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      <titleStmt>
        <title>Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 349) (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 349)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/quellen/muenchner_cgm349/</idno>
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        <bibl>
          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 349</title>
          <date when="1500">1500</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.m1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M1 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
        </bibl>
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      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Nachtrag des 16. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="m349-001">
        <head>Karpfen in süß-saurer Pfeffersoße</head>
        <div type="original" xml:id="m349-001-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m349-001-trans">
          <p>Item ein karpfen Im furhess vnd ein fasan prue

Item so der karpfenn lebendig ist fach das furhes vnd nym ein leczelten auch nym ein semell vnd paa dy auf einem Rost oder gluedt das sy praun werdt vnd secz das durch einander auf das fewr In einem kessel oder pfanen In einem gueden wein vnd las wol syeden vnd slach es dan durch ein syb vnd nym dar nach ein gescharb dar zwe von pyern oder opfll vnd secz denn fysch mit Inalen auf das fewr vnd wan er aufbalen wil so ge= burcz in mit nagell peffer zymerrinden safrian vnd ob es zw sawr wurdt so lincz mit einem honygk vnd wan dw in an wildt richten so kost in an dem salcz in der supen vnd salcz es an dy stat wie es dan gehordt das sy recht sey</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m349-001-trans" xml:lang="de" corresp="#m349-001-orig">
          <p>Solange der Karpfen noch lebt, fang die Pfeffersoße dafür auf.</p>
          <p>Nimm einen Lebkuchen und eine Semmel und röste sie auf einem Rost oder über der Glut, bis sie braun sind. Setze das zusammen mit gutem Wein in einen Kessel oder eine Pfanne aufs Feuer und lass es gut sieden; schlage es dann durch ein Sieb.</p>
          <p>Nimm danach klein geschnittene Birnen oder Äpfel dazu und setze den Fisch mit allem zusammen aufs Feuer. Wenn es aufwallen will, würze mit Nelken, Pfeffer, Zimt und Safran. Wird es zu sauer, mildere es mit Honig.</p>
          <p>Wenn du anrichten willst, schmecke die Soße mit Salz ab, damit sie richtig ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein karpfen ... so der karpfenn lebendig ist">Karpfen (frisch, idealerweise lebend gekauft)</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein leczelten">Lebkuchen</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein semell">Semmel</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein gueden wein">Wein</ingredient> - 500 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein gescharb dar zwe von pyern oder opfll">Birnen oder Äpfel (klein geschnitten)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagell">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="peffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zymerrinden">Zimt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="safrian">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einem honygk">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m349-002">
        <head>Ingwerbrühe zu gebratenem Kapaun</head>
        <div type="original" xml:id="m349-002-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m349-002-trans">
          <p>Item ein Inber prue vnder praden kopaun

Item Nym ein gueten wein vnd von einer semell dy prosen vnd secz das auf ein fewr vnd la das syeden vnd wan es wol aufgesoden hat so treyb es durch ein sib auf das dykist vnd la es dan dy helft einsyeden vnd dan geburcz ab mit Inber vnd ein wenyng peffer auch ein wenyg ein safrian vnd ein honik das es gar woll lindt werd auch das es wol rik werdt vnd geus sy dan auf ein schussel vnd legl leg dy praden kopawner dar auf etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m349-002-trans" xml:lang="de" corresp="#m349-002-orig">
          <p>Nimm einen guten Wein und die Brösel von einer Semmel. Setze dies auf ein Feuer und lass es sieden. Wenn es gut aufgekocht hat, treibe es so dick wie möglich durch ein Sieb. Lass es dann um die Hälfte einkochen.</p>
          <p>Würze es danach ab mit Ingwer, ein wenig Pfeffer, auch ein wenig Safran und Honig, sodass es ganz wohl mild und reichhaltig im Geschmack wird. Gieße die Sauce dann auf eine Schüssel und lege die gebratenen Kapaune darauf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein gueten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="von einer semell dy prosen">Semmel (Brösel)</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Inber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenyng peffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenyg ein safrian">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein honik">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="praden kopawner">Gebratene Kapaune</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m349-003">
        <head>Nelkenbrühe zu gebackenem Fisch</head>
        <div type="original" xml:id="m349-003-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m349-003-trans">
          <p>Ein nagell prue zwmachen an pachen hecht oder karpen auch zw ander lay

Item Nym walsche weinperel leczelten vnd von einer semel ein abpacz schnydl oder trew vnd tues in ein moser vnd stoss das woll klain werdt vnd secz auf das fewr ineinem wein das es wol aufsiedt vnd slach es dan durch ein sib auf lyndist vnd secz wider auf das fewr vnd geburcz es mit nagel zymerrinden vnd peffer vnd ein wenig safrian auch ein wenig gancze weinperll in dy supen auch ein honik vnd ein wenig ein essich vnd wan dus an wilt Richten so kost dy supen wol das an alen dingen gerecht sey vnd leg dy pachen visch dar ein vnd Richt sy an etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m349-003-trans" xml:lang="de" corresp="#m349-003-orig">
          <p>Nimm welsche Weinbeeren (Rosinen), Lebkuchen und eine geröstete Schnitte von einer Semmel, oder drei davon. Gib dies in einen Mörser und stoße es sehr fein, bis es ganz klein ist.</p>
          <p>Setze die Masse dann in Wein auf das Feuer, sodass es gut aufkocht. Schlage es anschließend durch ein Sieb, bis es ganz fein ist, und setze es wieder auf das Feuer.</p>
          <p>Würze es mit Nelken, Zimt und Pfeffer, auch mit ein wenig Safran. Gib auch ein paar ganze Weinbeeren (Rosinen) in die Suppe, dazu Honig und ein wenig Essig. Wenn du es anrichten willst, schmecke die Suppe gut ab, damit sie in allen Dingen ausgewogen ist, und lege den gebackenen Fisch hinein. Richte es an.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="walsche weinperel">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leczelten">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="von einer semel ein abpacz schnydl oder trew">Semmel (geröstet)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagel">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zymerrinden">Zimt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="peffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="safrian">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honik">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pachen hecht oder karpen">Gebackener Hecht oder Karpfen (zum Servieren)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m349-004">
        <head>Pfeffersauce zu Wildbret</head>
        <div type="original" xml:id="m349-004-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m349-004-trans">
          <p>Ein peffer zw wilpradt

Item Nym ein furhess von einem lamplein oder huenern vnd semlein prossen vnd secz auf das fewr das es auf siedt vnd ? slach es dan durch ein sib mit wein esich vnd wasser vnd secz wider auf vnd la es wol syeden dan geburcz mit nagll pfeffer vnd safrian vnd mit honik magst dw es lind machen vnd salcz dan wie es dar zwe gehordt etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m349-004-trans" xml:lang="de" corresp="#m349-004-orig">
          <p>Nimm eine Pfeffersauce-Basis, die aus Lamm- oder Hühnerfleisch zubereitet wurde, und gib Semmelbrösel hinzu. Setze die Mischung auf das Feuer, sodass sie aufkocht. Schlage sie dann durch ein Sieb, zusammen mit Wein, Essig und Wasser. Setze die Sauce wieder auf das Feuer und lasse sie gut sieden.</p>
          <p>Würze sie anschließend mit Nelken, Pfeffer und Safran. Mit Honig kannst du die Sauce mild und sanft im Geschmack machen. Salze sie dann, wie es sich dazu gehört.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein furhess von einem lamplein oder huenern">Pfeffersauce (Basis aus Lamm oder Huhn)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semlein prossen">Semmelbrösel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nagll">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="safrian">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honik">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
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        </div>
      </div>
    </body>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#m349-001-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Karpfen, der zusammen mit klein geschnittenen Birnen oder Äpfeln in einer dunklen, süß-sauer gewürzten Weinsoße gart - gebunden durch geröstetes Lebkuchen und Semmel, gewürzt mit Nelken, Pfeffer, Zimt und Safran, mit Honig abgerundet. Das ist dieselbe Gerichtsfamilie wie das bis heute vor allem in Böhmen und Mähren zu Weihnachten servierte Kapr na černo (Karpfen in „schwarzer“ Soße) und wie deutsche Karpfen-Rezepte in Lebkuchen-Pfeffersoße.

„So der Karpfen lebendig ist“. Der Satz „fach das fürhes“ heißt wörtlich „fang die Pfeffersoße auf“ - der Karpfen soll frisch bzw. noch lebend sein, während die Soße angesetzt wird. Ob damit zusätzlich gemeint ist, sein Blut zur Bindung aufzufangen, sagt der Text nicht; das Wort dafür fehlt im Original. Farbe und Bindung liefert das Rezept bereits vollständig über das geröstete Lebkuchen-Semmel-Gemisch, ganz ähnlich wie bei der dunklen Soße in sev-083, die ebenfalls ohne Blutzugabe allein aus gerösteter Frucht- und Brotkruste entsteht.

Praxis. Lebkuchen und Semmel auf dem Rost oder über der Glut rösten, bis sie braun sind, dann mit gutem Wein aufkochen und durch ein Sieb passieren - das ergibt die sämige, dunkle Grundsoße. Klein geschnittene Birnen oder Äpfel dazugeben, den Fisch mit allem zusammen aufsetzen und bis kurz vors Aufwallen erhitzen; erst dann mit Nelken, Pfeffer, Zimt und Safran würzen, damit die teuren Gewürze ihr Aroma behalten. Wird die Soße zu sauer, mit Honig abmildern. Vor dem Anrichten mit Salz abschmecken.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="furhess" resp="#fyndling">Ehlert übersetzt ‚fürhess' durchweg als Pfeffersoße - eine dunkle, gebundene Gewürzsauce. ‚fach das fürhes' heißt wörtlich ‚fang die Pfeffersoße auf' (fach = Imperativ von vahen/fangen); dass der Karpfen dabei ausdrücklich lebend sein muss, erklärt der Text nicht weiter - naheliegend ist ein Frische-/Reihenfolge-Hinweis (die Soße ansetzen, solange der Fisch noch lebt bzw. ganz frisch ist). Eine zusätzliche Blutbindung, wie sie moderne Schwarzsauce-Rezepte kennen, steht so nicht im Text; das Wort dafür fehlt hier vollständig (anders als bei einem Hasen-fürhess derselben Edition, wo ‚vnd fauch den schwaiß' = ‚und fang das Blut' ausdrücklich dasteht).</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Historische Bezeichnung für Lebkuchen, der hier geröstet als Bindemittel und Geschmacksgeber der Soße dient.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="semell" resp="#fyndling">Ein Weißbrötchen, das geröstet und in Wein eingekocht ebenfalls zur Bindung der Soße dient.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="paa dy auf einem Rost oder gluedt" resp="#fyndling">Röste Lebkuchen und Semmel auf einem Rost über Glut, bis sie braun sind - die Röstung gibt der Soße Farbe und Tiefe (‚päa' = rösten/erwärmen lassen).</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="gescharb" resp="#fyndling">Klein geschnittene Stücke (Schnitze), hier von Birnen oder Äpfeln (Ehlert). Nicht ‚geschabt/gerieben'.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="secz denn fysch mit Inalen" resp="#fyndling">‚mit (dem) allen' = mit allem zusammen - der Karpfen kommt in die fertige Soße. NICHT ‚mit den Innereien'.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="aufbalen" resp="#fyndling">Aufwallen, kurz vor dem Siedepunkt, wenn die Flüssigkeit zu blubbern beginnt.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="lincz" resp="#fyndling">Mildern (Imperativ) - hier die Säure mit Honig abpuffern.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="kost in an dem salcz ... das sy recht sey" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">Schmecke die Soße auf Salz ab und salze ausreichend nach, damit sie richtig ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m349-001-orig" n="fach das fürhes (bei lebendem Karpfen)" resp="#fyndling">‚fang die Pfeffersoße auf' - der lebende bzw. ganz frische Karpfen als Hinweis auf die Zubereitungsreihenfolge/Frische, ohne dass der Text eine Blutentnahme benennt. Genau so übersetzt auch Ehlert die Stelle; Bindung und dunkle Farbe liefert bereits das geröstete Lebkuchen-Semmel-Gemisch, wie auch bei der sehr ähnlichen dunklen Karpfensoße in sev-083 (ganz ohne Blutzugabe).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m349-001-orig" n="fasan prüe" resp="#fyndling">‚Fastensoße' - da Karpfen ein klassischer Fastenfisch ist und die Lesart im Kontext der mittelalterlichen Speisevorschriften plausibel ist (so auch Ehlert).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m349-002-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Ingwer-Brot-Soße zu gebratenem Kapaun - eine der vier kleinen Gewürzsaucen dieser Sammlung. Sie gehört zur weit verbreiteten Familie der brotgebundenen Ingwer-/Pfefferbrot-Saucen (vgl. die Ingwer-Brot-Sauce foc-135 sowie die süß-sauren Pfefferbrot-Saucen mha-049, rfk-055, m5919-103).

Technik. Guten Wein mit Semmelbröseln aufkochen, möglichst dick durch ein Sieb treiben (so bindet das Brot die Sauce), dann um die Hälfte einkochen - das macht sie sämig. Erst danach mit Ingwer, etwas Pfeffer, Safran und Honig abschmecken, sodass sie mild und reichhaltig (nach anderer Lesart: fest) im Geschmack wird.

Anrichten. Die Sauce in eine Schüssel gießen und die fertig gebratenen Kapaune darauflegen - ‚vnder praden kopaun' meint genau das: die Sauce kommt unter den Braten. Ein festliches Geflügelgericht.

Praxis. Ingwer, Pfeffer, Safran und Honig kommen im Text gemeinsam nach der Reduktion in die Sauce, nicht nacheinander - sinnvoll, weil die Gewürzaromen sonst beim langen Kochen verflüchtigen würden. Mengen nennt das Original nicht; wer sich orientieren will, schmeckt schrittweise ab, bis die Sauce mild und rund schmeckt.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-002-orig" n="Inber prue" resp="#fyndling">Eine gewürzte Sauce, die hier als Ingwerbrühe bezeichnet wird. Im Mittelalter waren ‚Brühen‘ oft sämige Saucen, die zu Fleisch oder Fisch gereicht wurden.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-002-orig" n="praden kopaun" resp="#fyndling">Gebratene Kapaune. Ein Kapaun ist ein kastrierter Masthahn, der für sein zartes und fettreiches Fleisch geschätzt wurde und eine Delikatesse der mittelalterlichen Küche darstellte.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-002-orig" n="semell dy prosen" resp="#fyndling">Die Brösel einer Semmel (Weißbrötchen). Semmelbrösel wurden häufig als Bindemittel für Saucen und Suppen verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-002-orig" n="treyb es durch ein sib auf das dykist" resp="#fyndling">Die Anweisung, die Sauce durch ein Sieb zu passieren, um eine feine, sämige Konsistenz zu erhalten. ‚Auf das dykist‘ bedeutet hier, dass die Sauce bis zur gewünschten Dicke reduziert werden soll.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-002-orig" n="dy helft einsyeden" resp="#fyndling">Die Sauce um die Hälfte reduzieren, um den Geschmack zu konzentrieren und die Konsistenz zu verdicken.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-002-orig" n="lindt werd" resp="#fyndling">Mild werden, im Sinne von geschmacklich abgerundet und harmonisch, nicht zu scharf oder sauer.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-002-orig" n="rik werdt" resp="#fyndling">Unsicheres Wort. Ehlert liest es zögernd als ‚rak/rik' und vermutet die Bedeutung ‚fest' (also dick/sämig in der Konsistenz). Ebenso möglich ist ‚reich' im Sinne von vollmundig/gehaltvoll im Geschmack - beide Lesarten passen zu einer reduzierten, gebundenen Sauce.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m349-002-orig" n="legl leg" resp="#fyndling">Die Wiederholung ‚legl leg‘ wurde als einfache Anweisung ‚lege‘ übersetzt, da es sich wahrscheinlich um einen Schreibfehler oder eine Reduplikation handelt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m349-002-orig" n="rik werdt" resp="#fyndling">‚reich/reichhaltig' im Geschmack (vollmundig) - so die hier gewählte Lesart neben ‚lindt' (mild).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m349-003-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine mit Lebkuchen, gerösteter Semmel und Rosinen gebundene süß-saure Nelkenbrühe (dazu Zimt, Pfeffer, Safran, Honig, Essig), in die gebackener Hecht oder Karpfen gelegt wird - laut Überschrift auch „zu anderem“ verwendbar, also eine vielseitige Universalsauce. Verwandt mit der Lebkuchensauce zum Hecht (kkm-003) und den Karpfenknödeln mit Lebkuchensauce (sev-251); die Grundidee - Fisch in einer brot- oder lebkuchengebundenen süß-sauren Sauce - lebt in der bis heute in Teilen Sachsens, Schlesiens und Böhmens gepflegten Weihnachtstradition von Karpfen in Lebkuchensauce fort und ist strukturell mit der sizilianischen Agrodolce-Familie und der brotgebundenen mittelalterlichen Cameline-Sauce verwandt.

Das Semmel-Bindemittel. Neben Lebkuchen kommt eine geröstete Schnitte Weißbrot ins Bindemittel, oder gleich drei davon - im Original „ein abpacz schnydl oder trew“: „abpacz“ heißt „abgebacken/geröstet“, „trew“ ist hier das Zahlwort „drei“, keine Mengenangabe von Brotkrumen. Geröstetes statt frisches Brot bindet etwas anders und bringt zusätzliche Röstaromen mit.

Technik. Rosinen, Lebkuchen und die geröstete(n) Semmelschnitte(n) im Mörser fein zerstoßen (trockene Rosinen lassen sich nur grob vorzerkleinern - unproblematisch, der folgende Koch- und Siebschritt erledigt den Rest), in Wein aufkochen, möglichst glatt durch ein Sieb treiben und wieder aufsetzen. Dann mit Nelken (namensgebend), Zimt, Pfeffer und etwas Safran würzen, ein paar ganze Rosinen einstreuen und mit Honig und einem Schuss Essig süß-sauer abrunden.

Anrichten. Den fertig gebackenen Fisch in die abgeschmeckte Soße legen und servieren. Eine ausgesprochen lagertaugliche Sauce - alle Grundzutaten sind robust und ungekühlt transportabel.

Praxis. Erst nach dem Passieren würzen: Nelke, Zimt, Pfeffer und Safran einrühren, dann mit Honig und Essig süß-sauer austarieren.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-003-orig" n="nagell prue" resp="#fyndling">Wörtlich ‚Nelkenbrühe‘, bezeichnet eine gewürzte, gebundene Sauce, die hier mit Nelken aromatisiert ist.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-003-orig" n="walsche weinperel" resp="#fyndling">‚Welsche Weinbeeren‘ sind Rosinen. ‚Welsch‘ bezeichnete im Mittelalter oft italienische oder südländische Herkunft.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-003-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Lebkuchen, der hier nicht als Süßigkeit, sondern als Bindemittel und Würze für die Sauce verwendet wird. Er verleiht eine süß-würzige Note und bindet die Flüssigkeit.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-003-orig" n="semel ein abpacz schnydl oder trew" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Eine geröstete/abgebackene Schnitte von einer Semmel (Weißbrötchen), oder drei solcher Schnitten - „trew“ ist hier das Zahlwort „drei“ (dialektale d/t-Verschiebung, im Korpus wiederholt so belegt), keine Mengenangabe von Brotkrumen. Ebenfalls als Bindemittel verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-003-orig" n="moser" resp="#fyndling">Ein großer Mörser, wie er im Mittelalter zum Zerstoßen von Lebensmitteln zu feinen Pasten oder Breien verwendet wurde. Für dieses Rezept kann auch ein moderner Mixer oder eine Küchenmaschine verwendet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-003-orig" n="slach es dan durch ein sib auf lyndist" resp="#fyndling">Schlage es dann durch ein Sieb, bis es ganz fein und glatt ist. Dies sorgt für eine sämige Konsistenz der Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-003-orig" n="gebürcz es" resp="#fyndling">Würze es.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-003-orig" n="an alen dingen gerecht sey" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">In allen Dingen ausgewogen sei, also geschmacklich harmonisch und gut abgeschmeckt.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-003-orig" n="pachen hecht oder karpen" resp="#fyndling">Gebackener Hecht oder Karpfen, die traditionellen Fische, zu denen diese Sauce serviert wurde. Karpfen war im Mittelalter eine beliebte Fastenspeise.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m349-004-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine süß-saure Pfeffersauce zu Wildbret - und zwar genau die Art „Pfeffer für Wildbret“, auf die das Tegernseer Fischrezept verweist (m725-018: „mach einen Pfeffer, wie du ihn für Wildbret machst“). Die Pfeffersauce zum Wild war so ein Standard, dass andere Rezepte sie als bekannt voraussetzen - hier ist die Anleitung dazu.

Die Basis (das fürhess). Eine Fond-/Basis-Zubereitung von Lamm oder Huhn wird mit Semmelbröseln aufgekocht, durch ein Sieb getrieben - dabei mit Wein, Essig und Wasser aufgegossen -, wieder aufgesetzt und gut eingekocht. Das Brot bindet die Sauce, ganz ohne Mehlschwitze.

Würzen &amp; abrunden. Mit Nelken, Pfeffer und Safran würzen; mit Honig die Säure „lind“ machen (die süß-saure Balance), zuletzt salzen.

Praxis. Eine sämige, brotgebundene Gewürzsauce zu Wildbret - wie m725-018 zeigt, ebenso zu Fisch. Verwandt mit der schwarzen Pfeffersauce (boc-018a), der Leber-Brotsauce Peverata (ant-041) und der böhmischen Wildbret-Soße sev-001.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-004-orig" n="furhess" resp="#fyndling">Ein „Fürhess“ (auch „Fürhes“) bezeichnete ursprünglich das mit Pfefferbrühe zubereitete Vordergehäse (die Vorderteile) des Hasen - sprachlicher Vorläufer des bis heute bekannten „Hasenpfeffer“. Im Korpus meint der Begriff meist eine eigenständige Vorspeise aus Innereien. Hier ist er bereits verallgemeinert zu einer Fond-/Basis-Zubereitung aus Lamm oder Huhn, aus der durch Sieben, Verlängern mit Wein/Essig/Wasser und Würzen die im Titel genannte Pfeffersauce entsteht.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-004-orig" n="lamplein" resp="#fyndling">Diminutiv von Lamm, also „Lämmchen“ oder einfach „Lamm“.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-004-orig" n="huenern" resp="#fyndling">Hühner.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-004-orig" n="semlein prossen" resp="#fyndling">Semmelbrösel, also geriebenes Weißbrot, das als Bindemittel dient.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-004-orig" n="nagll" resp="#fyndling">Nelken, ein beliebtes Gewürz im Mittelalter.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-004-orig" n="safrian" resp="#fyndling">Safran, ein kostbares Gewürz, das für Farbe und Geschmack verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-004-orig" n="lind machen" resp="#fyndling">Die Sauce im Geschmack mild und sanft abrunden, meist durch Zugabe von Honig oder Zucker, um die Säure des Essigs auszugleichen.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-004-orig" n="wilpradt" resp="#fyndling">Wildbret, also Wildfleisch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m349-004-orig" n="ein furhess von einem lamplein oder huenern" resp="#fyndling">Die Formulierung wird als eine Sauce-Basis interpretiert, die aus Lamm- oder Hühnerfleisch gewonnen wird, sei es als Brühe oder fein zerkleinertes Fleisch, das dann weiterverarbeitet wird.</note>
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