtig für heute: Die im Text genannte Haltbarkeit von acht bis neun Tagen setzt durchgehende Kühlung voraus und ist ohne Kühlkette nicht lebensmittelsicher reproduzierbar - im Lager also frisch zubereiten und rasch verzehren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-178-orig" n="romischen chumell" resp="#fyndling">Römischer Kümmel = Kreuzkümmel (Cuminum cyminum), im Frühneuhochdeutschen so genannt zur Abgrenzung vom heimischen Wiesenkümmel (Carum carvi). Er war im Mittelalter in Europa weit verbreitet und wurde oft zur Würzung von Fleischgerichten und Saucen verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-178-orig" n="pratt" resp="#fyndling">Hier im Titel als 'Braten' zu verstehen, also das Gericht selbst, das gebraten wird. Im Rezepttext wird 'gepratten' als Partizip 'gebraten' verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-178-orig" n="semeln" resp="#fyndling">Eingeweichtes oder geriebenes Weißbrot, das zusammen mit der Gelatine der reduzierten Brühe als Bindemittel dient - eine zeittypische Brotbindung, keine Mehlschwitze.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-178-orig" n="magre prue von fleisch" resp="#fyndling">Eine 'magere' Fleischbrühe ist eine klare, entfettete Brühe. Obwohl das Gericht Geflügel enthält, das nicht fastentauglich ist, wurde der Begriff 'mager' auch für fettarme oder klare Speisen verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-178-orig" n="streich das durch ein tuech" resp="#fyndling">Die Brühe wird durch ein Tuch (z.B. ein Passiertuch oder Käsetuch) gestrichen, um sie zu klären und eine feine Konsistenz zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-178-orig" n="well es wider ab" resp="#fyndling">'wallen' = aufwallen/aufkochen; hier: die passierte Brühe erneut aufkochen. Beim anschließenden Erkalten bildet sie die geleeartige Schicht, die den Braten haltbar macht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-178-orig" n="chumell" resp="#fyndling">Als 'Kümmel' im Sinne von Kreuzkümmel (Cumin).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-178-orig" n="versalczen" resp="#fyndling">Als 'versalzen' im Sinne von 'zu stark salzen'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-178-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Als 'Gewürz' im allgemeinen Sinne, gefolgt von spezifischen Gewürzen (Safran, Pfeffer).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-179-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht mit fester Zutatenliste, sondern eine kurze Verwertungsnotiz: Die kräftige, dunkle Brühe, in der zuvor Wildbret gelegen hat, wird ein zweites Mal genutzt, um darin Hühnerklein - Kopf, Leber, Muskelmagen und weitere Innereien - garzuziehen. Es ist der Vorfahr des heutigen Hühnerklein-Eintopfs und die kulinarische Schwester des österreichischen Beuschels: Innereien in kräftiger Brühe. Zugleich die Urform des Zweitaufguss-Kochens, bei dem ein aromatischer Fond nicht weggeschüttet, sondern ein weiteres Mal eingesetzt wird.

Die schwarze Brühe ist im unmittelbar vorangehenden Rezept (mon-177, Hirschbraten in schwarzer Gewürzbrühe) im Detail beschrieben: Brot zur Bindung und Färbung, Wein für die Säure, Honig für die Süße, dazu Nelken und Pfeffer; reicht die Farbe nicht, wird mit etwas Lindenkohle nachgedunkelt. Der Satzanfang in der schwarzen Brühe, in der das Wildbret gelegen ist verweist genau darauf zurück - der Text setzt diese Brühe als bekannt voraus.

Das Wort als steht hier explikativ (im Sinne von nämlich oder und zwar) und zählt die verwendbaren Hühnerteile auf: hunr als Oberbegriff, hawpp/leberel/magel als Kopf, Leberlein und Mägelein. Dieselben Kleinteile erscheinen im Korpus als Hühner-Bestandteile (mon-086 nennt leber magel oder fuessel, mon-170 hawpp als Kopf).

Praxis. Ein Ein-Topf-Gericht über der Glut: die fertig abgeschmeckte schwarze Brühe heiß halten (sieden bis knapp darunter), die Innereien einlegen und ziehen lassen. Die Leber darf nicht überkochen, sonst wird sie körnig und hart; sie braucht nur wenige Minuten. Magen und Kopf vertragen längeres Ziehen und geben zusätzliches Aroma ab. Eine weitere Bindung ist nicht nötig - das Brot des Grundsuds bindet bereits. Kein Spezialgerät, nur ein schlichter Topf oder ein Reindl; kein Ausbraten. Der Text nennt keine Mengen und keine Garzeit - die Zubereitung lebt ganz vom Kontext der vorangehenden schwarzen Brühe.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-179-orig" n="swarczen prue" resp="#fyndling">Die ‚schwarze Brühe‘ meint hier den dunklen, kräftigen Sud, in dem zuvor das Wildbret gelegen hat. Wie diese Brühe entsteht, beschreibt das vorangehende Rezept (mon-177): dunkles Brot, Wein, Honig, Nelken und Pfeffer, bei Bedarf mit etwas Lindenkohle nachgedunkelt. Der Zweitgebrauch dieses Fonds ist der eigentliche Rezeptkern.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-179-orig" n="wildtpratt" resp="#fyndling">Wildbret - Fleisch von Wildtieren (z.B. Hirsch, Wildschwein, Hase).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-179-orig" n="hawpp" resp="#fyndling">Kopf - hier der Hühnerkopf, eine im Mittelalter übliche Zutat, die heute nur noch selten (Wochenmarkt oder Metzger auf Vorbestellung) zu bekommen ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-179-orig" n="leberel / magel" resp="#fyndling">Verkleinerungsformen für Hühnerleber und Hühner-Muskelmagen - klassisches Hühnerklein. Dieselben Teile nennt mon-086 als Hühner-Bestandteile (leber magel oder fuessel).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-179-orig" n="hunr als das hawpp leberel vnd magel" resp="#fyndling">‚das Huhn, nämlich den Kopf, das Leberlein und das Mägelein‘. Das Wort als steht explikativ (‚nämlich‘, ‚und zwar‘) und zählt die verwendbaren Hühnerteile auf; hunr ist der Oberbegriff.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-180-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ganze Sauerkirschen, in einem gewürzten Honigsirup eingelegt und im verschlossenen Fass haltbar gemacht - trotz des überlieferten Wortes „Mus" ist es kein passiertes Püree, sondern ganze Früchte, die im Sirup schwimmen. Der nächste lebende Verwandte ist die eingemachte Kirsche im Glas; durch das tägliche Wenden im verschlossenen Gefäß ist es zudem ein Methoden-Vetter des süddeutschen Rumtopfs (nur mit Honigsirup statt Alkohol). Damit hebt es sich vom breiten Weichsel-Latwerge-Cluster ab, der die Frucht zu einem dicken, gebundenen Mus einkocht.

Die Klippe „durch ein Tuch streichen". Wörtlich klingt „streiche sie durch ein Tuch" nach Passieren der ganzen Frucht - doch danach kommen ausdrücklich ganze entstielte Kirschen ins Fass. Ein reines Mus hätte keine ganzen Kirschen mehr. Aufgelöst wird das durch das nah verwandte bgs-084 („Cumpost von wisseln"): dort wird ebenfalls durchs Tuch gestrichen und danach werden ganze Kirschen eingelegt - durchs Tuch gewonnen wird also nur der klare, gewürzte Saft (die „prue"), die ganzen Kirschen bleiben erhalten. Das zweite Aufkochen dient dem Einreduzieren des Sirups: höhere Zuckerdichte, bessere Haltbarkeit.

Die Klippe „ain stund vmb". „Cher es all tag ain stund vmb" lässt sich als „eine Stunde lang wenden" oder als „einmal wenden" lesen (mhd. stunt = ein Mal, Zählwort). Ein Fass eine Stunde lang zu drehen ergibt keinen Sinn; gemeint ist das tägliche einmalige Wenden von einem Boden auf den anderen, damit der Sirup alle Kirschen gleichmäßig benetzt und die oben liegende Frucht nicht trockenfällt oder schimmelt.

Praxis. Entstielte Sauerkirschen mit reichlich Honig aufsetzen - so viel, dass die Früchte am Ende vollständig bedeckt sind; davon hängt die Konservierung ab. Aufkochen, bis die Kirschen Saft gezogen haben, dann den Saft durch ein Tuch abgießen und die Kirschen beiseitestellen. Den abgeseihten Saft gut einkochen und heiß mit Ingwer, Pfeffer und Muskatblüte würzen. Die ganzen Kirschen in ein sauberes, dicht schließendes (idealerweise ausgepichtes) Gefäß geben und den erkalteten Sirup darübergießen - kalt, damit die Frucht nicht zerfällt. Verschließen, kühl stellen, täglich einmal wenden. Als frisch angesetzter, in ein bis zwei Wochen verzehrter Kirschen-Honig-Ansatz problemlos; die im Text beschriebene Ganzjahres-Lagerung braucht einen konstant kühlen Keller. Es gibt keine Mehl- oder Brotbindung und keine Andickung - reines Sirup-Konservat, kein gebundenes Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="weichsel" resp="#fyndling">Sauerkirschen (Prunus cerasus), auch Weichselkirschen genannt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="wehalten" resp="#fyndling">‚behalten‘, hier ‚haltbar machen‘ - bairischer b/w-Wechsel (wehalten = behalten).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="geduncht / dich" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#dich">‚das dich geduncht‘ = ‚dass es dich dünkt‘, also ‚dass es dir scheint‘. Unpersönliches Verb dünken (mich/dich dünkt = mir/dir scheint); ‚dich‘ ist hier das Pronomen im Akkusativ, nicht ‚dick‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="vber slagen" resp="#fyndling">aufwallen, aufkochen (‚übergeschlagen sein‘ = aufgekocht sein). MHDBDB-Lemma ‚überslahen‘; im Korpus gleichlautend in mon-178 (‚wan die prue vber slagen sey‘).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">‚schons vassell‘ = ein sauberes, ordentliches Gefäß; ‚schon‘ hier im Sinne von ‚sauber/rein‘, nicht ‚schön‘ im ästhetischen Sinn.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Verbform zu ‚Gewürz‘, hier ‚würze (ab)‘ (bairischer b/w-Wechsel).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="muscatplue" resp="#fyndling">Muskatblüte, auch Macis genannt, ist der Samenmantel der Muskatnuss und ein feineres, milderes Gewürz.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="prue" resp="#fyndling">Hier der durch das Tuch geseihte und wieder aufgekochte Saft der Sauerkirschen (nicht die ganze Frucht).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="prock / abgeprockt" resp="#fyndling">(ab)pflücken, abzupfen; ‚prock sy von dem stingel‘ = zupfe sie von den Stielen. Die Kirschen werden entstielt und bleiben ganz.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="vassell" resp="#fyndling">Ein kleines Fass oder ein anderes geeignetes Gefäß zur Aufbewahrung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="verslach" resp="#fyndling">‚verschließe‘ oder ‚versiegele‘, um das Fass luftdicht zu machen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="chalten cheler" resp="#fyndling">Ein kühler, dunkler Lagerraum, idealerweise ein Erdkeller mit konstant niedriger Temperatur.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="cher es all tag ain stund vmb von ainem poden auff den anderen" resp="#fyndling">Das tägliche einmalige Wenden des Fasses von einem Boden auf den anderen. ‚ain stund‘ hier als Zählwort (ein Mal) gelesen, nicht als ‚eine Stunde lang‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="jar vnd tag" resp="#fyndling">‚Ein Jahr und einen Tag‘ - feste mittelalterliche Rechts- und Fristformel, hier für die angestrebte volle Haltbarkeitsdauer.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="weinnachten" resp="#fyndling">Weihnachten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-180-orig" n="vasten" resp="#fyndling">Die Fastenzeit vor Ostern, in der bestimmte Speisen (Fleisch, Eier, Milchprodukte) verboten waren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-180-orig" n="cher es all tag ain stund vmb von ainem poden auff den anderen" resp="#fyndling">drehe es jeden Tag einmal um, von einem Boden auf den anderen (das Fass wenden)</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-181-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Gericht im eigentlichen Sinn, sondern eine reine Konservierungstechnik: Frische Sauerkirschen samt Stielen werden zusammen mit etwas Kirschlaub und ein bis vier Rosen in einen engen, oben mit einem Rand versehenen Krug gegeben, luftdicht verschlossen und mit einem Stein beschwert in einen Brunnen abgesenkt. Dort bleibt der Krug - an einer Schnur wiederauffindbar - bis Weihnachten, wenn er herausgezogen, zerschlagen und die Kirschen roh gegessen werden. Bemerkenswert ist das völlige Fehlen von Zucker, Honig oder Essig: Die Haltbarkeit soll allein durch Kälte und hermetischen Luftabschluss erreicht werden. Die lebendige Verwandtschaft liegt daher weniger bei einem Speiserezept als beim Prinzip der Brunnenkühlung, wie sie bis ins 20. Jahrhundert in Alpenregionen für Milch und Butter genutzt wurde - eine Vorstufe des Kühlschranks.

Der Krug und sein „Kragen“. Die Beschreibung „dar oben graglat vnd enng“ legt nahe, dass der Krug oben einen Rand oder Kragen besitzt und eng ist - eine Form, die sich mit Wachs, Lappen oder Pech leichter dicht verschließen lässt als eine weite Öffnung. „Graglat“ ist im Korpus ein Hapax legomenon und bleibt unbelegt; die Lesart „mit Kragen versehen“ stützt sich auf die bairische Wortfamilie „Kragen“, nicht auf einen externen Beleg.

Kälte statt Zucker. Das Wasser im Brunnen dient nur als Temperaturpuffer, nicht als Kontaktflüssigkeit - der dichte Verschluss trennt Frucht und Wasser strikt. Der Stein sorgt dafür, dass der leichte Tonkrug in die kühlere Zone des Brunnens untertaucht, die Schnur macht ihn wieder auffindbar, ohne den Brunnen zu leeren. Realistisch betrachtet ist das Versprechen des Rezepts optimistisch: Bei einem dicht verschlossenen, sauerstoffarmen Gefäß mit den natürlichen Hefen auf der Fruchthaut ist über fünf bis sechs Monate eine (Teil-)Fermentation deutlich wahrscheinlicher als ein Zustand, der von frisch gepflückten Früchten ununterscheidbar wäre - das Ergebnis dürfte eher einem weich gewordenen, leicht alkoholischen Kompott ähneln.

Praxis. Wer das nachvollziehen möchte, ohne einen eigenen Brunnen zu haben: Ein fest verschließbares Einmachglas mit Gummidichtung erfüllt denselben Zweck wie der luftdicht verschlossene Krug. Statt der Brunnenversenkung reicht ein kühler Keller oder der Kühlschrank (rund 4-8°C) für eine deutlich kürzere Lagerzeit von einigen Wochen - für die volle historische Zeitspanne von einem halben Jahr sollte man das Ergebnis eher als vergorenes Kompott denn als frische Frucht erwarten und entsprechend geöffnet direkt verkosten oder weiterverarbeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-181-orig" n="weichsellen" resp="#fyndling">Sauerkirschen (Prunus cerasus).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-181-orig" n="chrueg" resp="#fyndling">Ein Krug, ein Gefäß aus Ton oder Keramik.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-181-orig" n="stingel" resp="#fyndling">Die Stiele der Kirschen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-181-orig" n="lawb" resp="#fyndling">Blätter, hier von den Kirschbäumen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-181-orig" n="rossen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#rossen">Rosen(-blüten). Über die CoReMA-Objektseite der Nachbarseite gr1.180 als „Rose“ (Wikidata Q34687) bestätigt, trotz lexikalischer Nähe zu „ros“ (Pferd).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-181-orig" n="stain" resp="#fyndling">Ein Stein, der als Gewicht dient, um den Krug unter Wasser zu halten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-181-orig" n="snur" resp="#fyndling">Eine Schnur, um den Krug in den Brunnen herabzulassen und wieder heraufzuziehen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-181-orig" n="or" resp="#fyndling">Das Ohr (Griff/Henkelöse) des Kruges, an dem Stein und Schnur befestigt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-181-orig" n="prunn" resp="#fyndling">Brunnen (Gewässer/Wasserstelle) - nicht zu verwechseln mit dem Homograph „Brünn“ als Stadtname.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-181-orig" n="graglat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#graglat">Hapax im Korpus (nur hier belegt); vermutlich „mit einem Kragen/Rand versehen“, gestützt auf die bairische Wortfamilie „Kragen“ (Lexer/Grimm/Idiotikon) - kein externer Beleg.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-181-orig" n="graglat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#graglat">‚mit einem Kragen/Rand versehen‘. Dies beschreibt die obere Öffnung des Kruges und ist konsistent mit der Notwendigkeit, ihn dicht zu verschließen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-181-orig" n="v? enng sey" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">‚und eng sei‘. Das ‚v?‘ wird als ‚vnd‘ (und) gelesen, und ‚enng sey‘ beschreibt die gewünschte Dichtheit der Krugöffnung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-181-orig" n="czer slach den" resp="#fyndling">‚zerschlag den‘ (den Krug). Dies ist eine direkte Anweisung, den Krug zu zerbrechen, um an die konservierten Kirschen zu gelangen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-182-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist die spätmittelalterliche Vorstufe des noch heute erhältlichen kandierten Ingwers (Stem Ginger in Syrup): frischer Ingwer wird durch eine mehrtägige Lauge- und Kalkwasserbehandlung vorbereitet, in Wein eingelegt und schließlich in einem sehr dicken Zuckersirup konserviert. Fast identisch beschreibt das Tegernseer/Münchner Rezept „Wie man grün Ingwer machen sol“ (m725-022) dasselbe Verfahren - eine überregional geteilte Konfekttechnik, keine Mondsee-Eigenheit. Die angehängte Walnuss-Variante, bei der geschälte frische Kerne im selben Sirup eingelegt werden, ist die mitteleuropäische Verwandte der bis heute praktizierten Grünwalnuss-Konfitüren (frz. confiture de noix vertes, griech. glyko karydaki, balkanisch orahovo slatko).

Lauge und Kalkwasser - zwei verschiedene Aufgaben. Die Lauge wäscht und weicht die Rhizomoberfläche über mehrere Tage auf und mildert die Schärfe der frischen Knolle. Das anschließende Kalkwasser wirkt entgegengesetzt: Es festigt über Calcium das Zellgewebe, damit der Ingwer das lange Sirupkochen übersteht, ohne matschig zu werden - eine Texturfixierung, keine „Neutralisierung“ der Lauge. Beide Reste müssen danach durch zwei Brunnenwasser-Bäder mit aktivem Abreiben restlos entfernt werden, sonst bleibt der Ingwer ungenießbar.

Der Sirup und das Schäfflein. Zucker ist in diesem Schritt nicht optional - er wird immer zusammen mit einer der drei genannten Weinsorten (Rayffel-, Malvasier- oder welscher Wein) im Verhältnis eins zu vier eingekocht. Das „hübsche, gute Schäfflein“ dient zum Abschöpfen des Sirups selbst, nicht zum Reinigen des Ingwers; sobald der Sirup zäh geworden ist, wird die Pfanne vom Feuer genommen - der Ingwer liegt zu diesem Zeitpunkt noch im Wein und wird erst danach zum ersten Mal wieder erwähnt, wenn er in den Krug kommt.

Praxis. Frischen, möglichst hellen Ingwer zwei- bis dreimal in kalter Lauge waschen, dann drei Tage und Nächte darin liegen lassen (Vorsicht im Umgang mit Lauge - Handschuhe, gut belüfteter Raum). Danach einen Tag und eine Nacht in klar abgegossenem Kalkwasser einlegen, anschließend zweimal je einen Tag und eine Nacht in frischem Brunnenwasser gründlich abreiben und spülen, bis keine Lauge- oder Kalkreste mehr spürbar sind. Einen Tag und eine Nacht in gutem Wein einlegen. Für den Sirup Wein und die vierfache Menge Zucker gemeinsam sirupartig einkochen, den Schaum abschöpfen und vom Feuer nehmen, sobald er zäh ist. Den Ingwer aus dem Wein in ein verglastes Gefäß geben, mit dem heißen Sirup übergießen und luftdicht verschließen. Nach demselben Muster lassen sich auch frische, geschälte Walnusskerne im selben Sirup kandieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="chalt gussen" resp="#fyndling">Lauge. Eine stark alkalische Lösung, die im Mittelalter zur Reinigung, zum Enthäuten (z.B. von Mandeln) oder zur Texturveränderung von Lebensmitteln verwendet wurde. Hier dient sie wahrscheinlich dazu, die äußere Schicht des Ingwers zu reinigen und seine Fasern aufzubrechen. Vorsicht im Umgang mit Lauge!</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="chalch" resp="#fyndling">Kalk. Hier zur Herstellung von Kalkwasser verwendet. Anders als der Wortlaut nahelegt, „neutralisiert“ das ebenfalls stark alkalische Kalkwasser die vorherige Lauge nicht chemisch, sondern festigt über Calcium das Zellgewebe des Ingwers, damit dieser das anschließende lange Sirupkochen übersteht, ohne zu zerfallen - eine Texturfixierung vor dem Kandieren, wie sie auch bei anderen kandierten Früchten der Zeit üblich war.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="prunn wasser" resp="#fyndling">Brunnenwasser. Frisches, klares Wasser aus einem Brunnen, das zum gründlichen Spülen nach den chemischen Behandlungen verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="rayffel / malmasyer / weylich wein" resp="#fyndling">Verschiedene Weinsorten, die für den Sirup verwendet werden können. „Rayffel“ (Rainval) ist ein historischer, seltener Weinname - die CoReMA-Glossierung des inhaltlich entsprechenden Nachbarrezepts bestätigt diese Lesart (Q107262739) und löst damit die im Manuskript vermerkte Randnotiz-Verwunderung („* Rayffel ?!“) auf. „Malvasier“ ist ein süßer Dessertwein, „welscher Wein“ (weylich wein) bezeichnete oft südliche, insbesondere italienische Weine.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="vierstundt als vill mer" resp="#fyndling">Wörtlich 'vier Stunden so viel mehr', hier im Sinne von 'viermal so viel'. Eine sehr hohe Zuckerkonzentration, die für die Konservierung notwendig ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="schafflein" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schafflein">Diminutiv von Schaff, ein kleines Gefäß. Bezieht sich auf das Abschöpfen des Sirups selbst während des Kochens, nicht auf ein Reinigen des Ingwers - Korpusparallelen (mon-003, mon-039) zeigen dieselbe Formulierung für das Kochgut, das „her ab“ (vom Feuer) genommen wird, sobald es zäh geworden ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="czach" resp="#fyndling">Zäh, dickflüssig. Bezieht sich auf die Konsistenz des Zuckersirups, wenn er ausreichend eingekocht ist.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="ckrawssen" resp="#fyndling">Ein Gefäß oder Krug, hier verglast, zur luftdichten Aufbewahrung des eingelegten Ingwers.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-182-orig" n="pru" resp="#fyndling">CoReMA glossiert als 'ginger broth'. Im Kontext der Walnuss-Variante bezieht sich dies auf den fertigen Ingwer-Zuckersirup, in dem die Walnüsse ebenfalls eingelegt werden können.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-182-orig" n="chalt gussen" resp="#fyndling">Kalte Lauge. CoReMA glossiert 'chalt gussen' als 'lye'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-182-orig" n="grun Ingwer / chrun Ingwer" resp="#fyndling">Frischer Ingwer. Im Kontext von 'weißestem und frischestem' Ingwer ist die Lesart als 'frisch, ungetrocknet' wahrscheinlicher, da frischer Ingwer oft eine grünlich-gelbe Tönung hat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-182-orig" n="mach dir ein hubsches guecz schafflein da mit dw in rainest wan es czach ist worden so heb In her ab" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schafflein">Mache dir ein hübsches, gutes Schäfflein, mit dem du ihn (den Sirup) reinigst/abschöpfst; wenn er (der Sirup) zäh geworden ist, nimm ihn (die Pfanne) vom Feuer. Korpusparallelen in mon-003 und mon-039 ('so heb es her ab' / 'heb es her ab') zeigen dieselbe Idiom-Konstruktion für 'vom Feuer nehmen, sobald es eingedickt ist' - bezogen auf das Kochgut, nicht auf den Ingwer, der an dieser Stelle noch im Wein liegt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-182-orig" n="pru" resp="#fyndling">Ingwer-Sirup (oder die Flüssigkeit, in der der Ingwer zuvor lag). CoReMA glossiert 'pru' als 'ginger broth'.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-183-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Diese eingelegten, unreif geernteten Walnüsse in Honig und Gewürzen sind ein früher Vorläufer der bis heute lebendigen Grünnuss-Konfitüre: Auf dem Balkan als slatko/recel od oraha, in Griechenland als karydaki glyko und in der Türkei als ceviz reçeli wird noch immer die weiche, unreife Walnuss entbittert und in Sirup haltbar gemacht - dieselbe Grundidee wie hier, nur mit Zucker statt Honig. Eine entferntere, saure Seitenlinie sind die britisch-deutschen „Pickled Walnuts", die dieselbe grüne Nuss in Essig statt Honig einlegen.

Die Lauge. Statt der in den Zwillingsrezepten üblichen Salzwasser-Entbitterung setzt das Mondseer Kochbuch eine kalte Lauge ein - textkritisch klar belegt, da die Quelle den Begriff ausdrücklich als Lauge verglost. Das ist eine schärfere, aber ebenso etablierte Entbitterungstechnik, wie man sie auch von Oliven oder Laugengebäck kennt: Sie zieht Bitterstoffe aus der noch grünen Nuss und macht das Gewebe weicher. Der anschließende sechstägige Wasserwechsel, dreimal täglich, ist keine Übertreibung, sondern zwingend - die ätzende Lauge muss vor dem Verzehr restlos ausgewaschen werden.

Das doppelte Honigbad. Die Nüsse ziehen zunächst einen Tag in heißem Honig, werden dann auf einem Sieb abgetropft und getrocknet, bevor sie mit Zimtrinden, Muskatnuss, Nelken und Ingwer bestückt und ein zweites Mal in frischen, ungewässerten Honig gelegt werden. Diese Zweiteilung ist klug gebaut: Im ersten Bad zieht die Nuss durch Osmose Wasser, was den Honig verdünnt; erst der zweite, frische Honig sichert mit seiner niedrigen Wasseraktivität die Langzeitlagerung - vergleichbar dem mehrstufigen Kandieren von Früchten in ansteigender Zuckerkonzentration.

Praxis. Wer nachkochen will, braucht vor allem Geduld und Vorsicht: Der Umgang mit Lauge erfordert Schutzhandschuhe und -brille, und der gesamte Prozess zieht sich über mindestens elf Tage plus Trocknungszeit. Zimtrinden, Muskatnuss und Ingwer lassen sich am ehesten in kleine, stechbare Stücke schneiden, ganze Gewürznelken dagegen direkt wie kleine Nägel in die Nuss einstechen - daher wohl auch ihr Name „nagl". Das fertige Glas hält sich dank der doppelten Honigkonservierung sehr lange und eignet sich als edle Beilage zu Käse oder kaltem Braten ebenso wie als süße Delikatesse für die gehobene Tafel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-183-orig" n="schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">'Schön' bedeutet hier nicht ästhetisch schön, sondern 'sauber/gründlich' im Sinne einer sorgfältigen Vorbereitung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-183-orig" n="chalt guß" resp="#fyndling">Eine 'kalte Lauge' (CoReMA: lye) wurde verwendet, um die Bitterstoffe aus den unreifen Walnüssen zu ziehen und sie weicher zu machen. Dies erfordert äußerste Vorsicht im Umgang mit ätzenden Substanzen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-183-orig" n="guß" resp="#fyndling">Von mhd. giezen ('gießen') - der Begriff bezeichnet allgemein eine gegossene Flüssigkeit oder einen Aufguss, nicht zwingend eine Lauge. Dass hier tatsächlich eine alkalische Lösung gemeint ist, bestätigt die CoReMA-Objektseite zum inhaltlich passenden Parallelrezept, die 'chalt guß' ausdrücklich als Lauge verglost. Nicht jedes 'guß' im Korpus ist automatisch Lauge - der Kontext entscheidet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-183-orig" n="czewch" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">'Czewch' (ziehen) bedeutet hier das Herausnehmen der Nüsse aus dem Honig und das Abziehen des überschüssigen Honigs, nicht das Formen oder Ziehen eines Teiges.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-183-orig" n="besteck sy mit czymmerrintten mit muscat nagl vnd Ingwer" resp="#fyndling">Das 'Bestecken' der Nüsse bedeutet, sie mit den genannten Gewürzen zu spicken oder zu umhüllen, um ihnen Aroma und eine ansprechende Optik zu verleihen. 'Czymmerrintten' sind Zimtrinden, 'muscat' ist Muskatnuss und 'nagl' sind Nelken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-183-orig" n="mach sy woll czw das der ruck da von nit gee oder gen mug" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ruck">Diese Anweisung bedeutet, die Nüsse im Honig gut zu verschließen, damit der Inhalt (oder der Honigsirup) nicht entweicht und die Haltbarkeit gewährleistet ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-183-orig" n="hays siedungs honig / wallundes honig vnd wol syedundes" resp="#fyndling">Die Begriffe 'siedungs', 'wallundes' und 'syedundes' wurden als Adjektive interpretiert, die den Honig als 'heiß siedend', 'wallend' und 'gut siedend' beschreiben. Dies betont die Notwendigkeit, den Honig aufzukochen, um die Nüsse darin zu konservieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-183-orig" n="czymmerrintten" resp="#fyndling">Obwohl CoReMA 'cinnamon' glossiert, wurde 'czymmerrintten' als 'Zimtrinden' übersetzt, da das 'Bestecken' der Nüsse eher mit ganzen Stücken als mit Pulver erfolgt und 'Rinden' die Form präzisiert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-183-orig" n="muscat nagl" resp="#fyndling">Die CoReMA-Glossen für 'muscat' (nutmeg apple) und 'nagl' (clove) wurden als separate Gewürze 'Muskatnuss und Nelken' interpretiert, da sie in einer Aufzählung mit Ingwer und Zimt stehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-183-orig" n="ruck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ruck">Der Begriff 'ruck' in 'das der ruck da von nit gee oder gen mug' wurde als 'Inhalt' oder 'Rückstand' interpretiert, im Sinne von 'damit nichts davon entweicht oder entweichen kann'. Dies bezieht sich auf das dichte Verschließen des Gefäßes zur Konservierung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-184-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ganze, geschälte und geviertelte Quitten werden entkernt, mit Zimtrinde, Nelken, Ingwer und Muskat gespickt und in Honig weichgesotten, dann kühl gelagert - eine haltbare Frucht-Vorratskonserve, kein Kompott zum sofortigen Verzehr und keine Marmelade im heutigen Sinn, da die Frucht stückig bleibt. Der engste Verwandte im eigenen Bestand ist mha-162 („Eingemachte Quitten nach Meister Hans“), das nahezu dasselbe Verfahren beschreibt.

Die Kerne. „Sneydt dy cheren davon“ - die Kerne werden herausgeschnitten und danach nicht weiterverwendet. Sie sind reiner Abfall, keine Zutat: Quittenkerne sind hart, ungenießbar und enthalten wie Apfelkerne geringe Mengen cyanogener Glykoside.

Das Stecken der Gewürze. Mit dem Messer werden Einstiche gesetzt, in die Zimtrindenstücke, Nelken, Ingwer und Muskat gesteckt werden - dieselbe Technik wie bei einer mit Nelken gespickten Gewürz-Orange (Pomander). Die Wirkung ist zunächst punktuell an den Einstichstellen; gleichmäßig durchdrungen wird die Frucht erst durch den anschließenden langen Sud im Honig.

Die Nüsse. „Des geleich soltw den nussen awch thun“ bleibt knapp: Der Text überträgt das Honig-Sieden und die kalte Lagerung sinngemäß auf Nüsse, ohne das wörtliche Stopfen - bei einer intakten Nuss ohnehin nicht möglich - zu wiederholen. Verwandte Rezepte im eigenen Bestand zeigen, was bei Walnüssen zusätzlich nötig ist: Junge, noch weichschalige Nüsse werden mehrfach mit einer Ahle durchstochen und rund acht Tage in Salzwasser gewässert, um Bitterstoffe zu ziehen, bevor sie ebenfalls in Honig gesotten werden.

Praxis. Quitten schälen, vierteln und entkernen, mit einem spitzen Messer mehrfach einstechen und die Gewürzstücke hineinstecken. Honig in einem sauberen Topf auf der Glut zum Sieden bringen, die Quitten hineinlegen und gut weichkochen - rohe, harte Quitten in dichtem Honig brauchen dafür eher 60 bis 120 Minuten als knapp bemessene 45. Fertig gesotten in einen kalten, gut abgedeckten Keller stellen, damit das Aroma nicht entweicht. Für die Nüsse dieselbe Behandlung, bei jungen Walnüssen vorher wässern wie oben beschrieben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-184-orig" n="eingemachten" resp="#fyndling">Bezieht sich auf die Konservierung durch Einkochen in Honig und Gewürzen, um die Haltbarkeit zu verlängern.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-184-orig" n="viertaill" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#viertaill">Die Quitten werden in vier Teile geschnitten, was die Oberfläche für die Gewürzaufnahme vergrößert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-184-orig" n="schon geschellet" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Bedeutet „sauber geschält“, nicht „schön“ im ästhetischen Sinne. Eine gründliche Reinigung war bei mittelalterlichen Zutaten oft notwendig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-184-orig" n="stopf sy mit einem messer vnd besteck sy wol" resp="#fyndling">Die Gewürze werden hier nicht nur zum Honig gegeben, sondern direkt in die Quitten gesteckt - dieselbe Technik wie bei einer mit Nelken gespickten Gewürz-Orange (Pomander). Die Wirkung ist zunächst punktuell an den Einstichstellen; gleichmäßig durchdrungen wird die Frucht erst durch den anschließenden langen Sud im Honig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-184-orig" n="choll" resp="#fyndling">Eine Glut ist ein Bett aus glühenden Kohlen, das eine gleichmäßige und kontrollierbare Hitze abgibt, ideal zum langsamen Sieden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-184-orig" n="chalten cheller" resp="#fyndling">Ein kalter Keller war im Mittelalter der Standardort für die Lagerung von Vorräten, um sie kühl und dunkel zu halten und so die Haltbarkeit zu verlängern.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-184-orig" n="muscat" resp="#fyndling">Ohne begleitendes Schneide- oder Reibverb (nur „besteck sy … mit muscat“, analog zu Zimtrinde, Nelken und Ingwer) lässt sich nicht zweifelsfrei klären, ob eine ganze Muskatnuss oder Stücke der Muskatblüte (Macis) gemeint sind - für das Einstechen wären dünne Macis-Blättchen praktischer als eine runde Nuss. Die Lesart „Muskatnuss“ bleibt vertretbar, aber nicht zwingend.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-184-orig" n="auß riechen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#auss-riechen">Wörtlich „ausriechen“ = den Geruch/Duft verlieren, ausdünsten (Grimm DWB: „exhalare, evaporare, den geruch verlieren“, mit Beleg bei Hans Sachs), nicht „verderben“. Bestätigt durch den Parallelbeleg mon-186: dort trennt der Text ausdrücklich eine Aroma-Frische-Angabe („nicht awsriech vber viij tag“) von der Gesamthaltbarkeit („werdt Iar vnd tag“) - zwei verschiedene Eigenschaften, kein Widerspruch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-184-orig" n="cheren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#cheren">„Kerne“ (Quittenkerne).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-184-orig" n="deck sy woll czw das sy nich auß riechen" resp="#fyndling">Deckel gut schließen, damit [die Quitten/Nüsse] nicht ausdünsten/den Duft verlieren (Grimm DWB: „ausriechen“ = „den geruch verlieren“). Bestätigt durch mon-186, das dieselbe Formulierung als eigenständige Aroma-Frische-Angabe neben der Gesamthaltbarkeit ("Iar vnd tag") führt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-185-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein eingemachtes, durchgesiebtes und gewürztes Schlehenmus, das im eigenen Wein-Honig-Sud bis Weihnachten reift - technisch verwandt mit den klassischen Frucht-Latwergen ("Frucht-Käsen") der mittelalterlichen Küche, aus deren Tradition später auch die Marmelade hervorging. Zwei Zwillingsrezepte aus anderen Quellen (Gewürzte Schlehensülze, Getrocknete Frucht-Salse) belegen dasselbe Grundverfahren; die bairisch-österreichische Schlehenlatwerge ist die noch heute lebendige Nachfahrin dieser Speise.

Der eigentliche Kniff des Rezepts liegt in der sauberen Trennung von Hitze und Aroma: Die Schlehen werden heiß in Wein und Honig eingekocht, doch die Gewürze - Pfeffer, Ingwer und zerstoßene Nelken - kommen erst in das bereits abgekühlte, passierte Mus. So bleiben ihre flüchtigen Aromen erhalten, statt beim erneuten Kochen zu verfliegen. Der beim Passieren abgetrennte Sud wird separat ein zweites Mal eingekocht und dadurch weiter reduziert - das ist der eigentliche Konservierungsschritt, nicht die Gewürze selbst. Erst wenn dieser reduzierte Sud wieder kalt ist, kommt das gewürzte Mus zurück hinein.

Praxis. Schlehen - am besten nach dem ersten Frost geerntet, das mildert ihre Gerbstoffe - in Wein mit Honig weich kochen. Vollständig abkühlen lassen, dann die Masse so dick wie möglich durch ein Sieb streichen; kalt lässt sie sich kontrollierter verarbeiten und man verbrennt sich nicht. Das passierte Mus mit Pfeffer, Ingwer und im Mörser zerstoßenen Nelken würzen. Den übrig gebliebenen Sud ein zweites Mal aufkochen und reduzieren, danach vollständig abkühlen lassen. Das gewürzte Schlehenmus wieder in den kalten Sud einrühren und in ein sauberes Gefäß füllen. Kühl und dunkel bis Weihnachten reifen lassen - durch das schlehen-eigene Pektin gewinnt die Masse dabei an Festigkeit, ähnlich einer Fruchtgallerte. Kein Ei, keine Mehlschwitze nötig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-185-orig" n="schlechen / slechen" resp="#fyndling">Schlehen sind die Früchte des Schlehdorns, die erst nach dem ersten Frost geerntet werden, um ihren herben Geschmack zu mildern. Sie sind reich an Gerbstoffen und Vitamin C.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-185-orig" n="czeittig" resp="#fyndling">Reif, zeitig. Hier im Sinne von gut ausgereift und erntereif.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-185-orig" n="sewds ab" resp="#fyndling">‚Siede ab‘, ‚koche ein‘. Bezieht sich auf das Einkochen der Schlehen in Wein und Honig.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-185-orig" n="geburcz ab" resp="#fyndling">‚Würze ab‘, ‚würze‘. Hier im Sinne von mit Gewürzen abschmecken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-185-orig" n="gestossen nagel" resp="#fyndling">Zerstoßene Nelken. Im Mittelalter wurden Gewürze oft frisch im Mörser zerstoßen, um ihr volles Aroma zu entfalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-185-orig" n="prue" resp="#fyndling">Brühe, Sud. In diesem Kontext ist die Flüssigkeit gemeint, die beim Kochen der Schlehen mit Wein und Honig entsteht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-185-orig" n="bis hin gen weinachten" resp="#fyndling">‚Bis hin zu Weihnachten‘. Dieser Hinweis unterstreicht den Charakter des Rezepts als Konservierungs- oder Vorratsspeise, die über einen längeren Zeitraum haltbar gemacht wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-185-orig" n="prue" resp="#fyndling">‚Sud‘ oder ‚Flüssigkeit‘. Bezieht sich auf die beim Einkochen der Schlehen entstandene, gewürzte Flüssigkeit aus Wein, Honig und Fruchtsaft.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-186-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Blanchierter Weißkohl wird lauwarm in einen mit Safran, Muskatblüte, Zimtrinde und Ingwer gewürzten Honig-Wein-Sud eingelegt und soll darin ein Jahr und einen Tag halten - ausdrücklich ohne Salz. Das ist der Ururgroßvater des heutigen Weinkrauts/Bayerisch Kraut, nur als monatelange Vorratskonserve statt als Tagesbeilage gedacht; von der Konservierungslogik her (Zucker und Alkohol statt Fermentation oder Essig) eigentlich näher an der italienischen Mostarda-Tradition als am Sauerkraut.

Warum wird der Sud abgekühlt, bevor das Kraut hineinkommt? ‚Überschlagen‘ heißt hier nicht aufkochen oder reduzieren, sondern lau/kalt werden. Der siedend heiß gewürzte Sud wird also gezielt abkühlen gelassen, bis er nur noch wenig wärmer ist als Lab, also auf rund 40-45°C - derselbe Referenzpunkt, den jeder Käsemacher der Zeit kannte, mit dem Finger prüfbar. Der Grund: Der bereits blanchierte, formstabile Kohl (die Viertel sollen ausdrücklich ganz bleiben) würde in kochend heißem Sud weiter zerfallen, und die flüchtigen Safran- und Gewürzaromen würden verkochen, bevor sie im fertigen Kraut ankommen.

Wie haltbar ist das wirklich? Das Rezept nennt ‚Jahr und Tag‘ als Zielgröße - im Mittelalter zugleich eine feststehende Redewendung für ‚sehr lange Zeit‘, nicht zwingend ein geprüfter Erfahrungswert. Realistisch verdünnt sich die Zuckerkonzentration im fertigen Kraut (inklusive Restwasser aus dem Blanchieren) deutlich unter das Niveau echter Honig- und Zuckerkonserven, und anders als beim gesalzenen Sauerkraut fehlt der Salz-Mechanismus, der gezielt Milchsäurebakterien begünstigt. In einem kühlen Keller sind eher Wochen bis wenige Monate realistisch als ein volles Jahr.

Praxis. Weißkohl vierteln und dabei die Viertel bewusst zusammenhalten. In siedendem Wasser knapp eine Viertelstunde blanchieren, nicht länger, sonst zerfallen die Viertel, dann abtropfen lassen und vollständig auskühlen lassen. Parallel Wein mit Honig (Verhältnis etwa 2:1 Wein zu Honig) aufkochen, Safran, Muskatblüte, Zimtrinde und Ingwer zugeben und mitziehen lassen. Den Sud danach abkühlen lassen, bis er nur noch handwarm ist (Fingerprobe: deutlich warm, aber nicht heiß), dann den kalten Kohl eintauchen, reinlich abdecken und kühl und dunkel lagern. Als Schaugericht für einen Marktstand lassen sich Blanchieren, Sud-Ansetzen und die Lab-Temperaturprobe gut vorführen - das fertige Kraut selbst sollte aber schon vorbereitet mitgebracht werden, statt es am selben Tag zu verkosten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-186-orig" n="appotecken chrawtt" resp="#fyndling">Wörtlich ‚Apothekerkraut‘. Im Mittelalter waren Apotheker auch Gewürzhändler und Verkäufer von konservierten Lebensmitteln. Der Begriff deutet hier auf ein haltbares, hochwertiges und gewürztes Kraut hin, nicht zwingend auf eine medizinische Zubereitung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-186-orig" n="viertaill" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#viertaill">Hier als Formangabe zu verstehen: Die Kohlköpfe sollen ‚gevierteilt‘ werden, nicht als Mengenanteil ‚ein Viertel‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-186-orig" n="czewch" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">Das Verb ‚ziehen‘ bedeutet hier ‚herausziehen‘ oder ‚abziehen‘, im Sinne des Entnehmens des Krauts aus dem Sieb.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-186-orig" n="schons" resp="#fyndling">Bedeutet hier ‚sauber‘ oder ‚reinlich‘, nicht ‚schön‘ im ästhetischen Sinne.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-186-orig" n="trittail" resp="#fyndling">‚Den dritten Teil‘ - dies bezieht sich auf den Honig im Verhältnis zum Wein, also ein Verhältnis von 1 Teil Honig zu 2 Teilen Wein.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-186-orig" n="gbuercz" resp="#fyndling">Hier als Verb ‚würze‘ zu verstehen, nicht als Zutat ‚Gewürz‘. Die zu verwendenden Gewürze sind zuvor explizit genannt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-186-orig" n="vber schlagen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#vber-schlagen">‚Überschlagen‘ heißt hier (intransitiv, bei Flüssigkeiten) ‚lau/kalt werden‘ (Grimm DWB, Abschn. B.1.a/b), nicht ‚aufkochen‘ oder ‚reduzieren‘. Die siedend heiß gewürzte Brühe wird also gezielt abkühlen gelassen, bis sie nur noch wenig wärmer ist als Lab-Temperatur - dieselbe Logik wie beim Käsen, wo Lab erst nach dem Abkühlen der Flüssigkeit zugesetzt wird (vgl. mha-024, wo Sieden ausdrücklich als lab-zerstörend gilt).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-186-orig" n="wermmer ist dan lab" resp="#fyndling">Lab (tierisches Enzym zur Käseherstellung) ist bei Körpertemperatur (ca. 37-40°C) am aktivsten. Der gewürzte Sud wird nach dem Sieden gezielt abgekühlt (siehe ‚überschlagen‘), bis er nur noch ‚etwas wärmer als Lab‘, also bei rund 40-45°C liegt - warm genug für die Gewürzinfusion, aber kühl genug, um den bereits blanchierten Kohl nicht weiter zu garen und die Gewürzaromen nicht weiter auszutreiben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-186-orig" n="wedecks" resp="#fyndling">b/w-Wechsel: steht für ‚bedeck's‘ (bedecke es) - konsistent mit anderen b/w-Fällen im Korpus (vgl. ‚gbuercz‘).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-186-orig" n="awsriech" resp="#fyndling">‚Ausriecht‘ = ‚verliert den Duft/das Aroma, dünstet aus‘ (Grimm DWB: „exhalare, evaporare, den geruch verlieren“), nicht ‚verdirbt‘. Der Satz trennt bewusst zwei verschiedene Eigenschaften: die Gewürz-Aroma-Frische hält mindestens acht Tage, die Gesamthaltbarkeit als Konserve ein Jahr und einen Tag - kein Widerspruch, sondern zwei separate Angaben. Bestätigt dieselbe Lesart bei mon-184 (‚deck sy woll czw das sy nich auß riechen‘).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-186-orig" n="werdt Iar vnd tag" resp="#fyndling">Eine mittelalterliche Redewendung für eine sehr lange Haltbarkeit, typischerweise über ein ganzes Jahr hinaus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-186-orig" n="nit salczen" resp="#fyndling">Die Anweisung, das Kraut nicht zu salzen, ist entscheidend für diese Konservierungsmethode, die auf Zucker und Alkohol statt auf Salz basiert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-186-orig" n="appotecken chrawtt" resp="#fyndling">‚Apothekerkraut‘ als Bezeichnung für ein hochwertiges, konserviertes und gewürztes Kraut.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-186-orig" n="trittail" resp="#fyndling">‚Ein Drittel‘ Honig im Verhältnis zum Wein, also 1 Teil Honig auf 2 Teile Wein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-186-orig" n="vber schlagen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#vber-schlagen">‚Überschlagen‘ (intransitiv, bei Flüssigkeiten) bedeutet ‚lau/kalt werden‘ (Grimm DWB): Die siedend heiß gewürzte Brühe soll gezielt abkühlen, bis sie nur noch ein wenig wärmer ist als Lab - erst dann kommt das kalte, blanchierte Kraut hinein.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-187-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Mon-187 ist ein süß-saures Mangold-„Kompost“ (von lateinisch compositum): blanchierter Mangold wird in eine gewürzte Wein-Honig-Rosinen-Lake mit Pfeffer, Zimt und Ingwer eingelegt, mit grob geschnittenen Mandeln vermengt und im Fass zur Vorratshaltung verschlossen. Die Gattung honig-weinbasierter Süßsauer-Gemüsekonserven ist im Korpus unter genau diesem Namen belegt: Der Zwilling m384-008 aus dem Cgm 384 nennt das Gericht im Original „Suess gumpost“ und folgt exakt demselben Verfahren - Mangold blanchieren, Wein-Honig-Sud mit Trockenfrüchten aufkochen, übergießen, mit Mandeln bestreuen -, ist dort aber für den baldigen Verzehr statt für die Jahresvorratshaltung gedacht. In der weiteren Familie süß-saurer Wintergemüse mit Trockenfrüchten und Nüssen steht bis heute etwa der weihnachtliche Rotkohl mit Rosinen und Äpfeln.

Die Blanchier- und Abtropf-Schritte. Das kurze Abbrühen im Kessel macht die festen Mangoldblätter biegsam und reduziert Bitterstoffe, das anschließende Abtropfen auf dem Sieb ist entscheidend: Restwasser würde die nachfolgende Würzsauce verdünnen und damit ihre konservierende Wirkung schwächen. Das heiße Übergießen mit dem fertig aufgekochten Wein-Honig-Sud setzt zusätzlich zum Blanchieren auf thermische Keimreduktion, vergleichbar dem Prinzip des Heißeinlegens.

Zur Haltbarkeit „Jahr und Tag“. Der Text nennt keine Mengenverhältnisse von Wein und Honig zum Mangold - ohne diese Angabe lässt sich nicht beurteilen, ob die Zucker- und Alkoholkonzentration tatsächlich ausreicht, ein wasserreiches Blattgemüse wie Mangold über tatsächlich zwölf Monate ungekühlt zu konservieren. „Jahr und Tag“ ist zudem eine in mittelalterlichen Texten gebräuchliche Redewendung für „sehr lange Zeit“ und muss nicht als exakt geprüftes Lagerversprechen gelesen werden. Der Verzicht auf Salz („nit salcz“) ist im Vergleich zu salzbasierten Verfahren wie Sauerkraut ungewöhnlich, für die Kompost-Gattung mit ihrem süß-sauren statt salzig-sauren Charakter aber genretypisch.

Praxis. Mangold putzen, Stiele entfernen, waschen, dritteln und im Kessel kurz abbrühen, dann auf einem Sieb gut abtropfen lassen. Wein mit Honig und gut verlesenen Rosinen sowie Pfeffer, Zimt und Ingwer aufkochen und noch heiß über den abgetropften Mangold in einem sauberen Gefäß gießen, gut durchrühren. Geschälte, in Drittel oder Viertel geschnittene Mandeln roh untermengen (kein weiterer Garvorgang nötig, nur für Biss und Textur), nochmals gut durchrühren, abdecken. Für den baldigen Verzehr am Lager ist das Gericht damit fertig - mit Kessel, Sieb und einem sauberen Gefäß schnell und ohne Ofen herstellbar. Für eine tatsächliche Lagerung über Monate ist dagegen ein kühler Keller nötig, den ein Marktlager in der Regel nicht bietet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-187-orig" n="piersen ckrawtt" resp="#fyndling">Mangold (Beta vulgaris subsp. vulgaris). Eine in der mittelalterlichen Küche beliebte Blattgemüseart, die sowohl als Gemüse als auch in süß-sauren Kompositionen verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-187-orig" n="czewch sy dann ab auff ein syb" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">‚Abziehen‘ bedeutet hier das Abgießen der Flüssigkeit durch ein Sieb, um das Gemüse abzutropfen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-187-orig" n="vassel" resp="#fyndling">Ein Fass oder kleineres Gefäß zur Aufbewahrung. Die Größe deutet auf eine Vorratsspeise hin.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-187-orig" n="Iar vnd tag behalten" resp="#fyndling">Die Anweisung, das Gericht „Jahr und Tag“ - eine gebräuchliche Redewendung für eine sehr lange Zeitspanne - aufzubewahren, setzt auf den Zucker- und Säuregehalt von Wein und Honig als Konservierungsstütze; genaue Mengenverhältnisse nennt der Text nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-187-orig" n="nit salcz" resp="#fyndling">Die explizite Anweisung, nicht zu salzen, ist im Vergleich zu salzbasierten Verfahren wie Sauerkraut ungewöhnlich, entspricht aber der eigenständigen Gattung honig-weinbasierter Süßsauer-Konserven („Kompost“/„Gumpost“), zu der auch dieses Rezept gehört.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-188-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzer, vorgekochter Weißkohlkopf wird in ein gefettetes Gefäß gesetzt, mit einer Ei-Käse-Rosinen-Mandel-Farce aufgegossen, unter einem Topfdeckel mit aufgelegter Glut gegart und dabei gewendet. Das ist im Kern die im Ganzen gegarte, gefüllte Kohlkopf-Speise, wie sie in der bairisch-österreichischen Bauernküche bis heute fortlebt; die klein geschnittene, aufgerollte Enkelin davon ist die moderne Kohlroulade, kulinarisch verwandt mit der Balkan-Sarma. Die süß-pikante Fülle aus Käse, Ei, Rosinen, Mandeln, Safran und Ingwer reiht das Gericht in dieselbe spätmittelalterliche Geschmackswelt wie andere gefüllte Mondseer Speisen ein.

Wie kommt die Füllung in den Kohlkopf? Das Rezept nennt kein Aushöhlen der inneren Blätter - die Ei-Käse-Mischung wird einfach oben in den vorgesiedeten Kopf gegossen. Das funktioniert, weil sich die Blätter beim Vorsieden auflockern und auffächern; die Füllung sickert dazwischen und stockt beim Garen zu einer Art herzhaftem Kohl-Pudding. Für die Nachkochpraxis lohnt es sich trotzdem, vor dem Füllen etwas vom weichen Kern auszulösen, damit genug Raum für Ei, Käse, Rosinen und Mandeln entsteht.

Abkühlen und heiß servieren - ein Widerspruch? Der Text sagt wörtlich, man solle das Gericht abkühlen lassen und dann heiß servieren, was für sich genommen keinen Sinn ergibt. Der einzige weitere Beleg für dieselbe Wendung im Mondseer Kochbuch (ein Bratenrezept mit wiederholtem Begießen mit heißem Schmalz) zeigt dasselbe Muster. Beide Stellen sind deutlich schlüssiger, wenn man die Wendung nicht als „vollständig auskühlen lassen", sondern als „die Hitze zurücknehmen, die Glut mäßigen" liest - danach wird heiß serviert.

Praxis. Einen jungen, nicht zu festen Weißkohlkopf oben wie einen Deckel aufschneiden, im Topf vorsieden bis die Blätter nachgeben, herausnehmen und gut abtropfen lassen. Etwas vom Kern lösen, um Platz für die Füllung zu schaffen. Ein feuerfestes Gefäß mit Schmalz ausfetten und den Kohlkopf hineinsetzen, die abgeschnittene Platte beiseite legen. Eier mit fein geriebenem Käse, gut verlesenen Rosinen, geschnittenen Mandeln, Safran, Ingwer und wenig Salz verrühren und oben in den Kohlkopf gießen. Mit einem Topfdeckel verschließen, wenig Glut auflegen und das Gefäß von Zeit zu Zeit drehen, damit nichts anbrennt. Sobald die Ei-Masse gestockt ist, die Glut zurücknehmen und heiß servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-188-orig" n="platten" resp="#fyndling">Bezeichnet den beim Aufschneiden entstehenden oberen Teil des Kohlkopfs, bildlich mit einem Teller/einer Platte verglichen. Er wird an dieser Stelle beiseite gewendet, damit die Füllung eingegossen werden kann - verschlossen wird das Gericht später mit einem separaten Topfdeckel.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-188-orig" n="scherben / scheriben" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#scherben">Im Kontext dieses Rezepts und des Mondseer Kochbuchs wird 'scherben' meist als aus Teig geformte Hülle oder Pastetenform gelesen, gestützt auf Parallelbelege im Korpus. Das Mondseer Kochbuch selbst verwendet das Wort andernorts aber auch für Ton-/Keramikgefäße (eine Reibschale, ein kleines irdenes Gefäß auf der Glut) - welche Lesart hier zutrifft, ist nicht restlos geklärt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-188-orig" n="choll" resp="#fyndling">Glühende Kohlen, die auf den Topfdeckel gelegt werden, um Oberhitze zu erzeugen. Eine gängige Methode im Mittelalter, um Gerichte ohne Backofen zu überbacken oder zu backen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-188-orig" n="scherben / scheriben" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#scherben">Die Lesart 'Teighülle / Pastetenform' wurde gewählt, gestützt auf die Korpus-Glosse (Ehlert1999) und Parallelbelege, in denen 'scherben' ausdrücklich aus Teig geformt wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-189-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine warme, freistehende Fleischpastete: gebratenes Geflügel mit Äpfeln in einer safran-pfeffer-ingwer-gewürzten Fettbrühe-Wein-Sauce, gebacken in einer selbsttragenden Teighülle - der Teig ist hier zugleich das Gefäß, kein Metall- oder Keramiktopf kommt zum Einsatz. Die Bauweise ist der direkte Vorfahr der englischen raised pie (etwa der bis heute bekannten Melton-Mowbray-Pastete): ein fester Teig wird ohne Form oder Ring freihändig zu einem geräumigen, weiten Topf aufgestellt.

Weil der Teig selbst die Form sein muss, braucht es einen festen, formstabilen Teig (im Sinne eines Heißwasserteigs), der beim Befüllen nicht in sich zusammenfällt. Ein weicher Blätterteig eignet sich hier nicht.

Der Ofen ist für dieses Gericht keine bloße Formsache, sondern zwingend: Nur ein gemauerter Backofen mit gleichmäßiger Hitze von allen Seiten bringt die hohe, freistehende Kruste durch, ohne dass Boden und Seiten anbrennen, während der Deckel noch roh bleibt. Im Dutch Oven mit Glut nur oben und unten gelingt diese Bräunung nicht zuverlässig - das Rezept ist für die Lagerküche deshalb nicht gut geeignet.

Eine eigene Bindung braucht die Füllung nicht: Die Brühe reduziert während der Backzeit durch das Dampfloch, und die aus dem angebratenen Geflügel austretende Gelatine sorgt zusätzlich für eine sämige Konsistenz.

Praxis. Teig zu einem hohen, weiten Gefäß formen und außen abstützen (etwa mit einer Springform als Schablone), bis er kurz angebacken und stabil ist. Geflügel in Schmalz scharf anbraten, mit Brühe, Wein, Safran, Pfeffer und Ingwer sowie kleingeschnittenen Äpfeln in die Teighülle füllen, ein kleines Loch für den Dampfaustritt schneiden und bei mittlerer Hitze backen, bis die Kruste durchgebacken und gebräunt ist. Heiß servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-189-orig" n="posteten" resp="#fyndling">Pastete, eine gefüllte Teighülle, die im Ofen gebacken wird. Im Mittelalter oft mit Fleisch, Fisch oder Geflügel gefüllt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-189-orig" n="smalcz" resp="#fyndling">Schmalz, tierisches Fett, hier zum Anbraten des Geflügels verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-189-orig" n="vaiste prue" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#vaiste-prue">Kräftige, fette Brühe. 'Vaiste' (fett) betont den reichhaltigen Charakter der Brühe.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-189-orig" n="offenndel" resp="#fyndling">Ofen, Backofen. Ein gemauerter Ofen, der mit Holz beheizt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-189-orig" n="topffh (von taig)" resp="#fyndling">Die Teighülle selbst dient als freistehendes Topf-Gefäß ohne Metall- oder Keramikform. CoReMA glossiert die entsprechende Textstelle (Fol. 064v, Ms. GR1) wörtlich als 'pie pot'. Dieselbe Bauweise (englisch 'coffin pastry') ist Vorläufer der bis heute lebendigen englischen raised pie-Tradition, etwa der Melton-Mowbray-Pastete.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-189-orig" n="ophell oder czwen chlain" resp="#fyndling">'ein oder zwei kleine Äpfel' - 'chlain' bezieht sich adjektivisch auf die Größe der Äpfel.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-190-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine ausgehöhlte Semmel wird mit gebratenen Vögeln, Äpfeln, Rosinen und Weinbrühe gefüllt, komplett in Strauben-Teig getaucht und in Schmalz ausgebacken - eine Art Pastete im Brotmantel, bei der die Semmel selbst als essbares Gefäß dient und zusätzlich noch einmal frittiert wird. Serviert wird sie mit einer süß-würzigen Lebkuchen-Wein-Sauce, deren Kombination mit Geflügel/Wild bis heute in der bayerisch-österreichischen Küche als „Lebkuchensoße zu Wild" fortlebt. Auch der Strauben-Teig-Mantel ist keine erfundene Zutat, sondern dieselbe Technik, die bis heute für Kirtagsstrauben verwendet wird - hier allerdings untypisch als herzhafte Hülle statt als süßes Endprodukt.

Die fette Brühe. „Vaiste prue" heißt fettreiche, nicht entfettete Brühe. Das Fett ist hier kein Makel, sondern der Zweck der Zutat: Es bindet die Apfel-Rosinen-Mischung und macht sie geschmeidig für die Füllung.

Der Wein gehört in die Mischung. Der Text nennt den Wein nicht als Beigabe zum Servieren, sondern mischt ihn unter die Brühe-Apfel-Masse, bevor die Vögel hineingelegt werden - genau wie es die eng verwandten Rezepte mon-189 und mon-191 vormachen, die dieselbe Formulierung „vaiste prue ... dar vnder ... vnd guetten wein" verwenden.

Die Vögel müssen beim ersten Braten durchgaren. Nach dem Anbraten werden die Vögel nur noch kalt in die Wein-Brühe-Apfel-Mischung gelegt, dann fest in die Semmel eingeschlossen und frittiert. Der Ausbackvorgang bräunt vor allem die Kruste - er reicht nicht aus, um rohes Geflügel im Kern durchzugaren. Brate die Vögel deshalb im ersten Schritt vollständig durch, nicht nur an.

Praxis. Vögel und gehackte Äpfel getrennt in Schmalz anbraten und jeweils mit Safran würzen (die Äpfel zusätzlich mit Ingwer). Semmel aushöhlen, Krume beiseitelegen. Rosinen unter die Äpfel mischen, mit fetter Brühe und gutem Wein binden, die durchgebratenen Vögel dazulegen. Alles in die Semmel füllen und die Öffnung wirklich dicht verschließen - eine undichte Naht lässt beim Frittieren Fett spritzen und Füllung auslaufen. Die Semmel durch einen dünnflüssigen Strauben-Teig ziehen und in heißem Schmalz rundum ausbacken. Für die Sauce Lebkuchen, Wein, etwas Honig und gut ausgelesene (sortierte) Rosinen aufkochen, mit Safran und Ingwer würzen. Über die angeschnittene Semmel gießen und sofort heiß servieren, da die frittierte, weingetränkte Füllung schnell an Textur verliert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-190-orig" n="geburcz / gburcz" resp="#fyndling">'Gewürze' - eine allgemeine Anweisung zum Würzen. Die spezifischen Gewürze (Safran, Ingwer) werden im Anschluss genannt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-190-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">'Semmel' bezeichnet hier ein Weißbrot oder einen Brotlaib, der ausgehöhlt und gefüllt wird, nicht nur ein kleines Brötchen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-190-orig" n="mollen" resp="#fyndling">'Mollen' sind die Brotkrumen, die beim Aushöhlen der Semmel entfernt werden. Sie sind keine Zutat, die hinzugefügt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-190-orig" n="opfhell" resp="#fyndling">'Äpfel' - CoReMA verlinkt eindeutig mit Wikidata Q89 (Apfel).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-190-orig" n="vaiste prue" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#vaiste-prue">'Fette Brühe' - eine kräftige, fettreiche Fleischbrühe, die dem Gericht Geschmack und Feuchtigkeit verleiht. Das Fett ist bewusst gewünscht, nicht zu reduzieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-190-orig" n="strawben taig" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#strawben-taig">'Strauben-Teig' - ein dünnflüssiger Teig, ähnlich dem für Trichterkuchen oder Schmalzgebäck, der hier als Hülle für die gefüllte Semmel dient. Strauben (Kirtagsstrauben) sind in Bayern und Österreich bis heute eine lebendige Festtagsspeise - hier jedoch untypisch als herzhafte Hülle statt als süßes Endprodukt verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-190-orig" n="czewch" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">'Zieh' - hier im Sinne von ‚durchziehen‘ oder ‚umhüllen‘, um die Semmel mit dem Teig zu überziehen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-190-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">'Lebkuchen' - ein gewürztes Honiggebäck, das im Mittelalter oft als Bindemittel und Geschmacksgeber für Saucen verwendet wurde. Diese Kombination lebt bis heute fort: Lebkuchen-Wein-Saucen zu Wildgerichten sind fester Bestandteil der bayerisch-österreichischen Küche.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-190-orig" n="erlessen" resp="#fyndling">'Verlesen' bzw. 'ausgelesen' - bezieht sich auf die Rosinen, die vor der Verwendung sortiert und von Stielen oder minderwertigen Stücken befreit werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-190-orig" n="hays" resp="#fyndling">'Heiß' - eine Anweisung, das Gericht warm zu servieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-190-orig" n="weinper / weinperer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">'Rosinen' - Obwohl CoReMA 'grape' (Weintraube) verlinkt, ist im Kontext einer Sauce und der Anweisung 'erlessen' (gut verlesen/sortiert) die Lesart 'Rosinen' (getrocknete Weinbeeren) kulinarisch plausibler und in mittelalterlichen Rezepten häufiger für solche Anwendungen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-190-orig" n="erlessen" resp="#fyndling">'Gut verlesen/ausgelesen' - bezieht sich auf die Rosinen, die vor der Verwendung sortiert und von Stielen oder minderwertigen Stücken befreit werden. Diese Lesart wird durch die Korpus-Zwillinge mon-156 und mon-176 gestützt, die dieselbe Wortfamilie 'erlessen' konsistent als 'verlesen' übersetzen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-191-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Wild- und Geflügelpastete, die direkt im Pastetentopf (postetten haffen) im Ofen gegart wird - ohne dass der Text an irgendeiner Stelle Teig erwähnt. Es handelt sich damit eher um eine im Napf gegarte Terrine als um die später übliche pâté en croûte mit Teigkruste. Nahe lebende Verwandte sind die österreichische Wildpastete bzw. Terrine vom Reh und die französische pâté en terrine - beide ohne Kruste, im Napf gebacken.

Rinderlende statt Lamm. Lemprat klingt nach „Lamm“, meint hier aber die Rinderlende (Sirloin). Im Satz „von rindtfleisch von lemprat“ steht es ohnehin als Variante zum Rindfleisch, nicht zum Wildbret oder Lamm.

Würzen als Verb. Gburcz könnte auch als Substantiv „Gewürz“ gelesen werden - im Satz „gburcz es ab mit Nelken, Ingwer, Pfeffer, Salz“ funktioniert es aber nur als Imperativ „würze es“, weil die Gewürze direkt danach einzeln aufgezählt werden.

Praxis. Das Fleisch wird gewürfelt und mit frischem Speck vermischt, damit mageres Wildbret in der langen Ofenzeit nicht austrocknet. Die Fülle backt zunächst unbedeckt an, bis sie „halb gebacken“ ist - dabei tritt dünnes, blasses Fleischwasser aus. Dieses wird abgegossen und durch fette, bereits gewürzte Rinderbrühe ersetzt: So schmort die Fülle nicht im faden Eigensaft, sondern zieht den Geschmack einer fertigen Brühe - vergleichbar mit modernem Anbraten, Ablöschen und geschlossenem Fertiggaren. Erst danach wird der Pastetentopf verschlossen und fertig gebacken.

Beim ganzen Rebhuhn läuft es etwas anders: Der Vogel bleibt ganz und wird in der offenen Phase mehrfach gewendet, damit er gleichmäßig bräunt, bevor die Safran-Wein-Lebkuchen-Brühe darübergegossen und der Topf geschlossen wird. Für diese Brühe geriebenen Lebkuchen als Bindemittel verwenden - eine period-typische Alternative zur Mehlschwitze - und mit Safran und Ingwer würzen.

Bei Hühnermägen und -lebern lohnt sich Vorsicht: Sie garen deutlich schneller als zähes Wildbret, das Original unterscheidet die Garzeit aber nicht. Wer trockene, krümelige Innereien vermeiden will, verkürzt die zweite Ofenphase entsprechend.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-191-orig" n="postetten haffen" resp="#fyndling">Ein spezieller Topf oder eine Form zum Backen von Pasteten im Ofen, oft aus Keramik oder Metall, mit einem Deckel, der die Feuchtigkeit im Inneren hält. CoReMA-GAMS glossiert den Begriff mit Wikidata Q107272929 („pie pot“) als eigenständiges Kochgefäß - der Text erwähnt an keiner Stelle Teig, „Pastete“ meint hier also zunächst das Gargefäß, nicht zwingend eine Teigkruste.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-191-orig" n="offendel" resp="#fyndling">Eine Diminutivform von 'Ofen', hier einfach als 'Ofen' übersetzt. Bezieht sich auf den Backofen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-191-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Eine allgemeine Bezeichnung für 'Gewürze'. Im Rezept werden die spezifischen Gewürze wie Nelken, Ingwer, Pfeffer, Salz und Safran genannt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-191-orig" n="lemprat" resp="#fyndling">Rinderlende (Sirloin). Klingt wie eine Ableitung von „Lamm“, CoReMA-GAMS verlinkt den Begriff aber mit Wikidata Q1186598 (sirloin) - im Satz „von rindtfleisch von lemprat“ auch schlüssig als Variante zum Rindfleisch, nicht zum Lamm.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-191-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Lebkuchen oder Honigkuchen, der hier gerieben und als Bindemittel und Geschmacksgeber in der Brühe verwendet wird. Er verleiht eine süß-würzige Note.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-191-orig" n="ckranwitt vogeln" resp="#fyndling">Wacholderdrosseln. Diese Wildvögel sind heute in Deutschland und der EU streng geschützt und dürfen nicht gejagt oder verzehrt werden. Im Mittelalter waren sie eine beliebte Jagdbeute.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-191-orig" n="lemprat" resp="#fyndling">‚Rinderlende‘ - CoReMA-GAMS verlinkt 'lemprat' mit Wikidata Q1186598 (sirloin), was eine spezifische Schnittführung von Rindfleisch bezeichnet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-191-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚würze es‘ - als Verb 'würzen' im Imperativ, gefolgt von einer Aufzählung spezifischer Gewürze (Nelken, Ingwer, Pfeffer, Salz, Safran).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-192-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? mon-192 ist ein im geschlossenen Topf gebackenes Innereien-Ragout aus Hühnerleber und -magen mit Rosinen, süßem Wein, Rinderbrühe und der Gewürztrias Safran, Ingwer, Pfeffer - ein typisches Beispiel der spätmittelalterlichen süß-scharfen Hofküche. In der lebenden Küchentradition ist die nächste Verwandtschaft die bayerisch-österreichische Saure Leber mit Rosinen und Zwiebeln: Hier trägt allein der süße Wein die Süße, der später übliche Essig-Kontrast fehlt noch. Auch das Rosinen-Wein-Gewürz-Muster nimmt die Marinadenlogik des Rheinischen Sauerbratens vorweg, wenngleich dort heute Rindfleisch statt Innereien geschmort wird.

Leber und Magen ungleich schnell gar? Das Original nennt Hühnerleber und -magen im selben Atemzug, unterscheidet aber nicht zwischen den beiden: Der Muskelmagen (Gizzard) ist zähes Muskelgewebe und braucht deutlich länger als die sehr schnell garende, empfindliche Leber, die bei Überhitzung schnell körnig und trocken wird. Eine verwandte Rezeptur mit derselben Zutatenkombination löst genau dieses Problem, indem der harte Teil des Magens weggeschnitten und der Rest dünn geschnitten wird, bevor beides zusammen gegart wird - ein Handgriff, den unser Rezept stillschweigend voraussetzt.

Praxis. Hühnermagen vor dem Garen putzen: die harte Innenhaut sowie zähe Sehnenstücke wegschneiden, das übrige Fleisch in dünne Streifen schneiden - so gart er in etwa derselben Zeit wie die Leber. Rosinen, süßen Wein, Rinderbrühe sowie Safran, Ingwer und Pfeffer in einen Topf geben, Magen und Leber dazugeben, Deckel auflegen und im Ofen bei mittlerer Hitze (ca. 180 °C) etwa 20 Minuten backen, bis die Leber gerade durch ist. Heiß servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-192-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Schreibweise für ‚Gewürz‘. Hier als Sammelbegriff für die nachfolgend genannten Gewürze Safran, Ingwer und Pfeffer.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-192-orig" n="haffen" resp="#fyndling">Bairisch-österreichische Bezeichnung für einen Topf oder ein Kochgefäß. Hier ein Topf, der im Ofen gebacken wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-192-orig" n="offen" resp="#fyndling">Bezeichnet einen Backofen. Im Lager kann dies durch einen gut beheizten Dutch Oven ersetzt werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-192-orig" n="magen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen">Magen (Gizzard) des Huhns. Im Kontext von 'Hühnerlebern und -magen' ist der Muskelmagen gemeint, der zusammen mit der Leber als Innerei zubereitet wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-193-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine dunkel gewürzte Rindfleischpastete: rohes Rindfleisch wird mit gehackten Mandeln, Safran, Ingwer und Nelken vermengt, in einem Pastetentopf (‚postetten haffen‘) zunächst offen gebacken, dann mit Wein und fetter Rinderbrühe aufgegossen und verschlossen fertiggebacken. Das ist eine frühe Vorstufe der handgezogenen, im Ofen gebackenen Fleischpastete - die Technik ‚erst backen, dann Flüssigkeit nachgießen‘ lebt bis heute im englischen (Melton-Mowbray-)Pork Pie fort, bei dem nach dem Backen heiße Brühe durch ein Loch in der Kruste nachgegossen wird und zu Sulz geliert.

Die zweiphasige Back-Technik. mon-193 selbst nennt das Abgießen der Fleischflüssigkeit nur knapp. Das Schwesterrezept mon-191 (Pasteten von Wildbret, dort ausdrücklich auch für Rindfleisch als Variante genannt) führt exakt dieselbe Technik ausführlich vor: Die Pastete backt zunächst ungedeckt, bis das Fleisch ‚halb gebacken‘ ist, dann wird die austretende Flüssigkeit abgegossen, Wein und fette Brühe zugegeben, der Topf verschlossen und fertiggebacken. mon-193 setzt diese Technik als bekannt voraus, statt sie zu wiederholen.

Warum wird schwarz/dunkel angestrebt? Die Zielfarbe ‚sbarcz‘ (dunkel/schwarz) ist im Mondseer Kochbuch keine Übertreibung, sondern eine anerkannte Optik-Kategorie: mon-144 strebt für ein Fischrogen-Gericht dieselbe Farbe an, dort durch scharfes Anbraten in Öl. Bei mon-193 entsteht die dunkle Farbe am ehesten durch das Anrösten der Füllung in der offenen ersten Backphase und durch die dunklen Gewürze, vor allem die Nelken - nicht durch eine Reduktion in der zweiten, abgedeckten Phase, denn dort schmort die Pastete geschlossen im eigenen Sud.

Praxis. Im Lager ist das Rezept nur eingeschränkt geeignet: Ein Backofen bzw. ein Dutch Oven mit gut kontrollierbarer Ober- und Unterhitze ist Voraussetzung, da zwei unterschiedliche Hitzephasen (offen/heiß zum Anrösten, dann geschlossen/moderat zum Fertiggaren) durchlaufen werden müssen. Wann genau abgegossen wird, gibt mon-193 nicht an - als Anhaltspunkt (nach mon-191) eignet sich der Moment, in dem das Fleisch außen bereits fest, aber noch nicht durchgegart ist. Rohes Rindfleisch braucht bis zum Verarbeiten durchgehende Kühlung. Die Mandeln binden ausschließlich die Füllung; die nachgegossene Brühe bleibt dünnflüssig - das Ergebnis ist eher eine saftige, brühige Fleischfüllung als eine heute unter ‚Pastete‘ verstandene feste Terrine.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-193-orig" n="posten" resp="#fyndling">Bezeichnet hier eine Pastete oder einen Fleischkuchen, der im Ofen gebacken wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-193-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Eine bairisch-österreichische Schreibweise für ‚Gewürz‘. Hier sind die spezifischen Gewürze (Safran, Ingwer, Nelken) direkt im Anschluss genannt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-193-orig" n="offen" resp="#fyndling">Der Backofen, der im Mittelalter oft als gemauerter Ofen oder als transportabler Topfofen (ähnlich einem Dutch Oven) genutzt wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-193-orig" n="gewß das wasßer auch da von ee dw dy prue dar vber gewst" resp="#fyndling">Keine Kochwasser-Vorbereitung, sondern eine zweiphasige Backtechnik: Die Pastete backt zunächst ungedeckt, wobei das rohe Fleisch eigene Flüssigkeit absondert. Diese wird abgegossen ('das wasßer... da von'), bevor die fette Brühe hinzukommt und die Pastete zum Fertigbacken abgedeckt wird. Ausführlich vorexerziert in mon-191 ('seych das wasser da von... vnd mach den postetten haffen oben czw'), das mon-193 hier stark verkürzt voraussetzt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-193-orig" n="sbarcz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sbarcz">Corpus-intern zweifach belegt: mon-144 verwendet exakt dasselbe Wort für ein Fischrogen-Gericht (dort erreicht durch scharfes Anbraten in Öl statt Wein-Brühe-Gewürz-Technik). Das stützt ‚schwarz/dunkel‘ als eigenständige, bewusst angestrebte Optik-Kategorie im Mondseer Kochbuch, nicht als moderne Verlegenheitsdeutung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-193-orig" n="sbarcz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sbarcz">‚sehr dunkel‘ oder ‚dunkelbraun‘ - eine bairisch-österreichische Schreibweise für ‚schwarz‘ (b ersetzt w im Anlaut, vgl. im selben Rezept ‚gburcz‘=Gewürz und ‚gewß‘=gieße; nicht ‚sch‘, denn ‚schwarz‘ geht auf mhd. ‚swarz‘ mit dem Anlautcluster sw- zurück). Hier ist es als stilistische Beschreibung für eine sehr dunkle Farbe des Gerichts zu verstehen, nicht als buchstäblich schwarze Farbe.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-194-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein vergoldetes, kranz-/ringförmiges Schaugebäck für ein Hochzeitsmahl: Ein breiter Weinteig-Fladen wird über einen kreisförmig ausgelegten Ring aus Apfel-Rosinen-Honig-Füllung gezogen, indem man ihn durch ein zentrales Loch stülpt - der Fladen wird so zu einem Kranz (Torus) geformt. Formtechnisch ist das ein Vorfahr der ringförmig gefüllten Krapfen-/Berliner-Familie: ein Teigfladen wird per Mittelloch-Technik zum Ring geformt, in Fett frittiert und süß gefüllt.

Der eifreie Weinteig. Der Teig wird bewusst mit Wein statt mit Eiern angesetzt ("nicht mit airen") - vermutlich damit er beim Frittieren dünn und knusprig bleibt, statt aufzugehen und die feine Randdekoration zu verwischen. Das bringt eine echte Praxis-Hürde mit sich: Ein eifreier Weinteig ist tendenziell weniger dehnbar als ein eiangereicherter, die Zieh-Technik durchs Mittelloch verlangt aber gerade viel Elastizität. Genug Fett im Teig, eine ausreichende Ruhezeit und ein dünnes, aber elastisches Ausrollen sind hier entscheidend - im Text selbst steht dazu nichts.

Der Füllungsring "kopfgroß". Die Füllung wird ringförmig ausgelegt, so weit, dass sie um einen Kopf geht (choph = Kopf, nicht Pfanne) - eine praktische Größenangabe, die zum Halsband-Thema passt: Der Ring muss über einen Kopf passen wie ein echtes Halsband.

Das Krapfen-Eisen. Kein Backeisen, sondern ein Schneide-/Ausstechwerkzeug: Damit wird der über den Füllungsring überstehende Teigrand in Laub- und Kleeblatt-Formen geschnitten, nicht zwischen zwei heißen Platten gebacken. Die genaue Bauform ist nicht überliefert.

Übergieß-Frittieren. Zwei Pfannen sind im Einsatz: eine mit dem geformten Gebäck, eine mit heißem Schmalz. Das heiße Schmalz wird über das Gebäck gegossen statt es einzutauchen - das gart schonend von oben, ohne die filigrane Form zu beschädigen, erfordert aber praktisch zwei Hände oder zwei Personen am Feuer.

Praxis. Weinteig ansetzen, ruhen lassen, dünn und elastisch ausrollen. Äpfel und Rosinen mit Honig einkochen, mit Pfeffer und Ingwer würzen, auskühlen lassen. Füllung ringförmig auf dem Fladen auslegen, Mittelloch schneiden, Fladen durch das Loch über den Füllungsring ziehen. Rand mit einer geriffelten Teigrolle oder einem Blatt-/Kleeblatt-Ausstecher dekorativ schneiden (moderner Ersatz fürs Krapfen-Eisen). In eine Pfanne legen, in einer zweiten Schmalz heiß machen und darüber gießen, backen lassen. Schmalz abgießen, auskühlen lassen, erst dann mit Blattgold auf der trockenen, leicht fettigen Oberfläche vergolden - ein Klebemittel nennt der Text nicht, die Restfeuchte/-fett reicht in der Praxis meist aus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-194-orig" n="prenn das mit einem honig ab" resp="#fyndling">Das Verb 'prennen' (brennen) bedeutet hier 'reduzieren' oder 'einkochen', nicht im Sinne von Verbrennen. Die Füllung wird mit Honig eingedickt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-194-orig" n="czirckell" resp="#fyndling">Ein 'Zirkel' bezeichnet hier eine kreisförmige Anordnung der Füllung, nicht das Zeichengerät selbst.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-194-orig" n="vmb ein choph gee" resp="#fyndling">'Choph' = Kopf (mhd./bair., MHDBDB-Bedeutungsfeld Körperteile), NICHT 'Pfanne'. Der Füllungsring soll so groß sein, dass er um einen Kopf geht - eine praktische Größenangabe, passend zum Halsband-Thema des Gerichts (ein Ring, der über den Kopf gestreift werden kann wie ein Schmuckstück).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-194-orig" n="chrapfen eyssenn" resp="#fyndling">Die CoReMA-Objektseite (gr1.193, wegen Nummern-Drift nicht gr1.194) glossiert den Begriff über Wikidata als 'fried dumpling cutter' (Q107272835) - ein Schneide-/Ausstechwerkzeug für Krapfenteig, kein Backeisen wie ein Waffeleisen. Das passt zum Verb 'sneid' (schneiden) im Text: Der überstehende Teigrand wird damit in Laub- und Kleeblätter-Formen ausgeschnitten/geprägt, nicht zwischen heißen Platten gebacken. Genaue Bauform (Metallstempel, Rädchen mit Griff) ist nicht überliefert. ACHTUNG Falscher Freund: Das heute unter demselben Namen bekannte südtiroler 'Krapfeneisen' (Rosetten-/Ausback-Eisen, in heißes Öl und danach in flüssigen Teig getaucht, Teig backt außen an) ist ein anderes Gerät für eine andere Technik (Tauchen statt Schneiden) und beschreibt vermutlich nicht dasselbe Werkzeug wie hier im 15. Jh.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-194-orig" n="vergolten" resp="#fyndling">Das Gericht wird mit Blattgold verziert. Gold war im Mittelalter ein Statussymbol und wurde häufig für besonders festliche Speisen verwendet, um Reichtum und Pracht zu demonstrieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-194-orig" n="gewß es also hais auff das halspandt In dy anderen phann" resp="#fyndling">Zwei Pfannen im Einsatz: In der einen liegt das geformte Gebäck, in der anderen wird das Schmalz heiß gemacht - aus dieser wird es dann heiß über das Gebäck in die erste Pfanne gegossen (Übergieß-Frittieren statt Eintauchen), das schont die filigrane Randdekoration.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-194-orig" n="praycz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#praycz">Als 'breit' bzw. 'breiten Fladen' gelesen (praycz/prayt- = breit(en)), nicht von 'pracz' (braten) abgeleitet. Das Zwillingsrezept mon-176 verwendet dieselbe Wendung ('mach ain praycz platt von taig das nicht czw dunn sey') sowie das verwandte Verb 'praydt das platt In die phan' (= 'breite den Fladen in die Pfanne'), beides eindeutig mit der Bedeutung breit/breiten. Auch inhaltlich stimmiger: Der Fladen wird laut Text erst am Ende gebacken ('laß es pachen'), kann beim Formen also noch nicht 'gebacken' sein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-194-orig" n="choph" resp="#fyndling">'Kopf' (Körperteil) - MHDBDB führt 'choph' eindeutig auf 'kopf' zurück (Bedeutungsfeld Körper/Gliedmaßen). Der Füllungsring wird kopfgroß gelegt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-194-orig" n="chrapfen eyssenn" resp="#fyndling">Ein Schneide-/Ausstechwerkzeug für Teig, nach CoReMA-Wikidata-Glosse (Q107272835) ein 'fried dumpling cutter'. Passt zum Verb 'sneid' (schneiden).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-194-orig" n="chlepletter" resp="#fyndling">Als 'Kleeblätter' interpretiert, da es zusammen mit 'lawbe' (Laub) als dekorative Schnittform mit dem Krapfen-Eisen genannt wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-195-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein fertiges Gericht, sondern die Anleitung zur Gewinnung einer Grundzutat: reine Weizenstärke (hier „kraft mell“ genannt) aus ganzen Weizenkörnern. Die „Kraft“ im Namen meint die bindende, verdickende Wirkung der Stärke, nicht Nährkraft und nicht modernes griffiges Backmehl. Die beschriebene Mazerationstechnik - Getreide tagelang wässern, zerstoßen, durch ein Tuch auswaschen, absetzen lassen, trocknen, erneut zerstoßen - ist eine uralte handwerkliche Methode zur Stärkegewinnung. Direkter Nachfahre ist die heute im Supermarkt erhältliche reine Weizenstärke, wie sie für helle Saucen und Cremes verwendet wird.

Warum vierzehn Tage wässern? Das lange Einweichen mit dreimaligem täglichem Wasserwechsel weicht das Korn nicht nur auf, sondern setzt auch eine milde Gärung in Gang, die den Kleber im Korn lockert - erst dadurch lässt sich die Stärke später sauber vom Kleber und von der Kleie trennen. Der häufige Wasserwechsel bremst dabei Fäulnis, ohne die gewünschte Gärung ganz zu stoppen.

Zieh sie auseinander oder locker sie auf? Nach dem Trocknen ist die Stärkemasse zu einem harten Kuchen geworden, der vor dem zweiten Mörsergang erst zerteilt werden muss. Ob man das mit „ziehen/abziehen“ oder „auflockern“ übersetzt - im Mondseer Korpus ist „czewch“ sonst durchgängig im Sinn von „(ab)ziehen“ belegt -, gemeint ist dieselbe Handlung: den getrockneten Kuchen in Stücke reißen, damit er sich fein zerstoßen lässt.

Praxis. Wichtig ist die Reihenfolge: Das Korn wird roh eingeweicht, roh gestoßen und roh durchs Tuch gestrichen - erst ganz am Schluss, beim tatsächlichen Gebrauch, wird die Stärke gekocht. Würde man das Korn vorher kochen, würde die Stärke bereits verkleistern und ließe sich nicht mehr als feine Suspension durchs Tuch drücken. Nach dem Durchstreichen setzt sich die Stärke über Nacht am Boden ab, während sich das Wasser oben absetzt und abgegossen werden kann. Wer nur einen einzigen Absetz-Zyklus durchläuft, sollte damit rechnen, dass noch Klebereste in der fertigen Stärke stecken - spätere Rezepte für reine, reinweiße Stärke wiederholen das Aufschlämmen und Absetzen mehrfach, bis das Wasser klar bleibt. Zum Zerstoßen dient hier ein großer Mörser für Getreide, nicht der kleine Gewürzmörser.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-195-orig" n="kraft mell" resp="#fyndling">'Kraftmehl' bezeichnet hier Weizenstärke, nicht Mehl. Modernes „Kraftmehl“ (Backindustrie-Begriff für griffiges Mehl) ist ein falscher Freund. Das Rezept beschreibt die Herstellung dieser Stärke, die als Bindemittel und Aufheller in der mittelalterlichen Küche diente.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-195-orig" n="paiß In" resp="#fyndling">Das Verb 'paiß In' bedeutet hier einweichen. Der Weizen wird über zwei Wochen in Wasser fermentiert, um die Stärke von der Kleie zu trennen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-195-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Der 'Mörser' war im Mittelalter ein großer Mörser, hier zum Zerstoßen von Getreide statt Fleisch verwendet - kein kleiner Gewürzmörser.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-195-orig" n="tuech" resp="#fyndling">Ein 'Tuch' ist hier ein feines Leinentuch oder Passiertuch zum Abseihen der Stärkemilch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-195-orig" n="schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">'Schon' bedeutet hier sauber oder gründlich, nicht 'schön' im ästhetischen Sinne.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-195-orig" n="czewch" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czewch">'Czewch' (ziehen) bedeutet hier abziehen oder auseinanderziehen - die getrocknete Stärkemasse wird vor dem erneuten Mörsern in Stücke gerissen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-195-orig" n="czewchs czewches auff" resp="#fyndling">'Zieh sie auseinander' - die getrocknete Stärkemasse wird in Stücke gerissen, bevor sie erneut im Mörser zerstoßen wird. Das Mondseer Korpus belegt 'czewch/ziehen' durchgängig in diesem Sinn (vgl. mon-015, mon-065).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-196-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

mon-196 ist im Kern ein vorgesottenes, geviertelt zerlegtes Huhn, das in heißem Schmalz angebraten und mit einer rohen Ei-Semmelbrösel-Kräuter-Gewürz-Masse übergossen wird, die darüber stockt. Das ist funktional ein früher Vorläufer des heutigen Hühnerfrikassees - nur dass hier statt Mehlschwitze oder Sahne eine Ei-Brösel-Bindung verwendet wird, wie sie heute etwa bei einer Kräuterkruste auf Fisch oder Lamm üblich ist. Mit dem modernen, tomatenbasierten „Pollo alla Romana“ hat das Gericht trotz Namensgleichheit nichts zu tun - jenes Schmorgericht entstand erst nach der Einführung der Tomate in Europa.

Warum wird das Huhn erst gesotten, dann angebraten?

Das kräftige Vorsieden gart das Huhn teilweise vor und macht es leichter, es in vier Stücke zu zerteilen, bevor es im heißen Schmalz scharf angebraten wird - eine typische Zwei-Phasen-Technik für zähes oder großes Geflügel.

Wohin verschwinden die Eier?

Die geschlagenen Eier werden im Text nicht noch einmal beim Namen genannt, sind aber grammatisch das Substrat, in das Petersilie, Salbei, Semmelbrösel und Gewürze eingerührt werden, bevor die Masse über das Fleisch gegossen wird. Sie bleiben also Teil der Bindemasse - der Text lässt sie nur implizit weiterlaufen.

Der Mörser als Kochgefäß.

Das Rezept verlangt, Schmalz direkt in einem Mörser zu erhitzen und die Hühner darin zu backen - das funktioniert nur mit einem Mörser aus Metall oder Bronze, ein Naturstein-Mörser würde bei direkter Feuerhitze durch Thermoschock reißen. Ein weiteres Rezept aus dem Korpus belegt unabhängig, dass ein über Glut gesetzter Mörser tatsächlich als Kochgefäß für Schmalz verwendet wurde.

Abkühlen vor dem Servieren.

„Pach es chuell ab“ heißt hier wörtlich: Backe es ab, lass es abkühlen, sodass es sich gut durchzieht - erst danach wird es heiß aufgetragen. Dieselbe Abkühlen-vor-dem-heißen-Servieren-Formel findet sich fast wortgleich in mehreren weiteren Mondseer Rezepten und ist ein wiederkehrendes Element dieser Rezeptgruppe, kein Widerspruch.

Praxis.

Junge Hühner kräftig vorkochen, dann vierteln. Eier verquirlen und mit fein gehackter Petersilie, Salbei, etwas Semmelbrösel, Zimtrinde, Ingwer und Salz vermengen. Schmalz in einem schweren Metalltopf oder Dutch Oven heiß werden lassen, die Hühnerstücke darin scharf anbraten, dann die Ei-Kräuter-Masse darübergießen und bei reduzierter Hitze stocken lassen, bis sie fest ist und nicht mehr flüssig - dabei nicht zu heiß werden lassen, sonst gerinnt das Ei ungleichmäßig oder verbrennt. Kurz abkühlen und ruhen lassen, dann heiß servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-196-orig" n="romisch huen" resp="#fyndling">Die Bezeichnung „römisch“ (lateinisch: romanus) ist im Mondseer Kochbuch kein fester Rezepttyp, sondern ein wiederkehrendes Stil- und Prestige-Etikett: Auch mon-176 („Römische Pastete mit Huhn und Kirschen“) und mon-178 („Römischer Kümmelbraten“) tragen denselben Zusatz bei völlig unterschiedlichen Zubereitungen. Im tatsächlich am päpstlichen Hof verfassten Registrum Coquinae (boc-007, boc-009) ist die Herkunftsangabe dagegen wörtlich gemeint - im bairisch-österreichischen Mondseer Kochbuch ist sie eher als übernommenes Exotismus-Signal zu lesen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-196-orig" n="sieden" resp="#fyndling">Das Sieden bezeichnet hier ein kräftiges Kochen (nicht ein sanftes Pochieren), um das Huhn teilzugaren und das anschließende Zerteilen in vier Stücke zu erleichtern.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-196-orig" n="czegelider" resp="#fyndling">Das Zergliedern bedeutet das Zerteilen des Huhns in seine Einzelteile, hier in vier Stücke.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-196-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Im Mittelalter wurden Semmelbrösel oder geriebenes Weißbrot häufig als Bindemittel und zur Texturgebung in Saucen und Füllungen verwendet, nicht Mehl.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-196-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Der Begriff „gburcz“ kann sowohl das Gewürz selbst als auch das Verb „würzen“ bedeuten. Im Kontext dieses Rezepts ist die verbale Lesart „würze das“ am plausibelsten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-196-orig" n="czymmerrintten" resp="#fyndling">Hier ist die Zimtrinde gemeint, die in Stücken mitgekocht oder gerieben hinzugefügt wurde. Sie war ein beliebtes und kostbares Gewürz.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-196-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext war ein Mörser oft ein großes, schweres Gefäß aus Stein oder Metall, das nicht nur zum Zerstoßen, sondern auch als hitzebeständiges Kochgefäß über dem Feuer verwendet werden konnte. Dies entspricht einem modernen Dutch Oven oder einem schweren Topf. Praktisch funktioniert das nur mit einem Mörser aus Metall oder Bronze - ein Naturstein-Mörser würde bei direkter Feuerhitze reißen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-196-orig" n="temperir" resp="#fyndling">Das Temperieren bedeutet hier das Mischen und Einarbeiten der Zutaten, um eine homogene Masse zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-196-orig" n="chuell ab" resp="#fyndling">Die Anweisung „chuell ab“ (kühl ab) meint hier ein tatsächliches Abkühlen/Ruhen nach dem Garen, bevor heiß serviert wird - dieselbe Abkühl-vor-dem-heißen-Servieren-Formel findet sich fast wortgleich in weiteren Mondseer Rezepten und ist ein wiederkehrendes Element dieser Rezeptgruppe, keine Ausnahme.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-196-orig" n="dich" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#dich">Das Wort 'dich' wurde hier als Personalpronomen 'dich' übersetzt, im Sinne von 'so viel es dir dünkt'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-196-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Das Wort 'gburcz' wurde hier als Verb 'würze' (Imperativ) übersetzt, da es im Satz 'vnd + gburcz das mit czymmerrintten Ingber vnd salcz' eine Handlungsanweisung darstellt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-196-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Die Anweisung, Schmalz in einem Mörser zu erhitzen und darin zu kochen, wurde so interpretiert, dass ein großer, hitzebeständiger Mörser als Kochgefäß verwendet wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-197-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Kein bloßes Ei-Milch-Mus, sondern eine frühe Verwandte der bis heute in Bayern und Österreich bekannten Milchnudel: ein dünner Eierteig wird in kleinen Stücken direkt in die siedende, mit Holunderblüten aromatisierte Milch eingekocht. Der engste Verfahrens-Zwilling im Korpus ist kkm-034 (Kölner Kochbuch), wo ein ausgewellter Eierteig in „Würmlein“ geschnitten und ebenso in siedende Milch gegeben wird - das stützt die Lesart, dass mit „choch das chlain dar ein“ ähnlich kleine Teigstücke gemeint sind.

Straubenteig als Maßstab, nicht als Zutat.

Der Eierteig muss deutlich dünner sein als ein Straubenteig - fast gießfähig. Der Straubenteig selbst wird nicht verarbeitet, sondern dient nur als dem Koch bekannte Vergleichsgröße für die gewünschte Konsistenz.

Praxis.

Holunderblüten von den Dolden abbrechen und in Milch gründlich auskochen, danach durch ein Tuch seihen, um die Blütenreste zu entfernen. Die geseihte Milch erneut zum Sieden bringen. Für den Teig Eier zu einem dünnen, fast gießfähigen Eierteig verarbeiten - deutlich dünner als ein Straubenteig - und in kleinen Stücken, etwa löffel- oder trichterweise, in die sprudelnd kochende Milch einlaufen lassen, wo der Teig sofort stockt. Gesamtzeit rund 30 Minuten am offenen Feuer, ohne Ofen oder Kühlung durchführbar; Milch und rohe Eier an einem warmen Markttag aber zügig weiterverarbeiten, da sie ohne Kühlkette rasch verderben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-197-orig" n="holler prein" resp="#fyndling">Ein Holunderblüten-Mus oder -Brei. ‚Prein‘ bezeichnet im Mittelalter allgemein eine Art Brei oder Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-197-orig" n="holler plue" resp="#fyndling">Holunderblüten, die Blüten des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-197-orig" n="prock" resp="#fyndling">Von ‚brocken‘ (MHDBDB) - eher ein grobes Abbrechen der Blüten von der Dolde als einzelnes Zupfen; text_modern gibt es sinngemäß mit ‚abzupfen‘ wieder.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-197-orig" n="teuch" resp="#fyndling">Ein Seihtuch oder Passiertuch, zum Filtern von Flüssigkeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-197-orig" n="strawben taig" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#strawben-taig">Ein dünner, flüssiger Teig, der traditionell durch einen Trichter in heißes Fett gegossen und frittiert wird, um ein krauses, netzartiges Gebäck (‚Strauben‘) zu formen. Hier dient er als Vergleich für die gewünschte Dünnflüssigkeit des Eierteigs.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-197-orig" n="den heren gesundt" resp="#fyndling">‚Den Herren zuträglich‘ - ein typischer Hinweis auf die gesundheitliche Wirkung einer Speise im Sinne der mittelalterlichen Humoralpathologie.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-197-orig" n="strawben taig" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#strawben-taig">Straubenteig (eine Art Trichterkuchenteig)</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-197-orig" n="prein" resp="#fyndling">Brei / Mus</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-197-orig" n="choch das chlain dar ein" resp="#fyndling">koche den Teig in kleinen Stücken hinein</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-198-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Diese "Weingallerte" ist kein festes Aspik, sondern ein hochkonzentrierter Gewürzwein-Sirup zum monatelangen Würzen und Süßen anderer Speisen - ein Vorfahre des heutigen Glühwein-Sirups bzw. des italienischen vin cotto. Im Korpus ist sie eng mit kkm-052 verwandt: Dort wird dasselbe Verfahren beschrieben, Wein und Brot gemeinsam durchs Tuch geschlagen, mit Lebkuchen und Honig gesotten, bis die Masse bindet.

Die Rolle von Brot und Lebkuchen. Der Text nennt Lebkuchen, Honig und Weißbrot in der Zutatenliste, lässt aber offen, wann genau sie in den Sud gelangen - der eigentliche Kochsatz erwähnt ausdrücklich nur, dass die Gewürze in den Topf kommen. Nach dem Vorbild von kkm-052 werden Brot und Lebkuchen hier zusammen mit dem warmen Wein durch das Tuch geschlagen: Ihre Krume löst sich auf und bindet die Flüssigkeit, während das Tuch nur die groben Gewürzstücke zurückhält. Das ist eine plausible Rekonstruktion anhand des Korpus-Zwillings, keine im Manuskript ausdrücklich belegte Aussage.

Praxis. Wein mit den ganzen Gewürzen (Muskatnuss, Muskatblüte, Zimtrinde, Nelken, Ingwer, Pfeffer) in einem neuen, unbenutzten Topf auf kleiner Glut nur kurz erwärmen - nicht kochen, sonst verflüchtigen sich die ätherischen Öle. Lebkuchen, Weißbrot und Honig mit hineingeben, alles zusammen durch ein feines, weißes Tuch schlagen und die Flüssigkeit wieder in den Topf zurückgeben. Zwei Stunden bei kleiner Hitze köcheln lassen und oft umrühren, damit die zuckerreiche Masse am Boden nicht anbrennt; die Gallerte ist fertig, wenn sie goldfarben wird. Das Ergebnis ist eher eine dickliche, streichfähige Gewürzwein-Konserve als eine schnittfeste Sülze - im kühlen Keller gut abgedeckt hält sie sich, solange jeweils nur kleine Mengen entnommen und das Gefäß danach sofort wieder verschlossen wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-198-orig" n="galraidt" resp="#fyndling">Eine ‚Gallerte‘ (von lat. gelatina) war im 15. Jahrhundert eine funktionale Vorrats-Kategorie, keine einzelne feste Zubereitungsart. CoReMA glossiert den Begriff generisch als aspic. Im Korpus zeigt sich die Bandbreite deutlich: mon-170 ist eine echte Kalbsfuß-Gallerte mit festem Kollagen-Gel, während diese Weingallerte durch Brot und Lebkuchen nur eingedickt wird und eher einem Sirup als einer festen Sülze entspricht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-198-orig" n="Muskatnuss / Muskatblüte" resp="#fyndling">Muskatnuss und Muskatblüte (Macis) stammen vom selben Baum, dem Muskatnussbaum. Die Muskatblüte ist der getrocknete Samenmantel und hat ein feineres, blumigeres Aroma als die Nuss selbst.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-198-orig" n="czymmerrintten" resp="#fyndling">Die ‚Zimtrinde‘ war im Mittelalter ein hochgeschätztes Gewürz. Sie wurde oft in Stücken mitgekocht und später entfernt oder zu Pulver zerstoßen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-198-orig" n="nagel" resp="#fyndling">Hier sind Gewürznelken gemeint, die aufgrund ihrer Form als ‚Nägelein‘ bezeichnet wurden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-198-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">‚Lebzelten‘ ist eine alte Bezeichnung für Lebkuchen oder Honigkuchen, oft stark gewürzt und als Zutat für Saucen oder Süßspeisen verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-198-orig" n="ein phenning" resp="#fyndling">Ein ‚Pfennig‘ war eine kleine Münzeinheit. Die Mengenangabe ‚so viel du für einen Pfennig kaufen kannst‘ ist eine historische Preisangabe, die heute nicht mehr direkt umrechenbar ist. Für die Zubereitung sollte eine moderate Menge Lebkuchen verwendet werden, die dem Gericht eine würzige Süße und Bindung verleiht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-198-orig" n="ein massel honigs" resp="#fyndling">Ein ‚Massel‘ ist vermutlich ein Diminutiv von ‚Maß‘, einer alten Volumeneinheit, und bezeichnet hier wohl eine kleine, unbestimmte Menge Honig, vergleichbar mit einer Tasse oder einem kleinen Glas. Das Wort ist im Korpus ein Hapax und extern nicht eindeutig belegt - die Deutung bleibt eine plausible, aber nicht gesicherte Annahme.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-198-orig" n="dy pa" resp="#fyndling">Dieses Fragment zwischen ‚weiß procz‘ und ‚wan dw das alles hast‘ bleibt ungeklärt. Weder das Korpus-Glossar noch die CoReMA-Objektseite verzeichnen einen Beleg oder eine Glosse dazu - möglicherweise ein Schreiberzusatz oder eine Verschreibung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-198-orig" n="chlains chluetel" resp="#fyndling">Ein ‚kleines Glütel‘ (Glut) bedeutet, dass der Topf nur auf schwacher Hitze erwärmt werden soll, um ein Anbrennen und den Verlust der ätherischen Gewürzöle zu vermeiden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-198-orig" n="slach es durch ein weiss tuech" resp="#fyndling">‚Durchschlagen‘ bedeutet hier das Passieren der Flüssigkeit durch ein Tuch: Dabei werden nicht nur grobe Gewürzstücke zurückgehalten, sondern vermutlich auch Brot und Lebkuchen mit eingearbeitet, die der Flüssigkeit ihre Bindung geben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-198-orig" n="czwain viertail weins" resp="#fyndling">‚Zwei Viertel Wein‘ - da die genaue Größe eines ‚Viertels‘ im 15. Jahrhundert regional variierte und nicht spezifiziert ist, wurde hier eine plausible Menge von 1,5 Litern (zwei mal ca. 0,75 Liter) angenommen, die für eine Gallerte sinnvoll erscheint.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-199-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Ein zweifach gebackenes, gefülltes Röllchen: Ein dünner, reiner Eier-Fladen ohne Mehl wird mit einer heiß temperierten Apfel-Lebkuchen-Gewürzfüllung bestrichen, gerollt, in geschlagenes Eiklar getunkt und noch einmal in Schmalz ausgebacken. Der nächste lebende Verwandte ist die gefüllte Palatschinke - allerdings eine Vorform davon, denn die Hülle ist hier ein reines Omelett statt eines Mehlteigs. Durch das zweite Ausbacken steht das Gericht zugleich der Familie der frittierten Apfelröllchen und -küchlein nahe, eine Zwischenform zwischen Pfannkuchen und Krapfen.

Die Fladen: ein Ei, zwei dünne Omeletts.

Aus einem einzigen, gut verschlagenen ganzen Ei werden zwei dünne, mehlfreie Fladen gebacken - flach in die heiße, geschmalzte Pfanne gegossen und ungerührt gestockt, nicht wie ein Rührei zerstört. Eine ebene, flache Pfanne ist dafür wichtig, sonst wird die Schicht ungleich dick.

Die Füllung: Lebkuchen statt Mehlschwitze.

Die Apfelstücke werden in derselben geschmalzten Pfanne angebraten, dann mit Muskatnuss, Muskatblüte, Ingwer und Nelken gewürzt und mit geriebenem Lebkuchen und Honig über Glut - also sanfter, nicht offener Hitze - vermischt und erwärmt. Der Lebkuchen bindet die Feuchtigkeit von Äpfeln und Honig ganz ohne Mehlschwitze; sanfte Glut statt offener Flamme ist hier die richtige Wahl, weil eine honighaltige Masse auf offener Flamme schnell anbrennt.

Die schwierigste Stelle: zwei Finger breite Streifen.

Bevor die Fladen gefüllt und gerollt werden, müssen sie auf eine handliche Größe gebracht werden - der Originaltext spricht hier wörtlich von zwei Finger breiten Streifen, das Verb selbst ist aber ein ungelöster Crux (siehe Annotation). Wir übersetzen praktisch als Schneiden, auch ohne direkten Wortbeleg dafür: Die Fladen werden zu schmalen, zwei Finger breiten Streifen zugeschnitten, bevor die Füllung mit etwas Zucker aufgestrichen und alles zusammengerollt wird.

Die Textlücke: geschlagenes Eiklar.

Der Originaltext nennt nach dem Verquirlen von zwei Eiklar keinen ausdrücklichen Verwendungszweck, bevor er direkt mit dem Ausbacken der Röllchen fortfährt. Am naheliegendsten ist, dass die Röllchen vor dem zweiten Ausbacken durch das Eiklar gezogen werden - das verschließt die Rollnaht und ergibt eine glänzende Kruste beim Braten in Schmalz.

Praxis.

Schmalz in einer flachen Pfanne zerlaufen lassen, aus einem verschlagenen Ei zwei dünne, ungerührte Fladen backen. Apfelwürfel in derselben Pfanne weich braten, mit den Gewürzen, geriebenem Lebkuchen und Honig über sanfter Hitze zu einer klebrig-formbaren Masse verrühren. Die Fladen zu zwei Finger breiten Streifen zuschneiden, mit der Füllung und etwas Zucker bestreichen, aufrollen. Die Röllchen durch geschlagenes Eiklar ziehen und in Schmalz knusprig ausbacken, danach abkühlen lassen. Mit einer Sauce oder einer kalten Gallerte servieren - eine warme Gallerte würde beim Anrichten sofort schmelzen. Die Fladen sind fragiler als ein klassischer Crêpe, also beim Füllen und Rollen mit Geduld arbeiten, besonders am offenen Feuer mit schwankender Hitze.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-199-orig" n="pletter" resp="#fyndling">Im Kern ein dünnes, ungefaltetes Omelett - kein Mehl nötig, das ist ja gerade der Unterschied zum Pfannkuchen/Crêpe. Aus nur einem einzigen, gut verschlagenen ganzen Ei werden zwei dünne Fladen gebacken, flach ausgegossen statt gefaltet, damit sie sich später rollen lassen. Der Text stellt die Mehlfreiheit später im selben Rezept explizit klar - die Äpfel werden 'nit Inn melb vnd In taig ... vmb czogen' (nicht in Mehl und Teig gehüllt) zubereitet, ein bewusster Gegensatz zu einer anderen, mehlbasierten Apfel-Zubereitung. Ganzes Ei (nicht nur Eiklar): Der Text schreibt hier nur 'nym ain ay' (nimm ein Ei, unqualifiziert), während er später für die separaten zwei Eier am Ende explizit 'czway ayr chlar' (zwei Eier-Weiß) schreibt - der Schreiber kennt und benutzt 'chlar' also nachweislich, wenn nur das Weiß gemeint ist, und lässt es hier bewusst weg. Das spricht für ein ganzes Ei (Gelb + Weiß), was praktisch auch die bessere Wahl ist: Ganzes Ei ergibt ein zarteres, besser rollbares Omelett, reines Eiklar wird beim Garen eher gummig-fest. Wichtig für die Praxis: Rühreier (verquirlt und beim Garen zerstoßen) funktionieren hier nicht - das Ei muss dünn ausgegossen und UNGERÜHRT stocken, damit ein zusammenhängendes, rollbares Omelett entsteht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-199-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Eine Form von Lebkuchen oder gewürztem Honigkuchen, der hier gerieben als Gewürz und Bindemittel verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-199-orig" n="gluedt" resp="#fyndling">Glut, also die heißen, glühenden Kohlen eines Feuers, über denen die Apfelfüllung schonend erhitzt und vermischt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-199-orig" n="sewds czwayr vinger prait" resp="#fyndling">Eine der schwierigsten Stellen des Rezepts, ungelöster Crux. Wörtlich genommen steht 'sewds' (auch 'sewdt'/'sewd' geschrieben) im Mondseer Kochbuch sonst durchgehend für 'sieden' - für 'schneiden' verwendet derselbe Schreiber an anderer Stelle das eigene, klar unterscheidbare Wort 'sneyd'. Gegen die Lesart 'siede' spricht aber, dass sich eine Breitenangabe ('zwei Finger breit') kaum sinnvoll mit Sieden verbinden lässt - Sieden erzeugt keine Breite. Die CoReMA-GAMS-Quellenseite zu diesem Rezept (gr1.198) glossiert die Stelle nicht - hier liegt keine externe Bestätigung für eine bestimmte Lesart vor. Klar ist nur das praktische Ergebnis: Die gebackenen Fladen sollen vor dem Füllen und Rollen auf einen zwei Finger breiten Streifen gebracht werden, ob durch Schneiden oder Falten bleibt offen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-199-orig" n="czerchloff czway ayr chlar" resp="#fyndling">Echte Textlücke: Nach dem Verquirlen der zwei Eiklar nennt der Text keinen Verwendungszweck, bevor er direkt mit dem Ausbacken der Röllchen fortfährt. Naheliegendste Lesart: Die Röllchen werden vor dem Braten durch das Eiklar gezogen, um sie zu verschließen und eine leicht glänzende Kruste zu erhalten - im Übersetzungstext bewusst nicht ergänzt, um keinen nicht belegten Schritt als Originaltext auszugeben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-199-orig" n="prawtt essen" resp="#fyndling">Ein ‚Brautessen‘ war ein festliches Gericht, das zu Hochzeiten oder anderen besonderen Anlässen serviert wurde und oft aufwendig zubereitet war.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-199-orig" n="czyseindel / galraitt" resp="#fyndling">Das Gericht kann entweder mit einer Sauce (‚Czyseindel‘) oder einer Gallerte (‚Galraitt‘, also einer Sülze) serviert werden, was auf eine süß-saure oder süß-herzhafte Geschmacksrichtung hindeutet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-199-orig" n="flossew" resp="#fyndling">‚flach‘ - Die Pfanne soll eine ebene, flache Oberfläche haben, ideal zum Backen dünner Pfannkuchen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-199-orig" n="czymbt" resp="#fyndling">‚genügt‘ - ‚Wenn es dir genügt, dass du genug hast‘, also wenn die Menge ausreichend ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-199-orig" n="muscat" resp="#fyndling">‚Muskatnuss‘ - Die getrocknete Samenkern des Muskatnussbaums, als Gewürz.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-199-orig" n="sewds czwayr vinger prait" resp="#fyndling">Ungelöster Crux, keine der beiden lexikalisch möglichen Lesarten ist eindeutig belegt. Klar ist nur das praktische Ergebnis: Die gebackenen Fladen sollen vor dem Füllen und Rollen auf eine zwei Finger breite Streifenform gebracht werden - ob durch Schneiden oder ein anderes Verfahren, bleibt offen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-199-orig" n="czerchloff" resp="#fyndling">‚zerklopfe‘ - Die Eiklar sollen geschlagen oder verquirlt werden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-200-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?
Kein einzelnes Gericht, sondern ein dreiteiliger Speiseplan für die Aufbauphase nach der Geburt: zuerst eine kräftigende Hühnerbrühe mit Brot, danach ein mit Wein und Eiweiß angereicherter Pfannkuchen, zuletzt ein feines Taubenmus. Der Pfannkuchen gehört zur Palatschinken-/Schmarrn-Familie, das Taubenmus zur Gruppe der passierten Geflügelspeisen für Schonkost.

Die zwei Glutstufen des Pfannkuchens.
Der Text unterscheidet lexikalisch zwei Hitzestufen: erst eine kleine, milde Glut ("gluetel", im Korpus nur hier belegt), auf der der dünne Ei-Wein-Teig schonend aufgehen soll, ohne anzubrennen; danach eine "frische", also heißere Glut zum Bräunen. Das ist eine reale Zwei-Zonen-Feuerstellentechnik und keine bloße Stilfigur - wer den Pfannkuchen nachkocht, sollte ihn entsprechend erst auf kleiner, dann auf größerer Flamme garen.

Der Malvasier gehört in den Teig.
Der gute Malvasier wird nicht zum fertigen Pfannkuchen gereicht, sondern in den Teig selbst gemischt - ebenso wie kurz darauf das zusätzliche Eiweiß, das den Teig streckt und leichter macht.

Praxis.
Für den Pfannkuchen drei Eier (davon eines nur als zusätzliches Eiweiß) mit einem guten Schluck süßem Likörwein (Malvasier oder vergleichbar) verschlagen. Haselnussgroßes Schmalz in einer sauberen Pfanne erhitzen, den Teig eingießen und zunächst auf kleiner Flamme stocken lassen, bis er aufgeht, dann auf etwas größerer Flamme fertig bräunen. Pur oder in einer Weinsuppe servieren. Für das Taubenmus die Taube zunächst gar kochen (im Text nicht ausgeschrieben, aber korpusüblich vorausgesetzt) und anschließend fein stoßen oder pürieren, ohne Beimischung anderen Geflügels.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="chochs" resp="#fyndling">Hier im Sinne eines Haushaltsvorstands oder einer erfahrenen Person, die sich um die Wöchnerin kümmert.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="frawenn besechen czw einem kindt czw ersten=mall" resp="#fyndling">Eine rituelle und pflegerische Handlung nach der Entbindung, wörtlich 'eine Frau nach der ersten Geburt besuchen/versorgen'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="tuech" resp="#fyndling">Ein feines Leinentuch, ähnlich einem Käsetuch, hier für rituelle Zwecke verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="laybell" resp="#fyndling">Diminutiv von Laib, hier für kleine Wachsstücke.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="genucz sey worden" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">Die Betonung auf 'nie benutzt' unterstreicht den rituellen Reinheitsanspruch der Materialien.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="czer gews" resp="#fyndling">'Zergieße' im Sinne von schmelzen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="hassen fueß" resp="#fyndling">Im Text liegt die Betonung darauf, dass der Hasenfuß noch nie benutzt worden sein darf - wie auch Tuch und Pfanne. Tragendes Motiv ist ein Reinheits- und Unberührtheitsprinzip des Materials, nicht der Hasenfuß als eigenständiger Glücksbringer (dieses Motiv ist vor allem ein späterer, überwiegend angloamerikanischer Volksglaube des 19./20. Jahrhunderts).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="ge stercht" resp="#fyndling">'Gestärkt' oder 'fest geworden' - bezieht sich auf das Erstarren des Wachses.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="puchslein" resp="#fyndling">Diminutiv von Büchse, ein kleines Gefäß.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="waxein ert ain ckich" resp="#fyndling">'Wächsernes Herz, ein Küchlein' - ein aus Wachs geformtes, herzförmiges Amulett.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="smeck" resp="#fyndling">'Riecht' - hier im Sinne von riechen/duften, da Safran auch für seinen Duft geschätzt wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="czymlich" resp="#fyndling">'Zuträglich' oder 'passend' - im Sinne von bekömmlich und förderlich für die Genesung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="hunr prue" resp="#fyndling">Hühnerbrühe galt als stärkend und leicht verdaulich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="snitell prott" resp="#fyndling">Eine Scheibe Brot, oft geröstet oder in die Brühe getunkt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="phanczel" resp="#fyndling">Pfannkuchen, hier als nahrhafte und leicht verdauliche Speise.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="malmasyr" resp="#fyndling">Malvasier, ein süßer, kräftiger Wein, der als stärkend galt und oft in der Krankenpflege verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="vndter das phanczel nym ein guetten malmasyr" resp="#fyndling">'Vndter' meint hier nicht räumlich 'unter/unterhalb', sondern 'hinein/in den Teig gemischt' - derselbe Wortgebrauch wie kurz darauf bei 'des weissen ... dar vndter' (das Eiweiß in den Teig gemischt).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="smalcz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, hier zum Ausbacken des Pfannkuchens.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="gluetel" resp="#fyndling">Diminutiv zu Glut - eine kleine, milde Glut (im Korpus nur hier belegt), auf der der Pfannkuchenteig zunächst schonend aufgehen soll, bevor er einer zweiten, 'frischen' (heißeren) Glut zum Bräunen genähert wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="chuell werdt" resp="#fyndling">Wörtlich 'kühl/mild wird' - bezieht sich auf die zuvor genannte kleine Glut ('gluetel') selbst, die mild bleiben soll, damit der Teig schonend aufgeht, bevor er später an eine heißere Glut zum Bräunen kommt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="wein suppen" resp="#fyndling">Eine Weinsuppe, oft mit Brot und Gewürzen, galt als stärkend.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="gestozzens" resp="#fyndling">Ein Mus oder Püree, hier aus Geflügel, leicht verdaulich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="voglein" resp="#fyndling">Diminutiv von Vogel, hier allgemein für kleine Speisevögel. Die konkrete Art wird im Folgesatz nicht mehr benannt (siehe Annotation zu 'Iung da... [gestrichen]').</note>
        <note type="gloss" target="#mon-200-orig" n="czwm anderen mal (drittes Gericht)" resp="#fyndling">Die Handschrift wiederholt hier 'zum anderen Mal' - dieselbe Zählung wie zuvor beim Pfannkuchen - statt 'zum dritten Mal'. Wahrscheinlich ein Schreiberfehler durch Wiederholung, kein Hinweis auf ein viertes Gericht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-200-orig" n="saffrann In ainem puchslein als groß als ein hassell nuss" resp="#fyndling">'Safran in einem Büchschen, so groß wie eine Haselnuss'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-200-orig" n="des weissen ain= wenig dar vndter machs vndter drew air" resp="#fyndling">'etwas Eiweiß darunter, mache es unter drei Eier'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-200-orig" n="Iung da [gestrichen: dachlain, das]" resp="#fyndling">Der Schreiber hat hier zweifach korrigiert: 'dachlain' vollständig gestrichen, danach beim Ersatzwort 'das' zusätzlich das 's' getilgt. Übrig bleibt nur 'da', was auch die CoReMA-Edition (o:corema.gr1.199) explizit als 'unsolved' kennzeichnet. Die Vogelart bleibt in der endgültigen, vom Schreiber selbst korrigierten Fassung unbenannt - vermutlich eine bewusste Verallgemeinerung (irgendein junger Vogel, solange keine zweite Art beigemischt wird), keine ungelöste Lesefalle unsererseits.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-201-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein zu Mus verarbeitetes Kompott aus getrockneten Birnen - den sogenannten „Cloczen“, bairisch-österreichisch bis heute „Hutzeln“ genannt - gesüßt mit Honig, gewürzt mit Nelken und einem guten Gewürzpulver, bei Bedarf mit geriebenem Brot gebunden und im Topf über Wochen haltbar gemacht. Handwerklich ist das die Vorstufe des bis heute in Bayern und Österreich bekannten Kletzen- bzw. Hutzelmus, wie es traditionell als Füllung für Hutzel- oder Kletzenbrot verwendet wird. Dieselbe Grundtechnik - Trockenobst rehydrieren, zerstoßen, mit Honig und Gewürz verfeinern, mit Brot binden - findet sich im Korpus auch bei den Birnenmus-Rezepten mha-272 und m384-059 sowie in einer aufwendigeren Weinvariante bei sev-138.

„Schann“ - gründlich oder schön? Das Wort ist im Korpus ein Hapax, also nur hier belegt. Am nächsten liegt eine bairisch-österreichische Form von „schon“ im Sinne von „gründlich“: Die Birnen sollen vor dem Kochen sauber gewaschen werden, um Trocknungsstaub und Rückstände vom Dörren zu entfernen. Eine Lesart als „schön“ im ästhetischen Sinn ist sprachlich ebenfalls möglich, beim Waschen von Lebensmitteln aber weniger naheliegend.

Brot statt Mehlschwitze. Nur wenn das Mus nach dem zweiten Sieden noch zu dünn ist, wird geriebenes Brot eingerührt - ein ökonomisches, zeittypisches Bindemittel aus der Restenverwertung, keine anachronistische Mehlschwitze. Die Zwillinge mha-272 (geröstetes Mehl) und m384-059 (geriebener Birnzelten) bestätigen: Für Birnenmus dieser Art war ein trockenes, geriebenes Brot- oder Gebäckprodukt das übliche Verdickungsmittel. Aufbewahrt wird das fertige Mus in einem „Heffen“, einem Hafen bzw. Tontopf.

Praxis. Getrocknete Birnen sind steinhart und brauchen zum Weichkochen realistisch eher 60 bis 90 Minuten statt der hier veranschlagten 30 - wer Zeit sparen will, weicht sie vorher über Nacht in Wasser ein. Der Text nennt keine Wassermenge; so viel zugeben, dass die Birnen gerade bedeckt sind, und bei Bedarf nachgießen. Da hier nicht durch ein Tuch gestrichen wird, bleibt das Ergebnis ein grobes Stampfmus statt eines feinen Purees - wer es feiner möchte, kann nach dem Zerstoßen zusätzlich passieren. Honig, Nelken und Gewürzpulver erst nach dem zweiten Sieden zugeben, damit der Honig nicht am Topfboden ansetzt und die Gewürze ihr Aroma behalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-201-orig" n="cloczen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#cloczen">Dies sind getrocknete Birnen, eine häufige Zutat in der mittelalterlichen Küche, um Früchte haltbar zu machen. Dasselbe Wort lebt bis heute als 'Hutzeln' weiter (bair.-österr./schwäbisch für getrocknete Birnen, vgl. Hutzelbrot) - unter diesem Namen sind sie auch am ehesten zu bekommen, im normalen Supermarkt oder Wochenmarkt sind getrocknete Birnen dagegen selten im Sortiment.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-201-orig" n="schann" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schann">Eine bairisch-österreichische Variante von ‚schon‘, hier im Sinne von ‚gründlich‘ oder ‚sauber‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-201-orig" n="sewcz hin wider" resp="#fyndling">Bedeutet ‚siede es wieder‘, also das Mus nach dem Zerkleinern nochmals aufkochen lassen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-201-orig" n="nagl" resp="#fyndling">Gewürznelken, ein beliebtes Gewürz im Mittelalter, oft in Kombination mit anderen ‚warmen‘ Gewürzen wie Zimt und Ingwer.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-201-orig" n="guecz stupp" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#guecz-stupp">Ein ‚gutes Gewürzpulver‘, dessen genaue Zusammensetzung nicht spezifiziert ist. Typisch wären Pfeffer, Ingwer, Galgant, Muskat oder Zimt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-201-orig" n="prawt" resp="#fyndling">Geriebenes Brot diente als Bindemittel, um das Mus zu verdicken, falls es zu flüssig war.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-201-orig" n="heffen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#heffen">Ein Topf oder ein anderes Kochgefäß, in dem das Mus aufbewahrt werden konnte.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-201-orig" n="vj" resp="#fyndling">Die römische Ziffer für sechs, hier redundant mit dem ausgeschriebenen ‚sex‘. Eine häufige Schreibweise in mittelalterlichen Texten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-201-orig" n="tag" resp="#fyndling">Wörtlich ‚Tage‘. Die Formulierung ‚vier oder sechs Tage und Wochen‘ steht so im Original und wirkt aus heutiger Sicht widersprüchlich - vermutlich eine unpräzise Zeitspanne im Sinne von ‚einige Tage bis mehrere Wochen‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-201-orig" n="schann" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schann">‚Gründlich‘ - die Birnen sollen vor dem Kochen sorgfältig gewaschen werden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-202-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gesottener Weißkohl (bzw. Mangold), abgekühlt und mit einem Sud aus Wein, Senfsaat, Honig, Kümmel und Anis angemacht - ein Vorläufer des heutigen Krautsalats mit Honig-Senf-Dressing. Ein Topf für das Kraut, eine Schüssel für den Sud - kein Ofen, keine Kühlung nötig.

Zur Brühe. Ob "die selbig prue" den Kohlsud meint oder die eben angerührte Senf-Honig-Mischung selbst, lässt sich sprachlich nicht restlos entscheiden. Praktisch macht das kaum einen Unterschied: In beiden Fällen entsteht ein süß-scharfer, sudbasierter Dressing aus Kohlsud, Wein, Senf, Honig, Kümmel und Anis, der über den gekochten Kohl gegeben wird - keine Mehlschwitze, keine Bindung nötig.

Zur Mangold-Variante. Der Text nennt für die Mangold-Zubereitung keine eigene Würzung. Naheliegend ist, die Wein-Honig-Senf-Sauce aus dem Hauptrezept sinngemäß zu übernehmen, statt Mangold ungewürzt zu servieren.

Praxis. Weißkohl in Streifen schneiden und 15-20 Minuten weich kochen, den Sud auffangen. Senfsaat und Honig im Verhältnis 2:3 verrühren - das wirkt vor dem Verdünnen sehr scharf und konzentriert, gleicht sich aber mit Kohlsud und Wein rasch aus. Kümmel und Anis dazugeben, den gekochten Kohl unterheben, abkühlen lassen und kalt servieren. Die fertige Sauce nicht mehr erhitzen - das schont die Senfschärfe und erklärt, warum das ganze Gericht kalt aufgetischt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-202-orig" n="ain gemachens ckrawt" resp="#fyndling">Rezept-Gattungsbezeichnung für kalt serviertes, in Honig-Senf-Wein-Sud gezogenes Gemüse - als Rezepttyp auch in ri15632-044, m5919-050 und m5919-024 belegt, keine Mondsee-spezifische Erfindung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-202-orig" n="puessen ckrawtt" resp="#fyndling">In der Handschrift selbst als unklar markiert (Marginalie "puessen ckrawtt ?!"). Der fast wortgleiche Zwilling m5919-050 deutet den entsprechenden Begriff ("Pussen") als kleine Kohlköpfe statt Mangold - die Mangold-Lesart ist plausibel, aber nicht restlos gesichert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-202-orig" n="die selbig prue" resp="#fyndling">Die Brühe des gesottenen Kohls. Sie wird mit Wein, Senf und Honig zu einem Sud verrührt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-202-orig" n="wurrczen" resp="#fyndling">Wurzeln (des Mangolds).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-203-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Lungenmus aus Rinderlunge: gekocht, klein gehackt, in Fleischbrühe auf Glut weitergezogen, mit geriebenem Brot gebunden und mit ausgelassenem Speck angerichtet - die nüchterne, ungesäuerte Vorform des heute noch bekannten Wiener Beuschels. Anders als das moderne Beuschel (Kalbslunge und Herz in saurer Rahmsauce) kommt dieses Mus ohne Säure aus: Die Bindung übernimmt allein das eingeriebene Brot, keine Mehlschwitze, und der Speck liefert Fett und Röstaroma statt der Sahne.

Bei stupp es dann ab bleibt offen, ob damit ein allgemeines Bestäuben/Bestreuen gemeint ist oder eine konkrete Gewürzzugabe. Das Verb „stuppen“ heißt wörtlich „bestäuben“, eine zeitgleiche Glosse zur Handschrift ordnet die Stelle aber als Gewürz-Zugabe ein - beide Lesarten sind plausibel, das Rezept selbst nennt keine konkrete Mischung.

Praxis. Die Lunge zuerst gar kochen, roh ist sie zäh und schwer zu verarbeiten. Danach klein hacken und in gute Fleischbrühe geben, auf Glut - nicht auf offener Flamme - sanft weiterköcheln lassen: Das hält die Hitze gleichmäßig und verhindert Anbrennen der bereits zerkleinerten Lunge. Geriebenes Brot bindet die Brühe zum Mus. Parallel dazu Speck kleinwürfelig schneiden und in der Pfanne auslassen. Der Speck kommt erst beim Anrichten zum Mus dazu, so bleibt er kross statt im Sud weich zu werden. Nicht nachsalzen: Fleischbrühe und Speck bringen bereits genug Salz mit.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-203-orig" n="kue lungel" resp="#fyndling">Rinderlunge. Ein häufig verwendetes Innereien-Gericht im Mittelalter, oft zu Mus oder Pasteten verarbeitet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-203-orig" n="chluett" resp="#fyndling">Glut. Das Gericht wird auf glühenden Kohlen weitergekocht, was eine sanfte und gleichmäßige Hitze ermöglicht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-203-orig" n="pratt" resp="#fyndling">Brot. Hier als Bindemittel und zur Texturgebung verwendet, typisch für mittelalterliche Muse und Pürees.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-203-orig" n="stupp es dann ab" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Wörtlich ‚bestäube es dann ab‘. Das Rezept nennt keine spezifischen Gewürze, aber eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer und Muskatblüte wäre zeitgenössisch und passend.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-203-orig" n="wurfflat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#wurfflat">Würfelig. Eine Schnitttechnik, bei der Zutaten in kleine Würfel geschnitten werden, hier für den Speck.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-203-orig" n="stupp es dann ab" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Bestreue es dann. (Das Verb ‚stuppen‘ bedeutet ‚bestäuben‘ oder ‚bestreuen‘. Da keine Zutat genannt wird, ist eine allgemeine Anweisung am plausibelsten, die eine Würzung impliziert.)</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-204-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Fasten-Illusionsspeise: eine Fisch-Sülze, die Form, Textur und Serviertradition eines Schweinskopf-Presskopfs täuschend genau nachbildet - komplett fleischlos. Die Gelierung kommt nicht von Ei, Brot oder Mehlschwitze, sondern aus dem eigenen Kollagen der Fischschuppen. Das Prinzip lebt bis heute weiter: fränkische Karpfensulz, polnisches ryba w galarecie und tschechisches kapr v aspiku nutzen wie hier Karpfen und verwandte Süßwasserfische für eine kalt gestürzte, gallertartige Speise.

Der dritte Fisch neben Karpfen und Barbe heißt im Text „Flem“ - eine Fischart, die sich nicht mehr sicher identifizieren lässt und im Korpus nur an dieser Stelle vorkommt. Eine eng verwandte Presskopf-Rezeptur desselben Kochbuchs nennt an vergleichbarer Position in der Fischliste eine Schleie, was nahelegt, dass eine ähnlich milde Süßwasserfischart aus der Teichwirtschaft gemeint sein könnte - eine sichere Auflösung bleibt das aber nicht.

Die Fischschuppen werden separat zerstoßen, gesiedet und durchgestrichen, um daraus die gelierende Flüssigkeit zu gewinnen, die den Presskopf später fest werden lässt - das Kollagen aus den Schuppen wirkt hier wie die Sülze-Grundlage eines echten Schweinskopf-Presskopfs. Das kurze zweite Erwärmen der bereits festen Masse dient nicht dem Garen, sondern dem Lösen aus dem Gefäß, bevor sie gestürzt und geschnitten wird.

Praxis. Der Fisch selbst ist unkompliziert und ohne Ofen zuzubereiten, das Sieden in der Wein-Wasser-Brühe und das Hacken sind reine Feuerküche. Die Schwachstelle liegt in der Kühlung: Die Schuppen-Gelatine braucht zum Festwerden mehrere Stunden bei kühler Temperatur, praktisch eher über Nacht kalt gestellt - ohne Keller, Brunnenschacht oder kaltes Fließwasser gelingt das im sommerlichen Lagerbetrieb kaum verlässlich. Wer die Fischmasse zu Hause vorbereitet und nur die letzte Ruhephase kühl im Lager abwartet, kommt am ehesten zum Ziel. Da die historische Schuppenmenge für die Gelatine nicht angegeben ist und je nach Fischart schwankt, greift die moderne Alternative auf 6 bis 8 Blatt Blattgelatine zurück, um ein verlässliches Ergebnis zu garantieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-204-orig" n="schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Bedeutet hier ‚sauber‘ oder ‚gründlich‘, nicht ‚schön‘ im ästhetischen Sinne. Der Fisch soll sorgfältig geschuppt und aufgeschnitten werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-204-orig" n="stupp" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Das Verb ‚stuppen‘ bedeutet ‚bepudern‘ oder ‚bestreuen‘, hier mit Gewürzpulver. Die genaue Gewürzmischung ist nicht angegeben, aber für Fischgerichte waren im Mittelalter oft weißer Pfeffer, Ingwer und Galgant üblich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-204-orig" n="flem" resp="#fyndling">Ein Hapax - diese Fischart ist im Korpus nur an dieser Stelle belegt und lässt sich nicht mehr sicher identifizieren. Eine eng verwandte Presskopf-Rezeptur desselben Kochbuchs nennt an vergleichbarer Position in der Fischliste eine Schleie; das legt nahe, dass eine ähnlich milde Süßwasserfischart aus der Teichwirtschaft gemeint sein könnte, ohne die Frage endgültig zu klären.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-205-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte, am Spieß gebratene Morcheln, die anschließend in einer mit Hausenblase geklärten Fleischbrühe zur Sülze erstarren - ein aufwendiges Schaugericht der gehobenen spätmittelalterlichen Küche. Die nächsten lebenden Verwandten sind die klassische deutsche Sülzenplatte und die französische Aspik-Terrine: eine mit Ei gefüllte, in klarem Gelee stehende Pilzkappe ist im Kern eine vegetarische Miniatur-Galantine. Eng verwandt mit m5919-046 (nahezu wortgleiche Fasten-Variante mit Fischbrühe statt Fleischbrühe) und kkm-041 (Gesülzte Morcheln mit Mandeln).

Die Hohlform als Pointe. "damit es holl gestee" ist keine bloße Floskel für "fest werden": Die Morchel ist von Natur aus hohl und wird mit der Eierfüllung bestückt - beim Gelieren soll genau diese charakteristische Hohlform erhalten bleiben, statt beim Erkalten in sich zusammenzufallen. Die Hausenblase liefert dafür die nötige Festigkeit.

Praxis. Frische oder eingeweichte getrocknete Morcheln vorsichtig mit einer gut verrührten Eierfüllung stopfen - die gefüllten Hüte sind fragil, am sichersten lassen sie sich an der dickeren Stielseite aufspießen, nicht am dünnen Rand. Über offenem Feuer gründlich (nicht nur oberflächlich) durchbraten, damit die rohe Eierfüllung vollständig gart. Danach mit kräftiger, warmer Fleischbrühe übergießen, in der zuvor eingeweichte Hausenblase (ersatzweise Blattgelatine) vollständig aufgelöst wurde. Kühl und ungestört fest werden lassen, bis die Sülze klar geliert - und erst danach abschmecken, denn eine kalt-feste Gallerte wirkt im warmen Zustand milder, als sie später serviert schmeckt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-205-orig" n="mawrochen" resp="#fyndling">Morcheln, eine hochgeschätzte Speisepilzart, die im Mittelalter oft für festliche Gerichte verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-205-orig" n="full von airen" resp="#fyndling">Eine Füllung aus Eiern, die den Morcheln zusätzliche Substanz und Geschmack verleiht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-205-orig" n="spyssel" resp="#fyndling">Ein Spieß, auf den die gefüllten Morcheln zum Braten gesteckt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-205-orig" n="schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Bedeutet hier 'gründlich' oder 'ausreichend lange', nicht 'schön' im ästhetischen Sinne.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-205-orig" n="hawssen platteren" resp="#fyndling">Hausenblase, ein traditionelles Geliermittel, das aus der Schwimmblase des Störs gewonnen wird. Sie sorgt für eine sehr klare und feste Gelierung.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-205-orig" n="holl gestee" resp="#fyndling">'holl' = 'hohl' (im selben Manuskript eindeutig belegt, an anderer Stelle beim Aushöhlen einer Semmel); 'gestee' (zu mhd. gestân/gestên) = 'fest werden, gerinnen', auch im Buch selbst und im eng verwandten Regensburger Kochbuch (Cgm 5919) für das Stocken von Sülze belegt. Gemeint ist: Die Sülze soll so binden, dass die charakteristische hohle Form der gefüllten Morchel beim Gelieren erhalten bleibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-205-orig" n="holl gestee" resp="#fyndling">'hohl fest werde' - die Sülze soll beim Gelieren so binden, dass die charakteristische hohle Form der gefüllten Morchel erhalten bleibt. 'holl' = 'hohl' ist im selben Manuskript eindeutig belegt (Aushöhlen einer Semmel in einem anderen Mondseer Rezept); 'gestee' (zu mhd. gestân/gestên) = 'fest werden, gerinnen', ebenfalls im Buch selbst und im eng verwandten Regensburger Kochbuch (Cgm 5919) für das Stocken von Sülze belegt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-206-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein spätmittelalterliches Schaugericht der Illusionsküche: Eine Farce aus gesottener, fein gehackter Kalbslunge, Ei, Gewürzen und geriebenem Brot wird um einen beidseitig zugespitzten Holzstab geformt, sodass sie die Silhouette einer Morchel annimmt. So entsteht ganzjährig, unabhängig von der kurzen Morchel-Saison, eine Speise, die aussieht wie der teure Frühjahrspilz. Verwandt ist das Verfahren mit dem deutlich jüngeren englischen „Mock Turtle Soup“ (billiges Schlachtnebenprodukt wird formtechnisch zur teuren Delikatesse), näher noch mit den Zwillingsrezepten m5919-067 (Morcheln aus Hühnerbrust, in Brühe statt Schmalz gegart) und bgs-023 (Hühner-Morcheln am Spieß) - alle drei nutzen dieselbe Formstab-Technik.

Der Holzstab und das Backen „in Teilen“. Die Farce wird direkt auf den Holzstab gestrichen und mitsamt Stab im heißen Schmalz gebacken - der Text sagt ausdrücklich „mit taill“, also „in Teilen“ beziehungsweise portionsweise, nicht „mit Teig“. Ein zusätzlicher Teigmantel ist nicht belegt; das kurze, portionsweise Frittieren mitsamt Holzkern funktioniert, weil festes Holz bei kurzer Backzeit nicht sofort verkohlt.

Offene Fragen. Ob die Eierfüllung im Inneren vor dem Servieren noch einmal erhitzt wird und was genau mit „la es an ein ander“ (die Morcheln auf dem Fladen „zusammenkommen lassen“) gemeint ist - ein kurzes gemeinsames Erwärmen oder bloßes Anrichten -, lässt der Text offen. Das sollte nicht durch eine erfundene zusätzliche Gartechnik aufgefüllt werden.

Praxis. Kalbslunge weich sieden, fein hacken, mit Ei, Gewürzen und geriebenem Brot zu einer streichfähigen Farce binden. Einen sauberen, hitzestabilen Holzstab beidseitig anspitzen und in der Mitte dick lassen, die Farce gleichmäßig darum verstreichen. Im heißen Schmalz kurz und portionsweise backen, dann mittig durchschneiden und vom Stab abziehen - so entstehen zwei konische Morchel-Hälften. Mit einer Eierfüllung befüllen. Für die Unterlage einen hellen Fladen aus Eiern und Petersilie nur leicht anbacken, nicht bräunen, die Morcheln daraufsetzen und anrichten. Kein Safran und keine andere Gelbfärbung verwenden, damit die bräunlich-graue Morchel-Farbe erhalten bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-206-orig" n="mawrochen" resp="#fyndling">Imitierte Morcheln. Das Rezept beschreibt die Formung einer Füllung zu Morchel-ähnlichen Gebilden, nicht die Verwendung echter Morcheln. Dies ist eine klassische Technik der mittelalterlichen Küche, um teure oder saisonale Zutaten nachzuahmen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-206-orig" n="chelbrenn lungel" resp="#fyndling">Kalbslunge. Ein häufig verwendetes Innereienprodukt in der mittelalterlichen Küche, das gekocht und fein gehackt als Basis für Füllungen oder Pasteten diente.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-206-orig" n="Guett stupp" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Gute Gewürze. Im Kontext einer hellen Speise wie dieser wären dies typischerweise ‚weiße‘ Gewürze wie weißer Pfeffer, Ingwer, Muskatblüte oder Galgant, um die Farbe des Gerichts nicht zu beeinträchtigen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-206-orig" n="geribens pratt" resp="#fyndling">Geriebenes Brot. Diente als Bindemittel und Füllstoff, um die Masse zu strecken und zu festigen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-206-orig" n="holcz dar czw czw paiden seitten spuczig seynn" resp="#fyndling">Ein Holzstab, der zu beiden Seiten spitzig ist. Dieser Stab dient als Formkern, um die Morchel-ähnlichen Gebilde zu formen und während des Backens zu stabilisieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-206-orig" n="mit holcz mit taill" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#taill">„Taill“ heißt hier „Teil“ (Portion, Bruchteil) - nicht „Teig“. Gebacken wird die Farce mitsamt dem Holzstab, portionsweise (in Teilen), im Schmalz. Ein zusätzlicher Teigmantel ist im Text nicht belegt; das Wort für Teig (mhd./fnhd. „taig“) kommt an dieser Stelle nicht vor.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-206-orig" n="platt" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#platt">Ein dünner Fladen, hier aus einer Ei-Semmel-Masse. Im Kontext des Rezepts ist dies ein dünner, in der Pfanne gebackener Eierfladen, der als Unterlage für die Morcheln dient.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-206-orig" n="nicht gelb" resp="#fyndling">Nicht gelb färben. Dies ist eine bewusste Anweisung, um die natürliche Farbe der Morcheln zu imitieren und den Einsatz von Safran, der das Gericht gelb färben würde, zu vermeiden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-206-orig" n="mawrochen" resp="#fyndling">Imitierte Morcheln. CoReMA glossiert 'mawrochen' als 'morel (ingredient, Wikidata Q1129282) [Analogie/übertragene Bedeutung]', was die Lesart als Imitation bestätigt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-206-orig" n="chelbrenn lungel" resp="#fyndling">Kalbslunge. CoReMA glossiert 'chelbrenn lungel' als 'calf's lung (ingredient, Wikidata Q68497339)'.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-207-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Mon-207 ist kein Alltagsgericht, sondern ein reines Schaugericht (Trompe-l'œil) der höfischen Tafelkultur: Aus dreißig bis vierzig Eiern wird ein einziges, riesenhaftes „Ei" mit korrektem Dotter-Klar-Aufbau geformt. Engster Verwandter im eigenen Korpus ist ri15632-055, das exakt dasselbe Zwei-Blasen-Verfahren beschreibt; entfernter verwandt ist m5919-001 (Huhn im Glas, gleiche Gussform-Technik an einem Huhn). Ein lebendiges Pendant existiert bis heute in der Trompe-l'œil-Küche - etwa das „falsche Spiegelei" aus Frucht- und Kokospüree, das dieselbe Grundidee verfolgt: ein Ei nicht zu servieren, sondern neu zu konstruieren.

Die Schweinsblase dient als natürliche, hitzebeständige Gussform - dieselbe Funktion wie bei Wurst oder Pastete, hier aber zur Formgebung zweckentfremdet. Das gegarte Eigelb wird aus der kleineren Blase geschält wie eine Wursthaut, dann in eine aufgeschnittene, wieder zugenähte größere Blase gelegt und dort vom rohen Eiweiß umschlossen. Erst der zweite Siedegang gart die äußere Schicht durch, während der bereits feste Kern seine Form behält.

Praxis. Die genähte Naht der zweiten Blase ist die technisch heikelste Stelle: In nasser, elastischer Membran eine wasserdichte Naht zu ziehen, die dem Innendruck des rohen Eiweißes standhält, gelingt nicht immer beim ersten Versuch - mit kräftigem Faden arbeiten und die Naht doppelt sichern. Zwei unterschiedlich große Schweinsblasen sind ein Vorbestellungs-Artikel beim Metzger, kein spontan verfügbares Marktgut. Für die Zubereitung realistisch mehr als die knapp bemessenen 90 Minuten einplanen: Zwei vollständige Siedegänge für eine so große Eimasse plus das Zuschneiden und Zunähen dazwischen brauchen eher zwei Stunden. Als einmalige Vorführung - „ein Ei aus dreißig Eiern" als Publikumsmagnet - ist das Gericht aber hervorragend geeignet und historisch stimmig belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-207-orig" n="saw platteren" resp="#fyndling">Die Schweinsblase wurde im Mittelalter häufig als natürliche, hitzebeständige Form für Pasteten, Würste oder wie hier für Schaugerichte verwendet. Sie ist lebensmittelecht und kann hohen Temperaturen standhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-207-orig" n="schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Im Mittelhochdeutschen bedeutet 'schon' hier 'sauber' oder 'gründlich', nicht 'schön' im ästhetischen Sinne.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-207-orig" n="tutter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tutter">Bairisch-österreichische Bezeichnung für das Eidotter.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-207-orig" n="haffen" resp="#fyndling">Bairische Bezeichnung für einen Topf oder ein Kochgefäß.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-207-orig" n="Ewbeg" resp="#fyndling">Ungeklärt - Hapax legomenon, weder im Korpus noch auf der zugehörigen GAMS-Objektseite (o:corema.gr1.206) belegt oder glossiert. Im Kontext von 'gib es dan Ewbeg' (unmittelbar vor dem Servieren) ist 'warm' die kulinarisch naheliegendste, aber philologisch nicht gesicherte Lesart.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-208-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine spätmittelalterliche Illusionsspeise nach dem Prinzip der späteren französischen Galantine: Der Aal wird gehäutet, die leere Haut wieder mit einer Füllung versehen, der Kopf hineingesteckt und alles vernäht, sodass die ursprüngliche Fischform täuschend echt erhalten bleibt. Parallel dazu wird das übrige Aalfleisch separat gesotten. Aus einem einzigen Aal entstehen so, gemeinsam angerichtet, zwei Aal-Gerichte auf dem Teller - genau das kündigt der Titel wörtlich an. Die nächste lebende Verwandte ist die klassische Galantine d'anguille (Aal-Galantine), die exakt dasselbe Handwerksprinzip verwendet: häuten, füllen, in der eigenen Haut zurückformen, garen.

Praxis. Löse die Haut vorsichtig vom Aal, ohne sie zu zerreißen - sie ist zäh und rutschig, ein scharfes, dünnes Messer und etwas Geduld helfen. Fülle die leere Haut mit einer Farce - die eng verwandten Fassungen dieses Rezepts belegen übereinstimmend eine Eier-Füllung -, stecke den Kopf mit hinein und nähe die Naht sorgfältig zu, damit beim Braten nichts austritt und die Form erhalten bleibt. Das übrige Aalfleisch gart getrennt in Wasser und Wein - der Wein bindet den Fischgeruch und würzt mit - und wird gut abgeschmeckt. Die gefüllte Haut brätst du auf dem Rost über offener Glut und beträufelst sie dabei mehrfach mit zerlassener Butter, damit sie nicht austrocknet und schön glänzt. Rechne für das Häuten, Füllen und Vernähen echte Übung ein, das ist der anspruchsvollste Schritt. Zum Schluss beide Teile gemeinsam auf einer Schüssel anrichten: den gebratenen, gefüllten „Aal“ und das gesottene Aalfleisch nebeneinander.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-208-orig" n="maczwenn all" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#maczwenn">'czwenn' ist die mhd./bairische Zahlwort-Schreibung für 'zwei' (MHDBDB-Lemma 'zwei', Schreibvarianten czwenn/zwen/zway/zbey korpusweit belegt, u.a. in mon-062 und m5919-002). Die frühere Hapax-Lesart war ein Irrtum: 'maczwenn' ist eine verklebte Schreibung aus 'mach' + 'czwenn', korrekt also 'auss ainem al[l] [mach] czwenn al[l]' = 'aus einem Aal [mach] zwei Aale'. Bestätigt durch die CoReMA-GAMS-Objektseite (o:corema.gr1.207) sowie die buch-interne Dublette mon-062 und den Cross-Book-Zwilling m5919-002.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-208-orig" n="czeuch ab dem al dy hautt" resp="#fyndling">Das Abziehen der Haut vom Aal ist der erste Schritt zum 'Zwei-Aale'-Trick. Die Haut wird später wieder auf den Körper gezogen und gefüllt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-208-orig" n="stoz das hawpp in dy full" resp="#fyndling">Der Aalkopf wird in die Füllung gesteckt, damit die gefüllte Haut wie ein intakter, ganzer Aal wirkt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-208-orig" n="na es an" resp="#fyndling">Das Vernähen der Haut hält die Füllung im Aal und bewahrt die Form des ganzen Fisches.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-208-orig" n="stupp es woll ab" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Das 'Abstäuben' bzw. Würzen mit Gewürzpulver war eine gängige Methode. CoReMA glossiert 'stupp' an dieser Stelle (gr1.207) wie auch an der parallelen Stelle in mon-062 (gr1.62) konsistent als 'spice' - stützt die Würz-Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-208-orig" n="bes" resp="#fyndling">Die Partikel vor 'betraphff' (beträufle) bleibt ungeklärt - möglicherweise eine Verstärkungspartikel. MHDBDB führt 'swaz' als entfernte, unsichere lexikalische Näherung. Offene Stelle ohne gesicherte Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-208-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein Rost ist ein Grillgitter, auf dem der Aal über offenem Feuer oder Glut gebraten wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-208-orig" n="bes betraphff yn mit puteren" resp="#fyndling">Das Bestreichen bzw. Beträufeln des Aals mit Butter während des Bratens sorgt für Bräunung, verhindert das Austrocknen der Haut und liefert zusätzlichen Geschmack.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-208-orig" n="gib sy paydt hin den heren" resp="#fyndling">Beide Teile werden gemeinsam serviert: der gefüllte, in der eigenen Haut gebratene 'zweite' Aal und das separat gesottene Aalfleisch als 'erster' Aal - aus einem Tier werden so zwei Aal-Gerichte auf dem Teller.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-208-orig" n="von wann chumbt der ainn all" resp="#fyndling">Die rhetorische Schlussfrage des Herrn spielt genau mit der Pointe des Rezepts: Er sieht zwei Aal-Gerichte vor sich, weiß aber, dass nur ein Aal verarbeitet wurde, und wundert sich, woher der eine zusätzliche Aal kommt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-209-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein zweistufig hergestellter Senf: zuerst eine feste, honiggebundene Vorratspaste, „recht wie Wachs“, die erst unmittelbar vor dem Servieren mit Wein auf Streichkonsistenz zurückverdünnt wird. Das Verfahren ist der unmittelbare Vorläufer des bayerisch-österreichischen süßen Senfs (etwa des heutigen Weißwurstsenfs) - gleicher Dialektraum, gleiches Süßungsprinzip mit Honig statt Zuckerrübensirup. Im eigenen Buch ist mon-209 bereits das dritte Rezept für denselben Senf - mon-098 und mon-137 überliefern fast wortgleiche Fassungen desselben Ablaufs. Auch über das Mondseer Kochbuch hinaus gehört mon-209 zu einer über mehrere Handschriften belegten Senf-Standardformel: mha-013 und m5919-017 folgen fast wortgleich demselben Ablauf, und auch das mittelenglische Forme of Cury (foc-141) sowie das spätere kkm-104 kennen dasselbe Grundprinzip - Senfpaste konzentriert herstellen, zum Verzehr mit Wein strecken.

Die Zimtblüte. Das opake „czw nentplued“ wird durch das eigene Buch selbst aufgelöst: mon-098 („zymeid plue“) schreibt exakt dieselbe Zutat an derselben Stelle im Ablauf transparent als „Zimtblüte“. Die Zwillingsrezepte mha-013 („zimen plue“) und m5919-017 („zimad plud“) bestätigen das cross-book. Botanisch handelt es sich meist um die Blütenknospen von Cinnamomum cassia, im Gewürzhandel teils als „Cassiablüte“ geführt - dieselbe Zutat, nur unter dem im Korpus etablierten, geläufigeren Namen. Die harten, holzigen Knospen werden separat fein gestoßen, bevor sie sich gleichmäßig unter das gesiebte Senfmehl mischen lassen.

Honig statt Nektar. „Henung sam“ liest sich am plausibelsten als Honig: Nur eine feste, kristalline Honigmasse lässt sich „vast vnder ein ander recht als das wackchs“ (fest untereinander, recht wie Wachs) verreiben - botanischer Nektar ist flüssig und für diese Konsistenz ungeeignet. Der Zwilling m5919-017 bestätigt das fast wortgleich mit „sam fast vntter ain an der recht als der wachs pir“.

Praxis. Saubere Senfsaat im Mörser fein stoßen und durch ein engmaschiges Tuch reiben, bis ein feines, schalenfreies Senfmehl entsteht. Die gestoßenen Kassia-Knospen untermischen, dann mit Honig zu einer festen, kaum noch fließenden Masse verkneten - eine reine Senf-Honig-Kassia-Mischung wird in der Praxis eher zäh-klebrig als tatsächlich wachshart, „wie Wachs“ ist hier ein idealisierender Vergleich für die angestrebte Festigkeit. Diese Paste hält sich ungekühlt und ohne Feuer, ist also bestens lagerfähig; zum Servieren wird jeweils nur die benötigte Menge mit etwas Wein zu einer streichfähigen Senfsauce angerührt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-209-orig" n="tuech" resp="#fyndling">Ein fein gewebtes Tuch zum Passieren und Filtern, ähnlich einem modernen Käsetuch oder Mulltuch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-209-orig" n="czw nentplued" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#czw-nentplued">Zimtblüte - die getrockneten Blütenknospen des Zimtbaums (botanisch meist Cinnamomum cassia, im Handel teils als „Cassiablüte“ geführt). Am gewichtigsten ist der Beleg aus dem eigenen Buch: mon-098 („zymeid plue“), das Mondseer Kochbuchs zweites Senfrezept, schreibt exakt dieselbe Zutat an derselben Stelle im Ablauf transparent als „Zimtblüte“. Die Zwillingsrezepte mha-013 („zimen plue“) und m5919-017 („zimad plud“) bestätigen das cross-book.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-209-orig" n="wackchs" resp="#fyndling">Dient hier als Vergleich für die gewünschte feste, zähe Konsistenz der Senfpaste.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-209-orig" n="henung sam" resp="#fyndling">Honig, fest. Die Phrase „vast vnder ein ander recht als das wackchs“ (fest untereinander, recht wie Wachs) deutet auf eine zähe, feste Konsistenz hin, die Honig (insbesondere kristallisierter oder eingedickter Honig) gut erfüllen kann. „Henung“ ist phonetisch nah an „Honig“.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-210-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine süß-saure, mit Lebkuchen gebundene Honig-Essig-Sauce, die kalt aufgetragen wird - vermutlich kein fester Aspik-Block, sondern eine sämige Würzsauce. Ihr bis heute lebendiger Nachfahre ist die mit zerkrümeltem Lebkuchen oder Printen süß-sauer gebundene Bratensauce des Rheinischen Sauerbratens; funktional verwandt ist auch die englische Cumberland Sauce, eine kalt gereichte süß-saure Würzsauce zu Fleisch und Wild.

Der Schlusssatz. Die Wendung „senkches gewss an“ ist verderbt überliefert. Sicher ist: „gewss/gewß“ ist im Mondseer Kochbuch durchweg das Verb „gießen“ (bairische b-für-w-Schreibung, gewß = gieße) - belegt in neun weiteren Rezepten des Korpus. „Senkches“ selbst bleibt ein ungeklärter Hapax ohne Beleg in Glossar, Wörterbuch oder MHDBDB. Ein Vergleich mit dem fast wortgleichen Rezept mha-014 (Meister Hans, Basel) legt eine mögliche Deutung nahe: Dort steht an genau dieser Stelle im Ablauf „seud es vnd geuss es an vnd gib es hin kallt“ - sieden, angießen, kalt hingeben. „Senkches“ könnte demnach eine verderbte oder kontrahierte Form von „sud es“ (siede es) sein. Zwingend beweisbar ist das nicht, aber die Struktur der Anleitung (seihen -&gt; [Verb] -&gt; angießen -&gt; servieren) spricht dafür.

Praxis. Honig, Essig und Lebkuchen im Mörser zu einer groben Paste verstoßen, durch ein Tuch abseihen, damit die Sauce klar wird. Danach kurz aufsieden lassen und ausgießen - oder, wer der vorsichtigeren Lesart folgt, direkt abgießen -, und die Sauce kalt zum Fleisch oder als eigenständige süß-saure Beilage reichen. Ein separates Geliermittel ist nicht nötig; die Bindung kommt allein von der Lebkuchenkrume.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-210-orig" n="galredt" resp="#fyndling">Eine ‚Gallerte‘ (Aspik) ist eine klare, oft würzige, gelierte Speise, die aus Fleisch- oder Fischbrühe, oder auch aus Fruchtsäften hergestellt wird. Sie dient dazu, andere Lebensmittel zu umhüllen oder in Form zu bringen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-210-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Hier ist Lebkuchen gemeint, der nicht nur als Süßmittel, sondern auch als Gewürz- und Bindemittel für Saucen und Suppen verwendet wurde. Er verleiht dem Gericht eine würzige, süßliche Note und hilft, die Flüssigkeit zu verdicken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-210-orig" n="tuech" resp="#fyndling">Ein feines Tuch, wie ein Passiertuch oder Käsetuch, das zum Abseihen und Klären von Flüssigkeiten verwendet wird, um eine klare Gallerte zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-210-orig" n="senkches gewss an" resp="#fyndling">Verderbte Stelle: „gewß/gewss“ ist im Mondseer Kochbuch korpusweit (9 weitere Belegstellen) das Verb „gießen“ (bairische b-für-w-Schreibung: gewß = gieße). „Senkches“ selbst bleibt ein ungeklärter Hapax ohne Beleg in Glossar, Wörterbuch oder MHDBDB. Der fast wortgleiche Zwilling mha-014 hat an derselben Stelle im Ablauf „seud es vnd geuss es an“ (siede es und gieß es an) - möglicherweise steckt in „senkches“ eine verderbte Form von „sud es“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-210-orig" n="galredt" resp="#fyndling">Gallerte (Aspik). CoReMA glossiert das Wort direkt als 'aspic (dish)', was die Lesart als gelierte Speise bestätigt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-210-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Lebkuchen (für Sauce). CoReMA glossiert 'leczelten' als 'gingerbread for sauce', was die spezifische Verwendung als Gewürz- und Bindemittel in diesem Kontext unterstreicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-210-orig" n="seichs" resp="#fyndling">seihe es (strain it). Dies ist der Imperativ von 'seihen' (abseihen, filtern), was im Kontext des Klärens einer Flüssigkeit für eine Gallerte sinnvoll ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-210-orig" n="senkches gewss an" resp="#fyndling">'gewss/gewß' ist im Mondseer Kochbuch korpusweit (u.a. mon-035, mon-049, mon-053, mon-064, mon-104, mon-204, mon-205, mon-207) eindeutig das Verb 'gießen' (bairische b-für-w-Schreibung: gewß = gieße), MHDBDB-Lemma 'giezen' und Grimm 'gies-' bestätigen das. An dieser Stelle also 'gieß es an/aus'. 'Senkches' selbst bleibt ein ungeklärter Hapax - kein Beleg in Glossar, Wörterbuch oder MHDBDB, auch die GAMS-Objektseite gr1.209 glossiert das Wort nicht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-211-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine reine Kollagen-Sülze aus Reh-Haut, die im Korpus als ‚Sülze von Hosennestel' firmiert - der bildhafte Name (Hosennestel = Schnürband) bezieht sich auf die schmalen, langen Hautstreifen. Lebende Verwandte sind die bairisch-österreichische Saure Sulz und die europäische Presskopf-Familie (Schwartenmagen, huspenina, kocsonya, galareta); anders als diese enthält sie jedoch kein Fleisch - allein die Haut liefert Kollagen und Gelatine.

Enthaaren. ‚Prue' meint hier das Verb brühen: Die Haut wird kurz in heißes Wasser getaucht, damit sich die Haarfollikel lösen und das Haar sich abziehen lässt - dasselbe Verfahren wie beim Enthaaren von Schweineschwarte.

Sieden und Zusammenziehen. Anschließend wird die Haut sehr gut gesotten, bis sie sich stark zusammenzieht - ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich das Kollagen löst und die Brühe geliert.

Praxis. Reh-Haut (ersatzweise dicke Schweine- oder Kalbsschwarte) zunächst kurz in kochendes Wasser tauchen und die gelösten Haare abziehen. Danach in reichlich Wasser mehrere Stunden leise köcheln, bis die Haut weich ist und sich sichtbar zusammenzieht - ein Tropfen der Brühe wird auf einem kalten Teller zäh (Geliertest). Die weiche Haut in spannenlange, zwei Finger breite Streifen (etwa 20-25 cm mal 3-4 cm) schneiden, mit etwas durchgeseihter Kochbrühe sowie Wein und Essig verrühren und kühl erstarren lassen. Das Gericht braucht keine moderne Kühlung - ein kühler Keller oder Brunnen im Herbst/Winter genügt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-211-orig" n="sulcz" resp="#fyndling">Eine Sülze oder Aspik ist ein Gericht, bei dem Fleisch, Fisch oder Gemüse in einer gelierten Flüssigkeit (oft Brühe, Wein oder Essig) eingelegt wird. Die Gelierung erfolgt durch Kollagen aus Knochen, Häuten oder Fischblasen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-211-orig" n="hassen stellen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hassen-stellen">Schreibvariante von ‚Hosennestel' (Hosenband, Schnürsenkel) - ein bildhafter Gerichtname: die spannenlangen, fingerbreiten Hautstreifen erinnern an Schnürsenkel. Die Zwillinge im Korpus tragen denselben Titel: mha-015 ‚Sullz von hosennestel', m5919-055 ‚Sülze von Hosennestel', ri15632-017. Kein einziger nennt einen Hasen im Rezepttext - überall ausschließlich Reh-Haut.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-211-orig" n="rechhauwtt" resp="#fyndling">Die Haut eines Rehs. Sie ist reich an Kollagen und dient hier als natürliches Geliermittel für die Sülze.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-211-orig" n="prue" resp="#fyndling">Brühen/Abbrühen - hier zum Enthaaren der Haut. Die Zwillinge formulieren den Zweck explizit: mha-015 ‚prue vnd zeuch die har herab', ri15632-017 ‚prue die daz daz har dar von kom' (brühe sie, damit das Haar davon losgeht), rfk-015 ‚bruwe das hare abe'.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-211-orig" n="span" resp="#fyndling">Ein ‚Spann' war ein mittelalterliches Längenmaß, das der Breite einer Handspanne (Daumen bis kleiner Finger) entsprach, etwa 20-25 cm.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-211-orig" n="czwayer vinger praitt" resp="#fyndling">Zwei Finger breit, etwa 3-4 cm. Fast wortgleich in den Zwillingen: mha-015 ‚czwaier vinger praitt', rfk-015 ‚tzweyer finger breyte'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-211-orig" n="hassen stellen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hassen-stellen">Hosennestel (bildhafter Gerichtname für die spannenlangen, fingerbreiten Hautstreifen, die an Schnürsenkel/Hosenbänder erinnern)</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-211-orig" n="prue" resp="#fyndling">brühe (Imperativ von brühen/skalden) - zum Lösen der Haarfollikel vor dem Enthaaren</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-211-orig" n="span" resp="#fyndling">Spann (Längenmaß, ca. 20-25 cm)</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-212-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Lungenwurst im Naturdarm: Kalbslunge und Speck gehackt, gewürzt, im gereinigten Kalbs-Afterdarm gegart und trocken - ohne Sauce - serviert. Ein über mehrere Rezeptbücher belegtes Standard-Genre der spätmittelalterlichen Innereienverwertung (Zwillinge: mha-020, m384-042, rfk-028, m384-069), kein Einzelrezept. Der Vorfahr der heute seltenen, bei traditionellen bairisch-österreichischen Metzgern aber noch erhältlichen Lungwurst; die international bekanntere noch existierende Schwester ist die französische Andouillette.

„reibs“ - durchreiben, nicht kneten. Nach dem Hacken wird die Füllung zusätzlich gerieben bzw. durchgerieben: fein zerrieben, etwa im Mörser oder durch ein Sieb gepresst. Der lexikalische Zwilling mha-020 hat exakt dieselbe Formel („bereibs“) und belegt diese Lesart eindeutig. Es geht nicht um Kneten wie bei einem Teig, sondern darum, Sehnen und Klümpchen aus der Lunge-Speck-Masse zu entfernen, damit sie klumpenfrei in den engen Darm passt.

Fehlender Siede-Schritt gegenüber den Zwillingen. mon-212 springt direkt von „Füllen“ zu „Schneiden und Braten“ - alle vier nächsten Zwillinge (mha-020, m384-042, rfk-028, m384-069) haben an dieser Stelle übereinstimmend einen Siede-Schritt, bevor die Wurst auf den Rost kommt. Ob hier ein Abschreibefehler vorliegt oder bewusst eine direkt gebratene Rohwurst-Variante gemeint ist, lässt sich aus dem Text allein nicht entscheiden.

Praxis. Kalbs-Afterdarm gründlich reinigen. Kalbslunge und Speck fein hacken und zusammen durchreiben, bis die Masse homogen ist. Kräftig würzen, in den Darm füllen und in Portionen abschneiden. Zur sicheren Zubereitung empfiehlt sich - wie bei den Zwillingsrezepten - die Würste vor dem Braten kurz zu sieden: das gart die Füllung schonend durch, lässt das Lungen-Fett-Eiweiß gleichmäßig stocken und macht den Darm reißfester, bevor er der trockenen Hitze des Rostes ausgesetzt wird. Danach auf dem Rost braten und trocken, ohne Sauce servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-212-orig" n="affter darmm" resp="#fyndling">Der Afterdarm ist der Enddarm des Kalbes, der hier als natürliche Wursthülle dient. Er muss vor der Verwendung gründlich gereinigt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-212-orig" n="lungel" resp="#fyndling">Die Lunge des Kalbes, eine Innerei, die in der mittelalterlichen Küche häufig für Füllungen oder Pasteten verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-212-orig" n="geburcz" resp="#fyndling">‚Gewürze‘ - im Mittelalter meist eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat und Safran, je nach Verfügbarkeit und Budget des Haushalts.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-212-orig" n="trucken czw Essenn" resp="#fyndling">‚Trocken zu essen‘ bedeutet hier wahrscheinlich, dass die Würste gut durchgebraten oder geröstet und ohne zusätzliche Sauce serviert werden sollen, um eine feste Konsistenz zu erhalten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-212-orig" n="sneyd wurst dar aus vnd pracz (kein sieden vor dem Braten)" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pracz">Direkt-Braten-Variante: mon-212 verzichtet bewusst auf einen Siede-Schritt und brät die rohe Fülle direkt - eine schlankere, direkt gebratene Rohwurst-Variante.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-213-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein simples Mandelmus mit Reismehl, sondern ein Mandel-Rainfal-Mus: fein geriebene Mandeln werden mit einem edlen, importierten Süßwein durch ein Tuch gestrichen, bis eine glatte, cremige Masse ohne Milch und ohne Ei entsteht - eine frühe, weinfeuchte Verwandte des Marzipans. Geschmacklich und technisch nah verwandt ist die toskanische Kombination aus Mandelgebäck und süßem Dessertwein (Cantuccini e Vin Santo) sowie die klassische Marzipanmasse, die traditionell mit etwas Süßwein statt nur Wasser angerührt wird.

Was wird hier durchgeschlagen? Die Formulierung „slachs mit reymel durich“ bereitete lange Kopfzerbrechen, weil „reymel“ bislang als Reismehl gelesen wurde - trocken lässt sich aber nichts sinnvoll durch ein Tuch schlagen. Reymel ist stattdessen Rainfal, ein aus Süditalien bzw. der Adria importierter Süßwein. Damit ergibt auch der Rezeptname „Weinmus“ endlich Sinn, und die separat gelistete Zutat Wein bekommt ihre Rolle im Ablauf: Die geriebenen Mandeln werden mit dem Wein verrührt und durch ein Tuch oder Haarsieb gestrichen, um Klümpchen zu entfernen - dieselbe Grundtechnik wie bei der Herstellung von Mandelmilch, nur mit Wein statt Wasser.

Wie viele Mandeln? Die Mengenangabe „1/2 ? tail mandel“ ist im Original nicht ganz eindeutig - „tail“ heißt hier vermutlich „Teil“ im Sinn eines Mengenverhältnisses, nicht zwingend „Pfund“. Für die praktische Umsetzung sind rund 250 g gemahlene Mandeln ein guter Richtwert.

Praxis. 250 g gemahlene Mandeln mit einem süßen, kräftigen Weißwein (ersatzweise Sherry) zu einer streichfähigen Masse verrühren und durch ein feines Sieb oder ein Tuch streichen, bis sie glatt und klumpenfrei ist. Kalt servieren - es braucht weder Topf noch Feuer.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-213-orig" n="muss" resp="#fyndling">‚Mus‘ (mhd. muos) bezeichnet einen Brei oder eine Paste aus zerstoßenen Zutaten, oft süß.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-213-orig" n="tail (1/2 ? tail mandel)" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tail">‚Tail‘ meint hier vermutlich ‚Teil‘ im Sinn eines Mengen- oder Verhältniswortes (vgl. ‚zway tail wein vnd ain tail honig‘ in m5919-019/-050/-020), nicht ‚Teig‘ (wie in mha-151) und nicht sicher ‚Pfund‘. Die genaue Maßeinheit im Original ist unleserlich, markiert durch ‚?‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-213-orig" n="chlain" resp="#fyndling">‚Klein‘ bedeutet hier fein gerieben oder zerstoßen, um eine glatte Konsistenz zu erreichen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-213-orig" n="reymel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#reymel">Nicht Reismehl, sondern Rainfal (auch Reinfal/Rainval): ein aus Südeuropa bzw. der Adria importierter Süßwein, bei Lexer und im Grimmschen Wörterbuch als ‚rainval, la rivuola‘ belegt. Auch in mha-021 und mon-182 (dort als ‚rainval‘) bezeugt - kein Einzelbeleg.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-213-orig" n="durich (slachs ... durich)" resp="#fyndling">‚Durchschlagen‘ meint hier, die Masse durch ein Tuch oder Sieb zu streichen bzw. zu pressen, um sie von Klümpchen zu befreien und glatt zu machen - die im Korpus stehende Technik der Mandelmilch-/Mandelmus-Herstellung (vgl. bgs-001, bgs-009), nicht bloßes Vermischen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-213-orig" n="1/2 ? tail mandel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tail">Ein halber Teil Mandeln - eine unbestimmte Menge, da die genaue Maßeinheit im Original unleserlich ist (siehe ‚?‘).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-214-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein pflanzliches „Käse“-Imitat aus Mohn für die Fastenzeit: Mohn wird gewaschen, zerstoßen und mit Wasser zu einer Mohnmilch verarbeitet, die beim Erhitzen aufschwimmende, quarkartige Masse abgeschöpft und zu einem Laib geformt - anschließend mit gesüßter Mohnmilch übergossen. Ein fast wortgleicher Zwilling dieses Verfahrens findet sich im Kochbuch Meister Hans unter dem Titel „Mohnkäse“, verwandt sind auch dortige Mandel- und Hanf-Schotten-Rezepte - allesamt Milch- und Käseimitate für die Fastenzeit, gewonnen durch Kochen und Abschöpfen pflanzlicher Nussmilch statt Tiermilch.

Der Kern der Zubereitung liegt im Wort „Schotten“: Es bezeichnet nicht ein Gefäß oder eine Form, sondern die beim Sieden der Mohnmilch oben aufschwimmende, geronnene Masse - ein Quark-Analogon, das rein physikalisch durch Verdunsten und Abtropfen der Flüssigkeit entsteht, ganz ohne Lab, Ei oder Mehlschwitze. Die knappe Formulierung des Originals setzt den Kochschritt (Mohn mit Wasser aufkochen) stillschweigend voraus, wie in dieser Handschrift öfter.

Praxis. Mohn gründlich waschen und im Mörser fein zerstoßen, mit Wasser zu einer dickflüssigen Mohnmilch verrühren und kurz aufkochen. Die sich dabei oben absetzende feste Masse abschöpfen, durch ein Tuch abtropfen lassen und zu einem Laib pressen - das Ergebnis ist keine schnittfeste Käsemasse, sondern eine weiche, feuchte Curd-artige Konsistenz, vergleichbar mit frischem Ricotta. Separat eine zweite Portion Mohnmilch zubereiten, mit Zucker süßen und über den geformten Mohnkäse gießen. Ohne Kühlbedarf am offenen Feuer zubereitbar.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-214-orig" n="magen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen">Hier im Sinne von Mohn (Schlafmohn), nicht der anatomische Magen. Mohn war eine wichtige Zutat für Fastenspeisen und Süßspeisen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-214-orig" n="schotten" resp="#fyndling">Bezeichnet hier nicht ein Gefäß oder eine Form, sondern die beim Kochen der Mohnmilch oben aufschwimmende, quarkartige Masse - ein pflanzliches Quark-Analogon aus Mohn, das abgeschöpft und zu einem Käse geformt wird. Dieselbe Bedeutung trägt „Schotten“/„Sotten“ auch im fast wortgleichen Mohnkäse-Rezept des Kochbuchs Meister Hans.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-214-orig" n="nuss milich" resp="#fyndling">Wörtlich 'Nussmilch', aber im Kontext von Mohn als Hauptzutat ist hier Mohnmilch gemeint. Diese wurde aus gemahlenem Mohn und Wasser hergestellt und diente als pflanzliche Milchalternative.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-214-orig" n="czucker" resp="#fyndling">Im 15. Jahrhundert war Zucker ein teures Importgut und wurde oft als Statussymbol verwendet. Hier ist unraffinierter Rohrzucker gemeint, der eine leicht bräunliche Farbe hatte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-214-orig" n="schotten obem" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schotten-obem">‚Schotten oben‘ - die beim Erhitzen der Mohn-Wasser-Masse oben aufschwimmende, geronnene Masse (ein Quark-Analogon aus Mohn), die abgeschöpft und zu einem Käse geformt wird. 'Obem' = 'oben' (bairisches Adverb, vgl. Schmeller-Wörterbuch).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-214-orig" n="nuss milich" resp="#fyndling">‚Mohnmilch‘. Im Kontext des 'Käses aus Mohn' ist die 'Nussmilch' hier spezifisch als Mohnmilch zu verstehen, die aus der gleichen Hauptzutat gewonnen wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-215-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein einfaches Erbsenmus - der Vorfahr des heute noch bekannten Erbspürees. Am nächsten verwandt ist die englische Pease Pudding (getrocknete Erbsen weichgekocht und zerstoßen), deren Grundprinzip bis heute im Kinderreim „Pease porridge hot, pease porridge cold” nachklingt.

Die Lauge. Die „starke kalte Lauge” ist keine moderne Industriechemikalie aus der Apotheke, sondern die im spätmittelalterlichen Haushalt gebräuchliche Aschelauge - ein Sud aus Holzasche und Wasser, wie er an jedem Feuer selbst herstellbar war. Sie löste die zähen Schalen der Erbsen, noch bevor überhaupt gekocht wurde: ein alkalisches Enthäutungsverfahren, wie es auch bei Laugengebäck oder beim skandinavischen Lutfisk zum Einsatz kommt. Der eng verwandte Twin Weißes Erbsenmus (mha-288) erreicht dasselbe Ziel - ein reines, schalenfreies Mus - rein mechanisch: langes Kochen, bis sich die Schale löst, dann Reiben von Hand, ganz ohne Lauge. Beide Wege waren offenbar gebräuchlich.

Trocken sieden. Mit „trucken sieden” ist nicht gemeint, den Topf von der ersten Sekunde an ganz ohne Flüssigkeit zu befeuern - das würde anbrennen. Gemeint ist ein Weiterköcheln, bis die Flüssigkeit weitgehend eingekocht ist und sich die Masse verdichtet.

Praxis. Wer die Lauge-Variante nachvollziehen möchte, sollte auf eine schwache, selbst angesetzte Aschelauge zurückgreifen, sie vor Gebrauch durch ein Tuch abseihen und nur unter Ausschluss von Publikum arbeiten - unregulierte, starke Lauge gehört nicht auf einen Schautisch. Nach dem Entschälen werden die Erbsen gründlich gewaschen, eingekocht und mit dem Löffel zu einem feinen Mus zerdrückt. Wer ganz ohne Lauge auskommen möchte, greift auf die Methode von mha-288 zurück: einfach so lange kochen, bis sich die Schalen von selbst lösen, und diese dann von Hand abreiben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-215-orig" n="chalt gwsß dy starck" resp="#fyndling">CoReMA glossiert dies als ‚lye‘ (Lauge). Gemeint ist die im spätmittelalterlichen Haushalt gebräuchliche Aschelauge - ein selbst angesetzter Sud aus Holzasche und Wasser, kein modernes Apothekenpräparat. Sie diente zur Enthäutung von Hülsenfrüchten (wie Erbsen oder Kichererbsen) oder zur Herstellung von Laugengebäck. Auch als Hausmittel ist sie stark alkalisch und ätzend und muss mit Vorsicht gehandhabt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-215-orig" n="sey" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">Konjunktivform von mhd./fnhd. ‚sîn‘ (sein), hier abschließend zum Relativsatz ‚dy [...] starck sey‘ (‚die stark sei/sein soll‘) - eine im Mondseer Kochbuch durchgehend belegte Konstruktion (vgl. ‚der nicht ze groß sey‘, ‚das haiß sey‘, ‚das schon sey‘). Keine Form von ‚seihen‘; es gibt hier keinen separaten Seih-Schritt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-215-orig" n="palich" resp="#fyndling">Die Schale der Erbsen. Lauge wurde verwendet, um die zähen Schalen von Hülsenfrüchten zu lösen und so ein feineres Mus zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-215-orig" n="schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Im Mittelhochdeutschen bedeutet ‚schon‘ hier ‚gründlich‘ oder ‚sauber‘, nicht ‚schön‘ im ästhetischen Sinne. Die Erbsen sollen nach der Laugenbehandlung gründlich gewaschen werden, um Laugenreste zu entfernen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-215-orig" n="czereib" resp="#fyndling">‚Czereib‘ bedeutet ‚zerreiben‘. Die gekochten Erbsen sollen mit einem Löffel zerdrückt und zu einem feinen Mus verarbeitet werden. Dies ist vergleichbar mit modernem Pürieren oder Passieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-215-orig" n="czisser / cziserr" resp="#fyndling">Erbsen. CoReMA glossiert ‚cziserr‘ als ‚garden pea‘ (Gartenerbse).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-215-orig" n="gwsß" resp="#fyndling">Lauge. CoReMA glossiert ‚chalt gwsß‘ als ‚lye‘ (Lauge). Dies ist eine stark alkalische Lösung, die historisch zur Enthäutung von Hülsenfrüchten verwendet wurde.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-215-orig" n="palich" resp="#fyndling">Schale. CoReMA glossiert ‚palich‘ als ‚pea skin‘ (Erbsenschale).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-215-orig" n="czereib" resp="#fyndling">Zerreibe. Das Verb ‚czereib‘ bedeutet ‚zerreiben‘ oder ‚zerdrücken‘, hier mit einem Löffel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-215-orig" n="schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Gründlich/sauber. Das Wort ‚schon‘ bedeutet hier ‚gründlich‘ oder ‚sauber‘, nicht ‚schön‘ im ästhetischen Sinne. Die Erbsen sollen nach der Laugenbehandlung gründlich gewaschen werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-215-orig" n="trucken sieden" resp="#fyndling">Trocken sieden. Dies bedeutet, die Erbsen nach dem Waschen ohne zusätzliche Flüssigkeit weiter zu kochen, um überschüssige Feuchtigkeit zu reduzieren und die Aromen zu konzentrieren.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-216-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein bereits durchgebratenes Huhn wird gegen Ende der Garzeit mit einer hellen Glasur aus Eiklar und wenig Mehl bestrichen und noch einmal ans Feuer gehalten, bis die Schicht bindet - eine reine Oberflächen-Veredelung, kein Mus oder Eintopf. Das Verfahren ist das Gegenstück zum heutigen Bestreichen mit Eigelb: dort soll die Haut goldbraun werden, hier soll sie hell/weiß bleiben. mon-216 gehört zu einer festen Rezeptfamilie gefärbter Bratenhühner, die im Königsberger Kochbuch (koe-010, weiß; koe-011, grün mit Petersiliensaft) und bei Meister Hans (mha-180) nahezu wortgleich überliefert ist - eine standardisierte höfische Schauspeise, kein Einzelfall.

Warum wird das Huhn weiß statt goldbraun? Eiklar geliert beim Erhitzen zu einer matten, hellen Kruste, weil ihm die Karotinoide und das Fett fehlen, die Eigelb goldbraun färben. Genau diese Farbe ist der Zweck des Rezepts, nicht ein Nebeneffekt - der Titel „weysß“ benennt exakt dieses Ergebnis.

Praxis. Huhn zunächst wie gewohnt am Spieß oder im Topf über offenem Feuer durchbraten (ca. 45 Minuten). Für die Glasur Eiklar mit einem kleinen Schuss Mehl und den gewählten Gewürzen glattrühren - die Menge Mehl bewusst gering halten, sie soll das Eiklar nur leicht andicken, nicht zu einem Teig verarbeiten, sonst reißt die Kruste beim Trocknen. Das gebratene Huhn mit der Mischung bestreichen und noch einmal kurz ans Feuer halten, bis die Schicht fest und hell geworden ist - notfalls in zwei dünnen Lagen auftragen, wenn ein Durchgang nicht deckend genug wirkt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-216-orig" n="gepraten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#gepraten">Partizip ‚gebraten‘, nicht das Substantiv ‚Brät‘ (fein gehacktes Fleisch). Hier: ein gebratenes Huhn.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-216-orig" n="weyß von den ayren" resp="#fyndling">Gemeint ist das Eiklar (Eiweiß), nicht das ganze Ei.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-216-orig" n="melb" resp="#fyndling">Mehl. Im Mittelalter oft Weizenmehl, hier als Bindemittel für die Glasur.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-216-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Imperativ von ‚gewürzen‘/‚würzen‘: ‚würze das‘ (Verb+Akkusativobjekt), nicht das Substantiv ‚Gewürz‘ - dieselbe Konstruktion wie in mon-099 und mon-196. Gemeint sind Gewürze wie Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken, die in die Glasur eingerührt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-216-orig" n="fewr" resp="#fyndling">Bezieht sich auf das offene Feuer oder die Glut, über der das Huhn gebraten und glasiert wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-216-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Verb-Imperativ ‚gburcz das‘ = ‚würze/gewürze das‘ (Verb+Akkusativobjekt), nicht das Substantiv ‚Gewürze‘ - dieselbe Konstruktion wie in mon-099 und mon-196 bereits identifiziert. Die CoReMA-Glosse ‚gburcz=spice‘ (Wikidata Q42527) ist eine generische, kontextunabhängige Sachglosse, die nicht zwischen Nomen- und Verbgebrauch unterscheidet.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-217-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? mon-217 ist keine eigenständige, unvollständige Rezeptnotiz, sondern die unmittelbare Fortsetzung des vorangehenden Rezepts mon-216 ("Weißes gebratenes Huhn") im selben Manuskript: Dort wird das gebratene Huhn mit einer Eiweiß-Mehl-Mischung übergossen und nochmals ans Feuer gehalten. mon-217 wiederholt exakt dieselbe Prozedur, nur mit Ei und Safran statt Eiweiß - Ergebnis ist die golden-rötliche statt die weiße Variante desselben Bratens. Die Technik entspricht dem mittelalterlichen "Vergolden" (mlat./frz. dorer/deaurare) von Geflügel: Eine Ei-Safran-Wäsche verleiht dem Fleisch einen goldglänzenden Auftrieb, wie er sonst nur mit echtem Blattgold erzielt würde - belegt u. a. in der englischen Hofküche ("Chekyns endored", A Noble Boke off Cookry) und im Ménagier de Paris (men-242). Der lebende Nachfahre dieser Technik ist die heutige Eiwäsche bzw. der Eistrich, mit dem Braten und Gebäck vor dem letzten Ofengang bestrichen werden, um eine glänzende, goldene Kruste zu erhalten.

"thue Inn als vor" und "rawttew". Der Verweis "wie zuvor" bezieht sich also nicht auf ein verlorenes Rezept, sondern konkret auf mon-216: Huhn braten, mit der Ei-Mischung übergießen, nochmals ans Feuer halten. "Rawttew" (kein eigener Wörterbuchbeleg, aber lautlich zu mhd. rôt stellbar) beschreibt die golden-rötliche Farbe, die die Safran-Ei-Wäsche der Haut verleiht - im Gegensatz zur weißen Variante aus mon-216.

Praxis. Für 2-4 Personen 2-3 Eier mit einer guten Prise Safranfäden (kurz in etwas warmem Wasser oder Milch angesetzt) und einer Prise Salz verquirlen. Das Huhn wie gewohnt am Spieß oder im Topf über offenem Feuer durchbraten, kurz vor Ende der Garzeit großzügig mit der Ei-Safran-Mischung bestreichen oder übergießen und nochmals kurz ans Feuer bzw. in den Ofen geben, bis die Wäsche stockt und eine glänzende, goldrote Kruste bildet - roh darf die Ei-Masse auf dem fertigen Gericht nicht bleiben. Am offenen Marktfeuer braucht die Glasur etwas mehr Fingerspitzengefühl als im Ofen, da die Hitze ungleichmäßiger ist: Huhn separat garen, nicht zu nah an die Glut halten und die Glasur erst kurz vor dem Servieren aufsetzen, bis sie gerade eben stockt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-217-orig" n="Slach ayr vnd saffrann durich einn ander" resp="#fyndling">Diese Phrase bedeutet, die Eier und den Safran miteinander zu vermischen oder zu verquirlen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-217-orig" n="thue Inn als vor" resp="#fyndling">Der Verweis "wie zuvor" zielt konkret auf das unmittelbar vorangehende Rezept mon-216 ("Weißes gebratenes Huhn") im selben Manuskript: Huhn braten, mit der Ei-Mischung übergießen, nochmals ans Feuer halten. mon-217 wiederholt dieselbe Prozedur, nur mit Ei und Safran statt Eiweiß und Mehl.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-217-orig" n="rawttew" resp="#fyndling">"Rawttew" beschreibt die golden-rötliche Farbe, die die Ei-Safran-Wäsche der Hühnerhaut verleiht - als Gegenstück zur weißen Variante aus mon-216 ("weysß gepraten hun"). Für das Wort selbst gibt es keinen eigenständigen Wörterbuch- oder Glossen-Beleg (Hapax), die Lesart stützt sich auf die Wortbildung (zu mhd. rôt) und die Parallelstelle mon-216.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-217-orig" n="rawttew" resp="#fyndling">Golden-rötlich gefärbt, durch die Ei-Safran-Wäsche - das farbliche Gegenstück zur weißen Glasur aus mon-216.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-218-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? "Grüne Hühner" ist keine vorab aufgetragene Panade, sondern eine Ei-Petersilien-Mehl-Sauce, die nach dem Braten über das Huhn gegossen wird und dort am Feuer fest wird - technisch am ehesten vergleichbar mit der französischen Chaudfroid-Technik (eine gefärbte Sauce, die auf bereits gegartem Fleisch aufgegossen wird), auch wenn der Erstarrungsmechanismus ein anderer ist: Chaudfroid setzt klassisch durch Abkühlen mit Gelatine, die Petersilien-Ei-Mehl-Masse hier dagegen durch erneutes Erhitzen, bei dem das Ei koaguliert. Näher noch liegt der Vergleich mit einem modernen Kräutermantel auf Huhn oder Fisch. Mit der Frankfurter Grünen Soße (roh, kalt, auf Sauerrahm-Basis) hat das Gericht trotz des Namens nichts zu tun.

Zwei sehr enge Zwillingsrezepte - mha-183 (Meister Hans) und koe-011 (Königsberger Kochbuch) - überliefern praktisch dasselbe Verfahren und schließen die Lücken, die mon-218 mit seinem knappen "etc." offenlässt.

Das durchgeschlagene Grün. "slach In durich" meint das Passieren der fein geriebenen Petersilie durch ein Tuch oder Sieb, um grobe Fasern zu entfernen - eine glatte, streichfähige Grünmasse ohne Fasernester ist die Voraussetzung für einen sauberen, deckenden Farbüberzug. mha-183 bestätigt mit "schlachs durch ain tuoch" ausdrücklich das Tuch als Werkzeug.

Die Bindung. Ei und Mehl werden untergemengt: Das Ei koaguliert unter Hitze und fixiert die grüne Masse als festen Film auf der Haut, das Mehl bindet zusätzlich und verdickt die Masse zur Streichkonsistenz - funktional wie eine Glasur, nicht wie eine separat servierte Sauce.

Die Farbe in der Praxis. Petersilien-Chlorophyll ist hitzeempfindlich: Beim erneuten Erhitzen, bis die Ei-Mehl-Masse stockt, wandelt es sich teilweise in Phäophytin um. Das satte Leuchtgrün der frisch geriebenen Petersilie kippt dadurch realistisch ins Graugrün bis Olive - der Name "grüne Hühner" beschreibt eher die grundsätzliche Färbung als ein knalliges Grün wie bei frisch gehackten Kräutern.

Praxis. Röste die Hühner (oder Hühnerteile) zunächst wie gewohnt an. Petersilie fein reiben, durch ein Tuch oder feines Sieb passieren, mit verquirltem Ei, etwas Mehl und Gewürzen zu einer glatten Masse verrühren. Die bereits gebratenen Hühner damit übergießen bzw. bestreichen und noch einmal kurz ans Feuer oder in den Ofen zurückgeben, bis die Ei-Mehl-Masse fest gestockt ist - das mon-218 nur mit "etc." andeutet, aber der Zwilling koe-011 wörtlich ausformuliert ("legs denn wider zu dem feir"). So bekommt das Huhn eine deckende, feste, grüne Kruste statt einer losen, eventuell roh bleibenden Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-218-orig" n="gruene huner" resp="#fyndling">Bezieht sich auf die grüne Farbe, die durch die Petersilie entsteht, nicht auf eine spezielle Hühnerrasse. Grüne Speisen waren im Mittelalter sehr beliebt und galten als besonders ansehnlich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-218-orig" n="slach In durich" resp="#fyndling">Wörtlich ‚schlage es durch' - gemeint ist das Passieren der fein zerstoßenen Petersilie durch ein Tuch oder Sieb, um eine glatte, faserfreie Masse zu erhalten. Der Zwilling mha-183 bestätigt mit ‚schlachs durch ain tuoch' das Tuch als Werkzeug.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-218-orig" n="gewurcz" resp="#fyndling">Die genaue Mischung der Gewürze ist nicht angegeben. Typisch für die Zeit wären Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken oder Muskat. Wähle Gewürze, die den Geschmack des Huhns ergänzen und die grüne Farbe nicht stören (z.B. weißer Pfeffer statt schwarzem).</note>
        <note type="gloss" target="#mon-218-orig" n="pegewss" resp="#fyndling">Das Verb ‚begießen' bedeutet hier, die Hühner mit der Petersilien-Ei-Mehl-Mischung zu überziehen. Die Zwillingsrezepte mha-183 und koe-011 zeigen, dass dies über bereits gebratene Hühner geschieht, die danach nochmals kurz ans Feuer zurückkehren, damit die Masse fest wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-218-orig" n="etc." resp="#fyndling">Bricht die Anweisung ab. Das Zwillingsrezept koe-011 (Königsberger Kochbuch) ergänzt den fehlenden Schritt: Die begossenen Hühner werden noch einmal ans Feuer gelegt (‚legs denn wider zu dem feir'), damit die Ei-Petersilien-Mehl-Masse fest wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-218-orig" n="etc. (Garmethode nach dem Begießen)" resp="#fyndling">Die Hühner werden nach dem Begießen nochmals kurz ans Feuer zurückgegeben, bis die Ei-Petersilien-Mehl-Masse fest gestockt ist - das Zwillingsrezept koe-011 formuliert diesen Schritt wörtlich aus (‚legs denn wider zu dem feir').</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-219-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Dieses Rezept gehört zu einer über drei Handschriften - Mondseer Kochbuch, Meister Hans, Königsberger Kochbuch - belegten Serie farbcodierter Bankett-Hühner: dasselbe gebratene Huhn wird je nach gewünschter Deckfarbe, schwarz, rot, grün oder weiß, mit einer eigenen Sauce übergossen und mit unterschiedlich gefärbtem Blattmetall an den Gewürznelken dekoriert. Die Schwärzung entsteht hier durch verbrannten Lebkuchen oder ersatzweise eine Honig-Mehl-Mischung, die zu einer bitter-rauchigen, dunklen Bindesauce verarbeitet wird. Das enge Zwillingsrezept koe-012 zeigt dasselbe Verfahren ohne die Edelmetall-Garnitur, mha-182 sogar mit fast identischer Dekorationslogik. Der eigentliche Zweck ist nicht der Geschmack der Schwärze, sondern die Tafel-Dramaturgie: schwarz-goldene, rot-silberne und grün-golden-silberne Hühner nebeneinander demonstrieren höfischen Aufwand, vergleichbar mit den vergoldeten Fleischspeisen der gleichzeitigen französischen und englischen Küche.

Wie dunkel die Brenn-Masse werden soll, sagt der Text selbst nicht - die Zwillinge koe-012 und mha-182 kalibrieren das Ziel übereinstimmend als ‚schwarz wie ein Pfefferbrot‘, also eine sehr starke, fast schwarze Karamellisierung, kein tatsächliches Verkohlen zu Asche. Wer die Masse bis zur echten Verkohlung bringt, riskiert bittere, verbrannte Röststoffe statt der beabsichtigten dunklen Würze.

Auch der Garzeitpunkt bleibt im mon-219-Text unausgesprochen: Wann genau werden die Hühner gebraten, und wann kommt die Sauce dazu? Der engste Zwilling koe-012 löst das auf - die Sauce wird während der letzten Bratphase aufgetragen, sodass das Ei darin mitgart, und erst nach vollständigem Garen werden die Nelken gesteckt.

Praxis.

Für vier bis sechs Portionen Hühner am Spieß oder im Ofen braten. Parallel dunklen Lebkuchen auf einer Metallschaufel oder in einer Pfanne über der Glut rösten, bis er tiefdunkel-schwarz, aber nicht verkohlt ist - ersatzweise Honig und Mehl in der Pfanne bis zur gleichen Farbe brennen. Die Brennmasse abkühlen lassen, im Mörser fein zerstoßen und mit verquirlten Eiern zu einer streichfähigen, dunklen Sauce verschlagen; wer mag, passiert die Masse zusätzlich durch ein Tuch für eine feinere Konsistenz. Die Sauce während der letzten Bratphase auf die Hühner streichen, sodass das Ei mitgart. Nach vollständigem Garen die Hühner mit blattvergoldeten Gewürznelken spicken.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-219-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">‚Lebkuchen‘ oder ‚Gewürzgebäck‘. Hier als Zutat für die schwarze Sauce verwendet, indem er verbrannt wird, um Farbe und Geschmack zu geben. CoReMA glossiert es als ‚gingerbread for sauce‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-219-orig" n="schuffel" resp="#fyndling">‚Schaufel‘. Hier als Kochgerät, auf dem die Lebkuchen verbrannt werden. CoReMA glossiert das Wort nicht als eigene Sachglosse - es steht nur im Volltext, ohne Wikidata-verlinkte Glosse.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-219-orig" n="pren" resp="#fyndling">‚Brennen‘. Hier im Sinne von ‚verbrennen‘ oder ‚rösten‘, bis die Zutat schwarz wird.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-219-orig" n="vncz" resp="#fyndling">‚Unz‘ oder ‚unz daz‘ bedeutet ‚bis‘ oder ‚solange bis‘.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-219-orig" n="morsar" resp="#fyndling">Ein großer Fleischmörser, nicht der kleine Gewürzmörser. Er diente als mittelalterliche Küchenmaschine, um Zutaten zu einer feinen Farce oder Paste zu stampfen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-219-orig" n="slach es durich" resp="#fyndling">‚Schlage es durch‘ oder ‚rühre es kräftig ein‘. Hier bedeutet es, die Masse mit Eiern zu vermischen und zu emulgieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-219-orig" n="pegewss" resp="#fyndling">‚Begieße‘ oder ‚übergieße‘. Hier die Anweisung, die Hühner mit der zubereiteten schwarzen Sauce zu übergießen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-219-orig" n="gulden nagelein" resp="#fyndling">Wörtlich ‚goldene Nägelein‘. Dies kann bedeuten, dass die Gewürznelken mit Blattgold überzogen oder goldfarben bemalt wurden, oder dass Blattgold zusammen mit Nelken zur Dekoration verwendet wird. Angesichts der weiteren Anweisungen zu Silber und Schwarz ist die Verwendung von echtem Blattgold sehr wahrscheinlich. Vergleich mit dem engen Zwilling mha-182 stützt dieselbe Nägelein-Farb-Hierarchie zusätzlich.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-219-orig" n="dy weyssen mit swarcz dy rotten mit silbren die gruen mit gulden vnd mit silbrenn" resp="#fyndling">Diese Zeilen beschreiben die Dekoration von Hühnern in verschiedenen Farben (weiß, rot, grün). Es ist wahrscheinlich eine allgemeine Anweisung für die Dekoration von Hühnern, die in anderen Rezepten in diesen Farben zubereitet wurden, und nicht nur für die schwarzen Hühner dieses spezifischen Rezepts.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-219-orig" n="leczelten schuffel pren dy" resp="#fyndling">‚Brenne die Lebkuchen auf einer Schaufel, damit sie schwarz werden.‘ Die Schaufel dient hier als Unterlage für den Brennvorgang.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-219-orig" n="dy weyssen mit swarcz dy rotten mit silbren die gruen mit gulden vnd mit silbrenn" resp="#fyndling">Diese Passage ist eine allgemeine Anweisung zur Dekoration verschiedenfarbiger Hühner (weiß, rot, grün), die in anderen Rezepten zubereitet werden könnten. Sie bezieht sich nicht ausschließlich auf die schwarzen Hühner dieses Rezepts, sondern bietet einen breiteren Kontext für höfische Schaugerichte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-219-orig" n="Garzeitpunkt der Sauce (vor/während/nach dem Braten der Hühner)" resp="#fyndling">Die Hühner werden vollständig gebraten (z. B. am Spieß oder im Ofen); die Ei-Lebkuchen-Sauce wird während der letzten Bratphase aufgetragen, sodass das Ei mitgart, und erst danach werden die Nelken gesteckt - so beschreibt es der engste Zwilling koe-012 explizit.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-219-orig" n="Wie dunkel soll die Brenn-Masse werden ('bis sie schwarz wird')" resp="#fyndling">Eine sehr starke, tiefdunkle Karamellisierung wie bei stark geröstetem Lebkuchen oder Pumpernickel - so kalibrieren es die Zwillinge koe-012 (‚schwarz wie ein Pfefferbrot‘) und mha-182 -, kein tatsächliches Verkohlen zu Asche.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-220-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalte, mandelgebundene Wein-Essig-Sauce für Braten und für Hühnersülze - keine eigenständige Speise, sondern eine Begleitsauce. Mandeln übernehmen die Rolle des Bindemittels: eine helle, sämige Alternative zu Brot- oder Eigelb-Bindungen, die zugleich fastentauglich ist. Ihr lebendiger Nachfahre im deutschen Sprachraum ist die bis heute zu Sülze servierte Essig-Sauce - nur dass moderne Fassungen Öl statt geriebener Mandeln zur Abrundung nutzen.

Sülze oder Sülzen? Die Formulierung „czw sulczen alten hunrn“ lässt offen, ob die Sauce zu einer fertigen Hühnersülze gereicht wird (die im Korpus geläufigere Lesart) oder ob sie selbst als Einlegesud zum Sülzen dient. Für die Praxis macht das keinen Unterschied: In beiden Fällen wird die fertige Sauce kalt über Hühnerfleisch oder Braten gegeben.

Praxis. Mandeln möglichst fein reiben oder gemahlene Mandeln verwenden und mit Wein und Essig zu einer glatten Masse verrühren, dann durch ein Tuch schlagen (passieren), damit nur die feine, sämige Sauce zurückbleibt und keine groben Mandelstücke. Dasselbe Verfahren - eine Basis mit Wein oder Essig durchs Tuch schlagen - findet sich im Korpus mehrfach für verwandte Saucen, es ist also keine Verlegenheitslösung, sondern gängige Technik. Ein Kochschritt ist nicht nötig: Die Sauce wird komplett kalt angesetzt und auch kalt zu Braten oder Hühnersülze serviert. Das Verhältnis von Wein zu Essig lässt sich nach Geschmack variieren, sollte aber insgesamt eine sanft-säuerliche, nicht zu scharfe Note ergeben.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-220-orig" n="sulczen" resp="#fyndling">In der Wendung „czw sulczen“ steckt eine Doppeldeutigkeit: gemeint ist meist die Sülze als fertiges Gericht (Aspik), zu dem die Sauce gereicht wird - die Form kann aber auch als „zum Sülzen“ (Verb, Einlegen/Konservieren) gelesen werden. Andere Mondseer Rezepte (u. a. mon-046, mon-054, mon-131, mon-205) verwenden „Sülze“ durchgängig als benanntes Gericht, was die erste Lesart stützt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-220-orig" n="sulczen" resp="#fyndling">Sülze (als Gericht) - Die CoReMA-Glosse verweist auf Wikidata Q837480 (Aspik/Sülze als Gericht). Die Sauce ist demnach zum Servieren mit einer fertigen Sülze gedacht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-221-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine glattpassierte Rosinen-Wein-Sauce zu hellem Geflügel ("weißen Hühnern"): Rosinen werden fein gerieben, durch ein Tuch mit Wein passiert und gewürzt. Dieselbe Grundtechnik - Frucht fein zerkleinert, durchs Tuch mit Wein verzogen - lebt bis heute in der deutschen Rosinensauce fort, wie sie etwa zu Weihnachtskarpfen in schlesisch-böhmischer Tradition oder zu Ochsenzunge gereicht wird, und auch die Rosinen-Komponente mancher Sauerbraten-Saucen folgt demselben Prinzip. mon-221 ist gewissermaßen deren spätmittelalterliche Vorläuferin, nur für Geflügel statt Rinderbraten.

Schlagen oder Passieren? "Slachs durich ein tuech" heißt wörtlich "schlage durch ein Tuch" - gemeint ist das Durchschlagen bzw. Passieren der geriebenen Rosinenmasse durch ein Tuch, nicht bloßes Rühren. Das Tuch trennt Häutchen, Kerne und grobe Fasern ab; zurück bleibt eine glatte, sämige Flüssigkeit. Die Bindung entsteht dabei allein durch das gelöste Rosinenmus (Frucht-Pektin und Zucker) - keine Mehlschwitze, ganz zeittypisch. Dieselbe Zwei-Schritt-Konstruktion ("reib klein" + "slachs durch [Flüssigkeit]") begegnet im Mondseer Kochbuch mehrfach, etwa bei Petersilien-Wein-Saucen und bei einer Mandel-Rainfal-Sauce - eine im Haus etablierte Standardtechnik für passierte Saucen, keine Einzel-Erfindung.

Praxis. Der Text nennt keinen Hitzeschritt - die ganze Zubereitung ist mechanisch: Rosinen reiben (im Mörser realistischer als auf einer Metallreibe, an der Rosinen kleben), mit gutem Wein durch ein feines Tuch oder Passiertuch streichen, bis eine glatte Sauce entsteht, dann würzen. Kein Kochtopf nötig - die Sauce ist kalt fertig und wird kühl oder zimmerwarm zum bereits gegarten Geflügel gereicht. Für die Würze eignen sich helle Gewürze wie weißer Pfeffer, Ingwer oder Muskatblüte, damit die helle Farbe der Sauce erhalten bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-221-orig" n="Salsen" resp="#fyndling">‚Salse‘ ist der mittelalterliche Begriff für eine würzige Tunke oder Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-221-orig" n="walischew weinpern" resp="#fyndling">‚Walisische Weinbeeren‘ bezieht sich auf Rosinen, die aus romanischsprachigen Ländern (wie Italien oder Frankreich) importiert wurden und als besonders hochwertig galten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-221-orig" n="durich ein tuech" resp="#fyndling">Das Passieren durch ein Tuch (Käsetuch) war eine gängige Methode, um Saucen zu klären und eine feine, glatte Textur zu erzielen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-221-orig" n="weyssen hunern" resp="#fyndling">Teil einer im Manuskript belegten Farbenfolge von Hühnersaucen: schwarze Hühner (mit Lebkuchen geschwärzt, mit Blattgold/-silber dekoriert), weiße Hühner (hier, mit heller Rosinen-Wein-Sauce), grüne (Petersilie) und graue (Mandel-Rosinen) - das Manuskript selbst verweist ausdrücklich auf diese Gruppe andersfarbiger Geflügelgerichte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-221-orig" n="walischew" resp="#fyndling">‚Walisische‘ im Sinne von ‚aus romanischen Ländern importiert‘. CoReMA glossiert ‚walischew weinpern‘ als ‚raisin‘, wobei ‚walischew‘ die Herkunft oder Qualität der Rosinen beschreibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-221-orig" n="slachs" resp="#fyndling">‚schlage sie durch‘ im Sinne von passieren oder durchdrücken. Im Kontext des Passierens einer flüssigen Masse durch ein Tuch ist dies die kulinarisch sinnvollste Lesart.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-222-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine passierte grüne Petersiliensauce, die zu bereits zubereitetem Huhn gereicht wird - kein eigenständiges Gericht, sondern eine Beilagensauce. Sie ist eine frühe Vorstufe der bis heute bekannten deutschsprachigen Grüne-Soße-Familie: eng verwandt mit der Frankfurter Grünen Soße (Kräuter, Ei, Essig) und, passend zur oberösterreichischen Herkunft des Mondseer Kochbuchs, mit der österreichischen Kräuter-/Petersiliensauce zum Tafelspitz. Im Meister-Hans-Kochbuch findet sich mit den Rezepten für grüne Hühnersaucen dasselbe Grundmuster - grünes Kraut, roh durch ein Tuch geschlagen, zu Huhn -, was zeigt, dass es sich um eine im 15. Jahrhundert verbreitete, standardisierte Kombination handelte und nicht um eine Mondseer Einzelerfindung.

Kalter Prozess, kein Feuer nötig. Anders als man bei einer „Sauce“ vermuten könnte, kommt im gesamten Rezept kein Hitzeschritt vor: Die Petersilie wird fein gerieben, um Saft und Farbe freizusetzen, und dann zusammen mit Ei, Essig und Gewürz durch ein feines Tuch geschlagen. Das Tuch hält die groben Fasern zurück und vermengt gleichzeitig alle Zutaten zu einer homogenen, eher dünnflüssigen als dickcremigen grünen Flüssigkeit - das bloße Durchschlagen emulgiert das Ei nicht so stabil wie das Aufschlagen einer Mayonnaise.

Praxis. Petersilie im Mörser oder auf der Reibe fein zerkleinern, dann mit einem frischen, möglichst pasteurisierten Ei, Essig und einer hellen Gewürzmischung durch ein feines Passiertuch schlagen. Da rohes Ei enthalten ist, die Sauce erst kurz vor dem Servieren anrühren und zeitnah verbrauchen beziehungsweise kühl halten - besonders wichtig im Lagerküchen- oder Marktkontext ohne durchgehende Kühlung. Nach Belieben weitere frische grüne Kräuter wie Schnittlauch, Kerbel, Sauerampfer oder Giersch untermischen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-222-orig" n="ratten" resp="#fyndling">Rätselhafte Stelle im Text (Hapax). MHDBDB belegt das Lemma râten im mittelhochdeutschen Wortschatz; die wahrscheinlichste Lesart ist eine Partizipialform im Sinne von ‚wohlgeraten/gut zubereitet‘. Denkbar ist auch eine Lesart als ‚gebraten/geröstet‘ (vgl. die Mondseer Hühnersaucen-Reihe, die offenbar nach Zubereitungsart des Huhns unterscheidet); eine eindeutige externe Bestätigung dieser zweiten Lesart liegt nicht vor.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-222-orig" n="tuch" resp="#fyndling">Ein feines Leinentuch oder ein Passiertuch (‚cheesecloth‘) zum Durchschlagen der Petersilie, um eine glatte Sauce zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-222-orig" n="geburcz" resp="#fyndling">Im Spätmittelalter war ‚Gewürz‘ oft eine Mischung aus kostbaren Fernhandelsgewürzen wie Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken und Muskatblüte. Für eine grüne Sauce empfiehlt sich eine helle Gewürzmischung, um die Farbe nicht zu beeinträchtigen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-222-orig" n="gruenss chrawtt" resp="#fyndling">Hiermit sind frische, grüne Kräuter gemeint, die nach Belieben hinzugefügt werden können, solange sie sauber sind. Beispiele sind Schnittlauch, Kerbel, Sauerampfer oder Giersch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-222-orig" n="ratten hunern" resp="#fyndling">‚Gut zubereitete/wohlgeratene Hühner‘ - eine Partizipialform von ‚geraten‘ (mhd. râten ist als Homograph belegt), verstanden als bereits gebratene oder gekochte Hühner, zu denen die Sauce serviert wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-222-orig" n="geburcz" resp="#fyndling">Eine Mischung aus verschiedenen Gewürzen, wie im Spätmittelalter üblich.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-222-orig" n="ainem ay" resp="#fyndling">Für den heutigen Nachkoch empfiehlt sich ein frisches, möglichst pasteurisiertes Ei, das die Sauce erst kurz vor dem Servieren erhält und danach zeitnah verzehrt beziehungsweise kühl gehalten wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-223-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Keine Zubereitung des Huhns selbst, sondern die Anleitung für eine kalte, durch ein Tuch geschlagene Würzsauce zu einem als ‚Swarczen hunern‘ bekannten Bankett-Schaugericht: gemahlene Mandeln und Rosinen zu gleichen Teilen, mit Wein und Essig abgeschmeckt. Sie gehört in die Ahnenreihe der Wein-Essig-Nuss-Saucen, aus denen später die ‚Sauce Cameline‘ hervorgeht, und lebt im Grundprinzip - Essig, Rosinen, mahlende Bindung - bis heute im rheinischen Sauerbraten fort.

Praxis. Mandeln und Rosinen im Verhältnis 1:1 fein mahlen oder im Mörser zerstoßen - dabei erleichtert schon etwas vom Wein den Arbeitsgang, auch wenn der Text erst das trockene Zerreiben und danach das Anrühren mit Flüssigkeit nennt. Mit Rotwein und Weinessig zu einer streichfähigen Paste verrühren und durch ein feines Passiertuch drücken, bis eine glatte Sauce entsteht; das Durchdrücken der dickflüssigen Nuss-Rosinen-Masse braucht spürbar Kraft und Zeit. Der Text nennt kein festes Mengenverhältnis für Wein und Essig - wie beim Zwilling koe-028 hilft hier nur Abschmecken. Mit Gewürzen (etwa Pfeffer, Ingwer, Zimt) abschmecken. Das Ergebnis ist naturgemäß graubraun, nicht schwarz - wer die historische, tiefschwarze Variante nachstellen möchte, kann wie im verwandten Rezept mha-182 etwas verbrannten Lebkuchen unterrühren. Die Sauce wird kalt oder lauwarm zu gebratenem oder pochiertem Hühnerfleisch gereicht.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-223-orig" n="salsen" resp="#fyndling">Eine ‚Salse‘ ist eine würzige Tunke oder Sauce, nicht Speisesalz. Hier eine gebundene Sauce zu Fleisch.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-223-orig" n="tuech" resp="#fyndling">Ein Passiertuch oder Käsetuch, um die Sauce zu klären und eine feine Textur zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-223-orig" n="Swarczen hunern" resp="#fyndling">Vermutlich nicht eine dunkelfleischige Hühnerrasse, sondern der Name des Gerichts innerhalb eines belegten Bankett-Motivs farbig codierter Geflügel-Schaugerichte (weiß, grün, schwarz, rot). Der fast wortgleiche Zwilling koe-028 sowie mha-182 mit seinem expliziten Farb-Hühner-Reigen stützen diese Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-223-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Mittelbairische b/w-Schreibvariante zu ‚Gewürz‘/‚würzen‘ - hier als Verb-Imperativ mit angehängtem Pronomen (‚gburcz es‘ = ‚würzt es‘), vgl. dieselbe Konstruktion in mon-099 (‚gburcz das‘) und mon-216.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-223-orig" n="grabew" resp="#fyndling">Als ‚grau‘ übersetzt. Für mittelhochdeutsches ‚grâ‘ (grau) gibt es etablierte Wörterbuchbelege (Grimm, Lexer, MHDBDB), während für eine Lautform ‚grabew‘ zu ‚braun‘ keine vorliegen. Auch inhaltlich passt Grau besser: Mandeln, Rosinen, Wein und Essig ergeben ohne Verbrennung ein graubraunes, kein tiefschwarzes Resultat - stimmig mit einer bewusst helleren Substitutssauce für die eigentlich ‚schwarze‘ Bankettspeise.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-223-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Als ‚Rosinen‘ (getrocknete Weinbeeren) übersetzt. Obwohl CoReMA ‚grape‘ (frische Weintraube) glossiert, ist im mittelalterlichen Kontext bei unklarer Spezifikation oft die getrocknete Form gemeint, die sich leichter zu einer Paste verarbeiten lässt und ganzjährig verfügbar war.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-224-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Blancmanger von Huhn - einer der europaweit verbreitetsten Prunkgänge der gehobenen mittelalterlichen Küche: gesottenes, fein zerkleinertes Hühnerfleisch in gesüßter Mandelmilch, mit Reis gebunden und mit Schmalz kräftig eingerührt. Anders als das heutige französische blancmange, das zum reinen Mandelmilch-Dessert ohne Fleisch wurde, lebt die ursprüngliche Idee - fein zerkleinertes Hühnerfleisch in gesüßter, gebundener Milch - bis heute im türkischen tavuk göğsü fort, einem Nachtisch aus zerzupfter Hühnerbrust, Milch, Reis und Zucker.

Die Anweisung „bis es das Schmalz wieder abgibt“ ist kein Konservierungsverfahren, sondern ein Gar- und Bindungstest: Sobald sich das Fett sichtbar von der eingedickten Masse trennt und obenauf austritt, ist die Masse fertig gebunden - der Text springt danach unmittelbar zum Anrichten, ohne Lagerungs- oder Abkühlschritt.

Die Schmalzmenge selbst ist eine Näherung: Sie stützt sich auf die Lesart „p“ = „phunt“ (Pfund), eine Abkürzung, die im übrigen Mondsee-Korpus sonst nirgends belegt ist. Praktisch bedeutet das: reichlich Schmalz, ungefähr ein Pfund, nicht exakt 500 g.

Praxis. Zwei ältere Hennen (oder ersatzweise Suppenhühner) in Wasser weich sieden, die Brühe aufheben. 250 g gemahlene Mandeln mit der heißen Brühe zu Mandelmilch verrühren und durch ein Tuch passieren. 125 g Reis gründlich verlesen, weich kochen und ebenfalls passieren. Das Brustfleisch der Hennen fein hacken, mit dem Reis in die Mandelmilch geben und aufkochen lassen. Sobald die Masse zu sieden und einzudicken beginnt, das Schmalz in zwei Portionen einrühren - dabei ständig und kräftig rühren, damit die zunehmend dicke, zucker- und fettreiche Masse am Topfboden nicht ansetzt. Tritt sichtbares Fett aus der gebundenen Masse aus, ist das Gericht fertig: mit einem festen Löffel anrichten, glattstreichen und die Hennen(-teile) obenauf legen - am einfachsten mit der ausgehöhlten Brustseite nach unten, sodass von oben der intakte Rücken zu sehen bleibt und das Bild des ganzen Vogels erhalten bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-224-orig" n="plabmatschir" resp="#fyndling">Eine Variante des Blancmanger, einer im Mittelalter sehr beliebten Speise aus Hühnerfleisch, Mandelmilch und Reis, oft mit Zucker gesüßt. Der Name leitet sich vom altfranzösischen „blanc mangier“ (weiße Speise) ab.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-224-orig" n="talentum" resp="#fyndling">Eine mittelalterliche Gewichtseinheit, die je nach Region variierte. Im bairisch-österreichischen Raum des 15. Jahrhunderts entsprach ein Talentum oft einem Pfund, also etwa 500 g.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-224-orig" n="schonn" resp="#fyndling">Im Mittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen bedeutet 'schon' oft 'sauber' oder 'gründlich', nicht 'schön' im modernen ästhetischen Sinne. Hier: den Reis gründlich reinigen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-224-orig" n="Smalcz wider geb" resp="#fyndling">Beschreibt das Sieden, bis sich das Fett sichtbar von der eingedickten Masse trennt und obenauf abgibt - im Rezept ein Gar- und Bindungssignal, kein eigenständiges Konservierungsverfahren. Der Text springt direkt danach zum Anrichten mit den ganzen Hennen obenauf, ohne Lagerungs- oder Abkühlschritt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-224-orig" n="ain vierdung" resp="#fyndling">Eine Mengenangabe, die „ein Viertel“ bedeutet. Im Kontext von festen Zutaten wie Reis oder Zucker ist ein Viertel Pfund (ca. 125 g) eine plausible Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-224-orig" n="hur?ern" resp="#fyndling">Vermutlich ein vom Schreiber selbst abgebrochener Ansatz vor der Korrektur zu „hunern“ (Hühnern). Die Parallelüberlieferung derselben Handschrift (CoReMA-Objekt gr1.223) bietet an dieser Stelle glatt „von alten hunern“ ohne die fragliche Zwischenform - eher eine Schreiber-Selbstkorrektur als eine offene Lesart-Unsicherheit.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-224-orig" n="tail" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tail">Teil/Portion (Mengeneinheit) - im selben Kochbuch verwendet mon-124 'tail' eindeutig im Mengensinn ('zway tail wein vnd ain tail wasser' = zwei Teile Wein und ein Teil Wasser), mon-206 glossiert die Schreibvariante 'taill' ebenso als 'Teil', und der MHDBDB-Hauptbeleg führt 'tail' primär auf das Lemma 'teil' (Bedeutungsfeld Maße/Mengen/Verhältnis) zurück. 'ain p tail Smalcz' liest sich damit parallel zur wenig später folgenden Mengenangabe 'ain vierdung czucker' als 'ein Pfund-Teil (eine Portion von einem Pfund) Schmalz'.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#mon-235-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? mon-235 ist eine der frühesten deutschsprachigen Bezeugungen des europaweiten Schauessen-Motivs „Pastete mit lebenden Vögeln“: ein Rebhuhn-Kleinvögel-Gericht wird in einem kleinen Pastetentopf serviert, der wiederum in einem größeren, mit zwanzig lebenden, silber- und goldschnäbeligen Vögeln gefüllten Pastetentopf steckt. Beim Anschneiden vor der Tafel fliegen die Vögel auf und überraschen die Gäste. Dieselbe Bautechnik - zwei ineinandergesetzte Pastetentöpfe, ein echtes Gericht innen, lebende Vögel im Zwischenraum, verschließbare Türchen gegen das Ersticken - findet sich fast identisch bei Martino (mar-268) und im Viandier (via-171); es handelte sich um ein spätmittelalterliches Hofküchen-Motiv, das vom französischen Fürstenhof bis in den bairisch-österreichischen Raum zirkulierte. Das lebendige Überraschungsmoment selbst ist aus Tierschutzgründen ausgestorben und lebt nur noch als Reenactment mit Attrappen bei Living-History-Banketten fort. Die essbare Trägerkonstruktion dagegen - ein freistehender, komplett aus Teig gebackener Pastetentopf als Backform und Gefäß zugleich - ist der direkte Vorfahr der bis heute bestehenden englischen Raised Pie (Game Pie, Pork Pie mit selbsttragender Teighülle) und der französischen Pâté en croûte.

Zur Formulierung „brate es sogleich“. Der Urtext sagt wörtlich, das Rebhuhn solle „an dy statt“ gebraten werden - eine Wendung, die im Mondseer Kochbuch mehrfach in der Bedeutung „sofort, auf der Stelle“ belegt ist (etwa mon-085, mon-134: „sewd/sewdcz von erst an dy statt“ = sogleich sieden). Sie betont, dass Rebhuhn und Vögel ohne Verzug gebraten werden, bevor sie weiterverarbeitet werden - kein zusätzlicher Arbeitsschritt, sondern eine Zeitangabe.

Zur Formulierung „ein Loch so groß wie“. Der Urtext lautet „Sneyd also ein loch als der chlain tophff“. „Also“ steht hier nicht für „auch“, sondern ist die bairische Vergleichspartikel „so“ (vor „als“ = „wie“) - dieselbe Konstruktion begegnet im selben Rezept bereits zu Beginn („also das es klainer... gesten mog“ = „so dass es kleiner... stehen kann“). Gemeint ist also kein zusätzliches Loch, sondern ein Loch von genau der Größe des kleinen Pastetentopfs, damit dieser exakt hindurchpasst.

Praxis. Zwei Pastetentöpfe aus stabilem Mürbe- oder Blätterteig backen, wobei der kleinere rundum eine Handbreit kleiner sein muss, damit zwischen beiden Töpfen Platz bleibt. Rebhuhn und kleine Vögel getrennt braten, mit einer würzigen, gesüßten Weinsauce (heißer Rotwein, Zucker, gute Gewürze) übergießen und in den kleinen Topf geben. Diesen mit Eidotter auf dem Boden des großen Topfes fixieren, mit einem breiten Teigfladen abdecken, mit Eidotter bestreichen und fertigbacken. Für eine moderne, tierschutzkonforme Inszenierung bleibt der Zwischenraum leer oder wird mit Attrappen gefüllt - echte lebende Vögel sind aus Tierschutz- und Rechtsgründen nicht umsetzbar.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-235-orig" n="schympffessen" resp="#fyndling">Ein Scherzgericht oder ‚Entremet‘, das als Spektakel bei Festmahlen diente. Die Überraschung der Gäste stand im Vordergrund.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-235-orig" n="tophff von taig" resp="#fyndling">Ein Pastetentopf, dessen Wände und Deckel aus Teig gebacken werden. Solche Teigformen waren im Mittelalter üblich, um Gerichte zu garen und zu präsentieren.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-235-orig" n="lembtig vogel" resp="#fyndling">Lebendige Vögel. Die Verwendung lebender Tiere in solchen Schauspeisen war im Mittelalter nicht unüblich, ist aber heute aus Tierschutzgründen und rechtlich nicht mehr zulässig. Sie dienten ausschließlich dem Überraschungseffekt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-235-orig" n="gestupp" resp="#fyndling">Gewürzpulver. Im Mittelalter waren Gewürzmischungen, oft mit teuren Importgewürzen, ein Zeichen von Reichtum und Status.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-235-orig" n="czeseinbel" resp="#fyndling">Sauce. Saucen waren ein wichtiger Bestandteil der mittelalterlichen Küche, oft stark gewürzt und gesüßt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-235-orig" n="will hyssenn hischem wein" resp="#fyndling">Heißer südlicher Wein, vermutlich ein kräftiger Rotwein. Das Wort ‚will‘ vor ‚hyssenn hischem wein‘ bleibt ungeklärt - die drift-korrigierte CoReMA-Parallelstelle liest an dieser Stelle nur ‚well hischem wein‘ (ohne ‚hyssenn‘) und glossiert dies als südlichen Wein. Möglicherweise ist ‚will‘ Teil einer verschriebenen Form von ‚welhisch‘ (= welsch, südlich/romanisch) oder eine scribale Dopplung; die Transkriptions-Divergenz zur CoReMA-Normalisierung bleibt ungeklärt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-235-orig" n="chapp pawn" resp="#fyndling">Kapaun, ein gemästeter und kastrierter Hahn. Kapaune waren für ihre Größe und Zartheit bekannt und galten als Delikatesse. Hier dient er als Vergleich für die Größe des Rebhuhns.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-235-orig" n="tutter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tutter">Eidotter. Wird hier zum Bestreichen und als Bindemittel verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-235-orig" n="praicz platt" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#platt">Breiter Teigfladen. Wird hier als Deckel für den Pastetentopf verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-235-orig" n="pratt (ohne 'snitten')" resp="#fyndling">Brot - im Manuskript konsequent von ‚platt‘ (Teigfladen) unterschieden, obwohl beide Wörter ähnlich aussehen. Was genau an dieser frühen Stelle - vor der eigentlichen Türchen-Konstruktion aus Brot - mit ‚Brot‘ gemeint ist, vermutlich ein stützendes Stück Brot unter oder neben dem Teigfladen, bleibt trotz gesicherter Wortbedeutung inhaltlich ungeklärt.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-235-orig" n="snitten pratt" resp="#fyndling">Geschnittenes Brot. Wird hier verwendet, um ein kleines, funktionsfähiges Türchen in der Pastete zu formen.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-235-orig" n="praw taig" resp="#fyndling">Wörtlich ‚brauner Teig‘. Die Lesart ‚braun‘ ist bislang nicht durch eine CoReMA-Glosse oder einen eindeutigen Wörterbuchbeleg abgesichert und wird daher als plausible, aber unbestätigte Übersetzung gekennzeichnet.</note>
        <note type="gloss" target="#mon-235-orig" n="silbren / gulden" resp="#fyndling">Silber und Gold. Im Mittelalter wurden Speisen und Dekorationen oft mit Edelmetallen verziert, um den Reichtum und Status des Gastgebers zu demonstrieren. Hier für die Schnäbel der lebenden Vögel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-235-orig" n="schympffessen" resp="#fyndling">‚Scherzgericht‘ oder ‚Spaßessen‘. Dies ist die gängige Interpretation für solche überraschenden und unterhaltsamen Gerichte im mittelalterlichen Kontext.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-235-orig" n="tophff / tophffen / tophen / topfhen" resp="#fyndling">‚Pastetentopf‘. Die CoReMA-Glosse ‚pie pot‘ und der Kontext der Zubereitung (aus Teig, gebacken, mit Inhalt) bestätigen diese Lesart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-235-orig" n="repphuen / rephuen / repphuens" resp="#fyndling">‚Rebhuhn‘. Die CoReMA-Glosse ‚partridge‘ bestätigt diese Lesart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-235-orig" n="czeseinbel" resp="#fyndling">‚Sauce‘. Die CoReMA-Glosse ‚sauce‘ bestätigt diese Lesart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-235-orig" n="will hyssenn hischem wein" resp="#fyndling">‚heißer südlicher Wein‘. Die CoReMA-Glosse ‚southern wine‘ und der Kontext der Zubereitung einer gewürzten Flüssigkeit stützen die Kernlesart. Unklar bleibt allein das vorangestellte ‚will‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-235-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">‚Gewürze‘. Die CoReMA-Glosse ‚spice‘ bestätigt diese Lesart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-235-orig" n="praicz platt" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#platt">‚breiter Teigfladen‘. ‚Praicz‘ ist eine bairische Form von ‚breit‘, und ‚platt‘ bezeichnet hier einen flachen Teig, wie durch die CoReMA-Glosse ‚dough sheet‘ bestätigt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-235-orig" n="pratt (isoliert, vor der Türchen-Stelle)" resp="#fyndling">‚Brot‘ - wortgleich mit ‚snitten pratt‘ weiter unten und durch dieselbe CoReMA-Glosse bestätigt, orthographisch aber leicht verwechselbar mit dem distinkten ‚platt‘ (Teigfladen).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-235-orig" n="praw taig" resp="#fyndling">‚brauner Teig‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-235-orig" n="lembtiger vogel" resp="#fyndling">‚lebendige Vögel‘. Die CoReMA-Glosse ‚songbird‘ und die Anweisung, die Schnäbel zu verzieren und Löcher in den Topf zu machen, damit sie nicht ersticken, bestätigen eindeutig, dass es sich um lebende Tiere handelt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#mon-235-orig" n="tuerelein / tuerel" resp="#fyndling">‚Türchen‘. Dies ist das Diminutiv von ‚Tür‘ und beschreibt die kleine Öffnung, die in den Pastetentopf geschnitten wird.</note>
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