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      <titleStmt>
        <title>Regensburger Kochbuch (Cgm 5919) (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/quellen/muenchner_cgm5919/</idno>
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        <bibl>
          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919</title>
          <date when="1505">1505</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.m9/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M9 (CC BY 4.0)</note>
        </bibl>
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      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="m5919-001">
        <head>Huhn im Glas, als Schaugericht</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-001-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-001-trans">
          <p>Item wie mann ain ginz huenn In ainem kutraf glas so prue das huen schon vnd pegreyf es schon zbischen haut vnd fleisch vnd zeuch Im dy haut ab also gancz pis an fus vnd schneid dy fus Inbendig ab dy an der heut pleiben vnd mach ain clains stumpf holczlein vnd plos In dy haut wan sy dan zw prochen sey da ne sy zw vnd vnd nimm dan vnd stoß aim fus In das glas vnd darnach den andren vnd nimm das stumpf holczlein vnd stos der heut ye ain wenig hin ein wan du dan haut hin eingestost pis an den hals so pehalt den hals her oben vnd sturcz dy haut vber das glas vnd pindt es dan mit faden zwe vnd nimm dann das huen vnd wirf es In ain fley= sch prue vnd las es sieden wenn es gesoten ist so thu eyerr vnd saluan darunder vnd petter sil vnd guet gestup vnd p= las in den hals oder ins glas so thut sichs hun auf vnd fulle dann dy full dar ein vnd wan dan dy haut vol ist so vermach es oben wol das dy haut nit hyn ein falle vnd das auch kain wasser hin ein moge kumen vnd thu es dann In einem haffen vnd geus ein wasser daran vnd tecke es zu vnd las es syden so wirt es sich strecken In dem hals das man siecht sein flugel vnd sein hals vnd sein fuß vnd sein gantz vermugen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-001-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-001-orig">
          <p>Wie man ein ganzes Huhn in einem ‚Kutraf-Glas' zubereitet:</p>
          <p>Brühe das Huhn schön und löse die Haut vorsichtig zwischen Haut und Fleisch. Ziehe die Haut vollständig bis zu den Füßen ab und schneide die Füße innen ab, die an der Haut bleiben. Mache ein kleines, stumpfes Holzstäbchen und blase in die Haut. Wenn die Haut dabei zerbrochen ist, nähe sie zusammen. Nimm dann einen Fuß und stoße ihn in das Glas, danach den anderen. Nimm das stumpfe Holzstäbchen und stoße die Haut immer ein wenig hinein. Wenn du die Haut bis zum Hals hineingestoßen hast, behalte den Hals oben und stülpe die Haut über das Glas. Binde es dann mit Fäden fest.</p>
          <p>Nimm dann das Huhn und wirf es in eine Fleischbrühe und lasse es sieden. Wenn es gar ist, gib Eier, Salbei und eine gute Gewürzmischung hinzu. Blase in den Hals oder in das Glas, damit sich das Huhn aufbläht. Fülle dann die Füllung hinein. Wenn die Haut voll ist, verschließe es oben gut, damit die Haut nicht hineinfällt und auch kein Wasser hineinkommen kann. Gib es dann in einen Topf, gieße Wasser daran, decke es zu und lasse es sieden. So wird es sich im Hals strecken, sodass man seine Flügel, seinen Hals, seine Füße und sein ganzes Aussehen sieht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="huenn">Huhn</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="kutraf glas">Glasgefäß</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="holczlein">Holzstäbchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="faden">Faden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fley= sch prue">Fleischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyerr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saluan">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guet gestup">Gewürzmischung</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-002">
        <head>Illusion vom doppelten Aal</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-002-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-002-trans">
          <p>Item von alenn wildu machen aus ainem all zbey all so zeuch Im dy haut ab vnd mach ain gute ful ayren stup sy wol vnd ful dy haut zue vnd ker dy haut an das recht vnd stos dy haut wider in dy full vnd nee es zw das es nicht her auß fal vnd nym dan den al vnd seud in mit wasser vnd mit wein vnd stup es wol ab vnd nym dan disen al vnd nym in der haut vnd prat den wol auf ainem rost vnd petrauf in mit putter so er gepratten ist so leg in auf ain schasel vnd leg dan den gesotten al dar zu vnd gib sich yed dem herren so mag der her wol sprechen von wan kumpt vns der ain all</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-002-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-002-orig">
          <p>Willst du aus einem Aal zwei Aale machen, so ziehe ihm die Haut ab. Bereite eine gute Eierfüllung zu und stampfe sie gut. Fülle die Haut damit und kehre die Haut auf die rechte Seite. Forme die Haut wieder um die Füllung und nähe sie zu, damit nichts herausfällt.</p>
          <p>Nimm dann das Aal-Fleisch und siede es mit Wasser und Wein. Stampfe es gut ab. Nimm dann den Aal in der gefüllten Haut und brate ihn gut auf einem Rost. Beträufele ihn mit Butter. Wenn er gebraten ist, lege ihn auf eine Schüssel. Lege dann den gesottenen Aal (das gestampfte Fleisch) dazu.</p>
          <p>Gib dies jedem Herrn, so mag der Herr wohl sprechen: „Woher kommt uns der eine Aal?“</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="alenn / all">Aal</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayren">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="putter">Butter</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-003">
        <head>Gute Hühnerbrühe im Zinntopf</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-003-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-003-trans">
          <p>Item wildu machen ain gut hunnen prwe So nim ain zinene kandel damit pley pey sey vnd nym dan ein gut hun vnd stoß es gantz dar ein oder zw vier= tail vnd nym dan dy leberen von zwayen hunneren vnd streck sy auf einein rast oder in einem warmen wasser nym mer ein wenig vnd stoß dy gar wol vnd nym als vil semel protz dar zu als ein ayr totteren vnd thu das weiß davon vnd nym gar ein wintzig milchram dar zw vnd wann dy das hun in dy kandel thust so geus ein wasser dar an das es eins vingers</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-003-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-003-orig">
          <p>Willst du eine gute Hühnerbrühe zubereiten, so nimm einen zinnernen Topf, der Blei enthält. Nimm dann ein gutes Huhn und stoße es ganz oder in vier Teilen hinein. Nimm anschließend die Lebern von zwei Hühnern und strecke sie auf einen Rost oder in warmes Wasser. Nimm noch ein wenig (Leber) und stoße sie sehr gut. Gib dazu so viel geriebenes Semmelbrot wie ein Eigelb und entferne das Eiweiß. Nimm auch einen winzigen Milchrahm dazu. Wenn du das Huhn in den Topf gibst, so gieße Wasser daran, sodass es einen Finger hoch steht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein gut hun">Huhn</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="dy leberen von zwayen hunneren">Hühnerlebern</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="semel protz">Semmelbrot, gerieben</ingredient> - 1 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein ayr totteren">Eigelb</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein wintzig milchram">Milchrahm</ingredient> - 1 TL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-004">
        <head>Gallert vom Schweinekopf mit Kalbsleber</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-004-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-004-trans">
          <p>Item wildu machen ain guten gal radt Zu ainem schbein kopf so nimm ain gute kalbs leber vnd seud sy gar wol vnd stoß sy wol yn einem mors= er vnd nym leczelttens genug dartzu vnd nim dartzu ein guetten wein vnd das sich nicht zu sawr werd vnd zeuch sy durch ein thuech vnd nym ein honig vnd nym sein ein maß darzu vnd gewurtz vnd gewurtz es gar wol ab mit guttem gewurtz vnd mach si nicht zw dick das sy an dem leffel ab gee vnd gilb sy ein wenig</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-004-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-004-orig">
          <p>Wenn du ein gutes Gallert zubereiten willst:</p>
          <p>Nimm zu einem Schweinekopf eine gute Kalbsleber. Siede die Leber sehr gut und stoße sie fein in einem Mörser. Gib genügend zerbröselten Lebkuchen dazu. Nimm dazu einen guten Wein, damit die Mischung nicht zu sauer wird, und ziehe alles durch ein Tuch.</p>
          <p>Nimm Honig und gib ein Maß davon hinzu. Würze es sehr gut mit guten Gewürzen. Mache es nicht zu dick, sodass es vom Löffel gleitet, und färbe es ein wenig gelb.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schbein kopf">Schweinekopf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kalbs leber">Kalbsleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leczelttens">Lebkuchen (zerbröselt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten wein">Wein (trocken, weiß)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guttem gewurtz">Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Safran (gemahlen)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-005">
        <head>Gepresster Schweinekopf in Gallert</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-005-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-005-trans">
          <p>Wildu machen ain presten schbein kopf So las In gar wol syeden vnd las In gar wol kalten vnnd claib dy pain gar schonn daruon vnd zeuch dy schbartenn herab vnd thue In auf ain anricht vnd hack In gar clain vnd gburcz In wol ab mit gutem gburcz wildu es gerne thun so machstu wol herte ayr darunter thuen So wirt es sam es vnter spick sey so nimm ain zbilichs thuech vnd leg dy schbarten darauff vnd nimm das geback vnd schlag es zw hauffen darauff vnd schlag das tuch zesam trag es In ainen keler vnd leg ain grossen stain darauff vnd preß in wol vnd wen du zw Essen wildt geben so schneidt es zw schnitlein vnd das dy galradt hais daran kem vnd gilb sein ain maß</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-005-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-005-orig">
          <p>Willst du einen gepressten Schweinekopf zubereiten, so lasse ihn sehr gut sieden und danach sehr gut erkalten. Löse die Knochen sehr schön davon und ziehe die Schwarte ab. Lege den Kopf auf eine Anrichte und hacke ihn sehr klein. Würze ihn gut ab mit guten Gewürzen. Wenn du es gerne tun möchtest, so kannst du gut hartgekochte Eier daruntergeben, damit es aussieht, als sei es gespickt.</p>
          <p>Nimm dann ein zweilagiges Tuch und lege die Schwarte darauf. Nimm das gehackte Fleisch und schlage es darauf zusammen. Schlage das Tuch zusammen, trage es in einen Keller und lege einen großen Stein darauf. Presse es gut. Wenn du es zum Essen geben willst, so schneide es in Schnitten. Die Gallerte soll heiß daran kommen und gelb sein, etwa ein Maß.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain presten schbein kopf">Schweinekopf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gutem gburcz">Gute Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="herte ayr">Hartgekochte Eier (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain zbilichs thuech">Zweilagiges Tuch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain grossen stain">Großer Stein (zum Pressen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy galradt">Gallerte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran (zum Färben)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-006">
        <head>Gekochte Feigen mit Gewürzsauce</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-006-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-006-trans">
          <p>Ein gemacht feigen so stoß ye vj feigen an ain spissel vnd mach der spissel so vil dw wild vnd secz es In ainen kessel oder In ainen hafen zw vnd geus gleich wasser vnd wein daran dar nach nimm prat vnd lezelten geriben vnd thue den In ain suppen von den feigen vnd honig vnd essig vnd streich das durch ain sib gburcz vnd ferb es vnd der wel das alles vnter ain an der vnd leg dy feigen in ain rains fas vnd geus das dar an wan du das an richtest so strae es mit sinbelen erbelten weinper vnd essig kalt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-006-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-006-orig">
          <p>Stecke jeweils sechs Feigen auf einen Spieß. Bereite so viele Spieße vor, wie du möchtest. Setze sie in einen Kessel oder einen Topf und gieße Wasser und Wein im gleichen Verhältnis hinzu.</p>
          <p>Nimm danach gebratenes Fleisch und geriebenen Lebkuchen. Gib dies in eine Suppe aus den Feigen, Honig und Essig. Streiche die Mischung durch ein Sieb, würze und färbe sie. Wer möchte, kann alles miteinander vermischen.</p>
          <p>Lege die Feigen in ein reines Gefäß und gieße die Sauce darüber. Wenn du das Gericht anrichtest, bestreue es mit prall aufgekochten, runden Weinbeeren (Rosinen) und Essig, kalt serviert.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vj feigen">Feigen</ingredient> - 6</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prat">Gebratenes Fleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lezelten geriben">Lebkuchen, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essig">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sinbelen erbelten weinper">Zerstoßene Weinbeeren</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-007">
        <head>Hechtpastete mit Mandeln und Reis</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-007-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-007-trans">
          <p>Ain pasteten von hechten Wildu machen pasteten von pachen hechten vnd von gestossem mandel vnd gestossem reisch wan du dem hecht pachest so leg in auf ain richt vnd thu dy grat al da von vnd den geschelten mandel stoß pesunder vnd den reyß pesunder vnd wan Es nu gesoten ist So stoß es als durch ein ander vnd misch es ab mit ainem pfenbart ober milch vnd mach es nit zw dun das es dennoch sey wie ain mus thue ain lat zucher auch darein mach es gelb salcz fein mas mach ain tag von rocken peutlaten melb prenn das mit hayssem wasser ab vnd will den wol das er hert werdt vnd mach ain kopf vnd thue dy ful dar ein vnd thue es In ain oflein las es pachen wart dar zw das es nit verpryne</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-007-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-007-orig">
          <p>Wenn du Pasteten von gebackenem Hecht und von gestoßenen Mandeln und gestoßenem Reis machen willst: Wenn du den Hecht backst, so lege ihn auf ein Brett und entferne alle Gräten davon. Die geschälten Mandeln stoße gesondert und den Reis gesondert. Und wenn das Hechtfleisch nun (nach dem Backen) gekocht ist, so stoße das Hechtfleisch mit Mandeln und Reis alles durcheinander und mische es mit einer Menge Dickmilch ab. Mache es nicht zu dünn, sodass es dennoch wie ein Mus ist. Gib ein Lot Zucker auch hinein. Färbe es gelb und salze es fein nach Maß.</p>
          <p>Mache einen Teig aus gesiebtem Roggenmehl. Brüh das Mehl mit heißem Wasser ab und knete den Teig gut, sodass er fest wird. Forme eine Pastetenhülle und gib die Füllung hinein. Schiebe es in ein Öflein und lass es backen. Achte darauf, dass es nicht verbrennt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hechten">Hecht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gestossem mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gestossem rei?sh reisch">Reis, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem pfenbart ober milch">Dickmilch</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain lat zucher">Zucker</ingredient> - 15 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz fein mas">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rocken peutlaten melb">Roggenmehl, gesiebt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hayssem wasser">Heißes Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mach es gelb">Safran (optional, zum Färben)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-008">
        <head>Gute Rindfleischpastete mit Geflügel</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-008-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-008-trans">
          <p>Ain guete pasteten von rintfley= sch wildu machen ain gute pasteten von rintfleisch so schneid magers rintfleisch clain vnd das daz dritel vnslit sey vnd dy zbaitail fleisch vnd nimm daruter fogel vnd tauben oder huner vnd misch es durch ein ander vnnd stup es wol ab vnd mach dy haffen aus rockem melb vnd vnd prue das mell mit hayssem wasser vnd thue dan dy ful In den hafen vnd mach pleter daruber vnd prich dan ain loch darein vnd scheus es dan In den ofen vnd las es wol pachen also machstu es wol machen mit guten vischen hastu des faisten nit So nimm putern an dy stat vnd schneid den visch vil grosser dan das rintfleisch vnd versalcz nit</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-008-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-008-orig">
          <p>Willst du eine gute Pastete von Rindfleisch machen, so schneide mageres Rindfleisch klein. Achte darauf, dass die gesamte Fleischmischung zu einem Drittel aus Talg und zu zwei Dritteln aus Fleisch besteht. Nimm dazu Vögel, Tauben oder Hühner.</p>
          <p>Mische alles gut durcheinander und stoße es fein zu einer Farce. Mache den Pastetentopf aus Roggenmehl und brühe das Mehl mit heißem Wasser an. Gib dann die Füllung in den Pastetentopf und mache Teigblätter darüber. Brich dann ein Loch hinein und schiebe es in den Ofen. Lasse es gut backen.</p>
          <p>So kannst du es auch gut mit Fisch zubereiten. Hast du kein Schmalz, so nimm Butter an dessen Stelle. Schneide den Fisch viel größer als das Rindfleisch und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="magers rintfleisch clain">Mageres Rindfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vnslit">Talg</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fogel vnd tauben oder huner">Geflügel (Vögel, Tauben oder Hühner)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rockem melb">Roggenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hayssem wasser">Wasser, heiß</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guten vischen">Fisch (optional, als Alternative)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="butern">Butter (optional, als Alternative zu Talg)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versalcz nit">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-009">
        <head>Brachvogel am Spieß mit Wacholderbeeren</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-009-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-009-trans">
          <p>Von prach vogel wie man dy machtt prach vogel soltu nemen vnd wasch dy schon vnd geus ain wein darauf oder essick auf dy kranbipir vnd wan sy erbaichen so stos sy dan In dy fogel mit gburcz vnd prat sy dan ann ainem spis</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-009-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-009-orig">
          <p>Nimm die Brachvögel und wasche sie sauber.  Gib Wein oder Essig über die Wacholderbeeren. Wenn die Beeren weich geworden sind, stopfe sie zusammen mit Gewürzen in die Vögel.  Brate die Vögel anschließend an einem Spieß.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prach vogel">Brachvogel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essick">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kranbipir">Wacholderbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-010">
        <head>Torte von Vögeln</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-010-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-010-trans">
          <p>Ain thur von vogel Nim geprut vogel vnd schlag ayr daruter pey xx vnd gehachten petersyl vnd mach ain topf von taig vnd nimm dem gute obry milch vnd geus sy mit den vogel vnnd mit den ayren mit den topf vnd ain smalcz auch darein vnd scheus In den ofen vnd lueg darzw das es nit verprin vnd gib es auf ain schussel</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-010-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-010-orig">
          <p>Nimm gebratenen Vogel und schlage etwa zwanzig Eier und gehackte Petersilie darunter. Mache einen Topf aus Teig. Nimm gute, fette Milch und gieße sie mit dem Vogel und den Eiern in den Teigtopf. Gib auch Schmalz hinein und schieb es in den Ofen. Achte darauf, dass es nicht verbrennt, und gib es auf eine Schüssel.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geprut vogel">Vogel (gebraten)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient> - 20</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gehachten petersyl">Petersilie (gehackt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="topf von taig">Mürbeteig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gute obry milch">Sahne oder Vollmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-011">
        <head>Gesottener Fisch mit Honig-Mandel-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-011-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-011-trans">
          <p>fisch Im schl= auch wie man dy machtt Nimm vnd seud visch vnd wan sy gesoten sindt so leg sy auf ain schussel vnd nimm dan honig vnd mandel vnd weinpir Erbels dan vnd geus vber dy fisch vnd stub es vnd gilbs vnd gib es dan hin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-011-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-011-orig">
          <p>Nimm Fisch und siede ihn. Wenn er gesotten ist, so lege ihn auf eine Schüssel.  Nimm dann Honig, Mandeln und Weinbeeren (Rosinen) und lass sie aufwallen. Gieße die Mischung über den Fisch, bestäube ihn mit Gewürzpulver und färbe ihn gelb. Serviere ihn dann.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fisch">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinpir">Weinbeeren (Rosinen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Erbels">Kleine getrocknete Früchte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Gewürzpulver (z.B. Ingwer, Zimt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-012">
        <head>Hühnertorte mit süßer Pfeffersauce</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-012-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-012-trans">
          <p>Ain thort von huenerenn wildu machen ain thurt von honeren so nimm ain wurflat semel vnd clopfty ayr vnd petersil vnd prych dy honern zu stuchen vnd thue es alles In dy ayr vnnd geus In ainen morser mit hayssem smalcz vnd pachs vnnd mach ain suess peferlein dar an vnd gib es dann</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-012-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-012-orig">
          <p>Wenn du eine Hühnertorte machen willst, so nimm geriebene Semmel, geschlagene Eier und Petersilie.</p>
          <p>Brich die Hühner in Stücke und gib alles zusammen in die Eier. Gieße es dann in einen Mörser (Backform) mit heißem Schmalz und backe es.</p>
          <p>Bereite dazu ein süßes Pfefferlein (eine süß-würzige Sauce) zu und serviere es dann.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy honern">Huhn</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain wurflat semel">Semmel, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="clopfty ayr">Eier, geschlagen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petersil">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hayssem smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="suess peferlein (implied)">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="suess peferlein (implied)">Zucker oder Honig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-013">
        <head>Gewürzte Schlehensülze</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-013-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-013-trans">
          <p>Wildw gesulczt schlehen machen So nimm schlehen vnd seud dy in wein vnd in wasser vnd schlag sy durch vnd nimm ain paty semel dy schlag auch durch vnd mach es dan ab mit wein vnd mit honig vnd mit gutem gburcz ymber mustat vnd neglein vnd das Inn der dick sey als ain galratt vnd sae dan schlehen darein vnd las kalt werden so pehelczt du sy wie lang du wild</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-013-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-013-orig">
          <p>Nimm Schlehen und siede sie in Wein und Wasser. Passiere die Schlehen dann durch ein Sieb. Nimm ein Stück Semmelbrot und passiere auch dieses.  Rühre die passierte Schlehenmasse mit Wein, Honig und guten Gewürzen ab: Ingwer, Muskatnuss und Nelken. Die Masse soll so dick sein wie eine Gallerte.  Setze dann (ganze) Schlehen hinein und lasse die Sülze kalt werden. So kannst du sie aufbewahren, so lange du willst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schlehen">Schlehen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain paty semel">Semmelbrösel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mustat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="neglein">Nelken</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-014">
        <head>Eigelbmus mit Wein und Semmel</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-014-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-014-trans">
          <p>Ain gmus ayr totteren So nimm darzw wel= hisch wein vnd ain wenig semel daruter vnd streich es durch ain tuch mit ein ander vnd thue darein zucher hastu das zucher nicht so nimm honig an dy stat vnd thue es in ain klain hefen vnd setz es auf ain kol vnd rur es fir sichtae als pald es dick werd so heb es har ab vnd versaltz nicht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-014-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-014-orig">
          <p>Nimm dazu welschen Wein und ein wenig Semmelbrösel. Streiche die Mischung zusammen durch ein Tuch. Gib Zucker hinein; hast du keinen Zucker, so nimm Honig an dessen Stelle.</p>
          <p>Gib die Masse in ein kleines Töpfchen und setze es auf glühende Kohlen. Rühre es stetig, bis es dick wird. Dann nimm es herunter und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr totteren">Eigelb</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wel= hisch wein">Welscher Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain wenig semel">Semmelbrösel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucher">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-015">
        <head>Sülze von Kalbsfüßen</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-015-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-015-trans">
          <p>Wildu haben geyslicz von fuessenn wildu machen geischlicz von kelber fuessen seud si wol in wein wenn si versoten sein so thue sy auß der prue vnd stos sy klain in ainem morser vnd streich sy mit der prue durch vnd thue dar ein ein guet honig vnd gut gewurtz darein vnd las es wider syeden vnd faims schon vnd geus es dann auf ain klaine pfannen vnd las es sten pis es hert werd vnd thu es dann wider vber den hert vnd zuck es pald her vnder ab slach es auf ain panck so sneidt dw es wie dw wild vnd versaltz nicht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-015-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-015-orig">
          <p>Willst du eine Sülze von Kalbsfüßen zubereiten, so koche die Kalbsfüße gut in Wein. Wenn sie gar gekocht sind, nimm sie aus der Brühe und stoße sie klein in einem Mörser. Streiche sie dann mit der Brühe durch ein Tuch.</p>
          <p>Gib einen guten Honig und gute Gewürze hinzu und lass es erneut sieden. Schäume es schön ab und gieße es dann auf eine kleine Pfanne. Lass es stehen, bis es fest wird.</p>
          <p>Nimm es dann wieder über die Hitze und ziehe es schnell wieder herunter. Schlage es auf eine Bank, dann schneide es, wie du willst, und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kelber fuessen">Kalbsfüße</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gut gewurtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-016">
        <head>Gefüllte Morcheln, sülze-artig zubereitet</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-016-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-016-trans">
          <p>gesultz maurochen wildw machen gesultzt maurochen so full die maurochen mit ainer guten full von ayren vnd stoß sy dann an ein spislein vnd prat sy schon vnd dye prue dar autz vnd mach es</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-016-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-016-orig">
          <p>Willst du sülze-artig zubereitete Morcheln machen, so fülle die Morcheln mit einer guten Füllung aus Eiern. Dann stecke sie an ein Spießchen und brate sie schön. Die Brühe, die dabei entsteht, nimm daraus und richte es an.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="maurochen">Morcheln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayren">Eier</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-017">
        <head>Guter Senf</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-017-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-017-trans">
          <p>zw ainem guetem senft So nimm senft samenn vnd den sauber vnd stos den in ainem morser gar clain vnd reib es dann durchs ain tuch vnd stoß zimad plud vnd misch es vntter den senft vnd czwir es mit honig sam fast vntter ain an der recht als der wachs pir vnd wenn du wild so nim des selbygen ain wenig vnd ze treib es mit wein so hastu gueten senft</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-017-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-017-orig">
          <p>Für einen guten Senf:</p>
          <p>Nimm Senfsaat und reinige sie. Stoße sie in einem Mörser sehr fein und reibe sie dann durch ein Tuch. Stoße Zimtblüten fein und mische sie unter den Senf. Knete dies mit Honig, sodass es fast so fest wird wie Wachs.</p>
          <p>Wenn du möchtest, nimm etwas von diesem Senf und verrühre ihn mit Wein, so hast du einen guten Senf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="senft samenn">Senfsaat</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zimad plud">Zimtblüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-018">
        <head>Mandel-‚Spiegeleier' mit Hausen (Fasten-Illusion)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-018-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-018-trans">
          <p>Ain aye im smaltz von mandel Willdu machen ayr im smaltz von mandel so stoß den mandel klain in ainem morsar vnd streich in dick durch mit wasser vnd nim in dan in ain pfannen vnd sewd in das er dichk werd als ain mus vnd nym dan den vaysten hausen vnd sneid in wurflot vnd feisth smalcz vnd rost es in ainem pfandlein als ain sweinen speck hab dy griebe harr aus vnd leg den mandel in das smalcz vnd prait in mit ainem loffel auß ain ander vnd nim dan ain saffran vnd augen darauf recht sam dy ayr totter vnd stos dy grue ben zbischen das weys In dy toter vnd sae zucher darauf als vil dw wellest vnd halt es pey der wirmm vncz das dus wellest an richten so hastu ain gut ayr Im smalcz von mandel</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-018-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-018-orig">
          <p>Willst du Eier im Mandelschmalz zubereiten, so stoße die Mandeln sehr fein in einem Mörser und streiche sie dick mit Wasser durch. Nimm das Mandelmus dann in eine Pfanne und siede es, bis es dick wie ein Mus wird.  Nimm dann den fetten Hausen (Stör) und schneide ihn würfelartig. Brate ihn mit Schmalz in einem Pfännchen wie Schweinespeck. Nimm die Grieben heraus und lege das Mandelmus in das Schmalz. Breche es mit einem Löffel auseinander und gib dann Safran darauf, sodass es aussieht wie Eigelb.  Lege die Fischgrieben zwischen das ‚Eiweiß' und auf das ‚Eigelb'. Bestreue es mit so viel Zucker, wie du möchtest, und halte es warm, bis du es anrichten willst. So hast du ein gutes Gericht mit Eiern im Mandelschmalz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den vaysten hausen">Hecht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="feisth smalcz">Pflanzenfett</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucher">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-019">
        <head>Gewürzter Brotaufstrich mit Honig und Wein</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-019-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-019-trans">
          <p>Von ainem gmachtenn rautt wildu machen zw ainem gmachten kraut So nim zbayr tayll wein vnd ain tail honig vnd nim ge= riben letzelten als vil sein pedorfft vnd streich es mit ein ander durch vnd nim welischen kum vnd stos den vnd fa in duech ain pfefer syb vnd amnas vnd mach dy prue damit ab</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-019-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-019-orig">
          <p>Willst du einen gemachten Brotaufstrich zubereiten, so nimm zwei Teile Wein und einen Teil Honig. Nimm geriebenen Lebkuchen, so viel du benötigst, und streiche es miteinander durch. Nimm welschen Kümmel und stoße ihn. Gib ihn in ein Tuch, wie ein Pfeffersieb, und auch Anis. Damit kläre die Brühe ab.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zbayr tayll wein">Wein</ingredient> - 2 l</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain tail honig">Honig</ingredient> - 1 l</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geriben letzelten">Lebkuchen, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="welischen kum">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfefer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="amnas">Anis</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-020">
        <head>Leber-Sülze vom Spanferkel</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-020-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-020-trans">
          <p>Von ainer spensaw ain leberr sulcz wildu machen ain spensaw in ain leberr sultz so nym zway tail wein vnd ain tayl wasser vnd seud dy spansaw vnd ain kelber leber da pey vnd wan es nu gesotten sey so seich dy prue ab vnd stos dy leber in ainen morser vnd nim ain pate semel vnd ain fier ayr toter vnd thu es auch vnder dy leibern vnd streid es mit der prue durch do sy in gesotten synd vnd nyn es in ain pfann vnd er wel es vnd mach es mit saffran vnd mit guetten gewurtz vnd geutz es dan vber dy spensaw ? wen dw es legst in ain schusel oder in ain kar</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-020-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-020-orig">
          <p>Willst du ein Spanferkel in einer Leber-Sülze zubereiten, so nimm zwei Teile Wein und einen Teil Wasser. Koche das Spanferkel und eine Kalbsleber darin.  Wenn es gar gekocht ist, seihe die Brühe ab. Stoße die Leber in einem Mörser fein. Nimm ein Stück Semmel und vier Eigelb und gib es ebenfalls zur Leber. Rühre es mit der Brühe durch, in der sie gekocht wurden.  Gib die Masse in eine Pfanne und lass sie aufwallen. Färbe sie mit Safran und würze sie mit guten Gewürzen. Gieße sie dann über das Spanferkel, wenn du es in eine Schüssel oder auf eine Platte legst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zway tail wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain tayl wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy spansaw">Spanferkel (Spensaw)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain kelber leber">Kalbsleber</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain pate semel">Semmel</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain fier ayr toter">Eigelb</ingredient> - 4</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetten gewurtz">Gute Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-021">
        <head>Gefüllte Schweinefleisch-Pastete im Darm</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-021-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-021-trans">
          <p>Wildu machen ain gitty passtetten wildu machen ain gut pasteten so nym ain hammen von ainem prue vleisch vnd sewd sy wann sy nun gesotten ist so thue die pain da von vnd hack es klain vnd nym ayr totter vnd nim geriben kes darunter vnd ha= ck es clain durch ain ander vnd schneidt speck clain wurflat daruter vnd thue darunter kum vnd wildu sy ko= stlich haben so streich mustat daruter vnd nim dar ainen schbeinen darmm vnd ful darein vnd prat sy dan schon mach dar zw ain salsen dy sol gemacht sein von mandel vnd von wein von Imber vnd gib es dan hin weck</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-021-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-021-orig">
          <p>Willst du eine gute Pastete machen, so nimm eine Hamme von einem Brühe-Fleisch und siede sie. Wenn sie nun gesotten ist, so entferne die Knochen davon und hacke das Fleisch klein.</p>
          <p>Nimm Eigelb und geriebenen Käse dazu und hacke alles gut durcheinander. Schneide Speck klein und würfle ihn darunter. Gib auch Kümmel hinzu. Willst du die Pastete besonders köstlich haben, so streiche Muskatnuss darunter.</p>
          <p>Nimm dann einen Schweinedarm und fülle die Masse hinein. Brate sie dann schön. Mache dazu eine Sauce, die aus Mandeln, Wein und Ingwer zubereitet werden soll, und serviere sie dann.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain hammen von ainem prue vleisch">Schweineschulter (für Brühe)</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr totter">Eigelb</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geriben kes">Käse, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck clain wurflat">Speck, gewürfelt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kum">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mustat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schbeinen darmm">Schweinedarm</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Imber">Ingwer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-022">
        <head>Wachtelmus mit Fenchel und Käse</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-022-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-022-trans">
          <p>Wildu mach en ain guten wachtel prein So nimm fenchel vnd seud den in ainer gutem fleisch prue vnd wan er gesoten ist so reib in clain vnd guten kes darunter vnd richt es dan ann vnd mitten thue ain smalcz darein vnd leg dan dy praten wachtel darauff vnd steck dy leber auf den prein vnd gib es dan hin weck vnd versalcz nicht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-022-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-022-orig">
          <p>Willst du einen guten Wachtelbrei zubereiten:</p>
          <p>Nimm Fenchel und siede ihn in einer guten Fleischbrühe. Wenn er gar gekocht ist, reibe ihn fein und mische guten Käse darunter.</p>
          <p>Richte das Mus dann an und gib in die Mitte etwas Schmalz hinein. Lege dann die gebratenen Wachteln darauf und stecke die Leber auf den Brei. Serviere es dann und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fenchel">Fenchel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fleisch prue">Fleischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guten kes">Käse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="praten wachtel">Wachteln, gebraten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy leber">Wachtelleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versalcz nicht">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-023">
        <head>Wermut-Ziegenmilch gegen Drüsenleiden</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-023-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-023-trans">
          <p>Wildu machen ain edel getranck das dir kain drues in ainem Iar nit wirt vnd das kain aiter nit geschaden mag so nym wermut vnd sewd sy In gaismilch wenn sy gesotten ist so seig sy durch durch ein thuech vnd stupp es dann aus so pistu sicher das gantz Iar vor dem trusen vnd von den eytter</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-023-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-023-orig">
          <p>Willst du ein edles Getränk zubereiten, das dir ein ganzes Jahr lang kein Drüsenleiden beschert und dich vor Eiter schützt: Nimm Wermut und siede ihn in Ziegenmilch. Wenn er gesotten ist, seihe ihn durch ein Tuch. Drücke dann die Flüssigkeit aus dem Tuch. So bist du das ganze Jahr sicher vor Drüsenleiden und Eiter.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wermut">Wermut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gaismilch">Ziegenmilch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-024">
        <head>Ein einfaches Krautgericht</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-024-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-024-trans">
          <p>wildu machen ein gemachs kraut so seud weyse haubt vnd nym dann zway tail senfft vnd das dritt honig vnd das selb mach durch ein ander mit wein vnd thue dar ein kumel vnd anneys des thue genug darein vnd leg dann das gesotter kraut dar ein vnd gib es kalt also hin weg versaltz nicht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-024-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-024-orig">
          <p>Willst du ein Krautgericht zubereiten: Siede einen weißen Kohlkopf. Nimm dann zwei Teile Senf und ein Drittel Honig und vermische dies miteinander mit Wein. Gib Kümmel und Anis hinzu, davon gib reichlich hinein. Lege dann das gesottene Kraut in diese Mischung und serviere es kalt. Versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weyße haubt">Weißkohlkopf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="senfft">Senf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kumel">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="anneys">Anis</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-025">
        <head>Gebackene Eierkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-025-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-025-trans">
          <p>wildu machen gut ayer kochen so nym semel mer vnd thue das in ein kol vnd slach ayr dar ein vnd rur es mit einem loffel so dw dickst macht saltz es zu maß vnd scheus es dan in den offen als greß als dye feyst das werden dann gutt ayer kucher</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-025-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-025-orig">
          <p>Willst du gute Eierkuchen zubereiten, so nimm geriebene Semmel und gib sie in eine Schüssel. Schlage Eier hinein und rühre es mit einem Löffel, bis es so dick ist, wie du es haben möchtest. Salze es nach Geschmack und schiebe es dann in den Ofen. Backe sie so groß wie eine Faust. Das werden dann gute Eierkuchen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semel mer">Geriebene Semmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-026">
        <head>Eilose Mandel-Wein-Suppe (Karfreitag)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-026-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-026-trans">
          <p>Wildu machen ein gut ayer prue von mandel vnd wein so stos den mandel klain vnd streich in mit wein durch vnd thue dar ein imber vnd ein wintzig durer fyisch prue dar vnder ob dw der visch prue nit enhast so geus ein wintzig wasers dar vnder mach es gelb vnd wan du es an richst so sneid dar ein gepad semel wurflat das magst du geben am karfreitag furr ain suppen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-026-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-026-orig">
          <p>Willst du eine gute Eierbrühe aus Mandeln und Wein zubereiten, dann stoße die Mandeln fein und passiere sie mit Wein. Gib Ingwer und ein wenig eingekochte Fischbrühe hinzu. Falls du die Fischbrühe nicht hast, so gieße ein wenig Wasser darunter. Färbe die Suppe gelb. Wenn du sie anrichtest, schneide gebackene, geriebene Semmel hinein. Dies kannst du am Karfreitag als Suppe reichen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="imber">Ingwer, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fyisch prue">Fischbrühe, konzentriert</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasers">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(mach es gelb)">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gepad semel wurflat">Semmel, geröstet und gewürfelt</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-027">
        <head>Gefüllte Eier mit gebratener Dottermasse</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-027-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-027-trans">
          <p>Wildu machen kroß ayr Wildu machen kros ayr so seudt dy ayr das dy ayr waich pleiben vnd mach dan ain scheiblat loch In dy spiczen hin ein vnd thue den tot= eren her auß das das weiß in der schalen peleibe vnd hack petersil klain vnd leg in in einem reibstain vnd reib dy toterr dar vnder vnd thue dann ein smaltz in ein pfannen vnd rur es durch ein ander pis es sein gnug gewint vnd mach es zu hert ab dem fewer vnd ful es dann wider vnder in dy schalen hin neyn vnd sewd sy in einer fleisch ob es wer ain fastag so seuds In wasser vnd las sy fert weren schel sy dan schon ab also mach sy In ain guety prue vnd gib es also hin weg vnd auch magstu sy gancz wol rosten In ainem smalcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-027-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-027-orig">
          <p>Willst du knusprige Eier zubereiten, so siede die Eier, sodass sie weich bleiben. Mache dann ein kleines, scheibenförmiges Loch in die Spitze der Eier und nimm die Dotter heraus, sodass das Eiweiß in den Schalen bleibt. Hacke Petersilie klein und gib sie in einen Mörser. Reibe die Dottermasse darunter und gib dann Schmalz in eine Pfanne. Rühre die Masse durcheinander, bis sie die gewünschte Festigkeit annimmt, und nimm sie vom Feuer, sobald sie fest geworden ist. Fülle die Masse dann wieder in die Eierschalen zurück.</p>
          <p>Koche die gefüllten Eier (in den Schalen) in Fleischbrühe; falls es ein Fasttag ist, koche sie in Wasser. Lasse sie gar werden und schäle sie dann sauber ab. Richte sie dann in einer guten Brühe an und serviere sie. Du kannst sie auch ganz gut in Schmalz braten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petersil">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fleisch">Fleischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prue">Brühe</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-028">
        <head>Gepresstes Kalb mit Gewürzbrühe</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-028-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-028-trans">
          <p>Wildu machen ain pres von ainem kalb so prue das kalb schon sam ain saw vnd zeuch im dy haut ab vnd schlag es dan zw stuchen vnd seud es schon vnd las dy haut auch wol syeden daruter vnd wan Es gesoten ist So hack das fleisch klain peffer vnd stupt gnug darunter vnd thue Es dan In ain kessel vnd vnd heb es vber ain feur vnd geus ain winczigs prue daran vnd nim dan ain tuch vnd leg ain tail der heut vnd thue dan das geheck darauff vnd streich dan dy haut vmb vnd vmb daran vnd schlag dan das tuch bol darumb vnd leg dan ain prest darauff vnd mach ain guty prue von gepeter semel vnd von honig vnd von guetem wein das heb dann vbers fewr mit ein ander vnd laß es sieden vnd streich es dann durch ain thuch vnd mach es ab mit gutem gestup vnd las dan dy prue kalt werden vnd schneid dann dy prest darein also mach sy auch von kolß kopfen dy sein gar gut dar zu wen man wild schweins kopf hat wais man wol wie man dy machen sol</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-028-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-028-orig">
          <p>Willst du ein Pres von einem Kalb zubereiten?</p>
          <p>Brühe das Kalb gründlich, wie man ein Schwein brüht, und ziehe ihm die Haut ab. Zerlege es dann in Stücke und siede es gut. Lass die Haut auch gut mitsieden. Wenn das Fleisch gar ist, hacke es klein, pfeffere es und gib genügend gestampfte Gewürze hinzu.</p>
          <p>Gib das Gehackte dann in einen Kessel und stelle ihn über ein Feuer. Gieße ein wenig Brühe daran. Nimm dann ein Tuch und lege einen Teil der Häute darauf. Gib dann das Gehackte darauf und streiche die Haut ringsherum daran. Schlage das Tuch fest darum und lege dann ein Gewicht darauf.</p>
          <p>Bereite eine gute Brühe aus geriebener Semmel, Honig und gutem Wein zu. Hebe dies dann gemeinsam über das Feuer und lass es sieden. Streiche es dann durch ein Tuch und schmecke es mit gutem gestampften Gewürz ab. Lass dann die Brühe kalt werden und schneide das Pres hinein. So mache es auch von Kalbsköpfen, die sind sehr gut dazu. Wenn man Wildschweinsköpfe hat, weiß man wohl, wie man diese zubereiten soll.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem kalb">Kalb</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy haut">Kalbs-Haut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="peffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stupt / gutem gestup">Gestupfte Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain winczigs prue / ain guty prue">Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gepeter semel">Semmel, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guetem wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kolß kopfen">Kalbsköpfe (alternativ)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wild schweins kopf">Wildschweinskopf (alternativ)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-029">
        <head>Holunderblüten-Milchmus</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-029-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-029-trans">
          <p>von holer mus me rck so du holer mus wild machen von holer so nym die plue von dem holer vnd leg dy in ain milich vnd las sy ain guty weill dar yn ligen so seich dy milich durch ain thuch vnd secz sy zw ainem fewr vnd wir das es nicht grein vnd slach wer ayr vnd thue dar ein faist es vnd gut gewurtz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-029-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-029-orig">
          <p>Wenn du Holunderblüten-Mus machen willst, nimm die Blüten vom Holunder und lege sie in Milch. Lass sie eine gute Weile darin liegen.</p>
          <p>Seihe dann die Milch durch ein Tuch und setze sie auf ein Feuer. Rühre, damit sie nicht gerinnt. Schlage ein paar Eier und gib Fett und gute Gewürze hinzu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die plue von dem holer">Holunderblüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain milich">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wer ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="faist es">Fett</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gut gewurtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-030">
        <head>Mandelmus aus Reismehl</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-030-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-030-trans">
          <p>Von mandel mus merck nym reisch vnd wasch den aus sier wasseren vnd nym vnd trucken in in ain schussel oder auf ainem thuch an der sunen wan es dann trucken worden ist so stos in ainem morser klain vnd fa es durch ain thuech oder sib so nim vnd mach ain dick mandel milich vnd setz dy zw dem fewr vnd thue das gestossen reisch mal dar ein wol gegen ainen halben loffel vnd zucker</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-030-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-030-orig">
          <p>Nimm Reis und wasche ihn in mehreren Wassern aus. Nimm ihn dann und trockne ihn in einer Schüssel oder auf einem Tuch in der Sonne. Wenn er dann trocken geworden ist, zerstoße ihn in einem Mörser fein und siebe ihn durch ein Tuch oder Sieb.</p>
          <p>Dann nimm und mache eine dicke Mandelmilch und setze diese ans Feuer. Gib das zerstoßene Reismehl, etwa einen halben Löffel voll, hinzu und süße mit Zucker.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="reisch">Reis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel milich">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gestossen reisch mal">Reismehl</ingredient> - 0.5 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-031">
        <head>Apfelmus auf Fleisch- oder Fastentag</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-031-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-031-trans">
          <p>von opfel mus merck ain essen du solt nemen vnd schel dy opfel vnd leg sy in ain kopf vnd geus ze hant faistes dar an vnd las das also sieden vnd nym vnd twir es vnd slach ayr dar an gewurtz es auf der schusel das schol man essen an ainem fleischtag Awer an ainen fistag so reib prot dar= vnder an der ayr stat das mus machst du machen von lytten oder von pyrn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-031-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-031-orig">
          <p>Nimm die Äpfel, schäle sie und gib sie in einen Topf. Gieße sofort Fett hinzu und lasse das Ganze sieden. Nimm es dann und rühre es um, schlage Eier hinein und würze es auf der Schüssel. Dies soll man an einem Fleischtag essen.</p>
          <p>An einem Fastentag reibe stattdessen Brot darunter, anstelle der Eier. Dieses Mus kannst du auch aus Pflaumen oder Birnen zubereiten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="opfel">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="faistes">Fett</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prot">Brot, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lytten">Pflaumen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pyrn">Birnen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-032">
        <head>Morcheln oder Erbsen in Zimtinfusion (Topanicz)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-032-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-032-trans">
          <p>von maurochen merck wy topanicz An dy maurochen sol machen so nimm Nym zinetan vnd vnd seudt den woll vnd seng In durch ain tuch oder du= ch ain sib So nims vnd thu puttern vnd saffran darann vnd pegeus da mit gerostem semelen Item von arbais ma= cht man auch topanicz als du schol darzw thun saffran vnd kum</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-032-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-032-orig">
          <p>Für die Morcheln: Nimm Zimtinfusion, koche sie gut auf und seihe sie durch ein Tuch oder ein Sieb. Gib dann Butter und Safran hinzu und begieße damit die Morcheln über gerösteten Semmelscheiben.</p>
          <p>Erbsen-Variante: Ebenso macht man Topanicz aus Erbsen; dazu gibt man Safran und Kümmel.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="maurochen">Morcheln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zinetan">Zimtinfusion (Zimtsud)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="puttern">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safranfäden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gerostem semelen">Geröstete Semmelbrösel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="arbais">Erbsen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kum">Kümmel</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-033">
        <head>Fleischmus vom Schweinebauch</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-033-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-033-trans">
          <p>Von fleischs mus So nim ain schbeinen fleisch ander wust ob dem pauch vnd las das wol sieden so das schir wil lassen von der haut so thu dye haut dauon vnd hack es clain als ain lungmus so leg es wider In dy selbig ieuch vnd zbir es mit ainem wennig semel vnd pfeffers vnd machs feust also ma= ch lungen mus vnd andre fleisch mus</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-033-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-033-orig">
          <p>Nimm ein Stück Schweinefleisch vom Bauch und lass es gut sieden, bis es sich fast von der Haut lösen will. Dann entferne die Haut und hacke das Fleisch klein, wie ein Lungenmus.</p>
          <p>Gib es wieder in dieselbe Brühe und vermische es mit ein wenig geriebener Semmel und Pfeffer. Mache es fest, so wie man Lungenmus und andere Fleischmuse zubereitet.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain schbeinen fleisch ander wust ob dem pauch">Schweinefleisch vom Bauch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dye haut">Haut vom Schweinefleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy selbig ieuch">Kochbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem wennig semel">Semmel, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffers">Pfeffer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-034">
        <head>Gekochte Krebsenschwänze mit Essig und Gewürz</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-034-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-034-trans">
          <p>Von kreus sen zegel merck du solt nemen kreussen vnd seudt dy vnd schel in dye zegel wan sy gesoten sind So leg sy In ain reindlein vnd geus daran gburcz vnd essig</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-034-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-034-orig">
          <p>Nimm Krebse und siede sie. Wenn sie gar gekocht sind, dann schäle ihre Schwänze. Lege die geschälten Schwänze in ein kleines Gefäß und gieße Gewürz und Essig darüber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kreussen">Krebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essig">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-035">
        <head>Wildschweinmus mit Honig und Lebkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-035-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-035-trans">
          <p>Ain gmus von schbeynen wilpratt Wildu machen ain gmus von schbeinen wilprat so nim halbs magers vnd halbs faist vnd hack es klain durch ein ander vnd mach ain pfefer sam zw wilprat nym honig vnd lezeltten vnd mach den pfefer das duner vnd wan er geseudt So thw da honig darein vnd den lezelten vnd gburcz es ab mit gutem gburcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-035-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-035-orig">
          <p>Willst du ein Mus von Schweinewildbret zubereiten, so nimm halb mageres und halb fettes Fleisch und hacke es klein durcheinander.</p>
          <p>Bereite eine Pfeffersauce zu, wie man sie zu Wildbret macht. Nimm Honig und Lebkuchen und mache die Pfeffersauce dünner. Und wenn sie gesotten ist, so gib Honig und den Lebkuchen hinein und würze sie mit gutem Gewürz ab.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schbeynen wilpratt / schbeinen wilprat">Wildschweinfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lezeltten">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gutem gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-036">
        <head>Birnen-Mandel-Konfekt</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-036-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-036-trans">
          <p>Zu guten piren Nym welhische weinpir vnd sauber Sy Rain vnd stoß sy In ainem morser so nimm geschelten mandel vnd stos sy da mit vnd misch dar zu ymbir vnd zucker so das gatan sey so welig es in der hant das es geschaffen werd als pren vnd stos dan die mandel kerne vnden darein sam dye stingel</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-036-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-036-orig">
          <p>Nimm welsche Weinbirnen und reinige sie gründlich. Stoße sie dann in einem Mörser. Nimm geschälte Mandeln und stoße sie ebenfalls darin. Mische Ingwer und Zucker dazu. Wenn das geschehen ist, wälze die Masse in der Hand und forme daraus kleine Birnen. Stecke dann unten ganze Mandelkerne hinein, die wie Stiele aussehen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="welhische weinpir">Welsche Weinbirnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geschelten mandel">Mandeln, geschält</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymbier">Ingwer, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel kerne">Mandeln, ganz (zum Dekorieren)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-037">
        <head>Gebratene Brandteig-Fritter</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-037-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-037-trans">
          <p>Ain prantz gepachen Nym ain Sieduncz ge wasser vnd wirf ain mell darein vnd zereib das wol doch das es pey der dick peleib So nimm vier ayr darein vnd misch das woll vnd streich den taig mit ainem loffel aus den andren In dy pfannen mit smalcz wan das gepach so strae ain guten zucher darauff</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-037-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-037-orig">
          <p>Nimm gekochtes Wasser und gib Mehl hinein. Verrühre das gut, sodass es dickflüssig bleibt. Dann gib vier Eier hinein und mische das gut. Streiche den Teig mit einem Löffel portionsweise in die Pfanne mit Schmalz. Wenn das Gebäck gebraten ist, so streue reichlich Zucker darauf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Sieduncz ge wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mell">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vier ayr">Eier</ingredient> - 4</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucher">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-038">
        <head>Käse-Speck-Gebäck aus der Pfanne</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-038-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-038-trans">
          <p>Ain gut pachen von kes So nimm herten kes vnd reib den wol vnd schlag ayr daran vnd hack ain wenig speck vnd ain wenig melbs das alles misch vnter ein ander vnd streich es vnter ein ander In dy pfannen wan es gepach so strae zucher darauff</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-038-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-038-orig">
          <p>Nimm harten Käse und reibe ihn gut. Schlage Eier daran und hacke ein wenig Speck dazu sowie ein wenig Mehl. Mische alles gut untereinander und streiche es in die Pfanne. Wenn es gebacken ist, streue Zucker darüber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="herten kes">Hartkäse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="melbs">Semmelmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucher">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-039">
        <head>Ein gutes Kernmus</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-039-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-039-trans">
          <p>Ain gut kernen mus wildu machen kernen mus So nim mandel vnd weinper darzw vnd thue zucher genueg darein so wirt das mus gut vnd nimm salcz gnug</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-039-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-039-orig">
          <p>Willst du Kernmus zubereiten, so nimm Mandeln und Weinbeeren dazu. Gib genügend Zucker hinein, so wird das Mus gut. Und nimm genügend Salz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucher genueg">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz gnug">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-040">
        <head>Schwarzes Fruchtmus mit Lebkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-040-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-040-trans">
          <p>Ain gucz schbarcz mus von ainem andren heb wir ann wer schbarcz gemus well han nem weinper dar zw vnd opfel vnd pirnen dy mustu an dy farb thun das kompt von pray ten lezelten vnd must zucher vnd honig dar zw haben vnd must guten wein haben vnd gewurch auch darann vnd salcz sein mas So machstu es wol machen das mus praun oder schbarcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-040-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-040-orig">
          <p>Ein gutes schwarzes Mus von einem anderen Rezept. Beginnen wir damit: Wer ein schwarzes Mus haben möchte, nimm Weinbeeren, Äpfel und Birnen dazu.</p>
          <p>Diese musst du färben. Die Farbe kommt von gebratenen Lebkuchen. Du musst auch Zucker und Honig dazugeben und guten Wein verwenden.</p>
          <p>Würze es ebenfalls und salze es nach deinem Maß. So kannst du es gut zubereiten, sodass das Mus braun oder schwarz wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weinper">Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="opfel">Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pirnen">Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pray ten lezelten">Gebratene Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucher">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guten wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurch">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-041">
        <head>Fischsülze</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-041-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-041-trans">
          <p>Ain sulcz von vischenn Nym wasser vnd essick gleich vnd seudt visch darin vnd wircz vnd farbs vnd geus kalt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-041-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-041-orig">
          <p>Nimm Wasser und Essig zu gleichen Teilen. Koche Fisch darin. Würze und färbe es, dann gieße die Flüssigkeit kalt auf den Fisch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essick">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wircz">Gewürze (nach Geschmack)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="farbs">Färbemittel (z.B. Safran, Sandelholz)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-042">
        <head>Mandelkäse</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-042-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-042-trans">
          <p>Von mandel ain gmus das las wir nu stann von mandel gmus wel wir iner han man mus machen ain mandel= käs vnd wan dy milch Nu gesoten ist so thu sy auf ain schussel das scheiblich sey In der schussel ste vnd geus mus milch dy mustu mit zucher machen gut wildu nu den kas haben so pesteck den kas mit nus kernen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-042-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-042-orig">
          <p>Vom Mandelmus: Daraus macht man einen Mandelkäse. Setze eine Mandelmilch an, die du gut mit Zucker süßt, und koche sie auf. Wenn die Milch gekocht ist, gieße sie auf eine Schüssel, sodass sie dort scheibenförmig erstarrt. Übergieße sie dann mit einer gezuckerten Mandelmilch. Willst du den Käse anrichten, so bestecke ihn mit Nusskernen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel gmus">Mandelmus</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucher">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nus kernen">Nusskerne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milch">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-043">
        <head>Gebratene Milch (gebackener Eierkäse vom Rost)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-043-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-043-trans">
          <p>Ain gepraten milch Nym milch vnd ayr gleich vnd dy clopf fast vnter ein ander vnd thue saffrann darein vnd thue es dan In ain hefen vnd secz es dan In ain siedent wasser In ain kessel also das das wasser In dem hafen nicht vber ge vnd las darin sieden vncz das es gestock darnach schut es auff ain weystuch vnd peschber dann das wasser dauon seich so wirt es hirt als ain kas darnach schneid es als ain Sniten vnd stoß es an Ainen spis vnd pracz auff ainem rast vnd thue gbuecz darauf vnnd pegeus mit smalcz vnd gib es zw essen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-043-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-043-orig">
          <p>Nimm Milch und Eier zu gleichen Teilen und schlage sie kräftig untereinander. Gib Safran hinein und fülle die Mischung dann in einen Topf. Setze diesen Topf in siedendes Wasser in einem größeren Kessel, sodass das Wasser im Kessel nicht in den Topf überläuft.</p>
          <p>Lass die Mischung darin sieden, bis sie gestockt ist. Danach schütte sie auf ein weißes Tuch und beschwere sie, damit das Wasser vollständig abläuft. So wird die Masse hart wie ein Käse.</p>
          <p>Danach schneide sie in Scheiben und stecke sie auf einen Spieß. Brate sie auf einem Rost und gib Gewürz darauf. Begieße sie mit Schmalz und serviere sie zum Essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milch">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffrann">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gbuecz">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-044">
        <head>Krebsmus</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-044-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-044-trans">
          <p>Ain kreussenn mus So nimm krebsenn vnd schneid das pos zw den augenn dauon vnd stos das ander In ainen morser vnd zetreib das Inn ainer milch durch ain sib vnd reib aine semel darzw vnnd schlag dy durch ain ander schlag ayr toter darzw vnd mach ain mus daraus In ainer pfannen das wirt rott</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-044-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-044-orig">
          <p>Nimm Krebse und schneide die ungenießbaren Teile bei den Augen ab. Stoße den Rest in einem Mörser und zerreibe ihn mit Milch durch ein Sieb. Reibe eine Semmel dazu und schlage alles durcheinander. Schlage Eigelb dazu und mache daraus ein Mus in einer Pfanne; das wird rot.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="krebsenn">Krebse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milch">Milch</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="aine semel">Semmel</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr toter">Eigelb</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-045">
        <head>Klare Fischsülze mit Blüten</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-045-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-045-trans">
          <p>Wie man ain clari sulcz macht Wildu machen ain clary sulcz So nimm nessel wurcz ain gute hant vol vnd wasch sy gar schon vnd geus ain virtel wasser darzw vnd las zbo stund sydenn vnd las ain orr oder zbo kalt werdenn vnd nimm dann visch vnd perait sy sauber vnd wasch voran hin vnd stupt sy schon vnd wirf sy In ain wasser vnd In wein vnd In essig das ains so vil sey als des andren dan des wasser sol minder sein vnd wirf dy fisch darein vnd wasch sy sauber vnd nym dy selbig prue vnd streuch sy durch vnd nym dann das nessel waser zu der prue ein wenig zw hilf das ains als vil werdt als des andren das macht ain clar hab vber das ander feur wan es warmm wil werden So wirt es oben trueb vnd thue das trueb als oben herab pis das der wol Ergett das es miner trueb sey so wirt Es schomme vnd wan Es nu schaimbt so ze= uch inchs herab vnd schaim sein nicht vnd las es wol syden das es nit vber gee vnd nimm dan ain pfeffer der nit gestossen sey der nur ain wenig zeprochen sey vnd gancze negel vnd zimet rinten vnd schneid es zu pisslein vnd las darin syden vnd salcz ain maß wildu dan das es als wol gestundt als Im winter vnd als reschleich so nimm kers plue vnd arbais so es erst aus scheust vnd der dy ander sunnen vnd nym der arbais plue so vil sam du vnter drein vingern magst gehabenn vnd kers plue zbir als vill vnd thu es In ain tuchlein vnd las es mit den vischenn sieden vnd wan Es gesoten hat so windt dy prue daraus vnd machs Es nit zw gelb guter essig vnd nit vil saffrann so gestet es Inn zbain stunden</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-045-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-045-orig">
          <p>Wenn du eine klare Sülze zubereiten möchtest, nimm eine gute Handvoll Nesselwurzeln, wasche sie sehr sauber und gieße etwa einen Liter Wasser dazu. Lasse die Wurzeln zwei Stunden lang sieden und dann ein bis zwei Stunden kalt werden.</p>
          <p>Nimm danach Fisch, bereite ihn sauber vor, wasche und schuppe ihn gründlich. Gib den Fisch in eine Mischung aus Wasser, Wein und Essig. Achte darauf, dass Wein und Essig jeweils gleich viel sind, das Wasser jedoch weniger als die beiden anderen Flüssigkeiten. Wasche den Fisch darin sauber.</p>
          <p>Nimm die Brühe vom Fischwaschen und seihe sie durch. Gib dann das Nesselwasser zur Brühe hinzu, sodass die Mengen etwa gleich sind. Dies sorgt für eine klare Flüssigkeit. Erhitze die Mischung über einem weiteren Feuer. Wenn sie warm wird, steigt Trübes nach oben. Schöpfe das Trübe von oben ab, bis die Flüssigkeit gut geklärt ist und weniger trüb erscheint. Danach wird sie schäumen. Wenn sie schäumt, ziehe den Topf vom Feuer und schöpfe den Schaum nicht ab. Lasse die Flüssigkeit gut sieden, damit sie nicht überkocht.</p>
          <p>Nimm dann Pfeffer, der nicht gemahlen, sondern nur leicht zerbrochen ist, sowie ganze Nelken und Zimtrinden. Schneide die Zimtrinden in kleine Stücke und lasse alles darin sieden. Salze die Flüssigkeit nach Geschmack.</p>
          <p>Wenn du möchtest, dass die Sülze so gut wie im Winter und so knackig-frisch hält, nimm Kirschblüten und Erbsentriebe, wenn sie gerade erst austreiben und die zweite Sonne (des Frühsommers) scheint. Nimm so viele Erbsenblüten, wie du zwischen drei Fingern halten kannst, und ebenso viele Kirschblüten. Gib sie in ein kleines Tuch und lasse sie mit dem Fisch in der Sülze sieden. Wenn alles gesotten hat, wringe die Brühe aus dem Tuch. Achte darauf, dass die Sülze nicht zu gelb wird - verwende guten Essig und nicht viel Safran. Dann wird sie in zwei Stunden fest.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain nessel wurcz ain gute hant vol">Nesselwurzeln</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain virtel wasser">Wasser</ingredient> - 1 l</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="visch">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essig">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain pfeffer der nit gestossen sey der nur ain wenig zeprochen sey">Pfeffer, leicht zerbrochen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gancze negel">Ganze Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zimet rinten">Zimtrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz ain maß">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kers plue">Kirschblüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="arbais so es erst aus scheust vnd der dy ander sunnen">Erbsenblüten oder -triebe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffrann">Safran (optional, sparsam)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-046">
        <head>Gesülzte Morcheln mit Eierfüllung</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-046-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-046-trans">
          <p>Wildu machen gesulczt maurochenn Wildu machen ain gesulcz maurochen So full dy maurochen mit ainer guten full von ayren vnd stoß sy dan an ain spisslein vnd prat sy schon vnd geus daran ain guty prue dy da gemacht sey mit guten vischen vnd thue Inn ain gute hilff mit hausenplater oder von we du wild das es geste vnd versalcz nicht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-046-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-046-orig">
          <p>Willst du gesülzte Morcheln zubereiten:</p>
          <p>Nimm die Morcheln und fülle sie mit einer guten Eierfüllung. Stecke sie dann auf ein Spießchen und brate sie schön an. Gieße eine gute Fischbrühe darüber, die aus guten Fischen gemacht wurde. Gib eine gute Menge Hausenblase hinzu, oder was immer du möchtest, damit es geliert und fest wird. Und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="maurochenn">Morcheln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayren">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guten vischen">Fisch (für Brühe)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="spisslein">Spießchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hausenplater">Hausenblase</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versalcz nicht">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-047">
        <head>Sauerkirschsauce für die Vorratshaltung</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-047-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-047-trans">
          <p>Ain salsen von weichsel wildu machen ain salsen von weichsel so thu du die weichsel In ainn hafen vnd las Es sieden vnd las sy dan kalt werdenn vnd treib sy dan durch ain tuch vnd thue sy dan In ainen hafen vnd secz sy auf ain glutt vnd las sy wol siden vnd rur sy pis sy dick weren vnd thue darein honig vnd geribens pratt vnd negel vnd gut stupt genug so thue sy In ain fessel in Iar oder virj pleibt sy dar gut</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-047-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-047-orig">
          <p>Willst du eine Weichselsauce zubereiten, so gib die Weichseln in einen Topf und lass sie sieden. Lass sie dann kalt werden und passiere sie durch ein Tuch.</p>
          <p>Gib die passierten Weichseln dann in einen Topf und setze ihn auf eine Glut. Lass sie gut sieden und rühre, bis sie dick wird.</p>
          <p>Gib Honig, geriebenes Brot, Nelken und ausreichend gutes Gewürzpulver hinzu. Fülle die Sauce dann in ein Fass; darin bleibt sie ein Jahr oder vier Jahre gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weichsel">Sauerkirschen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geribens pratt">Geriebenes Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="negel">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gut stupt">Gewürzpulver</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-048">
        <head>Mus aus gedörrten Birnen (Kloetzen)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-048-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-048-trans">
          <p>Ain gut mus von cloczen So dw wil machen ain gut mus von cloczen so wasch dy clo= czen schon vnd seud sy dan gar woll vnd stoß sy clain vnd streich sy durch mit wein vnd seudt sy dann woll vnd thu darein ain gut honig vnd negel vnd stupt gnug war Es dan dun so ribst ain prat darunter vnd thu es darnach In ainen hafen so pleibt es dar iiij oder v wochen gutt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-048-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-048-orig">
          <p>Wenn du ein gutes Mus aus gedörrten Birnen (Kloetzen) zubereiten möchtest, so wasche die Dörrbirnen sauber und koche sie dann sehr gut. Zerstoße sie fein und treibe sie mit Wein durch ein Sieb. Koche sie dann gut auf und gib einen guten Honig und Nelken hinzu, und würze es ausreichend. Ist es dann zu dünn, so reibe ein Brot darunter. Gib es danach in einen Topf, so bleibt es darin vier oder fünf Wochen lang gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="cloczen">Klötzen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="negel">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prat">Brot</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-049">
        <head>Eierkuchen aus dem Ofen</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-049-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-049-trans">
          <p>Von ainem guten ayr kuchen So du machen wil ainen guten ayr kuchen So nimm gutz semel mell vnd thu das In ain kar vnd schlag ayr darein vnd rur es mit ainem loffel so du Es dick machest so so salcz Es dy mas vnd scheus es dan also In den ofen als ain faust sind gut ayr kuchenn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-049-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-049-orig">
          <p>Willst du einen guten Eierkuchen zubereiten, so nimm gutes Semmelmehl und gib es in ein Gefäß. Schlage Eier hinein und rühre es mit einem Löffel. Wenn du es dick machst, so salze es nach Maß und schiebe es dann so in den Ofen, dass es faustgroße, gute Eierkuchen werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gutz semel mell">Semmelmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-050">
        <head>Gewürzter Weißkohl mit Honig-Senf-Dressing</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-050-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-050-trans">
          <p>Von ainem gmachten krawt Wildu machen ain gut gmacht krautt so seud weis hauptt krautt vnd nimm ain tail senft vnd ain tail honig das selb mach durch ein ander mit wein vnd thue darein kum vnd anis vnd thue des gnug dar ein vnd gib es kalt also machstu machen pussen seudtt sy mit wurcz vnd ohraut vnd gib es auch kaltt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-050-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-050-orig">
          <p>Willst du ein gutes zubereitetes Kraut machen, so siede Weißkohl. Nimm einen Teil Senf und einen Teil Honig, vermische dies miteinander mit Wein und gib Kümmel und Anis hinzu. Gib davon genug zum Kohl und serviere es kalt.</p>
          <p>So kannst du auch 'Pussen' zubereiten: Siede sie mit Gewürzen und einer bestimmten Krautart und serviere sie ebenfalls kalt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weis hauptt krautt">Weißkohl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain tail senft">Senf</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain tail honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kum">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="anis">Anis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ohraut">Krautart (unbekannt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pussen">Kleine Kohlköpfe</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-051">
        <head>Guter Käsekuchen aus dem Ofen</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-051-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-051-trans">
          <p>Ainen guten kuchen Wildu machen ainen gutten kuchenn So nimm waichen kes vnd zetreib in vnter den henden vnd sch= lag ayr darunter vnd mach ain taig vnd prait in vnd thue das kes dar auff vnd scheuß es In ainen ofen vnd las In pachen vnd gib In hayssenn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-051-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-051-orig">
          <p>Willst du einen guten Kuchen zubereiten, so nimm weichen Käse und zerarbeite ihn unter deinen Händen, bis er geschmeidig ist. Schlage Eier darunter und mache einen Teig. Breite ihn aus und gib den Käse darauf. Schiebe den Kuchen in einen Ofen und lass ihn backen. Serviere ihn heiß.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="waichen kes">Weichkäse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain taig">Teig (Zusammensetzung in der Quelle nicht genannt - vermutlich ein Mehlteig als Boden)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-052">
        <head>Gebackene Käse-Teigstreifen</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-052-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-052-trans">
          <p>Zw ainem pachen In ainer schussel nym geriben kes vnd melbs gleich vnd schlag ayr darein vnd gburcz Es woll vnd kint es wol vnter einander vnd walg es auff ainem pret vnd mach dar auß struczel dunn vnd pachs in ainem schmalcz darnach so schneid es In ain schussel</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-052-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-052-orig">
          <p>Nimm geriebenen Käse und Mehl zu gleichen Teilen. Schlage Eier darein und würze es gut. Knete alles gut untereinander und walke den Teig auf einem Brett dünn aus. Forme daraus dünne Teigstreifen und backe sie in Schmalz. Danach schneide die gebackenen Streifen in eine Schüssel.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geriben kes">Geriebener Käse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="melbs">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-053">
        <head>Gebratener Kalbskopf</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-053-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-053-trans">
          <p>Von ainem kalbs haupt Schneid dy vnter keu von ainem kalbs kopf vnd seudt den gar wol vnd darnach prich dy hiren schall auff vnd sae gut gbircz auff das hiren vnd geus hais smalcz darein vnd prat es auff ainem rast das wirt ain guter kalbs kopff</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-053-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-053-orig">
          <p>Schneide die unteren Kinnbacken (die fleischige Kehlpartie) von einem Kalbskopf ab und siede den übrigen Kopf sehr gut. Brich danach die Hirnschale auf und streue gutes Gewürz auf das Hirn. Gieße heißes Schmalz hinein und brate es auf einem Rost. Das wird ein guter Kalbskopf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ainem kalbs kopf">Kalbskopf</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gut gbircz">Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hais smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-054">
        <head>Hirschleber-Sülze mit Roggenbrot und Honig (kalt)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-054-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-054-trans">
          <p>Von ainer hirs leber Nym ain hirs leber pratt dy darnach schneid das ausser darab vnd stos es In aineem morser vnd rochen prat mit honig mit wein vnd essick vnd treib es durch ain tuch vnd gburcz es vnd erbell dy leber darnach vnd gib die kalt zw essen das ist ain leber galdrat</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-054-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-054-orig">
          <p>Nimm eine Hirschleber und brate sie. Schneide danach das Äußere ab und stoße sie in einem Mörser mit Roggenbrot, Honig, Wein und Essig. Treibe die Masse durch ein Tuch und würze sie. Erhitze die Leber danach noch einmal und gib sie kalt zu essen. Das ist eine Lebersülze.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain hirs leber">Hirschleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rochen prat">Roggenbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essick">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-055">
        <head>Sülze von Hosennestel - Reh-Haut-Sülze</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-055-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-055-trans">
          <p>Ain von hosen ne= stel Nym ain rechhautt vnd prue dy wol das das her aus gee vnd seudt dy hautt woll So rimpft sy sich zw samen fast das zw schneidt ainer span lanck vnd zbayr vinger praitt vnd mach daraus ain gute sulcz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-055-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-055-orig">
          <p>Nimm eine Reh-Haut und brühe sie gut, damit die Haare abgehen. Siede die Haut anschließend gründlich, bis sie sehr weich ist; sie wird sich dabei stark zusammenziehen.</p>
          <p>Schneide die gekochte Haut dann in spannenlange und zwei Finger breite Streifen. Mache daraus eine gute Sülze.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rechhautt">Reh-Haut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Gewürze nach Geschmack</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-056">
        <head>Gehackte Bockleber im Fettnetz</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-056-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-056-trans">
          <p>von ainer pochs leber So nimm ain pochs leber vnd hacht dy clain also gruey vnd hack darein ayr vnd weyß pratt vnd puluers vnd pint das In ain neczel</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-056-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-056-orig">
          <p>Nimm eine Bockleber und hacke sie klein, solange sie noch roh ist. Hacke Eier und Weißbrot hinein sowie Gewürzpulver. Binde die Masse in ein Fettnetz (und brate sie so).</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain pochs leber">Bockleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weyß pratt">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="puluers">Gewürzpulver</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain neczel">Fettnetz (vom Schwein)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-057">
        <head>Dreifarbige Mandel-Sülze</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-057-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-057-trans">
          <p>von ge sulecz mandel Wildu machen gesulcz mandel dy dreyerlay gestalt haben so nim hausen plater dy verseudt in wasser schon vnd nimm dan dick mandel milch vnd nimm dan das dritel der mandel milch darunter vnd zuchers woll ab das wirt dan ain gruene farb vnd nimm dy sen zbaytayl vnd seud In in ain ander vnd zuckers auch wol ab vnd las es dan sieden Nym der pfannen vnd geus ain tail also weys auf ain pfendel vnd dan das dritel mach gleich gelb vnd geus das auff ain pfandlein vnnd las es sten vnd seudt dan dy gruen varb auch In ain pfandlein vnd geus es dan auf ain pfannen also vnd las es sten das es hart wert also hastu dreyer lay varb gruen weis vnd gelb vnd hab es dann vber das feur pald vnd wider herab vnd schlag es vber ain panck vnd schneid es dan schach zaglatt vnd leg es dan auff dy schussel ain weyl weys ain weil gruen ain weil gelb pis das die schussel vol wirtt vnd es dan Enbeichtt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-057-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-057-orig">
          <p>Willst du eine Mandel-Sülze in drei Farben zubereiten, so nimm Hausenblase und koche sie gut in Wasser ab. Nimm dann dicke Mandelmilch und teile sie in drei Teile. Den ersten Teil süße gut und färbe ihn grün - das ergibt die grüne Farbe. Nimm die übrigen zwei Drittel der Mandelmilch und koche sie in einem anderen Topf, süße sie gut und lasse sie sieden.</p>
          <p>Gieße einen Teil davon weiß auf ein flaches Pfännchen. Den zweiten Teil färbe gelb und gieße ihn ebenfalls auf ein Pfännchen. Lasse beides stehen, damit es fest wird. Koche dann auch die grüne Mandelmilch in einem Pfännchen auf und gieße sie auf eine Pfanne. Lasse alles stehen, bis es hart wird. So hast du drei Farben: grün, weiß und gelb.</p>
          <p>Halte es dann kurz über das Feuer und nimm es schnell wieder herunter, damit es sich vom Boden löst. Stürze es über eine Bank und schneide es schachbrettartig in Quadrate. Lege es dann abwechselnd auf die Schüssel: einmal weiß, einmal grün, einmal gelb, bis die Schüssel voll ist. Und richte es so an.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hausen plater">Hausenblase</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dick mandel milch">Mandelmilch, dickflüssig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zuchers">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gruene farb">Petersilie (zum Grünfärben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gelb mach gleich gelb">Safran (zum Färben)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-058">
        <head>Gebratenes Eier-Schmalz-Mus</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-058-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-058-trans">
          <p>Zu ainem geprants mus Nym latig ayr vnd als vil schmalcz vnd salcz das nicht zehays sey vnd thue es In ain pfannen vnd pracz das wirt ain geprant mus</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-058-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-058-orig">
          <p>Für ein gebratenes Mus nimm lautere (ganze) Eier und ebenso viel Schmalz, und Salz; mach das Schmalz nicht zu heiß. Gib die Mischung in eine Pfanne und brate sie - so wird ein gebratenes Mus daraus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="latig ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-059">
        <head>Kalbfleisch-Klößchen mit Speck und Ei</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-059-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-059-trans">
          <p>Von dem kalbfleisch Nym fleisch vnd hack speck darunter vnd gburcz vnd ferbs vnd thue ayr vnd weyß pratt darunter vnd mach claini darauß vnd seuds In hayssem</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-059-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-059-orig">
          <p>Nimm Kalbfleisch und hacke Speck darunter. Würze und färbe es. Gib Eier und Weißbrot hinzu und forme kleine Klößchen daraus. Siede sie in heißem Wasser oder Brühe.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fleisch">Kalbfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weyß pratt">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hayssem">Wasser oder Brühe</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-060">
        <head>Blancmanger vom Huhn</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-060-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-060-trans">
          <p>Ain huener mus das haist plamanschir du solt nemen ain huen vnd seudt das well was das nu ge= soten sey So nimm das weyß aus der prust vnd ze schlichtt es oder zais Es das gezaist leg In ain pfannen vnd der das wol ab ob dem fewr wan Es dur sey so zereib es In ain rib ey sen oder sib oder zestos es In ainem morser als ain mel So nimm mandel milch von der dy rinten herab vnd nym dan die ge= schniten semel vnd reibs vnd nim dan honig vnd ayr vnd des mus so vil sey als des andren vnd mach dy semel mit dem honig oder mit den ayren ab vnd schneid vnd schneidt 3 mustat darein vnd mach es gelb vnd nimm ain smalcz In ain pfannen vnd rost es darinen ab vnd rast es kull auff kolen vnd mach es nit hertt vnd las es also waich vnd thue ain smalcz In ain pfannenn als gros sam ain ay vnd thue es her vber In dy selbig pfanen vnd prait es auß ein ander das ain kuchlein daraus werdt secz auf ain clains glutlein vnd thue ain haffen deck dar vber vnd las es kuel pachen ain claine weyll das Es nicht verprynn vnd nimm dan dy rinten von der Semel vnd nim gu= ten lezelten vnd reib den vnd nim honig vnd thue es Inn ain pfann vnd geus ainen guten virding weys darann vnd hab es vberhin vnd las ain Walthuen vnd schlach Es durrch ain tuch vnd thue es In ain pfannen vnd nim zimetrinntel vnd ymber saffran vnd thue es darann vnd versalcz nichtt hab es vbers feur vnd wels ab vnd nym dan her den ku= chen vnd schneid In In den pfeffer halt In pey der warme pis das da In an richten wildtt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-060-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-060-orig">
          <p>Nimm ein Huhn und siede es gut. Wenn es gar ist, nimm das weiße Fleisch aus der Brust und zerfasere es oder zupfe es auseinander. Das zerzupfte Fleisch lege in eine Pfanne und dörre es gut über dem Feuer. Wenn es trocken ist, reibe es durch ein Reibeisen oder Sieb oder zerstoße es in einem Mörser zu einer mehlartigen Konsistenz.</p>
          <p>Nimm Mandelmilch von enthäuteten Mandeln. Nimm dann die geschnittenen Semmeln und reibe sie. Nimm dann Honig und Eier, und das Mus soll in etwa die gleiche Menge wie die anderen Zutaten haben. Vermische die Semmel mit dem Honig oder mit den Eiern. Schneide Muskatblüte hinein und färbe es gelb (mit Safran).</p>
          <p>Nimm Schmalz in eine Pfanne und röste es darin an. Röste es sanft auf Kohlen und mache es nicht hart, sondern lass es weich. Gib eine Menge Schmalz, so groß wie ein Ei, in eine Pfanne und gib das Mus darüber in dieselbe Pfanne und breite es auseinander, sodass ein Küchlein daraus wird. Setze es auf ein kleines Glutbett und lege einen Topfdeckel darüber und lass es eine kleine Weile sanft backen, damit es nicht verbrennt.</p>
          <p>Nimm dann die Rinden von der Semmel und nimm guten Lebkuchen und reibe ihn. Nimm Honig und gib ihn in eine Pfanne und gieße einen guten Viertelliter Wein dazu. Halte es übers Feuer und lass es einmal aufwallen, dann schlage es durch ein Tuch und gib es in eine Pfanne. Nimm Zimtrinde und Ingwer, Safran und gib es dazu und versalze es nicht. Halte es über dem Feuer und koche es auf. Nimm dann das Küchlein und schneide es in die Pfeffersauce. Halte es warm, bis du anrichten möchtest.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain huen">Huhn</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel milch von der dy rinten herab">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die ge= schniten semel">Semmel, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="3 mustat">Muskatblüte (Macis)</ingredient> - 3</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guten lezelten">Lebkuchen, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain guten virding weys">Wein</ingredient> - 250 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zimetrinntel">Zimtrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versalcz nichtt">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer">Pfeffer (Gewürz)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-061">
        <head>Gepfefferte Hühner (Pfeffer-Sauce)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-061-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-061-trans">
          <p>Von pepraten honeren merck Vnd von ainem kondiment darzw oder von aller lay praten So nimm alte honner vnd prat sy halb haw sy zw stuchen Nym halb suppen darin seudt sy das sy morb weren Nym zbifal vnd hack den clain seud sy waich In Schmalcz vnd in ainem wenigen wasser nym pffeffer prat kum hert ayr salcz essick ain wenig pfefer vnd meng das zw samen vnd mach sy vnd thu den zbifal zw dem gmalenn geus das auff die hinern las sy ersyden eben dick In dy sem condiment mag man all haut praten machen aber den praten hassen sol mann pfefferen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-061-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-061-orig">
          <p>Nimm alte Hühner, brate sie halb gar und hacke sie in Stücke.</p>
          <p>Nimm eine halbe Menge Brühe, darin siede die Hühner, bis sie mürbe sind.</p>
          <p>Nimm Zwiebeln, hacke sie klein und siede sie weich in Schmalz und ein wenig Wasser.</p>
          <p>Nimm Pfeffer, Brot, Kümmel, hartgekochte Eier, Salz, Essig und noch ein wenig Pfeffer und vermenge das alles miteinander.</p>
          <p>Mache es an und gib die Zwiebeln zu dem Gemahlenen. Gieße dies über die Hühner und lass es gar sieden, bis es schön dick ist.</p>
          <p>In dieses selbe Kondiment kannst du alle Arten Braten geben, aber den gebratenen Hasen sollst du pfeffern.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="alte honner">Hühner (ganz, alt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="halb suppen">Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zbifal">Zwiebeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem wenigen wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pffeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prat">Brot (geröstet/eingeweicht, zum Binden)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kum">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hert ayr">Eier, hartgekocht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essick">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain wenig pfefer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-062">
        <head>Gebratenes Huhn mit Quitten oder Birnen</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-062-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-062-trans">
          <p>Von gepraten honer aber ain ander condimenter Mach gepraten honer mit den kuten oder mit piren In den selben materien also das du ander kuten oder piren darzw thust</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-062-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-062-orig">
          <p>Bereite gebratenes Huhn mit Quitten oder Birnen zu - auf dieselbe Weise [wie im vorhergehenden Rezept], indem du Quitten oder ersatzweise Birnen dazugibst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gepraten honer">Huhn, gebraten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kuten oder piren">Quitten oder Birnen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-063">
        <head>Mörserhühner (gestoßenes Huhn)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-063-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-063-trans">
          <p>Aber anderlay honer Nym ain gepraten huen zeglidt das clain vnd nymm weyß prat mach ain dunnen taig von ayren mit pfeffer aneis vnd saffran vnd stoß es In ainem morser als zu mal vnd pach es in ainen klain smaltz das sint moser huner</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-063-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-063-orig">
          <p>Nimm ein gebratenes Huhn und zerteile es klein. Nimm weißes Brot. Mache einen dünnen Teig aus Eiern mit Pfeffer, Anis und Safran. Stoße alles zusammen in einem Mörser sehr fein. Backe es in wenig Schmalz. Das sind Mörserhühner.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gepraten huen">gebratenes Huhn</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weyß prat">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayren">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aneis">Anis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="klain smaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-064">
        <head>Gefülltes Huhn im Teigmantel</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-064-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-064-trans">
          <p>aber anderlay huner ful ain huen mit ayrenn speck salua salcz ymber zbischen fel vnd fleisch vnd stos es an ain spis vnd mach ain ayr taig mit ainer waltzen prait in din vnd pewins das hun da mit prat es gar gib es hin also gantz das haist ain pachensch hun</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-064-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-064-orig">
          <p>Eine andere Art Huhn:</p>
          <p>Fülle ein Huhn mit Eiern, Speck, Salbei, Salz und Ingwer zwischen Haut und Fleisch. Stecke es auf einen Spieß und mache einen Eierteig, den du mit einem Nudelholz breit und dünn ausrollst. Umwickle das Huhn damit und brate es gar. Serviere es so ganz. Das nennt man ein gebackenes Huhn.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain huen">Huhn</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayrenn">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salua">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain ayr taig">Eierteig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-065">
        <head>Königshühner aus dem Mörser</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-065-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-065-trans">
          <p>aber von huner merck anderlay zu gliden ing-? prattini huner vnd slach ayr mit ymbir vnd ain klain anneis geus das mit hunneren in ain faisten haissen morser las es pachen geleich geus es mit ainem klain smaltz ditz haissent kunigs huen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-065-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-065-orig">
          <p>Nimm gebratene Hühner und zerteile sie in kleine Stücke. Schlage frische Eier auf und vermenge sie mit gestoßenem Ingwer und ein wenig Anis. Gieße diese Mischung zusammen mit den Hühnerstücken in einen gefetteten, heißen Mörser. Lass es darin gleichmäßig backen und gib zum Schluss ein wenig Schmalz dazu.</p>
          <p>Dies nennt man Königshühner.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="huner">gebratenes Huhn</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymbir">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain klain anneis">Anis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-066">
        <head>Huhn mit Leber-Brot-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-066-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-066-trans">
          <p>Aber anderlay huner Seudt ain huen so Es dan gar gesoten sindt so nym des huens leber vnd schon prat vnd herti ayer du mel vnd klain pfefer safferan mal das mit hunerr suppen vnd mit essach erbel es mit dem hun mach es faist das schol dick sein das es auf dem hun kleb also mach auch lampfleisch vnd dy pratten gans</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-066-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-066-orig">
          <p>Koche ein Huhn, bis es gar ist. Nimm dann die Leber des Huhns, feines Weißbrot, hartgekochte Eier, Mehl, fein gestoßenen Pfeffer und Safran. Zerreibe diese Zutaten mit Hühnerbrühe und Essig.</p>
          <p>Koche die Mischung mit dem Huhn auf, bis sie dick und sämig wird, sodass die Sauce am Huhn haften bleibt. Auf diese Weise kannst du auch Lammfleisch und gebratene Gans zubereiten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain huen">Huhn</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="des huens leber">Hühnerleber</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schon prat">Feines Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="herti ayer">Hartgekochte Eier</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="du mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="klain pfefer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="safferan">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hunerr suppen">Hühnerbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essach">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-067">
        <head>Morcheln vom Huhn</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-067-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-067-trans">
          <p>maurochen von huner mach also nim das fleisch von der prust hack es klain due dar zu ayer mel prat pfefer zwen stacken vor kulpot als dy maurochen vnd leg es in wallund suppen dy weill das seud so wint dy anderen vmb den spis so du ir genug hast so füll si mit gewurtz vnd ayrn prat sy gar ann ainem spis vnd gib sy hin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-067-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-067-orig">
          <p>Morcheln vom Huhn:</p>
          <p>Nimm das Fleisch von der Hühnerbrust und hacke es fein. Gib Eier, Mehl, geriebenes Brot und Pfeffer dazu und arbeite alles zu einer formbaren Masse.</p>
          <p>Schneide dir zwei fingerlange Stäbchen, vorne [glatt geformt] - die Bedeutung von kulpot ist unsicher. Nimm von der Masse so viel wie eine Morchel und forme sie um die Stäbchen, sodass morchelförmige Stücke entstehen.</p>
          <p>Lege das eine in wallende Brühe und lass es darin gar ziehen. Während es siedet, forme die übrige Masse um das zweite Stäbchen. Wenn du genug davon hast, fülle die gegarten Morcheln (nachdem du das Stäbchen gezogen hast) mit Gewürz und Eiern, stecke sie auf einen Spieß, brate sie damit gar und trage sie auf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das fleisch von der prust">Hühnerbrustfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="prat">Geriebenes Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfefer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wallund suppen">Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurtz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayrn">Eier (zum Füllen)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-068">
        <head>Ausgekochter Kapaunhals</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-068-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-068-trans">
          <p>von dem koppauer merck den kapauner schalt du den hals ab gesniten sey dy teck in ain engen erden kopf gews wasser dar auf das sy pedeckt sey las si vnden aussieden</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-068-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-068-orig">
          <p>Trenne dem Kapaun den Hals ab. Stecke ihn in einen engen irdenen Topf und gieße so viel Wasser darauf, dass er bedeckt ist. Lass ihn unten auf einem Dreifuß aussieden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kapauner">Kapaun</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hals">Hals</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-069">
        <head>Kapaun mit Füllung und Beilage</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-069-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-069-trans">
          <p>Von dem kapauner merck dem kopauner soltu den hals ab schlahen nicht du solt Im den hals fullenn vnd prat den so gib da pey einhallatlin oder ain gut kaudument</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-069-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-069-orig">
          <p>Dem Kapaun sollst du nicht den Hals abschlagen. Du sollst ihm stattdessen den Hals füllen und ihn dann braten. Gib dazu entweder ein Salätlein oder ein gutes Kondiment.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="kopauner">Kapaun</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Füllung für den Hals (implied)">Füllung für den Hals</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einhallatlin (implied)">Begleitspeise (optional, Lesart unsicher)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain gut kaudument (implied)">Kondiment (optional)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-070">
        <head>Geschmorte Gans mit Knoblauch-Safran-Milch</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-070-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-070-trans">
          <p>Von den gensen merck Ein gancze gans dan das der dros abgeschnten sey dy steck in ainen engen erdein copff geus wasser darauf das sy pedeckt sey las sy vnten aus syden auf ainem trifues mach vor den copf das der proden nicht aus gee schir zw ain clain feur las sy sieden das sy vil nahent nach trueg werdt doch nym gar suesse milch vnd vj totter vnd zbay haupt knoflichs dicz mall zw samen vnd las es mit der gens sieden vnd saffran vnd gib es gancz hin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-070-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-070-orig">
          <p>Nimm eine ganze Gans, deren Schlund (Kehle/Kropf) abgeschnitten ist und die so schlachtfertig ausgenommen wurde. Stecke sie in einen engen, irdenen Topf. Gieße Wasser darüber, sodass die Gans vollständig bedeckt ist.</p>
          <p>Lass die Gans auf einem Dreifuß über kleinem Feuer von unten her langsam sieden. Dichte den Topf gut ab, damit der Dampf nicht entweicht. Schüre nur ein schwaches Feuer, sodass die Gans langsam köchelt, bis sie beinahe trocken (der Sud fast vollständig eingekocht) ist.</p>
          <p>Nimm derweil frische süße (nicht saure) Milch, sechs Eigelb und zwei Knoblauchköpfe. Verarbeite dies alles zusammen und gib es mit Safran zur Gans. Lass es nochmals mit der Gans aufwallen und trage das Gericht dann im Ganzen auf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ein gancze gans">Gans</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gar suesse milch">Milch (frisch)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vj totter">Eigelb</ingredient> - 6</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zbay haupt knoflichs">Knoblauchköpfe</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-071">
        <head>Gebratene Gans mit Kondiment</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-071-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-071-trans">
          <p>Aber von gensenn merck dy gepraten gans mach In das condiment das da gesch= riben stett von dem zbifall das gros mach In das condimentt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-071-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-071-orig">
          <p>Merke zu Gänsen:</p>
          <p>Die gebratene Gans gib in das Kondiment, das dort beschrieben steht. Auch das Grobe (Zwiebeln oder das Gänse-Klein) gib in das Kondiment.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy gepraten gans">Gans, gebraten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das condiment das da geschriben stett">Kondiment (Würzsauce)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dem zbifall das gros">Das Grobe (Zwiebeln, alternativ Gänse-Klein)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-072">
        <head>Gefüllter Kapaunhals mit Honig-Safran-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-072-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-072-trans">
          <p>Wie man den kappen hals fullett Also ful den kappenn hals oder ander fogel Nym schbeines fleisch herte ayr vnd salua vnd kraut vnd hack das alles zw samen vnd ful da mit den hals vnd seudt sy so er dan gar gesoten sey so leg In dan als ein hayssen auff den rost peschlag in mit ayren oder mit taig petraff in mit smalcz so nym saffran petersill vnd honig graus mal das auf ain kondiment so pest macht vnd gib es hin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-072-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-072-orig">
          <p>Fülle den Kapaunhals oder den Hals eines anderen Vogels. Nimm dazu Schweinefleisch, hartgekochte Eier, Salbei und Kräuter. Hacke das alles zusammen und fülle damit den Hals.</p>
          <p>Siede die gefüllten Hälse. Wenn sie gar gekocht sind, lege sie heiß auf den Rost. Bestreiche sie mit Eiern oder mit Teig und beträufle sie mit Schmalz.</p>
          <p>Nimm dann Safran, Petersilie und Honig. Zerstoße das zu einem Kondiment, das am besten schmeckt, und gib es dazu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kappenn hals oder ander fogel">Kapaunhals oder Hals eines anderen Vogels</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schbeines fleisch">Schweinefleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="herte ayr">Hartgekochte Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salua">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kraut">Kräuter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayren oder mit taig">Eier (zum Bestreichen, optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="taig">Teig (zum Bestreichen, optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petersill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-073">
        <head>Gebackene Fleischbällchen im Eierteig</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-073-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-073-trans">
          <p>von kendlein merck nim gesotten fleisch gehackty ayr mel nach dem pesten kraut du hast temper das zu samen vnd mach pallein durch ain ayr taig vnd pach sy gar in einem haissen samltz dy pallenn mach thu mit aller hawt pratten gewen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-073-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-073-orig">
          <p>Nimm gekochtes Fleisch, gehackte Eier und Mehl. Menge das mit dem besten Kraut, das du hast, gut zusammen und forme kleine Kugeln daraus. Zieh die Kugeln durch einen Eierteig und backe sie gut in heißem Schmalz. Die so gebackenen Bällchen kannst du [Rest der Quelle unklar] auftragen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gesotten fleisch">Gekochtes Fleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gehackty ayr">Gehackte Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kraut">Kraut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain ayr tag taig">Eierteig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="haissen samltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-074">
        <head>Spanferkel mit gewürzter Füllung</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-074-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-074-trans">
          <p>von den spanfacklein vnd von anderm fleisch merck ain essen nym ain spanfackel vnd prat es kul das spalt in zwai mit dem haupp so nym dye lungel vnd drei herty ayr vnd zwai wachy vnd schon prat safferan pfeferr saltz hack das klain vnd thue gehacktten speck dar zw vnd ful das feckel steckt es an den spis prat es faust petrauf es mit smaltz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-074-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-074-orig">
          <p>Nimm ein Spanferkel und brate es, lass es dann abkühlen. Spalte es entzwei, beginnend am Kopf. Nimm die Lunge, drei hartgekochte Eier und zwei weiche, schöne Brote, dazu Safran, Pfeffer und Salz. Hacke alles klein und gib gehackten Speck hinzu. Fülle das Ferkel damit, stecke es auf einen Spieß und brate es gut durch. Beträufle es dabei mit Schmalz.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain spanfackel">Spanferkel</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dye lungel">Lunge</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="drei herty ayr">Eier, hartgekocht</ingredient> - 3</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zwai wachy">Weiches Brot</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="safferan">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeferr">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gehacktten speck">Speck, gehackt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-075">
        <head>Gefülltes Lamm mit gestoßener Fleischfarce (Mortrews-Art)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-075-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-075-trans">
          <p>von dem lamp also machst du fullen ain halbs lamp nym faist sweines fleisch vnd thue ab dy swart vnd hack dy klain vnd thu semel dar zu pfefer saffrann ayr honig essach nicht ze saur saltz las es erwallen vnd gib es hin das haist mortteul-? also selb mach dy lungmus</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-075-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-075-orig">
          <p>Vom Lamm.</p>
          <p>So füllst du ein halbes Lamm.</p>
          <p>Nimm fettes Schweinefleisch, entferne die Schwarte und hacke es fein. Gib geriebene Semmel, Pfeffer, Safran, Eier, Honig, nicht zu sauren Essig und Salz hinzu. Lass es aufwallen und gib es zum Anrichten. Dies nennt man Mortrews (mortteul).</p>
          <p>Ebenso bereite das Lungenmus zu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain halbs lamp">Lamm</ingredient> - 0.5</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="faist sweines fleisch">Fettes Schweinefleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy swart">Schwarte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semel">Geriebene Semmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfefer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffrann">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essach nicht ze saur">Essig (mild)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lungmus">Lunge</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-076">
        <head>Rehfleisch mit Kräutern und Gewürzsauce</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-076-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-076-trans">
          <p>von dem rech merck ain essen Nym das rech fleisch saltz es hin las es sieden thu auf pettersil vnd salva gehackten speck so es gar gesotten sey so nym ain rochen rintten imbir pfefer essach mal dar auß ain kondiment la es damit erwellen vnd gib es dann hin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-076-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-076-orig">
          <p>Nimm das Rehfleisch und salze es. Lasse es sieden und gib Petersilie, Salbei und gehackten Speck hinzu. Wenn es gar gesotten ist, nimm eine geröstete Brotrinde, Ingwer und Pfeffer; mache daraus mit Essig ein Kondiment. Lasse das Fleisch damit aufkochen und gib es dann hin.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rech fleisch">Rehfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersil">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salva">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gehackten speck">Speck, gehackt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain rochen rintten">Geröstete Brotrinde (Saucenbinder)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="imbir">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfefer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essach">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-077">
        <head>Rehblut- und Lungenmus</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-077-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-077-trans">
          <p>von dem rech plut vnd von dem lungl Nym das pluet vnd dy lungel von Dem rech vnd sewd es mar vnd sch neid es wurfflat seid dy schuppen durch ain thue das da nicht hars in sey oder pleib thue das alles wider in den topf thue dar zu smaltz vnd wein las es faist sieden so du es hin gebst so thue darauf pfefer es schol doch eben dick peleiben</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-077-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-077-orig">
          <p>Nimm das Blut und die Lunge vom Reh und siede es gar. Schneide es würfelig und treibe es durch ein Tuch, sodass kein Haar oder anderer Unrat darin bleibt.</p>
          <p>Gib das alles wieder in den Topf und füge Schmalz und Wein hinzu. Lass es so lange sieden, bis das Fett austritt und die Masse bindet. Wenn du es aufträgst, gib Pfeffer darauf. Es soll dabei schön dick bleiben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pluet">Rehblut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lungel">Rehlunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfefer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-078">
        <head>Wildbret im August haltbar machen (Pökeln)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-078-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-078-trans">
          <p>wie man pehalt wilprat in den augsten wildu pehaltten wilpret in den augsten so nym zwaitail saltz das drittail gesotten wasser vnd schneid das fleisch zu stucken vnd petrauff es mit saltz laß es sten ain halben tag vnd wasch es dann von dem plutt vnd leg es dann in das gesotten saltz wasser das es wol daruber ge</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-078-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-078-orig">
          <p>Willst du Wildbret in den Augusttagen haltbar machen, so nimm zwei Teile Salz und ein Teil gekochtes Wasser. Schneide das Fleisch in Stücke und bestreue es mit Salz. Lass es einen halben Tag stehen und wasche es dann vom Blut ab. Lege es dann in das gekochte Salzwasser, sodass es gut bedeckt ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wilpret">Wildbret</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gesotten wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-079">
        <head>Fleisch im August haltbar kochen</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-079-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-079-trans">
          <p>Wie man macht fleisch in denn augsten also machstu machen all hant fleisch in den augsten sieden wil so er wel es wol vnd geus dy prue ab geus frisch wider dar an vnd gib es dan hin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-079-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-079-orig">
          <p>So sollst du jegliches Fleisch im August zubereiten: Wenn es sieden soll, so koche es gut auf und gieße die Brühe ab. Gieße frische Brühe wieder daran und serviere es dann.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="all hant fleisch">Fleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frisch wider dar an">Brühe</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-080">
        <head>Gewürz-Zubereitung für den Vorrat</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-080-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-080-trans">
          <p>Ein Condament merck Der weiß prat vnd rer es durch ain sib ditz pehalt auch in ainem ledren peyttel das nicht nas werd so du es dan essen wild so leg es in ainem wein vnd thue dar zu smaltz ayr pfefer oder was du heben willd</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-080-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-080-orig">
          <p>Eine Gewürz-Zubereitung:</p>
          <p>Das weiße Brot reibe durch ein Sieb. Dieses bewahre in einem ledernen Beutel auf, damit es nicht nass wird.</p>
          <p>Wenn du es dann essen willst, so lege das Brot in Wein und gib Schmalz, Eier und Pfeffer dazu - oder was du sonst nehmen willst, bis es so dick ist, wie du es haben magst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weiß prat">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfefer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-081">
        <head>Eine natürliche Knoblauchsauce</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-081-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-081-trans">
          <p>Ein nattur leich salssen nym drew haupp knoflach pfefer mer dann ymbir temper das zu samen las es sieden vnd las es praun werden ditz haist ein naturlich salsen dy schol man essen in kallten wetter</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-081-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-081-orig">
          <p>Nimm drei Köpfe Knoblauch, Pfeffer (mehr als Ingwer) und Ingwer. Mische dies zusammen. Lass es sieden und braun werden. Dies nennt man eine natürliche Sauce, die man bei kaltem Wetter essen soll.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="drew haupp knoflach">Knoblauchköpfe</ingredient> - 3</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfefer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymbir">Ingwer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-082">
        <head>Salze zu gebratenem Huhn und Rindfleisch</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-082-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-082-trans">
          <p>Zw hunerr vnd zu rintfleisch gepraten saltzen Reib als mit saltz vnd essach dy gut zu rintfleisch vnd zu praten huner</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-082-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-082-orig">
          <p>Reibe alles mit Salz und Essig ein. Das passt gut zu Rindfleisch und zu gebratenen Hühnern.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essach">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-083">
        <head>Apfel-Honig-Kondiment (Doberis)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-083-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-083-trans">
          <p>Ein condiment merck nym sauere oppefel nach sandt marttenns tag schel sy vnd schneid aus dy kern schneid dy dun leg sy in ain honig tranck las es sieden als lang pis swartz oder prawn werd das machstu ain iar hallten ditz condiment haist doberis man mag auch krapfen damit pachen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-083-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-083-orig">
          <p>Nimm saure Äpfel nach dem Martinstag. Schäle sie und schneide die Kerne heraus. Schneide sie dünn.</p>
          <p>Lege sie in einen Honigtrank und lass es so lange sieden, bis es schwarz oder braun wird. Dies kannst du ein Jahr lang haltbar machen. Dieses Kondiment heißt Doberis.</p>
          <p>Man kann auch Krapfen damit backen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sauere oppefel">Äpfel, sauer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig tranck">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig tranck">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-084">
        <head>Eierblatt für Pasteten und Krapfen</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-084-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-084-trans">
          <p>Ain kuchenn merck mach ain plat von zwain ayr nym das doberis mach den mit siedentem wasser also dun das er kleben mog vnd vnd cleb in auf ain plat an vir enden entberchs vber vnd pint das zw samen vnd zeuchs durch ain ayr taig mit ainer walczen das er dun werdtt doch In der dick als ain halmm vnd prait als ain kuch</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-084-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-084-orig">
          <p>Mache ein Blatt aus zwei Eiern. Nimm das doberis und mache es mit siedendem Wasser so dünn, dass es kleben kann. Klebe es auf ein Blatt an vier Enden, überzwerch (über Kreuz), und binde es zusammen. Ziehe es durch einen Eierteig mit einer Walze, sodass es dünn wird, doch in der Dicke eines Halms und so breit wie ein Kuchen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zwain ayr">Eier</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das doberis">Doberis (Lesart unsicher - siehe Anmerkung)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="siedentem wasser">Siedendes Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain ayr taig">Eierteig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-085">
        <head>Krapfen mit herzhafter Füllung</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-085-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-085-trans">
          <p>Ain salsen zw krappfen So mach ain full sal= sen mit geribem kes vnd mit ayren vnd auch gekochtem speck vnd cleb das auf ain plat des taigs vnd das ander tail schlach darann vnd wurcz als fladen vnd pach es In schmalcz gar du magst dy selben krapfen mit ayren vnd mit opfel machen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-085-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-085-orig">
          <p>Bereite eine Füllung mit geriebenem Käse, Eiern und auch gekochtem Speck zu.</p>
          <p>Drücke (pappe) diese Füllung auf ein Teigblatt und klappe die andere Teighälfte darüber und drücke sie fest. Würze die Krapfen wie Fladen und frittiere sie in Schmalz gar.</p>
          <p>Du kannst dieselben Krapfen auch mit Eiern und Äpfeln zubereiten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geribem kes">Käse, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayren">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gekochtem speck">Speck, gekocht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="taigs">Teig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Pfeffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="opfel">Äpfel (für Variante)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-086">
        <head>Heidnische Kuchen oder Hausen-Blätter</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-086-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-086-trans">
          <p>Von haidennischen kuchen oder hausen plater Zw treib ain ayr taig mit ainer walczen dun als oblat vnd schneid es dreyer vinger prait vnd lenger dan ain handt vnd pach es In smalcz geus darauf gepfestem honig tranck oder honig wurcz vnnd gib es hin das hayssennt haidnisch kuchen oder hausenplater</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-086-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-086-orig">
          <p>Bereite einen Eierteig und rolle ihn mit einer Walze dünn wie eine Oblate aus.</p>
          <p>Schneide den Teig drei Finger breit und länger als eine Hand. Backe ihn anschließend in Schmalz aus.</p>
          <p>Gieße darauf gepfefferten Honigtrank oder eine Honig-Würze. Serviere die Speise. Man nennt sie Heidnische Kuchen oder Hausen-Blätter.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain ayr taig">Eierteig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="(impliziert)">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gepfestem honig tranck">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig wurcz">Gewürze (optional)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-087">
        <head>Apfelkrapfen und Gukkelpip</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-087-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-087-trans">
          <p>Von den krapfen mirck ain essen Schel saur opfel schneid dy dun seudt sy in ainem wasser seuch ab das wasser thu zu den opfeln ayr vnd mel vnd gekaut vnd mach ainen taig dauonn hack krappfel dar aus schel sawer oppfel schneid sy dun seud sy waich in smaltz seuch das smaltz ab zu prich dy oppfelen gar meng dar zu ayer ymbir vnd gekraut pach es in smaltz mach ain plat von ayren vnd geus dy opffel auf das plat vnd saltz es ob den oppfelen in kainen smatz pachs pis es vnden rot werd pestreichs mit ainer schussel vnd gib es dan das haist ain gukkelpip mit den selben oppfel machstu krapfen fullen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-087-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-087-orig">
          <p>Merke dir ein Gericht von Krapfen:</p>
          <p>Schäle saure Äpfel, schneide sie dünn und siede sie in Wasser. Gieße das Wasser ab. Gib zu den Äpfeln Eier, Mehl und gehackte Kräuter und mache daraus einen Teig. Forme Krapfen daraus.</p>
          <p>Schäle saure Äpfel, schneide sie dünn und siede sie weich in Schmalz. Gieße das Schmalz ab. Zerbrich die Äpfel ganz und mische Eier, Ingwer und gehackte Kräuter dazu. Backe es in Schmalz. Mache ein dünnes Eierblatt und gieße die Äpfel auf das Eierblatt. Salze es oben über den Äpfeln. Backe es in wenig Schmalz, bis es unten goldrot wird. Bestreiche es dann mit Eiern in einer Schüssel und gib es. Das heißt ein Gukkelpip. Mit denselben Äpfeln kannst du Krapfen füllen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saur opfel">Saure Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gekaut">Gehackte Kräuter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymbirs">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-088">
        <head>Glattes Eier-Mus mit Wein und Zucker</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-088-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-088-trans">
          <p>wil du von ayrn etwas han voon totern get es ann hundert ayerr mustu han ein achtel weins mustu dar zu han das ist dy recht maß frisch putten nit enhast so nym ein gut smaltz an dy stat widu gut gemuß han vnd wenn es nun gesotten ist so soldu es vavreti das es slecht werde als ein glaß du solt zuckers darzu han so wirt das muß gut gethan vnd versalcz nicht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-088-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-088-orig">
          <p>Willst du etwas aus Eiern zubereiten, so beginnt es mit Dottern. Du musst die Dotter von einhundert Eiern haben und ein Achtel Wein dazugeben; das ist die richtige Menge.</p>
          <p>Hast du keine frische Butter, so nimm stattdessen ein gutes Schmalz, wenn du ein gutes Mus haben willst. Und wenn es nun gesotten ist, so sollst du es durchstreichen, dass es glatt wird wie ein Glas.</p>
          <p>Du sollst Zucker dazugeben, so wird das Mus gut gemacht. Und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="totern / ayerr">Eigelb (von 100 Eiern)</ingredient> - 100</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein achtel weins">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frisch putten">Butter (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gut smaltz">Schmalz (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zuckers">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versalcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-089">
        <head>Weißes Hühnermus mit Mandeln</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-089-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-089-trans">
          <p>wildu mer von weisen gemuß han wildu mer von weissen gemus han so mustu mandel darzu han vnd das weiß von den huneren mustu auch han das mustu klain hacken daran zucker saltz soltu vergesen nicht aber das ander wirt garen wicht ein halb pfund sweinens smaltz mustu auch han</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-089-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-089-orig">
          <p>Wenn du mehr von weißem Mus haben willst, dann nimm Mandeln dazu. Und das weiße Fleisch von den Hühnern sollst du auch nehmen, das musst du fein hacken. Zucker und Salz sollst du nicht vergessen. Das Übrige lässt du gar werden. Ein halbes Pfund Schweineschmalz musst du auch haben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das weiß da von den huneren">Hühnerbrust</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein halb pfund sweinens smaltz">Schweineschmalz</ingredient> - 250 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-090">
        <head>Reh-Mus mit Lammblut verfeinert</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-090-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-090-trans">
          <p>wildu ein gemuß von Rehen hann So nimm dy varb von den lemberen vnd hack dy wilpret clain so wirt das mus rain</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-090-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-090-orig">
          <p>Willst du ein Mus vom Reh bereiten, so nimm das (geronnene) Blut von den Lämmern und hacke das Wildbret klein. So wird das Mus rein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wilpret / Rehen">Rehfleisch (Wildbret)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="varb von den lemberen">Lammblut (geronnen, fein gehackt)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-091">
        <head>Weißes Mus von Schweinefleisch und Mandeln</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-091-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-091-trans">
          <p>Wildu dan ain weyß mus hann das get von mandel darzu mustu haben ain schbeines fleisch mager vnd vaist vnd las es sieden an dy stat vnd hack es dann klain so wirt das muß rain weins pedrest du nicht zucker mustu han so wirt es suß von vnd versaltz sein nicht</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-091-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-091-orig">
          <p>Willst du dann ein weißes Mus haben?</p>
          <p>Dieses Mus basiert auf Mandeln. Dazu musst du Schweinefleisch haben, sowohl mageres als auch fettes. Lass es sieden, bis es gar ist, und hacke es dann klein. So wird das Mus rein (hell und sauber). Wein bedarfst du nicht. Zucker musst du haben, so wird es süß davon. Und versalze es nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schbeines fleisch mager vnd vaist">Schweinefleisch (mager und fett)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versaltz sein nicht">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-092">
        <head>Dreifarbige Mandel-Sülze</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-092-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-092-trans">
          <p>wildu machen gesutzte mandel die dreielerlay gestalt haben so nym haussen plattern dy versewd in wasser schon vnd yn ym dann dick mandel milch darvnder vnd zucker ab das wirt dann ein grune farbe vnd nym dise zwaitail vnd dy sewd in einer pfannen vnd zuckers auch wol abe vnd las es dann sieden in der pfannen vnd ein tail also weis in ein pfannlein vnd dann das drit tail mach geleichs gelb nvd gews dann in ein pfannlein vnd laß es sten vnd seud dann dy grun farbe auch in einem pfennlein vnd gews es dann auff also las es sten das es hert wert also hastu dreyerlay varbe grun weiß gelb vnd hab es dann vber das fewrerr vnd pald her wider abe vnd slach auff ein panck vnd schneid es schaff zegellacht vnd leg es auf dy schussel ein weil weis ein weil gelb ain weil grun pis das dy schussel wel wirdt do gib es dan hinbeg</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-092-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-092-orig">
          <p>Willst du eine gesülzte Mandel zubereiten, die dreierlei Gestalt hat, so nimm Hausenblasen. Diese koche in Wasser schön weich. Dann gib dicke Mandelmilch dazu und süße mit Zucker; so wird ein Teil davon grün. Nimm diese zwei (übrigen) Teile und siede sie in einer Pfanne, süße sie ebenfalls gut mit Zucker und lasse sie dann in der Pfanne sieden. Den einen Teil lasse so weiß in einem Pfännlein. Den dritten Teil mache ebenso gelb und gieße ihn dann in ein Pfännlein. Lasse es stehen. Dann siede die grüne Farbe ebenfalls in einem Pfännlein und gieße sie dann auf. Lasse es so stehen, dass es hart wird. So hast du dreierlei Farben: grün, weiß, gelb. Halte es dann kurz über das Feuer und ziehe es schnell wieder ab. Schlage es auf eine Bank und schneide es schachbrettartig in Quadrate. Lege es auf die Schüssel, abwechselnd ein Weilchen weiß, ein Weilchen gelb, ein Weilchen grün, bis die Schüssel voll ist. Dann trage es auf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="haussen plattern">Hausenblase</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dick mandel milch">Dicke Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="grune farbe">Petersilie (zum Grünfärben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gelb">Safran (zum Gelbfärben)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-093">
        <head>Buntes frittiertes Eiergebäck auf Spießchen</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-093-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-093-trans">
          <p>Wildu machen ein guts pachenn von dreyerlay plettern ains grun das ander weiß das drit gel so? nym ayer thue das weis dauon vnd thue den totter pesunder dar nach hack peterr sill klain vnd ayer dar vnder dar nach nym ein pfannen halb vol smaltz vnd mach dan ein gruns plat von den toteren vnd thue das auch heraus vnd klopf dann das weiß vnd mach ein weiß plat dar auß vnd leg dy drew pletter auf ein anderr vnd das grun sol mitten sein schneid es dann klain schafze gelacht vnd stos es ann ein spislein vnd mach dann einen taig von ayeren vnd von wasser mach in gelb vnd zeuch es durch den taig vnd hack es in ainem smaltz vnd zeuch dann dy spislein heraus vnd schneid es dann nach der leng von uanander vnd leg es dann auf di schusel vnd zuckers gnug darauf vnnd versaltz sein nicht zu ser</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-093-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-093-orig">
          <p>Willst du ein gutes Gebäck machen, aus dreierlei Blättern - eines grün, das andere weiß, das dritte gelb - so nimm Eier. Trenne das Eiweiß ab und gib den Dotter beiseite.</p>
          <p>Hacke danach Petersilie klein und mische sie unter das Ei. Nimm dann eine Pfanne, halb voll mit Schmalz, und backe daraus ein grünes Blatt. Nimm dieses Blatt heraus.</p>
          <p>Schlage danach das Eiweiß steif und backe daraus ein weißes Blatt. Mache ebenso ein gelbes Blatt aus dem Dotter.</p>
          <p>Lege die drei Blätter aufeinander, wobei das grüne in der Mitte liegen soll. Schneide sie dann in schachbrettartige Quadrate und stecke sie auf kleine Spießchen. Mache dann einen Teig aus Eiern und Wasser und färbe ihn gelb.</p>
          <p>Zieh die Spießchen durch den Teig und backe sie in Schmalz aus. Zieh dann die Spießchen heraus und schneide die Stücke der Länge nach voneinander. Lege sie auf eine Schüssel und streue reichlich Zucker darauf. Versalze es nicht zu sehr.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="peterr sill">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zuckers gnug">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versaltz sein nicht zu ser">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-094">
        <head>Rehwurst mit Muskat und Ingwer</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-094-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-094-trans">
          <p>wildu machen ain gut wurst von Reheneren so nym Rerhuer vnd sweineis prat las das prat schon von Rehun vnd hastu nit sweines so nym klapprat dar= vnder vnd hack es klain dur ein ander vnd schneid speck klain wurfflat darunder vnd thue darvnder kum vnd wildu so kost ten lich haben so streich mustat dar vnder vnd nym dann einen sweinen darme vnd full dar ein vnd prot sy dann schon mach mandel vnd von wein von Imber gib es dann hin wegtt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-094-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-094-orig">
          <p>Willst du eine gute Wurst machen, so nimm Rehfleisch und Schweinebraten. Löse das Fleisch schön vom Reh. Hast du kein Schweinefleisch, so nimm stattdessen Klappfleisch (minderwertiges Fleisch) dazu. Hacke alles klein durcheinander und schneide Speck klein gewürfelt darunter. Gib Kümmel hinzu. Willst du einen kräftigen Geschmack haben, so streiche Muskatnuss darunter. Nimm dann einen Schweinedarm und fülle die Masse hinein. Brate die Wurst dann schön. Mache dazu eine Sauce aus Mandeln, Wein und Ingwer und serviere es dann.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Rerhuer">Rehfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sweineis prat">Schweinebraten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="klapprat">Klappfleisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kum">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mustat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="einen sweinen darme">Schweinedarm</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln (für die Begleitsauce)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein (für die Begleitsauce)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Imber">Ingwer (für die Begleitsauce)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-095">
        <head>Rebhuhnwurst mit Mandel-Ingwer-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-095-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-095-trans">
          <p>Wildu machen gut wirst von rephuner So nym rephuner vnd schbeines pratt las das prat schon von rephuneren hastu nit schbeines so nym kalppratt darvnder vnd hack es klain durch ein ander vnd schneid speck klain wurflat dar vnder kum vnd wildu sy kostenlich haben so streich mustat darr vnder vnd nym dann einen sweinen darme vnd full dar ein vnd prat sy dann schon mach dar zw ein salssen dy solt gemacht sein von mandel vnd von wein von Imbirr gib es dann hin weg</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-095-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-095-orig">
          <p>Willst du eine gute Wurst von Rebhühnern machen, so nimm Rebhühner und Schweinebraten. Löse das Fleisch schön von den Rebhühnern. Hast du keinen Schweinebraten, so nimm Kalbsbraten dazu.</p>
          <p>Hacke das Fleisch alles klein durcheinander und schneide Speck klein gewürfelt darunter. Gib Kümmel hinzu. Willst du die Wurst besonders köstlich haben, so streiche Muskatnuss darunter.</p>
          <p>Nimm dann einen Schweinedarm und fülle die Masse hinein. Brate die Würste dann schön. Mache dazu eine Sauce, die aus Mandeln, Wein und Ingwer zubereitet werden soll. Serviere es dann.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rephuner">Rebhühner</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schbeines pratt">Schweinebraten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kum">Kümmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mustat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sweinen darme">Schweinedarm</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mandel">Mandeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Imbirr">Ingwer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-096">
        <head>Mörserkuchen mit Huhn oder Taubeninnereien</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-096-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-096-trans">
          <p>Wildu machen morser kuten So nym semel schneidt sy wirflat vnd clopt ayr clain vnd thu dan dy semel darunter mustat vnd ander gestupt vnd mach es gelb vnd schlag dan daruter gepratne huener ob du dy huner nit hast So machstu tauben leber fussel nemen vnd thu dan ain schmalcz In morser vnd secz es auf ain glutt vnd geus dan dy full darein vnd las es pachen vnnd gib es dan hin weg</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-096-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-096-orig">
          <p>Willst du einen Mörserkuchen machen:</p>
          <p>Nimm Semmel, schneide sie gewürfelt und schlage Eier klein. Gib dann die Semmel darunter, Muskatnuss und anderes Gewürzpulver, und mach es gelb.</p>
          <p>Schlage dann gebratene Hühner darunter. Hast du die Hühner nicht, so kannst du Taube, Leber und Keule nehmen.</p>
          <p>Gib dann Schmalz in den Mörser, setze ihn auf eine Glut und gieße die Füllung hinein. Lass es backen und gib es dann hinweg.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semel">Semmel, gewürfelt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mustat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ander gestupt">andere gemahlene Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mach es gelb">Safran (optional, zum Färben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gepratne huener">gebratenes Huhn, kleingeschnitten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="tauben leber fussel">Taube, Leber und Keule (alternativ)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-097">
        <head>Mörserkuchen (Fasttagsspeise)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-097-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-097-trans">
          <p>Wildu machen morser kuchenn So reib semel vnd schlag ayr darein vnd thue dan schmalcz In den morser vnd secz In auff ain glut geus es dan dar ein vnd las es pachen vnd wan Es gepachen ist so sch= neid Es zw scheiben vnd gib es dan hin weg das ist gut an dem vastag</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-097-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-097-orig">
          <p>Willst du Mörserkuchen zubereiten:</p>
          <p>Reibe Semmel und schlage Eier hinein. Gib dann Schmalz in den Mörser und setze ihn auf eine Glut. Gieße die Semmel-Ei-Mischung hinein und lasse es backen. Wenn es gebacken ist, schneide es in Scheiben und serviere es. Das ist gut an einem Fastentag.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semel">Semmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schmalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-098">
        <head>Gefüllte Eier am Holzstäbchen (Kolbat-Eier)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-098-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-098-trans">
          <p>Wildu machen kolbat ayr So reib ain winczigs ayr vnd schneid darunter mustat clain vnd saltz ain winzigs vnd prich dan dy ayr pey dem spicz auff vnd thue das weys herauß vnd mach In ain yglichs ye ain holczlein vnd thue dan dy full darein vnd rur es mit dem hoczlein durch einander vnd las dy holczlein darin stecken vnd secz es zw dem feur vnd las es praten vnd gib es dan hin weg an dreyn mustat hastu genug zu zehen ayern</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-098-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-098-orig">
          <p>Willst du Kolbat-Eier zubereiten:</p>
          <p>Reibe ein klein wenig Ei und schneide etwas Muskatblüte klein darunter. Salze es ein wenig. Dann brich die Eier an der Spitze auf und nimm das Eiweiß heraus. Stecke in jedes Ei ein Holzstäbchen und gib dann die Füllung hinein. Rühre es mit dem Holzstäbchen durcheinander und lass die Holzstäbchen darin stecken. Setze die Eier ans Feuer und lass sie braten. Gib sie dann weg. Drei Macisblüten reichen für zehn Eier.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient> - 10</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="mustat">Muskatblüte (Macis)</ingredient> - 3</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="holczlein">Holzstäbchen</ingredient> - 10 Stück</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-099">
        <head>Gewürztes Kalbsblut-Mus mit Lunge</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-099-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-099-trans">
          <p>Wildu doch pedenchen So wil ich dir an andrs sch= enchen von ainem kalb koch thue ain gut gmus so nym den schbais vnd thue in In ainen wein vnd misch das vndereinander vnd setz es zu dem feur vnd las es sieden vnd hastu dann nicht zuckers darzu so nym honig vnd legckuchen an dy stat Ein smaltz thue dar ein so wirt das muß vein vnd hack dan dy lungen dar ein dy so gesotten sein an an dy stat so hastu das muße des salcz solt du vergessen nicht das muß wirt anders gar enwicht gut gemuß mustu dar zu han vnd scheud es dan daran</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-099-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-099-orig">
          <p>Willst du ein gutes Mus von einem Kalb kochen, so nimm das Blut und gib es in Wein. Misch das untereinander, setz es ans Feuer und lass es sieden.</p>
          <p>Hast du dann keinen Zucker dazu, so nimm Honig und Lebkuchen an seiner Statt. Gib Schmalz hinein, so wird das Mus fein. Hack dann die Lunge hinein, die zuvor gesotten worden ist, so hast du das Mus. Das Salz sollst du nicht vergessen, sonst wird das Mus ganz fade. Gutes Gewürz musst du dazu haben und es dann darüberstreuen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den schbais">Kalbsblut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zuckers">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig (als Zuckerersatz)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="legckuchen">Lebkuchen (als Zuckerersatz)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ein smaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy lungen">Lunge (vom Kalb, vorgekocht)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gut gemuß">Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Zimt)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-100">
        <head>Weichselkirsch-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-100-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-100-trans">
          <p>Wildu machen ain salsen Wildu machen ain salssen von weichselen So thue dy weichsel In ainen haffen vnd las sy syeden vnd las sy kalt werdenn vnd streich sy dan durch ain tuch vnd thue sy dan In ain pfan oder in ainen hafen vnd secz sy auff ain glutt vnd las es wol syden vnd rur sy pis das sy dick werdt vnd thue dan darein honig vnd ge= ribnes pratt vnd neglein vnd stupt gnug vnd thue sy In ain fesslein drey Iar oder virj pleibt sy dir gutt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-100-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-100-orig">
          <p>Wenn du eine Sauce aus Weichselkirschen machen willst:</p>
          <p>Gib die Weichselkirschen in einen Topf und lass sie sieden. Und lass sie kalt werden. Und streiche sie dann durch ein Tuch. Und gib sie dann in eine Pfanne oder einen Topf und setze sie auf eine Glut. Und lass es gut sieden und rühre sie, bis sie dick wird.</p>
          <p>Und gib dann Honig, geriebenes Brot, Nelken und genug Gewürze hinzu. Und gib sie in ein Fässchen; drei oder vier Jahre bleibt sie dir gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weichsel">Weichselkirschen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ge= ribnes pratt">Brot, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="neglein">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="stupt gnug">Gewürzpulver</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-101">
        <head>Gefülltes Teigblatt mit Geflügel, Äpfeln und Gewürzhonig</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-101-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-101-trans">
          <p>Wildu machen ain gut pachen So nymm ayr vnd clopf sy clain vnd schneid daruter semel wurflat vnd mach es gelb vnd schneidt daruter mustat clain vnd thue ain smalcz In ain pfendlein vnd mach ain plat von halben taick vnd thuen das selbig daraus vnd mach dan von dy sem tayll auch ain platt vnd las es darin ligen vnd nym dan gerost opfel vnd nymm dan gepratne reph= uener ob du der rephuener nit herzt So nymm Iunge huner oder tauben In ain leg geroster opfel auf das plat gehal birt huener dy leg auch darauff vnd heb es dan vber den hertt vnd clopf dan zbays ayr vnd geus es dan vnd dun an dy ortter So werden dy ploter gancz ma= ch dan ain gut honig das faim sauber vnd thu dar ein gut gburcz vnd prich ain loch durch das platt vnd geus das honig darein vnd las es dan darin hin vnd her lauffen das ist ain edle speys vnd versalcz sein nicht so es rain</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-101-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-101-orig">
          <p>Nimm Eier und schlage sie klein. Schneide gewürfelte Semmel darunter und färbe die Masse gelb. Schneide auch fein Muskatblüte darunter. Gib Schmalz in ein Pfännchen, backe aus der halben Masse einen Fladen und gib ihn hinein. Backe dann aus dem übrigen Teil noch einen Fladen und lass ihn darin liegen.</p>
          <p>Nimm dann geröstete Äpfel. Nimm gebratenes Rebhuhn, oder, wenn du kein Rebhuhn hast, nimm junge Hühner oder Tauben. Lege die gerösteten Äpfel auf den Fladen, die halbierten Hühner legst du auch darauf. Hebe es dann über den Herd.</p>
          <p>Schlage dann zwei Eier, gieße sie hinein und gib sie an die Ränder, sodass die Fladen ganz werden. Bereite dann einen guten Honig zu, den du sauber abschäumst, und gib gute Gewürze hinein. Stich ein Loch durch den Fladen, gieße den Honig hinein und lass ihn dann darin hin und her laufen. Das ist eine edle Speise. Versalze sie nicht, denn sie ist rein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="aÿr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="semel wurflat">Semmel, gewürfelt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mustat">Muskatblüte (Macis)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain smalcz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gerost opfel">Äpfel, geröstet</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gepratne rephuener ob du der rephuener nit herzt So nymm Iunge huner oder tauben">Rebhühner, gebraten (alternativ: junge Hühner oder Tauben)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zbays ayr">Eier</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gut gburcz">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-102">
        <head>Drei Zubereitungen von einem Hecht</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-102-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-102-trans">
          <p>Wildu machen dreyr lay essen von ainem vischen Von ainem visch das der visch denoch gancz sey So nym ainen hecht vnd schlag vmb das mitel tayl ain nas tuch vnd leg In dan auf ain rast vnd salcz In vnd las in praten vnd des fadertail des kops das pegeus mitt hayssem schmalcz vnd pespreng es mit melb vnd das thuch pegeus fursich dar mit hayssem wein vnd das hinter taill das prett sich selber auff dem rost vnd ain gute salssen dar zue</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-102-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-102-orig">
          <p>Willst du drei Arten von Speisen aus einem einzigen Fisch zubereiten, sodass der Fisch am Ende dennoch ganz erscheint?</p>
          <p>Nimm einen Hecht und schlage um das Mittelteil ein nasses Tuch. Lege den Fisch dann auf einen Rost, salze ihn und lasse ihn braten. Das vordere Teil mit dem Kopf übergieße mit heißem Schmalz und bestreue es mit Mehl. Das Tuch begieße fortwährend mit heißem Wein. Das hintere Teil brät sich selbst auf dem Rost. Serviere dazu eine gute Sauce.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ainem vischen">Hecht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="nas tuch">Nasses Tuch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hayssem schmalcz">Heißes Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="melb">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hayssem wein">Heißer Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gute salssen">Sauce</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-103">
        <head>Süße Pfeffersauce mit Lebkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-103-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-103-trans">
          <p>von ainem guten pffer zw etc. In ain suß pfef ferlein so nym ain semel vnd schneidt dy rinten herab vnd nym dann dy geschniten semel vnd reibs vnd nym dann honig vnd ayr das ains als vil sey sam das ander vnd mach dy semel mit dem honig oder mit den ayren ab vnd schneid drey mustat dar ein vnd mach es gelb vnd nym ein smaltz in ein pfenlein vnd rost es kul auf kollen vnd mach es nit hert laß also waich vnd thue ein smaltz in ein pfeinlein als groß sann ein ay vnd thue es her vber in dy selben pfannen vnd prew es aus ander das ein kudlein dar aus werde setz auff ein klains glutlein vnd thue ein haffen deck dar vber vnd las es kul pachen ein klaine weile das es nicht verprunn vnd nym dann dy rintten von der semel vnd nym gutten letzeltten vnd reib den vnd nym honig vnd thues in ein pfeinlein vnd geus eynen gutten viedung weins daran vnd hab es vberen hert las ein wall thun vnd slag es durch ein thu vnd thues in ein pfeinlein vnd nym zimat rinttdenn vnd imbir vnd safferan vnd thu es dar an vnd versaltz nit hab es vberr das fewer vnd walls ab vnd nym dann herdenn kuchen vnd schneid in in den pfefer halt in pey der werner pis das du in in anrichten wild</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-103-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-103-orig">
          <p>Für eine süße Pfeffersauce nimm eine Semmel und schneide die Rinden ab (die Krusten bewahre für später auf). Nimm dann die geschnittene Semmel und reibe sie fein. Nimm anschließend Honig und Eier, zu gleichen Teilen, und binde die geriebene Semmel entweder mit dem Honig oder mit den Eiern ab. Schneide drei Macisblüten hinein und färbe die Masse gelb.</p>
          <p>Nimm etwas Schmalz in ein Pfännlein und röste die Semmelmasse sanft auf Kohlen. Achte darauf, dass sie nicht hart wird, sondern weich bleibt. Gib dann eine Menge Schmalz, etwa so groß wie ein Ei, in ein weiteres Pfännlein und gib es zu der Masse in die erste Pfanne. Koche und verrühre es auseinander, sodass ein kleines Küchlein oder eine dicke Masse daraus entsteht. Setze es auf ein kleines Glutbett und lege einen Topfdeckel darüber. Lasse es eine kleine Weile sanft backen, damit es nicht anbrennt.</p>
          <p>Nimm dann die zuvor abgeschnittenen Krusten von der Semmel und nimm guten Lebkuchen und reibe ihn. Nimm Honig und gib ihn in ein Pfännlein. Gieße eine gute Menge Wein dazu und lasse es über starker Hitze einmal aufwallen. Seihe es durch ein Tuch und gib es zurück in ein Pfännlein. Nimm Zimtrinde, Ingwer und Safran und gib es hinzu. Versalze es nicht. Halte es über dem Feuer und lasse es einkochen.</p>
          <p>Nimm dann harte Kuchen und schneide sie in die Pfeffersauce. Halte die Sauce warm, bis du sie anrichten möchtest.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ain semel">Semmel</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="dy rinten">Semmelkrusten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="drey mustat">Muskatblüte (Macis)</ingredient> - 3</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein smaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gutten letzeltten">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyn gutten viedung weins">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zimat rinttdenn">Zimtrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="imbir">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="safferan">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="herdenn kuchen">Harte Kuchen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="m5919-104">
        <head>Mittelalterliches Instant-Soßenpulver (Dörr-Salse)</head>
        <div type="original" xml:id="m5919-104-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m5919-104-trans">
          <p>Ein andre salssen Nym salua munczen polann peter syll Iungen vnd alten sauren ampfer dy kreuter wasch schonn vnd der sy an der Sunen Nym dar zw piper galgandt ymber anis zimet kardmiomen cobeben Negel mustat pul fer paris kornn vnd ain wenig artikes dan mach dy salssen schon vnd gederret weyß pratt aus dem allen mach puluer wan du das essen wildt so temper sey mit wein oder mit essick dy pehalt dy lang du wildt vnd haysset darre salsen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m5919-104-trans" xml:lang="de" corresp="#m5919-104-orig">
          <p>Nimm Salbei, Minze, Polei-Minze, Petersilie, jungen und alten Sauerampfer. Wasche die Kräuter schön und dörre sie an der Sonne.</p>
          <p>Nimm dazu Pfeffer, Galgant, Ingwer, Anis, Zimt, Kardamom, Kubeben, Nelken, Muskatnuss, Paradieskörner und ein wenig artikes.</p>
          <p>Mache die Sauce schön und aus all diesen getrockneten Kräutern, Gewürzen und getrocknetem Weißbrot mache ein Pulver. Wenn du das essen willst, so temperiere es mit Wein oder mit Essig. Die Mischung behalte, so lange du willst, und sie heißt 'Dörr-Sauce'.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salua">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="munczen">Minze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="polann">Polei-Minze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="peter syll">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Iungen vnd alten sauren ampfer">Sauerampfer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="piper">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="galgandt">Galgant</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ymber">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="anis">Anis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="zimet">Zimt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="kardmiomen">Kardamom</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="cobeben">Kubeben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Negel">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mustat">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="paris kornn">Paradieskörner</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gederret weyß pratt">Getrocknetes Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essick">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-001-trans" resp="#fyndling">Kuriosum, kein Nachkoch-Rezept. Ein extravagantes Schau-Huhn für die Tafel - aufwendig, halb illusionär und nichts, was man heute ernsthaft nachkocht. Das Huhn wird gehäutet, die leere Haut in ein Glas hineingefüllt und so gegart, dass sie sich darin wieder zur ganzen, prallen Vogelgestalt ‚streckt'.

Die Technik (so der Wortlaut). Das gebrühte Huhn vorsichtig zwischen Haut und Fleisch lösen, die Haut ganz abziehen (bis zu den Füßen, deren Knochen man innen kappt), Risse zunähen. Dann die Haut mit einem stumpfen Holzstäbchen in das Glas hineinstoßen - Füße zuerst -, bis nur noch der Hals herausschaut; den Halsrand über die Glasöffnung stülpen und mit Faden festbinden. Das Fleisch separat in Fleischbrühe sieden, mit Eiern, Salbei und Gewürz zu einer Farce verarbeiten, in die Haut füllen und oben dicht verschließen. Verschlossen im Topf mit Wasser garen - die gefüllte Haut streckt sich dabei in den Hals des Glases, sodass Flügel, Hals und Füße wieder sichtbar werden.

Das kutraf glas - reine Vermutung. kutraf ist sonst nirgends belegt (ein Hapax). Die naheliegende Deutung als Gluckerglas (Kuttrolf/Angster) - bauchiges Glas mit engem Hals - stützt sich allein auf den Anklang an Kutt(e)rolf und darauf, dass sich die Haut „in den Hals streckt“. Sicher ist das nicht - und es hat einen Haken: Durch den engen Hals eines echten Kuttrolfs ließe sich eine ganze Hühnerhaut gar nicht stoßen. Entweder war also irgendein weites, hitzefestes Glas gemeint - oder das Rezept ist ohnehin nicht wörtlich zu nehmen (siehe unten).

Schaustück - oder Scherzrezept? So oder so nichts zum Nachkochen. Entweder maßlose Tafel-Angeberei (ein „wiederbelebtes“, neu in Form gegartes Huhn) - oder, näher als man zunächst denkt, ein Prahl-/Unmöglich-Rezept: ein ganzes Huhn im Glas, das man weder herausbekommt noch daraus essen kann und das, selbst wenn der Aufbau gelänge, weder schmeckt noch satt macht. Der Schreiber Ulrich Mostl hatte sichtlich Freude an Illusionen - direkt nebenan der „doppelte Aal“ (m5919-002), dazu die Mandel-„Spiegeleier“ (m5919-018). Wir geben es als historisches Kuriosum wieder und erfinden bewusst keinen Trick, der es praktikabel macht.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-001-orig" n="pegreyf es schon zbischen haut vnd fleisch" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Löse die Haut vorsichtig vom Fleisch - der heikelste Schritt; die Haut muss ganz bleiben.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-001-orig" n="kutraf glas" resp="#fyndling">Das Glasgefäß, in das die Hühnerhaut hineingestoßen wird (nicht übergestülpt) - vermutlich ein bauchiges Gluckerglas/Kuttrolf mit engem Hals; siehe Lesarten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-001-orig" n="stos der heut ye ain wenig hin ein" resp="#fyndling">Die Haut wird mit dem stumpfen Holzstäbchen ins Glas hineingestoßen (Füße zuerst); nur der Halsrand wird außen über die Glasöffnung gestülpt und mit Faden festgebunden.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-001-orig" n="saluan" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saluan">Salbei - das Leitkraut der Ei-Farce.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-001-orig" n="so wirt es sich strecken In dem hals" resp="#fyndling">Der Schau-Effekt: Beim Garen streckt sich die gefüllte Haut in den Hals des Glases, sodass Flügel, Hals und Füße wieder erscheinen - das Huhn wirkt ganz und lebendig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-001-orig" n="kutraf glas" resp="#fyndling">Am ehesten ein Gluckerglas (Kuttrolf/Angster) - ein bauchiges Glas mit engem Hals. Dass die Haut *in* das Glas gestoßen wird und sich beim Garen ‚in den Hals streckt' (der Schau-Effekt), passt zu diesem Gefäßtyp; ‚kutraf' klingt an Kutt(e)rolf an.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-001-orig" n="ain ganz Huhn in ein Glas (das Gesamt-Verfahren)" resp="#fyndling">Ein extravagantes höfisches Schau-Gericht: ein gehäutetes, neu gefülltes Huhn, das in einem Glas wieder ganze Vogelgestalt annimmt - Illusionskunst der Festtafel.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-002-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Illusions-Schauspeise: Aus einem Aal werden scheinbar zwei. Man zieht dem Aal die Haut ab, füllt sie mit einer gut gestampften Ei-Farce, formt sie wieder zur Aal-Gestalt und brät sie auf dem Rost; das eigentliche Aal-Fleisch wird separat in Wein gesotten. Auf der Platte liegen dann zwei ‚Aale' - der gefüllte Schau-Aal und der gekochte. Der lebende Verwandte ist die Galantine/Ballotine (Haut gefüllt und neu geformt).

Die Technik. Haut abziehen, eine Ei-Farce einfüllen, die Haut rechtsherum wenden und um die Farce neu formen, zunähen, damit nichts herausfällt. Den gefüllten Haut-Aal auf dem Rost mit Butter braten; das ausgelöste Fleisch separat in Wasser und Wein sieden. Beides zusammen anrichten.

Die Pointe. Der Text liefert den Tafel-Gag gleich mit: Der Herr soll fragen ‚Woher kommt uns der eine Aal?' - das Spiel mit der Verdopplung war der eigentliche Zweck.

Praxis (Hinweis). Der Europäische Aal gilt heute als stark gefährdet; Wildfang ist streng reguliert (siehe Anmerkung), Zuchtaal ist aber beim Fischhändler erhältlich und die empfohlene Wahl für dieses Rezept. Die Technik (Haut füllen, neu formen, doppelt anrichten) ließe sich alternativ auch mit einem anderen Fisch nachstellen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-002-orig" n="alenn / all" resp="#fyndling">Aal. Der Europäische Aal gilt heute als stark gefährdet (IUCN 'Critically Endangered'); Wildfang ist streng reguliert (CITES Anhang II), Zuchtaal aus nachhaltiger Aquakultur ist aber beim Fischhändler normal erhältlich.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-002-orig" n="stup" resp="#fyndling">Von ‚stoßen' = stampfen/zerstoßen, hier zu einer feinen Farce.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-002-orig" n="ker dy haut an das recht vnd stos dy haut wider in dy full" resp="#fyndling">Die abgezogene Haut rechtsherum wenden und neu um die Farce formen - der Kniff, der aus der leeren Haut den zweiten, gefüllten ‚Aal' macht.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-002-orig" n="von wan kumpt vns der ain all" resp="#fyndling">Die mitgelieferte Tafel-Pointe: Der Gast soll über den scheinbar verdoppelten Aal staunen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-003-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine feine Hühner-Kraftbrühe, mit gestoßener Hühnerleber, geriebener Semmel, Eigelb und einem Hauch Rahm gebunden - im Kern eine frühe Form der gebundenen Kraftbrühe/des Consommés.

Die Technik. Das Huhn (ganz oder geviertelt) im Topf knapp mit Wasser bedeckt sieden; die Lebern kurz angaren und fein stoßen, mit geriebener Semmel (Menge ‚wie ein Eigelb', das Eiweiß weg) und etwas Milchrahm zu einer feinen Bindung verrühren und die Brühe damit legieren.

Das Blei-Zinn-Gefäß. Der Wortlaut nennt ausdrücklich einen ‚zinnernen Topf, der Blei enthält' - Zinn-Blei-Legierung war beim Gebrauchsgeschirr die Regel, nicht die Ausnahme. Warum es hier eigens erwähnt wird, bleibt offen; am ehesten meint es schlicht „billiges Bleizinn genügt“. Dass aus solchem Geschirr gelöstes Blei süßlich schmeckt - und im Spätmittelalter beim Wein sogar bewusst zum Süßen genutzt wurde -, war empirisch bekannt. Eine gezielte Süß- oder gar Schad-Absicht lässt sich aus diesem schlichten Brüh-Rezept aber nicht herauslesen: es enthält nicht einmal Wein oder Essig, die Blei verstärkt lösen würden. Heute nicht nachmachen: Blei ist giftig und geht in heiße/fette Speisen über; ein normaler Topf tut es genauso.

Praxis. Huhn auskochen, abseihen; Leber, geriebenes Weißbrot und etwas Sahne fein verrühren, in die heiße (nicht kochende) Brühe einrühren und ziehen lassen, bis sie sämig bindet.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-003-orig" n="zinene kandel ... pley pey sey" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">Ein zinnerner Topf, der Blei enthält (Zinn-Blei-Legierung). Heute nicht verwenden - Blei ist giftig; ein normaler Topf genügt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-003-orig" n="semel protz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Geriebenes Semmelbrot (Weißbrot) als Bindemittel - die zeittypische Bindung lange vor der Mehlschwitze.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-003-orig" n="ayr totteren" resp="#fyndling">Eigelb - hier als Mengenangabe (‚so viel Semmel wie ein Eigelb') und zur Bindung; das Eiweiß wird verworfen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-003-orig" n="milchram" resp="#fyndling">Ein winziger Schuss Milchrahm (Sahne) für die feine, runde Bindung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-004-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine dunkle Leber-Lebkuchen-Sauce (Galrat) - im Kern ein Leberpfeffer: gesottene Kalbsleber, mit Lebkuchen, Wein, Honig und Gewürz gebunden und durch ein Tuch passiert. Sie wird heiß über den gepressten Schweinekopf (m5919-005) gegeben.

Galrat = pourable, nicht steif. Anders als eine kalte Aspik-Sülze bleibt diese Galrat bewusst dünnflüssig (‚nicht zu dick, dass sie vom Löffel gleitet') und wird warm serviert; auf dem kalten Presskopf kann sie etwas anziehen. Verwandt mit der ganzen Lebkuchen-/Leberpfeffer-Saucenfamilie.

Färben. ‚Gilb sy ein wenig' - leicht gelb färben (Safran). Bei der ohnehin dunklen Lebersauce ein dezenter Status-/Aroma-Akzent.

Praxis. Kalbsleber gar sieden, fein mörsern, mit geriebenem Lebkuchen, gutem Wein und Honig verrühren, gut würzen, durch ein Tuch streichen; sämig, aber gießfähig halten. Heiß über den Presskopf geben.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-004-orig" n="gal radt" resp="#fyndling">Galrat/Gallert - hier aber eine warm servierte, gießfähige Sauce (kein steifes Aspik), die über den Presskopf m5919-005 kommt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-004-orig" n="leczelttens" resp="#fyndling">Zerbröselter Lebkuchen - bindet und würzt die Sauce (Leberpfeffer-Prinzip).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-004-orig" n="gilb sy ein wenig" resp="#fyndling">Leicht gelb färben, mit Safran - bei der dunklen Lebersauce eher Status-/Aromageste als echte Färbung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-005-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Presskopf / Schweinskopfsülze (Headcheese): der gesottene Schweinekopf wird entbeint, klein gehackt, gewürzt, in der eigenen Schwarte zusammengepresst und kalt geschnitten - serviert mit der heißen Galrat aus m5919-004. Der direkte Vorfahr von Presssack/Schwartenmagen/Sülze.

Die Technik. Kopf gut weich sieden, erkalten lassen, Knochen sauber auslösen, Schwarte abziehen. Fleisch fein hacken, kräftig würzen; wer mag, gibt hartgekochte Eier dazu, damit der Anschnitt ‚wie gespickt' aussieht (ein Schau-Effekt). Die Schwarte als Hülle auf ein doppeltes (Zwillich-)Tuch legen, das Hackfleisch darauf häufen, einschlagen, mit einem großen Stein im Keller pressen. Kalt in Schnitten schneiden.

Praxis. Wie heutiger Presskopf: Kopf-/Schwartenfleisch garen, würzen, in Tuch/Form unter Gewicht kalt pressen, aufschneiden. Mit der warmen Leber-Lebkuchen-Galrat (m5919-004) anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-005-orig" n="claib dy pain ... daruon" resp="#fyndling">Die Knochen sauber vom gekochten Kopf lösen (auslösen/entbeinen).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-005-orig" n="schbarten" resp="#fyndling">Die Schwarte (Haut) wird abgezogen und dient als Hülle, in der das Hackfleisch gepresst wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-005-orig" n="sam es vnter spick sey" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">Hartgekochte Eier ins Hackfleisch, damit der Anschnitt ‚wie gespickt' aussieht - ein optischer Effekt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-005-orig" n="leg ain grossen stain darauff vnd preß" resp="#fyndling">Mit einem schweren Stein im kühlen Keller pressen, bis der Kopf schnittfest ist - das Press-Sülze-Prinzip.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-005-orig" n="galradt" resp="#fyndling">Die heiße Leber-Lebkuchen-Galrat (m5919-004) kommt zum Anrichten über die kalten Schnitten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-006-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süß-saures Feigengericht in dunkler Lebkuchen-Pfeffersauce, kalt serviert - eng verwandt mit der Feigensülze/Feigen-Salse-Familie (vgl. m384-076, rfk-016).

Die Technik. Je sechs Feigen auf Spießchen stecken (hält sie beim Kochen zusammen), im Kessel mit Wasser und Wein zu gleichen Teilen weich sieden. Aus dem Feigensud mit gebratenem Fleisch, geriebenem Lebkuchen, Honig und Essig eine süß-saure Sauce (Agrodolce) kochen und durchs Sieb streichen, würzen und färben. Die Feigen in ein sauberes Gefäß legen, die Sauce darüber. Kalt anrichten, mit prall aufgekochten, runden Rosinen und Essig bestreut.

Praxis. Getrocknete Feigen in Wasser-Wein weich kochen; eine Lebkuchen-gebundene süß-saure Sauce dazu; kalt servieren. Honig gegen Essig = die süß-saure Leitachse, die das Lebkuchen-Aroma trägt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-006-orig" n="spissel" resp="#fyndling">Kleine Spießchen - je sechs Feigen aufgesteckt, damit sie beim Sieden Form und Zusammenhalt behalten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-006-orig" n="lezelten" resp="#fyndling">Geriebener Lebkuchen, bindet und würzt die süß-saure Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-006-orig" n="sinbelen erbelten weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#erbelten">‚Sinwel' = rund; ‚erbelten‘ = erwellen/aufkochen (der Schreiber setzt b für w). Getrocknete Weinbeeren (Rosinen) werden in heißem Wasser oder Wein kurz aufgekocht, bis sie sich vollsaugen und wieder prall und kugelrund aufquellen - so kommen sie als Garnitur darüber.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-007-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gebackene Hecht-Pastete mit einer Füllung aus Hecht, gestoßenen Mandeln und Reis (ein feines Fischmus), in einer heißwasser-gebrühten Roggenteig-Hülle.

Die Hülle (heißer Teig). Der Teig aus gesiebtem Roggenmehl wird mit heißem Wasser abgebrüht und fest geknetet - ein Brühteig, der sich frei zu einer standfesten Pastetenhülle (‚Kopf') formen lässt (der mittelalterliche ‚coffin'/Standpastete). Hülle füllen, in den Ofen schieben, aufpassen, dass nichts verbrennt.

Die Füllung. Gebackenen, entgräteten Hecht mit separat gestoßenen Mandeln und Reis zu einem Mus stoßen, mit etwas Dickmilch/Rahm abmischen (nicht zu dünn), ein Lot Zucker, gelb gefärbt, fein gesalzen.

Praxis. Heute mit Roggen-Brühteig (Roggenmehl mit kochendem Wasser anbrühen, fest kneten) eine Form auskleiden, die Hecht-Mandel-Reis-Masse einfüllen, im Ofen backen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-007-orig" n="peutlaten melb" resp="#fyndling">Gebeuteltes (gesiebtes) Roggenmehl - durch ein Beuteltuch von Kleie befreit, also feineres Mehl für die Teighülle.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-007-orig" n="prenn das mit hayssem wasser ab" resp="#fyndling">Den Teig mit heißem Wasser abbrühen (Brühteig) - so wird die Roggenhülle fest und standfest genug für eine freistehende Pastete.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-007-orig" n="mach ain kopf" resp="#fyndling">Eine Pastetenhülle formen (‚Kopf' = der Teigbehälter), in den die Füllung kommt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-007-orig" n="oflein" resp="#fyndling">Ein kleiner (Back-)Ofen - die Pastete wird gebacken, nicht am offenen Feuer gegart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-007-orig" n="ainem pfenbart ober milch" resp="#fyndling">Eine kleine Menge (ein ‚Pfennwert') Obermilch/Rahm bzw. Dickmilch zum Abmischen des Fischmuses - macht es sämig, aber nicht zu dünn.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-008-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gebackene Rindfleisch-Pastete mit Geflügel - eine herzhafte Standpastete, entfernter Verwandter der englischen ‚raised pie'.

Die Füllung. Mageres Rindfleisch klein schneiden, im Verhältnis zwei Drittel Fleisch, ein Drittel Talg (Unschlitt), dazu Vögel, Tauben oder Hühner; alles zu einer Farce stoßen. Der Talg hält die Pastete saftig.

Die Hülle. Wie bei der Hechtpastete (m5919-007) eine mit heißem Wasser angebrühte Roggenteig-Hülle (Brühteig). Füllung einfüllen, Teigdeckel (‚Blätter') darüber, ein Luftloch einstechen, im Ofen gut backen.

Fasten-Variante. Geht auch mit Fisch: dann Butter statt Talg, den Fisch deutlich größer schneiden als das Rindfleisch, und nicht versalzen.

Praxis. Roggen-Brühteig-Hülle, Fleisch-Talg-Geflügel-Farce, Deckel mit Luftloch, im Ofen backen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-008-orig" n="vnslit" resp="#fyndling">Unschlitt = Talg (Rinder-/Hammelfett). Ein Drittel Talg auf zwei Drittel Fleisch hält die Pastete saftig.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-008-orig" n="haffen aus rockem melb" resp="#fyndling">Der Pastetentopf/-‚Hafen' aus mit heißem Wasser angebrühtem Roggenmehl (Brühteig) - die standfeste Hülle.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-008-orig" n="pleter ... prich ain loch darein" resp="#fyndling">Teigblätter als Deckel, dann ein Luftloch einstechen, damit der Dampf entweicht.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-008-orig" n="putern an dy stat" resp="#fyndling">Für die Fisch-/Fastenvariante Butter statt Talg verwenden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-009-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Spießgebratenes Wildgeflügel mit Wacholder-Füllung - die klassischste aller Wild-Würzungen. Eng verwandt mit den Wacholder-Geflügel-Füllungen im Korpus (Gänsefüllung mit Wacholder m384-046, rfk-072; gespickter Kapaun m725-012).

kranbipir = Wacholderbeeren, nicht Preiselbeeren. Im Bairischen heißt der Wacholder ‚Kranewitt/Kranawitt', die Beeren ‚Kranbeer' - ein Dialekt-Falscher-Freund: Modern klingt ‚Kranbeere' nach Cranberry, gemeint ist aber Wacholder. Das passt auch sachlich, denn Wacholder ist das Leitgewürz für Wildgeflügel.

Die Technik. Die Wacholderbeeren in Wein oder Essig weich ziehen lassen, mit Gewürz in die Vögel stopfen, am Spieß über dem Feuer braten. Das harzig-würzige Wacholderaroma durchzieht den Vogel von innen - dieselbe Logik wie bei der Wacholder-Gänsefüllung.

Brachvogel heute. Der Große Brachvogel ist streng geschützt - nachstellbar mit Wachtel, Rebhuhn, Taube oder Fasan; den Wacholder wie gehabt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-009-orig" n="prach vogel" resp="#fyndling">Brachvogel (Großer Brachvogel, ein Watvogel). Heute streng geschützt - nur historisch; ersatzweise anderes Wildgeflügel.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-009-orig" n="kranbipir" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#kranbipir">Wacholderbeeren. Bairisch heißt der Wacholder ‚Kranewitt/Kranawitt', die Beeren ‚Kranbeer' - ein Dialekt-Falscher-Freund: NICHT die moderne ‚Kranbeere' (Cranberry/Preiselbeere), sondern Wacholder, das Leitgewürz für Wildgeflügel.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-009-orig" n="erbaichen" resp="#fyndling">Erweichen - die Wacholderbeeren in Wein/Essig weich ziehen lassen, bevor sie in den Vogel kommen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-009-orig" n="kranbipir" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#kranbipir">Wacholderbeeren. Bairisch heißt der Wacholder ‚Kranewitt/Kranawitt', seine Beeren ‚Kranbeer' - in einem Regensburger Text um 1500 also Wacholder. Sachlich stimmig: Wacholder ist die klassische Wildgeflügel-Würze (vgl. m384-046, rfk-072).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-010-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine herzhafte Vogel-Eier-Torte: gebratenes Geflügel mit etwa zwanzig Eiern, Petersilie und fetter Milch in einem Teigtopf gebacken - im Kern eine frühe Quiche / herzhafte Eier-Milch-Torte.

Die Technik. Aus Teig einen Topf (Hülle) formen. Gebratenen Vogel mit den verquirlten Eiern, gehackter Petersilie und guter, fetter Milch (Rahm) hineingeben, etwas Schmalz dazu, im Ofen backen, bis die Masse gestockt, aber nicht verbrannt ist.

Praxis. Wie eine Quiche: einen Teigboden/-topf mit gebratenem Geflügel, Ei-Rahm-Guss und Petersilie füllen und im Ofen stocken lassen. Die zwanzig Eier zeigen, dass es eine üppige Festtags-Eierspeise war.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-010-orig" n="thur / thort" resp="#fyndling">Torte - hier eine herzhafte, im Teigtopf gebackene Eier-Milch-Masse (kein süßer Kuchen).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-010-orig" n="obry milch" resp="#fyndling">Obermilch = der fette Rahm, der sich oben absetzt (Sahne) - gibt dem Guss Gehalt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-010-orig" n="scheus In den ofen" resp="#fyndling">In den Ofen schieben - die Torte wird gebacken, daher kein Lagerfeuer-Gericht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-011-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gesottener Fisch in einer süßen Honig-Mandel-Rosinen-Sauce - eng verwandt mit den süßen Fisch-Salsen des Korpus (vgl. teg-009 Sulzfisch, m384-074 süße Salse mit Fisch).

Die Technik. Den Fisch sieden, auf eine Schüssel legen. Honig, gestoßene Mandeln und Weinbeeren (Rosinen) aufwallen lassen (erbels = erwellen), über den Fisch gießen, mit Gewürzpulver bestäuben und mit Safran gelb färben.

erbels = aufkochen, nicht ‚Früchte'. ‚weinpir erbels dan' heißt ‚die Weinbeeren, lass sie dann aufwallen' - der Schreiber setzt b für w (erbels = erwells), wie auch sonst im Buch. Es ist kein zusätzliches Obst gemeint.

Praxis. Festen Fisch pochieren; Honig mit Mandeln und Rosinen kurz aufkochen, etwas Gewürz und Safran, sämig über den Fisch geben.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-011-orig" n="weinpir erbels dan" resp="#fyndling">‚Weinbeeren (Rosinen), lass sie dann aufwallen.' ‚erbels' = erwell(e)s = aufkochen (b für w, Schreiber-Eigenheit) - KEIN Substantiv ‚Früchte'.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-011-orig" n="stub es" resp="#fyndling">Bestäube es - mit Gewürzpulver (Gestüpp) bestreuen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-011-orig" n="gilbs" resp="#fyndling">Färbe es gelb, mit Safran.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-011-orig" n="erbels" resp="#fyndling">erwell(e) sie = aufkochen/aufwallen lassen (b für w, wie zbey/schbein/gburcz). Bezieht sich auf die Weinbeeren/Rosinen, die in der Honig-Mandel-Sauce aufgekocht werden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-012-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Hühner-Torte im Sinne einer eiergebundenen, in Schmalz gebackenen Masse (frittata-/auflaufartig) aus Hühnerstücken, geriebener Semmel, Eiern und Petersilie - dazu eine süße Pfeffersauce (suess peferlein).

Die Technik. Geriebene Semmel, geschlagene Eier und Petersilie mit den in Stücke gebrochenen Hühnern mischen, in ein Gefäß mit heißem Schmalz gießen und backen/braten, bis es stockt. Mit einer süß-würzigen Pfeffersauce servieren.

morser als Form? Der Wortlaut sagt ‚gieß in einen morser mit heißem Schmalz und backe' - gemeint ist offenbar ein Gefäß/eine Form, in der die Masse in Schmalz gebacken wird (nicht der Stoß-Mörser); die genaue Form ist unklar.

Praxis. Wie eine herzhafte Quiche/Frittata: Hühnchen, Ei, Semmelbrösel, Petersilie in eine gefettete Pfanne/Form, in Schmalz stocken lassen; eine süße Pfeffersauce (Lebkuchen/Pfeffer-süß) dazu.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-012-orig" n="wurflat semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Geriebene/gewürfelte Semmel (Weißbrot) als Bindung.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-012-orig" n="geus In ainen morser mit hayssem smalcz vnd pachs" resp="#fyndling">In ein Gefäß/eine Form mit heißem Schmalz gießen und backen - ‚morser' hier offenbar als Backform, nicht als Stoß-Mörser (unklar).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-012-orig" n="suess peferlein" resp="#fyndling">Ein ‚süßes Pfefferlein' = eine süß-würzige Pfeffersauce als Begleitung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-012-orig" n="morser (als Backform)" resp="#fyndling">Ein Gefäß/eine Form, in der die Eiermasse in heißem Schmalz gebacken wird. Trotz des Wortes ‚morser' ist kaum der Stoß-Mörser gemeint - die genaue Form bleibt offen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-013-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gewürzte Schlehen-Sülze/-Latwerge - eine haltbare Fruchtkonserve, dick wie Gallert, mit ganzen Schlehen darin. Verwandt mit rfk-061 (gewürzte Schlehen) und der Birnen-/Frucht-Latwerge (kkm-107).

Die Technik. Schlehen in Wein und Wasser sieden, durchs Sieb passieren; etwas Semmel ebenfalls passieren (bindet). Mit Wein, Honig und Gewürz (Ingwer, Muskat, Nelken) abrühren, bis es gallertdick ist; ganze Schlehen einlegen, kalt werden lassen - so hält es lange.

Schlehen erst nach Frost. Schlehen sind roh stark adstringierend; erst nach dem ersten Frost (oder aus dem Gefrierfach) werden sie mild genug.

Praxis. Wie ein Schlehen-Gelee/eine Latwerge: Schlehen weich kochen, passieren, mit Wein/Honig/Gewürz einkochen, ganze Früchte einlegen, kalt stellen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-013-orig" n="mustat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">mustat = Muskatnuss. Das blanke muscat/mustat ist im bairischen Korpus die Nuss; die Blüte (Macis) wird sonst eigens markiert (muscatplud in Cgm 725, muscat plued bei Meister Hans). Wo mustat geschnitten und in auffälliger Menge erscheint, ist Muskatblüte (Macis) eine ernsthafte Alternative. Senf ist es nicht - dafür nutzt der Schreiber durchgehend senft (Senf-Rezept m5919-017).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-013-orig" n="paty semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Ein Stück/Patzen Semmel (Weißbrot), mit-passiert als Bindung.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-013-orig" n="galratt" resp="#fyndling">Gallert - die Zielkonsistenz: dick, fast gelierend.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-013-orig" n="pehelczt" resp="#fyndling">‚Behältst/bewahrst' - die Konserve hält lange.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-013-orig" n="mustat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">Muskat(nuss) - ‚mustat/muscat' ist die übliche Form für Muskat; mit Ingwer und Nelken die klassische Gewürztrias.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-014-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süßes Eidotter-Wein-Mus - ein direkter Vorfahr der Zabaglione/Weinschaumcreme: Eigelb mit Wein, etwas Semmel und Zucker (oder Honig) auf Kohlen cremig dick gerührt.

Die Technik. Welschen Wein und etwas Semmelbrösel mit den Eidottern durch ein Tuch streichen, süßen, in einem Töpfchen auf glühenden Kohlen stetig rühren, bis es dick wird - dann sofort von der Hitze. Nicht versalzen.

Naher Korpus-Zwilling. Praktisch dasselbe Rezept steht im Klosterkochbuch Rott am Inn (ri15632-027, ebenfalls ‚Eigelbmus mit Wein und Semmel') und als Weinmus ri15632-050 - eine weit verbreitete süße Eier-Wein-Creme.

Praxis. Wie Zabaglione: Eigelb, süßer Wein, etwas Zucker über sanfter Hitze schaumig-dick rühren; Semmelbrösel geben etwas Bindung.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-014-orig" n="welhisch wein" resp="#fyndling">Welscher (italienischer/südländischer) Wein - meist ein süßerer, kräftiger Wein.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-014-orig" n="ayr totteren" resp="#fyndling">Eidotter - die Basis des Muses; das Eiweiß bleibt außen vor.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-014-orig" n="auf ain kol ... rur es fir sichtae" resp="#fyndling">Auf glühenden Kohlen stetig (‚vorsichtig/fürsichtig') rühren, damit es bindet, ohne zu gerinnen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-015-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine echte Kalbsfuß-Sülze (Aspik) - hier geliert sie tatsächlich, denn Kalbsfüße sind kollagenreich (anders als der zweifelhafte Kornblüten-Trick anderswo). Verwandt mit kkm-060 (Kalbsleber-Sülze) und ri15632-035 (Gallerte u.a. von Kalbsfüßen).

Die Technik. Kalbsfüße in Wein weich kochen, fein mörsern, mit der Brühe durch ein Tuch streichen, mit Honig und Gewürz erneut sieden, sauber abschäumen, auf eine Pfanne gießen und fest werden lassen. Kurz wieder erwärmen, auf eine Bank stürzen und schneiden.

geyslicz/geischlicz. Ein zeittypischer Name für diese Sülze/Gallert von Füßen (vgl. ‚Geschlitz'); die genaue Wortbildung ist unsicher.

Praxis. Wie Kalbsfuß-Sülze/Sulze: Füße lange auskochen (gibt Gelatine), würzen, klären, kalt stocken lassen, in Schnitten servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-015-orig" n="geyslicz / geischlicz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#geyslicz">Die Etymologie ist geklärt: ‚Geislitz' ist ein slawisches Lehnwort (böhm. ‚kyselice' = saure Mehlspeise, ‚kyselý' = sauer), belegt bei Lexer, im Schweizerischen Idiotikon und im Grimm'schen DWB - NICHT von ‚Geschlitz' oder ‚Geiß' abzuleiten, trotz des Anklangs. Ursprünglich bezeichnete es speziell eine saure Hafergrütze (so in den engen Korpus-Belegen mon-151 und mon-152); der Name weitete sich aber offenbar auf jede feste, gegossene und erkaltete Masse aus - hier auf eine Kalbsfuß-Sülze, ganz ohne Getreide. Gemeinsam ist beiden Verwendungen nur die Zubereitungstechnik (kochen, in eine Form gießen, kalt fest werden lassen), nicht die Zutat.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-015-orig" n="faims schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Schäume es schön ab - der Schaum/Trub muss weg, damit die Sülze klar wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-015-orig" n="slach es auf ain panck" resp="#fyndling">Auf eine Bank/Platte stürzen, um die feste Sülze zum Schneiden zu lösen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-015-orig" n="geyslicz / geischlicz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#geyslicz">Eine Sülze/Gallert von Kalbsfüßen. Etymologie geklärt: slawisches Lehnwort (böhm. ‚kyselice' = saure Mehlspeise), belegt bei Lexer/Idiotikon/Grimm. Ursprünglich eine saure Hafergrütze (vgl. mon-151, mon-152); der Name wurde hier auf eine ganz andere, kollagenbasierte Sülze übertragen - gemeinsam ist nur die Gieß-und-Erkalten-Technik.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-016-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte Morcheln am Spieß - die hohlen Morchel-Hüte werden mit einer Eierfüllung gefüllt, aufgespießt und gebraten. Direkte Verwandte: bgs-023 und kkm-098 (gefüllte Morcheln am Spieß/Rost).

Die Technik. Morcheln mit einer guten Ei-Füllung füllen, an Spießchen stecken, schön braten; den austretenden Saft/die Brühe auffangen und dazugeben.

Knapper, etwas unvollständiger Wortlaut. Der Text bricht mit ‚die Brühe daraus und mache es' fast ab - das ‚gesülzt' (gesultz) im Titel meint hier wohl die gallertige Brat-/Eiermasse, nicht eine kalte Aspik. Wir geben die Lesart vorsichtig wieder.

Praxis. Morchelhüte mit einer würzigen Ei-/Farce-Füllung füllen, am Spieß oder Rost braten; den Bratsaft dazu.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-016-orig" n="maurochen" resp="#fyndling">Morcheln (der Pilz) - die hohlen Hüte eignen sich zum Füllen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-016-orig" n="gesultz" resp="#fyndling">Im Titel ‚gesülzt'; hier wohl die gallertige Ei-/Bratmasse, nicht eine kalte Aspik. Der Wortlaut ist knapp.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-016-orig" n="spislein" resp="#fyndling">Kleines Spießchen, auf das die gefüllten Morcheln gesteckt und gebraten werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-016-orig" n="gesultz (maurochen)" resp="#fyndling">‚Gesülzte' Morcheln - hier am ehesten gefüllte, gebratene Morcheln mit einer gallertigen Ei-/Bratmasse, nicht eine kalte Aspik-Sülze. Der knappe, fast abbrechende Wortlaut lässt es etwas offen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-017-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein selbstgemachter Senf, mit Zimtblüte gewürzt und mit Honig zu einer festen Paste geknetet, die man bei Bedarf mit Wein anrührt. Verwandt mit mha-013 (Guter Senf) und foc-141 (Lombardischer Senf).

Die Technik. Senfsaat reinigen, im Mörser fein stoßen, durch ein Tuch reiben; gestoßene Zimtblüte untermischen; mit Honig zu einer festen Masse (‚fast so fest wie Wachs') verkneten - so hält sie als Vorrat. Bei Bedarf etwas davon mit Wein zu streichfähigem Senf anrühren.

zimad plud = Zimtblüte. Nicht Thymian: ‚zimad/czimmet plud' = die Blüte/Knospe des Zimt (vgl. die Zimtblüte in m384-012/ri15632).

Praxis. Senfkörner mahlen, mit etwas Zimt(blüte) und Honig zu einer Paste verarbeiten, vor Gebrauch mit Wein verdünnen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-017-orig" n="senft samenn" resp="#fyndling">Senfsaat - im Mörser fein gestoßen und durchgerieben die Basis des Senfs.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-017-orig" n="zimad plud" resp="#fyndling">Zimtblüte (die Blüte/Knospe des Zimt) - NICHT Thymian; würzt den Senf (vgl. m384-012).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-017-orig" n="sam fast ... als der wachs" resp="#fyndling">Mit Honig zu einer festen Masse kneten, fast so fest wie Wachs - als haltbarer Vorrat.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-018-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Fasten-Illusion: ‚Spiegeleier' aus Mandel - ganz ohne Ei. Weißes Mandelmus spielt das Eiweiß, ein safrangelber Klecks darauf das Eigelb, gebratene Fisch-Grieben spielen den Speck. Ein trompe-l'oeil der Fastenküche (alles fischtauglich).

Die Technik. Mandeln fein stoßen, mit Wasser dick durchstreichen, in der Pfanne zu einem Mus einkochen. Fetten Hausen (Stör) würfeln und in Schmalz wie Speck auslassen - die Grieben herausnehmen. Mandelmus ins Schmalz geben, mit dem Löffel zu ‚Spiegeleiern' ausbreiten, mittig Safran für das ‚Dotter'; die Fisch-Grieben als ‚Speck' dazu. Mit Zucker bestreuen, warm halten.

hausen = Hausen (Stör), nicht Hecht. Der fette, wie Speck gebratene Fisch ist der Hausen/Stör (fettreich; vgl. Hausenblase) - kein Hecht (der ist mager und würde nicht wie Speck auslassen).

Praxis. Mandelmilch-Mus als ‚Eiweiß', Safran-Tupfer als ‚Dotter', knusprige Fisch-/Lachs-Würfel als ‚Speck' - eine raffinierte Fasten-Augentäuschung.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-018-orig" n="hausen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">Hausen (Stör, Acipenser huso) - ein großer, fetter Fisch; wird wie Speck gewürfelt und ausgelassen. NICHT Hecht (mager). Vgl. Hausenblase (m725).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-018-orig" n="griebe" resp="#fyndling">Grieben - die ausgebratenen, knusprigen Fischfett-Würfel; spielen hier den ‚Speck'.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-018-orig" n="augen ... recht sam dy ayr totter" resp="#fyndling">Mit Safran ein ‚Auge' aufsetzen, das wie ein Eigelb aussieht - der Illusions-Effekt der Fastenspeise.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-018-orig" n="hausen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">Hausen (Stör) - ein fetter Fisch, der wie Speck gewürfelt und ausgelassen wird; passt zu ‚vaysten' (fett) und zu den Grieben. Vgl. Hausenblase (Geliermittel aus dem Hausen).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-019-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gewürztes Wein-Honig-Lebkuchen-Kraut - eine dunkle, süß-würzige Würzbrühe/Latwerge (kein Gemüsekraut). Verwandt mit der Lebkuchen-/Latwerge-Familie (m725-002, kkm-107).

Die Technik. Zwei Teile Wein, ein Teil Honig, geriebener Lebkuchen - miteinander durchgestrichen. Welschen Kümmel und Anis stoßen, in ein Tuch (wie ein ‚Pfeffersieb') geben und die Brühe damit abschmecken/abseihen.

gmacht kraut. ‚Kraut' steht hier für eine zubereitete Würzmasse/Latwerge (Lebkuchen-Wein-Honig), nicht für Kohl oder Kräuter.

Praxis. Wein, Honig und geriebenen Lebkuchen verrühren, mit Kümmel und Anis (im Gewürzbeutel) aromatisieren - eine süß-würzige Sauce/Würzpaste zu Fleisch oder Gebäck.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-019-orig" n="gmacht kraut" resp="#fyndling">Ein ‚gemachtes Kraut' = eine zubereitete Würzmasse/Latwerge (hier Lebkuchen-Wein-Honig), nicht Kohl/Gemüse.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-019-orig" n="welischen kum" resp="#fyndling">Welscher Kümmel - meist Kreuzkümmel (Cumin) bzw. Kümmel; aromatisiert die Würzbrühe.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-019-orig" n="pfefer syb" resp="#fyndling">Ein ‚Pfeffersieb'/Gewürzbeutel - das Tuch, durch das die gestoßenen Gewürze gegeben werden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-020-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Spanferkel in einer Leber-Sülze - ein gekochtes Spanferkel, übergossen mit einer gebundenen Kalbsleber-Sauce/-Sülze (Eigelb, Semmel, Safran, Gewürz). Im Kern ein Leberpfeffer über jungem Schwein. Verwandt mit rfk-034 (Rebhuhn-Leber-Sülze), kkm-060 und der Galrat m5919-004.

Die Technik. Spanferkel und Kalbsleber in Wein-Wasser (2:1) garen, Brühe abseihen. Leber im Mörser fein stoßen, mit Semmel und vier Eidottern, mit der Brühe durchstreichen, in der Pfanne aufwallen lassen, mit Safran färben und würzen; heiß über das angerichtete Spanferkel gießen.

spensaw = Spanferkel (Spansau), kein Fisch. ‚spensaw/spansaw' = junges (Span-)Schwein; das Gericht ist eine Fleischspeise - die Leber-Sülze ist die Begleitsauce.

Praxis. Junges Schwein/Spanferkel garen; aus Leber, Eigelb, Semmel und Brühe eine sämige, safrangelbe Lebersauce ziehen und heiß darüber geben.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-020-orig" n="spensaw" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#spensaw">Spanferkel/Spansau - ein junges Schwein. Das macht das Gericht zur Fleischspeise (nicht Fisch).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-020-orig" n="ain pate semel ... fier ayr toter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Ein Stück Semmel und vier Eidotter binden die Leber-Sauce zusammen mit der Brühe.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-020-orig" n="er wel es" resp="#fyndling">Lass es aufwallen (erwellen) - aufkochen, bis die Lebermasse bindet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-020-orig" n="spensaw" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#spensaw">Spanferkel (Spansau) - ein junges Schwein. Das Gericht ist eine Fleischspeise; die Kalbsleber-Sülze ist die Sauce darüber.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-021-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist im Grunde eine mittelalterliche Wurst oder gefüllte Fleischrolle, bei der gekochtes Schweinefleisch mit Käse, Speck und Gewürzen in einen Schweinedarm gefüllt und gebraten wird. Der Begriff ‚Pastete‘ bezeichnet hier die Füllung selbst, die in einer natürlichen Hülle gegart wird - eine pragmatische Art der Fleischzubereitung, die heute eher ungewohnt ist, aber die damalige Wertschätzung aller Tierteile widerspiegelt.

So gelingt es. Koche die Schweinehamme (der Schinken bzw. die Hinterkeule), bis das Fleisch sehr zart ist und sich leicht von den Knochen lösen lässt. Das Fleisch sollte dann sehr fein gehackt oder sogar durchgedreht werden, damit die Füllung eine homogene Konsistenz bekommt. Als Startpunkt für die Bindung nimmst du auf etwa 500 g gekochtes Fleisch zwei bis drei Eigelb und etwa 100 g geriebenen, kräftigen Käse. Der gewürfelte Speck sorgt für Saftigkeit und Geschmack. Die Masse muss gut vermischt und fest genug sein, um sie in den gereinigten Schweinedarm zu füllen. Achte darauf, den Darm nicht zu prall zu füllen, da er sonst beim Braten platzen könnte. Die gefüllte Wurst wird dann bei mittlerer Hitze ‚schön gebraten‘, was ein gleichmäßiges Garen und eine leichte Bräunung bedeutet, ohne dass sie austrocknet. Die begleitende Sauce aus gemahlenen Mandeln, Wein und Ingwer wird separat zubereitet und sollte eine flüssige, aber leicht sämige Konsistenz haben, um die Wurst zu begleiten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-021-orig" n="hammen" resp="#fyndling">Ein Stück Fleisch von der Keule oder Schulter, oft vom Schwein oder Rind.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-021-orig" n="prue vleisch" resp="#fyndling">Fleisch, das zum Auskochen für Brühe verwendet wird, typischerweise ein zäherer Schnitt, der lange garen muss.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-021-orig" n="totter" resp="#fyndling">Eigelb.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-021-orig" n="kes" resp="#fyndling">Käse.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-021-orig" n="mustat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">mustat = Muskatnuss (Status-/Importgewürz). Bei „streich mustat darunter“ wäre auch Muskatblüte (Macis) denkbar - die teurere Würze passt zum betonten „kostlich“, mit etwas Wein/Rosenwasser im Mörser zur Paste gerieben. Blankes mustat ist im Korpus aber meist die Nuss (Cgm 725: muscat vs muscatplud). Senf ist es nicht (Schreiber nutzt senft).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-021-orig" n="schbeinen darmm" resp="#fyndling">Schweinedarm, der als natürliche Wursthülle dient.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-021-orig" n="Imber" resp="#fyndling">Ingwer.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-022-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Im Geiste ist dies ein raffiniertes Fenchel-Käse-Püree oder -Mus, das als elegante Unterlage für perfekt gebratene Wachteln dient, vergleichbar mit einer feinen Farce oder einem Gemüsebett der gehobenen Küche.

So gelingt es. Der Fenchel muss in einer wirklich guten, kräftigen Fleischbrühe sehr weich gekocht werden, bis er fast zerfällt. Für die im Original geforderte Feinheit ('reib in clain') ist ein Passiergerät oder ein feines Sieb ideal; alternativ ein leistungsstarker Mixer, um eine samtige, klümpchenfreie Konsistenz zu erreichen. Als Startpunkt für den Käse nimmst du etwa 100-150g eines milden, gut schmelzenden Käses (z.B. junger Gouda, Fontina oder ein cremiger Ziegenfrischkäse) auf 500g Fenchel. Der Käse wird unter das noch warme, geriebene Fenchelmus gemischt, bis er vollständig geschmolzen und eingearbeitet ist. Der häufigste Fehler ist eine zu grobe Textur des Fenchels oder ein Übersalzen durch die Brühe und den Käse - probiere daher immer wieder und salze erst ganz am Ende vorsichtig nach.

So wird es richtig gut. Die Qualität der Brühe ist entscheidend für den Geschmack des Mus. Verwende eine selbstgemachte Hühner- oder Kalbsbrühe. Für die Wachteln gilt: außen knusprig gebraten, innen saftig. Brate sie in Schmalz oder Butterschmalz goldbraun an und lasse sie bei milder Hitze garziehen. Die Wachtelleber brätst du nur ganz kurz und kräftig an, damit sie außen leicht karamellisiert und innen noch zart ist. Das Mus sollte warm, die Wachteln heiß serviert werden. Ein Hauch von weißem Pfeffer oder frisch geriebener Muskatnuss kann das Fenchel-Käse-Mus geschmacklich abrunden. Richte das Mus als Spiegel an, setze die Wachtel darauf und platziere die Leber dekorativ, bevor du das Schmalz in die Mitte gibst.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-022-orig" n="prein" resp="#fyndling">Mus, Brei oder Püree. Hier aus Fenchel und Käse zubereitet.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-022-orig" n="fleisch prue" resp="#fyndling">Fleischbrühe. Im Mittelalter oft aus Rind oder Huhn gekocht.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-022-orig" n="guten kes" resp="#fyndling">Guter Käse, vermutlich ein milder, gut schmelzender Käse wie junger Gouda oder ein Frischkäse.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-022-orig" n="smalcz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz. Kann auch Butter oder Pflanzenöl sein.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-022-orig" n="praten wachtel" resp="#fyndling">Gebratene Wachteln. Das Rezept geht davon aus, dass diese bereits zubereitet sind.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-022-orig" n="dy leber" resp="#fyndling">Die Leber der Wachteln, die oft mitgebraten und als Delikatesse serviert wurde.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-023-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist kein kulinarisches Gericht im heutigen Sinne, sondern ein medizinisches Getränk aus der mittelalterlichen Volksmedizin, das als Prophylaxe gegen Drüsenleiden und Eiter dienen sollte. Es spiegelt die damaligen humoralpathologischen Vorstellungen wider, die Wermut und Ziegenmilch spezifische heilende Eigenschaften zuschrieben und sie als wirksames Mittel gegen solche Beschwerden betrachteten. 

Praxis (als historisches Kuriosum, nicht als Arznei). Die Zubereitung ist denkbar einfach: Wermut wird in Ziegenmilch gekocht, bis er ‚gesotten‘ ist - also gar und seine Wirkstoffe an die Milch abgegeben hat. Anschließend wird die Mischung durch ein Tuch passiert, um die festen Bestandteile zu entfernen, und die Flüssigkeit nochmals kräftig aus dem Tuch gepresst. Was übrig bleibt, ist die ‚Wermut-Ziegenmilch‘. Aus heutiger Sicht ist dies ein historisches Kuriosum und kein Ersatz für medizinische Behandlung. Da es sich um ein Milchgetränk handelt, sollte es, falls man es aus historischem Interesse nachbereitet, umgehend verzehrt und nicht gelagert werden.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-023-orig" n="drues" resp="#fyndling">Drüsenleiden, Geschwulst oder Schwellung.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-023-orig" n="aiter" resp="#fyndling">Eiter, Sekret von Entzündungen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-023-orig" n="wermut" resp="#fyndling">Wermut (Artemisia absinthium), eine Heilpflanze, die für ihre bitteren Inhaltsstoffe bekannt ist und traditionell bei Verdauungsbeschwerden und als Tonikum eingesetzt wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-023-orig" n="gaismilch" resp="#fyndling">Ziegenmilch, die im Mittelalter oft als bekömmlicher und heilsamer als Kuhmilch galt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-023-orig" n="stupp es dann aus" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#stupp">Drücke dann die Flüssigkeit aus dem Tuch. Im Kontext eines Getränks und des vorherigen Seihens durch ein Tuch ist das Auspressen der restlichen Flüssigkeit die naheliegende Handlung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-024-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Im Geiste ist dies ein mittelalterlicher Krautsalat, der mit einer kräftigen, süß-sauer-würzigen Vinaigrette aus Senf, Honig und Wein angemacht und kalt serviert wird.

So gelingt es. Koche den Weißkohlkopf, bis er weich, aber noch bissfest ist - nicht matschig. Schneide ihn dann in feine Streifen oder mundgerechte Stücke. Für die Vinaigrette mischst du als Startpunkt zwei Esslöffel scharfen Senf mit einem Esslöffel Honig und rührst nach und nach so viel Weißwein ein, bis eine cremige, aber gut verrührbare Konsistenz entsteht. Gib dann reichlich Kümmel und Anis hinzu, etwa je ein Teelöffel als Ausgangspunkt, und schmecke die Mischung ab. Der Hinweis ‚versalz nicht‘ ist wichtig, da Senf oft schon salzig ist. Gib das gekochte Kraut in die Vinaigrette, mische alles gut durch und lass es vor dem Servieren gut durchziehen und abkühlen.

So wird es richtig gut. Die Balance zwischen der Schärfe des Senfs, der Süße des Honigs und der Säure des Weins ist entscheidend. Probiere die Vinaigrette und passe sie gegebenenfalls an - etwas mehr Wein für mehr Säure, mehr Honig für Süße. Die Gewürze, Kümmel und Anis, sollen präsent sein und dem Kraut eine warme, erdige Note verleihen. Serviere das Gericht unbedingt gut gekühlt; die Aromen verbinden sich dann am besten. Es ist ein einfaches, aber geschmacklich überraschend komplexes Gericht, das von seiner Würze lebt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-024-orig" n="gemachs kraut" resp="#fyndling">Ein ‚gemachs Kraut' könnte ein einfaches, leicht zuzubereitendes oder für den Verzehr in einer Kammer/Stube geeignetes Krautgericht meinen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-024-orig" n="weyße haubt" resp="#fyndling">Bezieht sich auf einen Kopf Weißkohl oder Blumenkohl.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-024-orig" n="zway tail senfft vnd das dritt honig" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tail">Das Rezept gibt ein Verhältnis von zwei Teilen Senf zu einem Teil Honig an.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-024-orig" n="kumel vnd anneys" resp="#fyndling">Kümmel und Anis waren im Mittelalter beliebte Gewürze für Krautgerichte, oft auch zur Verdauungsförderung.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-024-orig" n="gesotter kraut" resp="#fyndling">Das Kraut wird gekocht und dann kalt in die Marinade gelegt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-024-orig" n="versaltz nicht" resp="#fyndling">Ein häufiger Hinweis in mittelalterlichen Rezepten, der auf die Wichtigkeit der richtigen Würzung hinweist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-025-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Das ist ein einfacher, gebackener Eierkuchen, im Grunde ein dicker Teig aus geriebenem Brot und Eiern, der in faustgroßen Portionen im Ofen gebacken wird. Man könnte es als eine Art herzhaften Brotpudding oder eine sehr rustikale, gebackene Frittata verstehen.

So gelingt es. Der Schlüssel liegt in der richtigen Konsistenz des Teiges: Du rührst die Eier nach und nach unter die Semmelbrösel, bis ein sehr dicker, aber noch formbarer Teig entsteht. Er sollte nicht flüssig sein wie ein Pfannkuchenteig, sondern eher wie ein dicker Spätzleteig oder ein fester Brotteig, den du löffelweise auf ein Blech setzen kannst. Als Startpunkt kannst du etwa 150g Semmelbrösel mit 3-4 Eiern versuchen, die genaue Menge hängt von der Saugfähigkeit der Brösel ab. Lass den Teig kurz ruhen, damit die Brösel die Flüssigkeit aufnehmen können. Dann formst du faustgroße Portionen - entweder freihändig auf ein gefettetes Backblech oder in kleine ofenfeste Förmchen - und backst sie im mäßig heißen Ofen (ca. 180°C Ober-/Unterhitze) goldbraun und gar. Der häufigste Fehler ist ein zu dünner Teig, der dann im Ofen auseinanderläuft und trocken wird.

So wird es richtig gut. Achte darauf, dass die Eierkuchen außen eine schöne goldbraune Kruste bekommen, während sie innen noch saftig und weich sind. Das erreichst du durch die richtige Ofentemperatur und Backzeit. Verwende für die Semmelbrösel am besten altbackenes Weißbrot, das du selbst reibst - das gibt ein feineres Aroma als fertige Brösel. Ein Hauch von frisch geriebener Muskatnuss oder ein wenig gemahlener Pfeffer (historisch wäre Langer Pfeffer passend) würde dem Gericht eine zusätzliche Tiefe verleihen, auch wenn es nicht explizit im Rezept steht, passt es gut zu Eierspeisen. Serviere die Eierkuchen warm, vielleicht als Beilage zu einem deftigen Eintopf oder einfach pur als sättigende Zwischenmahlzeit.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-025-orig" n="semel mer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Geriebene Semmel oder Weißbrotkrume, dient als Bindemittel.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-025-orig" n="kol" resp="#fyndling">Eine Schüssel oder ein Topf zum Mischen der Zutaten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-025-orig" n="offen" resp="#fyndling">Ein Backofen. Im Lager kann dies ein Dutch Oven mit Oberhitze sein.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-025-orig" n="als greß als dye feyst" resp="#fyndling">Die Eierkuchen sollen etwa faustgroß gebacken werden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-026-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine eilose Fasten-Suppe nach Eierbrüh-Art für den Karfreitag: trotz des Namens ayr prue (Eierbrühe) kommt kein einziges Ei hinein - die Mandeln liefern Körper und Cremigkeit, Safran das eitypische Gelb. Eine klassische Fasten-Illusion (vgl. die nachgemachten Eier mha-009), passend für den strengsten Fastentag, an dem Eier verboten waren.

Praxis. Mandeln sehr fein stoßen und mit Weißwein durch ein Tuch zu einer glatten Mandelmilch passieren (Richtwert ~100 g Mandeln auf 200 ml Wein). Mit gemahlenem Ingwer und etwas eingekochter Fischbrühe abschmecken - an strengen Fasttagen oder mangels Brühe stattdessen ein wenig Wasser. Mit Safran goldgelb färben (das ist die „Ei“-Optik). Sanft erwärmen, nicht kochen. Beim Anrichten gebähte (geröstete), gewürfelte Semmel hineinschneiden - sie gibt Biss und bindet leicht. Warm am Karfreitag als Suppe reichen.

Wichtig. Der historische Gericht-Name ist „Eierbrühe“, das Gericht selbst ist aber bewusst eifrei aus Mandeln gebaut - kein echtes Ei zugeben.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-026-orig" n="ayr prue" resp="#fyndling">‚Eierbrühe‘ - aber das ist nur der Gerichtname. Hineingegeben wird kein Ei: Die Mandeln liefern Körper, Safran das ei-gelbe Aussehen. Eine Fasten-Imitation einer Eierbrühe.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-026-orig" n="prue" resp="#fyndling">Im Frühneuhochdeutschen eine sämige Suppe oder ein dünner Brei, oft mit Mandeln, Brot oder Ei gebunden - nicht die klare Brühe im heutigen Sinn.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-026-orig" n="imber" resp="#fyndling">Ingwer, ein teures Importgewürz, in der Fastenküche beliebt, weil es ohne tierische Zutaten Wärme und Tiefe gibt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-026-orig" n="gepad semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Gebähte (geröstete) Semmel; gewürfelt als Einlage hineingeschnitten. ‚wurflat‘ steht für ‚würfeln/gewürfelt‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-026-orig" n="ayr prue von mandel" resp="#fyndling">„Eierbrühe aus Mandeln“ - eine eilose Fasten-Imitation einer Eierbrühe für den Karfreitag. Das Gericht trägt den Namen ayr prue (Eierbrühe), enthält aber kein Ei: Mandeln geben Körper, Safran das ei-gelbe Aussehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-026-orig" n="durer fyisch prue" resp="#fyndling">‚dürre Fischbrühe‘ - am ehesten eine eingekochte/konzentrierte Fischbrühe, die in kleiner Menge intensiv würzt. Der Wortlaut lässt offen, ob eine Reduktion oder eine getrocknete Form gemeint ist; für 1500 ist die Reduktion wahrscheinlicher.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-027-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte Eier in der mittelalterlichen Variante: Das weich gekochte Eigelb wird mit Petersilie und Schmalz zu einer grünen Würzmasse verarbeitet, in die leeren Eiweiß-Schalen zurückgefüllt und entweder in Brühe gegart oder in Schmalz gebraten. Der direkte Verwandte sind unsere heutigen gefüllten Eier (Eier mimosa); im Korpus dieselbe Familie wie m725-019 und kkm-071.

kroß - der Name. Das frühneuhochdeutsche kroß meint ‚knusprig/resch‘ und bezieht sich auf die gebratene Füllung bzw. die in Schmalz gebräunte Außenseite, nicht auf das ganze Ei (das Ei selbst wird ja nur weich gekocht). Die Handnotiz im Scan markiert genau dieses Wort als Knackpunkt.

Praxis. Eier wachsweich kochen (Eiweiß fest, Dotter noch cremig), an der Spitze ein Stück Schale abnehmen und die Dotter herauslösen - das Eiweiß bleibt heil in der Schale. Petersilie sehr fein hacken, mit den Dottern im Mörser zur Paste reiben, in etwas Schmalz in der Pfanne unter Rühren stocken lassen (nicht trocken braten - sie soll cremig-fest bleiben), salzen, nach Belieben Pfeffer oder Ingwer. Masse zurück in die Schalen füllen. Dann entweder die gefüllten Schalen sanft in Fleischbrühe (am Fasttag in Wasser) durchziehen lassen, abschälen und in frischer Brühe anrichten - oder die gefüllten Eier in Schmalz anbraten, bis sie außen leicht bräunen.

Ehrlich angemerkt. Das Zurückfüllen der weichen Masse in die heilen Schalen und das anschließende Garen/Braten genau dieser Schalen ist fummelig und gelingt nur mit ruhiger Hand; das Eiweiß reißt leicht. In der Praxis ist die Brot-Variante (Garen in der Schale, dann Abschälen) berechenbarer als das Braten der noch geschalten Eier.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-027-orig" n="kroß ayr" resp="#fyndling">‚kroß‘ = knusprig/resch (frühnhd.). Bezieht sich auf die gebratene Füllung bzw. die gebräunte Außenseite, nicht auf das nur weich gekochte Ei. Im Scan mit ‚?!‘ als Knackpunkt markiert.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-027-orig" n="scheiblat loch" resp="#fyndling">Ein kleines, scheibenförmiges Loch in der Eispitze - die Öffnung, durch die der Dotter herausgelöst wird, während das Eiweiß heil in der Schale bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-027-orig" n="reibstain" resp="#fyndling">‚Reibstein‘ meint hier den Mörser (Reibschale), in dem Petersilie und Dotter zur Paste verarbeitet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-027-orig" n="fastag" resp="#fyndling">Fastentag - statt der Fleischbrühe wird in Wasser gegart, um die Fastenregeln einzuhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-027-orig" n="rosten" resp="#fyndling">‚rosten‘ = braten/rösten in Fett, nicht das moderne ‚rosten‘ (Korrosion).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-027-orig" n="kroß" resp="#fyndling">‚kroß‘ = knusprig/resch und bezieht sich auf die gebratene Füllung bzw. die in Schmalz gebräunte Außenseite - nicht auf ein Frittieren des ganzen Eis (das Ei wird nur weich gekocht). Im Scan eigens mit ‚?!‘ markiert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-027-orig" n="sewd sy ... schel sy dan schon ab" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Die Wortfolge legt nahe: die gefüllten Eier in der Schale in Brühe (am Fasttag Wasser) garen, dann danach abschälen und in frischer Brühe anrichten. Die Schale dient als Garform für die weiche Füllung; erst nach dem Festwerden wird gepellt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-028-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ‚Pres‘ vom Kalb ist eine mittelalterliche Terrine oder Sülze, bei der gekochtes Kalbfleisch und Kalbshaut fest zusammengepresst werden. Es ist ein Vorläufer des heutigen Presskopfs oder der Sülze, allerdings mit einer charakteristischen, süß-säuerlich-würzigen Brühe aus Brot, Honig und Wein serviert, die für heutige Gaumen ungewohnt sein mag. Die Verwendung von Kalbshaut als Bindemittel und die Pressung waren typische Methoden, um Fleisch haltbar zu machen und in Form zu bringen.

So gelingt es. Zuerst brühst du das Kalb gründlich, um es zu säubern, und ziehst die Haut ab. Das Fleisch zerlegst du in Stücke und siedest es zusammen mit der Haut, bis beides sehr zart ist. Die Haut ist hier entscheidend, da sie durch ihr Kollagen für die Bindung sorgt. Wenn alles gar ist, hacke das Fleisch sehr fein. Würze es kräftig mit Pfeffer und einer mittelalterlichen Gewürzmischung (z.B. Ingwer, Zimt, Nelken). Nimm einen Teil der gekochten Haut, lege sie auf ein Tuch, gib das gehackte Fleisch darauf und schlage die Haut fest darum. Das Tuch bindest du straff zu und legst ein schweres Gewicht darauf, um das ‚Pres‘ zu formen und zu festigen. Für die Brühe kochst du geriebene Semmel, Honig und Wein auf, seiht es durch und schmeckst es mit weiteren Gewürzen ab. Diese Brühe lässt du kalt werden. Das fertig gepresste Kalb wird dann in Scheiben geschnitten und in der kalten Gewürzbrühe serviert. Beachte, dass dieses Gericht, wie alle Sülzen, im Kühlschrank gelagert und innerhalb weniger Tage verzehrt werden sollte. Das Rezept erwähnt auch die Zubereitung aus Kalbs- oder Wildschweinsköpfen, was die vollständige Verwertung des Tieres unterstreicht.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-028-orig" n="Pres" resp="#fyndling">Eine mittelalterliche Form der Terrine oder Sülze, bei der gekochtes Fleisch unter Druck gesetzt wird, um eine feste Form zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-028-orig" n="prue das kalb schon sam ain saw" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Das ‚Brühen‘ des Kalbs bezieht sich hier auf das Abbrühen mit heißem Wasser, um die Haut leichter abziehen zu können, ähnlich der Vorbereitung eines Schweins.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-028-orig" n="daruter" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für ‚darunter‘ oder ‚mitsamt‘, hier im Sinne von ‚mitsieden‘.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-028-orig" n="stupt / gestup" resp="#fyndling">Bezeichnet gestampfte oder gemahlene Gewürze, eine gängige Bezeichnung für Gewürzmischungen in mittelalterlichen Rezepten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-028-orig" n="bol" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch für ‚wohl‘ oder ‚fest‘, hier im Sinne von ‚fest darumschlagen‘.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-028-orig" n="gepeter semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Geriebene Semmel oder Weißbrot, das als Bindemittel und zur Geschmacksgebung verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-028-orig" n="kolß kopfen" resp="#fyndling">Kalbsköpfe, die als Alternative zum ganzen Kalb genannt werden und ebenfalls für die Zubereitung einer Sülze geeignet sind.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-028-orig" n="wild schweins kopf" resp="#fyndling">Wildschweinskopf, eine weitere Alternative, die auf die Verwendung von Wildbret in der gehobenen Küche hinweist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-028-orig" n="daruter" resp="#fyndling">‚darunter/mitsamt‘, hier im Sinn von ‚mitsieden‘: die Haut wird zusammen mit dem Fleisch gekocht, weil ihr Kollagen die Bindung der Sülze liefert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-028-orig" n="gepeter semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">‚geriebene Semmel‘ - das ‚b‘ für ‚w/p‘ ist mittelbairisch (geweter/gepeter). Sie bindet und würzt die süß-saure Brühe.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-029-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein aromatisch-blumiges Milchmus - im Geiste ein warmer, zarter Pudding oder eine Creme, die ihre feine Süße und ihr einzigartiges Aroma von Holunderblüten erhält und mit Eiern gebunden wird.

So gelingt es. Der Schlüssel zu diesem Mus liegt in der sanften Aromatisierung der Milch und der behutsamen Bindung. Zupfe die Holunderblüten vorsichtig von den groben Stielen und lege sie in die Milch. Für ein intensives Aroma lässt du sie am besten über Nacht im Kühlschrank ziehen; alternativ kannst du die Milch mit den Blüten einmal kurz aufwallen lassen und dann für mindestens eine Stunde ziehen. Seihe die Milch danach unbedingt durch ein feines Tuch oder Sieb, um alle Blütenreste zu entfernen. Setze die aromatisierte Milch bei milder Hitze auf den Herd - idealerweise im Wasserbad, um ein Anbrennen oder Gerinnen zu verhindern. Rühre dabei ständig. Als Startpunkt für die Bindung schlägst du für einen Liter Milch zwei bis drei Eier gut auf. Um ein Stocken der Eier zu vermeiden, temperiere sie: Nimm eine Kelle der warmen Milch, rühre sie langsam unter die Eier und gib dann die Ei-Milch-Mischung unter ständigem Rühren zurück in den Topf. Lass das Mus langsam eindicken, bis es eine sämige Konsistenz hat und den Rücken eines Löffels überzieht. Gib als Startpunkt ein bis zwei Esslöffel Schmalz oder Butter hinzu, das sorgt für Schmelz und Fülle. Der häufigste Fehler ist zu starke Hitze, die die Milch gerinnen oder die Eier stocken lässt; arbeite hier geduldig und mit Gefühl.

So wird es richtig gut. Die ‚guten Gewürze‘ sind hier entscheidend, um das feine Holunderaroma zu unterstreichen, nicht zu überdecken. Eine Prise Zimt und ein Hauch Muskatnuss passen wunderbar. Wenn du es süßer magst, gib etwas Honig oder Zucker hinzu. Achte auf die Balance: Das Mus soll blumig-süß schmecken, nicht überwürzt. Für eine besonders feine Textur kannst du das fertige Mus nochmals durch ein feines Sieb passieren. Serviere es lauwarm, so entfaltet es seine Aromen am besten. Ein paar frische Holunderblüten als Garnitur sind nicht nur schön, sondern unterstreichen auch den Geschmack.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-029-orig" n="holer" resp="#fyndling">Holunder, im Mittelbairischen oft zu ‚Holer‘ verkürzt. Gemeint sind die Blütendolden (Frühsommer).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-029-orig" n="merck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#merck">Schreiber-Markierung ‚merke‘ am Titel, die hier mehrere aufeinanderfolgende Rezepte einleitet (vgl. m5919-030/031/032) - keine Zutat.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-029-orig" n="grein" resp="#fyndling">‚gerinnen/stocken‘. Das Rühren beim Erhitzen verhindert, dass Milch und Eier gerinnen, und hält das Mus glatt. Im Scan mit ‚?!‘ als Knackpunkt markiert.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-029-orig" n="faist es" resp="#fyndling">Fett - hier Butter oder Schmalz, das dem Mus Schmelz und Fülle gibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-029-orig" n="wer ayr" resp="#fyndling">‚etliche/ein paar Eier‘ - die Menge bleibt unbestimmt, gemeint ist so viel, wie die Milch zu binden braucht. Die b/w/v-Verwechslung dieser Hand lässt aber auch eine konkrete Zahl zu.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-030-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Im Geiste ist dies ein sehr feines, süßes Mus, verwandt mit einem Grießbrei oder Pudding, aber auf der Basis von Mandelmilch und mit selbst hergestelltem Reismehl gebunden, was ihm eine besonders zarte Textur verleiht.

So gelingt es. Der entscheidende Schritt ist die Herstellung des feinen Reismehls und die anschließende Bindung zu einem glatten Mus. Für das Reismehl wäschst du den Reis gründlich und trocknest ihn vollständig - traditionell in der Sonne, heute geht das auch bei sehr niedriger Ofenhitze (ca. 50°C, Ofentür einen Spalt offen) oder im Dörrautomaten. Er muss wirklich knochentrocken sein, sonst lässt er sich nicht fein mahlen. Zerstoße ihn dann im Mörser oder einer Gewürzmühle so fein wie möglich und siebe ihn durch ein sehr feines Sieb oder ein Tuch. Nur das feinste Mehl verwenden.
Für das Mus erhitzt du eine ‚dicke‘ Mandelmilch - das bedeutet, sie sollte reichhaltiger sein als viele kommerzielle Produkte. Als Startpunkt empfehle ich etwa 100g Mandeln auf 500ml Wasser für selbstgemachte Mandelmilch. Rühre das Reismehl (etwa einen halben Esslöffel auf 500ml Mandelmilch) zuerst mit einem kleinen Schuss kalter Mandelmilch glatt an, um Klümpchen zu vermeiden. Gib diese Reismehl-Slurry dann unter ständigem Rühren zur langsam erwärmten Mandelmilch und lass es bei milder Hitze sanft köcheln, bis es leicht andickt und cremig wird. Es soll ein Mus sein, das am Löffel haftet, aber noch fließfähig ist. Der häufigste Fehler ist zu viel Reismehl, was zu einer zu festen Konsistenz führt - lieber vorsichtig dosieren und nach Bedarf etwas mehr Mandelmilch zugeben.

So wird es richtig gut. Die Süße des Mandelmus sollte harmonisch sein, nicht überladen. Schmecke es mit Zucker ab, bis es deinen Vorlieben entspricht. Eine winzige Prise Salz kann die Süße der Mandelmilch wunderbar hervorheben. Achte auf eine absolut glatte Konsistenz; sollte es doch Klümpchen geben, kannst du das fertige Mus nochmals durch ein feines Sieb passieren. Serviere das Mandelmus lauwarm oder gut gekühlt, je nach Geschmack.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-030-orig" n="reisch" resp="#fyndling">Hier ist Reis gemeint, der zu Reismehl verarbeitet wird. Die Schreibweise 'reisch' ist eine mittelhochdeutsche Variante von Reis.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-030-orig" n="sier wasseren" resp="#fyndling">Wörtlich 'sauberen Wassern' oder 'klaren Wassern'. Gemeint ist, den Reis gründlich zu waschen, bis das Wasser klar bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-030-orig" n="trucken in in ain schussel oder auf ainem thuch an der sunen" resp="#fyndling">Der Reis soll an der Sonne getrocknet werden, um ihm Feuchtigkeit zu entziehen und ihn mürbe für das Zerstoßen zu machen. Dies ist eine alte Konservierungs- und Vorbereitungsmethode.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-030-orig" n="stos in ainem morser klain" resp="#fyndling">Der getrocknete Reis soll im Mörser fein zerstoßen werden, um Reismehl herzustellen. Ein großer Mörser war im Mittelalter ein wichtiges Küchengerät zum Zerkleinern von Zutaten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-030-orig" n="fa es durch ain thuech oder sib" resp="#fyndling">Das zerstoßene Reismehl soll durch ein Tuch oder Sieb passiert werden, um eine besonders feine und klumpenfreie Konsistenz zu gewährleisten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-030-orig" n="dick mandel milich" resp="#fyndling">Eine dickflüssige Mandelmilch, die durch Reduzieren oder die Verwendung von weniger Wasser bei der Zubereitung erreicht wird. Sie dient als Basis für das Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-030-orig" n="wol gegen ainen halben loffel" resp="#fyndling">Eine Mengenangabe, die 'etwa einen halben Löffel' bedeutet. 'Löffel' war eine gebräuchliche, wenn auch unpräzise Maßeinheit.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-031-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein einfaches Apfelmus, das mit dem Kalender variiert: am Fleischtag mit Ei gebunden und gewürzt, am Fasttag stattdessen mit geriebenem Brot (zeittypischer Ei-Ersatz). Lässt sich ebenso aus Pflaumen oder Birnen machen.

Praxis. Geschälte Äpfel in etwas Schmalz/Butter weich dünsten und zerdrücken; am Fleischtag 1-2 verquirlte Eier unterrühren und nur noch ziehen lassen (nicht kochen, sonst stockt es), auf der Schüssel würzen (Zimt, Ingwer); am Fasttag geriebenes Weißbrot statt Ei einrühren, bis es bindet.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-031-orig" n="kopf" resp="#fyndling">Ein Topf oder Kessel.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-031-orig" n="faistes" resp="#fyndling">Tierisches Fett, z.B. Schmalz. Für die Fastenvariante wäre Pflanzenöl oder eine pflanzliche 'Fastenbutter' zu verwenden.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-031-orig" n="twir es" resp="#fyndling">Wörtlich 'drehe es', hier im Sinne von 'rühre es um' oder 'zerdrücke es'.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-031-orig" n="fleischtag" resp="#fyndling">Ein Tag, an dem der Verzehr von Fleisch erlaubt ist, im Gegensatz zu Fastentagen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-031-orig" n="ayr stat" resp="#fyndling">Wörtlich 'an der Eier Statt', also 'anstelle der Eier'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-031-orig" n="lytten" resp="#fyndling">am ehesten Pflaumen - im Reigen mit Äpfeln und Birnen ist eine weitere Frucht am plausibelsten. Sicher ist es nicht: lytten ist sonst nicht belegt, denkbar wäre auch eine andere Stein-/Kernobstfrucht (etwa Quitten). Das Gericht bleibt ein Frucht-Mus; die genaue Frucht ist offen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-032-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Zwei Varianten einer Topanicz-Sauce: eine aromatische Zimtinfusion mit Butter und Safran über Morcheln und gerösteten Semmelscheiben - und eine Erbsenvariante mit Safran und Kümmel. Topanicz ist ein slawisches Lehnwort (südslawisch/böhmisch topanica = gestampfte, eingeweichte Speise), das durch den Regensburg-Böhmen-Handel ins Bairische gelangte.

zinetan = Zimtinfusion. Zinetan ist eine Schreiberverschreibung von zimetan (Zimtsud): das m wurde als ne gelesen - ein häufiger Minimalfehler in bairischer Kursive. Die Technik bestätigt es: Zimtstangen kochte man in Wein oder Wasser auf und seihte die Flüssigkeit durch ein Tuch, weil mittelalterlicher Zimt zu holzig-faserig zum Feinmahlen war. Zimt-Morcheln-Butter-Safran ist ein stimmiges mittelalterliches Aromaprofil.

Praxis. Zimtstange(n) in Weißwein oder Wasser aufkochen, durch ein feines Tuch seihen. Morcheln (gut gewässert) in diesem Zimtsud leicht garen, Butter und Safran unterrühren, über geröstete Semmelscheiben gießen. Erbsenvariante: gegarte Erbsen mit Safran und Kümmel würzen. Verwandt: Morchelgerichte bgs-079, Erbsenmuse mha-288, m384-056.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-032-orig" n="maurochen" resp="#fyndling">Morcheln, ein geschätzter Speisepilz, der im Mittelalter oft getrocknet und für Saucen oder Mus verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-032-orig" n="semelen" resp="#fyndling">Geriebene Semmel oder Weißbrot, das als Bindemittel und zur Texturgebung diente.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-032-orig" n="topanicz" resp="#fyndling">Slawisches Lehnwort (südslawisch/tschechisch ‘topanica’ = gestampfte, eingeweichte Speise) - passt zur Regensburg-Böhmen-Handelsroute. Bezeichnet eine gewürzte Sauce oder ein Mus, das über geröstete Semmel gegossen wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-032-orig" n="zinetan" resp="#fyndling">zinetan = zimetan (Zimtaufguss) - Schreiberverschreibung m→ne in bairischer Kursive (minimaler Strichunterschied). Zimtstangen werden in Flüssigkeit aufgekocht und durch ein Tuch geseiht, da mittelalterlicher Zimt nicht fein genug zu mahlen war. Die Technik ‘seudt … seng durch ain tuch’ bestätigt genau diesen Verfahrensweg.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-032-orig" n="seng In durch ain tuch oder duch ain sib" resp="#fyndling">Eine gängige Methode, um Flüssigkeiten von festen Bestandteilen zu trennen und eine feine Konsistenz zu erzielen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-032-orig" n="topanicz" resp="#fyndling">Hapax im Korpus. Die slawische Endung -icz legt ein böhmisches Lehnwort nahe, evtl. verwandt mit tschech. topinka (geröstetes Brot) - Hypothese, nicht belegt. Gesichert ist nur die Machart: gewürzte Flüssigkeit über geröstete Semmel/Erbsen, also eine Brotsuppe/Panade, nicht zwingend ein „Mus“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-032-orig" n="zinetan" resp="#fyndling">Zimtinfusion (Zimtsud) - zinetan = zimetan; Schreiberfehler m→ne in bairischer Kursive (minimaler Strichunterschied). Die Technik ‘sieden + durch Tuch seihen’ ist der klassische mittelalterliche Weg für Zimtextraktion, da Zimtstangen zu holzig-faserig zum Feinmahlen waren. Zimt-Morcheln-Butter-Safran ist ein stimmiges mittelalterliches Aromaprofil.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-033-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein herzhaftes Schweinefleisch-Mus vom Bauch: gekocht, enthäutet, fein gehackt und - wie ein Lungenmus - mit etwas geriebener Semmel und Pfeffer in der eigenen Brühe zu einer festen, streichbaren Masse gebunden. Verwandt mit der englischen Mortrews-Familie (Fleisch weichkochen, stoßen, mit Brot binden, vgl. foc-043, foc-044).

lungmus als Maßstab. Das Lungenmus wird hier nicht als Zutat, sondern als Konsistenz-Vorbild genannt: so fein gehackt und gebunden, dass eine glatte, löffelfeste Farce entsteht.

Praxis. Durchwachsenen Schweinebauch weich kochen, Schwarte abziehen, Fleisch fein hacken, mit etwas Kochbrühe, geriebener Semmel (nicht Mehl - die zeittypische Brotbindung) und Pfeffer zu einer löffelfesten Masse rühren. Warm als kräftige Brotzeit.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-033-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Geriebene Semmel oder Weißbrot diente im Mittelalter als häufiges Bindemittel für Muse und Saucen, nicht Mehl.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-033-orig" n="pfeffers" resp="#fyndling">Hier ist Pfeffer als Gewürz gemeint, das dem Mus beigemischt wird, nicht eine Pfeffersauce.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-033-orig" n="wust" resp="#fyndling">Stück / Wamme vom Bauch</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-033-orig" n="ieuch" resp="#fyndling">Brühe / Kochsud</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-034-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein schlichtes, frisches Krebsschwanz-Gericht: gekochte Flusskrebse, ausgelöste Schwänze, kalt mit Gewürz und Essig angemacht - im Grunde ein früher Krebs-Salat bzw. eine Krebs-Vorspeise. Engste Verwandte: men-186 (Krebse in Weinwasser mit Essig) und kkm-017 (Gekochte Krebse mit Sauce).

reindlein. Ein kleines bairisches Reindl - flache Schale/Pfanne; hier nur als Anrichtgefäß, in das die Schwänze zum Marinieren gelegt werden.

Praxis. Flusskrebse (ersatzweise Flusskrebs- oder Garnelenschwänze) in Salzwasser kochen, Schwänze auslösen, in ein Schälchen geben, mit gutem Essig und Gewürz (Pfeffer, etwas Ingwer) marinieren. Kühl servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-034-orig" n="zegel" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für ‚Schwanz‘ oder ‚Schweif‘. Hier sind die Schwänze der Krebse gemeint, die das essbare Fleisch enthalten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-035-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein klassischer Wildschwein-Pfeffer: halb mageres, halb fettes Wildschwein, klein gehackt, in einer dunklen Pfeffersauce gegart, die mit Honig gesüßt und mit Lebkuchen gebunden und gewürzt wird - die mittelalterliche Lebkuchen-Pfeffersauce zu Wild.

pfeffer als Saucenname. Hier keine einzelne Zutat, sondern die Gattung der dunklen, kräftig gewürzten Wildsaucen. Erst dünn einstellen, dann mit Honig und Lebkuchen binden.

Lebkuchen als Binder. Der zeittypische Saucenbinder (lezelten = Lebzelten). Moderner Ersatz: ungeglaste Aachener Kräuterprinten (oder ungeglaster Honig-Lebkuchen). Dieselbe Lebkuchen-Bindung trägt kkm-003 (Hecht mit Lebkuchensauce).

Praxis. Wildschwein klein hacken (halb mager/halb fett), in kräftiger Gewürzbrühe (Pfeffer, Ingwer, Nelke) garen, mit Honig und geriebenem Lebkuchen binden und abschmecken. Teil der Lebkuchen-Pfeffer-Familie (vgl. sev-004 Wildschwein in Brotsauce).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-035-orig" n="gmus" resp="#fyndling">Ein ‚Mus‘ bezeichnet im Mittelalter eine breiige Speise, ein Püree oder Ragout, oft aus Fleisch, Fisch oder Gemüse.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-035-orig" n="schbeynen wilpratt / schbeinen wilprat" resp="#fyndling">Mittelbairische Schreibweise, bei der ‚b‘ oft für ‚w‘ oder ‚v‘ steht. Hier: Wildschwein.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-035-orig" n="pfefer" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext bezeichnet ‚Pfeffer‘ oft eine dunkle, kräftig gewürzte Sauce, die nicht nur Pfeffer, sondern eine Mischung verschiedener Gewürze enthielt und häufig zu Wildbret serviert wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-035-orig" n="lezeltten" resp="#fyndling">Historischer Begriff für Lebkuchen oder ein ähnliches Gewürzgebäck, das hier als Bindemittel und Süßungsmittel dient.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-035-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Mittelbairische Schreibweise für Gewürz (‚b‘ für ‚w‘). Die genaue Mischung ist nicht spezifiziert, aber für Wildbret waren typischerweise Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat und Zimt gebräuchlich.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-036-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein höfisches Birnen-Mandel-Konfekt - im Grunde ein frühes, fruchtiges Marzipan: welsche Weinbirnen und geschälte Mandeln werden im Mörser zu einer festen Paste gestoßen, mit Ingwer und Zucker gewürzt und zu kleinen Birnen geformt, garniert mit eingesteckten Mandelkernen als Stiele. Verwandt mit Martinos Marzipan (mar-145, mar-146) und den geformten Schau-Konfekten (mha-007).

welhische weinpir. Welsche (romanische, meist italienische) Weinbirnen - feste Kochbirnen, die sich gut zu Paste stoßen lassen.

Praxis. Feste Kochbirnen sehr fein mörsern, mit etwa gleich viel blanchierten, gemahlenen Mandeln zu einer knetbaren Masse stoßen, mit gemahlenem Ingwer und Zucker abschmecken. Ist die Masse zu feucht, mehr Mandeln zugeben. Zu kleinen Birnchen rollen, je einen ganzen Mandelkern als Stiel hineinstecken - ein hübsches Schau-Konfekt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-036-orig" n="piren" resp="#fyndling">Birnen. Im Mittelalter waren Birnen eine beliebte Frucht, oft gekocht oder zu Mus verarbeitet.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-036-orig" n="morser" resp="#fyndling">Ein großer Fleischmörser, nicht der kleine Gewürzmörser. Er diente zum Zerkleinern und Pürieren von Fleisch, Fisch oder Früchten zu einer feinen Paste.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-036-orig" n="ymbier" resp="#fyndling">Ingwer war ein weit verbreitetes und geschätztes Gewürz im Mittelalter, das sowohl in süßen als auch in herzhaften Speisen verwendet wurde.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-036-orig" n="ymbier" resp="#fyndling">Ingwer</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-036-orig" n="pren" resp="#fyndling">kleine Birnen</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-037-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Bemerkenswert: ein früher Brandteig (~1500). Siedendes Wasser wird mit Mehl abgebrannt, dann werden Eier eingearbeitet, der Teig löffelweise in Schmalz ausgebacken und gezuckert - der direkte Vorfahr von Spritzkuchen und Brandteig-Krapfen, lange vor der französischen Pâte à choux. Im Korpus der nächste Verwandte: mha-140 (Brandteig-Pfanntaler).

Praxis. Wasser aufkochen, Mehl einrühren und unter Rühren abbrennen, bis ein glatter, dicker Kloß entsteht; etwas abkühlen, dann nacheinander vier Eier kräftig einarbeiten, bis der Teig zäh-glänzend ist. Mit zwei Löffeln Nocken abstechen, in heißem Schmalz goldbraun ausbacken, zuckern.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-037-orig" n="prantz gepachen" resp="#fyndling">Wörtlich ein 'gebranntes Gebäck': der Teig wird durch Abbrennen von Mehl in siedendem Wasser hergestellt - ein früher Brandteig, lange vor der französischen Pâte à choux.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-037-orig" n="Sieduncz ge wasser" resp="#fyndling">Siedend heißes Wasser. Es wird über das Mehl gegeben und abgebrannt; kein besonderes Wasser, sondern die Brandteig-Technik.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-038-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein herzhaft-süßes Käse-Speck-Pfannengebäck: geriebener Hartkäse, Ei, etwas Speck und ein wenig Mehl zu einem Teig verrührt, in der Pfanne ausgebacken und mit Zucker bestreut - ein früher Verwandter herzhafter Käse-Pfannküchle und der gebackenen Käse-Speck-Krapfen (bgs-044).

Süß auf herzhaft. Der Zucker obenauf ist periodentypisch: süß-pikanter Kontrast und gleichzeitig Statusgeste (teurer Importzucker).

Praxis. Hartkäse fein reiben, mit verquirlten Eiern, fein gehacktem Speck und etwas Mehl verrühren, esslöffelweise in heißem Fett goldbraun braten, zuckern.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-038-orig" n="herten kes" resp="#fyndling">Hartkäse, etwa ein gereifter Bergkäse oder Parmesan - geht beim Braten nicht völlig auf, sondern gibt der Masse Biss.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-038-orig" n="melbs" resp="#fyndling">Wörtlich 'Mehl' (Genitiv); hier nur als kleines Bindemittel, das Käse und Ei zusammenhält - keine eigentliche Teigbasis.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-038-orig" n="strae zucher darauff" resp="#fyndling">Das Bestreuen herzhafter Speisen mit Zucker war im Mittelalter eine gängige Praxis und ein Zeichen von Wohlstand, da Zucker ein teures Importgut war.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-038-orig" n="melbs" resp="#fyndling">etwas Mehl (als Bindung)</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-039-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein einfaches Kernmus - ein süßes Mus aus gemahlenen Mandeln und Rosinen mit reichlich Zucker. Im Korpus die direkten Geschwister mha-022 (Kernmus mit Wein und Zucker) und mha-241 (Mus mit Weinbeeren und Mandeln).

weinper. Nach Korpus-Default Rosinen (getrocknete Weinbeeren), da keine Frisch-Indikatoren genannt sind; das Schwester-Rezept mha-241 nennt sie ausdrücklich.

Praxis. Mandeln fein mahlen, mit Rosinen (und etwas Wasser oder Wein) zu einem dicken Mus kochen, gut zuckern. Eine Prise Salz rundet ab - das salcz gnug des Originals meint Würzbalance, keine kräftige Salzung.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-039-orig" n="kernen mus" resp="#fyndling">Ein Mus aus Kernen oder Samen. Hier sind Mandeln und Weinbeeren die Hauptbestandteile.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-039-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weinbeeren, also Rosinen oder getrocknete Trauben. Im Mittelalter ein gängiges Süßungsmittel und Zutat für Mus-Speisen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-039-orig" n="genueg / gnug" resp="#fyndling">Bedeutet ‚genug‘ oder ‚nach Geschmack‘. Die genaue Menge ist dem Koch überlassen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-040-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein dunkles schwarzes Fruchtmus: Rosinen, Äpfel und Birnen, gefärbt und gebunden mit gerösteten (gebräunten) Lebkuchen, gesüßt mit Zucker und Honig, mit gutem Wein und Gewürz abgeschmeckt, bis das Mus braun bis schwarz wird. Eng verwandt mit kkm-027 (Schwarzes Fruchtmus) und der schwarzen-Mus-Tradition (teg-024, bgs-009).

Lebkuchen. Gibt Farbe, Würze und Bindung; moderner Ersatz: ungeglaste Aachener Kräuterprinten (oder ungeglaster Honig-Lebkuchen), dunkel geröstet für die tiefe Farbe.

Praxis. Rosinen, geschälte Äpfel und Birnen mit Wein weich kochen und passieren, mit zerkleinertem (dunkel geröstetem) Lebkuchen, Honig und Zucker binden und süßen, mit Gewürz (Zimt, Nelke, Ingwer) und einer Prise Salz abschmecken, bis es dunkel und löffelfest ist.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-040-orig" n="schbarcz mus" resp="#fyndling">Ein Mus oder Brei, der durch die Zugabe von dunklen Zutaten (hier Lebkuchen) eine schwarze oder sehr dunkle Farbe erhält.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-040-orig" n="weinper" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#weinper">Weinbeeren, also getrocknete oder frische Trauben. Im Mittelalter oft als Süßungsmittel und Geschmacksgeber verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-040-orig" n="pray ten lezelten" resp="#fyndling">‚Gebratene Lebkuchen‘ oder ‚gebratenes Gewürzgebäck‘. Lebkuchen waren im Mittelalter oft würziger und weniger süß als heute und wurden auch in herzhaften Gerichten verwendet. Das Braten intensiviert den Geschmack und die Farbe.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-040-orig" n="gewurch" resp="#fyndling">Eine mittelbairische Form von ‚Gewürz‘, hier als Verb ‚würze‘ verwendet. Es sind keine spezifischen Gewürze genannt, aber typisch wären Zimt, Nelken, Ingwer oder Muskat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-040-orig" n="pray ten lezelten" resp="#fyndling">‚Gebratene Lebkuchen‘. Pray ten ist eine mittelbairische Form von ‚gebraten‘ (b für w), lezelten bezeichnet Lebkuchen/Gewürzgebäck. Das Anrösten dient hier ausdrücklich der Farbgebung (‚das kompt von …‘) und intensiviert zugleich die Würze.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-041-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine schlichte Fischsülze (Aspik): Fisch in Wasser und Essig zu gleichen Teilen gar gekocht, gewürzt und gefärbt, dann kalt über den Fisch gegossen, wo die Brühe (aus Gräten und Schuppen) zur Sülze stockt - die knappe Grundform der vielen Fisch-Aspike im Korpus.

Praxis. Fisch in Wasser + Essig (je zur Hälfte) sieden; für sicheres Stocken Gräten und Schuppen mitkochen (Kollagen) oder Hausenblase/Gelatine zugeben. Würzen (Pfeffer, Ingwer), mit wenig Safran zart gelb färben, durchseihen, über die Fischstücke gießen und kalt stocken lassen. Ausführlichere Variante: m5919-045; verwandt m725-017.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-041-orig" n="sulcz" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für ‚Sülze‘ oder ‚Gallert‘. Eine Speise, die durch das Erstarren von kollagenhaltigen Flüssigkeiten (hier Fischbrühe mit Essig) entsteht und kalt serviert wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-041-orig" n="wircz" resp="#fyndling">Kurzform für ‚würze es‘. Die genaue Auswahl der Gewürze wurde dem Koch überlassen, typisch waren Pfeffer, Ingwer, Nelken oder Muskat.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-041-orig" n="farbs" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#farbs">Kurzform für ‚färbe es‘. Im Mittelalter wurden Speisen oft gefärbt, um sie optisch ansprechender zu machen. Gelb durch Safran oder Eigelb, Rot durch Sandelholz oder Blutfarbe, Grün durch Petersilie oder Spinat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-041-orig" n="vischenn" resp="#fyndling">‚Fischen‘ - Plural von Fisch. Die Endung ‚-enn‘ ist eine typische frühneuhochdeutsche Pluralform.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-041-orig" n="wircz" resp="#fyndling">‚würze es‘ - Imperativ des Verbs ‚würzen‘. Die Schreibweise mit ‚c‘ statt ‚z‘ ist eine regionale Variante des Frühneuhochdeutschen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-041-orig" n="farbs" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#farbs">‚färbe es‘ - Imperativ des Verbs ‚färben‘. Auch hier ist die Schreibweise mit ‚b‘ statt ‚v‘ oder ‚f‘ eine regionale Besonderheit des mittelbairischen Dialekts.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-041-orig" n="Gewürze / Färbemittel" resp="#fyndling">Das Rezept nennt keine spezifischen Gewürze oder Färbemittel. Dies ist typisch für mittelalterliche Kochbücher, die davon ausgingen, dass der Koch die gängigen Zutaten und Techniken kannte. Für die moderne Übersetzung wurden generische Begriffe gewählt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-042-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Mandelkäse - gesüßte, dick gekochte Mandelmilch, die auf einer Schüssel scheibenförmig erstarrt und, mit Nusskernen besteckt, mit einer gezuckerten Mandelmilch als Begleitsauce serviert wird. Teil der großen Mandelkäse-/Mandelmus-Sippe (bgs-072, bgs-039, mha-004, koe-017).

Bindung (ehrlich). Das Rezept nennt kein Geliermittel; die Masse erstarrt durch die dick eingekochte, mandelreiche Milch beim Abkühlen. Wer sie sicher schnittfest will, bindet wie die Verwandten mit etwas Hausenblase/Gelatine (vgl. mha-004) oder Reismehl.

Praxis. Aus Mandelmus/gemahlenen Mandeln eine dicke Mandelmilch ansetzen, gut zuckern, aufkochen und auf einer flachen Schüssel erkalten und erstarren lassen; vor dem Servieren mit gezuckerter Mandelmilch übergießen und mit ganzen Mandel-/Nusskernen bestecken.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-042-orig" n="mandel=käs" resp="#fyndling">Mandelkäse - eine Art fester Pudding oder Gelee aus Mandelmilch, oft mit Gewürzen oder Früchten zubereitet. Er war eine beliebte Fastenspeise, da er ohne tierische Produkte auskommt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-042-orig" n="scheiblich" resp="#fyndling">Scheibenförmig, so dass es in Scheiben geschnitten werden kann. Dies deutet auf eine feste, schnittfähige Konsistenz hin, die durch ein Bindemittel oder starkes Reduzieren der Flüssigkeit erreicht wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-042-orig" n="pesteck" resp="#fyndling">Verzieren, bestecken. Hier: mit Nusskernen belegen oder garnieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-042-orig" n="das las wir nu stann von mandel gmus wel wir iner han" resp="#fyndling">Diese Phrase wurde als allgemeine Einleitung oder als Hinweis auf die Verfügbarkeit des Mandelmus als Basis verstanden: ‚Lasst uns nun das Mandelmus beiseitelegen, das wir zur Hand haben wollen.‘</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-042-orig" n="mus milch" resp="#fyndling">gemeint ist die Mandelmilch (bzw. dünne Mandelmus-Milch), die als gezuckerte Begleitsauce über den erstarrten Mandelkäse gegossen wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-043-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gebratene Milch - ein im Wasserbad gestockter, fester Eier-Milch-Käse (Milch und Ei zu gleichen Teilen, mit Safran), gepresst bis er „hart wie Käse“ ist, in Scheiben geschnitten, auf den Spieß gesteckt, über dem Rost gebraten, gewürzt und mit Schmalz übergossen. Ein Verwandter des gebackenen Eierkäses/der Royale.

Zur Lesart. Der Titel Ain gepraten milch heißt „ein Gebratenes von Milch“ - gepraten = gebraten, nicht „Brät/Farce“.

Praxis. Milch und Eier (1:1) mit Safran verquirlen, im Wasserbad (Topf im Kessel) sanft stocken lassen, auf ein Tuch stürzen, beschweren, bis die Molke abgelaufen und die Masse fest ist; in fingerdicke Scheiben schneiden, auf Spieße stecken, über Glut/Rost goldbraun braten, würzen und mit zerlassenem Schmalz beträufeln.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-043-orig" n="gepraten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#gepraten">Der Begriff ‚gepraten‘ bezieht sich hier auf eine fein zerkleinerte oder gestockte Masse, ein sogenanntes Brät oder eine Farce, die anschließend gebraten wird. Es ist nicht nur die reine Bratmethode gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-043-orig" n="hefen" resp="#fyndling">Ein ‚Hafen‘ ist ein Topf oder ein Gefäß, das hier im Wasserbad erhitzt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-043-orig" n="siedent wasser In ain kessel" resp="#fyndling">Dies beschreibt das Garen im Wasserbad (Bain-Marie), eine schonende Methode, um die Milch-Ei-Mischung langsam zu stocken, ohne dass sie anbrennt oder gerinnt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-043-orig" n="gestock" resp="#fyndling">Die Milch-Ei-Mischung wird durch das Erhitzen fest und gerinnt, ähnlich wie bei der Herstellung von Käse oder Pudding.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-043-orig" n="weystuch" resp="#fyndling">Ein weißes Tuch, vergleichbar mit einem modernen Passiertuch oder Käsetuch, dient hier zum Abgießen und Pressen der gestockten Masse.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-043-orig" n="peschber" resp="#fyndling">Die gestockte Masse wird beschwert, um überschüssige Flüssigkeit herauszupressen und eine festere, käseähnliche Konsistenz zu erzielen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-043-orig" n="hirt als ain kas" resp="#fyndling">Die Beschreibung betont die feste, schnittfeste Konsistenz der fertigen Milchmasse, die an Frischkäse erinnert.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-043-orig" n="Sniten" resp="#fyndling">Scheiben oder Schnitten, in die die feste Milchmasse geschnitten wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-043-orig" n="spis" resp="#fyndling">Ein Spieß, auf den die Scheiben gesteckt werden, um sie über dem Rost zu braten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-043-orig" n="rast" resp="#fyndling">Ein Rost, über dem die aufgespießten Scheiben gebraten werden. Dies konnte ein hölzerner Rost über Glut oder ein Metallrost sein.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-043-orig" n="gbuecz" resp="#fyndling">Gewürz. Im Mittelbairischen des 16. Jahrhunderts wurde ‚b‘ oft für ‚w‘ oder ‚v‘ geschrieben, daher ‚gbuecz‘ für ‚Gewürz‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-043-orig" n="gepraten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#gepraten">gebraten (zu braten), nicht „Brät/Farce“. Ain gepraten milch = „ein Gebratenes von Milch“: die im Wasserbad gestockte, gepresste Eier-Milch-Masse wird in Scheiben am Rost gebraten. Die Erstlesart „Brät/Farce“ ist ein Hörfehler (gepraten ≠ Brät).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-043-orig" n="clopf" resp="#fyndling">Übersetzt als ‚schlage‘, im Sinne von kräftigem Verquirlen der Eier und Milch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-043-orig" n="saffrann" resp="#fyndling">Übersetzt als ‚Safran‘. Dies ist eine gängige Schreibweise für Safran im Frühneuhochdeutschen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-043-orig" n="siedent" resp="#fyndling">Übersetzt als ‚siedendes‘. Dies ist die direkte und gebräuchliche Form des Partizips von ‚sieden‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-043-orig" n="vncz" resp="#fyndling">Übersetzt als ‚bis‘. Dies ist eine häufige frühneuhochdeutsche Kontraktion für ‚unz‘ oder ‚unze‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-043-orig" n="weystuch" resp="#fyndling">Übersetzt als ‚weißes Tuch‘. Dies ist die direkte und kontextuell passende Lesart für ein Tuch zum Abgießen und Pressen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-043-orig" n="peschber" resp="#fyndling">Übersetzt als ‚beschwere‘. Im Kontext des Entwässerns einer Masse ist ‚beschweren‘ (mit einem Gewicht versehen) die einzig plausible Lesart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-043-orig" n="pracz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pracz">Übersetzt als ‚brate‘. Dies ist die Imperativform von ‚braten‘ und passt zum Kontext des Garens auf einem Rost.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-043-orig" n="gbuecz" resp="#fyndling">Übersetzt als ‚Gewürz‘. Im Mittelbairischen des 16. Jahrhunderts war die Schreibung ‚b‘ für ‚w‘ oder ‚v‘ üblich, was ‚gbuecz‘ zu ‚Gewürz‘ macht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-044-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein rotes Krebsmus - eine frühe Krebs-Bisque/-Creme: Flusskrebse (ohne den ungenießbaren Magensack bei den Augen) im Mörser zerstoßen, mit Milch durch ein Sieb getrieben, mit geriebener Semmel und Eigelb in der Pfanne zu einem Mus gebunden, das durch die Schalen rot wird. Nahezu identisch mit ri15632-011 (Rotes Krebsmus).

Praxis. Gekochte Flusskrebse (Schwänze mit Schalen, Magensack entfernen) gründlich mörsern, mit Milch durch ein Sieb passieren, mit etwas geriebener Semmel und Eigelb verrühren und in der Pfanne sanft zum sämigen, rötlichen Mus binden - nicht kochen, sonst gerinnt das Eigelb.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-044-orig" n="kreussenn mus" resp="#fyndling">Ein Mus oder Püree aus Krebsfleisch, das als Beilage oder eigenständige Speise serviert wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-044-orig" n="das pos zw den augenn" resp="#fyndling">Dies bezieht sich auf den Magen und den Verdauungstrakt, die sich im Kopf der Krebse befinden und vor dem Verzehr entfernt werden sollten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-044-orig" n="morser" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein ‚Mörser' ein großer Fleischmörser, der zum Zerstoßen von Fleisch, Fisch oder Nüssen zu einer feinen Farce verwendet wurde, nicht der kleine Gewürzmörser.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-044-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Geriebene Semmel oder Weißbrot, die als Bindemittel für das Mus dient. Mehlbindung war in dieser Zeit unüblich.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-044-orig" n="kreussenn / krebsenn" resp="#fyndling">Krebse (Flusskrebse)</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-044-orig" n="das pos zw den augenn" resp="#fyndling">die ungenießbaren Teile bei den Augen</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-044-orig" n="zetreib" resp="#fyndling">zerreib (zerreiben, zerstoßen)</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-044-orig" n="milch" resp="#fyndling">Milch (Kuhmilch)</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-044-orig" n="schlage dy durch ain ander" resp="#fyndling">schlage sie durcheinander (vermische sie gründlich)</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-044-orig" n="ayr toter" resp="#fyndling">Eigelb</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-045-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine klare, geklärte Fischsülze - das Spitzenstück der Aspik-Kunst. Wichtig für die Praxis: Das Geliermittel ist der Fisch selbst - Haut, Schuppen und Gräten geben beim Kochen Kollagen ab. Reines Filet im Sud ergibt nur eine aromatische Brühe, keine Sülze.: die Brühe wird durch Abschöpfen geklärt, mit nur angedrücktem Pfeffer, ganzen Nelken und Zimtrinde gewürzt; eine Abkochung aus Nesselkraut hilft beim Klären. Mit raffiniertem Sommer-Trick: Kirsch- und Erbsenblüten (frisch im Frühsommer), in einem Tuch mitgesotten, lassen die Sülze „so gut wie im Winter“ stocken.

Cruxes. nessel wurcz lesen wir als Nesselkraut/-wurzel (Klärhilfe, hier die Pflanze - nicht Messing); die Blüten als saisonales Gelier-/Frischhalte-Mittel. Wenig Safran und guter Essig: die Sülze soll klar und nicht zu gelb sein, dann stockt sie in zwei Stunden.

Praxis. Fisch in Wein + Essig + wenig Wasser waschen/garen, Schuppen und Gräten fürs Gelieren nutzen; Brühe erwärmen, das aufsteigende Trübe abschöpfen, mit angedrücktem Pfeffer, Nelken und Zimt würzen, sparsam mit Safran färben, über die Fischstücke gießen und kalt stocken lassen. Vgl. m5919-041, m725-017.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="clary sulcz" resp="#fyndling">Eine ‚klare Sülze' oder ‚Aspik' - ein Gericht, bei dem Fleisch oder Fisch in einer geklärten, gelierten Brühe serviert wird. Die Klärung ist hier ein aufwendiger Prozess.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="Nessel wurcz" resp="#fyndling">Nesselwurzeln (Brennnesselwurzeln). Sie wurden in der mittelalterlichen Küche oft für ihre adstringierenden Eigenschaften oder zur Klärung von Flüssigkeiten verwendet, möglicherweise auch für einen erdigen Geschmack.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="virtel" resp="#fyndling">Ein historisches Flüssigkeitsmaß, das regional variierte, aber oft etwa einem Liter entsprach.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="stupt sy schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">‚Stüpfen' oder ‚stiefen' bedeutet hier, den Fisch gründlich zu reinigen und zu schuppen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="dy selbig prue" resp="#fyndling">Die ‚Brühe' bezieht sich hier auf die Flüssigkeit, in der der Fisch zuvor gewaschen wurde - eine Mischung aus Wasser, Wein und Essig.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="Ergett" resp="#fyndling">Althochdeutsch ‚irgetan', hier im Sinne von ‚erreicht' oder ‚gelingt', also bis die Klärung erfolgreich ist.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="schomme / schaimbt" resp="#fyndling">Beide Begriffe bezeichnen ‚Schaum'. Die Anweisung, den Schaum nicht abzuschöpfen, ist Teil der spezifischen Klärungstechnik.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="ze= uch inchs herab" resp="#fyndling">‚Ziehe es hinab' - gemeint ist, den Topf vom Feuer zu nehmen, um den Schaum zu kontrollieren und ein Überkochen zu verhindern.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="gestundt" resp="#fyndling">‚Gestanden' oder ‚gesetzt' - bezieht sich auf das Gelieren und Festwerden der Sülze.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="reschleich" resp="#fyndling">‚Resch' bedeutet im Bairischen ‚knackig' oder ‚frisch'. Hier bezieht es sich auf die gewünschte Textur und Frische der Sülze.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="kers plue" resp="#fyndling">Kirschblüten. Eine ungewöhnliche, aber saisonale Zutat, die der Sülze eine feine, leicht bittere oder blumige Note verleihen könnte und möglicherweise zur Konservierung beiträgt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="arbais so es erst aus scheust vnd der dy ander sunnen" resp="#fyndling">Erbsenblüten oder junge Erbsentriebe, die gerade erst austreiben. ‚Die andere Sonne' bezieht sich auf den Frühsommer, nach der ersten intensiven Frühlingssonne, wenn diese Pflanzen in ihrer besten Phase sind.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-045-orig" n="zbain stunden" resp="#fyndling">‚Zwei Stunden' - die Zeit, die die Sülze zum Festwerden benötigt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="clary sulcz" resp="#fyndling">‚Klare Sülze' oder ‚Aspik'. Die Bezeichnung ‚clary' (klar) weist auf die aufwendige Klärung der Brühe hin, während ‚sulcz' die gelierte Form beschreibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="stupt sy schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">‚Stüpfen' oder ‚stiefen' bedeutet hier, den Fisch gründlich zu reinigen und zu schuppen, bevor er weiterverarbeitet wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="ain virtel wasser" resp="#fyndling">Ein ‚Viertel' wird hier als etwa 1 Liter Wasser interpretiert, eine gängige Annahme für diese Maßeinheit in süddeutschen Quellen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="ain orr oder zbo kalt werdenn" resp="#fyndling">‚Orr' wird als ‚Stunde' gelesen, was bedeutet, die Flüssigkeit ein bis zwei Stunden abkühlen zu lassen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="ain wasser vnd In wein vnd In essig das ains so vil sey als des andren dan des wasser sol minder sein" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">Die Flüssigkeitsmischung zum Waschen des Fisches wird als ein Teil Wein, ein Teil Essig und ein halber Teil Wasser interpretiert (Verhältnis 1:1:0.5), um die Anweisung ‚eins so viel sei als des anderen' und ‚das Wasser soll minder sein' zu erfüllen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="Ergett" resp="#fyndling">‚Ergett' wird als ‚erreicht' oder ‚gelingt' übersetzt, im Sinne von ‚bis die Klärung erfolgreich ist'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="schomme / schaimbt / ze= uch inchs herab vnd schaim sein nicht" resp="#fyndling">‚Schomme' und ‚schaimbt' bedeuten beide ‚Schaum'. Die Anweisung ‚ziehe es hinab und schöpfe es nicht ab' wird als ‚den Topf vom Feuer nehmen und den Schaum nicht entfernen' interpretiert, um die Klärung zu unterstützen und ein Überkochen zu verhindern.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="gestundt / reschleich" resp="#fyndling">‚Gestundt' wird als ‚gestanden' (fest geworden, geliert) und ‚reschleich' als ‚knackig-frisch' übersetzt, was die gewünschte Konsistenz und Frische der Sülze beschreibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="arbais so es erst aus scheust vnd der dy ander sunnen" resp="#fyndling">‚Arbais' wird als ‚Erbse' oder ‚Erbsentriebe' gelesen. Die Phrase ‚so es erst aus scheust und der die andere Sonne' bezieht sich auf junge Erbsentriebe oder -blüten, die im Frühsommer (nach der ersten intensiven Frühlingssonne) geerntet werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="zbir als vill" resp="#fyndling">‚Zbir' wird hier als ‚ebenso viel' oder ‚gleich viel' interpretiert, passend zur Mengenangabe der Kirschblüten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-045-orig" n="zbain stunden" resp="#fyndling">‚Zbain stunden' wird als ‚zwei Stunden' übersetzt, die Zeit, die die Sülze zum Festwerden benötigt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-046-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein höfisches Fasten-Schaugericht: Morcheln mit einer Eierfüllung gefüllt, am Spießchen gebraten, dann mit kräftiger Fischbrühe übergossen und mit Hausenblase zu einer Sülze gestockt. Eng verwandt mit kkm-041 (Gesülzte Morcheln mit Mandeln) und m5919-016 (Gefüllte Morcheln, sülze-artig).

Praxis. Große Morcheln gut wässern, mit einer Ei-Farce (Ei, Semmel, Gewürz, etwas Safran) füllen, auf Spießchen kurz anbraten, in eine flache Form legen, mit gewürzter Fischbrühe übergießen, die mit Hausenblase (modern: Gelatine) versetzt ist, und kalt stocken lassen. Nicht versalzen. Hinweis: das Gericht ist eine Fasten-Sülze mit Morcheln als Hauptbestandteil - die Fischbrühe ist nur das Sülz-Medium.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-046-orig" n="maurochenn" resp="#fyndling">Morcheln. Edle Speisepilze, die im Mittelalter hoch geschätzt wurden.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-046-orig" n="gesulczt" resp="#fyndling">„Gesülzt“ bedeutet hier, in einer Gallerte (Aspik) eingelegt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-046-orig" n="hausenplater" resp="#fyndling">Hausenblase, ein traditionelles Geliermittel, gewonnen aus der Schwimmblase des Störs (Hausen).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-046-orig" n="geste" resp="#fyndling">Von mittelhochdeutsch 'gestehen' im Sinne von „gerinnen, fest werden“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-046-orig" n="gesulczt / gesulcz" resp="#fyndling">„Gesülzt“ im Sinne von „in Gallerte eingelegt“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-046-orig" n="full dy maurochen mit ainer guten full" resp="#fyndling">„Fülle die Morcheln mit einer guten Füllung“. 'full' wird hier einmal als Verb ('fülle') und einmal als Nomen ('Füllung') verwendet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-046-orig" n="we" resp="#fyndling">„was“. Eine mittelbairische Schreibweise für 'was'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-046-orig" n="geste" resp="#fyndling">„gerinnt/fest wird“. Von mittelhochdeutsch 'gestehen' im Sinne von „gerinnen, fest werden“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-046-orig" n="versalcz" resp="#fyndling">„versalze“ (Imperativ).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-047-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine eingekochte Sauerkirsch-Sauce zur Vorratshaltung (salse von weichsel): Weichseln gekocht, passiert, mit Honig, geriebenem Brot und Nelken/Gewürz dick eingekocht und ins Fass gefüllt - hält laut Original „ein bis vier Jahre“. Verwandt mit der Weichsel-Latwerge m811-004 und den Kirsch-Konserven (bgs-085).

Praxis. Sauerkirschen weich kochen, abkühlen, durch ein Tuch passieren, mit Honig, geriebenem Brot (Bindung) und reichlich Nelken/Gewürz auf der Glut dick einkochen, heiß in saubere, säurefeste Gefäße füllen, vollständig bedeckt/verschlossen kühl lagern. Süß-würziges Condiment zu Wild und Braten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-047-orig" n="weichsel" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für Sauerkirsche.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-047-orig" n="hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Ein Topf oder Gefäß.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-047-orig" n="glutt" resp="#fyndling">Glut, also heiße, rauchfreie Kohlen, ideal zum langsamen Köcheln und Eindicken.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-047-orig" n="geribens pratt" resp="#fyndling">Geriebenes Brot, das als Bindemittel und zur Texturgebung verwendet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-047-orig" n="stupt" resp="#fyndling">Eine frühneuhochdeutsche Form von 'Staub' oder 'Pulver', hier im Sinne von Gewürzpulver.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-047-orig" n="fessel" resp="#fyndling">Ein Fass oder ein größeres Gefäß zur Lagerung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-047-orig" n="virj" resp="#fyndling">vier Jahre</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-047-orig" n="stupt" resp="#fyndling">Gewürzpulver</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-047-orig" n="pratt" resp="#fyndling">Brot</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-048-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Mus aus gedörrten Birnen (cloczen = Kloetzen/Hutzeln, getrocknete Birnen - nicht Wurzelgemüse!): die Dörrbirnen gewaschen, weich gekocht, fein gestoßen, mit Wein passiert, mit Honig, Nelken und Gewürz dick eingekocht; ist es zu dünn, bindet geriebenes Brot. Hält im Topf vier bis fünf Wochen - ein klassisches Wintervorrats-Mus.

Zur Lesart. cloczen sind im bairisch-schwäbischen Raum gedörrte Birnen (vgl. Kloetzenbrot/Hutzelbrot), kein Wurzelgemüse - die Erstlesart war eine generische Fehldeutung.

Praxis. Dörrbirnen über Nacht einweichen, weich kochen, mörsern, mit Wein durch ein Sieb treiben, mit Honig, Nelken und Gewürz einkochen, bei Bedarf mit geriebenem Brot binden; kühl gelagert wochenlang haltbar.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-048-orig" n="cloczen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#cloczen">Ein heute nicht mehr gebräuchlicher Begriff, der sich auf eine Art Wurzelgemüse oder Knollen beziehen könnte. Im Kontext eines Mus ist eine stärkehaltige, leicht süßliche Knolle plausibel.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-048-orig" n="negel" resp="#fyndling">Kurzform für Gewürznelken. Ein beliebtes Gewürz in der mittelalterlichen Küche, oft in süßen und herzhaften Gerichten verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-048-orig" n="stupt gnug" resp="#fyndling">Wörtlich 'stopf genug', hier im Sinne von 'würze ausreichend' oder 'gib genug Gewürz hinzu'.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-048-orig" n="ribst ain prat darunter" resp="#fyndling">Wörtlich 'reibst ein Brot darunter'. Dies dient zum Andicken des Mus und zur Verbesserung der Textur. Es handelt sich um geriebenes Weißbrot oder Semmelbrösel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-048-orig" n="cloczen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#cloczen">gedörrte Birnen (Kloetzen/Hutzeln) - im bairisch-schwäbischen Raum die getrockneten Birnen (vgl. Kloetzenbrot/Hutzelbrot). NICHT „Wurzelgemüse“ - das war eine generische Fehllesart. Das ganze Gericht ist ein Dörrbirnen-Mus.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-048-orig" n="stupt gnug" resp="#fyndling">Übersetzt als ‚würze es ausreichend‘. ‚Stupt‘ (von stüpfen/stopfen) kann hier im übertragenen Sinne als ‚hinzufügen‘ oder ‚füllen‘ verstanden werden, bezogen auf die Gewürze, die dem Mus ‚hinzugefügt‘ werden, bis es ‚genug‘ gewürzt ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-049-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein einfacher gebackener Eierkuchen: feines Semmelmehl mit Eiern zu einem dicken Teig verrührt, gesalzen und in faustgroßen Portionen im Ofen gebacken. Verwandt mit den herzhaften Eierkuchen/Frittaten des Korpus (foc-149 Mylates, koe-015 welscher Eierkuchen).

Praxis. Feines Weizen-/Semmelmehl mit verquirlten Eiern zu einem dicken, gerade noch gießfähigen Teig rühren, salzen, als faustgroße Häufchen in gefettete Förmchen oder aufs Blech geben und im Ofen goldbraun backen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-049-orig" n="semel mell" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Hier ist geriebenes Weißbrot oder Semmelbrösel gemeint, das als Bindemittel dient. Mehl im modernen Sinne war im Mittelalter selten für solche Zwecke.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-049-orig" n="dy mas" resp="#fyndling">Nach Maß, also nach Geschmack und Gefühl. Eine genaue Mengenangabe fehlt, was typisch für historische Rezepte ist.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-049-orig" n="faust" resp="#fyndling">Die Eierkuchen sollen etwa die Größe einer Faust haben.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-050-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süß-saurer Weißkohl-Salat, kalt serviert: gekochter Weißkohl in einem Dressing aus Senf, Honig und Wein mit Kümmel und Anis - ein direkter Verwandter des süß-sauren Weißkrauts ri15632-044 und der Kompost-Einlegegerichte (foc-097). Eine mittelalterliche Krautsalat-Vorform.

Cruxes. pussen und ohraut in der Schluss-Variante sind nicht sicher lesbar (als Crux markiert) - vermutlich ein weiteres Gemüse bzw. eine Krautart, ebenfalls kalt mit Würze gesotten.

Praxis. Weißkohl in Streifen kochen, abkühlen; Senf, Honig und Wein zu einem Dressing verrühren, mit Kümmel und Anis würzen, über den Kohl geben und durchziehen lassen. Kalt servieren - hält gut, ideal fürs Lager.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-050-orig" n="gmachten krawt" resp="#fyndling">Bezieht sich auf ein zubereitetes oder gewürztes Kraut, hier Weißkohl.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-050-orig" n="weis hauptt krautt" resp="#fyndling">Weißkohl, der Kopfkohl.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-050-orig" n="ain tail senft vnd ain tail honig" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#tail">Wörtlich 'ein Teil Senf und ein Teil Honig', was auf gleiche Mengenanteile hindeutet. Eine klassische süß-pikante Kombination.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-050-orig" n="kum vnd anis" resp="#fyndling">Kümmel und Anis, beides typische Gewürze für Kohlgerichte im Mittelalter.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-050-orig" n="wurcz" resp="#fyndling">Allgemeiner Begriff für Gewürze. Im mittelalterlichen Kontext oft eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat und Safran.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-050-orig" n="seudtt" resp="#fyndling">Die Form 'seudtt' wurde als 'siede sie' (Imperativ Singular mit Objektpronomen) übersetzt, in Anlehnung an das vorhergehende 'seud' (siede).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-050-orig" n="pussen" resp="#fyndling">Der Begriff 'pussen' ist in diesem kulinarischen Kontext nicht eindeutig belegt. Wir haben uns für 'kleine Kohlköpfe' entschieden, da das Hauptrezept 'Kraut' ist und 'sie sieden' eine feste, zählbare Zutat impliziert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-050-orig" n="ohraut" resp="#fyndling">Der Begriff 'ohraut' ist in historischen Glossaren nicht eindeutig als kulinarische Zutat belegt. Wir haben uns für die neutrale Übersetzung 'eine bestimmte Krautart' entschieden, da es im Kontext von 'Gewürzen und X' als weitere Zutat genannt wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-051-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein schlichter gebackener Käsekuchen - und sehr wahrscheinlich ein Grundrezept (Basis). Weichkäse wird unter den Händen glattgearbeitet, mit Eiern gebunden und mit einem Teig im Ofen gebacken. Auffällig: Der Text nennt kein Gewürz, keinen Zucker und kein Salz - die Speise ist bewusst neutral gehalten und wird je nach Anlass süß (Zucker oder Honig, etwas Zimt) oder herzhaft (Salz, Kräuter, Speck) ausgerichtet. Er gehört zur breiten spätmittelalterlichen Käsefladen-Familie quer durch Europa - vom süßen Käsefladen Martinos (mar-124) über die gefüllten der Edelike Spijse (wes-059) bis zum herzhaften Käsekuchen mit Speck des Anonimo Toscano (ant-063) und den Bockenheimer Käsekuchen (boc-039, boc-041); direkt daneben in derselben Handschrift das Schwesterrezept m5919-052.

mach ain taig vnd prait in vnd thue das kes dar auff: Die zentrale Stelle ist mehrdeutig, und für Cgm 5919 gibt es keine deutsche Eich-Edition zum Gegencheck. Zwei Lesarten: (A) ein separater Teig wird ausgebreitet und die Käse-Ei-Masse darauf gegeben (Käsekuchen mit Boden, wie im Korpus-Cluster üblich), oder (B) Käse und Eier selbst werden zum ‚Teig' verarbeitet, ausgebreitet und gebacken (Käse-Ei-Fladen ohne Mehlboden). Der Text nennt KEIN Mehl. Wir folgen Lesart A, weil thue das kes dar auff (den Käse OBEN drauf) eine Trennung von Boden und Belag nahelegt und der Cluster (wes-059, ant-063, boc-039) genau das tut; wer keinen Boden will, folgt der Fladen-Lesart.

prait in heißt bei diesem Schreiber ‚ausbreiten/auseinanderstreichen', nicht ‚ausrollen' - vgl. m5919-018 prait in mit ainem loffel auß ain ander und m5919-037 streich den taig mit ainem loffel aus. Also ein dünn ausgebreiteter, kein steif ausgerollter Teig.

Praxis. Etwa 500 g Frischkäse, Topfen/Quark oder milder Ziegenfrischkäse gut abtropfen lassen (der wichtigste Punkt - zu nasser Käse macht die Füllung suppig) und unter den Händen glattarbeiten, dann 3-4 Eier unterschlagen. Hier entscheidest du die Richtung: süß mit Zucker oder Honig (und etwas Zimt) - oder herzhaft mit Salz, Kräutern und gewürfeltem Speck. Für den Boden (Lesart A) etwa 250 g Mehl mit ca. 125 g Butter oder Schmalz, etwas Wasser und einer Prise Salz zu einem mürben Teig kneten, dünn ausbreiten, eine Form auslegen, die Käsemasse einfüllen. Bei ca. 180 °C 40-50 Minuten backen, bis die Mitte gestockt und der Rand goldbraun ist - nicht zu heiß, sonst gerinnt das Ei grisselig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-051-orig" n="mach ain taig / prait in / thue das kes dar auff" resp="#fyndling">Ein separater Teig wird ausgebreitet (prait in = auseinanderstreichen, vgl. m5919-018/037) und die Käse-Ei-Masse darauf gegeben - ein Käsekuchen mit Boden. Diese Lesart stützt sich auf thue das kes dar auff (Käse OBEN drauf, also Trennung von Boden und Belag) und auf den Korpus-Cluster (wes-059, ant-063, boc-039), der ebenfalls einen Teigboden mit Käsefüllung kennt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-052-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Frittierte Käsestreifen - dünn ausgewalkter Käse-Mehl-Ei-Teig, in schmale Streifen geschnitten und in Schmalz goldbraun ausgebacken. Das Gericht gehört zu einer breiten spätmittelalterlichen Rezeptfamilie: die fast wortgleichen Gebackenen Käsestreifen aus dem Meister-Hans-Korpus (mha-121), die Käsestreifen der Münchner Handschrift (m384-079), die Käse-Hufeisen aus clm 15632 (ri15632-012) und rfk-041 sowie die Fasten-Käsestangen der Kellermeisterei (kkm-076). Im selben Buch ist m5919-038 die streichbare Pfannen-Schwester.

melbs lesen wir hier als Mehl (Weizenmehl), nicht als Semmelmehl: Alle direkten Zwillinge geben Käse und Mehl zu gleichen Teilen vor (mha-121 yeglichs gleichs als vil, ka1-077 geriben kaeß vnd mel gelich vil, ebenso m384-079, rfk-041, ri15632-012). Auch küchenpraktisch trägt nur echtes Mehl den hier verlangten festen, dünn auswalkbaren Teig - Semmelbrösel ergeben eine bröselige, nicht zusammenhängende Masse. melbs ist die mittelbairische Stammform von Mehl (ahd. melo, Gen. melwes; b für w, die typische Lesefalle dieses Schreibers); Semmelmehl notiert derselbe Schreiber sonst als semel (m5919-013, m5919-025, m5919-049). Semmelmehl bleibt daher eine nachgeordnete, aber durch die Zwillinge nicht gestützte Alternative.

struczel meint hier lange, dünne Teigstreifen - cross-source eindeutig belegt: mha-121 lanng struczel gar dunne, ka1-077 lang strutzel vnd dunne, ri15632-012 lang als die wurst ... dun. Trotz der lautlichen Nähe zum Striezel (geformtes Gebäckstück) ist die Streifen-Lesart durch die Parallelüberlieferung gesichert; eine Nudel-Lesart scheidet aus, weil hier nicht in Wasser gekocht, sondern ausgewalkt und in Schmalz gebacken wird.

Praxis. Käse und Mehl im Verhältnis 1:1 mischen (z.B. je 150 g kräftiger geriebener Hartkäse + 150 g Weizenmehl), Eier nach und nach einarbeiten (Richtwert 1-2), bis ein fester, nicht klebender Teig entsteht - zu viel Ei lässt den Käse beim Backen zerlaufen. Würzen mit weißem Pfeffer, etwas Ingwer und Muskat. Auf dem Brett hauchdünn auswalken (sonst innen roh, außen zu dunkel), in schmale Streifen schneiden und in fingerhoch Schmalz bei mittlerer Hitze goldbraun ausbacken - die Temperatur stimmt, wenn ein Teigkrümel sofort aufsteigt. Heiß servieren, bei Bedarf salzen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-052-orig" n="melbs" resp="#fyndling">Mittelbairische Stammform von ‚Mehl‘ (ahd. melo, Gen. melwes; b für w). Die direkten Zwillinge lesen den Begriff durchweg als Mehl.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-052-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Eine mittelbairische Schreibvariante für ‚Gewürz‘ (b für w).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-052-orig" n="kint" resp="#fyndling">Eine mittelbairische Schreibvariante für ‚kneten‘.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-052-orig" n="walg" resp="#fyndling">Bedeutet ‚walken‘ oder ‚ausrollen‘, im Sinne des Ausbreitens von Teig.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-052-orig" n="struczel" resp="#fyndling">Lange, dünne Teigstreifen, nicht im Sinne eines modernen Strudels - cross-source belegt durch mha-121, ka1-077 und ri15632-012.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-052-orig" n="pret" resp="#fyndling">Ein ‚Brett‘, hier zum Ausrollen des Teiges.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-052-orig" n="pachs" resp="#fyndling">Bedeutet ‚backe‘ oder ‚brate‘, hier im Sinne von in Fett ausbacken.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-052-orig" n="melbs" resp="#fyndling">Mehl (Weizenmehl). Die direkten cross-source Zwillinge (mha-121, m384-079, ri15632-012, rfk-041) lesen den Begriff durchweg als Mehl und geben Käse und Mehl zu gleichen Teilen für den Teig vor.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-052-orig" n="struczel" resp="#fyndling">Lange, dünne Teigstreifen. Der dünn ausgewalkte Teig wird in schmale Streifen geschnitten, in Schmalz ausgebacken und danach in der Schüssel zerteilt - cross-source gesichert durch mha-121, ka1-077 und ri15632-012.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-053-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gebratener Kalbskopf mit gewürztem Hirn - ein Festgericht der spätmittelalterlichen Tafel, das den ganzen Kopf als ansehnliches Schaustück auf den Tisch brachte. Der Kalbskopf wird zweistufig zubereitet: erst weichgesotten, dann auf dem Rost gebräunt. Das Rezept hat enge, fast wortgleiche Verwandte im Korpus (Cgm 384, Clm 15632, Rheinfränkisches Kochbuch) - dieselbe Gerichtsfamilie war überregional verbreitet. Heute ist der Kalbskopf eine Nischenspezialität für Liebhaber kräftiger Innereien.

Schneid dy vnter keu - die unteren Kinnbacken bzw. die fleischige Kehlpartie - werden vor dem Sieden abgetrennt, damit der Kopf flach auf den Rost passt; sie lassen sich separat verwerten. Praktisch heißt das: den Kopf zuvor 1-2 Stunden wässern, Blut und Borsten am Kinn absengen, dann in leise wallendem Wasser 2-3 Stunden sieden, bis sich das Fleisch löst und die Kopfhaut weich ist.

Die hiren schall - die Hirnschale, also die Schädeldecke - wird erst nach dem Sieden aufgebrochen, weil das Hirn dann fest genug ist, um nicht zu zerlaufen. Streue das Gewürz aufs Hirn und gieße heißes Schmalz an: das versiegelt, bräunt und gibt eine schöne Kruste.

Praxis. Auf dem Rost über mittlerer Glut nur noch bräunen und durchziehen lassen - nicht mehr garen. Das weiche Hirn nicht direkt über die Flamme halten, sonst läuft es aus. Hirn (eine Delikatess-Portion, ca. 100-130 g) und Kopffleisch (Backe, Zunge) werden zusammen serviert; das reicht als Hauptgericht für etwa vier Personen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-053-orig" n="vnter keu" resp="#fyndling">Die unteren Kinnbacken bzw. die fleischige Kehlpartie des Kalbskopfes, die vor dem Sieden abgetrennt werden. Die alemannische Parallelüberlieferung Cgm 384 liest hier vndren keln (untere Kehlen). Für Cgm 5919 existiert keine deutsche Eich-Edition - die Lesart ist daher tentativ.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-053-orig" n="hiren schall" resp="#fyndling">Hirnschale, die Schädeldecke, die aufgebrochen wird, um das Hirn direkt im Schädel zu würzen und zu garen. Cgm 5919 liest die Singularform hiren schall; die Parallele Cgm 384 hat den Plural hiern schallen - eine reine Numerusvariante ohne Bedeutungsunterschied.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-053-orig" n="gbircz" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Schreibweise für ‚Gewürz‘ (das ‚b‘ steht für ‚w‘, eine mittelbairische Schreibereigenheit dieser Hand). Im Mittelalter war eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Nelken und Muskat üblich; die konkrete Auswahl ist eine zeittypische Rekonstruktion, der Text nennt nur ‚gutes Gewürz‘.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-053-orig" n="rast" resp="#fyndling">Ein Rost, auf dem das Fleisch über offener Glut gebraten wird - für ein schweres, gesottenes Garstück wie einen ganzen Kalbskopf in der Praxis ein eiserner Bratrost. Ob hier ein hölzerner Rost gemeint sein könnte, lässt sich für dieses Rezept nicht belegen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-053-orig" n="vnter keu" resp="#fyndling">Untere Kinnbacken / fleischige Kehlpartie des Kalbskopfes, die vor dem Sieden abgetrennt werden. Gestützt durch die nahezu wortgleiche Parallelüberlieferung Cgm 384 (vndren keln, untere Kehlen).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-054-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kalte Lebersülze (leber galdrat, bairische Form von galray = Gallerte/gelierte Speise im weiten Sinn): eine fein passierte, süß-würzige Hirschleber-Paste, die kalt serviert wird und beim Erkalten schnittfest wird - nah an einer Pâté oder Terrine. Trotz des Wortes galdrat ist dies kein Gelatine-Aspik: Der Text nennt kein Geliermittel (keinen Kalbsfuß, keine Schwarte, keine Hausenblase). Die Bindung kommt allein aus der dichten passierten Leber, dem Roggenbrot und dem nochmaligen Aufkochen. Fast wortgleich mit der Hirschleber-Sülze m384-033 (Cgm 384) und dem Hirschlebermus ri15632-016 (Clm 15632); eng verwandt mit der kalten Hirsch-Leberpastete rfk-018.

Die Stelle rochen prat ist die Crux: An genau dieser Position lesen die beiden wortgleichen Schwester-Fassungen ruggim brott (m384-033) bzw. rocken prot (ri15632-016) - also Roggenbrot als Binder, der im Mörser mitzerstoßen wird. rochen prat ist hier mit hoher Wahrscheinlichkeit eine verschriebene Form von rocken prot (h/k-Vertauschung, p/b-Wechsel beim bairischen Schreiber), nicht eine Röst-Anweisung. Für Cgm 5919 gibt es keine deutsche Eich-Edition - die Lesart ist also über die Parallelüberlieferung gestützt, nicht editorisch verbürgt.

Technik. Hirschleber braten, das angebratene Äußere abschneiden und im Mörser mit eingeweichtem Roggenbrot, Honig, Wein und Essig zerstoßen. Durch ein Tuch treiben (passieren) - das macht die Masse höfisch-glatt - und würzen. Anschließend noch einmal aufkochen (erbell = erwellen/aufwallen lassen, bairisch mit b für w) und kalt stellen, bis sie schnittfest ist. Honig, Wein und Essig geben die süß-saure Achse, die das fette Organ schneidet - die klassische Wildbegleitung der Zeit.

Praxis. Etwa 500 g Hirschleber (ersatzweise Kalbsleber) braten, mit 1-2 Scheiben eingeweichtem Roggenbrot, 2-3 EL Honig, einem Schuss Wein und Essig fein mörsern oder pürieren, durch ein Sieb streichen, mit Pfeffer, Ingwer und Nelken würzen, kurz aufkochen und mehrere Stunden kühl stellen, bis sie sich schneiden lässt. Als kalte Vorspeise oder Beilage.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-054-orig" n="schneid das ausser darab" resp="#fyndling">‚Das Äußere abschneiden' - die zähe, angebratene Außenhaut der gebratenen Leber entfernen, bevor sie gemörsert wird (vgl. die Schwester-Fassung m384-033).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-054-orig" n="rochen prat" resp="#fyndling">An dieser Stelle lesen die wortgleichen Schwester-Fassungen ‚ruggim brott' (m384-033) bzw. ‚rocken prot' (ri15632-016) - also Roggenbrot als Binder. ‚rochen prat' ist vermutlich eine Verschreibung von ‚rocken prot' (h/k-Vertauschung), nicht ‚röste das Gebratene'.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-054-orig" n="treib es durch ain tuch" resp="#fyndling">Die Masse durch ein Tuch passieren, um eine besonders feine, glatte Konsistenz zu erhalten - typisch für gehobene Muse und Sülzen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-054-orig" n="erbell dy leber" resp="#fyndling">‚Erhitze die Leber' - bairisches ‚erbell' (b für w) = erwellen/aufwallen lassen (Glossar, m5919-006). Die passierte Masse wird noch einmal aufgekocht, dann kalt serviert.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-054-orig" n="galdrat" resp="#fyndling">Bairische Form von ‚galray' (Gallerte/gelierte Speise im weiten Sinn; Ehlert 1999). Hier keine Gelatine-Aspik, sondern eine kalt servierte, durch passierte Leber und Roggenbrot fest werdende Leberpaste - die Schwester-Fassungen titeln das Gericht als Sülze (m384-033) bzw. Mus (ri15632-016).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-054-orig" n="rochen prat" resp="#fyndling">Roggenbrot als Binder, im Mörser mitzerstoßen. An genau dieser Position lesen die beiden wortgleichen Schwester-Fassungen ‚ruggim brott' (m384-033) bzw. ‚rocken prot' (ri15632-016); ‚rochen prat' ist vermutlich eine Verschreibung von ‚rocken prot' (h/k-Vertauschung, p/b-Wechsel). Für Cgm 5919 gibt es keine deutsche Eich-Edition - die Lesart ist über die Parallelüberlieferung gestützt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-054-orig" n="galdrat" resp="#fyndling">Bairische Form von ‚galray' (Gallerte/gelierte Speise im weiten Sinn; Ehlert 1999) - hier eine kalt servierte, durch passierte Leber und Roggenbrot fest werdende Leberpaste, kein Gelatine-Aspik. Die wortgleichen Schwester-Fassungen titeln das Gericht als Sülze (m384-033) bzw. Mus (ri15632-016).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-055-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine kollagenreiche Wildhaut-Sülze, die im Korpus 'Sülze von Hosennestel' heißt - eine Jagdverwertung aus der Haut des Rehs. Lebende Verwandte sind Galrey/Galantine, Aspik und jede klassische Sülze; die schmalen Streifen geben dem Gericht seinen bildhaften Namen (Hosennestel = Schnürband).

Die Lesung der Hauptzutat rechhautt als Reh-Haut ist cross-source gesichert: die nahezu wortgleichen Schwestern rech hautt (mha-015) und rech haut (ri15632-017) trennen die Wörter im Transkript. Wer keine Wildhaut bekommt, verwendet ersatzweise kollagenreiche Kalbs- oder Schweineschwarte - das ist Ersatz, nicht die historische Zutat.

Praxis. Reh-Haut (ersatzweise ca. 500-700 g dicke Schweine-/Kalbsschwarte oder die Haut von 2-3 Kalbs-/Schweinefüßen) gut abbrühen und die Haare abschaben. Dann in reichlich leicht gesalzenem Wasser 2,5-3,5 Stunden leise köcheln, bis die Haut glasig-weich ist und sich sichtbar zusammenzieht; die Brühe wird deutlich klebrig (Geliertest: ein Tropfen auf einem kalten Teller wird zäh). Die weiche Haut in spannenlange, zwei Finger breite (ca. 3-4 cm) Streifen schneiden. Streifen mit etwas durchgeseihter, mit Salz und Würze abgeschmeckter Kochbrühe in eine Form schichten und kühl erstarren lassen. Funktion der Schritte: Abbrühen reinigt und enthaart, langes Sieden löst das Kollagen in Gelatine, das Kaltstellen lässt die Brühe zur schnittfesten Sülze gelieren.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-055-orig" n="von hosen nestel" resp="#fyndling">Hosennestel = Schnürband/Schnürriemen der mittelalterlichen Hose. Figürlicher Gerichtname: die spannenlangen, zweifingerbreiten Hautstreifen erinnern an Schnürsenkel. Der Zwilling im Meister-Hans-Korpus (mha-015) trägt denselben Titel 'Sullz von hosennestel'.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-055-orig" n="rechhautt" resp="#fyndling">rech hautt = Reh-Haut (mhd. reh = Reh). Die getrennt geschriebenen Schwester-Transkripte mha-015 ('Nym ain rech hautt') und ri15632-017 ('nym ein rech haut') sichern die Lesart. 'rech' ist eine dokumentierte Lesefalle dieses Korpus, nicht als Rebhuhn/Qualitätsangabe zu deuten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-055-orig" n="prue" resp="#fyndling">Brühen/Abbrühen - hier zum Enthaaren der Haut ('das das her aus gee' = damit die Haare herausgehen).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-055-orig" n="rimpft sy sich zw samen" resp="#fyndling">Zieht sich zusammen - die Haut schrumpft beim Sieden, während das Kollagen in Gelatine übergeht. Die Zwillinge formulieren 'schnirpfft' (mha-015) bzw. 'schrimpft' (ri15632-017).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-055-orig" n="span" resp="#fyndling">Eine Spanne - altes Längenmaß, Abstand zwischen Daumen- und Kleinfingerspitze bei gespreizter Hand (ca. 20-25 cm).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-055-orig" n="zbayr vinger praitt" resp="#fyndling">Zwei Finger breit (ca. 3-4 cm). 'zbayr' = zwei (bairisch b für w, vgl. zbey=zwei); identisch in mha-015 'czwaier vinger praitt' und ri15632-017 'czwayer vinger prayt'.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-055-orig" n="sulcz" resp="#fyndling">Sülze, Gallert, Aspik - in gelierter Brühe erstarrtes Gericht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-055-orig" n="rechhautt" resp="#fyndling">Reh-Haut (mhd. reh = Reh). Die Lesart ist cross-source gesichert: die nahezu wortgleichen Zwillinge mha-015 ('Nym ain rech hautt') und ri15632-017 ('nym ein rech haut') trennen die Wörter im Transkript, rfk-015 spricht von 'einer rechun'. 'rech' ist eine im Korpus dokumentierte Lesefalle.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-055-orig" n="Sülzflüssigkeit (Salz/Essig/Gewürz)" resp="#fyndling">Erschlossen. Der knappe m5919-Text nennt - wie die Zwillinge mha-015 und ri15632-017 - nur Haut, Sieden und 'mach daraus ain gute sulcz'. Salz und Würze sind für eine 'gute Sülze' impliziert, aber im Text nicht ausgeschrieben.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-056-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Leber-Farce im Fettnetz: rohe Bockleber, fein gehackt mit Ei und Weißbrot, gewürzt, in ein Schweins- oder Kalbsnetz (neczel, das Omentum) gewickelt und gebraten. Das Netz schmilzt beim Braten, hält die magere Leber saftig und die Masse in Form. Der direkte Vorfahr der Faggots (England), Crépinettes (Frankreich), Figatelli (Korsika/Italien) und des bayerisch-österreichischen Netzbratens / Leberwickerls - bis heute lebendig.

gruey = roh. Hacht dy clain also gruey heißt nicht "sehr fein", sondern "hacke sie klein, solange sie roh ist": gruey ist beim w-/v-schwankenden Regensburger Schreiber die grafische Variante von gruen (grün) im Sinne von frisch/roh/unverarbeitet. Das clain trägt schon die Feinheit; gruey trägt zusätzlich den Zustand. Die fast wortgleichen Schwesterrezepte aus Cgm 384 (klain also gruen, m384-047/m384-070) und Reichenau (klain also grun, ka1-059) lesen einhellig "noch roh" - die Leber wird ungekocht gehackt, Ei und Brot binden die rohe Farce. (Für Cgm 5919 existiert keine deutsche Eich-Edition; die Lesart stützt sich auf den Cross-Source-Konsens.)

pochs leber = Bocksleber. pochs ist bocks - der für diesen Schreiber typische p-/b-Wechsel (vgl. pratt=Brot, puluers=Pulver). Die ganze Rezeptfamilie führt "bockes/bocks leber" (Bock = Ziegen- oder Rehbock); "Ochsenleber" ist nicht zu halten. Ersatzweise Lamm- oder Kalbsleber.

neczel = Netzlein. Diminutiv von Netz = das Fettnetz (Omentum); im Korpus durchgängig so belegt (m384-047, ant-080, koe-006). Vor dem Wickeln in lauwarmem (Essig-)Wasser geschmeidig machen.

Praxis. ~500 g rohe Bock-/Lamm-/Kalbsleber sehr fein hacken, mit 1-2 Eiern, ~50-80 g eingeweichtem, ausgedrücktem Weißbrot und der Gewürzmischung zu einer bindigen Farce verarbeiten. In ein vorbereitetes Fettnetz wickeln und über mittlerer Glut/im Topf braten, bis gerade durchgegart - Leber nicht zu lange garen, sonst wird sie ledrig. Der m5919-Text bricht nach dem Einbinden ab; den Bratschritt belegen die Parallelfassungen (vnd brates also).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-056-orig" n="pochs leber" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pochs">Bocksleber (Leber des Ziegen- oder Rehbocks). pochs = bocks, mit dem für diesen Regensburger Schreiber typischen p-/b-Wechsel (vgl. pratt=Brot, puluers=Pulver). Die fast wortgleichen Schwesterrezepte führen einhellig "bockes/bocks leber" (m384-047, m384-070, ka1-059).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-056-orig" n="puluers" resp="#fyndling">Gewürzpulver. Im Original unspezifiziert; zeitgenössisch plausibel ist eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken und Muskat - keine Quellenangabe, sondern Rekonstruktion.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-056-orig" n="gruey" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#gruey">‚noch roh / im rohen Zustand‘. gruey = gruen (grün im Sinne von frisch/roh/unverarbeitet) - der w-/v-schwankende Schreiber notiert grün auch sonst als grue(n). Die Leber wird ungekocht fein gehackt; clain trägt die Feinheit, gruey den Zustand. Gestützt durch die fast wortgleichen Zwillinge m384-047/m384-070 (klain also gruen) und ka1-059 (klain also grun), dort einhellig 'roh'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-056-orig" n="pochs leber" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pochs">‚Bocksleber‘. pochs = bocks (Genitiv von Bock), p-/b-Schreiberfalle; die ganze Rezeptfamilie führt 'bockes/bocks leber' (m384-047, m384-070, ka1-059). Daher main_game.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-057-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine dreifarbige, geschichtete Mandelmilch-Sülze - ein klassisches spätmittelalterliches Schaugericht für die Fastentafel. Mandelmilch (statt Milch) und Hausenblase (Fischblase statt Tier-Gelatine) machen es fastentauglich; die drei gelierten Farbschichten werden gestürzt, in Quadrate geschnitten und schachbrettartig neu angerichtet. Dasselbe Rezept wandert fast wortgleich durch den Korpus: koe-017 (Königsberger Kochbuch) und mha-261 (Meister Hans) sind direkte Zwillinge - sie sichern Ablauf, Grünfärbung (Petersilie) und Schnittform ab.

Grün aus gruene farb: Der bairische Schreiber nennt nur "grüne Farbe", ohne das Mittel zu benennen. Die beiden Zwillingsfassungen verwenden hier ausdrücklich fein gehackte Petersilie - die wahrscheinlichste historische Grünung. Gelb kommt aus Safran (im Fastenkontext, kein Eigelb).

Der Mittelteil geus Nym der pfannen ... gelb mach gleich gelb: Diese Stelle ist im Cgm 5919 verschrieben/dittographisch und für sich kaum lesbar. Die Schicht-Logik (alle drei Portionen einzeln aufkochen, süßen und je fest werden lassen) ist über die klarere Parallelfassung koe-017 rekonstruiert.

Schnittform schach zaglatt: Kompositum aus mhd. schâchzabel (Schachbrett) - also in Quadraten/Feldern geschnitten und farblich abwechselnd aufgelegt, wie die Felder eines Schachbretts. mha-261 annotiert die Parallelstelle ausdrücklich als "Schachbrettmuster".

Schlussformel Enbeichtt: Bedeutung unsicher (siehe Lesart-Hinweis).

Praxis. Ca. 600 ml sehr dicke Mandelmilch ansetzen, davon 1/3 für Grün, 2/3 für Weiß und Gelb; insgesamt ca. 60-80 g Zucker. Als Geliermittel statt Hausenblase Agar-Agar (ca. 1-2 g pro 250 ml, kurz aufkochen) - hitzestabil und schnittfest, hält die gestürzte Form und übersteht das kurze Anwärmen; Blattgelatine nur, wenn durchgehend kühl serviert wird. Jede Farbe einzeln aufkochen, süßen und in dünner Schicht in flache Pfännchen gießen, dann voll erkalten und fest werden lassen, bevor die nächste an die Reihe kommt. Zum Stürzen den Pfannenboden kurz übers Feuer halten (vber das feur pald vnd wider herab) und auf eine glatte Fläche/Bank kippen, in gleichmäßige Quadrate schneiden und farblich abwechselnd in die Schüssel schichten. Eine kleine Prise Salz balanciert die Süße.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-057-orig" n="hausen plater" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">Die Schwimmblase des Hausens (einer Störart), die als hochwertiges Geliermittel verwendet wurde. Sie ist heute schwer erhältlich und steht unter Artenschutz. Moderne Nachkocher verwenden Agar-Agar oder Gelatine.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-057-orig" n="dick mandel milch" resp="#fyndling">Eine eingedickte Mandelmilch, die durch langes Kochen oder die Zugabe von Reismehl oder Brotkrume eine cremigere Konsistenz erhält. Sie dient als Basis für viele weiße Speisen und war auch in der Fastenzeit erlaubt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-057-orig" n="gruene farb" resp="#fyndling">Der Schreiber nennt nur "grüne Farbe". Die nahezu wortgleichen Parallelfassungen koe-017 (Königsberger Kochbuch) und mha-261 (Meister Hans) verwenden hier ausdrücklich fein gehackte Petersilie - die wahrscheinlichste historische Grünung (alternativ Spinat).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-057-orig" n="gelb mach gleich gelb" resp="#fyndling">Die gelbe Farbe wurde mit Safran erzielt, einem sehr teuren Gewürz, das den Status des Gerichts unterstrich. Eigelb wäre im Fastenkontext nicht erlaubt; das Gericht ist mit Mandelmilch und Fisch-Hausenblase bewusst fastentauglich angelegt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-057-orig" n="schach zaglatt" resp="#fyndling">Schachbrettartig: zu mhd. schâchzabel (Schachbrett). Die Sülze wird in gleichmäßige Quadrate geschnitten und farblich abwechselnd angeordnet wie die Felder eines Schachbretts. Die Parallelfassungen koe-017 ("schagzaglett") und mha-261 ("schaffczaglat") bestätigen die Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-057-orig" n="Enbeichtt" resp="#fyndling">Schlussformel, Bedeutung unsicher; vermutlich "anrichten/auftragen". Das Wort kommt im gesamten Korpus nur hier vor (Hapax) und ist für diesen bairischen Schreiber nicht eindeutig belegt; eine deutsche Eich-Edition zum Gegencheck fehlt. An derselben Position haben die Zwillingsfassungen andere Formeln (mha-261 "gib es hin zue essen", koe-017 "versalze nicht").</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-057-orig" n="zaglatt" resp="#fyndling">Als 'schachbrettartig / in Quadraten geschnitten' übersetzt: 'schach zaglatt' ist eine Adjektiv-/Adverbbildung zu mhd. schâchzabel (Schachbrett). Die Sülze wird in gleichmäßige Felder geschnitten und farblich abwechselnd angeordnet. Bestätigt durch den Drei-Quellen-Konsens (koe-017 'schagzaglett', mha-261 'schaffczaglat' = ausdrücklich Schachbrettmuster).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-057-orig" n="Enbeichtt" resp="#fyndling">Vermutlich Schlussformel im Sinne von 'anrichten / auftragen' - positionell durch die Parallele mha-261 ('gib es hin zue essen') gestützt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-057-orig" n="Mittelteil (geus Nym der pfannen ... gelb mach gleich gelb)" resp="#fyndling">Alle drei Farbportionen werden einzeln aufgekocht, gesüßt und nacheinander in dünnen Schichten gegossen und je fest werden gelassen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-058-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Das mittelalterliche Rührei - ganze Eier in reichlich Schmalz, verquirlt und in der Pfanne zu bröseliger Masse gerührt. Es ist die bairische Kurzfassung einer korpusweit dicht überlieferten Rezeptformel: rfk-049 (Rheinfränkisches Kochbuch), m384-051 und mha-016 tragen fast wortgleich denselben Text. Lebende Verwandtschaft: das bairisch-österreichische Eierschmalz bzw. die gebrannten Eier, ein bis heute geläufiges Bauern- und Fastenrand-Gericht und naher Vorläufer der Schmarrn-Familie. Charakteristisch und vom modernen Rührei unterscheidend ist gerade das viele Fett (als vil schmalcz).

Das Wort latig ayr meint lautere, ganze Eier - nichts als Eier, ohne Milch, Sahne oder Mehl. Die Form ist eine Schreibvariante von ytal/itel/eitel ayr (mhd. itel = bloß, nur), wie sie die Schwester-Rezepte führen: m384-051 ytalayer, rfk-049 ydel eyer, mha-016 eyttel ayren. Nicht „flüssige Eier" und nicht nur Eigelb. (Für Cgm 5919 gibt es keine deutsche Eich-Edition; die Graphie latig bleibt einmalig, die Bedeutung ist über die Sippe gesichert.)

Salcz das nicht zehays sey - zehays ist „zu heiß" und bezieht sich auf die Pfannentemperatur, nicht auf das Salz. Die m5919-Syntax verkürzt durch Auslassung des Worts „Schmalz"; die Schwester-Rezepte machen es eindeutig: m384-051 mach das schmaltz nit cze haisz, rfk-049 mach isz nit czuheisz. Sehr heißes Fett lässt das Ei körnig-gummiig anbrennen statt cremig stocken. Die Lesart „zu salzig" ist sprachlich der schwächste Fit.

Als vil schmalcz ist keine wörtliche 1:1-Mengenangabe, sondern idiomatisch „und dazu entsprechend Schmalz". Gleichviel Schmalz wie Eier wäre absurd.

Praxis. Auf 2-3 Eier 1-2 EL Schmalz und eine Prise Salz. Eier mit der Gabel kräftig verquirlen. Schmalz in der Pfanne schmelzen, aber nicht zu heiß werden lassen, Eier hineingeben und bei sanfter Hitze ständig rühren, bis die Masse gestockt-bröselig, aber noch leicht feucht ist - sofort vom Feuer ziehen. Vegetarisch mit Butter oder Öl. Am Lagerfeuer die Pfanne an den Rand der Glut stellen, nicht in die Flamme - genau das ist die historische nicht zu heiß-Anweisung in die Lagerpraxis übersetzt; über offenem Feuer brennt Rührei sonst schnell körnig an.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-058-orig" n="geprants mus" resp="#fyndling">‚Gebranntes Mus‘ meint hier nicht angebrannt oder karamellisiert, sondern schlicht das in Schmalz gebratene Eiermus - dieselbe Speise, die die Schwester-Rezepte ‚gebraten mus‘ nennen (rfk-049, m384-051, mha-016).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-058-orig" n="latig ayr" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#latig-ayr">Lautere (ganze) Eier, nichts als Eier ohne Zusätze. Schreibvariante von ‚ytal/itel/eitel ayr‘ (mhd. ‚itel‘ = bloß, nur), belegt durch die Schwester-Rezepte m384-051 (ytalayer), rfk-049 (ydel eyer) und mha-016 (eyttel ayren) sowie den Glossareintrag ‚ytal ayer‘ (Ehlert1999, Lesefalle). Nicht ‚flüssige Eier‘ und nicht nur Eigelb. Da Cgm 5919 keine deutsche Eich-Edition hat, bleibt die Graphie ‚latig‘ unsicher - die Bedeutung ist über den Korpus gesichert.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-058-orig" n="zehays" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#zehays">Wörtlich ‚zu heiß‘, bezogen auf die Schmalz-/Pfannentemperatur, nicht auf das Salz. Eindeutig durch die Schwester-Rezepte: m384-051 ‚mach das schmaltz nit cze haisz‘, rfk-049 ‚mach isz nit czuheisz‘. Zu heißes Fett lässt das Ei anbrennen. Die Lesart ‚zu salzig‘ ist sprachlich der schwächste Fit.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-058-orig" n="pracz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pracz">Frühneuhochdeutsche Form von ‚braten‘ (Imperativ ‚brate‘), konsistent mit rfk-049 ‚brade‘, mha-016 ‚pratt‘, m384-051 ‚braut‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-058-orig" n="latig ayr" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#latig-ayr">Lautere (ganze) Eier - nichts als Eier, ohne Zusätze. Schreibvariante von ‚ytal/itel ayr‘, cross-source gesichert durch rfk-049, m384-051 und mha-016 sowie den Glossareintrag ‚ytal ayer‘ (Ehlert1999).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-058-orig" n="zehays" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#zehays">‚Zu heiß‘ - Warnung zur Schmalz-/Pfannentemperatur. Belegt durch m384-051 ‚mach das schmaltz nit cze haisz‘, rfk-049 ‚mach isz nit czuheisz‘, mha-016.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-059-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gewürztes Brät aus fein gehacktem Kalbfleisch, Speck, Ei und Weißbrot, zu kleinen Klößchen geformt und in heißem Wasser oder Brühe gesotten - die mittelalterliche Vorform der süddeutschen Fleischklößchen und Knödel. Das Rezept ist ein nahezu wortgleicher Zwilling einer ganzen bairischen Familie: Meister Hans (mha-017), das Münchner Cgm 384 (m384-068), die Severin-Handschrift (sev-210) und Clm 15632 (ri15632-019) tragen praktisch denselben Text. Da für Cgm 5919 keine deutsche Eich-Edition existiert, sichern diese Geschwister die hiesigen Lesarten ab.

Die Rubrik nennt Von dem kalbfleisch; der Rezeptkörper sagt nur fleisch. Die Tierart Kalb stammt also aus der Überschrift, wird aber durch die Parallele mha-017 (ain kalbflaisch) und ri15632-019 (kalbs fleysch) bestätigt - eine sichere Inferenz, kein Raten.

weyß pratt ist Weißbrot als Bindemittel, nicht „weißer Braten". Der bairische Schreiber setzt p für b/Brot (vgl. die Handnotiz). Dreifacher Korpusbeleg: ri15632-019 geriben prot daz weyß sey, mha-017 weiss prot, m384-068 brott - überall Brot als Binder. Die Handnotiz-Frage „pratt ?!" ist damit beantwortet.

ferbs heißt „färbe es" - das Brät soll optisch aufgehübscht werden (Safran für Gelb, Sandelholz für Rot, Petersilie für Grün), ohne dass ein Mittel genannt wird. Bemerkenswert: die Schwesterhandschrift Meister Hans schreibt an dieser Stelle stattdessen reibs („reibe das Brät fein") - eine echte textgeschichtliche Varianz zwischen den Quellen. Hier wird ferbs als geschrieben gelesen, nicht an die Parallele angeglichen.

Praxis. Ein klassisches Brät: rund 500 g Kalbfleisch fein gehackt oder durchgedreht, 100-120 g Speck (der Fettanteil hält saftig), 1-2 Eier als Binder, eine eingeweichte und ausgedrückte altbackene Semmel oder 40-60 g Semmelbrösel. Mit den Gewürzen und einer guten Prise Salz (im Text nicht ausgeschrieben, aber selbstverständlich - gburcz kann Salz mit umfassen; vgl. bgs-008, das Salz explizit nennt) kräftig durchkneten bis die Masse bindet, kurz ruhen lassen, dann ein Probeklößchen sieden. Hält es nicht, mehr Brot oder Ei zugeben. Mit feuchten Händen walnussgroße Klößchen formen und in knapp siedender - nicht sprudelnder - Brühe ziehen lassen, bis sie aufsteigen, plus 2-3 Minuten; insgesamt etwa 8-12 Minuten. Sprudelndes Kochen lässt sie zerfallen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-059-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Bairisch für ‚würze es‘ (Verb zu ‚Gewürz‘). Der Schreiber setzt b für w - eine wiederkehrende Lesefalle dieses Manuskripts.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-059-orig" n="ferbs" resp="#fyndling">Bairisch für ‚färbe es‘. Im Mittelalter wurden Speisen oft aus optischen Gründen gefärbt, etwa mit Safran (gelb), Sandelholz (rot) oder Petersilie (grün). Das Rezept nennt kein spezifisches Färbemittel. Die Schwesterhandschrift Meister Hans (mha-017) hat hier abweichend ‚reibs‘ (das Brät fein reiben).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-059-orig" n="weyß pratt" resp="#fyndling">Bairisch ‚weißes Brot‘ - Weißbrot oder Semmel als Bindemittel (p für b). Die Lesart ist durch drei Parallelquellen gesichert (ri15632-019 ‚geriben prot daz weyß sey‘, mha-017 ‚weiss prot‘, m384-068 ‚brott‘), nicht ‚weißer Braten‘.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-059-orig" n="claini" resp="#fyndling">Diminutiv von ‚klein‘ - kleine Klößchen, die aus der Masse geformt werden. Die Parallele m384-068 nennt sie ‚synwelle kuglin‘ (runde Kügelchen).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-059-orig" n="seuds" resp="#fyndling">Imperativ von ‚sieden‘ - in Flüssigkeit gar ziehen lassen, nicht frittieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-059-orig" n="weyß pratt" resp="#fyndling">‚Weißbrot‘ bzw. Semmel als Bindemittel. Durch drei Parallelquellen (ri15632-019, mha-017, m384-068) eindeutig als Brot belegt; die Handnotiz ‚pratt ?!‘ ist damit beantwortet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-059-orig" n="fleisch" resp="#fyndling">Kalbfleisch. Der Rezeptkörper sagt nur ‚fleisch‘; die Tierart ist aus der Rubrik ‚Von dem kalbfleisch‘ abgeleitet und durch die Parallelen mha-017 und ri15632-019 bestätigt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-060-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein plamanschir (Blancmanger) vom Huhn - das klassische helle Herrenfleischgericht des Mittelalters, hier in einer bairischen Variante um 1500. Statt des üblichen gestockten Pürees wird die Hühner-Mandel-Masse zu kleinen Küchlein gebacken und in einer süß-würzigen Lebkuchen-Pfeffersauce angerichtet. Lebende Verwandtschaft: dieselbe Familie wie der gestockte Hühner-Blancmanger bgs-077a, der einfache Hühner-Blancmanger ohne Mandelmilch mha-273 und der weiße Mortrews foc-044 (Fleisch getrocknet und zu mehlfeiner Paste gemörsert) - genau die hier verlangte Technik als ain mel.

Las ain Walthuen: Das -huen verleitet zur Fehldeutung als Substantiv (Waldhuhn) oder zum Absetzen-Lassen. Tatsächlich liegt las ain wal tuon vor = lass es einmal einen Wall tun, also einmal aufwallen lassen. Der bairische Schreiber schreibt b für w (Glossar: erbelten = erwellen = aufkochen, m5919-006); die stehende Wendung ein wal tun meint ein einzelnes Aufwallen. Der Honig-Wein-Lebkuchen-Ansatz wird kurz aufgekocht und dann durchpassiert - Absetzen vor dem Passieren wäre kochtechnisch sinnlos. Mangels deutscher Eich-Edition zu Cgm 5919 bleibt es eine Lesart-Entscheidung, aber durch die Korpus-Frequenz von wallen gut gestützt.

Mandel milch von der dy rinten herab: am ehesten Mandelmilch aus geschälten (blanchierten) Mandeln, von denen die Haut (rinde) abgezogen ist - so wird die Milch weiß und fein, wie es der Blancmanger verlangt. Alternativ das Abseihen des Mandeltresters. Beide Lesarten ohne Eich-Edition unsicher.

3 mustat = drei Muskatnüsse (Glossar bestätigt mustat = Muskat, nicht Senf). Drei ganze Nüsse sind ein historischer Reichtumsgestus bzw. eine Hofküchen-Großmenge; modern reicht eine halbe bis eine frisch geriebene Muskatnuss (1-2 TL).

Praxis. Huhn auskochen, weißes Brustfleisch zupfen, in trockener Pfanne über dem Feuer rösten und im Mörser oder Blitzhacker zu Mehl verarbeiten - das gibt Bindung und Textur. Je etwa gleiche Teile Hühnermehl, Mandelmilch und geriebene Semmel mit Honig und Ei zu einer weich-formbaren Masse abbinden (mach es nit hertt), mit Safran gelb färben. Eine eigroße Portion Schmalz in der Pfanne zergehen lassen, die Masse zu einem flachen Küchlein ausstreichen und auf schwacher Glut mit aufgelegtem Topfdeckel (indirekte Unterhitze) sanft setzen, nicht bräunen. Für die Sauce Honig, geriebenen Lebkuchen (ca. 50-80 g) und etwa 250 ml Wein einmal aufkochen, durch ein Tuch passieren, mit Zimt, Ingwer, Safran und Pfeffer würzen, salzarm halten, nochmals aufkochen. Das Küchlein hineinschneiden und bis zum Anrichten warm halten. Knackpunkt am offenen Feuer ist die kontrollierte schwache Unterhitze - Glutbett plus Deckel statt direkter Flamme.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-060-orig" n="plamanschir" resp="#fyndling">Blancmanger, ein klassisches mittelalterliches Gericht aus hellem Fleisch (Huhn oder Fisch) und Mandelmilch, oft mit Reis oder Brot gebunden. Dieses Rezept ist eine Variante mit gebackenen Küchlein und Gewürzsauce.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-060-orig" n="rib ey sen oder sib oder zestos es In ainem morser als ain mel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mel">Das gedörrte Hühnerfleisch wird zu einer mehlartigen Konsistenz verarbeitet - dieselbe Technik wie beim weißen Mortrews. Ein großer Fleischmörser war die mittelalterliche Küchenmaschine hierfür.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-060-orig" n="lezelten" resp="#fyndling">Geriebener Lebkuchen, der hier Sauce bindet und würzt. Die Bindung einer Sauce mit geriebenem Lebzelten ist eine charakteristische süß-würzige Pfeffersauce der süddeutschen Küche (vgl. m5919-006).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-060-orig" n="Walthuen" resp="#fyndling">las ain Walthuen = las ain wal tuon: einmal aufwallen lassen. Lesefalle - NICHT Waldhuhn (Vogel) und NICHT sich setzen lassen. Der Cgm-5919-Schreiber schreibt b für w (vgl. erbelten = erwellen = aufkochen, m5919-006).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-060-orig" n="pfeffer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Bezeichnet hier die würzige, mit geriebenem Lebkuchen gebundene Sauce - eine süß-würzige ‚Pfeffer‘-Sauce, wie sie in der süddeutschen Küche um 1500 verbreitet war.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-060-orig" n="mustat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">mustat = hier Muskatblüte (Macis): die ledrigen Blütenhäutchen werden geschnitten (schneid … mustat), während man die harte Nuss reiben würde. Auch die Menge „drei mustat“ spricht dafür - drei ganze Muskatnüsse wären giftig, drei Macisblüten dagegen normal. Muskatnuss bleibt als milder Ersatz. Senf ist es nicht (Schreiber nutzt senft, m5919-017).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-060-orig" n="Walthuen" resp="#fyndling">Lass es einmal aufwallen (aufkochen).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-060-orig" n="mandel milch von der dy rinten herab" resp="#fyndling">Mandelmilch aus geschälten (enthäuteten) Mandeln - von denen die Haut (Rinde) abgezogen ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-060-orig" n="mach es gelb" resp="#fyndling">färbe es gelb (mit Safran).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-060-orig" n="mustat (geschnitten, „3 mustat“)" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">Muskatblüte (Macis). Verb schneiden + Menge „drei mustat“ sprechen für die schneidbaren Blütenhäutchen; drei ganze Muskatnüsse wären giftig.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-061-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein klassischer mittelalterlicher "Pfeffer" - eine dunkle, mit Brot und Ei gebundene Gewürzsauce, in der halbgebratene, weichgekochte Hühnerstücke gegart werden. Die lebende Verwandtschaft ist der bis heute bekannte Hasenpfeffer und der Leberpfeffer: "pfeffern" heißt hier nicht "mit Pfeffer würzen", sondern "Fleisch in eine Pfeffer-Sauce geben". Der Schlusssatz sagt es selbst - dieselbe Sauce taugt als Universal-Kondiment für allerlei Braten. Der Cgm 5919 hat dazu einen fast wortgleichen Schwester-Eintrag im Meister-Hans-Korpus (mha-061).

Der Rezepttitel Von pepraten honeren merck ist sehr wahrscheinlich "Von gepfefferten Hühnern - merk(e)!": merck ist das in Kochbüchern gängige Rubrik-Wort "merke!/beachte!" am Kapitelkopf, kein Gerichtsname "Mus/Mark". Eine Speise "Hühnermark" ist kulturhistorisch nicht belegt, und das Fleisch bleibt im Topf stückig - es wird kein Püree zerstoßen. Da für den Cgm 5919 keine deutsche Eich-Edition vorliegt, bleibt das eine unsichere Lesart.

Die Aufzählung nym pffeffer prat kum hert ayr liest sich an exakt derselben Stelle im Schwestertext mha-061 als "pfeffer prot kumich herte ayer" - also Pfeffer, Brot, Kümmel, harte Eier. prat ist hier somit das (geröstete/eingeweichte) Brot, das die Pfeffer-Sauce bindet, nicht noch einmal Hühnerfleisch (das läge bereits im Topf). Geröstetes Brot als Saucenbinder ist das Standardverfahren der Pfeffer-Familie (vgl. Glossar "pfefferbrot").

Der Schlusssatz aber den praten hassen sol mann pfefferen steht im Cgm 5919 ohne Verneinung. Der Schwestertext mha-061 hat dort genau das Gegenteil: "Aber ain praten hasen nicht sol man lassen pfefferen" - den gebratenen Hasen soll man also gerade NICHT pfeffern. Sehr wahrscheinlich ist im Cgm 5919 ein "nicht" ausgefallen (Schreiberlapsus); der Leser bekommt sonst eine inhaltlich gegenteilige Anweisung. Mangels Eich-Edition als unsichere Stelle markiert, der Lesetext bleibt aber transkripttreu.

Praxis. Etwa 1 Suppenhuhn (oder 4-6 alte Hühnerteile) in Schmalz scharf, halb gar anbraten (Röstaromen), in Stücke teilen und mit ca. 0,5 l Brühe weichgaren (45-60 Min). Separat 2-3 Zwiebeln fein hacken und in Schmalz mit einem Schuss Wasser glasig dünsten (das Wasser verhindert Bräunen, hält die Basis hell und mild). Für die Sauce 1-2 TL Pfeffer, 1 TL Kümmel, eine Handvoll geröstetes/eingeweichtes Brot und 2-3 zerstoßene hartgekochte Eier (zusammen der Binder), Salz und 2-3 EL Essig verrühren, mit den Zwiebeln zum Fleisch geben und offen einkochen, bis es "eben dick" ist. Das Fleisch bleibt stückig - gebunden wird über Brot, Ei und Reduktion, nicht über Mehl. Essig setzt die typische Säurekante des Pfeffer-Typs, Pfeffer und Kümmel sind die Leitgewürze.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-061-orig" n="kondiment" resp="#fyndling">Ein 'Kondiment' ist eine würzige Sauce oder Beilage, die den Geschmack anderer Speisen ergänzt. Hier ist es die Pfeffer-Sauce selbst, in die Braten gegeben werden.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-061-orig" n="morb" resp="#fyndling">Mürbe, zart gekocht.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-061-orig" n="gmalenn" resp="#fyndling">Zerstoßen/zerrieben - hier die hartgekochten Eier (samt Brot und Gewürzen), die als Binder die Sauce sämig machen. Das Fleisch bleibt stückig in der Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-061-orig" n="pfefferen" resp="#fyndling">Hier nicht 'mit Pfeffer würzen', sondern 'in eine Pfeffer-Sauce geben' - das Fleisch wird mit diesem Kondiment serviert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-061-orig" n="pepraten honeren merck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#merck">Von gepfefferten Hühnern, merk(e)! - 'merck' als Rubrik-Formel 'merke!/beachte!'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-061-orig" n="pffeffer prat" resp="#fyndling">Pfeffer und Brot (geröstet/eingeweicht, als Saucenbinder).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-061-orig" n="den praten hassen sol mann pfefferen" resp="#fyndling">Den gebratenen Hasen soll man pfeffern (transkripttreu - der Cgm 5919 hat keine Verneinung).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-062-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Anschlussrezept: Der Schreiber liefert mit "aber ain ander condimenter" (= noch eine weitere Würzbeigabe) eine Variante zum unmittelbar vorangehenden gepfefferten Hühnergericht (m5919-061). Statt einer eigenständigen Anleitung verweist er mit "In den selben materien" auf dessen Machart und gibt nur die eine neue Zutat an: Quitten oder, als Alternative, Birnen. Lebende Verwandtschaft: Die Paarung gebratenes Geflügel + Quitte/Birne ist im Korpus idiomatisch - vgl. das fast wortgleiche "Huhn mit Quitten und Gewürzsauce" (bgs-030) und den "Kapaun in süß-saurer Fruchtsauce" (ant-029) aus Italien. Heute lebt das Prinzip in Geflügel mit Quittengemüse oder gebratener Birne fort.

In den selben materien: Querverweisformel - "auf dieselbe Art/in derselben Zubereitung" wie das Vorrezept m5919-061, das die volle Methode liefert (Huhn anbraten, in Brühe mürbe sieden, gepfefferte Zwiebel-Essig-Sauce). Da für den Cgm 5919 keine deutsche Eich-Edition vorliegt, bleibt die genaue Bedeutung von materien (lat. materia = Stoff/Machart/Grundmasse) unsicher; "Machart/Zubereitungsweise" ist die wahrscheinlichste Lesart.

ander kuten oder piren: "ander" meint hier "andere" im Sinne von alternativ (Quitten oder eben Birnen statt der zuvor genannten Frucht), nicht "zusätzliche/weitere". Es gibt keine doppelte Fruchtgabe.

Praxis. 1 Huhn (ca. 1,2-1,5 kg) am Spieß oder im Topf braten, dann nach Art von Rezept 61 in Brühe mürbe ziehen. Frucht-Beigabe: ca. 400-500 g Quitten, geschält, entkernt, gewürfelt - Quitten müssen unbedingt durchgaren (roh hart und ungenießbar, 20-30 Min weichkochen); Birnen sind die schnelle Alternative (ca. 10 Min). Die Frucht in der gepfefferten Sauce des Vorrezepts (Zwiebel, Pfeffer, Kümmel, Essig) mitziehen lassen - sie liefert Säure und Süße als Kontrast zum fetten Braten. Das eigentliche Verfahren ist im Original nur als Verweis genannt und muss aus Rezept 61 ergänzt werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-062-orig" n="condimenter" resp="#fyndling">Würzbeigabe/Sauce zum Braten - hier die im vorhergehenden Rezept (m5919-061) beschriebene gepfefferte Zwiebel-Essig-Sauce; 'aber ain ander condimenter' = noch eine weitere Variante dieses Kondiments.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-062-orig" n="In den selben materien" resp="#fyndling">'In derselben Machart/Zubereitungsweise' - Querverweis auf das unmittelbar vorhergehende Rezept m5919-061, das die volle Methode (Huhn braten, in Brühe sieden, gepfefferte Sauce) liefert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-062-orig" n="kuten" resp="#fyndling">Quitten - gesichert durch das Schwester-Rezept bgs-030 ('gebraten kueten' im identischen Huhn+Frucht+condiment-Kontext) und die idiomatische Paarung mit 'piren' (Birnen, mit i = Birne, nicht Beere).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-063-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein „Mörserhuhn“ - ein bereits gebratenes Huhn wird klein zerteilt und mit Weißbrot, Ei und Gewürzen im Mörser zu einer feinen Masse gestoßen, die man in wenig Schmalz ausbäckt. Das Gericht lebt bis heute als Gerichtstyp „gestoßenes Huhn / Königshühner“: dieselbe Logik (gegartes Geflügel, fein zerstoßen, mit Ei und Safran gebunden) findet sich in bgs-011, koe-002, koe-013 und beim direkten Schwesterrezept m5919-065 desselben Schreibers.

Die eine echte Crux ist ain gepraten huen. Das ist „ein gebratenes Huhn“ (Partizip + Substantiv), nicht „Hühnerbrät“ - man kann nur einen ganzen, garen Vogel „klain zerglidern“. Die bairische Lesefalle „geprät = Brät“ greift hier nicht, sie betrifft nur das allein stehende Substantiv (Fischbrät als Form-Imitat). Da für Cgm 5919 keine deutsche Eich-Edition vorliegt, bleibt eine Restunsicherheit, doch alle Familien-Parallelen lesen unisono „gebraten“.

Praxis. Richtwerte für 2-4 Personen: ca. 300-400 g gegartes/gebratenes Hähnchen (Keule saftiger als Brust), 60-80 g entrindetes Weißbrot, in 2-3 Eiern eingeweicht (bindet und lockert), eine Prise Salz (im Text nicht genannt, küchentechnisch nötig), etwa 1/2 TL Pfeffer, 1/4 TL gemahlener Anis (sparsam, sonst lakritzig-dominant - die Süße passt zur Festtagsküche um 1500), einige Safranfäden in 1 EL warmem Wasser oder Ei eingeweicht für Farbe. Im Mörser zu einer formbaren, streichfähigen Masse stoßen; ist sie zu nass, mehr Brot, zu trocken, mehr Ei. In wenig Schmalz bei mittlerer Hitze als kleine Taler goldbraun ausbacken. Wer der Königshuhn-Variante folgen will, gart die überzogenen Stücke stattdessen im heißen, gefetteten Mörser am Feuer.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-063-orig" n="gepraten huen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#gepraten">„Ain gepraten huen“ = „ein gebratenes Huhn“ (Partizip + Substantiv), nicht „Hühnerbrät“. Man kann nur einen ganzen, garen Vogel „klain zerglidern“. Die Glossar-Lesefalle „geprät = Brät“ greift nur, wo das Wort als Substantiv allein steht (z.B. „hechten prät“ = Fischbrät als Form-Imitat), nicht bei der Partizipialfügung hier. Das gebratene Huhn wird nach dem Braten zerteilt und im Mörser gestoßen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-063-orig" n="zeglidt das clain" resp="#fyndling">„Zerteile es klein“ - das gegarte Huhn wird in mundgerechte Stücke zerlegt, bevor es im Mörser weiterverarbeitet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-063-orig" n="als zu mal" resp="#fyndling">„Alzumal“ = „sehr fein / vollständig“; konsistent mit der Parallele bgs-011 („stoz diz alzvo male“). Die Zutaten werden zu einer glatten Masse verarbeitet.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-063-orig" n="moser huner" resp="#fyndling">„Mörserhühner“ - der Gerichtsname nach der Zubereitung im Mörser. Der Gerichtstyp ist im Korpus als „gestoßenes Huhn“ bzw. „Königshühner“ breit belegt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-063-orig" n="gepraten huen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#gepraten">gebratenes Huhn (gegart, dann klein zerteilt und im Mörser gestoßen)</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-063-orig" n="morser" resp="#fyndling">Stampf-Mörser, in dem die Masse zerstoßen wird</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-063-orig" n="anderlay" resp="#fyndling">andererlei / eine andere Art (Variante in der Huhn-Reihe nach dem gebratenen Huhn m5919-062)</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-064-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzes Huhn, zwischen Haut und Fleisch gefüllt und in einem dünn ausgerollten Eierteigmantel am Spieß gebraten - ein spätmittelalterliches Schaugericht. Es lebt fort in jedem gefüllten Brathuhn und in der ganzen Teigmantel-/'en croûte'-Familie; der nächste Verwandte im Korpus ist das gefüllte Huhn im Hautmantel (ant-051), das fast wörtlich 'eine andere Art' ankündigt, sowie das Huhn im Teigmantel mit Salbei und Speck (hkb-024).

salua: höchstwahrscheinlich Salbei. Der Schreiber hat das Wort selbst am Rand angezweifelt ('* "Salua" ?!'); ohne deutsche Eich-Edition bleibt es unsicher, doch das Schwester-Rezept m5919-001 desselben Schreibers liest hier Salbei, und 'salcz' (Salz) steht separat - Salz scheidet also aus.

ayr taig: ein einfacher, fester Mehl-Ei-Teig, kein Fertigprodukt. Gekaufter Mürbe- oder Blätterteig versagt am Spieß (das Fett schmilzt, der Mantel rutscht); selbstgemacht ist hier der Punkt.

Praxis. Füllung: ca. 80-100 g feingewürfelter Speck mit 1-2 verquirlten oder fein gehackten gekochten Eiern, 6-8 fein geschnittenen Salbeiblättern, Salz und etwa 1 TL gemahlenem Ingwer mischen. Mit den Fingern die Haut von Brust und Schenkeln vorsichtig vom Fleisch lösen, ohne sie einzureißen, und die Füllung gleichmäßig darunter verteilen. Eierteig: etwa 250 g Mehl mit 1-2 Eiern, einer Prise Salz und wenig Wasser zu einem festen Teig kneten, ruhen lassen, dann breit und dünn ausrollen. Das Huhn auf den Spieß stecken, mit dem Teig umwickeln und über gleichmäßiger Glut langsam garen - der Mantel ist Schutz- und Garhülle, keine knusprige Kruste; er bäht und schließt den Saft ein und wird zum Servieren oft wieder entfernt. Am offenen Lagerfeuer ist diese Spieß-Variante schwer zu beherrschen (der dünne Mantel verbrennt außen, bevor das Huhn innen durch ist) - dann lieber im Bräter oder unter geschlossener Glut garen. Auf die Kerntemperatur (72-74 Grad) prüfen, nicht auf die Bräune des Mantels vertrauen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-064-orig" n="ful ain huen mit ayrenn speck salua salcz ymber zbischen fel vnd fleisch" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ymber">Die Füllung wird zwischen Haut und Fleisch geschoben - eine in der gehobenen spätmittelalterlichen Geflügelküche beliebte Technik, die das Fleisch von innen würzt und saftig hält. zbischen ist die bairische b-für-w-Schreibung des Schreibers (= zwischen).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-064-orig" n="mach ain ayr taig mit ainer waltzen prait in din" resp="#fyndling">Der dünn ausgerollte Eierteig dient als Garhülle, die Saft und Aroma einschließt - vergleichbar dem Teig-'Sarg' (coffin) mittelalterlicher Pasteten. Eine knusprige Kruste entsteht am drehenden Spieß über offener Glut gerade nicht; der Mantel schützt und bäht, wird oft beim Servieren wieder entfernt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-064-orig" n="salua" resp="#fyndling">Salbei (Salvia officinalis).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-064-orig" n="ayrenn" resp="#fyndling">Eier (Plural von Ei).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-064-orig" n="ymber" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#ymber">Ingwer.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-064-orig" n="pewins" resp="#fyndling">umwickle / einhülle (bewindes = bewinden).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-065-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? „Königshühner aus dem Mörser“ - bereits gebratene Hühner werden in kleine Stücke zerteilt, mit einer gewürzten Ei-Glasur (Ingwer, etwas Anis) übergossen und in einem gefetteten, heißen Mörser am Feuer überbacken. Das Gericht lebt im Korpus als breit bezeugter Gerichtstyp: dieselbe Logik (gegartes Geflügel, mit Ei und Gewürz überzogen, im heißen gefetteten Gefäß gegart) findet sich nahezu wortgleich in bgs-028 („Königs-Hühner“), koe-002 und koe-013 sowie - mit abgewandeltem Verfahren - beim direkten Schwesterrezept m5919-063 desselben Schreibers.

Die eine echte Crux ist prattini huner. Das ist „gebratene Hühner“ (Partizip, bairisch p/b-Wechsel), nicht „Hühnerbrät“ - man kann nur ganze, gare Vögel „zergliedern“. Die bairische Lesefalle „geprät = Brät“ liegt hier in umgekehrter Richtung vor; alle Familien-Parallelen lesen „gebraten“. Das verstümmelte Fragment ing-? steht dort, wo bgs-028 „junge“ hat, ist also plausibel ein Adjektiv vor den Hühnern - mangels Eich-Edition für Cgm 5919 bleibt das offen.

Die zweite Crux ist faisten haissen morser. Anders als beim Stampf-Mörser ist hier ein gefettetes, vorgeheiztes Gefäß als Garbgefäß gemeint: Man gießt die Ei-Mischung mit den Hühnern hinein und lässt es am Feuer überbacken (pachen geleich), wobei man das Gefäß häufig zum Feuer dreht. koe-002 belegt es wörtlich („morser mytt frschenn Smalltz ... kere den morser dicke zu dem fure“).

Praxis. Richtwerte für 2-4 Personen: ca. 300-400 g gegartes/gebratenes Hähnchen (Keule saftiger als Brust), klein zerteilt; 3-4 Eier, mit etwa 1/2 TL geriebenem oder gestoßenem Ingwer und einer kleinen Prise gemahlenem Anis verquirlt (Anis sparsam, sonst lakritzig-dominant); eine Prise Salz (im Text nicht genannt, küchentechnisch nötig); einige Safranfäden sind familientypisch (in bgs-028/koe-002 ergänzt) und geben die königsgelbe Farbe. Statt eines Steinmörsers nimmt man heute eine gut gefettete, vorgeheizte gusseiserne Pfanne oder einen schweren Topf mit Deckel: Hühnerstücke einlegen, Ei-Mischung darübergießen, etwas Schmalz zugeben und bei mittlerer Hitze mit Deckel gleichmäßig stocken/überbacken lassen, bis das Ei fest und goldgelb ist. Über Glut den Topf gelegentlich drehen, damit er ringsum gleichmäßig heiß wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-065-orig" n="prattini huner" resp="#fyndling">„(Ge)bratene Hühner“ - das Partizip „praten/gebraten“ (bairisch p/b-Wechsel), NICHT „Hühnerbrät“. Man kann nur ganze, gare Vögel „zergliedern“ (zerteilen), und die Familien-Parallelen lesen einhellig „gebraten“: bgs-028 („junge gebratene huenre, an kleine mursel“), koe-002 und koe-013 („gebrottenn huner ... hacke die zu clenne stucklenn“). Die bairische Lesefalle „geprät = Brät“ liegt hier in der umgekehrten Richtung vor und wird durch den Korpus aufgelöst.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-065-orig" n="faisten haissen morser" resp="#fyndling">Ein gefetteter, heißer Mörser, der hier als Garbgefäß dient: Die übergossenen Hühnerstücke werden darin am Feuer überbacken. „Faisten“ = mit Schmalz gefettet (vgl. koe-002 „ein morser mytt frschenn Smalltz“), „haissen“ = vorgeheizt. Die Parallelen drehen den Mörser dabei „dicke zu dem fure“ (häufig zum Feuer hin), damit er gleichmäßig heiß wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-065-orig" n="kunigs huen" resp="#fyndling">„Königshühner“ - ein im deutschsprachigen Korpus breit bezeugtes höfisches Gericht („kueniges huenre“), das von der safrangelben Inszenierung lebt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-065-orig" n="ing-? prattini huner" resp="#fyndling">gebratene Hühner, in kleine Stücke zerteilt. Die Eröffnung „zu gliden ... prattini huner“ = „zergliedere/zerteile gebratene Hühner“ ist durch die fast wortgleichen Korpus-Parallelen gesichert (bgs-028 „Nim junge gebratene huenre, an kleine mursel“; koe-002/koe-013 „gebrottenn huner ... zu clenne stucklenn“). Das verstümmelte Fragment „ing-?“ steht an genau der Stelle, an der bgs-028 „junge“ hat - plausibel ein Adjektiv vor den Hühnern; mangels deutscher Eich-Edition für Cgm 5919 bleibt das unsicher.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-065-orig" n="faisten haissen morser" resp="#fyndling">gefetteter, vorgeheizter Mörser als Garbgefäß am Feuer. „Pachen“ (backen) im Mörser ist hier kein Zerstoßen, sondern das Überbacken der übergossenen Hühnerstücke. Cross-Source gesichert: koe-002 „nim ein morser mytt frschenn Smalltz ... kere den morser dicke zu dem fure“, bgs-028 „guez daz in einen moerser, der heiz si ... lazze sie backen glich heiz mit ein wenic smaltzes“.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-066-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gesottenes Huhn mit gebundener Leber-Brot-Sauce - ein klassischer mittelalterlicher "Pfeffer" (das Gericht, nicht das Gewürz): eine würzige, durch geröstete bzw. gekochte Leber, Brot und Ei sämig gebundene Sauce. Die Familie lebt bis heute weiter im fränkischen Schwarzen Sauer und im Leberpfeffer; die mediterrane Verwandte ist die peverata. Die fast wortgleiche Meister-Hans-Fassung (mha-221) belegt dasselbe Rezept in einer anderen Handschrift.

schon prat ist hier nicht temporal ("schon") zu lesen, sondern adjektivisch: schönes, feines (Weiß-)Brot. Es dient zusammen mit Leber und Ei als Binder und wird mitgemörsert - eine Reibung zu Semmelbröseln vorab schreibt die Quelle nicht vor (Semmelbrösel sind nur der bequeme moderne Ersatz). Die Brot-Lesart ist doppelt abgesichert: mha-221 liest an gleicher Stelle schon prot (schönes Brot), und derselbe Schreiber notiert in m5919-061 pffeffer prat (Pfefferbrot) - damit ist die Alternative "Brät" praktisch ausgeschlossen.

du mel = Mehl. Das du ist hier wohl scribal/Worttrenner; mha-221 hat an gleicher Stelle nur mel. Wichtig fürs Nachkochen: Mittelalterlich bindet man mit Brot, Ei und Leber, nicht mit einer Mehlschwitze - das Mehl ist hier eine kleine zusätzliche Stütze, keine Roux. Die eigentliche Bindung kommt aus Leber, Brot und Eigelb.

pratten gans = gebratene Gans als alternative Fleischbasis. An genau dieser Schlussstelle weichen die Handschriften voneinander ab: mha-221 liest gepraten muosz (gebratenes Mus). Da für das Cgm 5919 keine deutsche Eich-Edition vorliegt, bleibt die Schlusszutat unsicher; "gebratene Gans" ist gut lesbar, aber eine Lesart-Entscheidung.

Praxis. Für 1 Huhn (ca. 1,2-1,5 kg, 2-4 Portionen): Huhn samt mitgekochter Leber in ca. 2 l Salzwasser mit etwas Wurzelgemüse in 60-90 Min weich sieden; Brühe aufbewahren. Für die Bindung die gegarte Leber (~40-60 g), 2 hartgekochte Eigelb (Eiweiß optional, macht die Sauce stückiger), ~40-50 g feines Weißbrot bzw. Semmelbrösel, 1 gehäuften EL Mehl, eine Msp. Safran und ~½ TL fein gestoßenen Pfeffer im Mörser mit ~200-250 ml heißer Hühnerbrühe und 1-2 EL Wein- oder Apfelessig zu einer glatten Paste reiben. Die Paste mit etwas heißer Brühe vortemperieren, dann unter ständigem Rühren in die köchelnde Brühe zum Huhn geben und bei kleiner Hitze 5-10 Min aufkochen, bis sie sichtbar bindet und am Fleisch haftet. Mengen sind Richtwerte - die Quelle nennt keine. Am Lagerfeuer den Topf an den Rand der Glut ziehen: bei sprudelnder Hitze flockt das Ei und das Mehl klumpt; die Sauce will nur ziehen, nicht kochen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-066-orig" n="anderlay" resp="#fyndling">'anderlay' bedeutet 'andererlei' oder 'eine andere Art', hier als Einleitung für eine Variante des Hühnerrezepts.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-066-orig" n="schon prat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">'schon prat' ist nicht das temporale 'schon', sondern adjektivisch: schönes, feines (Weiß-)Brot, das als Binder dient. Bestätigt durch die Parallele mha-221 ('schon prot' = schönes Brot) und das 'pffeffer prat' (Pfefferbrot) desselben Schreibers in m5919-061.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-066-orig" n="du mel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mel">'du mel' = Mehl; das 'du' ist hier wohl scribal bzw. ein Worttrenner. Die Parallelhandschrift mha-221 hat an gleicher Stelle nur 'mel'. Mittelalterlich bindet man mit Brot, Ei und Leber - das Mehl ist eine kleine Stütze, keine Mehlschwitze.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-066-orig" n="herti ayer" resp="#fyndling">'herti ayer' sind hartgekochte Eier, die zusammen mit Leber und Brot zur Bindung verrieben werden.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-066-orig" n="erbel" resp="#fyndling">'erbel' (zu 'erwellen', mit bairischem b für w) bedeutet 'aufkochen' oder 'aufwallen lassen', also die Mischung mit dem Huhn zusammen erhitzen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-066-orig" n="faist" resp="#fyndling">'faist' bedeutet wörtlich 'fett/dick', hier im Sinne von 'sämig', damit die Sauce am Huhn haftet.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-066-orig" n="pratten gans" resp="#fyndling">'pratten gans' = gebratene Gans (Partizip pratten = gebraten). An dieser Schlussstelle weicht die Parallele mha-221 ab: sie liest 'gepraten muosz' (gebratenes Mus). Mangels Eich-Edition für Cgm 5919 bleibt die Schlusszutat unsicher.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-066-orig" n="schon prat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Feines (Weiß-)Brot.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-066-orig" n="pratten gans" resp="#fyndling">Gebratene Gans (als alternative Fleischbasis).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-067-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Geformte Geflügel-Farce in Morchelgestalt - im Geiste eine frühe Quenelle oder ein feiner Klops, der zum Schaugericht der gehobenen Tafel gehört (Fleisch in Pilzform: das Auge isst mit). Maurochen meint hier nicht den Pilz, sondern die Form: ein längliches Stück von Morchel-Größe. Eine fast wortgleiche Schwesterfassung steht im Buch von guter Speise (bgs-023), eine verwandte Cgm-5919-Morchel in m5919-016. bgs-023 ist die Eich-Edition, die dieses ungeglättete Regensburger Rezept entschlüsselt.

zwen stacken vor kulpot. Das sind zwei fingerlange Stäbchen, nicht "Stücke" - die Schwesterfassung bgs-023 hat hier eindeutig snit zwei clueppelin eines vingers lanc. Die Farce wird um diese Stäbchen geformt, nach dem Garen wird das Stäbchen gezogen, und der Hohlraum bleibt für die Füllung. Das Wort kulpot steht an der Stelle, wo bgs-023 als ein eln schaft fornen (vorne wie ein Schaft) schreibt - es beschreibt also vermutlich die vordere Form des Stäbchen-Endes, nicht den Namen des Gerichts. Da für das Cgm 5919 keine deutsche Eich-Edition existiert, bleibt die genaue Wortform unsicher.

wint dy anderen vmb den spis. "Winde die übrige Masse um das Stäbchen" - chargenweise: während das eine in der Brühe gar zieht, formt man das nächste (bgs-023: die wile daz siede, so bewirke den andern). Das Stäbchen ist nur Formhilfe.

Praxis. Für etwa 300 g Hühnerbrust 1-2 EL Mehl, 1-2 EL Semmelbrösel, ein Ei, Pfeffer (oder Ingwer) und Salz; zu einer glatten, eher festen Farce verarbeiten, sonst zerfällt sie. Um fingerlange Hartholzstäbchen formen, morchelgroß, außen festdrücken; in wenig Brühe knapp unter dem Siedepunkt gar ziehen lassen (nicht sprudelnd). Stäbchen ziehen, die Höhle mit einer Gewürz-Ei-Füllung füllen, quer auf einen Spieß stecken und über milder Glut fertig braten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-067-orig" n="maurochen" resp="#fyndling">Morcheln (Pilz) - hier als Form für gehacktes Fleisch, nicht der Pilz selbst. Es war üblich, Fleisch in die Form anderer, oft optisch ansprechenderer Zutaten zu bringen (Schauküche).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-067-orig" n="zwen stacken" resp="#fyndling">Zwei (Holz-)Stäbchen, nicht "Stücke" - vgl. die Schwesterfassung bgs-023 snit zwei clueppelin eines vingers lanc (schneide zwei fingerlange Stäbchen). Die Farce wird darum geformt; nach dem Garen wird das Stäbchen gezogen, der Hohlraum gefüllt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-067-orig" n="prat" resp="#fyndling">Hier als Substantiv ‚prat‘ = geriebenes Brot (Semmelmehl), das als Bindemittel dient (bgs-023: grobes brotes). Das Wort erscheint im Rezept zweimal: einmal als Zutat, einmal als Verb (prat sy gar = brate sie gar) - der b/p-Wechsel ist typisch für diesen Schreiber.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-067-orig" n="spis" resp="#fyndling">Ein Bratspieß, auf dem die gefüllten Morcheln über offenem Feuer oder Glut gegart werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-067-orig" n="prat" resp="#fyndling">Als Substantiv bedeutet ‚prat‘ hier geriebenes Brot (Semmelmehl), das als Bindemittel dient - cross-source gestützt durch die Schwesterfassung bgs-023 (grobes brotes) und das Glossar (prat = Brot, vgl. pfefferbrot m5919-061).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-067-orig" n="kulpot" resp="#fyndling">Bedeutung unsicher. ‚kulpot‘ steht im Satz (zwen stacken vor kulpot) an der Position, an der die Schwesterfassung bgs-023 als ein eln schaft fornen (vorne wie ein Schaft) hat - es bezeichnet daher vermutlich die vordere Form des Brat-Stäbchens (kolben-/schaftartig), kein Gericht und keinen Eigennamen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-067-orig" n="wallund" resp="#fyndling">‚wallund‘ ist eine mittelbairische Form von ‚wallend‘, was ‚siedend‘ oder ‚kochend‘ bedeutet.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-068-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ausgekochter Kapaunhals - das simpelste Auskoch-Verfahren des Regensburger Kochbuchs. Es lebt bis heute weiter: als Geflügelklein- bzw. Hals-Brühe und in der Tradition des gefüllten Geflügelhalses (cou farci, gefüllter Gänsehals). Das unmittelbare Schwesterrezept m5919-070 macht mit einer ganzen Gans Wort für Wort dasselbe; m5919-069 zeigt die Gegenvariante, bei der der Hals gefüllt statt ausgekocht wird.

Der Titel trägt die Schreiberformel merck („merk(e)!“) - ein bloßes „Beachte:“, das die Handschrift Dutzenden Rezepten voranstellt. Es bezeichnet weder „Hals“ noch „Mark“; der Halsbezug steht erst im Fließtext.

Die Anweisung dy teck ist als Verb zu lesen - stecke (ihn in den Topf), wie der Paralleltext m5919-070 „dy steck in ainen engen erdein copff“ zeigt. Nicht „die Stücke“. Auch schalt ... ab meint hier am ehesten abtrennen/abschlagen (vgl. 069 „hals ab schlahen“, 070 „dros abgeschnten“), nicht „schälen“.

Praxis. 2-3 Kapaun- oder Hähnchenhälse (ersatzweise Geflügelkarkassen, ca. 300-400 g) in einen kleinen, engen Topf geben und knapp mit Wasser bedecken (ca. 0,5 l). Der enge Topf ist Absicht: wenig Wasser ergibt eine kräftigere Brühe. Auf dem Dreifuß über schwacher Glut leise sieden, dabei den Schaum abschöpfen. Soll vor allem das Fleisch genutzt werden, reichen 30-45 Minuten; für eine konzentrierte Brühe 60-70 Minuten oder länger ziehen lassen. Das Original nennt keine Würze - höchstens eine Prise Salz ergänzen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-068-orig" n="kapauner" resp="#fyndling">Ein Kapaun ist ein kastrierter Masthahn, der für zarteres und fettreicheres Fleisch gezüchtet wurde und als Delikatesse galt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-068-orig" n="merck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#merck">Rubrik-Formel dieses Schreibers, Imperativ von „merken“ („merk(e)!“ = beachte, nimm zur Kenntnis). Sie eröffnet hier wie in vielen anderen Rezeptköpfen der Handschrift den Eintrag und gehört NICHT in den Gerichtsnamen - also weder „Mark“ noch „Hals“.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-068-orig" n="erden kopf" resp="#fyndling">Ein Topf aus Ton, der direkt ins Feuer oder auf einen Dreifuß gestellt werden kann.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-068-orig" n="trifus" resp="#fyndling">Ein Dreifuß ist ein Gestell mit drei Beinen, das über dem offenen Feuer platziert wird, um einen Topf darauf zu stellen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-068-orig" n="koppauer merck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#merck">„Vom Kapaun - merk(e)!“: „merck“ ist hier kein Bestandteil des Gerichtsnamens, sondern die in diesem Manuskript durchgehende Rubrik-Formel (Imperativ von „merken“ = beachte, nimm zur Kenntnis).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-068-orig" n="schalt du den hals ab" resp="#fyndling">Trenne/schlage den Hals ab.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-068-orig" n="dy teck" resp="#fyndling">„dy (s)teck“ = stecke (ihn/sie) in den Topf (Imperativ von stecken).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-069-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzer Kapaun (kastrierter, mastiger Hahn), bei dem der Hals bewusst NICHT abgeschlagen, sondern als Fülltasche genutzt und der Vogel dann gebraten wird - ein Festtags-Bratgericht der spätmittelalterlichen Geflügelküche. Es bildet ein komplementäres Paar mit dem direkten Vorgänger m5919-068, wo der abgeschlagene Hals separat gekocht wird. Lebende Verwandtschaft: gefüllte Brathähnchen/-puten und der gefüllte Geflügelhals, der bis heute als regionale Resteverwertung (Halsfüllung) lebt.

einhallatlin ist ein unsicherer Beleg (Hapax in dieser Handschrift, kein Glossar-Eintrag, und für Cgm 5919 existiert keine deutsche Eich-Edition zum Gegencheck). Im Kontext "gib da pey ... oder ain gut kaudument" steht es parallel zu einem zweiten Begleiter, also am ehesten eine warme Begleitspeise oder Sauce zum Braten. Diskutiert werden eine Teig-/Eier-Einlage (Einlauf) sowie - lautlich naheliegend bei diesem Schreiber - eine galantine-/gallrey-artige Würzbeilage. Genaue Bedeutung bleibt offen; wir raten hier nicht.

kaudument ist Kondiment (zu mlat. condimentum), also eine Würzsauce - im Korpus breit belegt und unstrittig.

Praxis. Halshaut und Hals am Vogel belassen (Pointe des Rezepts), die Halshaut zur Tasche öffnen. Eine Füllung aus Brotbröseln, gehackter Kapaunleber, Zwiebel, Kräutern und einem Ei zum Binden einarbeiten (Mengen für 1 Kapaun ~2-2,5 kg); die Quelle nennt keine Füllung, dies ist zeitgenössisch plausible Standardpraxis. Öffnung zunähen oder feststecken. Am Spieß oder bei mittlerer Glut ca. 1,5-2 h drehend braten und regelmäßig mit austretendem Fett begießen (hält die Haut, schützt vor Austrocknen); Kerntemperatur Brust ~75 Grad. Dazu eine warme Würzsauce reichen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-069-orig" n="kopauner" resp="#fyndling">Ein Kapaun ist ein kastrierter Masthahn, der für zarteres Fleisch und höheren Fettgehalt gehalten wird. Er war eine beliebte Festtagsspeise im Mittelalter.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-069-orig" n="merck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#merck">Wiederkehrende Rubrik-Schlussformel dieses Schreibers (Imperativ zu ‚merken‘ = ‚merke / beachte / nimm zur Kenntnis‘), vgl. m5919-068, m5919-070, m5919-061, m5919-065, m5919-030. Kein Inhaltswort - weder ‚Mark‘ (Knochenmark) noch eine Füllung.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-069-orig" n="fullenn" resp="#fyndling">Das Füllen der Halshaut macht den Vogel saftiger und bringt zusätzliche Aromen. Die Füllung selbst wird im Original NICHT spezifiziert; vorausgesetzt wird das bekannte Standard-Füllungsrepertoire der Zeit (Brot, Leber, Zwiebel, Kräuter).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-069-orig" n="einhallatlin" resp="#fyndling">Mit großer Wahrscheinlichkeit verschrieben für ain ſallatlin = ein Salätlein (kleiner Salat als Beilage): das h der Vorlage ist ein verlesenes langes ſ (klassische ſ/h-Verwechslung), ein-h-allatlin → ain ſallatlin. Passt kontextuell perfekt - oder ain gut kaudument stellt Salat und Würzsauce als alternative Beilagen zum Braten nebeneinander. Keine Eich-Edition für Cgm 5919, daher Lesart; eine galantine-/gallrey-artige Würzbeilage ist die schwächere Alternative.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-069-orig" n="kaudument" resp="#fyndling">Kondiment (zu mlat. condimentum) - eine Würzsauce oder Beilage, im Korpus breit belegt (vgl. m5919-061). Im Mittelalter oft pikante oder süß-saure Saucen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-069-orig" n="einhallatlin" resp="#fyndling">ain ſallatlin = ein Salätlein (kleiner Salat als Beilage). Das h der Vorlage ist ein verlesenes langes ſ (ſ/h-Verwechslung). gib da pey ein[h]allatlin oder ain gut kaudument = ‚reiche dazu ein Salätlein oder ein gutes Kaudument (Würzsauce)‘ - Salat oder Sauce als Beilage zum gebratenen Kapaun ist idiomatisch. Ohne Eich-Edition bleibt es eine (gut gestützte) Lesart. Gestützt zudem dadurch, dass „Salat" als Beilage im Korpus zeitgenössisch belegt ist (eigene Salat-Rezepte kkm-110 und foc-074); „Salat" ist eine etablierte Entlehnung des 15. Jh. aus ital. salata, passt also zur Datierung um 1500.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-070-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine ganze Gans, langsam im Topf weichgeschmort, bis der Sud fast eingekocht ist, und zum Schluss mit einer cremigen Liaison aus Milch, Eigelb, Knoblauch und Safran übergossen - im Grunde ein frühes Gänse-Frikassee. Es ist die bairische Redaktion eines weit verbreiteten Rezepts: das Buch von guter Speise überliefert mit bgs-042 nahezu denselben Text Satz für Satz, die mittelniederländische Edelike Spijse (wes-029) dieselbe Sauce-Logik (Gans + Safran + Knoblauch/Lauch + sechs Eigelb + Milch zusammen aufgekocht). Lebt heute weiter im klassischen Geflügelfrikassee und in jeder mit Eigelb gebundenen hellen Sauce.

Die Stelle dicz mall zw samen wird oft zu "zerstoße alles zu einer feinen Paste" zugespitzt - das gibt der Text aber nicht her. Der Paralleltext bgs-042 ist hier präziser: dort werden nur die Knoblauchköpfe (mit etwas Salz) gestoßen und dann mit der Milch vermengt - Milch und Eigelb werden nicht mitzerstoßen. Es geht also um ein Zusammenfügen/Verrühren der Zutaten, nicht um ein Pürieren der ganzen Mischung.

gar suesse milch meint nicht "besonders süße" (gezuckerte) Milch, sondern - wie in spätmittelalterlichen Kochtexten üblich - frische, nicht saure Milch (Gegensatz zu Sauer-/Buttermilch). Bei einem herzhaften Knoblauch-Safran-Gericht ist das auch kulinarisch die einzig sinnvolle Lesart.

Praxis. Gans (2-3 kg) im engen Topf knapp mit Wasser bedecken und über schwacher Glut langsam köcheln, bis das Fleisch gar und der Sud fast eingekocht ist - das konzentriert den Geschmack. Für die Sauce zwei Knoblauchköpfe schälen und mit etwas Salz zu einer Paste stoßen (Salz nennt das Original nicht, vgl. aber bgs-042 - ohne Salz bleibt die Paste stückig und beißend), mit etwa 400-500 ml frischer Vollmilch und sechs Eigelb verrühren, den Safran vorab in der warmen Milch ziehen lassen. Diese Liaison erst kurz vorm Servieren über die heiße Gans geben, den Topf von der starken Hitze ziehen und nur einmal sanft aufwallen lassen, sonst krümelt das Eigelb. Ein Spritzer Verjus oder Weißwein nimmt der Sauce die Schwere.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="kappauner" resp="#fyndling">Ein Kapaun ist ein kastrierter, gemästeter Hahn mit besonders zartem, fettreichem Fleisch; er galt als Luxusgeflügel. Steht hier nur als Sammel-Rubrik über dem Geflügel-Abschnitt (Von dem kappauner Von den gensen) - das Rezept selbst behandelt durchgehend die Gans.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="dros" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch ‚Droß/Drossel‘ = Kehle, Schlund bzw. Kropf des Geflügels. ‚der dros abgeschnten‘ meint die schlachtfertige Vorbereitung (ausgenommen). Da zu Cgm 5919 keine deutsche Eich-Edition existiert, bleibt die exakte anatomische Zuordnung (Kehle beim Schlachten vs. Schlund/Kropf beim Ausnehmen) unsicher; sachlich folgenlos.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="erdein copff" resp="#fyndling">Ein irdener Topf aus Ton oder Keramik. ‚Copff‘ ist eine ältere Form von Topf.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="trifues" resp="#fyndling">Ein Dreifuß, ein Gestell, um den Topf über dem Feuer zu platzieren und die Hitze zu regulieren.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="proden" resp="#fyndling">Hier Brüden / Dampf - das Abdichten soll das Entweichen des Dampfes verhindern. Der wortgleiche Paralleltext bgs-042 (Buch von guter Speise) bestätigt die Lesart eindeutig: dort steht ‚daz der bradem iht vz ge‘. Typische Lesefalle dieses Schreibers (b für br/w).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="trueg" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch ‚truoc‘ = trocken, hier ‚stark reduziert / fast eingekocht‘. Durch bgs-042 (‚biz sie vilnach trucken si‘) cross-source eindeutig belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="totter" resp="#fyndling">Dotter, also das Eigelb.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-070-orig" n="knoflichs" resp="#fyndling">Knoblauch. ‚haupt knoflichs‘ = Knoblauchköpfe (zwei ganze Köpfe sind eine kräftige, aber zeittypische Dosierung).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-070-orig" n="dros abgeschnten" resp="#fyndling">Schlund/Kropf entfernt - die Gans ist küchenfertig ausgenommen und vorbereitet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-070-orig" n="mall zw samen" resp="#fyndling">Die Zutaten zusammenfügen / verrühren (Knoblauch stoßen, dann mit Milch und Eigelb mengen).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-071-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein knappes Verweis-Rezept aus dem Gänse-Block des Regensburger Kochbuchs: gebratene Gans, zerlegt und in eine andernorts beschriebene Würzsauce (das condiment) gegeben. Es ist keine eigenständige Anleitung, sondern setzt eine bekannte Pfeffer-/Saucenvorschrift voraus. Lebende Verwandtschaft: die heutige Martinsgans mit dunkler Sauce, und allgemein Bratengeflügel, das mit einer aus Bratenfond, Klein und Würze gebundenen Sauce serviert wird.

zbifall das gros - der Schreiber setzt b regelmäßig für w (im direkten Nachbarrezept m5919-070 steht zbay haupt knoflichs = zwei Häupter Knoblauch). zbifall liest sich also als zwival/zwifall. Im Schwesterrezept m5919-061 derselben Hand steht genau dasselbe Wort, dort als Zwiebeln aufgelöst (Nym zbifal vnd hack den clain seud sy waich In Schmalcz - chop fein, in Schmalz weich schmoren), und der stärkste Gänse-Twin bgs-026 baut seine Sauce ebenfalls auf Zwiebeln. Daher hier primär Zwiebeln (grob geschnitten = das gros). Sachlich ebenso vertretbar bleibt das essbare Gänse-Klein (Hals, Herz, Magen, Leber), das in m5919-061 identisch behandelt wird. Da für Cgm 5919 keine kritische Edition vorliegt und der Bearbeiter die Stelle selbst mit »?!« markiert hat, bleibt die Wortbedeutung unsicher; die abwegige Lesart »Abfall/Beifall« ist auszuschließen.

condiment das da geschriben stett - ein interner Querverweis auf eine andere Saucenvorschrift im selben Buch, typisch für mittelalterliche Sammlungen. Naheliegend ist die Pfeffer-Sauce m5919-061 (eigens als von ainem kondiment darzw überschrieben) oder die Knoblauch-Safran-Sauce des unmittelbar vorausgehenden Gänse-Rezepts m5919-070. Die genaue Zielstelle ist nicht eindeutig festzulegen.

Praxis. Gans am Spieß oder im Dutch Oven knusprig braten (ca. 2,5-3 h, Brust ~75 °C Kerntemperatur), dann tranchieren. Für das Kondiment in der Art von m5919-061: grob geschnittene Zwiebeln (und/oder fein gehacktes Gänse-Klein) in Gänseschmalz mit einem Schuss Wasser weich schmoren, mit Pfeffer, etwas geröstetem Brot zum Binden, einem zerdrückten hartgekochten Ei, Salz und einem guten Schuss Essig zur säuerlichen Pfeffersauce verrühren. Die tranchierte Gans hineingeben oder übergießen. Leber, falls verwendet, zuletzt zugeben (zerfällt rasch); die Säure am Feuer vorsichtig dosieren.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-071-orig" n="merck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#merck">Eine typische Rubrik- oder Kopfformel in mittelalterlichen Kochbüchern, die 'Merke!' oder 'Beachte!' bedeutet und kein Bestandteil des Rezepts ist.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-071-orig" n="gepraten" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#gepraten">Partizip Perfekt von ‚braten‘, bedeutet ‚gebraten‘ oder ‚geröstet‘, nicht ‚Brät‘ (fein gehacktes Fleisch).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-071-orig" n="condiment" resp="#fyndling">Ein Kondiment ist im Spätmittelalter eine stark gewürzte, oft säuerliche Sauce oder Beilage zu Fleisch oder Fisch. Hier ein interner Querverweis auf eine andernorts im Buch beschriebene Saucenvorschrift (vgl. m5919-061, m5919-070).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-071-orig" n="zbifall" resp="#fyndling">Der Schreiber setzt b regelmäßig für w (vgl. zbay = zwei in m5919-070), daher zwival/zwifall. Im Schwesterrezept m5919-061 derselben Hand steht dasselbe Wort und wird als Zwiebeln aufgelöst; ebenso vertretbar ist das essbare Gänse-Klein (Innereien). Für Cgm 5919 fehlt eine kritische Edition; der Bearbeiter markierte die Stelle selbst mit »?!«, die Bedeutung bleibt unsicher.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-071-orig" n="gensenn" resp="#fyndling">Gänsen (Plural von Gans).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-071-orig" n="zbifall / das gros" resp="#fyndling">Mit der b-&gt;w-Regel dieses Schreibers zwival/zwifall = Zwiebeln, grob geschnitten (das gros = das Grobe). Im Schwesterrezept m5919-061 derselben Hand steht dasselbe Wort als Zwiebeln; der Gänse-Twin bgs-026 nutzt ebenfalls eine Zwiebel-Sauce. Mangels kritischer Edition für Cgm 5919 bleibt die Lesart unsicher.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-071-orig" n="condimentt" resp="#fyndling">Kondiment. Das doppelte 't' ist eine häufige Schreibvariante des Frühneuhochdeutschen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-072-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gefüllter Geflügelhals: die Haut des Halses wird als Hülle für eine Farce aus Schweinefleisch, hartgekochten Eiern und Kräutern genutzt, gesotten und dann auf dem Rost überbacken. Das ist eine Vorform der Galantine, und die lebende Verwandtschaft ist bis heute regional greifbar - der gefüllte Gänse- oder Entenhals als Schlacht- und Weihnachtsgericht (im südwestfranzösischen Raum als cou farci). Das Rezept ist generisch gemeint: die Rubrik nennt den Kapaunhals zuerst, der Text sagt aber ausdrücklich oder ander fogel - jeder kräftige Geflügelhals (Gans, Ente, Huhn) passt. Ein nahezu wortgleicher Zwilling steht bei Meister Hans (Gänsehals, mha-225); im selben Manuskript behandeln m5919-068 und m5919-069 denselben Kapaunhals mit abweichender Technik.

Die Schreiberhand notiert am Rand zum Wort rost ein fragendes "Rost ?!" - die Lesart ist also schon im Original als auffällig markiert. Sinngemäß ist ein Rost zum Bräunen über Glut gemeint; ob es der im Spätmittelalter verbreitete hölzerne Rost oder ein Metallrost war, lässt der Text offen.

Eine echte Lesart-Unsicherheit liegt bei graus mal das: mal = mahlen/zerstoßen ist klar, graus (zu mhd. grūʒ/grus = Korn, Krümel) deutet adverbial auf "fein zerrieben, zu Grieß" - also das Kondiment fein zerstoßen. Denkbar wäre graus auch als verstärkendes "ganz/durchaus". Für Cgm 5919 gibt es keine deutsche Eich-Edition zum Gegencheck, aber das Grimm'sche Wörterbuch bestätigt 'grausz/gräusz' unabhängig als bairisch-österreichisches Dialektwort für Grütze/Graupe (enthülste Getreidekörner) - die gewählte Lesart ist damit außerhalb des Korpus lexikalisch verankert, nicht nur eine plausible Vermutung.

Praxis. Für einen Kapaun- oder Gänsehals: rund 150 g Schweinehack oder -brät, 1-2 gehackte hartgekochte Eier, 4-6 fein geschnittene Salbeiblätter, gehackte Petersilie und weitere Würzkräuter, Salz - alles vermengen und in die abgezogene Halshaut füllen, Enden verschließen. Den gefüllten Hals etwa 20-30 Minuten in Brühe sieden (gart die Füllung sicher durch und fixiert die Form). Dann auf dem Rost über Glut mit verquirltem Ei oder dünnem Teig bestreichen und mit Schmalz beträufeln - das ergibt eine gebräunte, knusprige Hülle (die frühneuzeitliche doré-Technik). Für das Kondiment Safran in wenig warmem Sud ziehen lassen und mit gehackter Petersilie sowie 1-2 EL Honig im Mörser zu einer süß-würzigen Sauce stoßen, dazu reichen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-072-orig" n="kappen hals" resp="#fyndling">Der Hals eines Kapauns, eines kastrierten Masthahns. Kapaune galten im Mittelalter als beliebte und teure Delikatesse für ihr zartes, fettreiches Fleisch. Das Füllen des Halses war eine gängige Zubereitungsart.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-072-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein Rost zum Bräunen über Glut. Im Spätmittelalter war der hölzerne Rost aus frischem grünem Hartholz eine verbreitete Bauform; sicher belegt ist für dieses Rezept aber nur 'Rost', den die Schreiberhand am Rand sogar mit einem fragenden '"Rost" ?!' versehen hat. Ein Metallrost ist die naheliegende moderne Alternative.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-072-orig" n="kondiment" resp="#fyndling">Eine Würzsauce oder Beilage, die den Geschmack des Hauptgerichts ergänzt - im Mittelalter oft süß-sauer oder süß-würzig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-072-orig" n="kappenn" resp="#fyndling">'Kapaun' (kastrierter Masthahn). Abgesichert durch die direkten Schreiber-Parallelen m5919-068 ('kappen hals') und m5919-069 ('kapauner') sowie den Kontext 'hals oder ander fogel' - der Korpus dekodiert sich hier selbst.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-072-orig" n="salua" resp="#fyndling">Salbei (lat. salvia). Die Schreibung 'salua' = 'salva' beruht auf der u/v-Graphengleichheit dieser Hand (u und v sind dieselbe Letter), nicht auf einem b/w-Konsonantenwechsel. Glossar: selbey/salua = Salbei, NICHT Sellerie.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-072-orig" n="graus mal das" resp="#fyndling">'mal' = mahlen/zerstoßen; 'graus' (zu mhd. grūʒ/grus = Korn, Krümel) adverbial = 'fein, zu Grieß' - also das Kondiment fein zerreiben/zerstoßen. Nur im Korpus ein Hapax, außerhalb aber gut belegt: Das Grimm'sche DWB führt 'grausz/gräusz' als reales bairisch-österreichisches Dialektwort für 'Grütze/Graupe' - 'die enthülsten Körner von Hirse, Fenchel, Gerste u.ä.' (steirisch) bzw. 'das Kügelchen, die Graupe, das Korn' (bairisch) -, bis in die neuere Dialektzeit belegt. Die hier gewählte Lesart trifft also genau ins bezeugte Wortfeld, nicht nur eine plausible Vermutung ohne externen Anker.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-073-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gebackenes Fleischbällchen im Eierteig - aus gekochtem (übrig gebliebenem) Fleisch, hartgekochten gehackten Eiern und etwas Mehl wird eine bindefähige Masse gemengt, zu Kugeln geformt, durch Eierteig gezogen und in heißem Schmalz schwimmend ausgebacken. Das lebt heute noch in jedem panierten, frittierten Bällchen weiter und ist ein klassisches Stück mittelalterlicher Resteküche. Direkter Zwilling ist mha-227 ("knofflach von fleisch") aus der Schwesterhandschrift - nahezu derselbe Wortlaut -, ebenso die englische Pomme-Dorryes-Familie foc-175.

Das Wort kendlein in der Rubrik bezeichnet die kleinen geformten Gebilde. Der Zwilling mha-227 redet von "kugel vnd knofflach" (kugel- bzw. knollenförmig geformte Bällchen); kendlein ist plausibel das Diminutiv dazu. Mangels deutscher Eich-Edition zu Cgm 5919 bleibt die genaue Form offen, gemeint sind aber eindeutig kleine, von Hand geformte Klößchen/Bällchen.

Der Schlusssatz dy pallenn mach thu mit aller hawt pratten gewen ist der schwierigste Punkt und auf dem Scan eigens mit "?!" markiert. Der Zwilling mha-227 endet parallel mit "das magstu geben mit welherlaj das ist praten" - also ein Serviervorschlag ("das kannst du mit jeglichem Braten reichen"). Bei der dokumentierten bairischen Lautregel dieses Schreibers (b für w/v) ist gewen sehr wahrscheinlich "geben" (auftragen/servieren), kein eigenes Brat-Verb. mit aller hawt bleibt unsicher - möglich "samt ganzer (knuspriger) Kruste" oder eine Verschreibung. Wir geben den Satz daher nicht als feste Koch-Anweisung wieder.

kraut meint hier nach Ausweis beider Parallelen (mha-227, Folio-Nachbar m5919-072) am ehesten die besten frischen Küchenkräuter (Petersilie, Salbei, Majoran); im englischen Pomme-Dorryes-Rezept steht an gleicher Stelle allerdings Gewürz/Zucker, daher ist auch eine Lesart als allgemeine Würzung nicht ausgeschlossen.

Praxis. Richtwerte: ca. 300 g gekochtes Fleisch sehr fein hacken, mit 3 hartgekochten, fein gehackten Eiern und 2-3 EL Mehl als Bindung mischen, 2 EL gehackte Kräuter, Salz und Pfeffer dazu. Die Masse feucht, aber formbar verkneten und zu walnussgroßen Kugeln drehen. Wichtig: die gehackten Eier IN der Masse sind gekocht - die Eier für die HÜLLE sind roh. Für den Eierteig 2 rohe Eier mit 2-3 EL Mehl glattrühren, die Bällchen darin wenden. In 160-170 °C heißem Schmalz (oder neutralem Bratöl) schwimmend in 4-6 Minuten goldbraun ausbacken; das Fett muss heiß genug sein, sonst saugt der Teig. Erst ein Probebällchen testen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-073-orig" n="merck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#merck">Eine Rubrik- oder Kopfformel, die den Leser aufmerksam machen soll, hier also ‚Merke!‘ oder ‚Beachte!‘. Kein Bestandteil des Rezepts selbst.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-073-orig" n="kraut" resp="#fyndling">Im Frühneuhochdeutschen ein allgemeiner Begriff für ‚Pflanze‘ bzw. ‚Würzkraut‘. Nach den Parallelen mha-227 und m5919-072 sind hier am ehesten die besten frischen Küchenkräuter (Petersilie, Salbei, Majoran) gemeint; eine Lesart als allgemeine Würzung ist nicht ausgeschlossen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-073-orig" n="mit aller hawt pratten gewen" resp="#fyndling">Auf dem Scan eigens mit ‚?!‘ markiert. Der fast wortgleiche Zwilling mha-227 endet mit ‚das magstu geben mit welherlaj das ist praten‘ - einem Serviervorschlag. Nach der bairischen Lautregel dieses Schreibers (b für w/v) ist ‚gewen‘ wahrscheinlich ‚geben‘ (auftragen/servieren). ‚mit aller hawt‘ bleibt unsicher (evtl. ‚samt ganzer knuspriger Kruste‘ oder Verschreibung); mangels deutscher Eich-Edition als unsichere Stelle zu werten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-073-orig" n="kendlein" resp="#fyndling">‚Kendlein‘ bezeichnet die kleinen, von Hand geformten Klößchen/Bällchen der Speise. Der Zwilling mha-227 redet bei identischer Machart von ‚kugel vnd knofflach‘ (kugel- bzw. knollenförmige Gebilde); ‚kendlein‘ ist plausibel das Diminutiv dazu.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-074-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein festlicher Schaubraten: ein ganzes Spanferkel am Spieß mit gewürzter Innereien-Füllung. Lebende Verwandtschaft ist das moderne Spanferkel vom Spieß, wie man es bis heute auf Festen und Mittelaltermärkten dreht. Der fast wortgleiche Zwilling im Kochbuch des Meisters Hans (mha-228) belegt denselben Gerichtstyp in einer zweiten Handschrift; die Familie reicht über boc-016, rfk-051, m384-043 und bgs-008.

zwai wachy ... schon prat ist die zentrale Lesefalle dieses Rezepts. Es bedeutet nicht 'zwei rohe Eier und gerösteten Safran', sondern 'zwei weiche, schöne (Weiß-)Brote, Safran' - eingeweichtes Weißbrot als Bindemittel, dazu Safran als Gewürz. Der Zwilling mha-228 liest an gleicher Stelle unmissverständlich zwaj waichen schone prot Saffran; derselbe Schreiber notiert prat auch sonst als Brot (m5919-061 Pfefferbrot, m5919-066 schönes Brot). Ein 'Rösten' von Safran ist hier unbelegt.

prat es kul und faust bleiben mangels deutscher Eich-Edition unsicher. kul lese ich als 'abkühlen lassen' (erleichtert Spalten und Füllen) - die Stelle ist im Original selbst mit '?!' markiert. faust steht wohl für fast = fest/gründlich, also 'gut durchbraten'.

Praxis. Der erste Bratschritt ('prat es kul') ist sinnvoll als kurzes Anbraten/Festigen zu verstehen, damit sich das Ferkel sauber spalten und die Lunge entnehmen lässt - das Hauptgaren erfolgt erst am Spieß mit der Füllung; ein vollständiger Doppelbraten würde das Fleisch austrocknen. Lagerpraktischer als ein nochmals gefülltes Ganzferkel ist oft, beide Hälften ('spalt in zwai') gefüllt flach über der Glut zu garen. Für die Füllung: 1 gekochte, fein gehackte Lunge (oder Ersatz, s. Zutaten) mit 3 hartgekochten Eiern, ~150-200 g in Wasser oder Brühe eingeweichtem und ausgedrücktem Weißbrot (das ist das Bindemittel - kein rohes Ei nötig), ~150 g fein gewürfeltem Speck, einer Prise gemörsertem Safran, ½ TL Pfeffer und 1 TL Salz zu einer bindigen Masse vermengen. Nicht zu fest stopfen. Über mittlerer Glut 3-4 Stunden am Spieß braten, regelmäßig mit Schmalz beträufeln, Kerntemperatur Schwein über 70 °C. Geduld und genug Fett verhindern trockenes Fleisch und ungleichmäßiges Garen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-074-orig" n="merck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#merck">Typische Kopfformel mittelalterlicher Kochbücher ('Merke!', 'Beachte!'), die den Leser auf ein neues Rezept hinweist.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-074-orig" n="wachy / schon prat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Lesefalle: 'zwai wachy ... schon prat' gehört zusammen - 'wachy' ist nicht 'rohe Eier', sondern das Adjektiv weich, und 'prat' ist hier nicht 'braten/geröstet', sondern Brot. Gemeint sind zwei weiche, schöne (Weiß-)Brote als Bindemittel. Der fast wortgleiche Zwilling mha-228 (Meister Hans) liest unzweideutig 'zwaj waichen schone prot Saffran'. Damit ist auch der Safran schlicht Gewürz, kein 'gerösteter' Safran.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-074-orig" n="petrauf es mit smaltz" resp="#fyndling">Das regelmäßige Beträufeln mit Schmalz während des Bratens hält das Fleisch saftig und fördert eine knusprige Schwarte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-074-orig" n="zwai wachy ... schon prat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">Zwei weiche, schöne (Weiß-)Brote als Bindemittel der Füllung. 'wachy' = weiche (Adjektiv zu 'prat'), 'schon prat' = schönes Brot.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-074-orig" n="prat es kul" resp="#fyndling">Brate es und lass es danach abkühlen (erleichtert Spalten und Füllen). Hier ist 'prat' das Verb braten - im selben Rezept steht 'prat' kurz darauf als Brot ('schon prat').</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-074-orig" n="faust" resp="#fyndling">'prat es faust' = brate es gut durch / kräftig. 'faust' steht für 'fast' (= fest, gründlich, durchgehend), beim schwankenden Regensburger Schreiber gut denkbar (vgl. 'sam fast' in m5919-017).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-075-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Überliefert ist hier nur die gewürzte Mörser-Farce zum Füllen eines halben Lamms - das Garen des Lamms selbst beschreibt der knappe Text nicht (er bricht mit dem Querverweis also selb mach dy lungmus ab). Die Farce gehört zur paneuropäischen Mortrews-/Mörser-Farce-Familie (mortteul ~ Mortrews/Mortereul, benannt nach dem Mörser, in dem das Fleisch zerstoßen wird); lebende Verwandtschaft: die englischen Mortrews (foc-043, foc-044), die Schweinefarce m5919-033 und das gefüllte Osterlamm boc-028.

mortteul: Die Lesart ist ohne deutsche Eich-Edition zu Cgm 5919 unsicher (der Schreiber markiert sie selbst mit ?!); am ehesten die deutsche Form von mortrews/mortereul (Mörser-Gericht), kein eigenständiger Gerichtsname.

honig ... essach nicht ze saur: Eine bewusst süß-saure Würzung (Honig + milder Essig) - typisch für gehobene spätmittelalterliche Farcen; der Essig balanciert die Süße, ohne zu dominieren.

Praxis. Etwa 500 g fettes Schweinefleisch (Schulter oder Bauch, Schwarte entfernt) fein hacken oder im Mörser stoßen, mit ca. 2-3 EL geriebener Semmel, 2 Eiern, Pfeffer, Safran, einem guten Löffel Honig, einem Schuss mildem Essig und Salz zu einer bindigen Farce mischen und einmal aufwallen lassen. Als Füllung für ein halbes Lamm (oder eine Lammschulter mit Tasche) verwenden und dieses am Spieß bzw. im Bräter garen. Dieselbe Farce dient laut Schlusssatz auch als Lungenmus.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-075-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Geriebene Semmel oder Weißbrot, das die Farce bindet - im Mittelalter die übliche Bindung statt Mehl.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-075-orig" n="er erwallen" resp="#fyndling">‚Erwellen‘ (hier mit ‚b‘ für ‚w‘ geschrieben, mittelbairische Schreiberhand) heißt aufwallen, aufkochen lassen. Die Vorsilbe ist im Transkript doppelt (‚er erwallen‘) - ein Schreiber-Haspler beim Präfix er-, kein zweites Wort.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-075-orig" n="mortteul-?" resp="#fyndling">Im Manuskript unsicher überliefert (Lesemarker ‚-?‘). Der Begriff gehört zur spätmittelalterlichen, gesamteuropäischen Speisenfamilie der Mortrews / Mortereul / Mortroel - benannt nach lat. mortarium, dem Mörser, in dem das Fleisch fein zerstoßen wird. Genau das beschreibt die Zubereitung: fein hacken, würzen, binden, aufkochen. Vgl. die Mortrews-Linie im Korpus (foc-043/044, men-236, wes-017). Mit der modernen Bologneser Brühwurst ‚Mortadella‘ teilt das Wort nur den Stamm (mortarium); semantisch ist die Wurst für Regensburg um 1500 falsch. Da für Cgm 5919 keine deutsche Edition vorliegt, bleibt die Wortlesart eine korpusgestützte Hypothese.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-075-orig" n="lungmus" resp="#fyndling">‚also selb mach dy lungmus‘ - bereite ebenso das Lungenmus zu. Damit ist eine parallele Zubereitung nach demselben Verfahren gemeint, vermutlich ein Mus aus gegarter, fein zerstoßener Lunge; Zubereitungsdetails nennt die Quelle nicht (die Angaben sind Deutung). Im Schwester-Rezept m5919-033 dient ‚lungmus‘ als Konsistenz-Maßstab.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-075-orig" n="mortteul-?" resp="#fyndling">Mortrews / Mortereul - eine im Mörser fein zerstoßene, gewürzte Fleischfarce (lat. mortarium = Mörser). Korpusgestützt durch men-236 (‚Mortereul‘), wes-017 (‚Mortroel‘) und die englische Mortrews-Linie foc-043/044/121.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-075-orig" n="lungmus" resp="#fyndling">‚Lungenmus‘ - eine eigenständige, parallele Zubereitung (‚also selb mach dy lungmus‘), die nach demselben Verfahren wie die Farce hergestellt wird; vgl. m5919-033, wo ‚lungmus‘ als Konsistenz-Vorbild dient.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-076-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein spätmittelalterlicher Wildbret-Pfeffer: gesottenes Reh, dann mit einer brotgebundenen, sauer-würzigen Tunke (Brot + Ingwer + Pfeffer + Essig) einmal aufgekocht. Das ist eine ganze lebende Gattung im Korpus - vom direkten Schwesterrezept sev-005 (Rehfleisch mit Frucht-Gewürz-Sauce) über die sauer-würzige Wildbret-Sauce sev-001 und den "Schwarzen Pfeffer zu Wildbret" m384-022 (mit geröstetem Roggenbrot) bis zum "Fürhess vom Hasen" m384-031. Das Würzprofil (Petersilie, Salbei, Ingwer, Pfeffer, Brot, Essig) deckt sich fast eins zu eins mit der grünen Kräutersauce foc-136 - dort als reines Kondiment, hier über dem Fleisch aufgekocht.

Die Crux ist ain rochen rintten. Funktional ist der Fall klar: geröstetes Brot dient als Saucenbinder, die Standardtechnik vor dem Aufkommen der Mehlschwitze (Roux erst nach ~1600). rintten ist Brotrinde (vgl. "die rinten von der Semel" m384-024). Bei rochen schwankt die Deutung: bairische Schreibung von rocken (Roggen - der Schreiber notiert anderswo "rocken ... melb" für Roggenmehl), oder partizipiell "geröstet/gebäht" (vgl. gebät = bähen/leicht rösten, glossiert für m384-022/031). Beides führt zur selben Sache - eine geröstete (Roggen-)Brotrinde -, daher wird sie so übersetzt. Da es keine deutsche Eich-Edition zu Cgm 5919 gibt, bleibt das die plausibelste, nicht restlos gesicherte Lesart. Fisch-Rochen scheidet im Rehgericht aus; eine Morchel (der Schreiber nutzt maurochen andernorts dafür) ist durch rintten ausgeschlossen.

Praxis. Für 4-6 Personen: ca. 1-1,2 kg Reh (Schulter/Keule) kräftig salzen, knapp mit Wasser bedecken, dazu 1 Bund Petersilie, 6-8 Salbeiblätter und 80-100 g fein gehackten Speck. Mageres, sehniges Wild 90-120 Minuten sanft sieden. Für die Tunke 2-3 EL altbackenes, angeröstetes und fein geriebenes Brot (am besten dunkle Roggenrinde) mit 4-6 EL Essig (mit etwas Sud verdünnt), 1 TL Ingwer und 1/2-1 TL Pfeffer glattrühren, über das gare Fleisch geben und einmal kurz aufkochen (erwellen), bis es leicht bindet - nicht länger, sonst wird die Sauce mehlig. Die Brotmenge bestimmt die Saucendicke, also schrittweise zugeben. Der Essig setzt den sauren Gegenpol zu Speck und Wild.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-076-orig" n="rech" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#rech">Hier ‚Reh‘, nicht Rebhuhn. Die lange Siedezeit und das Mitkochen von Speck stützen Vierfüßler-Wild und schließen Geflügel aus.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-076-orig" n="merck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#merck">Rubrik- bzw. Kopfformel ‚merke!‘, kein Bestandteil des Rezepts und kein Gerichtsname.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-076-orig" n="ain rochen rintten" resp="#fyndling">Geröstete (Roggen-)Brotrinde als Saucenbinder - die mittelalterliche Bindung mit Brot statt Mehl. rochen steht entweder für rocken (Roggen) oder partizipiell für ‚geröstet/gebäht‘, rintten für Rinde. Mangels deutscher Eich-Edition zu Cgm 5919 unsichere, aber korpusgestützte Lesart (vgl. m384-022, m384-031, sev-001).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-076-orig" n="erwellen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#erwellen">Aufkochen/aufwallen lassen. Bairische b/w-Schreibung (erbelten = erwellen); hier das kurze Aufkochen, das die Sauce bindet.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-076-orig" n="kondiment" resp="#fyndling">Eine würzige, säuerliche Tunke, oft mit Essig, Gewürzen und Brot als Bindemittel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-076-orig" n="ain rochen rintten" resp="#fyndling">Geröstete (Roggen-)Brotrinde als Saucenbinder. rintten = Rinde (vgl. "die rinten von der Semel", m384-024); rochen entweder bairisch rocken = Roggen (der Schreiber notiert auch "rocken ... melb" für Roggenmehl) oder partizipiell ‚geröstet/gebäht‘ (vgl. gebät = bähen, m384-022/031). Beide Wege führen zur selben Sache - die mittelalterliche Brotbindung statt Mehl. Korpusgestützt durch das Wildbret-Pfeffer-Muster (sev-001, m384-022, m384-031). Mangels deutscher Eich-Edition zu Cgm 5919 unsichere, aber durch das Korpus gut gestützte Lesart-Entscheidung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-077-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein bairisches Blut-Innereien-Mus vom Reh - ein Innereien-"Pfeffer" in direkter Linie von Leberpfeffer und Schwarzsauer: erlegtes Wild restlos verwerten, Lunge und Blut zu einer dicken, gebundenen, gepfefferten Masse einkochen. Das unmittelbar folgende Schwester-Rezept im selben Folio-Block (m5919-075) nennt genau dieses Verfahren "Lungenmus" und stellt es zur mortteul (Mortrews, gestoßener/aufgewallter Fleischbrei). Eng verwandt sind die Fürhess-Gerichte vom Hasen (m384-031, ri15632-018) und die Wild-Innereien-Pfeffer der Form-of-Cury-Tradition (foc-013, foc-014).

seid dy schuppen durch ain thue: Die wahrscheinlichste Lesart ist "durch ein Tuch treiben/seihen", begründet durch den Nachsatz das da nicht hars in sey (damit kein Haar darin bleibt) - die gegarte Lungenmasse wird passiert, Haare und Festteile bleiben im Tuch zurück. Ernst zu nehmen ist aber eine zweite Lesart: schuppen meint im selben Korpus die Fischschuppe als kollagenreiches Geliermittel (ri15632-034: zerstoßen, durch ein Tuch geschlagen, mitgesotten - die Hausenblase ist dort die genannte Alternative). Zu einem Mus, das eben dick peleiben soll, würde ein solcher Binder gut passen. Da für Cgm 5919 keine deutsche Edition zum Gegencheck vorliegt, bleibt das offen - die Passier-Lesart führt, der Geliermittel-Befund steht daneben.

las es faist sieden: Nicht als Confit oder Konservierung zu verstehen, sondern schlicht: so lange köcheln, bis das Fett austritt und die Masse legiert/bindet - ein Garpunkt- und Konsistenzsignal (vgl. das abschließende eben dick peleiben). Der Schreiber selbst markiert den Ausdruck mit "?!".

Praxis. Lunge in Salzwasser gar sieden (ca. 30-40 min), würfeln und durch ein Tuch oder feines Sieb passieren. Mit Blut, etwas Schmalz und einem kräftigen Rotwein offen einkochen, dabei stetig rühren - das Blut darf nicht stocken oder anbrennen -, bis das Fett austritt und die Masse dick bindet (ca. 20-30 min). Zum Servieren frisch übermahlen Pfeffer. Richtwerte: etwa 400-500 g Rehlunge, 200-250 ml Rehblut, 2-3 EL Schmalz, 150-200 ml Rotwein. Blut und Lunge müssen frisch und durchgehend gekühlt verarbeitet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-077-orig" n="rech" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#rech">Bezieht sich auf das Reh (Wildtier), nicht auf das Rebhuhn.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-077-orig" n="wurfflat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#wurfflat">Würfelig, in Würfel geschnitten. Im Korpus mehrfach als wurfflott belegt (Cgm 384) - eine Lesefalle: meint die Schnittform, nicht etwa Schlachtabfälle. Da die Masse danach ohnehin passiert wird, ist die Schnittform hier praktisch nebensächlich.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-077-orig" n="faist sieden" resp="#fyndling">So lange sieden, bis das Fett austritt und die Masse bindet - ein Konsistenz-/Garpunktsignal, keine Konservierungstechnik. Der Schreiber selbst markiert den Ausdruck mit "?!".</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-077-orig" n="smaltz" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-077-orig" n="seid dy schuppen durch ain thue" resp="#fyndling">Die gegarte Masse durch ein Tuch treiben/seihen, damit kein Haar oder Unrat darin bleibt (das da nicht hars in sey).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-078-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Anleitung zum Haltbarmachen von Wildbret im Hochsommer - erst Trockensalzen, dann Einlegen in starke Salzlake. Das Verfahren lebt bis heute weiter: Surfleisch, Pökelfleisch, Salzfleisch und das Einsalzen von Speck gehören in dieselbe Familie. Im Korpus ist es eng verwandt mit dem direkten bairischen Nachbarn (Fleisch im August) sowie den Pökel-Anweisungen aus Meister Hans und dem Ménagier.

Das Rezept läuft in zwei Phasen. Zuerst wird das Fleisch in Stücke geschnitten und mit Salz petrauff - trocken bestreut - und liegt einen halben Tag. Das Salz zieht per Osmose Blut und Wasser aus dem Fleisch; deshalb wird es danach abgewaschen. Erst dann kommt es in die Lake. Diese Reihenfolge (trocken salzen, waschen, nass pökeln) ist der Kern der Technik, nicht zwei beliebige Salzgänge.

Gesotten wasser meint abgekochtes, wieder erkaltetes Wasser - keimärmer und kühl, nicht heiß ins Fleisch. Die Mengenangabe zwaitail saltz das drittail gesotten wasser ist die unsichere Stelle: gemeint ist ein sehr salzreicher Ansatz, praktisch eine gesättigte Lake. Eine konkrete Gewichtszahl lässt der Text nicht zuverlässig zu, und für Cgm 5919 gibt es keine kritische deutsche Edition zum Gegencheck.

Praxis. Für etwa 500 g Wildbret rund 150 g Salz zum Trockensalzen, einen halben Tag ziehen lassen, dann gründlich abwaschen. Lake aus abgekochtem, erkaltetem Wasser mit etwa 250-300 g Salz je Liter (gesättigt) ansetzen, das Fleisch vollständig untertauchen - notfalls mit einem Teller beschweren, das es wol daruber ge. Kühl lagern. Vor dem Verwenden 12-24 Stunden wässern, um zu entsalzen, dann garen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-078-orig" n="wilpret" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch für Wildbret, also Fleisch von Wildtieren.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-078-orig" n="augsten" resp="#fyndling">Der Monat August - im Spätmittelalter eine stehende Wendung für die heißeste Zeit (die ‚Hundstage‘), in der Frischfleisch sofort verdarb. Gerade darum war Konservierung jetzt dringend nötig.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-078-orig" n="petrauff" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch für ‚bestreuen‘. Beim Schreiber von Cgm 5919 wechseln p/b häufig (vgl. pehalt = behalten); hier ist trockenes Salz auf das Fleisch gemeint, nicht beträufeln.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-078-orig" n="gesotten wasser" resp="#fyndling">Abgekochtes Wasser, das wieder erkaltet ist - keimreduziert und kühl in die Lake, nicht heiß.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-078-orig" n="drittail" resp="#fyndling">‚Das dritte Teil (von dreien)‘, also ein Teil Wasser auf zwei Teile Salz - kein Drittel des Volumens. Eine kritische deutsche Edition zu Cgm 5919 fehlt, die genaue Menge bleibt unsicher.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-078-orig" n="zwaitail saltz das drittail gesotten wasser" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saltz">‚Zwei Teile Salz, das dritte Teil gekochtes Wasser‘ - ein sehr salzreicher Ansatz, praktisch eine gesättigte Salzlake. Die Lesarten beruhen allein auf der hyperdiplomatischen CoReMA-Transkription; eine kritische deutsche Edition zum Gegencheck gibt es für Cgm 5919 nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-078-orig" n="petrauff" resp="#fyndling">‚Bestreue‘ - trockenes Salz auf das Fleisch.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-079-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Grundtechnik, kein eigenständiges Gericht: jegliches Fleisch wird im Hochsommer mit Wasserwechsel gesiedet. Es hat im Korpus einen fast wortgleichen Zwilling bei Meister Hans (mha-081 „Fleisch im August haltbar kochen") und steht direkt neben dem Schwester-Rezept m5919-078 („wie man pehalt wilprat in den augsten"). Beide Nachbarn lesen dasselbe Verfahren als Haltbarmachen - daher liegt nahe, dass auch hier das Konservieren/Auffrischen im heißen August gemeint ist (die Cgm-5919-Fassung lässt das Verb „behalten" nur weg). Lebende Verwandtschaft: das klassische Blanchieren bzw. „in zwei Wassern" Garen, mit dem man Suppenfleisch heute noch von Schaum und Strenge befreit.

All hant fleisch heißt „jegliches Fleisch" - die Technik ist ausdrücklich sortenoffen (Rind, Schwein, Geflügel, Wildbret). Keine Festlegung auf eine Fleischart aus der Quelle ableitbar.

Er wel es wol: wel ist hier (mit b/w-Tausch dieses Schreibers, vgl. Glossar erbelten=erwellen) eine Form von erwellen = kräftig aufkochen/aufwallen lassen. Der Zwilling mha-081 schreibt an gleicher Stelle „erwall es wol" und stützt diese Lesart. Daneben trägt erwel im Korpus auch die Bedeutung „auswählen" (z. B. muenchner_clm15632 „erwel die daz si sinwel werden"); nach „sieden wil" ist die Verb-Verb-Reihung „wenn es sieden soll, koche es gut auf" aber die einzige kohärente Lesart.

Praxis. Ca. 1 kg robustes Fleisch (Rind-Suppenfleisch, Schweinekamm/-bug, Geflügelteile, Wildbret) mit kaltem Wasser bedeckt aufsetzen und kräftig 2-3 Minuten sprudelnd aufkochen (erwellen) - das erste Wasser zieht Schaum, Strenge und oberflächliche Sommer-Aromen heraus. Diese erste Brühe vollständig abgießen, das Fleisch kurz abspülen. Mit frischer heißer Brühe (oder klarem Wasser) erneut bedecken, salzen und leise simmern bis gar: Suppenfleisch ~2-2,5 h, Schwein ~1,5 h, Geflügel ~45-60 min. Das zweite, saubere Garwasser bleibt klar und mild. Die 15-minütige Vorbereitungszeit deckt nur das Erwellen und den Wasserwechsel ab; die eigentliche Garzeit kommt je nach Fleischsorte dazu.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-079-orig" n="augsten" resp="#fyndling">‚Augsten‘ ist die frühneuhochdeutsche Bezeichnung für den Monat August (Hundstage/heißeste Zeit). Der Zwilling mha-081 schreibt unmissverständlich „in den Augusttagen" und bestätigt die Lesart. Im Hochsommer war Fleisch schwer frisch zu halten - der Monatsbezug verweist auf die Sommerhitze.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-079-orig" n="sieden wil so er wel es wol" resp="#fyndling">‚Wenn es sieden soll, so koche es gut auf.‘ ‚Wel‘ ist (mit ‚b‘ für ‚w‘ bei diesem Schreiber, vgl. Glossar ‚erbelten‘=erwellen, Cgm 5919) eine Form von ‚erwellen‘ = aufkochen/aufwallen lassen. Die Parallelstelle in mha-081 liest ‚erwall es wol‘ und stützt damit erwellen=aufwallen/parboilieren.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-079-orig" n="prue" resp="#fyndling">‚Prue‘ bezeichnet die Brühe bzw. Kochflüssigkeit, die nach dem ersten Aufkochen abgegossen und durch frische ersetzt wird. Das ‚frisch wider dar an‘ der Quelle nennt das Medium nicht und bezieht sich elliptisch auf diese ‚prue‘ zurück - daher ‚frische Brühe‘ im Lesetext.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-079-orig" n="all hant fleisch in den augsten" resp="#fyndling">‚Jegliches Fleisch im August (haltbar) zubereiten.‘ Der direkte Zwilling mha-081 und das Schwester-Rezept m5919-078 lesen dasselbe Verfahren ausdrücklich als Haltbarmachen im Hochsommer; die Cgm-5919-Fassung verkürzt vermutlich nur und lässt das Verb ‚behalten‘ weg.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-079-orig" n="sieden wil so er wel es wol" resp="#fyndling">‚Wenn es sieden soll, so koche es gut auf.‘ ‚Wil‘ als Modalverb, ‚wel‘ (b für w) als ‚erwellen‘ (aufkochen); ‚er‘ generisch als ‚man‘. Die Parallelstelle mha-081 ‚erwall es wol‘ stützt dies.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-080-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Condament (Kondiment, Würzsauce) auf Brotbasis - genauer ein zweistufiges Vorrats-Rezept: erst wird eine haltbare Trockenbasis aus fein geriebenen Weißbrotbröseln angelegt, die im Lederbeutel trocken lagert; bei Bedarf wird sie mit Wein, Schmalz, Eiern und Pfeffer in Minuten zur gebundenen Würzsauce aufgeschlagen. Es gehört zur lebendigen Familie der brotgebundenen Pfeffer- und Würzsaucen, die quer durch den Korpus belegt sind (im eigenen Buch Gepfefferte Hühner m5919-061 und Gebratene Gans mit Kondiment m5919-071; cross-source die Peverata ant-041, das Brotmus boc-002 und die Brotgallerte kkm-052). Brot als Sämigkeits- und Bindemittel ist hier das tragende Prinzip.

weiß prat ist Weißbrot. Der Schreiber dieses Buches verhärtet b/p (prat = Brot), und prat ist im Korpus eine bekannte Lesefalle, weil dasselbe Wort auch "Brät/Farce" (rohes Fleischbrät) heißen kann. Hier ist Brot eindeutig: man reibt es durch ein Sieb, lagert es trocken im Lederbeutel und weicht es später in Wein ein - das schließt rohes Fleischbrät aus.

was du duk heben willd ist die unsichere Stelle. Für Cgm 5919 gibt es keine deutsche Eich-Edition, und die Phrase ist im Korpus ein Einzelbeleg (Hapax). Plausibel ist duk = dick, heben = haben, also eine Konsistenz-Anweisung "so dick, wie du es haben willst". Gestützt wird das vom Schwester-Rezept m5919-061, dessen Sauce man "ersyden eben dick" (gleichmäßig dick einkochen) lässt - es geht um die gewünschte Sämigkeit der Brot-Würzsauce, nicht zwingend um bestimmte "dickmachende Zutaten". Wir lassen die Stelle offen.

Praxis. Trockenbasis: altbackenes Weißbrot ohne Kruste fein reiben oder durch ein grobes Sieb streichen, vollständig durchtrocknen (Backofen 80-100 Grad oder an der Luft), dann trocken und luftdicht lagern. Zubereitung pro Portion: etwa 30-40 g Brösel in 100-150 ml warmem Wein quellen lassen, 1 EL Schmalz (ersatzweise Butter) dazu, 1 verquirltes Ei einrühren und bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren binden - dabei nicht kochen, sonst gerinnt das Ei zu Rührei-Flocken; knapp unter dem Siedepunkt cremig ziehen lassen. Am offenen Feuer den Topf an den Rand ziehen, sobald das Ei drin ist. Mit Pfeffer abschmecken. Funktionen: Brot bindet, Ei macht reichhaltig und bindet zusätzlich, Schmalz liefert Mundgefühl, Wein die Säure, Pfeffer die Würze. Die fertige Sauce ist eine Frischspeise und wird gleich verbraucht (Ei!).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-080-orig" n="merck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#merck">Rubrik-/Kopfformel 'merke!' (nota), KEIN Gerichtsname - nicht 'Mark' oder 'Hals'.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-080-orig" n="prat" resp="#fyndling">Hier 'weiß prat' = Weißbrot (b/p-Verhärtung dieses Schreibers). Im Korpus ist 'prat' eine Lesefalle, weil dasselbe Wort auch 'Brät/Farce' bedeuten kann; Trockenlagerung und Einweichen in Wein machen hier aber Brot eindeutig.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-080-orig" n="rer es durch ain sib" resp="#fyndling">Durch ein Sieb reiben/streichen (passieren) - das trockene Brot wird zu feinen Krümeln verarbeitet.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-080-orig" n="ledren peyttel" resp="#fyndling">Lederner Beutel - zur trockenen Aufbewahrung der Brotbrösel.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-080-orig" n="Condament" resp="#fyndling">Würzsauce/Kondiment, das zu anderen Speisen gereicht wird; hier in einer haltbaren Trockenform vorbereitet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-080-orig" n="weiß prat" resp="#fyndling">Weißbrot.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-080-orig" n="was du duk heben willd" resp="#fyndling">oder was du sonst nehmen willst, bis es so dick ist, wie du es haben magst - eine offene Konsistenz-Anweisung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-081-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine scharfe Knoblauch-Pfeffer-Tunke aus der spätmittelalterlichen Salse- bzw. Agliata-Familie - dem großen romanisch-süddeutschen Bestand würziger Knoblauchsaucen, der heute in geschmorten Knoblauch-Tunken und confierten Knoblauchpasten fortlebt. Anders als ihre kalt im Mörser gestoßenen Verwandten (etwa die Agliata mar-118 oder die Pfeffer-Knoblauch-Stoßsauce hkb-012) ist dies die seltenere gekochte Fassung: Knoblauch, viel Pfeffer und wenig Ingwer werden zusammen gesiedet, bis sie braun werden.

Das fehlende Trägermedium. Der Text nennt nur drei Festkörper - drew haupp knoflach (drei Knoblauchköpfe), Pfeffer und Ingwer - und dann las es sieden. Sieden verlangt aber eine Flüssigkeit; reine Gewürze mit Knoblauch können nicht sieden. Hier ist das Rezept knapp und lückenhaft: der Schreiber setzt das flüssige Medium offenbar als selbstverständlich voraus, ohne es zu nennen. Die verwandten Saucen geben den Hinweis - sie werden mit Essig (hkb-012) oder Traubenmost (mar-118) temperiert. Wir ergänzen diese Flüssigkeit als naheliegende Interpretation, dichten sie aber nicht in den Quellentext hinein.

Praun werden bleibt offen. Wie der Knoblauch braun wird, lässt der Text nicht eindeutig zu: entweder durch leichtes Anschwitzen in wenig Fett oder durch Einkochen in saurer Flüssigkeit, bei dem Knoblauch ebenfalls bräunlich wird. Beide Lesarten sind möglich; keine ist gesetzt. Die früher hier angenommene karamellige Brataromatik ist nicht textgestützt - der Quelltext nennt weder Fett noch Pfanne.

Praxis. Drei Köpfe Knoblauch schälen - das ist sehr viel und sehr scharf, kurzes Blanchieren oder Mitköcheln mildert die Schärfe. Im Mörser mit reichlich Pfeffer und etwas Ingwer (Pfeffer dominiert) anstoßen, dann mit Essig oder Traubenmost zu sämiger Konsistenz temperieren und kurz aufköcheln lassen, bis die Masse bräunt. Als kaltes, scharfes Winter-Kondiment servieren; die Essig- oder Most-Basis erhöht die Haltbarkeit und passt zum Hinweis, die Sauce in kallten wetter zu essen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-081-orig" n="salssen / salsen" resp="#fyndling">Salse - eine würzige Tunke oder Sauce der romanisch-süddeutschen Agliata/Salsa-Familie, nicht zu verwechseln mit Salz. Der Begriff bezeichnet hier die gewürzte Knoblauchsauce als ganzes Gericht.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-081-orig" n="naturleich / naturlich" resp="#fyndling">natürlich, d.h. der Natur bzw. der Komplexion gemäß und zugleich schlicht-unverfälscht. Das -leich ist das mittelbairische Adjektivsuffix -lich (vgl. naturlich im Text selbst), kein eigenes Wort für Lauch.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-081-orig" n="dy schol man essen in kallten wetter" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schol">Nach der Säftelehre gelten Pfeffer, Ingwer und Knoblauch als 'warme' Gewürze; man isst diese erhitzende Sauce gezielt gegen die 'kalte' Jahreszeit - daher ihr Charakter als wärmende, stärkende Winterspeise.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-081-orig" n="temper das zu samen" resp="#fyndling">'Temperieren' meint hier das Anmachen bzw. Verdünnen der Gewürz-Knoblauch-Masse mit einer Flüssigkeit zu sämiger Konsistenz (vgl. distemperarai = verdünnen, auflösen in der verwandten Agliata mar-118).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-082-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine denkbar einfache Würzbeize aus Salz und Essig, mit der man fertig gebratenes Rindfleisch oder Geflügel würzt - die nackte Essenz dessen, was im Spätmittelalter „salze“ hieß: eine säuerliche Würzbeigabe zum Braten. Der lebende Nachhall sitzt direkt auf jedem Esstisch: die Essig-Würz-Auflage zum Tafelspitz oder Suppenfleisch und die warme „vinaigrette“ als Säuretunke gehören in dieselbe Familie. Wer schon einmal Braten mit etwas Salz und einem Spritzer Essig aufgefrischt hat, hat dieses Rezept im Grunde nachgekocht.

Zum Wort saltzen im Titel: Der Titel nennt das Ergebnis als Substantiv - die „Salze“, also die Würztunke -, während der Rezeptkörper mit dem Imperativ Reib („reibe ein“) eine Handlungsanweisung gibt. Es geht also nicht darum, eine eigene Sauce im Mörser anzurühren, sondern das gebratene Fleisch mit Salz und Essig einzureiben oder zu beträufeln.

Zum Wort als: Reib als heißt „reibe alles“ - gemeint ist das Bratgut, das rundum mit Salz und Essig behandelt wird. essach ist die mittelbairische Schreibweise für Essig.

Praxis. Das fertig gebratene Fleisch noch warm mit Salz und Essig einreiben oder beträufeln, dann kurz durchziehen lassen. Das Original nennt keine Mengen; in der Praxis dominiert der Essig, das Salz kommt nach Geschmack dazu. Kein Garschritt, kein Gerät - eine schnelle, säuerlich-salzige Auffrischung für Braten aller Art.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-082-orig" n="saltzen" resp="#fyndling">Im Titel als Substantiv ‚Salze‘ zu lesen - eine würzige Tunke bzw. Würzbeize -, nicht als Verb ‚salzen‘. Der Rezeptkörper selbst beginnt dagegen mit dem Imperativ ‚Reib‘ (reibe ein).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-082-orig" n="essach" resp="#fyndling">Mittelbairisch-frühneuhochdeutsche Schreibweise für ‚Essig‘.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-082-orig" n="als" resp="#fyndling">Verkürzte fnhd. Form von ‚alles‘: ‚Reib als‘ = ‚reibe alles (das Bratgut) ein‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-082-orig" n="saltzen" resp="#fyndling">Salze (als würzige Tunke/Würzbeize, Substantiv)</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-082-orig" n="als" resp="#fyndling">alles (im Sinne von: das gebratene Fleisch / das Bratgut)</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-083-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Apfel-Honig-Latwerge, also ein dunkel eingekochtes Apfelkraut - kein frisches Würzsößchen, sondern eine durch stundenlanges Einkochen sirupartig-feste, lange haltbare Fruchtpaste. Die lebende Verwandtschaft ist das Rheinische Apfelkraut und die Powidl-Logik: Frucht so weit reduzieren, bis sie von selbst dunkel und streichfähig wird. Der Text gibt der Paste sogar einen festen Namen - doberis - und greift sie im Folgerezept (vgl. m5919-084) als bekannte Zubereitung wieder auf. 083 ist damit das namengebende Grundrezept.

honig tranck - Honig mit Wasser, nicht reiner Honig. Der honig tranck ist ein dünner Honig-Wasser-Ansatz, kein Met und kein purer Honig. Die Flüssigkeit braucht es anfangs, damit die Apfelscheiben garen und zerfallen können, ohne sofort anzubrennen. Gegen Ende kocht das Wasser weg, und die Masse dunkelt nach.

swartz oder prawn - die Farbe kommt vom Einkochen. Schwarz oder braun wird die Paste allein durch Reduktion und Karamellisierung des Fruchtzuckers und Honigs - kein Zusatz, kein Färbemittel, kein dunkles Bindemittel. Honig statt Zucker ist hier zeittypisch: Zucker war um 1500 in der Regensburger Küche teure Apothekerware.

Praxis. Saure Lageräpfel (Boskoop- oder Speidling-Typ) schälen, entkernen, dünn schneiden. In einen dünnen Honig-Wasser-Sud (grob ein Teil Honig auf zwei Teile Wasser, gut bedeckt) geben und in einem breiten, schweren Topf über mäßiger Hitze - am Lagerfeuer über Glut, nicht offener Flamme - einkochen. Anfangs nur gelegentlich umrühren; sobald die Masse eindickt, konstant rühren, sonst setzt sie am Boden an. Fertig ist sie, wenn sie dunkelbraun und streichfähig ist (das ist mit „schwarz oder braun" gemeint - reduziert, nicht verbrannt). Durch den hohen Honiganteil und die niedrige Restfeuchte hält sie kühl und vom Sud bedeckt gut ein Jahr. Sie lässt sich pur als Brotaufstrich, als süß-saure Beigabe oder als Füllung für Krapfen verwenden.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-083-orig" n="condiment" resp="#fyndling">Eine würzende Beigabe zu Speisen. Hier konkret eine süß-saure, dunkel eingekochte Apfelpaste (Apfel-Honig-Latwerge), die auch als Krapfenfüllung dient.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-083-orig" n="merck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#merck">Eine Rubrik- oder Kopfformel, die „merke!" oder „beachte!" bedeutet und nicht Teil des Rezeptnamens ist.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-083-orig" n="sandt marttenns tag" resp="#fyndling">Der Martinstag (11. November) markierte im mittelalterlichen Jahr die Erntemarke für späte, säurereiche Lageräpfel und war ein klassischer Termin für die Vorratshaltung über den Winter. „Nach dem Martinstag" meint also gut gelagerte, saure Äpfel.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-083-orig" n="honig tranck" resp="#fyndling">Ein Honig-Wasser-Ansatz (Honigsud) zum Einkochen, nicht Met und nicht purer Honig. Die Flüssigkeit lässt die Äpfel garen, bevor das Wasser am Ende wegkocht und die Masse eindickt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-083-orig" n="doberis" resp="#fyndling">Gesetzter Eigenname genau dieser Apfel-Honig-Latwerge - der Text sagt selbst „ditz condiment haist doberis". In m5919-084 wird „das doberis" als bereits bekannte Zubereitung wieder aufgegriffen, was dieses Rezept als das namengebende Grundrezept ausweist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-083-orig" n="doberis" resp="#fyndling">Gesetzter Eigenname dieser Apfel-Honig-Latwerge. Der Text benennt die Zubereitung ausdrücklich („ditz condiment haist doberis"), und das Folgerezept m5919-084 greift „das doberis" als bekannte, fertige Masse wieder auf - 083 ist damit das namengebende Grundrezept. Eine weitergehende Etymologie ist nicht gesichert und wird nicht behauptet.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-084-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht, sondern ein Halbzeug: ein hauchdünnes, in der Pfanne gebackenes Eierblatt, aus dem eine dünne Hülle für Pasteten oder Krapfen entsteht. Moderne lebende Verwandtschaft ist die Welt der dünnen Hüllteige - vom süddeutsch-österreichischen Strudelblatt bis zum Yufka/Filo: feine Blätter, die geschichtet und verbunden werden. Der Twin ri15632-054 ("czogens pachen") zeigt dieselbe Grundidee: erst ein dünnes Eierblatt backen, dann weiterverarbeiten.

Das plat von zwain ayr. Anders als "auswalzen" zunächst nahelegt, ist das Ausgangsblatt kein gerollter Mehlteig, sondern ein Eier-Flädle: zwei Eier verquirlen, in eine heiße, mit etwas Schmalz ausgeschwenkte Pfanne gießen und durch Schwenken hauchdünn über den Boden laufen lassen, bis es gerade stockt. So entsteht das "in der Dicke eines Halms" dünne Blatt. Mehrere davon backen.

Das doberis als Kleber. Die offene Stelle: "doberis" ist eine Seite zuvor (m5919-083) als eingekochtes Apfel-Honig-Kondiment benannt. Mit siedendem Wasser wird es so weit verdünnt, dass es als süß-klebrige, essbare Klebemasse dient. Wer das Kondiment nicht zur Hand hat, nimmt - wie im Nachbarrezept m5919-085 - verquirltes Ei als Kleber; der Effekt (Ränder verschließen, Blätter verbinden) ist derselbe.

Praxis. Backe mehrere dünne Eierblätter. Bestreiche die Ränder mit dem verdünnten Doberis (oder mit verquirltem Ei) und füge die Blätter an den vier Enden überzwerch (über Kreuz) zu einer größeren, tragfähigen Fläche zusammen, sodass eine durchgehende Hülle entsteht. Diese Hülle kann anschließend, wie im Twin, durch einen lockeren Eierteig gezogen und ausgebacken oder direkt als Pasteten-/Krapfenhülle gefüllt werden. Geduld beim Verbinden zahlt sich aus - reißt ein Blatt, einfach ein weiteres überlappend ankleben.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-084-orig" n="merck" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#merck">Eine Kopf- oder Rubrikformel ("merke"), die den Leser auf eine Anweisung hinweist. Kein Bestandteil des Rezepts und keine Zutat.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-084-orig" n="plat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Ein dünnes, in der Pfanne gebackenes Eierblatt - ein hauchdünner Eier-Flädle, vergleichbar einem sehr feinen Crêpe. Im selben Wortfeld steht der Twin ri15632-054 ("czogens pachen").</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-084-orig" n="doberis" resp="#fyndling">Unsichere Lesart. Im selben Manuskript ist "doberis" eine Seite zuvor (m5919-083, Fol. 024r) ausdrücklich als Eigenname eines eingekochten Apfel-Honig-Kondiments festgelegt ("ditz condiment haist doberis"), das laut 083 zum Krapfenbacken taugt. Hier bezeichnet "das doberis" am wahrscheinlichsten genau dieses Kondiment, das mit siedendem Wasser zur Klebemasse verdünnt wird. Eine Deutung als "Eigelb/Dotter" ist nicht belegt - der Schreiber notiert Dotter sonst als "totter".</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-084-orig" n="entberchs vber" resp="#fyndling">"entberchs" = entwerchs/überzwerch (der Schreiber setzt durchgehend b statt w), zusammen mit "vber" also "quer/über Kreuz". Die vier Enden werden überkreuz verbunden. Lesart plausibel, aber nicht restlos sicher.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-084-orig" n="halmm" resp="#fyndling">Ein Halm, der Stängel eines Grases - hier als Maß für die gewünschte Dünne des Eierblatts. Die Stelle ist auch in der Handnotiz des Scans markiert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-084-orig" n="doberis" resp="#fyndling">"nimm das doberis" bezieht sich auf das unmittelbar vorausgehende Rezept m5919-083, das "doberis" wörtlich als Eigennamen eines eingekochten Apfel-Honig-Kondiments festlegt ("ditz condiment haist doberis") und es zum Krapfenbacken empfiehlt. Das zähe Mus wird mit siedendem Wasser so weit verdünnt, dass es als essbarer Kleber dient ("das er kleben mog").</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-084-orig" n="entberchs vber" resp="#fyndling">"entberchs" = entwerchs/überzwerch (der Schreiber setzt regelmäßig b für w), mit "vber" zusammen "quer/über Kreuz": Die vier Enden werden überkreuz verbunden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-085-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Herzhafte, in Schmalz frittierte Teigtaschen mit einer Füllung aus geriebenem Käse, Eiern und gekochtem Speck - im Grunde ein frittierter Käse-Speck-Krapfen. Lebende Verwandte sind fränkisch-bairische Kiachla in herzhafter Lesart, italienische panzerotti ripieni und polnische gebackene pierogi. Dasselbe Käse-Speck-Ei-Gemenge findet sich europaweit (vgl. die gebackene casciata in ant-063); der Krapfen-Twin kkm-085 teilt das Verfahren des Ausbackens in Fett.

full salsen - die Füllung, keine Sauce. Trotz des Worts salsen ist hier eine feste, pastöse Farce gemeint, keine flüssige Würzsauce: Das Rezept sagt cleb das auf ain plat (drücke/pappe sie auf ein Teigblatt) - was man aufpappt, muss klebbar und fest sein. Käse und Ei verkleben beim Erhitzen, der bereits gekochte Speck ist entwässert und gar und gibt der Masse Halt.

plat des taigs - die Doppelblatt-Technik. Füllung auf ein dünn ausgerolltes Teigblatt geben, das zweite Blatt darüberklappen und die Ränder fest zusammendrücken - dieselbe Zwei-Blatt-Klebetechnik beschreibt das unmittelbar voranstehende Rezept m5919-084 ausführlich.

wurcz als fladen - würze wie Fladen. Eine Verweisformel auf ein anderswo bekanntes Würzschema für herzhafte Fladen; die Handschrift führt die Gewürze hier nicht aus. In der Praxis genügt herzhaftes Abschmecken (Salz, etwas Pfeffer).

Praxis. Die Füllung nicht zu nass ansetzen - nur so viel Ei, wie zum Binden nötig ist, sonst weicht das Teigblatt durch und die Krapfen platzen im Fett. Der gekochte Speck bindet bereits gut mit. Teigblatt dünn und gleichmäßig ausrollen, Ränder sorgfältig verschließen. Schmalz auf mittlere bis hohe Frittierhitze bringen; in wenigen Minuten sind die Krapfen goldbraun und gar. Für die Variante mit ayren vnd opfel Eier mit gewürfelten Äpfeln mischen - das ergibt die süßere Lesart desselben Grundrezepts.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-085-orig" n="krappfen" resp="#fyndling">Krapfen sind gefüllte, in Fett ausgebackene Teigtaschen, die sowohl herzhaft als auch süß sein konnten - nicht der moderne süße Berliner.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-085-orig" n="salsen" resp="#fyndling">Hier eine herzhafte, pastöse Würzfüllung (Farce), nicht eine flüssige Sauce. Das Verarbeitungsverb cleb (aufpappen) und die gleiche Käse-Speck-Ei-Masse im Schwesterkorpus (ant-063) sichern die Lesart als Füllung.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-085-orig" n="plat des taigs" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Ein dünn ausgerolltes Teigblatt; zwei davon werden mit der Füllung dazwischen zusammengeklebt (Technik ausführlich in m5919-084).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-085-orig" n="wurcz als fladen" resp="#fyndling">Verweisformel „würze wie Fladen“ - sie verweist auf ein anderswo bekanntes Würzschema für herzhafte Fladen, ohne dass die Handschrift die Gewürze hier nennt. Nicht „mit Fladen würzen“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-085-orig" n="salsen" resp="#fyndling">Füllung. Das auf ein Teigblatt drücken und darüber klappen verlangt eine feste, pastöse Masse, keine flüssige Sauce. Der Twin ant-063 (dieselbe Käse-Ei-Speck-Masse, in eine Kruste gefüllt) bestätigt die Lesart extern.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-086-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein frittiertes süßes Schmalzgebäck und Vorläufer unserer heutigen Krapfen-, Strauben- und Fastnachtsfamilie: hauchdünner Teig, in Streifen geschnitten, in Schmalz schwimmend ausgebacken und warm mit gewürztem Honig übergossen. Italienische Crostoli/Chiacchiere gehören in dieselbe lebende Verwandtschaft.

Der fnhd-Teig heißt nur ayr taig (Eierteig), doch Mehl gehört zwingend dazu - ein reiner Ei-Teig ließe sich nicht oblatendünn ausrollen. Der Schwesterbeleg von Meister Hans flaggt das Mehl ebenfalls als selbstverständliche, im Text ausgelassene Zutat.

Das gepfestem am Honig ist eine offene Schreiber-Stelle; der wortgleiche Meister-Hans-Beleg liest hier gepefferten - ein mit Pfeffer gewürzter, warmer Honig ist also die belegte Form des Toppings. Honig wurcz ist die im Original gleichberechtigt angebotene Alternative: erwärmter Honig mit weiteren Gewürzen.

Praxis. Für zwei Eier (Größe M) etwa 200-250 g Weizenmehl zu einem sehr festen, elastischen Teig kneten, der nicht mehr klebt. Hauchdünn ausrollen - wie eine Oblate -, sonst saugt sich das Gebäck mit Fett voll und wird zäh statt knusprig. In drei Finger breite, gut handlange Streifen schneiden und in reichlich auf 170-175 °C erhitztem Schmalz (oder Pflanzenöl) goldbraun schwimmend frittieren, dann kurz abtropfen lassen. Parallel den Honig sanft erwärmen, mit frisch gemahlenem Pfeffer (oder Zimt, Ingwer, Nelken) abschmecken, eine winzige Prise Salz hebt die Süße. Den warmen Honig sofort über das heiße Gebäck gießen und gleich servieren - frisch ist es am knusprigsten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-086-orig" n="hausen plater" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hausen">Der Beiname „Hausen-Blätter“ ist ein Form-Vergleich, keine Zutat: Die getrocknete Hausenblase (Schwimmblase des Hausen-Störs) war im Mittelalter teure Importware zur Klärung von Bier und Wein - dünn, langgestreckt, glasig-durchscheinend und leicht goldig. Genau so sehen die in Schmalz frittierten Teigstreifen aus: günstiges Gebäck, das wie kostbare Importware wirkt. Die Schreibung „plater“ (Blätter) stützt zusätzlich die schlichte Lesart als dünne Teig-Blätter; der Schwesterbeleg mha-085 hat an gleicher Stelle „hausen plasen“ (Blase).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-086-orig" n="oblat" resp="#fyndling">Eine Oblate ist ein sehr dünnes, ungesäuertes Gebäck, ähnlich einer Hostie - hier als Vergleich für die gewünschte Teigdicke („dünn wie eine Oblate“).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-086-orig" n="haidennischen" resp="#fyndling">„Heidnisch“ ist im spätmittelalterlichen Kochwortschatz ein etablierter Bezeichnungstyp für exotisch oder fremdländisch wirkende Speisen - selten mit religiöser Konnotation. Wahrscheinliche Herkunft: vom „Heidenkorn“ (Buchweizen, aus dem Osten importiert) oder von orientalisch inspirierten Gewürzen. Im Korpus mit ganz verschiedenen Speisetypen belegt (siehe bgs-005a, bgs-063, bgs-095).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-086-orig" n="honig wurcz" resp="#fyndling">Eine Honig-Würze ist ein mit Gewürzen aromatisierter, erwärmter Honig. Im Original alternativ zum „gepfefferten“ Honig angeboten - beide sind warme Würz-Toppings, einmal mit Pfeffer, einmal mit weiteren Gewürzen (Zimt, Ingwer, Nelken).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-086-orig" n="gepfestem" resp="#fyndling">Gelesen als „gepfeffertem“ (gepfefferter Honigtrank): Der fast wortgleiche Schwesterbeleg mha-085 (Meister Hans) hat an identischer Stelle „gepefferten honigk trannck“; ein mit Pfeffer gewürzter, warmer Honig ist die belegte Standardform dieser Speise. „gepfestem“ ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Verschreibung dafür - eine echte Schreiber-Crux, vom Schreiber so notiert (vgl. Handnotiz „gepfestem ?!“).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-086-orig" n="haidennischen" resp="#fyndling">Gelesen als „heidnisch“ im Sinne von „fremdländisch/exotisch“ - ein etablierter spätmittelalterlicher Bezeichnungstyp für ungewöhnlich wirkende Speisen. Plausible Herkunft vom „Heidenkorn“ (Buchweizen) oder von orientalischen Gewürzen; keine feste Etymologie. Im Korpus breit belegt (bgs-005a, bgs-063, bgs-095).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-087-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Zwei verwandte Apfel-Eier-Zubereitungen. Der Gukkelpip ist ein fester, mit der Gabel essbarer Apfel-Eier-Auflauf: zerdrücktes Apfelmus mit Eiern und Ingwer, auf ein dünnes Eierblatt gegossen und in der Pfanne goldrot gebacken - also ein dicker Apfel-Pfannkuchen, kein flüssiges Gericht. Daneben Apfelkrapfen, die du entweder als einfache Apfel-Kräuter-Fritter aus dem ersten Teig backst oder mit der Apfel-Ei-Masse füllst. Modern lebt das in den süddeutsch-bayerisch-tirolerischen Apfelküchle weiter, mit den Kräutern auch in der Salbeiküchlein-Linie.

Die Crux Gukkelpip. Der Name wirkt rätselhaft, ist es aber nicht: Die fast wortgleiche Schwesterfassung bei Meister Hans nennt dasselbe Gericht Gabel-Suppe - ein frühneuhochdeutsches Wort für eine feste, mit der Gabel essbare Speise im Gegensatz zur flüssigen Löffel-Suppe. Gukkelpip ist der Regensburger Lokalname für genau dieselbe Speise.

Wenig Schmalz, nicht keines. Im Original steht beim Schlussbacken in kainen smatz - eine Schreiberverschreibung. Die Schwesterfassung liest hier in ainem klainen schmalcz, also in wenig Schmalz. Eine reine Trockenpfanne wäre am offenen Feuer auch heikel: Der eihaltige Auflauf klebt und brennt leicht an. Backe daher in wenig Fett, bis der Boden goldrot ist.

Praxis. Schneide die Äpfel sehr dünn, dann garen und zerdrücken sie leichter. Zerdrücke das Apfelmus vollständig, rühre erst dann Eier (als Startpunkt 2-3 Eier auf 200-300 g Mus) und frisch geriebenen Ingwer unter und brate nur kurz mit, bis die Eier leicht stocken, aber cremig bleiben. Das Eierblatt ist eine dünne Omelette-Schicht in einer heißen Pfanne; gieße die Apfelmasse auf, solange das Eierblatt noch feucht ist, und backe bei mittlerer Hitze in wenig Fett, bis der Boden goldrot ist. Der häufigste Fehler sind übergare Eier oder zu trockene Äpfel - die Masse soll saftig und bindend bleiben. Zum Schluss bestreichst du das Ganze in einer Schüssel mit verquirltem Ei für Glanz. Serviere den Gukkelpip am besten lauwarm.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-087-orig" n="gekaut / gekraut" resp="#fyndling">Beide Schreibungen meinen dasselbe: gekräut(et) = mit Kräutern versehen. Belegt durch die Schwesterfassung mha-086, die gekrautter liest. Es geht also um gehackte Kräuter im Teig bzw. in der Apfelmasse - nicht um das Verb ‚kauen‘.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-087-orig" n="krappfel" resp="#fyndling">Eine frühneuhochdeutsche Form von ‚Krapfen‘, ein gefülltes oder ungefülltes Gebäck, das in Fett ausgebacken wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-087-orig" n="plat von ayren" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Ein Eierblatt: eine dünne Schicht geschlagener Eier in der heißen Pfanne, vergleichbar einem Omelett-Boden oder einer Crêpe, die hier als Basis für die Apfelmasse dient. Dieselbe Korpus-Technik findet sich in bgs-052.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-087-orig" n="pestreichs mit ainer schussel" resp="#fyndling">Der m5919-Schreiber hat hier ‚mit Eiern‘ ausgelassen. Die Schwesterfassung mha-086 liest bestreich es mit ayren In ain schussel - das Gericht wird abschließend in einer Schüssel mit verquirltem Ei bestrichen, eine Ei-Glasur für Glanz.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-087-orig" n="gukkelpip" resp="#fyndling">Der Regensburger Name für das Gericht, das die fast wortgleiche Fassung bei Meister Hans (mha-086) Gabel-Suppe nennt: eine feste, mit der Gabel essbare Apfel-Eier-Speise auf einem Eierblatt, keine flüssige Suppe. ‚Gukkel-‘ könnte eine dialektale oder lautmalerische Umformung von ‚Gabel‘ sein; das Gericht selbst ist über die Schwesterfassung eindeutig bestimmt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-087-orig" n="gukkelpip" resp="#fyndling">Der Regensburger Name für dasselbe Gericht, das die fast wortgleiche Fassung bei Meister Hans (mha-086) ausdrücklich gabel suppen nennt - ein frühneuhochdeutsches Idiom für eine feste, mit der Gabel essbare Speise (Gegensatz: flüssige Löffel-Suppe). Konkret ein dünnes Eierblatt mit Apfel-Eier-Auflage, in wenig Schmalz gebacken; modern verwandt mit süddeutschen Apfelküchle und Salbeiküchlein. Das Gericht ist damit eindeutig bestimmt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-087-orig" n="gekaut / gekraut" resp="#fyndling">Gekräut(et) = mit Kräutern versehen, also gehackte Kräuter im Teig bzw. in der Apfelmasse. Belegt durch die Schwesterfassung mha-086, die gekrautter liest; die Apfel-Kräuter-Linie deutet auf Salbei.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-087-orig" n="ymbirs" resp="#fyndling">Als ‚Ingwer‘ übersetzt, da dies ein gängiges Gewürz der Zeit war und gut zu sauren Äpfeln passt; die Schwesterfassung mha-086 liest ebenfalls ymber = Ingwer.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-087-orig" n="in kainen smatz" resp="#fyndling">In wenig Schmalz backen. ‚kainen smatz‘ ist eine Schreiberverschreibung; die Schwesterfassung mha-086 liest in ainem klainen schmalcz = in wenig Schmalz. Das ist auch küchentechnisch der gelingsichere Weg - ein eihaltiger Auflauf in der reinen Trockenpfanne klebt und brennt am offenen Feuer leicht an.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-087-orig" n="pestreichs mit ainer schussel" resp="#fyndling">Abschließend mit verquirltem Ei in einer Schüssel bestreichen (Ei-Glasur für Glanz). Der m5919-Schreiber hat ‚mit Eiern‘ ausgelassen; die Schwesterfassung mha-086 liest bestreich es mit ayren In ain schussel.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-088-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine warme, glatt passierte Eigelb-Wein-Creme mit Zucker - im Kern die Logik einer Zabaione bzw. eines Weinschaums, hier nur fester gebunden, weil die Masse allein über die Dotter und nicht über zusätzliches Mehl oder Brot bindet. Wer heute eine warme Weincreme oder ein Sabayon kennt, kennt den nächsten lebenden Verwandten.

Maß und Mengen. Das Rezept nennt hundert ayerr, davon nur die Dotter, dazu ein achtel weins. Ein Achtel ist ein kleines Schöpfmaß, kein Liter-Maß - die Größenordnung liegt eher bei einem knappen Achtelliter (etwa 0,1-0,15 l) als bei den oft kolportierten 0,7-0,8 Litern. Auf hundert Dotter ist das auffällig wenig Wein; genau diese magere Wein-zu-Dotter-Relation hat schon der frühere Bearbeiter mit einem Fragezeichen markiert. Die kleine Weinmenge ist hier Aroma und Verflüssiger, nicht die Hauptmasse - viel mehr Wein würde die Bindung erschweren und widerspräche dem Anspruch ein Mus (also dick).

Das Fett. Frische Butter ist erste Wahl; frisch putten nit enhast - hast du keine frische Butter, nimm gutes Schmalz an ihrer Statt. Das Fett ist nicht nur Geschmack, sondern Gerinnungsbremse: Es puffert die reine Dottermasse, damit sie beim Erhitzen nicht sofort zu Rührei flockt.

Das Glätten. Das Wort vavreti ist verderbt überliefert; küchenpraktisch und im Korpus-Vergleich meint es durchstreichen bzw. passieren - die gestockte Masse durch ein Seihtuch treiben oder fein glatt rühren, dass es slecht werde als ein glaß, also glatt wie Glas. Die Schwesterfassung mar-098 verlangt für dasselbe Eigelb-Zucker-Fett-Mus ausdrücklich das Passieren durch die stamegna, das Seihtuch - genau dieses Durchschlagen rettet die Konsistenz, falls sie leicht flockt.

Praxis. Die Dotter von hundert Eiern (für den Hausgebrauch entsprechend herunterrechnen, etwa 8 Dotter auf 1 Esslöffel Wein) mit dem wenigen Wein glattrühren. Das Fett zugeben und alles über sehr sanfter Hitze - am besten im Wasserbad bzw. Topf im heißen Wasserkessel - unter ständigem Rühren langsam zu einer Creme binden lassen; niemals stark aufkochen, sonst gerinnt es. Die gebundene Masse durch ein feines Sieb oder Tuch streichen, bis sie glatt wie Glas ist, dann mit Zucker abschmecken. Nicht versalzen. Die sanfte Wasserbad-Führung ist genau das Verfahren, das auch die Schwesterfassung m384-060 für gestockte Ei-Massen nutzt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-088-orig" n="toatern" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, um 1500) für ‚Dotter', also Eigelb.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-088-orig" n="achtel weins" resp="#fyndling">Ein ‚Achtel' war ein kleines historisches Schöpf-/Flüssigkeitsmaß, kein Liter-Maß. Die Größenordnung liegt grob bei einem knappen Achtelliter (etwa 0,1-0,15 l) und ist regional wie zeitlich stark schwankend - keine feststehende Menge. Auf hundert Dotter ist das auffällig wenig Wein.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-088-orig" n="putten" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch ‚Butten' für Butter. Der Schreiber setzt durchgehend ‚b' statt ‚w/v', was typisch für den mittelbairischen Dialekt ist (vgl. ‚voon').</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-088-orig" n="smaltz" resp="#fyndling">Schmalz, tierisches Fett. Eine gängige Alternative zu Butter, besonders in der Fastenzeit oder bei Nichtverfügbarkeit von frischer Butter.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-088-orig" n="gemuß" resp="#fyndling">Ein ‚Mus' bezeichnete im Mittelalter eine breiige, oft pürierte Speise, die sowohl herzhaft als auch süß sein konnte.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-088-orig" n="slecht" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsch für ‚glatt', ‚eben' oder ‚schlicht'. Hier im Sinne einer sehr feinen, homogenen Konsistenz.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-088-orig" n="vavreti" resp="#fyndling">Verderbt überliefert; im Küchensinn ‚(durch)treiben', also die Masse durch ein Tuch oder Sieb passieren und glattstreichen. Der Schreiber setzt b/v/f wechselhaft (vgl. ‚putten', ‚voon'), was die Lesart erschwert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-088-orig" n="vavreti" resp="#fyndling">‚Durchstreichen / passieren' - die gestockte Masse durch ein Tuch oder Sieb treiben und glattstreichen, bis sie glatt wie Glas ist. Mittelbairisch für (ver)treiben (b/v/f-Wechsel wie ‚putten', ‚voon').</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-089-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein weisses gemus - die deutsche Form des Blancmanger, der weißen Mandel-Hühner-Speise der spätmittelalterlichen Hochküche. Modern gedacht: ein cremiger, zart gesüßter Hühnerbrei, eine Art feines Pulled-Chicken-Püree. Das klain hacken des Brustfleischs ist genau diese Geste - das Zerfasern und feine Zerkleinern, das in den verwandten Rezepten zeisen oder ‚teere it small‘ heißt.

Eine Anschlussnotiz, kein vollständiges Rezept: Der Eintrag beginnt mit wildu mer von weisen gemus han - ‚wenn du mehr von dem weißen Mus haben willst‘. Das knüpft an ein unmittelbar vorausgehendes weißes Mus an (im Cgm 5919 steht davor ein verwandtes gemus) und sagt nur, was man zusätzlich tut: Mandeln und weißes Hühnerfleisch dazunehmen. Grundflüssigkeit und Bindung - bei dieser Speisefamilie durchweg Mandelmilch und ein wenig Reis oder Reismehl - nennt der Text deshalb gar nicht; sie sind aus dem Bezugsrezept mitzudenken. Wer nur diese Zeilen liest, hält ein Rumpfrezept in der Hand, kein autarkes Vollrezept.

Zu wicht: Der Satz aber das ander wirt garen wicht endet auf ein Wort, das sich nicht sicher deuten lässt - vermutlich ein Schreiberlapsus (für nicht oder leicht). Wir lesen die Stelle neutral als ‚das Übrige lässt du gar werden‘. Eine Bedeutung ‚sämig/dicht‘ ist nicht belegt; die cremige Konsistenz kommt real von der Mandelmilch- und Reisbindung des Bezugsrezepts.

Zum Schmalz: Das halbe Pfund (rund 250 g) Schweineschmalz ist viel - in dieser Speisefamilie ist das helle Fett Garmedium und Schmelz zugleich. Die verwandten Rezepte ziehen das Geflügel sanft im hellen Fett gar; das Fett gibt Fülle, ohne Farbe einzubringen.

Praxis. Eine Hühnerbrust in wenig Wasser oder heller Brühe sanft gar ziehen, dann sehr fein hacken und zerzupfen (klain hacken). Geschälte Mandeln fein mahlen und mit etwas der Garflüssigkeit zu einer dicken Mandelmilch anrühren; ein gestrichener Esslöffel Reismehl bindet wie in der Sippe. Fleisch, Mandelmilch und das Schweineschmalz (zum Mitkochen 2-3 EL, nicht zwingend die vollen 250 g) im Topf bei kleiner Hitze sämig einkochen, dabei rühren. Mit Zucker und einer Prise Salz abschmecken. Wichtig: weiß bleibt weiß - kein Safran, keine dunkle Würze, keine Färbung.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-089-orig" n="gemus" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für ‚Mus‘ oder ‚Brei‘ aus zerstoßenen oder fein gehackten Zutaten. Das weisse gemus ist der deutsche Name für ein Mitglied der Blancmanger-Familie - der weißen Mandel-Hühner-Speise der spätmittelalterlichen Hochküche. {auto}: /rezepte/grundlagen/#blancmanger</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-089-orig" n="wicht" resp="#fyndling">Unklare Stelle: aber das ander wirt garen wicht. Das Wort wicht am Satzende lässt sich nicht sicher deuten - am ehesten ein Schreiberlapsus (etwa für nicht oder leicht). Eine Bedeutung ‚sämig/dicht‘ ist lexikalisch nicht belegt; die cremige Konsistenz, die ein solches Mus tatsächlich hat, stammt von der Mandelmilch- und Reisbindung des Bezugsrezepts, nicht von diesem Wort.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-089-orig" n="wicht" resp="#fyndling">Wortlaut unklar (wahrscheinlich Schreiberlapsus)</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-090-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein feines, dunkel gebundenes Reh-Mus - ein glattes Wildpüree, dem das nächste lebende Pendant ein fein passiertes Rehragout bzw. ein fränkisch-böhmischer Wildpfeffer ist. Der Text ist nur ein Merkposten; das vollständige Verfahren lebt in den verwandten Rezepten kkm-068 (Reh-Mus mit Lebkuchen-Bindung, durch ein Tuch gestrichen) und sev-009 (durch ein Tuch passiertes Reh-Ragout in Blut-Wein-Sauce).

Die Blutgrundlage. Die Wendung varb von den lemberen meint das geronnene Blut von den Lämmern: Im fast wortgleichen Schwester-Rezept mha-251 steht an dieser Stelle swaiss (Schweiß = Blut). Das fein gehackte Lammblut gibt dem Mus Farbe, Bindung und Tiefe - dieselbe Rolle, die in kkm-068 der Lebkuchen und in sev-009 das geröstete Brot übernimmt. Geronnenes Blut bekommst du beim Metzger auf Vorbestellung; ersatzweise zerbröselte Blutwurst oder geronnenes Rinderblut.

Vom Hacken zum Mus. Der Quelltext nennt nur hack dy wilpret clain - fein hacken. Der eigentliche Mus-Gang fehlt und ist aus den Twins zu ergänzen: das Wildbret weich schmoren, dann mit dem gehackten Blut durch ein Tuch zum glatten Mus streichen. rain (rein, glatt) ist das Ziel - keine Sehnen, keine Stücke.

Praxis. Etwa 600 g Rehfleisch (Schulter oder Keule) in Wein und kräftiger Brühe in 60-90 Minuten weich schmoren. 2-3 Esslöffel geronnenes Lammblut (oder zerbröselte Blutwurst) sehr fein hacken. Das weiche Fleisch mit der Schmorflüssigkeit und dem Blut im Mörser zerstoßen oder pürieren und durch ein grobes Tuch streichen, bis das Mus glatt ist. Mit Pfeffer und Salz abschmecken; das Blut bindet beim sanften Erhitzen, dabei nicht mehr kochen lassen, sonst flockt es.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-090-orig" n="gemuß" resp="#fyndling">Ein ‚Mus‘ bezeichnet im Mittelalter eine breiige, fein zerkleinerte oder passierte Speise - hier ein glattes Wildpüree, kein süßes Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-090-orig" n="varb" resp="#fyndling">‚Farbe‘ - im Korpus durchgehend in der Bedeutung färben belegt. Hier die dunkle, färbende und bindende Grundlage, also das Blut: Im fast wortgleichen Schwester-Rezept mha-251 (Meister Hans) steht an genau dieser Stelle ‚swaiss‘ (Schweiß = Blut). Derselbe Cgm-5919-Schreiber nennt diese dunkle Bindung auch in m5919-040 ‚farb‘ (‚das mus praun oder schbarcz‘). Die Lesart ‚Haut/Fell‘ ist im Korpus nicht belegt. Zusätzlich extern bestätigt: Das Grimm'sche DWB führt unter ‚Farbe‘ (Sinn 9, Jägersprache) ausdrücklich ‚dem jäger ist farbe bald das haar des hirsches, bald cruor, blut, schweisz‘ - ‚Farbe‘ war also ein feststehender Weidmanns-Fachbegriff für das Blut des Wildes, nicht nur eine Cgm-5919-Eigenheit.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-090-orig" n="lemberen" resp="#fyndling">‚Lämmer‘ (fnhd. Plural lember/lemmer). Eindeutig durch den Formel-Zwilling mha-251, der dieselbe Wendung ‚den swaiss von den lemberen‘ als Lammblut führt. Nicht ‚Lenden‘ - das hieße fnhd. lende und hätte kein -mb-.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-090-orig" n="rain" resp="#fyndling">‚Rein‘, glatt, sauber - hier ein allgemeines Gütesiegel der Speise. Steht im Zwilling mha-251 parallel zu ‚guot‘ (‚so wirt das willpraet guot‘): das fein gehackte Lammblut macht das Mus dunkel, sämig und gleichmäßig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-090-orig" n="dy varb von den lemberen" resp="#fyndling">‚Das (geronnene) Blut von den Lämmern‘, fein gehackt als färbende und bindende Grundlage des Wild-Mus. Belegt durch den fast wortgleichen Formel-Zwilling mha-251 (Meister Hans): ‚Nym den swaiss von den lemberen vnd hack In klain So wirt das willpraet guot.‘ Hier steht statt ‚swaiss‘ (Blut) das ‚varb‘ (Farbe) - dieselbe dunkle Blutgrundlage, vom Schreiber über ihre färbende Wirkung benannt (vgl. m5919-040 desselben Schreibers: ‚das mus praun oder schbarcz‘). lemberen = Lämmer (fnhd. lember/lemmer), nicht Lenden. Zusätzlich unabhängig gestützt durch die historische Jägersprache: Das Grimm'sche DWB belegt ‚Farbe‘ als feststehenden Weidmanns-Begriff für das Blut/den Schweiß des Wildes - die Lesart beruht also nicht mehr nur auf dem einen Korpus-Zwilling.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-091-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein weyß mus - die deutsche Form des Blancmanger, der weißen Mandel-Fleisch-Speise der spätmittelalterlichen Hochküche, hier in der Schweine-Variante. Modern gedacht: ein zart gesüßtes, helles Pulled-Pork-Püree in Mandelcreme. Was heute im Wort ‚Blancmanger' nur noch als süßer Mandelpudding überlebt, ist hier noch das herzhafte Original-Fleischgericht. Das hack es dann klain ist die Kerngeste - das feine Zerkleinern und Zerfasern des gegarten Fleischs.

Eine Anschlussnotiz, kein vollständiges Rezept: Der Eintrag beginnt mit wildu dan ain weyß mus hann - ‚willst du dann ein weißes Mus haben'. Das ‚dann' knüpft an das unmittelbar davorstehende Hühner-Mus (m5919-089, gleiches Folio 025r) an und sagt nur, was man hier anders macht: statt Huhn nimmt man Schweinefleisch. Grundflüssigkeit und Bindung - bei dieser Speisefamilie durchweg Mandelmilch und ein wenig Reis oder Reismehl - nennt der Text deshalb gar nicht; sie sind aus dem Bezugsrezept mitzudenken. Wer nur diese Zeilen buchstabengetreu nachkocht (Fleisch sieden, hacken, Mandeln, Zucker), bekommt eine trockene, körnige Masse ohne Bindung - kein sämiges Mus.

Zu mager vnd vaist: Mageres und fettes Schweinefleisch werden bewusst gemischt. Das fette Stück liefert Schmelz und Geschmeidigkeit und hilft der Bindung, das magere die Substanz. Rein mageres Fleisch geriete trocken-körnig.

Zu hacken statt Stoßen: Der Text sagt ausdrücklich hack es klain (Brett und Wiege-/Messer), nicht ‚stoßen' im Mörser wie die Mortrews-Twins foc-044/m5919-060. m5919-091 ist damit die gröbere, schnellere Hack-Variante. Wer es feiner mag, kann das gehackte Fleisch zusätzlich im Mörser stoßen.

Zu sieden an dy stat: Diese Stelle ist unsicher; wir lesen sie als schlichte Garformel ‚bis es gar ist', nicht als ‚an Ort und Stelle kochen'. Für die Küche heißt das einfach: das Fleisch sanft gar sieden.

Praxis. Mageres und fettes Schweinefleisch zusammen in wenig Wasser oder heller Brühe sanft gar sieden (je nach Stück rund 45-75 Minuten), dann auf dem Brett fein hacken und zerfasern. Geschälte Mandeln fein mahlen und mit etwas der Garflüssigkeit zu einer dicken Mandelmilch anrühren; ein gestrichener Esslöffel Reismehl bindet wie in der Sippe. Fleisch und Mandelmilch im Topf bei kleiner Hitze sämig einkochen, dabei rühren, damit nichts ansetzt. Mit Zucker süßen, nur eine Prise Salz als Gegengewicht - nicht versalzen. Wein braucht es nicht. Wichtig: weiß bleibt weiß - kein Safran, keine dunkle Würze, keine Färbung.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-091-orig" n="weyß mus" resp="#fyndling">Das weyß mus ist der deutsche Name für ein Mitglied der Blancmanger-Familie - der weißen Mandel-Fleisch-Speise der spätmittelalterlichen Hochküche. Hier in der Schweine-Variante (sonst meist Huhn, Kapaun oder Fastenfisch). {auto}: /rezepte/grundlagen/#blancmanger</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-091-orig" n="mus" resp="#fyndling">Ein ‚Mus' bezeichnet im Mittelalter eine breiige oder pastetenartige Speise aus zerstoßenen oder fein gehackten Zutaten (Fleisch, Fisch, Gemüse, Mandeln).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-091-orig" n="rain" resp="#fyndling">Bedeutet ‚rein', ‚sauber', ‚hell'. Im weißen Mus ist das die Blancmanger-Programmatik: weiß = Reinheit, Eleganz und Status. Erreicht wird sie durch helle Zutaten und den Verzicht auf färbende Würze (kein Safran, keine dunkle Würze), nicht durch ein eigenes Bleich- oder Färbemittel.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-091-orig" n="sieden an dy stat" resp="#fyndling">Unsichere Stelle: las es sieden an dy stat. Am ehesten eine schlichte Garformel (‚gar sieden') bzw. ‚alsbald/dann sieden'. Die wörtliche Lesart ‚an Ort und Stelle / vor Ort kochen' ist nicht gesichert und sollte nicht als Lagerkoch-Hinweis missdeutet werden; in der Blancmanger-Sippe meint die Garanweisung schlicht ‚bis es gar ist'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-091-orig" n="sieden an dy stat" resp="#fyndling">‚sieden, bis es gar ist' (schlichte Garformel)</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-092-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine dreifarbige Schau-Sülze aus gesüßter, dicker Mandelmilch, mit Hausenblase schnittfest gestockt: drei getrennt erstarrte Schichten in Grün, Weiß und Gelb, zickzackförmig geschnitten und auf der Schüssel farblich abwechselnd geschichtet. Heute erinnert das an ein dreifarbiges Schicht-Panna-Cotta oder eine feste, schnittfähige Mandel-Götterspeise - rein pflanzlich (das Tier liefert nur das Geliermittel), damit fasten- und vegetariertauglich.

Die grüne Schicht (grune farbe). Der Regensburger Schreiber hat hier gekürzt: im Text klingt es, als werde die Mandelmilch durch das Süßen mit Zucker grün - das ergibt physikalisch keinen Sinn, Mandelmilch und Zucker bleiben weiß. Der wortgleiche Manuskript-Zwilling m5919-057 und der kanonische Twin koe-017 lösen die Stelle eindeutig: dem ersten Drittel wird fein gehackte Petersilie (bzw. ihr durchgepresster Saft) zugegeben - davon wird es grün. Der grüne Farbstoff ist im m5919-Text also schlicht ausgefallen.

Die zwei übrigen Teile (zwaitail). Die Wendung meint nicht einen "zweiten Teil" in einer Reihenfolge, sondern die zwei restlichen Drittel (koe-017: disse zwey theill) - die ungefärbte Masse, aus der Weiß und Gelb werden. Das Gelb kommt periodentreu von Safran (so koe-017), nicht von späteren Färbemitteln.

Hausenblase als Geliermittel (haussen plattern). Das ist die getrocknete Schwimmblase des Hausens (Isinglass), reines Kollagen und ein klassisches Sülz-Geliermittel - nicht das Fischfleisch. Die Speise selbst enthält keinen Fisch.

Praxis. Hausenblase in Wasser weich kochen, bis das Kollagen gelöst ist; modern ersetzbar durch etwa 6-10 Blatt Gelatine je Liter (Fischgelatine, wenn fastentauglich gewünscht). Die süße Mandelmilch dritteln: ein Drittel mit durchs Tuch gepresstem Petersiliensaft grün, ein Drittel mit eingeweichtem Safran gelb, ein Drittel weiß. Jede Farbe einzeln aufkochen, getrennt in flache Formen (pfennlein) gießen und kühl schnittfest stocken lassen. Zum Anrichten jede Platte kurz über die Hitze halten, schnell wieder abziehen (die Oberfläche schmilzt minimal an und löst sich), auf ein Brett stürzen, zickzackförmig schneiden und die Stücke farblich abwechselnd auf der Schüssel schichten. Kühlung ist Voraussetzung fürs Stocken - ohne kontrollierte Kälte kein schnittfestes Ergebnis.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-092-orig" n="gesutzte mandel" resp="#fyndling">Eine ‚gesülzte Mandel' ist hier keine Mandel im modernen Sinne, sondern eine Sülze oder Gallerte auf Basis von Mandelmilch. Der b-für-w-Schreiber des Cgm 5919 schreibt zwar nahe an ‚gesüßt', gemeint ist aber das Stocken zur Gallerte - die Hausenblase als Geliermittel bestätigt die Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-092-orig" n="haussen plattern" resp="#fyndling">‚Hausenblase' ist die getrocknete Schwimmblase des Hausens (einer Störart), reines Kollagen und ein klassisches natürliches Geliermittel für Sülzen und Gelees. Es geht hier ausdrücklich nur um die Blase als Bindemittel, nicht um das Fischfleisch - die Speise selbst ist Mandelmilch-basiert.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-092-orig" n="grune farbe" resp="#fyndling">Der grüne Farbstoff ist im m5919-Text ausgefallen: laut dem Zwilling m5919-057 und dem kanonischen Twin koe-017 wird das erste Drittel mit fein gehackter Petersilie (bzw. ihrem Saft) grün gefärbt. Zucker färbt nichts grün - die wörtliche Lesart des verkürzten Textes ist eine Schreiber-Auslassung.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-092-orig" n="versewd" resp="#fyndling">‚versewd' = versiede/koche durch (b-für-w beim Cgm-5919-Schreiber, vgl. koe-017 versewdtt). Die Hausenblase wird in Wasser weich gekocht, bis ihr Kollagen gelöst ist.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-092-orig" n="schaff zegellacht" resp="#fyndling">Schachbrettartig: zu mhd. schâchzabel (Schachbrett). Das Gericht wird in gleichmäßige Quadrate geschnitten und farblich abwechselnd wie die Felder eines Schachbretts angeordnet. Die sauberen Abschriften m5919-057 (schach zaglatt), koe-017 (schagzaglett) und mha-261 (schaffczaglat) belegen die Lesart; die verschriebene Form schaff zegellacht ist dasselbe Wort - nicht „Schafzacken“ (mhd. zagel = Schwanz, kein Schnittbegriff).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-092-orig" n="gesutzte" resp="#fyndling">‚Gesülzt' im Sinne von ‚zu einer Sülze oder Gallerte verarbeitet'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-092-orig" n="zwaitail" resp="#fyndling">‚Diese zwei (übrigen) Teile' - die zwei restlichen Drittel der Masse, aus denen Weiß und Gelb werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-092-orig" n="schaff zegellacht" resp="#fyndling">schachbrettartig in Quadrate geschnitten - von mhd. schâchzabel (Schachbrett); die Stücke werden anschließend abwechselnd farbig angeordnet. Die „Schaf-/Wollkarden-Zacken“-Deutung ist eine Verlesung der korrupten Schreibung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-093-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein frittiertes Eier-Schaugericht: drei dünne, einfarbig gebackene Eierfladen (grün, weiß, gelb) werden gestapelt, in gezackte Streifen geschnitten, auf Spießchen gesteckt, durch einen Ausbackteig gezogen und in Schmalz frittiert; nach dem Aufschneiden zeigt jedes Stück seine drei Farbschichten. Lebende Verwandtschaft: ein buntes Schicht-Omelett bzw. ein frittiertes Krapfen-/Apfelküchle, dessen Schauwert wie bei einer aufgeschnittenen Terrine im Anschnitt liegt.

Die drei Farben (gruns/weiß/gel plat). Damit drei klar getrennte Farben entstehen, führt man das grüne Blatt aus Eiweiß und fein gehackter Petersilie, das weiße aus steif geschlagenem Eiweiß, das gelbe aus dem Dotter - so liest es auch der Paralleltext mha-262. Der Regensburger Text sagt zwar ‚von den toteren‘ (aus dem Dotter) fürs grüne Blatt; folgt man dem wörtlich, bekommt man zwei kaum unterscheidbare gelbliche Fladen statt eines satten Grüns. Für den Schaueffekt also Petersilie auf hellem Eiweiß-Untergrund führen.

Der gezackte Schnitt (schafze gelacht). Die gestapelten Fladen werden in gezackte (zickzackförmige) Streifen geschnitten - eine Dekorschnittform nach dem Muster der Zinken einer Wollkarde, nicht einfach in Würfel.

Praxis. Eiweiß steif schlagen. Die drei Fladen einzeln bei moderater Hitze backen und nicht bräunen - die Farben müssen rein bleiben; nur dünn Schmalz in die Pfanne geben. Stapeln mit dem grünen Blatt in der Mitte, in gezackte Streifen schneiden und aufspießen. Der Ausbackteig aus Eiern und Wasser soll dickflüssig genug sein, um zu haften und den dünnen Stapel zusammenzuhalten, aber nicht zu dick; gelb färben (periodentreu mit Dotter oder etwas Safran). In etwa 170 Grad heißem Schmalz frittieren, kurz abtropfen lassen, die Spießchen ziehen, der Länge nach aufschneiden und reichlich zuckern. Sparsam salzen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-093-orig" n="plat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Ein ‚Plat‘ ist hier ein dünner Eierkuchen oder Fladen, der in der Pfanne gebacken wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-093-orig" n="schafze gelacht" resp="#fyndling">Schachbrettartig: zu mhd. schâchzabel (Schachbrett). Das Gericht wird in gleichmäßige Quadrate geschnitten und farblich abwechselnd wie die Felder eines Schachbretts angeordnet. Die sauberen Abschriften m5919-057 (schach zaglatt), koe-017 (schagzaglett) und mha-261 (schaffczaglat) belegen die Lesart; die verschriebene Form schafze gelacht ist dasselbe Wort - nicht „Schafzacken“ (mhd. zagel = Schwanz, kein Schnittbegriff).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-093-orig" n="smaltz" resp="#fyndling">Tierisches Schmalz war das gängige Bratfett der Zeit. Für eine vegetarische Variante kann Pflanzenöl verwendet werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-093-orig" n="schafze gelacht" resp="#fyndling">schachbrettartig in Quadrate geschnitten - von mhd. schâchzabel (Schachbrett); die Stücke werden anschließend abwechselnd farbig angeordnet. Die „Schaf-/Wollkarden-Zacken“-Deutung ist eine Verlesung der korrupten Schreibung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-093-orig" n="drit gel" resp="#fyndling">das dritte, gelbe Blatt aus dem Dotter. Der Cgm-5919-Schreiber hat die Backanweisung für das gelbe Blatt verkürzt; der nahezu wortgleiche Paralleltext bei Meister Hans (mha-262) hat sie aber ausdrücklich (‚mach denn ein gelbs plat vnd thue den totter auch heraus‘). Damit ist die dritte, gelbe Schicht durch den Twin belegt, nicht nur erschlossen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-094-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine frische Wild-Bratwurst: mageres Rehfleisch wird mit fettem Schweinefleisch und gewürfeltem Speck gestreckt, in Schweinedarm gefüllt und gebraten - der direkte Vorfahr der Hirsch- und Reh-Bratwurst, wie sie heute beim Wildmetzger über die Theke geht, serviert mit einer süßlich-würzigen Mandel-Wein-Sauce. Sie ist der unmittelbare Zwilling von m5919-095 (Rebhuhn-Variante desselben Schreibers, gleiches Folio) und gehört zur weiteren Wurst-Familie um mar-022 (Cervelat).

Frisch gebraten, nicht gebrüht oder geräuchert. Anders als die Cervelat (mar-022, eine gebrühte Wurst) oder die Salami (mar-023, kalt geräuchert und getrocknet) ist dies eine Frischwurst zum Sofortverzehr. Der Text sagt klar prot sy dann schon ("brate sie dann schön") - keine Pökelung, keine Reifung, kein Geliermittel.

Mageres Wild braucht Fett. Reh ist sehr mager und würde als reine Wildwurst trocken und bröckelig. Deshalb der Schweinebraten und der gewürfelte Speck (speck klain wurfflat, gewürfelter Speck) - sie bringen Saft und Bindung. Als Faustzahl sollten etwa 25-30 Prozent Fettanteil in die Masse. Fehlt Schweinefleisch, nennt der Text Klappfleisch (klapprat, minderwertige Abschnitte) als Streck-Ersatz.

Bindung nur über Fett und feines Hacken. Anders als der Zwilling 095, der geriebene Semmel als Binder zugibt, kommt diese Wurst ohne Brotbinder aus - sie bindet allein über das Fett und das feine Hacken. Für eine grobe Bratwurst ist das völlig in Ordnung.

Die Sauce ist separat. Mach mandel vnd von wein von Imber ist - wie die ausdrücklich genannte salssen im Zwilling 095 - eine eigens angesetzte Mandel-Wein-Ingwer-Sauce zum Anrichten, keine Zutat in der Wurstmasse. Mandeln, Wein und Ingwer gehören also in die Sauce, nicht in die Farce. Ein eigenständiges, voll ausgeführtes Rezept genau dieser Sauce - Mandeln, Wein und weißer Ingwer - steht im Korpus als foc-127 (Kalte Mandel-Gewürz-Sauce).

Praxis. Reh und gut durchwachsenes Schweinefleisch im Verhältnis etwa 2:1 fein hacken oder grob durch den Wolf lassen, Speck in feine Würfel schneiden und unterheben, mit Kümmel und frisch geriebener Muskatnuss würzen. In gewässerten Naturdarm füllen, abdrehen und über mäßiger Glut rundum ~20-30 Minuten braten. Für die Sauce gemahlene Mandeln mit Wein angießen, mit Ingwer würzen, kurz aufkochen und zur Wurst reichen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-094-orig" n="klapprat" resp="#fyndling">Klappfleisch - minderwertige Fleischabschnitte, die als Streck-Ersatz dienen, wenn kein Schweinebraten zur Hand ist. Ein echtes Metzger-Fachwort der Zeit.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-094-orig" n="wurfflat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#wurfflat">Gewürfelt, in kleine Würfel geschnitten (hier auf den Speck bezogen). Das 'b' für 'w' ist eine typische mittelbairische Schreibweise dieser Zeit; im Schwesterrezept m5919-095 steht dasselbe Wort als 'wurflat'.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-094-orig" n="mustat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">mustat = Muskatnuss (Status-/Importgewürz). Bei „streich mustat darunter“ wäre auch Muskatblüte (Macis) denkbar - die teurere Würze passt zum betonten „kostlich“, mit etwas Wein/Rosenwasser im Mörser zur Paste gerieben. Blankes mustat ist im Korpus aber meist die Nuss (Cgm 725: muscat vs muscatplud). Senf ist es nicht (Schreiber nutzt senft).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-094-orig" n="reheneren / Rerhuer / Rehun" resp="#fyndling">Alle drei Formen meinen schlicht Reh bzw. Rehfleisch - es sind Schreib- und Flexionsvarianten durch die mittelbairische Orthographie des Schreibers. 'las das prat schon von Rehun' heißt 'löse das Bratfleisch sauber vom Reh'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-094-orig" n="klapprat" resp="#fyndling">Klappfleisch, also minderwertiges oder weniger begehrtes Fleisch, das oft für Wurst oder Füllungen verwendet wurde, wenn kein hochwertigeres Fleisch zur Verfügung stand.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-094-orig" n="wurfflat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#wurfflat">Gewürfelt, also in kleine Würfel geschnitten (auf den Speck bezogen). Das 'b' für 'w' ist eine typische mittelbairische Schreibweise dieser Zeit. Das Schwesterrezept m5919-095 hat in derselben Specksyntax 'speck klain wurflat' - auch dort gewürfelter Speck.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-094-orig" n="hin wegtt" resp="#fyndling">Stehende Schlussformel 'gib es dann hinweg' = trag es auf, gib es weiter zum Servieren. Der Zwilling m5919-095 hat wortgleich 'gib es dann hin weg'; das doppelte 't' in 094 ist eine Schreiber-Eigenheit. Da die Wurst gebraten und mit frischer Sauce gereicht wird, ist Konservierung ausgeschlossen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-095-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gebratene Wildgeflügel-Bratwurst: Rebhuhnfleisch wird von Hand mit Schweine- (ersatzweise Kalb-) Bratenfleisch und gewürfeltem Speck zerhackt, mit Kümmel und Muskat gewürzt, in Schweinedarm gefüllt und gebraten - dazu eine helle Mandel-Wein-Ingwer-Sauce. Es gehört zum Bratwurst-Zweig (nicht zur gebrühten Cervelat oder zur getrockneten Salami) und ist der direkte Verwandte unserer heutigen Wild- und Grobbratwurst. Es ist die Zwillingsmethode der Rehwurst auf demselben Blatt (vgl. m5919-094), nur mit Rebhuhn statt Reh.

Warum Schwein und Speck dazu? Rebhuhn ist mageres, trockenes Wildfleisch. Schweine- oder Kalbsbraten plus Speck bringen den Fettanteil, der die Wurst saftig und bindefähig macht - dieselbe Streck- und Fettungslogik wie beim Reh-Zwilling. Faustregel aus der Wurstpraxis: etwa ein Viertel bis ein Drittel Fettanteil, sonst wird die Masse trocken und brüchig.

wurflat - der Knackpunkt dieses Blatts. Das im Scan markierte Wort wurflat bezieht sich auf den Speck: "schneid speck klain wurflat" heißt "schneide Speck klein gewürfelt". Die wortgleiche Schwesterfassung m5919-094 verwendet dasselbe Wort an derselben Satzstelle ebenso für gewürfelten Speck. Es ist also kein eigenes Bindemittel gemeint - eine Semmel-Bindung nennt der Text hier nicht.

salssen - die Sauce. Die salssen von mandel vnd von wein von Imbirr ist eine helle, gebundene Mandelmilch-Würzsauce der gehobenen Küche - ein Statusmerkmal der europäischen Spitzenküche dieser Zeit. Eine fast identische Mandel-Wein-Ingwer-Sauce findet sich, explizit zu einem Rebhuhn-Gericht, in der Edelike Spijse (vgl. wes-023); als eigenständiges, voll ausgeführtes Sauce-Rezept genau dieser Machart vgl. foc-127 (Kalte Mandel-Gewürz-Sauce).

Praxis. Fleisch und Speck kalt halten und mit großem Messer fein durchhacken - kalt arbeiten, sonst schmiert das Fett. Speck klein würfeln und untermengen, mit Kümmel und reichlich Muskat würzen. Den Naturdarm gut spülen und wässern, locker füllen (nicht prall, sonst platzt er). Über der Glut oder in der Pfanne bei mittlerer Hitze in etwa 20-30 Minuten rundum braun braten - nicht zu heiß, sonst reißt der Darm. Für die Sauce blanchierte Mandeln mit Wein zur Mandelmilch stoßen, durchs Tuch passieren, mit Ingwer würzen und am Feuer leicht einziehen lassen. Wer keine Rebhühner bekommt, nimmt Wachtel oder Hähnchen; die Brät-Logik und das Fettverhältnis lassen sich von der Cervelat-Technik (vgl. mar-022) übernehmen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-095-orig" n="wurflat" resp="#fyndling">Gewürfelt, also klein in Würfel geschnitten - bezieht sich auf den Speck ("schneid speck klain wurflat" = Speck klein gewürfelt). Die Schreibung mit 'b' für 'w' (wurflat = würflat) ist typisch mittelbairisch um 1500. Die wortgleiche Schwesterfassung auf demselben Folio liest dasselbe Wort ebenso.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-095-orig" n="schbeines pratt / kalppratt" resp="#fyndling">Schweine- bzw. Kalbsbraten - ein Stück Fleisch, das hier erst noch gehackt wird, nicht bereits fertiges Brät. Der durchgehende b-für-w/v-Wechsel (schbeines = schweines, sweinen = schweinen, Imbirr = Ingwer) ist ein Kennzeichen dieses Regensburger Schreibers.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-095-orig" n="salssen" resp="#fyndling">Salse - eine gebundene Würzsauce, kein eigenständiges Bauteil der Wurst. Hier eine helle Mandel-Wein-Ingwer-Sauce, die separat zur fertigen Wurst gereicht wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-095-orig" n="mustat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">mustat = Muskatnuss (Status-/Importgewürz). Bei „streich mustat darunter“ wäre auch Muskatblüte (Macis) denkbar - die teurere Würze passt zum betonten „kostlich“, mit etwas Wein/Rosenwasser im Mörser zur Paste gerieben. Blankes mustat ist im Korpus aber meist die Nuss (Cgm 725: muscat vs muscatplud). Senf ist es nicht (Schreiber nutzt senft).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-095-orig" n="wurflat" resp="#fyndling">Gewürfelt - der Speck wird klein in Würfel geschnitten ("schneid speck klain wurflat"). Das 'b' für 'w' (wurflat = würflat) ist typisch mittelbairisch; die wortgleiche Schwesterfassung auf demselben Folio liest es ebenso als gewürfelten Speck.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-095-orig" n="schbeines pratt / kalppratt" resp="#fyndling">Schweinebraten / Kalbsbraten. 'Pratt' bezieht sich hier auf das Fleischstück, das dann zerkleinert wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-096-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein herzhafter Semmel-Ei-Auflauf mit Geflügel, der im gefetteten Mörser direkt auf der Glut gebacken wird - kein Teigmantel, also keine Pastete im engeren Sinn. Es ist nahezu wortgleich mit dem Königsberger ‚Mörserkuchen vom Huhn‘ (koe-020) und gehört zur breiten Mörser-als-Backgefäß-Familie (koe-021, das fastentaugliche Schwesterrezept m5919-097 auf derselben Seite, und die Mörserhühner m5919-063).

Semmel gewürfelt, nicht zerbröselt (wirflat). Die Semmel wird gewürfelt geschnitten, nicht gerieben - das gibt dem Kuchen eine schichtige Brot-Ei-Struktur. Genau hierin unterscheidet sich 096 vom Schwesterrezept m5919-097, das ‚reib semel‘ (gerieben) sagt.

Gebratenes Huhn, kein rohes Brät (gepratne huener). Untergemischt wird gegartes, kleingeschnittenes Hühnerfleisch - ‚gepratne‘ ist das Partizip von braten, kein ‚Brät‘. Hast du kein ganzes Huhn, treten Taube samt Leber und Keule (fussel) an seine Stelle: im Spätmittelalter die übliche Verwertung von Innereien und Kleinteilen.

Praxis. Gewürfelte Semmel mit klein geschlagenen Eiern, Muskat und etwas Gewürzpulver mischen, mit Safran gelb färben und das gebratene, kleingeschnittene Huhn (oder die Taubeninnereien) unterheben. Modern in eine gefettete Auflaufform oder gusseiserne Pfanne füllen und bei etwa 180 Grad goldgelb stocken lassen. Für die Lagerküche eignet sich der Mörser oder ein gefettetes Gusseisengefäß auf der Glut - frisches Geflügel braucht dabei eine zuverlässige Kühlkette.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-096-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Semmel, hier gewürfelt geschnitten - sie dient als Binder und gibt dem Kuchen eine schichtige Brot-Ei-Struktur. Der kanonische Zwilling koe-020 hat dieselbe Anweisung (semell gewurfflett).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-096-orig" n="mustat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">mustat = Muskatnuss. Das blanke muscat/mustat ist im bairischen Korpus die Nuss; die Blüte (Macis) wird sonst eigens markiert (muscatplud in Cgm 725, muscat plued bei Meister Hans). Wo mustat geschnitten und in auffälliger Menge erscheint, ist Muskatblüte (Macis) eine ernsthafte Alternative. Senf ist es nicht - dafür nutzt der Schreiber durchgehend senft (Senf-Rezept m5919-017).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-096-orig" n="gepratne huener" resp="#fyndling">Gebratene (gegarte) Hühner, kleingeschnitten und untergemischt - das Partizip von braten. Der Zwilling koe-020 schreibt geprottenn huner = gebratenes Huhn; kein rohes Brät.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-096-orig" n="fussel" resp="#fyndling">Wörtlich „Füßchen“, hier aber kein Körperteil, sondern die Keule: CoReMA glossiert das Wort in diesem Rezept, im Zwilling koe-020 (Fusslenn) und im Mondsee-Verwandten mon-086 (fuessel) übereinstimmend als englisch „chicken leg“ (Wikidata Q7196561).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-096-orig" n="glutt" resp="#fyndling">Glut, also heiße Holzkohle oder Asche, auf der der Mörser als Backform platziert wird.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-096-orig" n="Morser" resp="#fyndling">Ein großer Mörser aus Stein oder Metall, der hier nicht nur zum Zerstoßen, sondern auch als hitzebeständige Backform dient.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-096-orig" n="kuten" resp="#fyndling">‚kuchen‘ - Schreibvariante von ‚Mörserkuchen‘. Belegt durch das Schwesterrezept m5919-097 (‚morser kuchenn‘, gleiche Folio 025v) sowie die Zwillinge koe-020 (‚morsser kuchenn‘) und koe-021 (‚morsser kochenn‘).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-096-orig" n="wirflat" resp="#fyndling">‚gewürfelt‘. Die Semmel wird gewürfelt geschnitten - der Zwilling koe-020 hat dieselbe Anweisung (semell gewurfflett), und ‚wirflat/wurflat‘ ist im Cgm-5919-Dialekt durchgehend ‚gewürfelt‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-096-orig" n="fussel" resp="#fyndling">Keule (Unterschenkel), nicht der abgetrennte Fuß. CoReMA glossiert ‚fussel‘ in diesem Rezept sowie in den Zwillingen koe-020 (Fusslenn) und mon-086 (fuessel) konsistent als englisch ‚chicken leg‘ (Wikidata Q7196561).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-096-orig" n="Morser als Backform" resp="#fyndling">Der Mörser dient als hitzebeständige Backform: gefettet auf die Glut gesetzt, die Füllung hineingegossen und gebacken. Die Anweisung ‚thu dan ain schmalcz In morser vnd secz es auf ain glutt vnd geus dan dy full darein vnd las es pachen‘ ist eindeutig.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-097-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine herzhafte Brot-Ei-Schnitte: reine Semmel-Ei-Masse, im gefetteten Mörser auf der Glut gestockt und in Scheiben geschnitten. Es ist die fleischlose Schwester der Geflügel-Pastete m5919-096 (gleiche Folio, gleiche Technik, aber mit Hühnerbrät) und die fast wortgleiche Parallele zum Königsberger Mörserkuchen koe-021 - der Schreiber hat hier nur Würze und Färbung weggelassen.

Backgefäß statt Stoßgefäß. Das fnhd morser ist hier kein Werkzeug zum Zerstoßen, sondern das feuerfeste Backgefäß: der schwere Stein- oder Metallmörser wird auf die Glut gesetzt und dient als Ofen-Ersatz. Secz In auff ain glut und das abschließende zw scheiben schneiden belegen eine feste, gestockte Masse - kein Brei.

Fleischlos für den vastag. Die Quelle sagt das ist gut an dem vastag - gut an einem einzelnen Fasttag, nicht für die ganze Fastenzeit. Fasten hieß in der Praxis vor allem fleischlos; Eier und schmalcz (Schweineschmalz als Backfett) waren an gewöhnlichen Fasttagen toleriert. Genau deshalb steht diese fleischlose Variante neben der Geflügel-Schwester.

Praxis. Modern in einer gefetteten Auflaufform oder gusseisernen Pfanne: eine Handvoll Semmelbrösel oder -würfel (altbackenes Weißbrot bindet besser) mit etwa 4-6 Eiern verrühren, bei rund 180 °C goldgelb stocken lassen, auskühlen, in Scheiben schneiden. Mengen nennt das Original wie alle Mörserkuchen-Twins nicht. Auf offener Glut den Topf an den Rand des Glutbetts oder auf eine dünne Aschenschicht stellen und gegebenenfalls Glut auf den Deckel geben (Oberhitze wie beim Dutch Oven) - sonst brennt der Boden an, bevor die Mitte stockt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-097-orig" n="semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Geriebene Semmel oder Weißbrotkrume, die als Bindemittel und zur Texturgebung dient. Eine im Spätmittelalter gängige Zutat, um Speisen zu binden.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-097-orig" n="morser" resp="#fyndling">Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall, der als Küchengerät zum Zerstoßen diente. Hier wird er jedoch als feuerfestes Backgefäß genutzt - vergleichbar einem gusseisernen Topf oder Dutch Oven.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-097-orig" n="glut" resp="#fyndling">Glühende Kohlen oder Asche, auf die der Mörser zum Backen gesetzt wird. Dies entspricht dem Backen im Dutch Oven oder feuerfesten Topf am Feuer oder auf einer Kochstelle.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-097-orig" n="vastag" resp="#fyndling">Fasttag, ein einzelner Abstinenztag - nicht die gesamte Fastenzeit. An gewöhnlichen Fasttagen (Freitage, Quatember, Vigilien) bedeutete fasten in der spätmittelalterlichen Praxis vor allem fleischlos; Eier, Milchprodukte und Fett waren weithin toleriert. Diese fleischlose Semmel-Ei-Variante ist daher genau das passende Fasttagsgericht - im Gegensatz zur Geflügel-Schwester m5919-096.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-097-orig" n="morser kuchenn" resp="#fyndling">Mörserkuchen. Der Mörser wird hier als Backgefäß genutzt, nicht zum Zerstoßen von Zutaten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-098-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Die Schau-Variante der gefüllten Eier: gewürzte Dottermasse zurück in die heile (rohe) Eierschale, ein Holzstäbchen als Stiel und Rührwerkzeug eingesteckt, am Feuer gegart. Das fertige Ei sitzt am Stiel wie eine kleine Keule oder ein Kolben - daher der Name kolbat (kolbenförmig). Im Korpus die engste Schwester der Gefüllten Eier in der Schale (gleiche Schalen-Befüll-Illusion, dort mit kleinem Teighütchen statt Stiel) und der Gefüllten Eier am Spieß; die hartgekochte, halbierte Form derselben Speise lebt heute als gefüllte Eier oder Devilled Eggs weiter. Der cross-source-Zwilling derselben Technik - am spicz öffnen, entleeren, gewürzte Eimasse zurück in die heile Schale, darin garen - sind die Münchner krausen Eier (m384-082 in der Schale, m384-081 vom Rost); 098 unterscheidet sich allein durch den Kolben-Stiel.

Die Mechanik (thue das weys herauß). Der Quellentext wirkt erst widersprüchlich, löst sich aber im Vergleich mit den Schwesterrezepten: Das rohe Ei wird an der Spitze (spicz) heil geöffnet, das Eiweiß (weys) herausgegossen, die Schale heil behalten. Ein Holzstäbchen kommt hinein, dann die aus Dotter, Muskatblüte und Salz gewürzte Masse, die man mit dem Stäbchen direkt in der Schale verrührt. Das Stäbchen bleibt stecken, das Ei wird senkrecht in Glutnähe gegart. Das Eiweiß wandert also heraus, der gewürzte Dotter kommt am Stiel zurück - beim in-buch Schwesterrezept kroß ayr (m5919-027) ist es genau umgekehrt.

Ein Schaustück, kein robustes Bratgericht. Eine dünne rohe Schale offen ans Feuer zu setzen ist heikel - sie platzt bei Hitze leicht, die offene Schale ohne Verschluss kippt und läuft. Das gehört zum Charakter des Gerichts: Der Reiz liegt im Tafel-Effekt, dem Ei am Stiel, nicht in der Küchenleistung. Das sollte man ehrlich so sehen und nicht glattbügeln.

Kein Binder im Original. Anders als verwandte Rezepte nennt der Text keinen Binder - kein geriebenes Semmelbrot, kein zugeschlagenes Ei. Eine reine Dotter-Macis-Salz-Masse sackt beim Garen in der offenen Schale leicht, statt fest zu werden. Wer es praktisch stabiler will, kann etwas geriebene Semmel unterziehen - das ist eine küchenpraktische Krücke, im Original aber nicht belegt.

Praxis. Eier roh an der Spitze heil öffnen, Eiweiß auffangen (anderweitig verwenden), die Schalen heil behalten. Dotter mit etwas fein gehackter Muskatblüte und ein wenig Salz verrühren. Die Quellenangabe „drei mustat auf zehn Eier" passt genau zur Muskatblüte (Macis): man schneidet die Blütenblätter (statt sie zu reiben), und drei Macisblüten auf zehn Eier sind eine kräftige, aber normale Würze - drei ganze Muskatnüsse wären hier giftig. Dieselbe „drei mustat"-Menge steht auch in m5919-060 und m5919-103. Masse in die Schalen füllen, ein Holzstäbchen einsetzen, am Stäbchen verrühren, die Eier senkrecht in Glutnähe oder in heiße Asche betten und langsam garen. Bruch- und Lauf-Gefahr gehören dazu.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-098-orig" n="kolbat" resp="#fyndling">Kolben-/keulenförmig (zu mittelbairisch kolb = Kolben, Keule). Ein Form-Adjektiv: die am Holzstäbchen steckenden gefüllten Eier sehen aus wie kleine Keulen am Stiel. Dieselbe Benennungslogik wie beim Schwesterrezept Kuglechte Eyer (kugelig).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-098-orig" n="mustat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">mustat hier = Muskatblüte (Macis). Die ganze Muskatnuss ist ausgeschlossen: drei ganze Nüsse auf zehn Eier („an dreyn mustat … zu zehen ayern“) wären ungenießbar und giftig - drei Macisblüten dagegen eine normale, milde Würze, und „schneid … clain“ passt zu den schneidbaren Blütenhäutchen. Eine Senf-Lesart (alte Senfei-Tradition; mustat &lt; lat. mustum ardens) ist denkbar, aber unwahrscheinlich: der Schreiber schreibt Senf sonst senft, Senf lässt sich nicht klein schneiden, und die verwandten Schalen-Eier in Cgm 384 (m384-081/082) würzen mit Pfeffer/Safran statt Senf.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-098-orig" n="spicz" resp="#fyndling">Spitze. Die Eier werden an der spitzeren Seite vorsichtig geöffnet, um das Eiweiß zu entfernen und die Füllung einzubringen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-098-orig" n="kolbat" resp="#fyndling">Kolben-/keulenförmig (zu mittelbairisch kolb = Kolben, Keule; das Suffix -at bildet ein Form-Adjektiv wie in wirflat = gewürfelt). Die am Holzstäbchen aufgespießten gefüllten Eier ähneln kleinen Keulen oder Kolben am Stiel - das ist der Schaueffekt, der dem Gericht den Namen gibt. Morphologisch parallel zum Schwesterrezept Kuglechte Eyer (kugelige Eier) im Koch- und Kellermeisterbuch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-098-orig" n="thue das weys herauß / dy full" resp="#fyndling">Der Text wirkt erst widersprüchlich: Man bricht das Ei an der Spitze auf, nimmt das Eiweiß heraus (thue das weys herauß) und gibt dann eine Füllung (dy full) hinein. Plausibelste Lesart im Licht der Schwesterrezepte: Aus etwas Ei (dem Dotter), Muskat und Salz wird eine gewürzte Masse angerührt; vom Ei wird das Eiweiß entfernt, ein Holzstäbchen in die heile Schale gesteckt, die gewürzte Masse hineingegeben und mit dem Stäbchen direkt in der Schale verrührt. Das Eiweiß wird also abgetrennt, der gewürzte Dotter kommt am Stiel zurück - dieselbe Mechanik wie beim in-buch Schwesterrezept m5919-027 (kroß ayr), nur dass dort der Dotter herausgenommen und das Eiweiß in der Schale gelassen wird; hier ist es umgekehrt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-098-orig" n="mustat (drei auf zehn Eier)" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">Muskatblüte (Macis) - mild, schneidbar, in dieser Menge unbedenklich. Die ganze Muskatnuss scheidet wegen der Dosis aus.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-099-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein blutgebundenes, süß-würziges Kalbsmus mit gehackter Lunge - verwandt mit Leberpfeffer und Schwarzsauer. Es teilt seinen Kern (Blut, Wein, geriebener Lebkuchen, Honig, Schmalz) nahezu wortgleich mit dem Rehblut-Mus m5919-077 derselben Handschrift und mit dem Block 'ainen guoten wein ... den schwaiss von dem kalb' in mha-191. Das Korpus dekodiert sich hier selbst: Die Basis ist Blut, nicht Muskelfleisch.

Blut binden (schbais): Das Blut mit Wein verrühren und sehr sanft - knapp unter dem Siedepunkt - unter ständigem Rühren ziehen lassen. Das las es sieden der Vorlage darf NICHT sprudelndes Kochen meinen: Blut bindet nur unterhalb des Siedepunkts, kocht es durch, gerinnt es körnig und die Bindung bricht. Genau wie bei Leberpfeffer und Schwarzsauer.

Süßen und würzen (legckuchen): Ohne Zucker übernehmen Honig und fein geriebener Lebkuchen die Süße - der Lebkuchen bindet und würzt zugleich. Das Schmalz (so wirt das muß vein) macht die Blutbindung geschmeidig und glänzend und mildert die metallische Blutnote; es ist kein Konservierungs- oder Confit-Schritt, sondern reine Konsistenz, parallel zum faist sieden in m5919-077.

Praxis. Die Lunge muss vorgegart sein (roh ist sie schwammig-zäh), erst dann fein hacken und am Schluss unterheben. Salz nicht vergessen, sonst wird das Mus fad (enwicht). Zum Abschluss gutes Gewürz darüberstreuen. Modern: Schweineblut und Schweinelunge als Ersatz, beides beim Metzger vorbestellen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-099-orig" n="schbais" resp="#fyndling">schwais/Schweiß = Blut des Tiers, hier das Kalbsblut, das den Körper des Mus bindet. Der Schreiber setzt durchgehend b für w (schbais = schwais), darum ist die Lesart 'Speise/Fleisch' eine Falle. Belegt durch den Schwester-Eintrag m5919-077 derselben Handschrift (Blut + Lunge + Schmalz + Wein, nur vom Reh) und durch mha-191 ('den schwaiss von dem kalb').</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-099-orig" n="legckuchen" resp="#fyndling">Variante von 'Lebkuchen', einem gewürzten Honigkuchen. Fein gerieben dient er bei Zuckermangel zugleich als Süßung und als Würzbinder - dasselbe Prinzip in mha-191 ('ressen leczellten' statt Zucker).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-099-orig" n="enwicht" resp="#fyndling">nichtig/wertlos; im Kontext der Würzung also 'fad, geschmacklos'. Eine Warnung, das Salz nicht zu vergessen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-099-orig" n="schbais" resp="#fyndling">Als 'Blut' (schwais/Schweiß des Kalbs) übersetzt - das Mus ist blutgebunden, in der Tradition von Leberpfeffer und Schwarzsauer.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-099-orig" n="gemuß" resp="#fyndling">Als 'Gewürz/Gestup' übersetzt ('gut gemuß mustu dar zu han ... scheud es dan daran' = gutes Gewürz darüberstreuen), parallel zu mha-191 ('nym ain guot stupp darauf mit gewurcz').</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-100-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine eingekochte Weichsel-(Sauerkirsch-)Salse zur Vorratshaltung (salssen von weichselen), also eine Frucht-Latwerge: gekochte, passierte Sauerkirschen mit Honig, geriebenem Brot und Nelken/Gewürz dick eingekocht und ins Fässchen gefüllt - hält laut Original „drei oder vier Jahre“. Lebende Verwandte sind der Sauerkirsch-Powidl und die Mostarda. Das Rezept ist ein Wiederholungs-Eintrag der fast wortgleichen Sauerkirschsauce für die Vorratshaltung derselben Handschrift; Methoden-Zwillinge sind die Weichsel-Latwerge mit Honig und Brot und die Weixelsalsen.

Zwei-Stufen-Technik. Die Weichseln werden im haffen ohne Wasserzusatz weich gezogen (sie geben genug Eigensaft ab), kalt durch ain tuch passiert - das entfernt Steine und Häute - und das reine Mus auf der glutt lange eingekocht, pis das sy dick werdt, bis der Rührlöffel nahezu steht. Der fnhd-Binder ge= ribnes pratt ist geriebenes (gern altbackenes) Brot, kein Brät.

Praxis. Entsteinte Sauerkirschen ohne Wasser köcheln, durch ein Tuch oder Sieb passieren, dann mit Honig, 1-2 EL geriebenem Brot bzw. Semmelbröseln und Nelken (gern dazu etwas Zimt/Ingwer) auf milder Glut lange einreduzieren - gegen Ende ständig rühren, damit nichts anbrennt. Heiß in saubere, säurefeste Gläser füllen; dank Zucker und Säure hält sie viele Wochen bis Monate. Süß-würziges Condiment zu Wild und Braten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-100-orig" n="weichsel" resp="#fyndling">Weichselkirschen sind eine Sorte der Sauerkirsche (Prunus cerasus).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-100-orig" n="haffen / pfan / hafen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen">Bezeichnet Töpfe oder Pfannen, die zum Kochen verwendet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-100-orig" n="glutt" resp="#fyndling">Glühende Kohlen, die als Wärmequelle dienen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-100-orig" n="pratt" resp="#fyndling">Hier ‚geriebenes Brot' als Bindemittel - dieselbe Lesart wie im Schwester-Rezept m5919-047 (‚geribens pratt') und korpusweit gesichert (m811-004, koe-018). Brot als Andickmittel ist in dieser Frucht-Salse-Familie der Normalfall.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-100-orig" n="neglein" resp="#fyndling">Nelken, ein häufig verwendetes Gewürz in der mittelalterlichen Küche.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-100-orig" n="stupt gnug" resp="#fyndling">Wörtlich ‚genug Gestäubtes', also genug Gewürzpulver. Da Nelken bereits genannt sind, bezieht sich dies auf weitere, nicht näher spezifizierte Gewürze.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-100-orig" n="fesslein" resp="#fyndling">Ein kleines Fässchen, das zur Lagerung der Sauce dient.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-100-orig" n="pratt" resp="#fyndling">‚Geriebenes Brot' - als Bindemittel für die Sauce.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-101-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein simpler Eierkuchen, sondern ein zweilagiges, gefülltes Teigblatt-Gericht - die reichste Ausbaustufe der Mörserkuchen- und Eierblatt-Familie desselben Buchs. Die Grundmasse (klein geschlagene Eier, gewürfelte Semmel, Muskat, gelb gemacht) ist fast wortgleich die der Mörserkuchen mit Huhn oder Taubeninnereien und der Mörserkuchen (Fasttagsspeise); das Verschließen zweier Fladen mit verquirltem Ei an den Rändern teilt es mit dem Eierblatt für Pasteten und Krapfen. Lebende Verwandtschaft: die gefüllte, geschichtete Hüllteig-Welt (Pastete, Strudel) plus die süß-pikante Geflügel-mit-Honig-Linie, die in der Koch- und Kellermeisterei weiterlebt.

Die Masse - kein zweiter Mehlteig. Mach ain plat von halben taick meint nicht einen separaten Teig, sondern die halbe Charge der gelben Ei-Semmel-Muskat-Masse; von dy sem tayll ist „von demselben Teil“, also die zweite Hälfte. Aus dieser einen Masse werden zwei dünne Fladen gebacken - es gibt keinen mehligen Teig daneben.

Semel wurflat - gewürfelt, nicht gerieben. Die Semmel wird gewürfelt darunter geschnitten; das ist im Cgm 5919 die feste Lesart von wurflat und passt zum Verb schneid.

Gehal birt huener - halbiert auflegen. Das gebratene Rebhuhn (ersatzweise junge Hühner oder Tauben) wird halbiert auf den unteren Fladen gelegt, zusammen mit den gerösteten Äpfeln.

Die Ei-Naht. Geus es dan vnd dun an dy ortter: zwei verquirlte Eier an die Ränder gießen, dann den zweiten Fladen auflegen - so verkleben beide zu einem geschlossenen Ganzen (So werden dy ploter gancz).

Das Honig-Finish. Mach dan ain gut honig das faim sauber: Honig läutern und sauber abschäumen, gut würzen, ein Loch durch den Deckfladen stechen und den gewürzten Honig hineingießen, sodass er innen hin und her läuft - das eigentliche Schauverfahren dieser edlen speys.

Praxis. Aus Eiern, gewürfelter Semmel und Muskat eine gelbe Masse rühren (Dotter genügt fürs Gelb, Safran optional). In gefettetem Pfännchen zwei dünne Fladen backen. Den unteren mit halbiertem, gebratenem Geflügel und gerösteten Apfelspalten belegen, verquirltes Ei an die Ränder geben, mit dem zweiten Fladen decken. Über mäßiger, ruhiger Glut halten, damit die Ei-Naht stockt und nichts anbrennt, bevor die Mitte hält. Zum Schluss gewürzten, abgeschäumten Honig durch ein Loch im Deckel einfüllen und durchziehen lassen. Nicht versalzen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-101-orig" n="clopf sy clain" resp="#fyndling">Wörtlich „schlage sie klein“, hier im Sinne von gut verquirlen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-101-orig" n="semel wurflat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Gewürfelte Semmel. Wurflat (auch wirflat) heißt im Cgm 5919 durchgehend „gewürfelt“ - so auch beim Nachbar-Mörserkuchen Mörserkuchen mit Huhn oder Taubeninnereien und in m5919-021/094/095. Das vorangestellte Verb ist schneid (schneiden/würfeln), nicht reiben.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-101-orig" n="mach es gelb" resp="#fyndling">Die Ei-Semmel-Masse wird gelb gemacht - in erster Linie durch die Dotter-Eigenfarbe. Eine Färbung mit Safran ist im Korpus für dieselbe Masse belegt (vgl. Mörserkuchen mit Huhn oder Taubeninnereien, dort optional), wird hier aber nicht eigens genannt. Im Scan ist die Stelle am Rand mit „? !“ markiert.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-101-orig" n="plat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#plat">Teigblatt - hier ein in der Pfanne gebackener Fladen aus der gelben Ei-Semmel-Masse, der zugleich Boden und Deckel der Füllung bildet. Dieselbe Technik nutzt das Eierblatt für Pasteten und Krapfen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-101-orig" n="gehal birt huener" resp="#fyndling">Mit der Schreiber-Eigenheit b für w/v am ehesten „gehalbierte Hühner“ - das gebratene Geflügel wird also halbiert aufgelegt. Die Lesart ist plausibel, aber ohne externen Beleg nicht restlos gesichert.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-101-orig" n="geus es dan vnd dun an dy ortter So werden dy ploter gancz" resp="#fyndling">Die verquirlten Eier werden an die Ränder gegossen, damit die beiden Fladen (ploter, Plural zu plat) verkleben und zu einem geschlossenen Ganzen werden - dieselbe Ei-Naht-Technik wie beim Eierblatt für Pasteten und Krapfen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-101-orig" n="faim sauber" resp="#fyndling">Den Honig sauber abschäumen, um Trübstoffe zu entfernen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-101-orig" n="gburcz" resp="#fyndling">Gute Gewürze - im Spätmittelalter oft Mischungen aus Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-101-orig" n="edle speys" resp="#fyndling">„Edle Speise“ - ein Standes- und Qualitätsmarker, der zusammen mit der Mahnung versalcz sein nicht (nicht versalzen) den gehobenen Anspruch des Gerichts unterstreicht.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-101-orig" n="mustat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">mustat = hier Muskatblüte (Macis): die ledrigen Blütenhäutchen werden geschnitten (schneidt … mustat clain), während man die harte Nuss reiben würde. Muskatnuss bleibt als milder Ersatz. Senf ist es nicht (Schreiber nutzt senft, m5919-017).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-101-orig" n="semel wurflat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Gewürfelte Semmel. Wurflat/wirflat ist im Cgm 5919 durchgehend „gewürfelt“ (Nachbar-Twin Mörserkuchen mit Huhn oder Taubeninnereien sowie m5919-021/094/095); das Verb schneid stützt das Würfeln.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-101-orig" n="gehal birt huener" resp="#fyndling">Gehalbierte Hühner - das gebratene Geflügel wird halbiert aufgelegt (b für w/v: gehal[b]iert).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-101-orig" n="mustat clain" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">Muskatblüte (Macis), klein geschnitten - die Blütenhäutchen schneidet man, die harte Nuss würde man reiben.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-102-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Schaugericht der Festtafel: Ein einziger ganzer Hecht wird so gegart, dass drei verschiedene Zubereitungen an demselben Fisch zu sehen sind und der Fisch dennoch ganz bleibt. Das ist der mittelbairische Vertreter eines europaweit verbreiteten Typus - die nächsten Verwandten sind Fisch auf dreierlei Art (Meister Hans) und Fisch auf dreierlei Art (Rheinfränkisch), die Schritt für Schritt fast wortgleich sind. Dazu der vierfache Hecht der Koch- und Kellermeisterei, der dreifach zubereitete ganze Fisch bei Martino und die Neunaugen auf dreierlei Art.

Drei Zonen an einem Fisch. Anders als die meisten Verwandten, die den Fisch in Stücke zerteilen, bleibt der Hecht hier ganz und wird über seine Länge zonenweise behandelt. Das Mittelteil bekommt ein nasses Tuch umgewickelt, das Vorderteil mit dem Kopf wird mit Schmalz und Mehl versehen, das Hinterteil brät schlicht.

Das nasse Tuch und der heiße Wein. Das nas tuch um die Mitte, zusätzlich fursich (fortwährend, immer wieder) mit heißem Wein begossen, hält das Mittelstück feucht und gart es im Dampf - ein Vorläufer des Garens en papillote, der das Fleisch zugleich von außen würzt. fursich ist hier nicht „vorsichtig", sondern „fortwährend/immer weiter": die Anweisung ist technisch, das Tuch darf nicht trocken werden.

Schmalz und Mehl am Kopf. Das fadertail des kops (Vorderteil mit Kopf) wird mit heißem Schmalz übergossen und mit Mehl bestreut. Das knochige, magere Kopfstück bekommt so eine schützende Kruste, bräunt und trocknet nicht aus. Dieselbe Schmalz-Mehl-Behandlung steht fast wörtlich beim zweiten Stück in mha-279 und rfk-070 - kein Konfit, sondern eine Krusten- und Schutztechnik.

Praxis. Die drei Zonen liegen gleichzeitig am selben Fisch auf dem Rost und brauchen unterschiedliche Hitze, was anspruchsvoller ist als das Stück-für-Stück-Garen der Verwandten. Bewährt hat sich die Lösung aus mar-265: flache Steine unter den Rost legen, sodass die volle Glut nur unter das Mittelteil kommt, während Vorder- und Hinterteil mildere Hitze bekommen. Den heißen Wein in einem Topf am Feuer bereithalten und das Tuch immer wieder begießen, solange der Fisch gart.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-102-orig" n="rast" resp="#fyndling">Ein Rost, oft aus Holz, auf dem Speisen über Glut gegart wurden. Siehe auch die Grundlagen-Seite zu hölzernen Rosten.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-102-orig" n="salcz In vnd las in praten" resp="#fyndling">Hier als Verben zu lesen: „salze ihn und lass ihn braten".</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-102-orig" n="pegeus" resp="#fyndling">Eine mittelbairische Form von „begieße" (p für b).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-102-orig" n="fursich" resp="#fyndling">Hier „fortwährend, immer wieder", nicht „vorsichtig". Das nasse Tuch wird laufend mit heißem Wein begossen, damit es feucht bleibt und das Mittelstück weiter dämpft.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-102-orig" n="melb" resp="#fyndling">Eine mittelbairische Form von „Mehl".</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-102-orig" n="salssen" resp="#fyndling">Salse - eine Würzsauce als Begleitung zum Gericht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-102-orig" n="dreyr lay" resp="#fyndling">‚dreierlei‘ oder ‚drei Arten von‘. Die Endung ‚-yr‘ ist eine mittelbairische Schreibvariante für ‚-er‘.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-102-orig" n="fursich" resp="#fyndling">‚fortwährend / immer weiter‘. Das Tuch wird laufend mit heißem Wein begossen, damit es feucht bleibt und das Mittelstück weiter dämpft - eine technische Garanweisung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-102-orig" n="fadertail" resp="#fyndling">‚Vorderteil‘. Die Schreibweise ‚fader-‘ statt ‚vorder-‘ ist eine mittelbairische Lautvariante, bei der ‚f‘ für ‚v‘ steht; gemeint ist der vordere Teil mit dem Kopf.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-102-orig" n="pespreng" resp="#fyndling">‚bestreue‘. Die Schreibweise ‚pespreng‘ ist eine mittelbairische Variante von ‚besprengen‘ oder ‚bestreuen‘, wobei ‚p‘ für ‚b‘ steht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-103-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süßer Pfeffer (suß pfefferlein) - eine brotgebundene, honigsüße und safrangelbe Gewürzsauce aus dem süddeutschen Spätmittelalter. Es ist im Kern ein Vorläufer der heutigen Lebkuchensauce und des Leberpfeffers, wie man sie noch zu gebackenem Fisch oder Wild reicht. Die Saucenfamilie ist im Korpus dicht belegt; der ausgewiesene Stammvater ist die Süß-saure Pfefferbrot-Sauce, das engste verwandte Verfahren liefert die Nelkenbrühe zu gebackenem Fisch.

Zwei Zubereitungen in einem Rezept. Der Text fügt zwei Teile zusammen. Zuerst entsteht ein gebackenes Semmel-Küchlein: entrindete, fein geriebene Semmel wird mit Honig oder Ei zu gleichen Teilen abgebunden, gewürzt, gelb gefärbt, in Schmalz sanft angeröstet und dann mit einer eigroßen Portion Schmalz unter einem Topfdeckel auf kleinem Glutbett zu einem festen kudlein gebacken. Danach entsteht getrennt die eigentliche Lebkuchen-Wein-Sauce.

Die Sauce. Geriebener Lebkuchen (letzeltten) mit Honig und reichlich Wein einmal aufwallen lassen, durch ein Tuch seihen, erst dann mit Zimt, Ingwer und Safran würzen und einkochen - so überdeckt die Brotbindung die Gewürze nicht. Es ist eine süße Sauce, daher dient Salz nur als Korrektor (versaltz nit). Das Passieren auf glatte Konsistenz ist dasselbe Handgriff wie beim Twin Nelkenbrühe zu gebackenem Fisch.

Crux herdenn kuchen. Am Ende werden „harte Kuchen“ in die Sauce geschnitten. Küchenlogisch ist das genau das in Teil A gebackene, inzwischen erkaltete und feste Semmel-Küchlein, das nun als Einlage zerschnitten wird - herd-/herdenn passt zu dem auf der Glut Gebackenen. Ob stattdessen separat bereitgehaltenes trockenes Gebäck gemeint ist, lässt der Text offen.

Praxis. Vorsicht bei der Muskatmenge: Nimm nicht drei ganze Muskatnüsse, sondern dosiere sparsam (Muskat ist in Menge schwach giftig); die feinere Muskatblüte (Macis) ist eine gute Alternative. Beide Pfännlein lassen sich am Feuer mit Glutbett und Topfdeckel als Oberhitze führen; in 60-90 Minuten ist alles fertig. Derselbe Semmel-Ei-Schmalz-Honig-Typus begegnet im selben Manuskript als Begleitsauce in der Hühnertorte mit süßem Pfefferlein.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-103-orig" n="pffer / pfef ferlein" resp="#fyndling">Im Mittelalter war „Pfeffer“ eine Sammelbezeichnung für dunkle, stark gewürzte Saucen oder Gerichte, die nicht zwingend viel des Gewürzes Pfeffer enthielten. „Pfefferlein“ ist die Verkleinerungsform und deutet auf eine feine, kleinere Zubereitung hin - hier titelgebend.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-103-orig" n="letzeltten" resp="#fyndling">„Lebzelten“ ist eine alte bairisch-österreichische Bezeichnung für Lebkuchen. Hier dient der geriebene Lebkuchen als süßes Binde- und Würzmittel der Sauce - eine im Korpus gut belegte Technik (vgl. m349-003, kkm-003). Das eigentliche Lebkuchen-Backrezept liefert m725-002.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-103-orig" n="viedung" resp="#fyndling">Eine alte Maßeinheit, die oft einem Viertel entsprach. Da „gutten viedung“ keine Referenzgröße nennt, ist die Menge unscharf - hier als „gute Menge“ Wein gelesen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-103-orig" n="mustat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">mustat = hier Muskatblüte (Macis): die ledrigen Blütenhäutchen werden geschnitten (schneid drey mustat), während man die harte Nuss reiben würde. Auch die Menge spricht dafür - drei ganze Muskatnüsse wären giftig, drei Macisblüten normal. Muskatnuss bleibt als milder Ersatz. Senf ist es nicht (Schreiber nutzt senft, m5919-017).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-103-orig" n="pffer zw etc. / suß pfef ferlein" resp="#fyndling">Die Überschrift „von ainem guten pffer zw etc.“ und der Rezeptbeginn „In ain suß pfef ferlein“ wurden als „Süße Pfeffersauce“ übersetzt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-103-orig" n="prew es aus ander" resp="#fyndling">„prew es aus ander das ein kudlein dar aus werde“ wurde als „koche und verrühre es auseinander, sodass ein Küchlein daraus wird“ gelesen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-103-orig" n="dy rintten von der semel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#semel">Die im ersten Schritt abgeschnittenen Semmelkrusten werden in Teil B wieder aufgegriffen („nym dann dy rintten von der semel“).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-103-orig" n="honig vnd ayr das ains als vil sey sam das ander" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">„Honig und Eier, zu gleichen Teilen“ wurde als Mengenangabe für die Bindung der Semmel interpretiert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-103-orig" n="kudlein" resp="#fyndling">„Kudlein“ wurde als „Küchlein“ oder „dicke Masse“ übersetzt, was eine kleine, geformte oder verdickte Masse beschreibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-103-orig" n="viedung" resp="#fyndling">„Eyn gutten viedung weins“ wurde als „eine gute Menge Wein“ übersetzt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-103-orig" n="herdenn kuchen" resp="#fyndling">„Herdenn kuchen“ („harte/auf der Glut gebackene Kuchen“) wurde als das zuvor in Teil A gebackene, erkaltete Semmel-Küchlein gelesen, das nun als Einlage in die Sauce geschnitten wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-103-orig" n="drey mustat" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mustat">Muskatblüte (Macis). Verb schneiden + Menge „drei mustat“ sprechen für die schneidbaren Blütenhäutchen; drei ganze Muskatnüsse wären giftig.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#m5919-104-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein fertiges Gericht, sondern eine getrocknete Kräuter-Gewürz-Würzmischung - eine darre salsen (Dörr-Sauce), die als haltbares Pulver auf Vorrat gehalten und bei Bedarf mit Wein oder Essig zu frischer Sauce angerührt wird. Funktional ist das die mittelbairische Schwester der quellenübergreifenden Trocken-Universalgewürze Feine Gewürzmischung (Pouldre Fine) und der Gewürzmischung für Hippocras - mit dem Unterschied, dass hier zusätzlich ein gedörrter Kräuteranteil und eine Brotbindung hinzukommen. Heute lebt das Prinzip in selbstgemachten Lebkuchen- und Glühweingewürzen sowie in Kräutersalz- und Trocken-Pesto-Ideen weiter.

Das Kräuter-Quartett: Salbei, Minze, Polei-Minze, Petersilie und Sauerampfer bilden ein im Korpus fest etabliertes Cluster - dieselbe Reihung steht in der Kräutersauce zum Schweinemagen und in den Mai-Kräuter-Tipps der Saucen mit Eschlauch, Salbei und Pomeranze. Dass neben munczen (Minze) auch polann (Polei-Minze) steht, ist die im Korpus belegte Doppelung zweier Mentha-Arten.

Die Crux polann: polann wird hier als Polei-Minze (Mentha pulegium) gelesen, nicht als Portulak. Es steht direkt neben munczen (Minze) und trocknet als klassisches Würzkraut hervorragend - während Portulak als wasserreiche Sukkulente der schlechteste Dörr-Kandidat der ganzen Liste wäre. Die Randnotiz im Manuskript markiert das Wort selbst als unsicher.

Die Crux artikes: Das Wort artikes ("ein wenig artikes") ist nicht sicher zu bestimmen - ein kleiner Zusatz eines aromatischen Gewürzes oder Krauts, der sich aus der Quelle und den verwandten Mischungen nicht zweifelsfrei auflösen lässt. Wir setzen es bewusst nicht fest und lassen es als offene Lesart stehen.

Praxis: Salbei, Minze, Polei-Minze und Petersilie trocknen problemlos. Sauerampfer (und erst recht Portulak, falls man der alten Lesart folgt) ist sehr wasserreich und trocknet an offener Luft im mitteleuropäischen Klima langsam und mit Schimmelrisiko - hier besser den warmen Ofen (~40-50 °C) oder ein Dörrgerät nutzen, das "an der Sonne" der Quelle ist period-authentisch, aber unzuverlässig. Das Weißbrot muss knochentrocken (zwiebackhart) sein, sonst lässt es sich nicht zu Pulver mahlen und verklumpt. Es ist kein Füllstoff, sondern der Binder: Beim Anrühren mit Wein oder Essig quillt das Brotpulver und gibt der Sauce Körper. Am Lager braucht es dann nur noch Wein oder Essig, eine Schale und einen Löffel.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-104-orig" n="salssen" resp="#fyndling">Hier im Sinne von ‚Sauce‘ oder ‚würzige Tunke‘, nicht Speisesalz.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-104-orig" n="polann" resp="#fyndling">Polei-Minze (Mentha pulegium) enthält Pulegon und ist in Kochmengen leicht giftig - heute wird sie aus gutem Grund nicht mehr verwendet. Nimm stattdessen reguläre Minze (z.B. Pfefferminze).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-104-orig" n="artikes" resp="#fyndling">Ungeklärt - ein in kleiner Menge zugegebener Aromat. Mehrere Lesarten sind möglich (Beifuß, Artischocke/Kardone, Alant, Mastix/Storax, Attich), keine ist sicher; die Stelle bleibt bewusst offen (siehe Lesarten).</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-104-orig" n="der sy an der Sunen" resp="#fyndling">Eine Anweisung, die Kräuter an der Sonne zu trocknen, um sie haltbar zu machen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-104-orig" n="gederret weyß pratt" resp="#fyndling">Getrocknetes Weißbrot, das beim Anrühren mit Wein oder Essig quillt und der Sauce als Bindung Körper gibt.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-104-orig" n="puluer" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#puluer">Gewürzpulver. Hier sind alle Zutaten zu einem feinen Pulver zu vermahlen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-104-orig" n="temper sey" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">Bedeutet, die trockene Gewürzmischung mit Flüssigkeit (Wein oder Essig) anzurühren oder zu vermischen.</note>
        <note type="gloss" target="#m5919-104-orig" n="darre salsen" resp="#fyndling">Eine ‚Trockensauce‘, also eine haltbare Gewürzmischung, die bei Bedarf mit Flüssigkeit angerührt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-104-orig" n="polann" resp="#fyndling">Polei-Minze (Mentha pulegium). Sie steht direkt neben munczen (Minze) - die Doppelung zweier Mentha-Arten ist im Korpus belegt (etwa Kräutersauce zum Schweinemagen und die Mai-Kräuter-Tipps in Saucen mit Eschlauch, Salbei und Pomeranze) - und als Würzkraut trocknet sie hervorragend.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m5919-104-orig" n="ain wenig artikes" resp="#fyndling">Ungeklärt. artikes ist ein in kleiner Menge zugegebener Aromat, der sich aus der Quelle nicht sicher bestimmen lässt - die Lesart bleibt bewusst offen. Die denkbaren Kandidaten je mit Pro und Contra:</note>
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