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      <titleStmt>
        <title>Rasch: Weinbuch (Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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      </titleStmt>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability status="restricted">
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung, Anmerkungen, Zutatenerschließung; die historische Vorlage ist gemeinfrei)</licence>
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        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/quellen/rasch/</idno>
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          <title>Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben</title>
          <date when="1580" cert="low">um 1580</date>
          <idno type="URI">https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00027343</idno>
          <note>Transkription: eigene Texterkennung (Kraken) aus dem BSB-Digitalisat, je Rezept am Scan korrigiert (fyndling.de)</note>
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        <interpretation>
          <p>Lesart-Entscheidungen stehen als note[@type='interpretive_choice'] im back-Teil, @n nennt die Stelle im Originaltext, @subtype die Art (lexical, philological, contextual, orthographic), list[@type='alternatives'] die erwogenen Lesarten. @cert='unknown' markiert eine ungeklärte Lesart: Die Stelle ist offen, der Text der Note gibt nur den Stand der Diskussion wieder.</p>
        </interpretation>
      </editorialDecl>
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        <prefixDef ident="wikidata" matchPattern="(Q[0-9]+)" replacementPattern="http://www.wikidata.org/entity/$1">
          <p>Wikidata-Entitaeten, z.B. wikidata:Q42527 = http://www.wikidata.org/entity/Q42527</p>
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      <appInfo>
        <application ident="corema-ingredient-index" version="1" xml:id="corema-ingredient-index">
          <label>CoReMA-Zutatenindex</label>
          <p>Zutaten mit source="#corema-ingredient-index" tragen @en und @commodity unveraendert aus dem Zutatenindex von CoReMA (Corpus of Recipes of the Middle Ages, Universität Graz, CC BY 4.0), zugeordnet über die exakte historische Schreibung. Der Index erfasst nur deutschsprachiges Vokabular und deckt genau die Handschriften ab, die CoReMA selbst führt. Wo wir ihn darüber hinaus angewandt haben, steht nicht dieses Ziel, sondern #fyndling-corema-index. <ptr target="https://gams.uni-graz.at/context:corema"/></p>
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        <application ident="fyndling-ingredient-name" version="1" xml:id="fyndling-ingredient-name">
          <label>Namensbasierte Zuordnung Fyndling</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-ingredient-name" haben ihre Normdaten nicht über die historische Schreibung, sondern über den von uns vergebenen modernen Zutatennamen erhalten: wo dieselbe Zutat anderswo im Korpus bereits mit einem Wikidata-Konzept verknüpft war, wurde diese Verknüpfung übernommen. Voraussetzung waren mindestens zwei unabhängige Belege im Korpus und ein deutschsprachiger Ausgangsbeleg. Die Zuordnung ist damit unsere Arbeit und nicht CoReMA zuzurechnen.</p>
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        <application ident="fyndling-ingredient-registry" version="1" xml:id="fyndling-ingredient-registry">
          <label>Zuordnung aus der Fyndling-Zutatenregistry</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-ingredient-registry" haben ihre Normdaten aus unserer handgepflegten Zutatenregistry erhalten: einer redaktionell gefuehrten Tabelle, die je Wikidata-Konzept die modernen Namensvarianten festhaelt, unter denen wir es im Korpus fuehren. Sie greift genau dort, wo der Korpus selbst keine Mehrheit hergibt - etwa weil derselbe Name je nach Rezept verschieden aufgeloest wurde. Die Entscheidung ist unsere und nicht CoReMA zuzurechnen. Wo eine kontextabhaengige Regel zustaendig ist (Tierart, Fastengebot), gilt nicht diese Tabelle, sondern #fyndling-ingredient-context.</p>
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        <application ident="fyndling-corema-index" version="1" xml:id="fyndling-corema-index">
          <label>CoReMA-Zutatenindex, angewandt von Fyndling</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-corema-index" tragen Werte aus dem Zutatenindex von CoReMA, angewandt aber von uns auf eine Handschrift, die CoReMA nicht führt. Die Verantwortung für diese Zuordnungen liegt deshalb bei uns, nicht beim Projekt. Besondere Vorsicht gilt bei nicht deutschsprachigen Vorlagen: der Index ist eine deutsche Wortliste, und gleich geschriebene Wörter anderer Sprachen kollidieren mit ihr (mittelenglisch „oile" ist Öl, nicht Aal; französisch „pain" ist Brot, nicht Bein). Diese Stellen sind in Durchsicht. <ptr target="https://gams.uni-graz.at/context:corema"/></p>
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        <application ident="fyndling-ingredient-context" version="1" xml:id="fyndling-ingredient-context">
          <label>Kontextregeln Fyndling</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-ingredient-context" weichen bewusst vom Index ab, weil dessen Zuordnung im Rezeptzusammenhang nicht trägt. Beispiel: CoReMA legt alle Schreibungen von „smaltz" auf Schweineschmalz fest; in Fastenrezepten ist das kirchenrechtlich ausgeschlossen, dort stehen mehrere Kandidaten mit @cert="low" statt einer Festlegung. Diese Entscheidungen sind unsere Arbeit und nicht CoReMA zuzurechnen.</p>
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      <langUsage>
        <language ident="de-x-fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, Wiener Verfasser, Münchner Druck um 1580; ai für ei, nit = nicht)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
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  <text>
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      <div type="recipe" xml:id="ras-001">
        <head>Weinfässer zurichten, ausbrennen und räuchern</head>
        <div type="original" xml:id="ras-001-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-001-trans">
          <p>Vaß zuberaitten.
Die Vaß/ darein der zeitig vnnd außgepꝛeſt wein ſolle gelaſſen werden/ ſollen wol abgebꝛennt werden/ mit geſaltznem waſſer/ vnd ſollen gar rain ſein/ vnd wañs wider drucken woꝛden/ mit weihꝛauch gar wol geraucht werden: in ſolchen vaſſen alſo zugericht/ werden die wein voꝛ aller verderblichkeit behuͤtet vnd erhalten.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-001-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-001-orig">
          <p>Die Fässer, in die der reife und ausgepresste Wein gefüllt werden soll, sollen gut ausgebrannt werden, mit gesalzenem Wasser, und ganz rein sein. Und wenn sie wieder trocken geworden sind, sollen sie mit Weihrauch sehr gut ausgeräuchert werden.</p>
          <p>In Fässern, die so zugerichtet sind, werden die Weine vor allem Verderben behütet und bewahrt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Vaß">Weinfass (leer)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="geſaltznem waſſer">Salzwasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="weihꝛauch">Weihrauch (Harz)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-002">
        <head>Gärenden Most mit Wacholderholz, Hopfen oder Kräutern schützen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-002-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-002-trans">
          <p>Moſt helffen.
Etliche/ wann der moſt gehꝛen oder goͤſen ſol/ legen ſpaͤhn oder ſchaitten von kranberholtz darein/ vnd wañs nu gar genueg gehſen hat/ thuen ſie die ſchaitten wider herauß/ oder hengen zur zeit des gehꝛens hopffen toͤlderlein in mitte des vaß in leinen ſaͤckel/ vnd thuen es nach der gehꝛung wider hinwegk: Oder/ Beyfueß ſamen/ oder S. Johans kraut/ oder Bockßhoꝛn kraut/ Sibengezeit/ oder Mirtenholtz/ oder Aloes holtz/ welches deren in moſt gehenckt wird/ wann er goͤſen ſol/ ſo wird zur gehꝛens zeit der wein erhalten voꝛ aller verderblichkeit.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-002-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-002-orig">
          <p>Dem Most helfen.</p>
          <p>Manche legen, wenn der Most gären oder aufbrausen soll, Späne oder Scheite von Wacholderholz hinein, und wenn er nun genug gegoren hat, nehmen sie die Scheite wieder heraus. Oder sie hängen zur Zeit der Gärung Hopfendolden in einem Leinensäckchen mitten ins Fass und nehmen sie nach der Gärung wieder weg.</p>
          <p>Oder: Beifußsamen, Johanniskraut, Bockshornkraut, Siebengezeit, Myrtenholz oder Aloeholz - welches davon man in den Most hängt, wenn er gären soll, so wird der Wein zur Gärzeit vor allem Verderben bewahrt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Most, gärend</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſpaͤhn oder ſchaitten von kranberholtz">Wacholderholz, Späne oder Scheite</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="hopffen toͤlderlein">oder: Hopfendolden, im Leinensäckchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Beyfueß ſamen">oder: Beifußsamen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="S. Johans kraut">oder: Johanniskraut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Bockßhoꝛn kraut">oder: Bockshornklee, Kraut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Sibengezeit">oder: Siebengezeit, wohl blauer Steinklee (Schabzigerklee)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Mirtenholtz">oder: Myrtenholz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Aloes holtz">oder: Aloeholz (Adlerholz)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-003">
        <head>Wein mit Rebwurzeln, Wacholderholz oder Blüten haltbar machen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-003-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-003-trans">
          <p>Item/ wann du verhuͤten wolteſt die verderblichkeit des weins/ als lange zeit er auch wehꝛet/ ſo thue darein/ wann er noch moſt iſt/ oder hencke in einem leinen ſaͤcklein darein/ weinſtock wurtzen/ oder kranberholtz/ oder weinbluͤe/ oder koꝛnbluͤe/ oder hopffenbluͤe. Vnnd alſo wird der wein beſtaͤndig bleiben/ wañ diſe ding den wein nit allein voꝛ verderbung erhalten/ ſonder auch verderbten wein wider zu recht bꝛingen. Dann weil durch den hopffen das waſſer im bier erhalten wird voꝛ verderbung/ warumb nit vil mehꝛ wird das erhalten was weit ſtaͤrcker vnd krefftiger iſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-003-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-003-orig">
          <p>Ebenso: Willst du verhüten, dass der Wein verdirbt, wie lange er auch lagert, so gib hinein, solange er noch Most ist, oder häng in einem Leinensäckchen hinein: Weinstockwurzeln oder Wacholderholz oder Rebblüte oder Kornblumen oder Hopfenblüte. Und so wird der Wein beständig bleiben, denn diese Dinge bewahren den Wein nicht allein vor dem Verderben, sondern bringen auch verdorbenen Wein wieder zurecht.</p>
          <p>Denn wenn durch den Hopfen das Wasser im Bier vor dem Verderben bewahrt wird, warum sollte nicht viel mehr das bewahrt werden, was weit stärker und kräftiger ist?</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Most (oder lagernder Wein, für das Säckchen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="weinſtock wurtzen">Weinstockwurzeln (einer der fünf Zusätze zur Wahl)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="Juniperus communis" orig="kranberholtz" commodity="wikidata:Q26325" source="#fyndling-ingredient-registry">Wacholderholz (oder einer der anderen Zusätze)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="weinbluͤe">Rebblüte (oder einer der anderen Zusätze)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cornflower" orig="koꝛnbluͤe" commodity="wikidata:Q156921" source="#fyndling-ingredient-name">Kornblumenblüten (oder einer der anderen Zusätze)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="hopffenbluͤe">Hopfendolden (oder einer der anderen Zusätze)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="leinen ſaͤcklein">Leinensäckchen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-004">
        <head>Wasser vom Most scheiden: nach der ersten Gärung ablassen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-004-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-004-trans">
          <p>Waſſer vom Moſt zu ſchaiden.
Wann die leſens zeit regen wetterig iſt/ vnd etwo im moſt viel waſſers kaͤme/ vnnd wilſt das von dem wein ſchaiden/ damit der wein durch des waſſers vermiſchung nit verderbe/ ſo laß den wein geſtracks nach der erſten gehꝛung in ein anders vaß ab/ als bald daſſelb waſſer vnd kotwerch am boden des vaß von wegen ſeiner ſchwaͤr/ erd vnd grobheit bleiben wird.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-004-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-004-orig">
          <p>Wenn die Lesezeit verregnet ist und dabei viel Wasser in den Most gekommen ist und du es vom Wein scheiden willst, damit der Wein durch die Vermischung mit dem Wasser nicht verdirbt, dann lass den Wein sofort nach der ersten Gärung in ein anderes Fass ab. So bleibt dasselbe Wasser samt dem Schlamm sogleich am Boden des Fasses zurück, wegen seiner Schwere, seiner Erdhaftigkeit und seiner groben Beschaffenheit.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Most (verwässert, nach der ersten Gärung junger Wein)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein anders vaß">Zweites Fass zum Ablassen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-005">
        <head>Roggensauerteig auf dem Spund gegen Donner und Unwetter</head>
        <div type="original" xml:id="ras-005-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-005-trans">
          <p>Den Wein zubewahꝛen voꝛ donder vnd Wetter.
Damit aber der wein in Kellern von wetter vnd dunder nit verkehꝛet werde/ nimb ein ſaͤwꝛ von Rockentaig/ legs vber den ſpunt/ vnd damit verſpuͤnte dz vaß gar wol. Vil ding ſeind hierin/ derer vꝛſachen zu geben/ des Menſchens ſinnligkeit nit genueg/ ſo es doch alſo iſt vnnd geſchicht/ wie der Philoſophus ſagt/ Menſchlicher verſtand helt ſich alſo zu offenbaren dingen/ natuͤrlicher weiß/ wie Fledermaͤuß augen zu dem liecht der Sonnen. Vñ wiewol vns die vꝛſach aller ding verboꝛgen/ wie Plato ſagt in Timeo/ So iſt doch nichts in der welt/ deſſen vꝛſpꝛung ein bewaͤhꝛliche vnd rechtmaͤſſige vꝛſach nit waͤr voꝛher gangen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-005-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-005-orig">
          <p>Damit aber der Wein in den Kellern von Unwetter und Donner nicht umschlägt, nimm einen Sauerteig aus Roggenteig, leg ihn über den Spund und verschließ damit das Fass sehr gut.</p>
          <p>Für vieles hierin reicht die Sinnlichkeit des Menschen nicht aus, die Ursachen anzugeben, obwohl es doch so ist und geschieht, wie der Philosoph sagt: Der menschliche Verstand verhält sich zu den offenbaren Dingen von Natur aus wie die Augen der Fledermäuse zum Licht der Sonne. Und obwohl uns die Ursache aller Dinge verborgen ist, wie Platon im Timaios sagt, so ist doch nichts in der Welt, dessen Ursprung nicht eine nachweisbare und rechtmäßige Ursache vorausgegangen wäre.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ein ſaͤwꝛ von Rockentaig">Roggensauerteig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-006">
        <head>Trüben, verfärbten Wein mit frischer Milch und Weizen richten</head>
        <div type="original" xml:id="ras-006-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-006-trans">
          <p>Verdoꝛbnen Wein wider zu recht bꝛingen.
Nu iſt zu ſagen von verderbten weinen/ vnd von mancherleyheit der verderbung/ wie/ welcher geſtalt/ vñ was wegs ſolche wein alſo verderbt/ in voꝛigen jhꝛen ſtand zu recht koͤnnen gebꝛacht werden. Ein vnbeſtaͤndiger vnd entferbter wein kan alſo rechtgefertigt werden.
Zu einem fueder truͤben farbbꝛuͤchigen wein/ nimb new gemolchne noch khuͤe warme milch/ von was Viech es iſt/ vngefaͤhꝛlich ſouil als 1. maß/ vñ 1. becher oder topff vol waitzenkoͤꝛner zu kleiben geſtoſſen/ in rainem klaren waſſer wol gewaſchen/ alſo gantz in die milch gethan/ als dann nimb auß dem verderbten vaß ſouil wein/ gieß entgegen das Recept darein/ vñ von ſtundan ohn verzug/ ruͤhꝛ es wol durch einander/ 1. ſtund oder 2. lang an einander/ letzlich fuͤll dz vaß an mit gutem wein/ vnd ſpuͤndte es zu/ vñ alſo laß den wein ſtehn in ruech 15. tag/ ſo findſtu den lautern/ klaren wein/ vnd krefftig am geſchmachen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-006-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-006-orig">
          <p>Nun ist von verdorbenen Weinen zu sprechen und von der Mannigfaltigkeit des Verderbens: wie, auf welche Art und auf welchem Weg solche so verdorbenen Weine wieder in ihren vorigen Stand gebracht werden können. Ein unbeständiger und entfärbter Wein kann auf folgende Weise wieder in Ordnung gebracht werden.</p>
          <p>Zu einem Fuder trüben, farbbrüchigen Weins nimm frisch gemolkene, noch kuhwarme Milch, gleich von welchem Vieh sie ist, ungefähr so viel wie eine Maß, und einen Becher oder Topf voll Weizenkörner, gestoßen, bis die Kleie abgeht, in reinem, klarem Wasser gut gewaschen und so ganz in die Milch gegeben.</p>
          <p>Dann nimm aus dem verdorbenen Fass so viel Wein heraus und gieß dafür das Rezept hinein. Rühre es sofort und ohne Verzug gut durcheinander, eine oder zwei Stunden lang in einem fort.</p>
          <p>Zuletzt füll das Fass mit gutem Wein auf und verspunde es. Lass den Wein so fünfzehn Tage in Ruhe stehen, dann findest du ihn lauter und klar und kräftig im Geschmack.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="fueder truͤben farbbꝛuͤchigen wein">Fuder trüber, farbbrüchiger Wein</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="new gemolchne noch khuͤe warme milch">Maß frisch gemolkene, noch kuhwarme Milch (ungefähr)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="waitzenkoͤꝛner zu kleiben geſtoſſen">Becher oder Topf voll Weizenkörner, gestoßen, bis die Kleie abgeht</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient orig="rainem klaren waſſer">Wasser, rein und klar, zum Waschen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="gutem wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">guter Wein zum Auffüllen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-007">
        <head>Trüben Wein mit Eiweiß, Mehl und Sand klären</head>
        <div type="original" xml:id="ras-007-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-007-trans">
          <p>℞ Zu 1. fuder truͤbes vnnd verkehꝛtes weins/ 24. ayweiß/ wol geſtoſſen/ Item/ ſchoͤn ſubtil meel/ vñ ſaubern ſand/ jedes 1. topff oder becher vol/ auch ſouil des weins/ dieſes alles miſche durch einander/ vnnd gieß es auff 3. fart in das vaß/ vnnd allzeit mit einem zerſpalten durchloͤcherten holtz/ vaſt wol hin vnnd wider geruͤrt vnd bewegt/ laß es darnach ruhen etlich tag/ daß es ſich ſetzen muͤg/ von dieſem wird der wein lauter vnd klar. Oder:</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-007-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-007-orig">
          <p>Für 1 Fuder trüben und umgeschlagenen Weins nimm 24 Eiweiß, gut gestoßen, dazu schönes, feines Mehl und sauberen Sand, von jedem 1 Topf oder Becher voll, und ebenso viel vom Wein. Das alles mische durcheinander und gieß es auf dreimal in das Fass, und rühre und bewege es jedes Mal mit einem gespaltenen, durchlöcherten Holz kräftig hin und her. Lass es danach etliche Tage ruhen, damit es sich setzen kann. Davon wird der Wein lauter und klar. Oder:</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="1. fuder truͤbes vnnd verkehꝛtes weins">Wein, trüb und umgeschlagen (1 Fuder)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="24. ayweiß/ wol geſtoſſen">Eiweiß, gut gestoßen</ingredient> - 24</item>
            <item><ingredient orig="ſchoͤn ſubtil meel">Mehl, schön und fein (1 Topf oder Becher voll)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="ſaubern ſand">Sand, sauber (1 Topf oder Becher voll)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="auch ſouil des weins">Wein aus dem Fass (1 Topf oder Becher voll)</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-008">
        <head>Wein mit Rebenasche klären</head>
        <div type="original" xml:id="ras-008-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-008-trans">
          <p>℞ Zu 1. fuder wein zu rainigen vnnd klar zu machen/ gefaͤhten weinreben/ Reben aſchen/ ein becher oder topff vol deſſelben weins/ mach darauß ein dinnes taiglein oder mueßlein/ vnd gieß es auff 3. mal ins vaß/ als dann mit einẽ durchboꝛten holtz den wein im vaß feſt durch einander geruͤrt/ ſo lang biß er anfahet zu faimen/ vñ wann er ein wenig ruhet/ wird hiedurch ein klarer/ lauter vnd reſcher wein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-008-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-008-orig">
          <p>Um ein Fuder Wein zu reinigen und klar zu machen: Asche von gefähten Weinreben und einen Becher oder Topf voll von demselben Wein. Mach daraus einen dünnen Teig oder ein dünnes Mus und gieß es in drei Malen ins Fass.</p>
          <p>Dann rühr den Wein im Fass mit einem durchbohrten Holz kräftig durcheinander, so lange, bis er zu schäumen anfängt. Wenn er dann ein wenig ruht, wird davon ein klarer, reiner und frischer Wein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="1. fuder wein">Wein (1 Fuder), zu klären</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient orig="Reben aſchen">Rebenasche</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein becher oder topff vol deſſelben weins">Wein vom selben Fass, ein Becher oder Topf voll</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-009">
        <head>Trüben Wein mit Töpferton klären</head>
        <div type="original" xml:id="ras-009-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-009-trans">
          <p>Ein verkehꝛter vnd truͤber Wein kan mit mancherley artzneyen gebeſſert werden.
Vnd erſtlich/ durch die miſchung des weyſen erdꝛichs/ dauon ich an einem andern oꝛt klarer meldung gethan hab/ die ſolſtu in deinem gemuͤt behalten/ dann du wirdſt der pꝛactic ein nutz haben vnnd ehꝛ erlangen.
Item/ Nimb haffner dahn ſtuͤckel vnd pꝛoͤckel weiß oben durch das peul ins vaß gelaſſen/ darnach mit einem zerloͤcherten holtz den wein ſtarck abgetrieben/ wie ich dich voꝛhin vnd negſtmals berichtet hab/ von dem wird der wein lauter ſo er ſteht.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-009-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-009-orig">
          <p>Ein umgeschlagener und trüber Wein kann mit mancherlei Arzneien gebessert werden.</p>
          <p>Und zwar zuerst durch die Beimischung der weißen Erde, von der ich an einer anderen Stelle deutlicher berichtet habe. Die sollst du im Gedächtnis behalten, denn du wirst in der Praxis Nutzen davon haben und Ehre erlangen.</p>
          <p>Ebenso: Nimm weißen Töpferton in Stückchen und Bröckchen und lass ihn oben durch das Spundloch ins Fass. Danach treib den Wein mit einem durchlöcherten Holz kräftig durch, wie ich dir vorhin und zuletzt berichtet habe. Davon wird der Wein lauter, wenn er steht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="haffner dahn ſtuͤckel vnd pꝛoͤckel weiß">Töpferton (Hafnerton), weiß, in Stückchen und Bröckchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Ein verkehꝛter vnd truͤber Wein">Wein, umgeschlagen und trüb</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-010">
        <head>Diptam gegen umschlagenden Wein</head>
        <div type="original" xml:id="ras-010-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-010-trans">
          <p>Item/ vil leut ſagen/ daß man Diptan ſol thun in den wein der ſich verkehꝛen wil/ oder zur verderbung naiget/ dauon jm werde geholffen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-010-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-010-orig">
          <p>Ebenso: Viele Leute sagen, man solle Diptam in den Wein tun, der umschlagen will oder zum Verderben neigt; davon werde ihm geholfen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="white dittany" orig="Diptan" commodity="wikidata:Q157755" source="#corema-ingredient-index">Diptam</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="wein der ſich verkehꝛen wil">Wein, der umzuschlagen droht</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-011">
        <head>Fehlerhaften Most oder Wein mit brennendem Efeu richten</head>
        <div type="original" xml:id="ras-011-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-011-trans">
          <p>Item/ etlich/ vnd die mehꝛiſten ſagen/ daß man ſol Epheu (Hedera) anzuͤnden/ vnd im Moſt oder wein der mangelhafftig woꝛden/ ableſchen/ dauon er wider zu recht komme.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-011-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-011-orig">
          <p>Ebenso sagen etliche, und zwar die meisten, man solle Efeu (Hedera) anzünden und ihn in Most oder Wein, der fehlerhaft geworden ist, ablöschen; davon komme er wieder zurecht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Epheu (Hedera)">Efeu</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Moſt oder wein der mangelhafftig woꝛden">Most oder Wein, fehlerhaft geworden</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-012">
        <head>Umgeschlagenen Wein mit Efeu, Kien oder Sand aufschlagen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-012-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-012-trans">
          <p>Item/ jr gar vil laſſen von einem ſolchen wein einen halben Emer herauß/ vnd fuͤllen das vaß an von Epheu/ khuͤen/ oder ſand wol geſaͤubert/ vnnd alſo bewegen oder zerſchlagen ſie den wein alle tag/ biß er ein faimb macht/ wann das beſchicht/ ſo laſſen ſie jhn ruhen ein lange zeit. Eben ſolches thun ſie allerley verkehꝛten weinen/ oder die verderben woͤllen/ mach jm ein geiſcht/ ſo wird er gerainiget.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-012-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-012-orig">
          <p>Gar viele lassen von einem solchen Wein einen halben Eimer heraus und füllen das Fass mit Efeu, Kien oder Sand an, gut gesäubert. Und so bewegen oder zerschlagen sie den Wein jeden Tag, bis er Schaum bildet. Wenn das geschieht, lassen sie ihn eine lange Zeit ruhen.</p>
          <p>Ebendas tun sie mit allerlei umgeschlagenen Weinen oder solchen, die verderben wollen. Bring ihn zum Schäumen, so wird er gereinigt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ſolchen wein">Wein, umgeschlagen oder am Verderben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Epheu">Efeu</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="khuͤen">Kien, harzreiches Nadelholz (Deutung unsicher)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſand wol geſaͤubert">Sand, gut gesäubert</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-013">
        <head>Verdorbenen Wein mit Espenrinde oder Asche erhalten</head>
        <div type="original" xml:id="ras-013-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-013-trans">
          <p>Item/ vil werffen Eſpenrinden ins verderbte weinfaß oder aſchen clauellati oder triti: dann ſolches ſolle den wein gantz erhalten/ wañ er gleich gar am geſpan lege.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-013-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-013-orig">
          <p>Ebenso: Viele werfen Espenrinde in das verdorbene Weinfass oder Asche, clavellati oder triti. Denn das soll den Wein ganz erhalten, auch wenn er schon völlig „am Gespan“ läge.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Eſpenrinden">Espenrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="aſchen clauellati">Pottasche (cineres clavellati), statt der Espenrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="oder triti">Asche, triti (wohl zerrieben), statt der Pottasche</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-014">
        <head>Pechgeschmack im Wein: Salbei, Hopfen und Feigen oder Quitten einhängen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-014-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-014-trans">
          <p>Khonicht oder khamig wein/ vnd puͤchelet.
Item/ mercke aldo von vilen andern gebꝛeſten/ die dem wein zuſtehen muͤgen: wann der wein nach bech ſchmeckt/ ſo henge 3. tag lang ins vaß/ ein hand vol Saluey vnd ſo viel Hopffen/ vnd 3. feygen Coctona/ oder 4. Kytten/ ſo wird der vnluſt vnd geſtanck auffhoͤꝛen. Daß du aber erkennen kuͤnſt/ ob der bech geſtanck allein von dem wein/ oder aber auch von dem vaß vergeh/ ſo muſtu den wein ablaſſen in ein anders eben ſo groß vaß/ rain vnnd wol geſaͤubert/ vnnd das/ was da oben vermeldet/ darein hengen/ ſo wird der wein voꝛ allem vblen geſtanck erlediget. Oder:</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-014-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-014-orig">
          <p>Kahniger oder kahmiger Wein, und pechiger Wein.</p>
          <p>Merke hier von vielen anderen Gebrechen, die dem Wein zustoßen können: Wenn der Wein nach Pech schmeckt, so hänge drei Tage lang eine Handvoll Salbei und ebenso viel Hopfen ins Fass, dazu drei Coctona-Feigen oder vier Quitten. Dann werden der Widerwille und der Gestank aufhören.</p>
          <p>Damit du aber erkennen kannst, ob der Pechgestank allein vom Wein oder auch vom Fass ausgeht, musst du den Wein in ein anderes, ebenso großes Fass ablassen, das rein und gut gesäubert ist, und das, was oben genannt ist, hineinhängen. So wird der Wein von allem üblen Gestank befreit.</p>
          <p>Oder:</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="common sage" orig="ein hand vol Saluey" commodity="wikidata:Q1111359" source="#fyndling-ingredient-registry">Salbei (eine Handvoll)</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient orig="ſo viel Hopffen">Hopfen (ebenso viel wie Salbei)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="3. feygen Coctona">Coctona-Feigen (kleine getrocknete Feigen)</ingredient> - 3</item>
            <item><ingredient en="quince" orig="4. Kytten" commodity="wikidata:Q2751465" source="#fyndling-ingredient-name">Quitten (statt der Feigen, so der Text)</ingredient> - 4</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-015">
        <head>Wein mit Pechgeschmack auslüften und mit Eppich behandeln</head>
        <div type="original" xml:id="ras-015-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-015-trans">
          <p>Mercke/ der puͤchlet wein wird ſo curiert/ laß den wein ab in groſſe kruͤg/ oder in andere hierzu taugliche geſchirꝛ/ damit der geſchmack oder geſtanck des bechs außluͤfften vnnd verꝛauchen muͤg/ darnach thue in den wein ein guten theil ſaubers eppich oder peterlein/ mit einem ſaubern leinen thuech vmbbunden/ damit der wein nit verunrainet werde/ vnd laß alſo 3. tag ſtehn/ als dann gieß den wein auß den geſchirꝛn wider in ein vaß das nit puͤchlet/ er wird gar gut werden. Vñ ſo der geſtanck des bechs vom wein noch nit gar vertrieben/ oder daß villeicht durch den eppich nit kundte gentzlich hinwegk gehebt werden/ ob etwo der wein den geſchmachen gar zu ſtarck an ſich gezogen/ dann ſolle man weiſſe erd nemen/ mit welcher er kan verhuͤlt werden/ deßgleichen kan ein wein/ der etwo einen andern geſchmachen oder geſtanck hat/ zu recht gebꝛacht vnd geſchlichtet werden durch die vermiſchung der weiſſen erd.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-015-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-015-orig">
          <p>Merke: Ein Wein, der nach Pech schmeckt, wird so kuriert. Lass den Wein ab in große Krüge oder in andere dazu taugliche Gefäße, damit der Geschmack oder Gestank des Pechs auslüften und verfliegen kann.</p>
          <p>Danach gib einen guten Teil sauberen Eppich oder Petersilie in den Wein, in ein sauberes Leinentuch gebunden, damit der Wein nicht verunreinigt wird, und lass ihn so drei Tage stehen. Dann gieß den Wein aus den Gefäßen wieder in ein Fass, das nicht nach Pech schmeckt. Er wird sehr gut werden.</p>
          <p>Und wenn der Pechgestank noch nicht ganz aus dem Wein vertrieben ist, oder wenn er sich vielleicht durch den Eppich nicht gänzlich wegnehmen ließ, falls etwa der Wein den Geschmack allzu stark an sich gezogen hat, dann soll man weiße Erde nehmen, mit der er sich überdecken lässt. Ebenso kann ein Wein, der etwa einen anderen Geschmack oder Gestank hat, durch das Einmischen der weißen Erde wieder zurechtgebracht und bereinigt werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="der puͤchlet wein">Wein mit Pechgeschmack</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſaubers eppich">Eppich (Sellerie), ein guter Teil, sauber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="parsley" orig="peterlein" commodity="wikidata:Q25284" source="#corema-ingredient-index">Petersilie (statt Eppich, laut Text)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="weiſſe erd">Weiße Erde (nur, wenn der Pechgeschmack bleibt)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-016">
        <head>Gestank mit heißem Gerstenbrot aus dem Fass ziehen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-016-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-016-trans">
          <p>Item/ Nimb warm oder haiß gerſten bꝛot/ erſt auß dem ofen genommen/ halbs auff das peul gelegt/ vnnd halbs wider in den ofen daß es warm bleibe/ wechßle ſo offt vmb/ wann ein theil erkuͤlet/ biß der geſtanck auß dem vaß gezogen wird.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-016-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-016-orig">
          <p>Ebenso: Nimm warmes oder heißes Gerstenbrot, gerade erst aus dem Ofen genommen. Die eine Hälfte wird auf das Spundloch gelegt, die andere Hälfte wieder in den Ofen, damit sie warm bleibt. Wechsle so oft, wie ein Teil erkaltet, bis der Gestank aus dem Fass gezogen ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="warm oder haiß gerſten bꝛot">Gerstenbrot, warm oder heiß, frisch aus dem Ofen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-017">
        <head>Fassgestank mit Wacholderbeeren, Ysop oder Walwurz vertreiben</head>
        <div type="original" xml:id="ras-017-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-017-trans">
          <p>Item/ etlich andere legen ins vaß dauon der wein den geſtanck empfacht/ kranwetboͤꝛ/ wol geſaͤubert/ vnd Iſop rain gewaſchen/ vnnd etlich legen darein Walwurtz/ dann viel Authores, die von dieſer Weinpꝛactic geſchꝛieben haben/ ſagen/ es gelte viel.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-017-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-017-orig">
          <p>Ebenso: Manche andere legen in das Fass, von dem der Wein den Gestank annimmt, gut gesäuberte Wacholderbeeren und rein gewaschenen Ysop, und manche legen Walwurz hinein. Denn viele Autoren, die über diese Weinpraxis geschrieben haben, sagen, es sei viel wert.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="kranwetboͤꝛ">Wacholderbeeren, gut gesäubert</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Iſop rain gewaſchen">Ysop, rein gewaschen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Walwurtz">Walwurz, wohl Beinwell (Variante, bei manchen)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-018">
        <head>Wacholder- oder Tannenscheite gegen Fassgestank</head>
        <div type="original" xml:id="ras-018-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-018-trans">
          <p>Item/ etlich andere legen in das vaß/ dauon der wein den geſtanck an ſich zeucht/ ſchaiden von kramberholtz/ oder ſchaitten (abietis) von Thennenholtz/ ſol faſt gut darzue ſein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-018-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-018-orig">
          <p>Ebenso legen etliche andere in das Fass, von dem der Wein den Gestank annimmt, Scheite von Wacholderholz oder Scheite (abietis) von Tannenholz. Das soll sehr gut dafür sein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ſchaiden von kramberholtz">Wacholderholz, in Scheiten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Thennenholtz">Tannenholz, in Scheiten (statt des Wacholderholzes)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-019">
        <head>Weiß gewordenen Wein mit gerösteter Honigwabe färben</head>
        <div type="original" xml:id="ras-019-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-019-trans">
          <p>Wein wie dopff oder molcken.
Wann ein wein an der farb ſo weiß wurde wie molcken/ kanſtu jm wider ein gute weinfarb machen mit einer hoͤnigwaben oder hoͤnigſchaumb/ oder (villeicht) windwachs/ in einem ſchuͤßlein wol geroͤſtet/ vñ des weins daran gethan.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-019-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-019-orig">
          <p>Wein wie Topfen oder Molke.</p>
          <p>Wenn ein Wein in der Farbe so weiß geworden ist wie Molke, kannst du ihm wieder eine gute Weinfarbe geben: mit einer Honigwabe oder Honigschaum oder vielleicht Windwachs, in einem Schüsselchen gut geröstet und etwas von dem Wein daran gegeben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="hoͤnigwaben">Honigwabe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="hoͤnigſchaumb">Honigschaum (statt der Wabe)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="windwachs">Windwachs (statt der Wabe, von Rasch selbst nur als „vielleicht“ genannt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="des weins">Wein, etwas vom betroffenen Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-020">
        <head>Zähen Wein mit Weinstein und Rebenasche frisch machen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-020-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-020-trans">
          <p>Zaͤch vnd traͤg wein.
Wilſtu einen zaͤhen wein reſch machen. Nimb wolgeribnen weinſtein ein becher vol zu 1. fuder/ vnd eben ſouil weinrebenaſchen/ vnd laß auff 2. becher wein/ miſchs wol durch einander/ vnnd gieß ins vaß zu 3. maln/ vñ ſo offt ruͤhꝛs oder zerſchlags mit dem zerſpaltnen oder geboꝛten holtz feſt wol biß es faimb gibt/ heb den faimb auff der vbergeht/ vñ gieß jhn wider darein/ fuͤlle aber das vaß kein mahl gar vol an/ damit von der voͤlle wegen der wein nit verderbt werde.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-020-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-020-orig">
          <p>Willst du einen zähen Wein frisch machen: Nimm gut geriebenen Weinstein, einen Becher voll auf 1 Fuder, und ebenso viel Weinrebenasche, und lass 2 Becher Wein darauf. Misch es gut durcheinander und gieß es in 3 Malen ins Fass.</p>
          <p>Und so oft rühre oder schlage es mit dem gespaltenen oder gebohrten Holz kräftig, bis es Schaum gibt. Fang den Schaum auf, der übergeht, und gieß ihn wieder hinein.</p>
          <p>Fülle das Fass aber kein einziges Mal ganz voll an, damit der Wein nicht wegen der Fülle verdorben wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="zu 1. fuder">Zäher Wein, 1 Fuder</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="wolgeribnen weinſtein ein becher vol">Weinstein, gut gerieben, 1 Becher voll</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient orig="eben ſouil weinrebenaſchen">Weinrebenasche, ebenso viel wie Weinstein</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="2. becher wein">Wein, 2 Becher</ingredient> - 2</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-021">
        <head>Zähen Wein mit warmer Kuhmilch frisch machen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-021-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-021-trans">
          <p>Item/ nimb warme Khuͤemilch bey einer gantzen maß/ gieß es auß einem geſchirꝛ mit einen engen halß ins vaß/ ſo wird er reſch.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-021-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-021-orig">
          <p>Ebenso: Nimm warme Kuhmilch, ungefähr eine ganze Maß, und gieß sie aus einem Gefäß mit engem Hals ins Fass, so wird der Wein frisch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="warme Khuͤemilch bey einer gantzen maß">Kuhmilch, warm, ungefähr eine ganze Maß</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-022">
        <head>Zähen Wein mit einem Nesselbüschel frisch machen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-022-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-022-trans">
          <p>Item/ henck an ein vaß ein buͤſchlein neſſel/ mit ſeinen wurtzen/ wol geſaͤubert/ vñ wann zur ſelben zeit die neſſel ſchon zeitigen ſaamen hetten/ ſo wickle oder thue es in ein leines thuech/ vnd hencks in wein/ ſo wird er reſch.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-022-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-022-orig">
          <p>Ebenso: Häng in ein Fass ein Büschlein Nesseln mit seinen Wurzeln, gut gesäubert. Und wenn die Nesseln zu dieser Zeit schon reifen Samen haben, so wickle es oder tu es in ein leinenes Tuch und häng es in den Wein, so wird er frisch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="ein buͤſchlein neſſel/ mit ſeinen wurtzen/ wol geſaͤubert">Büschlein Brennnesseln mit Wurzeln, gut gesäubert</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="ein leines thuech">Leinentuch (nur wenn die Nesseln schon reifen Samen tragen)</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-023">
        <head>Zähen Wein mit aufgesottenem Wein und eingehängtem Blech frisch machen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-023-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-023-trans">
          <p>Item/ nimb des weins einen theil in einen newen hafen oder keſſel/ ſetzs zum fewꝛ/ laß es vaſt wol wallend ſieden/ als dann wann er verfaumbt vnd geſotten genueg/ vom fewꝛ gethon/ vnd alſo haiß ins vaß gegoſſen/ nimb auch als dann ein eyſern blech oder blaichblech/ wol ſauber gemacht/ ins vaß gehenckt/ dauon wird der wein lauter vnd reſch.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-023-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-023-orig">
          <p>Ebenso: Nimm einen Teil des Weins in einen neuen Topf oder Kessel, setz ihn ans Feuer und lass ihn recht kräftig wallend sieden. Wenn er dann abgeschäumt und genug gesotten ist, nimm ihn vom Feuer und gieß ihn so heiß ins Fass.</p>
          <p>Nimm danach auch ein eisernes Blech oder ein Bleichblech, gut sauber gemacht, und häng es ins Fass. Davon wird der Wein klar und frisch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="des weins einen theil">Wein aus dem Fass, ein Teil</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="ein eyſern blech">Eisenblech, gut gesäubert</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient orig="blaichblech">Bleichblech, gut gesäubert (statt des Eisenblechs)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-024">
        <head>Knoblauchsamen gegen säuerlich werdenden Wein</head>
        <div type="original" xml:id="ras-024-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-024-trans">
          <p>Anzick oder eſſelicht wein vnd bier.
Mercke/ wann ein wein anzickh oder eſſiglicht werden wil/ ſo henck darein knoblauchſamen ein becher vol in ein vaß/ er kumbt wider zu recht/ vnd wird ſo ſuͤß als er zuuoꝛ nie geweſen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-024-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-024-orig">
          <p>Säuerlicher oder essigartiger Wein und Bier.</p>
          <p>Merke: Wenn ein Wein säuerlich oder essigartig werden will, so häng einen Becher voll Knoblauchsamen ins Fass. Er kommt wieder zurecht und wird so süß, wie er zuvor nie gewesen ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="ein wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein, der säuerlich zu werden beginnt (im Fass)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="knoblauchſamen ein becher vol">Knoblauchsamen, ein Becher voll</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-025">
        <head>Eier oder Weizen ins Fass gegen sauer werdendes Bier</head>
        <div type="original" xml:id="ras-025-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-025-trans">
          <p>Item/ wann das bier ſewꝛlicht werden wolt/ ſo henck in das vaß 2. oder 3. Ayr/ oder ein wenig waitzen wol geſaͤubert/ es hilfft.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-025-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-025-orig">
          <p>Ebenso: Wenn das Bier säuerlich werden will, so hänge zwei oder drei Eier in das Fass oder ein wenig gut gesäuberten Weizen. Es hilft.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="2. oder 3. Ayr">Eier, zwei oder drei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein wenig waitzen wol geſaͤubert">Weizen, ein wenig, gut gesäubert (statt der Eier)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-026">
        <head>Wachs im Fass gegen Essigstich</head>
        <div type="original" xml:id="ras-026-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-026-trans">
          <p>Item/ zu 1. fuder wein der eſſichlecht werden wil/ nimb 1. pfund newes friſches wachs/ vnd hencks ins vaß/ der wein wird gut.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-026-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-026-orig">
          <p>Ebenso: Für 1 Fuder Wein, der essigstichig werden will, nimm 1 Pfund neues, frisches Wachs und häng es ins Fass. So wird der Wein gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="1. fuder wein">Wein, der essigstichig werden will (1 Fuder)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="1. pfund newes friſches wachs">Bienenwachs, neu und frisch</ingredient> - 1 Pfund</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-027">
        <head>Schwachen Wein mit Zucker und Hirschhornspänen stärken</head>
        <div type="original" xml:id="ras-027-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-027-trans">
          <p>19. Verkehꝛung des weins.
Offtmals verkehꝛet ſich ein wein in andere farb vnnd in andern geſchmach/ vnd dem kan geholffen werden durch einſchlag oder zulag.
Wann du wilſt ſchwachen wein ſtercker machen. ℞ Zu 1. fuder ein halb pfund zucker/ vnd gleich ſouil abfeil von hirſchhoꝛn/ ſedes beſunder in einem leinen ſaͤckel in wein gehenckt/ ſo wird er vmb viel krefftiger vñ ſtercker werden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-027-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-027-orig">
          <p>Oft schlägt ein Wein in eine andere Farbe und in einen anderen Geschmack um, und dem kann durch Einschlag oder Zusatz geholfen werden.</p>
          <p>Wenn du schwachen Wein stärker machen willst: Nimm auf 1 Fuder ein halbes Pfund Zucker und ebenso viel Feilspäne von Hirschhorn, jedes für sich in einem Leinensäckchen in den Wein gehängt. So wird er viel kräftiger und stärker werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="Zu 1. fuder">Schwacher Wein, 1 Fuder</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="unrefined cane sugar" orig="ein halb pfund zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#fyndling-ingredient-name">Zucker</ingredient> - 0.5 Pfund</item>
            <item><ingredient orig="gleich ſouil abfeil von hirſchhoꝛn">Hirschhornfeilspäne, ebenso viel wie Zucker</ingredient> - 0.5 Pfund</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-028">
        <head>Wein mit Rautensamen stärken</head>
        <div type="original" xml:id="ras-028-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-028-trans">
          <p>Item/ etlich pulueriern Rautenſamen/ vnd hencken ein pfund in wein/ wird ſo ſtarck dauon/ daß er auch truncken macht.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-028-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-028-orig">
          <p>Ebenso: Etliche pulverisieren Rautensamen und hängen ein Pfund davon in den Wein. Er wird davon so stark, dass er auch betrunken macht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="Rautenſamen">Rautensamen, gepulvert</ingredient> - 1 Pfund</item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein, schwach</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-029">
        <head>Essig aus sauren Trauben</head>
        <div type="original" xml:id="ras-029-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-029-trans">
          <p>20. Von Eſſig vnd ſeiner beraittung.
Weil ich oben von Eſſig was meldung gethan hab/ ſo folget fuͤglich in diſem Tractaͤtel von Eſſig auch zu handlen.
Vnd wiſſe/ daß mancherley art ſeind der Eſſig/ vnd auch mehꝛerley weiß den Eſſig anzumachen. Dann der Eſſig wird gemacht von außgedꝛucktẽ raͤſſen weinboͤꝛn/ durch ein thuech geſigen/ ein wenig altes weins dazu gemengt/ vnnd wann es ſich ſetzt/ ſeyhe es von hoͤfen oder geleger ab/ vnd thue es alſo offt/ biß du jn zu einem Eſſig genueg gethan haſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-029-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-029-orig">
          <p>Von Essig und seiner Zubereitung.</p>
          <p>Weil ich oben etwas vom Essig erwähnt habe, folgt passend, in diesem Traktätlein auch vom Essig zu handeln. Und wisse, dass es mancherlei Arten von Essig gibt und auch mehrere Weisen, den Essig anzusetzen.</p>
          <p>Essig wird nämlich aus ausgepressten sauren Weintrauben gemacht: durch ein Tuch geseiht und ein wenig alter Wein dazugemischt. Und wenn es sich setzt, seihe es von der Hefe oder dem Geläger ab, und tu das so oft, bis du ihn genug zu einem Essig gebracht hast.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="außgedꝛucktẽ raͤſſen weinboͤꝛn">Weintrauben, sauer, ausgepresst</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein wenig altes weins">Wein, alt (ein wenig)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-030">
        <head>Essig aus altem Wein an Sonne oder Feuer</head>
        <div type="original" xml:id="ras-030-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-030-trans">
          <p>Item/ von wein wird alſo Eſſig gemacht. Fuͤll ein vaß halb vol an von alten wein/ vnnd legs an die Sonn oder zum fewꝛ/ das dann beſſer iſt/ biß es zu eſſig wird.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-030-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-030-orig">
          <p>Ebenso wird aus Wein auf diese Weise Essig gemacht: Fülle ein Fass halb voll mit altem Wein und lege es an die Sonne oder, was besser ist, ans Feuer, bis es zu Essig wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="alten wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">alter Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-031">
        <head>Essig aus dem alten Essiggefäß im siedenden Wasserbad</head>
        <div type="original" xml:id="ras-031-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-031-trans">
          <p>Item/ nimb ein geſchirꝛ das nach eſſig ſchmeckt/ von einem alten wein her/ oder eſſig/ vnd fuͤlls halb vol an/ wol vermacht vñ verduppelt oder verſtopfft/ vnd in ein haiß ſiedend waſſer gelegt/ vnd ein weil darin wallen laſſen/ ſo wird eſſig.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-031-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-031-orig">
          <p>Ebenso: Nimm ein Gefäß, das nach Essig riecht, weil zuvor alter Wein oder Essig darin war, und fülle es halb voll. Verschließe es gut und doppelt oder verstopfe es, lege es in heißes, siedendes Wasser und lass es eine Weile darin wallen, so wird Essig daraus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="(implied)">Wein, so viel, dass das Gefäß halb voll ist</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="haiß ſiedend waſſer">Wasser, siedend heiß</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-032">
        <head>Essig aus Wein mit säuerlichem Roggen im Leinentüchlein</head>
        <div type="original" xml:id="ras-032-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-032-trans">
          <p>Item/ ein hafen halb vol/ oder etwas dꝛuͤber/ mit wein angefuͤlt/ vnd von ſeurlichtem rocken getraid/ eines ay oder fauſt groß/ in leinen thuͤchel gewickelt/ darein gethan/ zum fewꝛ geſetzt/ daß es wol erwaͤrme/ ſo wird eſſig.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-032-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-032-orig">
          <p>Einen Topf halb voll oder etwas darüber mit Wein füllen. Säuerlichen Roggen, so groß wie ein Ei oder eine Faust, in ein leinenes Tüchlein wickeln und hineinlegen, ans Feuer setzen, damit es gut warm wird, so wird Essig daraus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein (Topf halb voll oder etwas darüber)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſeurlichtem rocken getraid">Säuerlicher Roggen, wahrscheinlich Roggensauerteig (so groß wie ein Ei oder eine Faust)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-033">
        <head>Schnellessig mit glühendem Stahlblech</head>
        <div type="original" xml:id="ras-033-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-033-trans">
          <p>Item/ nimb gluͤende ſtahelblech/ dꝛeymahl in einem guten eſſig abgeleſcht/ dieſelben blech alſo auffgehalten/ vnd wann du eylends ein eſſig machen wilſt von wein/ ſo gluͤe ein blech/ vnnd leſch es in wein ab/ ſo wird eſſig.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-033-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-033-orig">
          <p>Nimm glühende Stahlbleche, lösche sie dreimal in einem guten Essig ab und bewahre dieselben Bleche so auf. Und wenn du eilends einen Essig aus Wein machen willst, so mache ein Blech glühend und lösche es im Wein ab, so wird Essig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ſtahelblech">Stahlbleche</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="vinegar" orig="einem guten eſſig" commodity="wikidata:Q41354" source="#corema-ingredient-index">guter Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-034">
        <head>Essig aus Wein im vergrabenen Topf</head>
        <div type="original" xml:id="ras-034-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-034-trans">
          <p>Item/ ein wein in einem rainem hafen geſotten vnd abgefaimbt/ als dann wol vermacht/ im ſelben hafen 3. tag in die erd begraben/ vnd herauß genummen/ widerumb ſieden laſſen/ ſo wird guter eſſig.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-034-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-034-orig">
          <p>Ebenso: Einen Wein in einem reinen Topf sieden und abschäumen, danach gut verschließen und im selben Topf drei Tage in die Erde vergraben. Dann wieder herausnehmen und noch einmal sieden lassen, so wird guter Essig daraus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="ein wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-035">
        <head>Schnellessig-Pulver aus Ährenspitzen und Traubenkernen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-035-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-035-trans">
          <p>Item/ ein puluer zu machen/ dauon ein wenig in ein becher oder napff wein gethan/ guter eſſig wird. ℞ Viel Koꝛneher ſpitzlein vnnd außgedꝛuckt weinboͤꝛkoͤꝛnlein/ wol gedoͤꝛret vnd zu puluer gerieben/ wañ du gaͤhling ein eſſig haben wilſt/ thue des puluers ein wenig in wein/ ſo wird eſſig.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-035-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-035-orig">
          <p>Ebenso ein Pulver zu machen, von dem ein wenig, in einen Becher oder Napf Wein gegeben, guten Essig ergibt.</p>
          <p>Nimm viele Kornährenspitzen und ausgepresste Traubenkerne, gut gedörrt und zu Pulver gerieben. Wenn du rasch einen Essig haben willst, gib ein wenig von dem Pulver in Wein, so wird es Essig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Koꝛneher ſpitzlein">Kornährenspitzen, gedörrt (viele)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="außgedꝛuckt weinboͤꝛkoͤꝛnlein">Traubenkerne aus dem Kelterrückstand, gedörrt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein, ein Becher oder Napf</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-036">
        <head>Starker Bieressig aus dem ersten Sud mit alter Hefe</head>
        <div type="original" xml:id="ras-036-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-036-trans">
          <p>Item/ ein ſtarcker eſſig von Bier wird alſo gemacht/ Nimb von ſeinem erſten vnd beſſern ſud (praxima) hitze es bey dem fewꝛ ſo faſt/ daß du die hand kaum darin halten kanſt/ darnach thue ein wenig waich hoͤfen von einem alten bier darzu/ welche hoͤfen den bierſud ſidend oder auffſteygend vnd zu eſſig machen. Wann aber alßbald der eſſig villeicht nicht ſtarck genueg waͤr/ ſo thue weiß oder roth Weydenholtz darein/ ſo wird er geſtracks anfahen ſtaͤrcker zu werden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-036-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-036-orig">
          <p>Ein starker Essig aus Bier wird so gemacht: Nimm von seinem ersten und besseren Sud (praxima) und erhitze ihn am Feuer so sehr, dass du die Hand kaum darin halten kannst. Danach gib ein wenig weiche Hefe von einem alten Bier dazu. Diese Hefe lässt den Biersud aufwallen oder aufsteigen und macht ihn zu Essig.</p>
          <p>Wäre der Essig aber gleich danach vielleicht nicht stark genug, so gib weißes oder rotes Weidenholz hinein, dann wird er sogleich anfangen, stärker zu werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ſeinem erſten vnd beſſern ſud">Biersud, der erste und bessere (Würze)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein wenig waich hoͤfen von einem alten bier">weiche Hefe von einem alten Bier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="weiß oder roth Weydenholtz">Weidenholz, weiß oder rot (nur wenn der Essig zu schwach bleibt)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-037">
        <head>Weidenzapfen im Essigfass</head>
        <div type="original" xml:id="ras-037-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-037-trans">
          <p>Merck/ daß allen Eſſigen/ was art die ſein/ die ſewꝛ oder eſſelichten geſchmachẽ zu erhalten faſt nuͤtzen/ die zapffen oder koͤgel von weyſen Weyden gemacht/ oben ſo dick daß ſie den ſpunt wol verwaren/ vñ ſo lang/ damits dannoch den boden nit gar erꝛaiche. Dann das holtz hat einen eſſiglichten oder ſauren geſchmachen/ vñ doher auß ſolchem ſeinem aignen geſchmachen hat es die krafft ſeurligkeit zu erhalten vnd zu mehren.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-037-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-037-orig">
          <p>Merke: Allen Essigen, welcher Art sie auch sind, nützen Zapfen oder Kegel aus weißen Weiden sehr, um ihre Säure oder ihren essigartigen Geschmack zu erhalten. Sie sollen oben so dick sein, dass sie den Spund gut verschließen, und so lang, dass sie dennoch den Boden nicht ganz erreichen.</p>
          <p>Denn das Holz hat einen essigartigen oder sauren Geschmack, und daher hat es aus diesem seinem eigenen Geschmack die Kraft, die Säure zu erhalten und zu mehren.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="zapffen oder koͤgel von weyſen Weyden">Weidenholz von der weißen Weide (wahrscheinlich Silberweide), als Zapfen oder Kegel</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-038">
        <head>Eisenblech mit Salz oder Kieselstein auf dem Fass gegen Donner</head>
        <div type="original" xml:id="ras-038-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-038-trans">
          <p>Wann es ſtaͤts nach einander donnert/ ſolches pfleget dem wein in kellern ein ploͤtzlich vnnd vnuerhoffte veraͤnderung zubꝛingen/ Wo aber die Weinkeller tieff vnder der erden/ vnd gewelbt/ ſo empfahen die wein weniger ſchaden als wann ſie getaͤffelt oder gebint ſein. Man kan diſen ſchaden verhuͤten/ wann man voꝛ dem gewitter auff die wein vaͤſſer ein eyſenblech mit ſaltz oder ein kißlingſtain legt. Lemnius &amp; Mizaldus.C.1.A.82.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-038-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-038-orig">
          <p>Wenn es ständig hintereinander donnert, bringt das dem Wein in den Kellern gewöhnlich eine plötzliche und unverhoffte Veränderung. Liegen die Weinkeller aber tief unter der Erde und sind sie gewölbt, so nehmen die Weine weniger Schaden, als wenn die Keller getäfelt oder aus Balkenwerk gezimmert sind.</p>
          <p>Man kann diesen Schaden verhüten, wenn man vor dem Gewitter ein Eisenblech mit Salz oder einen Kieselstein auf die Weinfässer legt. Lemnius und Mizaldus, C. 1, A. 82.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ein eyſenblech">Eisenblech</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="table salt" orig="ſaltz" commodity="wikidata:Q11254" source="#corema-ingredient-index">Salz (auf dem Eisenblech)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein kißlingſtain">Kieselstein (oder statt Eisenblech mit Salz)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-039">
        <head>Wasser mit Leinentuch vom Wein trennen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-039-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-039-trans">
          <p>Waſſer vom wein ſchaiden.
Henck ein leinen thuech in die khandel/ do der wein mit waſſer gemiſcht iſt/ laß aber das thuech herauß gehn/ ſo wird ſich das waſſer daran herauß ziehen/ ſouil ſein darin iſt/ vnd der wein wird bleiben.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-039-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-039-orig">
          <p>Wasser vom Wein scheiden.</p>
          <p>Häng ein Leinentuch in die Kanne, in der der Wein mit Wasser gemischt ist, lass das Tuch aber heraushängen, so wird sich das Wasser daran herausziehen, so viel davon darin ist, und der Wein wird bleiben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="wein mit waſſer gemiſcht">Wein, mit Wasser gemischt</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="ein leinen thuech">Leinentuch</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-040">
        <head>Käse gegen übermäßig gärenden Wein</head>
        <div type="original" xml:id="ras-040-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-040-trans">
          <p>3. Gehꝛen oder goͤſen des weins.
Wann jemand das vbermaͤſſig joͤſen des weins in dem vaß bꝛechen wil/ der werff oder leg ein klein ſtuͤcklein kaͤß in daſſelb/ er wird ein wunder ſehen. Mizaldus.C.9A.33.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-040-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-040-orig">
          <p>3. Vom Gären oder Aufbrausen des Weins.</p>
          <p>Wenn jemand das übermäßige Aufbrausen des Weins im Fass brechen will, der werfe oder lege ein kleines Stücklein Käse hinein, er wird ein Wunder sehen. Mizaldus, C. 9 A. 33.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ein klein ſtuͤcklein kaͤß">Käse, ein kleines Stücklein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="weins in dem vaß">Wein, der im Fass übermäßig gärt</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-041">
        <head>Wein mit der Asche des Weinstocks färben</head>
        <div type="original" xml:id="ras-041-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-041-trans">
          <p>5. Dem wein die farb verkehꝛen.
Es ſagt Palladius/ daß die weinſtoͤck ein ſolche natur haben/ daß wo der weiſſe oder ſchwartze zu aſchen wird gebꝛendt/ vnnd in den wein gelegt/ ſo ferbt er denſelben nach ſeiner farb. Mizaldus.C.9.A.76.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-041-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-041-orig">
          <p>Palladius sagt, die Weinstöcke hätten eine solche Natur: Wird der weiße oder der schwarze Weinstock zu Asche gebrannt und in den Wein gelegt, so färbt er ihn nach seiner Farbe. Mizaldus, C. 9, A. 76.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="weinſtoͤck">Weinstock (weiß oder schwarz), zu Asche gebrannt</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-042">
        <head>Rotwein weiß machen mit Weihrauch</head>
        <div type="original" xml:id="ras-042-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-042-trans">
          <p>6. Roten wein weiß machen.
Weiſſen Weyhꝛauch 3. oder 4. khoͤꝛner in wein (aber doch nit gar auff das geleger) gehengt/ iſt gut fuͤr die rothfarb vnd bꝛechen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-042-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-042-orig">
          <p>6. Roten Wein weiß machen.</p>
          <p>Drei oder vier Körner weißen Weihrauchs, in den Wein gehängt - aber doch nicht ganz bis auf das Geläger -, sind gut gegen die rote Farbe und gegen das Brechen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Weiſſen Weyhꝛauch 3. oder 4. khoͤꝛner">Weißer Weihrauch, 3 oder 4 Körner</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Roter Wein (Menge nicht genannt)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-043">
        <head>Rotwein weiß machen mit Mandelmilch, Eiweiß und Mehl</head>
        <div type="original" xml:id="ras-043-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-043-trans">
          <p>Item/ ℞ Mandelmilch von 1. pfund khern außgepꝛeſt/ das weiß auß einem ay/ 1. leffel waitzes mehl/ miſch es durch einander/ gieß ins vaß/ als dann ruͤhꝛs in dem vaß durch einander.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-043-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-043-orig">
          <p>Ebenso, um roten Wein weiß zu machen: Nimm Mandelmilch, aus einem Pfund Kernen ausgepresst, das Weiße aus einem Ei und einen Löffel Weizenmehl, misch es durcheinander und gieß es ins Fass. Danach rühr es im Fass durcheinander.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="Mandelmilch von 1. pfund khern außgepꝛeſt">Mandelkerne, zu Milch ausgepresst</ingredient> - 1 Pfund</item>
            <item><ingredient orig="das weiß auß einem ay">Eiweiß von einem Ei</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="1. leffel waitzes mehl">Weizenmehl (1 Löffel)</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient orig="(implied)">Roter Wein im Fass (Menge nicht genannt)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-044">
        <head>Weißwein am Tisch mit Klatschmohnblüten rot färben</head>
        <div type="original" xml:id="ras-044-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-044-trans">
          <p>7. Weiſſen wein roth machen am tiſch.
℞ Roth Koꝛnblumen/ oder Klapper roſen (man haiſts auch Schuelroſen) ſo ſie zeytig ſind/ am lufft gedoͤꝛrt/ in ein ſauber thuͤchel gethan/ in wein gedaucht vnnd außgedꝛuckt/ ſo wird er roth.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-044-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-044-orig">
          <p>Um Weißwein am Tisch rot zu machen: Nimm rote Kornblumen oder Klapperrosen - man nennt sie auch Schuelrosen -, wenn sie reif sind. Dörre sie an der Luft, gib sie in ein sauberes Tüchlein, tauche es in den Wein und drücke es aus, so wird er rot.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="white wine" orig="Weiſſen wein" commodity="wikidata:Q10210" source="#corema-ingredient-index">Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Roth Koꝛnblumen">Rote Kornblumen, an der Luft getrocknet (wahrscheinlich Klatschmohn)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Klapper roſen">Klapperrosen (Klatschmohnblüten), an der Luft getrocknet (oder statt der Kornblumen)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="ein ſauber thuͤchel">Sauberes Tüchlein</ingredient> - 1 Stück</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-045">
        <head>Weißwein mit steinhart gesottenem Honig rot färben</head>
        <div type="original" xml:id="ras-045-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-045-trans">
          <p>Item/ Weiſſen wein in rothen on allẽ ſchaden kanſtu verwandlen/ ſo du hoͤnig ſiedeſt/ daß es ſo hart werde wie ein ſtain/ nachmals außdoͤꝛreſt/ zu puluer ſtoͤſſeſt/ daſſelbig in weiſſen wein legeſt/ vnd alſo vermiſcheſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-045-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-045-orig">
          <p>Ebenso kannst du weißen Wein ohne allen Schaden in roten verwandeln, wenn du Honig siedest, bis er so hart wird wie ein Stein, ihn danach ausdörrst, zu Pulver stößt, dieses in weißen Wein legst und so vermischst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="white wine" orig="Weiſſen wein" commodity="wikidata:Q10210" source="#corema-ingredient-index">Weißwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="honey" orig="hoͤnig" commodity="wikidata:Q10987" source="#corema-ingredient-index">Honig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-046">
        <head>Weißwein mit Ampferwurzel rot färben</head>
        <div type="original" xml:id="ras-046-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-046-trans">
          <p>Deßgleichen thut auch mit geringer muͤhe die wurtzel von allerley Ampffer geſchlecht/ wo dieſelb friſch oder duͤrꝛ in wein gelegt wird. Mizaldus. C.6.A.93.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-046-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-046-orig">
          <p>Dasselbe, nämlich weißen Wein rot zu machen, bewirkt auch mit geringer Mühe die Wurzel von allerlei Ampferarten, wenn man sie frisch oder getrocknet in den Wein legt. Mizaldus, C. 6, A. 93.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="die wurtzel von allerley Ampffer geſchlecht">Ampferwurzel, von beliebiger Ampferart, frisch oder getrocknet</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Weißwein, der rot werden soll</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-047">
        <head>Sauren Wein mit einem verschlossenen Topf Wasser bessern</head>
        <div type="original" xml:id="ras-047-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-047-trans">
          <p>8. Sewꝛ des weins.
℞ Ein hafen voll gutes waſſers/ vermach denſelben mit fleiß/ vñ leg jn in den ſawꝛen wein/ nach dem dꝛitten tag wird das waſſer den geſchmack an ſich gezogen/ vñ der wein ſein voꝛig natur erlangt haben. Mizaldus.C.9.A.70.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-047-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-047-orig">
          <p>Nimm einen Topf voll gutem Wasser, verschließe ihn sorgfältig und lege ihn in den sauren Wein. Nach dem dritten Tag wird das Wasser den Geschmack an sich gezogen und der Wein seine vorige Natur wiedererlangt haben. Mizaldus, C. 9, A. 70.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Ein hafen voll gutes waſſers">Wasser, gutes (ein Topf voll)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="den ſawꝛen wein">Wein, sauer geworden</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-048">
        <head>Kichererbsenmus gegen säuerlich gewordenen Wein</head>
        <div type="original" xml:id="ras-048-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-048-trans">
          <p>Item.
℞ Ziſern ein guten theil/ beſtreich ſie mit Oliuen/ koch vnnd zerreib ſie/ daß ein dick mueß dꝛauß werde/ deſſelben ein halb pfund in den wein gethan/ welcher ſawꝛlecht woꝛden/ ſo wird der ſawꝛ geſchmack innerhalb eines tags veraͤndert/ vnnd der wein widerumb wolgeſchmack werden. Mizaldus.C.1.A.68.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-048-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-048-orig">
          <p>Ebenso: Nimm eine gute Menge Kichererbsen, bestreiche sie mit Olivenöl, koche sie und zerreibe sie, damit ein dickes Mus daraus wird. Wird davon ein halbes Pfund in den Wein getan, der säuerlich geworden ist, so wird der saure Geschmack innerhalb eines Tages verändert, und der Wein wird wieder wohlschmeckend. Mizaldus, C. 1, A. 68.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Ziſern ein guten theil">Kichererbsen, eine gute Menge (davon ein halbes Pfund Mus in den Wein)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Oliuen">Olivenöl, zum Bestreichen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="wein gethan/ welcher ſawꝛlecht woꝛden">Wein, der säuerlich geworden ist</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-049">
        <head>Stinkenden Wein mit Weizen im Säckchen bessern</head>
        <div type="original" xml:id="ras-049-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-049-trans">
          <p>9. Stinckend wein.
Ein ſtinckender vnd verdoꝛbner wein kan gebeſſert werden/ wann nach der groͤſſe des vaß ein rechte poꝛtion des rainen waitzes in ein ſaͤckel gelegt vnnd darein gehenckt wird/ darnach darauß gezogen/ dann alles was do ſtinckend iſt/ das zeucht es zu ſich/ vnd macht alſo den wein klar vnd ſauber. Pictorius &amp; Mizaldus.C.4.A.89.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-049-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-049-orig">
          <p>Ein stinkender und verdorbener Wein kann gebessert werden, wenn nach der Größe des Fasses eine angemessene Portion reinen Weizens in ein Säckchen gelegt, in das Fass gehängt und danach wieder herausgezogen wird. Denn alles, was da stinkend ist, zieht er an sich und macht so den Wein klar und sauber.</p>
          <p>Pictorius und Mizaldus, C. 4, A. 89.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ſtinckender vnd verdoꝛbner wein">Wein, stinkend und verdorben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="rainen waitzes">Weizen, rein (Menge nach der Größe des Fasses)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="ſaͤckel">Säckchen</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-050">
        <head>Verdorbenen Wein in ein mit Kräutersud gewaschenes Fass abziehen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-050-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-050-trans">
          <p>10. Verderbte wein zu recht bꝛingen.
Einen verdoꝛbnen wein wirdſtu wider zu recht bꝛingen/ wo du denſelben in ein anders wol geſaͤubert vaß abzeuchſt/ vnnd welches zuuoꝛ mit geſotnem warmen waſſer von Loꝛber/ Mirꝛhen/ Baſilien vnnd Nußblettern/ oder blaw Lilienwurtz oder Reckholderboͤꝛ/ mit fleiß außgewaſchen ſey. Solches macht dem wein ein luſtig vnd lieblich farb/ auch ein guten geruch vñ geſchmack. Mizaldus.C.1.A.95.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-050-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-050-orig">
          <p>Einen verdorbenen Wein bringst du wieder zurecht, wenn du ihn in ein anderes, gut gesäubertes Fass abziehst, das zuvor mit gesottenem warmem Wasser von Lorbeer, Myrrhe, Basilikum und Nussblättern oder von blauer Lilienwurz oder Wacholderbeeren sorgfältig ausgewaschen worden ist. Das gibt dem Wein eine schöne und liebliche Farbe, dazu einen guten Geruch und Geschmack. Mizaldus, C. 1, A. 95.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="geſotnem warmen waſſer">Wasser, mit den Würzstoffen gesotten, warm</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Loꝛber">Lorbeer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Mirꝛhen">Myrrhe (Harz)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Baſilien">Basilikum</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Nußblettern">Nussblätter, wohl Walnuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="blaw Lilienwurtz">Blaue Lilienwurz, Schwertlilienwurzel (statt der vier vorigen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="juniper berry" orig="Reckholderboͤꝛ" commodity="wikidata:Q3251025" source="#fyndling-ingredient-name">Wacholderbeeren (oder statt dessen)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-051">
        <head>Nelkengespickte Pomeranze im Weinfass</head>
        <div type="original" xml:id="ras-051-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-051-trans">
          <p>Es wird der wein wolgeſchmack werden/ vnd ein guten geruch vñ ein gute farb bekommen/ wann ein Pomerantz oder Citran apffel mit naͤglein allenthalben beſtochen vnd beſteckt/ in das Wein vaß alſo gehenckt wird/ daß er den wein nit anruͤhꝛ/ dann alſo wird der wein weder ſaiger noch zaͤch werden/</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-051-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-051-orig">
          <p>Der Wein wird wohlschmeckend und bekommt einen guten Geruch und eine gute Farbe, wenn man eine Pomeranze oder eine Zitrone rundum mit Nelken ansticht und bespickt und sie so in das Weinfass hängt, dass sie den Wein nicht berührt. Denn so wird der Wein weder schal noch zäh.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="bitter orange" orig="Pomerantz" commodity="wikidata:Q27657260" source="#fyndling-ingredient-name">Pomeranze (Bitterorange)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="lemon" orig="Citran apffel" commodity="wikidata:Q1093742" source="#fyndling-ingredient-name">Zitrone (statt der Pomeranze)</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="clove" orig="naͤglein" commodity="wikidata:Q15622897" source="#corema-ingredient-index">Gewürznelken</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-052">
        <head>Sauren Wein oder Essig mit Lauchsamen oder Rebenlaub zurechtbringen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-052-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-052-trans">
          <p>Wann du aber wilſt ein ſauren wein oder Eſſig auff weins natur widerbꝛingen/ das kanſtu mit lauchſamen außrichten/ oder wann du in denſelben die bletter von den weinreben vnnd derſelben zincken (ſpitzen) wirffſt. Von einem guten Zechbꝛuder. Mizaldus.C.4.A.78.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-052-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-052-orig">
          <p>Willst du aber einen sauren Wein oder Essig wieder zur Natur des Weins zurückbringen, so kannst du das mit Lauchsamen erreichen, oder wenn du die Blätter der Weinreben und ihre Spitzen hineinwirfst.</p>
          <p>Von einem guten Zechbruder. Mizaldus, C. 4, A. 78.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ein ſauren wein oder Eſſig">Wein, sauer geworden, oder Essig (das Behandelte)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="lauchſamen">Lauchsamen, wohl vom Porree</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="die bletter von den weinreben vnnd derſelben zincken (ſpitzen)">Blätter und Spitzen der Weinrebe (statt der Lauchsamen)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-053">
        <head>Schwachen Wein mit Steinfeder, Eppich und Fenchelsamen verbessern</head>
        <div type="original" xml:id="ras-053-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-053-trans">
          <p>Auß einem ſchwachen wein kanſtu ein koͤſtlichen guten wein machen/ auff dieſe weiß. ℞ Bletter von Stainfeder vnd Eppich/ auch Fenchelſamen/ jedes 1. hand vol/ legs in das vaß.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-053-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-053-orig">
          <p>Aus einem schwachen Wein kannst du einen erlesenen, guten Wein machen, auf diese Weise: Nimm Blätter von Steinfeder und Eppich, dazu Fenchelsamen, von jedem eine Handvoll, und lege sie in das Fass.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="Bletter von Stainfeder">Steinfeder (Brauner Streifenfarn), Blätter (eine Handvoll)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="celery" orig="Eppich" commodity="wikidata:Q28298" source="#corema-ingredient-index">Eppich (Sellerie), Blätter (eine Handvoll)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="Fenchelſamen">Fenchelsamen (eine Handvoll)</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-054">
        <head>Trüben Wein mit Eiweiß klären</head>
        <div type="original" xml:id="ras-054-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-054-trans">
          <p>Wann aber der wein truͤb wurde ſein/ ſo wirdſtu jn klar machen/ alſo: ℞ 6. oder 7. ayweiß/ wirffs in wein/ ruͤhꝛs wol durch einander Auß den ſecreten eines verſtaͤndigen vnd reichen Weinſchencks zu Orleans in Pariß; Mizaldus.C.3.A.100.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-054-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-054-orig">
          <p>Wenn aber der Wein trüb sein sollte, so wirst du ihn auf diese Weise klar machen: Nimm 6 oder 7 Eiweiß, wirf sie in den Wein und rühre es gut durcheinander.</p>
          <p>Aus den Geheimnissen eines verständigen und reichen Weinschenken zu Orleans in Paris; Mizaldus, C. 3, A. 100.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="wein truͤb">Wein, trüb</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="egg white" orig="6. oder 7. ayweiß" commodity="wikidata:Q796758" source="#fyndling-ingredient-name">Eiweiß (6 oder 7)</ingredient> - 6</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-055">
        <head>Verdorbenen Wein mit lange gerührtem Eiweiß bessern</head>
        <div type="original" xml:id="ras-055-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-055-trans">
          <p>Verderbten/ abgefalnen vnd truͤben wein kanſtu auff dieſe weiß beſſern/ vnd wider zu recht bꝛingen. ℞ Etlich ayweiß/ ruͤhꝛ dieſelbẽ lang vnd offt durch einander/ laß ſie verſchaumen/ legs ins vaß/ vnnd treib es ab.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-055-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-055-orig">
          <p>Verdorbenen, schal gewordenen und trüben Wein kannst du auf diese Weise bessern und wieder zurechtbringen. Nimm etliche Eiweiß und rühre sie lange und oft durcheinander. Lass den Schaum vergehen, gib es ins Fass und rühre es dort durch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Verderbten/ abgefalnen vnd truͤben wein">Wein, verdorben, schal geworden und trüb</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Etlich ayweiß">Eiweiß, etliche</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-056">
        <head>Verdorbenen Wein mit gerösteten Walnusskernen am Faden bessern</head>
        <div type="original" xml:id="ras-056-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-056-trans">
          <p>Deßgleichen thut auch/ wo du 12. alt welſch Nußkhern an ein faden bindeſt/ vnd vnder der aſchen bꝛaten laſt/ vnnd weil ſie noch warm ſein/ ſo an einander hangend in den wein legeſt/ vnnd ſo lang darin laſt bleiben/ biß dir des weins farb wird gefallen. Eines Weinſchencks ſecretet. Mizaldus.C.7.A.20.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-056-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-056-orig">
          <p>Dasselbe bewirkt es auch, wenn du zwölf alte Walnusskerne an einen Faden bindest und unter der Asche rösten lässt. Solange sie noch warm sind, legst du sie, so wie sie aneinanderhängen, in den Wein und lässt sie so lange darin, bis dir die Farbe des Weins gefällt.</p>
          <p>Eines Weinschenken Geheimmittel. Mizaldus, C. 7, A. 20.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="12. alt welſch Nußkhern">Walnusskerne, alt</ingredient> - 12</item>
            <item>
              <ingredient orig="ein faden">Faden, zum Aufreihen der Kerne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein, verdorben oder trüb (Menge nicht genannt)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-057">
        <head>Schlechten Wein mit gewärmter süßer Milch gut machen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-057-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-057-trans">
          <p>Ein boͤſen wein gut machen: laß das vaß ein wenig ab/ ruͤhꝛ den wein im vaß gar wol/ etwo mit einem ſtecken/ daß er gleich ein geiſcht macht/ als dann ℞ zimblich viel gute ſuͤß milch/ nach der groͤß des vaß/ gewaͤrmbt/ doch nit ſiedend/ gieß ins vaß/ vnd ruͤhꝛs abermals im vaß wol durch einander/ vnnd laß alſo ruhen. Am dritten tag fuͤll das vaß erſt wider vol an/ ſo bleibt der letzt tropff ſo gut als der erſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-057-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-057-orig">
          <p>Einen schlechten Wein gut machen: Lass das Fass ein wenig ab. Rühre den Wein im Fass gründlich um, etwa mit einem Stecken, so dass er gleich Schaum bildet.</p>
          <p>Dann nimm ziemlich viel gute süße Milch, je nach Größe des Fasses, angewärmt, doch nicht siedend. Gieß sie ins Fass, rühre es abermals im Fass gut durcheinander und lass ihn so ruhen.</p>
          <p>Erst am dritten Tag fülle das Fass wieder voll an, so bleibt der letzte Tropfen so gut wie der erste.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="boͤſen wein">Schlechter, fehlerhafter Wein im Fass</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="zimblich viel gute ſuͤß milch">Gute süße Milch, angewärmt, nicht siedend, ziemlich viel nach Größe des Fasses</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-058">
        <head>Trägen Wein mit leicht gesalzener Kuhmilch bessern</head>
        <div type="original" xml:id="ras-058-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-058-trans">
          <p>11. Traͤg wein.
Ein abgeſtandner/ gebꝛochner/ zaͤher oder ſaiger wein kan gebeſſert werden/ wañ man Khuͤ milch/ welche ein wenig geſaltzen ſey/ darein geuſt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-058-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-058-orig">
          <p>Ein abgestandener, umgeschlagener, zäher oder schaler Wein kann gebessert werden, wenn man Kuhmilch, die ein wenig gesalzen sein soll, hineingießt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="abgeſtandner/ gebꝛochner/ zaͤher oder ſaiger wein">Wein, abgestanden, umgeschlagen, zäh oder schal</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Khuͤ milch">Kuhmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="table salt" orig="ein wenig geſaltzen" commodity="wikidata:Q11254" source="#corema-ingredient-index">Salz, wenig (in der Milch)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-059">
        <head>Wacholderbeeren und Veilchenwurz gegen verfälschten Wein</head>
        <div type="original" xml:id="ras-059-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-059-trans">
          <p>Es ſeind etliche/ welche den wein mit Alaun/ ſchwebel vnd kalch verfelſchen/ nit on groſſen ſchaden der jenigen die jn trincken. Daß aber ſolches vermeidet werden muͤg/ ſo ſol Reckholderboͤꝛ vnnd Violwurtz (Ciridis radix genandt) darunder gemiſcht werden. Lemnius &amp; Mizaldus.C.4.A.24.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-059-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-059-orig">
          <p>Es gibt etliche, die den Wein mit Alaun, Schwefel und Kalk verfälschen, nicht ohne großen Schaden für die, die ihn trinken. Damit das aber vermieden werden kann, sollen Wacholderbeeren und Veilchenwurz, „Ciridis radix“ genannt, daruntergemischt werden. Lemnius &amp; Mizaldus, C. 4, A. 24.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="den wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein, der verfälschte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="juniper berry" orig="Reckholderboͤꝛ" commodity="wikidata:Q3251025" source="#fyndling-ingredient-name">Wacholderbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Violwurtz">Veilchenwurz (Iriswurzel)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-060">
        <head>Wein im Sommer mit einem Speckbeutel im Fass vor dem Schalwerden schützen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-060-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-060-trans">
          <p>Wenn man kein gelegenheit het zu Summers zeiten den wein in tieffe keller zu ſetzen/ ſo wirdſtu dennoch wehꝛen koͤnnen/ daß er nit ſaiger werde/ wann du ein halb pfund geſaltzen Speck vñ Schweinfleiſchs in ein thuͤchlein verwickleſt/ vñ in das vaß henckeſt/ oder noch mehꝛ dañ ein halb pfund/ nach dem das vaß klein oder groß iſt. Solſt aber alſo damit vmbgehn/ daß wenn du den wein herauß zapffeſt/ ſo ſol das tuͤchlein biß an den boden nider gelaſſen werden/ biß das vaß gar außgeſchenckt ſey woꝛden/ ſo wirds geſchehen/ daß der wein von ſich ſelbſt weder geaͤndert noch ſaiger wird werden. Lemnius &amp; Mizaldus.C.4.A.68.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-060-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-060-orig">
          <p>Wenn man im Sommer keine Gelegenheit hat, den Wein in tiefe Keller zu bringen, so kannst du dennoch verhindern, dass er schal wird, wenn du ein halbes Pfund gesalzenen Speck und Schweinefleisch in ein Tüchlein wickelst und in das Fass hängst, oder auch mehr als ein halbes Pfund, je nachdem, ob das Fass klein oder groß ist.</p>
          <p>Du sollst aber so damit umgehen: Wenn du den Wein herauszapfst, soll das Tüchlein bis an den Boden hinabgelassen werden, bis das Fass ganz ausgeschenkt ist. So wird es geschehen, dass der Wein von sich aus weder verändert noch schal wird. Lemnius und Mizaldus, C. 4, A. 68.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="ein halb pfund geſaltzen Speck vñ Schweinfleiſchs">Gesalzener Speck und Schweinefleisch, zusammen (für ein großes Fass mehr)</ingredient> - 0.5 Pfund</item>
            <item><ingredient orig="ein thuͤchlein">Tüchlein, als Beutel zum Einhängen</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="den wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein im angezapften Fass</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-061">
        <head>Wein im Sommer mit Salpeterbad kühlen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-061-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-061-trans">
          <p>Daß der wein zu Summers zeit/ vnnd in den Hundßtaͤgen in den vaſſen nit bald ſaiger werde/ ſondern lieblich vnnd friſch/ ſo ſollen die weinfaß oder weingeſchirꝛ in ein peting/ puͤtten/ wann/ oder trog geſetzt werdẽ/ welches vol kaltes waſſers ſey/ demnach ſol Salpeter oder Salniter darein gewoꝛffen werden/ ſo wird der wein ſo kalt werden/ daß jhn kaum die zeen erleiden koͤnnen/ Es ſeind etliche/ welche ayweiß gebꝛauchen an ſtat des Salniters oder Salpeters. Lemnius, Langius &amp; Mizaldus.C.3.A.95.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-061-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-061-orig">
          <p>Damit der Wein zur Sommerszeit und in den Hundstagen in den Fässern nicht bald schal wird, sondern lieblich und frisch bleibt, sollen die Weinfässer oder das Weingeschirr in einen Bottich, eine Bütte, eine Wanne oder einen Trog gesetzt werden, der voll kalten Wassers sein soll. Danach soll man Salpeter oder Salniter hineinwerfen, so wird der Wein so kalt, dass ihn die Zähne kaum ertragen können.</p>
          <p>Es gibt etliche, die statt des Salniters oder Salpeters Eiweiß gebrauchen. Lemnius, Langius und Mizaldus, C. 3, A. 95.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="kaltes waſſers">Kaltes Wasser (im Bottich, um das Fass)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Salpeter oder Salniter">Salpeter (Salniter), ins Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="egg white" orig="ayweiß" commodity="wikidata:Q796758" source="#fyndling-ingredient-name">Eiweiß (nach etlichen statt des Salpeters)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-062">
        <head>Wein mit durchbohrtem Hagedornholz gegen Zähwerden rühren</head>
        <div type="original" xml:id="ras-062-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-062-trans">
          <p>Hagendoꝛnholtz voller loͤcher gebohꝛt/ den wein 3. Freytag voꝛ Oſtern nach einander jedes mals bey einer viertel oder halben ſtund geruͤhꝛt/ ſo wird er nit zaͤch/ verleurt auch ſein farb nit.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-062-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-062-orig">
          <p>Hagedornholz, voller Löcher gebohrt: Rührt man den Wein damit an drei Freitagen vor Ostern nacheinander jedes Mal eine Viertel- oder eine halbe Stunde lang, so wird er nicht zäh und verliert auch seine Farbe nicht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Hagendoꝛnholtz voller loͤcher gebohꝛt">Hagedornholz (wohl Weißdorn), voller Löcher gebohrt</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-063">
        <head>Wein mit Meerwasser oder Salz klären, nach den Alten</head>
        <div type="original" xml:id="ras-063-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-063-trans">
          <p>Es haben die Alten in jre wein Meer Waſſer oder Saltz gethan/ damit ſie nit zaͤch vnd faiſt/ oder ſaiger wurden/ dann das Saltz hat durch ſein hitz vnd ſchwaͤre die hoͤfen an den boden mit ſich gezogen/ vnd alſo die wein klar gemacht. Cato, Columella, Plinius, vnd die Griechiſchen Geoponici, Mizaldus.C.3.A.82.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-063-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-063-orig">
          <p>Die Alten haben Meerwasser oder Salz in ihre Weine getan, damit sie nicht zäh und fett oder schal würden. Denn das Salz hat durch seine Hitze und Schwere die Hefe mit sich an den Boden gezogen und so die Weine klar gemacht.</p>
          <p>Cato, Columella, Plinius und die griechischen Geoponici; Mizaldus, C. 3, A. 82.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Meer Waſſer">Meerwasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="table salt" orig="Saltz" commodity="wikidata:Q11254" source="#corema-ingredient-index">Salz (anstelle von Meerwasser)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-064">
        <head>Kräuterwein: Grundverfahren mit Spänen und Kräuterlagen im Fass</head>
        <div type="original" xml:id="ras-064-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-064-trans">
          <p>Von Kreuterwein in gemain.
Hierin ſeind mancherley weiß/ wie es dann zu jedens gefallens ſtehet. Der gemaineſte iſt/ daß man befilcht die kreuter im dreiſſigſten/ das iſt vngefehꝛ vom halben Auguſt biß halben September einzuſamblen. Aber die beſte zeit iſt/ wann ſie blumen tragen. Die ſol man am ſchatten abtruͤcknen/ oder zum wenigſten in einer law warmen Stuben/ wol voꝛ ſtaub bewahꝛen/ biß man die bꝛauchen wil. Nun Kreuterwein zu machen/ berait ein Feßlin ſo groß du wilt/ thu darein Buchen oder Haͤßlin ſpaͤn/ auff die ſtrewe ein geleg kreuter on getruckt/ nachmals aber ſpaͤn vnd kreuter/ biß das Feßlin vol wird/ das zugeſchlagen/ fuͤlls mit Moſt. Iſt er ſtarck/ ſol er deſto oͤffter abgetruncken/ vnnd wider gefuͤllet werden. Damit man aber weitern bericht hab/ ſollen auch andere wein/ ſo entweders in der eyl zu gehen/ oder muͤhe zu erſparen gebꝛaucht/ anzeigt werden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-064-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-064-orig">
          <p>Vom Kräuterwein im Allgemeinen.</p>
          <p>Hierin gibt es mancherlei Weisen, wie es eben einem jeden gefällt. Die gebräuchlichste ist, dass man anweist, die Kräuter im Dreißigsten zu sammeln, das ist ungefähr von Mitte August bis Mitte September. Die beste Zeit aber ist, wenn sie blühen. Man soll sie im Schatten trocknen oder wenigstens in einer lauwarmen Stube und sie gut vor Staub bewahren, bis man sie brauchen will.</p>
          <p>Um nun Kräuterwein zu machen, richte ein Fässlein her, so groß du willst. Gib Buchen- oder Haselspäne hinein, streue darauf eine Lage Kräuter, ungedrückt, danach wieder Späne und Kräuter, bis das Fässlein voll wird. Ist es zugeschlagen, so fülle es mit Most. Ist er stark, soll er umso öfter abgetrunken und wieder aufgefüllt werden.</p>
          <p>Damit man aber weiteren Bericht habe, sollen auch andere Weine gezeigt werden, die man gebraucht, entweder wenn es eilen muss oder um Mühe zu ersparen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="kreuter">Kräuter, im Schatten getrocknet</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Buchen">Buchenspäne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Haͤßlin ſpaͤn">Haselspäne (oder statt der Buchenspäne)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="Moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Most</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-065">
        <head>Kräuterwein süß halten: Most zum Teil einkochen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-065-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-065-trans">
          <p>Welliche dieſe Kreuterwein ſuͤß behalten woͤllen/ die ſieden den Moſt bey hellem fewer zum theil ab/ nach dem der Moſt ſtarck oder gering iſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-065-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-065-orig">
          <p>Wer diese Kräuterweine süß halten will, kocht den Most bei hellem Feuer zum Teil ein, je nachdem, ob der Most stark oder schwach ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="Moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Most</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-066">
        <head>Kräuterwein: ein, zwei Tropfen Destillat in die Kanne</head>
        <div type="original" xml:id="ras-066-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-066-trans">
          <p>Andere beraiten durch ſchaͤrpffe vnd kuͤnſtliche diſtillierung wz kreuter ſie woͤllen/ alſo daß ſie jren geruch/ krafft vnd tugend dermaſſen behalten/ wo ſie von ſolchen nit mehꝛ dann ein oder zwen tropffen in ein kanten wein laſſen/ das den geruch vnd art ſolchs krauts empfahet/ erſparen damit vil vnkoſten/ muͤhe vnnd arbeit. Weil aber ſolche kuͤnſten wenigen bekandt ſeind/</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-066-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-066-orig">
          <p>Andere bereiten durch Schärfe und kunstvolle Destillierung, welche Kräuter sie wollen, so dass diese ihren Geruch, ihre Kraft und Wirkung dermaßen behalten: Geben sie davon nicht mehr als ein oder zwei Tropfen in eine Kanne Wein, so nimmt der Wein den Geruch und die Art dieses Krauts an. Damit ersparen sie viele Unkosten, Mühe und Arbeit.</p>
          <p>Weil aber solche Künste wenigen bekannt sind, …</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="wz kreuter ſie woͤllen">Kräuter nach Wahl, destilliert</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein oder zwen tropffen">Kräuterdestillat, ein oder zwei Tropfen</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="ein kanten wein">Wein, eine Kanne</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-067">
        <head>Kräuterauszug in Branntwein für Kräuterwein</head>
        <div type="original" xml:id="ras-067-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-067-trans">
          <p>ſo mag man ſich folgender ſtuͤck behelffen: Nim̃ was krauts du wilt/ alſo von blumen vnnd wurtzen/ daruon man Kreuterwein machen wil/ die doͤrꝛe wol ab/ vnd zerſtoß/ ſchuͤtte guten Brantenwein daran/ vermachs fleiſſig/ vnd laß etliche taͤg beiſſen/ trucks darnach ſtarck durch ein thuech/ vnnd behalts in eim Glaͤßlin. So du dann ſolchen wein haben wilt/ gieſſe deſſelbigen viel oder wenig in ein kanten/ haſt kein gebꝛanten wein/ nimb alten vnnd ſtarcken an deſſen ſtat.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-067-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-067-orig">
          <p>Weil solche Künste aber nur wenigen bekannt sind, kann man sich mit Folgendem behelfen: Nimm, welches Kraut du willst, ebenso Blüten und Wurzeln, woraus man Kräuterwein machen will. Dörre sie gut ab und zerstoße sie. Schütte guten Branntwein darauf, verschließ es sorgfältig und lass es etliche Tage ziehen. Drück es danach kräftig durch ein Tuch und bewahre es in einem Gläschen auf.</p>
          <p>Wenn du dann solchen Wein haben willst, gieße davon viel oder wenig in eine Kanne. Hast du keinen gebrannten Wein, nimm stattdessen alten und starken Wein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="was krauts du wilt/ alſo von blumen vnnd wurtzen">Kräuter, Blüten und Wurzeln nach Wahl, getrocknet</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="guten Brantenwein">Branntwein, guter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="alten vnnd ſtarcken">alter, starker Wein (statt Branntwein)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-068">
        <head>Kräuterwein: Würzgut in Most oder Wein, vor oder nach der Gärung</head>
        <div type="original" xml:id="ras-068-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-068-trans">
          <p>Aber das ſieden vnd diſtillieren hindan geſetzt/ ſo hat der wein von natur dieſe art/ daß er leichtlich die farb/ geſchmack/ geruch/ krafft vnnd tugend/ deren ding die in jn gebeiſſet werden/ annimbt. Vnd gefallet etlichen/ man ſolle die Kreuter/ Wurtzen/ Blumen/ Fruͤcht/ oder anders/ darnach der wein ein geſchmack entpfahen ſol/ in das Faß thun/ den newen außgekelterten Moſt daruͤber ſchuͤtten/ vil oder wenig/ nach dem der Moſt/ oder das daruͤber gegoſſen wird/ ſtarck ſein ſol. Andere ſtoſſen ſolche kreuter/ Wurtzen/ Blumen/ oder anders/ erſt nach dem der Moſt verghiſſet hat/ in das Faß. Die dritten nemen jaͤrigen oder Fuͤrnen wein darzu. Etliche woͤllen Kreuter/ Wurtzen/ ꝛc. ſollen friſch ſein/ andere nemends trucken/ dieſer hackts/ jener puluerts/ vnd faſſets in ein ſaͤcklin darein zu hencken. Hierauß erwehle ein jeglicher ſeines gefallens/ So vil ſey nun in gemain von dieſem geſagt/ woͤllen jetzund zu ſonderlichen greiffen/ vnd anzeygen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-068-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-068-orig">
          <p>Lässt man aber das Sieden und Destillieren beiseite, so hat der Wein von Natur die Art, dass er leicht Farbe, Geschmack, Geruch, Kraft und Wirkung der Dinge annimmt, die man in ihm ziehen lässt.</p>
          <p>In den neuen Most: Manchen gefällt es, die Kräuter, Wurzeln, Blumen, Früchte oder was sonst dem Wein seinen Geschmack geben soll, ins Fass zu tun und den neuen, frisch gekelterten Most darüberzuschütten, viel oder wenig, je nachdem, wie stark der Most oder das, was darübergegossen wird, werden soll.</p>
          <p>Nach der Gärung: Andere stecken solche Kräuter, Wurzeln, Blumen oder anderes erst ins Fass, nachdem der Most vergoren hat.</p>
          <p>In alten Wein: Die Dritten nehmen dazu einjährigen oder firnen Wein.</p>
          <p>Frisch oder trocken: Manche wollen, dass Kräuter, Wurzeln und dergleichen frisch sind, andere nehmen sie getrocknet. Der eine hackt sie, der andere pulvert sie und füllt sie in ein Säcklein, um es hineinzuhängen.</p>
          <p>Daraus wähle jeder nach seinem Gefallen. So viel sei nun im Allgemeinen hiervon gesagt; jetzt wollen wir zu den einzelnen Weinen greifen und sie aufzeigen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="herb" orig="Kreuter" commodity="wikidata:Q207123" source="#fyndling-ingredient-name">Kräuter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="spice" orig="Wurtzen" commodity="wikidata:Q42527" source="#corema-ingredient-index">Wurzeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Blumen">Blüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Fruͤcht">Früchte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="den newen außgekelterten Moſt">Most, frisch gekeltert</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="jaͤrigen oder Fuͤrnen wein">Wein, einjährig oder firn (älter)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-069">
        <head>Alantwein aus eingekochtem Most</head>
        <div type="original" xml:id="ras-069-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-069-trans">
          <p>Vom Alantwein.
Dieſer wird auff vielerley weg berait/ aber der beſte/ der auch nit vil muͤhe bedarff/ iſt volgender. Nimb den erſten ſchuß vom außtrotten von guten Trauben/ den laß ob hellem fewꝛ on rauch ſieden/ vnd wo du jn faſt ſuͤß wilt haben/ biß vngefehꝛ der halb theil eingeſotten iſt/ in dieſem ſiede getrocktnete Alantwurtzen im Fruͤling gegraben/ in duͤnnen ſcheibelen geſchnitten/ an ein faden gefaſſet/ vnnd am lufft getruͤcknet. Die ſiede ſo lang darin/ biß jr bittrin vnnd krafft gar daruon kommet.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-069-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-069-orig">
          <p>Der Alantwein wird auf vielerlei Weise bereitet, aber der beste, der auch nicht viel Mühe braucht, ist der folgende. Nimm den ersten Schuss vom Keltern guter Trauben und lass ihn über hellem Feuer ohne Rauch sieden, und wenn du ihn sehr süß haben willst, bis ungefähr die Hälfte eingesotten ist. Darin siede getrocknete Alantwurzeln, im Frühling gegraben, in dünne Scheibchen geschnitten, auf einen Faden gereiht und an der Luft getrocknet. Siede sie so lange darin, bis ihre Bitterkeit und Kraft ganz aus ihnen gegangen ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="den erſten ſchuß vom außtrotten von guten Trauben">Traubenmost, erster Lauf beim Keltern</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="getrocktnete Alantwurtzen">Alantwurzel, getrocknet, in dünnen Scheibchen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-070">
        <head>Alantwein mit ungekochten Wurzeln im Fass</head>
        <div type="original" xml:id="ras-070-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-070-trans">
          <p>Andere (das zu loben iſt) nemen die Alantwurtzen/ wie geſagt/ henckens on geſotten in das Faß/ Wo man auch dieſen wein faſt bꝛauchte/ ſol man die Wurtzen deſto oͤffter mit newen abwechßlen/ damit der wein bey krafft bleib: denſelbigen fleiſſig vnnd ſtets widerfuͤllen. Diß iſt ein faſt nuͤtzlich Tranck/ ſonderlich dem haupt vnnd hirn/ alſo die Neruen zu wermen vnd krefftigen/ wo die mit fluͤſſen beladen ſeind. Es benimbt auch die kalte gebꝛechen der Lungen vñ bꝛuͤſt/ reiniget dieſelbigen/ krefftigt den feuchten vbeldewenden Magen/ ſterckt die dewende krafft/ erweckt natuͤrliche hitz/ wermet die Neruen/ oͤffnet die harmgeng/ tauget der blaͤſten vnd geburt Glieder der Weiber/ reiniget die von allen kalten Phlegmatiſcher feuchten/ fuͤrdert auch die Monat zeit.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-070-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-070-orig">
          <p>Andere - und das ist zu loben - nehmen die Alantwurzeln, wie gesagt, und hängen sie ungekocht in das Fass.</p>
          <p>Wo man diesen Wein auch viel braucht, soll man die Wurzeln umso öfter gegen neue austauschen, damit der Wein bei Kraft bleibt. Denselben soll man fleißig und stets wieder auffüllen.</p>
          <p>Dies ist ein sehr nützlicher Trank, besonders für Haupt und Hirn, ebenso um die Nerven zu wärmen und zu kräftigen, wo sie mit Flüssen beladen sind. Er nimmt auch die kalten Gebrechen der Lunge und der Brust, reinigt sie, kräftigt den feuchten, schlecht verdauenden Magen, stärkt die Verdauungskraft, weckt die natürliche Hitze, wärmt die Nerven, öffnet die Harngänge, taugt der Blase und den Geburtsgliedern der Frauen, reinigt diese von allen kalten, phlegmatischen Feuchtigkeiten und fördert auch die Monatsblutung.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Alantwurtzen">Alantwurzeln, getrocknet wie im Eintrag davor</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-071">
        <head>Beerwein und Rappes aus abgebeerten Trauben mit Spänen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-071-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-071-trans">
          <p>Beerwein vnd Rappes.
Wann man dieſen wein recht beraiten wil/ ſo nimb weiſſe oder rothe Trauben/ bꝛich die beer von den kemmen/ thu daruon was faul vñ ſchadhafft iſt/ machs mit ſpaͤnen ein/ wie hie voꝛnen gemelt iſt/ fuͤlle den weiſſen mit weiſſem Moſt/ oder gutem alten wein/ die rothe Beere mit rothem. Etliche ſieden den Moſt/ vnd machts jeder ſeines gefallens/ wie dañ wol ſeind die keine ſpaͤn darzu bꝛauchen/ aber Saluien bletlein mit einſtrewen/ vnd ein zeitlang ligen laſſen. Man pflegt auch gewuͤrtz darein zu hencken/ damit ſie nicht allein lieblich vnd geſchmack/ ſonder auch ſtarck vnd krefftig werden. Dieſe wein ſeind erſtlich den Wirten vnnd groſſen Haußhaltungen faſt nutz/ damit alles was von andern weinen abgehet/ oder vom Tiſch auffgehaben wird/ zu nutz komme/ vnnd dieſe gefuͤllt werde/ Solcher wein iſt wol angenem/ wo man ſein aber zuuil trinckt/ bꝛingt er dem haupt mercklichen ſchaden/ dann er zerꝛeiſſet das hirn/ ſonderlich zu abend nach d’ Malzeit/ weil er fuͤr andere tranck faſt ſubtil/ mit hitz vnnd ſcherpffe durchtringend iſt/ macht bald ſchlafftruncken/ raitzt gegen abend das vndewen/ moꝛgens aber macht er luſtig zu eſſen. Aber vnder allen Kreuterweinen/ iſt keiner dem hirn ſchaͤdlicher dann dieſer. Darumb werden ſie bayde mehꝛ zum luſt/ vnd daß ſie lieblich ſeind/ dann zu fuͤrdernuß der geſundheit getruncken.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-071-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-071-orig">
          <p>Beerwein und Rappes.</p>
          <p>Wenn man diesen Wein richtig bereiten will, so nimm weiße oder rote Trauben, brich die Beeren von den Kämmen, tu weg, was faul und schadhaft ist, und mache sie mit Spänen ein, wie hier weiter vorn gesagt ist. Fülle den weißen mit weißem Most oder gutem altem Wein, die roten Beeren mit rotem.</p>
          <p>Etliche sieden den Most, und jeder macht es nach seinem Gefallen. So gibt es wohl auch solche, die keine Späne dazu brauchen, aber Salbeiblättlein mit einstreuen und es eine Zeitlang liegen lassen. Man pflegt auch Gewürz hineinzuhängen, damit sie nicht allein lieblich und wohlschmeckend, sondern auch stark und kräftig werden.</p>
          <p>Diese Weine sind zuerst den Wirten und großen Haushaltungen sehr nützlich, damit alles, was von anderen Weinen übrig bleibt oder vom Tisch aufgehoben wird, zu Nutzen kommt und diese damit gefüllt werden.</p>
          <p>Solcher Wein ist wohl angenehm; trinkt man aber zu viel davon, bringt er dem Haupt merklichen Schaden, denn er zerreißt das Hirn, besonders am Abend nach der Mahlzeit, weil er vor anderen Getränken sehr fein ist und mit Hitze und Schärfe durchdringt. Er macht bald schlaftrunken und reizt gegen Abend zum Erbrechen, morgens aber macht er Lust zu essen. Unter allen Kräuterweinen aber ist keiner dem Hirn schädlicher als dieser. Darum werden sie beide mehr zum Vergnügen, und weil sie lieblich sind, getrunken als zur Förderung der Gesundheit.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="weiſſe oder rothe Trauben">Weintrauben, weiß oder rot, abgebeert</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="weiſſem Moſt">Weißer Most (für die weißen Beeren)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="gutem alten wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Guter alter Wein (oder statt des Mosts)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="rothem">Roter Most oder roter alter Wein (für die roten Beeren)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſpaͤnen">Holzspäne (Holzart hier nicht genannt)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Saluien bletlein">Salbeiblättlein (statt der Späne)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="spice" orig="gewuͤrtz" commodity="wikidata:Q42527" source="#corema-ingredient-index">Gewürz (nicht benannt)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-072">
        <head>Nelkenwurzwein: getrocknete Wurzel in Wein gehängt</head>
        <div type="original" xml:id="ras-072-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-072-trans">
          <p>Carda Benedicten Wein.
Dieſe wolriechende Wurtz nennen die Artzt vnd Apotecker Charyophillatam, die ſol man im Fruͤling graben/ ſonderlich im Mertzen/ vmb welcher zeit jr geruch am ſterckſten iſt. Die ſeubꝛe wol vnd truͤckne ſie/ als dann hencks in wein/ ſo empfacht er faſt ein lieblichen geruch vñ geſchmack daruon/ welcher das hertz vñ gemuͤt erquickt/ die verſtopffung der Leber oͤffnet/ das kalt vnd feucht hirn waͤrmet vnd truͤcknet/ den kalten ſchleimigen Magen beſſert/ vnd den ſchmertzen der geburt glieder der weiber miltert.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-072-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-072-orig">
          <p>Diese wohlriechende Wurzel nennen die Ärzte und Apotheker Charyophillata. Man soll sie im Frühling graben, besonders im März, denn zu dieser Zeit ist ihr Geruch am stärksten.</p>
          <p>Säubere sie gut und trockne sie, danach häng sie in Wein. So bekommt er davon einen sehr lieblichen Geruch und Geschmack.</p>
          <p>Dieser Wein erquickt Herz und Gemüt, öffnet die Verstopfung der Leber, wärmt und trocknet das kalte und feuchte Hirn, bessert den kalten, schleimigen Magen und lindert den Schmerz der Geburtsglieder der Frauen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="wolriechende Wurtz">Nelkenwurz (Geum urbanum), Wurzel, gesäubert und getrocknet</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-073">
        <head>Rosmarinwein in Eile: Rosmarinblüten, Hirschzunge und Tamariskenrinde in Most</head>
        <div type="original" xml:id="ras-073-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-073-trans">
          <p>Von dem Roſamarin Wein.
Gedachter wein wird wunderbarlich zu vilen kranckheiten gepꝛiſen/ vnnd als ein krefftig hailſam tranck gelobet/ ſonderlich in allen kalten Suchten. Er ſtercket auch die dewung/ erweckt luſt zum eſſen/ krefftigt das hertz/ Hirn vnnd Neruen/ gibt ein ſchoͤne liebliche farb/ nicht allein getruncken/ ſonder das angeſicht mit gewaſchen/ Er verzehꝛt die innerliche faulende feuchtigkeiten/ erhaltet den leib voꝛ ſolchem. Wo der mund offt mit gewaſchen/ machet er ein wolriechenden athem/ krefftigt die zaͤhn vnd puchler. Wird dann euſſerlich der Krebs/ Fiſtel/ vnnd dergleichen ſchaͤden mit gewaſchen/ alſo auch die friſche wunden/ ſo ſeubert vnd reiniget er dieſelbigen. Weiter ſo iſt dieſer den Lungenſiechen/ Schwindſuͤchtigen/ ſo faſt am leib abnemen/ nuͤtzlich/ taugt ſonderlich denen die ein fluͤſſig Haubt vnd Hirn haben/ deßgleichen zum Schlag/ vergicht/ erlahmen der glieder/ inſonderheit auch den Weibern/ welchen die Mutter erkaltet/ vnd von natur feucht ſeind/ erwermet dieſelbigen/ vnd macht ſie geſchickt zum entpfahen. Nun wo man in der eyl ein ſolchen machen/ vnd nicht lang behalten wil/ ſo mag man nemen Roſmarinblumen/ Hirſchzungen/ vnnd Tamariſc ſchelfen/ jedes ein halb M/ daran acht maß Moſt gieſſen/ vñ vergiſen laſſen/ den ſtets mit anderm guten wein fuͤllen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-073-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-073-orig">
          <p>Vom Rosmarinwein. Der genannte Wein wird auf wunderbare Weise für viele Krankheiten gepriesen und als kräftiger, heilsamer Trank gelobt, besonders bei allen kalten Krankheiten. Er stärkt auch die Verdauung, weckt die Lust zum Essen, kräftigt Herz, Hirn und Nerven und gibt eine schöne, liebliche Farbe, nicht allein getrunken, sondern auch, wenn man das Gesicht damit wäscht. Er verzehrt die inneren faulenden Feuchtigkeiten und bewahrt den Leib davor. Wäscht man den Mund oft damit, macht er einen wohlriechenden Atem und kräftigt Zähne und Zahnfleisch. Wäscht man äußerlich Krebs, Fisteln und dergleichen Schäden damit, ebenso frische Wunden, so säubert und reinigt er sie. Weiter ist er den Lungenkranken und Schwindsüchtigen nützlich, die am Leib sehr abnehmen; er taugt besonders denen, die an Flüssen in Haupt und Hirn leiden, ebenso bei Schlag, Gicht und Lähmung der Glieder, und insbesondere auch den Frauen, deren Gebärmutter erkaltet ist und die von Natur feucht sind: Er erwärmt sie und macht sie zur Empfängnis geschickt.</p>
          <p>Will man nun einen solchen in Eile machen und nicht lange behalten, so kann man Rosmarinblüten, Hirschzunge und Tamariskenrinde nehmen, von jedem eine halbe Handvoll, acht Maß Most darauf gießen und vergären lassen und ihn stets mit anderem gutem Wein auffüllen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="Roſmarinblumen">Rosmarinblüten (eine halbe Handvoll)</ingredient> - 0.5</item>
            <item><ingredient orig="Hirſchzungen">Hirschzunge, Farn (eine halbe Handvoll)</ingredient> - 0.5</item>
            <item><ingredient orig="Tamariſc ſchelfen">Tamariskenrinde (eine halbe Handvoll)</ingredient> - 0.5</item>
            <item><ingredient en="fruit juice" orig="acht maß Moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#fyndling-ingredient-name">Most (acht Maß)</ingredient> - 8</item>
            <item>
              <ingredient orig="anderm guten wein">guter Wein zum Auffüllen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-074">
        <head>Rosmarinwein, Ersatz: Rosmarin und Hirschzungen über Nacht in Wein</head>
        <div type="original" xml:id="ras-074-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-074-trans">
          <p>Item/ Nimb Roſmarin vnd Hirſchzungen/ legs vber nacht in wein/ vnnd bꝛauchs an ſtat des erzehlten/ wo man ſie nicht bekommen mag.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-074-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-074-orig">
          <p>Ebenso: Nimm Rosmarin und Hirschzungen, leg sie über Nacht in Wein und gebrauche es anstelle des oben Aufgezählten, wenn man diese Dinge nicht bekommen kann.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="rosemary" orig="Roſmarin" commodity="wikidata:Q122679" source="#corema-ingredient-index">Rosmarin</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Hirſchzungen">Hirschzungen (Farn)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-075">
        <head>Kirschwein vom Rhein: Sauerkirschen samt Kernen mit Wein übergossen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-075-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-075-trans">
          <p>Von dem Kirſchen Wein.
Die am Reinſtraum vnd darumb/ nennen alle wein/ ſo von Amarellen/ Weichßlen/ vnd dergleichen gemachet werden/ Kirſchwein/ befehlen den wie volgt zu beraiten/ daß man die beer von den ſtilen rauffe/ die in eim ſteinen moͤꝛſer zerſtoſſe/ ſambt den kernern/ als dann rothen oder weiſſen wein daruͤber gieſſe. Es kan aber nit wol anderſt ſein/ dann daß ſolliche wein zimblich math werden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-075-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-075-orig">
          <p>Die Leute am Rheinstrom und dort herum nennen alle Weine, die aus Amarellen, Weichseln und dergleichen gemacht werden, Kirschwein. Sie schreiben vor, ihn wie folgt zu bereiten: Man rupft die Beeren von den Stielen, zerstößt sie in einem steinernen Mörser samt den Kernen und gießt dann roten oder weißen Wein darüber.</p>
          <p>Es kann aber nicht wohl anders sein, als dass solche Weine ziemlich matt werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Amarellen">Amarellen (Sauerkirschen), samt Kernen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="sour cherry" orig="Weichßlen" commodity="wikidata:Q68438267" source="#corema-ingredient-index">Weichseln (Sauerkirschen), samt Kernen; oder statt der Amarellen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="rothen">Rotwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="white wine" orig="weiſſen wein" commodity="wikidata:Q10210" source="#corema-ingredient-index">Weißwein; oder statt des Rotweins</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-076">
        <head>Kirschwein aus ganzen Sauerkirschen, mit Spänen geschichtet</head>
        <div type="original" xml:id="ras-076-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-076-trans">
          <p>Darumb wird er anderſtwo mit gantzen beeren/ wie folgt/ eingemacht. Lege ein zeil ſpaͤn/ welcher du wilt/ darauff ein theil Weichßlen/ vnd alſo foꝛt biß das Faß voll wird/ wie vom Beerwein vnnd Rappes anzeyget iſt/ daruͤber fuͤlle den wein/ laß jn dꝛey oder vier tag ligen/ ſo iſt er ſchon genugſam geferbt. Dieſer vberkombt ein rechte temperierte natur/ iſt tauglich in groſſer Som̃er hitz den durſt zu leſchen/ vnnd die innerliche erhitzigte glieder zu befeuchten. Eroͤffnet auch die Leber/ treibt den harm/ fuͤrnem̃lich wann die kern darin zerſtoſſen ſeind/ derſelbig fuͤrdert auch grieß vnnd ſtain zum außgang. Etliche hencken gewuͤrtz ſaͤcklen darein/ das gar wider ſein art/ vnd zu vnderlaſſen iſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-076-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-076-orig">
          <p>Darum setzt man ihn anderswo mit ganzen Beeren folgendermaßen an: Lege eine Lage Späne, welche du willst, darauf einen Teil Weichseln, und so fort, bis das Fass voll ist, wie es beim Beerwein und Rappes angezeigt ist. Darüber fülle den Wein und lass ihn drei oder vier Tage liegen, dann ist er schon genug gefärbt.</p>
          <p>Dieser bekommt eine rechte, ausgeglichene Natur und ist tauglich, in großer Sommerhitze den Durst zu löschen und die innerlich erhitzten Glieder zu befeuchten. Er öffnet auch die Leber und treibt den Harn, vor allem wenn die Kerne darin zerstoßen sind; er fördert auch Grieß und Stein zum Ausgang.</p>
          <p>Etliche hängen Gewürzsäcklein hinein. Das ist ganz gegen seine Art und zu unterlassen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ein zeil ſpaͤn/ welcher du wilt">Holzspäne, Holzart nach Wahl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein theil Weichßlen">Weichseln (Sauerkirschen), ganz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="den wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-077">
        <head>Met im Fass, ein Maß Honig auf acht Maß Wasser</head>
        <div type="original" xml:id="ras-077-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-077-trans">
          <p>Von dem Meth.
Hoͤnig waſſer vnd Meth hat nit allein die nutzbarkeit/ ſonder auch die noth erfunden/ fuͤrnem̃lich in denen landen darinnen kein wein waͤchſet/ oder nit zubekom̃en iſt. Vñ zwar ſo iſt ſolliches tranck viel nuͤtzer vñ geſunder/ dann gefewꝛte vnnd geſchweblete wein. Dann ob der Meth ſchon warmer natur/ iſt er doch mit feuchten temperiert/ derhalbẽ er nit faſt erhitzigen noch druͤcknen kan. Vnnd ob wol deſſen nach jedes landart mancherley geſotten wird/ ſo iſt doch diß der gemaineſt bꝛauch/ auff ein maß guts Hoͤnigs/ acht maß waſſer zu nemen/ das in eim weiten keſſel bey ſanfftem fewꝛ on rauch ſieden laſſen/ fuͤr vnd fuͤr abfaimen/ biß es anfacht gantz klar zu werden. Merck auch/ je lenger du gedenckeſt den Meth zu behalten/ je mehꝛ du jn ſieden ſolt: wann der erkaltet/ thue den in ein faß/ laß es bey dꝛey finger laͤhꝛ/ daß es verghiſe. Wiltu jn dañ ſtaͤrcker vñ krefftiger haben/ henck folgends gewuͤrtz darein/ Ingwer/ Zimet/ Negelen/ Galgant/ Muſcatnuͤß/ vnd dergleichen. Etliche nemen auch Saffran darzu/ nit allein von wegen der farb/ ſonder ſeiner tugend/ vñ daß er dẽ Meth ein guten geruch gibt. Wann er nun gar vergieſet/ ſol man jn dꝛey Monat lang wol verſchlagen ligen laſſen/</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-077-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-077-orig">
          <p>Vom Met.</p>
          <p>Honigwasser und Met hat nicht allein der Nutzen, sondern auch die Not erfunden, vornehmlich in den Ländern, in denen kein Wein wächst oder keiner zu bekommen ist. Und zwar ist dieses Getränk viel nützlicher und gesünder als gefeuerte und geschwefelte Weine. Denn obwohl der Met warmer Natur ist, ist er doch mit Feuchtem temperiert, weshalb er nicht sehr erhitzen noch austrocknen kann.</p>
          <p>Und obwohl er je nach Landesart auf mancherlei Weise gesotten wird, ist doch dies die gebräuchlichste Weise: Auf ein Maß guten Honigs acht Maß Wasser nehmen, das in einem weiten Kessel bei sanftem Feuer ohne Rauch sieden lassen und immerfort abschäumen, bis es anfängt, ganz klar zu werden. Merke auch: Je länger du den Met zu behalten gedenkst, desto mehr sollst du ihn sieden. Wenn er erkaltet ist, tu ihn in ein Fass und lass es etwa drei Finger leer, damit er vergären kann.</p>
          <p>Willst du ihn dann stärker und kräftiger haben, so hänge danach Gewürz hinein: Ingwer, Zimt, Nelken, Galgant, Muskatnüsse und dergleichen. Etliche nehmen auch Safran dazu, nicht allein wegen der Farbe, sondern wegen seiner Wirkung und weil er dem Met einen guten Geruch gibt.</p>
          <p>Wenn er nun ganz vergoren hat, soll man ihn drei Monate lang gut verspundet liegen lassen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="auff ein maß guts Hoͤnigs">Honig, guter (1 Maß)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="water" orig="acht maß waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#fyndling-ingredient-registry">Wasser (8 Maß)</ingredient> - 8</item>
            <item>
              <ingredient en="ginger" orig="Ingwer" commodity="wikidata:Q15046077" source="#corema-ingredient-index">Ingwer (nach Wunsch, für stärkeren Met)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cinnamon" orig="Zimet" commodity="wikidata:Q28165" source="#corema-ingredient-index">Zimt (nach Wunsch, für stärkeren Met)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="clove" orig="Negelen" commodity="wikidata:Q15622897" source="#corema-ingredient-index">Gewürznelken (nach Wunsch, für stärkeren Met)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="lesser galangal" orig="Galgant" commodity="wikidata:Q27653540" source="#corema-ingredient-index">Galgant (nach Wunsch, für stärkeren Met)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="nutmeg" orig="Muſcatnuͤß" commodity="wikidata:Q83165" source="#fyndling-ingredient-registry">Muskatnuss (nach Wunsch, für stärkeren Met)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="saffron" orig="Saffran" commodity="wikidata:Q25434" source="#corema-ingredient-index">Safran (nach Wunsch)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-078">
        <head>Met zum sofortigen Trinken, ungegoren</head>
        <div type="original" xml:id="ras-078-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-078-trans">
          <p>wo du jhn aber von ſtundan wolteſt bꝛauchen/ ſo ſiede nit viel/ vnd wart auff kein vergieren/ ſonder trinck den alß bald er erkaltet/ vñ vber den andern tag mach ein friſchen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-078-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-078-orig">
          <p>Willst du den Met aber sogleich gebrauchen, so siede ihn nicht lange und warte keine Gärung ab, sondern trink ihn, sobald er erkaltet ist, und mach jeden zweiten Tag einen frischen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="honey" orig="(implied)" commodity="wikidata:Q10987" source="#fyndling-ingredient-registry">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="(implied)" commodity="wikidata:Q283" source="#fyndling-ingredient-registry">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-079">
        <head>Met im verspundeten Fass vergraben (Livland)</head>
        <div type="original" xml:id="ras-079-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-079-trans">
          <p>In Liefland haben ſie an etlichen oꝛten im gebꝛauch/ die faß wol zu verſchlagen/ ein zeitlang vnder die erden zu graben. Dieſer wird ſtaͤrcker dañ faſt guter vñ krefftiger wein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-079-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-079-orig">
          <p>In Livland ist es an etlichen Orten Brauch, die Fässer gut zu verspunden und eine Zeit lang unter die Erde zu graben. Dieser Met wird stärker als sehr guter und kräftiger Wein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="(implied)">Met, im Fass gegoren (nach dem Grundverfahren des vorigen Absatzes)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="faß">Fass, gut verspundet</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-080">
        <head>Met in Eile, mit Muskatnuss und Zimt</head>
        <div type="original" xml:id="ras-080-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-080-trans">
          <p>Wiltu in der eyl ein guten gemainen Meth beraiten/ ſo nimb ein gute Muſcatnuß/ Zimet 2. lot klein geſchnittẽ/ daran gieſſe dꝛey groß maß friſch waſſer/ laß ein dꝛittheil einſieden/ darzu ſetz ein halb pfund geleutert hoͤnig/ laß ſieden biß vngefehꝛ anderthalb maß bleiben. In gemain ſeind die tugenden des Meths/ daß er den durſt leſchet/ dienet auch zu allen kalten kranckheiten/ des hirns/ marck des ruckgrats/ Neruen/ denen etwa der wein/ von wegen ſeiner durchtringenden krafft/ ſchaͤdlich iſt. Er rainiget vñ oͤffnet die bꝛuſt/ dienet derſelben kaͤlten/ benimbt den kalten trucknen huſten/ rainiget die Nieren/ Lenden/ Harmgeng/ vnnd blaſen von kaltem ſchleim/ darauß grieß vnd ſtain wachſend/ treibt alle ſchaͤdliche materi auß dem gedaͤrm. Derhalb ſol man dieſen in allen kranckheiten des hirns/ als ſchwindel/ fallender ſucht/ vergicht vñ erlahmen ſo darauß entſtehet/ trincken. Alſo auch die ſo der krampff plaget/ die in hitzigem Podagra vnnd Geelſucht ligend/ ꝛc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-080-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-080-orig">
          <p>Willst du in Eile einen guten, gewöhnlichen Met bereiten, so nimm eine gute Muskatnuss und zwei Lot Zimt, klein geschnitten. Gieße darauf drei große Maß frisches Wasser und lass ein Drittel davon einsieden. Dazu gib ein halbes Pfund geläuterten Honig und lass es sieden, bis ungefähr anderthalb Maß bleiben.</p>
          <p>Im Allgemeinen sind die Wirkungen des Mets diese: Er löscht den Durst und dient auch bei allen kalten Krankheiten des Hirns, des Rückenmarks und der Nerven, bei denen der Wein wegen seiner durchdringenden Kraft bisweilen schädlich ist. Er reinigt und öffnet die Brust, hilft gegen ihre Kälte, nimmt den kalten, trockenen Husten, reinigt Nieren, Lenden, Harngänge und Blase von kaltem Schleim, aus dem Grieß und Stein wachsen, und treibt alle schädliche Materie aus dem Gedärm. Deshalb soll man ihn bei allen Krankheiten des Hirns trinken, wie Schwindel, Fallsucht, Gicht und Lähmung, die daraus entsteht. Ebenso sollen ihn die trinken, die der Krampf plagt und die an hitzigem Podagra und Gelbsucht darniederliegen etc.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="ein gute Muſcatnuß">Muskatnuss, eine gute</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient orig="Zimet 2. lot klein geſchnittẽ">Zimt, klein geschnitten (2 Lot)</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient orig="dꝛey groß maß friſch waſſer">Wasser, frisches (3 große Maß)</ingredient> - 3</item>
            <item><ingredient orig="ein halb pfund geleutert hoͤnig">Honig, geläutert</ingredient> - 0.5 Pfund</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-081">
        <head>Zähen Wein mit Herrn Tristrands Wasser frisch machen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-081-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-081-trans">
          <p>Mangel des Wein zu beſſern.
Es iſt diß oꝛts nit weitleuffig zu ſchꝛeiben/ wie jede maͤngel/ ſo den weinen zuſtehen/ zu beſſern ſein/ vil mehꝛ den Weinbawern zu befehlen/ wie dañ auch ſondere Buͤcher daruon geſchꝛieben ſeind. Wir woͤllen allein etwas wenigs zuſamen faſſen/ vnd daruon meldung thun. Zu diſem taugt das koͤſtlich waſſer/ Herꝛ Triſtrands genañt/ Wo ſolches waſſers ein wenig in zaͤhẽ wein gegoſſen vñ durch einander gerhuͤrt wird/ er wider friſch vñ zu trinckẽ tauglich iſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-081-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-081-orig">
          <p>Wie jeder einzelne Fehler, der den Weinen zustößt, zu bessern ist, muss an dieser Stelle nicht ausführlich beschrieben werden; das ist vielmehr den Weinbauern zu überlassen, wie denn auch eigene Bücher darüber geschrieben sind. Wir wollen nur etwas Weniges zusammenfassen und davon berichten.</p>
          <p>Dazu taugt das köstliche Wasser, das Herrn Tristrands Wasser genannt wird. Wenn man ein wenig von diesem Wasser in zähen Wein gießt und durcheinanderrührt, ist er wieder frisch und zum Trinken tauglich.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="das koͤſtlich waſſer/ Herꝛ Triſtrands genañt">Herrn Tristrands Wasser, ein wenig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="zaͤhẽ wein">zäher Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-082">
        <head>Zähen Wein mit gewässerter Fichtenrinde frisch machen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-082-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-082-trans">
          <p>Item/ im Mayen: Num̃ ein Aſt von einem jungen feuchten baum/ daruon ſchab die ober rinde/ lege ſie dꝛey tage in friſch waſſer/ waſchs wol/ vnd gieſſe ein friſches daran/ laß dꝛey tag ligen/ waſchs wie voꝛ/ vnd truͤckens am ſchatten/ Wañ dir ein wein zeh wil werden/ ſo nimb dieſer rinden 4. oder 5. gleicherleng/ faß an ein faden/ vnd hencks in wein/ das ſol jn friſch machen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-082-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-082-orig">
          <p>Ebenso im Mai: Nimm einen Ast von einer jungen Fichte und schabe die obere Rinde davon ab. Lege sie drei Tage in frisches Wasser und wasche sie gut. Gieße dann frisches Wasser daran, lass sie drei Tage liegen, wasche sie wie zuvor und trockne sie im Schatten.</p>
          <p>Wenn dir ein Wein zäh werden will, so nimm von dieser Rinde vier oder fünf gleich lange Stücke, reihe sie auf einen Faden und hänge sie in den Wein. Das soll ihn frisch machen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="ein Aſt von einem jungen feuchten baum">Ast einer jungen Fichte (davon die obere Rinde, später 4 oder 5 gleich lange Stücke)</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="friſch waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Frisches Wasser (zweimal)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="ein faden">Faden</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient orig="ein wein zeh">Wein, der zäh zu werden droht</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-083">
        <head>Schnellessig aus Wein mit Salz, Pfeffer und Sauerteig</head>
        <div type="original" xml:id="ras-083-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-083-trans">
          <p>Eſſig.
Wer den wein in Eſſig wil behendt veraͤndern/ werff Saltz darein mit Pfeffer vnd ſawꝛtaig vermiſcht/ ſo hat er in der eyl eſſig.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-083-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-083-orig">
          <p>Essig.</p>
          <p>Wer den Wein schnell in Essig verwandeln will, werfe Salz hinein, mit Pfeffer und Sauerteig vermischt, so hat er in Eile Essig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="table salt" orig="Saltz" commodity="wikidata:Q11254" source="#corema-ingredient-index">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="pepper" orig="Pfeffer" commodity="wikidata:Q3143131" source="#corema-ingredient-index">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſawꝛtaig">Sauerteig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-084">
        <head>Schnellessig mit glühendem Ziegel oder Stahl, Rettich oder unreifen Früchten</head>
        <div type="original" xml:id="ras-084-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-084-trans">
          <p>Welcher noch behender den Eſſig wil haben/ der nemb ein gluͤenden ziegel oder ſtahel/ vnnd ſtoß denſelben ein oder zwey mahl ins vaß/ oder raͤttichwurtzel/ oder auch vnzeitig miſpel/ welſche kirſchen/ Maulbeer oder pflaumlein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-084-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-084-orig">
          <p>Wer den Essig noch schneller haben will, der nehme einen glühenden Ziegel oder Stahl und stoße ihn ein- oder zweimal ins Fass, oder Rettichwurzel, oder auch unreife Mispeln, welsche Kirschen, Maulbeeren oder kleine Pflaumen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="gluͤenden ziegel">Ziegel, glühend</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient orig="ſtahel">Stahl, glühend (statt des Ziegels)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="raͤttichwurtzel">Rettichwurzel (statt Ziegel oder Stahl)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="vnzeitig miſpel">Mispeln, unreif (statt Ziegel oder Stahl)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="welſche kirſchen">Welsche Kirschen, wohl Kornelkirschen (Wahl unter den Früchten)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Maulbeer">Maulbeeren (Wahl unter den Früchten)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="pflaumlein">Kleine Pflaumen (Wahl unter den Früchten)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-085">
        <head>Schnellessig mit Nelkenblüten</head>
        <div type="original" xml:id="ras-085-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-085-trans">
          <p>Deßgleichen thun auch die Negelein bluͤe/ welche bey den Artzten Viola altilis vnd Chariophilata haiſſen/ wo man dieſelben in den wein thut. Ioan Bapt. &amp; Mizaldus.C.5.A.19.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-085-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-085-orig">
          <p>Dasselbe - den Wein rasch zu Essig machen - bewirken auch die Nelkenblüten, die bei den Ärzten Viola altilis und Chariophilata heißen, wenn man sie in den Wein gibt.</p>
          <p>Ioan Bapt. &amp; Mizaldus, C. 5, A. 19.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Negelein bluͤe">Nelkenblüten (Gartennelke)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-086">
        <head>Schnellessig aus halb eingesottenem Wein im siedenden Wasser</head>
        <div type="original" xml:id="ras-086-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-086-trans">
          <p>Du kanſt Eſſig machen in einem huy/ wann du in ein geſchirꝛ ein newen vnd halb eingeſotnen beſten wein eingeuſſeſt/ vnd denſelben mit fleiß vermacht vnnd beſchloſſen in ein ſiedend waſſer legeſt. Mizaldus, C.6.A.93.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-086-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-086-orig">
          <p>Du kannst Essig im Nu machen, wenn du neuen, auf die Hälfte eingesottenen besten Wein in ein Gefäß gießt und ihn, sorgfältig zugemacht und verschlossen, in siedendes Wasser legst. Mizaldus, C.6.A.93.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="newen vnd halb eingeſotnen beſten wein">Wein, neu und vom besten, auf die Hälfte eingesotten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein ſiedend waſſer">Wasser, siedend (für das Wasserbad)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-087">
        <head>Essig mit frischem Gerstenbrot schärfen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-087-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-087-trans">
          <p>Du kanſt ſtarcken vnd ſcharpffen Eſſig von ſtundan zurichten/ wo du in denſelben etlich ſtuͤcklein eines friſchen Gerſten brots einwirffſt/ als dann ſo wird der Eſſig innerhalb 2. tagen faſt ſawꝛ werden. Andere weiß ſchwachen Eſſig ſtarck zu machen/ findeſtu hin vnnd wider in den andern buͤchern. Mizaldus.C.7.A.9.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-087-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-087-orig">
          <p>Du kannst starken und scharfen Essig sofort zurichten, wenn du einige Stücklein frisches Gerstenbrot hineinwirfst; dann wird der Essig innerhalb von zwei Tagen sehr sauer werden. Andere Weisen, schwachen Essig stark zu machen, findest du hier und da in den anderen Büchern.</p>
          <p>Mizaldus, C. 7, A. 9.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="vinegar" orig="Eſſig" commodity="wikidata:Q41354" source="#corema-ingredient-index">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="etlich ſtuͤcklein eines friſchen Gerſten brots">Gerstenbrot, frisch gebacken, einige Stücklein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-088">
        <head>Essig mit Knoblauchsamen wieder zu Wein machen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-088-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-088-trans">
          <p>Leg Knoblauchſamen in eſſig 3. tag vnd 1. nacht/ ſo wird er wider zu wein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-088-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-088-orig">
          <p>Lege Knoblauchsamen drei Tage und eine Nacht in Essig, so wird er wieder zu Wein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Knoblauchſamen">Knoblauchsamen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="vinegar" orig="eſſig" commodity="wikidata:Q41354" source="#corema-ingredient-index">Essig, der behandelt wird</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-089">
        <head>Rosenwein: Rosenblätter im Juni ins Fass, Most darüber</head>
        <div type="original" xml:id="ras-089-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-089-trans">
          <p>Volget ein anderer Authoꝛ/ wie man Kreuter wein beraiten ſol.
Roſen Wein.
NImb im Brachmonat die Roſen/ vnnd thue die bletter in ein vaß/ groß oder klein/ vnd ſpuͤndt dann das vaß hart zu/ vnd laß es ſtill ligen biß der Moſt kompt/ als dann fuͤll den daruͤber/ vnd laß jn wol gehꝛen/ ſo wird der wein edel vnd gut.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-089-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-089-orig">
          <p>Es folgt ein anderer Autor: wie man Kräuterwein bereiten soll.</p>
          <p>Nimm im Juni die Rosen und gib die Blätter in ein Fass, groß oder klein, und verspunde das Fass dann fest. Lass es ruhig liegen, bis der Most kommt. Dann füll ihn darüber und lass ihn gut gären, so wird der Wein edel und gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="rose" orig="Roſen" commodity="wikidata:Q34687" source="#corema-ingredient-index">Rosenblätter (Blütenblätter der Rose)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="Moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Most (frischer Traubenmost)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-090">
        <head>Kirschwein mit Honig und Gewürzsäcklein</head>
        <div type="original" xml:id="ras-090-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-090-trans">
          <p>Kirſchen Wein.
Item/ nimb den ſafft von den Kirſchen/ vnnd darzu zwo maß hoͤnig/ vnd ein loth Negelin/ 1. loth Galgadt/ 1. loth Zim̃et/ vnd ſtoß die all klein/ vnd in ein ſaͤcklin gethon/ vnnd hencke das in den kirſchen tranck: der ſafft ſol auch wol gerainiget werden. Nimb dann das hoͤnig/ vnd laß das wol zergehen in einem keſſel/ vnd gieß des ſaffts einen loͤffel voll darzu/ daß es mit einander zergehet/ laſſe es dann wol kalt werden/ vnd gieß es in das vaß mit dem tranck/ ſo wird er edel vnd klar.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-090-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-090-orig">
          <p>Nimm den Saft von den Kirschen und dazu zwei Maß Honig, dazu ein Lot Nelken, ein Lot Galgant und ein Lot Zimt. Stoße sie alle klein, tu sie in ein Säcklein und hänge es in den Kirschtrank. Der Saft soll auch gut gereinigt werden.</p>
          <p>Nimm dann den Honig und lass ihn in einem Kessel gut zergehen. Gieß einen Löffel voll von dem Saft dazu, damit es miteinander zergeht. Lass es dann gut kalt werden und gieß es in das Fass mit dem Trank, so wird er edel und klar.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="den ſafft von den Kirſchen">Kirschsaft</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="honey" orig="zwo maß hoͤnig" commodity="wikidata:Q10987" source="#fyndling-ingredient-registry">Honig (zwei Maß)</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient orig="ein loth Negelin">Gewürznelken (ein Lot), klein gestoßen</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="1. loth Galgadt">Galgant (ein Lot), klein gestoßen</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="1. loth Zim̃et">Zimt (ein Lot), klein gestoßen</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="ein ſaͤcklin">Leinensäcklein</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-091">
        <head>Kräuterwein: eine halbe Maß Kräuterdestillat auf Fuder oder Eimer</head>
        <div type="original" xml:id="ras-091-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-091-trans">
          <p>Item/ wiltu Kreuter wein machen/ was fuͤr einen du wilt/ ſo nimb deſſelben krauts/ bꝛeñs/ vnd diſtilliers auß/ auff ein fuder oder auff ein aymer ein halb maß vermiſchet darunder.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-091-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-091-orig">
          <p>Ebenso: Willst du Kräuterwein machen, welchen du willst, so nimm von dem betreffenden Kraut, brenne es und destilliere es aus; auf ein Fuder oder auf einen Eimer eine halbe Maß davon daruntergemischt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="deſſelben krauts">Kraut nach Wahl, gebrannt und ausdestilliert</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="ein halb maß">Kräuterdestillat, eine halbe Maß</ingredient> - 0.5</item>
            <item>
              <ingredient orig="auff ein fuder oder auff ein aymer">Wein, ein Fuder oder ein Eimer</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-092">
        <head>Kräuterwein nach Wahl: Krauseminze, Schlehen, Judenkirschen, Rosmarin und andere</head>
        <div type="original" xml:id="ras-092-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-092-trans">
          <p>Item/ Kreuter wein zu machen wie du wilt. Nimb Kraußmuͤntzen dꝛey hand voll in ein vaͤßlin/ nim̃ Schlehẽ mit den kernern geſtoſſen/ iſt gut fuͤr den ſtain/ nimb Wechhalterboͤꝛ/ die zerſtoß/ nimb Juden toͤcklin dꝛey hand voll in ein vaͤßlin/ nimb Roſmarin vier hand vol auff ein aymer/ Salbey/ Negelin/ Iſop/ Wermut/ allerley Kreuter wein mach alſo.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-092-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-092-orig">
          <p>Kräuterwein zu machen, wie du willst. Nimm drei Handvoll Krauseminze in ein Fässlein. Nimm Schlehen, mit den Kernen zerstoßen, das ist gut für den Stein. Nimm Wacholderbeeren und zerstoße sie. Nimm drei Handvoll Judenkirschen in ein Fässlein. Nimm vier Handvoll Rosmarin auf einen Eimer. Salbei, Nelken, Ysop, Wermut - allerlei Kräuterwein mach so.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="(implied)">Wein oder Most (im Text nicht genannt)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="Kraußmuͤntzen dꝛey hand voll">Krauseminze (drei Handvoll in ein Fässlein)</ingredient> - 3</item>
            <item>
              <ingredient orig="Schlehẽ mit den kernern geſtoſſen">Schlehen, mit den Kernen zerstoßen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Wechhalterboͤꝛ/ die zerſtoß">Wacholderbeeren, zerstoßen</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="Juden toͤcklin dꝛey hand voll">Judenkirschen (drei Handvoll in ein Fässlein)</ingredient> - 3</item>
            <item><ingredient en="rosemary" orig="Roſmarin vier hand vol auff ein aymer" commodity="wikidata:Q122679" source="#fyndling-ingredient-name">Rosmarin (vier Handvoll auf einen Eimer)</ingredient> - 4</item>
            <item>
              <ingredient en="common sage" orig="Salbey" commodity="wikidata:Q1111359" source="#corema-ingredient-index">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="clove" orig="Negelin" commodity="wikidata:Q15622897" source="#corema-ingredient-index">Gewürznelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="hyssop" orig="Iſop" commodity="wikidata:Q137931" source="#corema-ingredient-index">Ysop</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wormwood" orig="Wermut" commodity="wikidata:Q25686" source="#corema-ingredient-index">Wermut</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-093">
        <head>Alantwein mit durchgestrichener Wurzel</head>
        <div type="original" xml:id="ras-093-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-093-trans">
          <p>Alant Wein.
Item/ nimb nach der maß ſo viel man Alant wein machen wil/ zu einem aymer oder ander halben/ guten Moſt/ vnd gedoͤrꝛte Alant wurtzel nimb ein halb pfund/ vnnd wie viel aymer du des weins machen wilt/ ſo viel nimb pfund der Alant wurtz. Vnd die wurtz ſolle gegraben werden/ dieweil ſie noch gruͤn iſt/ waͤſche ſie gar ſchoͤn/ vnnd ſchneids ſcheiblecht/ vnd ſtichs an einen faden/ vñ hencks auff/ doͤrꝛe ſie am lufft/ vnnd nit an der Sonnen/ wann die Sonn zeucht der wurtzel die krafft auß/ vnd bewahꝛs wol voꝛ ſtaub/ vnd daß ſie nicht ſchimlich werd/ vnd im Herbſt ſo leg ſie nach der wage in keſſel/ vnd decke den keſſel zu/ vnnd laß die wurtz wol ſieden/ vnd ſo die wurtz geſotten hat/ ſo wird ſie linder/ ſo nimb die wurtzel alſo herauß/ vnd ſtoß ſie wol in einem moͤꝛſer/ vnnd treibs durch ein ſib/ vnd thues darnach wider in den keſſel/ vnd laß noch ein waal thun in der voꝛigen wurtz/ darnach gieß die wurtz vnd Alant in ein vaͤßlin/ vnd ſetze es in ein keller/ da es ſauber ſtehe/ darnach geuß in das gantz vaß/ da der Moſt iſt/ vnnd wann alſo der wein oder Moſt in acht tagen nit gehꝛen wolt/ ſo mach ein kolfewꝛ darzu/ ſo wird er gehꝛen/ vnnd fuͤlle das vaß wol voll: auch wann du den wein zum erſten in das vaß geuſſeſt/ ſo verſuche jn wol/ iſt der wein zu bitter von der wurtzel/ ſo ſeuds vnd faimbs gar wol/ vnd ob der Moſt noch zu bitter were/ ſo mache jn daß er zu trincken/ mit geſotner gewuͤrtzeter wurtz/ nach deinem geduncken/ wie er dir wol ſchmeckt/ vnd das alles thue voꝛ der gehꝛung.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-093-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-093-orig">
          <p>Alantwein.</p>
          <p>Nimm nach Maß, so viel man Alantwein machen will, auf einen Eimer oder anderthalb guten Most, und nimm ein halbes Pfund gedörrte Alantwurzel; und wie viele Eimer du von dem Wein machen willst, so viele Pfund Alantwurzel nimm. Die Wurzel soll gegraben werden, solange sie noch grün ist. Wasch sie sehr sauber, schneide sie in Scheiben, zieh sie auf einen Faden und häng sie auf. Dörre sie an der Luft und nicht an der Sonne, denn die Sonne zieht der Wurzel die Kraft aus. Bewahre sie gut vor Staub und davor, dass sie schimmelig wird.</p>
          <p>Im Herbst leg sie nach der Waage in einen Kessel, deck den Kessel zu und lass die Wurzel gut sieden. Wenn die Wurzel gesotten hat, wird sie weicher. Dann nimm die Wurzel heraus, stoß sie gut in einem Mörser und treib sie durch ein Sieb. Gib sie danach wieder in den Kessel und lass sie in der vorigen Würze noch einmal aufwallen. Danach gieß die Würze und den Alant in ein Fässlein und stell es in einen Keller, wo es sauber steht. Danach gieß es in das ganze Fass, in dem der Most ist. Und wenn der Wein oder Most in acht Tagen nicht gären will, so mach ein Kohlenfeuer dazu, dann wird er gären. Und füll das Fass gut voll.</p>
          <p>Auch wenn du den Wein zum ersten Mal in das Fass gießt, so koste ihn gut. Ist der Wein von der Wurzel zu bitter, so siede es und schäume es gut ab. Und wäre der Most dann noch zu bitter, so mach ihn trinkbar mit gesottener, gewürzter Würze, nach deinem Gutdünken, wie er dir gut schmeckt. Und das alles tu vor der Gärung.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="guten Moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Most, guter (ein Eimer oder anderthalb)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="gedoͤrꝛte Alant wurtzel nimb ein halb pfund">Alantwurzel, an der Luft gedörrt</ingredient> - 0.5 Pfund</item>
            <item>
              <ingredient orig="geſotner gewuͤrtzeter wurtz">Würze, gesotten und gewürzt (nur bei zu bitterem Wein, Gewürze nicht genannt)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-094">
        <head>Wermutwein, mit Weintrauben im Notfass vergoren</head>
        <div type="original" xml:id="ras-094-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-094-trans">
          <p>Wermut Wein.
Item/ den Wermut ſol man bꝛechen voꝛ oder bald nach Sonnwenden/ dieweil er in ſeiner krafft iſt/ vnd doͤrꝛe jn an dem lufft/ vnd nit an der Sonnen/ halt jn rain/ vnnd bewahꝛe jn wol voꝛ ſtaub biß in den Herbſt/ ſo thue jn in ein aymerig vaͤßlin/ ein guten handzuber vol/ vnnd thue ein maͤſſige multer voll guter Weinbeer zu dem Wermut/ thue es in das vaß/ vermach den ſpundt gar wol/ vnd laſſe jn in einem nothfaß in ſich ſelber gehꝛen/ als ander nothwein/ auch ſoltu dem vaß ein lufftloch machen Vnnd mercke/ der wein iſt gut getruncken/ dann er hitzigt den nuͤchtern magen vnnd die gedaͤrm/ vertreibt darauß allen vnrath/ grimmen/ ſchmertzen vnd kranckheiten/ vnd ſtaͤrcket die natur des Menſchen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-094-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-094-orig">
          <p>Wermutwein.</p>
          <p>Den Wermut soll man vor oder bald nach der Sonnwende pflücken, solange er in seiner Kraft ist. Dörre ihn an der Luft und nicht an der Sonne, halte ihn rein und bewahre ihn gut vor Staub bis in den Herbst. Dann tu ihn in ein Fässlein, das einen Eimer fasst, einen guten Handzuber voll, und tu eine mäßige Mulde voll guter Weintrauben zu dem Wermut. Gib es in das Fass, verschließe den Spund sehr gut und lass ihn in einem Notfass in sich selbst gären wie anderen Notwein. Auch sollst du dem Fass ein Luftloch machen.</p>
          <p>Und merke: Der Wein ist gut zu trinken, denn er erwärmt den nüchternen Magen und die Gedärme, treibt daraus allen Unrat, Grimmen, Schmerzen und Krankheiten aus und stärkt die Natur des Menschen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="wormwood" orig="den Wermut" commodity="wikidata:Q25686" source="#corema-ingredient-index">Wermut, an der Luft gedörrt (ein guter Handzuber voll)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="guter Weinbeer">Weintrauben, frisch (eine mäßige Mulde voll)</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-095">
        <head>Salbeiwein im Säcklein</head>
        <div type="original" xml:id="ras-095-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-095-trans">
          <p>Item/ alſo mag man auch Salueyen wein machen/ allein daß der Saluey ſol gerieben ſein/ vnd in einem ſaͤcklin in wein gehenckt: wie offt du in den wein geuſſeſt/ ſo haſtu in eim tag wider ſchoͤn Salueyen wein/ der doch gar geſund iſt fuͤr viel kranckheiten/ inſonderheit wem die Leber faulet/ vnd wer ein ſtinckenden athem hat/ der eſſe offt gebachnen Saluey/ wein vnd brot/ vnd gepuluert Saluey darauff/ er wird friſch vnd geſund/ vnd gewiñt einen leichten guten athem.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-095-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-095-orig">
          <p>Auf diese Weise kann man auch Salbeiwein machen, nur dass der Salbei gerieben sein und in einem Säcklein in den Wein gehängt werden soll. Sooft du in den Wein nachgießt, hast du in einem Tag wieder klaren Salbeiwein. Der ist sehr gesund gegen viele Krankheiten, besonders für den, dem die Leber fault.</p>
          <p>Und wer einen stinkenden Atem hat, der esse oft gebackenen Salbei, Wein und Brot und gepulverten Salbei darauf. Er wird frisch und gesund und bekommt einen leichten, guten Atem.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="common sage" orig="Saluey" commodity="wikidata:Q1111359" source="#corema-ingredient-index">Salbei, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gebachnen Saluey">Salbei, gebacken (für das Mittel gegen üblen Atem)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="bread" orig="brot" commodity="wikidata:Q7802" source="#corema-ingredient-index">Brot (für das Mittel gegen üblen Atem)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gepuluert Saluey">Salbei, gepulvert (für das Mittel gegen üblen Atem)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-096">
        <head>Ysopwein: gedörrter Ysop mit Spänen im Fass, Most darauf</head>
        <div type="original" xml:id="ras-096-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-096-trans">
          <p>Von dem Iſopen Wein.
Diß kraut iſt warmer vñ truckner natur/ welche art auch der wein entpfahet. Darumb taugt er den alten/ erwaͤrmet alle innerliche glieder/ ſtillet den kalten feuchten huſten/ nutzt den fallenden ſuͤchtagen/ alſo dz/ wo der ſtets genuͤtzet/ er ſolchen gar abſtellet/ ſonderlich bey den jungen. Er dienet der bꝛuſt vñ lungen/ erwaͤrmets/ verzehꝛt allen zehen Phlegmatiſchen ſchleim/ deßgleichen die Fieber ſo darauß entſtehen/ oͤffnet der lungen lufftloͤchlen/ macht ein helle ſtim̃/ dann er rainigt die bꝛuſt/ vnd hailet alle verſehꝛung derſelbigen/ wendet das keuchen vñ ſchweren athem/ vnd erſpꝛieſſet inſonderheit den waſſerſuͤchtigen.

Iſop Wein.
Item/ nimb Iſop/ vnd laß den wol duͤrꝛ werden/ vnd ſtoſſe den in ein ſack/ da dꝛey maß eingehen/ vnnd nimme den mit dir/ wann man die wein lißt/ vnd laß ein vaß auffſchlagen an dem boden/ vnnd laß ein puͤt ſpaͤn ſchneiden/ fuͤnff oder ſechs puͤnden/ vnnd thue dann darein ein lag Iſop/ ſo lang daß die materia das vaß fuͤll/ darnach laß das vaß zuſchlagen/ vnd ſchuͤtt ſchnell guten Moſt darauff/ daß das vaß voll ſey/ vnd ſpuͤndt das mit einem rhoꝛ oben zu/ darein ein loch geboꝛet iſt/ vnnd ein weyden zeyn oben zu den rhoꝛen hinein/ vnnd daß die zeyn oben ein knotten haben/ daß nichts hinein kan fallen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-096-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-096-orig">
          <p>Vom Ysopwein. Dieses Kraut ist warmer und trockener Natur, und diese Art nimmt auch der Wein an. Darum taugt er den Alten, erwärmt alle inneren Glieder, stillt den kalten, feuchten Husten und nützt bei der Fallsucht, so sehr, dass er sie ganz abstellt, wenn man ihn ständig gebraucht, besonders bei den Jungen. Er dient der Brust und der Lunge, erwärmt sie, verzehrt allen zähen, phlegmatischen Schleim und ebenso die Fieber, die daraus entstehen, öffnet die Luftlöchlein der Lunge und macht eine helle Stimme, denn er reinigt die Brust und heilt alle ihre Verletzungen, wendet das Keuchen und den schweren Atem und hilft besonders den Wassersüchtigen.</p>
          <p>Ysopwein.</p>
          <p>Nimm Ysop und lass ihn gut dürr werden, stopf ihn in einen Sack, in den drei Maß hineingehen, und nimm ihn mit dir, wenn man die Weinlese hält. Lass ein Fass am Boden aufschlagen und lass eine Bütte Späne schneiden, fünf oder sechs Bünde. Tu dann eine Lage Ysop hinein, so lange, bis die Masse das Fass füllt.</p>
          <p>Danach lass das Fass zuschlagen und schütte schnell guten Most darauf, bis das Fass voll ist. Spunde es oben mit einem Rohr zu, in das ein Loch gebohrt ist, und steck eine Weidenrute oben in das Rohr hinein. Die Rute soll oben einen Knoten haben, damit nichts hineinfallen kann.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="hyssop" orig="Iſop" commodity="wikidata:Q137931" source="#corema-ingredient-index">Ysop, gut gedörrt (ein Sack, in den drei Maß gehen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="puͤt ſpaͤn">Holzspäne, eine Bütte (fünf oder sechs Bünde)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="guten Moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Most, gut und frisch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-097">
        <head>Beerwein mit gedörrtem Salbei, in Lagen geschichtet</head>
        <div type="original" xml:id="ras-097-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-097-trans">
          <p>Ein Beerwein auß Salueyen.
Item/ nimb Salueyen ein guten theil/ darnach das vaß groß iſt/ vnd laſſe die wol duͤrꝛ werden/ vnnd lege darnach ein lag Saluey in das vaß/ vnnd ein lag beer darauff/ daß das vaß mehꝛ dann halb voll werd/ darnach ſchlag das vaß zu/ vnd fuͤll guten Moſt darauff/ ſo wird er gerecht vnd gut.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-097-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-097-orig">
          <p>Nimm einen guten Teil Salbei, je nachdem, wie groß das Fass ist, und lass ihn gut dürr werden. Lege dann eine Lage Salbei in das Fass und eine Lage Beeren darauf, so dass das Fass mehr als halb voll wird. Danach schlage das Fass zu und fülle guten Most darauf, so wird er recht und gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Salueyen ein guten theil">Salbei, gut gedörrt (Menge nach Größe des Fasses)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="beer">Weinbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="guten Moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Most, gut</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-098">
        <head>Beerwein: Most auf rote oder weiße Traubenbeeren</head>
        <div type="original" xml:id="ras-098-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-098-trans">
          <p>Item/ beerwein von rothen oder weiſſen beeren zu machen/ ſo nimb in ein dꝛey aymerig vaͤßlin vier oder fuͤnff putten beer/ vnd fuͤll darauff guten Moſt/ ſo iſt er gemacht.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-098-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-098-orig">
          <p>Ebenso: Beerwein von roten oder weißen Beeren zu machen. Nimm vier oder fünf Bütten Beeren in ein Fässlein von drei Eimern und fülle guten Most darauf, so ist er gemacht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="vier oder fuͤnff putten beer">Traubenbeeren, rot oder weiß (vier oder fünf Bütten)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="guten Moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Guter Most</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-099">
        <head>Alantwein, andere Art: zwei Eimer Most mit der Wurzel auf einen eingesotten</head>
        <div type="original" xml:id="ras-099-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-099-trans">
          <p>Alant wein auff ein andere art zu machen.
Item/ ſo ſoltu Alant laſſen graben/ vierzehen tag ehe man die wein liſet: ſo du den Alant haſt/ ſo laß die wurtzel ſchoͤn waſchen/ vnnd ſpalt je eine zu dꝛey oder vier theilen/ vnd mache ſie dann auff das aller duͤrꝛeſt: ſo man den Moſt keltert/ ſo nimb einen keſſel der do groß iſt/ vñ thue darein den Moſt vnd den Alant/ vnnd laſſe den ſieden vnnd ſchaimen: wiltu des weins machen einen aymer/ ſo muſtu zwen aymer Moſt haben/ zwey pfund Alant/ vnnd wann der Moſt halb iſt eingeſotten/ ſo ſeyhe jhn durch ein ſib in ein raines gefaͤß/ daß er ein wenig erkalte/ dunckt dich daß du des weins zu wenig haſt/ ſo thue den Alant wider in den keſſel/ vnd gieß guten Moſt darauff/ vnd ſeud jn gar wol/ darnach ſeyhe jn ab/ vnd ſo er kuͤle iſt/ ſo fuͤll jn ins vaß/ vnnd ſpuͤndt das feſt zu/ vnd fuͤll jn mit keinem vngeſotnen wein/ ſonſt verderbſt du jn.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-099-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-099-orig">
          <p>Du sollst den Alant vierzehn Tage vor der Weinlese graben lassen. Hast du den Alant, so lass die Wurzel sauber waschen, spalte jede in drei oder vier Teile und mach sie dann so trocken wie nur möglich.</p>
          <p>Wenn man den Most keltert, nimm einen großen Kessel, gib den Most und den Alant hinein und lass ihn sieden und schäumen. Willst du einen Eimer Wein machen, so brauchst du zwei Eimer Most und zwei Pfund Alant.</p>
          <p>Ist der Most zur Hälfte eingesotten, seih ihn durch ein Sieb in ein sauberes Gefäß, damit er ein wenig abkühlt. Scheint dir, dass du zu wenig Wein hast, so gib den Alant wieder in den Kessel, gieß guten Most darauf und siede ihn sehr gut. Danach seih ihn ab.</p>
          <p>Wenn er kühl ist, füll ihn ins Fass und spünde es fest zu. Und füll ihn mit keinem ungesottenen Wein nach, sonst verdirbst du ihn.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="fruit juice" orig="zwen aymer Moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#fyndling-ingredient-name">Most (zwei Eimer)</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient orig="zwey pfund Alant">Alantwurzel, gespalten und gedörrt</ingredient> - 2 Pfund</item>
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="guten Moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Most, gut (für den zweiten Sud, wenn der Wein zu wenig scheint)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-100">
        <head>Gewürzsäcklein für den Alantwein (Ingwer, Zimt, Kalmus)</head>
        <div type="original" xml:id="ras-100-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-100-trans">
          <p>Item/ nimb zwey loth guten Ingwer/ vnnd ein loth Zimmetrinden/ vnd laß klein ſtoſſen/ vnd ein loth Calmuß/ den laß klein ſchneiden/ vnd thu das in ein klein ſaͤcklin/ vnd henck es in den wein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-100-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-100-orig">
          <p>Außerdem nimm zwei Lot guten Ingwer und ein Lot Zimtrinde und lass sie klein stoßen, dazu ein Lot Kalmus, den lass klein schneiden. Tu das in ein kleines Säcklein und häng es in den Wein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="zwey loth guten Ingwer">Ingwer (zwei Lot), klein gestoßen</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient orig="ein loth Zimmetrinden">Zimtrinde (ein Lot), klein gestoßen</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="ein loth Calmuß">Kalmus (ein Lot), klein geschnitten</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="ein klein ſaͤcklin">kleines Säcklein</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="den wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein (im Zusammenhang der Alantwein)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-101">
        <head>Salbeiwein, andere Art: gedörrter Salbei im Fass, Most darüber</head>
        <div type="original" xml:id="ras-101-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-101-trans">
          <p>Ein andern Salueyen wein zu machen.
Item/ nimb Saluey die wol duͤrꝛ ſey/ vnd thu deren in ein vaß ein gut genuͤgen/ vnd ſchuͤtt guten Moſt daruͤber.
Item/ wenn du die vorgenandten wein alle in dem keller haſt/ ſo wart jr wol in der gehꝛ/ tag vnnd nacht/ daß du ſie nit vnderſich laſſeſt gehꝛen: ſo lang er in der bꝛunſt vnnd gehꝛ iſt/ ſchaw daß du jn in einer nacht fuͤnff oder acht mahl fuͤlleſt/ vnnd bey dem tag auffs fleiſſigſt warteſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-101-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-101-orig">
          <p>Einen anderen Salbeiwein zu machen.</p>
          <p>Nimm Salbei, der gut dürr ist, gib davon reichlich genug in ein Fass und schütte guten Most darüber.</p>
          <p>Wenn du die vorgenannten Weine alle im Keller hast, so achte gut auf sie in der Gärung, Tag und Nacht, dass du sie nicht absinkend gären lässt. Solange er in der Hitze und Gärung ist, sieh zu, dass du ihn in einer Nacht fünf- oder achtmal auffüllst und bei Tag aufs fleißigste nach ihm siehst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Saluey die wol duͤrꝛ ſey">Salbei, gut gedörrt (Menge: reichlich genug)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="guten Moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Most, gut</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-102">
        <head>Rosenwein, andere Art: gedörrte Rosenblätter in den angärenden Wein</head>
        <div type="original" xml:id="ras-102-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-102-trans">
          <p>Roſen Wein auff ein andere manier zu machen.
Item/ nimb in der zeit ſo ſie zeytig ſind/ jrgend zwey oder dꝛey tuͤcher voll/ bꝛich die bletter ab von den ſtilen/ vnd doͤrꝛe ſie auff ſauberen tuͤchern im lufft/ vnnd halt ſie ſchon biß in den Herbſt/ vnnd wann der wein anhebt zu gehꝛen/ ſo laß auß dem vaß/ daß er nicht vbergehe/ vnnd thue dann die Roſenbletter ins vaß/ vnd laſſe den wein darmit gehꝛen/ vnnd fuͤll jn dann wider mit vergehꝛtem wein zu/ das wird dann der natuͤrlichſt vnd wol ſchmeckendeſt wein/ dauon nit zu ſagen iſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-102-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-102-orig">
          <p>Nimm zu der Zeit, wenn sie reif sind, etwa zwei oder drei Tücher voll Rosen. Brich die Blätter von den Stielen ab und dörre sie auf sauberen Tüchern an der Luft, und bewahre sie sauber bis in den Herbst auf.</p>
          <p>Wenn der Wein zu gären anhebt, so lass etwas aus dem Fass, damit er nicht überläuft. Dann gib die Rosenblätter ins Fass und lass den Wein damit gären, und fülle ihn danach wieder mit vergorenem Wein auf. Das gibt dann den natürlichsten und wohlschmeckendsten Wein, mehr als sich sagen lässt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="rose petals" orig="Roſenbletter">Rosenblätter (Blütenblätter der Rose), an der Luft gedörrt, zwei oder drei Tücher voll</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="wein anhebt zu gehꝛen">Wein im Fass, der zu gären anhebt (junger Most)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="vergehꝛtem wein">vergorener Wein zum Auffüllen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-103">
        <head>Rosenwein mit gesottenem Most</head>
        <div type="original" xml:id="ras-103-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-103-trans">
          <p>Roſen wein auff ein andere art.
Item/ nimb weiß edel Roſenbletter/ ſo die am aller zeittigſten ſeind/ doͤrꝛe ſie am lufft vnd nit an der Sonnen/ vnd behalt ſie biß in den Herbſt daß du Moſt haſt/ den ſoltu ſieden biß er verſchaimbt/ vnnd nit lenger/ damit es nit zu dick werd/ als dann gebꝛauch dich der Roſenbletter wie Span wein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-103-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-103-orig">
          <p>Nimm weiße, edle Rosenblätter, wenn sie am allerreifsten sind. Dörre sie an der Luft und nicht an der Sonne und bewahre sie bis in den Herbst auf, bis du Most hast.</p>
          <p>Den sollst du sieden, bis er nicht mehr schäumt, und nicht länger, damit es nicht zu dick wird. Dann verfahre mit den Rosenblättern wie beim Spanwein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="weiß edel Roſenbletter">Weiße Rosenblätter, an der Luft gedörrt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="Moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Most</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-104">
        <head>Holunderblütenwein mit gedörrten Blüten im Fass</head>
        <div type="original" xml:id="ras-104-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-104-trans">
          <p>Holder Wein.
Item/ nimb Holderbluͤt/ vnd bꝛich ſie ab von den ſtenglen/ vnnd doͤrꝛe ſie auff einem ſaubern thuech in dem lufft/ vnd nit an der Soñen/ vnd henck ſie an den lufft biß in den Herbſt/ daß ſie nit ſchimlich werden/ vnd thu ſuͤſſen Moſt in ein vaß/ vnd laß jn gehꝛen/ vnnd wann er im ſatz iſt/ ſo henck die blumen in das vaß/ oder ſchuͤtt ſie darein/ ſo wird der wein wol ſchmeckend/ vnnd natuͤrlich zu trincken als Malmaſier oder Muſcateller.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-104-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-104-orig">
          <p>Nimm Holunderblüten, brich sie von den Stängeln ab und dörre sie auf einem sauberen Tuch an der Luft und nicht in der Sonne. Häng sie an die Luft bis in den Herbst, damit sie nicht schimmelig werden.</p>
          <p>Gib dann süßen Most in ein Fass und lass ihn gären. Wenn er sich gesetzt hat, häng die Blüten in das Fass oder schütte sie hinein. So wird der Wein wohlschmeckend und so natürlich zu trinken wie Malvasier oder Muskateller.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Holderbluͤt">Holunderblüten, gedörrt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſuͤſſen Moſt">Most, süß</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-105">
        <head>Spanwein: umgeschlagenen Wein auf Buchenspänen klären</head>
        <div type="original" xml:id="ras-105-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-105-trans">
          <p>Schoͤnen Spanwein.
Item/ nimb buchen ſpaͤn/ vnd ſchneid die als duͤn als du kanſt/ vñ thu einen ſack vol in ein halb fuder zuuoꝛ mit waſſer geſotten/ vnd thue ſie auß dem keſſel in ein zuber/ vñ ſchuͤtt ſchoͤn waſſer daruͤber/ vñ waͤſch die ſpaͤn wol/ vnd laß ſie duͤrꝛ werden/ vñ was du von vngefaͤrbten oder gebꝛochen wein haſt/ den ſchuͤtt daruͤber/ in 14. taͤgen wird er ſchoͤn/ vnd magſt wol darauß trincken/ vnd ander gebꝛochen wein wider einfuͤllen/ vnd wann du das haſt gethon ein viertel jar oder mehꝛ/ ſo thue die ſpaͤn herauß/ vnd waͤſch ſie mit ſchoͤnem waſſer/ vnd laß ſie aber trucken werden/ ſo ſeind ſie gut als voꝛ.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-105-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-105-orig">
          <p>Nimm Buchenspäne, schneide sie so dünn, wie du kannst, und tu einen Sack voll in ein halbes Fuder, zuvor mit Wasser gesotten. Nimm sie aus dem Kessel in einen Zuber, schütte sauberes Wasser darüber, wasche die Späne gut und lass sie dürr werden.</p>
          <p>Und was du an missfarbigem oder umgeschlagenem Wein hast, den schütte darüber. In 14 Tagen wird er klar, und du kannst gut daraus trinken und wieder anderen umgeschlagenen Wein einfüllen.</p>
          <p>Und wenn du das ein Vierteljahr oder länger getan hast, so nimm die Späne heraus, wasche sie mit sauberem Wasser und lass sie wieder trocken werden, so sind sie gut wie zuvor.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="buchen ſpaͤn">Buchenspäne, ein Sack voll</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser zum Sieden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="ſchoͤn waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Sauberes Wasser zum Waschen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="vngefaͤrbten oder gebꝛochen wein">Missfarbiger oder umgeschlagener Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-106">
        <head>Johanniskrautwein im Fass</head>
        <div type="original" xml:id="ras-106-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-106-trans">
          <p>Sanct Johannes Wein.
Item/ nimb Sanct Johannes kraut/ vnd ſtoß es in ein vaß/ daß es voll ſey/ vnd ſchuͤtt Moſt darauff/ vñ wann der wein vergehꝛt/ ſo thu das kraut herauß/ vnd waͤſche es ſauber/ vnd laß es duͤrꝛ werden/ vnnd thue es im Mertzen wider in eins/ oder ander friſch Johannes kraut/ vñ fuͤll es wider mit anderm wein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-106-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-106-orig">
          <p>Nimm Johanniskraut und stopfe es in ein Fass, bis es voll ist, und schütte Most darauf. Wenn der Wein vergoren ist, nimm das Kraut heraus, wasche es sauber und lass es trocknen.</p>
          <p>Im März gib es wieder in ein Fass, oder nimm anderes, frisches Johanniskraut, und fülle das Fass wieder mit anderem Wein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Sanct Johannes kraut">Johanniskraut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="Moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Traubenmost</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="anderm wein" commodity="wikidata:Q282" source="#fyndling-ingredient-registry">Wein (zum Wiederauffüllen im März)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-107">
        <head>Köstlicher Lautertrank mit Langem Pfeffer und Paradieskörnern</head>
        <div type="original" xml:id="ras-107-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-107-trans">
          <p>Ein koͤſtlich lauter tranck zu machen.
Item/ nimb ein vierling langen Pfeffer/ ein vierling Pariß koͤꝛner/ ein halb pfund Zim̃etrinden/ drithalb pfund Zuckers/ ein vierling Ingwer/ acht Muſcatnuß/ alles vnder einander geſtoſſen/ vnnd in ein guten ſchlechten wein gethon.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-107-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-107-orig">
          <p>Einen köstlichen Lautertrank zu machen. Nimm einen Vierling Langen Pfeffer, einen Vierling Paradieskörner, ein halbes Pfund Zimtrinde, zweieinhalb Pfund Zucker, einen Vierling Ingwer und acht Muskatnüsse, alles miteinander gestoßen und in einen guten, schlichten Wein getan.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="long pepper" orig="ein vierling langen Pfeffer" commodity="wikidata:Q685336" source="#fyndling-ingredient-name">Langer Pfeffer (ein Vierling)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="grain of paradise" orig="ein vierling Pariß koͤꝛner" commodity="wikidata:Q1503476" source="#fyndling-ingredient-registry">Paradieskörner (ein Vierling)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="cinnamon" orig="ein halb pfund Zim̃etrinden" commodity="wikidata:Q28165" source="#fyndling-ingredient-name">Zimtrinde</ingredient> - 0.5 Pfund</item>
            <item><ingredient en="unrefined cane sugar" orig="drithalb pfund Zuckers" commodity="wikidata:Q57656231" source="#fyndling-ingredient-name">Zucker</ingredient> - 2.5 Pfund</item>
            <item><ingredient en="ginger" orig="ein vierling Ingwer" commodity="wikidata:Q15046077" source="#fyndling-ingredient-registry">Ingwer (ein Vierling)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="nutmeg" orig="acht Muſcatnuß" commodity="wikidata:Q83165" source="#fyndling-ingredient-name">Muskatnüsse</ingredient> - 8 Stück</item>
            <item>
              <ingredient orig="ein guten ſchlechten wein">Wein, gut und schlicht</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-108">
        <head>Lautertrank mit Kümmel und Galgant, drei Stunden gezogen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-108-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-108-trans">
          <p>Item zu einer kanten lauter tranck nimb vier loth Kuͤmmel/ ein halb pfund Zucker oder mehꝛ/ vñ ein loth Galgan/ oder ein wenig Ingwer/ vnd ein wenig Muſcaten/ vnd das vnder einander gemacht/ vnnd den wein daruͤber gegoſſen/ dꝛey ſtund laſſen ſtehen/ vnd darnach auffgoſſen biß er ſchoͤn wird.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-108-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-108-orig">
          <p>Ebenso zu einer Kanne Lautertrank: Nimm vier Lot Kümmel, ein halbes Pfund Zucker oder mehr und ein Lot Galgant oder ein wenig Ingwer und ein wenig Muskat. Das mische untereinander, gieße den Wein darüber und lass es drei Stunden stehen. Danach gieße ihn auf, bis er klar wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="den wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein, auf eine Kanne Lautertrank</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="caraway" orig="vier loth Kuͤmmel" commodity="wikidata:Q22978145" source="#fyndling-ingredient-name">Kümmel (vier Lot)</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient en="unrefined cane sugar" orig="ein halb pfund Zucker oder mehꝛ" commodity="wikidata:Q57656231" source="#fyndling-ingredient-name">Zucker (oder mehr)</ingredient> - 0.5 Pfund</item>
            <item><ingredient en="lesser galangal" orig="ein loth Galgan" commodity="wikidata:Q27653540" source="#fyndling-ingredient-registry">Galgant (ein Lot)</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient orig="oder ein wenig Ingwer">Ingwer, ein wenig (statt des Galgants)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="nutmeg" orig="ein wenig Muſcaten" commodity="wikidata:Q83165" source="#corema-ingredient-index">Muskatnuss, ein wenig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-109">
        <head>Lautertrank mit Kümmel, Ingwer, Galgant und einem Pfund Zucker</head>
        <div type="original" xml:id="ras-109-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-109-trans">
          <p>Item/ nimb dꝛey loth Kuͤmmel/ ein pfund Zucker/ vnd ein wenig Ingwer/ vnd ein wenig Galgan.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-109-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-109-orig">
          <p>Ebenso: Nimm drei Lot Kümmel, ein Pfund Zucker und ein wenig Ingwer und ein wenig Galgant.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="(implied)" commodity="wikidata:Q282" source="#fyndling-ingredient-registry">Wein (Menge nicht genannt)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="caraway" orig="dꝛey loth Kuͤmmel" commodity="wikidata:Q22978145" source="#fyndling-ingredient-name">Kümmel (drei Lot)</ingredient> - 3</item>
            <item><ingredient en="unrefined cane sugar" orig="ein pfund Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker</ingredient> - 1 Pfund</item>
            <item>
              <ingredient en="ginger" orig="ein wenig Ingwer" commodity="wikidata:Q15046077" source="#corema-ingredient-index">Ingwer, ein wenig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="lesser galangal" orig="ein wenig Galgan" commodity="wikidata:Q27653540" source="#corema-ingredient-index">Galgant, ein wenig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-110">
        <head>Gewöhnlicher Zuckertrank mit geläutertem Honig</head>
        <div type="original" xml:id="ras-110-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-110-trans">
          <p>Item/ ein gemainen Zuckertranck/ nimb zwey loth Kuͤmmel/ Negelen/ Ingwer/ Muſcaten/ vnd ein maͤßlin geleutert hoͤnig/ auch vnder einander gemacht.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-110-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-110-orig">
          <p>Ebenso ein gewöhnlicher Zuckertrank: Nimm zwei Lot Kümmel, Nelken, Ingwer, Muskat und ein Mäßlein geläuterten Honig und mische es ebenfalls untereinander.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="caraway" orig="zwey loth Kuͤmmel" commodity="wikidata:Q22978145" source="#fyndling-ingredient-name">Kümmel (zwei Lot)</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="clove" orig="Negelen" commodity="wikidata:Q15622897" source="#corema-ingredient-index">Gewürznelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="ginger" orig="Ingwer" commodity="wikidata:Q15046077" source="#corema-ingredient-index">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="nutmeg" orig="Muſcaten" commodity="wikidata:Q83165" source="#corema-ingredient-index">Muskatnuss</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="ein maͤßlin geleutert hoͤnig">Honig, geläutert (ein Mäßlein)</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-111">
        <head>Edler Trunk von Brombeeren, mit Honig in Wein gesotten</head>
        <div type="original" xml:id="ras-111-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-111-trans">
          <p>Ein edlen trunck von Braunbeeren zu machen.
Item/ nimb ein maß hoͤnig/ vñ fuͤnff maß Braunbeer/ das miſch wol zuſamen/ darnach ſo thue ſechs mahl ſo viel wein darunder/ das ſeud bey eim fewꝛ/ vñ ſchaimb es wol daß es wol erwalle/ darnach ſeyhe es durch ein thuech/ vnd ſo es dañ erkaltet/ ſo thue es aber zum fewꝛ/ vnd ſchaim es als voꝛ/ dann thue es in ein ſauber vaͤßlin/ vnd laß es wol zu jm ſelber kommen/ vnd wann du dann das trincken wilt/ iſt es zu ſtarck/ ſo miſche mehꝛ darunder/ vnd machs wie du es gern trinckeſt/ vnd dieſer tranck iſt fuͤr all natuͤrliche hitz.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-111-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-111-orig">
          <p>Nimm ein Maß Honig und fünf Maß Brombeeren und mische das gut zusammen. Danach gib sechsmal so viel Wein dazu. Das siede bei einem Feuer und schäume es gut ab, dass es gut aufwalle. Danach seihe es durch ein Tuch, und wenn es dann erkaltet ist, so setze es wieder ans Feuer und schäume es ab wie zuvor. Dann fülle es in ein sauberes Fässchen und lass es gut zu sich selbst kommen.</p>
          <p>Und wenn du es dann trinken willst und es ist zu stark, so mische mehr darunter und mach es so, wie du es gern trinkst. Und dieser Trank ist für alle natürliche Hitze.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="honey" orig="ein maß hoͤnig" commodity="wikidata:Q10987" source="#corema-ingredient-index">Honig (1 Maß)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="fuͤnff maß Braunbeer">Brombeeren (5 Maß)</ingredient> - 5</item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="ſechs mahl ſo viel wein" commodity="wikidata:Q282" source="#fyndling-ingredient-registry">Wein (sechsmal so viel)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-112">
        <head>Met mit Rosenknospen, gebräuntem Honig und Lorbeerbeeren</head>
        <div type="original" xml:id="ras-112-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-112-trans">
          <p>Wie man guten Meth machen ſol.
Item/ nimb ein maß hoͤnig/ zu ſechs maß waſſers/ vnd ſeude bey dem fewꝛ/ als wer es jung rindtfleiſch/ vnnd dieweil es ſeud/ ſo wirff je darein roth knoͤpff von rothen Roſen/ vnd ſchaime jn recht fuͤr ſich dar/ vnd das fewꝛ ſol hell bꝛinnen on rauch/ vnd ſo er nun geſotten/ ſo thu jn ab/ vnd laß jn wol erkalten/ darzwiſchen ſo nimb zu einem aymer Meth den du geſotten haſt/ ein maß hoͤnig/ das thue in einen keſſel/ vnd laß es ſieden ob einer glut/ vnnd ruͤhꝛ es fuͤr vnd fuͤr biß er rothe farb gewint/ oder bꝛaun/ darnach du die farb haben wilt/ vnnd nimb des geſotnen Meths/ vnd ſchuͤtt jn vber das hoͤnig/ ruͤhꝛs wol/ vnd ſchuͤtts als vnder einander/ darnach nimb friſch Loꝛboͤꝛ die heut haben/ ſtoß ſie/ hencks darein/ vnd laß jn wol vberſchlahen ehe du jn in das vaͤßlin thuſt: vnnd wilt du jhn ſtaͤrcken mit gutem gewuͤrtz/ oder mit hopffen/ das magſtu auch thun.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-112-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-112-orig">
          <p>Wie man guten Met machen soll.</p>
          <p>Nimm ein Maß Honig auf sechs Maß Wasser und siede es bei dem Feuer, als wäre es junges Rindfleisch. Während es siedet, wirf rote Knospen von roten Rosen hinein und schäume ihn ordentlich und immerfort ab. Das Feuer soll hell brennen, ohne Rauch. Ist er nun gesotten, so nimm ihn ab und lass ihn gut erkalten.</p>
          <p>Unterdessen nimm zu einem Eimer Met, den du gesotten hast, ein Maß Honig, gib es in einen Kessel und lass es über einer Glut sieden. Rühre es immerfort, bis er rote Farbe gewinnt oder braune, je nachdem, welche Farbe du haben willst. Dann nimm von dem gesottenen Met und schütte ihn über den Honig, rühre es gut und schütte alles untereinander.</p>
          <p>Danach nimm frische Lorbeerbeeren, die ihre Haut haben, stoße sie, hänge sie hinein und lass ihn gut lau abkühlen, ehe du ihn in das Fässlein füllst. Und willst du ihn mit gutem Gewürz oder mit Hopfen stärken, das kannst du auch tun.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="honey" orig="ein maß hoͤnig" commodity="wikidata:Q10987" source="#corema-ingredient-index">Honig, 1 Maß (für den Sud)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="ſechs maß waſſers">Wasser, 6 Maß</ingredient> - 6</item>
            <item>
              <ingredient orig="roth knoͤpff von rothen Roſen">Rote Rosenknospen</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="zu einem aymer Meth den du geſotten haſt/ ein maß hoͤnig">Honig zum Bräunen, 1 Maß je Eimer Met</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient orig="friſch Loꝛboͤꝛ die heut haben">Frische Lorbeerbeeren (Echter Lorbeer), mit Haut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="spice" orig="gutem gewuͤrtz" commodity="wikidata:Q42527" source="#corema-ingredient-index">Gutes Gewürz (wahlweise, zum Stärken)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="hopffen">Hopfen (wahlweise, statt des Gewürzes)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-113">
        <head>Claret, Würzwein mit Honig</head>
        <div type="original" xml:id="ras-113-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-113-trans">
          <p>Wie man guten Claret machen ſol.
Item/ ſo nimb zu einem vierteil wein ein achttail hoͤnig/ vnd ſeud das hoͤnig mit einer halben maß wein/ vnd ſcheume es wol/ vnnd thues dann in ein andern wein/ vnd nimb ein loth Negelin/ vnnd ein loth Parißkoͤꝛner/ vnd 2. loth Zimmetrinden/ vnnd 1. loth Spicanardi/ vnnd 1. loth Ingwer/ vnd ſtoß das klein/ vnd thue ſie in den wein/ vnd laß es dꝛey ſtund ſtehn/ vnnd gieß es dann auff den ſack/ ſo haſtu einen guten Claret.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-113-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-113-orig">
          <p>Wie man guten Claret machen soll. Nimm zu einem Viertel Wein ein Achtel Honig und siede den Honig mit einer halben Maß Wein und schäume ihn gut ab. Gib es dann in den anderen Wein.</p>
          <p>Nimm ein Lot Nelken, ein Lot Paradieskörner, zwei Lot Zimtrinde, ein Lot Narde und ein Lot Ingwer, stoße das klein und gib es in den Wein. Lass es drei Stunden stehen und gieß es dann auf den Sack, so hast du einen guten Claret.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="wine" orig="einem vierteil wein" commodity="wikidata:Q282" source="#fyndling-ingredient-registry">Wein (ein Viertel)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="einer halben maß wein">Wein zum Sieden des Honigs (eine halbe Maß)</ingredient> - 0.5</item>
            <item><ingredient en="honey" orig="ein achttail hoͤnig" commodity="wikidata:Q10987" source="#fyndling-ingredient-registry">Honig (ein Achtel)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="clove" orig="ein loth Negelin" commodity="wikidata:Q15622897" source="#fyndling-ingredient-name">Gewürznelken (ein Lot)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="grain of paradise" orig="ein loth Parißkoͤꝛner" commodity="wikidata:Q1503476" source="#fyndling-ingredient-registry">Paradieskörner (ein Lot)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="cinnamon" orig="2. loth Zimmetrinden" commodity="wikidata:Q28165" source="#fyndling-ingredient-name">Zimtrinde (zwei Lot)</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient orig="1. loth Spicanardi">Narde, am ehesten Speikwurzel (ein Lot)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="ginger" orig="1. loth Ingwer" commodity="wikidata:Q15046077" source="#fyndling-ingredient-registry">Ingwer (ein Lot)</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-114">
        <head>Abgestandenen Wein auf gute Hefe ziehen oder mit Zimt und Hirschhorn bessern</head>
        <div type="original" xml:id="ras-114-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-114-trans">
          <p>Wie man abgeſtandnen weinen helffen ſol/ daß ſie gut zu trincken ſein.
Item/ laß den wein ab/ zeuch jn auff ein gut hefen/ da guter wein iſt auffgeſtanden/ ſo wird der wein beſſer/ dann er voꝛ iſt geweſen/ oder henck in ein fuder 4. loth Zimmetrinden geſtoſſen/ vnd ſo viel Zuckers/ vnd ſo viel gefeyhelts hirtzhoꝛn/ ſo wird er in ſiben tagen krefftig vnnd gut.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-114-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-114-orig">
          <p>Wie man abgestandenen Weinen helfen soll, dass sie gut zu trinken sind.</p>
          <p>Lass den Wein ab und zieh ihn auf eine gute Hefe, auf der guter Wein gestanden hat. So wird der Wein besser, als er vorher gewesen ist.</p>
          <p>Oder häng in ein Fuder 4 Lot gestoßene Zimtrinde und ebenso viel Zucker und ebenso viel gefeiltes Hirschhorn. So wird er in sieben Tagen kräftig und gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="abgeſtandnen weinen">Abgestandener Wein (bei der zweiten Art 1 Fuder)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="brewer's yeast" orig="ein gut hefen" commodity="wikidata:Q911712" source="#corema-ingredient-index">Gute Hefe (Geläger), auf der guter Wein gestanden hat</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="4. loth Zimmetrinden geſtoſſen">Zimtrinde (4 Lot), gestoßen</ingredient> - 4</item>
            <item>
              <ingredient orig="ſo viel Zuckers">Zucker, ebenso viel wie Zimt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſo viel gefeyhelts hirtzhoꝛn">Hirschhorn, gefeilt (Feilspäne vom Geweih), ebenso viel</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-115">
        <head>Verdorbenen welschen Wein richten (Zucker, Nelken, Zimt, Rosinen)</head>
        <div type="original" xml:id="ras-115-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-115-trans">
          <p>Wer verdoꝛbnen Welſchen wein wider zu recht will bꝛingen[?]/ es ſey welcherley es woͤll/ Rainfal/ ꝛc.
Item/ nimb Zucker/ Negelin/ Zimmetrinden/ vnd der kleinen roͤſinlen/ vnnd den Zucker wol geſtoſſen/ darnach durch ein ſib geſigen/ in die laͤgel gethon/ wie du wol waiſt/ ꝛc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-115-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-115-orig">
          <p>Wer verdorbenen welschen Wein wieder zurechtbringen will, gleich welcher Sorte er sei, Rainfal usw.</p>
          <p>Nimm Zucker, Nelken, Zimtrinde und von den kleinen Rosinen, den Zucker gut gestoßen, danach durch ein Sieb gesiebt, in die Fässchen getan, wie du wohl weißt, usw.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="verdoꝛbnen Welſchen wein">Welscher Wein, verdorben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker, gestoßen und gesiebt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="clove" orig="Negelin" commodity="wikidata:Q15622897" source="#corema-ingredient-index">Gewürznelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cinnamon" orig="Zimmetrinden" commodity="wikidata:Q28165" source="#corema-ingredient-index">Zimtrinde</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="der kleinen roͤſinlen">Kleine Rosinen (wohl Korinthen)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-116">
        <head>Verdorbenen welschen Wein bessern (Zimt, Kardamom, Safran)</head>
        <div type="original" xml:id="ras-116-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-116-trans">
          <p>Item/ nimb 4. loth Zimmetrinden/ zwey loth Ingwer/ ein loth Negelin/ ein loth Parißkoͤꝛner/ ein loth Galgan/ zwey quintlin Muſcaten/ ein loth Cardimomen/ ein quintlin Saffran/ darzu nimb Zucker/ oder gut hoͤnig vnd wein/ dꝛey ſtuͤbichen/ machs darnach wie vorgeſchꝛieben iſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-116-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-116-orig">
          <p>Ebenso: Nimm 4 Lot Zimtrinde, zwei Lot Ingwer, ein Lot Nelken, ein Lot Paradieskörner, ein Lot Galgant, zwei Quintlein Muskat, ein Lot Kardamom und ein Quintlein Safran. Dazu nimm Zucker oder guten Honig und Wein, drei Stübich. Mach es danach so, wie oben beschrieben ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="cinnamon" orig="4. loth Zimmetrinden" commodity="wikidata:Q28165" source="#fyndling-ingredient-name">Zimtrinde (4 Lot)</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient en="ginger" orig="zwey loth Ingwer" commodity="wikidata:Q15046077" source="#fyndling-ingredient-registry">Ingwer (zwei Lot)</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="clove" orig="ein loth Negelin" commodity="wikidata:Q15622897" source="#fyndling-ingredient-name">Gewürznelken (ein Lot)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="grain of paradise" orig="ein loth Parißkoͤꝛner" commodity="wikidata:Q1503476" source="#fyndling-ingredient-registry">Paradieskörner (ein Lot)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="lesser galangal" orig="ein loth Galgan" commodity="wikidata:Q27653540" source="#fyndling-ingredient-registry">Galgant (ein Lot)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="nutmeg" orig="zwey quintlin Muſcaten" commodity="wikidata:Q83165" source="#fyndling-ingredient-registry">Muskatnuss (zwei Quintlein)</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient en="cardamom" orig="ein loth Cardimomen" commodity="wikidata:Q14625808" source="#fyndling-ingredient-name">Kardamom (ein Lot)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="saffron" orig="ein quintlin Saffran" commodity="wikidata:Q25434" source="#fyndling-ingredient-registry">Safran (ein Quintlein)</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="honey" orig="gut hoͤnig" commodity="wikidata:Q10987" source="#corema-ingredient-index">Honig, guter (statt des Zuckers, laut Text „oder“)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="wine" orig="wein/ dꝛey ſtuͤbichen" commodity="wikidata:Q282" source="#fyndling-ingredient-registry">Wein (drei Stübich)</ingredient> - 3</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-117">
        <head>Wein ein Jahr süß halten: abzapfen und durch Haselspäne gießen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-117-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-117-trans">
          <p>Ein kunſt guten ſuͤſſen wein zu machen.
Man ſol wiſſen vnnd verſtehn in dieſer kunſt/ wie man die wein ein gantzes jar ſol ſuͤß behalten/ der wein werde daſſelb jar ſawꝛ oder ſuͤß: Man ſol nemen den wein von der pꝛeß oder keltern/ vnnd den in ein groß vaß gieſſen/ vnd ſol denſelbigen ſetzen laſſen auff den boden/ vnnd ſo er ſich geſetzet/ ſolle er jhn aber zaͤpffen von dem vnflat auff den boden/ ein gut ſpann vber den boden/ denſelbigen abgezaͤpfften wein ſol er durch hoͤßlin ſpaͤn gieſſen/ vnd in ein vaß oder vier: derſelb wein wird alſo gerainiget/ daß er darnach kein vnſauberkeit in jhm hat/ die dem wein moͤchten ſchaden bꝛingen. Mit dieſem wein magſt du wol viel wein ſuͤß machen: nach deinem geduncken ſoltu gieſſen des weins in ein vaß eines andern groben weins/ ſo wird der wein milt vnnd wolgeſchmack: das ſol man alles thun an kalten ſtaͤtten vnd gemaͤchen: in ſolcher weyß hellt man den wein mit aller ſeiner ſtaͤrcke vnnd krafft/ ſuͤß als ein Meth/ das alles geſchicht durch die verziehung der gehꝛ.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-117-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-117-orig">
          <p>Eine Kunst, guten süßen Wein zu machen.</p>
          <p>Man soll in dieser Kunst wissen und verstehen, wie man die Weine ein ganzes Jahr süß behalten soll, ob der Wein in diesem Jahr sauer oder süß wird.</p>
          <p>Man soll den Wein von der Presse oder Kelter nehmen, in ein großes Fass gießen und ihn sich auf dem Boden setzen lassen. Hat er sich gesetzt, soll man ihn dann vom Unrat auf dem Boden abzapfen, eine gute Spanne über dem Boden. Diesen abgezapften Wein soll man durch Haselspäne gießen, in ein Fass oder in vier. So wird der Wein gereinigt, dass er danach keine Unsauberkeit mehr in sich hat, die dem Wein Schaden bringen könnte.</p>
          <p>Mit diesem Wein kannst du wohl viel Wein süß machen: Nach deinem Gutdünken sollst du von diesem Wein in ein Fass mit einem anderen, groben Wein gießen, so wird der Wein mild und wohlschmeckend.</p>
          <p>Das alles soll man an kalten Orten und in kalten Räumen tun. Auf diese Weise hält man den Wein mit all seiner Stärke und Kraft süß wie einen Met. Das alles geschieht durch das Hinauszögern der Gärung.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="den wein von der pꝛeß oder keltern">Wein, frisch von der Presse oder Kelter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="hoͤßlin ſpaͤn">Haselspäne</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="eines andern groben weins">Anderer, grober Wein (zum Verschneiden)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-118">
        <head>Wein stärken mit Gewürz-Branntwein und Pfirsichkernen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-118-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-118-trans">
          <p>Ein anders.
Item/ nimb den beſten wein den du haben magſt/ vnnd thue darein die nachgeſchꝛiebnen ſtuck/ ein vierling Galgant/ dꝛey loth Negelin/ 4. loth Ingwer/ 4. loth Zimmetrinden/ 2. pfund Pfirſichkern/ das ſol man alles in den bꝛendten wein thun/ darnach laß es acht tag an einander ſtehn. Darnach ſoltu den wein ableutern/ vnnd den gebꝛandten wein in den abgeleuterten wein gieſſen/ in jeglichs vaß nach deim gefallen oder wol ſchmecken/ auff das aller beſt ſo du es pꝛuͤfen magſt/ ſo hat der wein voꝛ ſein natuͤrliche ſtaͤrcke vnnd ſuͤß/ auch mit oꝛdnung der kunſt/ doch nit anders/ dann als er gewachſen iſt mit ſeiner krafft/ ſuͤß vnd ſtarck/ ſonder durch das gemecht der natuͤrlichen kunſt/ das ein ſatz der ſpecies, vnd ſtarcken weins/ der den ſuͤſſen natuͤrlichen weinen wird gegeben/ als ein ſonder ſtuck vnd artzney/ durch erfindung der natuͤrlichen Maiſter/ mit viel vbung vnd verſuchung/ dann dieſelben Maiſter haben erkandt deren ding natur/ darumb ſie ſeind kommen in erkantnuß dieſer vnd andern kuͤnſten.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-118-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-118-orig">
          <p>Eine andere Art.</p>
          <p>Ebenso: Nimm den besten Wein, den du haben kannst, und tu die nachgeschriebenen Stücke hinein: einen Vierling Galgant, drei Lot Nelken, 4 Lot Ingwer, 4 Lot Zimtrinde, 2 Pfund Pfirsichkerne. Das alles soll man in den gebrannten Wein tun. Danach lass es acht Tage hintereinander stehen.</p>
          <p>Danach sollst du den Wein abläutern und den gebrannten Wein in den abgeläuterten Wein gießen, in jedes Fass nach deinem Gefallen oder bis es wohl schmeckt, aufs Allerbeste, wie du es prüfen kannst.</p>
          <p>So hat der Wein mehr als seine natürliche Stärke und Süße, auch nach der Ordnung der Kunst, doch nicht anders, als er mit seiner Kraft süß und stark gewachsen ist, sondern durch das Gemächt der natürlichen Kunst: einen Ansatz aus den Spezies und starkem Wein, der den süßen natürlichen Weinen gegeben wird, als ein besonderes Stück und eine Arznei, erfunden von den natürlichen Meistern mit viel Übung und Versuchen. Denn dieselben Meister haben die Natur dieser Dinge erkannt, darum sind sie zur Erkenntnis dieser und anderer Künste gekommen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="den bꝛendten wein">Gebrannter Wein, vom besten Wein (für den Ansatz)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="lesser galangal" orig="ein vierling Galgant" commodity="wikidata:Q27653540" source="#fyndling-ingredient-registry">Galgant (ein Vierling)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="clove" orig="dꝛey loth Negelin" commodity="wikidata:Q15622897" source="#fyndling-ingredient-name">Gewürznelken (drei Lot)</ingredient> - 3</item>
            <item><ingredient en="ginger" orig="4. loth Ingwer" commodity="wikidata:Q15046077" source="#fyndling-ingredient-registry">Ingwer (4 Lot)</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient en="cinnamon" orig="4. loth Zimmetrinden" commodity="wikidata:Q28165" source="#fyndling-ingredient-name">Zimtrinde (4 Lot)</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient orig="2. pfund Pfirſichkern">Pfirsichkerne (2 Pfund)</ingredient> - 2 Pfund</item>
            <item>
              <ingredient orig="abgeleuterten wein">Wein im Fass, abgeläutert</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-119">
        <head>Gärenden Wein mit aufschwimmendem Branntwein stärken</head>
        <div type="original" xml:id="ras-119-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-119-trans">
          <p>Ein bewehꝛte kunſt guten wein zu machen vnd zubehalten.
Item/ du ſolt nemen wein wie er von der pꝛeß kompt/ vnnd gieß den in die vaß/ darin er gehꝛen ſol/ vnd die vaß ſol man ein ſpann laͤhꝛ laſſen/ darnach ſol er nemen ein guten gebꝛandten wein/ als von Muſcateller/ Malmaſier/ Elſeſſer oder Francken wein/ oder ſunſt von andern guten weinen/ dieſelbigen ſol er nemen vnnd bꝛennen auffs hoͤchſt/ ein/ zwey/ dꝛey oder vier mahl/ deſſelben nimb ein maß zwo oder dꝛey in ein vaß/ alſo/ man ſol nemen ein bꝛett/ in der mitt ein wenig außgenommen/ auff daß der wein nit abflieſſe/ vnnd daſſelbig bꝛett ſol er zu dem ſpundt hinein thun/ daß es dẽ wein kaum anruͤhꝛe/ darnach ſol man den gebꝛandten wein auff das bꝛett gieſſen/ langſam/ darmit der gebꝛandt wein kein groſſen fall thue auff den wein in das vaß/ damit der gebꝛandt wein nur oben ſchwim̃ auff dem andern wein/ vnd ſich darmit nit vermiſch. Wann er nun aller darein gefloſſen iſt/ ſo viel du darinnen haben wilt/ ſo ſol der wein vnder dem gebꝛandten wein vnder ſich gehꝛen/ danon er dann die ſuͤſſe nimbt/ vnnd von dem gebꝛandten wein die ſtaͤrcke/ vnd viel mehꝛ ſtaͤrcke/ dann er ſunſt hat gehabt. Wolt er jhn aber ſtaͤrcker haben/ ſo moͤchte er jm thun mit den ſpecies, als voꝛhin geſchꝛieben iſt/ auch wie man mit eim vaß thut/ alſo mag man auch mit den andern thun/ ſo ſie in einer groͤſſe ſeind. Probatum eſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-119-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-119-orig">
          <p>Eine bewährte Kunst, guten Wein zu machen und zu erhalten.</p>
          <p>Nimm Wein, wie er von der Presse kommt, und gieß ihn in die Fässer, in denen er gären soll. Die Fässer soll man eine Spanne leer lassen. Danach soll man einen guten gebrannten Wein nehmen, etwa von Muskateller, Malvasier, Elsässer oder Frankenwein oder sonst von anderen guten Weinen. Diese soll man nehmen und aufs Höchste brennen, ein-, zwei-, drei- oder viermal. Davon nimm ein Maß, zwei oder drei in ein Fass.</p>
          <p>Und zwar so: Man soll ein Brett nehmen, in der Mitte ein wenig ausgehöhlt, damit der Wein nicht abfließt, und dieses Brett durch den Spund hineinstecken, sodass es den Wein kaum berührt. Danach soll man den gebrannten Wein langsam auf das Brett gießen, damit der gebrannte Wein nicht mit großem Fall auf den Wein im Fass stürzt, damit er nur oben auf dem anderen Wein schwimmt und sich nicht mit ihm vermischt.</p>
          <p>Wenn er nun ganz hineingeflossen ist, so viel du darin haben willst, so soll der Wein unter dem gebrannten Wein nach unten hin gären. Davon nimmt er dann die Süße und vom gebrannten Wein die Stärke, und viel mehr Stärke, als er sonst gehabt hat.</p>
          <p>Will man ihn aber stärker haben, so kann man ihn mit den Gewürzen behandeln, wie vorhin geschrieben ist. Und wie man es mit einem Fass macht, so kann man es auch mit den anderen machen, wenn sie gleich groß sind. Erprobt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="wein wie er von der pꝛeß kompt">Wein, frisch von der Presse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gebꝛandten wein">Gebrannter Wein (1 bis 3 Maß je Fass)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="spice" orig="ſpecies" commodity="wikidata:Q42527" source="#fyndling-ingredient-name">Gewürze (nach Wunsch, für stärkeren Wein)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-120">
        <head>Umgeschlagenes Bier mit heißem Gerstenbrot auf dem Spund</head>
        <div type="original" xml:id="ras-120-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-120-trans">
          <p>Wie man gut Bier machen vnd behalten ſol.
Wann ſich ein Bier verkehꝛt hat/ ſo nimb haiß Gerſten bꝛot auß dem ofen/ vnd bꝛich es von einander/ vnd leg es auff den ſpundt/ vnnd thue das offt/ biß es wider kompt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-120-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-120-orig">
          <p>Wenn ein Bier umgeschlagen ist, nimm heißes Gerstenbrot aus dem Ofen, brich es auseinander und leg es auf den Spund. Tu das oft, bis es sich wieder erholt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="beer" orig="Bier" commodity="wikidata:Q44" source="#corema-ingredient-index">Bier, umgeschlagen, im Fass</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="haiß Gerſten bꝛot auß dem ofen">Gerstenbrot, heiß aus dem Ofen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-121">
        <head>Trüb gewordenes Bier mit gebranntem Salz</head>
        <div type="original" xml:id="ras-121-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-121-trans">
          <p>Wann man ein Bier gefuͤhꝛt hat/ daß es truͤb iſt woꝛden.
Item/ man ſol ein hand voll gutes gebꝛentes Saltz nemen/ daſſelbig mit waſſer mengen/ ein maß oder zwo in das vaß gieſſen/ vnnd vber nacht ruhen laſſen/ ſo wird es darnach faimen/ daß luſtig wird zu trincken.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-121-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-121-orig">
          <p>Wenn man ein Bier geführt hat, sodass es trüb geworden ist.</p>
          <p>Man soll eine Handvoll gutes gebranntes Salz nehmen, es mit Wasser mengen, ein oder zwei Maß in das Fass gießen und über Nacht ruhen lassen. Dann wird es danach schäumen, sodass es angenehm zu trinken wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ein hand voll gutes gebꝛentes Saltz">Salz, gebrannt (eine Handvoll)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser (zum Anrühren; ein oder zwei Maß kommen ins Fass)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="beer" orig="ein Bier" commodity="wikidata:Q44" source="#corema-ingredient-index">Bier im Fass, trüb geworden</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-122">
        <head>Wein vor dem Anzapfen wie das Bier mit gebranntem Salz behandeln</head>
        <div type="original" xml:id="ras-122-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-122-trans">
          <p>Item/ das magſtu auch einem wein thun/ ehe man jn anzaͤpfft.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-122-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-122-orig">
          <p>Ebenso: Das kannst du auch mit einem Wein tun, bevor man ihn anzapft.</p>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-123">
        <head>Bier mit roter Benediktenwurzel und wildem Salbei angenehm machen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-123-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-123-trans">
          <p>Wie man ein Bier ſol machen/ daß es lieblich zu trincken ſey.
Item/ henck darein ein halb pfund rothe Benedicten wurtzel mit wilder Salbey.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-123-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-123-orig">
          <p>Wie man ein Bier machen soll, damit es angenehm zu trinken ist.</p>
          <p>Ebenso: Hänge ein halbes Pfund rote Benediktenwurzel mit wildem Salbei hinein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="beer" orig="Bier" commodity="wikidata:Q44" source="#corema-ingredient-index">Bier (Menge nicht genannt)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="ein halb pfund rothe Benedicten wurtzel">Rote Benediktenwurzel (wahrscheinlich Nelkenwurz)</ingredient> - 0.5 Pfund</item>
            <item>
              <ingredient orig="wilder Salbey">Wilder Salbei (Art offen, Menge nicht genannt)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-124">
        <head>Sauer gewordenes Bier mit Salz und Asche behandeln</head>
        <div type="original" xml:id="ras-124-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-124-trans">
          <p>Wann ein Bier ſawꝛ were woꝛden auff dem puͤttich/ oder ſonſt.
Item/ nimb ein oder zwo hand voll Saltz/ ſo viel aſchen/ vnnd ein maß oder dꝛey waſſer/ ruͤhꝛ es vnder einander/ vnnd verſpuͤndte es wol/ ſonſt lieff es alles herauß/ vnd laß alſo verſauſen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-124-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-124-orig">
          <p>Wenn ein Bier sauer geworden wäre, auf dem Bottich oder anderswo.</p>
          <p>Nimm ein oder zwei Handvoll Salz, ebenso viel Asche und ein Maß oder drei Wasser, rühre es untereinander und verspunde es gut, sonst liefe alles heraus, und lass es so ausbrausen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="beer" orig="Bier" commodity="wikidata:Q44" source="#corema-ingredient-index">Bier, sauer geworden</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein oder zwo hand voll Saltz">Salz, ein oder zwei Handvoll</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſo viel aſchen">Asche, ebenso viel wie Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein maß oder dꝛey waſſer">Wasser, ein Maß oder drei</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-125">
        <head>Sauer gewordenes Bier mit Haferbüscheln auffrischen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-125-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-125-trans">
          <p>Item/ nimb ein Habern mit dem ſtro/ wann der Haber iſt in der gilb/ ſo nimb vnd ſchneid buͤſchelin/ vnd hencks darein/ ſo ſtoͤſt das bier wider auff/ vnd thut wie ein jung bier iſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-125-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-125-orig">
          <p>Ebenso gegen sauer gewordenes Bier: Nimm Hafer mit dem Stroh, wenn der Hafer gelb wird. Dann nimm ihn, schneide kleine Büschel und hänge sie hinein. So gärt das Bier wieder auf und verhält sich wie ein junges Bier.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ein Habern mit dem ſtro">Hafer mit dem Stroh, wenn er gelb wird, in kleinen Büscheln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="beer" orig="das bier" commodity="wikidata:Q44" source="#corema-ingredient-index">sauer gewordenes Bier</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-126">
        <head>Bier mit Harz im Hopfensud</head>
        <div type="original" xml:id="ras-126-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-126-trans">
          <p>Wie man ein Bier von der pꝛew ſol ſcharpff vnd wolriechend machen.
Item/ nimb ein ſtuck hartz/ vnd wann man̄ den Hopffen ſeudt/ ſo wirffs in den Hopffen/ vnd laß darmit ſieden/ ſo wird er friſch/ vnd wolgeſchmack.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-126-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-126-orig">
          <p>Wie man ein Bier beim Brauen scharf und wohlriechend machen soll.</p>
          <p>Ebenso: Nimm ein Stück Harz, und wenn man den Hopfen siedet, so wirf es in den Hopfen und lass es damit sieden, so wird er frisch und wohlschmeckend.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="ein ſtuck hartz">Harz</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient orig="den Hopffen">Hopfen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-127">
        <head>Bier mit Kienspänen vor dem Sauerwerden bewahren</head>
        <div type="original" xml:id="ras-127-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-127-trans">
          <p>Daß ein Bier im Sommer oder in der Faſten nicht ſawꝛ werde.
Item/ nimb kien/ vnd ſchneid ſpaͤnlin daruon einer ſpann lang/ vñ eins fingers bꝛait/ vnnd wirff ſie auff das Bier/ dieweil es noch gantz warm iſt/ das benimbt jm die ſewꝛ/ vnnd iſt ein ſeltzam wunderbarliche kunſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-127-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-127-orig">
          <p>Damit ein Bier im Sommer oder in der Fastenzeit nicht sauer wird.</p>
          <p>Nimm Kien und schneide Spänlein davon, eine Spanne lang und einen Finger breit, und wirf sie auf das Bier, solange es noch ganz warm ist. Das nimmt ihm die Säure, und es ist eine seltene, wunderbare Kunst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="kien">Kien (harzreiches Kiefern- oder Fichtenholz), zu Spänen eine Spanne lang und einen Finger breit geschnitten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="beer" orig="Bier" commodity="wikidata:Q44" source="#corema-ingredient-index">Bier, noch ganz warm</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-128">
        <head>Bier im ausgeschenkten Beerweinfass wie Wein schmecken lassen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-128-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-128-trans">
          <p>Wie man ein Bier ſol wolgeſchmack machen.
In ſolcher geſtalt/ iſt es lauter/ ſo wird es wie ein wein/ als die Coͤlniſchen vñ Holendiſchen bier ſeind/ das iſt gar ein beſonder tranck/ vnd ſchmeckt wol/ vnnd man mag es auch eim Fuͤrſten zu ehꝛen ſchencken/ vnd im Sommer iſt es ſonderlich gut/ vnd geſund zu trincken/ vnd geſuͤnder dann ein wein.
Item/ man ſol nemen ein boͤꝛwein vaß/ daruon man geſchenckt hat/ darauff das bier bald ſchuͤtten/ ſo nimbt das bier den geſchmack des weins bald an ſich/ vnd wird ſchoͤn vnnd lauter/ Dieſe kunſt iſt in ehꝛen zu halten/ vnd iſt pꝛobiert.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-128-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-128-orig">
          <p>Wie man ein Bier wohlschmeckend machen soll.</p>
          <p>Ist es auf diese Weise klar, so wird es wie ein Wein, so wie die kölnischen und holländischen Biere sind. Das ist ein ganz besonderer Trank und schmeckt gut, und man kann es auch einem Fürsten zu Ehren einschenken. Im Sommer ist es besonders gut und gesund zu trinken, und gesünder als ein Wein.</p>
          <p>Man soll ein Beerweinfass nehmen, aus dem man ausgeschenkt hat, und das Bier bald hineinschütten. So nimmt das Bier bald den Geschmack des Weins an sich und wird schön und klar. Diese Kunst ist in Ehren zu halten, und sie ist erprobt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="beer" orig="das bier" commodity="wikidata:Q44" source="#corema-ingredient-index">Bier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein boͤꝛwein vaß">Beerweinfass, aus dem der Wein ausgeschenkt ist</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-129">
        <head>Bier oder Wein mit Hopfen frisch halten, bis die letzte Maß gezapft ist</head>
        <div type="original" xml:id="ras-129-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-129-trans">
          <p>Item/ es iſt auch ein gewiſſe kunſt ein bier oder wein zubehalten friſch biß auff die letzte maß/ wann man das vaß mit dem hopffen verzaͤpfft/ darnach hopffen darein thut: man muß oben in dem boden ein lufftloch laſſen/ wann man darauß zaͤpffen oder laſſen wil,</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-129-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-129-orig">
          <p>Ebenso gibt es eine sichere Kunst, Bier oder Wein frisch zu erhalten bis auf die letzte Maß: wenn man das Fass mit dem Hopfen verzapft und danach Hopfen hineintut. Man muss oben in dem Boden ein Luftloch lassen, wenn man daraus zapfen oder ablassen will.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="beer" orig="bier" commodity="wikidata:Q44" source="#corema-ingredient-index">Bier im Fass</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein im Fass (statt Bier, so der Text)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="hopffen">Hopfen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-130">
        <head>Bier im Sommerausschank mit frischem Ei und Lehm am Spund bewahren</head>
        <div type="original" xml:id="ras-130-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-130-trans">
          <p>Wie man Bier zu Sommers zeiten/ wann man es außſchencken wil/ ſol bewahꝛen/ daß es nit abfall/ oder ſich verkehꝛ/ wie lang man darauß trincket oder daruon ſchenckt.
Item/ nimb ein friſch Ay/ das an demſelben tag ſo man das bier anſtechen wil/ gelegt iſt woꝛden/ vnnd laß es in das vaß bier/ darnach nimb laim/ vnd mach den ſpundt zu/ vñ dieweil ein tropffen bier in dem vaß iſt/ ſo wirds nit ſawꝛ.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-130-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-130-orig">
          <p>Wie man Bier zur Sommerszeit, wenn man es ausschenken will, bewahren soll, damit es nicht schal wird oder umschlägt, wie lange man auch daraus trinkt oder davon ausschenkt.</p>
          <p>Nimm ein frisches Ei, das an demselben Tag gelegt worden ist, an dem man das Bier anstechen will, und lass es in das Fass Bier. Danach nimm Lehm und mach den Spund zu. Und solange ein Tropfen Bier im Fass ist, wird es nicht sauer.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="beer" orig="Bier" commodity="wikidata:Q44" source="#corema-ingredient-index">Bier im Fass, zum Sommerausschank</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="ein friſch Ay/ das an demſelben tag ſo man das bier anſtechen wil/ gelegt iſt woꝛden">Ei, frisch, am Tag des Anstichs gelegt</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient orig="laim">Lehm, zum Abdichten des Spunds</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-131">
        <head>Bier mit Tausendgüldenkraut und Bertram vor Säure und Gestank bewahren</head>
        <div type="original" xml:id="ras-131-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-131-trans">
          <p>Daß ein Bier nit ſawꝛ werd noch ſtinckt.
Item/ ſo henck Centaurie/ vnd Berthꝛam darein/ die zwey kreuter verhuͤten allen zufall.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-131-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-131-orig">
          <p>Dass ein Bier nicht sauer wird und nicht stinkt.</p>
          <p>Hänge Tausendgüldenkraut und Bertram hinein. Diese zwei Kräuter verhüten jeden Schaden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Centaurie">Tausendgüldenkraut</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="pellitory" orig="Berthꝛam" commodity="wikidata:Q828427" source="#fyndling-ingredient-name">Bertram (Art offen)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-132">
        <head>Bier mit Buchenasche frisch machen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-132-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-132-trans">
          <p>Wie man friſch Bier ſol machen.
Item/ nimb buchen aͤſchen/ klein geſtoſſen/ ſo offt ein aymer bier/ ſo offt ein hand voll aͤſchen/ mach es dick mit dem bier wie ein bꝛey/ darnach gieß es in das vaß mit dem bier/ ruͤhꝛs wol/ vñ laß darnach ruhen/ ſo wird es friſch.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-132-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-132-orig">
          <p>Wie man Bier frisch machen soll.</p>
          <p>Nimm Buchenasche, klein gestoßen: so oft ein Eimer Bier, so oft eine Handvoll Asche. Mach sie mit dem Bier dick wie einen Brei. Danach gieß es in das Fass mit dem Bier, rühr es gut um und lass es danach ruhen, so wird es frisch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="buchen aͤſchen">Buchenasche, klein gestoßen (eine Handvoll je Eimer Bier)</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="beer" orig="bier" commodity="wikidata:Q44" source="#corema-ingredient-index">Bier im Fass (auch zum Anrühren des Breis)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-133">
        <head>Bier mit Salz und Bierhefe schön und klar machen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-133-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-133-trans">
          <p>Wie man ein Bier ſol ſchoͤn/ lieblich vnd klar machen.
Item/ nimb Saltz vnd Bierhefen/ von demſelben bier das du beraiten wilt/ vnd ſchlags/ vnd ruͤhꝛs wol vnder einander/ vnd ſo das nun geſchehen iſt/ ſo laß des biers auß dem vaß darein ein ſchoß/ auch wol vnder einander/ vnd darnach laß ruhen/ vnnd fuͤll das vaß wol/ dann es muß im eingieſſen ein wenig laͤhꝛ ſein/ daß man es moͤg ruͤhꝛen/ vnd etliche thun halb ſo viel Alaun zum Saltz/ merck es iſt genug ein vierteil mit Saltz gemiſcht/ ein quarten zu einem gantzen fuder bier: wann man jm mehꝛ thut ſo iſts zuuil/ alſo wird es ſchoͤn/ vnnd zu trincken wie ein Schweinitzer bier.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-133-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-133-orig">
          <p>Wie man ein Bier schön, lieblich und klar machen soll.</p>
          <p>Nimm Salz und Bierhefe von demselben Bier, das du bereiten willst, schlag es und rühr es gut untereinander. Wenn das geschehen ist, so lass vom Bier aus dem Fass einen Schuss dazulaufen, auch gut untereinander. Danach lass es ruhen und füll das Fass gut auf, denn beim Eingießen muss es ein wenig leer sein, damit man es rühren kann.</p>
          <p>Etliche tun halb so viel Alaun zum Salz. Merke: Es ist genug, ein Viertel mit Salz gemischt, eine Quart auf ein ganzes Fuder Bier. Tut man mehr hinein, so ist es zu viel. So wird es schön und zu trinken wie ein Schweinitzer Bier.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="table salt" orig="Saltz" commodity="wikidata:Q11254" source="#corema-ingredient-index">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Bierhefen">Bierhefe vom selben Bier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="des biers auß dem vaß">Bier aus dem Fass, ein Schuss</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="halb ſo viel Alaun zum Saltz">Alaun (nur bei manchen, halb so viel wie Salz)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="einem gantzen fuder bier">Bier, ein ganzes Fuder</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-134">
        <head>Grobes, saures Bier mit zerstoßenem Weizen verbessern</head>
        <div type="original" xml:id="ras-134-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-134-trans">
          <p>Wie man grob vnd ſawꝛ Bier gut vnd luſtig zu trincken ſol machen.
Item/ zerſtoß Waitzen/ vnnd vermeng jn mit hefen von demſelbigen vaß/ vnd ſchuͤtts in das vaß/ oder henck den zerſtoßnen Waitzen mitten in das vaß/ er wird ſuͤß.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-134-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-134-orig">
          <p>Wie man grobes und saures Bier gut und angenehm zu trinken machen soll.</p>
          <p>Zerstoße Weizen und vermenge ihn mit Hefe von demselben Fass und schütte es in das Fass. Oder hänge den zerstoßenen Weizen mitten in das Fass. So wird es süß.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="grob vnd ſawꝛ Bier">Bier im Fass, grob und sauer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Waitzen">Weizen, zerstoßen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="hefen von demſelbigen vaß">Hefe aus demselben Fass (nur beim ersten Weg)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-135">
        <head>Grobes, saures Bier mit Hopfen und Eiern verbessern</head>
        <div type="original" xml:id="ras-135-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-135-trans">
          <p>Item/ nimb Hopffen/ vnnd dꝛey Ayer zu einem fuder/ klopffs in einander mit gutem bier/ vnd gieß es in das vaß/ das bier wird luſtig zu trincken/ ſo es girt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-135-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-135-orig">
          <p>Ebenso: Nimm Hopfen und drei Eier auf ein Fuder. Schlage es mit gutem Bier durcheinander und gieße es in das Fass. Das Bier wird angenehm zu trinken, wenn es gärt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Hopffen">Hopfen (Menge nicht genannt)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="chicken egg" orig="dꝛey Ayer" commodity="wikidata:Q15260613" source="#fyndling-ingredient-registry">Eier (drei auf ein Fuder)</ingredient> - 3</item>
            <item>
              <ingredient en="beer" orig="gutem bier" commodity="wikidata:Q44" source="#corema-ingredient-index">gutes Bier (zum Verquirlen)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-136">
        <head>Bier mit Fassgeruch: Weizenbündel ins Fass</head>
        <div type="original" xml:id="ras-136-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-136-trans">
          <p>Wann ein Bier nach dem vaß ſtinckt.
Item/ nimb ein puͤntel von fuͤnff vnnd dreiſſig Waitzenkoͤrner/ hencks in das vaß/ das bier wird wolgeſchmack zu trincken.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-136-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-136-orig">
          <p>Wenn ein Bier nach dem Fass stinkt.</p>
          <p>Nimm ein Bündel von fünfunddreißig Weizenkörnern und hänge es in das Fass. Das Bier wird wohlschmeckend zu trinken.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="fuͤnff vnnd dreiſſig Waitzenkoͤrner">Weizenkörner, ganz, zu einem Bündel gebunden</ingredient> - 35</item>
            <item>
              <ingredient en="beer" orig="bier" commodity="wikidata:Q44" source="#corema-ingredient-index">Bier mit Fassgeruch (das behandelte Fass)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-137">
        <head>Bier mit Fassgeruch: Rainfarn, Wacholder, Wurzeln und Eier ins Fass</head>
        <div type="original" xml:id="ras-137-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-137-trans">
          <p>Item/ nimb Rainfal/ iſt ein kraut/ Wechholderboͤꝛ/ vñ des heiligen Geiſts wurtzel/ Benedicten die rothen/ eines ſo viel als des andern/ vnd vier friſch oder haͤrte ayr/ vnd henck es oder legs in das bierfaß.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-137-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-137-orig">
          <p>Ebenso gegen Bier, das nach dem Fass stinkt: Nimm Rainfarn, das ist ein Kraut, Wacholderbeeren, die Heiliggeistwurzel und die roten Benedikten, von einem so viel wie vom anderen, und vier frische oder harte Eier, und hänge es in das Bierfass oder lege es hinein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="rainval" orig="Rainfal" commodity="wikidata:Q107262739" source="#corema-ingredient-index">Rainfarn (heute nicht verwenden)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="juniper berry" orig="Wechholderboͤꝛ" commodity="wikidata:Q3251025" source="#fyndling-ingredient-name">Wacholderbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="des heiligen Geiſts wurtzel">Heiliggeistwurzel (Engelwurz), Wurzel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Benedicten die rothen">Rote Benedikten (wahrscheinlich Nelkenwurz)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="vier friſch oder haͤrte ayr">Eier, frisch oder hart gekocht</ingredient> - 4</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-138">
        <head>Bier mit Birkenasche besser und frischer machen</head>
        <div type="original" xml:id="ras-138-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-138-trans">
          <p>Wie man Bier beſſer vnd friſcher ſol machen.
Item/ nimb ſo manche hand voll bircken aͤſch/ als manchen aymer bier du haſt/ doch daß ſie klein gereden ſey/ vnd ruͤhꝛ das bier vnder die aͤſch als dick als ein mueß/ vnd thue es in das faß/ ſo wird ein bier dick vnd friſch.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-138-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-138-orig">
          <p>Wie man Bier besser und frischer machen soll.</p>
          <p>Nimm so viele Handvoll Birkenasche, wie du Eimer Bier hast, doch so, dass sie fein gesiebt ist. Rühr das Bier unter die Asche, so dick wie ein Mus, und tu es in das Fass, so wird ein Bier dick und frisch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="bircken aͤſch">Birkenasche, fein gesiebt (eine Handvoll je Eimer Bier)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="beer" orig="bier" commodity="wikidata:Q44" source="#corema-ingredient-index">Bier im Fass (auch zum Anrühren des Muses)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-139">
        <head>Beifuß- und Buchenasche gegen sauer werdendes Bier</head>
        <div type="original" xml:id="ras-139-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-139-trans">
          <p>Welches Bier ſawꝛ wil werden.
Item/ nimb aſchen voñ beyfueß/ zu einem aymer ein halb hand vol/ vnnd ſo viel buͤchen aſchen/ vermiſch wol in einander mit bier als ein mueß/ vnnd der mixtur gieß in ein gantz fuder bier auff anderthalben maſſen/ vnnd ruͤhꝛs wol mit einem beſen/ laß darnach ruhen/ ſo wirds gantz luſtig zu trincken.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-139-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-139-orig">
          <p>Wenn ein Bier sauer werden will.</p>
          <p>Nimm Asche von Beifuß, auf einen Eimer eine halbe Handvoll, und ebenso viel Buchenasche. Misch es gut mit Bier durcheinander, so dass es wie ein Mus wird. Von dieser Mischung gieß anderthalb Maß in ein ganzes Fuder Bier und rühr es gut mit einem Besen um. Lass es danach ruhen, so wird es ganz angenehm zu trinken.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="aſchen voñ beyfueß">Beifußasche (eine halbe Handvoll auf einen Eimer)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="buͤchen aſchen">Buchenasche (ebenso viel)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="beer" orig="mit bier" commodity="wikidata:Q44" source="#corema-ingredient-index">Bier zum Anrühren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein gantz fuder bier">Bier, das sauer werden will (ein ganzes Fuder)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-140">
        <head>Bier mit Linden- und Nussblättern, Beifuß und Wermut vor dem Umschlagen bewahren</head>
        <div type="original" xml:id="ras-140-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-140-trans">
          <p>Daß ſich ein Bier nit verkehꝛ.
Item/ nimb linden bletter/ nuß bletter/ beyfuß gleich halb ſo viel Wermut/ vnd hencks in das bier.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-140-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-140-orig">
          <p>Damit ein Bier nicht umschlägt.</p>
          <p>Nimm Lindenblätter, Nussblätter und Beifuß zu gleichen Teilen und halb so viel Wermut und hänge es in das Bier.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="linden bletter">Lindenblätter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="nuß bletter">Nussblätter (Baumart offen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="beyfuß">Beifuß</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="halb ſo viel Wermut">Wermut (Kraut), halb so viel wie von den anderen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-141">
        <head>Bier mit weißen Kieseln vor dem Umschlagen bewahren</head>
        <div type="original" xml:id="ras-141-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-141-trans">
          <p>Item/ etliche legen ſchoͤn weiß kißling darein/ auß einem flieſſenden waſſer.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-141-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-141-orig">
          <p>Ebenso: Manche legen schöne weiße Kieselsteine aus einem fließenden Wasser hinein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ſchoͤn weiß kißling">Kieselsteine, schön weiß, aus fließendem Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-142">
        <head>Wein im Herbst stärken: Sud aus Johanniskraut, Zucker und Zimtrinde</head>
        <div type="original" xml:id="ras-142-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-142-trans">
          <p>Wie man koͤſtlich Wein im Herbſt machen ſol.
Item/ nimb ein kuͤbel vol bꝛunnen waſſers/ vnd ein hand vol ſaltz/ vnd thue das vnder einander/ vnd gieß es in das vaß/ vnnd das vaß ſol zuuoꝛ wol geſchwencket ſein mit dem Saltzwaſſer/ vnnd gieß es wider herauß/ vnd verſpuͤndt das gar wol/ biß du das ander auch darein thuſt.
Zum erſten nimb ein halb pfund Johannes kraut abgeſtraifft/ vnd ein halb pfund Zuckers/ vnd ein halb pfund Zimmetrinden/ vnnd ſiede es wol vnder einander in einem keſſel/ vnnd ſeyhe es durch ein thuech in das vaß alſo warm/ der wein ſol aber voꝛ in dem vaß ſein/ vnnd laß es laͤhꝛ vmb ein zwerche hand/ ſonſt ſtieß der wein dem vaß den boden auß/ vnd ſpuͤndt es gar wol zu/ ſo wird der wein ſtarck im ablaſſen: wann du ſonſt ſchwachen wein haſt/ vnd dieſen gemachten wein darunder thuſt/ ſo magſtu zwey oder dꝛey fuder damit ſtarck machen/ iſt auch gut vnd geſund zu trincken.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-142-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-142-orig">
          <p>Wie man im Herbst köstlichen Wein machen soll.</p>
          <p>Nimm einen Kübel voll Brunnenwasser und eine Handvoll Salz, mische das untereinander und gieß es in das Fass. Das Fass soll zuvor gut mit dem Salzwasser geschwenkt sein. Gieß es wieder heraus und verspunde das Fass sehr gut, bis du das andere auch hineintust.</p>
          <p>Nimm zuerst ein halbes Pfund abgestreiftes Johanniskraut, ein halbes Pfund Zucker und ein halbes Pfund Zimtrinde und siede es gut miteinander in einem Kessel. Seihe es so warm durch ein Tuch in das Fass. Der Wein soll aber vorher im Fass sein. Lass es eine Handbreit leer, sonst stößt der Wein dem Fass den Boden aus, und spunde es sehr gut zu. So wird der Wein stark, wenn man ihn ablässt.</p>
          <p>Hast du sonst schwachen Wein und tust diesen zubereiteten Wein darunter, so kannst du zwei oder drei Fuder damit stark machen. Er ist auch gut und gesund zu trinken.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="bꝛunnen waſſers">Brunnenwasser, ein Kübel voll</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="ein hand vol ſaltz">Salz, eine Handvoll</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="der wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein, schon im Fass</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="ein halb pfund Johannes kraut abgeſtraifft">Johanniskraut, abgestreift</ingredient> - 0.5 Pfund</item>
            <item><ingredient en="unrefined cane sugar" orig="ein halb pfund Zuckers" commodity="wikidata:Q57656231" source="#fyndling-ingredient-name">Zucker</ingredient> - 0.5 Pfund</item>
            <item><ingredient en="cinnamon" orig="ein halb pfund Zimmetrinden" commodity="wikidata:Q28165" source="#fyndling-ingredient-name">Zimtrinde</ingredient> - 0.5 Pfund</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-143">
        <head>Wein beim Keltern mild machen: Anis, Kandiszucker, Enzian, Johanniskraut</head>
        <div type="original" xml:id="ras-143-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-143-trans">
          <p>Item/ den wein/ ſo du einen tag ablieſſeſt/ vnnd auffſchuͤtteſt zu trotten/ ſo nimb zum erſten ein loth Eniß/ vnd zwey loth Zuckercandi/ vnd zwey loth Entzion/ vnd ein loth Johannes kraut abgeſtraifft/ man ſol den Entzion ſtoſſen/ vnnd das alles vnder einander thun/ auch ſol man das vaß legen an ein khuͤle ſtat/ vnnd die voꝛgeſchꝛiebnen materi in ein groſſe pfannen thun/ vnd ein wenig laſſen erwarmen/ vnd gieß es in den wein/ vnd ſpuͤndt das vaß zu/ vnd laß jn ligen vier wochen/ ſo iſt er koͤſtlich vnnd milt: wiltu jn zwey jar alſo ſtarck vnnd gut behalten/ ſo ſeud Beyfuß wurtzeln mit zwayen maſſen guter wuͤrtz/ vnnd gieß es in den wein/ das iſt fuͤr all gebꝛeſten des weins.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-143-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-143-orig">
          <p>Ebenso: Für den Wein, den du an einem Tag liest und zum Keltern aufschüttest, nimm zuerst ein Lot Anis, zwei Lot Kandiszucker, zwei Lot Enzian und ein Lot abgestreiftes Johanniskraut. Den Enzian soll man stoßen und das alles untereinander mischen. Auch soll man das Fass an einen kühlen Ort legen, die genannte Mischung in eine große Pfanne tun und ein wenig warm werden lassen. Dann gieß es in den Wein, spunde das Fass zu und lass ihn vier Wochen liegen, dann ist er köstlich und mild.</p>
          <p>Willst du ihn zwei Jahre so stark und gut erhalten, so siede Beifußwurzeln mit zwei Maß guter Würze und gieß es in den Wein. Das ist ein Mittel gegen alle Gebrechen des Weins.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein im Fass (Menge nicht genannt)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="anise" orig="ein loth Eniß" commodity="wikidata:Q33873455" source="#fyndling-ingredient-name">Anis (ein Lot)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="zwey loth Zuckercandi">Kandiszucker (zwei Lot)</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient orig="zwey loth Entzion">Enzian, gestoßen (zwei Lot)</ingredient> - 2</item>
            <item><ingredient orig="ein loth Johannes kraut abgeſtraifft">Johanniskraut, vom Stängel gestreift (ein Lot)</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient orig="Beyfuß wurtzeln">Beifußwurzeln (für die Haltbarkeit, Menge nicht genannt)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="zwayen maſſen guter wuͤrtz">gute Würze (zwei Maß, für die Haltbarkeit)</ingredient> - 2</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-144">
        <head>Wasser im Most oder Wein erkennen (Birnenprobe)</head>
        <div type="original" xml:id="ras-144-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-144-trans">
          <p>5. Zuerkennen ob der wein waſſer halte.
Wilſtu bewaͤhꝛen oder wiſſen/ ob in dem moſt oder wein ſey waſſer eingemengt/ oder nit/ ſo leg ein biern darein/ ſchwimbt ſie ob/ ſo iſt der moſt oder wein on waſſer.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-144-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-144-orig">
          <p>Erkennen, ob der Wein Wasser enthält.</p>
          <p>Willst du prüfen oder wissen, ob in den Most oder den Wein Wasser beigemengt ist oder nicht, so leg eine Birne hinein. Schwimmt sie obenauf, so ist der Most oder Wein ohne Wasser.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="moſt oder wein">Most oder Wein (zu prüfen)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="pear" orig="ein biern" commodity="wikidata:Q13099586" source="#corema-ingredient-index">Birne</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-145">
        <head>Wasser im Wein erkennen (Topfprobe)</head>
        <div type="original" xml:id="ras-145-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-145-trans">
          <p>Item/ nimb des weins ein newen hafen vol/ on deck/ vnnd laß 3. tag lang ſtehn oder hangen am lufft/ vnd ſo der wein mit waſſer vermiſcht iſt/ ſo wirds durch den hafen außſchlahen/ oder zu eſſig verwandelt werden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-145-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-145-orig">
          <p>Ebenso: Nimm von dem Wein einen neuen Topf voll, ohne Deckel, und lass ihn drei Tage lang an der Luft stehen oder hängen. Ist der Wein mit Wasser vermischt, so schlägt es durch den Topf aus, oder er wird zu Essig verwandelt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="des weins">Wein, einen neuen Topf voll</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-146">
        <head>Wasser im Most erkennen (Eiprobe)</head>
        <div type="original" xml:id="ras-146-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-146-trans">
          <p>2. Ob waſſer in dem wein ſey.
Welcher erfahꝛen wil/ ob in dem Moſt waſſer ſey/ der leg ein Ay dꝛein/ ſinckt daſſelb von ſtundan vnder/ ſo iſt der Moſt oder wein gewaͤſſert/ geſchichts aber nit/ ſo iſt er vngefelſcht/ deßgleichen thut auch ein biern. Mizaldus.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-146-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-146-orig">
          <p>Ob Wasser im Wein ist.</p>
          <p>Wer erfahren will, ob im Most Wasser ist, der lege ein Ei hinein. Sinkt es sofort unter, so ist der Most oder Wein gewässert. Geschieht es aber nicht, so ist er unverfälscht. Dasselbe tut auch eine Birne. Mizaldus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Moſt oder wein">Most oder Wein (zu prüfen)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="chicken egg" orig="ein Ay" commodity="wikidata:Q15260613" source="#corema-ingredient-index">Ei</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="pear" orig="ein biern" commodity="wikidata:Q13099586" source="#corema-ingredient-index">Birne (statt des Eis)</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ras-147">
        <head>Weinprobe auf Farbe und Beständigkeit</head>
        <div type="original" xml:id="ras-147-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ras-147-trans">
          <p>4. Prob der farb vnd beſtaͤndigkeit.
Geuß den wein in ein becher/ thue darein Lorber vnnd Saltz/ laß vber nacht ſtehn/ entferbt er ſich oder nit/ das wirſtu wol ſehen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ras-147-trans" xml:lang="de" corresp="#ras-147-orig">
          <p>4. Probe der Farbe und Beständigkeit.</p>
          <p>Gieße den Wein in einen Becher, gib Lorbeer und Salz hinein und lass ihn über Nacht stehen. Ob er sich entfärbt oder nicht, das wirst du gut sehen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein, der geprüft werden soll</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Lorber">Lorbeer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="table salt" orig="Saltz" commodity="wikidata:Q11254" source="#corema-ingredient-index">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ras-001-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Die Vorbereitung des leeren Holzfasses, bevor der frisch gepresste Wein hineinkommt. Rasch nennt drei Schritte in fester Reihenfolge: ausbrennen mit gesalzenem Wasser und rein machen, trocknen lassen, mit Weihrauch ausräuchern.

Ausbrennen mit Salzwasser. Wie Feuer und Salzwasser zusammengehören, sagt der Text nicht. Zwei andere Fassungen derselben Regel, das Donaueschinger Weinbuch um 1500 und Rumpolt 1581, lassen die Fässer an dieser Stelle mit Salzwasser waschen. Sicher ist nur das Ziel: Das Fass soll „gar rain“ sein, bevor es trocknet.

Räuchern. Rasch sagt nicht, wie der Weihrauch angezündet wird und ob das Fass danach verschlossen bleibt. Das Donaueschinger Weinbuch verlangt ausdrücklich, den Rauch im Fass einzuschließen; Rumpolt legt den Weihrauch auf eine Kachel mit Kohlenglut unter das nach unten gekehrte Spundloch. Bei Rasch steht beides nicht. Dass der Weihrauch den Wein haltbar macht, ist Raschs Aussage; nach heutigem Wissen lässt sich diese Wirkung nicht belegen.

Praxis. Heute würde man ein Holzfass vor dem Füllen mit heißem Wasser ausspülen und ganz trocknen lassen; das ist eine moderne Entsprechung, nicht Raschs Verfahren. Wer das Räuchern nachstellt, hält die Glut in einem feuerfesten Gefäß und lässt sie am trockenen Holzfass nie unbeaufsichtigt.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-001-orig" n="zeitig" resp="#fyndling">Reif. Das Wort hat hier nicht die heutige Bedeutung „früh“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-001-orig" n="drucken" resp="#fyndling">Trocken (mittelhochdeutsch „trucken“), nicht „gedrückt“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-001-orig" n="abgebꝛennt mit geſaltznem waſſer" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Wörtlich „ausgebrannt mit gesalzenem Wasser“: das Fass wird gründlich gereinigt, Feuer und Salzwasser stehen in einem Satz, ohne dass der Text Ablauf oder Reihenfolge nennt. Die Wörterbücher kennen „abbrennen“ und „ausbrennen“ nur als Arbeit mit Feuer (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch, Grimm; Adelung: ausbrennen = „das Inwendige verbrennen … oder auch nur rein machen“).<list type="alternatives"><item>Mit heißem Salzwasser ausbrühen.<note type="rationale">Kein Wörterbuch belegt „abbrennen“ in diesem Sinn. Das Donaueschinger Weinbuch (wbd-017) und Rumpolt (rum-1916) schreiben an derselben Stelle „waschen mit Salzwasser“; das stützt das Salzwasser als Reinigungsmittel, nicht das Wort.</note></item><item>Erst mit Feuer ausbrennen, dann mit Salzwasser reinigen.<note type="rationale">Passt zum Wortsinn; Rumpolt kennt ein Ausbrennen des Fasses mit gebranntem Salz und angezündetem Branntwein (rum-1944). Der Satz bei Rasch trennt die beiden Schritte aber nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-002-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerregel für den frischen Most: Während der Gärung kommt ein Zusatz ins Fass, der danach wieder herausgenommen wird. Rasch nennt drei Wege, jeweils zur Wahl: Wacholderholz als Späne oder Scheite hineinlegen, Hopfendolden im Leinensäckchen mitten ins Fass hängen oder eines von sechs Kräutern und Hölzern einhängen. Es ist keine Mischung, das „oder“ und das „welches davon“ trennen die Mittel.

Wann hinein, wann heraus. Der Text bindet alles an die Gärung: hinein, wenn der Most gären soll, heraus, wenn er genug gegoren hat. Eine Dauer nennt Rasch nicht, und auch nicht, woran man das Ende erkennt. Heute würde man es am nachlassenden Aufschäumen festmachen. Das Leinensäckchen hält die Hopfendolden beisammen, so lassen sie sich nach der Gärung wieder herausnehmen, wie der Text es verlangt.

Die Wirkung. Rasch verspricht, der Wein werde so „vor aller Verderblichkeit“ bewahrt. Eine Begründung gibt er hier nicht; erst die folgende Anweisung im selben Kapitel vergleicht mit dem Hopfen im Bier. Nach heutigem Wissen hemmen Hopfenbitterstoffe bestimmte Bakterien, daher seine Rolle im Bier. Für Wacholderholz, Myrte, Aloeholz und die Kräuter ist eine solche Wirkung nicht belegt; sie geben vor allem Duft und Geschmack an den Most ab.

Vorsicht bei Johanniskraut. Johanniskraut beschleunigt nach heutigem Wissen den Abbau vieler Arzneimittel. Wer Medikamente nimmt, sollte keinen Wein trinken, der mit Johanniskraut angesetzt ist.

Praxis. Wer es nachstellen will, hängt eines der Mittel in einem Leinensäckchen in den gärenden Most und nimmt es nach der Gärung wieder heraus. Mengen nennt Rasch nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-002-orig" n="kranberholtz" resp="#fyndling">Wacholderholz. „Kranewitt“ ist der bairisch-österreichische Name des Wacholders (Schmeller). Mit der Cranberry hat das Wort nichts zu tun.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-002-orig" n="Aloes holtz" resp="#fyndling">Aloeholz oder Adlerholz (lateinisch lignum aloes), ein duftendes, früh hoch geschätztes Holz aus Süd- und Südostasien, kein Teil der Aloe-Pflanze.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-002-orig" n="Sibengezeit" resp="#fyndling" subtype="lexical">Blauer Steinklee oder Schabzigerklee (Trigonella caerulea), ein stark duftender Klee. Adelung, Campe und Grimm führen „Siebengezeit“ als Namen dieses Klees; Lonitzer 1555 übersetzt es mit „wolriechender Klee“. Weil das Bockshorn in derselben Reihe eigens steht, ist hier der Steinklee gemeint.<list type="alternatives"><item>Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum)<note type="rationale">Adelung und Campe nennen „Siebengezeit“ regional auch für das Bockshorn. Hier unwahrscheinlich, weil „Bockßhoꝛn kraut“ unmittelbar davor schon genannt ist.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-003-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerregel aus Raschs Kapitel „Most helfen“: fünf Zusätze zur Wahl - Weinstockwurzeln, Wacholderholz, Rebblüte, Kornblumen oder Hopfenblüte -, die den Wein auf Dauer vor dem Verderben bewahren sollen. Sie gehen entweder in den Most, solange er noch Most ist, oder werden in einem Leinensäckchen in den Wein gehängt. Rasch behauptet zusätzlich, dieselben Dinge brächten schon verdorbenen Wein wieder zurecht.

Was der Text offenlässt. Er nennt keine Menge, keine Fassgröße und keine Dauer. Er sagt auch nicht, ob der Zusatz wieder herauskommt. Der vorangehende Eintrag nimmt Wacholderscheite und Hopfensäckchen nach der Gärung wieder heraus; hier steht das nicht, und „wie lange er auch lagert“ lässt eher an einen bleibenden Zusatz denken. Das Säckchen erlaubt beides.

Kornblumen. Gelesen als Blüte des Getreides, so wie Rebblüte und Hopfenblüte die Blüte von Rebe und Hopfen sind. Die Kornblume schreibt Rasch an anderer Stelle „Kornblumen“; ganz ausgeschlossen ist sie nicht.

Raschs Begründung. Die Wirkung leitet er allein aus dem Hopfen im Bier ab: Was das schwächere Bier bewahrt, müsse den stärkeren Wein erst recht bewahren. Ob die Zusätze den Wein haltbarer machen, lässt sich aus dem Text nicht beurteilen.

Praxis. Heute als Versuch an einer kleinen Menge Jungwein: Hopfendolden oder ein Stück Wacholderholz im ausgekochten Leinensäckchen einhängen und regelmäßig kosten, weil beide deutlich Geschmack abgeben; dann nach Geschmack herausnehmen (modern). Nur unbehandeltes Holz und ungespritzte Pflanzenteile verwenden. Eine heutige Konservierung ersetzt das nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-003-orig" n="wehꝛet" resp="#fyndling">„Währt“: dauert, hält an. Gemeint ist die Zeit, die der Wein liegt.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-003-orig" n="kranberholtz" resp="#fyndling">Wacholderholz, von bairisch „Kranewitt“ (Wacholder). Mit Preiselbeere oder Cranberry hat das Wort nichts zu tun.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-003-orig" n="hopffenbluͤe" resp="#fyndling">Die Blüte des Hopfens, also die Dolde, die auch ins Bier kommt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-003-orig" n="koꝛnbluͤe" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Blüten der Kornblume (Centaurea cyanus), Entscheidung Ralf 2026-11-03, korpusweit einheitlich mit wbd-019 und rum-1918: Getrocknete Blüten einer Blume lassen sich sammeln und im Säckchen einhängen.<list type="alternatives"><item>Blüte des Getreides (Korn, meist Roggen). Grimm und Campe erklären „Kornblüte“ nur als Blüte oder Blütezeit des Korns; im Satz steht sie in einer Reihe mit „weinbluͤe“ und „hopffenbluͤe“, also den Blüten von Rebe und Hopfen, und Rasch nennt die Kornblume an anderer Stelle ausdrücklich „Koꝛnblumen“ (ras-044).<note type="rationale">Lexikalisch die einzige belegte Bedeutung; offen, weil Getreideblüte praktisch schwer zu sammeln ist.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-004-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerregel für ein nasses Lesejahr: Der junge Wein wird nach der ersten Gärung in ein zweites Fass abgelassen, Wasser und Schlamm sollen im ersten Fass am Boden zurückbleiben. Heute heißt dieser Arbeitsschritt erster Abstich.

Raschs Begründung und was sie leistet. Rasch erklärt das Zurückbleiben mit Schwere, Erde und grober Beschaffenheit. Heutige Einordnung: Wasser mischt sich mit Most und Wein vollständig und setzt sich nicht als eigene Schicht ab; der Wein bleibt so verdünnt, wie er war. Was das Ablassen tatsächlich trennt, ist der Bodensatz, also Hefe, Trub und der Schmutz, der in einem verregneten Herbst mit den Trauben ins Fass kommt.

Der Zeitpunkt. Rasch sagt nur „gestracks nach der ersten Gärung“ und nennt kein Zeichen, woran man das Ende erkennt. Heutige Faustregel, modern: Die heftige Gärung ist vorbei, wenn das Aufschäumen nachlässt und sich der Bodensatz gesetzt hat.

Praxis. Womit abgelassen wird, sagt der Text nicht. Heute zieht man den Wein mit einem Schlauch oder über den Fasshahn vom Bodensatz ab und lässt diesen im alten Fass zurück. Die Regel enthält keinen Zusatz und ist ungefährlich.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-004-orig" n="kotwerch" resp="#fyndling" subtype="lexical">Schlamm, Unrat, der mit dem Wasser am Fassboden bleibt: Schmeller führt „Kôt“ als „Abraum, Unrath, Schutt, Erde“, das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch stellt „kotwerk“ zu „kot“. Raschs Begründung mit „erd“ passt dazu.<list type="alternatives"><item>Trub, der Bodensatz der Gärung<note type="rationale">Nach der ersten Gärung liegt beides zusammen am Boden; das Wort selbst meint aber Schmutz und Erde, kein Gärungsfachwort, deshalb im Text „Schlamm“.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-004-orig" n="als bald daſſelb waſſer … bleiben wird" resp="#fyndling" subtype="contextual">„alsbald“ als Adverb (sogleich): Nach dem Ablassen bleibt das Wasser sogleich im alten Fass am Boden. Rumpolts Fassung derselben Regel hat an dieser Stelle einen Folgesatz: „ſo bleibet das Waſſer vnden im Grundt“.<list type="alternatives"><item>„alsbald“ als Konjunktion (sobald): Lass den Wein ab, sobald Wasser und Schlamm sich am Boden halten.<note type="rationale">Die Verbendstellung („bleiben wird“) erlaubt diese Lesart, und das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch belegt „alsbald“ als Einleitung eines Zeitsatzes. Rumpolts zweite Fassung („ſo ſetzt ſich das Waſſer an den Grundt/ ſo laß jn denn … in ein ander Faß“) hat diese Abfolge. Für die Arbeit ändert sich wenig, weil „gestracks nach der ersten Gärung“ den Zeitpunkt schon festlegt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-005-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel, kein Getränk: Ein Stück Roggensauerteig wird über den Spund gelegt und verschließt zugleich das Fass. Es soll verhindern, dass der Wein bei Gewitter umschlägt.

Warum Sauerteig? Rasch begründet das Mittel nicht und erklärt im Nachsatz die Ursachen solcher Dinge für dem Verstand verborgen. Der Text sagt nur, dass der Teig auf dem Spund liegt und das Fass damit fest verschlossen wird. Heutige Einordnung: Eine Wirkung des Donners auf den Wein kennt die Kellerwirtschaft nicht; einleuchtend ist allein die Abdichtung, denn ein gut verschlossenes Fass lässt weniger Luft an den Wein.

Praxis. Menge, Zustand des Teigs und Liegedauer nennt der Text nicht. Wer das nachstellt, legt ein Teigpolster so über den Spund, dass die Fuge geschlossen ist. Heutiger Hinweis: Feuchter Teig im Keller kann schimmeln und muss dann ersetzt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-005-orig" n="ſaͤwꝛ" resp="#fyndling">Der Sauer, hier ein Sauerteig. Adelung: „Der Sauerteig heißt bey den Bäckern nur der Sauer schlechthin.“ Rasch nimmt ihn aus Roggenteig.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-005-orig" n="verkehꝛet" resp="#fyndling">Sich verkehren heißt im Weinbuch, dass ein Wein umschlägt, sich also zum Schlechten verändert. Im Abschnitt davor zählt Rasch Wind, Wetter, Regen, Donner, Blitz und Hagel zu den Ursachen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-005-orig" n="vnd damit verſpuͤnte dz vaß gar wol" resp="#fyndling" subtype="contextual">Mit dem Sauerteig das Fass sehr gut verschließen: „damit“ greift den eben genannten Teig auf, der über den Spund gelegt wird und die Fuge dichtet.<list type="alternatives"><item>Zusätzlich den Spund fest einschlagen, unabhängig vom Teig.<note type="rationale">Der Text hat kein „auch“ oder „danach“; „damit“ bezieht sich am nächsten auf den Teig. Im Ergebnis bleibt das Fass in beiden Lesarten fest verschlossen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-006-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung für ein ganzes Fass: Ein trüber Wein, der seine Farbe verloren hat, wird mit frischer Milch und gewaschenem Weizen wieder klar gemacht. Kein Gericht.

Die Weizenkörner. „zu kleiben geſtoſſen“ heißt hier: Die Körner werden gestoßen, bis die Kleie, also die äußere Schale, abgeht. Das Waschen in klarem Wasser spült sie ab, und die Körner kommen „gantz“ in die Milch. Genauso beschreibt es Rumpolts Kochbuch von 1581, das dasselbe Verfahren bringt. Welche Wirkung Rasch vom Weizen erwartet, sagt er nicht; bei Rumpolt heißt es, die Milch gebe die Farbe, der Weizen den Geschmack.

Die Milch. Sie soll frisch gemolken und noch kuhwarm sein, gleich von welchem Tier. Ungefähr eine Maß kommt auf ein ganzes Fuder, im Verhältnis zum Fass eine kleine Menge. Heutige Einordnung, nicht Aussage des Textes: Milch und ihr Eiweiß Kasein gehören bis heute zu den Schönungsmitteln im Weinkeller. Das Eiweiß flockt im Wein aus und nimmt beim Absinken Trübstoffe und bräunliche Farbtöne mit.

Am Fass. Zuerst wird Wein entnommen; wie viel, sagt der Text nur mit „ſouil“, eine Zahl fehlt. Dann kommt die Mischung hinein und wird sofort eine bis zwei Stunden ohne Unterbrechung durchgerührt. Danach wird das Fass mit gutem Wein aufgefüllt, verspundet und bleibt fünfzehn Tage in Ruhe. Ob der Wein danach vom Bodensatz abgezogen wird, steht nicht da.

Praxis. Das Verfahren ist auf ein Fuder und auf Kellerzeit angelegt, nicht auf die Küche; eine kleinere Menge nennt Rasch nicht. Wer heute mit Milch schönt, bringt Milcheiweiß in den Wein, was für Menschen mit Milchallergie von Belang ist.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-006-orig" n="fueder" resp="#fyndling">Fuder: das große Weinmaß und die entsprechende Fassgröße, je nach Gegend verschieden groß. Das Verfahren ist für ein ganzes Kellerfass gerechnet.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-006-orig" n="farbbꝛuͤchigen" resp="#fyndling">Farbbrüchig: ein Wein, dessen Farbe „gebrochen“ ist, verfärbt und trüb. Rasch nennt denselben Wein im Satz davor „entferbt“ und spricht auch an anderer Stelle vom „Brechen“ des Weins. Für das Wort selbst fehlt ein Wörterbuchbeleg.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-006-orig" n="Recept" resp="#fyndling">Rezept: im 16. Jahrhundert die nach Vorschrift zubereitete Arznei. Rasch nennt so die angesetzte Mischung aus Milch und Weizen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-006-orig" n="waitzenkoͤꝛner zu kleiben geſtoſſen/ in rainem klaren waſſer wol gewaſchen/ alſo gantz in die milch gethan" resp="#fyndling" subtype="contextual">Die Körner werden gestoßen, bis die Kleie abgeht, gewaschen und ganz in die Milch gegeben. „kleiben“ ist eine Form von Kleie (Lexer s. v. klîe: „klew, kleiben“; Schmeller „Kleien, Kleiwen“); „gantz“ und das Waschen sprechen für ganze, von der Schale befreite Körner, ebenso Rumpolts Paralleltext: „stoß die vor/ biß die eussersten schelffen darvon kommen/ waͤsch darnach in reinem Wasser/ thu sie also gantz vnter die Milch“.<list type="alternatives"><item>Die Körner werden zu Kleie oder Schrot zerstoßen und so in die Milch gegeben.<note type="rationale">Wörtlich möglich („zu kleiben“), passt aber nicht zu „gantz“ und dazu, dass das Gestoßene erst noch in Wasser gewaschen wird.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-006-orig" n="gieß entgegen das Recept darein" resp="#fyndling" subtype="lexical">„entgegen“ = dafür, stattdessen: Für den entnommenen Wein kommt die Mischung ins Fass (FWB: entgegen, adversativ „stattdessen“).<list type="alternatives"><item>räumlich „gegenüber“: die Mischung an der anderen Seite des Fasses eingießen.<note type="rationale">Die Bedeutung gibt es, sie passt aber schlechter zur Abfolge Wein entnehmen, Mischung eingießen.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-006-orig" n="nimb auß dem verderbten vaß ſouil wein" resp="#fyndling" subtype="contextual">„ſouil“ = so viel, wie die Mischung Platz braucht; der Text nennt keine Zahl.<list type="alternatives"><item>genau so viel Wein, wie Mischung hineinkommt<note type="rationale">Möglich, aber nicht gesagt; dass das Fass am Ende mit gutem Wein aufgefüllt wird, spricht eher dafür, dass mehr entnommen wurde.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-007-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Schönung für ein ganzes Fass: Eiweiß wird mit Mehl, Sand und etwas Wein angerührt, in drei Portionen eingegeben und jedes Mal im Fass kräftig bewegt. Danach ruht der Wein etliche Tage. Rasch begründet nur das Ruhen: es soll sich setzen, dann wird der Wein lauter und klar.

Die Mengen. Fest beziffert sind nur das Fuder Wein und die 24 Eiweiß. Mehl, Sand und Wein stehen als je ein Topf oder Becher voll, ohne Größe des Gefäßes. Das Mehl ist nur als schön und fein beschrieben; die Parallelen in anderen Weinbüchern nennen Semmelmehl oder gebeuteltes, also gesiebtes Mehl.

Was die Zusätze tun. Heutige Einordnung: Hühnereiweiß wird bis heute zum Schönen von Wein verwendet; es flockt im Wein aus und nimmt beim Absinken Trübstoffe mit. Wozu Mehl und Sand dienen, sagt Rasch nicht. Dass der Sand die Flocken beschwert, ist eine Vermutung; Mehl ist heute kein Schönungsmittel.

Was offen bleibt. Wie viele Tage 'etliche' sind und ob der klare Wein danach abgezogen wird, steht nicht im Text.

Praxis. Wer das Verfahren im Kleinen nachstellt, muss die Mengen von Mehl, Sand und Wein selbst ermitteln, weil Topf und Becher kein festes Maß sind. Sand nur gründlich gewaschen verwenden. Reste von rohem Eiweiß können im Wein bleiben, das ist für Menschen mit Eiallergie von Belang.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-007-orig" n="fuder" resp="#fyndling">Das größte Weinmaß, ursprünglich eine Wagenladung. Der Inhalt war von Land zu Land verschieden: Das Augsburger Stadtrecht rechnet das welsche Fuder zu acht Eimern (nach Grimm), das Pfälzische Wörterbuch gibt rund 1000 Liter an. In Wien rechnete man im 16. Jahrhundert das Fuder zu 32 Eimern, den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch Wiener Maß meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-007-orig" n="zerſpalten durchloͤcherten holtz" resp="#fyndling">Ein Rührholz, das gespalten und mit Löchern versehen ist. Das Weinbuch aus Donaueschingen beschreibt dasselbe Gerät als gespaltenes Holz mit vielen Löchern, die mit einem Bohrer gebohrt sind.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-007-orig" n="verkehꝛtes weins" resp="#fyndling" subtype="lexical">Umgeschlagener Wein, also Wein, der sich ins Schlechte verwandelt hat. Grimm führt verkehren als 'in etwas anderes verwandeln', mit einem Weinbeleg (Essig verkehrt Malvasier in Essig); Rasch stellt im nächsten Kapitel 'verkehrt' neben 'trüb' und spricht von Wein, 'der sich verkehren wil, oder zur verderbung naiget'.<list type="alternatives"><item>Ein bestimmter Weinfehler, etwa Essigstich.<note type="rationale">Das Wort ist weit; welcher Fehler gemeint ist, sagt der Text nicht. Er nennt nur 'trüb', und die Kur zielt aufs Klären.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-008-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Klärung für ein ganzes Fuder Wein: Rebenasche wird mit etwas Wein aus demselben Fass zu einem dünnen Brei gerührt, in drei Portionen ins Fass gegeben und der Wein kräftig aufgerührt.

Die Asche. Wie viel Asche, sagt der Text nicht. „Gefähte Weinreben“ beschreiben, woraus die Asche gebrannt ist; was „gefähten“ genau heißt, ist offen. Der Brei wird nur aus Asche und Wein angerührt und kommt direkt ins Fass, eine Lauge wird daraus nicht gemacht. Wie die Asche klärt, begründet Rasch nicht. Heutige Einordnung: Holzasche ist laugenartig, sie nimmt dem Wein Säure und verändert den Geschmack deutlich.

Rühren bis zum Schaum. Das Gerät ist ein Holz mit Löchern, wie im Eintrag davor. Das Ende des Rührens bestimmt Rasch am Wein selbst: wenn er zu schäumen anfängt. Dann ruht der Wein „ein wenig“, eine Dauer nennt er nicht, anders als bei der Eiweißklärung davor („etlich tag“).

Praxis. Wer das nachstellen will, tut es heute nur als Versuch an einer kleinen Weinprobe mit sehr wenig Asche aus sauberem, unbehandeltem Rebholz und probiert vorsichtig. Für trinkfertigen Wein ist das Verfahren wegen der unbezifferten Menge nicht nachzumachen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-008-orig" n="fuder" resp="#fyndling">Großes Weinfassmaß, dessen Größe von Gegend zu Gegend verschieden war.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-008-orig" n="durchboꝛten holtz" resp="#fyndling">Ein Rührholz mit Löchern. Im Eintrag davor nennt Rasch dasselbe Gerät ein zerspaltenes, durchlöchertes Holz.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-008-orig" n="gefaͤhten weinreben" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Eine Zutat: Asche von Weinreben; „gefähten weinreben“ beschreibt, woraus die Asche gebrannt wird. Entscheidung Ralf 2026-11-03: Der Brei wird nur aus Asche und Wein gerührt, und die Parallele im Weinbuch aus Donaueschingen (wbd-023) nennt an derselben Stelle allein „ein kopffe vol reb eschen“. Was „gefähten“ heißt, bleibt offen: Der Druck liest eindeutig „gefaͤhten“, ein Wörterbucheintrag fehlt.<list type="alternatives"><item>Bezug zu „Fechser“ (Rebschnittling, junger Rebtrieb).<note type="rationale">Frisch verweist bei „Fechser“ auf „fahen“; eine Form „gefähten“ in diesem Sinn ist aber nicht belegt.</note></item><item>Zwei Zutaten: gefähte Weinreben und Rebenasche getrennt.<note type="rationale">Der Schrägstrich trennt bei Rasch sonst Aufzählungsglieder; der Brei nennt aber nur Asche und Wein.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-008-orig" n="reſcher wein" resp="#fyndling" subtype="lexical">frischer Wein. Unger (Steirischer Wortschatz) führt resch „vom Geschmacke frisch, scharf“, Lexer „lebhaft, munter“; die Parallele im Weinbuch aus Donaueschingen schließt mit „so wirt der win frische“.<list type="alternatives"><item>kräftig, scharf im Geschmack<note type="rationale">Unger nennt auch „scharf“; neben „klar“ und „lauter“ liegt die Frische näher.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-009-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Mittel gegen trüben, umgeschlagenen Wein: Ton in kleinen Stücken kommt durch das Spundloch ins Fass, der Wein wird mit einem durchlöcherten Holz kräftig durchgetrieben und soll danach im Stehen lauter werden. Mengen, die Dauer des Durchtreibens und die Zeit des Stehens nennt Rasch nicht.

Der Ton. Haffner dahn ist Hafnerton, der Ton der Töpfer. Ob „weiß“ die Farbe des Tons meint oder „stückel- und bröckelweise“ heißt, lässt der Satz offen; Rasch kennt die „weiße Erde“ als Mittel für den Wein auch beim Pechgeschmack (ras-015).

Das Durchtreiben. Den Handgriff setzt Rasch voraus: In den beiden vorigen Einträgen wird mit einem gespaltenen, durchlöcherten oder durchbohrten Holz im Fass gerührt, bei der Rebenasche, bis der Wein zu schäumen anfängt (ras-007, ras-008). Erst durch dieses Durchschlagen verteilt sich der Ton im ganzen Fass. Heute gesagt: Tonminerale werden in der Kellerwirtschaft als Schönungsmittel verwendet, sie nehmen Trübstoffe mit zu Boden; das macht Raschs Verfahren verständlich.

Praxis. Heute nimmt man statt Töpferton Bentonit aus dem Weinbedarf und dosiert nach Herstellerangabe (modern). Töpfer- oder Bastelton ist nicht für Lebensmittel bestimmt und gehört nicht in Wein, der getrunken werden soll. Rasch sagt nur, der Wein werde lauter, „so er ſteht“; ein Abziehen vom Bodensatz nennt er hier nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-009-orig" n="haffner dahn" resp="#fyndling">Hafnerton, also der Ton, aus dem der Hafner (Töpfer) sein Geschirr macht. Tahe oder dahe heißt im Mittel- und Frühneuhochdeutschen Lehm oder Ton (Lexer, Grimm, Frühneuhochdeutsches Wörterbuch); Grimm belegt auch die Fügung „hafnerstahen“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-009-orig" n="peul" resp="#fyndling">Das Spundloch oben am Fass. Grimm führt Beul als Fassöffnung, durch die man eine Kette zum Ausputzen hineinbringt, und setzt es dem Spund gleich.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-009-orig" n="ſtuͤckel vnd pꝛoͤckel weiß" resp="#fyndling" subtype="lexical">„weiß“ als Farbe des Tons: weißer Töpferton in Stückchen und Bröckchen. Rasch empfiehlt auch beim Pechgeschmack „weiſſe erd“ für den Wein (ras-015), und „weiß“ ist auf derselben Seite für die Farbe mit ß gesetzt („ayweiß“, ras-007).<list type="alternatives"><item>Endung „-weise“: „stückel- und bröckelweise“, also in Stückchen und Bröckchen eingebracht, ohne Angabe der Farbe.<note type="rationale">Grimm belegt „stückelweis“ gerade im österreichischen Schrifttum (Hohberg, Wiener Kochbuch). Die Wortstellung hinter den beiden Hauptwörtern passt zu dieser Lesung ebenso gut.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-009-orig" n="den wein ſtarck abgetrieben" resp="#fyndling" subtype="contextual">Den Wein mit dem durchlöcherten Holz kräftig durchschlagen, so wie in den beiden vorangehenden Einträgen, auf die Rasch mit „voꝛhin vnd negſtmals“ verweist: dort wird mit einem durchlöcherten bzw. durchbohrten Holz im Fass gerührt (ras-007, ras-008). Rumpolt beschreibt dasselbe Gerät: „ſchlag den Wein mit einem loͤcherten Holtz“, das durch den Spund passt (rum-1957).<list type="alternatives"><item>Den Wein abziehen, also vom Fass ablassen.<note type="rationale">Die Wörterbücher führen abtreiben vor allem als „wegtreiben, vertreiben“; eine Kellerbedeutung „abziehen“ ist nicht belegt, und mit einem durchlöcherten Holz zieht man keinen Wein ab.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-010-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel aus Hörensagen: Diptam soll Wein helfen, der erst umzuschlagen droht ('wil', 'naiget'), nicht einem schon verdorbenen. Mehr sagt der Text nicht: keine Menge, kein Pflanzenteil, nicht frisch oder getrocknet, keine Dauer.

Welcher Diptam? Wahrscheinlich der Weiße Diptam (Dictamnus albus), den die Wörterbücher der Zeit unter diesem Namen führen; der Kretische Diptam der antiken Autoren ist die zweite Möglichkeit.

Was soll es bewirken? Rasch sagt nur 'davon werde ihm geholfen'. Wie das geschehen soll, erklärt er nicht, und aus dem Text lässt sich keine Wirkung gegen einen bestimmten Weinfehler ableiten.

Praxis. Wer den Eintrag nachstellen will, muss Menge, Pflanzenteil und Dauer selbst festlegen; der Text gibt nichts davon vor. Weißer Diptam gilt heute als phototoxisch: Hautkontakt mit der Pflanze kann bei Sonnenlicht Hautreizungen auslösen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-010-orig" n="verkehꝛen" resp="#fyndling">Sich ins Gegenteil verwandeln; vom Wein: umschlagen, sich zum Schlechten wenden. Welchen Fehler genau, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-010-orig" n="Diptan" resp="#fyndling" subtype="lexical">Diptam, wahrscheinlich der Weiße Diptam (Dictamnus albus): Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch setzt Diptam mit Dictamnus albus gleich, das Bayerische Wörterbuch belegt 'weissen dibtam'. Rasch beruft sich hier auf 'vil leut', nicht auf einen antiken Autor, was für die heimische Pflanze spricht. Die Übersetzung bleibt bei 'Diptam'.<list type="alternatives"><item>Kretischer Diptam (Origanum dictamnus)<note type="rationale">Das ist der dictamnus der antiken Autoren, die Rasch an anderer Stelle ausschreibt. Für diesen Eintrag nennt er aber keine Quelle, und Adelung führt den kretischen nur als zweite, 'falsche' Bedeutung.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-011-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Hausmittel aus der Reihe der Mittel gegen verkehrten und trüben Wein: Efeu wird angezündet und brennend in den Most oder Wein getaucht, bis er darin erlischt. „Ablöschen“ heißt im älteren Deutsch genau das, einen brennenden oder glühenden Körper in einer Flüssigkeit löschen.

Was offen bleibt. Rasch nennt keinen bestimmten Fehler, keinen Pflanzenteil, keine Menge und keine Wiederholung. Ob grüner oder getrockneter Efeu gemeint ist, bleibt offen; grüner brennt schlecht. Eine Wirkung, die man heute benennen könnte, ist nicht belegt, und Rasch selbst gibt das Mittel nur als Meinung der meisten weiter.

Praxis. Nicht nachmachen, um den Wein danach zu trinken: Efeu gilt heute als Giftpflanze, vor allem die Beeren. Dazu kommt offenes Feuer am Fass im Keller.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-011-orig" n="mangelhafftig" resp="#fyndling">Fehlerhaft, mit einem Schaden. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt „mangelhaft“ als „fehlerhaft, einen Schaden aufweisend“, das Grimmsche Wörterbuch gibt für „mangelhaftig“ lateinisch vitiosus. Gemeint ist ein Most oder Wein mit einem Fehler; welchen, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-012-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung für umgeschlagenen Wein, die Rasch als Brauch anderer weitergibt: Man lässt einen halben Eimer ab, füllt das Fass mit Efeu, Kien oder Sand an und schlägt den Wein jeden Tag auf, bis er schäumt. Danach ruht er lange. Der Schlusssatz verallgemeinert das auf allerlei umgeschlagene oder verderbende Weine: Schaum macht den Wein rein.

Das Füllmaterial. Efeu ist sicher, Rasch nennt ihn im vorigen Eintrag mit dem lateinischen Namen Hedera. Was „khüen“ ist, bleibt offen. Gelesen ist es als Kien, harzreiches Nadelholz, weil es in einer Reihe mit Efeu und Sand steht. Rasch schreibt Kien an anderer Stelle aber „kien“ und Kühe „khüe“, die Deutung ist also eine Annahme. Ob „wol gesäubert“ nur für den Sand gilt oder für alle drei Stoffe, lässt der Satz offen. Wie viel davon ins Fass kommt und was es dort bewirken soll, sagt der Text nicht.

Schaum als Zeichen. Rasch prüft an anderer Stelle die Güte eines Weins an seinem Schaum, „faimb“ und „geiſcht“ sind bei ihm dasselbe. Hier ist der Schaum das Ziel der Arbeit. Ein Rührgerät nennt der Eintrag nicht. Heutige Einordnung: Das Aufschlagen bringt Luft in den Wein und wirbelt den Trub auf, der abgelassene halbe Eimer schafft dafür Raum im Fass. Die lange Ruhe lässt den Trub sich wieder setzen. Einen Wein mit echtem Fehler, etwa einem Essigstich, macht das nach heutigem Wissen nicht wieder gut.

Praxis. Ein Zeugnis der Kellerpraxis, keine Anleitung. Efeu gilt heute als Giftpflanze, Blätter und Beeren enthalten Saponine, er gehört nicht in ein Getränk. Kien gibt Harzgeschmack ab. Mengen für die Füllstoffe nennt der Text nicht, und als Dauer nur „bis er Schaum bildet“ und „eine lange Zeit“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-012-orig" n="Emer" resp="#fyndling">Eimer, ein Flüssigkeitsmaß für Wein. Seine Größe war von Land zu Land verschieden. Die Wiener Maßordnungen des 16. Jahrhunderts rechnen den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch hier den Wiener Eimer meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-012-orig" n="faimb" resp="#fyndling">Feim, Schaum. Rasch gebraucht „faimb“ und „geiſcht“ (Gischt) gleichbedeutend für den Schaum auf dem Wein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-012-orig" n="khuͤen" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Kien, harzreiches Kiefern- oder Fichtenholz (FWB „kien“: harzreiches Fichtenholz; Adelung „Kien“: mit Harz gesättigtes Kiefernholz). Gestützt nur durch die Reihe Efeu, Kien, Sand als Füllstoffe für das Fass.<list type="alternatives"><item>Kühen (Dativ Plural von Kuh)<note type="rationale">Orthographisch näher: Rasch schreibt Kühe „khuͤe“ (Khuͤemilch, khuͤe warme milch), Kien dagegen „kien“. Tiere ergeben als Füllung des Fasses aber keinen Sinn.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-012-orig" n="wol geſaͤubert" resp="#fyndling" subtype="contextual">Die Übersetzung lässt den Zusatz wie gedruckt hinter der Reihe stehen: gut gesäubert soll das Füllmaterial sein, sicher der Sand.<list type="alternatives"><item>Nur der Sand ist gewaschen<note type="rationale">Der Zusatz folgt unmittelbar auf „ſand“; Rasch verlangt auch in einem anderen Klärmittel „saubern sand“. Für Efeu und Kien wäre Säubern dann nicht verlangt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-013-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung aus Raschs Kapitel über verkehrten und trüben Wein. Rasch weist hier nicht an, er berichtet, was viele tun: Espenrinde oder Asche in das Fass mit dem verdorbenen Wein werfen. Er nennt keine Menge, keine Dauer und sagt nicht, ob Rinde oder Asche wieder herausgenommen werden.

Die Asche. Cineres clavellati ist ein zeitgenössischer lateinischer Name der Pottasche, auch Waidasche genannt: das aus Pflanzenasche gewonnene Salz. Was triti meint, ist nicht gesichert, am nächsten liegt „zerrieben“. Ob damit eine zweite Aschesorte gemeint ist oder dieselbe Asche in zerriebener Form, lässt der Satz offen.

Die Espenrinde. Rinde der Zitterpappel. Warum sie helfen soll, sagt Rasch nicht über „den Wein ganz erhalten“ hinaus. Rumpolt nennt 1581 dieselbe Maßnahme gegen „gebrochnen“ Wein, ebenfalls ohne Begründung.

Heutige Einordnung. Pottasche ist Kaliumcarbonat und stumpft Säure ab; ob Rasch oder seine Gewährsleute das im Sinn hatten, sagt der Text nicht. Pottasche reagiert stark alkalisch und reizt Haut und Augen.

Praxis. Ohne Mengenangabe lässt sich die Behandlung nicht nachmachen. Asche unbekannter Herkunft gehört nicht in Wein, der getrunken werden soll. Der Eintrag ist als Zeugnis der Kellerpraxis zu lesen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-013-orig" n="clauellati" resp="#fyndling">Lateinisch cineres clavellati, in Wörterbüchern der Zeit die Pottasche oder Waidasche (Frisch: „Pot-Aſche, cineres clavellati“).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-013-orig" n="vil werffen" resp="#fyndling" subtype="contextual">„Viele werfen“: vil ist Subjekt des Satzes, Rasch berichtet einen Brauch wie in „jr gar vil laſſen“ (ras-012) und „vil leut ſagen“ im selben Kapitel. Rumpolt (rum-1932) schreibt an derselben Stelle „Etlich … werffen Espenrinden“.<list type="alternatives"><item>„Wirf viel Espenrinde“ als Mengenangabe.<note type="rationale">Dann fehlte das Subjekt des Verbs „werffen“, und die Parallele bei Rumpolt spräche dagegen.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-013-orig" n="triti" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Lateinisch tritus „zerrieben“: Asche in zerriebener Form, als zweite Möglichkeit neben der Pottasche. Ein Wörterbuchbeleg für cineres triti als feste Bezeichnung fehlt.<list type="alternatives"><item>Kürzung von tritici „des Weizens“, also Weizenasche.<note type="rationale">Klanglich möglich, aber ohne Beleg im Text oder in den Wörterbüchern.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-013-orig" n="am geſpan lege" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Das Wort bleibt in der Übersetzung stehen. Belegt ist gespan als „Streit, Zwist“ (Grimm; Goetze; Schmeller „Spân, Streitfrage“); „im Gespan liegen“ hieße dann bildlich „in Aufruhr, im Umschlagen sein“. Eine weinspezifische Bedeutung ist nicht belegt.<list type="alternatives"><item>Allgemein „kurz vor dem gänzlichen Verderben“.<note type="rationale">Passt zum Satz („gantz erhalten“), hat aber keinen Wörterbuchbeleg.</note></item><item>Ein Fass- oder Kellerwort zu „Span“ (Spund, Bodensatz).<note type="rationale">Nicht belegt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-014-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung für Wein, der nach Pech schmeckt. Aromatisches wird für drei Tage ins Fass gehängt, und wo der Fehler im Holz stecken könnte, zieht der Wein vorher in ein reines, gleich großes Fass um.

Woher der Pechton kommt. Fässer wurden vielerorts innen mit Pech ausgestrichen. Rasch selbst merkt nach dem folgenden Eintrag an, in Österreich seien gepichte Fässer nicht so gebräuchlich wie vielleicht in Meißen. Der zweite Absatz zielt auf genau diese Frage: Steckt der Ton im Wein oder gibt ihn das Fass weiter ab? Woran man das Ergebnis abliest, sagt Rasch nicht; er sagt nur, dass der Wein im reinen Fass von allem üblen Gestank frei wird.

Feigen oder Quitten. „Coctona“ ist das lateinische cottana, eine Art kleiner trockener Feigen. Dasselbe Wort steht im mittelalterlichen Latein aber auch für die Quitte, und gleich dahinter nennt Rasch vier Quitten als Ersatz. Gemeint sind wohl kleine getrocknete Feigen; sicher ist das nicht.

Wie gehängt wird. Das sagt der Text nicht. Im folgenden Eintrag bindet Rasch Eppich in ein sauberes Leinentuch, damit der Wein nicht verunreinigt wird; bei Rumpolt kommt dieselbe Salbei-Hopfen-Mischung in einen Leinensack. Das sind Parallelen, keine Angabe dieses Eintrags.

Praxis. Heute würde man sagen: Salbei und Hopfen geben eigenes Aroma und Bitterkeit an den Wein ab und überdecken einen Pechton eher, als dass sie ihn beseitigen. Ob Feigen oder Quitten etwas binden, ist nicht belegt. Wirksamer ist der zweite Schritt, das Umziehen in ein sauberes Fass, weil der Wein dann nicht weiter am pechigen Holz liegt.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-014-orig" n="Khonicht oder khamig" resp="#fyndling">Kahnig oder kahmig: mit Kahm überzogen, dem weißlichen Belag, der sich auf stehendem Wein bildet.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-014-orig" n="puͤchelet" resp="#fyndling">Pichelt: schmeckt oder riecht nach Pech. Rasch selbst spricht im nächsten Eintrag von einem Fass, „das nit püchlet“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-014-orig" n="gebꝛeſten" resp="#fyndling">Gebresten: Gebrechen, Mängel, hier Weinfehler.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-014-orig" n="feygen Coctona" resp="#fyndling" subtype="lexical">Coctona-Feigen: lat. cottana (auch coctana, coctona), eine Art kleiner trockener Feigen, die schon Plinius nennt. Das vorangestellte „feygen“ spricht für diese Lesart.<list type="alternatives"><item>Quitten (mittellat. coctanum = Quitte)<note type="rationale">Im mittelalterlichen Latein steht das Wort auch für die Quitte. Dann nennte der Text mit „oder 4. Kytten“ dieselbe Frucht zweimal, und „feygen“ davor bliebe unerklärt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-014-orig" n="vergeh" resp="#fyndling" subtype="lexical">„ausgeht“: ob der Pechgestank allein vom Wein oder auch vom Fass ausgeht. Rumpolts gleichlautende Stelle fragt, ob „der geschmack vom Bech oder Faß sey“, also nach der Herkunft.<list type="alternatives"><item>„vergeht, weicht“: ob der Gestank nur aus dem Wein oder auch aus dem Fass weicht<note type="rationale">Das ist die wörterbuchnähere Bedeutung von vergehen; „herrühren“ belegen die Wörterbücher nicht. „Ausgeht“ lässt beide Sinne zu.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-015-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung für Wein, der nach Pech schmeckt. Rasch geht in drei Stufen vor: lüften, Kräuter einhängen, und nur wenn das nicht reicht, weiße Erde.

Lüften und umfüllen. Der Wein kommt aus dem Fass in große Krüge oder andere offene Gefäße, damit der Pechgeruch „außlüfften vnnd verꝛauchen“ kann. Am Ende geht er in ein Fass zurück, das nicht nach Pech schmeckt; das alte Fass ist damit als Quelle ausgeschieden. Heute würde man sagen: Beim Umfüllen an der Luft entweicht ein Teil flüchtiger Geruchsstoffe, der Wein bekommt dabei aber auch Luft ab.

Eppich im Tuch. Sellerie oder Petersilie werden in ein sauberes Leinentuch gebunden in den Wein gegeben, und zwar ausdrücklich, damit der Wein nicht verunreinigt wird. Drei Tage bleibt das Tuch im Wein. Wie der Eppich wirken soll, erklärt Rasch nicht, und eine Menge nennt er nicht über „ein guten theil“ hinaus.

Weiße Erde. Welche Erde gemeint ist, bleibt offen: weißer Ton oder Kreide. Rasch selbst sagt, der Gestank werde damit „verhüllt“, also überdeckt; im Schlusssatz weitet er das Mittel auf jeden Wein mit fremdem Geschmack oder Gestank aus. Menge, Einwirkzeit und ob der Wein danach von der Erde abgezogen wird, stehen nicht im Text.

Praxis. Nachstellen lässt sich das nur mit einem Wein, der den Fehler wirklich hat. Lüften und das Kräutertuch sind unbedenklich. Erde unbekannter Herkunft gehört heute nicht in Wein, sie kann Verunreinigungen mitbringen; wer die Stufe nachvollziehen will, nimmt allenfalls ein geprüftes Schönungsmittel aus dem Kellereibedarf und behandelt das als moderne Ersatzlösung, nicht als Raschs Erde.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-015-orig" n="puͤchlet" resp="#fyndling">Nach Pech schmeckend oder riechend, zu bech = Pech. Fässer wurden innen mit Pech überzogen, um sie abzudichten (Adelung: „Die Fässer pichen, sie inwendig mit geschmolzenem Peche überziehen“). Der Text setzt das Fass als Quelle voraus: der Wein soll in ein Fass zurück, „das nit puͤchlet“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-015-orig" n="eppich" resp="#fyndling">Eppich ist im Frühneuhochdeutschen meist der Sellerie (Apium graveolens); das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch kennt daneben auch die Petersilie. Da Rasch „peterlein“ eigens als Alternative nennt, ist hier der Sellerie gemeint. Welcher Teil der Pflanze, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-015-orig" n="weiſſe erd" resp="#fyndling" subtype="lexical">Weißer Ton. Henisch (1616) führt „Weiſſe erde“ als weißen Töpferton (terra figulorum albissima). Der Text bestimmt die Erde nicht näher und nennt weder Menge noch Herkunft.<list type="alternatives"><item>Kreide oder eine andere kalkhaltige weiße Erde<note type="rationale">Auch Kreide ist eine weiße Erde (Henisch führt „Waſcherden“ als creta). Nichts im Text unterscheidet Ton von Kreide.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-015-orig" n="mit welcher er kan verhuͤlt werden" resp="#fyndling" subtype="contextual">Überdecken: verhüllen heißt „mit Hüllen zudecken“ (Grimm), „verbergen“ (Adelung). Rasch verspricht für den hartnäckigen Pechgestank also, dass er überdeckt wird, nicht, dass er verschwindet. Bezugswort von „er“ ist der Gestank.<list type="alternatives"><item>Die Erde nimmt den fremden Geschmack heraus<note type="rationale">Der Schlusssatz sagt, ein Wein werde durch die weiße Erde „zu recht gebracht vnd geſchlichtet“. Das klingt nach mehr als Überdecken, nennt aber keinen Vorgang. Die Übersetzung bleibt beim Wortlaut beider Sätze.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-016-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Hausmittel gegen ein stinkendes Fass: Heißes Brot liegt auf der Fassöffnung und soll den Gestank herausziehen. Mengen und Dauer nennt Rasch nicht, das Ende ist erreicht, wenn der Gestank weg ist.

Das Wort „peul“. Gemeint ist das Spundloch. Die Wörterbücher führen das bairische Peil oder Beul als Spundloch oder als das Holz, das es verschließt; Raschs zweiter Beleg im selben Abschnitt lässt Tonstücke „oben durch das peul ins vaß“ fallen. Rumpolts fast gleichlautende Fassung schreibt an dieser Stelle „Spundt“ und lässt das Brot „in zwey stuͤck“ brechen.

Warum warm? Rasch begründet nichts, er verlangt nur, dass immer ein warmes Stück aufliegt. Die zeitgenössische Vorstellung, wie sie Rumpolt ausspricht: Das heiße Brot zieht an sich, was dem Wein schadet. Nach heutigem Verständnis kann Brot an der Öffnung allenfalls Geruch aus dem Luftraum unter dem Spund aufnehmen; einen Fehlgeruch, der im Holz oder im Wein sitzt, behebt es kaum.

Praxis. Ein frisches Gerstenbrot halbieren, eine Hälfte heiß auf das offene Spundloch legen, die andere im Ofen warmhalten und tauschen, sobald die aufliegende abgekühlt ist. Ob das Fass dabei leer ist oder Wein enthält, lässt der Eintrag offen. Wer es heute ausprobiert, tut es am leeren Fass vor dem Befüllen (modern); das Brot ist danach nicht zum Essen gedacht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-016-orig" n="peul" resp="#fyndling" subtype="lexical">Spundloch: Schmeller führt „Peil, Spundloch“, das Grimmsche Wörterbuch „beul, n. was beil“ mit Hohbergs „des beuls oder spunts“, das Bayerische Wörterbuch Peil als Spundloch. Buchintern ras-009 „oben durch das peul ins vaß“; Rumpolt (rum-1966) hat an derselben Stelle „Spundt“.<list type="alternatives"><item>Der hölzerne Spund, der das Loch verschließt (Höfer, Castelli: Peil, Bál als Holz zum Verstopfen des Spundlochs).<note type="rationale">Für die Handlung gleichwertig: Das Brot liegt in jedem Fall oben auf der Fassöffnung.</note></item><item>Beule im Sinn einer Wölbung am Fassbauch.<note type="rationale">Verworfen: Für Fässer ist die Bedeutung Spundloch belegt, die Beule nicht.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-016-orig" n="auß dem vaß" resp="#fyndling" subtype="contextual">Offen gelassen, ob das Fass leer ist oder Wein enthält: Der Eintrag sagt nur „biß der geſtanck auß dem vaß gezogen wird“.<list type="alternatives"><item>Gefülltes Fass, der Gestank wird aus dem Wein gezogen.<note type="rationale">So formuliert Rumpolt: „Also mag man allen boͤsen gestanck auß dem Wein ziehen.“ Das Kapitel handelt von Wein mit Pech- und Fassgeschmack.</note></item><item>Leeres Fass vor dem Befüllen.<note type="rationale">Der Folgeeintrag spricht vom Fass, „dauon der wein den geſtanck empfacht“, also vom Gefäß als Ursache; ein leeres Fass wäre denkbar.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-017-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Mittel gegen ein stinkendes Weinfass: Wacholderbeeren und Ysop, bei manchen auch Walwurz, werden ins Fass gelegt. Rasch begründet es nur mit dem Urteil ungenannter Autoren.

Fass oder Wein? Ob der Wein beim Einlegen im Fass liegt, sagt der Eintrag nicht. Im selben Kapitel rät Rasch bei einem Geschmack, der vom Fass kommt, den Wein in ein reines Fass abzulassen und die Mittel dort einzuhängen; hier fehlt dieser Schritt. Menge, Dauer und die Form der Pflanzen (frisch oder getrocknet, ganz oder zerstoßen) nennt der Text ebenfalls nicht.

Walwurz. Das Wort meint nach den Wörterbüchern des 16. Jahrhunderts meist den Beinwell, in älteren Glossen auch die Meisterwurz. Beinwell enthält Pyrrolizidinalkaloide und gehört heute nicht in Wein, der getrunken wird.

Praxis. Zum Nachstellen fehlen Menge und Dauer. Heute würde man das leere Fass behandeln oder den Wein vorher umfüllen (moderne Vorsicht, nicht im Text). Wacholderbeeren und Ysop sind gebräuchliche Würzpflanzen; die Walwurz lässt man weg. Ob die Pflanzen einen Fassfehler beheben oder nur überdecken, lässt sich aus dem Text nicht entscheiden.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-017-orig" n="kranwetboͤꝛ" resp="#fyndling">Kranewitt ist der bairisch-österreichische Name des Wacholders, die „Kranewittbeeren“ sind Wacholderbeeren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-017-orig" n="Walwurtz" resp="#fyndling" subtype="lexical">Beinwell (Symphytum officinale): Goetze „Schwarzwurz, Beinwell“, Bock 1577 „Groß Walwurtz nennet man Beinwellen“, Frisch „consolida“.<list type="alternatives"><item>Meisterwurz (Peucedanum ostruthium)<note type="rationale">Mittelhochdeutsche Glossen setzen walwurz auch für ostrucium; für das 16. Jahrhundert ist Beinwell die gängige Bedeutung.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-017-orig" n="ins vaß dauon der wein den geſtanck empfacht" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das Fass, dessen Holz dem Wein den Gestank gibt; ob der Wein dabei darin liegt, lässt der Text offen.<list type="alternatives"><item>Das gefüllte Fass, in das die Pflanzen zum Wein gelegt werden<note type="rationale">Möglich; im selben Kapitel lässt Rasch bei Fassgeschmack den Wein aber zuerst in ein reines Fass ab.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-018-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Hausmittel aus Raschs Kapitel über Pech und Gestank im Fass, das letzte von mehreren Mitteln gegen ein Fass, das dem Wein Gestank gibt. Rasch berichtet, was „etliche andere“ tun, und gibt die Wirkung mit „soll“ als deren Meinung weiter. Er nennt keine Menge, keine Dauer und sagt nicht, ob die Scheite wieder herausgenommen werden.

Leeres oder volles Fass? Der Satz nennt nur das Fass, „von dem der Wein den Gestank annimmt“. Ob der Wein noch darin liegt oder vorher abgezogen wird, bleibt offen. An anderer Stelle legt Rasch Späne oder Scheite von Wacholderholz in gärenden Most und nimmt sie nach der Gärung wieder heraus; das ist eine andere Maßnahme zum Bewahren des Weins und lässt sich nicht auf diesen Eintrag übertragen.

Heutige Einordnung. Wacholder und Tanne sind harzreiche Nadelhölzer und bringen ihren eigenen Duft ins Fass. Dass sie einen Fehlgeruch überdecken, liegt nahe; dass sie ihn beseitigen, ist nicht belegt.

Praxis. Ohne Menge und Dauer lässt sich die Behandlung nur als Versuch nachstellen. Heute würde man ein Fass mit Fehlgeruch leer behandeln und den Wein nicht darin lassen; das ist moderne Kellerpraxis, nicht Raschs Anweisung.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-018-orig" n="kramberholtz" resp="#fyndling">Wacholderholz. Bairisch heißt der Wacholder „Kranewitt“ oder „Kranber“ (Schmeller: „Kranber … Wacholderbeere“). Anderswo meint „Kranbeere“ die Preiselbeere; hier ist sie ausgeschlossen, weil aus dem Zwergstrauch keine Scheite zu spalten sind.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-018-orig" n="abietis" resp="#fyndling">Lateinisch: „der Tanne“. Rasch setzt das Wort als Beischrift zum Tannenholz.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-018-orig" n="ſchaiden / ſchaitten" resp="#fyndling" subtype="lexical">Beide Formen als „Scheite“, also gespaltene Holzstücke. Sie stehen parallel zu je einer Holzart, und Rasch unterscheidet an anderer Stelle „ſpaͤhn oder ſchaitten von kranberholtz“, Späne oder Scheite.<list type="alternatives"><item>Späne, dünne Holzstücke<note type="rationale">Diefenbach stellt „schait“ neben „span“ zu lateinisch astula, die Grenze ist im Wortgebrauch nicht scharf. Gegen die Lesung spricht Raschs eigene Unterscheidung von Spänen und Scheiten.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-019-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung: Ein Wein, der in der Farbe weiß wie Molke geworden ist, soll mit geröstetem Wabenmaterial wieder eine gute Weinfarbe bekommen. Mengen und Zeiten nennt Rasch nicht.

Welcher Fehler? Der Text nennt nur die Farbe, in der Überschrift verglichen mit Topfen und Molke. Ob ein roter Wein ausgeblichen ist oder ein Wein milchig geworden, bleibt offen; einen heutigen Fehlernamen kann man nicht sicher zuordnen.

Das Rösten. Honigwabe, Honigschaum oder Windwachs werden in einem Schüsselchen gut geröstet, dann kommt etwas vom Wein daran. Rasch begründet nicht, warum das färbt. Heutige Deutung: Erhitzter Honig bräunt, und diese Bräune dürfte der Wein aufnehmen; reines Wachs trägt dazu wenig bei, was zu Raschs eigenem „vielleicht“ beim Windwachs passt. Rumpolt röstet in seiner Fassung den Honigschaum in einer Pfanne und gießt die Mischung ins Fass.

Praxis. Erhitztes Wachs und Honig sind brennbar, und Flüssigkeit auf sehr heißem Wachs spritzt und kann aufflammen. Wer es heute zeigt, erhitzt nur wenig Material und gibt den Wein erst daran, wenn die Schale nicht mehr über der Flamme steht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-019-orig" n="hoͤnigſchaumb" resp="#fyndling">Der Schaum, der sich auf Honig absetzt und abgeschöpft wird.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-019-orig" n="windwachs" resp="#fyndling">Das Grimmsche Wörterbuch erklärt es als Wachs von ungefüllten Waben. Campe führt es als österreichisches Wort für den Rückstand, der beim Wachsläutern nach dem Pressen im Sack bleibt. Welche Bedeutung Rasch meint, lässt der Text offen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-019-orig" n="dopff" resp="#fyndling" subtype="lexical">Topfen, also Quark. Das Grimmsche Wörterbuch führt für Topfen die Formen „doppe, dopfe“; die Überschrift stellt das Wort neben Molke, und der Text vergleicht die Farbe des Weins mit Molke. Rasch schreibt das Gefäß sonst „topff“, hier aber „dopff“.<list type="alternatives"><item>Topf oder Eierschale (Henisch 1616: „Döp/ dopff … testa, olla“)<note type="rationale">Ein Wein „wie ein Topf“ ergibt als Farbvergleich keinen Sinn; das Paar mit Molke spricht für das Milchprodukt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-019-orig" n="vñ des weins daran gethan" resp="#fyndling" subtype="contextual">Etwas von dem Wein wird auf das geröstete Wabenmaterial gegeben. Was danach mit diesem Auszug geschieht, sagt Rasch nicht; dass er in den Wein zurückgeht, liegt nahe, weil der Wein sonst keine Farbe bekäme. Rumpolts Fassung desselben Mittels (rum-1967) sagt es ausdrücklich: „thu deß Weins auch ein Becher voll darunter/ geuß ins Faß“.<list type="alternatives"><item>Der Wein dient nur zum Ablöschen, das Geröstete wird als Ganzes ins Fass gegeben<note type="rationale">Mit dem Wortlaut vereinbar, aber nicht gesagt; Rumpolt seiht vor dem Eingießen durch ein Leinentuch, was Rasch nicht nennt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-020-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung für ein ganzes Fuder Wein, der zäh geworden ist. Weinstein und Rebenasche werden mit etwas Wein angerührt und in drei Gaben ins Fass gegeben, jedes Mal wird kräftig geschlagen, bis es schäumt. Der Schaum, der übergeht, kommt zurück ins Fass.

Der Fehler. „Zäch“ heißt zäh. Heute versteht man darunter einen Wein, der dickflüssig wird und Fäden zieht. Die Gleichsetzung ist eine Deutung, Rasch beschreibt den Fehler nicht. Das „träg“ der Überschrift greift das Verfahren nicht eigens auf.

Der Wein zum Anrühren. „Laß auff 2 becher wein“ lässt offen, woher der Wein kommt. Die Parallelen im Weinbuch Donaueschingen und bei Rumpolt nehmen ihn aus dem Fass selbst, das liegt nahe, steht bei Rasch aber nicht.

Das Holz. „Mit dem“ gespaltenen oder gebohrten Holz setzt voraus, dass der Leser das Werkzeug kennt: Rasch nennt beim Klären trüben Weins ein gespaltenes, durchlöchertes Holz zum Hin- und Herrühren. Wie es genau aussah, sagt er nicht.

Schaum und Steigraum. Rasch lässt das Fass bei keiner der drei Gaben ganz füllen und begründet es selbst: der Wein verderbe sonst von der Fülle. Heutige Einordnung: Asche ist laugig, Weinstein und Wein sind sauer, beim Zusammenbringen kann Gas frei werden und der Wein stärker schäumen. Das steht nicht im Text, erklärt aber, warum Raum im Fass nötig ist.

Praxis. Heute taugt das allenfalls als Versuch an einem kleinen Probefass. Asche bringt Laugensalze und Schwebstoffe in den Wein, und Rasch nennt keine Ruhezeit und keinen Abstich danach. Ob das Verfahren gegen einen fadenziehenden Wein hilft, lässt sich aus dem Text nicht beurteilen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-020-orig" n="zaͤch" resp="#fyndling">Zäh, klebend, fadenziehend. Hier ein Weinfehler: der Wein wird dickflüssig und zieht beim Einschenken Fäden.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-020-orig" n="reſch" resp="#fyndling">Frisch, lebhaft, auch vom Geschmack.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-020-orig" n="weinſtein" resp="#fyndling">Die Kruste, die sich im Weinfass absetzt. Rasch lässt sie fein reiben.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-020-orig" n="fuder" resp="#fyndling">Großes Weinmaß und zugleich ein großes Fass. Die Größe war von Gegend zu Gegend verschieden.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-020-orig" n="zerſpaltnen oder geboꝛten holtz" resp="#fyndling">Ein Holz zum Rühren, am Ende gespalten oder durchbohrt. Der bestimmte Artikel weist zurück auf das gespaltene, durchlöcherte Holz, mit dem Rasch schon trüben Wein klären lässt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-020-orig" n="laß auff 2. becher wein" resp="#fyndling" subtype="contextual">„Lass 2 Becher Wein darauf“: Weinstein und Asche werden mit 2 Bechern Wein angerührt, dann folgt „mische es wohl durcheinander“. Der Druck hat eindeutig „auff“, woher der Wein kommt, sagt Rasch nicht.<list type="alternatives"><item>2 Becher Wein aus dem Fass zapfen und damit anrühren<note type="rationale">Die Parallelen lassen den Wein ausdrücklich aus dem Fass: Weinbuch Donaueschingen „laz vs dem vaß des wines j firtel“, Rumpolt „so viel Weins laß auß dem Faß“. Bei Rasch steht das nicht wörtlich, deshalb nur als naheliegende Deutung.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-020-orig" n="traͤg" resp="#fyndling" subtype="lexical">„Träge“ im Sinn von matt, lahm (Frisch: segnis, ignavus). Die Überschrift nennt zwei Fehler, das Verfahren spricht nur vom zähen Wein.<list type="alternatives"><item>„träg“ entspricht dem „seiger“ (matt, schal) der Parallelen<note type="rationale">Weinbuch Donaueschingen und Rumpolt setzen dasselbe Verfahren gegen „seigern“ Wein, Lexer erklärt seiger als „matt, schal“. Rasch selbst setzt die Wörter nicht gleich.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-021-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Das zweite Mittel in Raschs Kapitel über zähen und trägen Wein: Warme Kuhmilch wird ins Fass gegossen, danach soll der Wein wieder frisch sein. Wie viel Wein die Maß Milch behandelt, ob danach gerührt, gewartet oder abgezogen wird, sagt der Eintrag nicht.

Zäher Wein. Heute spricht man vom Zähwerden oder Lindwerden: Der Wein fließt ölig und zieht Fäden, Geruch und Geschmack bleiben dabei oft unverändert (modern). Dass Raschs „zäh“ genau diesen Fehler meint, ist eine Deutung, kein Wörterbuchbeleg.

Warum Milch? Rasch begründet es nicht. Heute benutzt man Milch und ihr Eiweiß, das Kasein, zum Schönen: Es bindet Trub- und Gerbstoffe und setzt sich mit ihnen am Boden ab (modern). Ob das gegen das Zähwerden etwas ausrichtet, lässt sich daraus nicht ableiten.

Das Gefäß mit engem Hals. Auch dafür gibt Rasch keinen Grund. Naheliegend ist, dass sich die Milch so durch das enge Spundloch gießen lässt, ohne danebenzugehen.

Praxis. Ungefähr eine Maß Kuhmilch anwärmen, eine Temperatur nennt Rasch nicht, in einen Krug oder eine Kanne mit schmalem Hals füllen und durch das Spundloch ins Fass gießen. Wer es heute versucht, sollte wissen, dass Milcheiweiß im Wein bleiben kann, wenn er nicht absetzt und abgezogen wird; für Menschen mit Milcheiweißallergie ist das wichtig (modern).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-021-orig" n="reſch" resp="#fyndling" subtype="lexical">Frisch: Das Grimmsche Wörterbuch führt resch „frisch, scharf, kräftig“ mit Hohbergs Weinbeleg „wann der wein springt und resch ist am einschenken, so ist er gut“; Unger (Steirischer Wortschatz) „vom Geschmacke frisch, scharf“. Als Gegenteil von „zaͤch vnd traͤg“ in der Kapitelüberschrift passt frisch, lebhaft. Buchintern übersetzt ras-008 ebenso.<list type="alternatives"><item>Trocken, spröde, knusprig<note type="rationale">So gebraucht man resch heute bei Brot und Gebäck (Lexer, DWDS); für Wein trägt die Bedeutung nicht.</note></item><item>Klar<note type="rationale">Klar heißt bei Rasch „lauter“ (ras-023 „lauter vnd reſch“ nennt beides nebeneinander); resch allein meint es nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-022-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Mittel aus dem Kapitel „Zäch vnd träg wein“: Ein gesäubertes Büschel Nesseln samt Wurzeln wird ins Fass gehängt, damit der Wein wieder frisch wird. Tragen die Nesseln schon reifen Samen, kommt das Büschel vorher in ein Leintuch.

Zäher Wein. Rasch nennt den Fehler nur „zäh und träg“. Heute heißt ein Wein, der dickflüssig wird und Fäden zieht, zäh oder lind; dass Rasch genau diesen Fehler meint, ist eine Einordnung aus dem Wort, kein Beleg.

Trägt das Mittel? Rasch begründet es nicht. Nach heutigem Kellerwissen ist nicht belegt, dass Nesseln einen zähen Wein bessern; heute behandelt man ihn vor allem durch kräftiges Durchschlagen, wie es Rasch im Kapitelkopf mit Weinstein und Rebasche selbst beschreibt.

Praxis. Der Text nennt nur „ein Büschlein“, keine Dauer und keine Befestigung. Die Nesseln sind eine gebräuchliche Wildpflanze; gründliches Säubern verlangt schon Rasch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-022-orig" n="reſch" resp="#fyndling" subtype="lexical">frisch, wie in ras-008. Unger (Steirischer Wortschatz) führt resch „vom Geschmacke frisch, scharf“, Lexer „lebhaft, munter“. Das Kapitel handelt von zähem und trägem Wein, „resch“ ist das Gegenteil; die Parallelen im Weinbuch aus Donaueschingen und bei Rumpolt schließen mit „frisch“.<list type="alternatives"><item>kräftig, scharf im Geschmack<note type="rationale">Unger nennt auch „scharf“; gegen den Fehler „zäh und träg“ liegt die Frische näher.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-022-orig" n="henck an ein vaß" resp="#fyndling" subtype="contextual">in ein Fass hängen. Im selben Satz heißt es „hencks in wein“, und Rumpolt schreibt an der Parallelstelle „henck ... ins Faß“.<list type="alternatives"><item>für ein Fass, also ein Büschlein je Fass<note type="rationale">„an“ kann eine Zuordnung ausdrücken; dann wäre es eine Mengenangabe. Am Vorgang ändert das nichts.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-023-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein weiteres Mittel aus Raschs Kapitel „Zäch vnd träg wein“: Ein Teil des Weins wird in einem neuen Topf oder Kessel kräftig gesotten, abgeschäumt und heiß ins Fass zurückgegossen, danach kommt ein gesäubertes Eisen- oder Bleichblech ins Fass. Rasch nennt keine Menge, keine Siededauer und keinen Grund, nur das Ergebnis: Der Wein werde klar und frisch.

Zäher Wein. Der Eintrag selbst nennt den Fehler nicht, er steht unter der Kapitelüberschrift „zäh und träg“. Heute heißt ein Wein, der dickflüssig wird und Fäden zieht, zäh oder lind; dass Rasch genau diesen Fehler meint, ist eine Einordnung aus dem Wort, kein Beleg.

Abschäumen. „verfaumbt“ kann heißen, dass der Schaum abgenommen ist, oder dass der Wein zu schäumen aufgehört hat. Wir übersetzen „abgeschäumt“: In Raschs Essigeintrag wird Wein ebenso „geſotten vnd abgefaimbt“, und Rumpolt schreibt an derselben Stelle „verschaums“.

Das Blech. „blaichblech“ lesen wir als Bleichblech, ein helles, blankes Blech; in Raschs Schreibung steht „ai“ für „ei“, Blei schreibt er an anderer Stelle „bley“. Ob verzinntes Eisenblech gemeint ist, belegt kein Wörterbuch. Rumpolt hängt an derselben Stelle „Bley oder Stahlblech“ ins Fass. Blei ist giftig und geht in sauren Wein über: Ein Bleiblech gehört nie in Wein, gleich welche Lesart man vorzieht.

Trägt das Mittel? Rasch begründet keinen der beiden Schritte. Heutige Einordnung: Sieden tötet Hefen und Bakterien nur im gesottenen Teil, nicht im übrigen Wein im Fass. Eisen, das im Wein hängt, löst sich darin, und gelöstes Eisen kann eine Trübung auslösen, den Eisenbruch; dass das Blech den Wein klärt, ist nach heutigem Kellerwissen zweifelhaft.

Praxis. Wie viel Wein gesotten wird und wie lange das Blech im Fass bleibt, sagt der Text nicht. Siedend heißen Wein umzugießen verlangt Vorsicht wegen Verbrühung.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-023-orig" n="reſch" resp="#fyndling">Frisch, lebhaft. Im Kapitel das Gegenteil des zähen, trägen Weins.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-023-orig" n="blaichblech" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Bleichblech, ein helles, blankes Blech. Schmeller führt bairisch „blaich“ als „bleich“, und Rasch schreibt bleich als „verblaichet“, Blei dagegen als „bleyhes“ und „bleyweiß“. Welches Blech genau gemeint ist, etwa verzinntes Eisenblech, belegt kein Wörterbuch; das Kompositum ist ohne Treffer.<list type="alternatives"><item>Bleiblech<note type="rationale">Rumpolt 1581 hängt an derselben Stelle „Bley oder Stahlblech“ ins Fass. Dagegen steht Raschs eigene Schreibung, die Blei nie mit „ai“ schreibt. Blei ist giftig und geht in sauren Wein über.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-023-orig" n="verfaumbt" resp="#fyndling" subtype="lexical">abgeschäumt: Grimm führt „verfaumen“ transitiv als „vom Schaume befreien“; Rasch lässt im Essigeintrag Wein „geſotten vnd abgefaimbt“, Rumpolt schreibt an derselben Stelle „verschaums“.<list type="alternatives"><item>ausgeschäumt, der Wein hat zu schäumen aufgehört<note type="rationale">Grimm und Frisch führen auch den intransitiven Sinn „cessare spumare“. Der Satz „wann er verfaumbt“ ließe beides zu; die Parallelen sprechen für das Abschäumen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-024-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Fassmittel gegen Wein, der zu säuern beginnt. Rasch nennt ein einziges Mittel, einen Becher voll Knoblauchsamen, der ins Fass gehängt wird. Eine Menge Wein, eine Dauer oder ein Zeichen, woran man den Erfolg erkennt, gibt er nicht, nur das Urteil, der Wein werde süßer als je zuvor.

Samen oder Brutzwiebeln. Der Text sagt „knoblauchſamen“. Kultivierter Knoblauch trägt im Blütenstand heute meist kleine Brutzwiebeln statt keimfähiger Samen; ob Rasch diese meinte, lässt sich aus dem Eintrag nicht entscheiden. Die Übersetzung bleibt beim Wortlaut.

Wie wird gehängt? Ein Behältnis nennt der Eintrag nicht. Im Kapitel davor wickelt Rasch Nesselsamen „in ein leines thuech“, bevor er sie in den Wein hängt; für die Knoblauchsamen steht das nicht da.

Praxis. Ein Zeugnis der Kellerpraxis, keine erprobte Anleitung. Heutige Einordnung: Ein beginnender Essigstich geht von Essigsäurebakterien aus, und die gebildete Säure verschwindet durch ein eingehängtes Mittel nicht. Wer es heute nachstellen will, hängt die Samen am ehesten in einem Leinensäckchen ein (modern, nicht im Text).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-024-orig" n="anzick" resp="#fyndling">Säuerlich, ins Saure umschlagend, vom Wein gesagt (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch, Grimm, Schmeller). „Essiglicht“ daneben heißt essigartig: Der Wein schmeckt schon nach Essig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-024-orig" n="knoblauchſamen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Knoblauchsamen, wörtlich übersetzt, weil der Text „samen“ sagt und das Wort im Buch auch im Essigteil so steht.<list type="alternatives"><item>Die Brutzwiebeln aus dem Blütenstand des Knoblauchs<note type="rationale">Kultivierter Knoblauch setzt meist Brutzwiebeln statt keimfähiger Samen an; dass Rasch diese „samen“ nannte, ist möglich, aber nicht belegt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-024-orig" n="ſuͤß" resp="#fyndling" subtype="lexical">Süß als Gegensatz zu sauer: mild, nicht mehr säuerlich. Das Mittel bringt keinen Zucker in den Wein.<list type="alternatives"><item>Zuckersüß im heutigen Sinn<note type="rationale">Nichts im Text süßt den Wein; der Satz stellt den süßen dem anzicken, sauren Wein gegenüber.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-025-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Hausmittel für Fassbier, das zu säuern beginnt. Rasch nennt zwei Mittel zur Wahl, zwei oder drei Eier oder etwas gut gesäuberten Weizen, die ins Fass gehängt werden. Eine Dauer, eine Menge Bier oder eine Begründung gibt er nicht, nur das Urteil „es hilft“.

Eier oder Weizen. Wie die Eier ins Fass kommen, ob ganz in der Schale und woran sie hängen, sagt der Eintrag nicht. Am nächsten am Wortlaut liegen ganze Eier, das ist aber eine Annahme. Für den Weizen begründet Rasch an anderer Stelle selbst, warum er ins Fass gehört: In stinkendem Wein ziehe der Weizen im Säckchen alles Stinkende an sich. Im Bierteil des Buchs hängt er zerstoßenen Weizen in saures Bier, „er wird süß“, und lässt ein frisch gelegtes Ei ins Bierfass, damit es nicht sauer wird.

Praxis. Ein Zeugnis der Kellerpraxis, keine erprobte Anleitung. Heutige Einordnung: Das Sauerwerden von Bier geht von Bakterien aus, ein ins Fass gehängtes Mittel beseitigt diese Ursache nicht. Eierschale besteht überwiegend aus Kalk, den Säure angreift; ob zwei oder drei Eier in einem Fass merklich etwas ausrichten, ist nicht gemessen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-025-orig" n="henck in das vaß 2. oder 3. Ayr" resp="#fyndling" subtype="contextual">Ganze Eier in der Schale werden ins Fass gehängt; das liegt dem Wortlaut „henck“ am nächsten, eine Befestigung nennt der Text nicht.<list type="alternatives"><item>Die Eier werden nur ins Fass gelegt oder gelassen.<note type="rationale">Im Bierteil lässt Rasch ein Ei ins Fass („laß es in das vaß“) oder stellt „hencken oder legen“ frei; hier steht aber nur „henck“.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-026-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung für ein ganzes Fass: Ein Wein, der nach Essig zu schmecken beginnt, soll durch ein Pfund Wachs, das ins Fass gehängt wird, wieder gut werden. Kein Gericht.

Das Wachs. Gemeint ist Bienenwachs, das Wachs der Zeit (Grimm: Wachs = cera). Rasch will es „newes friſches“, also neu und unverbraucht; warum, sagt er nicht. Wie es ins Fass kommt, ob frei an einer Schnur oder in einem Tuch, wie lange es dort bleibt und ob es wieder herausgenommen wird, steht nicht im Text. In den Nachbareinträgen hängt Rasch manche Zusätze in ein leinenes Säckchen, hier nicht.

Heutige Einordnung. Nicht Aussage des Textes: Ein Essigstich entsteht, wenn Essigsäurebakterien mit Luft einen Teil des Alkohols zu Essigsäure umsetzen. Die gebildete Säure nimmt ein Stück Wachs nicht aus dem Wein; eine Wirkung gegen den Fehler ist nach heutigem Wissen nicht zu erwarten.

Praxis. Das Mittel ist auf ein Fuder angelegt, eine kleinere Menge nennt Rasch nicht. Wer es nachstellt, nimmt sauberes, unbehandeltes Bienenwachs.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-026-orig" n="fuder" resp="#fyndling">Fuder: das große Weinmaß und die entsprechende Fassgröße, ursprünglich eine Wagenladung, je nach Gegend verschieden groß. Das Mittel ist für ein ganzes Kellerfass gerechnet.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-026-orig" n="eſſichlecht" resp="#fyndling">Wörtlich „essiglicht“, nach Essig geartet. Die Endung -lecht entspricht -licht (Schmeller: „graulecht, graulicht“). Rasch überschreibt das Kapitel „Anzick oder eſſelicht wein vnd bier“; „werden wil“ meint einen Wein, der gerade zu kippen beginnt. Heute heißt dieser Fehler Essigstich.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-027-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung für ein ganzes Fuder dünnen Weins: Zucker und Feilspäne vom Hirschgeweih hängen jedes in einem eigenen Leinensäckchen im Fass. Wie lange die Säckchen hängen und ob sie wieder herauskommen, sagt Rasch hier nicht. Bei derselben Zugabe mit Zimt gegen abgestandenen Wein nennt er sieben Tage (ras-114).

Die Wirkung. Rasch verspricht nur, der Wein werde „viel kräftiger und stärker“, eine Begründung gibt er nicht. Heutige Einordnung: Der Zucker, der sich aus dem Säckchen löst, macht den Wein süßer. Alkohol entsteht daraus nur, wenn der Wein noch einmal gärt, und davon spricht der Text nicht. Was das Hirschhorn beitragen soll, lässt sich aus dem Eintrag nicht sagen.

Praxis. Rasch nennt nur die Menge für ein Fuder, für kleinere Fässer gibt er nichts an. Wer es heute an einem kleinen Gebinde versucht (modern), nimmt Hirschhornspäne aus einer Quelle, die sie für Lebensmittel abgibt, nicht Kauartikel aus dem Tierbedarf, und hängt Zucker und Späne getrennt in sauberes Leinen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-027-orig" n="fuder" resp="#fyndling">Großes Weinmaß und zugleich ein großes Fass. Die Größe war von Gegend zu Gegend verschieden.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-027-orig" n="abfeil von hirſchhoꝛn" resp="#fyndling">Feilspäne, das beim Feilen Abfallende, hier vom Hirschgeweih. Mit Hirschhornsalz, dem Backtriebmittel, hat das nichts zu tun.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-027-orig" n="Verkehꝛung des weins" resp="#fyndling" subtype="lexical">Das Umschlagen des Weins: Rasch beginnt das Kapitel selbst mit „Offtmals verkehꝛet ſich ein wein in andere farb vnnd in andern geſchmach“, das Grimmsche Wörterbuch führt verkehrung als Verwandlung, auch der Farbe. Die Überschrift nennt den Fehler, der Eintrag eine der Hilfen dagegen.<list type="alternatives"><item>Die Verwandlung des Weins zum Besseren, also die Behandlung selbst.<note type="rationale">Verworfen: Im Kapitel davor gebraucht Rasch das Wort für Wein, der beim Abziehen verdirbt („gar leichtlich verkehꝛet werden“).</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-027-orig" n="ſtercker / krefftiger" resp="#fyndling" subtype="contextual">Kräftiger und stärker im Trunk, so wörtlich übersetzt. Worin die Stärke besteht, sagt der Eintrag nicht.<list type="alternatives"><item>Berauschender, also stärker im heutigen Sinn von Alkohol.<note type="rationale">Der Folgeeintrag versteht „ſtarck“ so: Rautensamen mache den Wein so stark, „daß er auch truncken macht“. Für Zucker ohne erneute Gärung trägt das nach heutigem Wissen nicht, Rasch kann es trotzdem gemeint haben.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-028-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Zeugnis der Kellerpraxis, keine Anleitung: Weinraute gilt innerlich in größerer Menge als giftig. Rasch gibt hier als zweites Mittel gegen schwachen Wein weiter, was „etliche“ tun: Rautensamen pulverisieren und ein Pfund davon in den Wein hängen.

Ein Pfund auf wie viel Wein? Eine Weinmenge, ein Behältnis und eine Dauer nennt der Eintrag nicht. Im vorigen Eintrag hängen Zucker und Hirschhornfeilspäne jedes für sich in einem Leinensäckel im Wein. Marx Rumpolts Kochbuch von 1581 bringt dieselbe Maßnahme mit „ein Pfundt gestossenen Rautensamen“ auf „einem Fuder Weins“, dazu ein Viertel Zucker. Das Pfund ist also das Gewicht des Samens; ob Rasch ebenfalls an ein Fuder denkt, sagt sein Text nicht. Heute würde man ein solches Pulver in einem Leinensäckchen einhängen, wie es der vorige Eintrag verlangt.

Stark und berauschend? Heutige Einordnung: Rautensamen bringt keinen nennenswerten Zucker in den Wein, der vergären könnte, und erhöht den Alkoholgehalt nicht. Was er abgibt, ist ein kräftiger, bitterer Würzgeschmack. Raschs Satz, der Wein mache davon „auch betrunken“, lässt sich so nicht bestätigen.

Praxis. Nicht nachmachen. Die Weinraute (Ruta graveolens) gilt innerlich in größerer Menge als giftig, ihr Saft kann auf der Haut zusammen mit Sonnenlicht Reizungen auslösen. Ein Pfund ihrer Samen gehört nicht in ein Getränk.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-028-orig" n="etlich pulueriern Rautenſamen/ vnd hencken" resp="#fyndling" subtype="philological">„Etliche pulverisieren Rautensamen und hängen“: „etlich“ ist substantiviertes Subjekt (FWB etlich 1 „irgendjemand“; Fischer, Augsburger Chronik „Etlich Leut mainen …, etlich mainen“), beide Verben stehen in der 3. Person Plural. Rasch berichtet einen Brauch anderer, wie in „Ebenso sagen etliche“ an anderer Stelle im Buch.<list type="alternatives"><item>„Etliche Rautensamen pulverisieren und ein Pfund in den Wein hängen“ als Anweisung<note type="rationale">„etlich“ wäre dann Attribut zu Rautensamen. Dagegen sprechen die Pluralformen der Verben und das folgende feste „ein pfund“, das zu einer unbestimmten Menge „etliche“ nicht passt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-028-orig" n="hencken ein pfund in wein" resp="#fyndling" subtype="contextual">Ein Pfund des Pulvers wird in den Wein gehängt; ein Behältnis nennt der Eintrag nicht, die Übersetzung ergänzt keines.<list type="alternatives"><item>in einem Leinensäckel eingehängt<note type="rationale">Der vorige Eintrag hängt Zucker und Hirschhorn „in einem leinen ſaͤckel in wein“, Rumpolt (rum-1950) hängt in der ersten Fassung ebenfalls im Säcklein. Lose Pulver lässt sich kaum „hängen“, die Lesart liegt nahe, steht aber nicht hier.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-029-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Essigansatz aus frisch gepresstem, geseihtem Saft saurer Trauben, dem wenig alter Wein beigegeben wird; der Ansatz wird, sooft er sich setzt, vom Bodensatz abgezogen. Mengen, Gefäß, Wärme und Dauer nennt Rasch nicht.

Der alte Wein. Rasch begründet die Zugabe nicht. Heutige Einordnung: Ein alternder Wein trägt die Essigbakterien in den frischen Saft, er stellt den Essig an. Die Parallelen in der Kölner und der Solothurner Küchenmeisterei und bei Rumpolt nehmen an dieser Stelle alten oder anderen Essig.

Gärung und Säure. Nach heutigem Wissen muss Traubensaft erst alkoholisch gären, bevor daraus Essig wird; der Text trennt diese Stufen nicht, das wiederholte Absetzen von Hefe und Geläger fällt in diese Zeit. Saure, unreife Trauben haben wenig Zucker, der Essig daraus wird entsprechend mild.

Praxis. Heutiger Hinweis, nicht aus dem Text: Essig bildet sich nur mit Luft, also in einem weiten, mit einem Tuch abgedeckten Gefäß statt in einem verschlossenen; Rasch selbst setzt im nächsten Eintrag ein nur halbvolles Fass an Sonne oder Feuer. Abgezogen wird vorsichtig, damit der Bodensatz liegen bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-029-orig" n="Hefe oder Geläger" resp="#fyndling">Zwei Wörter für den Bodensatz, der sich im Ansatz absetzt. „Geläger“ ist das, was sich im Fass unten lagert, die Weinhefe.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-029-orig" n="raͤſſen" resp="#fyndling" subtype="lexical">„räß“ = sauer, scharf: Schmeller (II, 137) „räß, scharf“, Frisch „beißend, scharf, als Meer-Rettich, Eßig“ (acidus, acer). Die Parallelen haben „die allersauersten“ Trauben.<list type="alternatives"><item>unreif<note type="rationale">Rumpolts Fassung desselben Verfahrens sagt „vnzeitige Weinbeer“; sachlich sind saure Trauben meist unreife, das Wort selbst bezeichnet aber den Geschmack.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-029-orig" n="thue es alſo offt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das Absetzenlassen und Abziehen wird wiederholt, bis der Essig fertig ist; nur das steht bei Rasch.<list type="alternatives"><item>Bei jedem Abziehen frisch gepressten Saft nachfüllen.<note type="rationale">So verstehen es die Kölner und die Solothurner Küchenmeisterei („thu mere der vsz getruckten suer wimbere dar Inn“); Rasch nennt das Nachfüllen nicht, deshalb nicht in die Übersetzung.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-030-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Essig aus altem Wein ohne jeden Zusatz. Rasch setzt nur zwei Bedingungen: Das Fass ist halb voll, und es liegt in der Wärme, an der Sonne oder lieber am Feuer.

Halb voll. Eine Begründung gibt der Text nicht. Heutige Einordnung: Essigsäurebakterien brauchen Luftsauerstoff, um den Alkohol des Weins zu Essigsäure umzusetzen, und das halb leere Fass lässt Luft über dem Wein. Ob das Fass dabei offen bleibt oder verspundet wird, sagt Rasch nicht; im nächsten Eintrag wird das Gefäß ausdrücklich verschlossen, hier fehlt jede Angabe.

Sonne oder Feuer. Rasch zieht das Feuer vor. Gemeint ist ein Platz in seiner Wärme; die Parallelfassung der Küchenmeisterei sagt ausdrücklich, man solle es „am warmen“ stehen lassen. Heute weiß man, dass Wärme die Essigbildung beschleunigt.

Wie lange? Rasch nennt keine Zeit, nur „biß es zu eſſig wird“. Ein Kennzeichen für das Ende gibt er nicht; man erkennt es am Geruch und Geschmack.

Praxis. Heute (modern, nicht im Text): ein Gefäß aus Glas, Steingut oder Holz zur Hälfte mit Wein füllen, die Öffnung nur mit einem Tuch abdecken und warm stellen. Ein Schuss ungefilterter Essig als Starter hilft; Raschs nächster Eintrag nimmt dafür ein Gefäß, das schon nach Essig riecht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-031-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eines der kurzen Essigverfahren aus Raschs Essigkapitel: Ein Gefäß, das von früherem Wein oder Essig nach Essig riecht, wird halb gefüllt, gut verschlossen und eine Weile im siedenden Wasser erhitzt. Womit gefüllt wird, sagt Rasch nicht; die Parallelfassungen gießen Wein ein.

Der Verschluss. „wol vermacht vñ verduppelt oder verſtopfft“: gut verschlossen, doppelt oder mit einem Stopfen. Woraus Deckel oder Stopfen bestehen, sagt der Text nicht.

Heutige Einordnung. Essig entsteht nach heutigem Wissen, wenn Essigsäurebakterien den Wein mit Luft bei mäßiger Wärme umsetzen. Das fest verschlossene Gefäß und die Siedehitze widersprechen beidem; dass auf diese Weise Essig entsteht, lässt sich nicht nachvollziehen.

Vorsicht. Ein fest verschlossenes Gefäß im siedenden Wasser steht unter Druck: Der Stopfen kann herausfliegen, ein Krug oder eine Flasche kann springen.

Praxis. Als Versuch nur mit lose aufgesetztem Verschluss nachstellen (heutige Vorsichtsmaßnahme, nicht Raschs Anweisung). Wer brauchbaren Essig will, setzt ihn heute offen mit Essigmutter bei Zimmerwärme an.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-031-orig" n="fuͤlls halb vol an" resp="#fyndling" subtype="contextual">Womit das Gefäß halb gefüllt wird, sagt Rasch nicht; gemeint ist Wein. Das Kapitel handelt vom Essig aus Wein, und die Parallelfassungen gießen ausdrücklich Wein ein (Solothurner und Kölner Küchenmeisterei, Böhmisches Kochbuch). Die Übersetzung lässt das Objekt wie der Text offen.<list type="alternatives"><item>Gefüllt wird mit altem Wein oder Essig.<note type="rationale">Nicht gewählt: 'von einem alten wein her / oder eſſig' erklärt, woher der Essiggeruch des Gefäßes kommt; die Parallelen haben an derselben Stelle 'von altem essig schmeckt' als Beschreibung des Gefäßes.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-031-orig" n="verduppelt" resp="#fyndling" subtype="lexical">verdoppelt (frühneuhochdeutsch doppeln, verdoppeln = zweifach machen): das Gefäß wird doppelt verschlossen. Wie, sagt der Text nicht.<list type="alternatives"><item>ein weiteres, eigenes Wort für Verschließen<note type="rationale">Kein Wörterbuchbeleg für eine solche Bedeutung; die Parallelfassungen haben nur 'verstopf ... wol'.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-032-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein kurzer Ansatz für Weinessig: Wein in einem nur halb gefüllten Topf, ein säuerliches Roggenstück im Leinentuch als Starter, dazu Wärme vom Feuer. Rasch nennt weder eine Dauer noch ein Zeichen, woran man den fertigen Essig erkennt, und sagt nichts über einen Deckel.

Der säuerliche Roggen. Wörtlich steht „säuerliches Roggengetreide“. Die Größenangabe „wie ein Ei oder eine Faust“ und das Einwickeln sprechen für eine formbare, schon gesäuerte Masse, also Sauerteig. Die Kölner und die Solothurner Küchenmeisterei beschreiben rund hundert Jahre früher dasselbe Verfahren und sagen dort ausdrücklich „rocken Suerteig eins eyes grois“.

Warm, nicht kochen. „Daß es wol erwärme“ heißt: gut warm werden lassen. Anders als die ältere Fassung, in der der Topf „ein wenig sieden“ soll, lässt Rasch den Wein nur erwärmen.

Praxis. Nach heutigem Wissen machen Essigsäurebakterien aus Wein Essig, und sie brauchen Luft und Wärme; der halb gefüllte Topf lässt Luft über dem Wein. Ob das Roggenstück selbst den Essig in Gang bringt, ist nicht gesichert. Wer es heute nachmacht, deckt den Topf mit einem Tuch gegen Fliegen ab und hält ihn lauwarm (modern); sicherer setzt man nach heutigem Brauch etwas unpasteurisierten Essig oder eine Essigmutter zu.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-032-orig" n="hafen" resp="#fyndling">Bairisch-österreichisch für Topf, hier das Gefäß, nicht die Hefe.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen"/></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-032-orig" n="ſeurlichtem rocken getraid" resp="#fyndling" subtype="contextual">Ein Stück säuerliche Roggenmasse, wahrscheinlich Sauerteig: Der Text gibt eine Größe „wie ein Ei oder eine Faust“ an und lässt das Stück in ein Tüchlein wickeln, das passt zu einer formbaren Masse. Die ältere Parallele der Kölner Küchenmeisterei sagt an derselben Stelle „rocken Suerteig eins eyes grois“.<list type="alternatives"><item>Gesäuerte Roggenkörner im Tüchlein.<note type="rationale">Wörtlich steht „Getreide“; ein ei- oder faustgroßes Bündel Körner wäre sprachlich ebenfalls möglich, die Parallele spricht aber für Teig.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-033-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Schnellverfahren in zwei Schritten: Zuerst werden Stahlbleche vorbereitet, glühend gemacht, dreimal in gutem Essig abgelöscht und aufbewahrt. Braucht man eilends Essig, wird ein solches Blech wieder glühend gemacht und im Wein abgelöscht. Menge des Weins, Gefäß und Dauer nennt der Text nicht.

Vorbereitung und Gebrauch. „Aufgehalten“ heißt hier aufbewahrt: Die Bleche werden einmal im Essig behandelt und dann für den Bedarf bereitgehalten. Die ältere Parallele sagt es ausdrücklich, „behalt sie zcu diner nottorft“ (k1-160).

Heutige Einordnung. Nach heutigem Wissen wird Wein nicht durch glühendes Eisen zu Essig, sondern dadurch, dass Essigsäurebakterien den Alkohol mit Luft umsetzen. Was das Blech aus dem Essigbad mitbringt, ist höchstens eine Spur Essig; ob die Vorbehandlung als Anstellen gedacht war, sagt der Text nicht. Das Versprechen „so wird essig“ ist Raschs Angabe.

Praxis. Wer das Verfahren vorführen will: Glühendes Metall in Flüssigkeit spritzt und erzeugt heißen Dampf, also mit Abstand und Zange arbeiten. Modern: nur blankes, unbeschichtetes Stahlblech glühen, kein verzinktes oder lackiertes.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-033-orig" n="abgeleſcht" resp="#fyndling">Abgelöscht: das glühende Metall in eine Flüssigkeit tauchen, bis es abkühlt, wie beim Abschrecken in der Schmiede.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-033-orig" n="dieſelben blech alſo auffgehalten" resp="#fyndling" subtype="lexical">„aufgehalten“ = aufbewahrt, bereitgehalten: Die Bleche werden einmal vorbereitet und für den Bedarf aufgehoben. Grimm (DWB, aufhalten 2) führt „conservare, behalten, bewahren, aufbehalten, aufheben“ mit dem Beleg „das reine aber halte auf zur notturft“; die Parallelen k1-160 und so1-123 haben an derselben Stelle „behalt sie zu diner nottorft“.<list type="alternatives"><item>„aufgehalten“ = in die Höhe gehalten<note type="rationale">Die sinnlichste Bedeutung bei Grimm (aufhalten 1), passt aber nicht zur Trennung von Vorbereitung und späterem Gebrauch („vnd wann du eylends …“).</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-034-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eines der kurzen Essigverfahren aus Raschs Essigkapitel: Wein wird in einem reinen Topf gesotten und abgeschäumt, gut verschlossen, im selben Topf drei Tage in die Erde gegraben und danach noch einmal gesotten. Welcher Wein, wie viel und wie lange gesotten wird, sagt Rasch nicht, ebenso wenig, womit der Topf verschlossen wird.

Die älteren Fassungen. Fast wortgleich steht das Verfahren in der Solothurner und der Kölner Küchenmeisterei. Dort ist es alter Wein, der Topf wird in einem Keller in die Erde gegraben, und nach dem Ausgraben lässt man ihn nur „einen kleinen Wall tun“, also kurz aufwallen, und stellt ihn dann hin. Rasch schreibt schlicht „Wein“, „in die Erde“ und „wieder sieden lassen“.

Heutige Einordnung. Essig entsteht nach heutigem Wissen, wenn Essigsäurebakterien den Alkohol des Weins mit Luft umsetzen. Das Sieden und der dicht verschlossene Topf stehen dem entgegen; dass auf diese Weise Essig wird, lässt sich nicht nachvollziehen.

Praxis. Als Versuch lässt sich das Verfahren mit einem sauberen Topf und gutem Verschluss nachstellen. Wer verlässlich Essig will, setzt ihn heute offen mit Essigmutter bei Zimmerwärme an (heutige Praxis, nicht Raschs Anweisung).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-034-orig" n="hafen" resp="#fyndling">Bairisch-österreichisch für Topf, hier das Gefäß, nicht die Hefe.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen"/></note>
        <note type="gloss" target="#ras-034-orig" n="abgefaimbt" resp="#fyndling">Abgeschäumt: den beim Sieden aufsteigenden Schaum abgeschöpft.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-034-orig" n="vermacht" resp="#fyndling">Verschlossen, zugemacht. Womit, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-035-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Pulver aus gedörrten, geriebenen Kornährenspitzen und Traubenkernen, das Wein rasch zu Essig machen soll. Rasch nennt die Mengen nur als „viel“ für die Zutaten und „ein wenig“ für die Gabe in einen Becher oder Napf Wein; Dauer und weitere Arbeitsschritte nennt er nicht.

Die Zutaten. „Eher“ ist das alte Wort für Ähre, die „Spitzlein“ sind die Ährenspitzen; welches Getreide gemeint ist, sagt der Text nicht. Die Traubenkerne sind „ausgedrückt“, stammen also aus gepressten Trauben, aus dem Kelterrückstand.

Die Wirkung. Rasch begründet sie nicht. Heutige Einordnung: Essig entsteht, wenn Essigsäurebakterien mit Luft den Alkohol des Weins umsetzen, und das braucht Zeit. Ein Pulver nur aus gedörrten Pflanzenteilen bringt dafür keinen erkennbaren Ansatz mit. In der älteren Fassung desselben Verfahrens in der Solothurner und der Kölner Küchenmeisterei wird das Kernpulver vorher dreimal mit gutem Essig übergossen, abgegossen und an der Sonne getrocknet; dieser Schritt fehlt bei Rasch.

Praxis. Heutiger Hinweis, nicht aus dem Text: Wer Ähren selbst sammelt, sortiert Mutterkorn aus, die dunklen, hornförmigen Körner, denn es ist giftig. Wer das Verfahren nachstellt, sollte nicht mit Essig im Becher rechnen; verlässlich wird Wein zu Essig, wenn man ihn mit etwas lebendem Essig offen und luftig stehen lässt.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-035-orig" n="Koꝛneher ſpitzlein" resp="#fyndling">Spitzen von Kornähren: „eher“ ist das ältere Wort für Ähre (Lexer, Schmeller, Grimm), „Spitzlein“ die Verkleinerung zu Spitze.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-035-orig" n="außgedꝛuckt weinboͤꝛkoͤꝛnlein" resp="#fyndling">Weinbeerkerne, also Traubenkerne; „ausgedrückt“ heißt, sie stammen aus gepressten Trauben.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-035-orig" n="gaͤhling" resp="#fyndling">Jäh, rasch: ein Essig, den man ohne Wartezeit haben will.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-036-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Bieressig, heute am ehesten ein Malzessig. Rasch nimmt den ersten und besseren Sud eines Biers, macht ihn am Feuer handheiß und setzt weiche Hefe von einem alten Bier zu. Dass mit dem Sud die Würze gemeint ist, also der noch ungegorene Sud, zeigt das fast gleichlautende Rezept der Solothurner Küchenmeisterei, das ausdrücklich „guote bir wurtz“ nimmt.

Hefe und Aufsteigen. Die weiche Hefe ist die feuchte Bodenhefe aus einem Bierfass, also eine lebende Anstellhefe. Das „sieden oder aufsteigen“, das sie bewirkt, ist das Aufschäumen der Gärung, kein Kochen am Feuer. Nach heutigem Verständnis sind das zwei Stufen: Die Hefe vergärt die Würze zu Bier, erst danach säuern Essigsäurebakterien bei Luftzutritt den Alkohol zu Essig. Rasch trennt die Stufen nicht und nennt weder Gefäß noch Abdeckung noch Dauer.

Die Handprobe. Der Sud soll so heiß sein, dass man die Hand kaum darin halten kann, und „darnach“ kommt die Hefe dazu. Ob dazwischen abgekühlt wurde, sagt der Text nicht. Heute würde man den Sud vor der Hefezugabe auf lauwarm abkühlen lassen, weil große Hitze die Hefe schädigt (modern).

Weidenholz. Bleibt der Essig zu schwach, kommt weißes oder rotes Weidenholz hinein. Im folgenden Eintrag begründet Rasch das selbst: Das Weidenholz habe einen sauren Geschmack und deshalb die Kraft, die Säure zu erhalten und zu mehren. Eine heutige Erklärung für die Wirkung ist nicht belegt. Welche Weidenarten mit weiß und rot gemeint sind, lässt sich nicht sicher sagen.

Praxis. Würze aus einem eigenen Sud nehmen, erwärmen und, heute nach dem Abkühlen auf lauwarm, mit flüssiger Bierhefe anstellen. Heutige Praxis, nicht im Text: Für die Säuerung braucht es Luft, also ein weites, mit einem Tuch abgedecktes Gefäß, dazu ein Schuss ungefilterter, unpasteurisierter Essig als Starter. Weidenholz nur unbehandelt und sauber verwenden.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-036-orig" n="ſidend oder auffſteygend" resp="#fyndling">Gemeint ist das Aufwallen und Aufschäumen der Gärung, das die Hefe auslöst, nicht das Kochen am Feuer.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-036-orig" n="praxima" resp="#fyndling" subtype="philological" cert="unknown">Unübersetzt in der Klammer belassen, wie gedruckt. Der Druck setzt das Wort deutlich in lateinischer Schrift; ein Wörterbuchbeleg für diese Form fehlt.<list type="alternatives"><item>Druckfehler für lateinisch „proxima“ (die nächste) oder „prima“ (die erste)<note type="rationale">Würde zu „erster und besserer Sud“ passen, ist aber nur aus dem Zusammenhang erschlossen.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-036-orig" n="ſud" resp="#fyndling" subtype="contextual">Die Würze, der noch ungegorene Sud. Die Parallele der Solothurner Küchenmeisterei nimmt ausdrücklich „guote bir wurtz“, und erst die zugesetzte Hefe bringt den Sud zum Aufsteigen.<list type="alternatives"><item>Fertiges Bier aus dem ersten Sud<note type="rationale">„Sud“ kann auch das gebraute Bier meinen; dann wäre die Hefe nur Starter für die Säuerung. Gegen diese Lesart spricht die Gärung, die Rasch der Hefe zuschreibt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-037-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellertipp für jeden Essig im Fass: Ein Zapfen aus weißem Weidenholz sitzt dicht im Spundloch und ragt lang ins Fass, ohne den Boden zu erreichen. Rasch begründet die Wirkung mit dem Holz selbst, das sauer schmecke und darum die Säure erhalte und mehre.

Das Holz. Die Weißweide ist in Wörterbüchern der Zeit die Silberweide (Salix alba), doch Rasch nennt nur die Farbe, und im Bieressig unmittelbar davor unterscheidet er weißes und rotes Weidenholz. Ob das Holz frisch, trocken oder geschält sein soll, sagt der Text nicht.

Form und Sitz. Oben dick heißt: Der Kegel verschließt das Spundloch. Lang heißt: Er reicht tief ins Fass. Dass er dabei den Essig berührt, sagt der Text nicht ausdrücklich, Raschs Begründung über den Geschmack des Holzes setzt es aber voraus. Eine Dauer nennt er nicht.

Heutiger Blick. Sicher wirksam ist der dichte Verschluss: Er hält Staub und Ungeziefer vom lagernden Essig fern. Dass das Holz selbst Säure abgibt oder mehrt, lässt sich nach heutigem Wissen nicht bestätigen.

Praxis. Wer es nachstellen will, schnitzt aus sauberem, unbehandeltem Weidenholz einen Kegel, der das Spundloch dicht schließt und weit ins Fass reicht, ohne den Boden zu berühren.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-037-orig" n="koͤgel" resp="#fyndling">Kegel: ein konisch zugeschnittenes Holzstück, oben dick, nach unten schmal.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-037-orig" n="faſt nuͤtzen" resp="#fyndling">„fast“ heißt hier „sehr“: Die Zapfen nützen sehr.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-037-orig" n="weyſen Weyden" resp="#fyndling" subtype="lexical">Weiße Weiden, wahrscheinlich die Weißweide oder Silberweide (Salix alba). Das Grimmsche Wörterbuch führt „Weißweide“ als Silberweide (Wirsung 1588); die ältere Parallele nennt ebenfalls „wiß widin holtz“.<list type="alternatives"><item>Eine andere hellrindige Weide oder einfach helles Weidenholz<note type="rationale">Silber- und Korbweide wurden im Volksmund kaum unterschieden, und Rasch gibt nur die Farbe an; im Eintrag davor stellt er weißes neben rotes Weidenholz.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-038-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerregel in zwei Teilen: Anhaltender Donner verändert den Wein, tiefe, gewölbte Keller schützen ihn besser als hölzerne, und vor dem Gewitter legt man ein Eisenblech mit Salz oder einen Kieselstein oben auf die Fässer. Rasch begründet das Mittel nicht.

Getäfelt oder aus Balkenwerk. Gemeint ist die Bauweise des Kellers: mit Holz verkleidet oder aus Balken gezimmert, im Gegensatz zum gemauerten Gewölbe tief in der Erde.

Heutige Einordnung. Eine Wirkung des Donners auf den Wein kennt die Kellerwirtschaft nicht, ebenso wenig eine Wirkung von Blech, Salz oder Stein auf dem Fass. Dass ein tiefer Gewölbekeller dem Wein besser bekommt, passt dagegen zu heutigem Wissen: Er hält die Temperatur gleichmäßiger.

Praxis. Größe des Blechs, Menge des Salzes und wie lange beides liegt, sagt der Text nicht. Wer die Regel nachstellt, legt vor einem Gewitter ein Blech mit etwas Salz oder einen Stein oben auf das Fass.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-038-orig" n="getaͤffelt oder gebint" resp="#fyndling" subtype="lexical">Mit Holz verkleidet oder aus Balkenwerk gezimmert, bezogen auf die Keller. „Gebint“ ist das Gebinde des Zimmermanns: Grimm (GEBINDE 2a) nennt zwei durch Riegel verbundene Säulen ein Gebinde, das Mittelniederdeutsche Wörterbuch „Fach eines Hauses“. Der Gegensatz zu „tieff vnder der erden/ vnd gewelbt“ stützt die Bauweise.<list type="alternatives"><item>„sie“ auf die Weine bezogen, „gebint“ als in Fässer gebunden.<note type="rationale">Das nächste Bezugswort wäre „die wein“, aber „getäfelt“ passt nicht auf Wein, und der Satz vergleicht Kellerbauweisen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-039-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel, um gewässerten Wein wieder vom Wasser zu befreien. Rasch stellt es ohne eigene Quellenangabe in den Abschnitt „Ob Wasser im Wein sei“, direkt hinter eine Probe, an der man erkennt, ob Most gewässert ist: erst prüfen, dann scheiden.

Das Tuch. Der Text verlangt nur zweierlei: Das Leinentuch hängt in der Kanne, und es soll „herauß gehn“, also aus dem Gefäß hinausreichen. Gemeint ist ein Tuch, das im Wein liegt und über den Rand nach außen hängt. Nach Raschs Wortlaut zieht sich das Wasser daran heraus, der Wein bleibt in der Kanne. Wie lange das dauert und woran man das Ende erkennt, sagt er nicht.

Heutige Einordnung. Wasser und Wein mischen sich vollständig, ein Tuch kann sie nicht trennen. Hängt das äußere Ende tiefer als der Flüssigkeitsspiegel, wirkt das Tuch als Docht und leitet Flüssigkeit aus der Kanne, aber die Mischung als Ganzes.

Praxis. Zum Entwässern taugt das Verfahren nicht. Der Eintrag zeigt, was um 1580 über das Scheiden von Wein und Wasser weitergegeben wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-039-orig" n="khandel" resp="#fyndling">Kandel, eine Kanne. Grimm und Frisch führen „Kandel“ als Kanne. Anderswo bezeichnet das Wort auch eine Rinne; hier steht der Wein aber in der „khandel“.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-040-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel für die Zeit der Gärung: Wenn der junge Wein im Fass zu heftig gärt, soll ein kleines Stück Käse, ins Fass geworfen oder gelegt, dieses Aufbrausen brechen, also dämpfen. Gemeint ist nicht jede Gärung, sondern die übermäßige.

Was der Text offenlässt. Rasch nennt keine Käsesorte, keine Dauer und sagt nicht, ob der Käse wieder herauskommt. Eine Begründung gibt er nicht, nur das Versprechen „er wird ein Wunder sehen“. Dasselbe Mittel kennt Rumpolts Kochbuch von 1581, dort, um das Gären ganz zu verhindern, beim Lagern wie beim Transport.

Praxis. Nach heutigem Wissen hält ein Stück Käse eine kräftige Gärung nicht auf. Heute bremst man eine zu stürmische Gärung über die Temperatur. Den Eintrag liest man am besten als Zeugnis dafür, welche Hausmittel im Keller umliefen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-040-orig" n="goͤſen / joͤſen" resp="#fyndling">Der Titel schreibt „gösen“, der Text „jösen“. Beides sind Formen desselben Verbs für das Gären und Aufschäumen von Wein und Bier, verwandt mit „jäsen“ und „gären“.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-041-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine gelehrte Kellerregel zum Umfärben des Weins: Man brennt einen weißen oder einen schwarzen Weinstock zu Asche und legt die Asche in den Wein, der dann die Farbe dieses Weinstocks annehmen soll. Mit dem weißen und dem schwarzen Weinstock sind wohl Reben mit hellen und mit dunklen Trauben gemeint; das ergibt sich aus „nach seiner Farbe“, ein Wörterbuchbeleg für die Wendung fehlt. Rasch begründet das Mittel allein mit der „Natur“ der Weinstöcke und beruft sich auf Palladius und Mizaldus.

Heutige Einordnung. Dass Asche den Wein nach der Traubenfarbe der verbrannten Rebe färbt, ist nach heutigem Wissen nicht zu erwarten; die Asche beider Reben ist grau. Asche trübt den Wein und gehört heute nicht hinein.

Praxis. Menge der Asche, Dauer und ob sie wieder herausgenommen wird, sagt der Text nicht. Zum Nachmachen taugt der Eintrag nicht, er ist ein Zeugnis der gelehrten Kellerkunde.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-041-orig" n="verkehꝛen" resp="#fyndling">Hier mit Objekt: die Farbe verwandeln, in eine andere bringen (Adelung, Grimm). Anders als „sich verkehren“ in Raschs übrigen Kellerregeln, wo der Wein selbst umschlägt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-042-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Das erste von zwei Mitteln unter Raschs Überschrift „Roten Wein weiß machen“: Drei oder vier Körner weißer Weihrauch werden in den Wein gehängt, aber nicht ganz bis auf das Geläger. Das zweite Mittel, Mandelmilch mit Eiweiß und Weizenmehl, schließt im Druck mit „Item“ direkt an (ras-043).

Das Einhängen. Rasch nennt kein Behältnis, keine Weinmenge und keine Dauer, und er begründet nicht, warum die Körner über dem Bodensatz bleiben sollen. Zeitgenössisch belegt ist das Einhängen in einem Säcklein in die Mitte des Weins, so bei Rumpolt für Rosen und Raute (rum-1952); ob Rasch es so meint, sagt er nicht.

Rote Farbe und Brechen. Der Eintrag verspricht zweierlei: Er soll die rote Farbe nehmen und gegen das „Brechen“ helfen, wohl einen Weinfehler, bei dem der Wein umschlägt (siehe die Lesarten). Heutige Einordnung: Dass drei oder vier Harzkörner einen roten Wein weiß machen, ist nicht zu erwarten; wahrnehmbar dürfte vor allem der Duft des Harzes sein. Sonst gebraucht Rasch Weihrauch zum Ausräuchern der Fässer (ras-001).

Praxis. Wer es nachstellen will, hängt die Körner in einem kleinen Leinensäckchen an einer Schnur ein (heutiges Hilfsmittel, der Text nennt keins), so dass es frei im Wein hängt. Räucherharz wird für das Räuchern verkauft, nicht als Lebensmittel; dann nur reines Harz ohne Duftzusätze nehmen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-042-orig" n="geleger" resp="#fyndling">Das Geläger ist der Bodensatz, der sich im Fass unten absetzt. Rasch nennt ihn auch beim Essig neben der Hefe („von hoͤfen oder geleger“).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-042-orig" n="bꝛechen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Ein Weinfehler: Der Wein „bricht“, schlägt also um und wird missfarbig oder trüb. Rasch gebraucht das Wort selbst so: „gebꝛochen wein“ wird auf Buchenspänen in vierzehn Tagen wieder schön (ras-105), und bei der Schaumprobe unterscheidet er den guten vom „bꝛechenhafftigen“ Wein. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt „brech“ als ›Mangel, Fehler‹. Im Text bleibt das Druckwort „Brechen“ stehen, weil nicht sicher ist, welche Erscheinung genau gemeint ist.<list type="alternatives"><item>Erbrechen als Beschwerde des Trinkers<note type="rationale">„gut für“ ist auch die Formel der Heilmittel, und Rasch gebraucht „erbꝛechen“ an anderer Stelle für das Erbrechen des Betrunkenen. Der Eintrag behandelt aber den Wein und steht unter einer Farbüberschrift, deshalb nur Alternative.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-043-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Das zweite Mittel unter Raschs Überschrift „Roten Wein weiß machen“, im Druck mit „Item“ direkt an die Weihrauchkörner angeschlossen (ras-042). Mandelmilch, Eiweiß und Weizenmehl werden verrührt, ins Fass gegossen und dort durchgerührt.

Die Mandelmilch. Rasch schreibt nur „ausgepresst“ und nennt keine Flüssigkeit. In der Küche presst man Mandelmilch aus zerstoßenen Mandeln mit Wasser; das Weinbuch aus Donaueschingen setzt seine Mandelmilch für den Keller „vz dem selben wine“ an, also mit dem Wein selbst (wbd-028). Welche der beiden Arten Rasch meint, sagt der Text nicht.

Wie das wirken soll. Heutige Einordnung: Eiweiß ist bis heute ein gebräuchliches Schönungsmittel. Es flockt im Wein aus, sinkt ab und nimmt dabei Trübstoffe und Gerbstoffe mit, bei Rotwein auch etwas Farbe. Was Mandelmilch und Mehl dazu beitragen, ist nicht belegt. Aus rotem Wein einen weißen zu machen, ist von einer solchen Schönung nicht zu erwarten; eine Aufhellung schon eher. Das Weinbuch aus Donaueschingen kennt dasselbe Verfahren für dasselbe Ziel mit Eiweiß, Semmelmehl und Kuhmilch (wbd-022).

Was der Text offen lässt. Weinmenge, Ruhezeit und Abziehen nennt der Eintrag nicht, er endet mit dem Durchrühren. Beim Klären trüben Weins mit Eiweiß, Mehl und Sand lässt Rasch den Wein danach „etlich tag“ ruhen, damit es sich setzt (ras-007); für dieses Mittel sagt er das nicht.

Praxis. Die Zutaten sind harmlos. Heute würde man den Wein erst klar abziehen, wenn sich der Bodensatz gesetzt hat. Wer so behandelten Wein ausschenkt, sollte wissen, dass Mandel, Ei und Weizen darin waren: alle drei sind heute als Allergene kennzeichnungspflichtig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-043-orig" n="Mandelmilch von 1. pfund khern außgepꝛeſt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Mandelmilch aus einem Pfund Mandelkernen; der Text nennt keine Flüssigkeit, die Übersetzung ergänzt keine.<list type="alternatives"><item>Mit Wasser angesetzt<note type="rationale">So entsteht Mandelmilch in der Küche (Adelung: geschälte, mit frischem Wasser zerstoßene Mandeln). Für den Keller nicht belegt.</note></item><item>Mit dem Wein selbst angesetzt<note type="rationale">Das Weinbuch aus Donaueschingen macht seine Mandelmilch für den Wein „vz dem selben wine“ (wbd-028). Bei Rasch nicht gesagt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-044-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Färbung für Weißwein, der schon auf dem Tisch steht: getrocknete rote Blüten werden in einem Tüchlein in den Wein getaucht und ausgedrückt, bis er rot ist. Nach der Überschrift geschieht das am Tisch, nicht im Fass.

Welche Blumen? Klapperrose ist sicher der Klatschmohn. Die „roten Kornblumen“ sind schwieriger, denn die Kornblume im engeren Sinn blüht blau. Das Grimm'sche Wörterbuch nennt die rote Kornblume als Namen der Klatschrose; dann stehen bei Rasch zwei Namen derselben Blume nebeneinander. Ältere Glossen geben „rote Kornblume“ aber auch für die Kornrade, und der Ménagier de Paris nennt für denselben Kunstgriff neben dem Mohn die Kornrade. Rumpolt führt Kornblumen und Klapperrosen als zwei Mittel auf. Sicher entscheiden lässt sich das nicht.

Praxis. Die Blüten in voller Blüte sammeln, an der Luft trocknen und in ein sauberes Tüchlein geben. Mengen und Dauer nennt der Text nicht: Man taucht ein und drückt aus, bis die Farbe stimmt. Heute nur Klatschmohnblüten nehmen; die Kornrade ist eine Giftpflanze. Das Tüchlein hält die Blütenreste aus dem Wein (heutige Einordnung).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-044-orig" n="Klapper roſen" resp="#fyndling">Klapperrose ist ein alter Name des Klatschmohns (Papaver rhoeas); Adelung erklärt ihn mit dem Klappern der Samen in der reifen Kapsel. Den Nebennamen „Schuelrosen“ nennt Rasch selbst, die Wörterbücher führen ihn nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-044-orig" n="zeytig" resp="#fyndling">„Zeitig“ heißt im Oberdeutschen „reif“. Bei Blüten ist wohl die volle Blüte gemeint.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-044-orig" n="Roth Koꝛnblumen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Klatschmohn. Das Grimm'sche Wörterbuch belegt „die rote kornblume ist die klatschrose“; die Kornblume im engeren Sinn blüht blau. Rasch stellt dann zwei Namen derselben Feldblume nebeneinander, „oder Klapper roſen“ ist die Gleichsetzung.<list type="alternatives"><item>Kornrade (Agrostemma githago)<note type="rationale">Megenberg glossiert „nigella“ als „rôteu kornpluom“, und der Ménagier de Paris nennt für dieselbe Färbung neben dem Mohn die „neelle“, die Kornrade. Dann wären es zwei verschiedene rote Feldblumen.</note></item><item>eine rot blühende Form der Kornblume (Centaurea cyanus)<note type="rationale">Campe kennt rote Gartenformen erst um 1800; für Rasch nicht belegt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-045-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellerkniff zum Umfärben: Weißwein soll mit einem Pulver aus steinhart gesottenem Honig rot werden. Rasch nennt weder Mengen noch eine Dauer.

Der Honig „hart wie ein Stein“. Der Text sagt nur, der Honig werde gesotten, bis er steinhart ist, danach ausgedörrt und zu Pulver gestoßen. Eine Zugabe von Wasser oder Wein nennt er nicht. Dieselbe Anweisung bei Sebiz (1579) spricht davon, den Honig zu „rösten“, bis er steinhart ist, also ebenfalls ohne Flüssigkeit. Heute eingeordnet: So weit eingekochter Honig erstarrt beim Abkühlen glasartig und ist dunkel gefärbt. In diesem Zustand ist er sehr heiß und haftet auf der Haut, Verbrennungen sind die eigentliche Gefahr bei der Arbeit.

Die Farbe. Rasch verspricht roten Wein „ohne allen Schaden“. Nach heutiger Erwartung, nicht erprobt, gibt das Pulver dem Wein eher eine bräunliche bis bernsteinfarbene Tönung und Süße. Wie stark der Effekt ist, hängt an der Menge Pulver, und die nennt der Text nicht.

Praxis. Wer es nachstellen will, kocht eine kleine Menge Honig ohne Zugabe ein, bis eine Probe beim Abkühlen hart bricht (heutiges Hilfsmittel: Probe auf einem kalten Teller), lässt die Masse vollständig trocknen und stößt sie im Mörser zu Pulver. Das Pulver nach und nach in eine kleine Menge Weißwein rühren und die Farbe beobachten. Mengen sind eigene Wahl.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-046-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Mittel, weißen Wein rot zu färben. Die Wurzel eines Ampfers wird frisch oder getrocknet in den Wein gelegt. Rasch stellt es als die bequemere Variante neben das Honigpulver des vorigen Eintrags: Dort muss Honig steinhart gesotten, getrocknet und gestoßen werden, hier genügt die Wurzel, „mit geringer muͤhe“.

Was der Text offenlässt. Rasch nennt keine Menge, keine Dauer, sagt nicht, ob die Wurzel zerkleinert oder wieder herausgenommen wird, und legt sich auf keine Ampferart fest. Die Überschrift der Nummer, „am tiſch“, spricht für ein Färben beim Ausschank, nicht im Fass. Ob und wie kräftig eine Ampferwurzel Wein tatsächlich rot färbt, sagt der Text nicht, und es ist hier nicht geprüft.

Praxis. Wer es nachstellen will, legt heute eine gewaschene Wurzel in ein Glas Weißwein und beobachtet die Farbe. Das ist ein moderner Versuch, keine Angabe Raschs.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-046-orig" n="allerley Ampffer geſchlecht" resp="#fyndling">„Geschlecht“ meint hier die Art: gemeint sind alle Ampferarten. Adelung nennt den Ampfer ein „Pflanzengeschlecht“, die Gattung Rumex, der Name gelte aber vor allem dem Sauerampfer.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-047-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel gegen Wein, der sauer geworden ist. Ein Topf wird mit gutem Wasser gefüllt, sorgfältig verschlossen und in den Wein gelegt. Nach dem dritten Tag soll das Wasser den sauren Geschmack an sich gezogen haben und der Wein wieder so sein wie vorher.

Was der Text offenlässt. Rasch sagt nicht, womit der Topf verschlossen wird, wie groß er ist, ob der Wein dabei im Fass liegt und ob der Topf danach wieder herauskommt. Die Begründung ist seine eigene: Das Wasser zieht den Geschmack an sich.

Praxis. Nach heutigem Wissen nimmt ein verschlossener Topf Wasser dem Wein weder Säure noch Fehlgeschmack ab; ein sauer gewordener Wein lässt sich so nicht wieder gut machen. Nachstellen lässt sich das Mittel gefahrlos, es zeigt aber nur, wie man sich die Behandlung des Weinfehlers vorstellte.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-047-orig" n="hafen" resp="#fyndling">Bairisch-österreichisch für Topf, hier das Gefäß, nicht die Hefe.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen"/></note>
        <note type="gloss" target="#ras-047-orig" n="vermach denſelben mit fleiß" resp="#fyndling">Verschließe ihn sorgfältig. Womit, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-048-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel gegen Wein, der säuerlich geworden ist: Kichererbsen werden mit Öl bestrichen, gekocht und zu einem dicken Mus zerrieben, ein halbes Pfund davon kommt in den Wein. Innerhalb eines Tages soll sich der saure Geschmack verändern. Eine Begründung gibt Rasch nicht.

Oliven oder Olivenöl. Gedruckt steht „mit Oliuen“. Die Wörterbücher kennen das Wort nur für die Frucht und den Ölbaum; dass Öl gemeint ist, folgt aus dem Verb: Bestreichen lässt sich mit einem Fett, nicht mit Früchten.

Was der Text offenlässt. Auf wie viel Wein das halbe Pfund kommt, sagt Rasch nicht, ebenso wenig, ob der Wein dabei gerührt wird und ob der Brei danach herauskommt oder der Wein abgezogen wird. Ob „säuerlich“ einen beginnenden Essigstich meint oder nur einen sauren Wein, bleibt offen.

Praxis. Nach heutigem Wissen nimmt ein Brei aus Hülsenfrüchten dem Wein die Säure nicht. Der Eintrag ist ein Zeugnis dafür, welche Hausmittel im Keller umliefen. Wer ihn heute ausprobiert, nimmt dafür besser eine kleine Menge Wein als ein ganzes Fass.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-048-orig" n="Ziſern" resp="#fyndling">Kichererbsen. Ältere Namen sind Ziser und Zisererbse, aus lateinisch cicer.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-048-orig" n="Oliuen" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Olivenöl: Bestreichen setzt ein Fett voraus; gedruckt ist nur „Oliuen“, ohne „Öl“.<list type="alternatives"><item>die Früchte, Oliven<note type="rationale">Das ist der Wortsinn in den Wörterbüchern (Grimm, Frühneuhochdeutsches Wörterbuch, Adelung); mit Früchten lässt sich aber nichts bestreichen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-049-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel aus Raschs nummerierter Reihe gegen Weinfehler: Reiner Weizen kommt in ein Säckchen, das Säckchen hängt im Fass und wird wieder herausgezogen. Der Weizen bleibt also nicht im Wein. Rasch begründet das Mittel selbst: Der Weizen ziehe alles Stinkende an sich.

Was der Text offenlässt. Die Menge richtet sich nur „nach der Größe des Fasses“, eine Zahl fehlt. Wie lange das Säckchen hängt, sagt Rasch nicht. Offen bleibt auch, ob ganze Körner oder gestoßener Weizen gemeint ist; im Bierteil hängt Rasch gegen Fassgestank ein Bündel von fünfunddreißig Weizenkörnern ins Fass (ras-136), an anderer Stelle zerstößt er den Weizen (ras-134).

Welcher Fehler? Rasch nennt den Wein nur „stinkend und verdorben“. Eine heutige Fehlerbezeichnung lässt sich daraus nicht sicher ableiten.

Praxis. Heutige Einordnung: Dass Weizen im Säckchen einen Fehlgeruch merklich aus dem Wein nimmt, ist nicht belegt. Bedenkliche Zusätze kommen nicht vor. Wer es nachstellen will, muss Menge und Dauer selbst wählen und am Geruch prüfen, wann das Säckchen herauskommt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-049-orig" n="darnach darauß gezogen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das Säckchen wird nach einer nicht genannten Zeit wieder aus dem Fass gezogen; der Text gibt keine Dauer an.<list type="alternatives"><item>Herausziehen, sobald der Gestank weg ist<note type="rationale">Liegt in der Begründung nahe, steht aber nicht da; als heutige Praxis in der Zubereitungsnotiz genannt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-050-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel gegen verdorbenen Wein: Man zieht ihn in ein anderes, gut gesäubertes Fass ab, das vorher mit einem warmen Sud aus Würzpflanzen sorgfältig ausgewaschen wurde. Rasch verspricht davon Farbe, Geruch und Geschmack. Welcher Fehler den Wein verdorben hat, sagt er nicht.

Der Sud. Gesotten werden Lorbeer, Myrrhe, Basilikum und Nussblätter, oder statt dessen blaue Lilienwurz oder Wacholderbeeren. Die Lilienwurz ist der Wurzelstock einer blau blühenden Schwertlilie, die Myrrhe ein Harz aus dem Gewürzhandel. Mengen, Siededauer und ob die Pflanzen frisch oder getrocknet sind, nennt der Text nicht.

Was das Abziehen leistet. Heutige Einordnung: Das Umziehen in ein sauberes Fass gehört bis heute zu den ersten Schritten bei einem fehlerhaften Wein, weil es ihn vom alten Holz trennt. Der warme Sud gibt dem frisch gewaschenen Holz Duftstoffe mit, die der Wein aufnimmt. Ob das den Fehler behebt oder nur überdeckt, lässt sich aus dem Text nicht entscheiden.

Praxis. Zum Nachstellen fehlen die Mengen. Ein leeres, sauberes Fass mit dem warmen Sud ausspülen, dann den Wein umfüllen. Für die blaue Lilienwurz entspricht die getrocknete Veilchenwurzel aus dem Handel am ehesten der Droge (heutiger Hinweis, nicht im Text).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-050-orig" n="blaw Lilienwurtz" resp="#fyndling">Der Wurzelstock einer Schwertlilie (Iris), so FWB und Grimm („radix iridos“). Blau meint die Blüte; die weiße Gartenlilie ist nicht gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-050-orig" n="Reckholderboͤꝛ" resp="#fyndling">Reckholder ist ein oberdeutscher Name des Wacholders, die „Reckholderbör“ sind Wacholderbeeren. An anderen Stellen nennt Rasch den Wacholder „Kranewitt“.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-051-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel aus dem Abschnitt über verdorbene Weine: Eine Pomeranze oder Zitrone wird rundum mit Gewürznelken bespickt und so ins Fass gehängt, dass sie über dem Wein hängt, ohne ihn zu berühren. Rasch verspricht davon Geschmack, Geruch und Farbe, und dass der Wein weder schal noch zäh wird.

Die beiden Fehler. „Saiger“ heißt im Bairischen matt und schal; Schmeller und Lexer führen es eigens für umgeschlagenen Wein. Mit „sauer“ ist es nicht gleichzusetzen: Für sauren Wein gebraucht Rasch im unmittelbar folgenden Satz das eigene Wort. „Zäh“ ist ein eigener Weinfehler. Heutige Einordnung: Beim Zähwerden wird der Wein dickflüssig und zieht Fäden; ob Rasch genau diesen Fehler meint, sagt der Text nicht.

Was die Frucht leisten kann. Heutige Einordnung: Frucht und Nelken hängen im Luftraum des Fasses und geben dem Wein nur ihren Duft ab. Geruch und Geschmack können sich dadurch ändern. Wie die Farbe besser werden soll, wenn die Frucht den Wein nicht berührt, erklärt der Text nicht. Einen Schutz vor dem Schal- oder Zähwerden lässt das nach heutigem Wissen nicht erwarten.

Praxis. Der Text nennt weder die Zahl der Nelken noch, wie die Frucht befestigt wird und wie lange sie hängt. Sicher ist nur: Über dem Wein muss Luftraum bleiben, damit die Frucht frei hängt. Heutiger Hinweis: Eine gespickte Frucht im feuchten Fass kann schimmeln und sollte deshalb im Auge behalten werden.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-051-orig" n="Pomerantz" resp="#fyndling">Die Pomeranze ist die Bitterorange (Citrus aurantium), so das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch und Adelung.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-051-orig" n="ſaiger" resp="#fyndling">Matt, schal, von umgeschlagenem Wein (Schmeller: „saiger, seiger, matt, schal“; Lexer: „besonders von umgeschlagenem, verdorbenem Weine“). Nicht dasselbe wie sauer.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-051-orig" n="Citran apffel" resp="#fyndling" subtype="lexical">Zitrone im alten, weiten Sinn: Frisch setzt „malum citreum, Citrone, Citronat-Apfel“ gleich, die Parallele bei Sebiz 1579 schreibt „Citronatapffel“.<list type="alternatives"><item>Zitronatzitrone (Citrus medica)<note type="rationale">Citronat bezeichnet später die eingemachte Schale dieser Frucht; ob Rasch sie von der Zitrone unterscheidet, lässt der Text nicht erkennen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-052-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel, das sauer gewordenen Wein und sogar Essig wieder zur Natur des Weins zurückbringen soll. Rasch nennt zwei Wege: Lauchsamen, oder die Blätter der Weinrebe samt ihren Spitzen, die man in den Wein oder Essig wirft.

Was der Text offenlässt. Mengen und Dauer fehlen. Beim Lauchsamen sagt der Satz nicht einmal, wie er in den Wein kommt, nur dass man es damit „ausrichten“ kann. Ob Samen oder Laub danach wieder herauskommen, ob der Wein dabei im Fass liegt und ob die Blätter frisch sein müssen, steht nicht da.

Praxis. Heutige Einordnung: Aus Essig wird durch eingelegte Samen oder Blätter kein Wein, und ein essigstichiger Wein wird so nicht wieder gesund. Nachstellen lässt sich das Mittel gefahrlos an einer kleinen Menge; es zeigt, wie man sich die Behandlung des Weinfehlers vorstellte.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-052-orig" n="zincken (ſpitzen)" resp="#fyndling">Zinken sind Zacken oder Spitzen (Lexer: „zacken, zinke, spitze“); der Druck erklärt das Wort selbst mit „spitzen“. Gemeint sind wohl die jungen Triebspitzen der Rebe.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-053-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein kurzer Kellerratschlag: Ein schwacher Wein soll durch drei Pflanzen im Fass zu einem erlesenen Wein werden. Rasch nennt die Pflanzen und je eine Handvoll, sonst nichts: keine Fassgröße, keine Dauer, kein Säckchen, kein Abziehen.

Die Steinfeder. In Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts ist Steinfeder ein Name des Widerthon, lateinisch trichomanes, heute Brauner Streifenfarn (Asplenium trichomanes). Das passt zu den „Blättern“, die Rasch verlangt. Die Deutung als Federgras stammt erst aus Wörterbüchern um 1800.

Was die Zugabe bewirkt. Rasch verspricht nur das Ergebnis, eine Begründung gibt er nicht. Heutige Einordnung: Eppich und Fenchelsamen geben dem Wein Duft und Geschmack ab, Alkohol oder Körper bringen sie nicht. Die Besserung liegt also im Geschmack, nicht in der Stärke.

Praxis. Wer es heute an einem kleinen Gebinde versucht (modern), gibt die Pflanzen in ein sauberes Leinensäckchen, damit sie sich wieder herausnehmen lassen, und probiert den Wein regelmäßig, weil der Text weder Dauer noch Menge je Fass nennt.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-053-orig" n="Eppich" resp="#fyndling">Eppich ist im Frühneuhochdeutschen meist der Sellerie (Apium graveolens); das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch kennt daneben die Petersilie. Gemeint sind hier die Blätter.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-053-orig" n="Stainfeder" resp="#fyndling" subtype="lexical">Brauner Streifenfarn (Asplenium trichomanes). Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts führen „Steinfeder“ als Namen des Widerthon, lateinisch trichomanes (Wirsungs Arzneibuch 1588 und Megiser 1603 nach Grimm; Cordus nach Pritzel/Jessen). Das passt zu „Bletter“.<list type="alternatives"><item>Federgras (Stipa pennata)<note type="rationale">Campe (1807) nennt als zweite Bedeutung das Steinfedergras, nach Nemnich um 1800. Für das 16. Jahrhundert ist das nicht belegt, und Blätter eines Grases wären eine ungewöhnliche Angabe.</note></item><item>Engelsüß (Tüpfelfarn, Polypodium vulgare)<note type="rationale">Ebenfalls ein Farn an Steinen, aber kein Wörterbuch führt ihn unter dem Namen Steinfeder.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-053-orig" n="koͤſtlichen" resp="#fyndling" subtype="lexical">„erlesen“: Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch gibt für köstlich „wertvoll, erlesen, von höchster Qualität“.<list type="alternatives"><item>„köstlich“ im heutigen Sinn von wohlschmeckend<note type="rationale">Die Geschmacksbedeutung ist jünger; Rasch stellt den guten, wertvollen Wein dem schwachen gegenüber.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-054-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Die kürzeste Eiweißkur in Raschs Weinbuch: 6 oder 7 Eiweiß werden in den trüben Wein geworfen und gut durchgerührt. Wie viel Wein das ist, wie lange er danach steht und ob er vom Bodensatz abgezogen wird, sagt der Text nicht.

Das Eiweiß. Gemeint ist das rohe Eiklar. Anders als im folgenden Eintrag wird es nicht vorher geschlagen, bis es schäumt, und anders als in der großen Kur mit 24 Eiweiß auf ein Fuder kommen weder Mehl noch Sand dazu.

Was dabei geschieht. Heutige Einordnung: Hühnereiweiß wird bis heute zum Schönen von Wein verwendet; es flockt im Wein aus und nimmt beim Absinken Trübstoffe mit. Das kräftige Rühren verteilt es im ganzen Wein.

Praxis. Heute lässt man den geschönten Wein ruhen und zieht ihn danach vom Trub ab (modern); Rasch nennt beides an dieser Stelle nicht. Die Menge Eiweiß muss man selbst auf das Gebinde abstimmen, weil der Text keine Weinmenge angibt. Reste von rohem Eiweiß können im Wein bleiben, das ist für Menschen mit Eiallergie von Belang.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-054-orig" n="Weinſchencks" resp="#fyndling">Der Weinschenk ist der Wirt, der Wein ausschenkt. Lexer gibt das Wort mit lateinisch caupo (Schankwirt) wieder, Grimm führt es seit althochdeutscher Zeit.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-054-orig" n="zu Orleans in Pariß" resp="#fyndling" subtype="contextual">Wörtlich übersetzt: ein Weinschenk „zu Orleans in Paris“. Der Druck lässt offen, wie die beiden Orte zusammengehören, die Übersetzung löst das nicht auf.<list type="alternatives"><item>Ein Weinschenk aus Orléans, der in Paris tätig war.<note type="rationale">Möglich, wenn „zu Orleans“ die Herkunft und „in Paris“ den Ort der Schenke meint; ein Beleg dafür liegt nicht vor, die lateinische Vorlage bei Mizaldus ist nicht eingesehen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-055-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Schönung mit Eiweiß. Rasch rührt das Eiweiß für sich lange und oft durcheinander, lässt den Schaum vergehen und gibt es dann in das Fass mit dem kranken Wein. Eine Menge nennt er nicht, nur „etlich“; im Eintrag davor nimmt er 6 oder 7 Eiweiß gegen trüben Wein, ebenfalls ohne die Weinmenge zu nennen.

„treib es ab“. Gemeint ist das Durcharbeiten des Weins im Fass: Für das Abziehen in ein anderes Fass sagt Rasch im selben Kapitel „abzeuchen“, und in der bairischen Mundart heißt „abtreiben“ bis heute rühren. Rumpolt beschreibt 1581 dasselbe Verfahren und schreibt an dieser Stelle „zerschlag jn sehr“; den Wein lässt er erst danach ab. Ruhezeit und Abstich nennt Rasch nicht.

Heute. Nach heutigem Wissen flockt Eiweiß im Wein mit Gerbstoffen und Trübteilchen aus und sinkt mit ihnen zu Boden. Deshalb hilft es gegen Trübung; einen im Geschmack verdorbenen Wein macht es nicht wieder gut. Heute bestimmt man die Menge mit einer Vorprobe im Kleinen und zieht den geklärten Wein vom Bodensatz ab.

Praxis. Kellerarbeit am Fass, nichts für die Lagerküche. Rohes Hühnereiweiß ist ein Allergen; wer einen so geschönten Wein ausschenkt, sagt das dazu.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-055-orig" n="abgefalnen" resp="#fyndling">Vom Wein: an Kraft verloren, schal geworden. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt für „abfallen“ die Bedeutung „abnehmen, zurückgehen“, und Rumpolt nennt 1581 „abgefallen Wein“ in einem Abschnitt über schal gewordenen Wein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-055-orig" n="treib es ab" resp="#fyndling" subtype="lexical">Den Wein im Fass durcharbeiten, also das Eiweiß einrühren. Für das Abziehen sagt Rasch im selben Kapitel „abzeuchen“; bairisch „abtreiben“ heißt rühren, schaumig rühren (Bayerisches Wörterbuch, heutige Mundart); Rumpolt hat an derselben Stelle „zerschlag jn sehr“ und lässt den Wein erst danach ab.<list type="alternatives"><item>Den Wein vom Trub abziehen.<note type="rationale">So endet eine Schönung im Keller gewöhnlich. Die Wörterbücher (Grimm, Adelung, Frühneuhochdeutsches Wörterbuch) führen für „abtreiben“ aber keine Bedeutung „Wein abziehen“, und Rasch nennt keine Ruhezeit davor.</note></item><item>Den Fehler aus dem Wein vertreiben.<note type="rationale">„abtreiben“ heißt allgemein wegtreiben, vertreiben (Adelung, Grimm). Dann wäre „es“ der Fehler, nicht der Wein; der Satzbau gibt das schwerer her.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-055-orig" n="laß ſie verſchaumen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Den Schaum vergehen lassen. Grimm und Adelung erklären „verschäumen“ als „zu schäumen aufhören“, Adelung mit dem Beispiel „der Honig hat verschäumt“; „sie“, das Eiweiß, ist Subjekt.<list type="alternatives"><item>Das Eiweiß abschäumen.<note type="rationale">Dasypodius übersetzt „verschäumen“ mit despumare, abschäumen. Das ist transitiv und passt nicht zu „laß sie verschaumen“.</note></item><item>Das Eiweiß zu Schaum werden lassen.<note type="rationale">Liegt nach dem langen Rühren nahe, ist für die Vorsilbe ver- aber nicht belegt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-056-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Mittel für verdorbenen, „abgefallenen“ oder trüben Wein. „Deßgleichen“ knüpft an den vorigen Eintrag an, in dem lange geschlagenes Eiweiß solchen Wein bessert; die gerösteten Nusskerne sollen dasselbe leisten. Woran man den Erfolg erkennt, sagt Rasch selbst: an der Farbe des Weins.

Die Nüsse. Zwölf alte Walnusskerne werden an einen Faden gebunden, in der heißen Asche geröstet und noch warm in den Wein gelegt. Der Faden hält sie zusammen. Rasch nennt weder die Weinmenge noch die Röstdauer, und wie lange die Kerne im Wein bleiben, entscheidet allein die Farbe.

Bessern, nicht umfärben. Die Farbe ist hier Maßstab, nicht Ziel für sich: Dasselbe Mittel steht bei Sebiz (1579) mit der Angabe, man solle die Kerne darin lassen, bis der Wein „seine vorige geſtallt oder farbe“ wiederhat. Ob geröstete Walnusskerne einen umgeschlagenen Wein tatsächlich bessern, ist nicht geprüft.

Praxis. Als heutiger Versuch reicht ein kleiner Krug Wein; die Asche von den Kernen abzuschütteln ist ein moderner Rat, kein Wort Raschs. Walnüsse sind ein verbreitetes Allergen, ein so behandelter Wein enthält Bestandteile davon.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-056-orig" n="Eines Weinſchencks ſecretet" resp="#fyndling">„Secret“ heißt Geheimnis, geheimes Verfahren, Geheimmittel (Mittelniederdeutsches Wörterbuch). Der Druck trennt „ſecre-“ am Zeilenende und setzt „tet“ in die nächste Zeile; gemeint ist „secret“, wie im Eintrag davor die „ſecreten“ des Weinschenken zu Orleans.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-056-orig" n="biß dir des weins farb wird gefallen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Die Farbe ist der Maßstab, an dem man sieht, dass der verdorbene Wein gebessert ist. „Deßgleichen“ stellt das Mittel neben das Eiweiß des vorigen Eintrags, das „verderbten, abgefallenen und trüben“ Wein bessert, und Sebiz (1579) lässt die Kerne im Wein, bis er „seine vorige geſtallt oder farbe“ wiederhat.<list type="alternatives"><item>Ein Mittel, um Wein nach Geschmack zu färben.<note type="rationale">Der Wortlaut allein ließe das zu, und Rasch hat eigene Färbemittel (Weißwein rot machen). Hier fehlt aber jede Farbangabe, und der Bezug auf den vorigen Eintrag spricht für das Bessern.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-057-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Behandlung für fehlerhaften Wein im Fass: Ein wenig Wein wird abgelassen, der Rest bis zum Schäumen gerührt, dann kommt angewärmte süße Milch hinein, und nach drei Tagen Ruhe wird das Fass wieder aufgefüllt. Welchen Fehler der „böse“ Wein hat, sagt Rasch nicht.

Warum ablassen? Rasch nennt keinen Grund. Naheliegend ist, dass im Fass Raum zum Rühren und für die Milch entstehen soll; am dritten Tag wird es wieder voll gemacht.

Der Schaum. Den Wein bis zum Schaum zu bewegen, nennt Rasch auch in ras-012 als eigenes Mittel: „mach jm ein geiſcht, ſo wird er gerainiget“.

Warum Milch? Auch das begründet Rasch nicht, ebenso wenig, warum sie gewärmt, aber nicht siedend sein soll. Heute benutzt man Milch und ihr Eiweiß, das Kasein, zum Schönen von Wein: Es bindet Trub- und Gerbstoffe und setzt sich mit ihnen am Boden ab (modern). Einen Abstich vom Bodensatz nennt Rasch nicht.

Womit auffüllen? Der Text sagt es nicht. In ras-006, wo Rasch ebenfalls Milch in ein angezapftes Fass rührt, wird „mit gutem wein“ aufgefüllt; heute würde man gleichartigen guten Wein nehmen (modern). Ebenso möglich ist der zuvor abgelassene Wein.

Praxis. Etwas Wein aus dem Fass ziehen, den Rest mit einem Stecken kräftig rühren, bis er schäumt, ziemlich viel frische Milch nach Größe des Fasses anwärmen, ohne sie sieden zu lassen, einrühren und das Fass ruhen lassen; erst am dritten Tag wieder voll machen. Milcheiweiß kann im Wein bleiben, wenn er nicht vom Bodensatz abgezogen wird; für Menschen mit Milcheiweißallergie ist das wichtig (modern).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-057-orig" n="boͤſen wein" resp="#fyndling">Böse heißt bei Dingen im Frühneuhochdeutschen schadhaft, minderwertig, verdorben (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch). Gemeint ist ein fehlerhafter Wein; welcher Fehler, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-057-orig" n="geiſcht" resp="#fyndling">Gischt, Schaum (Schmeller: „Gischt, Gist, Gäscht, Schaum“; Frühneuhochdeutsches Wörterbuch: gescht ›Gischt, Schaum‹). Rasch gebraucht das Wort ebenso in ras-012.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-057-orig" n="ſuͤß milch" resp="#fyndling">Frische Milch im Gegensatz zu saurer Milch, nicht gesüßt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-057-orig" n="fuͤll das vaß erſt wider vol an" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das Fass wird erst am dritten Tag wieder voll gemacht; womit, sagt der Text nicht, deshalb nennt die Übersetzung kein Füllmittel.<list type="alternatives"><item>Mit gutem Wein auffüllen.<note type="rationale">So verfährt Rasch im gleich gebauten Eintrag ras-006: „letzlich fuͤll dz vaß an mit gutem wein“. Für diesen Eintrag ist es naheliegend, aber nicht gesagt.</note></item><item>Mit dem zuvor abgelassenen Wein auffüllen.<note type="rationale">Möglich, wenn das Ablassen nur Raum schaffen sollte; der Text sagt es ebenso wenig.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-058-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Nummer 11 aus Raschs Reihe von Mitteln gegen Weinfehler, unter der Überschrift „Träg wein“: Ein Wein, der matt geworden oder umgeschlagen ist, wird mit Kuhmilch behandelt, die ein wenig gesalzen ist. Mehr als diesen einen Schritt nennt der Text nicht.

Was der Text offenlässt. Rasch gibt weder eine Menge Milch noch eine Menge Salz an, sagt nicht, ob die Milch warm oder kalt sein soll, ob gerührt wird und ob der Wein danach abgezogen wird. Der Eintrag direkt davor (ras-057) arbeitet mit warmer süßer Milch, lässt das Fass vorher ein wenig ab, rührt und füllt am dritten Tag wieder auf; diese Schritte gehören zu jenem Mittel und sind hier nicht genannt.

Welche Fehler? „Abgestanden“ und „saiger“ meinen einen matten, schal gewordenen Wein, „gebrochen“ einen in Farbe und Geschmack umgeschlagenen. „Zäh“ ist ein Wein, der dickflüssig wird und Fäden zieht; dass das dem heutigen Zähwerden entspricht, ist eine Deutung aus dem Zusammenhang. Rasch behandelt alle vier mit demselben Mittel.

Praxis. Heutige Einordnung: Milch und das daraus gewonnene Kasein werden noch heute zum Schönen von Wein verwendet. Sie flocken im Wein aus und nehmen beim Absetzen Trübstoffe und Farbtöne mit; danach wird der klare Wein vom Satz abgezogen. Am ehesten passt das zum umgeschlagenen Wein. Einem schal gewordenen Wein gibt eine Schönung keine Frische zurück, und gegen Zähwerden ist von ihr wenig zu erwarten. Wozu das Salz dient, sagt Rasch nicht. Bedenkliche Zusätze kommen nicht vor.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-058-orig" n="ſaiger" resp="#fyndling">Matt, schal (Schmeller: „ſaiger, ſeiger, matt, ſchal“); vom Wein gesagt besonders für umgeschlagenen, verdorbenen Wein (Lexer).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-058-orig" n="gebꝛochner" resp="#fyndling" subtype="lexical">Umgeschlagen, in Farbe und Geschmack verändert. Helbach (1604) sagt vom behandelten gebrochenen Wein, er komme „wieder zu sich selbst am Geschmack vnnd Farbe“; Rasch selbst gibt das Wort in ras-105 in diesem Sinn.<list type="alternatives"><item>Künstlich angemacht, gepanscht<note type="rationale">Grimm führt „gebrochener wein, künstlich angemachter, als verderbt bezeichnet“. In einer Reihe natürlicher Weinfehler, die gebessert werden sollen, passt der Umschlag besser.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-059-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Kein Ansatz, sondern eine Warnung mit Gegenmittel. Rasch nennt drei Stoffe, mit denen manche den Wein verfälschen - Alaun, Schwefel und Kalk -, und rät, Wacholderbeeren und Veilchenwurz unter den Wein zu mischen, damit der Schaden für die Trinker ausbleibt. Menge, Dauer und Zeitpunkt nennt er nicht, auch nicht, ob die Zutaten ganz oder gestoßen hineinkommen.

Die Fälschungsmittel. Wozu die Fälscher Alaun, Schwefel und Kalk nahmen, sagt der Text nicht. Ob „Schwefel“ den Stoff im Wein meint oder das Ausbrennen des Fasses mit Schwefel, lässt der Satz offen. Alaun und Kalk gehören heute nicht in Wein.

Veilchenwurz. Gemeint ist der Wurzelstock einer Schwertlilie, nicht das Veilchen; den Namen hat sie vom veilchenartigen Duft.

Wirkt das? Rasch gibt keine Begründung. Heutige Einordnung: Wacholderbeeren und Iriswurzel bringen Duft und Geschmack in den Wein, die Fälschungsstoffe entfernen oder entschärfen sie nicht; allenfalls überdecken sie Geruch und Geschmack.

Praxis. Als Kellermittel nicht nachzumachen: Ein verfälschter Wein wird durch die Beigabe nicht sicher. Zum Erzählen genügen die drei Fälschungsstoffe und die beiden Gegenmittel.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-059-orig" n="Alaun" resp="#fyndling">Ein Mineralsalz. Rasch nennt es hier mit Schwefel und Kalk als Mittel der Weinfälscher, nicht als Zutat.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-059-orig" n="Reckholderboͤꝛ" resp="#fyndling">Wacholderbeeren; Reckholder ist ein oberdeutscher Name des Wacholders (Schmeller, Grimm).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-059-orig" n="Violwurtz (Ciridis radix genandt)" resp="#fyndling" subtype="lexical">Veilchenwurz, der Wurzelstock einer Schwertlilie (Iris). Adelung führt „Violenwurz oder Violwurz“ für die Florentiner Schwertlilie, deren Wurzel „wie blaue Violen“ riecht; Bock nennt eine andere Iris so. Die Gattung ist damit gesichert, die Art nicht. Das lateinische „Ciridis radix“ steht so im Druck und wird als Versehen für „Iridis radix“ (Iriswurzel) gelesen.<list type="alternatives"><item>Wurzel des Veilchens (Viola)<note type="rationale">Der Name legt das Veilchen nahe, er kommt aber vom veilchenartigen Duft der Iriswurzel; die lateinische Beischrift zielt auf Iris.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-060-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Ersatz für den kühlen Keller: Wer seinen Wein im Sommer nicht in einen tiefen Keller bringen kann, hängt ihm ein Tüchlein mit gesalzenem Speck und Schweinefleisch ins Fass. Rasch nennt die Menge, ein halbes Pfund und für ein großes Fass mehr, und verlangt, dass der Beutel beim Zapfen bis zum Boden hinabgelassen wird. Eine Begründung gibt er nicht.

Das Hinablassen beim Zapfen. Rasch bindet das Hinablassen an das Ausschenken, „bis das Fass ganz ausgeschenkt ist“. Am naheliegendsten folgt der Beutel dem sinkenden Wein und bleibt so im Wein, bis er am Ende auf dem Boden liegt. Die deutsche Fassung des Feldbaus von Estienne und Liébault (Melchior Sebiz, 1579) beschreibt dasselbe Mittel und sagt es ausdrücklich: den Beutel zuerst bis zur Hälfte in den Wein hängen und mit jedem Zapfen tiefer, damit er immer mitten im Wein hängt. Ob das Fass dabei verspundet bleibt, sagt Rasch nicht; Sebiz verlangt es.

Schal. „Saiger“ ist der matte, schal gewordene Wein; Lexer führt das Wort besonders für umgeschlagenen Wein. Rasch fürchtet diesen Fehler im Sommer, wenn der Keller fehlt.

Heutige Einordnung. Als Mittel gegen schalen oder umschlagenden Wein kennt die heutige Kellerwirtschaft einen Speck- oder Fleischbeutel im Fass nicht, und eine Schutzwirkung ist nicht zu erwarten. Der Ausgangspunkt trägt dagegen: Ein tiefer Keller hält den Wein gleichmäßig kühl.

Praxis. Wie lange der Beutel im Fass bleibt, hängt bei Rasch allein daran, wie lange das Fass ausgeschenkt wird. Gesalzenes Fleisch und Fett, das in einem angezapften Fass bei Sommerwärme hängt, ist nach heutigen Hygienemaßstäben nicht vertretbar; Wein aus einem solchen Versuch sollte man nicht trinken.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-060-orig" n="ſaiger" resp="#fyndling">Matt, schal (Schmeller: „ſaiger, ſeiger, matt, ſchal“); vom Wein gesagt besonders für umgeschlagenen, verdorbenen Wein (Lexer).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-060-orig" n="biß an den boden nider gelaſſen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Der Beutel wird beim Zapfen mit dem sinkenden Wein nachgelassen und bleibt im Wein, bis er am Ende auf dem Boden liegt. Rasch bindet das Hinablassen an das Ausschenken („biß das vaß gar außgeſchenckt ſey woꝛden“); Sebiz 1579 beschreibt dasselbe Mittel ausdrücklich so: „ſo vil ſoltu auch allwegen das Saͤcklin tieffer hinunter hencken / alſo das es allwegen gleich mitten im Wein hencken bleibe“.<list type="alternatives"><item>Den Beutel beim ersten Zapfen gleich ganz auf den Fassboden hinablassen und dort liegen lassen.<note type="rationale">Der Wortlaut lässt das zu. Dann hätte aber das „bis das Fass ganz ausgeschenkt ist“ keine eigene Aufgabe, und die Parallele bei Sebiz spricht dagegen.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-060-orig" n="geſaltzen Speck vñ Schweinfleiſchs" resp="#fyndling" subtype="contextual">Beides ist gesalzen, und das halbe Pfund gilt für Speck und Schweinefleisch zusammen: Das Beiwort steht vor beiden gereihten Wörtern, „ein halb pfund“ regiert beide.<list type="alternatives"><item>Nur der Speck ist gesalzen, das Schweinefleisch frisch.<note type="rationale">Grammatisch möglich. Die Parallele bei Sebiz nennt nur gesalzenen bzw. guten Speck und hilft hier nicht weiter.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-061-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Sommermittel aus Raschs Reihe gegen Weinfehler: Das Fass wird von außen gekühlt, damit der Wein in der Hitze nicht schal wird. Es steht in einem großen Gefäß voll kaltem Wasser, in das Salpeter geworfen wird. Wie viel Salpeter, wie lange das Fass im Wasser bleibt und ob das Wasser erneuert wird, sagt der Text nicht.

Wohin Salpeter und Eiweiß kommen. Nach dem Satzbau in das Wasser, in dem das Fass steht, nicht in den Wein. Das Eiweiß, das etliche nehmen, steht ausdrücklich „an stat des Salniters“ und gehört nach dem Wortlaut ebenfalls ins Wasser. An anderen Stellen des Buches dient Eiweiß zum Klären und wird in den Wein gerührt (ras-054, ras-055); dass es hier so gemeint ist, sagt der Text nicht.

Praxis. Heutige Einordnung: Salpeter (Kaliumnitrat) nimmt beim Auflösen Wärme auf und kühlt so das Wasser im Bottich weiter ab. Ein volles Fass kühlt wegen seiner Masse nur langsam mit. Dass Eiweiß im Wasser kühlt, ist nach heutigem Wissen nicht zu erwarten. Wer das Verfahren nachstellt, hält den Salpeter aus dem Wein heraus und achtet darauf, dass das Fass dicht verspundet ist, damit kein Badewasser eindringt.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-061-orig" n="ſaiger" resp="#fyndling">Matt, schal (Schmeller: „ſaiger, ſeiger, matt, ſchal“); vom Wein gesagt besonders für umgeschlagenen, verdorbenen Wein (Lexer). Nicht dasselbe wie sauer.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-061-orig" n="Salniter" resp="#fyndling">Älterer Name für Salpeter, heute Kaliumnitrat (Lexer, Grimm). Nach einer Münchner Handschrift von 1429 hieß der geläuterte Salpeter Salniter (Lexer); Rasch nennt beide Namen nebeneinander.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-061-orig" n="ayweiß … an ſtat des Salniters" resp="#fyndling" subtype="contextual">Eiweiß als Ersatz für den Salpeter im Kühlwasser, so wie der Wortlaut es sagt; übersetzt, ohne eine Wirkung zu unterstellen.<list type="alternatives"><item>Eiweiß als Klärmittel, in den Wein gerührt<note type="rationale">So verwendet Rasch Eiweiß an anderen Stellen (ras-054, ras-055). Hier steht es aber ausdrücklich statt des Salpeters, und vom Klären ist nicht die Rede.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-062-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine vorbeugende Kellerregel: Der Wein wird an drei aufeinanderfolgenden Freitagen vor Ostern mit einem durchlöcherten Stück Hagedornholz durchgerührt, jedes Mal eine Viertel- bis halbe Stunde. Dann soll er nicht zäh werden und seine Farbe behalten.

Zäher Wein. Heute heißt ein Wein, der dickflüssig wird und beim Einschenken Fäden zieht, zäh oder lind; dass Rasch genau diesen Fehler meint, ist eine Einordnung aus dem Wort, kein Beleg. Kräftiges Bewegen gilt in der späteren Kellerliteratur als Mittel dagegen: Krünitz' Enzyklopädie rät im 19. Jahrhundert, zähen Wein im Fass stark umzurühren. Rasch setzt das Rühren vorbeugend ein und begründet weder das Holz noch den Termin.

Das Holz. Hagedorn ist in der Regel der Weißdorn. Wozu die Löcher dienen, sagt der Text nicht; ein durchlöchertes Holz wirbelt beim Rühren stärker als ein glattes, aber das ist eine Vermutung. Eine eigene Wirkung des Hagedornholzes auf den Wein ist nicht belegt.

Praxis. Der Text nennt kein Gefäß und keine Menge Wein. Wer es heute nachstellt, rührt im Fass durch das Spundloch mit einem sauberen, unbehandelten Holz; das ist eine moderne Annahme, nicht Raschs Angabe.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-062-orig" n="Hagendoꝛnholtz" resp="#fyndling">Hagedorn ist in der Regel der Weißdorn (Crataegus). Das Wort konnte auch andere Dornsträucher meinen, etwa die Heckenrose, im Bairischen regional auch Schlehe oder Sauerdorn.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-062-orig" n="zaͤch" resp="#fyndling">Zäh, hier ein Weinfehler: Der Wein wird dickflüssig und zieht beim Einschenken Fäden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-062-orig" n="den wein … geruͤhꝛt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das durchlöcherte Hagedornholz ist das Rührholz. Der Satz nennt das Holz ohne eigenes Verb, unmittelbar gefolgt von „den wein … geruͤhꝛt“; anderes Gerät kommt nicht vor.<list type="alternatives"><item>Das Holz wird in den Wein gelegt oder gehängt, gerührt wird mit etwas anderem.<note type="rationale">Möglich, weil das Holz ohne Verb dasteht; dann müsste ein zweites Gerät ergänzt werden, das der Text nicht nennt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-062-orig" n="3. Freytag voꝛ Oſtern nach einander" resp="#fyndling" subtype="contextual">Drei aufeinanderfolgende Freitage vor Ostern; welche, legt der Text nicht fest.<list type="alternatives"><item>Karfreitag und die beiden Freitage davor.<note type="rationale">„vor Ostern“ legt die letzten Freitage nahe; ob der Karfreitag mitzählt, sagt der Text nicht.</note></item><item>Die drei Freitage vor dem Karfreitag.<note type="rationale">Ebenso mit dem Wortlaut vereinbar, wenn man den Karfreitag als Festtag ausnimmt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-063-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Keine Anleitung, sondern eine überlieferte Kellerregel: Die Alten gaben Meerwasser oder Salz in den Wein, damit er nicht zäh, fett oder schal wurde, und klärten ihn so. Menge, Zeitpunkt und Art der Zugabe nennt Rasch nicht.

Raschs Begründung. Das Salz zieht durch seine Hitze und Schwere die Hefe mit an den Boden. Hitze meint hier eine Eigenschaft des Stoffes im Sinn der damaligen Lehre von den Qualitäten, keine Temperatur.

Heutige Einordnung. Als Klär- oder Schönungsmittel wird Salz heute nicht verwendet; geklärt wird ein Wein durch Absetzen und Abziehen oder mit Schönungsmitteln. Gesundheitlich bedenklich ist der Zusatz nicht, er verändert aber den Geschmack.

Praxis. Ohne Mengenangabe ist der Eintrag nicht nachzuarbeiten; er gibt wieder, was die Alten getan haben sollen, und warum es wirken soll.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-063-orig" n="ſaiger" resp="#fyndling">Matt, schal (Schmeller: „ſaiger, ſeiger, matt, ſchal“); vom Wein gesagt besonders für umgeschlagenen, verdorbenen Wein (Lexer).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-063-orig" n="faiſt" resp="#fyndling">Feist, fett (Schmeller: „faißt … wie hchd. feiſt“). Rasch nennt es neben „zäh“ als Weinfehler, beschreibt es aber nicht näher.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-063-orig" n="Geoponici" resp="#fyndling">Die Geoponica, eine griechische Sammlung von Schriften zum Landbau.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-064-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Die Einleitung zu Raschs Abschnitt über Kräuterweine und zugleich sein Grundverfahren: getrocknete Kräuter werden lagenweise zwischen Holzspänen in ein Fässlein geschichtet, das Fass wird mit Most gefüllt. Welche Kräuter, sagt der Text hier nicht; das folgt in den einzelnen Einträgen.

Sammeln und Trocknen. Rasch nennt zwei Zeitpunkte: üblich ist der Dreißigst, also etwa Mitte August bis Mitte September, besser aber die Blütezeit der jeweiligen Pflanze. Getrocknet wird im Schatten, sonst in einer lauwarmen Stube, und staubfrei aufbewahrt.

Die Späne. Wozu die Buchen- oder Haselspäne dienen, sagt dieser Eintrag nicht. Rasch selbst klärt an anderer Stelle trüben Wein mit Buchenspänen und gießt abgezogenen Wein durch Haselspäne, um ihn zu reinigen; beim Beerwein verweist er auf dieses Einmachen mit Spänen zurück. Naheliegend ist auch, dass die Spanlagen die ungedrückten Kräuter locker halten, sodass der Most sie überall erreicht. Das ist eine Deutung, kein Textbefund.

Gärung und Nachfüllen. Das Fass wird erst zugeschlagen, also geschlossen, und dann mit Most gefüllt; die Kräuter gären mit dem Most zu Wein. Wie lange, sagt Rasch nicht. Danach wird vom Fass getrunken und wieder aufgefüllt, umso öfter, je stärker „er“ ist. Ob damit der Most gemeint ist oder der fertige Kräuterwein, lässt der Satz offen.

Praxis. Heute gilt: nur unbehandeltes, ungeräuchertes Holz für die Späne nehmen. Ein mit gärendem Most voll gefülltes Fass schäumt auf und bildet Kohlendioxid; solange es gärt, darf es nicht fest verspundet werden. Dazu sagt Rasch hier nichts, es ist ein heutiger Hinweis.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-064-orig" n="dreiſſigſten" resp="#fyndling">Der Dreißigst ist ein fester Abschnitt im bairisch-schwäbischen Jahr: rund dreißig Tage nach Mariä Himmelfahrt (15. August). Das Bayerische Wörterbuch nennt ihn „Zeitraum von etwa dreißig Tagen nach Mariä Himmelfahrt“, Fischers Schwäbisches Wörterbuch setzt 15. August bis 14. September an, Goetzes frühneuhochdeutsches Glossar für den Frauendreißigst 15. August bis 8. September. Grimm zitiert ein Arzneibuch von 1596, das eine Mistel „im dreissigsten“ zu sammeln vorschreibt. Rasch erklärt das Wort selbst mit „vom halben Auguſt biß halben September“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-064-orig" n="abgetruncken" resp="#fyndling">Abtrinken heißt von oben wegtrinken; Adelung belegt es gerade vom Fass: „Der Wein im Fasse ist schon bis auf die Hälfte abgetrunken.“ Gemeint ist also: vom Fass trinken und es dann wieder auffüllen. Womit, sagt der Satz nicht; vorher wurde das Fass mit Most gefüllt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-064-orig" n="das zugeſchlagen/ fuͤlls mit Moſt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das voll geschichtete Fässlein wird zugeschlagen, also mit eingesetztem Boden geschlossen, und erst dann mit Most gefüllt. So steht die Reihenfolge im Druck; „das zugeſchlagen“ ist eine Partizipialfügung („ist es zugeschlagen“). Als Gegenstück öffnet Rasch beim Ysopwein das Fass am Boden, um es zu schichten (ras-096).<list type="alternatives"><item>Erst mit Most füllen, dann zuschlagen.<note type="rationale">Widerspricht der Satzfolge; ein bis oben mit Spänen und Kräutern gefülltes Fass lässt sich zudem nur über eine kleine Öffnung füllen, wenn der Boden schon sitzt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-064-orig" n="Iſt er ſtarck" resp="#fyndling" subtype="contextual" cert="unknown">„Er“ bezieht sich auf das nächste Maskulinum, den Most; vgl. den Folgeeintrag „nach dem der Moſt ſtarck oder gering iſt“. Die Übersetzung lässt „er“ stehen wie im Druck.<list type="alternatives"><item>„Er“ ist der Kräuterwein, um den es im ganzen Absatz geht; stark hieße dann kräftig im Kräutergeschmack, und häufiges Abtrinken und Nachfüllen würde ihn mildern.<note type="rationale">Ebenso möglich, weil „abgetruncken“ besser zum fertigen Wein als zum Most passt; der Text entscheidet es nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-065-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellerhinweis zum Kräuterwein des vorigen Eintrags: Wer ihn süß halten will, kocht den Most vorher zum Teil ein, bevor er auf die Kräuter kommt. Wie weit, richtet sich nach dem Most. Menge, Gefäß und Dauer nennt Rasch nicht.

Stark oder schwach. Rasch sagt nur „nach dem der Moſt ſtarck oder gering iſt“, nicht, in welche Richtung. Naheliegend ist, dass ein schwacher Most weiter eingekocht wird als ein starker; das ist eine Deutung, keine Angabe des Textes.

Warum es süß bleibt (heutige Sicht). Beim Einkochen verdampft Wasser, der Zuckeranteil im Rest steigt. Was die Hefe nicht vergärt, bleibt als Süße. Gesottener Most ist zudem keimfrei: Ob und wie er danach gärt, sagt Rasch nicht. Heute würde man sagen, die Gärung kommt dann aus der Hefe im schon benutzten Fass, ohne ein solches Fass setzt man Weinhefe zu.

Praxis. Für dieses Verfahren gibt es kein Maß. An anderer Stelle lässt Rasch Most für süßen Alantwein ungefähr zur Hälfte einsieden, Rumpolt für süßen Wein um ein Drittel; das ist die Spanne, an die man sich halten kann. Ein klar brennendes Feuer ohne Rauch, wie Rasch es beim Alantwein verlangt. Den Most heute erst abgekühlt in das Kräuterfass füllen, wie im Grundverfahren des vorigen Eintrags.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-065-orig" n="bey hellem fewer" resp="#fyndling">Bei klar brennendem, lebhaftem Feuer. Beim Alantwein verlangt Rasch für dasselbe Einsieden ausdrücklich „ob hellem fewꝛ on rauch“, also ohne Rauch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-065-orig" n="gering" resp="#fyndling" subtype="lexical">„ſtarck oder gering“ als stark oder schwach: ein gehaltvoller gegenüber einem dünnen Most. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt für gering „schwach ausgeprägt, gering, unbedeutend“, und der Gegensatz zu „ſtarck“ verlangt diese Bedeutung.<list type="alternatives"><item>geringwertig, minderwertig<note type="rationale">Die Bedeutung ist belegt, passt aber schlechter zum Gegenwort „ſtarck“. Für die Arbeit am Kessel ergibt sie dasselbe: ein weniger gehaltvoller Most.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-066-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Hinweis, keine Anleitung: Statt Kräuter mit dem Most im Fass anzusetzen, stellen „andere“ ein Destillat der gewünschten Kräuter her und geben davon ein oder zwei Tropfen in eine Kanne fertigen Wein. Rasch nennt nur das Ergebnis und den Vorteil, Kosten, Mühe und Arbeit zu sparen; wie destilliert wird, sagt er nicht.

Schärfe. Ob „durch Schärfe“ den Scharfsinn des Destillierers oder ein scharfes Mittel meint, bleibt offen. Der Nachsatz, solche Künste seien wenigen bekannt, spricht eher für eine Fertigkeit, beweist sie aber nicht.

Welches Destillat? Ein gebranntes Kräuterwasser oder ein weingeistiger Auszug, beides ist möglich. Später im Buch kehrt dieselbe Abkürzung wieder: das Kraut brennen und ausdestillieren, ein halbes Maß auf ein Fuder oder einen Eimer Wein. Dort ist von Tropfen keine Rede.

Praxis. Nachmachen lässt sich der Eintrag nur mit einem Destillat, dessen Art der Text offenlässt. Rasch selbst gibt im Anschluss den Weg ohne Destillierkunst: getrocknete, zerstoßene Kräuter in Branntwein ausziehen und von dem Auszug viel oder wenig in die Kanne gießen. Heute vergleichbar ist das Aromatisieren von Wein mit wenigen Tropfen eines Kräuterdestillats.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-066-orig" n="kanten" resp="#fyndling">Kanne, ein Weingefäß; Grimm führt „kante, kande“ als Nebenform von „kanne“, Maaler 1561 nennt „kant, kanten, kantel“ ein Weingeschirr. Wie viel die Kanne fasst, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-066-orig" n="durch ſchaͤrpffe vnd kuͤnſtliche diſtillierung" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Wörtlich als „durch Schärfe und kunstvolle Destillierung“ übersetzt, weil der Text nicht sagt, welche Schärfe gemeint ist. Grimm belegt „scherpffe“ (Maaler) für die Eigenschaft des Scharfseins, auch übertragen als „desz gemüts scherpffe“, acies mentis.<list type="alternatives"><item>Scharfsinn, Kunstfertigkeit des Destillierers<note type="rationale">Passt zu „solche Künste sind wenigen bekannt“ und zu Maalers acies mentis; im Text aber nicht ausgeführt.</note></item><item>ein scharfes Mittel, etwa ein starker Brand als Lösungsmittel<note type="rationale">Grimm kennt Schärfe auch als Eigenschaft von Stoffen (Essig, Senf); ein bestimmtes Mittel nennt Rasch nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-067-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterauszug in Branntwein, den man als Vorrat in einem kleinen Glas hält und nach Bedarf in Wein gießt. Er ersetzt das Kräuterdestillat des vorigen Eintrags, von dem ein oder zwei Tropfen eine Kanne Wein würzen.

Branntwein oder alter Wein. Rasch nimmt Branntwein und lässt ersatzweise alten, starken Wein zu, ohne das zu begründen. Heutige Einordnung: Alkohol löst Aroma- und Bitterstoffe gut und hält den Auszug haltbar; ein Auszug in Wein bleibt schwächer.

Was in die Kanne kommt. Der Text sagt nur, man solle „viel oder wenig“ vom Auszug in eine Kanne gießen. Gemeint ist nach dem Zusammenhang Wein: Der vorige Eintrag gibt seine Tropfen „in eim kanten wein“, und Rasch spricht von „solchem Wein“.

Praxis. Kräuter, Blüten oder Wurzeln gut trocknen und zerstoßen, mit Branntwein übergießen, das Gefäß gut verschließen und etliche Tage ziehen lassen. Dann kräftig durch ein Tuch auspressen und den Auszug in einem Gläschen aufheben. Zum Trinken nach Geschmack in eine Kanne Wein geben; Mengen nennt Rasch nicht. Welche Pflanzen, überlässt er dem Leser: Wer das heute nachmacht, nimmt nur Pflanzen, die als Lebensmittel unbedenklich sind.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-067-orig" n="Brantenwein" resp="#fyndling">Branntwein, gebrannter Wein: durch Brennen aus Wein gewonnen. Der Text nennt ihn am Ende auch „gebꝛanten wein“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-067-orig" n="beiſſen" resp="#fyndling">Beizen, ziehen lassen: Das Kraut gibt im Branntwein Geschmack und Kraft ab. Bairisch „beizen“ heißt auch einlegen, ziehen lassen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-067-orig" n="gieſſe deſſelbigen viel oder wenig in ein kanten" resp="#fyndling" subtype="contextual">In der Kanne ist Wein, dem man den Auszug nach Geschmack zugibt. Rasch spricht von „ſolchen wein“, und der unmittelbar vorausgehende Satz gibt das Kräuterdestillat „in eim kanten wein“.<list type="alternatives"><item>Der Auszug wird für sich in die Kanne gegossen und so getrunken.<note type="rationale">Der Wein in der Kanne ist nicht ausdrücklich genannt; dagegen steht, dass das Ergebnis „ſolcher wein“ sein soll.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-068-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Kein Einzelrezept, sondern Raschs Übersicht, wie man Kräuter, Wurzeln, Blüten und Früchte in Wein bringt, ohne zu sieden oder zu destillieren. Seine eigene Begründung: Wein nimmt von Natur leicht Farbe, Geschmack, Geruch, Kraft und Wirkung dessen an, was in ihm zieht.

Most oder Wein. Kommt das Würzgut in den neuen Most, macht es die Gärung mit; heute würde man sagen, der entstehende Alkohol zieht dabei mit aus. Kommt es erst nach der Gärung oder in einjährigen oder firnen Wein, ist es ein Auszug im fertigen Wein. Der Most gärt mit dem Most, eine Hefe nennt Rasch nicht und braucht er nicht.

Frisch, trocken, im Säcklein. Frisch oder getrocknet, gehackt oder gepulvert, alles gleichwertig nach Gefallen. Das Säcklein hält Gehacktes und Pulver beisammen, wenn es ins Fass gehängt wird.

Praxis. Mengen und Zeiten stehen hier nicht; die liefern die Einzelweine, die Rasch anschließt, etwa der Alantwein. Wie man Kräuter sammelt und trocknet und das Grundverfahren mit Spänen im Fässlein steht am Beginn des Abschnitts.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-068-orig" n="gebeiſſet" resp="#fyndling">Von beizen: einlegen und ziehen lassen, sodass das Eingelegte an den Wein abgibt. Derselbe Ausdruck steht im vorigen Eintrag beim Branntweinauszug (laß etliche täg beissen).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-068-orig" n="krafft vnnd tugend" resp="#fyndling">Tugend heißt hier Wirkung, Kraft eines Dings, nicht sittliche Tugend.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-068-orig" n="verghiſſet" resp="#fyndling">Vergoren: die Gärung des Mostes ist vorbei.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-068-orig" n="Fuͤrnen wein" resp="#fyndling">Firn heißt vom Wein vorjährig, alt (Adelung: firner Wein, alter Wein; Frisch: vetus vinum). Gegenstück zum neuen Most.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-068-orig" n="ſtoſſen ... in das Faß" resp="#fyndling" subtype="contextual">Hineinstecken, ins Fass geben: Stoßen kann ein Hineinstecken mit einem Stoß sein (Adelung: einen Pfahl in die Erde stoßen). Das Zerkleinern nennt Rasch erst im folgenden Satz eigens (hackts, puluerts).<list type="alternatives"><item>Zerstoßen und dann ins Fass geben<note type="rationale">Stoßen heißt auch im Mörser zerkleinern; die Satzfügung mit 'in das Faß' spricht für die Bewegung, nicht für das Zerkleinern.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-068-orig" n="vil oder wenig / nach dem der Moſt / oder das daruͤber gegoſſen wird / ſtarck ſein ſol" resp="#fyndling" subtype="contextual">Offen übersetzt: 'viel oder wenig' kann sich auf das Würzgut beziehen (mehr Würzgut für einen kräftigeren Wein) oder auf den darübergeschütteten Most.<list type="alternatives"><item>Viel oder wenig Most, je nach gewünschter Stärke<note type="rationale">Steht unmittelbar nach 'den Most darüber schütten' und ist grammatisch ebenso möglich.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-069-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Raschs bevorzugter Weg zum Alantwein: Der erste Most guter Trauben wird über rauchfreiem Feuer gesotten, für sehr süßen Wein bis etwa zur Hälfte eingekocht, und darin werden getrocknete Alantwurzelscheiben ausgekocht. Mengen, Gefäß und Dauer nennt Rasch nicht.

Die Süße. Im allgemeinen Kräuterwein-Teil schreibt Rasch, wer Kräuterweine süß behalten wolle, siede den Most zum Teil ein. Hier gibt er das Maß für den sehr süßen Alantwein: ungefähr die Hälfte. Für weniger Süße fehlt eine Angabe.

Und danach? Mit dem Auskochen der Wurzel endet die Anweisung. Ob der Sud in ein Fass kommt und gärt, sagt Rasch nicht. Die Parallelen bei Rumpolt und in einer älteren Kochbuchhandschrift gießen den gesottenen Most in ein Fass mit Most und lassen ihn gären; bei Rasch ist das nicht belegt. Heutige Sicht: Gesottener Most ist keimfrei. Soll er gären, kommt die Hefe aus dem schon benutzten Fass; ohne ein solches setzt man Weinhefe zu.

Praxis. Das Feuer soll hell brennen und nicht rauchen; einen Grund nennt Rasch nicht. Wann Bitterkeit und Kraft „gar daruon kommet“, sagt der Text nicht; naheliegend ist, die Scheibchen zu kosten. Das ist eine Deutung. Alant gehört zu den Korbblütlern; wer auf Korbblütler allergisch reagiert, meidet ihn.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-069-orig" n="außtrotten" resp="#fyndling">Keltern, die Trauben auspressen. Goetzes frühneuhochdeutsches Glossar gibt „austrotten“ mit „keltern“, Grimm mit „auspressen“; die Kelter heißt im Oberdeutschen „Trotte“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-069-orig" n="Alantwurtzen" resp="#fyndling">Die Wurzel des Echten Alants (Inula helenium), einer hochwüchsigen Staude mit gelben Korbblüten. Rumpolt (1581) nennt sie lateinisch „Enula Campana“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-069-orig" n="den erſten ſchuß vom außtrotten" resp="#fyndling" subtype="lexical">Der erste Lauf beim Keltern, der Most, der zuerst „schießt“. Adelung führt „Schuß“ für den Zustand, in dem ein Ding schnell fortschießt („der Schuß des Wassers“); Helbach (1604) spricht entsprechend vom Most, „wie der von der erſten Trotten kompt“.<list type="alternatives"><item>der ganze erste Pressgang, im Gegensatz zu späteren Nachpressungen<note type="rationale">Ein eigenes Wörterbuch-Stichwort für „Schuss“ beim Keltern fehlt; beide Lesarten meinen den besten, zuerst gewonnenen Most.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-069-orig" n="in dieſem ſiede getrocktnete Alantwurtzen" resp="#fyndling" subtype="philological">„ſiede“ als Befehlsform von sieden: „darin siede getrocknete Alantwurzeln“. Der folgende Satz gebraucht dieselbe Form („Die ſiede ſo lang darin“), und „dieſem“ bezieht sich auf den eingesottenen Most.<list type="alternatives"><item>„ſiede“ als Hauptwort „Sud“, der Satz ohne Verb („in diesen Sud getrocknete Alantwurzeln“)<note type="rationale">Ein weibliches „Siede“ verlangte „dieſer“, nicht „dieſem“; für den Vorgang ergibt sich dasselbe: die Wurzeln sieden im Most.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-070-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Die zweite Art des Alantweins. Statt die Wurzel im eingekochten Most zu sieden wie im Eintrag davor, hängt man sie ungekocht in das Fass mit dem Wein; Rasch hält das für lobenswert. Der Wein zieht Geschmack und Kraft der Wurzel kalt aus. Eine Gärung beschreibt der Text hier nicht, die Rede ist von „dieſen wein“.

Die Wurzel. „Wie gesagt“ greift auf den Eintrag davor zurück: Alantwurzel, im Frühling gegraben, in dünne Scheiben geschnitten, an einen Faden gefasst und an der Luft getrocknet. Am Faden lässt sie sich ins Fass hängen; das ist naheliegend, aber Rasch sagt nicht, wie der Faden befestigt wird.

Tauschen und Auffüllen. Wird viel von dem Wein getrunken, sollen die Wurzeln umso öfter gegen neue getauscht werden, „damit der wein bey krafft bleib“. Zugleich wird das Fass fleißig und immer wieder aufgefüllt. Womit, sagt der Text nicht; mit demselben Wein aufzufüllen, damit der Auszug nicht verdünnt wird, ist eine heutige Annahme. Heute würde man ergänzen: Ein volles Fass lässt wenig Luft an den Wein und schützt ihn so vor Kahm und Essigstich.

Die Wirkungen. Die lange Liste folgt der Säftelehre: Der Wein soll wärmen, die natürliche Hitze wecken und kalte, phlegmatische Feuchtigkeit austreiben. Das ist Raschs Medizin, kein heutiger Gesundheitsrat.

Praxis. Rasch nennt weder Menge noch Dauer. Wie stark der Wein nach Alant schmeckt, regelt man nach Geschmack und über den Wurzeltausch. Wie bitter die Wurzel ist, sagt Rasch beim Sud selbst: dort wird gesotten, bis „jr bittrin vnnd krafft“ herausgezogen ist.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-070-orig" n="Alantwurtzen" resp="#fyndling">Wurzel des Echten Alants (Inula helenium); Rumpolt nennt sie lateinisch „Enula Campana“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-070-orig" n="fluͤſſen" resp="#fyndling">Flüsse im Sinn der Säftelehre: krankhaft zu- oder abfließende Körpersäfte. Adelung: „ein besonders widernatürlicher Zu- oder Abfluß der Säfte in den thierischen Körpern“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-070-orig" n="wie geſagt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Verweis auf die Wurzel im Eintrag davor: im Frühling gegraben, in dünne Scheiben geschnitten, an einen Faden gefasst und an der Luft getrocknet. Helbach (1604) sagt an derselben Stelle ausdrücklich „die doͤrren Wurtzeln“.<list type="alternatives"><item>Bloßer Rückgriff auf das Wort Alantwurzel, ohne die Vorbereitung mitzumeinen; dann könnte auch frische Wurzel gemeint sein.<note type="rationale">Unwahrscheinlich: Der Gegensatz zum Vorgänger liegt nur im Sieden („on geſotten“), nicht in der Wurzel selbst.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-070-orig" n="blaͤſten" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Blase. Der Satz folgt auf „oͤffnet die harmgeng“, und Rasch nennt an anderer Stelle „Harmgeng / vnnd blaſen“ nebeneinander; der Artikel „der“ passt zum Femininum.<list type="alternatives"><item>Bläste, also Blähungen, hier die der Frauen („der blaͤſten … der Weiber“).<note type="rationale">Die Form mit -t- spricht dafür: Lexer belegt mhd. blâst als „die blähung“, das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch geblaste als „Blähung“. Gegen diese Lesart spricht „tauget“, das zu einem Körperteil besser passt als zu einem Leiden.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-071-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Beerwein und Rappes nennt Rasch in einem Zug und spricht am Ende von „sie beide“: frische, abgebeerte Trauben kommen ins Fass, Most oder alter Wein derselben Farbe wird darübergefüllt. Adelung beschreibt den Beerwein in seinem zweiten Sinn genau so, als Wein, „der wieder auf frische Beeren gegossen und dadurch verstärket worden“, im Elsass Räpps genannt.

Der Verweis. „Wie hie vornen gemelt“ führt auf das Grundverfahren des Kräuterweins (ras-064): ein Fässlein schichtweise mit Buchen- oder Haselspänen und dem Ansatzgut füllen, zuschlagen, Most darauf. Hier treten die Beeren an die Stelle der Kräuter. Der Weichselwein (ras-076) wird später ausdrücklich nach diesem Muster geschichtet.

Die Späne. Wozu sie dienen, sagt Rasch weder hier noch beim Grundverfahren. Estienne und Liébault lassen in Sebiz' deutscher Fassung von 1579 neuen Most über Hagebuchenspäne laufen, damit er sich rasch setzt und klar wird, und nennen das im selben Atemzug mit dem Rappeswein der Champagne. Das ist eine zeitgenössische Parallele, keine Aussage Raschs. Wer keine Späne nimmt, streut nach Rasch Salbeiblättlein ein.

Most sieden, Gewürz einhängen. Warum etliche den Most sieden, sagt der Eintrag nicht; im Kräuterwein-Abschnitt (ras-065) sieden ihn die zum Teil ab, die den Wein süß behalten wollen. Das Gewürz soll den Wein lieblich, stark und kräftig machen; welches, bleibt offen. Mit Most aufgefüllt, gärt der Ansatz mit dem Most; über die Dauer sagt der Text nur „ein zeitlang“.

Praxis. Heute gilt knapp: Ohne die Kämme gelangt weniger Stielgerbstoff in den Wein. Späne nur unbehandelt verwenden. Raschs Resteverwertung, Tischwein und Abgänge anderer Fässer nachzufüllen, würde man heute nicht übernehmen, weil offen gestandener Wein Essigstich in den Ansatz tragen kann.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-071-orig" n="Beerwein vnd Rappes" resp="#fyndling">Beide Namen bleiben stehen. Adelung kennt den Beerwein zweifach: als Vorlauf, der von selbst aus den Beeren rinnt, und als Wein, „der wieder auf frische Beeren gegossen und dadurch verstärket worden; in Elsaß Räpps“. Raschs Verfahren entspricht dem zweiten Sinn. Grimm führt „rappes“ außerdem als Wein aus Traubenkämmen, Lübben als geringen, sauren Wein; beides beschreibt dieser Eintrag nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-071-orig" n="kemmen" resp="#fyndling">Die Kämme sind das Stielgerüst der Traube (Adelung: „der Kamm an den Trauben“). „Die Beeren von den Kämmen brechen“ heißt abbeeren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-071-orig" n="raitzt gegen abend das vndewen" resp="#fyndling" subtype="lexical">„reizt gegen Abend zum Erbrechen“: Grimm (undau, undäuen) gibt „vomitus“, Schmeller „undäuen, sich erbrechen“, Schmids Schwäbisches Wörterbuch belegt „vndewen“ gerade nach zu viel Trunk; dazu passt der Gegensatz „morgens aber macht er Lust zu essen“.<list type="alternatives"><item>„reizt gegen Abend die Verdauungsschwäche“<note type="rationale">Adelung und Krünitz führen „Undauung“ als Mangel der Verdauung, Schwäche des Magens. Die Form „das vndewen“ ist aber das Verbalsubstantiv zu undäuen, das die älteren Belege als Erbrechen führen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-072-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterwein durch kalten Auszug: Die gesäuberte, getrocknete Wurzel der Nelkenwurz wird in fertigen Wein gehängt, bis er ihren Geruch und Geschmack angenommen hat. Gesotten und vergoren wird nichts. Menge, Dauer und Gefäß nennt Rasch nicht; sein einziges Maß ist, dass der Wein sehr lieblich riecht und schmeckt.

Welche Pflanze? Die Überschrift sagt „Carda Benedicten“, der Text nennt die Wurzel mit ihrem Apothekernamen Caryophyllata. Das ist die Echte Nelkenwurz, deren Wurzel nach Gewürznelken riecht. „Benedicten“ allein passt dazu: Die Nomenklatoren der Zeit führen „Benedictenkraut“ und „Benedicten wurtzel“ als deutschen Namen der Caryophyllata. Nur das vorangestellte „Carda“ erinnert an das Kardobenediktenkraut, eine Distel. Gearbeitet wird nach dem Text, also mit der Wurzel.

Grabzeit. Rasch lässt die Wurzel im Frühling graben, besonders im März, weil dann ihr Geruch am stärksten sei. Krünitz beschreibt den Nelkengeruch der Wurzel ebenfalls besonders für den ersten Frühling.

Wirkungen. Die Liste am Schluss spricht in Begriffen der Säftelehre (kaltes, feuchtes Hirn, kalter, schleimiger Magen); sie ist Quellenwiedergabe, kein Gesundheitsrat.

Praxis. Getrocknete Nelkenwurzwurzel gibt es im Kräuterhandel. Wie sie eingehängt wird, sagt der Text nicht; heute hängt man sie am einfachsten an einem Faden oder in einem Leinensäckchen ein, das ist ein moderner Vorschlag. Menge und Ziehdauer nach Geschmack: probieren, bis der Wein den Nelkenduft der Wurzel trägt, und sie dann herausnehmen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-072-orig" n="Charyophillatam" resp="#fyndling">Apothekername der Nelkenwurz (Caryophyllata), nach dem Nelkengeruch ihrer Wurzel benannt; Henisch 1616: „caryophyllata, à caryophillorum odore“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-072-orig" n="fast" resp="#fyndling">Hier „sehr“, nicht „beinahe“; Adelung führt diese ältere Bedeutung („für sehr“) eigens auf.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-072-orig" n="geburt glieder der weiber" resp="#fyndling">Die weiblichen Geschlechtsorgane, der Unterleib; das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt „geburtsglied“ als Geschlechtsteil.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-072-orig" n="Carda Benedicten" resp="#fyndling" subtype="lexical">Die Nelkenwurz (Geum urbanum). Der Text beschreibt eine im Frühling gegrabene, wohlriechende Wurzel und nennt sie Caryophyllata; „Benedictenkraut“ und „Benedicten wurtzel“ sind zeitgenössische Namen dieser Pflanze (Emmel 1592, Henisch 1616).<list type="alternatives"><item>Kardobenedikt, Benediktendistel (Cnicus benedictus)<note type="rationale">„Carda“ erinnert an diesen Namen (FWB „kardobenedict“). Der Text nennt aber ausdrücklich die Caryophyllata und deren Wurzel; die Überschrift mischt wohl beide Namen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-073-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterwein in der Schnellfassung: Die Kräuter liegen von Anfang an im Most und gären mit ihm. Rasch gibt ihn ausdrücklich für den Fall, dass man den Wein bald trinken und nicht lange behalten will. Wie lange er bis zum Trinken braucht, sagt er nicht.

Das Verfahren. Es ist die erste der Arten, die Rasch zu Beginn der Kräuterweine aufzählt: Würzgut ins Fass, den neuen Most darüber. Ein Gefäß nennt er hier nicht. Die Gärung kommt aus dem Most selbst, eine Hefe braucht der Text nicht.

Die halbe Handvoll. „ein halb M“ ist das Apothekerzeichen für den manipulus, die Handvoll. Rasch schreibt sonst „hand vol“, das Zeichen steht in seinem Buch nur hier.

Hirschzunge und Tamariske. Hirschzunge ist ein Farn, nächstliegend der Hirschzungenfarn. Rasch selbst unterscheidet im Abschnitt zum Hirschzungenwein auf der Seite davor zwei Hirschzungen, den Steinfarn, „der die rechte Hirschzung ist“, und eine Art mit langen Blättern und rauen Strichen, und erlaubt, beide zusammen zu nehmen. Der Hirschzunge schreibt er dort zu, sie öffne und stärke die Milz; Tabernaemontanus rühmt die Tamariske, in Wein gesotten, gegen die geschwollene Milz. „Schelfen“ ist die Rinde. Ob die eingeführte Tamariske gemeint ist oder die Deutsche Tamariske, die auch in Bayern an Flüssen wächst, lässt der Text offen.

Auffüllen. „Stets mit anderm guten wein füllen“: das Gefäß wird laufend mit gutem Wein nachgefüllt. Einen Grund nennt Rasch nicht. Heute würde man sagen: Ein randvolles Gefäß lässt wenig Luft an den jungen Wein, das schützt vor Kahm und Luftton.

Praxis. Most gibt es nur zur Lese im Herbst, unbehandelt beim Winzer. Im allgemeinen Abschnitt zu den Kräuterweinen erwähnt Rasch, dass manche das Würzgut in ein Säcklein fassen und einhängen; hier liegt es lose im Most. Zum Auffüllen eignet sich ein ähnlicher, guter Wein. Die Heilwirkungen gibt der Text so wieder, wie Rasch sie lobt; als heutiger Gesundheitsrat taugen sie nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-073-orig" n="Tamariſc ſchelfen" resp="#fyndling">Schelfe heißt Schale, weiche Baumrinde (Grimm; Stieler: cortex). Gemeint ist die Rinde der Tamariske.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-073-orig" n="ein halb M" resp="#fyndling" subtype="philological">Eine halbe Handvoll. M ist das Apothekerzeichen für den manipulus; Wirsungs Arzneibuch erklärt: „Manipulus ist ein Handvol Kreuter, Blumen, Samen und dergleichen, das verzeichnen wir mit M“, und das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch gibt für Manipel „eine Handvoll“.<list type="alternatives"><item>ein halbes Maß<note type="rationale">Im selben Satz schreibt Rasch das Maß aus („acht maß Moſt“); für Kräuter verwendet er sonst die Handvoll.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-073-orig" n="Hirſchzungen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium), so Adelung und Campe für Hirschzunge. Rasch nennt im Abschnitt zum Hirschzungenwein selbst eine Art mit langen Blättern, die am Ende raue Striche haben, und lässt beide Hirschzungen zusammen verwenden.<list type="alternatives"><item>Steinfarn<note type="rationale">Rasch nennt den Steinfarn „die rechte Hirschzung“, und Grimm belegt „hirtzenzung ... heiszt auch steinfarn“. Welcher Farn damit gemeint ist, bleibt offen: Milzfarn oder Engelsüß.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-074-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterwein, kalt angesetzt: Rosmarin und Hirschzungen ziehen über Nacht in fertigem Wein, ohne Gärung und ohne Feuer. Rasch gibt ihn als Ausweg zum schnellen Rosmarinwein des Absatzes davor, bei dem die Kräuter mit Most vergoren werden.

Was wird ersetzt? Der Text sagt nur „anstelle des oben Aufgezählten“. Auffällig ist, dass der Ersatz ohne Most und ohne Tamariskenrinde auskommt und „Rosmarin“ statt „Rosmarinblumen“ nennt; welcher Teil der Pflanze gemeint ist, bleibt offen.

Hirschzungen. Gemeint ist ein Farn; Rasch selbst unterscheidet zwei Arten (siehe Anmerkung). Der Hirschzungenfarn ist die Art, die seiner zweiten Beschreibung entspricht.

Praxis. Rasch nennt keine Mengen, kein Gefäß und sagt nicht, ob die Kräuter danach herauskommen; seine einzige Angabe ist „über Nacht“. Heute würde man den Wein am nächsten Tag abseihen - das ist eine moderne Ergänzung, nicht Raschs Text.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-074-orig" n="Hirſchzungen" resp="#fyndling">Ein Farn, nicht die Zunge vom Hirsch. Rasch unterscheidet kurz vorher im Absatz über den Hirschzungenwein selbst zweierlei Hirschzungen: den Steinfarn, „der die rechte Hirschzung ist“, und eine Art mit langen Blättern, die am Ende raue Striche tragen. Die zweite Beschreibung passt zum Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium), den Grimm und Adelung unter „Hirschzunge“ führen; welchen Farn Rasch Steinfarn nennt, bleibt offen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-074-orig" n="an ſtat des erzehlten/ wo man ſie nicht bekommen mag" resp="#fyndling" subtype="contextual">„Erzählen“ heißt bis ins 17. Jahrhundert „der Reihe nach aufzählen“ (Grimm, 2. Auflage). Gemeint ist das im Absatz davor (ras-073) für den schnellen Rosmarinwein Aufgezählte: Rosmarinblüten, Hirschzungen, Tamariskenrinde und Most; „ſie“ sind diese Dinge. Daher übersetzt als „anstelle des oben Aufgezählten, wenn man diese Dinge nicht bekommen kann“.<list type="alternatives"><item>„ſie“ meint nur einen Teil davon, etwa die Rosmarinblüten oder den Most.<note type="rationale">Möglich, weil der Ersatz „Rosmarin“ statt „Rosmarinblumen“ nennt, keine Tamariskenrinde braucht und Wein statt Most nimmt. Welches Ding fehlt, sagt der Text nicht.</note></item><item>„ſie“ meint Rosmarin und Hirschzungen selbst.<note type="rationale">Grammatisch möglich, ergibt aber keinen Sinn: der Ersatz würde sich selbst ersetzen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-075-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Fruchtansatz in Wein: Sauerkirschen werden entstielt, samt den Kernen im steinernen Mörser zerstoßen und mit fertigem roten oder weißen Wein übergossen. Rasch gibt das als Brauch der Leute am Rhein wieder und hält das Ergebnis selbst für ziemlich matt.

Was der Text offen lässt. Er nennt weder das Verhältnis von Kirschen zu Wein noch das Gefäß für den Ansatz, keine Ziehzeit und kein Abseihen. Ob der Ansatz nachgärt, sagt er nicht. Die drei oder vier Tage im Folgeeintrag gelten für die Art mit ganzen Beeren, nicht für diese.

Die Kerne. Der steinerne Mörser ist nötig, weil die Kerne mitzerstoßen werden; im Folgeeintrag schreibt Rasch die harntreibende Wirkung vor allem den zerstoßenen Kernen zu. Heutiger Hinweis: Kirschkerne enthalten Amygdalin, aus dem beim Zerstoßen Blausäure frei werden kann. Weil der Text weder Menge noch Dauer nennt, ist das der Punkt, auf den man beim Nachstellen achten muss.

Praxis. Menge und Ziehzeit legt fest, wer es nachstellt, und sollte sie als eigene Festlegung kennzeichnen. Als heutige Vorsicht bietet es sich an, nur einen Teil der Kerne aufzuschlagen und den Wein nicht lange auf den zerstoßenen Kernen stehen zu lassen. Raschs Urteil, solcher Wein werde matt, beantwortet er selbst im Folgeeintrag mit der Art aus ganzen Beeren.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-075-orig" n="Amarellen, Weichßlen" resp="#fyndling">Beides Sauerkirschen. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt Amarelle als Sauerkirsche oder Frühweichsel; Weichsel ist der oberdeutsche Name der Sauerkirsche.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-075-orig" n="beer" resp="#fyndling">Beeren, hier die Kirschfrüchte. Rasch nennt sie auch im Folgeeintrag so („mit gantzen beeren“).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-075-orig" n="math" resp="#fyndling">Matt, also kraftlos und fade. Das Schweizerische Idiotikon belegt „matt“ in diesem Sinn ausdrücklich für Speisen und Getränke.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-075-orig" n="vnd darumb" resp="#fyndling" subtype="lexical">Örtlich: „am Rheinstrom und dort herum“. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt „darum“ als Lokaladverb ‚um diesen Ort herum, dort herum‘, Adelung ebenso; vor dem Wort steht nur eine Ortsangabe, auf die es sich bezieht.<list type="alternatives"><item>Begründend: „deshalb nennen sie alle Weine Kirschwein“.<note type="rationale">Es geht kein Satz voraus, den ein „deshalb“ aufnehmen könnte; die Überschrift ist kein Grund.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-076-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kirschwein als kurzer Ansatz: Ganze Weichseln kommen lagenweise mit Spänen ins Fass, Wein wird darübergegossen, und nach drei oder vier Tagen hat er die Farbe angenommen. Rasch stellt das Verfahren gegen das vorige, bei dem die Kirschen samt Kernen im Mörser zerstoßen werden und der Wein, wie er schreibt, ziemlich matt wird.

Keine Gärung genannt. Von Gären, Sieden oder Verspunden ist nicht die Rede. Das einzige Zeichen, dass der Wein fertig ist, ist die Farbe.

Die Späne. Rasch nennt keinen Zweck und lässt die Holzart offen. Beim Kräuterwein, auf den der Beerwein zurückverweist, nennt er Buchen- oder Haselspäne. Wer es heute nachmacht, nimmt unbehandeltes, ungeräuchertes Holz.

Die Kerne. Die Wirkung auf Harn, Grieß und Stein knüpft Rasch daran, dass die Kerne zerstoßen sind. Bei ganzen Beeren bleiben sie heil. Heute bekannt: Kirschkerne enthalten Amygdalin, aus dem beim Zerstoßen Blausäure frei werden kann; zerstoßene Kerne sollten daher nicht in größerer Menge im Wein ziehen.

Praxis. In einem sauberen Gefäß abwechselnd eine Lage Späne und eine Lage ganzer Weichseln schichten, bis es voll ist, mit Wein auffüllen und drei oder vier Tage stehen lassen, bis der Wein gut gefärbt ist. Eine Weinsorte nennt Rasch hier nicht; beim vorigen Kirschwein nimmt man roten oder weißen. Gewürz kommt ausdrücklich nicht hinein.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-076-orig" n="Beerwein vnnd Rappes" resp="#fyndling">Beide Weine beschreibt Rasch einige Einträge vorher: Traubenbeeren werden mit Spänen ins Fass eingelegt und mit Most oder Wein aufgefüllt. „Rappes“ ist nach dem Grimmschen Wörterbuch ein Wein aus Traubenkämmen oder ein Wein, der auf ganze Trauben gegossen wird; das Elsässische Wörterbuch beschreibt den Straßburger Räppis mit Haselspänen unten im Fass und Trauben darauf.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-076-orig" n="temperierte natur" resp="#fyndling">„Temperieren“ heißt im Frühneuhochdeutschen: im rechten Verhältnis mischen und dadurch mäßigen. Gemeint ist eine ausgeglichene Natur im Sinn der damaligen Säftelehre, weder zu hitzig noch zu kalt.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-076-orig" n="grieß vnnd ſtain" resp="#fyndling">Grieß und Stein sind in der Heilkunde der Zeit Ablagerungen in Nieren und Blase.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-076-orig" n="zeil ſpaͤn" resp="#fyndling" subtype="lexical">Eine Lage Späne, im Wechsel mit Weichseln geschichtet. „Zeile“ heißt im Oberdeutschen allgemein Reihe (Adelung, Schmeller); im Fass wird daraus eine Lage, weil der Satz mit „vnd alſo foꝛt biß das Faß voll wird“ das Wiederholen verlangt.<list type="alternatives"><item>Eine einzelne Reihe Späne am Boden<note type="rationale">Passt nicht zu „vnd alſo foꝛt biß das Faß voll wird“.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-076-orig" n="derſelbig fuͤrdert" resp="#fyndling" subtype="contextual">Subjekt ist der Wein: Alle Sätze davor („Dieſer vberkombt … Eroͤffnet auch … treibt“) haben ihn zum Subjekt.<list type="alternatives"><item>Subjekt ist der Harn (der harm)<note type="rationale">Ebenfalls Singular und unmittelbar davor genannt: der Harn trüge dann Grieß und Stein hinaus. Möglich, aber die Reihe der Wirkungen spricht für den Wein.</note></item><item>Subjekt sind die Kerne<note type="rationale">„die kern“ ist Plural, „derſelbig“ Singular.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-077-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Raschs Grundverfahren für Met: ein Maß Honig auf acht Maß Wasser, im weiten Kessel gesotten und abgeschäumt, erkaltet im Fass vergoren, wahlweise mit Gewürz, danach drei Monate verspundet gelagert. Der folgende Eintrag führt denselben Satz weiter, mit dem Met, den man gleich trinken will.

Wie lange sieden? Eine Zeit nennt Rasch nicht, sondern zwei Zeichen: Abgeschäumt wird, bis der Sud anfängt, ganz klar zu werden, und je länger der Met halten soll, desto mehr wird gesotten. Heute würde man sagen: Längeres Sieden dampft Wasser ab, im selben Maß steckt dann mehr Honig. Warum das Feuer ohne Rauch sein soll, begründet Rasch nicht; naheliegend ist, dass der offene Sud keinen Rauch annehmen soll.

Gärung mit der Fasshefe. Rasch nennt keine Hefe, und der gesottene Sud bringt selbst keine lebende mit. Die Gärung kommt aus dem Fass: Ein immer wieder benutztes Fass trägt im Holz eine eingefahrene Hefe, in der sich über die vielen Ansätze die gärkräftigen Stämme durchgesetzt haben. Der Sud kommt erst erkaltet hinein.

Drei Finger leer. Das Fass wird nicht voll gefüllt, „daß es verghiſe“: Die lebhafte Gärung schäumt auf, und der leere Raum nimmt den Schaum auf.

Das Gewürz. Ingwer, Zimt, Nelken, Galgant und Muskatnuss werden nach dem Füllen ins Fass gehängt und gären mit; Mengen nennt Rasch nicht. Hängen setzt ein Säcklein oder Tüchlein voraus, das Rasch hier nicht nennt; Hohberg, der dieses Verfahren übernimmt, schreibt „in ein Tuͤchlein vernaͤhet“. Ob es vor dem Verspunden herauskommt, steht nicht da. „Stärker und kräftiger“ meint wohl Geschmack und Wirkung, denn Alkohol bringt Gewürz nicht. Den Safran nennt Rasch für Farbe, Wirkung und Geruch.

Verspunden und Lagern. Erst wenn der Met ganz vergoren hat, wird das Fass gut verspundet und bleibt drei Monate liegen. Woran man das Ende der Gärung erkennt, sagt Rasch nicht. Gärt ein Met im fest verspundeten Fass noch nach, baut sich Druck auf; deshalb steht das Verspunden bei ihm erst nach der Gärung.

Für Metmacher: die Zahlen

Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.

| Lesart | Zucker | SG (OG) | °Oe | °Brix | Alkohol bis trocken |
|---|---|---|---|---|---|
| „ein maß guts Hoͤnigs/ acht maß waſſer“, Einsieden ohne Maß | 138-212 g/l | 1,053-1,082 | 53-82 | 13,1-19,7 | 8,2-12,6 % |
| dasselbe, zum Vergleich ohne Einkochverlust | 117-127 g/l | 1,045-1,049 | 45-49 | 11,2-12,2 | 6,9-7,5 % |

„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.

Annahmen: Honig und Wasser sind im selben Raummaß gemessen, die Größe der Maß kürzt sich heraus. Rasch beziffert das Einsieden nicht; die erste Zeile nimmt einen Einkochverlust von 15-40 % an, der den größten Teil der Spanne erzeugt, die zweite Zeile ist die Untergrenze ohne jedes Einkochen. Ein Met, der lange halten soll und entsprechend länger gesotten wird, kann über der oberen Zahl liegen. Nicht eingerechnet sind Gewürz, Safran und der abgeschäumte Anteil.

Praxis. Heutiger Hinweis, nicht bei Rasch: Ohne eingefahrenes Fass setzt man dem abgekühlten Sud Weinhefe zu. Verspundet wird erst, wenn die Gärung ruht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-077-orig" n="maß" resp="#fyndling">Altes Raummaß, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Für dieses Rezept zählt das Verhältnis: ein Teil Honig auf acht Teile Wasser, im selben Maß gemessen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-077-orig" n="gefewꝛte ... wein" resp="#fyndling">„Gefeuerter“ Wein ist nach den Wörterbüchern mit Feuer behandelter Wein, lateinisch vinum calefactum (Grimm, Frühneuhochdeutsches Wörterbuch). Die kaiserliche Weinordnung von 1498 nennt gefeuerte, getreberte und gesottene Weine nebeneinander. Was genau dabei geschah, ist nicht sicher geklärt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-077-orig" n="henck folgends gewuͤrtz darein" resp="#fyndling" subtype="contextual">„Hänge danach Gewürz hinein“: Das Gewürz kommt nach dem Füllen ins Fass und gärt mit. Hängen setzt ein Säcklein oder Tüchlein voraus; Rasch kennt die Gewürzsäcklein (beim Weichselwein des vorigen Eintrags), Hohberg schreibt bei diesem Verfahren „in ein Tuͤchlein vernaͤhet/ darein haͤngen“.<list type="alternatives"><item>Gewürz lose ins Fass geben<note type="rationale">Hier nennt Rasch kein Säcklein; „hängen“ spricht aber für eine Aufhängung, und Hohbergs Fassung ist ausdrücklich. Hohberg folgt Rasch und ist kein unabhängiger Zeuge.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-078-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Die schnelle Gebrauchsform von Raschs Met: derselbe Sud aus Honig und Wasser wie im vorigen Eintrag, aber kürzer gesotten, nicht ins Fass gefüllt und nicht vergoren, sondern getrunken, sobald er abgekühlt ist. Es entsteht ein gesottenes Honigwasser ohne Gärung.

Wie lange sieden? Rasch nennt keine Zeit. Im Grundverfahren wird bei sanftem Feuer abgeschäumt, bis der Sud anfängt, klar zu werden, und umso länger gesotten, je länger der Met halten soll. „Nicht viel“ sieden heißt also, am kurzen Ende dieser Regel zu bleiben. Hohberg, der Raschs Met-Verfahren übernimmt, sagt dasselbe als „nicht dick einsieden lassen“.

Warum jeden zweiten Tag frisch? Rasch begründet es nicht. Heute würde man sagen: ein verdünntes, ungegorenes Honigwasser bleibt nicht lange ungegoren, weil Hefen aus Luft und Gefäß bald zu arbeiten beginnen. Der kurze Takt hält den Trunk so, wie Rasch ihn will.

Praxis. Honig und Wasser im Verhältnis des vorigen Eintrags (ein Maß Honig auf acht Maß Wasser) bei sanftem Feuer aufsetzen, abschäumen, bis der Sud klar zu werden beginnt, und dann nicht weiter einsieden. Abkühlen lassen und trinken. Gewürze nennt dieser Satz nicht. Heute: kühl aufbewahren und, wie Rasch es verlangt, rasch verbrauchen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-078-orig" n="vergieren" resp="#fyndling">Gären. Fischers Schwäbisches Wörterbuch führt „vergieren“ und „vergieset“ als Formen von vergären; Rasch schreibt im Met-Absatz davor „verghise“ und „vergieset“ für dasselbe.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-078-orig" n="vber den andern tag" resp="#fyndling" subtype="lexical">Jeden zweiten Tag. „Über den andern Tag“ ist eine feste Formel für den Zwei-Tage-Takt; Grimm (Artikel „über“) belegt sie aus der Plinius-Übersetzung von 1584: „die löwen essen gemeiniglich über den andern tag“.<list type="alternatives"><item>Am übernächsten Tag, einmalig<note type="rationale">Möglich, wenn man nur einen Ansatz meint; die Wörterbuchbelege sind aber durchweg wiederkehrend, und praktisch läuft es auf dasselbe hinaus.</note></item><item>Am nächsten Tag<note type="rationale">„Der ander tag“ allein kann den Folgetag meinen, die Formel mit „über“ aber nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-079-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Nachsatz zu Raschs Grundverfahren für Met (ras-077): Dort soll der ausgegorene Met drei Monate gut verspundet liegen. Rasch fügt hinzu, dass man in Livland, der historischen Landschaft an der Ostsee im heutigen Estland und Lettland, die verspundeten Fässer stattdessen eine Zeit lang in die Erde gräbt, und dass der Met dadurch stärker werde als sehr guter Wein. Dauer, Tiefe und Zeitpunkt nennt er nicht.

Wann verspundet? Der Text sagt es für den livländischen Brauch nicht. Im Grundverfahren steht die Reihenfolge fest: erst „gar vergieſet“, dann verspundet liegen lassen. Wer den Brauch so liest, gräbt den Met nach der Gärung ein. Heute gesprochen: Ein fest verspundetes Fass hält die Kohlensäure zurück; gärt der Met darin noch nach, steigt der Druck. Deshalb heute erst verspunden, wenn die Gärung zur Ruhe gekommen ist.

„Stärker als Wein“. Das ist Raschs Behauptung, sie wird hier nicht korrigiert. Hohberg begründet sie 1682 anders: Der Met verliere in der Erde Geruch und Geschmack von Honig und Wachs und gleiche fast dem Wein. Heutige Einordnung: Die Erde hält das Fass kühl und gleichmäßig temperiert; mehr Alkohol entsteht dabei nur, wenn noch Zucker nachgärt.

Praxis. Met nach dem Grundverfahren ansetzen und ausgären lassen, dann das Fass fest verspunden. Wie lange und wie tief es in die Erde kommt, sagt Rasch nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-079-orig" n="Liefland" resp="#fyndling">Livland, die historische Landschaft an der Ostsee, benannt nach dem Volk der Liven: im weiteren Sinn das heutige Estland und der größte Teil Lettlands, mit Riga als größter Stadt. Im Spätmittelalter Land des Deutschen Ordens; zur Zeit Raschs im Livländischen Krieg (1558-1583) zwischen Russland, Polen-Litauen, Schweden und Dänemark aufgeteilt. Rasch nennt es als Herkunft des Brauchs.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-079-orig" n="Dieser wird ſtaͤrcker" resp="#fyndling" subtype="contextual">„Dieser“ ist der Met: Der Satz steht im Kapitel „Von dem Meth“ mitten im Absatz zwischen dem Grundverfahren mit der dreimonatigen Lagerung im verspundeten Fass und dem Met „in der eyl“; Wein ist nur die Vergleichsgröße. Hohberg übernimmt den Brauch 1682 ausdrücklich für Met („wird er in den zugeſpunten Tonnen … vergraben“).<list type="alternatives"><item>Gemeint ist Wein, der im Fass vergraben wird<note type="rationale">Der Satz nennt am Ende Wein, aber als Maßstab („ſtaͤrcker dañ … wein“). Im Met-Kapitel und nach Hohbergs Wiedergabe trägt diese Lesart nicht.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-079-orig" n="faſt guter vñ krefftiger wein" resp="#fyndling" subtype="lexical">„faſt“ = sehr: stärker als sehr guter und kräftiger Wein. Adelung führt „fast“ für „sehr“ als ältere Bedeutung mit Belegen aus der Lutherbibel („Sie war fast schön“); das Grimmsche Wörterbuch leitet es von mhd. „vaste“ fest, stark, sehr her. Rasch gebraucht es im selben Kapitel so („mit faſt erhitzigen“, nicht sehr erhitzen).<list type="alternatives"><item>„faſt“ = beinahe: stärker als beinahe jeder gute und kräftige Wein<note type="rationale">Heutige Bedeutung, grammatisch ohne „jeder“ schwer zu bilden. Hohberg macht 1682 daraus die schwächere Aussage, der Met „ſcheinet faſt dem Wein zu vergleichen“, also beinahe wie Wein.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-080-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein schnell gesottener Met: Muskatnuss und Zimt kochen im Wasser, bis ein Drittel eingesotten ist, dann kommt geläuterter Honig dazu, und der Sud siedet weiter, bis von den drei großen Maß ungefähr anderthalb bleiben. Eine Zeit nennt Rasch nicht; das Ende erkennt man an der Menge.

Erst die Gewürze, dann der Honig. Die Gewürze kochen zuerst allein im Wasser aus, der Honig kommt erst nach dem ersten Einsieden dazu. Er ist schon vorher geläutert; ein eigenes Abschäumen nennt dieser Eintrag nicht, anders als das Grundverfahren. Ob die Muskatnuss ganz bleibt, lässt die Satzstellung offen; die Parallele von 1543 schneidet alles klein.

Gärt er? Rasch sagt es nicht. „In der eyl“ meint die schnelle Bereitung; Fass, Hefe und Wartezeit fehlen. Der gesottene Sud bringt keine lebende Hefe mit. Soll er gären, muss sie wie im Grundverfahren aus dem eingefahrenen Fass kommen. Der Eintrag davor beschreibt einen Met, den man ungegoren trinkt, sobald er erkaltet ist; ob dieser Met ebenso gemeint ist, bleibt offen.

Muskatnuss. Muskat ist in größeren Mengen giftig. Rasch nimmt eine Nuss für den ganzen Sud; mehr sollte es nicht werden.

Für Metmacher: die Zahlen

Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.

| Lesart | Zucker | SG (OG) | °Oe | °Brix | Alkohol bis trocken |
|---|---|---|---|---|---|
| „ein halb pfund geleutert hoͤnig“ auf „dꝛey groß maß … waſſer“, bis „anderthalb maß bleiben“, Pfund zu 560 g | 102-135 g/l | 1,039-1,052 | 39-52 | 9,9-12,9 | 6,1-8,0 % |
| dasselbe, Pfund zu 470 g | 86-114 g/l | 1,033-1,044 | 33-44 | 8,3-10,9 | 5,1-6,8 % |

„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.

Annahmen: Rasch misst den Honig nach Gewicht und das Wasser nach Raummaß, deshalb hängt das Ergebnis an beiden Größen, und keine davon ist für ihn belegt. Gerechnet ist ein Pfund von 470 oder 560 g und eine Maß von etwa 1,07 bis 1,4 Litern; die Spanne in jeder Zeile kommt von der Maß. Welches „große“ Maß Rasch meint, sagt er nicht; ein größeres Maß ergäbe niedrigere Werte. Das Einkochen folgt aus dem Text: Von drei Maß Wasser samt Honig bleiben anderthalb. Ob der Sud überhaupt vergoren wird, sagt Rasch nicht; die Tabelle zeigt, wie stark er ist und was er höchstens ergäbe. Nicht eingerechnet sind Muskatnuss und Zimt.

Praxis. Heutiger Hinweis, nicht bei Rasch: Wer den Sud vergären will und kein eingefahrenes Fass hat, setzt ihm abgekühlt Weinhefe zu. Ungegoren getrunken ist er ein gewürzter Honigtrank.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-080-orig" n="groß maß" resp="#fyndling">Altes Raummaß, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Welches „große“ Maß Rasch meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-080-orig" n="geleutert hoͤnig" resp="#fyndling">Gereinigter Honig. Läutern heißt im Frühneuhochdeutschen reinigen, oft mit Hitze (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-080-orig" n="vergicht" resp="#fyndling">Gicht im alten Sinn: ein Krampf- und Lähmungsleiden, bei Grimm lateinisch paralisis, bei Schmeller „Convulsion“. Gemeint ist hier nicht die Gelenkgicht, die Rasch eigens als Podagra nennt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-080-orig" n="ein gute Muſcatnuß/ Zimet 2. lot klein geſchnittẽ" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das Partizip „klein geschnitten“ steht hinter dem Zimt; die Übersetzung behält diese Stellung und lässt offen, ob die Muskatnuss ganz mitgesotten wird.<list type="alternatives"><item>Auch die Muskatnuss wird klein geschnitten.<note type="rationale">Die Wolfenbütteler Handschrift von 1543 (wo10-021) hat dasselbe Verfahren mit einer ganzen Muskatnuss und zwei Lot Zimt und schreibt ausdrücklich „alles klain geschnitten“. Bei Rasch fehlt das „alles“.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-080-orig" n="in der eyl" resp="#fyndling" subtype="contextual">„In Eile“ meint die schnelle Bereitung. Fass, Hefe und Wartezeit nennt Rasch nicht; ob der Met gleich getrunken oder noch vergoren wird, bleibt offen.<list type="alternatives"><item>Gleich getrunken, ohne Gärung.<note type="rationale">Der Eintrag davor (ras-078) beschreibt einen Met, den man ohne Gärung trinkt, sobald er erkaltet ist. Das ist Nachbarschaft, keine Aussage dieses Eintrags.</note></item><item>Im Fass vergoren wie das Grundverfahren.<note type="rationale">Im selben Abschnitt gärt Met sonst im Fass (ras-077). Auch dafür sagt dieser Eintrag nichts.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-081-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Der Auftakt von Raschs kurzem Abschnitt über Weinfehler. Er will nur Weniges aufzählen und beginnt mit einem fertigen Mittel, „Herrn Tristrands Wasser“: Ein wenig davon kommt in den zähen Wein, dann wird durcheinandergerührt, und der Wein soll wieder frisch und trinkbar sein. Eine Menge Wein, ein Gefäß oder eine Wartezeit nennt der Text nicht.

Das Wasser. Was es enthält, steht nicht in diesem Eintrag. Rasch gibt die Vorschrift wenige Absätze später unter der Überschrift „Herren Tristrants Wasser“: Gewürze, Rhabarber und Bibergeil werden in Wein angesetzt, später gestoßen und danach im heißen Wasser gebrannt. Dort wiederholt er, dass ein wenig davon ein Fass zähen Weins frisch mache. Gemeint ist also ein gebranntes Gewürzwasser auf Weinbasis, kein Brunnenwasser.

Zäher Wein. Grimms Wörterbuch erklärt „zäher Wein“ als schwerflüssigen Wein. Heute heißt ein Wein, der dickflüssig wird und beim Einschenken Fäden zieht, zäh oder lind; dass Rasch genau diesen Fehler meint, ist eine Einordnung aus dem Wort, kein Beleg.

Was wirkt. Rasch begründet die Wirkung des Wassers nicht, und eine Wirkung eines Gewürzdestillats gegen zähen Wein ist nicht belegt. Heute behandelt man einen zähen Wein vor allem durch kräftiges Durchmischen; das Durchrühren steht auch bei Rasch, ohne dass er es als das Wirksame benennt.

Praxis. Ohne Herrn Tristrands Wasser lässt sich der Eintrag nicht nachstellen, und dessen Vorschrift ist ein eigener, mehrwöchiger Ansatz mit anschließendem Brennen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-081-orig" n="zaͤhẽ wein" resp="#fyndling">Zäh, hier ein Weinfehler. Grimms Wörterbuch erklärt „zäher Wein“ als schwerflüssigen Wein, lateinisch vinum pendulum.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-081-orig" n="Herꝛ Triſtrands" resp="#fyndling">Ein benanntes, fertig zubereitetes Mittel. Rasch beschreibt es wenige Absätze später als „Herren Tristrants Wasser“: in Wein angesetzte Gewürze, danach gebrannt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-082-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel in zwei Schritten: Im Mai wird Rinde gewonnen und haltbar gemacht, später hängt man sie in einen Wein, der zäh zu werden droht. Rasch reiht es mit „Item“ an Herrn Tristrands Wasser an, das demselben Fehler gilt.

Welcher Baum? „feuchten baum“ lesen wir als Fichte: „Feuchte“ ist eine belegte süddeutsche Form des Baumnamens, und die älteren Fassungen desselben Mittels nennen eine junge Tanne beziehungsweise Fichtenrinde. Sicher ist der Nadelbaum, nicht die genaue Art.

Wässern und Trocknen. Die abgeschabte obere Rinde liegt zweimal drei Tage in frischem Wasser und wird jedes Mal gewaschen, dann im Schatten getrocknet. Einen Grund dafür nennt Rasch nicht.

Im Wein. Vier oder fünf gleich lange Stücke kommen auf einen Faden und werden in den Wein gehängt. Wie lange sie darin bleiben und für wie viel Wein die Menge reicht, sagt der Text nicht. Die Wirkung ist Raschs Angabe („das sol jn frisch machen“); ob Rinde gegen das Zähwerden hilft, lässt sich aus dem Text nicht beurteilen.

Praxis. Wer es nachstellt, nimmt heute nur Rinde von unbehandelten Bäumen. Verweildauer und Weinmenge muss man selbst festlegen; Rasch gibt dafür nichts vor.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-082-orig" n="zeh" resp="#fyndling">Zäh, hier ein Weinfehler: der Wein wird dickflüssig und zieht beim Einschenken Fäden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-082-orig" n="jungen feuchten baum" resp="#fyndling" subtype="lexical">„Feuchte“ als Baumname, also eine junge Fichte. Henisch (1616) führt „Feuchtenbaum“ mit lateinisch pinus und verweist auf „Fichtenbaum“, Sebiz (Feldbau 1579/80) schreibt „Der Feuchtenbaum“, Schmeller kennt die bairische Form „Feichten“ für die Fichte. Dasselbe Verfahren nimmt bei der Stenglerin (1554) Rinde „von ainer jungen tann“, bei Staindl (1545) „feichten rinden“.<list type="alternatives"><item>ein junger, saftiger Baum ohne Artangabe<note type="rationale">„feucht“ als Eigenschaft (im Saft stehend, zur Maizeit) ist sprachlich möglich, die Parallelen nennen aber durchweg einen Nadelbaum. Ob regional auch Kiefer oder Tanne mitgemeint ist, lässt der Beleg offen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-083-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Schnellverfahren für Essig: Salz wird mit Pfeffer und Sauerteig vermischt und in den Wein geworfen. Mengen, Gefäß und Dauer nennt der Text nicht; „in der eyl“ ist Raschs Versprechen, keine Zeitangabe.

Der Sauerteig. Sauerteig als Zusatz zum Essigansatz kommt in anderen Essigverfahren des Korpus mehrfach vor, dort meist zusammen mit Wärme (k1-159, rum-2005). Rasch nennt hier kein Erwärmen, und welches Getreide im Teig steckt, sagt er nicht.

Heutige Einordnung. Essig entsteht nach heutigem Wissen, wenn Essigsäurebakterien den Alkohol des Weins mit Luft zu Essigsäure umsetzen. Der Sauerteig bringt Säure und lebende Keime mit; für Salz und Pfeffer ist keine Rolle bei der Essigbildung bekannt. Was Rasch sich von ihnen versprach, sagt er nicht.

Praxis. Ein Nachbau ist ein Versuch ohne Vorgaben. Modern: in einem offenen, mit einem Tuch abgedeckten Gefäß ansetzen, weil die Essigbildung Luft braucht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-083-orig" n="behendt" resp="#fyndling">Behend: schnell, geschwind (Grimm: „celer, citus“; Bayerisches Wörterbuch: „schnell“).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-083-orig" n="werff Saltz darein" resp="#fyndling" subtype="contextual">„darein“ bezieht sich auf den Wein; ob im Fass oder in einem kleineren Gefäß, ob warm oder kalt, lässt der Text offen, und die Übersetzung ergänzt nichts.<list type="alternatives"><item>Im Fass, wie im folgenden Verfahren<note type="rationale">ras-084 stößt den glühenden Ziegel ausdrücklich „ins vaß“; für diesen Satz steht das nicht da.</note></item><item>Warm angesetzt, wie in anderen Sauerteig-Essigen<note type="rationale">k1-159 und rum-2005 erwärmen den Wein; Rasch sagt hier nichts von Wärme.</note></item></list><ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saltz"/></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-084-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellerkniff aus der Reihe kurzer Schnellessig-Verfahren am Anfang von Raschs Essig-Abschnitt. Er steigert den vorigen Eintrag (Salz, Pfeffer und Sauerteig): Es soll noch schneller gehen. Was im Fass liegt, sagt der Satz nicht ausdrücklich; aus dem vorigen Eintrag ergibt sich Wein, der zu Essig werden soll.

Glühender Ziegel oder Stahl. Rasch nennt nur das Hineinstoßen, ein- oder zweimal. Ob der Gegenstand danach wieder herauskommt, sagt er nicht; das wiederholte Stoßen spricht für kurzes Eintauchen. Ein verwandtes Verfahren steht weiter vorn im Buch: ein glühendes Stahlblech, das im Wein abgelöscht wird (ras-033). Eine Begründung gibt Rasch in keinem der beiden Fälle. Heutige Einordnung: Ein kurz eingetauchter glühender Gegenstand erwärmt den Fassinhalt kaum, und heutige Essigbereitung setzt auf Essigmutter, Luft und Wärme.

Rettich und unreife Früchte. Die zweite Gruppe sind Zusätze, die ins Fass kommen. Ob „unzeitig“ nur die Mispeln oder die ganze Reihe meint, lässt der Satz offen. Unreife Mispeln sind sehr herb; die welschen Kirschen sind wohl Kornelkirschen. Mengen nennt Rasch für keinen der Zusätze.

Praxis. Wer den Handgriff nachstellen will, hält den glühenden Ziegel oder Stahl mit einer Zange (heutiges Hilfsmittel) und rechnet beim Eintauchen mit heißem Dampf und Spritzern; ein Ziegel kann bröckeln und Splitter im Fass lassen. Für Rettich und Früchte gibt der Text keine Menge, keine Dauer und kein Zeichen, wann der Essig fertig ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-084-orig" n="welſche kirſchen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Wohl Kornelkirschen (Cornus mas): Grimms Wörterbuch führt unter „Kornelle“ die „welsche kirsche“ als einen der Volksnamen der Kornelkirsche, und Adelung nennt „Wälsche Kirschen“ als regionalen Namen für Baum und Frucht. Im Text bleibt „welsche Kirschen“ stehen.<list type="alternatives"><item>eine aus dem romanischen Süden eingeführte Kirschsorte<note type="rationale">„welsch“ heißt allgemein „romanisch, fremd“; möglich, aber für die Fügung „welsche Kirsche“ nicht eigens belegt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-085-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Der dritte der kurzen Schnellessig-Kniffe am Anfang von Raschs Essig-Abschnitt. „Deßgleichen“ knüpft an die beiden vorigen Einträge an: Wie Salz mit Pfeffer und Sauerteig (ras-083) oder der glühende Ziegel, Rettich und unreife Früchte (ras-084) sollen Nelkenblüten den Wein rasch zu Essig machen. Rasch nennt keine Menge, kein Gefäß, keine Dauer und kein Zeichen, woran man den fertigen Essig erkennt.

Welche Blüte? „Negelein bluͤe“ ist die Blüte der Nelke, nicht die Gewürznelke. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt „nagelblume“ als Nelke oder Blüte der Nelke, und Henisch (1616) stellt „negelin, negelblumen“ zu „caryophylla altilis, betonica altilis“. Gewürznelken wiegt Rasch sonst in Lot ab (ras-090, ras-113). Den Namen Chariophilata gibt er an anderer Stelle der wohlriechenden Wurzel der Nelkenwurz (ras-072); hier setzt er ihn ausdrücklich der Blüte gleich. Ob die Blüten frisch oder getrocknet hineinkommen, sagt er nicht.

Heutige Einordnung. Essig entsteht, wenn Essigsäurebakterien mit Luft den Alkohol des Weins umsetzen. Dass Blüten diese Säuerung beschleunigen, ist nach heutigem Wissen nicht belegt; übergehen kann ihr nelkenartiger Duft.

Praxis. Für einen heutigen Versuch eignen sich frische, ungespritzte Blüten von Gartennelken; Schnittnelken aus dem Blumenhandel sind oft mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Menge, Gefäß und Dauer muss man selbst festlegen, der Text gibt dafür nichts vor.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-085-orig" n="Viola altilis" resp="#fyndling">Lateinisch etwa „zahme“ oder Garten-Viole. Gerards Kräuterbuch (1633) führt für die Gartennelken bei Fuchs und Dodonaeus den Namen „Vetonica altilis“, Henisch (1616) „caryophylla altilis“; die Form „Viola altilis“ selbst ist in den Wörterbüchern nicht belegt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-085-orig" n="Negelein bluͤe" resp="#fyndling" subtype="lexical">Blüten der Gartennelke (Dianthus): „bluͤe“ und die Arztnamen zielen auf die Blume; FWB „nagelblume“ = Nelke, Blüte der Nelke; Henisch 1616 „negelin, negelblumen“ = „caryophylla altilis“; Helbach 1604 an derselben Stelle „Neglein Blumen“.<list type="alternatives"><item>Gewürznelken, die getrockneten Blütenknospen des Nelkenbaums<note type="rationale">„Negelin“ meint bei Rasch sonst die Gewürznelke (ras-090, ras-113, ras-116), dort aber in Lot abgewogen und ohne „bluͤe“; die gelehrten Namen passen nicht zur Gewürznelke.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-085-orig" n="Chariophilata" resp="#fyndling" subtype="lexical">So wie der Text sagt, ein Arztname derselben Nelkenblüte; Helbach 1604 schreibt ebenfalls „Neglein Blumen Caryophillata“.<list type="alternatives"><item>Nelkenwurz (Geum urbanum)<note type="rationale">In den Kräuterbüchern heißt Caryophyllata die Nelkenwurz (Emmel 1592 „Benedictenkraut“; Henisch 1616 „à caryophillorum odore“), und Rasch selbst gebraucht den Namen in ras-072 für ihre Wurzel. Hier spricht er aber ausdrücklich von der Blüte; der Name ist wohl über den gemeinsamen Nelkengeruch übertragen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-086-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Schnellverfahren für Essig, das Rasch mit Mizaldus belegt: Neuer, bester Wein wird auf die Hälfte eingesotten, in ein Gefäß gegossen, sorgfältig verschlossen und in siedendes Wasser gelegt. Rasch verspricht Essig „in einem huy“, im Nu. Wie lange das Gefäß im Wasser bleibt, woraus Gefäß und Verschluss bestehen und woran man das Ende erkennt, sagt der Text nicht.

Der eingesottene Wein. Das Einkochen auf die Hälfte ist ein eigener Arbeitsgang vor dem Wasserbad; dasselbe Wort gebraucht Rasch für den süßen Most des Alantweins (ras-069). Anders als bei der verwandten Fassung weiter vorn im Essigkapitel (ras-031) nimmt Mizaldus kein Gefäß, das schon nach Essig riecht.

Heutige Einordnung. Essig entsteht durch Essigsäurebakterien, die Alkohol bei mäßiger Wärme mit Luftsauerstoff umsetzen. Ein fest verschlossenes Gefäß und siedendes Wasser stehen beidem entgegen, und beim Einsieden des Weins entweicht ein großer Teil des Alkohols. Dass auf diesem Weg Essig entsteht, ist nach heutigem Wissen nicht zu erwarten; was Mizaldus' Gewährsleute als Essig ansahen, lässt der Text offen.

Praxis. Ein fest verschlossenes Gefäß im siedenden Wasser gerät unter Druck: Der Stopfen kann herausfliegen, ein Krug oder eine Flasche kann springen. Wer den Versuch nachstellen will, setzt den Verschluss nur lose auf (heutige Vorsichtsmaßnahme), auch wenn Rasch ihn fest verschlossen haben will.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-086-orig" n="in einem huy" resp="#fyndling">Im Nu, in einem Augenblick. Lexer belegt die Wendung „in einem hui“, Frisch erklärt „Hui“ als Augenblick.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-086-orig" n="halb eingeſotnen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Durch Sieden auf die Hälfte eingekocht. „Einsieden“ heißt durch Sieden einkochen (Adelung, Grimm); Dasypodius 1535 erklärt Defrutum als Wein „biß auffs halbteyl eingeſotten“, Helbach 1604 ebenso. Rasch selbst schreibt beim Alantwein „biß vngefehꝛ der halb theil eingeſotten iſt“ (ras-069).<list type="alternatives"><item>Nur halb gar, kurz angekocht.<note type="rationale">Für „halb eingesotten“ in diesem Sinn fand sich kein Beleg; die Wörterbücher und Raschs eigener Gebrauch sprechen für das Einkochen auf die Hälfte.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-087-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Mittel, vorhandenen Essig zu schärfen: Stücke frischen Gerstenbrots kommen in den Essig, nach zwei Tagen soll er sehr sauer sein. Wie viel Brot auf wie viel Essig, in welchem Gefäß und ob offen oder verschlossen, sagt der Text nicht.

Das Brot. Brot und Sauerteig gehören zum Repertoire der Essigbereitung: In der Küchenmeisterei-Überlieferung kommt Roggensauerteig im Tüchlein in den Wein (k1-158, so1-120), bei Rasch selbst Sauerteig mit Salz und Pfeffer (ras-083). Der Feldbau von Estienne und Liébault in Melchior Sebiz' Übersetzung (Straßburg 1579) nennt unter den Mitteln, Weinessig sauer zu machen, ebenfalls „eyn frisch gebachen Gärstenbrot“; „frisch“ heißt dort frisch gebacken.

Heutige Einordnung. Nach heutigem Wissen wird Essig sauer, wenn Essigsäurebakterien Alkohol mit Luft zu Essigsäure umsetzen. Brot bringt keinen Alkohol mit; eine deutliche Verstärkung binnen zwei Tagen lässt sich damit nicht erklären. Was Rasch sich vom Brot versprach, sagt er nicht.

Praxis. Ein Nachbau ist ein Versuch ohne Mengenvorgabe. Modern: das Gefäß offen lassen und mit einem Tuch abdecken, weil die Essigbildung Luft braucht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-087-orig" n="faſt ſawꝛ werden" resp="#fyndling" subtype="lexical">„faſt“ als Verstärker: sehr sauer. Adelung führt für „fast“ als ältere Bedeutung „für sehr“ an; das passt zu „ſtarcken vnd ſcharpffen Eſſig“, und Rasch gebraucht das Wort auch sonst so („faſt ſuͤß“, „faſt ein lieblichen geruch“).<list type="alternatives"><item>„beinahe sauer“<note type="rationale">Heutige Bedeutung, ebenfalls bei Adelung belegt; widerspricht aber dem Versprechen, starken und scharfen Essig zu bekommen.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-087-orig" n="in denſelben … einwirffſt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das Brot kommt in den Essig; Gefäß, Menge und ob offen oder verschlossen, lässt der Text offen, und die Übersetzung ergänzt nichts.<list type="alternatives"><item>Im Fass<note type="rationale">So im Schnellessig mit dem glühenden Ziegel (ras-084, „ins vaß“) und bei Sebiz („inns Fäßlin“); für diesen Satz steht es nicht da.</note></item><item>Im verschlossenen Gefäß<note type="rationale">So im Wasserbad-Essig davor (ras-086); hier sagt Rasch nichts davon.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-088-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel in einem einzigen Satz: Knoblauchsamen werden drei Tage und eine Nacht in Essig gelegt, danach soll der Essig wieder Wein sein. Eine Menge Essig oder Samen, ein Gefäß und ob die Samen danach wieder herauskommen, nennt der Text nicht.

Samen oder Brutzwiebeln. Der Text sagt „Knoblauchſamen“, wie schon im Mittel gegen anzickenden Wein. Kultivierter Knoblauch trägt im Blütenstand meist kleine Brutzwiebeln statt keimfähiger Samen; ob Rasch diese meinte, lässt sich aus dem Eintrag nicht entscheiden. Die Übersetzung bleibt beim Wortlaut.

Praxis. Ein Zeugnis der Kellerliteratur, keine erprobte Anleitung. Heutige Einordnung: Essig entsteht, wenn Essigsäurebakterien den Alkohol des Weins zu Essigsäure umsetzen, und ein eingelegtes Mittel macht daraus keinen Wein mehr.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-088-orig" n="Knoblauchſamen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Knoblauchsamen, wörtlich übersetzt, weil der Text „samen“ sagt und das Wort im Buch auch im Mittel gegen anzickenden Wein so steht.<list type="alternatives"><item>Die Brutzwiebeln aus dem Blütenstand des Knoblauchs<note type="rationale">Kultivierter Knoblauch setzt meist Brutzwiebeln statt keimfähiger Samen an, und mundartlich heißt der Blütenkopf „Samenstand“ (Pfälzisches Wörterbuch); dass Rasch diese meinte, ist möglich, aber nicht belegt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-089-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterwein aus dem Abschnitt, den Rasch einem „anderen Author“ entnimmt: Rosenblätter liegen im Fass, der Most des Herbstes wird darübergefüllt und gärt auf ihnen. Gewürzt wird also nicht fertiger Wein, sondern der Most während der Gärung.

Rosen im Juni, Most im Herbst. Der Brachmonat ist der Juni, die Zeit der Rosenblüte. Das Fass wird fest verspundet und bleibt liegen, „biß der Moſt kompt“, das heißt bis zur Lese. Eine Dauer nennt der Text nicht, einen Grund für das Verspunden auch nicht. Der Most gärt mit seiner eigenen Hefe, eine Hefe wird nicht zugesetzt.

Frisch oder gedörrt? Ob die Blätter frisch ins Fass kommen, sagt der Eintrag nicht. Die beiden Rosenweine „auff ein andere manier“ und „auff ein andere art“ im selben Abschnitt dörren sie ausdrücklich an der Luft und geben sie erst im Herbst zu. Heutige Einschätzung: frische Blätter, monatelang in einem geschlossenen Fass, können schimmeln oder faulen.

Praxis. Wer es nachmacht, nimmt heute getrocknete, unbehandelte Rosenblätter oder gibt frisch gepflückte erst mit dem Most ins Gefäß. Mengen nennt Rasch nicht, das Fass darf „groß oder klein“ sein. Während der Most kräftig gärt, das Gefäß nicht fest verschließen, sonst baut sich Druck auf (heutiger Hinweis); ob nach dem Einfüllen wieder verspundet wird, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-089-orig" n="Brachmonat" resp="#fyndling">Alter Name des Juni (Grimm, Frühneuhochdeutsches Wörterbuch), die Zeit der Rosenblüte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-089-orig" n="thue die bletter in ein vaß" resp="#fyndling" subtype="contextual">Die Blätter kommen so ins Fass, wie sie im Juni gepflückt werden. Der Eintrag nennt kein Dörren und lässt sie gleich nach der Ernte einfüllen und das Fass verspunden.<list type="alternatives"><item>Die Blätter werden vorher getrocknet<note type="rationale">So verfahren die beiden anderen Rosenweine im selben Abschnitt ausdrücklich („doͤrꝛe ſie auff ſauberen tuͤchern im lufft“, „doͤrꝛe ſie am lufft vnd nit an der Sonnen“). Für diesen Eintrag ist es nicht gesagt; es ist der Weg, den man heute nehmen würde.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-090-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kirschwein: Der Kirschsaft kommt ins Fass, dazu Honig, der vorher im Kessel aufgelöst wurde, und ein Säcklein mit gestoßenen Nelken, Galgant und Zimt, das im Trank hängt. Rasch verspricht als Ergebnis einen Wein, der „edel und klar“ wird.

Gärt der Trank? Der Text sagt es nicht. Die Überschrift „Kirschen Wein“ setzt einen Obstwein voraus, der mit seinem Saft im Fass gärt. Wie lange er liegt, ob das Fass offen bleibt oder verspundet wird und woran man das Ende erkennt, steht nicht da. Ein Hausbuch des 15. Jahrhunderts beschreibt dasselbe Verfahren ausdrücklich mit unvergorenem Kirschsaft.

Der Honig im Kessel. „Zergehen“ heißt schmelzen, sich auflösen. Dass der Honig danach „wol kalt“ werden soll, zeigt, dass er im Kessel erwärmt wird; wie stark, sagt Rasch nicht. Den Löffel Saft gibt er dazu, „daß es mit einander zergehet“.

Den Saft reinigen. Wie das geschehen soll, sagt der Text nicht. Reinigen heißt hier von Beimischungen befreien, läutern. Heute würde man den Saft durch ein Tuch seihen; ebenso denkbar ist, ihn absetzen zu lassen und abzuziehen.

Praxis. Die Saftmenge nennt Rasch nicht, das Verhältnis von Honig zu Saft bleibt deshalb offen. Die Gewürze klein stoßen, in ein Leinensäcklein binden und in den Saft im Fass hängen. Den Honig im Kessel erwärmen, bis er flüssig ist, einen Löffel Saft einrühren, ganz abkühlen lassen und dann zum Saft ins Fass geben.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-090-orig" n="zwo maß hoͤnig" resp="#fyndling">Maß ist ein Raummaß, der Honig wird hier also nach Raum gemessen, nicht gewogen. Welche Maß gemeint ist, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-090-orig" n="Galgadt" resp="#fyndling">Galgant, die scharf-würzige Wurzel einer ostindischen Pflanze (Adelung), heute als kleiner Galgant bekannt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-090-orig" n="kirſchen tranck" resp="#fyndling" subtype="contextual">Der frische, noch unvergorene Kirschsaft im Fass, der mit Honig und Gewürzen zum Kirschwein wird. Dafür spricht, dass Rasch vom „ſafft von den Kirſchen“ ausgeht, und ein Hausbuch des 15. Jahrhunderts beschreibt dasselbe Verfahren ausdrücklich mit unvergorenem Saft.<list type="alternatives"><item>Ein schon vergorener Kirschwein, der nachträglich gesüßt und gewürzt wird.<note type="rationale">Die Überschrift „Kirschen Wein“ ließe das zu, der Text spricht aber nur von Saft und Trank und erwähnt keine vorangegangene Gärung.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-090-orig" n="der ſafft ſol auch wol gerainiget werden" resp="#fyndling" subtype="contextual">Den Saft von Beimischungen befreien, läutern (MNWB „reinigen ... von Beimischungen befreien, läutern“, mit der Glosse „Colare“ = seihen); die Methode nennt Rasch nicht. Übersetzt als „gereinigt“, wie in den übrigen Einträgen des Buches.<list type="alternatives"><item>Den Saft absetzen lassen und vom Trub abziehen oder abschäumen.<note type="rationale">Ebenso mit dem Wort vereinbar; der Text entscheidet nicht zwischen Seihen, Absetzen und Abschäumen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-091-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterwein, bei dem das Kraut nicht im Most mitvergoren oder im Wein gezogen wird. Man destilliert das gewünschte Kraut und mischt von dem Destillat eine halbe Maß unter ein Fuder oder einen Eimer Wein. Welches Kraut, überlässt der Text dem Leser.

Brennen und destillieren. Die beiden Verben meinen einen Vorgang: „brennen“ heißt hier destillieren, so wie man aus Rosen ein Wasser brannte. Genannt ist als Destilliergut nur das Kraut, was auf ein gebranntes Kräuterwasser deutet; ob auch Wein mitdestilliert wurde, sagt der Text nicht. Ein Auszug, bei dem Kräuter in Branntwein ziehen, ist ein anderes Verfahren, das Rasch an früherer Stelle als Ersatz für die Destillierkunst nennt.

Die Menge. Eine halbe Maß gilt laut Text für ein Fuder wie für einen Eimer, eine Staffelung fehlt. Dass ein Destillat in kleiner Menge reicht, passt zum allgemeinen Kräuterwein-Teil, wo ein oder zwei Tropfen eine Kanne Wein nach dem Kraut schmecken lassen. Ob das Destillat in Most oder in fertigen Wein kommt und wann im Kellerjahr, sagt der Text nicht.

Praxis. Heute lässt sich das mit einem gekauften Kräuterwasser (Hydrolat) in Lebensmittelqualität nachstellen, in fertigen Wein gerührt; weil der Text für sehr verschiedene Fassgrößen dieselbe Menge nennt, tastet man sich an die Dosis heran (heutige Arbeitsweise). Nur Kräuter verwenden, die als Lebensmittel gelten, denn der Text lässt die Wahl offen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-091-orig" n="fuder" resp="#fyndling">Das größte Weinmaß, ursprünglich eine Wagenladung. Der Inhalt war von Land zu Land verschieden: Das Augsburger Stadtrecht rechnet das welsche Fuder zu acht Eimern (nach Grimm), das Pfälzische Wörterbuch gibt rund 1000 Liter an. In Wien rechnete man im 16. Jahrhundert das Fuder zu 32 Eimern, den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch Wiener Maß meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-091-orig" n="aymer" resp="#fyndling">Eimer, ein Flüssigkeitsmaß für Wein, kleiner als das Fuder. Seine Größe war von Land zu Land verschieden. Die Wiener Maßordnungen des 16. Jahrhunderts rechnen den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch hier den Wiener Eimer meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-091-orig" n="bꝛeñs/ vnd diſtilliers auß" resp="#fyndling" subtype="contextual">Brenne es und destilliere es aus: zwei Verben für einen Vorgang, die Destillation des Krauts. „Brennen“ heißt im älteren Deutsch auch destillieren; Lexer belegt „ûʒ rôsen brennet man ein waʒʒer“, das Elsässische Wörterbuch einen Straßburger Beleg von 1500, der „distilieren und brennen“ nebeneinanderstellt. Als Destilliergut nennt der Text nur das Kraut, das spricht für ein gebranntes Kräuterwasser.<list type="alternatives"><item>Das Kraut wird mit Wein destilliert, das Ergebnis ist ein weingeistiges Destillat.<note type="rationale">Der Text nennt keinen Wein und keinen Branntwein für das Brennen, schließt es aber nicht aus; auch beim Destillat-Verfahren im allgemeinen Kräuterwein-Teil bleibt die Art offen.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-091-orig" n="ein halb maß vermiſchet darunder" resp="#fyndling" subtype="contextual">Eine halbe Maß des Destillats wird unter den Wein gemischt; das Objekt fehlt im Satz und ist mit „davon“ ergänzt, weil das Destillat das einzige Erzeugnis des vorigen Satzteils ist.<list type="alternatives"><item>Eine halbe Maß des Krauts selbst kommt in den Wein.<note type="rationale">Das Kraut ist im Satz nur Ausgangsstoff für das Brennen; ungebrannt in den Wein gegeben wird es nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-092-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Keine Schrittfolge, sondern eine Auswahl: Rasch reiht Kräuter, Früchte und Gewürze auf, aus denen man sich einen Kräuterwein macht, und schließt mit „allerley Kreuter wein mach also“. Wein oder Most nennt der Eintrag nicht, ebenso wenig eine Ziehdauer oder den Zeitpunkt im Kellerjahr. Im allgemeinen Abschnitt zu den Kräuterweinen lässt Rasch alle Wege zu: das Würzgut in den neuen Most vor der Gärung, erst nach der Gärung oder in alten Wein.

Die Mengen. Drei Handvoll Krauseminze und drei Handvoll Judenkirschen kommen „in ein väßlin“, ein kleines Fass ohne feste Größe. Nur der Rosmarin ist auf ein Maß bezogen, vier Handvoll auf einen Eimer. Für Schlehen, Wacholderbeeren, Salbei, Nelken, Ysop und Wermut nennt Rasch keine Menge. Schlehen und Wacholderbeeren werden zerstoßen, die Schlehen samt den Kernen; die Begründung „gut für den Stein“ ist Raschs eigene.

Judenkirschen. „Juden töcklin“ ist ein alter Name der Judenkirsche, heute Lampionblume (Physalis alkekengi); Leonhart Fuchs führt 1543 Judendöcklin, Judenhütlin und Judenkirschen als Namen derselben Pflanze. Welchen Teil Rasch meint, sagt er nicht. Heute gelten die grünen Teile der Pflanze als gering giftig, über die Essbarkeit der Beeren gehen die Ansichten auseinander.

Heute bedenklich. Schlehenkerne enthalten wie Kirschkerne Amygdalin, aus dem beim Zerstoßen Blausäure frei werden kann; zerstoßene Kerne sollten nicht in größerer Menge im Wein ziehen. Wermut enthält Thujon und gilt in größeren Mengen als bedenklich.

Praxis. Wer nachstellen will, nimmt ein Würzgut und hält sich an Raschs Verhältnis, wo er eins nennt. Most gibt es nur zur Lese im Herbst; heute liegt es näher, die Kräuter in fertigen Wein zu legen, was Rasch im allgemeinen Abschnitt ebenfalls zulässt. Wie lange sie ziehen, entscheidet der Geschmack, der Text gibt dafür nichts vor. Judenkirschen und Schlehenkerne lässt man heute besser weg. Die Heilwirkung gibt der Text so wieder, wie Rasch sie lobt; als heutiger Gesundheitsrat taugt sie nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-092-orig" n="iſt gut fuͤr den ſtain" resp="#fyndling">Stein meint in der Heilkunde der Zeit das Steinleiden, Ablagerungen in Nieren und Blase.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-092-orig" n="aymer" resp="#fyndling">Eimer, ein Flüssigkeitsmaß für Wein. Seine Größe war von Land zu Land verschieden. Die Wiener Maßordnungen des 16. Jahrhunderts rechnen den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch hier den Wiener Eimer meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-092-orig" n="Juden toͤcklin" resp="#fyndling" subtype="lexical">Judenkirsche (Physalis alkekengi). Fischers Schwäbisches Wörterbuch setzt „Juden-docklein“ gleich Physalis alkekengi und belegt die Reihe „Judenhütlin, Judendöcklin, Judenkirsen“ bei Leonhart Fuchs 1543; Adelung, Sommerhoff 1701 und Krünitz führen Judendöcklein ebenfalls als Namen der Judenkirsche.<list type="alternatives"><item>„Docke“ als Bündel, also ein Kräuterbüschel<note type="rationale">Das Wort ist als Pflanzenname fest belegt; als Bündelangabe passte es nicht neben „dꝛey hand voll“.</note></item><item>Aronstab (Arum maculatum)<note type="rationale">Fischer kennt mundartlich „Indedockelein“ für den Aronstab und fragt selbst, ob es Juden- heißen soll; ein später Einzelbeleg gegen Fuchs 1543.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-092-orig" n="allerley Kreuter wein mach alſo" resp="#fyndling" subtype="contextual">Eine Auswahl: Jedes genannte Würzgut ergibt einen eigenen Kräuterwein. Dafür sprechen „wie du wilt“, das zweimalige „in ein vaͤßlin“ mit eigener Menge und die Schlussformel; Wermut, Salbei und Ysop bekommen in den folgenden Einträgen eigene Weine.<list type="alternatives"><item>Alles zusammen in ein Fass, eine Mischung<note type="rationale">Die Reihe steht ohne Gliederung hintereinander, Salbei, Nelken, Ysop und Wermut ohne eigene Menge; ausgeschlossen ist eine Mischung nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-093-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterwein: Die Alantwurzel wird gegraben, in Scheiben auf einem Faden an der Luft gedörrt, im Herbst im zugedeckten Kessel gesotten, im Mörser gestoßen und durch ein Sieb getrieben. Würze und Wurzelmus kommen zum Most ins Fass und gären mit ihm.

Die Menge. Rasch nennt im selben Satz ein halbes Pfund Wurzel auf einen oder anderthalb Eimer Most und dann ein Pfund für jeden Eimer Wein. Welche Angabe gilt, sagt er nicht. Er verlässt sich ohnehin auf die Zunge: Beim ersten Eingießen wird gekostet und zu Bitteres gemildert.

Worin wird gesotten? Kessel und Deckel nennt der Text, die Flüssigkeit nicht. Im Herbst ist Mostzeit, und Rumpolt (1581) wie eine ältere oberdeutsche Kochbuchhandschrift sieden die Wurzel in frischem Most. Für Rasch ist das eine Annahme. Wer es heute nachmacht, nimmt einen Teil des Mostes.

Das Kohlenfeuer. Will der Most in acht Tagen nicht gären, soll man ein Kohlenfeuer dazu machen. Heutige Einordnung: Wärme bringt eine Gärung in Gang, die im kühlen Herbstkeller stockt. Wo das Feuer brennt, sagt der Text nicht. Ein Kohlenfeuer in einem geschlossenen Keller bildet Kohlenmonoxid; heute stellt man das Fass in einen wärmeren Raum. Das Fass soll gut voll sein, einen Steigraum lässt Rasch hier nicht.

Die Bitterkeit. Ist der Wein zu bitter, wird gesotten und abgeschäumt, danach notfalls mit gesottener, gewürzter Würze nachgeholfen, alles vor der Gärung. Welche Gewürze, sagt Rasch nicht. Heutige Sicht: Wird der ganze Most gesotten, ist er keimfrei; die Gärung kommt dann aus dem schon benutzten Fass, ohne ein solches setzt man Weinhefe zu.

Praxis. Getrocknete Alantwurzel wird als Teedroge im Kräuterhandel und in Apotheken verkauft. Alant gehört zu den Korbblütlern; wer auf Korbblütler allergisch reagiert, meidet ihn.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-093-orig" n="aymer" resp="#fyndling">Eimer, ein Hohlmaß für Wein, von Ort zu Ort verschieden. Die Wiener Maßordnungen des 16. Jahrhunderts rechnen den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch hier den Wiener Eimer meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-093-orig" n="ein halb pfund / ſo viel nimb pfund der Alant wurtz" resp="#fyndling" subtype="contextual">Beide Angaben stehen wie gedruckt: ein halbes Pfund auf einen oder anderthalb Eimer Most, dann ein Pfund je Eimer Wein. In der Zutatenliste steht das halbe Pfund, die zweite Angabe im Text.<list type="alternatives"><item>Die zweite Angabe ist die eigentliche Regel (ein Pfund je Eimer), das halbe Pfund ein Versehen.<note type="rationale">Nicht belegbar; Rasch lässt ohnehin nach Geschmack nachbessern.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-093-orig" n="dieweil ſie noch gruͤn iſt" resp="#fyndling" subtype="lexical">„grün“ im Sinn von frisch, im Saft (Grimm: viridis, recens): die Wurzel wird frisch gegraben und erst danach gedörrt.<list type="alternatives"><item>Zeitangabe: solange das Kraut noch grünt, also vor dem Einziehen im Herbst.<note type="rationale">Möglich; Rasch nennt für andere Alantweine den Frühling (ras-069) und vierzehn Tage vor der Lese (ras-099).</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-093-orig" n="in der voꝛigen wurtz / geſotner gewuͤrtzeter wurtz" resp="#fyndling" subtype="lexical">„wurtz“ meint hier die Flüssigkeit, die Würze (vgl. Rheinisches Wörterbuch: Würze 'Bierwürze', mhd. wirz): Das Wurzelmus wallt in der vorigen Würze auf, und „die wurtz vnd Alant“ sind Flüssigkeit und Mus.<list type="alternatives"><item>„wurtz“ = Wurzel, wie in „der Alant wurtz“ im selben Eintrag.<note type="rationale">Bei „gieß die wurtz vnd Alant“ ergäbe das zweimal dasselbe, und eine gewürzte Wurzel zum Mildern der Bitterkeit passt nicht.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-093-orig" n="ſo ſeuds vnd faimbs" resp="#fyndling" subtype="contextual">„es“ ist der zu bittere Wein bzw. Most im Ansatz: er wird vor der Gärung gesotten und abgeschäumt.<list type="alternatives"><item>Nur die Alantwürze wird nachgesotten und abgeschäumt.<note type="rationale">Das neutrale „es“ passt zu keinem der Nomen genau; der Satz spricht aber vom Wein, der zu bitter ist.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-094-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterwein, bei dem der Wermut nicht in fertigen Wein gehängt wird, sondern mit frischen Trauben im Fass mitgärt. Rasch nennt dafür nur zwei Dinge: einen guten Handzuber voll getrockneten Wermut und eine mäßige Mulde voll guter Weintrauben, beides in ein Fässlein von einem Eimer.

Notfass und Notwein. Rasch setzt das Verfahren als bekannt voraus: „als ander nothwein“. Frisch erklärt den „gezwungenen Wein“ als einen, „der in sich selbst jeren muß, den man nicht ausstossen läßt“, und Grimm stellt das zum „Nothwein“. Gemeint ist ein fest verspundetes Fass, aus dem der gärende Wein seinen Schaum nicht ausstoßen kann. Sonst kennen die Wörterbücher den Notwein nur als Wein, den man bei Hochzeiten ausschenken musste; für den Keller passt das nicht. Das Luftloch verlangt Rasch ausdrücklich. Heute würde man sagen: Durch das Loch entweicht das Gärgas, das sich im verschlossenen Fass sonst staut.

Die Füllung. Most nennt Rasch hier nicht, anders als bei den Beerweinen wenige Absätze später, wo er „guten Moſt darauff“ füllen lässt. Nach dem Wortlaut gärt, was die Trauben hergeben. Ob eine Mulde Trauben das Eimerfässlein füllt oder ob stillschweigend mit Most aufgefüllt wurde, sagt der Text nicht.

Wermut. Wermut ist stark bitter und enthält Thujon, das in größeren Mengen als bedenklich gilt. Rasch nimmt eine reichliche Menge; heute würde man deutlich sparsamer ansetzen. Die Wirkungen am Schluss gibt der Text so wieder, wie Rasch sie lobt; als heutiger Gesundheitsrat taugen sie nicht.

Praxis. Wermut im Frühsommer schneiden, im Schatten an der Luft dörren und staubfrei bis zur Lese aufheben; frische Trauben gibt es nur im Herbst. Das Luftloch nicht weglassen: Ein fest verspundetes Fass ohne Auslass baut bei der Gärung Druck auf. Heute übernimmt ein Gärspund diese Aufgabe. Wer das Fass voll haben will, füllt mit Most auf - das ist eine heutige Entscheidung, nicht Raschs Text.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-094-orig" n="Sonnwenden" resp="#fyndling">Die Sommersonnenwende um den Johannistag im Juni.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-094-orig" n="aymerig vaͤßlin" resp="#fyndling">Ein Fässlein, das einen Eimer fasst. Der Eimer war ein Flüssigkeitsmaß für Wein, seine Größe war von Land zu Land verschieden. Die Wiener Maßordnungen des 16. Jahrhunderts rechnen den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch hier den Wiener Eimer meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-094-orig" n="handzuber" resp="#fyndling">Ein kleiner Zuber, ein hölzernes Gefäß; hier das Maß für den Wermut.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-094-orig" n="multer" resp="#fyndling">Mulde, ein länglich ausgehöhltes Holzgefäß oder Trog; hier das Maß für die Trauben.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#multer"/></note>
        <note type="gloss" target="#ras-094-orig" n="grimmen" resp="#fyndling">Bauchgrimmen, krampfartige Leibschmerzen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-094-orig" n="guter Weinbeer" resp="#fyndling" subtype="contextual">Frische Weintrauben: Angesetzt wird im Herbst zur Lese, und der Wein soll im Fass in sich selbst gären. Adelung erklärt die Weinbeere als „die Beeren der Weintraube“; wo Rasch Rosinen meint, schreibt er „roͤſinlen“.<list type="alternatives"><item>Rosinen<note type="rationale">Im Süddeutschen meint „Weinbeere“ oft die getrocknete Beere. Dann fehlte hier jede Flüssigkeit zum Gären, und die Herbstzeit spricht dagegen.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-094-orig" n="nothfaß / nothwein" resp="#fyndling" subtype="lexical">Ein fest verspundetes Fass für „gezwungenen Wein“, der in sich selbst gären muss und nicht ausstoßen darf (Frisch nach Keisersbergs Postille, von Grimm unter „Nothwein“ angeführt). Das passt zu „vermach den ſpundt gar wol“.<list type="alternatives"><item>Notwein als Wein, den man bei Hochzeiten ausschenken musste<note type="rationale">So das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch und das Deutsche Rechtswörterbuch nach der Nürnberger Polizeiordnung; im Keller ergibt das keinen Sinn.</note></item><item>Notfass als Behelfsfass<note type="rationale">Ohne Wörterbuchbeleg; „als ander nothwein“ zielt auf ein Verfahren, nicht auf ein Behelfsgefäß.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-094-orig" n="in ſich ſelber gehꝛen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Es gären Wermut und Trauben im verschlossenen Fass, so wie der Text es sagt; Most wird hier nicht genannt.<list type="alternatives"><item>Das Fass wird stillschweigend mit Most aufgefüllt<note type="rationale">So bei den Beerweinen wenige Absätze später („fuͤll guten Moſt darauff“). Hier steht es nicht, und ob eine Mulde Trauben ein Eimerfässlein füllt, sagt der Text nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-095-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterwein ohne Gärung: Geriebener Salbei hängt in einem Säcklein im fertigen Wein und gibt ihm in einem Tag seinen Geschmack ab. Rasch hängt den Eintrag mit „also“ an den Wermutwein an, ändert aber das Verfahren: Der Wermut gärt mit Weinbeeren im Notfass, der Salbei zieht nur im Wein.

Nachgießen. „Wie offt du in den wein geuſſeſt“: Das Säcklein bleibt im Wein hängen, und wer Wein nachgießt, hat nach einem Tag wieder Salbeiwein. Wie oft das geht, bevor der Salbei ausgezogen ist, sagt Rasch nicht.

Frisch oder getrocknet. Der Text sagt nur „gerieben“. Beim Wermut im vorigen Eintrag steht das Dörren ausdrücklich, beim Salbei nicht. Heute lassen sich getrocknete Blätter leichter zerreiben.

Gebackener Salbei. Der Nachsatz ist kein Kellerschritt, sondern ein Essen gegen üblen Atem: gebackener Salbei mit Wein und Brot, gepulverter Salbei darauf. Ob im Ofen oder in Fett gebacken, bleibt offen.

Praxis. Mengen nennt Rasch keine, weder für den Salbei noch für den Wein. Heute bekannt: Echter Salbei enthält Thujon, das in größeren Mengen giftig wirkt; als Getränk für jeden Tag in großen Mengen eignet sich ein Salbeiwein deshalb nicht. Die Wirkungsangaben sind zeitgenössisch und kein Gesundheitsrat.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-095-orig" n="gebachnen Saluey" resp="#fyndling">Gebackener Salbei. „Backen“ heißt in der Zeit im Ofen backen oder in Fett ausbacken; welches gemeint ist, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-095-orig" n="wie offt du in den wein geuſſeſt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das Säcklein bleibt im Wein hängen; sooft man Wein nachgießt, ist er nach einem Tag wieder Salbeiwein. Dafür spricht „wider“: derselbe Salbei würzt erneut.<list type="alternatives"><item>Für jeden neuen Wein ein frisches Säcklein<note type="rationale">Der Satz nennt keinen neuen Salbei, und „wider“ setzt den schon hängenden voraus; deshalb nicht gewählt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-095-orig" n="ſchoͤn Salueyen wein" resp="#fyndling" subtype="lexical">„Schön“ vom Wein heißt klar, lauter. Adelung gibt als Grundbedeutung „hell, rein, sauber“ und nennt lauteren Wein „klinkschön“; im Buch steht „in 14 tägen wird er schön“ (ras-105) und „schön vnnd lauter“ (ras-128) für geklärten Wein.<list type="alternatives"><item>„Schön“ als allgemeines Lob: guter, feiner Salbeiwein<note type="rationale">Möglich, im Weinkontext des Buchs aber weniger wahrscheinlich als die Bedeutung klar.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-095-orig" n="gerieben" resp="#fyndling" subtype="contextual">Der Salbei wird zerrieben; ob frisch oder getrocknet, lässt der Text offen.<list type="alternatives"><item>Getrocknet wie der Wermut im vorigen Eintrag<note type="rationale">„Also“ könnte das Dörren des Wermuts mitmeinen, „allein daß“ nennt aber nur das Reiben und das Säcklein als Abweichung; das Dörren des Salbeis steht nicht da.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-096-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Raschs Grundverfahren für Kräuterwein - Späne und Kräuterlagen im Fass, mit Most gefüllt -, hier auf gedörrten Ysop angewandt. Der Ysop wird vor der Lese getrocknet und im Sack mitgenommen; der frische Most gärt im Fass über dem Kraut.

Die Lagen. Der Text nennt die Späne, dann „ein lag Iſop“, so lange, bis die Masse das Fass füllt. Im Grundverfahren wechseln Späne und Kräuter, bis das Fässlein voll ist; so ist der Satz auch hier gelesen. Eine Holzart nennt Rasch hier nicht, im Grundverfahren Buchen- oder Haselspäne. Wozu die Späne dienen, sagt er nicht. Naheliegend ist, dass sie das Kraut locker halten, damit der Most es überall erreicht; das ist eine Deutung.

Boden auf, Boden zu. Das Fass wird am Boden aufgeschlagen, damit Späne und Kraut hineinkommen, und danach wieder zugeschlagen; erst dann kommt der Most darauf. Dass er „schnell“ eingefüllt werden soll, begründet Rasch nicht.

Gärung und Spund. Der Most gärt mit seiner eigenen Hefe. Das Fass wird voll gefüllt und oben mit einem Rohr verspundet, in dem eine geknotete Weidenrute steckt; Rasch begründet den Knoten damit, dass nichts hineinfallen kann. Heutige Einordnung: Gärender Most schäumt auf und gibt Kohlendioxid ab, und ein Rohr mit locker steckender Rute lässt das Gas heraus und hält Schmutz ab. Wie lange der Wein gärt und woran man erkennt, dass er fertig ist, sagt Rasch nicht.

Praxis. Ysop gut trocknen. In ein sauberes Fass, das sich am Boden öffnen lässt, abwechselnd Späne aus unbehandeltem, ungeräuchertem Holz und Lagen Ysop schichten, bis es voll ist, den Boden einsetzen und frischen Most einfüllen, bis das Fass voll ist. Solange es gärt, nicht fest verspunden; heute nimmt man dafür einen Gärspund. Gärgas sammelt sich in geschlossenen Kellern am Boden, deshalb gut lüften. Das ätherische Öl des Ysops gilt heute in größerer Menge als krampfauslösend; Rasch nimmt einen Sack zu drei Maß gedörrtes Kraut, die Größe des Fasses nennt er nicht. Die Heilwirkungen gibt der Text so wieder, wie Rasch sie lobt; als heutiger Gesundheitsrat taugen sie nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-096-orig" n="weyden zeyn" resp="#fyndling">Zain heißt Rute, Gerte, Stab (Grimm: „schöszling, reis, stange“; Schmeller: „Ruthe, Stab“). Hier eine Weidenrute.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-096-orig" n="puͤt ſpaͤn … fuͤnff oder ſechs puͤnden" resp="#fyndling" subtype="lexical">Eine Bütte Späne, fünf oder sechs Bünde: „puͤt“ ist die Bütte (Grimm: „cupa, dolium“; Rasch schreibt an anderer Stelle „puͤtten“), „puͤnden“ sind Bünde im Sinn von Bündeln (Grimm zu Bund: „fascis … ein bund reiser“).<list type="alternatives"><item>Fünf oder sechs Pfund Späne<note type="rationale">Rasch schreibt das Pfund sonst durchweg „pfund“ oder „pfundt“, nie mit „puͤ-“.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-096-orig" n="ein lag Iſop/ ſo lang daß die materia das vaß fuͤll" resp="#fyndling" subtype="contextual">Späne und Ysop wechseln lagenweise, bis die Masse aus beidem das Fass füllt. Raschs Grundverfahren beschreibt es so: „nachmals aber ſpaͤn vnd kreuter/ biß das Feßlin vol wird“.<list type="alternatives"><item>Die Späne liegen unten, darüber kommt Ysop, bis das Fass voll ist.<note type="rationale">Der Wortlaut nennt nur eine Lage Ysop und kein Wiederholen der Späne; möglich, aber das Grundverfahren spricht für den Wechsel.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-096-orig" n="mit einem rhoꝛ oben zu/ darein ein loch geboꝛet iſt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Der Spund ist ein Rohr mit gebohrtem Loch; die geknotete Rute steckt locker darin. Rasch begründet nur, dass nichts hineinfallen soll; dass das Gas des gärenden Mosts daneben austritt, ist heutige Deutung.<list type="alternatives"><item>Das Loch ist ins Fass gebohrt, das Rohr steckt darin.<note type="rationale">„darein“ bezieht sich grammatisch am ehesten auf das Rohr; am Ablauf ändert sich nichts.</note></item><item>Die Rute verschließt das Rohr dicht.<note type="rationale">Der Text nennt als Zweck nur den Schutz vor Hineinfallendem. Ein dicht verschlossenes, voll gefülltes Fass mit gärendem Most wäre ungünstig, deshalb weniger wahrscheinlich.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-097-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Beerwein im zweiten Sinn Adelungs, ein Wein, „der wieder auf frische Beeren gegossen“ wird: Most kommt im Fass auf Weinbeeren, hier zusammen mit gedörrtem Salbei. Im folgenden Eintrag (ras-098) steht derselbe Beerwein ohne Salbei.

Das Fass. Gefüllt wird nach dem Muster, das Rasch für Kräuterweine gibt (ras-064, ras-096): Das Fass wird zum Einschichten geöffnet, wieder zugeschlagen und dann mit Most gefüllt. Hier ist es schon mit Salbei und Beeren mehr als halb voll. Ob der Most es ganz füllt, wann es gespundet wird und wie lange der Wein auf Beeren und Salbei liegt, sagt der Text nicht. Warum der Salbei gedörrt sein soll, begründet Rasch nicht.

Gärung. Der Most gärt im Fass über Beeren und Salbei. Heute würde man sagen: Der Wein vergärt auf der Maische und zieht dabei das Aroma des Salbeis aus.

Praxis. Heute ein kleines Holzfass oder ein Gärgefäß (modern) lagenweise mit gedörrtem Salbei und abgebeerten Trauben füllen, bis es mehr als halb voll ist, und mit frischem Most auffüllen. Das gärende Gefäß nicht luftdicht verschließen: Die Gärung schäumt auf und treibt Gas aus. Ein offener Spund wie beim Ysopwein (ras-096) oder ein Gärröhrchen (modern) lässt es entweichen. Wann der Wein von Beeren und Salbei abgezogen wird, muss man selbst entscheiden; Rasch nennt dafür nichts.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-097-orig" n="Beerwein" resp="#fyndling">Adelung kennt den Beerwein zweifach: als Vorlauf, der von selbst aus den Beeren rinnt, und als Wein, „der wieder auf frische Beeren gegossen“ wird. Raschs Eintrag entspricht dem zweiten Sinn. Mit „beer“ meint Rasch die Weinbeeren: beim Beerwein und Rappes bricht er „die beer von den kemmen“ der Trauben (ras-071), im folgenden Eintrag macht er Beerwein „von rothen oder weiſſen beeren“ (ras-098).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-097-orig" n="ſchlag das vaß zu" resp="#fyndling">Das Fass zuschlagen, also wieder schließen. Beim Ysopwein lässt Rasch das Fass zum Einschichten „auffſchlagen an dem boden“ und danach „zuſchlagen“, bevor der Most darauf kommt (ras-096); ebenso beim Kräuterwein (ras-064).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-097-orig" n="gerecht" resp="#fyndling">Recht, richtig, so wie er sein soll. Unger und Khull verzeichnen es im steirischen Wortschatz als „richtig“, Adelung als „dem Gegenstande genau angemessen“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-097-orig" n="ein lag Saluey in das vaß/ vnnd ein lag beer darauff" resp="#fyndling" subtype="contextual">Wie gedruckt: eine Lage Salbei, darauf eine Lage Beeren, zusammen mehr als halb das Fass. Der Text spricht von je einer Lage.<list type="alternatives"><item>Salbei und Beeren abwechselnd in mehreren Lagen, bis das Fass mehr als halb voll ist<note type="rationale">Bei einem großen Fass naheliegend, und beim Ysopwein schichtet Rasch „ſo lang daß die materia das vaß fuͤll“ (ras-096). Hier sagt er es nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-098-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Der Beerwein in seiner knappsten Form: Traubenbeeren ins Fässlein, guten Most darauf, damit ist der Wein angesetzt. Weiter sagt Rasch hier nichts.

Die Bezüge. Im Abschnitt „Beerwein vnd Rappes“ (ras-071) bricht Rasch die Beeren von den Kämmen, legt sie mit Spänen ein und füllt den weißen Beerwein mit weißem, den roten mit rotem Most. Beim Salbei-Beerwein unmittelbar davor (ras-097) schlägt er das Fass zu, bevor der Most darauf kommt. Ob das hier ebenso gemeint ist, sagt der Eintrag nicht.

Die Menge. Vier oder fünf Bütten Beeren auf ein Fässlein von drei Eimern: Weder die Bütte noch der Eimer hat einen festen Inhalt, das Verhältnis von Beeren zu Most lässt sich daher nicht angeben.

Die Gärung. Der Most gärt mit dem Most, auf den Beeren. Gärdauer, Verspunden und Abziehen nennt Rasch nicht; „so ist er gemacht“ heißt, dass der Ansatz fertig ist, nicht der trinkbare Wein.

Praxis. Heute gilt knapp: Rote Beeren geben im gärenden Most Farbe und Gerbstoff aus den Schalen ab, so wie bei der Rotweinbereitung auf der Maische. Gärender Most schäumt auf und gibt Gas ab; ein Fass, das man während der stürmischen Gärung fest verspundet, baut Druck auf.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-098-orig" n="beerwein" resp="#fyndling">Den Beerwein beschreibt Rasch weiter vorn ausführlich: weiße oder rote Trauben werden von den Kämmen gebrochen, ins Fass eingelegt und mit Most derselben Farbe aufgefüllt. Die „roten oder weißen Beeren“ sind also Traubenbeeren. Adelung kennt den Beerwein als Wein, „der wieder auf frische Beeren gegossen und dadurch verstärket worden“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-098-orig" n="putten" resp="#fyndling">Bütten. Die Bütte ist im Oberdeutschen ein hohes hölzernes Gefäß, das man auf dem Rücken trägt; in ihr werden die Weintrauben zur Kelter getragen (Adelung). Einen festen Inhalt nennt Rasch nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-098-orig" n="dꝛey aymerig vaͤßlin" resp="#fyndling">Ein Fässlein, das drei Eimer fasst. Der Eimer ist ein Flüssigkeitsmaß für Wein, seine Größe war von Land zu Land verschieden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-099-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Alantwein, für den die gedörrte Alantwurzel gleich im frischen Most gesotten wird, bis der Most auf die Hälfte eingekocht ist. Aus zwei Eimern Most wird ein Eimer Wein, auf den Rasch zwei Pfund Wurzel rechnet.

Die Wurzel. Gegraben wird vierzehn Tage vor der Lese, dann gewaschen, jede Wurzel in drei oder vier Teile gespalten und so trocken wie möglich gemacht. Bis zum Keltern bleiben damit rund zwei Wochen zum Dörren. Wie bitter der Wein wird, regelt Rasch hier nicht; im Alantwein wenige Einträge zuvor lässt er zu bitteren Most nachsieden, abschäumen und mit gesottener Würze abschmecken.

Das Einsieden. Den Zweck nennt Rasch im allgemeinen Kräuterwein-Teil: Wer Kräuterweine süß behalten will, siedet den Most zum Teil ein. Heute würde man ergänzen, dass Sieden die Hefen des Mostes abtötet und halb eingekochter Most dicht und zuckerreich ist. Ob er im Fass noch gärt, sagt der Text nicht; er wird kühl ins Fass gefüllt und gleich fest verspundet.

Nicht mit rohem Wein nachfüllen. Nachgefüllt wird nur mit gesottenem Wein, „sonst verderbst du ihn“. Einen Grund gibt Rasch nicht. Heutige Einordnung: Roher Wein bringt lebende Hefen und Keime in den gesottenen, süßen Most.

Der zweite Sud. Scheint der Wein zu wenig, kommt der ausgesottene Alant mit gutem Most noch einmal in den Kessel. Wie viel Most, wie lange und wie weit eingesotten, sagt der Text nicht. Gelesen wird, dass beide Sude zusammen ins Fass kommen.

Praxis. Frisch gekelterter Most zur Lesezeit, getrocknete Alantwurzel aus dem Kräuterhandel. Wer kleiner arbeitet, hält Raschs Verhältnis und siedet den Most mit der Wurzel auf die Hälfte ein; die Wurzelmenge bezieht Rasch auf den Eimer, dessen Größe von Land zu Land verschieden war. Ob der Schaum abgenommen wird, lässt der Text offen; heute nimmt man ihn ab, damit der Sud klar bleibt. Modern: Ein fest verspundetes Fass baut Druck auf, wenn der Wein doch angärt; ein Gärspund und regelmäßiges Nachsehen vermeiden das. Alant gehört zu den Korbblütlern; wer auf Korbblütler allergisch reagiert, meidet ihn.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-099-orig" n="Alant" resp="#fyndling">Die Wurzel des Echten Alants (Inula helenium). Adelung beschreibt sie mit starkem, würzigem Geruch und scharf-bitterem Geschmack. Das gleichlautende Wort für einen Flussfisch ist hier ausgeschlossen: Gegraben wird die Wurzel.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-099-orig" n="aymer" resp="#fyndling">Eimer, ein Flüssigkeitsmaß für Wein. Seine Größe war von Land zu Land verschieden. Die Wiener Maßordnungen des 16. Jahrhunderts rechnen den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch hier den Wiener Eimer meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-099-orig" n="ſchaimen" resp="#fyndling">Schäumen. Das Wort kann heißen, Schaum aufwerfen, oder den Schaum abnehmen (Grimm: spumare, despumare). Nach „laſſe den ſieden vnnd ſchaimen“ liegt das Aufschäumen näher; ob der Schaum abgeschöpft wird, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-099-orig" n="gieß guten Moſt darauff/ vnd ſeud jn gar wol/ darnach ſeyhe jn ab" resp="#fyndling" subtype="contextual">Der ausgesottene Alant wird mit frischem Most ein zweites Mal gesotten, und dieser zweite Sud kommt abgeseiht mit dem ersten ins Fass. Grund: Der Schritt soll ausdrücklich die zu geringe Weinmenge vergrößern, und danach heißt es nur noch „ſo fuͤll jn ins vaß“.<list type="alternatives"><item>Der zweite Sud wird für sich abgefüllt.<note type="rationale">Der Text sagt nicht ausdrücklich, dass beide Sude vermischt werden; auch Menge, Dauer und Einkochgrad des zweiten Suds fehlen. Gegen diese Lesung spricht, dass er ja die Menge des ersten aufbessern soll.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-099-orig" n="ſpuͤndt das feſt zu/ vnd fuͤll jn mit keinem vngeſotnen wein" resp="#fyndling" subtype="contextual">Ein gesottener, süß gehaltener Wein, der kühl ins Fass kommt und sofort fest verspundet wird; nachgefüllt wird nur mit gesottenem Wein. Eine Gärung sieht der Text nicht vor.<list type="alternatives"><item>Der Wein gärt im Fass noch an, und das Nachfüllverbot soll gerade das verhindern oder bremsen.<note type="rationale">Rasch nennt keinen Grund für die Warnung „ſonſt verderbſt du jn“. Dass roher Wein Gärung in den gesottenen Most trägt, ist eine heutige Erklärung, keine Angabe des Textes.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-100-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Gewürzsäcklein, das in den Wein gehängt wird. Im Druck folgt es ohne eigene Überschrift auf den Alantwein aus eingekochtem Most und ist dort als Zusatz zu lesen: Ingwer und Zimtrinde werden klein gestoßen, der Kalmus klein geschnitten, alles kommt in einen kleinen Beutel.

Welcher Wein, wie lange? Rasch nennt weder die Weinmenge noch die Dauer noch den Zeitpunkt. Der Alantwein wird nach dem Einsieden gekühlt ins Fass gefüllt und fest verspundet; ob das Säcklein dann gleich hineinkommt oder später, und ob es wieder herausgenommen wird, bleibt offen. Der Beutel hält die gestoßenen Teilchen zusammen, sodass sie nicht frei im Wein liegen - das ist heutige Einordnung, Rasch begründet es nicht.

Kalmus. Der Wurzelstock des Kalmus (Acorus calamus) ist würzig und bitter. Er enthält Asarone, die heute als erbgutschädigend und krebserzeugend gelten; Kalmus ist deshalb kein Gewürz für den regelmäßigen Gebrauch.

Praxis. Heute, nicht nach Rasch: das Säcklein in einen kleinen Teil fertigen Weins hängen, zwischendurch probieren und herausnehmen, sobald der Geschmack passt. Den Kalmus kann man weglassen; dann fehlt die bittere Note.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-100-orig" n="Calmuß" resp="#fyndling">Kalmus, der würzig-bittere Wurzelstock einer Sumpfpflanze (Acorus calamus). Heute kennt man ihn vor allem aus Magenbittern.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-100-orig" n="den wein" resp="#fyndling" subtype="contextual">Der Alantwein aus eingekochtem Most, der unmittelbar davor steht: Der Eintrag hat keine eigene Überschrift, schließt mit „Item“ an den Alantwein an, und erst danach beginnt mit neuer Überschrift der Salbeiwein.<list type="alternatives"><item>Beliebiger Wein, ein allgemeines Gewürzsäcklein<note type="rationale">Der Satz selbst nennt keinen bestimmten Wein. Gegen diese Lesart spricht die Stellung im Druck unter der Alantwein-Überschrift.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-101-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterwein, der mit dem Most vergärt: Gut gedörrter Salbei kommt reichlich in ein Fass, und guter Most wird darübergeschüttet. Mengen, Fassgröße und Dauer nennt Rasch nicht. Es ist dasselbe Verfahren wie beim Beerwein aus Salbei (ras-097), nur ohne Beeren. Vom Salbeiwein im Säcklein (ras-095), bei dem der Salbei nur im fertigen Wein zieht, unterscheidet ihn die Gärung auf dem Kraut.

Das Fass. Wie der Salbei ins Fass kommt, sagt der Eintrag nicht. Bei den Kräuterweinen kurz davor lässt Rasch das Fass am Boden aufschlagen, beschicken und wieder zuschlagen, bevor der Most darauf kommt (ras-096, ras-097). Ob der Salbei nach der Gärung herausgenommen wird, bleibt offen.

Nachfüllen in der Gärung. Der Nachsatz gilt nach Raschs Worten für alle vorher genannten Weine: Solange der Wein „in der bꝛunſt vnnd gehꝛ“ ist, in Hitze und Gärung, soll man Tag und Nacht nach ihm sehen und ihn in einer Nacht fünf- oder achtmal auffüllen, damit er nicht „vnderſich“, abwärts, gärt. Gelesen wird: Der Spiegel im Fass soll nicht absinken. Womit nachgefüllt wird, sagt Rasch hier nicht; beim folgenden Rosenwein füllt er mit vergorenem Wein nach (ras-102), beim gesottenen Alantwein verbietet er ungesottenen (ras-099). Heutige Einordnung: Ein voll gehaltenes Fass lässt über dem gärenden Wein keinen Luftraum, und was die stürmische Gärung zum Spundloch hinaustreibt, wird ersetzt.

Praxis. Heute ein Holzfass oder ein Gärgefäß (modern) mit gedörrtem Salbei beschicken und mit frischem Most füllen. Das gärende Gefäß nicht luftdicht verschließen: Die Gärung schäumt auf und treibt Gas aus, ein Gärröhrchen (modern) lässt es entweichen. Wie bei Rasch in der stürmischen Gärung oft nachsehen und auffüllen. Gärgas sammelt sich in geschlossenen Kellern am Boden; wer nachts in einen Gärkeller geht, lüftet vorher. Die Menge Salbei muss man selbst bestimmen, Rasch sagt nur „ein gut genuͤgen“. Echter Salbei enthält Thujon, das in größeren Mengen giftig wirkt; ein Salbeiwein ist deshalb kein Getränk für große Mengen jeden Tag.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-101-orig" n="bꝛunſt" resp="#fyndling">Brennen, Hitze, Glut (FWB). „In der bꝛunſt vnnd gehꝛ“ ist der Wein, solange er warm und heftig gärt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-101-orig" n="daß du ſie nit vnderſich laſſeſt gehꝛen" resp="#fyndling" subtype="lexical">„Untersich“ heißt abwärts, nach unten (Unger: „in gerader Richtung nach abwärts“; Pfälzisches Wörterbuch: „abwärts, nach unten“). Der Wein soll nicht gären, während sein Spiegel im Fass absinkt; dazu passt das Gebot, ihn nachts fünf- oder achtmal aufzufüllen.<list type="alternatives"><item>Der Wein soll nicht verderben oder umschlagen.<note type="rationale">Die Formel „über und untersich gehen“ steht im Schweizerischen Idiotikon für „durcheinander geraten“. Ein Beleg für den Wein fehlt, und „untersich“ allein bezeichnet die Richtung; deshalb nicht gewählt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-101-orig" n="die vorgenandten wein alle" resp="#fyndling" subtype="contextual">Alle vorher genannten Kräuterweine, nicht nur der Salbeiwein: Rasch sagt „alle“ und spricht im Plural, erst im zweiten Satz wechselt er auf „er“, den einzelnen Wein.<list type="alternatives"><item>Nur die Salbeiweine<note type="rationale">Der Satz steht direkt nach dem Salbeiwein; „alle“ und der Plural sprechen dagegen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-102-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Rosenwein, bei dem gedörrte Rosenblätter mit dem Wein im Fass vergären. Rasch stellt ihn als andere Art neben den Rosenwein des anderen Autors, bei dem die frischen Blätter im Juni ins Fass kommen und der Most im Herbst darüber gefüllt wird. Hier wird der Most zuerst ins Fass gebracht, und die Blätter kommen dazu, wenn er zu gären anhebt.

Die Rosen. Gemeint sind die Blütenblätter, die vom Stiel gebrochen werden. Eine Farbe oder Sorte nennt der Text nicht; erst der folgende Rosenwein verlangt weiße edle Rosen. Gedörrt wird an der Luft auf sauberen Tüchern, aufbewahrt sauber bis in den Herbst.

Ablassen und Auffüllen. Raschs Grund für das Ablassen ist das Überlaufen. Heutige Einordnung: Die angärende Füllung schäumt auf und steigt, und die Blätter nehmen zusätzlich Raum ein; ein voll gefülltes Fass würde übergehen. Nach der Gärung wird mit vergorenem Wein wieder aufgefüllt. Das Füllen gärender Kräuterweine schärft Rasch unmittelbar vor diesem Eintrag ein: Die Weine im Keller sind Tag und Nacht zu beobachten und in der Nacht mehrmals zu füllen.

Was offen bleibt. Rasch nennt weder die Fassgröße noch die Weinmenge, weder die Menge des Abgelassenen noch eine Dauer. Wie lange die Blätter im Wein bleiben und ob sie beim Abstich herauskommen, sagt er nicht.

Praxis. Modern: nur unbehandelte Rosen verwenden. Die gedörrten Blütenblätter in den angärenden Most geben, im Gärgefäß Raum für das Aufschäumen lassen und nach der stürmischen Gärung mit vergorenem Wein auffüllen. Die Menge der Blätter nach Geschmack wählen, weil der Text kein Verhältnis gibt.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-102-orig" n="halt ſie ſchon" resp="#fyndling">„Schon“ ist hier das Adverb zu „schön“ in der älteren Bedeutung „rein, sauber“ (Adelung): Die Blätter sollen sauber aufbewahrt werden, nicht hübsch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-102-orig" n="zwey oder dꝛey tuͤcher voll" resp="#fyndling" subtype="contextual">So viel Rosen, wie zwei oder drei Tücher fassen, kein festes Maß; der Text bezieht die Menge auf kein Fass bestimmter Größe, ein Verhältnis zum Wein lässt sich daraus nicht gewinnen.<list type="alternatives"><item>So viel Blätter, wie ausgebreitet auf zwei oder drei Trockentüchern Platz haben<note type="rationale">Möglich, weil im selben Satz auf sauberen Tüchern gedörrt wird; die Mengenangabe steht aber beim Nehmen der Rosen, vor dem Abbrechen der Blätter.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-103-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Der dritte Rosenwein im Abschnitt des „anderen Author“. Die gedörrten Rosenblätter kommen hier nicht in gärenden Wein wie im Eintrag davor, sondern werden mit gesottenem Most verwendet, und zwar „wie Span wein“.

Gedörrt an der Luft, nicht an der Sonne. Gesammelt wird, wenn die Rosen „am aller zeittigſten“ sind, also voll aufgeblüht. Getrocknet wird an der Luft, ausdrücklich nicht an der Sonne; einen Grund nennt Rasch nicht. Dann bleiben die Blätter liegen, bis es im Herbst Most gibt.

Sieden bis zum Ende des Schaums. Der Most wird gesotten, „biß er verſchaimbt“, bis er keinen Schaum mehr wirft, und nicht länger, „damit es nit zu dick werd“. Rasch setzt die Grenze am Schaum, nicht an einer Zeit, und nennt das Eindicken als Gefahr. Ob der Schaum dabei abgenommen wird, sagt der Eintrag nicht.

„Wie Span wein“. Den Spanwein beschreibt Rasch zwei Einträge weiter: dünn geschnittene Buchenspäne werden in Wasser ausgekocht, gewaschen und getrocknet, ins Fass gegeben, und der Wein wird darübergeschüttet; in vierzehn Tagen wird er klar. Unsere Deutung: Die gedörrten Rosenblätter nehmen die Stelle der Späne ein, und der gesottene Most wird über sie gegossen. Wie lange die Blätter im Most bleiben und ob sie wieder herauskommen, sagt der Text nicht.

Praxis. Mengen nennt Rasch keine, weder für die Rosenblätter noch für den Most. Den Most nur so lange sieden, bis kein Schaum mehr aufsteigt; wer heute nachmacht, nimmt den Schaum dabei ab (heutige Gewohnheit, nicht im Text). Heutiger Hinweis: nur ungespritzte Rosen verwenden.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-103-orig" n="Span wein" resp="#fyndling">Bei Rasch der Wein, der über ausgekochte, getrocknete Buchenspäne im Fass geschüttet wird und davon klar wird (Eintrag „Schönen Spanwein“). Die Wörterbücher kennen das Wort auch anders: Grimm als „Wein vom Fasse“, Adelung und Campe als österreichisches Wort für den Wein, der vom Fass abtropft. Hier trägt nur Raschs eigene Bedeutung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-103-orig" n="verſchaimbt" resp="#fyndling" subtype="lexical">„biß er verſchaimbt“ = bis er nicht mehr schäumt. Verschäumen ist intransitiv mit dem Most als Subjekt; Adelung: „Der Honig hat verschäumt, gibt im Kochen keinen Schaum mehr“, ebenso Grimm und Campe. Buchintern übersetzt ras-055 „laß ſie verſchaumen“ als „Lass den Schaum vergehen“.<list type="alternatives"><item>bis er abgeschäumt ist<note type="rationale">Verschäumen kommt auch transitiv als „abschäumen“ vor (Dasypodius: despumo; Würtz: „verschaume es wol und sauber“). Hier steht aber „er verſchaimbt“, nicht „verſchaim jn“; ein Abschöpfen nennt der Text nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-104-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Traubenwein, im Fass aus süßem Most vergoren und mit gedörrten Holunderblüten gewürzt. Die Blüten sind Zusatz, nicht Grundlage; ein Holunderbeerwein ist das nicht.

Die Blüten. Rasch bricht die Blüten von den Stängeln, dörrt sie auf einem sauberen Tuch an der Luft, nicht in der Sonne, und hängt sie danach an die Luft bis in den Herbst. Als Grund nennt er, dass sie nicht schimmeln sollen. Wie viele Blüten auf wie viel Most kommen, sagt er nicht.

Der Zeitpunkt. Der Most gärt mit der Hefe, die er von den Trauben mitbringt. Die Blüten kommen erst, „wann er im ſatz iſt“, also wenn sich Hefe und Trub am Boden absetzen. Ob die Gärung dann ganz vorbei ist, lässt der Text offen. Wie lange die Blüten im Wein bleiben und ob sie wieder herauskommen, sagt Rasch nicht.

Hängen oder schütten. Rasch lässt beides zu. Wie die Blüten im Fass hängen, sagt er nicht; ein Säcklein nennt er hier nicht, anders als bei manchen anderen Kräuterweinen seines Buchs.

Praxis. Holunderblüten von den Stielen zupfen und im Schatten an der Luft trocknen, bis sie ganz dürr sind, dann trocken und luftig aufbewahren. Frischen Traubenmost im Fass oder Gärgefäß gären lassen; wenn die Gärung nachlässt und sich der Satz abgesetzt hat, die Blüten zugeben, lose oder - modern - in einem Leinensäckchen, das sich wieder herausnehmen lässt. Da der Text keine Menge nennt, sparsam beginnen und kosten. Grüne Stiele und Blätter des Holunders gelten roh als unverträglich; deshalb nur die Blüten nehmen, wie Rasch es vorschreibt. Gärgas sammelt sich in geschlossenen Kellern am Boden, deshalb gut lüften.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-104-orig" n="im ſatz" resp="#fyndling">Der Satz ist der Bodensatz im Gärfass (Pfälzisches Wörterbuch: „Bodensatz im Gärfaß“). „Wann er im ſatz iſt“ meint den Zeitpunkt, an dem sich Hefe und Trub absetzen; einen Tag oder eine Dauer nennt Rasch nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-104-orig" n="Malmaſier oder Muſcateller" resp="#fyndling">Malvasier ist ein edler Südwein, nach Monemvasia auf der Peloponnes benannt (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch, Grimm). Muskateller ist der Wein aus Muskatellertrauben. Rasch misst den Holunderblütenwein an beiden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-104-orig" n="natuͤrlich zu trincken" resp="#fyndling" subtype="lexical">„So natürlich zu trinken“: Der Wein trinkt sich so unverfälscht und angenehm wie Malvasier oder Muskateller. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch gibt „natürlich“ als „naturgegeben, der Natur entsprechend“; Rasch lobt im Rosenwein kurz zuvor „den natürlichsten und wohlschmeckendsten Wein“. Rumpolt (1581) schreibt an derselben Stelle „gut zu trincken“.<list type="alternatives"><item>„von Natur aus, ohne weiteres Zutun“ so zu trinken<note type="rationale">Möglich, aber der Satz lobt die Trinkbarkeit; Rumpolts „gut“ und Raschs eigener Gebrauch im Rosenwein stützen die Lesart als Lob, nicht als Aussage über fehlende Zutaten.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-104-orig" n="henck die blumen in das vaß/ oder ſchuͤtt ſie darein" resp="#fyndling" subtype="contextual">Rasch lässt zwei Wege zu: die Blüten ins Fass hängen oder lose hineinschütten. Wie sie hängen, sagt er nicht.<list type="alternatives"><item>Gehängt in einem Säcklein<note type="rationale">Bei anderen Kräuterweinen nennt Rasch ein Säcklein, hier nicht; es bleibt eine Deutung.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-105-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung: Missfarbiger oder umgeschlagener Wein wird über gesottene, gewaschene und getrocknete Buchenspäne gegossen und ist nach Rasch in vierzehn Tagen klar. Die Späne bleiben im Fass, man trinkt den klaren Wein ab und füllt anderen umgeschlagenen Wein nach. Nach einem Vierteljahr oder länger werden sie gewaschen, getrocknet und wieder gebraucht.

Die Reihenfolge. Rasch nennt die Menge, einen Sack voll auf ein halbes Fuder, vor der Vorbehandlung. Die Arbeitsfolge ist: dünn schneiden, im Kessel mit Wasser sieden, im Zuber mit sauberem Wasser waschen, dürr werden lassen, ins Fass, den Wein darüber. Wie lange gesotten wird, sagt er nicht. Helbachs Oenographia (1604) hat dieselbe Folge und sagt ausdrücklich, dass die Späne danach ins Fass kommen.

Was die Späne tun. Rasch begründet das Verfahren nicht. Heute würde man sagen: Die dünnen Späne bieten den Trubteilchen viel Fläche, an der sie sich absetzen, und das Sieden und Waschen soll wohl verhindern, dass frisches Holz dem Wein Geschmack abgibt. Beides ist Einordnung, nicht Text. Wie weit ein in Farbe und Geschmack umgeschlagener Wein dadurch wirklich zurückkommt, ist nach heutigem Wissen fraglich; sicher ist nur, dass er auf den Spänen Zeit zum Absetzen bekommt. Welcher Weinfehler mit „gebrochen“ genau gemeint ist, lässt sich aus dem Wort nicht bestimmen.

Praxis. Unbehandeltes Buchenholz so dünn wie möglich schneiden, in Wasser sieden, mit sauberem Wasser waschen und ganz dürr werden lassen, dann in ein Fass geben und den trüben Wein darüber gießen. Heutiger Hinweis: nur unbehandeltes, ungeräuchertes Holz verwenden.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-105-orig" n="Spanwein" resp="#fyndling">Wein, der über Holzspänen geläutert wird. So erklärt das Mecklenburgische Wörterbuch das Wort, mit Verweis auf Fischers Schwäbisches Wörterbuch und das Schweizerische Idiotikon, und so beschreiben ihn Kellerbücher des 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Grimm, Adelung und Campe führen „Spanwein“ daneben für Wein, der vom Fass abtropft; diese Bedeutung passt hier nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-105-orig" n="fuder" resp="#fyndling">Das größte Weinmaß, ursprünglich eine Wagenladung. Der Inhalt war von Land zu Land verschieden: Das Augsburger Stadtrecht rechnet das welsche Fuder zu acht Eimern (nach Grimm), das Pfälzische Wörterbuch gibt rund 1000 Liter an. In Wien rechnete man im 16. Jahrhundert das Fuder zu 32 Eimern, den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch Wiener Maß meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-105-orig" n="gebꝛochen wein" resp="#fyndling">Umgeschlagener Wein, in Farbe und Geschmack verdorben. Helbach (1604) sagt von behandeltem gebrochenem Wein, er komme „wieder zu sich selbst am Geschmack vnnd Farbe“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-105-orig" n="ſchoͤn" resp="#fyndling">Vom Wein gesagt: klar. „Schönen“ heißt in den Weinbaumundarten bis heute den Wein klären (Pfälzisches und Elsässisches Wörterbuch). „Schön wasser“ ist sauberes Wasser.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-105-orig" n="thu einen ſack vol in ein halb fuder zuuoꝛ mit waſſer geſotten" resp="#fyndling" subtype="contextual">Ein Sack voll Späne gehört in ein Fass von einem halben Fuder; „zuvor mit Wasser gesotten“ bezieht sich auf die Späne. Danach folgen Waschen, Trocknen und das Darübergießen des Weins. Helbachs Parallele von 1604 siedet die Späne im Kessel ohne Wassermenge und gibt sie danach „in das Faß“.<list type="alternatives"><item>Die Späne werden in einem halben Fuder Wasser gesotten.<note type="rationale">Die Satzstellung erlaubt es, doch ein halbes Fuder ist als Kesselfüllung unwahrscheinlich, und die Parallele bei Helbach nennt keine Wassermenge.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-105-orig" n="vngefaͤrbten" resp="#fyndling" subtype="lexical">Missfarbig, ohne rechte Farbe. Grimm verzeichnet für „ungefarbt“ die ältere Bedeutung „farblos, kein gutes aussehen habend“, und Helbachs Parallele hat an dieser Stelle „mißfarben Wein“.<list type="alternatives"><item>Nicht gefärbt, also naturbelassen.<note type="rationale">Die heutige Wortbedeutung passt nicht in die Reihe mit dem gebrochenen Wein, der klar werden soll.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-106-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterwein: Johanniskraut gärt im Fass mit dem Most und wird danach ein zweites Mal verwendet, dann in fertigem Wein. Mengen, Fassgröße und Dauer nennt Rasch nicht.

Kraut und Most. Das Fass wird zuerst mit Kraut gefüllt, der Most kommt darauf und füllt die Zwischenräume. Er gärt mit seiner eigenen Hefe über dem Kraut. Wenn der Wein vergoren ist, kommt das Kraut heraus; warum gerade dann, begründet Rasch nicht, und woran man das Ende der Gärung erkennt, sagt er auch nicht. Heutige Einordnung: Der Wein ist durchgegoren, wenn er nicht mehr arbeitet und keine Bläschen mehr aufsteigen.

Der zweite Durchgang. Das gewaschene, getrocknete Kraut wird bis zum März aufbewahrt und dann wieder in ein Fass gegeben, das mit „anderm wein“ gefüllt wird, also mit Wein, nicht mit Most. Das Kraut zieht dann ohne Gärung. Statt des gebrauchten Krauts erlaubt Rasch „ander frisch Johannes kraut“; Johanniskraut blüht im Sommer, was im März frisch zu haben ist, sagt der Text nicht. Ebenso offen bleibt, ob das Kraut für den ersten Ansatz zur Lese im Herbst frisch oder schon getrocknet ist.

Praxis. Heute im Kleinen: ein sauberes Gärgefäß mit Gärspund, unbehandelter Traubenmost vom Winzer und Johanniskraut; die Menge ist selbst zu wählen, Rasch lässt das ganze Fass mit Kraut füllen. Gärgas sammelt sich in geschlossenen Räumen am Boden, deshalb gut lüften. Moderner Hinweis, nicht von Rasch: Johanniskraut kann die Wirkung vieler Arzneimittel abschwächen, unter anderem hormoneller Verhütungsmittel und Antidepressiva, und die Haut lichtempfindlicher machen. Wer Medikamente nimmt, verzichtet besser auf diesen Wein.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-106-orig" n="Sanct Johannes kraut" resp="#fyndling">Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum), früher auch Hartheu genannt; Stielers Wörterbuch von 1691 setzt „Johanneskraut“ mit lateinisch hypericum gleich. Den Namen hat es vom Johannistag am 24. Juni, um den es blüht. Ob Blüten oder ganze Triebe gemeint sind, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-106-orig" n="vergehꝛt" resp="#fyndling">Zu vergären, „ausgären“ (Grimms Wörterbuch): Der Wein ist durchgegoren. Erst dann kommt das Kraut heraus.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-106-orig" n="ſtoß es in ein vaß/ daß es voll ſey" resp="#fyndling" subtype="contextual">„stopfe es in ein Fass, bis es voll ist“: Das Kraut wird hineingedrückt, bis das Fass gefüllt ist, dann kommt der Most darauf. Rasch gebraucht „stoßen … ins Fass“ auch sonst für Hineinstecken (ein Ziegel oder Stahl wird „ein oder zwey mahl ins vaß“ gestoßen), und das Kraut wird später gewaschen und getrocknet.<list type="alternatives"><item>Das Kraut wird im Mörser zerstoßen und dann ins Fass gegeben.<note type="rationale">„stoßen“ heißt bei Rasch oft zerstoßen, dann aber mit Mörser oder „klein“. Zerstoßenes Kraut ließe sich kaum waschen, trocknen und wieder verwenden.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-106-orig" n="ander friſch Johannes kraut" resp="#fyndling" subtype="contextual">Wörtlich: Statt des gebrauchten, getrockneten Krauts darf man im März anderes, frisches Johanniskraut nehmen. Was im März frisch zur Hand ist, sagt der Text nicht.<list type="alternatives"><item>„frisch“ als „unverbraucht“: anderes Kraut, das noch in keinem Fass war, auch getrocknet.<note type="rationale">Johanniskraut blüht im Sommer; im März gibt es kein blühendes Kraut. Der Gegensatz im Satz ist der zum schon einmal gebrauchten Kraut.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-107-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Lautertrank, also ein Wein, der mit Gewürzen und Zucker angesetzt wird. Es gibt kein Feuer und keine Gärung: Die gestoßenen Gewürze und der Zucker kommen in einen einfachen Wein ohne Zusatz.

Die Weinmenge. Rasch nennt sie nicht. Die Gewürze und der Zucker sind genau beziffert, die Weinmenge, auf die sie gehören, bleibt offen. Der folgende Eintrag rechnet für eine Kanne Lautertrank vier Lot Kümmel und ein halbes Pfund Zucker oder mehr; das ist ein anderes Rezept und keine Grundlage, um dieses umzurechnen.

Wie lange, und wird geklärt? Auch das sagt der Eintrag nicht. „Lauter“ heißt klar, der Name setzt also einen geklärten Trank voraus. Im folgenden Eintrag gießt Rasch den Wein über die Gewürze, lässt ihn drei Stunden stehen und gießt ihn danach auf, bis er schön wird. Ob er das auch hier meint, bleibt offen.

Muskat. Muskatnuss ist in größeren Mengen gesundheitlich bedenklich. Wer den Ansatz kleiner macht, nimmt auch entsprechend weniger Muskat.

Praxis. Die Gewürze und den Zucker im Mörser stoßen und in einen einfachen Wein geben. Die Weinmenge legt man selbst fest und verkleinert die Gewürze im gleichen Verhältnis zueinander. Heute würde man den Wein vor dem Ausschenken durch ein Tuch oder einen Filterbeutel abseihen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-107-orig" n="lauter tranck" resp="#fyndling">Lautertrank: nach dem Frühneuhochdeutschen Wörterbuch ein mit Kräutern gewürzter Wein, nach Grimm ein über Kräuter und Gewürze abgeklärter Wein. „Lauter“ heißt klar, rein.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-107-orig" n="vierling" resp="#fyndling">Ein Viertel eines Ganzen, als Gewicht ein Viertelpfund; Adelung nennt für Nürnberg den Vierling den vierten Teil eines Pfundes oder acht Lot. Das Pfund war von Ort zu Ort verschieden.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-107-orig" n="Pariß koͤꝛner" resp="#fyndling">Paradieskörner, die scharfen Samen des Melegueta-Pfeffers; das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt das Wort als pariskorn und nennt es einen Pfefferersatz.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-107-orig" n="ſchlechten wein" resp="#fyndling">„Schlecht“ heißt hier schlicht, einfach, nicht minderwertig: ein guter, einfacher Wein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-107-orig" n="in ein guten ſchlechten wein gethon" resp="#fyndling" subtype="contextual">Gewürze und Zucker werden in den Wein gegeben; wie lange sie darin bleiben und ob der Wein danach abgezogen oder geklärt wird, sagt der Eintrag nicht. Die Übersetzung ergänzt nichts.<list type="alternatives"><item>Verfahren wie im folgenden Eintrag: den Wein über die Gewürze gießen, drei Stunden stehen lassen, dann aufgießen, bis er schön wird<note type="rationale">Der Folgeeintrag gehört zum selben Lautertrank und beschreibt das Verfahren; ob Rasch es hier voraussetzt, sagt er nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-108-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Lautertrank, also ein gewürzter und geklärter Wein, ohne Feuer und ohne Gärung: Kümmel, Zucker, Galgant oder Ingwer und Muskat werden gemischt, der Wein kommt darüber, steht drei Stunden und wird dann aufgegossen, bis er klar ist. Rasch setzt den Eintrag als zweite Fassung unter den „köstlichen Lautertrank“ mit langem Pfeffer und Zimt; die folgende Fassung zählt nur Zutaten auf.

Das Aufgießen. Wie es geschieht, sagt der Text nicht. Am nächsten liegt die Klärung, die dem Getränk den Namen gibt: Der Wein wird nach dem Ziehen noch einmal über den Gewürzsatz oder durch ein Tuch gegossen, bis er klar läuft. Rumpolt seiht 1581 seinen gewürzten Wein auf diese Weise drei- oder viermal durch ein Säcklein. Möglich ist auch, dass auf den Satz neuer Wein nachgegossen wird, wie Rasch es beim Salbeiwein beschreibt.

Die Gewürze. Rasch sagt nur, sie werden „vnder einander gemacht“, nicht, ob man sie stößt; beim ersten Lautertrank stehen sie ausdrücklich gestoßen. Welcher Kümmel gemeint ist, bleibt offen: Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch setzt „kümmel“ mit dem Kreuzkümmel gleich, Adelung nennt unter dem Namen mehrere Pflanzen, darunter den Wiesenkümmel.

Praxis. Vier Lot Kümmel, ein halbes Pfund Zucker oder mehr, ein Lot Galgant oder ein wenig Ingwer und ein wenig Muskat in einem Gefäß mischen, den Wein darübergießen und drei Stunden stehen lassen. Heute gießt man ihn danach durch ein Tuch oder einen Leinenbeutel, so oft, bis er klar läuft. Wie viel Wein die Kanne fasst und wie lange sich der Trank hält, sagt Rasch nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-108-orig" n="lauter tranck" resp="#fyndling">Lautertrank, ein mit Gewürzen versetzter und geklärter Wein. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt ihn als „mit Kräutern gewürzter Wein“, Grimm als über Kräuter und Gewürze abgeklärten Wein.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-108-orig" n="kanten" resp="#fyndling">Kanne, ein Weingefäß; Grimm führt „kante, kande“ als Nebenform von „kanne“, Maaler 1561 nennt „kant, kanten, kantel“ ein Weingeschirr. Wie viel die Kanne fasst, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-108-orig" n="auffgoſſen biß er ſchoͤn wird" resp="#fyndling" subtype="contextual" cert="unknown">Den Wein nach dem Ziehen erneut aufgießen, über den Gewürzsatz oder durch ein Tuch, bis er klar läuft. Grund: Das Getränk heißt Lautertrank, also geklärter Wein, und „ſchoͤn“ heißt beim Wein klar (Adelung „hell, rein, sauber“; Rasch ras-095 „ſchoͤn Salueyen wein“). Rumpolt 1581 seiht seinen gewürzten Wein „drey oder vier mal“ durch ein Säcklein.<list type="alternatives"><item>Auf den Gewürzsatz neuen Wein nachgießen.<note type="rationale">„Aufgießen“ heißt zunächst nur Flüssigkeit auf etwas gießen (FWB); beim Salbeiwein beschreibt Rasch, dass man auf das Gewürz immer wieder Wein nachgießt. Das „bis er schön wird“ spricht eher für die Klärung desselben Weins.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-108-orig" n="Kuͤmmel" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Kümmel wie gedruckt, die Art bleibt offen.<list type="alternatives"><item>Kreuzkümmel (Cuminum cyminum)<note type="rationale">Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch setzt „kümmel“ mit Cuminum cyminum gleich; Adelung nennt ihn unter den Pflanzen dieses Namens zuerst.</note></item><item>Wiesenkümmel (Carum carvi)<note type="rationale">Der heimische Kümmel des heutigen Sprachgebrauchs; Adelung führt den Namen ausdrücklich für mehrere einander ähnliche Pflanzen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-109-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine weitere Fassung des Lautertranks, eines gewürzten und geklärten Weins, ohne Feuer und ohne Gärung. Rasch nennt hier nur die Würzmischung: drei Lot Kümmel, ein Pfund Zucker, ein wenig Ingwer und ein wenig Galgant. Den Wein, seine Menge und das Verfahren nennt der Eintrag nicht.

Das Verfahren. Die vorige Fassung für eine Kanne beschreibt es: die Zutaten untereinander mischen, den Wein darübergießen, drei Stunden stehen lassen und danach aufgießen, bis er schön wird. Ob Rasch das hier voraussetzt, sagt er nicht. Die Mischung weicht von jener ab: ein ganzes statt eines halben Pfundes Zucker, drei statt vier Lot Kümmel, Ingwer und Galgant zusammen statt wahlweise, kein Muskat. Weil die Weinmenge fehlt, lässt sich nicht sagen, ob dieser Trank süßer oder schwächer gewürzt ist.

Der Kümmel. Welche Pflanze gemeint ist, bleibt offen: Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch setzt „kümmel“ mit dem Kreuzkümmel gleich, Adelung nennt unter dem Namen mehrere Pflanzen, darunter den Wiesenkümmel.

Praxis. Kümmel, Zucker, Ingwer und Galgant mischen; die Weinmenge legt man selbst fest. Heute würde man nach dem Verfahren der vorigen Fassung den Wein darübergießen, drei Stunden ziehen lassen und ihn dann durch ein Tuch abgießen, bis er klar läuft.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-109-orig" n="Galgan" resp="#fyndling">Galgant, der Wurzelstock einer ingwerverwandten Pflanze. Lexer erklärt „galgan“ als die Galgantwurzel, Grimm als ostindische Wurzel, die früher als Gewürz und Arznei gebraucht wurde.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-109-orig" n="Item/ nimb dꝛey loth Kuͤmmel/ ein pfund Zucker/ vnd ein wenig Ingwer/ vnd ein wenig Galgan." resp="#fyndling" subtype="contextual">Eine weitere Würzmischung zum Lautertrank: Der Eintrag steht als drittes „Item“ unter der Überschrift „Ein koͤſtlich lauter tranck zu machen“. Wein und Verfahren nennt er nicht, die Übersetzung ergänzt nichts.<list type="alternatives"><item>Rasch setzt das Verfahren der vorigen Fassung voraus: Wein darübergießen, drei Stunden stehen lassen, aufgießen, bis er schön wird.<note type="rationale">Das „Item“ reiht den Eintrag in dieselbe Folge; ausdrücklich sagt Rasch es nicht.</note></item><item>Ein Gewürzzucker oder Konfekt für sich.<note type="rationale">Zucker ist der größte Posten, doch der Text nennt weder Kochen noch Formen, und der Eintrag steht in der Reihe der Lautertränke; daher nicht gewählt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-109-orig" n="Kuͤmmel" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Kümmel wie gedruckt, die Art bleibt offen.<list type="alternatives"><item>Kreuzkümmel (Cuminum cyminum)<note type="rationale">Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch setzt „kümmel“ mit Cuminum cyminum gleich; Adelung nennt ihn unter den Pflanzen dieses Namens zuerst.</note></item><item>Wiesenkümmel (Carum carvi)<note type="rationale">Der heimische Kümmel des heutigen Sprachgebrauchs; Adelung führt den Namen ausdrücklich für mehrere einander ähnliche Pflanzen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-110-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Die vierte und kürzeste Fassung von Raschs Lautertrank, einem gewürzten und geklärten Wein: Kümmel, Nelken, Ingwer und Muskat werden mit geläutertem Honig gemischt. Mehr sagt der Eintrag nicht. Sein „auch vnder einander gemacht“ greift die Kannen-Fassung auf, in der die gemischten Gewürze mit Wein übergossen werden, drei Stunden stehen und der Wein aufgegossen wird, bis er klar ist. Ob Rasch das hier stillschweigend voraussetzt, lässt der Text offen; ohne Flüssigkeit bleibt eine dicke Gewürzhonigmasse.

Die Gewürzmenge. Die Zahl „zwey loth“ steht einmal, beim Kümmel, vor vier Gewürzen. In der Fassung davor ist ebenso nur der Kümmel beziffert, Ingwer und Galgant kommen „ein wenig“ dazu; so ist es hier am wahrscheinlichsten zu lesen. Gilt die Zahl für jedes Gewürz, kämen auch zwei Lot Muskat hinein. Muskatnuss wirkt in größeren Mengen giftig, so viel sollte man heute nicht in einen Trank geben.

Honig statt Zucker. Den Honig nimmt Rasch geläutert, also gereinigt; wie, sagt er hier nicht. Wie groß sein Mäßlein ist, nennt er ebenfalls nicht, ein kleines Maß. Ob die Gewürze gestoßen werden, steht nicht da; beim ersten Lautertrank der Reihe sind sie ausdrücklich gestoßen.

Praxis. Zwei Lot Kümmel, dazu Nelken, Ingwer und Muskat nach Geschmack mit einem Mäßlein geklärtem Honig mischen. Wer der Kannen-Fassung folgt, gießt Wein darüber, lässt ihn stehen und gießt ihn danach durch ein Tuch, bis er klar läuft; das ist eine Anlehnung an den Nachbareintrag, nicht Raschs Anweisung für diesen Trank.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-110-orig" n="gemainen Zuckertranck" resp="#fyndling">„Gemein“ heißt hier gewöhnlich, schlicht, wie beim „gemainen Meth“ an anderer Stelle des Buchs. Grimm kennt „Zuckertrank“ nur in übertragenem Gebrauch. Zucker kommt in diesem Eintrag nicht vor, gesüßt wird mit Honig.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-110-orig" n="maͤßlin" resp="#fyndling">Mäßlein, ein kleines Maß. Das Deutsche Rechtswörterbuch führt es als Verkleinerung zu Maß, Stieler (1691) gibt es lateinisch als „mensura minuscula“ wieder und kennt das Mäßlein Wein. Wie viel es fasst, sagt Rasch nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-110-orig" n="geleutert hoͤnig" resp="#fyndling">Gereinigter Honig. Läutern heißt im Frühneuhochdeutschen reinigen, oft mit Hitze (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch). Wie der Honig geläutert wird, sagt Rasch hier nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-110-orig" n="zwey loth Kuͤmmel/ Negelen/ Ingwer/ Muſcaten" resp="#fyndling" subtype="contextual">Zwei Lot Kümmel; Nelken, Ingwer und Muskat ohne eigene Mengenangabe. Grund: In der Fassung unmittelbar davor ist ebenfalls nur der Kümmel beziffert („dꝛey loth Kuͤmmel“), Ingwer und Galgant stehen dort als „ein wenig“. Die Übersetzung behält die Reihung des Drucks, ohne „je“.<list type="alternatives"><item>Je zwei Lot von jedem der vier Gewürze.<note type="rationale">Eine Mengenangabe vor einer Reihe ohne eigene Zahlen kann für alle Glieder gelten. Dann wären es auch zwei Lot Muskat, was nach heutigem Wissen zu viel ist.</note></item><item>Zwei Lot für alle Gewürze zusammen.<note type="rationale">Möglich, weil nur eine Zahl dasteht; in den Nachbarfassungen wird die Menge aber je Gewürz angegeben.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-110-orig" n="auch vnder einander gemacht" resp="#fyndling" subtype="contextual">Die Zutaten werden ebenfalls untereinander gemischt. Das „auch“ greift die Kannen-Fassung auf („vnd das vnder einander gemacht/ vnnd den wein daruͤber gegoſſen“); Wein, Ziehzeit und Klären wiederholt Rasch hier nicht, die Übersetzung ergänzt sie nicht.<list type="alternatives"><item>Gemeint ist der ganze Ablauf der Kannen-Fassung: Wein darübergießen, drei Stunden stehen lassen, aufgießen, bis er klar ist.<note type="rationale">Dafür spricht, dass der Eintrag unter der Lautertrank-Überschrift steht und „Trank“ heißt; ausgeschrieben ist es nicht.</note></item><item>Ein Gewürzhonig für sich, der erst später verdünnt wird.<note type="rationale">Ohne Flüssigkeit ergibt die Mischung eine dicke Masse; von einem späteren Verdünnen steht aber nichts im Text.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-111-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Trank aus Brombeeren und Honig, nicht mit Wasser, sondern mit Wein angesetzt, zweimal gesotten und abgeschäumt und danach im Fässchen aufbewahrt. Ein Met ist das nicht: die Grundlage ist Wein.

Sechsmal so viel Wein. Worauf sich das „sechsmal so viel“ bezieht, sagt Rasch nicht. Am nächsten liegt die eben gemischte Masse aus Honig und Beeren; die älteren Fassungen desselben Rezepts werden als sechsmal der Honig gelesen. In beiden Fällen ist der Wein der weitaus größte Teil.

Zwei Siedegänge. Erst sieden und abschäumen, bis es gut aufwallt, dann durch ein Tuch seihen, das die Beeren zurückhält. Abkühlen lassen, ein zweites Mal ans Feuer und wieder abschäumen. Wie lange jeweils, sagt der Text nicht; das Zeichen für das Ende des ersten Gangs ist das kräftige Aufwallen. Heute würde man ergänzen: beim Sieden geht ein Teil des Weingeists verloren.

Im Fässchen. „Zu sich selbst kommen lassen“ heißt hier ruhen lassen, bis der Trank sich gesetzt hat. Ob er dabei gärt, sagt Rasch nicht; die älteren Fassungen schreiben an dieser Stelle „lass es gären“. Der Trank ist gesotten und damit weitgehend keimfrei. Gärt er im Fässchen, kommt die Hefe aus dem Holz eines schon für Wein benutzten Fasses. Heute: ohne ein solches Fass etwas Weinhefe zusetzen, wenn er nachgären soll. Eine Nachgärung im fest verschlossenen Gefäß baut Druck auf.

Zu stark? Was „mehr darunter“ gemischt wird, sagt Rasch nicht. Die älteren Fassungen nennen Wein, auf ein Glas Trank zwei Gläser Wein. Rasch überlässt das Maß dem Geschmack.

Praxis. Honig und Brombeeren gut vermengen, den Wein dazugeben, aufsetzen, sieden und abschäumen, bis es gut aufwallt. Durch ein Tuch seihen, abkühlen lassen, noch einmal aufsetzen und abschäumen. In ein sauberes Fässchen füllen und ruhen lassen. Vor dem Trinken kosten und, wenn er zu stark ist, nach Geschmack verdünnen. Ein zuckerreicher Ansatz schäumt beim Aufwallen stark und kocht leicht über.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-111-orig" n="maß" resp="#fyndling">Altes Raummaß, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war; hier werden auch Honig und Beeren nach Raum gemessen. Welches Maß Rasch meint, sagt er nicht. Für das Rezept zählt das Verhältnis.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-111-orig" n="Braunbeer" resp="#fyndling" subtype="lexical">Brombeeren. Henisch 1616 führt „Braunbeer/ brombeer/ bremen/ kratzbeer … morum rubi“, und die älteren Fassungen desselben Rezepts schreiben „Vinum de morisrubi … Broombere“ (k1-167) und „bramber funff mas“ (so1-133).<list type="alternatives"><item>Heidelbeeren<note type="rationale">Grimm kennt „Braunbeere“ als „bacca myrtilli, schwarzbeere, heidelbeere“. Regional belegt, aber die Parallelüberlieferung dieses Rezepts nennt die Brombeere.</note></item><item>Schwarze Johannisbeeren<note type="rationale">Grimm setzt hinzu „auch ribes nigrum“. Gegen die Parallelüberlieferung ebenso wenig gestützt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-111-orig" n="ſechs mahl ſo viel wein" resp="#fyndling" subtype="contextual">Wörtlich übersetzt; der nächste Bezug ist die eben gemischte Masse („das miſch wol zuſamen/ darnach ſo thue ſechs mahl ſo viel wein darunder“), also sechsmal so viel wie Honig und Beeren zusammen.<list type="alternatives"><item>Sechsmal so viel wie der Honig<note type="rationale">So werden die älteren Fassungen gelesen (k1-167, so1-133), gestützt auf die Zielangabe der Solothurner Handschrift „ein masß win oder sechs“. Bei Rasch fehlt diese Angabe.</note></item><item>Sechsmal so viel wie die Beeren<note type="rationale">Grammatisch möglich, weil die Beeren zuletzt genannt sind; der Text mischt aber vorher beides „wol zuſamen“.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-111-orig" n="laß es wol zu jm ſelber kommen" resp="#fyndling" subtype="contextual" cert="unknown">Wörtlich „lass es gut zu sich selbst kommen“: im Fässchen ruhen lassen, bis der Trank sich nach dem Sieden gesetzt hat. Ein Wörterbuchbeleg für die Wendung beim Wein fehlt.<list type="alternatives"><item>Gären lassen<note type="rationale">Die älteren Fassungen haben an derselben Stelle „lois Ieren“ (k1-167) und „las es yeren“ (so1-133). Rasch nennt keine Gärung.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-111-orig" n="fuͤr all natuͤrliche hitz" resp="#fyndling" subtype="lexical">„Für alle natürliche Hitze“: die natürliche Hitze ist in der Säftelehre die Eigenwärme des Körpers (Grimm zitiert „die bewegung … erwecket die natürliche hitze“; bei Rasch selbst „erweckt natuͤrliche hitz“, ras-070). Der Trank dient ihr; k1-167 sagt, er „die naturlichen hitze wol hilfft vnd In Irer moisze helt“.<list type="alternatives"><item>Gegen übermäßige Körperhitze<note type="rationale">so1-133 schreibt „der naturlichenn hitz wol sufferlich wider hilft“, hält sie aber zugleich „in naturlicher masß“. Rasch hat kein „wider“.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-112-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein gesottener Met aus einem Maß Honig auf sechs Maß Wasser, mit roten Rosenknospen im Sud, gefärbt mit einem eigens gebräunten Honig und gewürzt mit zerstoßenen Lorbeerbeeren. Heutige Metmacher nennen Met aus gebräuntem Honig Bochet. Der Eintrag endet beim Einfüllen ins Fässlein; Gärung und Lagerung beschreibt er nicht.

Der Sud. Rasch stellt das Sieden neben das Sieden von jungem Rindfleisch und verlangt gleich darauf, den Met ordentlich und immerfort abzuschäumen. Eine Zeit nennt er nicht. Warum das Feuer hell und ohne Rauch brennen soll, begründet er nicht; naheliegend ist, dass der offene Sud keinen Rauch annehmen soll. Die Rosenknospen kommen während des Siedens hinein, eine Menge nennt der Text nicht.

Der gebräunte Honig. Auf jeden Eimer Met kommt ein Maß Honig, der für sich im Kessel über der Glut siedet und dabei immerfort gerührt wird, bis er rot oder braun ist. Die Farbe ist laut Text der Zweck, ihren Ton bestimmt der Koch. Wie viel Met der Grundansatz ergibt und wie viele Maß Rasch auf den Eimer rechnet, sagt er nicht. Honig brennt beim Bräunen schnell an, und wenn der Met über den heißen Honig geschüttet wird, schäumt und spritzt es heftig.

Lau ins Fass. „vberſchlahen“ heißt bei Flüssigkeiten lau werden. Der Met war schon erkaltet, wird aber durch den heißen Farbhonig wieder warm; ehe er ins Fässlein kommt, soll er gut abkühlen, bis er nur noch lau ist. Heutige Einordnung: Heißer Sud schadet der Hefe, lau ist die Temperatur, bei der man heute Hefe zusetzt.

Gärung mit der Fasshefe. Rasch nennt keine Hefe, und der gesottene Sud bringt keine lebende mit. Gärt der Met im Fässlein wie in Raschs Grundverfahren, dann mit der Fasshefe: Ein immer wieder benutztes Fass trägt im Holz eine eingefahrene Hefe, in der sich über die vielen Ansätze die gärkräftigen Stämme durchgesetzt haben. Dass dieser Eintrag es so meint, sagt er selbst nicht.

Lorbeer, Gewürz, Hopfen. Die Lorbeerbeeren werden frisch, mit ihrer Haut, zerstoßen und eingehängt; ein Säcklein nennt Rasch hier nicht. Gemeint ist der Echte Lorbeer. Früchte und Blätter des Kirschlorbeers sind giftig und dürfen damit nicht verwechselt werden. Gewürz oder Hopfen zum Stärken stellt Rasch frei, ohne Art und Menge.

Für Metmacher: die Zahlen

Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.

| Lesart | Zucker | SG (OG) | °Oe | °Brix | Alkohol bis trocken |
|---|---|---|---|---|---|
| „ein maß hoͤnig/ zu ſechs maß waſſers“, Sieden ohne Maß | 177-272 g/l | 1,068-1,105 | 68-105 | 16,6-24,9 | 10,5-16,2 % |
| dasselbe, zum Vergleich ohne Einkochverlust | 150-163 g/l | 1,058-1,063 | 58-63 | 14,3-15,4 | 8,9-9,7 % |

„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.

Annahmen: Honig und Wasser sind im selben Raummaß gemessen, die Größe der Maß kürzt sich heraus. Rasch sagt nicht, wie lange gesotten wird; die erste Zeile nimmt einen Einkochverlust von 15-40 % an, der den größten Teil der Spanne erzeugt, die zweite Zeile ist die Untergrenze ohne jedes Einkochen. Nicht eingerechnet ist der gebräunte Honig, ein Maß je Eimer, weil Rasch nicht sagt, wie viele Maß ein Eimer hat; er hebt den Zucker zusätzlich an. Nicht eingerechnet sind auch Rosen, Lorbeer und der abgeschäumte Anteil.

Praxis. Heutiger Hinweis, nicht bei Rasch: Ohne eingefahrenes Fass setzt man dem lau abgekühlten Met Weinhefe zu. Den Met langsam und mit Abstand über den heißen Farbhonig gießen, sonst drohen Verbrühungen. Mengen für Rosen, Lorbeer, Gewürz und Hopfen muss man selbst finden.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-112-orig" n="maß" resp="#fyndling">Altes Raummaß, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Für dieses Rezept zählt das Verhältnis: ein Teil Honig auf sechs Teile Wasser, im selben Maß gemessen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-112-orig" n="aymer" resp="#fyndling">Eimer, ein Flüssigkeitsmaß für Wein, von Land zu Land verschieden. Die Wiener Maßordnungen des 16. Jahrhunderts rechnen den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch den Wiener Eimer meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-112-orig" n="Loꝛboͤꝛ" resp="#fyndling">Lorbeerbeeren, die Früchte des Echten Lorbeers, nicht die Blätter (Grimm: „die frucht des laurus“). „die heut haben“: mit ihrer Haut.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-112-orig" n="vberſchlahen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Lau abkühlen lassen: Bei Flüssigkeiten heißt „überschlagen“ lau werden (Adelung: „das kalte Wasser ein wenig überschlagen lassen“; Unger, Steirischer Wortschatz: „lauwarm“; Schmid, Schwäbisches Wörterbuch: „mäßig gewärmt, vom Getränke“). Der erkaltete Met ist durch den heißen Farbhonig wieder warm geworden und soll vor dem Fass abkühlen. Rumpolts Paralleltext wird ebenso gelesen.<list type="alternatives"><item>Überschäumen, zu gären beginnen.<note type="rationale">Für Flüssigkeiten nicht belegt, und die Gärung beginnt erst im Fässlein, nicht davor.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-112-orig" n="als wer es jung rindtfleiſch" resp="#fyndling" subtype="contextual">Ein Vergleich mit dem Sieden von Fleisch, bei dem man den Schaum abnimmt; gleich darauf verlangt Rasch das Abschäumen. Die Übersetzung behält den Vergleich wörtlich.<list type="alternatives"><item>Der Vergleich zielt auf die Siededauer.<note type="rationale">Möglich, aber eine Zeit lässt sich daraus nicht ableiten, und Rasch nennt keine.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-112-orig" n="ſchaime jn recht fuͤr ſich dar" resp="#fyndling" subtype="lexical">Ordentlich und immerfort abschäumen: „fürsich“ heißt vorwärts, fort (Unger, Elsässisches Wörterbuch; bairisch „fürsi“ nach Schmeller), „recht“ ordentlich.<list type="alternatives"><item>„für sich“ als gesondert: den Schaum für sich abnehmen.<note type="rationale">Möglich; die Handlung, das Abschäumen während des Siedens, bleibt dieselbe.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-113-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Claret, also ein mit Honig gesüßter Würzwein. Von einer Gärung ist keine Rede: Der Honig wird in einer halben Maß Wein gesotten und abgeschäumt und kommt dann zum übrigen Wein, die gestoßenen Gewürze stehen drei Stunden darin, zuletzt wird alles durch einen Sack gegossen. Feuer braucht nur der Honig.

Der Honig. Rasch siedet den Honig nicht in Wasser, sondern in einem kleinen Teil Wein, und nimmt den Schaum ab, der dabei aufsteigt. Ob der Honigwein abkühlt, bevor er zum übrigen Wein kommt, sagt der Text nicht; heute lässt man ihn meist etwas abkühlen.

Die Mengen. Wie groß Viertel und Achtel sind, sagt Rasch nicht. Aus dem Ablauf folgt nur, dass das Viertel mehr ist als eine halbe Maß, denn in dieser halben Maß wird der Honig zuerst gesotten. Wovon der Honig ein Achtel ist, bleibt offen; Rumpolt schreibt an derselben Stelle „ein aͤchtmaß Honig“. Fest steht das Verhältnis der Gewürze untereinander: je ein Lot Nelken, Paradieskörner, Narde und Ingwer, doppelt so viel Zimtrinde.

Die Narde. Spicanardi war ein Sammelname für mehrere duftende Wurzeln und Kräuter. Am ehesten ist der Echte Speik gemeint, eine Alpenwurzel aus der Familie der Baldriangewächse, so wie beim gleichlautenden Claret Rumpolts; die Indische Narde ist nicht ausgeschlossen.

Der Sack. Gemeint ist ein Seihsack: Der Wein läuft hindurch, Gewürzpulver und Trub bleiben zurück. Ob einmal oder mehrmals gegossen wird, sagt Rasch nicht.

Praxis. Den Honig mit einer halben Maß Wein aufsieden, abschäumen und in den übrigen Wein geben. Je ein Lot Nelken, Paradieskörner, Narde und Ingwer und zwei Lot Zimtrinde klein stoßen, in den Wein geben und drei Stunden stehen lassen. Dann durch einen Seihsack gießen, heute tut es auch ein Filterbeutel oder ein dichtes Tuch. Wie viel Wein und Honig gemeint sind und wie lange sich der Claret hält, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-113-orig" n="Claret" resp="#fyndling">Ein Gewürzwein. Frisch erklärt Claret als „ein gewürtzter Wein“, Grimm übersetzt es mit vinum melicratum, also mit Honig versetztem Wein, Lexer das mittelhochdeutsche klâret als „mit gewürzen versetzter wein“. Mit dem roten Bordeaux, den die Engländer heute Claret nennen, teilt er nur den Namen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-113-orig" n="vierteil" resp="#fyndling">Viertel, ein Weinmaß, das als Teil eines größeren Maßes gerechnet wurde und von Ort zu Ort verschieden war; nach Schmeller hatte der Salzburger Eimer 36 Viertel. Welches Viertel Rasch meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-113-orig" n="Parißkoͤꝛner" resp="#fyndling">Paradieskörner, die scharfen Samen des Melegueta-Pfeffers; das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt das Wort als pariskorn und nennt es einen Pfefferersatz.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-113-orig" n="ſack" resp="#fyndling">Ein Seihsack, nach Grimm „ein sack, etwas durchzuseihen“. Woraus er war, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-113-orig" n="achttail" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Ein Achtel, als Hohlmaß für den Honig. Schmeller führt „das Achttail, Achtel“ als Teilmaß; Rumpolt druckt an derselben Stelle „ein aͤchtmaß Honig“. Wovon es ein Achtel ist, sagt keiner der beiden Texte.<list type="alternatives"><item>Ein Achtel der Weinmenge, also eine Verhältnisangabe<note type="rationale">Liest sich glatt, der Wortlaut nennt den Bezug aber nicht.</note></item><item>Ein Achtel desselben größeren Weinmaßes, von dem das Viertel ein Viertel ist<note type="rationale">Dann käme halb so viel Honig wie Wein in den Claret; dafür gibt der Text keinen Anhalt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-113-orig" n="Spicanardi" resp="#fyndling" subtype="lexical">Narde als Sammelname, am ehesten die Wurzel des Echten Speiks (Valeriana celtica), wie beim gleichlautenden Claret Rumpolts (rum-1973): Ein ganzes Lot steht gleichrangig neben Nelken und Ingwer.<list type="alternatives"><item>Indische Narde (Nardostachys jatamansi)<note type="rationale">Das Frühneuhochdeutsche führt spikanarde als Indische Narde, und die übrigen Gewürze sind Fernhandelsware; die Menge spricht eher gegen die teure Wurzel, ausschließen lässt sie sich nicht.</note></item><item>Lavendel oder Spieke<note type="rationale">Fischer belegt „Spicanardi, Pseudonardus“ als Gartengewächs; in einem Gewürzansatz nach Lot wird es sonst nicht greifbar.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-113-orig" n="in ein andern wein" resp="#fyndling" subtype="contextual">In den anderen Wein, also in das Viertel, von dem die halbe Maß zum Sieden genommen wurde.<list type="alternatives"><item>In einen zweiten, anderen Wein<note type="rationale">Wörtlich möglich, aber der Text nennt keinen zweiten Wein, und die Gewürze kommen danach „in den wein“.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-114-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Zwei Hilfen für Wein, der schal und matt geworden ist. Die erste zieht ihn vom eigenen Satz auf das Geläger eines guten Weins, die zweite hängt Zimt, Zucker und Feilspäne vom Hirschgeweih in ein ganzes Fuder. Eine Begründung gibt Rasch nicht, nur das Ergebnis: besser als vorher, nach sieben Tagen kräftig und gut.

Die gute Hefe. „Hefe“ ist hier der Bodensatz im Fass, nicht zugesetzte Hefe. Gemeint ist das Geläger, auf dem guter Wein gelegen hat; das Weinbuch aus Donaueschingen sagt in seiner Fassung ausdrücklich „drusen, do gut wine ist vff gelegen“. Heutige Einordnung: Frisches Geläger kann einem matten Wein wieder Frische geben und eine Nachgärung anstoßen, wenn noch Zucker im Wein ist. Ob Rasch das meint, sagt der Text nicht.

Die Zusätze. „Henck“ heißt hängen; einen Beutel nennt Rasch an dieser Stelle nicht. In seinem Eintrag gegen schwachen Wein hängen Zucker und Hirschhorn jedes in einem eigenen Leinensäckchen, ebenso im Donaueschinger Weinbuch. Dass Zucker und Hirschhorn je so viel sein sollen wie der Zimt, ist die naheliegende Lesung von „so viel“. Zimt würzt, Zucker süßt; was das Hirschhorn beitragen soll, lässt sich aus dem Eintrag nicht sagen. Ob die Zusätze nach den sieben Tagen wieder herauskommen, steht nicht da.

Praxis. Rasch nennt nur die Menge für ein Fuder und keine für die erste Art. Wer es heute an einem kleinen Gebinde versucht (modern), hängt die Zusätze in sauberes Leinen und nimmt Hirschhornspäne aus einer Quelle, die sie für Lebensmittel abgibt, nicht Kauartikel aus dem Tierbedarf. Hirschhornsalz, das Backtriebmittel, ist etwas anderes.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-114-orig" n="hefen" resp="#fyndling">Der Bodensatz im Fass, das Geläger. Der Wein wird von seinem eigenen Satz abgelassen und auf den Satz eines guten Weins gezogen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-114-orig" n="fuder" resp="#fyndling">Das größte Weinmaß, ursprünglich eine Wagenladung. Der Inhalt war von Land zu Land verschieden: Das Augsburger Stadtrecht rechnet das welsche Fuder zu acht Eimern (nach Grimm), das Pfälzische Wörterbuch gibt rund 1000 Liter an. In Wien rechnete man im 16. Jahrhundert das Fuder zu 32 Eimern, den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch Wiener Maß meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-114-orig" n="gefeyhelts hirtzhoꝛn" resp="#fyndling">Mit der Feile abgeriebenes Hirschgeweih, also Feilspäne. Mit Hirschhornsalz, dem Backtriebmittel, hat das nichts zu tun.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-114-orig" n="da guter wein iſt auffgeſtanden" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das Geläger, auf dem guter Wein gestanden hat. Adelung kennt „aufstehen“ als „auf etwas stehen“, und die Parallele im Donaueschinger Weinbuch sagt „drusen, do gut wine ist vff gelegen“.<list type="alternatives"><item>Hefe, aus der guter Wein noch einmal aufgegoren ist.<note type="rationale">Herders Lexikon führt „aufstehen“ auch von Weinen, die noch einmal in Gärung kommen; die Parallele spricht aber vom Liegen auf dem Satz.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-114-orig" n="ſo viel Zuckers/ vnd ſo viel gefeyhelts hirtzhoꝛn" resp="#fyndling" subtype="contextual">Je ebenso viel wie der Zimt, also je 4 Lot, weil „so viel“ an die eben genannte Menge anschließt; in seinem Eintrag gegen schwachen Wein schreibt Rasch „gleich souil“.<list type="alternatives"><item>Eine unbestimmte Menge nach Gutdünken.<note type="rationale">Ein ausdrückliches „gleich“ fehlt hier; auch die Donaueschinger Fassung („also vil“) nennt für den Zimt selbst keine Menge.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-115-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine kurze Kellerbehandlung: Verdorbener welscher Wein wird mit Zucker, Nelken, Zimtrinde und kleinen Rosinen versetzt und in kleine Fässer gefüllt. Was am Wein verdorben ist, sagt Rasch nicht, ebenso wenig Mengen oder Dauer.

Was in die Fässchen kommt. Der Satz reiht die Handgriffe am Zucker auf: gestoßen, gesiebt, in die Fässchen getan. Gelesen wird, dass alle genannten Zutaten in den Wein kommen; die Variante im folgenden Eintrag, die ausdrücklich auf dieses Verfahren verweist, setzt Gewürze mit Zucker oder Honig und Wein zusammen an. Das Sieben macht den gestoßenen Zucker fein, damit er sich im Wein löst; eine Begründung gibt der Text nicht.

Praxis. Ohne Mengen ist das Rezept ein Zeitdokument, keine Anleitung. Heute würde man sagen: Zucker und Rosinen im Wein können eine Nachgärung anstoßen, und in einem fest verschlossenen Fässchen baut sich dabei Druck auf. Der Text sagt über den Verschluss nichts.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-115-orig" n="Welſchen wein" resp="#fyndling">„Welsch“ heißt romanisch, besonders italienisch: welscher Wein ist Wein aus Italien oder allgemein aus dem romanischen Süden.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-115-orig" n="Rainfal" resp="#fyndling">Ein welscher Wein, bei Schmeller als Wein von Rivoglio, Friauler Wein erklärt. Rasch nennt ihn als Beispiel für die welschen Weine.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-115-orig" n="laͤgel" resp="#fyndling">Lägel ist das Fässchen, ein kleines Gefäß für Wein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-115-orig" n="bꝛingen[?]" resp="#fyndling" subtype="philological">„bringen“: Der Druck zeigt eine beschädigte Form „b…ungen“, der Sinn von „wider zu recht will bringen“ ist aber eindeutig.<list type="alternatives"><item>ein anderes Verb<note type="rationale">Kein anderes Verb passt zu „wider zu recht“; die Fehlstelle ist ein Druckschaden.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-115-orig" n="geſigen" resp="#fyndling" subtype="lexical">„gesiebt“: „seigen“ ist „seihen“ (Lexer, Grimm). Vom trockenen, gestoßenen Zucker gesagt, heißt es: durch das Sieb geben.<list type="alternatives"><item>„geseiht“, eine Flüssigkeit durchgegossen<note type="rationale">So steht das Wort in ras-029 („durch ein thuech gesigen“). Hier nennt der Satz aber keine Flüssigkeit, nur den gestoßenen Zucker.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-115-orig" n="in die laͤgel gethon" resp="#fyndling" subtype="contextual">Alle genannten Zutaten kommen in die Fässchen mit dem Wein. Die Variante im folgenden Eintrag setzt Zucker oder Honig mit Wein und Gewürzen zusammen an und verweist auf dieses Verfahren.<list type="alternatives"><item>Nur der gesiebte Zucker kommt in die Fässchen<note type="rationale">Die Partizipien „gestoßen, gesiebt, getan“ hängen grammatisch am Zucker; was mit Nelken, Zimt und Rosinen geschieht, sagt der Satz nicht ausdrücklich.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-116-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Das zweite Mittel unter Raschs Überschrift, wie man verdorbenen welschen Wein wieder zurechtbringt: acht Gewürze, dazu Zucker oder Honig, in drei Stübich Wein. Welcher Fehler mit „verdorben“ gemeint ist, sagt der Text nicht.

Das Verfahren. Rasch schreibt es nicht noch einmal hin, sondern verweist darauf, wie es „vorgeschrieben ist“. Am nächsten liegt der Eintrag davor, in dem der Zucker gestoßen, gesiebt und in die Lägel getan wird. Mit Honig passt ebenso das Claret-Verfahren zwei Einträge vorher, in dem der Honig mit Wein gesotten und abgeschäumt wird und die gestoßenen Gewürze drei Stunden ziehen, bevor man den Wein durch den Sack gießt. Dauer und Gefäß nennt dieser Eintrag selbst nicht.

Praxis. Heute würde man sagen: Gewürze und Süße überdecken einen Weinfehler eher, als dass sie ihn beheben. Wer es nachstellen will, stößt die Gewürze klein, gibt sie mit dem Süßmittel in den Wein und seiht ab, das ist eine moderne Annahme, keine Angabe Raschs. Die Mengen gelten für drei Stübich, ein Maß, dessen Größe offen bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-116-orig" n="Parißkoͤꝛner" resp="#fyndling">Paradieskörner, die Samen der Meleguetta-Pfefferstaude (Aframomum melegueta); das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt „pariskorn“ mit dieser Bedeutung und nennt sie einen Pfefferersatz.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-116-orig" n="ſtuͤbichen" resp="#fyndling">Stübich, ein oberdeutsches Wort für ein Pack- oder Schlagfass, eine Tonne (Grimm, Adelung, Frühneuhochdeutsches Wörterbuch); Frisch kennt es auch als Getränkemaß, dessen vierter Teil das Quart ist. Wie viel Rasch mit drei Stübich meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-116-orig" n="machs darnach wie vorgeſchꝛieben iſt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Verweis auf das Verfahren des Eintrags unmittelbar davor unter derselben Überschrift vom verdorbenen welschen Wein: Zucker gut stoßen, durch ein Sieb geben und in die Lägel tun.<list type="alternatives"><item>Verweis auf das Claret-Verfahren zwei Einträge vorher: Honig mit einer halben Maß Wein sieden und abschäumen, die Gewürze klein stoßen, drei Stunden stehen lassen und durch den Sack gießen.<note type="rationale">Der Gewürzsatz überschneidet sich mit dem Claret (Nelken, Paradieskörner, Zimtrinde, Ingwer), und mit Honig braucht man das Sieden und Abschäumen; der Text entscheidet nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-117-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung für frischen Wein, wie er von Presse oder Kelter kommt: Er soll ein ganzes Jahr süß bleiben, ohne dass etwas zugesetzt wird. Rasch begründet das selbst mit dem Hinauszögern der Gärung und verlangt dafür kalte Orte und kalte Räume.

Die Schritte. Der Wein setzt sich in einem großen Fass; dann wird er eine gute Spanne über dem Boden abgezapft, sodass der Unrat unten bleibt. Den abgezapften Wein gießt man durch Haselspäne in ein bis vier Fässer; nach Rasch reinigt ihn das von aller Unsauberkeit, die ihm schaden könnte. Wie lange der Wein sich setzt, wie viele Späne man nimmt und wie sie liegen, sagt der Text nicht.

Heutige Einordnung. Abziehen vom Trub und Kälte verlangsamen die Gärung, weil mit dem Bodensatz ein großer Teil der Hefe zurückbleibt und Hefe in der Kälte träge arbeitet. Dass der Wein so ein ganzes Jahr süß bleibt, ist Raschs Versprechen. Ein Wein mit Restsüße kann wieder angären, sobald er wärmer wird; in einem fest verschlossenen Gefäß baut sich dann Druck auf.

Der Verschnitt. Den süßen Wein gießt man nach Gutdünken zu einem anderen, groben Wein, um ihn mild zu machen. Heute nennt man einen unvergorenen oder kaum vergorenen Anteil, der einem Wein zum Süßen zugesetzt wird, Süßreserve.

Praxis. Nur mit frischem Most aus eigener Kelterung und einem wirklich kalten Keller sinnvoll. Das Verhältnis beim Verschneiden bestimmt man durch Probieren am Fass, so wie Rasch es dem Kellermeister überlässt.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-117-orig" n="hoͤßlin ſpaͤn" resp="#fyndling">Haselspäne. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt heslin unter häseln „vom Haselnußstrauch; aus Haselnußholz“, Lexer heslîn „von der hasel“. Rumpolt schreibt an der gleichlautenden Stelle „Haͤßlinſpaͤn“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-117-orig" n="groben weins" resp="#fyndling">„Grob“ heißt rau, nicht fein, derb. Eine bestimmte Geschmacksrichtung nennt der Text nicht; er sagt nur, der Wein werde durch den Zusatz „milt vnnd wolgeſchmack“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-117-orig" n="verziehung der gehꝛ" resp="#fyndling">Gehr ist die Gärung, wie in den übrigen Kellerrezepten des Buchs („in der gehꝛ“). Verziehung ist Aufschub, Verzögerung (Grimm: „aufschub, verzögerung“, lat. dilatio, mora).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-118-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung: Galgant, Nelken, Ingwer, Zimtrinde und Pfirsichkerne ziehen acht Tage in gebranntem Wein, und dieser Auszug wird dem abgeläuterten Wein im Fass nach Probe zugegossen, damit er stärker und süßer wird, als er gewachsen ist. Es ist die zweite Art unter Raschs Überschrift, wie man guten süßen Wein macht.

Worin ziehen die Stücke? Der erste Satz sagt „den besten Wein“, der zweite „in den gebrannten Wein“. Gemeint ist nach dem zweiten Satz der gebrannte Wein; Rumpolts gleichlautender Text schreibt gleich „den besten gebrannten Wein“, und der folgende Eintrag lässt den gebrannten Wein aus guten Weinen brennen. Hitze kommt nicht vor. Ob Gewürze und Kerne ganz oder zerstoßen hineinkommen, steht nicht da.

Abläutern und Zugießen. Abgeläutert wird der Wein, in den der Auszug kommt: Er wird von Trub und Bodensatz getrennt, bevor der gebrannte Wein dazukommt. Ob der Auszug vorher von den Stücken abgegossen wird, sagt der Text nicht; heute würde man ihn durch ein Tuch gießen, damit keine Feststoffe ins Fass gelangen, das ist eine moderne Annahme. Eine Menge oder ein Verhältnis nennt Rasch nicht, jedes Fass wird nach Geschmack mit der Probe abgestimmt.

Raschs Begründung. Der Wein soll danach mehr als seine natürliche Stärke und Süße haben und doch so sein, wie er gewachsen ist; den Zusatz nennt Rasch eine Arznei, gefunden von den „natürlichen Meistern“. Heute würde man sagen: Der Branntwein hebt den Alkoholgehalt, die Gewürze überlagern den Geschmack des Weins.

Pfirsichkerne. Pfirsichkerne enthalten Amygdalin, aus dem Blausäure frei werden kann. Zwei Pfund Kerne in einem Branntweinauszug sind deshalb heute nicht nachzumachen, und Bittermandeln oder Aprikosenkerne sind kein unbedenklicher Ersatz.

Praxis. Wer den Gewürzauszug nachstellen will, setzt ihn ohne die Kerne an. Für die Lagerküche ist der Eintrag nichts, er ist eine Fassbehandlung wie Raschs übrige Kellerrezepte.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-118-orig" n="gebꝛandten wein" resp="#fyndling">Branntwein, aus Wein gebrannt. Der folgende Eintrag lässt ihn aus guten Weinen ein- bis viermal brennen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-118-orig" n="vierling" resp="#fyndling">Ein Viertel eines Ganzen, als Gewicht ein Viertelpfund; Adelung nennt für Nürnberg den Vierling den vierten Teil eines Pfundes oder acht Lot. Das Pfund war von Ort zu Ort verschieden.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-118-orig" n="ſpecies" resp="#fyndling">Die eben genannten Stücke, Galgant, Nelken, Ingwer, Zimtrinde und Pfirsichkerne. Adelung kennt Species aus den Apotheken als zerschnittene, trocken gemischte Kräuter.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-118-orig" n="gemecht" resp="#fyndling">Gemächt: Zubereitung, Zusatz (Grimm). Im Weinrecht steht das Wort für verbotene Zusätze; eine Nürnberger Ordnung gegen die „schädlichen und bösen Weingemächte“ nennt gebrannten Wein darunter (Baader, Nürnberger Polizeiordnungen). Rasch nennt sein Verfahren ein Gemächt der „natürlichen Kunst“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-118-orig" n="natuͤrlichen kunſt" resp="#fyndling">Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch stellt natürliche Kunst neben Arznei; gemeint ist das Wissen um die Natur der Dinge, wie es der Schlusssatz den „natürlichen Meistern“ zuschreibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-118-orig" n="nimb den beſten wein den du haben magſt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Die Stücke ziehen im gebrannten Wein: Der nächste Satz sagt ausdrücklich „das ſol man alles in den bꝛendten wein thun“, und Rumpolts gleichlautender Text schreibt „nim̃ den besten gebrannten Wein/ den du hast“. Die Übersetzung gibt beide Sätze wörtlich wieder.<list type="alternatives"><item>Die Stücke kommen in den besten ungebrannten Wein, der mit dem gebrannten Wein zusammen den Ansatz bildet.<note type="rationale">So läse sich der erste Satz für sich; danach wird aber nur noch „der gebrannte Wein“ in den Fasswein gegossen, von einem zweiten Ansatzwein ist keine Rede.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-118-orig" n="den wein ableutern" resp="#fyndling" subtype="contextual">Abgeläutert wird der Wein im Fass, bevor der Auszug dazukommt: Der Ansatz heißt durchgehend „gebrannter Wein“, und gegossen wird er „in den abgeleuterten wein“.<list type="alternatives"><item>Abgeläutert wird der Gewürzansatz nach den acht Tagen.<note type="rationale">„den wein“ stünde dann für den Ansatz; der Satz unterscheidet aber den gebrannten vom abgeläuterten Wein.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-118-orig" n="voꝛ ſein natuͤrliche ſtaͤrcke" resp="#fyndling" subtype="lexical">vor als „über … hinaus, mehr als“: Der Wein hat mehr als seine natürliche Stärke und Süße. Rumpolt schreibt an derselben Stelle „fuͤr sein natuͤrliche staͤrcke“ und überschreibt das Stück „daß man ein Wein viel … staͤrcker … kan machen/ denn er von Natur gewachsen ist“.<list type="alternatives"><item>vor als „wie zuvor, weiterhin“: Der Wein behält seine natürliche Stärke und Süße.<note type="rationale">Grammatisch möglich, widerspricht aber dem Zweck des Verfahrens und der Parallele bei Rumpolt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-118-orig" n="in den abgeleuterten wein gieſſen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Der Text sagt nicht, ob der Auszug vorher von Gewürzen und Kernen getrennt wird; die Übersetzung ergänzt nichts.<list type="alternatives"><item>Der gebrannte Wein wird samt den Stücken oder nur vom Satz abgegossen in den Wein gegeben.<note type="rationale">Beides lässt der Wortlaut zu; ein Tuch oder Sieb nennt Rasch nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-119-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Behandlung am Gärfass: Wein, frisch von der Presse, kommt in Fässer, die eine Spanne leer bleiben. In diesen Raum wird mehrfach gebrannter Wein so aufgegossen, dass er als eigene Schicht oben schwimmt. Darunter soll der Wein „nach unten hin“ gären; davon nimmt er nach Rasch die Süße, vom gebrannten Wein die Stärke. Wer es noch stärker will, nimmt die Gewürze aus dem vorigen Eintrag (ras-118).

Das Brett im Spund. Der Zweck steht im Text: Der Strahl soll keinen großen Fall tun, damit sich der gebrannte Wein nicht mit dem Wein vermischt. Heutige Einordnung: Hochprozentiger Weingeist ist leichter als Most und kann sich, langsam aufgegossen, zunächst als Schicht halten. Wie lange die Schicht hält, ob das Brett im Spund bleibt und wie das Fass während der Gärung verschlossen ist, sagt Rasch nicht.

Gärt der Wein darunter weiter? Der Text sagt ja, und die Gärung kommt aus dem Most selbst. Heutige Einordnung: Alkohol, der sich in den Most mischt, hemmt die Hefe und lässt Süße stehen; darauf beruht das Aufspriten von Süßweinen. Davon spricht Rasch nicht, er will gerade die Schicht ohne Vermischung. Die Spannung bleibt stehen. Eine Gärdauer, einen Abstich oder ein Zeichen für das Ende nennt er nicht.

Wie viel? Ein, zwei oder drei Maß gebrannter Wein auf ein Fass. Die Fassgröße nennt Rasch nicht, nur dass man die Menge auf gleich große Fässer überträgt. Wie stark der Wein dadurch wird, lässt sich deshalb nicht sagen.

Vorsicht. Mehrfach „aufs Höchste“ gebrannter Weingeist ist leicht entzündlich. Beim Aufgießen am Spund gehört kein offenes Licht in die Nähe.

Praxis. Nachvollziehen lässt sich das nur an einem Fass mit frisch gepresstem Wein, der gärt. Statt selbst zu brennen nimmt man heute ein gekauftes, möglichst hochprozentiges Weindestillat (modern). Das Brett lässt man nach dem Aufgießen am besten nicht im Spund, damit das Gärgas entweichen kann (modern, der Text sagt dazu nichts).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-119-orig" n="gebꝛandten wein" resp="#fyndling">Gebrannter Wein ist aus Wein destillierter Branntwein. „Aufs Höchste“ und mehrmals gebrannt heißt: so stark, wie man ihn brennen kann.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-119-orig" n="maß" resp="#fyndling">Altes Raummaß, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Welches Maß Rasch meint, sagt er nicht, und eine Fassgröße nennt er auch nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-119-orig" n="ſpecies" resp="#fyndling">Species sind in der Apothekersprache zerschnittene, trocken gemischte Kräuter und Drogen (Adelung). Gemeint sind die Gewürze des vorigen Eintrags (ras-118): Galgant, Nelken, Ingwer, Zimtrinde und Pfirsichkerne, acht Tage in gebranntem Wein angesetzt.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-119-orig" n="danon" resp="#fyndling">Satzfehler des Drucks mit gestürztem u: gemeint ist „dauon“, davon. Rumpolt hat an derselben Stelle „darvon“ (rum-1994).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-119-orig" n="vnder ſich gehꝛen" resp="#fyndling" subtype="contextual">„Nach unten hin gären“: „untersich“ heißt abwärts, nach unten (Unger, Steirischer Wortschatz; Wörterbuch von Bayerisch-Franken „hinunter, nach unten“). Der Wein gärt unter der Schicht aus gebranntem Wein, die oben bleiben soll. Rumpolts textgleiche Fassung hat dieselbe Wendung („vntersich geren“).<list type="alternatives"><item>Der Wein soll unter der Decke „für sich“ gären, ohne dass die Gärung oben am Spund ausstößt.<note type="rationale">Möglich als Sinn der Wendung, aber ohne Wörterbuchbeleg für eine solche Fachbedeutung. Die Übersetzung bleibt deshalb wörtlich.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-119-orig" n="daſſelbig bꝛett ſol er zu dem ſpundt hinein thun" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das Brett wird zum Aufgießen durch den Spund gesteckt, bis knapp über den Wein. Ob es danach im Fass bleibt oder herausgenommen wird, sagt der Text nicht.<list type="alternatives"><item>Das Brett bleibt im Fass, damit die Schicht ruhig liegt.<note type="rationale">Nicht gesagt; bei einem gärenden Fass muss das Gärgas entweichen können, deshalb ist das Herausnehmen die heute naheliegende Annahme.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-120-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Hausmittel für ein Bierfass, dessen Inhalt umgeschlagen ist, und der erste Eintrag in Raschs Bierabschnitt. Der Text nennt vier Handgriffe: Gerstenbrot heiß aus dem Ofen nehmen, auseinanderbrechen, auf den Spund legen, das oft wiederholen. Menge, Abstand und ein Zeichen für das Ende nennt er nicht.

„Verkehrt“. Bei Rasch das Kellerwort für ein Getränk, das umschlägt und verdirbt (beim Wein ras-005, ras-010, ras-027). Welchen Fehler er beim Bier meint, sagt er nicht; saures und trübes Bier behandelt er in eigenen Einträgen (ras-124, ras-121).

Brot und Spund. Ob der Zapfen dafür gezogen wird, steht nicht da. Gegen Gestank im Weinfass legt Rasch dasselbe heiße Gerstenbrot „auff das peul“, das Spundloch, und tauscht es gegen ein warmes Stück, sobald es erkaltet (ras-016). Ob „offt“ hier dasselbe meint, lässt dieser Eintrag offen. Einen Grund für die Wirkung gibt Rasch nicht; Rumpolt sagt beim Wein, das Brot ziehe auf, was dem Wein schädlich ist (rum-1963).

Praxis. Nachstellen lässt sich das nur am eigenen Fass: das Brot heiß auf die Fassöffnung legen und erneuern, solange es nötig scheint (modern: auf das offene Spundloch). Nach heutigem Wissen lässt sich ein verdorbenes Bier auf diesem Weg nicht wiederherstellen; denkbar ist allenfalls, dass das warme Brot Geruch aus dem Luftraum unter dem Spund aufnimmt. Das Brot ist danach nicht zum Essen gedacht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-120-orig" n="verkehꝛt" resp="#fyndling">Sich verkehren heißt in Raschs Kellerbuch, dass ein Getränk umschlägt, sich also zum Schlechten verändert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-120-orig" n="biß es wider kompt" resp="#fyndling" subtype="lexical">Bis es sich wieder erholt: Campe führt wiederkommen auch als „in seinen vorigen Zustand kommen, sich wieder erholen“, mit dem älteren Beleg vom Pferd, das man fressen lässt, „uncz es widerkompt“.<list type="alternatives"><item>Bis es wieder zu gären beginnt.<note type="rationale">Verworfen: Für „kommen“ im Sinn von Gären fand sich kein Beleg; „wider“ zielt auf den früheren, guten Zustand.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-120-orig" n="leg es auff den ſpundt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Auf die Fassöffnung, ohne dass der Text sagt, ob der Zapfen dafür gezogen wird.<list type="alternatives"><item>Auf das offene Spundloch.<note type="rationale">So im Gestank-Mittel ras-016, wo das Brot „auff das peul“, das Spundloch, gelegt wird; hier nicht ausgesprochen.</note></item><item>Auf den eingesetzten Spundzapfen.<note type="rationale">„Spund“ heißt auch der Zapfen selbst; dann läge das Brot auf dem verschlossenen Fass.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-121-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung für Fassbier, das nach dem Führen trüb geworden ist: Eine Handvoll gebranntes Salz wird mit Wasser angerührt, ein oder zwei Maß kommen ins Fass, dann ruht das Bier über Nacht. Rasch verspricht, dass es danach schäumt und angenehm zu trinken wird.

Geführt. Rasch macht die Trübung zur Folge des Führens. Liest man das als Transport, ist sie nach heutigem Verständnis leicht zu erklären: Beim Fahren wird der Bodensatz im Fass aufgewirbelt. Die andere Lesart, ein Bier im Vorrat haben, gibt keinen solchen Anlass.

Gebranntes Salz. Wie das Salz gebrannt wird und wozu, sagt der Text nicht. Kochsalz gehört heute nicht zu den Schönungsmitteln; dass sich aufgewirbelter Trub absetzt, leistet nach heutigem Verständnis vor allem die Nacht Ruhe, die bei Rasch zum Verfahren gehört. Klarheit verspricht er ohnehin nicht, nur Schaum und angenehmen Trunk.

Praxis. Keine Küchenarbeit, die Behandlung geschieht im Fass und zeigt sich erst nach einer Nacht. Weil Rasch die Fassgröße nicht nennt, lässt sich die Menge Salz nicht auf eine bestimmte Biermenge übertragen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-121-orig" n="gebꝛentes Saltz" resp="#fyndling">Salz, das im Feuer gebrannt, also stark erhitzt wurde. Wie und wozu, sagt Rasch hier nicht. Zum Vergleich: Rumpolt (1581) brennt Salz für den Wein „wol gebraͤñt in einer Pfannen“; hier steht davon nichts.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saltz"/></note>
        <note type="gloss" target="#ras-121-orig" n="luſtig" resp="#fyndling">Hier „angenehm“, nicht heiter: Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch kennt lustig als „erfreulich, behaglich, der Wahrnehmung angenehm“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-121-orig" n="gefuͤhꝛt" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Transportiert, gefahren: „führen“ heißt bei Adelung „vermittelst eines Fuhrwerkes … von einem Orte zum andern schaffen“, und der Satz macht die Trübung zur Folge des Führens („gefuͤhꝛt hat/ daß es truͤb iſt woꝛden“). In der Übersetzung bleibt „geführt“ stehen, weil ein Beleg für die Wendung mit Bier fehlt.<list type="alternatives"><item>Ein Bier im Vorrat oder Ausschank haben (Waren führen)<note type="rationale">„führen“ heißt auch Waren vorrätig haben; das „daß“ der Folge passt dazu schlechter, ausgeschlossen ist es nicht. Rumpolt hat denselben Satz (rum-2009).</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-121-orig" n="ein maß oder zwo" resp="#fyndling" subtype="contextual">Ein oder zwei Maß des Salzwassers kommen ins Fass: Ohne „vnd“ vor „in das vaß“ ist „ein maß oder zwo“ der Gegenstand von „gieſſen“. Wie viel Wasser zur Handvoll Salz kommt, bleibt dann offen.<list type="alternatives"><item>Die Handvoll Salz wird mit ein oder zwei Maß Wasser angerührt, und das Ganze kommt ins Fass<note type="rationale">So liest Rumpolt, der ein „vnd“ einfügt („mengen mit Wasser/ ein Maß oder zwo/ vnd in das Fass giessen“); auch Raschs Folgeeintrag gegen saures Bier beziffert so das Wasser („ein maß oder dꝛey waſſer“). Die Menge im Fass ist in beiden Lesarten ungefähr dieselbe.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-122-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Nachsatz von einer Zeile. Er überträgt das unmittelbar davor stehende Mittel gegen trübes Bier auf den Wein: Auch ihm soll man es geben, bevor das Fass angezapft, also zum Ausschenken angestochen wird.

Worauf „das“ zielt. Der Satz hat im Druck keine eigene Überschrift und steht direkt unter dem Bier-Mittel: eine Handvoll gutes gebranntes Salz mit Wasser gemengt, ein oder zwei Maß davon ins Fass, über Nacht ruhen lassen. Ob beim Wein dieselbe Menge und dieselbe Nachtruhe gelten und ob der Wein dafür trüb sein muss, sagt Rasch nicht.

Praxis. Ein eigenes Verfahren gibt es hier nicht. Wer es nachvollziehen will, arbeitet nach dem Bier-Eintrag und weiß, dass Rasch dessen Angaben für den Wein nicht wiederholt. Heutige Einordnung: Salz ist im heutigen Keller kein übliches Klär- oder Schönungsmittel; eine Wirkung über das hinaus, was Rasch beim Bier verspricht, ist damit nicht belegt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-122-orig" n="das magſtu auch einem wein thun" resp="#fyndling" subtype="contextual">„das“ meint das unmittelbar davor stehende Mittel gegen trübes Bier, das gebrannte Salz mit Wasser im Fass. Grund: Der Satz steht im Druck ohne eigene Überschrift unter diesem Absatz; die nächste Überschrift beginnt erst danach.<list type="alternatives"><item>„das“ meint nur den Zusatz selbst (Salzwasser), nicht Menge und Nachtruhe des Bier-Eintrags.<note type="rationale">Sprachlich möglich; der Satz wiederholt keine Angabe, deshalb bleibt offen, wie viel vom Bier-Verfahren für den Wein gilt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-123-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein fertiges Bier wird mit einer Wurzel und einem Kraut nachgewürzt, damit es „lieblich zu trinken“ ist, also angenehm schmeckt. Gebraut wird hier nichts; Wurzel und Salbei werden nur ins Bier gehängt.

Die Wurzel. Die rote Benediktenwurzel ist am ehesten die Wurzel der Echten Nelkenwurz, deren Geruch an Gewürznelken erinnert. Rasch kennt sie als wohlriechende Wurzel auch aus dem Weinkapitel (ras-072). Was „rot“ unterscheidet, ist nicht geklärt.

Der wilde Salbei. Unter dem Namen liefen im 16. Jahrhundert mehrere Pflanzen: Wiesensalbei, Scharlei und der Salbei-Gamander. Welche Rasch meint, lässt sich nicht entscheiden. Gamanderarten werden heute mit Leberschäden in Verbindung gebracht; wer nachmacht, nimmt deshalb nur einen sicher bestimmten Salbei.

Hängen. Der Text sagt nur „henck darein“. Ein Behältnis, die Dauer und ob man die Würze wieder herausnimmt, nennt er nicht. Hängen statt Legen lässt an ein späteres Herausnehmen denken, das ist eine Deutung.

Praxis. Heute gibt man Wurzel und Salbei am besten in ein Leinensäckchen (modern), hängt es in ein Fässchen oder einen großen Krug mit fertigem Bier und kostet täglich, bis der Geschmack passt. Das halbe Pfund Wurzel ist Raschs Menge für eine Biermenge, die er nicht nennt; für eine kleine Menge Bier entsprechend weniger nehmen und vorsichtig beginnen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-123-orig" n="henck darein" resp="#fyndling">„Hänge hinein“, nämlich ins Bier. Ein Beutel oder Bündel wird nicht genannt, auch nicht, wie lange Wurzel und Kraut darin bleiben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-123-orig" n="rothe Benedicten wurtzel" resp="#fyndling" subtype="lexical">Wurzel der Echten Nelkenwurz (Geum urbanum). Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch nennt unter „benedicte“ zuerst die Nelkenwurz, Lexer setzt „benedicten-wurz“ mit gariofilus gleich, und Rasch selbst beschreibt die Benedictenwurz in ras-072 als wohlriechende Wurzel, die Apotheker Caryophyllata nennen. Was „rot“ von einer anderen Benediktenwurzel unterscheidet, sagt kein Beleg.<list type="alternatives"><item>Benediktendistel (Cnicus benedictus)<note type="rationale">Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt den Namen auch für sie; sie wird aber als Kraut gebraucht, der Text nennt ausdrücklich die Wurzel.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-123-orig" n="wilder Salbey" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Eine wildwachsende salbeiähnliche Pflanze, im Gegensatz zum Gartensalbei; welche, sagt Rasch nicht.<list type="alternatives"><item>Wiesensalbei (Salvia pratensis)<note type="rationale">Campe führt „wilde Salbei oder Wiesensalbei“.</note></item><item>Scharlei, Muskatellersalbei (Salvia sclarea)<note type="rationale">Das Mittelniederdeutsche Wörterbuch erklärt „scharleye“ als wilde Salbei.</note></item><item>Salbei-Gamander (Teucrium scorodonia)<note type="rationale">Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch nennt ihn unter „gamander“ wilden Salbei, Grimm ebenso unter „Waldsalbei“.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-124-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Mittel für Bier, das sauer geworden ist, ob noch im Bottich oder schon anderswo. Der Text nennt Salz, Asche und Wasser in groben Spannen, das Verrühren, das feste Verspunden und das Ausbrausen. Wie viel Bier, welche Asche, wie lange und woran man das Ende erkennt, sagt er nicht.

Bottich oder Fass. Ein Bottich ist ein offenes Gefäß; verspunden lässt sich eigentlich nur ein Fass. Das „oder sonst“ der Überschrift lässt beides zu, Coler schreibt an der Stelle „oder sonsten im Fasse“. Rumpolt setzt statt des Verspundens „ein tuch mit ein spundt“ davor (rum-2011).

Asche. Welche Asche, sagt Rasch hier nicht. In anderen Biermitteln nennt er sie: Buchenasche (ras-132), Birkenasche (ras-138), Beifuß- und Buchenasche (ras-139).

Verspunden und Ausbrausen. Das Verspunden begründet Rasch selbst: sonst liefe alles heraus. Heutige Einordnung: Asche ist alkalisch und kann einen Teil der Säure abstumpfen, dabei wird Kohlensäure frei; auch Salz lässt in kohlensäurehaltigem Bier Schaum aufsteigen. Die Säuerung selbst wird dadurch nicht rückgängig gemacht, und Salz- und Aschegeschmack kommen hinzu.

Praxis. Nachstellen nur als Versuch an einem ohnehin verdorbenen Bier, nicht zum Trinken. Ein fest verspundetes Gefäß mit aufbrausendem Inhalt steht unter Druck, der Spund kann herausfliegen; heute würde man den Spund erst setzen, wenn das Brausen nachlässt (modern). Asche ist keine Lebensmittelzutat, und Asche aus behandeltem Holz, Kohle oder Briketts enthält Schadstoffe.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-124-orig" n="puͤttich" resp="#fyndling">Bottich, Bütte: ein großes hölzernes Gefäß (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch: bütting „Bütte, Wanne“). Johann Coler schreibt 1596 an derselben Stelle „auff der Butt oder Bottich“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-124-orig" n="maß" resp="#fyndling">Altes Raummaß, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Welches Maß Rasch meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-124-orig" n="verſauſen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Ausbrausen lassen, bis das Brausen aufhört: das Deutsche Wörterbuch führt versausen als „zu ende sausen, aufhören zu sausen“, mit Paracelsus' „man musz es versausen lassen“. Das passt zur Warnung, sonst liefe alles heraus.<list type="alternatives"><item>Durchbringen, verschwenden (Rheinisches Wörterbuch).<note type="rationale">Gleichlautend, ergibt bei einem Gefäß, das überzulaufen droht, keinen Sinn.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-124-orig" n="ruͤhꝛ es vnder einander / verſpuͤndte es" resp="#fyndling" subtype="contextual">Salz, Asche und Wasser kommen ins Bier und werden darin verrührt; verspundet wird das Gefäß mit dem Bier. Nur Bier im Gefäß kann herauslaufen. Rumpolt schreibt „das darvnder ruͤren“ (rum-2011), Coler „wirff ... hinein“.<list type="alternatives"><item>Salz, Asche und Wasser werden erst für sich verrührt und dann ins Bier gegeben.<note type="rationale">Möglich, denn ein Eingießen nennt Rasch nicht ausdrücklich; am Ergebnis ändert es nichts.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-125-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Das zweite Mittel unter Raschs Überschrift „Wann ein Bier sawr were worden auff dem püttich oder sonst“, also für Bier, das im Bottich oder später sauer geworden ist. Das erste Mittel, Salz, Asche und Wasser, steht im vorigen Eintrag. Hier hängt man stattdessen Haferbüschel ins Bier.

Der Hafer. Rasch will den Hafer „mit dem ſtro“, also ganze Halme, und zwar „in der gilb“, wenn er auf dem Feld gelb wird. Daraus schneidet man kleine Büschel. Wie viele Büschel, wie lange sie im Bier bleiben und ob sie ganz eintauchen, sagt er nicht.

„Stößt wieder auf“. Im Keller- und Brauwortschatz heißt „aufstoßen“ zu gären anfangen; Adelung nennt eigens das zweite Gären des Bieres im Fass. Raschs Versprechen ist also eine Nachgärung, nach der das Bier wieder lebhaft ist wie junges Bier. Eine Begründung, warum der Hafer das bewirken soll, gibt er nicht.

Praxis. Der Zeitpunkt im Jahr hängt an der Haferreife; das Mittel setzt voraus, dass gerade dann ein saures Bier im Keller liegt. Heutige Einordnung: Eine Nachgärung bringt Schaum und Frische zurück, eine schon entstandene Säure nimmt sie einem Bier nicht. Ob frische Haferbüschel eine Nachgärung tatsächlich anstoßen, ist nicht geprüft.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-125-orig" n="in der gilb" resp="#fyndling">„Gilbe“ ist die gelbe Färbung, zu „gelb“ (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch; Adelung: „von dem Worte gelb, welches ehedem auch nur gilb lautete“). Gemeint ist der Hafer, der auf dem Feld gelb wird; heute heißt dieses Stadium Gelbreife.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-125-orig" n="ſo ſtoͤſt das bier wider auff" resp="#fyndling" subtype="lexical">„So gärt das Bier wieder auf.“ Adelung führt „aufstoßen“ als Neutrum in der Bedeutung „anfangen zu gähren“ und nennt ausdrücklich „das zweyte Gähren des Bieres in dem Fasse“. Der Nachsatz „vnd thut wie ein jung bier iſt“ stützt das, ebenso der wortgleiche Text bei Rumpolt („thu wie ein Bier/ das noch jung ist“).<list type="alternatives"><item>„Das Bier wird (wieder) sauer.“<note type="rationale">Adelung kennt für Wein auch „der Wein stößet auf, wird sauer“, weil die zweite Gärung dort als Vorbote des Verderbens galt. Hier ist das Bier schon sauer und soll gerettet werden; der Vergleich mit jungem Bier schließt diese Lesart aus.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-126-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kniff beim Brauen selbst, kein Mittel gegen einen Bierfehler: Das Harz kommt in den siedenden Hopfen und siedet mit. Die Überschrift verspricht ein scharfes, wohlriechendes Bier, der Text ein frisches und wohlschmeckendes. Menge, Baumart und Siededauer nennt Rasch nicht, nur „ein Stück“.

Welches Harz? Das Wort bezeichnet Baumharz, besonders das der Nadelbäume. Welchen Baum Rasch meint, bleibt offen. Rumpolt und Coler, die denselben Kniff bringen, versprechen am Schluss ausdrücklich einen harzigen Geschmack.

Praxis. Heutige Einordnung: Wer es nachbraut, nimmt nur sauberes, für Lebensmittel bestimmtes Naturharz, kein Harz von behandeltem Holz. Eine Menge gibt der Text nicht vor.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-126-orig" n="pꝛew" resp="#fyndling">„Bräu“, das Gebräu: eine auf einmal gebraute Menge Bier (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch, „brau“). „Ein Bier von der Bräu“ ist das Bier, solange es gebraut wird; Rumpolt schreibt an derselben Stelle „in der braw“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-126-orig" n="ſcharpff" resp="#fyndling">Vom Bier gesagt: kräftig, mit Biss auf der Zunge. Adelung erklärt, das Bier sei scharf, wenn seine Stärke „eine Art einer schneidenden Empfindung auf der Zunge macht“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-126-orig" n="ſo wird er friſch/ vnd wolgeſchmack" resp="#fyndling" subtype="contextual">Wörtlich übersetzt „so wird er frisch“: „er“ ist männlich und bezieht sich grammatisch auf den Hopfen, also auf den gehopften Sud, aus dem das Bier wird. Bier ist bei Rasch sächlich („daß es lieblich zu trincken sey“).<list type="alternatives"><item>Gemeint ist das Bier selbst<note type="rationale">Die Überschrift zielt auf das Bier, und die Parallelen schreiben „es“: Rumpolt „so wirdt es frisch“, Coler „so wirds fein frisch“. In der Sache läuft beides auf dasselbe Bier hinaus.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-127-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel für Bier: Späne aus Kien, also harzreichem Nadelholz, kommen auf das noch warme Bier und sollen es im Sommer und in der Fastenzeit vor dem Sauerwerden bewahren. Das ist Raschs eigene Begründung; warum es wirken soll, sagt er nicht.

Wann? „Dieweil es noch gantz warm iſt“ setzt ein frisch gesottenes Bier voraus, das gerade abkühlt. Ob die gesottene Würze vor der Gärung gemeint ist oder ein noch warmes Jungbier, lässt der Text offen.

Was fehlt. Rasch nennt weder, wie viele Späne, noch wie lange sie im Bier bleiben, noch ob man sie wieder herausnimmt. Dass das Holz dem Bier Harz und Geschmack gibt, ist anzunehmen; der Eintrag davor setzt Harz im Hopfensud ausdrücklich ein, damit das Bier frisch und wohlschmeckend wird. Ob Kien das Sauerwerden aufhält, ist hier nicht geprüft.

Praxis. Wer es nachstellt, nimmt nur unbehandeltes, sauberes Kiefern- oder Fichtenholz; gekauftes Anzündholz mit Wachs, Paraffin oder Brennhilfen gehört nicht ins Bier. Menge und Verweildauer der Späne muss man selbst festlegen, der Text gibt sie nicht vor.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-127-orig" n="kien" resp="#fyndling">Kien ist harzreiches Nadelholz, aus dem man Leuchtspäne und Anzündholz schnitt. Grimm und Adelung nennen das harzige Holz der Kiefer, das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch harzreiches Fichtenholz. Welches Holz Rasch meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-127-orig" n="ſeltzam wunderbarliche kunſt" resp="#fyndling" subtype="lexical">„eine seltene, wunderbare Kunst“: Frühneuhochdeutsch seltsam heißt selten, ungewöhnlich, bemerkenswert und steht hier lobend neben wunderbarlich (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch; Adelung: selten, bildlich auch wunderbar, bewundernswürdig).<list type="alternatives"><item>„eine seltsame, wunderbare Kunst“ im heutigen Sinn von befremdlich<note type="rationale">Die heutige Bedeutung ist auch im 16. Jahrhundert belegt, passt aber schlecht zu einem Satz, der das Verfahren empfiehlt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-127-orig" n="dieweil es noch gantz warm iſt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Die gesottene Würze beim Abkühlen, bevor sie zur Gärung angestellt wird: „noch gantz warm“ passt am besten zum Bier gleich nach dem Sieden.<list type="alternatives"><item>Ein noch warmes Jungbier am Anfang der Gärung<note type="rationale">Rasch nennt kein Stadium im Brauablauf; auch frisch angestelltes Bier ist noch warm.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-128-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellerkniff für Bier: Man füllt es in ein Fass, aus dem Beerwein ausgeschenkt wurde, damit es den Geschmack des Weins annimmt und schön und klar wird. Der Absatz davor beschreibt nur das Ergebnis und lobt es. Mengen, Fassgröße und Dauer nennt Rasch nicht.

Das Fass. „daruon man geſchenckt hat“ heißt: aus dem man den Wein ausgeschenkt hat. Ob das Fass ganz leer geschenkt ist oder noch einen Rest Wein enthält, sagt der Wortlaut allein nicht; Colers Hausbuch, das denselben Ratschlag bringt, schreibt „ſo bald der Beerwein außgeſchenckt iſt“. Rasch verlangt, das Bier „bald“ einzufüllen, sagt aber nicht, warum. Naheliegend ist, dass das Holz noch weinfeucht sein soll; das ist unsere Deutung, nicht seine.

„ſchoͤn vnnd lauter“. Rasch verspricht, dass das Bier klar wird, erklärt aber nicht, wodurch.

Praxis. In welchem Zustand das Bier ins Fass kommt und wie lange es darin bleibt, sagt der Text nicht; er sagt nur, das Bier nehme den Geschmack „bald“ an. Heute würde man ein fertig vergorenes Bier in ein eben geleertes, gesundes Weinfass füllen. Nach heutigem Wissen bringt ein Weinfass eigene Hefen und unter Umständen Essigbakterien mit; ein Fass, das lange leer steht, kann dem Bier einen Essigstich geben. Raschs „bald“ passt dazu, ist von ihm aber nicht so begründet.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-128-orig" n="boͤꝛwein vaß" resp="#fyndling">Ein Fass, in dem Beerwein lag. Adelung kennt den Beerwein zweifach: als Vorlauf, der „von selbst aus den Beeren rinnet“, und als Wein, „der wieder auf frische Beeren gegossen und dadurch verstärket worden“. Rasch beschreibt den Beerwein weiter vorn selbst: Trauben werden abgebeert, ins Fass gelegt und mit Most oder gutem altem Wein aufgefüllt. Gemeint ist Traubenwein, kein Obstwein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-128-orig" n="daruon man geſchenckt hat" resp="#fyndling" subtype="contextual">Aus dem man den Wein ausgeschenkt hat, das Fass also leer geschenkt und das Holz noch weinfeucht. Dafür sprechen Raschs „bald“ und Colers Fassung „ſo bald der Beerwein außgeſchenckt iſt“.<list type="alternatives"><item>ein angebrochenes Fass, in dem noch Wein liegt<note type="rationale">Der Wortlaut allein schließt einen Rest nicht aus; dann würde das Bier mit Wein vermischt, wovon Rasch nichts sagt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-129-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein kurzer Kellerhinweis für ein Bier- oder Weinfass, aus dem nach und nach ausgeschenkt wird. Hopfen soll den Inhalt frisch halten, bis die letzte Maß heraus ist. Menge und Form des Hopfens, ein Säckchen oder eine Dauer nennt Rasch nicht.

„mit dem hopffen verzaͤpfft“. Verzapfen heißt in den zeitgenössischen Belegen ausschenken, vom Zapfen weg aufbrauchen; fürs Anzapfen hat Rasch ein eigenes Wort („ehe man jn anzaͤpfft“). Was es praktisch heißt, das Fass „mit dem Hopfen“ zu verzapfen, lässt der Satz offen. Am nächsten liegt: Man schenkt aus, während Hopfen im Fass liegt, und gibt danach weiteren Hopfen hinein.

Das Luftloch. Rasch verlangt es nur, wenn man zapfen oder ablassen will, und begründet es nicht. Heutige Einordnung: Ohne Öffnung oben strömt keine Luft nach, und der Zapfstrom stockt. Mit der Luft kommt aber auch Sauerstoff an das Getränk; dagegen hilft Hopfen nicht, ein angebrochenes Fass bleibt der Luft ausgesetzt.

Praxis. Wer es nachstellen will, nimmt modern getrocknete ganze Hopfendolden, lose ins Fass, Menge nach eigenem Ermessen, denn der Text nennt keine. Im Wein schmeckt man den Hopfen deutlich bitter. Das Luftloch gehört oben in den Fassboden.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-129-orig" n="maß" resp="#fyndling">Altes Raummaß, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Welches Maß Rasch meint, sagt er nicht. „Bis auf die letzte Maß“ heißt: bis das Fass leer geschenkt ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-129-orig" n="das vaß mit dem hopffen verzaͤpfft" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Verzapfen = ausschenken, vom Zapfen weg aufbrauchen (Adelung, Campe, Grimm mit Sebiz 1579 „den wein allen ... verzapfft vnd aussgetruncken“, Pfälzisches Wörterbuch „durch den Faßzapfen ausschenken“). Man schenkt aus, während Hopfen im Fass liegt; das passt zu „biß auff die letzte maß“. Die Übersetzung bleibt beim neutralen „verzapft“, weil „mit dem hopffen“ ungeklärt bleibt.<list type="alternatives"><item>Das Fass anzapfen, also in Gebrauch nehmen.<note type="rationale">Passt zum Zusammenhang, aber die Wörterbücher führen diese Bedeutung bei verzapfen nicht, und Rasch sagt fürs Anzapfen „anzaͤpfft“ (ras-122).</note></item><item>Hopfen als Dichtung an Zapfen oder Spund.<note type="rationale">Die Sabina Welserin reibt den Spund eines Bierfasses mit Hopfen zu (saw-174). Für verzapfen = verschließen gibt es keinen Wörterbuchbeleg.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-129-orig" n="oben in dem boden" resp="#fyndling" subtype="contextual">Boden ist beim Fass die Stirnseite. Das Luftloch kommt in deren oberen Teil, über dem Spiegel des Getränks.<list type="alternatives"><item>Das Fass steht aufrecht, und das Loch sitzt im oberen Fassboden.<note type="rationale">Rumpolts Fassung („vnd auff den boden setzt“) lässt sich so verstehen; Rasch sagt nicht, ob das Fass liegt oder steht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-130-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Behandlung für ein Bierfass, das im Sommer angestochen und über längere Zeit ausgeschenkt wird. Rasch gibt zwei Handgriffe am Tag des Anstichs: ein frisches Ei ins Fass, dann den Spund mit Lehm verschließen. Er verspricht, dass das Bier danach bis zum letzten Tropfen nicht sauer wird, und nennt keinen Grund dafür.

Das Ei. Der Text sagt nur, man solle das Ei in das Fass lassen; von Aufschlagen steht nichts da. Gemeint ist am ehesten das ganze Ei in der Schale, das vor dem Verschließen durch das Spundloch kommt. Das Kochbuch der Sabina Welserin wirft bei derselben Maßnahme drei frisch gelegte Eier ausdrücklich „also gantz“ ins Bier. Worauf Rasch Wert legt, ist allein die Frische: gelegt am Tag des Anstichs.

Der Lehm. Lehm dient als Dichtmasse am Spund. Heute würde man sagen: Ein dichter Spund hält Luft vom Bier fern, und Luft begünstigt das Sauerwerden; für das Ei selbst ist keine solche Wirkung bekannt. Wie beim Zapfen Luft nachkommt, sagt der Text nicht. Der Hopfen-Eintrag davor lässt dafür eigens ein Luftloch im oberen Boden.

Praxis. Wer den Handgriff vorführen will, nimmt ein sauberes, unbeschädigtes Ei vom selben Tag und gibt es ganz ins Fass; ein zerbrochenes Ei verdirbt im Bier. Danach den Spund mit Lehm abdichten.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-130-orig" n="anſtechen" resp="#fyndling">Ein Fass anstechen heißt, es anzapfen, durch Einstich öffnen, damit man ausschenken kann (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch, „anstechen“).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-130-orig" n="abfall / ſich verkehꝛ" resp="#fyndling">Zwei Formeln für das Verderben von Bier und Wein: „abfallen“ heißt an Kraft verlieren, schal werden, „sich verkehren“ heißt umschlagen. So auch in den übrigen Kellereinträgen des Weinbuchs.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-130-orig" n="laß es in das vaß bier" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das Ei kommt ganz, in der Schale, ins Fass: Vom Aufschlagen steht nichts da, und das Kochbuch der Sabina Welserin wirft bei derselben Maßnahme die Eier „also gantz“ ins Bier.<list type="alternatives"><item>Das Ei wird aufgeschlagen und sein Inhalt ins Bier gegeben.<note type="rationale">Eiweiß ist ein bekanntes Kellermittel, etwa beim Bessern von schalem Wein; hier fehlt aber jede Anweisung zum Aufschlagen oder Rühren.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-131-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellertipp für Bier: Zwei Kräuter, Tausendgüldenkraut und Bertram, werden ins Bier gehängt, damit es weder sauer wird noch stinkt. Rasch nennt keine Menge, keine Dauer und keinen Zeitpunkt.

Hängen. henck ... darein heißt, die Kräuter ins Bier zu hängen und dort zu lassen. Womit, ob beim Einlagern oder vor dem Ausschank, sagt der Text nicht. Heute würde man die Kräuter in einem Säckchen ins Fass hängen; das ist eine moderne Hilfe, kein Teil der Anweisung.

Die Kräuter. Tausendgüldenkraut ist ein stark bitteres Kraut. Beim Bertram bleibt die Art offen; ist der Römische Bertram gemeint, so ist er sehr scharf und treibt den Speichel, ältere Wörterbücher nennen ihn deshalb Speichelkraut.

Praxis. Rasch sagt die Wirkung zu, ohne sie zu begründen. Heute weiß man, dass Bitterstoffe wie die des Hopfens manche Verderber im Bier hemmen; ob diese beiden Kräuter das leisten, ist damit nicht gesagt.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-131-orig" n="zufall" resp="#fyndling">Im 16. Jahrhundert heißt Zufall nicht das Zufällige, sondern was von außen störend und schädlich hinzukommt; das Grimmsche Wörterbuch nennt Mehltau und Frost „und andere zufälle“ und belegt das Wort auch für die Krankheiten des Weins. Gemeint ist hier, was dem Bier schadet, die Überschrift nennt Sauerwerden und Gestank.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-131-orig" n="Berthꝛam" resp="#fyndling" subtype="lexical">Bertram, die Art bleibt offen. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt bertram als Namen verschiedener Pflanzen, darunter die Bertram-Schafgarbe, und speziell für die Wurzel; Adelung unterscheidet den echten Bertram (Anthemis pyrethrum) vom deutschen oder wilden Bertram, einer Schafgarbe. Rasch spricht von „zwey kreuter“ und nennt keinen Pflanzenteil.<list type="alternatives"><item>Römischer Bertram (Anacyclus pyrethrum), seine scharfe Wurzel<note type="rationale">Die Wurzel war die bekannteste Bertram-Droge (Grimm: anthemis pyrethrum); gegen eine Festlegung spricht, dass der Text von Kräutern spricht.</note></item><item>Bertram-Schafgarbe (Achillea ptarmica)<note type="rationale">Heimisch und als deutscher Bertram belegt (Adelung, FWB); der Text gibt keinen Hinweis, welche Pflanze gemeint ist.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-131-orig" n="Centaurie" resp="#fyndling" subtype="lexical">Tausendgüldenkraut, am ehesten das Echte Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea). Grimm setzt tausendgüldenkraut mit centaurea, centaureum (gentiana centaurium) gleich, das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch nach Marzell mit Erythraea centaurium.<list type="alternatives"><item>Großes Tausendgüldenkraut, eine Flockenblume (Centaurea)<note type="rationale">Adelung führt unter Tausendgüldenkraut auch „eine Art Flockenblume“; der Text entscheidet nicht, die Enzianart ist der geläufigere Bezug.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-132-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung für Bier im Fass: Buchenasche, klein gestoßen, wird mit Bier zu einem dicken Brei angemacht, in das Fass gegossen und untergerührt; danach ruht das Bier. Rasch sagt nicht, was dem Bier vorher fehlte, nur dass es danach „frisch“ ist.

Die Menge. Rasch gibt ein Verhältnis, keine feste Menge: so viele Handvoll Asche, wie das Fass Eimer Bier hält. Wie groß sein Eimer ist, sagt er nicht.

Warum Asche? Rasch nennt keinen Grund. Heute würde man sagen: Holzasche ist laugig und kann einen Teil der Säure eines sauer werdenden Biers abstumpfen; beim Ruhen setzt sie sich ab. Das ist eine Einordnung von heute, nicht Raschs Begründung.

Praxis. Wer das Verfahren nachstellt, nimmt nur Asche aus reinem, unbehandeltem Holz; Asche aus lackiertem, beschichtetem oder imprägniertem Holz enthält Schadstoffe. Lauge und Schwebteilchen bleiben im Bier, solange es nicht abgesetzt hat; heute würde man es nach dem Ruhen vom Bodensatz abziehen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-132-orig" n="aymer" resp="#fyndling">Eimer, ein Flüssigkeitsmaß, von Land zu Land verschieden. Die Wiener Maßordnungen des 16. Jahrhunderts rechnen den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch den Wiener Eimer meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-132-orig" n="friſch" resp="#fyndling" subtype="lexical">„Frisch“ im Sinn von unverdorben, wieder gut zu trinken. Adelung führt die Bedeutung „Noch unverdorben, was noch seine völlige Güte hat“, vom Wasser „welches noch nicht trübe ist“. Welchen Fehler das Bier vorher hatte, sagt Rasch nicht.<list type="alternatives"><item>kühl (Adelungs erste Bedeutung)<note type="rationale">Nichts im Verfahren kühlt das Bier; die Wirkung soll von der Asche kommen.</note></item><item>neu, jung gebraut<note type="rationale">Behandelt wird ein vorhandenes Bier im Fass, gebraut wird nichts.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-132-orig" n="mach es dick mit dem bier wie ein bꝛey" resp="#fyndling" subtype="contextual">Die Asche wird mit etwas Bier zu einem Brei angemacht, der dann ins Fass kommt. Der Paralleltext bei Rumpolt sagt es eindeutiger: „den mach dick mit dem Bier/ wie ein Brey/ darnach geuß es in das faß“.<list type="alternatives"><item>Das Bier im Fass soll selbst dick werden.<note type="rationale">Die Birkenasche-Fassung (ras-138) schließt mit „ſo wird ein bier dick vnd friſch“; hier aber folgt auf das Dickmachen erst das Eingießen ins Fass, der Brei ist also ein eigener Ansatz.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-133-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kelleranweisung für Bier im Fass: Salz und Bierhefe vom selben Bier werden verschlagen, mit einem Schuss Bier aus dem Fass verrührt und ins Fass gebracht; danach ruht das Bier, und das Fass wird aufgefüllt. Das Bier soll schön, lieblich und klar werden, zu trinken wie ein Schweinitzer Bier.

Der Ablauf. Dass die Mischung ins Fass kommt, sagt Rasch nicht ausdrücklich; der Satz vom Eingießen setzt es voraus. Beim Eingießen muss im Fass noch etwas Raum sein, damit man rühren kann, danach wird es gut aufgefüllt. Die gleichlautende Fassung bei Rumpolt nennt den Schritt: „schuͤts in das Bier vnd ruͤr es wol vnter einander“.

Die Dosierung. Der Satz „ein vierteil mit Saltz gemiſcht/ ein quarten zu einem gantzen fuder bier“ hat kein klares Bezugswort (siehe Deutungsentscheidung). Eine Salzmenge und eine Ruhezeit nennt der Text nicht. Wie Salz und Hefe das Bier klären sollen, begründet Rasch nicht.

Praxis. Heute würde man Hefe aus dem eigenen Sud nehmen, nur wenig Salz zugeben und den Alaun weglassen; Mengen und Zeiten ergänzt der Text nicht. Das Gebinde beim Einbringen nicht ganz füllen, damit man rühren kann, danach auffüllen. Modern gesagt: Frische Hefe in fertigem Bier kann eine Nachgärung anstoßen; in einem geschlossenen Gebinde entsteht dabei Druck.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-133-orig" n="Bierhefen" resp="#fyndling">Hefe aus demselben Bier, nicht aus einem fremden Sud. Das Wort hefen meint im Kellerbuch auch den Bodensatz im Fass (so beim Wein in Eintrag 114); ob hier die frische Hefe oder der Satz gemeint ist, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-133-orig" n="ein schoß" resp="#fyndling">Ein Schuss: eine Menge, die man auf einmal hineinlaufen lässt, zu schießen im Sinn von „schnell fließen“ (Adelung). Eine feste Maßangabe ist das nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-133-orig" n="Alaun" resp="#fyndling">Ein Mineralsalz. Hier ein Zusatz, den nur „etliche“ geben; an anderer Stelle (Eintrag 59) zählt Rasch Alaun zu den Mitteln, mit denen manche den Wein verfälschen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-133-orig" n="quarten" resp="#fyndling">Quart: ein Hohlmaß, meist für Flüssigkeiten und häufig für Bier, von Ort zu Ort verschieden groß (Deutsches Rechtswörterbuch); dem Wort nach „der vierte Teil“ eines Maßes (FWB). Welche Quart Rasch meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-133-orig" n="fuder" resp="#fyndling">Das größte Weinmaß, ursprünglich eine Wagenladung. Der Inhalt war von Land zu Land verschieden: Das Augsburger Stadtrecht rechnet das welsche Fuder zu acht Eimern (nach Grimm), das Pfälzische Wörterbuch gibt rund 1000 Liter an. In Wien rechnete man im 16. Jahrhundert das Fuder zu 32 Eimern, den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch Wiener Maß meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-133-orig" n="Schweinitzer bier" resp="#fyndling">Wohl das Schweidnitzer Bier aus Schweidnitz in Schlesien; Krünitz nennt es unter den berühmten schlesischen Bieren. Derselbe Vergleich steht in Rumpolts Kochbuch von 1581.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-133-orig" n="ein vierteil mit Saltz gemiſcht/ ein quarten zu einem gantzen fuder bier" resp="#fyndling" subtype="contextual" cert="unknown">Der Satz folgt direkt auf den Alaun-Zusatz und korrigiert ihn: Statt der Hälfte genügt ein Viertel Alaun, mit dem Salz gemischt, und von dieser Mischung eine Quart auf ein ganzes Fuder Bier. So liest auch die gleichlautende Fassung bei Rumpolt (rum-2019). Sicher ist nur: sehr wenig Zusatz auf sehr viel Bier, mehr gilt als zu viel.<list type="alternatives"><item>„ein vierteil“ ist ein eigenes Hohlmaß, ein Viertel der Salz-Hefe-Mischung.<note type="rationale">Viertel ist bei Rasch auch Weinmaß (Eintrag 113); dann stünden zwei Maße nebeneinander, deren Verhältnis der Text nicht klärt.</note></item><item>Ein Viertel einer Quart wird mit dem Salz gemischt, insgesamt genügt eine Quart auf ein Fuder.<note type="rationale">Möglich, wenn das Viertel Teilmenge der Quart ist; dann bliebe offen, woraus es besteht.</note></item></list><ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saltz"/></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-134-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel gegen grobes, saures Bier. Rasch kennt zwei Wege: zerstoßenen Weizen mit Hefe aus demselben Fass vermengen und ins Fass schütten, oder den zerstoßenen Weizen allein mitten ins Fass hängen. Das Ergebnis nennt er knapp: Es wird süß.

Die Hefe. Gemeint ist der Bodensatz, der sich im Fass absetzt, nicht eine von außen geholte Hefe. Rasch nimmt sie vom selben Fass, so wie er im Eintrag davor die Bierhefe vom selben Bier nimmt. Beim zweiten Weg kommt keine Hefe dazu.

Das Hängen. Ein Behältnis nennt der Text nicht. Lose lässt sich zerstoßener Weizen nicht aufhängen; heute würde man ein Leinensäckchen an einer Schnur durch das Spundloch hängen. Das ist eine moderne Lösung, keine Angabe Raschs.

Die Wirkung. Rasch erklärt nicht, warum der Weizen das Bier süß machen soll, und nennt weder Menge noch Dauer. Ob die Maßnahme ein saures Bier tatsächlich spürbar mildert, ist heute nicht geprüft.

Praxis. Wer es nachstellen will, braucht ein Fass Bier mit dem beschriebenen Fehler. Menge und Verweildauer des Weizens muss man selbst wählen und durch Kosten prüfen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-134-orig" n="grob" resp="#fyndling">Rau, derb, nicht fein. Rasch nennt auch einen Wein „grob“, den ein Zusatz mild und wohlschmeckend machen soll.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-134-orig" n="luſtig" resp="#fyndling">Hier „angenehm“, wie in „luſtig zu trincken“ im folgenden Eintrag; nicht im heutigen Sinn von „witzig“.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-134-orig" n="hefen" resp="#fyndling">Hefe heißt hier der Bodensatz im Fass, nicht gekaufte Hefe. Rasch nimmt sie vom selben Fass, dessen Bier behandelt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-134-orig" n="er wird ſuͤß" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das Bier wird süß, übersetzt mit „So wird es süß“. Die Überschrift verspricht ein Bier, das gut und angenehm zu trinken ist; das Ergebnis betrifft also das Bier.<list type="alternatives"><item>Der Weizen wird süß.<note type="rationale">Grammatisch passt „er“ am nächsten auf „Waitzen“. Ein süßer Weizen wäre aber nur der Weg zum Ziel, nicht das Ergebnis, das die Überschrift ankündigt. Rumpolt druckt dieselbe Stelle als „er wirdt suͤß“, ohne den Bezug zu klären.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-134-orig" n="henck den zerſtoßnen Waitzen mitten in das vaß" resp="#fyndling" subtype="contextual">Der zerstoßene Weizen wird mitten im Fass aufgehängt. Worin, sagt der Text nicht; die Übersetzung ergänzt nichts.<list type="alternatives"><item>In einem Bündel oder Säckchen.<note type="rationale">Zerstoßener Weizen hält lose nicht. Im übernächsten Eintrag hängt Rasch Weizenkörner als „puͤntel“, also Bündel, ins Fass; für diese Stelle sagt er es nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-135-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Das zweite Mittel unter der Überschrift „Wie man grobes und saures Bier gut und angenehm zu trinken machen soll“; das erste, mit zerstoßenem Weizen, steht im vorigen Eintrag. Hopfen und drei Eier werden mit gutem Bier verquirlt und ins Fass gegossen. Als Ergebnis nennt Rasch nur, dass das Bier angenehm zu trinken wird, wenn es gärt.

Die Eier. Der Text sagt nur „Ayer“, nicht, ob ganze Eier, nur das Eiklar oder Eier samt Schale gemeint sind. „klopffs in einander“ spricht für aufgeschlagene, verquirlte Eier. Einen Grund für den Zusatz gibt Rasch nicht. Heutige Einordnung: Eiklar dient im Weinkeller seit dem Mittelalter und bis heute zum Schönen; ob Rasch diese Wirkung im Sinn hat, sagt er nicht.

Der Hopfen. Menge und Form nennt der Text nicht. Die Angabe „zu einem fuder“ steht bei den drei Eiern; ob sie auch für den Hopfen gilt, bleibt offen.

Praxis. Kein Gericht, sondern eine Fassbehandlung im Keller, die erst bei der Gärung wirkt. Heutiger Hinweis: Die rohen Eier gehen in ein Getränk, das danach nicht mehr erhitzt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-135-orig" n="fuder" resp="#fyndling">Das größte Weinmaß, ursprünglich eine Wagenladung. Der Inhalt war von Land zu Land verschieden: Das Augsburger Stadtrecht rechnet das welsche Fuder zu acht Eimern (nach Grimm), das Pfälzische Wörterbuch gibt rund 1000 Liter an. In Wien rechnete man im 16. Jahrhundert das Fuder zu 32 Eimern, den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch Wiener Maß meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-135-orig" n="Ayer" resp="#fyndling" subtype="contextual">Aufgeschlagene Eier, mit dem Hopfen und gutem Bier verquirlt: „klopffs in einander“ setzt voraus, dass sich die Eier verschlagen lassen.<list type="alternatives"><item>Nur das Eiklar<note type="rationale">Eiklar ist das bekannte Schönungsmittel im Weinkeller; der Text sagt aber nur „Ayer“ und trennt nichts ab.</note></item><item>Ganze Eier samt Schale<note type="rationale">Im Bierkapitel kommen ganze Eier ins Fass („vier friſch oder haͤrte ayr“ im übernächsten Eintrag, dort gehängt oder gelegt); hier passt das Verklopfen schlecht dazu.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-136-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Hausmittel gegen Bier, das den Geruch des Fasses angenommen hat: ganze Weizenkörner, zu einem kleinen Bündel gebunden, werden ins Fass gehängt. Rasch nennt nur die Zahl der Körner, keine Fassgröße und keine Dauer.

Das Bündel. Wie die Körner zusammengehalten werden, sagt der Text nicht. Beim stinkenden Wein beschreibt Rasch dasselbe Mittel genauer: reiner Weizen in einem Säckchen, eingehängt und danach wieder herausgezogen, weil er „alles was do ſtinckend iſt“ an sich ziehe. Ein Säckchen liegt deshalb nahe; ob das Bündel im Bier bleibt oder wieder herauskommt, bleibt offen.

Wirkung. Für das Bier gibt Rasch keine Begründung. Dass fünfunddreißig Körner in einem ganzen Fass einen Fassgeruch merklich mindern, ist nach heutigem Wissen zweifelhaft; belegt ist es nicht.

Praxis. Heute: ganze, saubere Weizenkörner in ein Leinen- oder Gazesäckchen binden und an einer Schnur ins Fass hängen. Bier, das nicht nur nach dem Fass riecht, sondern verdorben ist, rettet das nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-136-orig" n="puͤntel" resp="#fyndling">Bündel, das Zusammengebundene. Womit die Körner gebunden werden, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-136-orig" n="wolgeſchmack" resp="#fyndling">Angenehm schmeckend; die ältere Sprache gebrauchte das Wort auch vom Geruch (Grimm, Deutsches Wörterbuch).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-136-orig" n="nach dem vaß ſtinckt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das Bier hat den Geruch des Fasses angenommen (Fassgeruch). Die fast wortgleiche Fassung bei Rumpolt sagt „nach dem Faß schmaͤckt“ und meint damit den Geschmack nach dem Fass.<list type="alternatives"><item>Das Bier ist im Fass allgemein verdorben und stinkt.<note type="rationale">„nach“ mit Substantiv bezeichnet hier, wonach es riecht; für allgemeinen Verderb hat Rasch eigene Überschriften (verkehrt, sauer).</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-137-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellermaßnahme gegen Bier, das nach dem Fass stinkt. Rasch bringt unter dieser Überschrift zwei Anweisungen: erst ein Bündel Weizenkörner (ras-136), dann dieses Gemenge aus einem Kraut, Beeren, zwei Wurzeln und vier Eiern, das ins Bierfass gehängt oder gelegt wird. Eine Wirkung verspricht er beim zweiten Item nicht eigens, die Überschrift gilt für beide.

Die Zutaten. „Rainfal“ ist hier nicht der Süßwein, sondern laut Text ein Kraut, der Rainfarn. Die Heiliggeistwurzel ist die Engelwurz, die roten Benedikten sind am ehesten die Nelkenwurz, deren Wurzel nach Gewürznelken riecht; was „rot“ meint, bleibt offen. Kraut, Beeren und Wurzeln kommen zu gleichen Teilen hinein; eine Gesamtmenge und die Größe des Fasses nennt Rasch nicht.

Die Eier. „Friſch oder haͤrte ayr“ stellt rohe und harte, also hart gekochte, Eier frei. Wozu sie im Fass dienen, sagt der Text nicht.

Hängen oder legen. Ob das Gemenge dazu in einem Beutel steckt, wie lange es im Fass bleibt und ob man es wieder herausnimmt, sagt der Text nicht. Das „oder legs“ lässt auch loses Einlegen zu.

Rainfarn heute. Rainfarn enthält Thujon und gilt als giftig. Er gehört heute nicht in ein Getränk.

Praxis. Wer das nachvollziehen will, lässt den Rainfarn weg, gibt Wacholderbeeren, Engelwurz- und Nelkenwurzwurzel zu gleichen Teilen in ein Leinensäckchen (modern) und hängt es in ein Fässchen oder einen großen Krug mit fertigem Bier; die Eier sind nach dem Text freigestellt, roh oder hart gekocht. Kosten, bis der Geschmack passt. Nach heutiger Einschätzung überdeckt eine solche Würze einen Fassgeruch eher, als dass sie ihn behebt; dagegen hilft vor allem ein sauberes Fass.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-137-orig" n="des heiligen Geiſts wurtzel" resp="#fyndling">Alter Name der Engelwurz. Grimm führt unter „Geistwurz“ angelica als „des heiligen geist wurz“, das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch setzt „Heiliggeistwurz“ mit der Wald-Engelwurz gleich. Welche Engelwurz-Art Rasch meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-137-orig" n="Rainfal" resp="#fyndling" subtype="lexical">Rainfarn (Tanacetum vulgare). Der Text erklärt das Wort selbst: „iſt ein kraut“. Schmeller führt „Rain=fan, =farren“ als tanacetum, und Rumpolts Kochbuch hat an der wortgleichen Stelle ebenfalls „Reinfall/ ist ein Kraut“.<list type="alternatives"><item>Rainfal als Süßwein<note type="rationale">So heißt das Wort sonst in diesem Buch (ras-115) und im Frühneuhochdeutschen Wörterbuch (reinfal, norditalienischer Süßwein). Hier widerspricht der Zusatz „ist ein Kraut“.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-137-orig" n="Benedicten die rothen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Am ehesten die Echte Nelkenwurz (Geum urbanum): Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch nennt sie unter „benedicte“ zuerst, und die „rothe Benedicten wurtzel“ im selben Bierkapitel (ras-123) ist ebenso gelesen. Was „die roten“ von anderen Benedikten unterscheidet, sagt kein Beleg; welcher Pflanzenteil gemeint ist, sagt der Text hier nicht.<list type="alternatives"><item>Benediktendistel (Cnicus benedictus)<note type="rationale">Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt den Namen auch für sie. Für sie spricht hier nichts Besonderes, gegen sie die Parallele ras-123, die von einer Wurzel spricht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-138-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Kellerbehandlung für Bier im Fass: Birkenasche, fein gesiebt, wird mit Bier zu einem dicken Mus angerührt und ins Fass gegeben. Die Menge ist ein Verhältnis, eine Handvoll Asche je Eimer Bier. Was dem Bier vorher fehlte, sagt Rasch nicht, nur dass es danach „dick und frisch“ ist. Umrühren im Fass, eine Ruhezeit oder ein Abziehen nennt er hier nicht; in der Buchenasche-Fassung (ras-132) lässt er umrühren und ruhen.

Gesiebt. „Klein gereden“ heißt fein gesiebt. Das Sieben nimmt Kohlestücke und Grobes heraus, damit sich die Asche glatt anrühren lässt.

Warum Asche? Rasch nennt keinen Grund. Heute würde man sagen: Holzasche ist laugig und kann einen Teil der Säure im Bier abstumpfen; beim Ruhen setzt sie sich ab. Das ist eine Einordnung von heute, nicht Raschs Begründung.

Praxis. Wer das Verfahren nachstellt, nimmt nur Asche aus reinem, unbehandeltem Holz; Asche aus lackiertem, beschichtetem oder imprägniertem Holz, aus Kohle oder Briketts enthält Schadstoffe. Asche ist keine Lebensmittelzutat, Lauge und Schwebteilchen bleiben im Bier, solange es nicht abgesetzt hat; heute würde man es nach dem Ruhen vom Bodensatz abziehen (modern).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-138-orig" n="aymer" resp="#fyndling">Eimer, ein Flüssigkeitsmaß, von Land zu Land verschieden. Die Wiener Maßordnungen des 16. Jahrhunderts rechnen den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch den Wiener Eimer meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-138-orig" n="klein gereden" resp="#fyndling" subtype="lexical">Fein gesiebt: Lexer führt rëden als starkes Verb „durch das sieb schütteln, sieben, sichten“, mit dem Beleg „du solt die aschen gar klain reden“ (Schmeller, 1437); das Findebuch verzeichnet das Partizip gerëden als „gesiebt“. Die Fügung mit Asche und „klein“ ist dieselbe wie hier.<list type="alternatives"><item>fein geraten, also fein ausgefallen (Partizip zu „geraten“)<note type="rationale">So deutet unsere Fassung des Rumpolt-Textes (rum-2022) dessen „klein geraͤden“. Der Asche-Beleg bei Lexer passt genauer und nennt einen Arbeitsschritt.</note></item><item>fein gestoßen<note type="rationale">So steht es in der Buchenasche-Fassung (ras-132, „klein geſtoſſen“); hier steht aber ein anderes Wort.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-138-orig" n="ruͤhꝛ das bier vnder die aͤſch als dick als ein mueß" resp="#fyndling" subtype="contextual">Ein Teil des Biers wird mit der Asche zu einem dicken Mus angerührt, das dann ins Fass kommt. Rumpolts fast gleicher Text sagt „ruͤr deß Biers vnter die Asch“ (etwas von dem Bier) und „thu es widerumb in das Faß“.<list type="alternatives"><item>Das ganze Bier wird unter die Asche gerührt.<note type="rationale">Der Wortlaut „das bier“ ließe es zu; ein Mus entsteht aber nur aus wenig Bier, und danach wird es erst ins Fass getan.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-138-orig" n="dick vnd friſch" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Wörtlich belassen: Das Bier soll danach „dick und frisch“ sein. „Frisch“ wie in ras-132 im Sinn von unverdorben, gut zu trinken; einen Mangel nennt die Überschrift nicht, nur „besser vnd frischer“.<list type="alternatives"><item>dick = kräftig, gehaltvoll (vgl. „Dickbier“)<note type="rationale">Das Deutsche Wörterbuch belegt Dickbier als Bier mit starker Stammwürze, aber nur aus Lübeck und Köln; für Wien nicht geprüft.</note></item><item>dick = dickflüssig, durch die Asche eingedickt<note type="rationale">Möglich nach dem Mus-Vergleich; der beschreibt aber den Ansatz, nicht das Bier im Fass.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-139-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellermittel für fertiges Bier im Fass, kein Getränkerezept. Die Überschrift meint Bier, das erst sauer zu werden droht: Beifußasche und ebenso viel Buchenasche werden mit etwas Bier zu einem dicken Brei angerührt, anderthalb Maß davon kommen in ein ganzes Fuder, das Bier wird mit einem Besen durchgerührt und ruht dann. Rasch nennt keinen Grund für die Asche, nur das Ergebnis: Das Bier sei danach „gantz luſtig zu trincken“.

Wie viel Asche? Die Mengen gehen nicht glatt auf. Liest man „zu einem aymer ein halb hand vol“ als halbe Handvoll je Eimer des zu behandelnden Biers, wie der vorige Eintrag mit der Birkenasche rechnet („ſo manche hand voll … als manchen aymer bier du haſt“), braucht ein Fuder viel Asche; ins Fass kommen aber nur anderthalb Maß der Mischung. Eine eindeutige Menge lässt sich daraus nicht ableiten.

Wie lange ruhen? „Laß darnach ruhen“ nennt keine Dauer, und vom Abziehen des Biers von der Asche ist keine Rede.

Praxis. Zum Nachmachen ist das nicht gedacht. Aus heutiger Sicht, nicht aus dem Text: Pflanzenasche ist stark basisch und kann einen Teil der Säure abstumpfen; die Ursache des Sauerwerdens beseitigt sie nicht, und wie viel die kleine Gabe in einem ganzen Fuder ausrichtet, ist ungeprüft. Asche gehört heute nicht als Zusatz in ein Getränk.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-139-orig" n="aymer" resp="#fyndling">Eimer, ein Flüssigkeitsmaß für Wein und Bier. Seine Größe war von Land zu Land verschieden. Die Wiener Maßordnungen des 16. Jahrhunderts rechnen den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch hier den Wiener Eimer meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-139-orig" n="fuder" resp="#fyndling">Das größte Weinmaß, ursprünglich eine Wagenladung. Der Inhalt war von Land zu Land verschieden: Das Augsburger Stadtrecht rechnet das welsche Fuder zu acht Eimern (nach Grimm), das Pfälzische Wörterbuch gibt rund 1000 Liter an. In Wien rechnete man im 16. Jahrhundert das Fuder zu 32 Eimern, den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch Wiener Maß meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-139-orig" n="luſtig" resp="#fyndling">Hier „angenehm“, nicht heiter: Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch kennt lustig als „erfreulich, behaglich, der Wahrnehmung angenehm“; das Schweizerische Idiotikon belegt 1563 „ein kernen, der ganz lustig zu essen“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-139-orig" n="zu einem aymer ein halb hand vol" resp="#fyndling" subtype="contextual">Eine halbe Handvoll Beifußasche je Eimer des zu behandelnden Biers. So rechnen die Nachbarn ausdrücklich: ras-138 „ſo manche hand voll … als manchen aymer bier du haſt“, ras-132 „ſo offt ein aymer bier/ ſo offt ein hand voll aͤſchen“. Wie das zu nur anderthalb Maß Mischung auf ein ganzes Fuder passt, sagt der Text nicht.<list type="alternatives"><item>Der Eimer ist das Bier zum Anrühren, die halbe Handvoll die ganze Aschenmenge.<note type="rationale">Dann wäre die kleine Gabe ins Fuder stimmig, aber aus einer halben Handvoll Asche in einem Eimer Bier wird kein Mus.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-139-orig" n="der mixtur gieß in ein gantz fuder bier auff anderthalben maſſen" resp="#fyndling" subtype="contextual">„Der mixtur“ ist partitiv (von der Mischung); anderthalb Maß davon kommen ins Fuder. Rumpolt (rum-2023) hat denselben Satz ohne „auff“: „der Mixtur geuß in ein gantz Fuder Bier anderthalben Quarten“.<list type="alternatives"><item>Die ganze Mischung ins Fuder, „auff anderthalben maſſen“ als eigene Angabe zum Bier.<note type="rationale">Grammatisch denkbar, ergibt aber keinen Sinn und widerspricht dem Paralleltext bei Rumpolt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-140-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kellertipp für Bier: Drei Pflanzen und Wermut werden ins Bier gehängt, damit es nicht umschlägt. Rasch nennt nur das Verhältnis, keine Menge auf Eimer oder Fuder, keine Dauer und keinen Zeitpunkt.

Das Verhältnis. Lindenblätter, Nussblätter und Beifuß zu gleichen Teilen, vom Wermut halb so viel. Ob frisch oder getrocknet, sagt der Text nicht. Welcher Nussbaum gemeint ist, sagt er auch nicht; das Wort Nusslaub steht in den Wörterbüchern meist für das Laub des Walnussbaums, die Haselnuss ist damit nicht ausgeschlossen.

Hängen. hencks in das bier heißt, die Pflanzen ins Bier zu hängen und dort zu lassen. Womit, sagt Rasch nicht; wenige Einträge davor hängt er ein „puͤntel“ Weizenkörner ins Fass. Heute würde man ein Leinensäckchen an einer Schnur einhängen; das ist eine moderne Hilfe, kein Teil der Anweisung.

Die Pflanzen. Beifuß und Wermut sind bittere Kräuter. Wermut enthält Thujon und ist in größeren Mengen bedenklich; da der Text keine Menge nennt, ist beim Nachstellen Zurückhaltung angebracht.

Praxis. Rasch sagt die Wirkung zu, ohne sie zu begründen. Heute weiß man, dass die Bitterstoffe des Hopfens manche Verderber im Bier hemmen; ob diese Pflanzen das leisten, ist damit nicht gesagt.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-140-orig" n="verkehꝛ" resp="#fyndling">Sich verkehren heißt in Raschs Kellerbuch, dass ein Getränk umschlägt, sich also zum Schlechten verändert.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-140-orig" n="Wermut" resp="#fyndling">Das Kraut (Artemisia absinthium), nicht der Wermutwein: Es steht in einer Reihe mit Blättern und Beifuß und wird mit ihnen ins Bier gehängt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-140-orig" n="gleich halb ſo viel" resp="#fyndling" subtype="contextual">Lindenblätter, Nussblätter und Beifuß gleich viel, Wermut halb so viel wie von jedem davon. Rumpolts textgleicher Druck trennt die beiden Angaben ausdrücklich: „Beyfuß gleich/ vnnd halb so viel Wermut“.<list type="alternatives"><item>Wermut halb so viel wie die drei anderen zusammen<note type="rationale">Der Satz nennt die Bezugsgröße für „halb“ nicht; die Lesart je Pflanze ist die nächstliegende, diese bleibt möglich.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-141-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Zusatz zur Bierpflege: Damit ein Bier nicht umschlägt, legen manche schöne weiße Kieselsteine aus einem fließenden Wasser hinein. Rasch nennt den Brauch, begründet ihn aber nicht.

Die Steine. Gemeint sind Kiesel aus einem Bach oder Fluss. Wie viele, wie groß, ob vorher gewaschen und wie lange sie im Bier liegen, sagt der Text nicht.

Heutige Einordnung. Eine Wirkung der Steine gegen das Umschlagen ist nach heutigem Kellerwissen nicht erkennbar.

Praxis. Wer den Brauch nachstellt, legt einige weiße Bachkiesel ins Bier; Menge und Dauer bleiben offen. Heute würde man die Steine vorher gründlich waschen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-141-orig" n="kißling" resp="#fyndling">Kieselsteine. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt kiesling als „Kies, Kiesel; Feuerstein“, Fischers Schwäbisches Wörterbuch Kisling als „Kieselstein“. Rasch schreibt im Weinteil „kißlingſtain“ in derselben Bedeutung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-142-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Ansatz für das Weinfass im Herbst: Ein Sud aus Johanniskraut, Zucker und Zimtrinde kommt warm in ein Fass mit Wein. Der so zubereitete Wein dient nach Rasch dazu, schwachen Wein zu verbessern; zwei oder drei Fuder lassen sich damit stark machen. Unter derselben Überschrift folgt ein zweites Verfahren mit Anis, Kandiszucker und Enzian (ras-143).

Das Fass. Zuerst wird das Fass mit Salzwasser geschwenkt, das Wasser wieder ausgegossen und das Fass verspundet, bis der Rest hineinkommt. Einen Zweck nennt Rasch nicht. Wie groß das Fass ist, sagt er ebenfalls nicht; die drei halben Pfund beziehen sich auf dieses eine Fass.

Der Sud. Johanniskraut, Zucker und Zimtrinde werden miteinander gesotten und noch warm durch ein Tuch ins Fass geseiht, sodass Kraut und Rinde draußen bleiben. Wie lange der Sud siedet und mit wie viel Flüssigkeit, steht nicht da. „Abgestreift“ heißt, das Kraut ist vom Stängel gestreift; welche Teile genau, sagt der Text nicht.

Der leere Raum. Rasch lässt das Fass eine Handbreit leer, „sonst stößt der Wein dem Fass den Boden aus“. Heutige Einordnung: Zucker, der in jungen Wein kommt, kann eine Nachgärung anstoßen, die schäumt und Druck aufbaut. Ob der Wein hier gärt, sagt Rasch nicht, und auch nicht, wann man ihn ablässt. Dass der Wein „stark“ wird, ist sein Wort; dass der Zucker dabei zu Alkohol vergären kann, ist eine heutige Deutung.

Praxis. Ein fest verspundetes Fass, in dem der Wein nach dem Zuckerzusatz weiterarbeitet, steht unter Druck; Rasch warnt selbst davor, und heute behilft man sich mit einem Gärspund statt eines festen Spunds (modern). Johanniskraut beeinflusst die Wirkung mancher Arzneimittel; wer solche nimmt, trinkt den Wein besser nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-142-orig" n="Johannes kraut abgeſtraifft" resp="#fyndling">Johanniskraut (Hypericum; Stieler 1691: „Johanneskraut/ hypericum“), wahrscheinlich das Echte Johanniskraut. Abstreifen heißt bei Grimm, Blätter vom Ast oder Stängel streifen.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-142-orig" n="zwerche hand" resp="#fyndling">Zwerchhand, die quer gelegte Hand: eine Handbreit (Grimm, Pfälzisches Wörterbuch). Zeitgenössische Nomenklatoren setzen sie dem lateinischen palmus gleich, vier Finger breit.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-142-orig" n="gemachten wein" resp="#fyndling">Zubereiteter, mit Zusätzen gewürzter Wein. Grimm führt den Ausdruck mit Belegen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, etwa bei Coler und Opitz, ohne abwertenden Sinn.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-142-orig" n="fuder" resp="#fyndling">Das größte Weinmaß, ursprünglich eine Wagenladung. Der Inhalt war von Land zu Land verschieden: Das Augsburger Stadtrecht rechnet das welsche Fuder zu acht Eimern (nach Grimm), das Pfälzische Wörterbuch gibt rund 1000 Liter an. In Wien rechnete man im 16. Jahrhundert das Fuder zu 32 Eimern, den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch Wiener Maß meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-143-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Das zweite Verfahren unter der Überschrift „Wie man köstlich Wein im Herbst machen soll“ (das erste steht in ras-142): Anis, Kandiszucker, gestoßener Enzian und Johanniskraut werden leicht erwärmt und in den Wein gegossen, der danach vier Wochen kühl im zugespundeten Fass liegt. Ein Nachsatz verspricht mit einem Sud aus Beifußwurzeln zwei Jahre Haltbarkeit. Eine Fassgröße nennt Rasch nicht; die Lot-Mengen gelten für dieses eine, unbestimmte Fass.

Welcher Wein? Rasch setzt beim Keltern an: beim Wein, den man „einen tag“ liest und zur Trotte aufschüttet, also bei den Trauben eines Lesetags, die gleich gekeltert werden. Gedruckt ist „ablieſſeſt“ (ablassen); gelesen wird es als Druckfehler für „ablieſeſt“, weil Rumpolt an derselben Stelle „ablisest … von stundan“ schreibt. Gemeint ist junger Wein der Lese, kein alter Lagerwein. Ob der Wein im Fass noch gärt, sagt Rasch nicht.

Die Pfanne. Die Zutaten kommen in eine große Pfanne und werden „ein wenig“ erwärmt. Eine Flüssigkeit nennt der Text nicht, obwohl er danach „gieß“ sagt. Heute würde man etwas vom Wein in die Pfanne nehmen, damit sich der Kandiszucker löst; das ist eine moderne Hilfe, nicht Raschs Anweisung. Enzian war als Apothekerware meist die bittere Wurzel; welchen Teil Rasch meint, sagt er nicht. „Abgestreift“ heißt: vom Stängel gestreift.

Die Haltbarkeit. Beifußwurzeln werden mit zwei Maß „guter Würze“ gesotten und in den Wein gegossen. Wie viel Wurzel und welche Würze, sagt Rasch nicht; Rumpolt schreibt „zwo Maß gutem Wein“. Die zwei Jahre und die Wirkung „für alle Gebrechen des Weins“ sind Raschs Zusage.

Praxis. Rasch spundet das Fass zu, ohne einen leeren Raum zu nennen. Heutige Einordnung: Junger Wein, der mit dem Kandiszucker weiterarbeitet, baut in einem fest verspundeten Fass Druck auf; im Verfahren davor lässt Rasch aus diesem Grund eine Handbreit leer, „sonst stieß der wein dem vaß den boden auß“. Heute nimmt man dafür einen Gärspund (modern). Johanniskraut beeinflusst die Wirkung mancher Arzneimittel und kann die Haut lichtempfindlicher machen; wer Medikamente nimmt, trinkt den Wein besser nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-143-orig" n="auffſchuͤtteſt zu trotten" resp="#fyndling">Die Trotte ist die oberdeutsche Kelter, die Weinpresse (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch); aufschütten heißt dort, die Trauben auf die Kelter schütten.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-143-orig" n="loth" resp="#fyndling">Lot: ein altes Gewicht, eine halbe Unze (Lübben/Walther). Seine Größe schwankte von Ort zu Ort; das Pfälzische Wörterbuch nennt aus der Mundart Werte zwischen 15 und 16⅔ Gramm. Welches Lot Rasch meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-143-orig" n="maſſen" resp="#fyndling">Maß: altes Raummaß, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Welches Maß Rasch meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-143-orig" n="gebꝛeſten" resp="#fyndling">Gebresten: Gebrechen, Mängel (Deutsches Rechtswörterbuch: „Mangel“), hier die Fehler des Weins.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-143-orig" n="ablieſſeſt" resp="#fyndling" subtype="philological">ablesen, die Trauben lesen: der Wein, den man an einem Tag liest und zum Keltern aufschüttet. Gedruckt ist eindeutig „ablieſſeſt“, das wäre ablassen; das ſſ ist wohl ein Druckfehler für „ablieſeſt“. Rumpolt hat an derselben Stelle „ablisest … von stundan“ und lässt in seinem Rezept vom süßen Wein die Trauben „auff einen tag“ ablesen und „denselben Abendt noch auffschuͤtten zu keltern“. Das Grimmsche Wörterbuch (2. Auflage) belegt ablesen als „abernten, pflücken“, auch vom Wein, und zum Präsens „aufschüttest“ passt „liesest“ besser als „ließest“.<list type="alternatives"><item>Wie gedruckt: abließest von ablassen, der Wein, den man an einem Tag ablässt und zum Keltern aufschüttet.<note type="rationale">So steht es im Druck. Ein Wein, der vor dem Keltern abgelassen wird, gibt aber wenig Sinn, und die Parallele bei Rumpolt spricht dagegen.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-143-orig" n="zwayen maſſen guter wuͤrtz" resp="#fyndling" subtype="lexical">Würze als Flüssigkeit: Sie wird nach Maß gemessen, und die Beifußwurzeln werden darin gesotten. Adelung kennt Würze auch als das ungehopfte Bier der Brauer; Rasch gebraucht „wurtz“ beim Alantwein (ras-093) ebenfalls für eine Flüssigkeit. Was diese Würze ist, sagt der Text nicht.<list type="alternatives"><item>Gewürz.<note type="rationale">Die Hauptbedeutung bei Grimm und Schmeller; zwei Maß Gewürz zum Sieden der Wurzeln passen aber schlecht.</note></item><item>Wein.<note type="rationale">Rumpolt druckt „zwo Maß gutem Wein“; ob er Raschs Wort erklärt oder ersetzt, ist nicht zu entscheiden.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-143-orig" n="in ein groſſe pfannen thun / vnd ein wenig laſſen erwarmen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Wie gedruckt: Die Mischung kommt ohne genannte Flüssigkeit in die Pfanne und wird nur ein wenig erwärmt.<list type="alternatives"><item>Mit etwas Wein in der Pfanne.<note type="rationale">„gieß es in den wein“ setzt etwas Flüssiges voraus, und Kandiszucker löst sich trocken kaum; der Text nennt aber keine Flüssigkeit.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-144-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Schwimmprobe: Rasch legt eine Birne in Most oder Wein und schließt aus ihrem Schwimmen, dass kein Wasser beigemengt ist. Was es bedeutet, wenn sie sinkt, sagt er hier nicht; die Eiprobe nach Mizaldus weiter hinten im Buch, die die Birne ausdrücklich gleichsetzt, sagt: Sinkt das Ei sofort, ist der Most oder Wein gewässert.

Heutige Einordnung. Für Most trägt der Gedanke: Most ist durch den gelösten Zucker schwerer als Wasser, beigemischtes Wasser macht ihn leichter, und ein Körper sinkt darin eher. Auf demselben Prinzip beruht die heutige Mostwaage. Für vergorenen Wein trägt die Probe nicht: Durch den Alkohol ist Wein eher leichter als Wasser, ein Wasserzusatz macht ihn nicht leichter. Ob eine Birne schwimmt, hängt außerdem an der Frucht selbst, Rasch nennt weder Sorte noch Reife.

Praxis. Wer die Probe nachstellen will, legt dieselbe Birne zum Vergleich auch in reines Wasser (heutiger Vorschlag, nicht bei Rasch). Eine Messung ersetzt das nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-144-orig" n="bewaͤhꝛen" resp="#fyndling">Bewähren heißt hier prüfen, auf die Probe stellen (Grimm: „probare, explorare, prüfen“).</note>
        <note type="gloss" target="#ras-144-orig" n="biern" resp="#fyndling">Oberdeutsche Form von Birne; Adelung nennt „im Oberdeutschen, Biern, Piern“ für die Einzahl. Mit Bier oder Beeren hat das Wort hier nichts zu tun.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-145-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Die zweite Wasserprobe in Raschs Kapitel „Zuerkennen ob der wein wasser halte“, nach der Birnenprobe. Kein Getränk, sondern ein Test: Gewässerter Wein soll sich im offenen neuen Topf verraten.

Durch den Topf ausschlagen. Grimm verzeichnet „ausschlagen“ auch für Feuchtigkeit, die an einer Fläche austritt („die wände, die fenster schlagen aus“). Gemeint ist, dass Flüssigkeit durch die Topfwand nach außen tritt. Die Parallelen sagen es deutlicher: „so get ez dorch den hafen“ im Weinbuch Donaueschingen, „so tropffts herauß“ bei Rumpolt. Das setzt einen durchlässigen irdenen Topf voraus; „Hafen“ ist im Bairischen der Topf, ob glasiert oder nicht, sagt Rasch nicht. Das Weinbuch Donaueschingen verlangt einen Topf, „der noch nit naß sy worden“, also einen unbenutzten; dazu passt Raschs „neu“.

Der Essig. Bei Rasch verrät auch das Umschlagen zu Essig den Wasserzusatz. Das Weinbuch Donaueschingen wertet es umgekehrt: Dort wird gerade der Wein ohne Wasser zu Essig. Rumpolt lässt den Topf außerdem gut verschließen, Rasch ausdrücklich ohne Deckel stehen.

Praxis. Heute weiß man: Durch die Wand eines porösen Tontopfs tritt Wein ebenso wie Wasser, und Wein, der offen an der Luft steht, kann auch ungewässert sauer werden. Als Nachweis für gewässerten Wein taugt die Probe deshalb nicht. Nachstellen lässt sie sich nur mit einem neuen, unglasierten Tontopf; das Material ist eine heutige Annahme, der Text nennt es nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-145-orig" n="hafen" resp="#fyndling">Bairisch für Topf (Schmeller: „Hafen, Topf“), meist ein irdenes Gefäß.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen"/></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-145-orig" n="durch den hafen außſchlahen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Flüssigkeit tritt durch die Topfwand nach außen. Grimm belegt „ausschlagen“ für Feuchtigkeit, die an Wänden und Fenstern austritt; die Parallelen bestätigen es: „so get ez dorch den hafen“ (Weinbuch Donaueschingen), „so tropffts herauß“ (Rumpolt).<list type="alternatives"><item>„ausschlagen“ im Sinn von umschlagen, ausgehen, verderben (Grimm: ergehen, erfolgen).<note type="rationale">Passt nicht zu „durch den hafen“ und wird von beiden Parallelen nicht gestützt.</note></item><item>Ausblühen, ein Belag auf dem Wein.<note type="rationale">Ein Belag entsteht auf der Oberfläche, nicht durch den Topf; ohne Stütze in den Parallelen.</note></item></list><ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen"/></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-146-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Prüfprobe auf gewässerten Most: Man legt ein Ei hinein. Geht es sofort unter, ist Wasser darin, sonst ist der Most unverfälscht. Eine Birne soll dasselbe leisten. Rasch begründet die Probe nicht und nennt nur Mizaldus als Gewährsmann.

Most oder Wein. Gefragt wird nach dem Most, das Urteil gilt „Most oder Wein“. Heutige Einordnung: Die Probe beruht auf dem Gewicht der Flüssigkeit. Süßer, ungegorener Most ist schwerer als Wasser und kann ein Ei tragen oder sein Sinken bremsen; zugegossenes Wasser macht ihn leichter. Durchgegorener, trockener Wein ist dagegen leichter als Wasser, darin sinkt ein Ei auch ohne Wasserzusatz. Für fertigen Wein sagt die Probe deshalb nichts.

Ei und Birne. Welches Ei, sagt der Text nicht. Heutige Einordnung: Ein altes Ei schwimmt schon in reinem Wasser, das Ergebnis hängt also auch vom Ei ab. Bei der Birne nennt Rasch weder Sorte noch Reife.

Praxis. Wer die Probe heute nachstellt, nimmt süßen, frischen Most und ein frisches Ei und achtet darauf, ob das Ei sofort untergeht. Ein zweites Glas mit verdünntem Most zum Vergleich ist eine heutige Ergänzung.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-146-orig" n="biern" resp="#fyndling">Oberdeutsche Form von Birne; Adelung nennt „im Oberdeutschen, Biern, Piern“ für die Einzahl. Mit Bier hat das Wort hier nichts zu tun.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ras-147-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Probe, keine Behandlung: Der Wein steht mit Lorbeer und Salz über Nacht im Becher, am nächsten Tag zeigt der Augenschein, ob er seine Farbe gehalten hat. Mengen, Weinfarbe und einen Maßstab für das Ergebnis nennt der Text nicht.

Was die Probe anzeigt. Rasch gibt keine Begründung. Die Überschrift verbindet Farbe und Beständigkeit, und in ras-006 stehen „unbeständig“ und „entfärbt“ nebeneinander: Ein Wein, der die Farbe verliert, galt offenbar als einer, der nicht hält. Welche Rolle Lorbeer und Salz dabei spielen, bleibt offen.

Lorbeer. Gemeint ist der Echte Lorbeer. Ob Beeren oder Blätter, sagt Rasch nicht; nach dem Wortgebrauch der Zeit liegen die Beeren näher.

Praxis. Die Probe ist harmlos und schnell gestellt: ein Becher Wein, etwas Lorbeer und Salz, eine Nacht Zeit. Heute prüft man die Neigung eines Weins zum Bräunen ähnlich, indem man ihn offen an der Luft stehen lässt; ob Rasch es so verstand, sagt der Text nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ras-147-orig" n="beſtaͤndigkeit" resp="#fyndling">Der Bestand, die Haltbarkeit des Weins: ob er so bleibt, wie er ist. Rasch stellt an anderer Stelle den „unbeständigen und entfärbten Wein“ nebeneinander (ras-006).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-147-orig" n="Lorber" resp="#fyndling" subtype="lexical">Lorbeer, ohne Festlegung auf den Pflanzenteil. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt „lorber“ als Beere des Lorbeerbaumes, und nach dem Grimmschen Wörterbuch meinte das Wort zunächst nur die Frucht; das spricht eher für die Beeren.<list type="alternatives"><item>Lorbeerblätter<note type="rationale">Das Grimmsche Wörterbuch belegt, dass „lorber“ später auch Baum, Zweige und Blätter bezeichnet. Der Text nennt weder Blatt noch Beere.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ras-147-orig" n="entferbt er ſich" resp="#fyndling" subtype="lexical">Er entfärbt sich, verliert also seine Farbe: so das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch („die Farbe verlieren“) und Henisch 1616 („erbleichen, sich entfärben, verbleichen“).<list type="alternatives"><item>Er verfärbt sich<note type="rationale">Goetzes Glossar gibt „sich verfärben“. Für die Probe macht das wenig Unterschied: in beiden Fällen hält der Wein seine Farbe nicht.</note></item></list></note>
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