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      <titleStmt>
        <title>Rheinfränkisches Kochbuch (Rheinfränkisches Kochbuch (ohne Originaltitel; Ms. germ. fol. 244, fol. 285r-294v))</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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          <title>Rheinfränkisches Kochbuch (ohne Originaltitel; Ms. germ. fol. 244, fol. 285r-294v)</title>
          <date when="1445">1445</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.b1</idno>
          <note>Transkription: fyndling.de 2026 (Vision-Transkription nach dem PD-Faksimile der SBB Berlin) - CC BY-NC-SA 4.0. Verifikations-Eichung für die ersten 5 Rezepte (fol. 285r-285v): Thomas Gloning, Sample-Edition rfk1.htm (Universität Giessen) - als Methodik-Anker, nicht als Goldstandard. Gedruckte Edition Adelmann/Ehlert/Gloning 1998 (Auer Verlag) lag der Transkription NICHT zugrunde - der Volltext entstand unabhängig aus dem freien Faksimile.</note>
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      <langUsage>
        <language ident="mhd">Rheinfränkisch (Mittelhochdeutsch, Mittelrhein, ca. 1445)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="rfk-001">
        <head>Fasten-Krapfen mit Nuss-Feigen-Füllung</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-001-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-001-trans">
          <p>Wiltu machen kreppelin in der fasten so nym núsz vnde figen vnd stosz die cleine vndir ein ander vnd wúrcz isz nach dinem willen vnd werme isz in oley vnd erwelle isz in eime erhabendem deýge in creppelin wise in einer pannen vnd gip isz kalt ubir disch daz sint wol smacken kreppelin.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-001-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-001-orig">
          <p>Stoße Walnüsse und getrocknete Feigen im Mörser klein und vermenge sie zu einer Paste. Würze sie nach Geschmack - klassisch mit Zimt, Nelken oder Ingwer; eine Prise Salz und etwas Honig schärfen die Süße der Feigen.</p>
          <p>Gib ein wenig Speiseöl in eine Pfanne und erwärme die Paste sanft.</p>
          <p>Rolle den aufgegangenen Hefeteig aus und schneide ihn in kleine Quadrate. Setze einen Löffel Füllung in die Mitte, klappe den Teig zu und drücke die Ränder fest zusammen.</p>
          <p>Erhitze reichlich Öl in einer tiefen Pfanne, bis es Blasen wirft. Backe die Krapfen schwimmend goldbraun aus, hebe sie heraus, lass sie kurz abtropfen und gib sie kalt zu Tisch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="núsz">Walnüsse</ingredient> - 120 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="figen">getrocknete Feigen</ingredient> - 200 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wúrcz isz nach dinem willen">Würze nach Wahl</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="oley">Speiseöl (raffiniert, hitzebeständig)</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="erhabendem deýge">Hefeteig</ingredient> - 500 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-002">
        <head>Fasten-Fladen mit Fischrogen</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-002-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-002-trans">
          <p>Wiltu fladen in der fasten machen so nym allerley fischrogen an barben rogen vnd stosz sie clein mit ein wenig wißes meles das isz werde als ein striben deyg vnd ferbe isz vnd gusz isz uff den fladen deyg vnd back yne in einer oben das werdet gar schone vnd gude fladen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-002-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-002-orig">
          <p>Nimm allerlei Fischrogen, aber auf keinen Fall Barben-Rogen.</p>
          <p>Stoße den Rogen klein und vermenge ihn mit etwas weißem Mehl, bis eine Masse entsteht, die so sämig wird wie ein dünner Strüben-Teig. Färbe sie nach Belieben.</p>
          <p>Gieße die Rogen-Masse auf einen vorbereiteten Fladenteig und backe das Ganze in einem Ofen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="allerley fischrogen an barben rogen">Fischrogen (Karpfen, Hecht, Forelle)</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wißes meles">weißes Mehl</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ferbe isz">Safran</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="fladen deyg">Fladenteig</ingredient> - 500 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-003">
        <head>Rebhuhn-Imitat aus Fisch - Fasten-Schauspeise</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-003-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-003-trans">
          <p>Wiltu felthuner in der fasten essen so nym zwey eyrgraten hilder in der formen als ein raphune vnde nym fische vnd du die hut vnd grete davon vnd hacke sie gar clein vnd worff isz garwol vnd drucke isz in die formen vnde sie isz da mit so gewinnet isz ein formie als ein raphune vnd sale isz dan braden vnd mit hechten spicken so hastu ein gebraden raphun vnd ist fromde essen.

Auch machstu machen daz in waz formen du wilt vnd magstu auch da von füllen sich derme blasen vnd magen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-003-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-003-orig">
          <p>Du brauchst zwei zweiteilige Hohlformen aus Holz oder Ton, geschnitzt in Gestalt eines Rebhuhns. Die beiden Hälften müssen Führungsrillen („Graten“) an der Trennfläche haben, damit sie sich exakt aufeinanderpassen lassen.</p>
          <p>Nimm Fisch (Hecht, Karpfen oder Zander), ziehe die Haut ab, entferne alle Gräten und hacke das Fleisch ganz klein. Knete das Brät kräftig durch - wirf es immer wieder in die Schüssel zurück, bis die Fleischfasern aufbrechen und eine homogene, bindige Masse entsteht.</p>
          <p>Drücke das Brät fest in beide Hälften der Hohlform, fügt sie zusammen und siedet die geschlossene Form in heißem Wasser, bis das Fischeiweiß im Inneren koaguliert ist.</p>
          <p>Salze das geformte Rebhuhn, brate es kurz und spicke es an der Oberfläche mit dünnen Streifen von gebratenem Hecht. Der Schreiber kommentiert selbst: das ist eine fremde Speise.</p>
          <p>Variante: Du kannst die Fisch-Hackmasse auch in beliebige andere Formen drücken, oder du kannst sie sogar in gereinigte Fischdärme, Fischblasen oder Hechtmägen füllen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="fische">Fischfilet</ingredient> - 800 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="hechten">Hechtfilet (zum Spicken)</ingredient> - 200 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="sale">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="eyrgraten hilder in der formen als ein raphune">Holzform in Rebhuhn-Gestalt (zweiteilig)</ingredient> - 2 Stück</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-004">
        <head>Gebackene Strüben aus Fisch</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-004-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-004-trans">
          <p>Wiltu gebacken strüben von fischen machen so nym welcherley fische du wilt vnd du die hut vnd grete abe vnd hacke die fische clein vnd ryb dar vnder ein brossem brodes vnd würcz isz wol vnd strych isz mit eyme nassen messer zu samen in der formen als ein brot vnd lege isz in die pannen vnd erwelle isz. Darnach gyp yme ein forme als striben vnd du isz in eine spis vnd spicke isz mit hechte braden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-004-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-004-orig">
          <p>Nimm welcherlei Fisch du willst, ziehe Haut und Gräten ab und hacke das Fleisch ganz klein. Rühre Brotkrumen darunter und würze es gut.</p>
          <p>Streiche die Masse mit einem nassen Messer auf einer Pfanne zu einem Brot-förmigen Laib zusammen und walle sie flach aus.</p>
          <p>Danach schneide sie in Strüben-Streifen, wickle die Streifen um Spieße, spicke sie mit Streifen von gebratenem Hecht und gare die Strauben über offenem Feuer.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="welcherley fische du wilt">Fischfilet</ingredient> - 600 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="brossem brodes">Brotbrösel</ingredient> - 100 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würcz isz wol">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="hechte braden">gebratener Hecht (zum Spicken)</ingredient> - 200 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-005">
        <head>Fisch-Krepplin mit Rosinen, dazu Würstchen, Saumagen, Lebern und gebratene Rücken in gelber Pfeffer-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-005-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-005-trans">
          <p>Wiltu gebacken kreppelin von fischen machen so nym fische vnd du yne also davor stat vnd du eyn wenig winber darin vnd sint die fische gros sint So mache das gederme vnd die magen schon vnd kere sie vmme vnd fülle sie mit dem gehecke vnd suit sie vnd was von dem gehecke ubir blybet das mach tzu samen vnd welle isz irgent in vnd sut isz dan vnd gib isz mit den leberen vnd mit den gebraten rucken in eyme gelen peffer so hastu eyn gut essen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-005-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-005-orig">
          <p>Ein opulenter Festtags-Fischgang der höfischen Hochküche: Hauptdarsteller sind kleine Fisch-Krepplin mit Rosinen, dazu gibt es bei großen Fischen Würstchen und einen Saumagen aus Fischhack - und alles in einer gelben Pfeffer-Sauce, neben Fisch-Lebern und gebratenen Rückgraten.</p>
          <p>Die Krepplin - Hauptdarsteller: Nimm Fische und verarbeite sie wie im vorigen Rezept beschrieben (häuten, entgräten, klein hacken, mit Brotbröseln und Gewürzen vermengen) und gib ein wenig Weinbeeren dazu.</p>
          <p>Wenn die Fische groß sind - Würstchen und Saumagen: Säubere die Gedärme und den Magen, kehre sie um (Innenseite nach außen) und fülle sie mit der Hack-Masse. Verschließe und siede sie - die kleinen Gedärme werden zu schlanken Würstchen, der große Magen zu einem Fisch-Saumagen.</p>
          <p>Was von der Hack-Masse übrig bleibt: Forme einen Laib zusammen, rolle ihn ein und siede ihn ebenfalls.</p>
          <p>Anrichten: Serviere alles zusammen - die Krepplin, die Würstchen, den Saumagen, dazu die Fisch-Lebern und die gebratenen Fisch-Rückgrate - alles übergossen mit einer gelben Pfeffer-Sauce.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="fische">Fische (möglichst groß und ganz)</ingredient> - 1500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="brossam brots">Weißbrotbrösel</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="winber">Rosinen / Weinbeeren</ingredient> - 50 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wurcze">Gewürzmischung</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gelen peffer">Gelbe Pfeffer-Sauce</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-006">
        <head>Rotes Krebs-Mus</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-006-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-006-trans">
          <p>Wiltu machen ein rot mus von krebischen so nym krebes vnd nyg das bose us den augen vnd zuch auch den fadem us dem zagel vnd stosz dass an ander gar wol vnd ryb ein wiß brossam brots dar vnder vnd trybe isz mit mylch dorch ein wyß duch vnd cloppe eyer dar vnder vnd du isz in eyn pannen so wird ein recht rot mus dar uß du magstu isz würczen ob du wilt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-006-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-006-orig">
          <p>Nimm Krebse mit Schale. Entferne den dunklen Magenstein aus den Augenpartien. Ziehe auch den Darmfaden aus dem Schwanz heraus.</p>
          <p>Zerstoße die Krebse ganz, mitsamt der Schale.</p>
          <p>Reibe weißes Brotkrumen darunter. Treibe die ganze Masse mit Milch durch ein feines Tuch. Klopfe Eier in die rote Brühe ein.</p>
          <p>Gib es in eine Pfanne und erhitze es vorsichtig - so wird daraus ein rechtes rotes Mus. Du magst es nach Belieben würzen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="krebes">Flusskrebse (lebend, mit Schale)</ingredient> - 1500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wiß brossam brots">Weißbrot</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="mylch">Milch</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="eyer">Eier</ingredient> - 4 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würczen ob du wilt">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-007">
        <head>Krebs-Pfeffer-Sauce - Sauce Américaine, 450 Jahre vor Escoffier</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-007-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-007-trans">
          <p>Wiltu machen eynen pesser an krebische So nym recht gesoten krebiß vnd du die schalen davon vnd briche die beyn davon Darnach so nym ander krebsse vnd snyde die auch eyn den augen abe vnd du die magen daruß vnd sut die magen gar wol vnd slag sie dorch mit wyne oder mit eßige vnd bewore sie vnd ferbe sie auch nach dinem willen vnd mach also eynen pesser mit den geschalten krebischen das ist ein frymde essen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-007-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-007-orig">
          <p>Nimm gut gesottene Krebse, ziehe die Schalen ab und brich die Beine davon. Die entschälten Krebse sind das Fleisch deines Gerichts.</p>
          <p>Nimm zusätzlich weitere Krebse für die Sauce. Schneide ihnen die Augenpartie ab und nimm die Mägen heraus.</p>
          <p>Siede die herausgenommenen Innereien gut, stoße sie im Mörser fein zerquetscht und schlage sie durch ein feines Tuch mit Wein oder Essig. Würze und färbe die Sauce nach Belieben (klassisch mit Safran).</p>
          <p>Reiche die entschälten Krebse in dieser Krebs-Pfeffer-Sauce an. Das ist eine fremde Speise.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="recht gesoten krebiß">gesottene Krebse (für das Fleisch)</ingredient> - 1000 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ander krebsse">zusätzliche Krebse (für die Sauce)</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wyne oder mit eßige">Wein oder Weinessig</ingredient> - 250 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ferbe sie">Safran</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würze (impliziert)">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-008">
        <head>Gefüllte Krebse vom Spieß - mit Fasten-Variante</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-008-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-008-trans">
          <p>Wiltu machen gefült krebische So nym groß krebische vnd du die schalen davon vnd als gantze vnd du dz innerst daruß vnd würff das bose davon vnd hacke das vnder ein ander vnd slage gebacken eyer dar vnder vnd würcz isz vnd ferbe isz vnd fülle die schalen widder daumit vnd stoß die schalen vnder ein ander vn stoß sy an ein spißelin vnd brate sy uff eyne roist. Aber inder fasten so nym brossem brodes vor die eyer vnd ander dinck das vnder fasten gehoret vnd fülle sy daumit.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-008-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-008-orig">
          <p>Nimm große Krebse und löse die Schalen vorsichtig ab.</p>
          <p>Nimm das Innere heraus, wirf das Schadhafte (Magenstein, Darmfaden) davon, hacke das übrige Krebsfleisch klein, schlage gebackene Eier darunter, würze und färbe es.</p>
          <p>Fülle die Schalen wieder mit der gewürzten Masse. Stoße die zwei Schalen-Hälften aneinander, stecke sie auf ein Spießchen und brate sie auf einem Rost.</p>
          <p>Fasten-Variante: In der Fastenzeit nimm Brotbrösel anstelle der Eier - und andere Dinge, die zur Fastenzeit gehören. Fülle die Schalen damit.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="groß krebische">große Flusskrebse</ingredient> - 10 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gebacken eyer">Eier (gebraten/gestockt)</ingredient> - 4 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="würcz isz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ferbe isz">Safran</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-009">
        <head>Sommer-Sülze über Fisch - Kollagen aus Hechtschuppen</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-009-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-009-trans">
          <p>Wiltu zu sommer gallrey ubir fische machen So behalt die schuppen von allen fischen vnd besunder von hechten vnd wan du süden wilt So nym die schuppen vnd du sie in ein wyß duchelgin ader seckelgin vnd siede daz mit den fischen vnd so sie gesoden sint so drucke daz seckelin uß vnd du wurcze vnd safran daur ane vnd die uß gedruckket brüye.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-009-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-009-orig">
          <p>Willst du im Sommer eine feste Sülze über Fisch machen?</p>
          <p>Behalte beim Putzen die Schuppen aller Fische, besonders die großen, dicken Schuppen vom Hecht. Wenn du sieden willst, nimm die Schuppen, binde sie in ein weißes Tüchlein oder Säckchen ein und siede sie zusammen mit den Fischen.</p>
          <p>Wenn die Fische gar sind, drücke das Säckchen kräftig aus. Gib Würze und Safran dazu und gieße die so gewonnene Brühe über den angerichteten Fisch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="schuppen von allen fischen vnd besunder von hechten">Fischschuppen (insbesondere Hechtschuppen)</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="fische">Fisch</ingredient> - 1000 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wyß duchelgin ader seckelgin">feines weißes Tüchlein oder Säckchen</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurcze">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="safran">Safran</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-010">
        <head>Gelatine-Pulver aus Fischblasen - die Hausenblase auf Vorrat</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-010-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-010-trans">
          <p>Wiltu galreyen pulver machen So saltu nemen vil fisch blasen vnd zu hauff samenen vnd siede sie gar wol das sie sich zurtriben lassen vnd das der bruwe wenig sy vnd setze in ein geleset pfanne vnd las isz erharten darnach stoß isz zu pulver vnd wan du gallrein machen wilt so nym des selben puluers als hievorgeschriben ist mit der wagen Du salt nemen eu per maß ein halb ein halb gerorter loit pulueres.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-010-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-010-orig">
          <p>Willst du dir ein haltbares Gelatine-Pulver anlegen, das du das ganze Jahr über für Sülzen und Aspike griffbereit hast?</p>
          <p>Sammle viele Fischblasen zu Haufen. Siede sie gut, bis sich die Substanz zerteilen lässt und nur noch wenig Sud übrig bleibt.</p>
          <p>Gieße die konzentrierte Masse in ein gut gereinigtes Geschirr und lass sie an der Luft erhärten. Stoße das harte Material zu Pulver und bewahre es trocken auf.</p>
          <p>Wenn du Sülze machen willst, nimm vom selben Pulver mit Genauigkeit gewogen: ein halbes Lot Pulver auf ein Maß Flüssigkeit, gut durchgerührt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vil fisch blasen">Fisch-Schwimmblasen</ingredient> - 500 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-011">
        <head>Vegetarisches Gelatine-Pulver für die Fastenzeit - Hülsenfrucht-Mehl oder Wacholder-Blut</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-011-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-011-trans">
          <p>Wiltu aber ein pulver zu galreyen Nym bonen erweis adir wirken blut vnd dorre das andersluft vnd pulueris vnd so du ein galreyen machen wilt so du des selben puluers in ein deine seckelin vnd siet isz mit den fischen vnd so sie gesoden sint so druck das seckelin uß vnd du wurcz vnd saffran dar ane als du wilt vnd nym ein per ehre maß des puluers zwei loit.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-011-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-011-orig">
          <p>Willst du aber ein Pulver für die Sülze [machen]?</p>
          <p>Nimm Bohnen und Erbsen oder Wacholder-Blut. Dörre die Masse an der Luft und stoße sie zu Pulver.</p>
          <p>Wenn du die Sülze machen willst, gib das Pulver in ein kleines Säckchen und siede es zusammen mit den Fischen. Sind die Fische gar, drücke das Säckchen aus und gib Würze und Safran daran, wie du willst.</p>
          <p>Nimm auf ein Ehren-Maß Flüssigkeit zwei Lot Pulver.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="bonen">Trockenbohnen</ingredient> - 250 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="erweis">Trockenerbsen</ingredient> - 250 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wirken blut">Wacholderbeeren-Sirup, eingedickt</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wurcz vnd saffran">Gewürzmischung mit Safran</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-012">
        <head>Kalbsfuß-Trocken-Gelatine - die Vorrats-Gelatine für mehrere Jahre</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-012-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-012-trans">
          <p>Wiltu aber ein galreyen machen so nym kelbern füß vnd mach die rein vnd siede sy als sere das das gebein ab falle vnd das sie sich lassen zurtreiben als ein muß. So gus isz uß in ein subir geschirre vnd lasz isz ander lufft erherten als hyne vnd mach dar tzu pulver vnde sulcze da mit fische adir fleisth wan dn wilt indem jar So besser ist feste man mag isz auch wol sulczen ubir ein jar adir tzwei odir wan man wil.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-012-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-012-orig">
          <p>Willst du aber eine Sülze machen, so nimm Kalbsfüße, reinige sie und siede sie so kräftig, bis das Gebein abfällt und sich das Fleisch wie ein Mus zerteilen lässt.</p>
          <p>Gieße es in ein sauberes Geschirr und lass es an der Luft erhärten wie zuvor. Mache daraus Pulver, und sülze damit Fisch oder Fleisch, wann du willst im Jahr. So wird es umso fester. Man kann auch noch sülzen, wenn ein Jahr, zwei oder mehr [vergangen sind], wenn man will.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="kelbern füß">Kalbsfüße</ingredient> - 4 Stück</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-013">
        <head>Hausenblase-Sülze - die Premium-Aspik auch im Hochsommer fest</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-013-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-013-trans">
          <p>Wiltu aber ein hart bestanden gulrey machen in alle hier indem jare So nym husen blasen davon besteet sy schon vnd hart wan vnd wie dick man wil an allen tzwyuel auch sint alle fischblasen gut in galreyen tzubestehen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-013-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-013-orig">
          <p>Willst du aber eine hart bestehende Sülze machen, jederzeit im Jahr, so nimm Hausenblasen. Davon besteht sie schön und hart - so dick, wie du willst -, ohne jeden Zweifel.</p>
          <p>Auch sind alle [anderen] Fisch-Schwimmblasen gut, um eine bestehende Sülze zu machen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="husen blasen">Hausenblase</ingredient> - 50 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-014">
        <head>Der mittelalterliche Erdkeller - Sülze über den Sommer haltbar machen</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-014-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-014-trans">
          <p>Wiltu aber galreyen machen So lasz dir machen ein geschire von erden das ubir gleset sy dar in gus die galrein ein sommer vnd grab das geschirre indie erde einer spannen dieff So besteet sy.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-014-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-014-orig">
          <p>Wie hält eine Sülze den heißen Sommer aus, wenn ein Kühlhaus noch nicht erfunden ist? Mit einem Verfahren, das thermisch wie ein moderner Kühlschrank funktioniert - dem Erdkeller-im-Topf.</p>
          <p>Willst du Sülze machen, so lass dir ein irdenes Geschirr machen, das vollständig glasiert ist. Gieß die Sülze hinein, einen Sommer lang, und vergrabe das Geschirr eine Spanne tief in die Erde.</p>
          <p>So besteht sie - sie hält sich über die heißesten Monate.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="geschire von erden das ubir gleset sy">Glasiertes Tongefäß</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="galreyen">Fertige Galree</ingredient> - 1000 ml</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-015">
        <head>Reh-Haut-Sülze - kollagenreiche Aspik aus dem Niederwild</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-015-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-015-trans">
          <p>Wiltu abir ein galrey machen von einer rechun So nym die hut vnd bruwe das hare abe vnd mach sie gar sůberlich vnd siede sÿ vnd kerryp sÿ tzu samen dan tzu stück sÿ spannen lang vnd tzweyer finger breyte vnd mach ein gude sulße dar uß wol gestanden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-015-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-015-orig">
          <p>Bei der Jagd-Verwertung fällt eine kollagenreiche Ressource an: die Reh-Haut. Sie ergibt eine der festesten Sülzen, die die mittelalterliche Küche kannte.</p>
          <p>Willst du eine Sülze aus einem Reh machen, so nimm die Haut und brühe das Haar ab. Mach sie ganz sauber und siede sie. So zieht sie sich zusammen, dann schneide sie zu Streifen, eine Spanne lang und zwei Finger breit. Mache daraus eine gute Sülze, gut bestanden (= gut geliert).</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="hut von einer rechun">Reh-Haut</ingredient> - 1 Stück</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-017">
        <head>Mandelmus mit Weißbrot und Wein, länglich angerichtet und mit ganzen Mandeln garniert</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-017-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-017-trans">
          <p>Wiltu machen ein mandel muß So nym mandelen vnd stoiß sÿ wol vnd mache ein dicke mylch dauon vnd slag sÿ dorch ein duch in ein panne vnd rijp enwenig wÿß brodes dar vnder vnd guß enwenig wins dar ane vnd laß isz erwallen Darnach schudde isz in ein syep vnd sihe das wasser dauon vnd richte isz langlecht an mit mandelkern vnd guß auch mandelen mÿlch daruff als vil dich gut duncket.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-017-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-017-orig">
          <p>Die klassische Fastenspeise der hochmittelalterlichen Hofküche: ein Mandelmus aus der europäischen Blancmange-Tradition - reichhaltig und sättigend, ohne tierische Zutaten.</p>
          <p>Nimm Mandeln und stoße sie gut. Mache eine dicke Mandelmilch davon und schlage sie durch ein Tuch in eine Pfanne. Reibe ein wenig Weißbrot dazu, gieße ein wenig Wein daran und lass es aufwallen.</p>
          <p>Schütte es in ein Sieb und siebe das Wasser ab. Richte es länglich an mit ganzen Mandelkernen und gieße noch Mandelmilch darüber, so viel dir gut dünkt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="mandelen">Süße Mandeln (geschält)</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wÿß brodes">Weißbrotbrösel</ingredient> - 30 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wins">Wein (Weißwein oder Süßwein)</ingredient> - 50 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="mandelkern">Ganze Mandelkerne zur Garnitur</ingredient> - 40 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="mandelen mÿlch">Zusätzliche Mandelmilch</ingredient> - 200 ml</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-018">
        <head>Kalte Hirsch-Leberpastete mit Honig, Wein und Essig - zur gekochten Leber gereicht</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-018-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-018-trans">
          <p>Wiltu machen ein lebermuß So nym ein hÿrtze lebern vnd brayt sÿ vnde snyt dan das uszteyl abe vnd stoisz isz wol mit ruckeme brode mit honig win vnd eßig vnd trybe isz dorch ein duch vnde wortze isz wol vnde erwelle isz so wirt isz swarcze vnd gib isz kalt tzu der leberen du salt abir vor die leber erwellen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-018-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-018-orig">
          <p>Eine süß-saure Hirsch-Leberpastete der hochmittelalterlichen Wildküche: das geröstete Leberfleisch wird mit Roggenbrot, Honig, Wein und Essig zu einer feinen, dunklen Paste verarbeitet - als kalte Beilage zu separat gekochter Hirsch-Leber.</p>
          <p>Nimm eine Hirsch-Leber und brate sie kurz an. Schneide das Häutchen ab und stoße sie gut mit Roggenbrot, mit Honig, Wein und Essig. Treibe es durch ein Tuch und würze es gut.</p>
          <p>Lass es aufwallen - so wird es schwarz - und gib es kalt zur Leber.</p>
          <p>Du sollst aber zuvor die Leber vorkochen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="hÿrtze lebern">Hirsch-Leber</ingredient> - 600 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ruckeme brode">Roggenbrot</ingredient> - 80 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="honig">Honig</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein (Rotwein)</ingredient> - 150 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="eßig">Weinessig</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wortze">Gewürze</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-019">
        <head>Gebratene Leber in Pfeffer-Sauce - warme Variante der Hirsch-Leberpastete</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-019-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-019-trans">
          <p>Wiltu machen ein gebraden leber in peffer So nym ein frische leberen vnd brait die als uor stait vnd snyde das uszerst abe vnd stoisz sie mit ruckem brode vnd du brüwe daran vnd win adir eßig vnde snyde die leber tzu snyden vnd lege sÿ in peffer vnde wurtze isz vnd erwelle isz in einer pannen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-019-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-019-orig">
          <p>Die warme Variation zur kalten Leberpastete des vorigen Rezepts: hier wird das Leber-Material in einer gelben Pfeffer-Sauce serviert, mit Scheiben der gebratenen Leber.</p>
          <p>Nimm eine frische Leber und brate sie an, wie davor steht. Schneide das Äußere ab und stoße sie mit Roggenbrot. Gieße Brühe daran, und Wein oder Essig.</p>
          <p>Schneide die Leber in Scheiben und lege sie in den Pfeffer. Würze es und lass es in einer Pfanne aufwallen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="frische leberen">Frische Leber (Hirsch oder anderes Wild)</ingredient> - 600 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ruckem brode">Roggenbrot</ingredient> - 60 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="brüwe">Wild-Brühe</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="win adir eßig">Wein oder Essig</ingredient> - 100 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="peffer">Gelbe Pfeffer-Sauce (Grundlage)</ingredient> - 400 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="wurtze">Gewürze</ingredient> - 1 Prise</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-021">
        <head>Krauses Nudelmus mit Zucker</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-021-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-021-trans">
          <p>WJltu machen ein cruselecht musz So nym eyer vnd mele vnde mach einen harten deych darusz darnach mach den deyg czu dunnen bleteren vnd bespree sie mit mele daz sie nit cleiben vnd winde daz ubir ein ander vnd scharbe sie clein als der petersilge scharbet darnach nym eyer milch vnd enwenig meles vnd mach ein dunne wisz musz vnd lasz isz erwallen vnd du daz gescharbte indaz musz vnd laz isz erwallen vnd so du isz ane richtest so machestu isz mit czucker bestrauwen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-021-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-021-orig">
          <p>Willst du ein krauses Mus zubereiten, so nimm Eier und Mehl und bereite daraus einen festen Teig. Danach rolle den Teig zu dünnen Blättern aus und bestreue sie mit Mehl, damit sie nicht kleben bleiben. Wickle die Teigblätter übereinander und schneide sie dann fein, so wie man Petersilie schneidet.</p>
          <p>Nimm anschließend Eier, Milch und ein wenig Mehl und rühre daraus ein dünnes, weißes Mus an. Lass dieses Mus aufkochen. Gib das fein geschnittene Nudelwerk in das kochende Mus und lass es erneut aufkochen. Wenn du das Gericht anrichtest, bestreue es reichlich mit Zucker.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="mele">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milch">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-022">
        <head>Mus von Holunderblüten</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-022-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-022-trans">
          <p>Wiltu machen ein holder musz So nym hulder plumen vnd milch vnd sude die plumen da in wol darnach slach sie dorch ein duch dan nym gereben semelen vnd eyer vnd mach ein musz dauon vnd wurcze isz abdu wilt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-022-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-022-orig">
          <p>Um ein Holunderblütenmus zuzubereiten, nimm Holunderblüten und Milch. Koche die Blüten gut in der Milch. Danach seihe die Flüssigkeit durch ein Tuch. Nimm dann geriebene Semmeln und Eier und bereite daraus ein Mus. Würze es nach Belieben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hulder plumen">Holunderblüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milch">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gereben semelen">Semmelbrösel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurcze isz abdu wilt">Gewürze (optional)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-023">
        <head>Lauchmus mit Schweinefleisch</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-023-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-023-trans">
          <p>Wiltu machen ein lauchmusz So nym wyszen lauch vnd snde den eins vinger lang vnd brat ine mit smalcze garwol vnde gusz wasser dar ane vnd laisz isz erwallen vnde lege isz in ein syep so get daz nasche herabe darnach so lege isz in einen hauen vnde gusz milche dar ane die mit wyszem brode dorch ein duch geczogen sij vnd du smalcze dar ane vnd sude isz mit swinem fleische</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-023-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-023-orig">
          <p>Möchtest du ein Lauchmus zubereiten, so nimm weißen Lauch und schneide ihn etwa einen Finger lang. Brate den Lauch sehr gut in Schmalz an und gieße dann Wasser hinzu. Lasse es aufwallen und gib es anschließend in ein Sieb, damit die Flüssigkeit abläuft.</p>
          <p>Danach lege den Lauch in einen Topf und gieße Milch darüber, die zuvor mit Weißbrot durch ein Tuch passiert wurde. Gib weiteres Schmalz hinzu und koche das Mus zusammen mit Schweinefleisch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wyszen lauch">Lauch, weiß</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcze">Schweineschmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milche">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wyszem brode">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="swinem fleische">Schweinefleisch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-025">
        <head>Wachtelbrei mit Hirse</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-025-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-025-trans">
          <p>Wiltu machen einen wachtel bry so nym ein adir wie vil du wilt der wachtelen vnd sude sij in einem hauen darnach du isz usz vnd sude hyrsen inder wachtelen bruwe vnd roiste die wachtel uff eym roist vnd gib isz uff den selben brye</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-025-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-025-orig">
          <p>Wenn du einen Wachtelbrei zubereiten möchtest, nimm eine oder so viele Wachteln, wie du wünschst. Siede sie in einem Topf. Danach hebe die Wachteln heraus und koche Hirse in der entstandenen Wachtelbrühe. Röste die Wachteln auf einem Rost. Serviere die gerösteten Wachteln auf dem Hirsebrei.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wachtelen">Wachteln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hyrsen">Hirse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-028">
        <head>Kalbswurst mit Lunge und Hirn</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-028-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-028-trans">
          <p>Wiltu machen ein gude gefalden worst so nym einen hinderen darm von eime kalbe vnd schabe yn uszer heiszem wasser vnd mache yne rein vnde hacke die lunge vnd specke vnd wurcze isz wol vnd fasze isz inden darme Auch so nympt man gern daz hirn vnde eyer doteren petersilige vnde milch darczu so heist isz dan ein hyrn wornst darnach so sude sij vnd brade brade sij dan uff eime roist vnd gib isz drocken adir mach isz in ein gele bruwe dar ubir ein wenig wines vnd worcze isz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-028-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-028-orig">
          <p>Möchtest du eine gute gefüllte Wurst zubereiten, so nimm einen hinteren Darm von einem Kalb. Schabe ihn aus heißem Wasser und reinige ihn gründlich. Hacke die Lunge und den Speck fein und würze alles kräftig. Fülle diese Masse in den Darm.</p>
          <p>Gerne nimmt man auch das Hirn, Eigelb, Petersilie und Milch hinzu; dann nennt man es eine Hirnwurst.</p>
          <p>Danach siede die Wurst und brate sie. Brate sie anschließend auf einem Rost und serviere sie entweder trocken oder gib sie in eine gelbe Brühe. Gieße darüber ein wenig Wein und würze es.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einen hinderen darm von eime kalbe">Kalbshinterdarm</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die lunge">Kalbslunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="specke">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurcze isz wol">Gewürze (Pfeffer, Ingwer, Salz)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="daz hirn">Kalbshirn (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyer doteren">Eigelb (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petersilige">Petersilie (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="milch">Milch (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="heiszem wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wenig wines">Wein (weiß)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="worcze isz">Gewürze (Pfeffer, Ingwer, Safran)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-029">
        <head>Gefüllter und gebratener Kalbskopf</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-029-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-029-trans">
          <p>Wiltu einen kalbscop fullen vnde braden so sude in wol darnach briche yme die hyrnschalen vnd du gude worcze dar in vnd gusz heysz smalcze dar in vnd brat yne uff eym roist vnd gip isz heysz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-029-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-029-orig">
          <p>Willst du einen Kalbskopf füllen und braten, so siede ihn zuerst gut. Danach brich ihm die Hirnschalen auf, um eine Öffnung zu schaffen. Gib dann gute Gewürze hinein und gieße heißes Schmalz darüber. Brate den Kopf anschließend auf einem Rost und serviere ihn heiß.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="einen kalbscop">Kalbskopf</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gude worcze">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="heysz smalcze">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wol">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Salcz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-032">
        <head>Rehleber mit dunkler Wein-Essig-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-032-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-032-trans">
          <p>Wiltu ein rechleber machen So nym die leber vnd roist sij adir sude sie gar wol vnd hacke sij darnach cleyn vnd stoisz sij mit ruckem brode vnd du an die bruwe win esczig vnd sude das so wirt isz swarcze darnach hacke specke klein dar in vnde wan isz gar gesudet so mach ein blae von eyeren Jn einer pannen vnd wan du isz angerichtest so legestu daz selbe blat daruff</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-032-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-032-orig">
          <p>Willst du eine Rehleber zubereiten, so nimm die Leber und röste oder siede sie sehr gut. Hacke sie danach klein und stoße sie mit Roggenbrot.</p>
          <p>Gib zu der Brühe Wein und Essig und siede das, sodass es schwarz wird. Danach hacke Speck klein hinein. Und wenn es gar gesotten ist, so mache ein dünnes Eierblatt in einer Pfanne.</p>
          <p>Wenn du das Gericht anrichtest, so lege dasselbe Eierblatt darauf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rechleber">Rehleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ruckem brode">Roggenbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="bruwe">Brühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Rotwein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esczig">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="specke">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyeren">Eier</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-033">
        <head>Clapworst (Leber-Adrio)</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-033-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-033-trans">
          <p>Wiltu machen ein clapworst von einer leberen so nym die leber vnd hacke sij clein also grune vnd hacke eyer dar in vnd wiszbroit vnd wurcze isz vnde ferbe isz vnd wint isz in necze und brate isz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-033-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-033-orig">
          <p>Willst du eine Klapswurst aus Leber zubereiten, so nimm die Leber und hacke sie sehr fein, also roh. Hacke Eier und Weißbrot hinein. Würze die Masse und färbe sie. Wickle sie anschließend in ein Schweinenetz und brate sie.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="leber">Schweineleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wiszbroit">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurcze">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ferbe isz">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="necze">Schweinenetz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-034">
        <head>Rebhuhn-Leber-Sülze</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-034-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-034-trans">
          <p>Wiltu machen ein leber sulcze von rechaltern vogelen so nym die vogel vnd bereyt sie schone vnd lasz die magen gancze dain vnd erwelle sie in einer pannen mit fleische bruwe dar nach brait sie in smalcze So nym dan ein leber von eime schaff odir von eime kalbe vnd stosz die wol vnd nym also vil brots auch darczu vnd gusz wenig wins vnde esziges dar ane vnd slach isz durch ein duche vnd worcze isz vnd verbe isz wol vnde laisz isz erwallen vnd gip die vogel daruff</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-034-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-034-orig">
          <p>Willst du eine Leber-Sülze von Rebhühnern zubereiten, so nimm die Vögel und bereite sie sorgfältig vor. Belasse die Mägen ganz darin und brühe die Vögel in einer Pfanne mit Fleischbrühe. Danach brate sie in Schmalz an.</p>
          <p>Nimm sodann eine Leber von einem Schaf oder einem Kalb und zerstoße sie gut im Mörser. Gib ebenso viel Brot dazu und gieße wenig Wein und Essig daran. Schlage die Mischung durch ein Tuch und würze sie. Färbe sie gut (z.B. mit Safran) und lass sie aufwallen. Gib die gebratenen Vögel darauf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="rechaltern vogelen">Rebhühner</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fleische bruwe">Fleischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcze">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein leber von eime schaff odir von eime kalbe">Lammleber oder Kalbsleber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="brots">Weißbrot (altbacken)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wins">Weißwein (trocken)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esziges">Weinessig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="worcze isz">Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="verbe isz wol">Safran</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-036">
        <head>Knoblauchsauce zu gebratener Gans</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-036-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-036-trans">
          <p>WJltu ein sulcze czu einer gans machen so nym ein junge gans so sij ander wele sij vnd brat die gar schone Darnach so nym clobelauch vnd wysz brot glijch vil vnd stoisz das wol vnd gusz win dar ane vnd esczig vnd strijch isz dar ane vnd worcze isz wol wan der safferan benymmet yme den gesmacke</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-036-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-036-orig">
          <p>Willst du eine würzige Sauce zu einer Gans machen, so nimm eine junge Gans, wenn sie gut gewachsen ist, und brate sie sehr schön.</p>
          <p>Danach nimm Knoblauch und Weißbrot zu gleichen Teilen und stoße es gut. Gieße Wein und Essig hinzu und streiche die Mischung durch. Würze sie gut, denn Safran nimmt ihr den Geschmack.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein junge gans">Junge Gans</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="clobelauch">Knoblauch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wysz brot">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esczig">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="worcze">Gewürze</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-037">
        <head>Gänsefüllung mit Knoblauch, Speck und Trauben</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-037-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-037-trans">
          <p>Wiltu ein fulle machen czu einer gans die da jung sij vnd in der welle sij odir elter so lufft sie als ein hune vnd stoisz knobelauch vnd peffer in eyme stein vnde fulle die gans da mit vnd auch mit wecholtern beren vnd stoisz sie auch inwenig vnd hacke specke darczu vnd du grune winber dar vnder als vil du wilt vnd fulle isz damit</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-037-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-037-orig">
          <p>Willst du eine Füllung für eine Gans zubereiten, sei sie jung und in ihrer Blüte oder älter, so bereite die Gans vor wie ein Huhn (rupfen, ausnehmen und lüften).</p>
          <p>Stoße Knoblauch und Pfeffer in einem Steinmörser. Fülle die Gans mit dieser Mischung und mit Wacholderbeeren und stopfe alles gut hinein.</p>
          <p>Hacke dann Speck dazu, gib grüne Weintrauben darunter, so viel du willst, und fülle die Gans auch damit.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gans">Gans</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="knobelauch">Knoblauch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="peffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wecholtern beren">Wacholderbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="specke">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="grune winber">Grüne Weintrauben</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-039">
        <head>Geflügel-Speck-Pastete</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-039-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-039-trans">
          <p>Wiltu basteden machen So nym harten wol gewallen deig vnd hacke ein junge dube ein jung hune vnd guden specke snyde clein wor ffellecht vnd lege daz inden deyg vnde wurcze isz wol vnd lege ein blat von einem eyer deyge darubir vnd backe isz dan in einem offen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-039-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-039-orig">
          <p>Willst du Pasteten machen, so nimm einen harten, gut gewalkten Teig. Hacke eine junge Taube, ein junges Huhn und guten Speck klein und würfelig und lege dies alles in den Teig. Würze es gut und lege ein Blatt Eierteig darüber. Backe es dann in einem Ofen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="harten wol gewallen deig">Mürbeteig für Pastete</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein junge dube">Junge Taube</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein jung hune">Junges Huhn</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guden specke">Bauchspeck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyer deyge">Eierteig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurcze isz wol">Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-040">
        <head>Bubenpulbe aus Kalbsinnereien</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-040-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-040-trans">
          <p>Wiltu machen einen buben pulbe so nym eins kalbes czunge vnd lungen vnd snyt die gar wol vnd snyt specke dar vnder vnde hacke isz clein vnd slage eyer darane vnd saffran vnd peffer vnde mach dan eyer bleter vnd bewelle isz dar in vnd bestrijch isz andem ende mit eyeren vnd back isz insmalcze</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-040-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-040-orig">
          <p>Willst du einen Bubenpulbe zubereiten, so nimm eine Kalbszunge und eine Kalbslunge. Schneide diese Innereien sehr fein und füge Speckwürfel hinzu. Hacke die gesamte Mischung sehr klein. Schlage dann Eier, Safran und Pfeffer unter die Masse.</p>
          <p>Bereite anschließend dünne Eierblätter (Crêpes) zu. Rolle die Fleischmasse in diesen Eierblättern ein und bestreiche die Enden mit verquirltem Ei. Backe das Gericht schließlich in heißem Schmalz aus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eins kalbes czunge">Kalbszunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="lungen">Kalbslunge</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="specke">Speck</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyer">Eier (für die Füllung)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="peffer">Pfeffer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyer bleter">Eier (für Eierblätter)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyeren">Eier (zum Bestreichen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcze">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-041">
        <head>Käsekrapfen in Hufeisenform</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-041-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-041-trans">
          <p>Wiltu machen krumme kreppelin also rosz ysen so nym gereben kese vnd halb also vil meles vnd slag eyer dar in vnd wurcze isz vnde sude isz vndir ein ander vnd walge isz uff eime brede vnd mach lang stuczel vnd dunne vnd backe isz in vil smalczes dar nach sude isz in einer suffen vnd gyp isz czu dische</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-041-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-041-orig">
          <p>Willst du gekrümmte Krapfen in Hufeisenform machen, so nimm geriebenen Käse und halb so viel Mehl. Schlage Eier hinein und würze es. Koche die Masse zusammen. Rolle sie auf einem Brett aus, mache lange, dünne Stücke und backe sie in reichlich Schmalz. Danach gib sie in eine Brühe und reiche sie zu Tisch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gereben kese">Käse, gerieben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="halb also vil meles">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eyer">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurcze">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalczes">Schweineschmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="suffen">Brühe oder Sauce</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-042">
        <head>Heidnischer Kuchen mit Wein-Honig-Glasur</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-042-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-042-trans">
          <p>Wiltu machen einen heydenschen kuchen so mag einen deyg mit ydelen eyeren so du aller harteste magist vnd verbe isz vnd welle isz czu dunnen bladeren vnd back isz in smalcze vnd nym guten win vnd halb also vil honiges vnde erwelle isz mit ein ander vnd czuch das ge backen dar durch vnd bestrauwe isz wol mit guten winberen ab du wilt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-042-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-042-orig">
          <p>Willst du einen heidnischen Kuchen machen, so mache einen Teig nur mit Eiern, so hart wie du nur kannst. Verarbeite ihn und rolle ihn zu dünnen Blättern aus. Backe ihn in Schmalz. Nimm guten Wein und halb so viel Honig und koche beides miteinander auf. Ziehe das Gebackene da durch und bestreue es, wenn du willst, reichlich mit guten Rosinen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ydelen eyeren">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcze">Schweineschmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guten win">Wein (trocken, weiß)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honiges">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guten winberen ab du wilt">Rosinen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-053">
        <head>Wacholderdrossel (Krammetsvogel) in Leber-Brot-Sauce</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-053-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-053-trans">
          <p>An vogel adir an hunre sude rechalter vogel gar wol in einer pannen mit frischer fleysche bruwen vnd das sij dar in erwallen dar nach roiste sie wol in smalcze Nu nym ein scheffen adir kelberm leber vnde sude die vnd stoisz sie garclein mit also vil brodes vnd gusz win adir esczig ar sie beyde daran vnd czuge isz dorch vnd worcz isz vnde vnd verbe isz vnd laisz isz ewallen vnd gip die vogel darin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-053-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-053-orig">
          <p>Nimm einen Vogel oder ein Huhn. Koche die Wacholderdrossel sehr gut in einer Pfanne mit frischer Fleischbrühe und lass sie darin aufkochen. Danach brate sie gut in Schmalz.</p>
          <p>Nun nimm eine Schafs- oder Kalbsleber, koche sie und stoße sie ganz fein mit ebenso viel Brot. Gieße Wein oder Essig an beides hinzu und streiche es durch ein Tuch. Würze es und färbe es. Lass es aufkochen und gib den Vogel hinein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="vogel adir hunre">Wacholderdrossel oder Huhn</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="frischer fleysche bruwen">Frische Fleischbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcze">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="scheffen adir kelberm leber">Schafs- oder Kalbsleber</ingredient> - 150 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="brodes">Altes Brot</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="win adir esczig">Wein oder Essig</ingredient> - 100 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="worcz isz">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="verbe isz">Safran (zum Färben)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-058">
        <head>Hohle frittierte Teigröhrchen (Cannoli-Verwandte)</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-058-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-058-trans">
          <p>Nym clein rorlin vnd snyde die knoppe dar abe vnd czug dar ubir einen starken deyg vnd backe isz in vil smalczes vnd czuch die rorlin darusz so wirt daz gebacken als isz pyffen werden hoil vnd bestrauwe sij mit czucker ab du wilt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-058-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-058-orig">
          <p>Nimm kleine Röhrchen und schneide die Knoten davon ab. Zieh darüber einen festen Teig und backe es in reichlich Schmalz. Zieh die Röhrchen danach heraus, so wird das Gebäck hohl wie Pfeifen. Bestreue sie mit Zucker, wenn du möchtest.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="starken deyg">Teig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="vil smalczes">Schweineschmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="czucker ab du wilt">Zucker (optional)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-068">
        <head>Süß-saures Erdbeer-Relish (Selczen)</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-068-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-068-trans">
          <p>slag erperen dorch mit wiszem brode vnd mit honige vnde mit wurczen vnde mit eszige daz ist selczen</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-068-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-068-orig">
          <p>Nimm die Erdbeeren und schlage sie durch ein Sieb oder Tuch, sodass ein feines Mus entsteht. Vermenge die passierten Erdbeeren sodann mit weißem Brot, Honig, Gewürzen und Essig. Das ist eine ‚Selczen' - eine süß-saure Beilage.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="erperen">Erdbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wiszem brode">Weißbrot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="honige">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wurczen">Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="eszige">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="rfk-070">
        <head>Fisch auf dreierlei Art</head>
        <div type="original" xml:id="rfk-070-orig" xml:lang="mhd" corresp="#rfk-070-trans">
          <p>Nym einen erwelten fische bij drin stucken grosz vnd das du wilt gesoden hain das bewint mit eyme duchelin in esczig ge neczet vnd lege den visch uff einen roist vnd begusz das ander stuck mit smalcze vnd du ein melebly dar uff daz dritte laz sust braden</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="rfk-070-trans" xml:lang="de" corresp="#rfk-070-orig">
          <p>Nimm einen ausgewählten Fisch und zerteile ihn in drei große Stücke.</p>
          <p>Das Stück, das du sieden möchtest, umwickle mit einem kleinen, in Essig getränkten Tuch und lege es auf einen Rost.</p>
          <p>Das zweite Stück begieße mit Schmalz und bedecke es mit einem Mehlteig.</p>
          <p>Das dritte Stück lasse einfach braten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einen erwelten fische">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="esczig">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="smalcze">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="melebly">Mehlteig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-001-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein höfischer Fasten-Krapfen mit Nuss-Feigen-Füllung - der direkte Vorfahr gefüllter Schmalzgebäck-Taschen, geschmacklich nahe an einer Nuss-Nougat- oder Dattel-Feigen-Konfekt-Masse. Im Gegensatz zum üblichen einfachen Nudelteig wählt der Schreiber einen aufgegangenen Hefeteig (erhabendem deýge), was das Rezept in die gehobene Krapfen-Tradition stellt (vgl. die Krapfen-Familie rfk-002 bis rfk-005, bgs-060, ri15632-005).

wúrcz isz nach dinem willen - das mhd. würzen schließt das Süßen mit ein. Für die Feigen-Nuss-Paste sind Zimt, Nelken, Ingwer oder Anis typisch, dazu Honig und eine Prise Salz, die die Fruchtsüße schärft. Süß, salzig und würzig waren in der spätmittelalterlichen Geschmackswelt keine sauber getrennten Kategorien.

werme isz in oley - die Öl-Vorbehandlung der Füllung ist der raffinierte Griff des Rezepts. Wenig warmes Öl macht die zähklebrige Feigenmasse geschmeidig (wie moderne Nougatcreme) und legt eine feine Fettschicht um die Fruchtpartikel, sodass die süße Füllung beim Frittieren den Teig nicht durchsaugt und der Krapfen nicht aufreißt.

Praxis. 200 g getrocknete Feigen mit 120 g Walnüssen im Mörser oder Mixer zur Paste, mit 2 EL warmem Öl geschmeidig rühren, mit Zimt/Nelke/Ingwer und etwas Honig abschmecken. Aufgegangenen Hefeteig dünn ausrollen, in Quadrate schneiden, je einen Löffel Füllung einschlagen, Ränder fest verdrücken. In reichlich heißem Öl (ca. 170 Grad) schwimmend goldbraun ausbacken, abtropfen lassen, kalt servieren. Zum Frittieren ausschließlich raffiniertes, hitzebeständiges Öl - historisch passend wäre raffiniertes Mohnöl, das typische Fasten-Öl des Mittelrheins.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-001-orig" n="kreppelin" resp="#fyndling">Diminutiv von „Krapfen“ - kleine, in Fett ausgebackene Teigtaschen mit Füllung. Die rheinfränkische Schreibweise mit Doppel-p (kreppelin) findet sich identisch noch heute in regionalen Wörterbüchern.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-001-orig" n="núsz" resp="#fyndling">Walnüsse - als heimische Frucht im Mittelrhein-Raum ganzjährig verfügbar (getrocknet).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-001-orig" n="figen" resp="#fyndling">Getrocknete Feigen - Importware aus dem Mittelmeerraum, in spätmittelalterlichen Handelsstädten wie Mainz, Worms und Frankfurt regelmäßig erhältlich.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-001-orig" n="wúrcz isz nach dinem willen" resp="#fyndling">„Würze es nach deinem Willen“ - der Schreiber überlässt die Gewürzwahl dem Koch. Wichtig: mhd. würzen meinte einen viel breiteren Bereich als modern „mit Gewürzen versehen“. Eingeschlossen waren auch Süßungsmittel (Honig, in der Hofküche auch Zucker) und Salz. Süß/salzig/würzig waren in der spätmittelalterlichen Geschmackswelt keine sauber getrennten Kategorien. Für Fasten-Krapfen typisch: Zimt, Nelken, Ingwer, Anis - plus Honig zum Süßen, eine Prise Salz zum Akzentuieren.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-001-orig" n="erhabendem deýge" resp="#fyndling">Erhabener Teig - ein aufgegangener, gesäuerter Hefeteig. Eine ungewöhnlich aufwendige Wahl für ein Fastenrezept; klassische Fasten-Krapfen werden meist mit einfachem, ungesäuertem Nudelteig gemacht. Hier ein gehobenes, höfisches Krapfen-Rezept.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-001-orig" n="creppelin wise" resp="#fyndling">„In Krapfen-Manier“ - adverbiale Anweisung, das Stück nach üblicher Krapfen-Art zu backen (schwimmend in heißem Fett).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-001-orig" n="werme isz in oley vnd erwelle isz in eime erhabendem deyge in creppelin wise in einer pannen" resp="#fyndling">Schrittweises Verfahren: Erst die Füllung in wenig warmem Öl geschmeidig machen, dann in den Hefeteig einschlagen, anschließend in einer Pfanne mit reichlich heißem Öl schwimmend ausbacken. Die Öl-Vorbehandlung der Füllung erfüllt zwei kulinarische Funktionen: Schmiermittel für die klebrige Feigenpaste und Fettbarriere gegen Auslaufen beim Frittieren.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-001-trans" n="1" resp="#fyndling">Das Öl macht die zähklebrige Feigenmasse geschmeidig und legt sich als feine Fettschicht um die süßen Fruchtteilchen, sodass die Füllung beim Frittieren den Hefeteig nicht durchsaugt und der Krapfen nicht aufreißt.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-001-trans" n="2" resp="#fyndling">Zum Frittieren ausschließlich raffiniertes Öl verwenden (raffiniertes Rapsöl, raffiniertes Sonnenblumenöl, mildes Olivenöl oder Frittierfett). Kaltgepresste Öle dürfen nicht zum Frittieren benutzt werden - sie haben einen niedrigen Rauchpunkt, fangen bei hoher Temperatur an zu rauchen und bilden dabei gesundheitsschädliche Verbindungen (Acrolein, freie Radikale). Historisch passend wäre Mohnöl - das typische Fasten-Öl im Mittelrhein des 15. Jahrhunderts, das auch heute in raffinierter Form für Frittieren tauglich ist, falls man die Mühe macht, es zu beschaffen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-002-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Fasten-Fladen, dessen Belag aus zu einer sämigen Masse gestoßenem Fischrogen besteht - ein früher Verwandter herzhafter Tartes und Quiche-artiger Fladen, hier mit der eiweißreichen, in der Fastenzeit erlaubten Fischrogen-Füllung. Quellenübergreifend gut belegt: nahezu identisch in mha-031 (Fasten-Fladen mit Fischrogen und Rosinen), men-247 (Fasten-Flaons mit Aal oder Fischrogen) und ri15632-004 (Fischrogen-Fladen mit Mandeln und Rosinen).

an barben rogen - die einzige feste Vorgabe ist ein Verbot: kein Barben-Rogen. Roher Barben-Rogen ist akut toxisch (historisch als Barben-Cholera bekannt) und bleibt auch nach dem Garen magenreizend. Eine Vergiftung am Fasttag wäre theologisch wie körperlich ein Desaster - daher die ausdrückliche Warnung. Alle anderen Süßwasserfisch-Rogen (Karpfen, Hecht, Forelle, Zander) funktionieren.

als ein striben deyg - die Zielkonsistenz: der gestoßene Rogen wird mit etwas weißem Mehl zu einer Masse verrührt, die so dünnflüssig wie ein Strüben-Ausbackteig ist - gerade noch gießbar. Die Färbung erfolgt klassisch mit Safran für das höfische Goldgelb.

Praxis. 200 g gemischten Süßwasserfisch-Rogen (kein Barbenrogen) im Mörser stoßen, mit ca. 50 g Weizenmehl und einer Prise Safran zu einer dünn-gießbaren Masse verrühren. Auf einen ausgerollten Fladen-/Brotteigboden gießen und im Ofen backen, bis der Belag stockt und der Boden goldbraun ist. Statt Safran sorgen Ringelblume oder Eigelb für das Gelb.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-002-orig" n="an barben rogen" resp="#fyndling">„Ohne Barben-Rogen“ - mhd. âne (ohne) + Barbe (Cyprinidae, Rhein-Süßwasserfisch). Der Schreiber warnt explizit vor der Verwendung von Barben-Rogen, weil dieser akut toxisch ist: er löst die in der Fischerei-Welt als „Barben-Cholera“ bekannte Vergiftung mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall aus. Eine Vergiftung am Fasttag wäre theologisch wie körperlich ein Desaster - daher die Warnung in einem Fastenkochbuch.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-002-orig" n="fischrogen" resp="#fyndling">Fischeier - im Mittelalter eine günstige Eiweißquelle, die in der Fastenzeit erlaubt war (anders als Hühnereier).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-002-orig" n="wißes meles" resp="#fyndling">„Weißes Mehl“ - feines Weizenmehl, Genitiv „des weißen Mehles“. Im Rheinfränkischen wird das lange ſ („wißes“) oft mit rundem ß-Charakter geschrieben.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-002-orig" n="striben deyg" resp="#fyndling">Strüben/Strauben-Teig - die Konsistenz eines dünnflüssigen Fritter-Teigs, der sich noch eben gut gießen lässt. „Strüben“ ist eine alemannisch-rheinfränkische Spezialität (heute in der Schweiz „Strübli“, in Österreich „Strauben“).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-002-orig" n="ferbe isz" resp="#fyndling">„Färbe es“ - klassisch mit Safran für das prestigeträchtige Goldgelb der höfischen Küche.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-002-orig" n="an barben rogen" resp="#fyndling">„Ohne Barben-Rogen“ - mhd. âne (ohne) als Ausschluss-Klausel. Der Rezept-Autor warnt vor der Verwendung von Barben-Rogen, weil dieser akut toxisch ist. Die Lesung wird durch paläografischen Befund (eindeutiges b in der Schreibung, vergleichbar mit dem b in „erhabendem“ im selben Rezept-Block) und durch das nachweisbare Wissen der mittelalterlichen Fischerei über die Barben-Rogen-Toxizität gestützt.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-002-trans" n="1" resp="#fyndling">Roher Barben-Rogen ist akut toxisch und löst die berüchtigte „Barben-Cholera“ mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall aus. Auch nach dem Garen bleiben die Substanzen magenreizend. Eine Vergiftung an einem Fasttag wäre theologisch wie körperlich ein Desaster - daher die ausdrückliche Warnung des Schreibers.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-002-trans" n="2" resp="#fyndling">Klassisch färbt man mit Safran für das prestigeträchtige Goldgelb der höfischen Küche. Ersatzweise sorgen Ringelblume oder Eigelb für ein gelbes Gericht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-003-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Fasten-Schauspeise: ein täuschend echtes Rebhuhn, komplett aus Fisch geformt - die mittelalterliche Antwort auf das Fleischverbot der Fastenzeit. Verwandt mit anderen Fasten-Imitaten und Fischbrät-Skulpturen (ri15632-001 Rebhuhn-Imitat, ri15632-052 Erbsen-Fisch-Braten, der Strüben-Bruder rfk-004). Der Schreiber kommentiert selbst stolz fromde essen - eine fremde, außergewöhnliche Speise, ein Prädikat, das er im ganzen Buch nur dreimal vergibt (auch rfk-007 und rfk-055).

worff isz garwol - das Schlüsselverfahren. Das fein gehackte, gräten- und hautfreie Fischbrät wird kräftig ausgeknetet, indem man es wiederholt in die Schüssel zurückwirft. Dadurch brechen die Muskelfasern auf, das freigesetzte Protein (Myosin) bindet, die Masse wird emulsionsartig und formstabil - exakt das Prinzip moderner Fisch-Quenelles und Wurst-Brät (im Wursthandwerk heute Kuttern genannt).

eyrgraten hilder - die zweiteilige Hohlform in Rebhuhn-Gestalt mit Führungsrillen an der Trennfläche. Das Brät wird in beide Hälften gedrückt, die Form geschlossen und mitsamt Inhalt in heißem Wasser gesiedet, bis das Fischeiweiß koaguliert. Erst nach dem Garen lässt sich die Form öffnen, ohne dass die Skulptur zerfließt - klassische Pâté-/Terrinen-Technik.

mit hechten spicken - keine Spickung im Sinne von innen einziehen, sondern Bardierung: dünne Streifen gebratenen Hechts werden außen aufgelegt, wo sie die Speckstreifen eines Geflügelbratens nachahmen und mitbräunen. Reine Schau-Optik der Fastenküche - sie vollenden die Fleisch-Illusion.

Praxis. 800 g grätenfreies Fischfilet (Hecht, Karpfen, Zander) sehr fein hacken und kräftig auskneten, bis ein bindiges Brät entsteht. In eine zweiteilige, dicht schließbare Form (behelfsweise eine Edelstahl-Pâté-Form mit Deckel oder eine Silikonform) pressen, schließen und in heißem, nicht kochendem Wasser garen, bis das Brät durch ist. Stürzen, salzen, kurz anbraten und mit Streifen gebratenen Hechts belegen. Wer keine Form hat, kann das Brät frei formen oder - wie die Rezept-Variante - in gereinigte Fischdärme, Schwimmblasen oder Hechtmägen füllen (Fasten-Wurstpellen).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-003-orig" n="felthuner" resp="#fyndling">Feldhuhn / Rebhuhn (Perdix perdix) - beliebtes Wildgeflügel der höfischen Tafel. In der Fastenzeit verboten - deshalb das Imitat aus Fisch.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-003-orig" n="eyrgraten hilder" resp="#fyndling">Zweiteilige Hohlform mit geschnitzten Führungsrillen. „Hilder“ = die zwei Schalen-Hälften (Hüllen), „eyrgraten“ = die Führungsgraten an der Trennfläche, die exaktes Aufeinanderpassen ermöglichen. Vergleichbar mit modernen Marzipan-Modeln oder Lebkuchen-Formen, nur dreidimensional und zweiteilig. Das Werkzeug wird nach dem Garen geöffnet und ist nicht Teil der Speise.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-003-orig" n="worff isz garwol" resp="#fyndling">„Wirf es gut“ - mhd. werfen als Fachbegriff für das kräftige Auskneten/Durcharbeiten von Hackbrät durch wiederholtes Aufschlagen in der Schüssel. Modernes Wurst-Handwerk kennt das als „Kuttern“ oder „Auskneten“ - durch die mechanische Beanspruchung brechen Faser-Strukturen, freigesetzte Proteine binden, die Masse wird emulsionsartig homogen und hält beim Garen ihre Form.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-003-orig" n="sie isz da mit" resp="#fyndling">„Siede es darin“ - der Imperativ „sied/siede“ wird im Rheinfränkischen oft mit auslautlosem -d/-t geschrieben (`sie` statt `sied`). Die Form mitsamt Brät wird im heißen Wasser gegart, damit das Fischprotein koaguliert und die Skulptur formstabil wird. Erst danach kann die Form geöffnet werden - rohes Brät würde sofort zerfließen. Klassische Pâté-/Terrinen-Technik.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-003-orig" n="sale" resp="#fyndling">Imperativ „salze“ (mhd. salen), gekürzte Form ohne Endsilbe.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-003-orig" n="spicken mit hechten" resp="#fyndling">Hechtstreifen werden außen auf das gebratene Rebhuhn-Imitat aufgelegt, sodass sie wie die üblichen Speckstreifen eines klassischen Geflügelbratens aussehen und mitbraten. Schau-Speisen-Logik: alles am Tisch sieht aus wie Fleisch, ist aber Fisch.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-003-orig" n="fromde essen" resp="#fyndling">„Fremde Speise“ - der Schreiber kennzeichnet damit ein außergewöhnliches Schau-Rezept (gleicher Selbst-Kommentar in rfk-007 und rfk-055).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-003-orig" n="derme blasen vnd magen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen">„Därme, Blasen und Mägen“ - die universelle Fasten-Wurstpellen-Tradition: wo bei Fleisch-Wurst Schweinedärme verwendet werden, treten in der Fastenzeit gereinigte Fischdärme, Schwimmblasen großer Fische (Stör, Wels) und Hechtmägen als äquivalente Hüllen ein. Hechtmagen ist besonders dehnbar - Fasten-Variante des Saumagens.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-003-trans" n="1" resp="#fyndling">Im modernen Wurst-Handwerk heißt diese Technik „Kuttern“ oder „Auskneten“. Durch das wiederholte Aufschlagen brechen die Muskelfasern auf, die freigesetzten Proteine binden, die Masse wird emulsionsartig.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-003-trans" n="2" resp="#fyndling">Erst nach dem Garen kann die Form geöffnet werden, ohne dass die Skulptur zerfließt - klassische Terrinen-/Pâté-Technik.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-003-trans" n="3" resp="#fyndling">Die Hechtstreifen ersetzen die klassischen Speckstreifen eines Geflügelbratens und brutzeln optisch mit. Bei Tisch erscheint ein perfekt aussehendes Rebhuhn mit Speck-Bardierung - alles aus Fisch.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-003-trans" n="4" resp="#fyndling">Mhd. fromde = fremd, ungewohnt, exotisch. Der Schreiber kommentiert nur an drei Stellen seine eigenen Rezepte als außergewöhnlich - hier, bei rfk-007 und rfk-055. Diese drei sind die Schau-Speisen des Buchs.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-003-trans" n="5" resp="#fyndling">Hechtmägen sind besonders dehnbar und dienen als Fasten-Variante des klassischen gefüllten Saumagens.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-004-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gebackene Strüben aus Fisch - eine Fasten-Variante der alemannisch-rheinfränkischen Strauben-Tradition (heute Strübli in der Schweiz, Strauben in Tirol/Österreich), hier aus gewürztem Fischbrät statt Ausbackteig. Naher Bruder des Rebhuhn-Imitats rfk-003 (gleiche Brät- und Spick-Technik) und der Fasten-Fisch-Imitate (ri15632-052).

strüben - paläografische Tücke dieser Schreiberhand: der Titelbegriff sieht auf den ersten Blick wie schniben aus, ist aber strüben; die Buchstabenpaare tr/chn und ü/i ähneln sich in dieser Kursive verblüffend. Mit der korrekten Lesart wird das Verfahren klar: nicht geschnittene Fisch-Scheiben, sondern Fisch-Strauben am Spieß.

ryb dar vnder ein brossem brodes - das fein gehackte Fischfleisch wird mit Brotbröseln gebunden (die zeittypische Brotbindung, lange vor der Mehlschwitze) und kräftig gewürzt.

erwelle isz in die pannen - hier ist wellen als auswalzen/ausrollen zu lesen, nicht als sieden. Die Pfanne dient als Arbeitsfläche: die Masse wird mit nassem Messer zum Laib gestrichen und flach ausgewalzt, damit sie sich gleich danach in Streifen schneiden lässt. Eine gesudete Paste ließe sich nicht mehr in feste Streifen schneiden und fiele vom Spieß - die Auswalz-Lesart ist handwerklich konsistent.

du isz in eine spis ... spicke isz mit hechte braden - die Streifen werden spiralförmig um Holzspieße gewickelt und über offener Glut gegart; außen aufgelegte Streifen gebratenen Hechts ahmen die Speckbardierung eines Drehspießbratens nach (Schau-Optik der Fastenküche).

Praxis. 600 g grätenfreies Fischfilet fein hacken, mit ca. 100 g frischen Weißbrotbröseln und Salz, Pfeffer, Muskat zu einer formbaren Masse kneten. Auf einer Fläche flach auswalzen, in lange Streifen schneiden, um Holzspieße wickeln. Über Glut drehend garen, bis die Außenseite knusprig ist, und mit Streifen gebratenen Hechts belegen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-004-orig" n="strüben" resp="#fyndling">Strüben / Strauben - streifenförmige, frittierte oder am Spieß gegarte Speise aus der alemannisch-rheinfränkischen Tradition. Lebt heute weiter als „Strübli“ (Schweiz) und „Strauben“ (Österreich/Tirol). In rheinfränkischer Kursive der 1440er Jahre paläografisch leicht zu verwechseln mit „schniben“ - die Buchstabenpaare tr/chn und ü/i sehen sich verblüffend ähnlich.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-004-orig" n="erwelle isz" resp="#fyndling">Hier in der Bedeutung „auswalzen / ausrollen“ - mhd. wellen = rollen, walzen (verwandt mit moderner „Walze“). Die Pfanne dient als Arbeitsfläche, nicht als Sudkessel. Diese Lesart wird durch die Folge-Schritte (Streifen-Schnitt, Spieß-Wicklung) gestützt - eine Sud-Pfanne mit anschließendem Spießbraten ergäbe handwerklich wenig Sinn.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-004-orig" n="du isz in eine spis" resp="#fyndling">„Tu/lege es auf einen Spieß“ - die Strüben-Streifen werden um Holzspieße gewickelt und über Feuer gegart. Klassische Strauben-Spieß-Technik.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-004-orig" n="spicke isz mit hechte braden" resp="#fyndling">„Spicke es mit gebratenem Hecht“ - Streifen von gebratenem Hecht werden außen aufgelegt, sodass sie wie Speckstreifen am Drehspieß-Braten aussehen und mitbrutzeln. Schau-Speisen-Logik der Fastenkost.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-004-orig" n="brossem brodes" resp="#fyndling">Brotbrösel (vom Weißbrot, „brossem“ = Brösel/Krumen) - dienen als Bindemittel der Fischmasse.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-004-orig" n="erwelle isz in die pannen" resp="#fyndling">„Walle (= rolle) es in der Pfanne aus“ - die Pfanne dient als Arbeitsfläche, auf der die Fischmasse flach ausgerollt wird. Diese Lesart wird durch die Folge-Schritte (Streifen-Schnitt, Spießwickel, Bratspicken) gestützt - eine Strauben-am-Spieß-Bauform setzt eine vorab ausgewalzte, in Streifen geschnittene Masse voraus, nicht eine gekochte/gesudete.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-004-trans" n="1" resp="#fyndling">Mhd. wellen = rollen, walzen (verwandt mit moderner „Walze“). Die Pfanne dient hier als Arbeitsfläche, nicht als Sudkessel - die Masse wird flach ausgerollt, damit sie sich gleich danach in Strüben-Streifen schneiden lässt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-005-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein opulenter Festtags-Fischgang der höfischen Hochküche und ein Musterbeispiel für Komplettverwertung (nose-to-tail am Fisch): Hauptdarsteller sind Fisch-Krepplin mit Rosinen, dazu - bei großen Fischen - Würstchen und ein Fisch-Saumagen aus demselben Brät, separat gegarte Fisch-Lebern und geröstete Rückgrate, alles vereint unter einer gelben Pfeffer-Sauce. Baut direkt auf rfk-004 auf (also davor stat) und gehört in den Krepplin-/Brät-Verbund rfk-001 bis rfk-004.

winber darin - der entscheidende Unterschied zum Vorrezept: Rosinen in die Hack-Masse. Das gibt die süß-salzige Note der höfischen Mittelrhein-Küche, konsistent mit rfk-001 (Feigen-Krapfen).

gederme vnd magen ... kere sie vmme vnd fülle sie - bei großen Fischen werden gereinigte Gedärme und Magen umgestülpt und mit dem gehecke (Gehacktes aus Fischfleisch, Bröseln, Gewürzen, Rosinen) gefüllt: die kleinen Därme werden zu schlanken Würstchen, der Magen zu einem Fisch-Saumagen - die Fasten-Variante der Wursttradition. suit ist Orthographie-Variante von siede: die gefüllten Hüllen werden im Sud gegart, damit sie Form halten und das Brät ausgart.

leberen ... gebraten rucken - die ausgenommenen Fisch-Lebern (eine Delikatesse) werden separat in Brühe gegart, die Rückgrate mit Restfleisch geröstet (knusprige Beilage, vgl. moderne Fish-Bones der Sterneküche). Beide Lesarten sind Scan-verifiziert gegen die Edition Böhm/Klug 2021 - eine frühere Fehllesung (gebeizte Schoren-Streifen) entfällt damit vollständig.

gelen peffer - die mittelalterliche Standard-Pfeffer-Sauce, gelb durch Safran: Pfeffer, Safran, Ingwer, Weißwein, gebunden mit gerösteten Bröseln oder Mandeln. Wiederkehrendes Sauce-Element des Korpus (auch rfk-007, rfk-013).

Praxis. Aus ca. 1,5 kg großen, ganzen Fischen das Filet zu Brät verarbeiten (häuten, entgräten, hacken, mit ca. 100 g Bröseln, Gewürzen und 50 g Rosinen mischen). Einen Teil zu kleinen Krepplin/Klößchen formen, einen Teil in gereinigte Därme und den Magen füllen, alles im Sud sieden. Lebern kurz in Brühe garen, Rückgrate rösten. Für die Sauce 400 ml Weißwein mit Fisch-Sud aufkochen, mit Safran, Pfeffer, Ingwer würzen, mit 2-3 EL gerösteten Bröseln oder geriebenen Mandeln binden, passieren. Alles zusammen unter der gelben Sauce anrichten. Bei kleinen Fischen entfällt der Innereien-Teil (so der Schreiber selbst).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-005-orig" n="also davor stat" resp="#fyndling">„Wie davor steht“ - Verweis auf das vorherige Rezept rfk-004 (Gebackene Struben von Fischen): häuten, entgräten, klein hacken, mit Brotbröseln vermengen, würzen, mit nassem Messer zur Brot-Form streichen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-005-orig" n="winber darin" resp="#fyndling">„Weinbeeren darin“ - der entscheidende Unterschied zum Vor-Rezept: Rosinen werden in die Hack-Masse gegeben. Das gibt die süß-salzige Geschmacks-Note der höfischen Mittelrhein-Küche. Konsistent mit der Süß-Salz-Tradition in rfk-001 (Krapfen mit Feigen) und rfk-030 (Wurzelsalat mit Rosinen).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-005-orig" n="gederme vnd die magen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen">Gedärme und Magen - bei großen Fischen werden Därme und Magen als natürliche Hüllen verwendet, in die die Hack-Masse eingefüllt wird (analog zur Wurst-Tradition). Die kleinen Gedärme werden zu schlanken Würstchen, der große Magen zu einem fisch-Saumagen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-005-orig" n="gehecke" resp="#fyndling">„Gehäcktes“ - die fein zerkleinerte Hack-Masse aus Fischfleisch + Brösel + Gewürze + Rosinen. Das mittelhochdeutsche Wort `gehecke` ist eine Substantiv-Bildung zu mhd. `hacken`. Wir hatten dies in einer früheren Lesung als `geherke` transkribiert - `gehecke` ist die paläografisch korrekte Lesung (bestätigt durch CoReMA Böhm/Klug 2021).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-005-orig" n="suit" resp="#fyndling">Orthographische Variante von `siede` (= sieden). Die gefüllten Hüllen werden im Sud gegart, sodass sie ihre Form behalten und die Hack-Masse ausgart.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-005-orig" n="welle isz irgent in" resp="#fyndling">Wörtlich „wälze es irgendwo hinein“. Das übrige Hack wird in eine Hülle gerollt (Tuch, zweite Magen-Hülle oder dünnes Darmstück) und so geformt zum Sieden vorbereitet.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-005-orig" n="leberen" resp="#fyndling">Die ausgenommenen Fisch-Lebern, die beim Putzen der Fische anfallen. In der mittelalterlichen Hochküche eine Delikatesse - separat in Brühe gegart und als Beilage zum Hauptgericht angerichtet. Wir hatten dies in einer früheren Lesung als `schoren` (= Stücke, Beizgut) interpretiert - `leberen` ist die paläografisch korrekte Lesung (bestätigt durch CoReMA Böhm/Klug 2021). Damit entfällt unsere frühere „Schoren“-Interpretation als Essig-gebeizte Streifen vollständig - das ganze Konzept war ein Folge-Fehler aus dieser Verlesung.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-005-orig" n="gebraten rucken" resp="#fyndling">Die gebratenen Rückgrate der Fische, also der mit Restfleisch behaftete Wirbelsäulen-Streifen nach dem Filetieren. Geröstet ergeben sie eine knusprige Beilage - analog zur modernen ‚Fish-Bones'-Verarbeitung in der Sterneküche. Wir hatten dies in einer früheren Lesung als `zücken` (= Stücke) interpretiert - `rucken` (Rücken) ist die paläografisch korrekte Lesung (bestätigt durch CoReMA Böhm/Klug 2021).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-005-orig" n="gelen peffer" resp="#fyndling">„Gelbe Pfeffer-Sauce“ - die mittelalterliche Standard-Pfeffer-Sauce: Pfeffer (Schärfe), Safran (gelbe Farbe), Ingwer (Wärme), Weißwein, oft mit Brot-Bröseln oder gerösteten Mandeln gebunden. Wiederholtes Sauce-Element im RFK (auch in rfk-007 Krebs-Pfeffer, rfk-013 galrey usw.). Wir hatten dies in einer früheren Lesung als `pesser` interpretiert - `peffer` ist die paläografisch korrekte Lesung.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-005-trans" n="1" resp="#fyndling">Verweis auf rfk-004 (Struben von Fischen): häuten, entgräten, fein hacken, mit Brösel vermengen, kräftig würzen.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-005-trans" n="2" resp="#fyndling">Das mhd. `suit` ist eine Orthographie-Variante von `siede` (= sieden). Die gefüllten Hüllen werden im Sud gegart, sodass sie ihre Form behalten und die Hack-Masse ausgart.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-005-trans" n="3" resp="#fyndling">`welle isz irgent in` - wörtlich „wälze es irgendwo hinein“. Das übrige Hack wird in eine Hülle eingerollt (z. B. ein dünnes Tuch oder eine zweite Magen-Hülle) und so geformt zum Sieden vorbereitet.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-005-trans" n="4" resp="#fyndling">Die ausgenommenen Fisch-Lebern werden traditionell separat gegart (kurz in Brühe oder im Sud der gefüllten Würstchen) und als Beilage serviert. Fischleber war in der mittelalterlichen Hochküche eine Delikatesse.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-005-trans" n="5" resp="#fyndling">Die gebratenen Rücken sind die Rückgrate (= der mit Restfleisch behaftete Wirbelsäulen-Streifen) nach dem Filetieren. Geröstet werden sie zur knusprigen Beilage - analog zur modernen ‚Fish-Bones'-Verarbeitung in der Sterneküche.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-005-trans" n="6" resp="#fyndling">`gelen peffer` ist die mittelalterliche Standard-Pfeffer-Sauce: Pfeffer, Safran (für die gelbe Farbe), Ingwer, Wein, Essig, oft mit Brösel oder gerösteten Mandeln gebunden. Siehe auch rfk-007 (Krebs-Pfeffer), rfk-013 (galrey) - Pfeffer-Saucen sind die Grund-Saucen des Korpus.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-006-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein rotes Krebs-Mus - eine cremige Krustentier-Vorspeise, die ihre tiefrote Farbe allein aus den mitverarbeiteten Schalen zieht. Im Kern dasselbe Prinzip wie die klassische französische Krebsbutter und Hummerbisque (Escoffier 1903), nur rund 450 Jahre früher. Teil der Krebs-Familie des Korpus (rfk-007 Krebs-Pfeffer, rfk-008, kkm-010/012/016).

nyg das bose us den augen ... zuch den fadem us dem zagel - die Putzarbeit: der Magenstein hinter den Augen (enthält Sand und bittere Reste) und der Darmfaden im Schwanz müssen raus, sonst knirscht und bittert das Mus. Entspricht exakt der modernen Flusskrebs-Putztechnik.

stosz dass an ander gar wol - der Kniff des Rezepts: die Krebse werden ganz, mitsamt Schale, im Mörser zerstoßen. Die roten Schalen-Pigmente (Astaxanthin) sind roh an Protein gebunden und unsichtbar; erst beim Erhitzen werden sie frei und färben die Masse tief rot - ohne Safran, ohne jedes Färbemittel. Wer ohne Schale stößt, bekommt graues Mus; mit Schale rotes. Das ist der Stolz des Rezepts.

trybe isz mit mylch dorch ein wyß duch - die gestoßene Masse wird mit Milch durch ein feines Tuch passiert, das die Schalensplitter zurückhält und nur das rote, aromatische Püree durchlässt (höfische Standard-Konsistenz). Dann werden Eier eingeklopft und alles in der Pfanne vorsichtig erhitzt - die Eier binden zum Mus, dürfen aber nicht stocken/gerinnen, daher sanfte Hitze.

Praxis. 1,5 kg lebende Flusskrebse (ersatzweise Garnelen oder Kaisergranat) putzen (Magenstein, Darmfaden), ganz mit Schale im Mörser zerstoßen. 100 g Weißbrotkrumen einarbeiten, mit 500 ml Milch durch ein Tuch passieren. 4 Eier einrühren, in der Pfanne unter Rühren bei milder Hitze zu einem cremigen, leuchtend roten Mus binden, nach Belieben würzen. Für eine Fasten-Variante Mandelmilch statt Milch und Brotkrumen statt Eier (vgl. rfk-008).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-006-orig" n="krebes" resp="#fyndling">Flusskrebse - im Mittelalter besonders der heimische Edelkrebs (Astacus astacus) aus den Rheinläufen und Bachsystemen. Heute durch die nordamerikanischen Signalkrebse weitgehend verdrängt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-006-orig" n="nyg das bose us den augen" resp="#fyndling">„Entferne das Schadhafte aus den Augen“ - gemeint ist der Magenstein (Gastrolith), eine harte Kalkablagerung in der Augenpartie, die oft Sand und bittere Algen-Reste enthält. Muss unbedingt entfernt werden, sonst knirscht das Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-006-orig" n="zuch auch den fadem us dem zagel" resp="#fyndling">„Ziehe auch den Darmfaden aus dem Schwanz“ - der Darmtrakt verläuft längs durch den Schwanz und enthält Sand sowie Bitterstoffe. Muss vor dem Stoßen entfernt werden. Diese exakte Anweisung entspricht der modernen Flusskrebs-Putztechnik.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-006-orig" n="stosz dass an ander gar wol" resp="#fyndling">„Stoße es ganz gut“ - die Krebse werden ganz, inklusive Schale, im Mörser zerstoßen. Genau das ist der Schlüssel für die rote Färbung des Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-006-orig" n="wyß duch" resp="#fyndling">„Weißes Tuch“ - feines Sieb-Tuch (Étamine), das die Schalen-Fragmente zurückhält, das rote Pigment aber durchlässt. Im selben Manuskript-Block wird dieselbe Filter-Technik in rfk-009 (Sülze) wieder verwendet.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-006-trans" n="1" resp="#fyndling">Der Magenstein liegt direkt hinter den Augen im Kopfpanzer und enthält oft Sand und bittere Algen-Reste - bleibt er drin, knirscht das Mus.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-006-trans" n="2" resp="#fyndling">Hier liegt der Trick des Rezepts: die roten Schalen-Pigmente (Astaxanthin) werden erst beim Erhitzen frei und färben die ganze Masse tief rot - ohne Safran, ohne Zusatzstoffe, allein durch die Krebsschalen. Klassisches Prinzip der modernen Krebsbutter (Escoffier 1903).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-007-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Krebs-Pfeffersauce, in der die gegarten Schwanzfleisch-Stücke serviert werden - der direkte Urahn der modernen Sauce Américaine und der klassischen Krebs- bzw. Hummerbisque (Escoffier 1903). Mhd. pesser (Pfeffer) meint hier nicht das Gewürz allein, sondern die ganze Gattung der gebundenen, würzigen Saucen.

Die Sauce aus den Innereien. Hinter den Augen des Krebses sitzen Kaumagen (mit sandigem Magenstein) und vor allem die Hepatopankreas, das fett- und proteinreiche „Leberchen" - in der modernen Hummerküche als Tomalley hoch geschätzt. Mhd. slag sie dorch („schlage sie durch") meint: die gegarten Innereien im Mörser zerquetschen und mit Wein oder Essig durch ein feines Tuch passieren. Der Sand und die harten Stücke bleiben im Tuch, das konzentrierte Krebsfett passiert.

Bindung ohne Mehl. Die freigesetzten Lipide und Proteine der Hepatopankreas, von der Säure aus Wein oder Essig denaturiert, binden zu einer sämigen Emulsion - ganz ohne Mehl oder Stärke. Genau dieses Prinzip nutzt die Sauce Américaine bis heute. Gefärbt wird mit Safran (gelb-gold).

Praxis. 1 kg Krebse gut sieden, das Schwanzfleisch auslösen (das ist die Einlage). Von weiteren ~500 g Krebsen die Köpfe öffnen, die Augenpartie wegschneiden, das Innere herausnehmen, kurz mitsieden, dann im Mörser zerstoßen und mit ~250 ml Weißwein oder Weinessig durch ein feines Tuch passieren. Mit Pfeffer, Ingwer und Salz würzen, mit einer Prise Safran färben, das Schwanzfleisch in der warmen Sauce anrichten. Statt Edelkrebs gehen Kaisergranat oder als Notlösung ein Krebsfond aus den ausgekochten Schalen. Eng verwandt ist rfk-008 (gefüllte Krebse) sowie der Münchner Krebspfeffer aus rohen Krebsen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-007-orig" n="pesser an krebische" resp="#fyndling">„Pfeffersauce zu Krebsen“ - mhd. an hier in der Bedeutung „zu / passend zu“ (Beilage-/Pairing-Bezeichnung), nicht „von“ als Hauptzutat-Angabe. Die Sauce begleitet die Krebse, ist aber selbst aus Krebs-Innereien gemacht.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-007-orig" n="sut die magen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen">„Siede die Mägen“ - mhd. Imperativ sied (gekürzt zu sut) von sieden. Die Krebsmägen werden gegart, bevor sie zerstoßen und durch das Tuch passiert werden.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-007-orig" n="magen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen">Sammelbegriff für die Innereien hinter den Augen - anatomisch umfasst das den Kaumagen (mit Magenstein/Gastrolith) und die Hepatopankreas (Mitteldarmdrüse, das eigentliche Aroma-Kraftwerk). Die Hepatopankreas ist heute als „Tomalley“ in der Hummerküche hoch geschätzt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-007-orig" n="slag sie dorch mit wyne oder mit eßige" resp="#fyndling">„Schlage sie durch [ein Tuch] mit Wein oder Essig“ - die Innereien werden im Mörser zerquetscht und mit Säure durch ein feines Sieb-Tuch passiert. Der Sand und harte Teile bleiben im Tuch, das hochkonzentrierte Krebsfett passiert als natürlicher Saucenbinder.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-007-orig" n="bewore sie" resp="#fyndling">Verarbeitungs-Schritt mit unsicherer Bedeutung - möglicherweise „bewahre sie“ (= sichere), „bewere sie“ (= würze) oder eine Variante. Parallelkonstruktion zu „ferbe sie“ deutet auf einen Würz-/Verfeinerungs-Schritt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-007-orig" n="geschalten krebischen" resp="#fyndling">„Entschälte Krebse“ - Partizip von mhd. schalen (Schale abziehen). Die fertig entschalten Krebse vom Anfang des Rezepts werden mit der Sauce zusammengeführt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-007-orig" n="frymde essen" resp="#fyndling">„Fremde Speise“ - rheinfränkische Schreibvariante mit y für kurzes e. Der Schreiber kennzeichnet damit ein außergewöhnliches Schau-Rezept (gleicher Selbst-Kommentar in rfk-003 und rfk-055).</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-007-trans" n="1" resp="#fyndling">Genau hinter den Augen sitzen Magen und Hepatopankreas (Krebs-„Leberchen“) - oft mit Sand und bitterem Magenstein. Die Hepatopankreas ist das fett- und proteinreiche Aroma-Kraftwerk und in der modernen Hummerküche als „Tomalley“ hoch geschätzt.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-007-trans" n="2" resp="#fyndling">Das Tuch hält Sand und harte Stücke zurück, das hochkonzentrierte, sämige Krebsfett passiert als natürlicher Saucenbinder ohne Mehl oder Stärke. Verfahrenstechnisch entspricht das exakt der modernen Sauce Américaine bzw. der klassischen Krebs-Bisque (Escoffier 1903).</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-007-trans" n="3" resp="#fyndling">Mhd. frymde (rheinfränkische Variante von fremde) = ungewohnt, exotisch. Der Schreiber des Manuskripts kommentiert nur an drei Stellen seine eigenen Rezepte als außergewöhnlich - bei rfk-003, hier und rfk-055. Diese drei sind die Schau-Speisen des Buchs, bei denen er offenbar besonderen Stolz empfand.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-008-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Gefüllte Krebse vom Spieß - eine Schau-Speise, bei der das ausgelöste Krebsfleisch gewürzt, gebunden und in die intakt erhaltenen Schalen zurückgefüllt wird, sodass der angerichtete Krebs wieder aussieht wie ein ganzes Tier. Modern am ehesten ein gefülltes Krustentier (gefüllte Languste, crab cake in der eigenen Schale). Direkter Zwilling ist die Münchner Variante Gefüllte Krebse vom Rost.

Schalen als ganze Stücke. Mhd. als gantze ist die Schlüssel-Anweisung: die Schalen müssen unbeschädigt gelöst werden, weil sie als Hülle wiederverwendet werden. Das Schadhafte (Magenstein, Darmfaden) wird weggeworfen, das übrige Fleisch klein gehackt.

Bindung mit gebackenen Eiern. Mhd. gebacken eyer sind in Schmalz gestockte Eier (modern: gehackte gestockte Eier oder Rührei), die die Masse binden. In der Fastenzeit treten an ihre Stelle Brotbrösel „und andere Dinge, die zur Fasten gehören" - eine offene Substitutions-Klausel, wie sie das Buch öfter nutzt.

Das doppeldeutige stoßen. Der Schreiber spielt mit dem Verb: erst stoß die schalen vnder ein ander (die zwei Hälften um die Füllung herum zusammendrücken), dann stoß sy an ein spißelin (auf ein Spießchen stecken) - dasselbe Wort in zwei Bedeutungen im selben Satz.

Praxis. Lebende Krebse 2-3 Minuten in heißem Salzwasser anziehen, abkühlen, mit der Schere entlang der Rückenlinie öffnen und Ober- und Unterschale intakt abheben. Das Schwanzfleisch auslösen, hacken, mit 4 gestockten gehackten Eiern (oder ~100 g Brotbröseln) mischen, mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen, mit einer Prise Safran färben. Schalenhälften füllen, zusammensetzen, auf ein Holz- oder Metallspießchen stecken (mehrere zugleich) und über Glut auf dem Rost garen, bis die Füllung gestockt ist.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-008-orig" n="als gantze" resp="#fyndling">„Als ganze [Stücke]“ - Anweisung, die Schalen unbeschädigt zu lösen, damit sie später als Hülle für die Fleisch-Füllung wiederverwendbar sind. Werkzeug der Schau-Speise: der gefüllte Krebs sieht aus wie ein ganzer Krebs.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-008-orig" n="stoß die schalen vnder ein ander" resp="#fyndling">„Stoße die Schalen aneinander“ - mhd. stoßen hier in der Bedeutung „aneinanderdrücken / zusammensetzen“ (NICHT zerstoßen). Die zwei Schalen-Hälften werden um die Füllung herum wieder zusammengefügt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-008-orig" n="vn stoß sy an ein spißelin" resp="#fyndling">„Und stoße sie auf ein Spießchen“ - selber Verb-Stamm, hier aber in der Bedeutung „aufstecken / aufspießen“. Das ist Polysemie von stoßen im selben Satz: erst aneinanderdrücken (Schalen schließen), dann auf den Spieß stecken. Stilistische Spielerei des Schreibers.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-008-orig" n="spißelin" resp="#fyndling">Kleines Spießchen (Diminutiv von Spieß) - Holz- oder Metallspießchen für mehrere Krebse zugleich.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-008-orig" n="ander dinck das vnder fasten gehoret" resp="#fyndling">„Andere Dinge, die zur Fastenzeit gehören“ - offene Substitutions-Klausel für Fasten-Anpassung. Klassische Ersatzstoffe: Mandelmilch und -mus, Brotbrösel, getrocknete Früchte, Wein-/Essig-Reduktionen statt Eier und Milch.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-008-trans" n="1" resp="#fyndling">Die Schalen müssen unbeschädigt in ganzen Stücken erhalten bleiben, weil sie später als Hülle wiederverwendet werden - der gefüllte Krebs sieht beim Anrichten aus wie ein ganzer Krebs.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-008-trans" n="2" resp="#fyndling">Mhd. stoßen ist hier doppeldeutig: erst die Schalen-Hälften aneinanderdrücken (zusammenfügen), dann das Ganze auf den Spieß stecken - dasselbe Verb in zwei verschiedenen Bedeutungen.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-008-trans" n="3" resp="#fyndling">Klassische Fasten-Ersatzstoffe sind Brotbrösel statt Eier, Mandelmus statt Milch, getrocknete Früchte und Wein-Reduktionen. Schöner Beleg für die spätmittelalterliche Doppel-Praxis: jedes Rezept hat eine Fasten- und eine Nicht-Fasten-Version.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-009-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Fisch-Sülze (mhd. gallrey, Galree/Aspik), die ausdrücklich auch im Sommer fest bleibt - ein klarer, gelierter Mantel über angerichtetem Fisch. Verwandt mit der ganzen Aspik-Familie des Buchs (rfk-010 bis rfk-013) und mit der toskanischen Fisch-Sülze im Gewürzwein.

Der Trick: Hechtschuppen. Eine gewöhnliche Fisch-Sud-Sülze geliert nur in der Kälte und verdirbt im Sommer. Fischschuppen - besonders die dicken Hechtschuppen - sind außergewöhnlich kollagenreich (Typ-I-Kollagen, derselbe Rohstoff, aus dem heute industriell Fisch-Speisegelatine gewonnen wird). Beim Sieden hydrolisiert das Kollagen und liefert eine Bindekraft, die auch bei wärmeren Temperaturen trägt.

Das Säckchen. Die gesammelten Schuppen kommen in ein weißes Tüchlein oder Säckchen (wyß duchelgin ader seckelgin - die rheinfränkische Diminutiv-Endung -gin ist typisch für den Mittelrhein um Mainz, Frankfurt und Worms) und sieden mit den Fischen. Das hält die scharfen Schuppensplitter zurück und filtert zugleich. Nach dem Garen das Säckchen kräftig auspressen, damit der klebrige Eiweiß-Leim in den Sud übergeht.

Praxis. Beim Fisch-Putzen ~200 g Schuppen sammeln (vom Fischhändler erbitten), gut waschen, ins Säckchen binden und mit ~1 kg Fisch (Hecht, Karpfen, Zander) sieden. Fisch herausnehmen und anrichten, Säckchen auspressen, den Sud mit Salz, Pfeffer und einer Prise Safran abschmecken und über den Fisch gießen. Kalt stellen zum Gelieren. Wer keine Schuppen findet: ~50 g Fisch-Speisegelatine auf 1 L Sud.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-009-orig" n="gallrey" resp="#fyndling">Mhd. für Gelee / Sülze / Aspik - kollagen-basierter, transparenter Gel-Mantel über Fleisch oder Fisch. In der höfischen Tafelkunst ein Prestigeobjekt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-009-orig" n="schuppen von hechten" resp="#fyndling">Hechtschuppen - besonders kollagenreich. Bestehen zu einem großen Teil aus Typ-I-Kollagen, derselbe Rohstoff wie moderne kommerzielle Speisegelatine. Industriell wird heute Tilapia- und Hechtschuppen-Gelatine als Halal-/Kosher-Alternative zu Schweine-Gelatine produziert.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-009-orig" n="wyß duchelgin" resp="#fyndling">„Weißes Tüchlein“ - feines Sieb-Tuch zum Filtern. Die rheinfränkische Diminutiv-Endung `-gin` ist eine sprachgeographische Eigenheit des Mittelrhein-Raums (Mainz, Frankfurt, Worms, Hessen): regional war `-chen`, `-gin`, `-g(e)lin` üblich, während im Bairisch-Alemannischen `-lein` oder `-li` dominierten.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-009-orig" n="seckelgin" resp="#fyndling">„Säckchen“ mit derselben rheinfränkischen Diminutiv-Endung `-gin`. Im selben Manuskript-Absatz wechselt der Schreiber zwischen `seckelgin` und `seckelin` - genuine Schreiber-Variation typisch für nicht-standardisierte mittelalterliche Orthographie.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-009-orig" n="drucke daz seckelin uß" resp="#fyndling">„Drücke das Säckchen aus“ - nach dem Sieden wird das Tüchlein mit den Schuppen ausgepresst, damit das vollständig hydrolisierte Kollagen als hochkonzentriert-klebriger Eiweiß-Leim in die Brühe übergeht.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-009-trans" n="1" resp="#fyndling">Eine normale Fisch-Sud-Sülze geliert nur bei Kälte und verdirbt im Sommer. Fischschuppen - besonders die dicken Hechtschuppen - sind extrem kollagenreich (Typ-I-Kollagen, derselbe Rohstoff wie moderne kommerzielle Speisegelatine) und liefern auch bei sommerlichen Temperaturen eine feste Bindung.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-009-trans" n="2" resp="#fyndling">Der hochkonzentrierte, klebrige Eiweiß-Leim passiert ins Sud. Das Säckchen-Verfahren erfüllt zwei Funktionen: scharfe Schuppen-Splitter landen nicht in der fertigen Sülze, und das Gewebe filtert während des Garens.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-009-trans" n="3" resp="#fyndling">Die Sülze wird selbst bei sommerlichen Zimmertemperaturen bombenfest und legt sich wie ein luftdichter Mantel über den Fisch - zusätzlich konservierend.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-010-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Tellergericht, sondern ein Halbfertig-Produkt: ein haltbares Gelier-Pulver aus Fisch-Schwimmblasen, das man auf Vorrat anlegt, um das ganze Jahr über Sülzen (rfk-009) binden zu können. Im Prinzip die handwerkliche Form der heutigen kommerziellen Speisegelatine-Herstellung. Bildet mit rfk-011 (pflanzlich), rfk-012 (Kalbsfuß) und rfk-013 (Hausenblase) ein Quartett der Gelier-Verfahren.

Hausenblase und Verwandte. Fisch-Schwimmblasen sind reines kollagenes Bindegewebe. Die berühmteste ist die Blase des Hausen-Störs („Hausenblase" / Isinglass), bis ins 19. Jahrhundert das Standard-Gelier- und Klärmittel der Hochküche - aber alle Schwimmblasen (Karpfen, Hecht, Wels) taugen, wie der Schreiber im Folgerezept festhält.

Das Verfahren. Viele Blasen sammeln und so lange sieden, bis sich die Substanz zerteilen lässt (zurtriben lassen) und nur wenig Sud bleibt. Die konzentrierte Masse in ein sauberes Geschirr gießen, an der Luft erhärten lassen, zu Pulver stoßen und trocken aufbewahren - so hält es Monate, mit Glück ein Jahr.

Praxis. ~500 g Schwimmblasen über mehrere Stunden auskochen, bis nur ein dicklicher Bodensatz bleibt, in flache saubere Schalen gießen und an einem warmen, luftigen Ort vollständig durchtrocknen lassen, dann zu Pulver mörsern. Dosierung beim Sülzen (mhd. ein halb loit per maß): etwa ½ Lot (ca. 7-8 g) auf 1 Maß (ca. 1-1,5 L) Flüssigkeit - das reicht für eine mittelfeste Aspik und entspricht erstaunlich genau modernen Gelatine-Werten. Trocken, dunkel und luftdicht lagern, sonst zieht das Pulver Wasser.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-010-orig" n="fisch blasen" resp="#fyndling">Fisch-Schwimmblasen - kollagenreiches Bindegewebe. Besonders die Schwimmblase des Hausens (Acipenser huso, eine Stör-Art) ist als „Hausenblase“ / Isinglass berühmt und war bis ins 19. Jahrhundert das Standard-Gelier- und Klärmittel der europäischen Hochküche.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-010-orig" n="zu hauff samern" resp="#fyndling">„Zu Haufen sammeln“ - alle Schwimmblasen, die beim Fisch-Putzen anfallen, werden zentral gesammelt für die Pulver-Produktion.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-010-orig" n="zurtriben lassen" resp="#fyndling">„Zerteilen lassen“ - die Schwimmblasen werden so lange gesiedet, bis die kollagene Substanz vollständig hydrolisiert ist und sich beim Druck zerteilt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-010-orig" n="geleset pfanne" resp="#fyndling">„Gereinigte Pfanne“ - die ausgekochte Masse wird in ein sauberes Geschirr gegossen zum Erhärten an der Luft.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-010-orig" n="loit" resp="#fyndling">Lot - historische Gewichtseinheit, im rhein-fränkischen Raum ca. 14-16 g. „Ein halb Lot“ entspricht also ca. 7-8 g.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-010-orig" n="per maß" resp="#fyndling">„Pro Maß“ - Mengeneinheit für Flüssigkeit, im rhein-fränkischen Raum ca. 1-1,5 L. „Ein halb Lot Pulver pro Maß Flüssigkeit“ = etwa 5-8 g Pulver pro Liter - ein moderner Wert, der für eine mittlere Aspik-Festigkeit reicht.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-010-trans" n="1" resp="#fyndling">Idealerweise Schwimmblasen vom Stör oder großen Welsen - das ist die klassische Hausenblase, bis ins 19. Jahrhundert das Premium-Geliermittel der europäischen Hochküche.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-010-trans" n="2" resp="#fyndling">Trocken aufbewahrt hält das Pulver über Monate, mit etwas Glück sogar ein Jahr.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-010-trans" n="3" resp="#fyndling">Die Mengenangabe entspricht modernen Hausenblase-Dosierungen: ½ Lot (ca. 7-8 g) reichen tatsächlich aus, um 1-1,5 L Flüssigkeit fest zu binden - der mittelalterliche Koch hatte die Dosierung empirisch genau im Griff.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-011-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Die fleischfreie Variante des Gelier-Pulvers - ein Halbfertig-Produkt für die Fastenzeit, wenn das tierische Fischblasen-Pulver aus rfk-010 tabu ist. Aus moderner Sicht eines der frühesten dokumentierten rein pflanzlichen Bindemittel-Rezepte Europas. Teil des Gelier-Quartetts rfk-010 bis rfk-013.

Zwei Bindemittel zur Wahl. Mhd. bonen erweis (Bohnen und Erbsen) liefern Hülsenfrucht-Stärke, die beim Kochen quillt und ein weiches, aber tragfähiges Gel bildet. Die zweite Variante, wirken blut, ist am ehesten eingedickter Wacholderbeerensaft - „Wirken"/„Werchholder" sind regionale Namen für den Wacholder, der reduzierte Saft wird tief dunkelrot und sirupartig (daher der Bild-Name „Blut"), seine Pektine bilden das Gel.

Die vierfache Dosis. Auffällig: hier werden 2 Lot pro Maß angesetzt - viermal so viel wie das ½ Lot des tierischen Fischblasen-Pulvers. Tierisches Kollagen ist ein außerordentlich starkes Geliermittel, pflanzliche Stärke und Pektin gelieren deutlich schwächer. Der Schreiber kannte diesen Unterschied offenbar empirisch und vermerkte die höhere Dosis genau.

Praxis. Variante A: ~250 g Bohnen/Erbsen weich kochen, pürieren, an der Luft dörren, mörsern. Variante B: reife Wacholderbeeren (Spätherbst) köcheln, durchs Tuch pressen, auf ein Drittel reduzieren, trocknen, mörsern. Zum Sülzen ~2 Lot (ca. 20-30 g) auf 1 Maß (ca. 1-1,5 L) Flüssigkeit im Säckchen mit den Fischen sieden, dann auspressen und mit Würze und einer Prise Safran abschmecken. Das Ergebnis ist trüber und weicher-schmelzend als eine tierische Aspik - im Mittelalter durchaus akzeptiert.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-011-orig" n="bonen erweis" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#bonen">Bohnen und Erbsen - klassisches mittelhochdeutsches Wortpaar. `erweis` ist die mhd. Form von „Erbsen"; im Mittelrhein- und Hessen-Dialekt heißt es bis heute „Erwes". Beide Hülsenfrüchte liefern reichlich Stärke, die beim Kochen quillt und bindet.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-011-orig" n="wirken blut" resp="#fyndling">Wacholder-Blut = eingedickter Wacholderbeerensaft. „Wirken" / „Werchholder" sind regionale spätmittelalterliche Bezeichnungen für den Wacholder (Juniperus communis). Beim Einkochen der reifen Beeren entsteht ein tiefdunkelroter, sirupartiger Saft - daher der drastische Bild-Name „Blut". Pektine und Polysaccharide der Beeren bilden das Gel-Netzwerk.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-011-orig" n="andersluft" resp="#fyndling">Vermutlich „an der Luft" - lufttrocknen ohne Hitze, sodass die Stärke / das Pektin nicht denaturiert.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-011-orig" n="loit" resp="#fyndling">Lot - historische Gewichtseinheit, im rhein-fränkischen Raum ca. 14-16 g. „Zwei Lot" entspricht also ca. 30 g - vierfach so viel wie das ½ Lot Fischblasen-Pulver des Vor-Rezepts.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-011-orig" n="per ehre maß" resp="#fyndling">Vermutlich „pro Ehren-Maß" - eine regional konnotierte Bezeichnung für ein hochwertiges Standard-Volumen (geschätzt ca. 1-1,8 L im rhein-fränkischen Raum). Im Scan klar als zwei Wörter `per ehre` mit Wortabstand geschrieben. Der genaue volkstümliche Hintergrund des Begriffs ist nicht abschließend geklärt.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-011-trans" n="1" resp="#fyndling">`bonen erweis` - Bohnen und Erbsen. `erweis` ist die mittelhochdeutsche Form von „Erbsen“; im Mittelrhein- und Hessen-Dialekt heißt es bis heute „Erwes“. Beides liefert pflanzliche Stärke, die ein weicheres, aber stabiles Gel bildet.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-011-trans" n="2" resp="#fyndling">`wirken blut` - am ehesten eingedickter Wacholderbeerensaft. „Wirken“ / „Werchholder“ sind regionale Bezeichnungen für den Wacholder. Beim Einkochen entsteht ein tief dunkelroter, sirupartiger Saft mit gelierenden Pektinen - daher der drastische Name „Wacholder-Blut“.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-011-trans" n="3" resp="#fyndling">`per ehre maß` - vermutlich „pro Ehren-Maß“, eine regional konnotierte Bezeichnung für ein hochwertiges Standard-Volumen (geschätzt ca. 1-1,8 L). Im Scan klar als zwei Wörter geschrieben; der genaue Hintergrund ist nicht abschließend geklärt.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-011-trans" n="4" resp="#fyndling">Lot = mittelalterliche Gewichtseinheit, im rhein-fränkischen Raum ca. 14-16 g. „Zwei Lot“ entspricht also ca. 30 g.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-012-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Halbfertig-Produkt: Trocken-Gelatine aus Kalbsfüßen, jahrelang lagerfähig - die Fleisch-Variante zum pflanzlichen Pulver aus rfk-011. Im Prinzip exakt das Verfahren, mit dem auch heute kommerzielle Speisegelatine gewonnen wird. Direkter Zwilling ist die Münchner Kalbsfuß-Gallerte; Teil des Gelier-Quartetts rfk-010 bis rfk-013.

Kalbsfüße als Kollagen-Quelle. Füße stecken voller Kollagen in Knorpel, Sehnen und Haut. Beim langen Sieden hydrolisiert das Kollagen zu Gelatine, die beim Abkühlen das Gel-Netz bildet. Der Garpunkt ist sinnlich beschrieben: kochen, bis das gebein ab falle (das Fleisch sich von den Knochen löst) und sich alles als ein muß (wie ein Mus) zerteilen lässt - dann ist die Extraktion vollständig.

Trocknen und lagern. Wie beim Fischblasen-Pulver (als hyne, „wie zuvor") wird die Masse in ein sauberes Geschirr gegossen und an der Luft erhärtet, dann zu Pulver gestoßen. Die Lagerangabe „ein Jahr, zwei oder mehr" ist chemisch korrekt: reines getrocknetes Kollagen hält tatsächlich jahrelang.

Praxis. ~4 geputzte, gespaltene Kalbsfüße 6-8 Stunden bei milder Hitze sieden (kein starkes Wallen, sonst trübt der Sud), bis das Fleisch zerfällt. Masse in flache saubere Schalen gießen, an der Luft vollständig durchtrocknen, mörsern. Zum Sülzen ähnlich dosieren wie das Fischblasen-Pulver, ~5-8 g auf 1 L Flüssigkeit, erhitzen bis gelöst, dann erkalten lassen. Statt Kalbsfüßen gehen Schweinepfötchen oder Schwarten.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-012-orig" n="kelbern füß" resp="#fyndling">Kalbsfüße - klassische Quelle für Speisegelatine. Die Beine enthalten extrem viel Kollagen in Knorpel, Sehnen und Haut. Beim langen Kochen hydrolisiert das Kollagen in Gelatine, die beim Abkühlen das Gel-Netzwerk bildet. Das hier beschriebene Verfahren ist im Prinzip identisch mit der heutigen industriellen Speisegelatine-Produktion.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-012-orig" n="ab falle" resp="#fyndling">„Das Gebein soll abfallen" - die Kalbsfüße werden so lange gekocht, bis sich das Fleisch und Bindegewebe vollständig von den Knochen löst. Visueller Garpunkt-Indikator für vollständige Kollagen-Extraktion. Der Schreiber schreibt `falle` mit f - sinngleich zu `valle` (im Mhd. wird f/v variabel für denselben Laut geschrieben).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-012-orig" n="als ein muß" resp="#fyndling">„Wie ein Mus" - die ausgekochten Bestandteile sollen sich zu einer breiartigen Masse zerteilen lassen. Erst dann ist die Kollagen-Hydrolyse vollständig.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-012-orig" n="als hyne" resp="#fyndling">Mhd. Adverb `hÿne` (= „hin/zuvor/dort") - hier als Rückverweis auf das Vor-Rezept rfk-010 (Fischblasen-Pulver), wo das Erhärten an der Luft im sauberen Geschirr identisch beschrieben ist.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-012-orig" n="So besser ist feste" resp="#fyndling">Steigerungs-Formel: „so [wird es] umso besser fest" - je länger das Pulver gelagert ist, desto fester wird die Gel-Bindung beim Sülzen. Eine erfahrungs-basierte Beobachtung des Schreibers.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-012-trans" n="1" resp="#fyndling">`ab falle` - visueller Garpunkt-Indikator: die Kalbsfüße werden so lange gekocht, bis sich Fleisch und Bindegewebe vollständig von den Knochen lösen (= das Gebein „fällt ab“). Erst dann ist die Kollagen-Extraktion vollständig.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-012-trans" n="2" resp="#fyndling">`als hyne` - mhd. Adverb („wie hin/zuvor/dort“). Verweist auf rfk-010 (Fischblasen-Pulver), wo das Erhärten an der Luft im sauberen Geschirr identisch beschrieben ist.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-012-trans" n="3" resp="#fyndling">`So bestet isz feste` - Steigerungs-Formel: je länger das Pulver gelagert ist, desto fester wird die Gel-Bindung beim Sülzen. Eine erfahrungs-basierte Beobachtung des Schreibers.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-013-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Die kompromisslose Top-Variante der Sülze-Bindung: Hausenblase, der Premium-Rohstoff aller Aspik-Hersteller bis ins 19. Jahrhundert. Anders als die Pulver-Halbprodukte davor ist dies eher eine Qualitäts-Empfehlung - „nimm Hausenblase, dann hält die Sülze schön und hart". Schließt das Gelier-Quartett rfk-010 bis rfk-013 ab; verwandt mit der Münchner Notiz Sülze schnell fest werden lassen.

Warum Hausenblase. Die Schwimmblase des Hausen-Störs liefert das reinste, klarste Kollagen (die fertige Galree wird kristallklar) und die höchste Gel-Stärke aller Schwimmblasen. Weil der Hausen nur in wenigen Flüssen (Donau, Wolga, Don) wandert, war sie seltene und teure Importware - ein Luxus- und Statusprodukt. Der Schreiber betont mit der Formel an allen tzwyuel („ohne jeden Zweifel"), dass es zuverlässig funktioniert.

Sommer-tauglich. Der Hinweis in alle hier indem jare (ganzjährig, auch in der Hitze) ist der Kern: eine Brühe-Sülze geliert bei Wärme nicht mehr, die starke Hausenblase aber trägt. Und der Schreiber bleibt ehrlich - auch alle anderen Fisch-Schwimmblasen taugen, die Hausenblase ist nur die ergiebigste.

Praxis. Hausenblase ist heute im Spezialhandel für Bier-Klärung, Wein-Schönung und Konditorei erhältlich (Blätter oder Pulver). Sehr stark dosieren: ~1-2 g getrocknetes Material auf 1 L Flüssigkeit für eine schnittfeste Aspik. In kaltem Wasser 20-30 Minuten einweichen, dann in die heiße (60-70 °C, nicht kochende) Brühe einrühren bis gelöst, mit Fisch oder Fleisch anrichten und kalt stellen. Über 70 °C zerfällt die Gel-Struktur.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-013-orig" n="husen blasen" resp="#fyndling">Hausenblase - die Schwimmblase des Hausens (Huso huso, eine Stör-Art, Beluga-Stör). Im Spätmittelalter eine teure Import-Ware aus der Donau und Osteuropa. Bis ins 19. Jahrhundert das Premium-Gelier- und Klärmittel der europäischen Hochküche - heute noch zur Bier- und Weinklärung im Einsatz.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-013-orig" n="hart bestanden gallrey" resp="#fyndling">„Hart bestehende Galree" = sehr feste, schnittfeste Aspik. Im Gegensatz zur weichen Brühe-Sülze, die nur bei Kälte hält.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-013-orig" n="in alle hier indem jare" resp="#fyndling">Im Scan klar als zwei Wörter `alle hier` geschrieben. Bedeutung wohl idiomatisch: „[zu] aller [Zeit] hier im Jahr" = jederzeit ganzjährig. Im Sommer bei warmer Witterung produzierte Aspik braucht ein besonders starkes Gelier-Mittel, weil das Gel-Netzwerk bei höheren Temperaturen weicher wird. Hausenblase liefert die Festigkeit, die normale Brühe-Sülze nicht bringt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-013-orig" n="an allen zwyvel" resp="#fyndling">„Ohne jeden Zweifel" - klassische spätmittelalterliche Beteuerungs-Formel. Der Schreiber unterstreicht, dass die Hausenblase-Variante zuverlässig funktioniert.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-013-trans" n="1" resp="#fyndling">`in alle hier indem jare` - im Scan als zwei Wörter `alle hier` geschrieben; idiomatisch wohl „[zu] aller [Zeit] hier im Jahr“ = ganzjährig, auch im warmen Sommer. Bei Hitze produzierte Aspik braucht ein besonders starkes Geliermittel, weil das Gel-Netzwerk bei höheren Temperaturen weicher wird.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-013-trans" n="2" resp="#fyndling">`husen blasen` - Hausenblase, die Schwimmblase des Hausens (Huso huso, eine Stör-Art / Beluga-Stör). Im Spätmittelalter eine teure Import-Ware aus der Donau und Osteuropa. Bis ins 19. Jahrhundert das Premium-Gelier- und Klärmittel der europäischen Hochküche - heute noch zur Bier- und Weinklärung im Einsatz.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-013-trans" n="3" resp="#fyndling">`an allen tzwyuel` - „ohne jeden Zweifel“, klassische spätmittelalterliche Beteuerungs-Formel. Der Schreiber unterstreicht, dass das Verfahren zuverlässig funktioniert.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-014-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern eine Lager-Technik: der mittelalterliche Erdkeller-im-Topf. Eine fertige Galree (Sülze/Aspik) wird in einem glasierten Tongefäß über den Sommer kühl gehalten, indem man das Gefäß in die Erde versenkt. Das lebende Pendant ist der klassische Erdkeller oder die Quark-/Butter-Töpfe, die Bauern bis ins 20. Jahrhundert im Brunnenschacht oder Gartenbeet kühl stellten.

galreyen / galree ist die mittelalterliche Sülze - ein gelierter Sud, der bei Wärme schmilzt. Genau das ist das Problem: Aspik-Gelatine wird ab ca. 25-35 °C wieder flüssig, im Sommer also unbrauchbar. Das Rezept löst das thermisch.

ubir gleset heißt vollständig glasiert - innen und außen mit Blei- oder Zinnglasur überzogen. Erst die Glasur macht das poröse Tongefäß feuchtigkeitsdicht: keine Bodenfeuchte dringt ein, keine Aromen treten aus.

einer spannen dieff - eine Spanne tief, also etwa eine Handbreite (ca. 20 cm). Tief genug, dass das Gefäß im Erdmantel sitzt, wo die Temperatur auch im Hochsommer konstant bei 10-12 °C bleibt. Bei dieser Temperatur bleibt die Sülze fest.

Praxis. Heute genauso machbar: ein 25-30 cm tiefes Loch im schattigen Gartenbeet, hinein ein glasiertes Steingut- oder Tongefäß mit dicht schließendem Deckel, die fertige lauwarme Sülze einfüllen, Deckel drauf, mit Erde überdecken. Bei konstanten 10-12 °C hält der Aspik problemlos zwei bis vier Wochen. Nach jedem Öffnen schnell wieder verschließen und im Boden lassen. Ein Steinzeug-Topf mit dichtem Deckel tut es ebenso gut wie das historische glasierte Gefäß.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-014-orig" n="geschire von erden" resp="#fyndling">Tongefäß - im 15. Jh. der Standard-Behälter für Vorräte aller Art. Wichtig: vollständig glasiert (`ubir gleset`), damit weder Boden-Feuchtigkeit eindringen noch Lebensmittel-Aromen austreten.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-014-orig" n="ubir gleset" resp="#fyndling">„Übergaβen / vollständig glasiert" - Innen- und Außenseite des Topfes mit Bleiglasur oder Zinnglasur überzogen. Das macht das Gefäß lebensmittelecht und feuchtigkeitsdicht.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-014-orig" n="ein sommer" resp="#fyndling">Mhd. temporaler Akkusativ „einen Sommer [lang]" - das Erdkeller-Verfahren wird explizit für die warme Jahreszeit beschrieben. Im Winter braucht man die Erdmasse-Kühlung nicht, weil dann ohnehin überall kalte Temperaturen herrschen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-014-orig" n="einer spannen dieff" resp="#fyndling">Eine Spanne = Handbreite = ca. 20 cm. `dieff` (= tief) zeigt im Scan eine klare doppel-f-Endung. Das Gefäß wird etwa 20 cm tief in die Erde versenkt, also gerade so weit, dass es vollständig im Erdmantel sitzt. Unterhalb der oberen Erdschicht beginnt der Bereich konstanter Tiefen-Temperatur.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-014-trans" n="1" resp="#fyndling">`ubir gleset` - „vollständig glasiert“, innen und außen mit Blei- oder Zinnglasur überzogen. Macht das Gefäß lebensmittelecht und feuchtigkeitsdicht, sodass keine Boden-Feuchtigkeit eindringt und keine Lebensmittel-Aromen austreten.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-014-trans" n="2" resp="#fyndling">`ein sommer` - mhd. temporaler Akkusativ („einen Sommer [lang]“). Das Erdkeller-Verfahren ist explizit für die warme Jahreszeit beschrieben - im Winter braucht man die Erdmasse-Kühlung nicht.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-014-trans" n="3" resp="#fyndling">Eine Spanne = Handbreite, ca. 20 cm. Das Gefäß wird so tief versenkt, dass es vollständig im Erdmantel sitzt. Unterhalb der oberen Erdschicht beginnt der Bereich konstanter Tiefen-Temperatur (ca. 10-12 °C ganzjährig).</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-014-trans" n="4" resp="#fyndling">`dieff` - „tief“, mit doppel-f-Endung im Scan. Frühere Vision-Lesung als `dick` war falsch - Scan-Verifikation hat `dieff` bestätigt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-015-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Wild-Aspik aus Reh-Haut - reinste Jagd-Verwertung. Die lebende Verwandtschaft ist die Schweinskopf-Sülze und der gepresste Kalbskopf (Tête pressée): ein kalt servierter, schnittfester Aspik aus kollagenreichem Schlachtmaterial. Die Variante aus Haut statt aus Füßen oder Schwarte ist heute fast verschwunden.

die hut … bruwe das hare abe - die Haut wird zunächst gebrüht und enthaart, genau wie eine Schweineschwarte. Dann wird sie blank geputzt und lange gesotten.

krymp sÿ czu samen - „so zieht sie sich zusammen“. Der buchübergreifende Zwilling aus dem Clm 15632 beschreibt denselben Vorgang wörtlich: so schrimpft si sich ze sammen - die Haut schrumpft beim Garen. Das ist also kein Befehl zum Zusammendrücken oder Kerben, sondern die Beobachtung, dass die durchgegarte Haut sich zusammenzieht; daran erkennt der Koch, dass sie schnittreif ist.

wol gestanden = gut geliert, schnittfest - das Qualitätskriterium jeder Sülze.

Praxis. Reh- (oder Hirsch-/Wildschwein-)Haut blanchieren, Haare abziehen, gründlich säubern. Dann in viel Wasser bei mildem Sieden 6-10 Stunden garen - gern ein paar Wildknochen mitkochen für mehr Geschmack. Wenn die Haut weich und sichtlich geschrumpft ist, herausnehmen, in Streifen von gut 20 cm × 3-4 cm schneiden, in eine Form legen und mit dem durchgeseihten, kräftigen Sud übergießen. Kalt fest werden lassen. Wer keine Wildhaut bekommt: Schweineschwarte plus etwas Speisegelatine kommt der Wirkung am nächsten. Geschmack: wild-würzig, deutlich kräftiger als Kalbsfuß-Aspik, gut zu Schwarzwurzeln, Apfel-Meerrettich oder kräftigem Brot.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-015-orig" n="rechun" resp="#fyndling">Reh (Capreolus capreolus) - im mhd. `rech` / `reche`. Die Endung `rechun` ist paläographisch in dieser Hand kaum von `rechen` (Standard-Dativ) zu unterscheiden, weil `u` und `e` in der Kursive identische Minim-Cluster bilden. Standard-Niederwild des deutschen Spätmittelalters.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-015-orig" n="bruwe das hare abe" resp="#fyndling">„Brühe das Haar ab" - die Haut wird kurz in kochendes Wasser getaucht, damit sich die Haare leicht abziehen lassen. Klassisches Schlachter-Verfahren, identisch zur Schwein-Vorbereitung.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-015-orig" n="krymp sÿ czu samen" resp="#fyndling">Mhd. `krimpen` = sich zusammenziehen / schrumpfen. Der buchübergreifende Zwilling (Clm 15632, Sülze aus Reh-Haut) sagt an derselben Stelle `so schrimpft si sich ze sammen` - die Haut zieht sich beim Garen sichtbar zusammen. Es ist also eine Beobachtung des Garzustands, kein aktiver Handgriff (kein „Kerben" oder „Zusammendrücken").</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-015-orig" n="spannen lang vnd zweyer finger breyte" resp="#fyndling">Mittelalterliche Maße: eine Spanne = Handbreite = ca. 20 cm; „zwei Finger breit" = ca. 3-4 cm. Die fertige Haut wird in mundgerechte Streifen geschnitten und mit dem Sud zur Sülze ausgegossen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-015-orig" n="wol gestanden" resp="#fyndling">„Wohl bestanden" = gut geliert, schnittfest. Qualitätskriterium für Sülze.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-015-trans" n="1" resp="#fyndling">`bruwe das hare abe` - die Haut wird kurz in kochendes Wasser getaucht, damit sich die Haare leicht abziehen lassen. Klassisches Schlachter-Verfahren, identisch zur Schwein-Vorbereitung.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-015-trans" n="2" resp="#fyndling">`krymp sÿ czu samen` - mhd. `krimpen` = sich zusammenziehen/schrumpfen. Beim langen Sieden zieht sich die kollagenreiche Haut sichtbar zusammen - das ist hier ein Garpunkt-Zeichen, kein aktiver Handgriff.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-015-trans" n="3" resp="#fyndling">Mittelalterliche Maße: eine Spanne = Handbreite, ca. 20 cm; „zwei Finger breit“ = ca. 3-4 cm. Die Sülze wird also aus mundgerechten Streifen gemacht.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-017-orig" n="mandel musz" resp="#fyndling">Mandelmus - klassische Fastenspeise. Da Mandeln pflanzlich sind, ersetzt das Mus während der Fastenzeit (oder an Fasttagen) ein Milch-/Sahnedessert. Die mittelalterliche Blancmange-Tradition (= „weißes Essen“) basiert auf demselben Prinzip: weißes, fettreiches, mildes Gericht ohne tierische Zutaten.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-017-orig" n="dicke mylch dauon" resp="#fyndling">„Dicke Milch davon“ = dicke Mandelmilch. Im Gegensatz zur dünnen Tisch-Mandelmilch (mehr Wasser als Mandeln) wird hier eine konzentrierte Variante hergestellt - etwa 1 Teil Mandeln auf 2 Teile Wasser. Diese liefert genug Stärke und Bindung für ein festes Mus.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-017-orig" n="slag sÿ dorch ein duch" resp="#fyndling">„Schlage sie durch ein Tuch“ = passiere die zerstoßenen Mandeln samt Wasser durch ein Tuch. Klassische Mandelmilch-Herstellung: die festen Mandel-Reste bleiben im Tuch zurück, die klare Mandelmilch tropft in die Pfanne. Modern: Nussmilch-Beutel oder ein Mulltuch.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-017-orig" n="rijp enwenig wÿß brodes dar vnder" resp="#fyndling">„Reibe ein wenig Weißbrot darunter“ - Bindemittel-Trick: Brotbrösel verdicken die Mandelmilch beim Aufwallen und geben mehr Substanz. Funktionell ein mittelalterliches Stärke-Pulver-Äquivalent.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-017-orig" n="enwenig wins" resp="#fyndling">„Ein wenig Wein“ - der Wein gibt eine leichte Säure und Aromatiefe. Weißwein/Süßwein passt besser als Rotwein, da das Mus optisch weiß bleiben soll (Blancmange-Tradition).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-017-orig" n="schudde isz in ein syep" resp="#fyndling">„Schütte es in ein Sieb“ = das aufgewallte Mus wird in ein feines Sieb gegeben, das überschüssige Wasser läuft ab. So bekommt das Mus die schnittfeste Konsistenz, die für die anschließende `langlecht`-Anrichtung gebraucht wird.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-017-orig" n="richte isz langlecht an" resp="#fyndling">`langlecht` (mhd.) = länglich. Die feste Mus-Masse wird länglich angerichtet - vermutlich in einer schmalen rechteckigen Form gestürzt oder als langer Streifen auf einer Platte ausgegossen. Die Längs-Anrichtung erlaubt die elegante Reihen-Garnitur mit ganzen Mandelkernen entlang der Form.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-017-orig" n="mit mandelkern" resp="#fyndling">Ganze Mandelkerne - als Garnitur entlang der gesamten Länge des Muses platziert. Das ergibt das charakteristische optische Bild der mittelalterlichen Tafel-Inszenierung: ein langer weißer Streifen mit einer Reihe goldbrauner Mandeln darauf. Hinweis: in einer früheren Vision-Lesung hatten wir `mauchstern` gelesen - `mandelkern` ist die paläografisch korrekte Lesung (Scan-verifiziert + CoReMA Böhm/Klug 2021).</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-017-trans" n="1" resp="#fyndling">Die Blancmange-Tradition („weißes Essen“) umfasst eine ganze Familie weißer, milder, fettreicher Gerichte ohne tierische Zutaten - entstanden aus den katholischen Fasten-Vorschriften, verbreitet vom Mittelmeer-Raum bis Skandinavien (12.-17. Jh.). Verwandte Rezepte in fast jedem mittelalterlichen Kochbuch, siehe unten.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-017-trans" n="2" resp="#fyndling">`dicke mylch` - dicke Mandelmilch. Etwa 100 g Mandeln auf 200 ml Wasser, fein zerstoßen, dann durch ein Tuch ausgepresst. Die konzentrierte Variante liefert genug Stärke für die feste Mus-Bindung.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-017-trans" n="3" resp="#fyndling">Klassischer mittelalterlicher Trick zur Konsistenz-Verdichtung - überschüssiges Wasser läuft ab, das Mus wird schnittfest.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-017-trans" n="4" resp="#fyndling">`langlecht` (mhd.) = länglich. Die feste Mus-Masse wird länglich angerichtet (in schmaler Form gestürzt oder als langer Streifen auf einer Platte), dann mit einer Reihe ganzer Mandelkerne entlang der Form garniert - typische höfische Tafel-Inszenierung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-018-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine dunkle, süß-saure Leberpaste vom Hirsch - die mittelalterliche Vorform der Leberpastete bzw. der gröberen Wildleber-Mousse. Verwandt mit dem Leberpfeffer und dem Hasen-Fürhess der deutschen Quellen, wo geröstete Leber, Brot und Säure-Süß ebenfalls zu einer dunklen Paste verarbeitet werden.

lebermuß ist wörtlich „Leber-Mus“: eine fein durchpassierte Leberpaste, vergleichbar mit moderner Leberpastete oder -mousse.

uszteyl - das „Außenteil“, also die zähe äußere Haut/Membran der Leber. Wird vor dem Pürieren abgeschnitten, sonst bleiben Fasern in der Paste.

honig win vnd eßig - die süß-saure Dreiklang-Würzung: Honig (süß), Wein (Fruchtsäure + Tannine), Essig (klare Säure), mit Roggenbrot gebunden. Ein Standard-Geschmacksprofil der mittelalterlichen Hochküche.

so wirt isz swarcze - „so wird es schwarz“. Der Schreiber benennt die Schwarzfärbung als Garpunkt-Zeichen: beim Aufwallen karamellisiert der Honig, das eisenreiche Leberblut bindet sich mit den Wein-Tanninen, das Brot dunkelt nach - die Paste wird tiefdunkel. Empirische Garkontrolle über die Farbe.

du salt abir vor die leber erwellen - der Schluss-Hinweis macht das Gericht als Zwei-Komponenten-Anrichtung kenntlich: eine separat vorgekochte ganze Leber als Hauptstück, dazu die Paste als kalte Beilage.

Praxis. Hirschleber (ersatzweise Reh oder Rind) putzen, äußere Haut abziehen, kurz scharf anbraten. Mit geriebenem altbackenem Roggenbrot, Honig, Rotwein und Weinessig im Mörser oder Mixer zu einer Paste verarbeiten, durch ein feines Tuch streichen. Gut würzen (Salz, Pfeffer, etwas Ingwer, Wacholder), dann kurz aufwallen lassen, bis die Masse tiefdunkel ist. Bei Keller- bis Zimmertemperatur (nicht eiskalt) zur separat gekochten Leber reichen oder auf Roggenbrot streichen. Mit Wein wird die Paste süß-rund, mit mehr Essig schärfer.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-018-orig" n="lebermuß" resp="#fyndling">Leber-Mus - fein passierte Leberpaste, vergleichbar mit moderner Leberpastete oder Mousse. Im mittelalterlichen Wild-Banquet eine klassische Beilage zur kompletten Wild-Anrichtung.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-018-orig" n="hÿrtze lebern" resp="#fyndling">Hirsch-Leber - Hochwild-Innereien wurden im Mittelalter besonders geschätzt. Hirschleber ist deutlich kräftiger und intensiver als Kalbsleber, mit ausgeprägter Wild-Note. Frische ist entscheidend - Wildleber muss innerhalb von 24 Stunden nach der Schlachtung verarbeitet werden.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-018-orig" n="brayt sÿ" resp="#fyndling">Mhd. `brâten` (Imperativ 2. Sg. `brayt`) = „brate sie an“. Klassischer Vorbereitungs-Schritt: die Leber wird kurz scharf angebraten, damit sie Aromen entwickelt (Maillard-Reaktion) und sich besser pürieren lässt. In rfk-019 wird derselbe Schritt mit Backlink `brait die als uor stait` referenziert.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-018-orig" n="uszteyl" resp="#fyndling">„Außenteil“ = die zähe äußere Haut / Membran der Leber. Wird vor der Verarbeitung abgeschnitten, sonst gibt es Fasern in der Paste.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-018-orig" n="honig win vnd eßig" resp="#fyndling">Süß-saure Geschmacks-Architektur mit dreifacher Balance: Honig (süß) - Wein (Frucht-Säure + Tannine) - Essig (klare Säure). Dazu Roggenbrot als Bindung. Klassisches mittelalterliches Hochküchen-Profil, in mehreren Rezepten des RFK wiederholt (siehe auch rfk-016 Feigen-Brühe).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-018-orig" n="trybe isz dorch ein duch" resp="#fyndling">„Treibe es durch ein Tuch“ = passiere die Masse durch ein feines Mulltuch oder Passiertuch, um sie absolut glatt zu bekommen. Das ist der charakteristische Schritt für die feine Mousse-Textur der mittelalterlichen Hochküche.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-018-orig" n="so wirt isz swarcze" resp="#fyndling">„So wird es schwarz“ - der Schreiber benennt die Schwarzfärbung explizit als Garpunkt-Indikator. Chemisch: Karamellisierung des Honigs + Maillard-Reaktion + Eisen-Polyphenol-Bindung der Leber-Hämmuster mit den Wein-Tanninen ergeben eine tiefdunkle Färbung. Empirische Garpunkt-Kontrolle 500 Jahre vor der Lebensmittelchemie.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-018-orig" n="du salt abir vor die leber erwellen" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#erwellen">„Du sollst aber zuvor die Leber [vor]kochen“ = wichtiger Schluss-Hinweis: die Haupt-Leber (die als ganzes Stück zur Pastete serviert wird) muss in einem separaten Topf vorgekocht werden, bevor du dich an die Pastete machst. Damit wird das ganze Gericht als Zwei-Komponenten-Anrichtung erkennbar: gekochte Leber als Hauptstück + Leberpastete als Beilage.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-018-trans" n="1" resp="#fyndling">`brayt sÿ` - mhd. `brâten` = kurz scharf anbraten, damit die Leber Aromen entwickelt und sich besser pürieren lässt.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-018-trans" n="2" resp="#fyndling">`daz uszteyl` - die zähe äußere Haut bzw. Membran. Wird vor der Verarbeitung abgeschnitten, damit nur das zarte Innenfleisch zur Paste verarbeitet wird.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-018-trans" n="3" resp="#fyndling">`so wirt isz swarcze` - der Schreiber benennt die Schwarzfärbung explizit als Garpunkt-Indikator. Chemisch: Karamellisierung des Honigs + Maillard-Reaktion + Eisen-Polyphenol-Bindung der Leber mit den Wein-Tanninen ergeben eine tiefdunkle Färbung. Empirische Garpunkt-Kontrolle 500 Jahre vor der Lebensmittelchemie.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-018-trans" n="4" resp="#fyndling">`du salt abir vor die leber erwellen` - die Haupt-Leber, die als ganzes Stück zur Pastete serviert wird, muss in einem separaten Topf vorgekocht werden, bevor du die Pastete machst. Das Gericht ist eine Zwei-Komponenten-Anrichtung: gekochte Leber als Hauptstück + Leberpastete als Beilage.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-019-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Die warme Schwester zur kalten Leberpaste von rfk-018: gebratene Wildleber in einer gelben Pfeffer-Sauce. Das lebende Pendant ist die Leber „sauer“ bzw. der Leberpfeffer - geröstete Leber in einer brotgebundenen, säuerlich-würzigen Sauce, wie er sich in mehreren deutschen Quellen findet.

brait die als uor stait - „brate sie an, wie davor steht“. Ein direkter Rückverweis auf rfk-018: kurz scharf anbraten, äußere Membran abschneiden, mit Roggenbrot zerstoßen. Diese internen Querverweise sind ein Bau-Merkmal des Buchs.

uszerst - „das Äußerste“, die zähe äußere Haut/Membran der Leber (analog uszteyl in rfk-018), die vor dem Stoßen entfernt wird.

win adir eßig - „Wein oder Essig“: eine echte Wahlmöglichkeit. Wein macht die Sauce süß-rund, Essig klar-scharf.

peffer ist hier nicht das Gewürz, sondern die gelbe Pfeffer-Sauce - die mittelalterliche Standard-Sauce aus Pfeffer, Safran, Ingwer und Wein, mit gerösteten Bröseln gebunden (auch in rfk-005, rfk-007, rfk-013 vorausgesetzt). Der Safran gibt ihr die gelbe Farbe.

erwelle isz in einer pannen - abschließend kurz in der Pfanne aufwallen, damit Sauce und Leberscheiben verschmelzen.

Praxis. Wildleber putzen, Membran abziehen, kurz scharf anbraten - innen soll sie rosa bleiben, sonst wird sie ledrig (pro Seite 1-2 Minuten bei starker Hitze). Einen Teil mit Roggenbrot, Brühe und Wein oder Essig zur Sauce stoßen, den Rest in Scheiben schneiden. Die gelbe Pfeffer-Sauce ansetzen (Wein + Brühe mit Safran, Pfeffer, Ingwer würzen, mit gerösteten Bröseln oder geriebenen Mandeln binden, durchseihen). Leberscheiben einlegen, würzen und einmal aufwallen lassen. Warm servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-019-orig" n="gebraden leber in peffer" resp="#fyndling">„Gebratene Leber in Pfeffer(-Sauce)“ - der Titel des Rezepts. Eine warme Variante zur kalten Leberpastete (rfk-018) - beide Rezepte teilen sich die Grundtechnik (anbraten, äußere Membran entfernen, mit Roggenbrot stoßen), aber dieses Rezept landet in einer warmen Pfeffer-Sauce statt in einer kalten Mousse.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-019-orig" n="brait die als uor stait" resp="#fyndling">„Brate sie an wie davor steht“ - direkter Backlink auf rfk-018, das die Anbrat-Methode beschreibt. Diese intra-textuellen Verweise sind ein strukturelles Merkmal des RFK: Rezepte verweisen aufeinander, statt Anweisungen zu wiederholen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-019-orig" n="uszerst" resp="#fyndling">„Das Äußerste“ = die äußere Haut / Membran der Leber, die vor der Verarbeitung entfernt wird (analog `uszteyl` in rfk-018).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-019-orig" n="stoisz sie mit ruckem brode" resp="#fyndling">„Stoße sie mit Roggenbrot“ - die angebratene Leber wird im Mörser mit Roggenbrot zerstoßen. Das Brot dient als Bindemittel und gibt der Sauce Substanz.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-019-orig" n="du brüwe daran vnd win adir eßig" resp="#fyndling">„Gib Brühe daran und Wein oder Essig“ - typische Sauce-Verlängerung. `Win adir eßig` = „Wein oder Essig“ - also Wahlmöglichkeit: süß-rund (mit Wein) oder klar-scharf (mit Essig).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-019-orig" n="snyde die leber tzu snyden" resp="#fyndling">„Schneide die Leber zu Schnitten“ = in Scheiben schneiden. Diese Anweisung lässt zwei Lesarten zu: entweder wird die ganze gebratene Leber in Scheiben geschnitten und in die Sauce gegeben (a), oder ein Teil der Leber wird zur Sauce püriert, der andere Teil als Scheiben dazu serviert (b).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-019-orig" n="lege sÿ in peffer" resp="#fyndling">„Lege sie in den Pfeffer“ = in die gelbe Pfeffer-Sauce. Diese Sauce ist die mittelalterliche Standard-Sauce (Pfeffer + Safran + Ingwer + Wein + Brösel). Auch in rfk-005, rfk-007, rfk-013 vorausgesetzt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-019-orig" n="erwelle isz in einer pannen" resp="#fyndling">„Lass es in einer Pfanne aufwallen“ - abschließendes kurzes Aufkochen, damit Sauce und Leberscheiben miteinander verschmelzen und die Sauce die Leber durchtränkt.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-019-trans" n="1" resp="#fyndling">Backlink auf rfk-018 (Kalte Hirsch-Leberpastete): kurz anbraten, äußere Membran abschneiden, mit Roggenbrot zerstoßen.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-019-trans" n="2" resp="#fyndling">`uszerst` - das Äußerste, also die äußere Haut bzw. Membran der Leber.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-019-trans" n="3" resp="#fyndling">`snyde die leber czu snyden` lässt zwei Lesarten zu: entweder wird die ganze Leber in Scheiben geschnitten und in die Sauce gegeben, oder ein Teil zur Sauce püriert und der Rest als Scheiben dazu serviert. Beides funktioniert kulinarisch.</note>
        <note type="footnote" target="#rfk-019-trans" n="4" resp="#fyndling">`peffer` - gelbe Pfeffer-Sauce (Pfeffer + Safran + Ingwer + Wein, mit Brösel gebunden) = die mittelalterliche Standard-Sauce. Auch in rfk-005, rfk-007, rfk-013 vorausgesetzt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-021-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süßes Nudelgericht: frisch geschnittene Eiernudeln, die in einem dünnen Ei-Milch-Mus aufgekocht und mit Zucker bestreut werden. Im Kern der direkte Vorfahr der bis heute beliebten süßen Milchnudeln bzw. eines Auflauf-losen ‚Schmarrn‘-Verwandten - nur dass die Nudeln hier nicht in Butter, sondern in einem cremigen Ei-Milch-Sud garen.

Die Schneidetechnik (winde daz ubir ein ander). Das Herzstück: aus Eiern und Mehl wird ein fester Nudelteig geknetet, dünn ausgerollt, gut bemehlt (damit nichts klebt), die Blätter werden aufeinandergelegt und zu einer Rolle gewickelt. Quer in feine Streifen geschnitten und auseinandergefaltet entstehen dünne, leicht gewellte Bandnudeln - genau die Methode, mit der man heute Tagliatelle schneidet. Das Bemehlen vor dem Aufrollen ist nicht Beiwerk, sondern verhindert, dass die Lagen verkleben.

Cruselecht - das ‚Krause‘. Beim Abrollen der quergeschnittenen Streifen bauschen sich die Nudeln leicht und werden wellig - daher der Name ‚krauses Mus‘. Der Vergleich als der petersilge scharbet (‚so fein, wie man Petersilie schneidet‘) zielt auf die Feinheit der Streifen, nicht auf ein Zerhacken: zarte, dünne Bänder.

Erwallen - zweistufiges Aufkochen. Erst wird die Ei-Milch-Mehl-Basis allein aufgewallt (zu einem dünnen, weißen Mus), dann kommen die frischen Nudeln hinein und alles wallt nur noch einmal kurz auf. Nicht lange köcheln - frische Nudeln sind in Minuten gar, und das Ei soll cremig binden, nicht ausflocken.

Praxis. Für 2-3 Personen einen festen Nudelteig aus etwa 200 g Mehl und 2 Eiern kneten, ruhen lassen, dünn ausrollen, bemehlen, aufrollen und in schmale Streifen schneiden. Für das Mus 2 Eier mit etwa 400 ml Milch und einem gehäuften Esslöffel Mehl glattrühren, unter Rühren erhitzen bis es leicht bindet, die Nudeln einlegen und 2-3 Minuten ziehen lassen. Großzügig mit Zucker bestreuen. Zucker war im 15. Jahrhundert ein teures Würz- und Statusgewürz, kein Nachtisch-Signal - das Gericht stand als vollwertige Speise auf dem Tisch.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-021-orig" n="cruselecht musz" resp="#fyndling">‚Krauses Mus‘ - ‚kraus‘ beschreibt die leicht eingerollten, welligen Nudeln, die beim Auffächern der zusammengerollten Teigschnitte entstehen. ‚Mus‘ meint hier den cremigen Ei-Milch-Brei, in dem die Nudeln garen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-021-orig" n="winde daz ubir ein ander" resp="#fyndling">‚Wickle es übereinander‘ - die entscheidende Technik: bemehlte Teigblätter werden aufeinandergelegt, zu einer Rolle aufgewickelt und quer in feine Streifen geschnitten. Beim Auseinanderfalten entstehen dünne, leicht gewellte Bandnudeln. Dieselbe Methode wie beim heutigen Schneiden von Tagliatelle.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-021-orig" n="scharbe sie clein als der petersilge scharbet" resp="#fyndling">‚Schneide sie fein, wie man Petersilie schneidet‘ - der Vergleich zielt auf die Feinheit: so dünn und zart wie fein geschnittene Petersilie. ‚Scharben‘ ist ein schabend-schneidendes Bewegen des Messers.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-021-orig" n="erwallen" resp="#fyndling">‚Aufwallen lassen‘ - kurz aufkochen, nicht lang köcheln. Erst die Ei-Milch-Basis allein, dann mit den Nudeln noch einmal kurz.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-021-orig" n="winde daz ubir ein ander" resp="#fyndling">Bemehlte Teigblätter werden aufeinandergestapelt, zu einer Rolle aufgewickelt und quer in feine Streifen geschnitten - die klassische Bandnudel-Schneidetechnik. Die fertige Form: dünne, leicht gewellte Streifen (‚kraus' durch das Abrollen).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-022-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein süßes Holunderblüten-Milchmus - ein cremiger, blütenparfümierter Brei, der mit geriebener Semmel und Eiern gebunden wird. Es ist die Brei-Schwester der bis heute gemachten Holunderblüten-Speisen (Hollerküchle, Holunderblütensirup): dieselbe Idee, das feine Muskat-Honig-Aroma der Dolden in Milch zu ziehen.

Das Aromatisieren. Die frischen Holunderblüten werden in Milch gut aufgekocht, damit die Milch ihr Aroma annimmt, dann durch ein Tuch passiert (slach sie dorch ein duch) - die abgekochten Blüten werden also entfernt, zurück bleibt eine blütenparfümierte Milch. Wichtig: nur die schneeweißen Dolden des Schwarzen Holunders verwenden, Stiele und Grün geben Bitterkeit.

Die Bindung. Gebunden wird zeittypisch mit gereben semelen (geriebener Semmel/Weißbrot) und Eiern - die klassische mittelalterliche Brotbindung, lange vor der Mehlschwitze. Die Semmel quillt in der warmen Milch, die Eier ziehen das Mus beim Erwärmen sämig. Nicht kochen, nachdem die Eier drin sind, sonst flockt es aus - knapp unter dem Siedepunkt unter Rühren binden lassen.

Wurcze isz abdu wilt - Würzen nach Belieben. Der Text lässt die Würze offen. Für ein süßes Mus boten sich Zucker, Zimt, Ingwer oder Muskat an; eine Prise Salz hebt den Geschmack. Kein Färbemittel nötig - die Speise ist von Natur cremeweiß.

Praxis. Für 2-4 Personen eine große Handvoll frischer (oder einen guten Esslöffel getrockneter) Holunderblüten in etwa 500 ml Milch aufkochen, vom Feuer ziehen und 10 Minuten ziehen lassen, dann durch ein Tuch passieren. Die aromatisierte Milch erneut erwärmen, 3-4 Esslöffel geriebenes Weißbrot einrühren und quellen lassen, dann 2-3 verquirlte Eier unterrühren und unter Rühren knapp unter dem Siedepunkt binden lassen. Mit Zucker und Zimt abschmecken. Holunderblüten gibt es nur Mai/Juni - getrocknete funktionieren ganzjährig.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-022-orig" n="holder musz" resp="#fyndling">Ein ‚Mus' ist ein Brei oder Püree. ‚Holder' bezieht sich auf Holunder.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-022-orig" n="hulder plumen" resp="#fyndling">Holunderblüten.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-022-orig" n="slach sie dorch ein duch" resp="#fyndling">Die Flüssigkeit durch ein Tuch seihen oder passieren.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-022-orig" n="gereben semelen" resp="#fyndling">Geriebene Semmeln, also Semmelbrösel.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-022-orig" n="wurcze isz abdu wilt" resp="#fyndling">Würze es, wenn du möchtest. Typische Gewürze für süße Speisen waren Zucker, Zimt, Ingwer oder Muskat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-022-orig" n="holder musz / hulder plumen" resp="#fyndling">Holunderblütenmus. Das Wort ‚holder' kann sich auf Holunderbeeren oder Holunderblüten beziehen, aber ‚plumen' (Blumen) präzisiert hier die Verwendung der Blüten.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-023-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein herzhaftes Lauchgemüse in heller Brotmilch, gekocht mit Schweinefleisch - im Kern ein früher Lauch-Eintopf bzw. eine Art mittelalterlicher Lauch-‚Rahm‘. Die nahe Schwester ist das fleischlose m384-014 (Lauch-Kohl mit Brotmilch) und das Fasten-Lauchmus bgs-064 mit Mandelmilch statt Milch; alle drei teilen denselben Aufbau.

Das Blanchieren und Abgießen. Der weiße Lauch wird fingerlang geschnitten, garwol (sehr gut) in Schmalz angebraten, dann mit Wasser abgelöscht, aufgewallt und in ein Sieb gegeben, so get daz nasche herabe - die Flüssigkeit läuft ab. Dieser Zwischenschritt zieht dem Lauch die Schärfe und das herbe Kochwasser, sodass nur der milde, weiche Lauch übrigbleibt. Erst danach kommt er in die eigentliche, feinere Garflüssigkeit.

Milche … mit wyszem brode dorch ein duch geczogen - die Brotmilch. Das Bindemittel des Gerichts: Weißbrot wird in Milch eingeweicht und durch ein Tuch passiert, sodass eine dicke, sämige, helle Flüssigkeit entsteht. Das ist die zeittypische Brotbindung (lange vor der Mehlschwitze) - sie macht das Mus cremig und hell zugleich. In diese Brotmilch kommt der abgetropfte Lauch zurück, dazu weiteres Schmalz und das Schweinefleisch.

Sude isz mit swinem fleische. Das Schweinefleisch wird mit dem Lauch in der Brotmilch fertig gegart - Fleisch und Mus garen zusammen, damit das Fleisch sein Aroma an die Sauce abgibt und die Lauchsauce den Braten begleitet. Praktisch nimmt man durchwachsenes Stück (Bauch, Schulter) oder bereits vorgegartes Fleisch, da Lauch und Brotmilch nur kurze Garzeit brauchen.

Praxis. Für 4 Personen etwa 600 g weißen Lauch (Stangen) fingerlang schneiden, in Schmalz kräftig anschwitzen, mit Wasser ablöschen, einmal aufkochen, abgießen. 150 g Weißbrot in 400 ml Milch einweichen und durch ein Sieb/Tuch streichen. Lauch mit der Brotmilch, einem Löffel Schmalz und etwa 500 g gewürfeltem Schweinefleisch (Schulter, oder vorgegart) in den Topf, sanft köcheln, bis Fleisch und Lauch weich sind. Salzen. Für eine fleischlose Variante (vgl. m384-014) Lauch pur in Brotmilch garen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-023-orig" n="wyszen lauch" resp="#fyndling">Der weiße, milde Schaft der Lauchstange (nicht das grüne Blatt). ‚Weiß‘ markiert den zarten, weniger herben Teil.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-023-orig" n="garwol" resp="#fyndling">‚Sehr gut / gründlich‘ - der Lauch soll richtig durchgebraten werden, bevor Wasser dazukommt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-023-orig" n="so get daz nasche herabe" resp="#fyndling">‚So läuft die Flüssigkeit ab‘ - das herbe Kochwasser wird über das Sieb abgegossen, damit nur der milde Lauch zurückbleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-023-orig" n="milche … mit wyszem brode dorch ein duch geczogen" resp="#fyndling">Brotmilch: Weißbrot in Milch eingeweicht und durch ein Tuch passiert, ergibt eine dicke, helle Bindeflüssigkeit. Die zeittypische Brotbindung statt einer Mehlschwitze.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-025-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein zweistufiges Festtagsgericht: Hirsebrei, gekocht in der Brühe von Wachteln, mit den darauf angerichteten, am Rost gerösteten Wachteln. Im Kern die gehobene Variante des schlichten Hirsebreis (vgl. men-136) - dieselbe Getreidebasis, aber mit Geflügelbrühe statt Wasser gekocht und mit Braten gekrönt. Die Schwester im selben Buch ist rfk-024 (Wachtel mit viel Petersilienkraut).

Brühe zweifach genutzt. Die Wachteln werden erst im Topf gesotten - das gart sie vor und ergibt zugleich eine kräftige wachtelen bruwe. In dieser Brühe quillt anschließend die Hirse zu einem aromatischen Brei; der gesamte Geschmack der Vögel wandert so in das Getreide. Nichts wird weggeschüttet - typische Sparsamkeit und Aromaführung der Zeit.

Roiste die wachtel uff eym roist - Rösten zum Abschluss. Die vorgegarten Wachteln kommen zum Schluss auf den Rost über die Glut. Das gibt Bräune, Röstaroma und eine knusprige Haut, die das gekochte Fleisch allein nicht hätte. Serviert werden sie ganz auf dem Hirsebrei - Wachteln sind kleine Vögel, die man bei Tisch ganz nimmt und das Fleisch von den feinen Knochen löst; ein Entbeinen ist weder genannt noch nötig.

Praxis. Pro Person eine bis zwei küchenfertige Wachteln in leicht gesalzenem Wasser etwa 15-20 Minuten sieden, herausnehmen. In der Brühe Hirse (etwa 60 g pro Person, gut gewaschen) weich quellen lassen, bei Bedarf Brühe oder Wasser ergänzen, bis ein sämiger Brei entsteht. Die Wachteln über Glut oder unter dem Grill rundum knusprig rösten und auf dem Hirsebrei anrichten. Wer mag, würzt den Brei mit etwas Salz und Pfeffer; das Gericht lebt vom puren Brühe-Wachtel-Aroma.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-025-orig" n="wachtelen bruwe" resp="#fyndling">Die Brühe vom Vorsieden der Wachteln - sie wird gleich als Garflüssigkeit für die Hirse weiterverwendet, sodass das Vogelaroma in den Brei übergeht.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-025-orig" n="roiste die wachtel uff eym roist" resp="#fyndling">Die vorgegarten Wachteln werden am Rost über der Glut geröstet - Bräune und Röstaroma als Abschluss, das gekochte Fleisch allein hätte keine Kruste.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-025-orig" n="bry" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch ‚Brei/Mus‘ - eine dickflüssige Speise, hier aus Hirse.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-028-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gefüllte Kalbswurst aus dem Enddarm, in zwei Stufen: schlicht mit fein gehackter Lunge und Speck, oder reicher als Hirnwurst mit zusätzlich Hirn, Eigelb, Petersilie und Milch. Es ist eine klassische Schlacht-Vollverwertungs-Wurst des Spätmittelalters - die nahezu wortgleichen Geschwister sind mha-020 (Kalbswurst aus Enddarm mit Lungen-Speck-Füllung) und m384-069 (Gefüllter Darm mit Lunge und Hirn); die Lungen-Speck-Eigelb-Farce teilt sie mit koe-008 (frittierte Lungenbällchen).

Darm vorbereiten (schabe yn uszer heiszem wasser). Der hintere (End-)Darm vom Kalb dient als natürliche Hülle. Er wird in heißem Wasser ausgeschabt und gründlich gereinigt - ohne diese Reinigung wäre die Wurst ungenießbar.

Die Farce. Lunge und Speck werden fein gehackt und wol gewürzt (zeittypisch Pfeffer, Ingwer, Salz), dann in den Darm gefüllt. Die Lunge bringt lockere, leichte Masse, der Speck Fett und Bindung. Für die Hirnwurst kommen Kalbshirn, Eigelb, Petersilie und Milch dazu: das Hirn macht die Füllung cremig-mild, Eigelb bindet, Petersilie gibt Farbe und Frische.

Garen: sieden, dann braten (sude sij vnd brade brade sij dan uff eime roist). Die gefüllte Wurst wird zuerst gesotten - das gart die Farce durch und stabilisiert den Darm, damit er beim Braten nicht platzt -, danach am Rost über der Glut gebraten, was Bräune und Röstaroma gibt. Das doppelte brade ist eine Schreiberdoppelung (Dittographie), kein dritter Garschritt: die Geschwister-Rezepte mha-020 und m384-069 nennen genau diese zwei Stufen (sieden, dann braten). Serviert wird drocken (trocken) oder in einer gelen bruwe - einer mit Safran goldgelb gefärbten Weinbrühe, dem klassischen Festtags-Plating der Zeit.

Praxis. Heute am ehesten mit Schweinedarm und Schweinelunge/-hirn nachzubauen, da Kalbsinnereien selten sind. Lunge (und ggf. Hirn) fein hacken, mit gewürfeltem Speck, Eigelb, gehackter Petersilie und etwas Milch zu einer Farce mischen, kräftig mit Pfeffer, Ingwer und Salz würzen, in vorbereiteten Darm füllen und abbinden. Etwa 20-30 Minuten knapp unter dem Siedepunkt sieden (nicht sprudelnd, sonst platzt sie), dann auf dem Rost rundum bräunen. Für die gelbe Brühe Weißwein mit etwas Brühe und einer Prise Safran erwärmen und die Wurst darin anrichten. Achtung: Hirn und Lunge brauchen lückenlose Kühlung und sind heute Geschmackssache.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-028-orig" n="gefalden worst" resp="#fyndling">‚Gefüllte Wurst‘ - ‚gefalden‘ bezieht sich auf das Füllen des Darms.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-028-orig" n="schabe yn uszer heiszem wasser" resp="#fyndling">Den Darm in heißem Wasser ausschaben und reinigen - die übliche Vorbereitung der natürlichen Wursthülle.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-028-orig" n="hirn wornst" resp="#fyndling">‚Hirnwurst‘ - die reichere Variante, bei der zusätzlich Kalbshirn, Eigelb, Petersilie und Milch in die Farce kommen. Das Hirn macht die Füllung cremig-mild.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-028-orig" n="brade brade" resp="#fyndling">Doppeltes ‚brade‘ (braten) - eine Schreiberdoppelung (Dittographie), kein zusätzlicher Garschritt. Gemeint ist: sieden, dann braten.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-028-orig" n="gele bruwe" resp="#fyndling">‚Gelbe Brühe‘ - eine mit Safran goldgelb gefärbte Weinbrühe, in der die Wurst angerichtet wird; festliches Plating der Zeit.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-028-orig" n="brade brade sij dan uff eime roist" resp="#fyndling">Zweistufiges Garen: erst sieden (Farce durchgaren, Darm stabilisieren), dann am Rost braten. Das doppelte ‚brade‘ ist eine Schreiberdoppelung (Dittographie) ohne eigene Bedeutung - die wortgleichen Geschwister-Rezepte mha-020 und m384-069 nennen genau diese zwei Schritte.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-029-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzer Kalbskopf, erst weichgekocht und dann auf dem Rost gebräunt - ein Prunkstück der spätmittelalterlichen Herrentafel, das die vollständige Verwertung des Tieres zelebrierte. Das Hirn galt dabei als Delikatesse. Praktisch wortgleich findet sich das Gericht im Münchner Cgm 384 (m384-067) und im Clm 15632 (ri15632-015); der Kalbskopf war im 15. Jahrhundert weit verbreitet.

Fullen vnde braden. Trotz des Verbs fullen ("füllen") wird hier nichts im Wortsinn gefüllt: Der Schädel wird nach dem Kochen geöffnet, das freiliegende Hirn an Ort und Stelle gewürzt und mit heißem Schmalz übergossen - das Füllen meint also das Einbringen von Würze und Fett in die natürliche Schädelhöhle, nicht das Einnähen einer Farce. Die Parallelhandschriften bestätigen das: dort heißt es schlicht "brich die Hirnschale auf und gib Gewürz hinein".

Briche yme die hyrnschalen. Die hyrnschalen ist die Schädeldecke. Sie wird nach dem Garen aufgebrochen, sodass eine natürliche Schale entsteht, in die Gewürze und das heiße Schmalz gegossen werden. Das Hirn bleibt darin und wird so mitgewürzt und cremig.

Gude worcze. Die "guten Gewürze" sind die teuren Importgewürze der Festtagsküche - typischerweise Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat und Safran. Die genaue Mischung lag beim Koch; das Attribut gude signalisiert schlicht das gehobene Niveau der Speise.

Praxis. Den Kalbskopf (beim Metzger vorbestellen) in reichlich gesalzenem Wasser weichkochen - je nach Größe gut 1,5 bis 2 Stunden. Danach die Schädeldecke öffnen, eine kräftige Gewürzmischung über das Hirn und das Kopffleisch streuen und heißes Butterschmalz darübergießen. Den Kopf auf einem Grillrost über der Glut rösten, bis die Oberfläche bräunt und durchhitzt ist, dann heiß auftragen. Wer das Schau-Element nicht braucht, gart und würzt nur die ausgelösten Delikatessteile - Bäckchen und Zunge - und brät sie kurz auf dem Rost.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-029-orig" n="hyrnschalen" resp="#fyndling">Die ‚Hirnschale‘ ist die Schädeldecke des Kalbskopfes. Das Aufbrechen nach dem Garen schafft eine natürliche Schale, in die Gewürze und Schmalz gegeben werden; das Hirn bleibt darin und wird mitgewürzt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-029-orig" n="fullen" resp="#fyndling">Trotz des Verbs ‚füllen‘ wird nichts eingenäht: Gemeint ist das Einbringen von Würze und heißem Schmalz in die geöffnete Schädelhöhle. Die Parallelhandschriften (Cgm 384, Clm 15632) sagen schlicht ‚Gewürz hineingeben‘.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-029-orig" n="gude worcze" resp="#fyndling">‚Gute Gewürze‘ meint die teuren Importgewürze der Festtagsküche - Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat, Safran. Die Mischung lag beim Koch; das Attribut ‚gude‘ markiert das gehobene Niveau.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-029-orig" n="roist" resp="#fyndling">Ein Rost, auf dem der gekochte Kopf über der Glut gebräunt wurde - die zweite Garstufe nach dem Weichkochen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-029-orig" n="fullen" resp="#fyndling">Trotz des Verbs ‚füllen‘ wird keine Farce eingebracht, sondern Gewürz und heißes Schmalz in die geöffnete Schädelhöhle gegeben - das Hirn wird so an Ort und Stelle gewürzt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-032-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Leberpfeffer vom Reh - die gegarte Leber wird zerstoßen, mit Roggenbrot in der Brühe zu einer dunklen, säuerlich-würzigen Sauce gebunden und mit einem dünnen Eierblatt bedeckt serviert. Es gehört zur großen Familie der brotgebundenen Innereien-Saucen des Spätmittelalters (Leberpfeffer, Fürhess) und hat ein nahezu identisches Geschwister im Cgm 384 (m384-023 Rehleber-Mus mit Eierpfannkuchen, m384-057 Lebermus mit Eierblatt).

Roist sij adir sude sie - die Leber darf geröstet oder gesotten werden, die Wahl ist freigestellt. Anschließend wird sie kleingehackt und mit Roggenbrot zusammen gestoßen; das Brot ist hier nicht Beilage, sondern Bindemittel, das die Sauce sämig macht.

So wirt isz swarcze - die Sauce wird durch das Einkochen von Brühe, Rotwein und Essig dunkel. Die "schwarze" Farbe ist kein Farbzusatz, sondern das Ergebnis der reduzierten, brotgebundenen Wein-Essig-Mischung mit der dunklen Leber - ein gewolltes, kräftiges Erscheinungsbild dieser Saucenfamilie.

Blae von eyeren - ein dünnes Eierblatt (flaches Omelett), in der Pfanne gestockt und beim Anrichten obenauf gelegt. Es ist Deckel und Garnitur zugleich, ein wiederkehrendes Element der Leber-Mus-Rezepte.

Praxis. Rehleber (ersatzweise Kalbsleber) kurz anbraten oder in Brühe garen, kleinhacken und mit etwas eingeweichtem Roggenbrot im Mörser oder Mixer zur Paste stoßen. Mit Brühe, einem kräftigen Rotwein und einem Schuss Essig aufgießen und einkochen, bis es dunkel und sämig ist; fein gewürfelten Speck unterheben und durchziehen lassen. In einer Pfanne ein dünnes Omelett backen, das Lebermus anrichten und das Eierblatt darüberlegen. Säure am Ende abschmecken - das säuerlich-würzige Profil ist das Kennzeichen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-032-orig" n="stoisz sij mit ruckem brode" resp="#fyndling">Leber und Roggenbrot werden zusammen im Mörser zerstoßen. Das Brot bindet die Sauce sämig - es ist Bindemittel, nicht Beilage. Dieselbe Brotbindung trägt die ganze Leberpfeffer-/Mus-Familie.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-032-orig" n="swarcze" resp="#fyndling">Die dunkle Farbe entsteht durch das Einkochen von Brühe, Wein und Essig mit der dunklen Leber - kein Farbzusatz, sondern reduzierte, brotgebundene Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-032-orig" n="blae von eyeren" resp="#fyndling">Ein dünnes Eierblatt (flaches Omelett), in der Pfanne gestockt und beim Anrichten als Deckel auf das Gericht gelegt. Wiederkehrendes Element der Leber-Mus-Rezepte (vgl. m384-023, m384-057).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-033-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Leberfarce im Schweinenetz gebraten - im Kern ein früher Verwandter des schweizerischen Adrio (frz. atriau): rohe Leber wird fein gehackt, mit Ei und Weißbrot gebunden, gewürzt, gefärbt, in Netzfett gewickelt und gebraten. Dieselbe Technik trägt eine ganze Korpus-Familie: m384-070 Klobwurst (Bockleber im Netz), mar-021 (Martinos Leberbällchen im Netzmantel), ant-080 (Figatelli im Schweinenetz), ri15632-039 (Leber-Sülze vom jungen Schwein).

Grune - die Leber wird "grün", also roh/frisch gehackt, nicht die Farbe Grün. Sie kommt ungekocht in die Farce; gegart wird erst beim Braten.

Clapworst - der Name dürfte auf das Flachdrücken/"Klatschen" der Masse vor dem Braten anspielen. Die verbreitete ältere Übersetzung als "Presswurst" (so bei Gloning) ist irreführend: Eine Presswurst ist eine kalt gepresste Sülzwurst - dieses Gericht wird dagegen frisch im Netz gebraten.

Necze - das Netzfett (Omentum, frz. crépine), die feine netzartige Fettschicht aus dem Bauchraum. Es umhüllt die Farce, hält sie zusammen und saftig und schmilzt beim Braten weg.

Ferbe isz - gefärbt wurde mit Safran (gelb), das prestigeträchtige Standard-Farbmittel der Zeit.

Praxis. Rohe Schweine- oder Kalbsleber sehr fein hacken, mit Ei und eingeweichtem, ausgedrücktem Weißbrot zur formbaren Farce mischen. Kräftig würzen (Pfeffer, Ingwer, Muskat, Salz), mit etwas Safran gelb färben. Netzfett vom Metzger wässern, die Farce zu Päckchen formen und im Netz einschlagen. In der Pfanne in etwas Fett von beiden Seiten braten, bis das Netz zusammenschmilzt und die Oberfläche bräunt. Wer kein Netz bekommt: dünne Speckscheiben als Mantel.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-033-orig" n="clapworst" resp="#fyndling">Eine in Netzfett gewickelte, gebratene Leberfarce - funktional ein früher Verwandter des heute noch bekannten Adrio (frz. „Atriau“). Der Name dürfte auf das Flachdrücken/„Klatschen“ der Masse vor dem Braten anspielen. Nicht zu verwechseln mit einer Presswurst (kalt gepresste Sülzwurst), als die das Rezept gelegentlich übersetzt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-033-orig" n="grune" resp="#fyndling">Hier „roh/frisch“, nicht die Farbe Grün. Die Leber kommt ungekocht in die Farce und gart erst beim Braten.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-033-orig" n="necze" resp="#fyndling">Das Netzfett (Omentum majus), eine feine netzartige Fettschicht aus dem Bauchraum von Schwein, Rind oder Schaf. Es umhüllt die Farce, hält sie saftig und schmilzt beim Braten weg.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-033-orig" n="ferbe isz" resp="#fyndling">„Färbe es“ - im Spätmittelalter meist mit Safran für eine gelbe Färbung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-033-orig" n="grune" resp="#fyndling">Die Lesart „roh/frisch“ wurde gewählt - die übliche Bedeutung von „grün“ im Mittelhochdeutschen im Zusammenhang mit Fleisch und für eine Wurstmasse sachlich zwingend.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-034-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Trotz des Namens leber sulcze kein kaltes Aspik, sondern gebratenes Rebhuhn in einer warmen, brotgebundenen Leber-Sauce. Die Lebermasse wird durch ein Tuch passiert, aufgekocht und die gebratenen Vögel werden warm daraufgegeben - sulcze meint hier eine gebundene, sämige Leber-Sauce, nicht eine kalt gestürzte Gallerte. Es gehört damit zur Leberpfeffer-/Brotbindungs-Familie der gehobenen Tafel (vgl. rfk-032, sev-021 Wildente in Leber-Speck-Sauce).

Lasz die magen gancze dain - die Mägen der Vögel bleiben ganz darin; das zielt auf geschmackliche Tiefe beim ersten Brühen.

Die Vögel werden zweistufig gegart: erst in der Pfanne mit Fleischbrühe erwellt (aufgekocht/angesotten), dann in Schmalz gebraten - eine typische Kombination aus Vorbrühen und Bräunen.

Slach isz durch ein duche - die gestoßene Leber-Brot-Masse wird durch ein Tuch passiert, damit die Sauce besonders glatt wird. Das also vil brots ("ebenso viel Brot") ist idiomatisch "etwa gleich viel", keine exakte 1:1-Vorgabe; das Brot bindet.

Verbe isz wol - gefärbt wurde mit Safran (gelb), dem Standard-Farbmittel der Zeit.

Praxis. Rebhühner (ersatzweise Wachteln oder junge Hähnchen) in Brühe kurz ansieden, dann in Schmalz rundum bräunen. Lamm- oder Kalbsleber im Mörser fein stoßen, mit gleicher Menge eingeweichtem Weißbrot mischen, mit wenig Weißwein und Essig im Mörser glätten und durch ein Tuch oder feines Sieb streichen. Würzen (Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat), mit etwas Safran gelb färben, aufkochen lassen, bis es sämig bindet. Die gebratenen Vögel warm darauf anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-034-orig" n="sulcze" resp="#fyndling">Hier KEINE kalte Sülze/Gallerte, sondern eine warme, brotgebundene Leber-Sauce. Die Masse wird passiert, aufgekocht und die gebratenen Vögel werden warm daraufgegeben - kein Geliermittel, kein Kaltstellen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-034-orig" n="magen gancze dain" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen">Die Mägen der Vögel bleiben ganz darin - das vertieft den Geschmack der Brühe beim ersten Brühen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-034-orig" n="slach isz durch ein duche" resp="#fyndling">Die gestoßene Leber-Brot-Masse durch ein Tuch passieren für eine besonders glatte Sauce - eine typische Feinheit der gehobenen Küche.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-034-orig" n="verbe isz wol" resp="#fyndling">Gut färben, im Spätmittelalter meist mit Safran für ein goldgelbes Aussehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-034-orig" n="sulcze" resp="#fyndling">„sulcze“ meint hier eine gebundene, warm servierte Leber-Sauce, nicht eine kalt gestürzte Gallerte: Die Masse wird passiert, aufgekocht und die gebratenen Vögel werden warm daraufgegeben - es fehlt jedes Geliermittel und jedes Kaltstellen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-036-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Knoblauchsauce zu gebratener Gans - im Original sulcze, hier aber keine Gallerte, sondern eine sämige, säuerliche Tunke aus gleichen Teilen Knoblauch und Weißbrot, mit Wein und Essig passiert. Sie ist die rheinfränkische Variante der weit verbreiteten Knoblauch-Galray zur Bratgans (vgl. m384-039, m384-044) und im Geiste eng verwandt mit der mediterranen agliata.

Glijch vil - Knoblauch und Weißbrot zu gleichen Teilen im Mörser stoßen. Das Brot bindet die Sauce und mildert die Schärfe des rohen Knoblauchs; es ist das tragende Strukturmittel.

Strijch isz dar ane - die Masse wird mit Wein und Essig durchgestrichen/passiert, bis eine glatte Sauce entsteht.

Wan der safferan benymmet yme den gesmacke - das Rezept verbietet ausdrücklich Safran, "denn der Safran nimmt ihr den Geschmack". Das ist bemerkenswert: Safran galt als Prestige-Gewürz und Farbmittel, wird hier aber bewusst weggelassen, damit der herbe, knoblauchscharfe und säuerliche Charakter der Sauce nicht überdeckt wird.

Praxis. Eine junge Gans am Spieß oder im Ofen knusprig braten. Für die Sauce gleich viel geschälten Knoblauch und entrindetes Weißbrot im Mörser zu einer Paste stoßen, mit Wein und Essig zur streichfähigen Sauce verdünnen und durch ein Sieb passieren. Mit Pfeffer und Salz (und ggf. weiteren Gewürzen) abschmecken - keinen Safran. Die kalte oder lauwarme Sauce zur heißen Gans reichen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-036-orig" n="sulcze" resp="#fyndling">Hier KEINE Gallerte, sondern eine würzige, sämige Sauce/Tunke zur Gans. Die breiten „Gelee“-Begriffe des Buches meinen oft Sauce oder Eingelegtes, nicht kalte Sülze.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-036-orig" n="glijch vil" resp="#fyndling">Knoblauch und Weißbrot zu gleichen Teilen. Das Brot bindet die Sauce und mildert die Schärfe des rohen Knoblauchs.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-036-orig" n="wan der safferan benymmet yme den gesmacke" resp="#fyndling">Das Rezept verbietet Safran ausdrücklich („denn der Safran nimmt ihr den Geschmack“). Ungewöhnlich für die Zeit - hier soll der herbe, knoblauchscharfe, säuerliche Charakter nicht von Safran überdeckt werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-036-orig" n="ander wele sij" resp="#fyndling">Wir folgen Gloning und lesen „ander wele sij“ als „wenn sie gut gewachsen ist / eine gute Größe hat“ - sinnvoll für die Auswahl einer jungen Gans.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-037-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Bratgans-Füllung - der direkte Vorfahr der gefüllten Martinsgans. Sie kombiniert herzhaft (Knoblauch, Pfeffer, Speck) mit fruchtig-säuerlich (Wacholderbeeren, grüne Trauben) und entspricht fast wörtlich der Füllung in der Münchner Handschrift Cgm 384 (m384-046, m384-045).

In der welle sij - die Gans soll "in ihrer Blüte" stehen, also jung und gut genährt sein (auch eine ältere Gans ist zugelassen).

Lufft sie als ein hune - die Gans wird wie ein Huhn vorbereitet: rupfen, ausnehmen, sauber machen.

Stoisz sie auch inwenig - die Füllung fest nach innen stopfen; "stoßen" steht hier für das feste Hineindrücken, kein zusätzlicher Einreib-Schritt.

Grune winber - grüne, also unreife Trauben. Ihr säuerlicher Saft (verwandt mit Verjus) gibt der fetten Gans eine frische, herbe Note - kein süßes Element, sondern ein Säure-Gegenpol zum Bratenfett. Wecholtern beren (Wacholderbeeren) setzen die typische harzig-herbe Wildnote.

Praxis. Gans rupfen, ausnehmen, innen würzen. Knoblauch mit Pfeffer im Mörser zerstoßen, mit etwas gewürfeltem Speck, Wacholderbeeren und grünen (unreifen) Trauben mischen. Die Mischung fest in die Bauchhöhle stopfen und die Gans verschließen. Am Spieß oder im Bräter braten - die Füllung gibt Saft und Aroma an das Fleisch ab. Sind keine unreifen Trauben zur Hand: feste, eher saure Tafeltrauben mit einem Spritzer Verjus oder Zitrone.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-037-orig" n="in der welle sij" resp="#fyndling">„In ihrer Blüte stehen“ / gut genährt sein - eine Gans in bestem Zustand. Auch eine ältere Gans ist laut Rezept zugelassen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-037-orig" n="lufft sie als ein hune" resp="#fyndling">Die Gans wie ein Huhn vorbereiten: rupfen, ausnehmen, sauber machen - die übliche Geflügel-Vorbereitung vor dem Füllen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-037-orig" n="grune winber" resp="#fyndling">Grüne, also UNREIFE Trauben. Ihr säuerlicher Saft (verwandt mit Verjus) gibt der fetten Gans eine herbe Frische - ein Säure-Gegenpol zum Bratenfett, kein süßes Element.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-037-orig" n="stoisz sie auch inwenig" resp="#fyndling">Die Füllung fest nach innen stopfen. „Stoßen“ steht hier für das feste Hineindrücken der Füllung - kein zusätzlicher Einreib-Schritt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-039-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Geflügel-Speck-Pastete - eine aus festem Teig geformte Hülle, gefüllt mit roh kleingewürfeltem Tauben- und Hühnerfleisch und Speck, oben mit einem Eierteig-Blatt verschlossen und im Ofen gebacken. Sie gehört zur spätmittelalterlichen Pasteten-Tradition und hat ihr nächstes Geschwister in der Münchner Handschrift Cgm 384 (m384-017 Pastete mit Taube oder Huhn, m384-020 Hohe Pastete mit Fleischfüllung).

Harten wol gewallen deig - ein harter, gut durchgekneteter/ausgewalkter Teig. Diese feste, fettarme Teighülle (engl. coffin) ist primär Backform und Garbehälter, weniger Genussgebäck; sie hält die Füllung beim Backen zusammen.

Snyde clein wor ffellecht - klein und würfelig schneiden. Worffellecht ist dieselbe Bildung wie wurfelecht (würfelig) in Rezept 35 derselben Handschrift; Geflügel und Speck kommen also gewürfelt in den Teig.

Blat von einem eyer deyge - ein Eierteig-Blatt (mit Ei angereicherter Teig, ähnlich Nudelteig) als Deckel über der Füllung. Bewusste Materialdifferenzierung: fester Boden, feinerer Deckel.

Backe isz dan in einem offen - ausdrücklich im Ofen gebacken; das macht das Gericht ofengebunden.

Praxis. Festen Teig aus Mehl, Wasser, Salz und wenig Fett kräftig kneten und zu einer Form ausrollen. Junge Taube, junges Huhn und guten Speck klein würfeln, kräftig würzen (Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat), in die Teigform füllen. Einen mit Ei angereicherten Teig dünn ausrollen, als Deckel auflegen, Ränder schließen. Im vorgeheizten Ofen backen, bis das Geflügel gar und die Hülle fest ist. (Ofengebunden - im Lager am offenen Feuer würde eher ein Schmortopf statt einer Pastete entstehen.)</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-039-orig" n="harten wol gewallen deig" resp="#fyndling">Ein harter, gut durchgekneteter/ausgewalkter Teig - die feste, fettarme Pastetenhülle (engl. „coffin“) als Backform und Garbehälter, nicht als Genussgebäck gedacht.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-039-orig" n="snyde clein wor ffellecht" resp="#fyndling">Klein und würfelig schneiden. „worffellecht“ ist dieselbe Bildung wie „wurfelecht“ (würfelig) in Rezept 35 derselben Handschrift.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-039-orig" n="eyer deyge" resp="#fyndling">Ein mit Eiern angereicherter Teig (ähnlich Nudelteig), hier als Deckel über die Füllung gelegt - feiner als der harte Boden.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-039-orig" n="offen" resp="#fyndling">Die Pastete wird ausdrücklich im Ofen gebacken - das macht das Gericht ofengebunden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-039-orig" n="snyde clein wor ffellecht" resp="#fyndling">„Schneide klein, würfelig“ - „worffellecht“ ist die gleiche Bildung wie „wurfelecht“ (würfelig) in Rezept 35 derselben Handschrift; Geflügel und Speck werden also gewürfelt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-040-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Bubenpulbe - in heißem Schmalz ausgebackene Röllchen aus einer Kalbsinnereien-Farce, eingewickelt in dünne Eierblätter (Crêpes). Dasselbe Gericht steht unter anderen Kissen-Namen in der Münchner Handschrift Cgm 384 (m384-001 Bubenpfulwe aus Kalbslunge) und im Mondseer Kochbuch (mon-145 Bubenpolster aus Kalbslunge), die nahe verwandte Kalbslungen-Variante in ri15632-021. Der Name pulbe/pfulwe/polster ist ein gericht-spezifischer Eigenname für diese Röllchen - wörtlich „Kissen“.

Snyt die gar wol ... hacke isz clein - Kalbszunge, Kalbslunge und Speck werden sehr fein geschnitten und gehackt, bis eine farce-artige Masse entsteht.

Slage eyer darane vnd saffran vnd peffer - Eier binden die Farce, Safran färbt sie gelb, Pfeffer würzt. Der Safran ist hier Farb- und Würzmittel der Farce, nicht der Hülle.

Mach dan eyer bleter - dünne Eierblätter (flache Crêpes/Omelett-Fladen) in der Pfanne backen. Bewelle isz dar in - die Farce darin einrollen; die Enden mit verquirltem Ei bestreichen, damit sie beim Ausbacken halten (Ei als Kleber).

Back isz insmalcze - die Röllchen in heißem Schmalz frittieren, bis sie goldbraun und gar sind.

Praxis. Kalbszunge und Kalbslunge zunächst sehr weich vorkochen (ca. 1,5-2 Stunden, wie bei den engen Verwandten m384-001 und ri15632-021 - roh ließen sich die Innereien kaum fein genug hacken und zu einer bindigen Farce verarbeiten), dann mit Speck sehr fein hacken, mit Ei, etwas Safran und Pfeffer zur formbaren Farce verrühren. In der Pfanne dünne Eierblätter (wie sehr dünne Omeletts/Crêpes) backen. Etwas Farce auf jedes Blatt geben, einrollen, die Naht mit verquirltem Ei bestreichen und die Röllchen in reichlich heißem Schmalz rundum ausbacken. Heiß servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-040-orig" n="buben pulbe" resp="#fyndling">Gericht-spezifischer Eigenname für die ausgebackenen Innereien-Röllchen (mhd. „pfulwe“/„pulbe“ = Kissen/Pfühl). Dasselbe Gericht trägt in anderen Handschriften andere Kissen-Namen: Cgm 384 (m384-001) „Bubenpfulwe“, Mondseer Kochbuch (mon-145) „Bubenpolster“ - drei verschiedene mittelalterliche Wörter für „Kissen“, dieselbe scherzhafte Idee.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-040-orig" n="eyer bleter" resp="#fyndling">Dünne Eierblätter (flache Crêpes/Omelett-Fladen), die als Hülle für die Farce dienen - eine frühe Form gefüllter, ausgebackener Röllchen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-040-orig" n="bestrijch isz andem ende mit eyeren" resp="#fyndling">Die Enden der Röllchen mit verquirltem Ei bestreichen - das Ei wirkt als Kleber, damit die Hülle beim Ausbacken nicht aufgeht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-041-trans" resp="#fyndling">Zur Form: die langen, dünnen Teigstücke werden vor dem Frittieren zu Hufeisen-Bögen gebogen - das ist der Sinn der einleitenden Wendung ‚krumme kreppelin also rosz ysen‘ (gekrümmte Kräppelchen wie ein Hufeisen).

Zur Sauce am Schluss: ein echtes zweites Sieden der bereits frittierten Hufeisen ist unwahrscheinlich (würde die Kruste sofort aufweichen). Gemeint ist eher, sie mit einer warmen Sauce anzurichten - übergossen oder als Tunke dazu gereicht. Am plausibelsten ist eine säuerlich-würzige Wein- oder Fleischbrühe mit Essig und Gewürzen; ganz sicher ist das aber nicht - der Wortstamm ‚suffen‘ deckt laut Wörterbuch auch ‚Würze/Fett‘ ab, nicht nur ‚Brühe‘. Ausführliche Diskussion (inkl. Glonings ‚Soße auf Milchrahmbasis‘) in den Lesarten und im Redaktionskommentar.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-041-orig" n="kreppelin" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch für kleine Krapfen, Pfannkuchen oder Gebäckstücke.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-041-orig" n="rosz ysen" resp="#fyndling">Mittelhochdeutsch ‚Ross-Eisen‘ = Hufeisen (‚rosz‘ = Ross, nicht Rose). Die ‚krummen kreppelin also rosz ysen‘ sind also Krapfen, die wie ein Hufeisen geformt werden: lange, dünne Teigstücke werden zu einem Bogen gebogen und in Schmalz frittiert.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-041-orig" n="sude isz vndir ein ander" resp="#fyndling">Wörtlich „koche es untereinander“. Dies bedeutet, die Masse so lange zu kochen und zu rühren, bis sie eine feste, formbare Teigkonsistenz annimmt, die sich anschließend ausrollen lässt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-041-orig" n="walge isz uff eime brede" resp="#fyndling">Rolle es auf einem Brett aus. Dies bestätigt, dass die vorherige Kochphase zu einem festen Teig führen muss.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-041-orig" n="backe isz in vil smalczes" resp="#fyndling">„Backen“ konnte im Mittelhochdeutschen auch „frittieren“ bedeuten, besonders wenn es „in viel Schmalz“ geschieht.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-041-orig" n="suffen" resp="#fyndling">Mhd./frühnhd. ‚suffe/soffe‘ ist laut Grimm'schem DWB (²suff) tatsächlich zweideutig: Sinn 1 ‚dicke Brühe, Suppe‘ (belegt bereits im 12. Jh. bei Hildegard von Bingen) UND Sinn 2 ‚Würze, Fett‘ - in alpinen Dialekten konkret ‚Schweinefett/Schmalz‘. Der Wortstamm selbst pendelt also zwischen ‚Brühe‘ und ‚Fett/Würzmittel‘, was Glonings freiere Deutung (‚Soße auf Milchrahmbasis‘) zwar nicht bestätigt, aber auch nicht klar ausschließt. Details siehe die Lesarten unten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-041-orig" n="sude isz vndir ein ander" resp="#fyndling">Die Masse so lange kochen und rühren, bis sie einen formbaren Teig bildet. Dies ist notwendig, um den Teig anschließend ausrollen zu können.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-041-orig" n="suffen" resp="#fyndling">Am ehesten eine würzige Brühe oder Tunke - vermutlich säuerlich-kräftig, aber mit begrenzter Gewissheit. Das Grimm'sche DWB (²suff) belegt für den Wortstamm zwei Sinne: ‚dicke Brühe/Suppe‘ (12. Jh., Hildegard von Bingen) und ‚Würze, Fett‘ (alpine Dialekte: konkret Schweinefett/Schmalz). Die kulinarische Logik der Zeit (Humoralpathologie: Fettiges wird durch Saures ausgeglichen) spricht weiterhin für eine säuerlich-würzige Brühe als plausibelste Einzel-Lesart, aber die DWB-Doppelbedeutung zeigt, dass der Wortstamm selbst nicht eindeutig auf ‚klare Brühe‘ festgelegt ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-041-orig" n="dar nach sude isz in einer suffen" resp="#fyndling">Die frittierten Hufeisen werden mit einer warmen Brühe oder Sauce angerichtet - übergossen oder mit Sauce zu Tisch gegeben (‚gyp isz czu dische‘) -, aber nicht erneut richtig gekocht. ‚sude‘ steht hier vermutlich für ein kurzes Erwärmen/Sauce-Geben, nicht für ein zweites Sieden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-041-orig" n="also rosz ysen" resp="#fyndling">‚wie ein Ross-Eisen‘ = wie ein Hufeisen. ‚rosz‘ ist mhd. ‚Ross‘ (Pferd); die Krapfen werden also zu einer Hufeisen-Bogenform gebogen. Das fügt sich nahtlos mit ‚krumme kreppelin‘, ‚lang stuczel vnd dunne‘ (lange dünne Stäbchen) und dem Frittieren in Schmalz zusammen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-042-trans" resp="#fyndling">Zum ‚verbe isz‘ (verarbeite es): gemeint ist intensives Verkneten, nicht Färben - reines Ei + Mehl ‚so hart wie möglich‘ muss erst krümelig verrieben und dann zu einem festen, glatten Teig durchgeknetet werden, bevor es hauchdünn ausgerollt werden kann. Ausführliche Diskussion der Lesart (Gloning ‚färbe ihn‘ vs. Culina Vetus ‚knead‘) in den Lesarten und im Redaktionskommentar.

‚In Schmalz backen‘ heißt hier frittieren in reichlich heißem Schmalz - mittelalterliches ‚backen‘ ist nicht das moderne Ofenbacken. ‚Winberen‘ am Ende sind hier vermutlich Rosinen, nicht frische Weintrauben (mhd. `winber` deckt beides ab; ohne den Zusatz ‚grune‘ wie in rfk-037 sind Rosinen für ein süßes Frittiergebäck mit Honigsirup naheliegender).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-042-orig" n="heydenschen kuchen" resp="#fyndling">„Heidnisch“ markiert in mittelalterlichen Kochbüchern meist nicht generisch „fremd“, sondern speziell arabisch-mediterran beeinflusst (analog zu „saracen“, „morisch“). Solche Gerichte kamen über Sizilien, das maurische Spanien und die Kreuzzüge nach Norden - typisch sind frittierte Süßgebäcke in Honigsirup, parallel zu arab. zalabia/luqaimat, ital. cenci/struffoli oder sephardischem Frittiergebäck.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-042-orig" n="ydelen eyeren" resp="#fyndling">„Nur Eier“ - im Mittelhochdeutschen bedeutet „ydel“ oder „eitel“ „nur“, „rein“, „bloß“. Hier: ein Teig, der nur mit Eiern (ohne Wasser oder Milch) zubereitet wird, was ihn sehr reichhaltig und steif macht.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-042-orig" n="verbe isz" resp="#fyndling">Hier praktisch gesichert „verarbeite/knete es“ (mhd. `verwirken`/`verheben` = bearbeiten/wirken, im Frühnhd. orthographisch oft `verben`). Ein reiner Eier-Mehl-Teig ist ohnehin tiefgelb und braucht intensives Verreiben+Kneten, bevor er zu hauchdünnen Blättern ausgerollt werden kann; ein zusätzliches Färben wäre redundant, und der Schreiber nennt sonst den Farbstoff oder das Ergebnis - beides fehlt hier. Gloning hatte in seiner deutschen Auer-/Tupperware-Edition (1998) noch „färbe ihn“ übersetzt; die englische Bearbeitung bei Culina Vetus hat das ausdrücklich zu „knead“ korrigiert. Linguistisch belegt: derselbe Schreiber nutzt `verbe`/`ferbe` (f/v-Wechsel) in rfk-007 (‚ferbe sie auch nach dinem willen‘) und rfk-069 (‚farben‘+‚ferbe‘ im selben Satz) zwar eindeutig im Sinne von ‚färben‘ - die Form deckt beim selben Schreiber also zwei mhd. Verben ab (`verwen` = färben, `verwirken` = verarbeiten/wirken), die je nach Kontext disambiguiert werden müssen; für rfk-042 entscheidet die Pragmatik klar zugunsten des Knetens.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-042-orig" n="bladeren" resp="#fyndling">„Blätter“ - dünne Teigplatten oder -blätter.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-042-orig" n="smalcze" resp="#fyndling">„Schmalz“ - tierisches Fett, hier zum Frittieren verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-042-orig" n="winberen" resp="#fyndling">Mhd. ‚winber‘ deckt beides ab: frische Weintraube und Rosine (getrocknete Weinbeere). In rfk-037 steht explizit ‚grune winber‘ (frisch); hier nur ‚guten winberen‘ ohne Spezifikation - für ein süßes Frittiergebäck mit Honigsirup sind Rosinen historisch und praktisch (lagerfähig, ganzjährig verfügbar) klar die naheliegendere Lesart als frische Trauben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-042-orig" n="heydenschen kuchen" resp="#fyndling">„Fremdartiger/ungewöhnlicher Kuchen“ - ein Gericht, das sich von der gewohnten Küche unterscheidet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-042-orig" n="ydelen eyeren" resp="#fyndling">„Nur Eier“ - der Teig wird ausschließlich mit Eiern als Flüssigkeit zubereitet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-042-orig" n="winberen" resp="#fyndling">Rosinen als optionale Garnitur über den frittierten, in Wein-Honig-Sirup gezogenen Plätzchen. Mhd. ‚winber‘ bezeichnet sowohl die frische Weinbeere als auch ihre getrocknete Form; ohne den Zusatz ‚grune‘ (wie in rfk-037, dort explizit frisch) sind Rosinen die deutlich naheliegendere Lesart - lagerfähig, ganzjährig verfügbar, ein klassisches Beigaben-Element bei südlich-mediterran beeinflussten Süßgebäcken in Honigsirup.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-042-orig" n="verbe isz" resp="#fyndling">„Verarbeite/knete es“ (mhd. `verwirken`/`verheben` = bearbeiten/wirken). Pragmatisch zwingend: reines Ei + Mehl ‚so du aller harteste magist‘ verlangt intensives Verreiben und Durchkneten, bevor man den Teig zu hauchdünnen Blättern (‚dunne bladere‘) ausrollen kann. Ein zusätzliches Färben wäre an dieser Stelle redundant - der reine Eierteig ist ohnehin tiefgelb -, und der Schreiber nennt sonst den Farbstoff oder das Ergebnis, beides fehlt hier. Diese Lesart ist auch in der englischen Bearbeitung bei Culina Vetus ausdrücklich als Korrektur gegenüber Gloning übernommen worden („knead“).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-053-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein kleiner Wildvogel, erst in Brühe gekocht, dann in Schmalz gebraten und in einer leber- und brotgebundenen Weinsauce serviert - im Kern ein mittelalterlicher Leberpfeffer. Diese Leber-Brot-Bindung ist der direkte Vorfahr aller deutschen Pfeffer-Saucen (Hasenpfeffer, Schwarzsauer) und des französischen civet - Saucen, die durch passierte Innereien dick und glänzend werden.

Der Schlüssel: 'rechalter Vogel' = Wacholderdrossel. Das im Manuskript am Rand mit '?!' angestrichene Wort ist kein Rätsel und auch kein 'recht alter' Vogel, sondern eine Dialektform: Reckholder (auch Rechalter, Räckholder) ist im oberdeutsch-rheinfränkischen Raum das Wort für Wacholder. Ein Rechalter-Vogel ist also ein Wacholdervogel = die Wacholderdrossel (Turdus pilaris), volkstümlich Krammetsvogel - benannt danach, dass sie sich im Winter von Wacholderbeeren ernährt. Der Dialekt passt exakt zur Sprachregion dieses Kochbuchs.

Eine Delikatesse der alten Küche. Krammetsvögel waren vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert ein hochgeschätztes Wildbret - massenhaft mit wacholderbeeren-geköderten Dohnen gefangen, auf Festtafeln und in fast jedem alten Kochbuch präsent (man denke an die 'Krammetsvögel' bei Wilhelm Busch). Das aromatische, leicht nach Wacholder schmeckende Fleisch galt als Köstlichkeit. Heute steht die Wacholderdrossel unter Naturschutz und darf nicht mehr gejagt oder gegessen werden - deshalb bietet schon das Rezept selbst das Huhn als Alternative an (vogel adir hunre). Wer es nachkochen will, nimmt also Huhn, Wachtel oder eine andere erlaubte Geflügelart.

Den Ersatz mit Wacholder veredeln. Das Besondere am Krammetsvogel war die Wacholdernote, die durch seine Winternahrung ins Fleisch kam - genau die fehlt dem Ersatzgeflügel. Wer der Sache nahekommen will, bringt den Wacholder deshalb am besten direkt ans Tier, nicht nur in die Sauce: das Huhn (oder die Wachtel) ein paar Stunden bis über Nacht in einer Marinade aus zerstoßenen Wacholderbeeren, etwas Salz, Lorbeer und einem Schuss Wein ziehen lassen, bevor es gekocht und gebraten wird. So bekommt das Fleisch die charakteristische harzig-würzige Note, die den Wacholdervogel ausmachte - eine bewusste Rekonstruktion des verlorenen Eigengeschmacks, kein Originalschritt des Rezepts. Wacholderbeeren in der Leber-Brot-Sauce verstärken den Effekt zusätzlich.

Die Sauce. Leber und ebenso viel Brot werden gekocht, fein zerstoßen, mit Wein oder Essig aufgegossen und durch ein Tuch passiert (czuge isz dorch). Das Brot ist hier kein Streckmittel, sondern das Bindemittel - lange bevor sich die Mehlschwitze (Roux) in Europa durchsetzte, banden mittelalterliche Köche Saucen mit eingeweichtem Brot. Die Leber gibt Tiefe und Farbe, der Wein oder Essig die nötige Säure gegen das fette Geflügel.

'worcz isz vnde vnd verbe isz' - die Würz-Färb-Doppelformel. Diese stehende Wendung 'würze es und färbe es' begegnet im Manuskript immer wieder (vgl. rfk-048, rfk-050, rfk-052). Das doppelte vnde vnd ist eine reine Schreiberdoppelung (Dittographie) und ohne Bedeutung. Gefärbt wurde mit Safran - teuer, prestigeträchtig und Statussymbol der gehobenen Tafel. Auch das also vil ('ebenso viel') Brot ist eine idiomatische Mengenangabe ('etwa gleich viel'), kein exaktes 1:1-Verhältnis (vgl. rfk-049).

Praxis. Ersatzgeflügel (Huhn, Wachtel) in kräftiger Brühe weichkochen, herausnehmen, trockentupfen und in Schmalz rundum bräunen. Für die Sauce die Leber kurz kochen, mit dem eingeweichten Brot und etwas Kochwein oder -essig fein pürieren, durch ein Sieb streichen, würzen, mit einer Prise Safran färben und - für die authentische Note - ein paar zerstoßene Wacholderbeeren zugeben, aufkochen und das gebratene Geflügel darin durchziehen lassen.

Teil eines kleinen Saucen-Blocks. Dieses Rezept ist die herzhafte Grundsauce eines Dreierblocks im Manuskript: Direkt darauf folgt rfk-054, das dieselbe Leber-Brot-Sauce mit Honig in eine süße Variante verwandelt ('willst du es aber süß essen...'), und rfk-055 rundet die Reihe mit einer verwandten süß-sauren Pfefferbrot-Sauce ab. Alle drei gehören zur mittelalterlichen Pfeffer-Familie und werden über gebratenes oder gesottenes Fleisch, Wild und Fisch gegeben - zusammen ein komplettes kleines Saucen-Repertoire des Spätmittelalters.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-053-orig" n="rechalter vogel" resp="#fyndling">‚rechalter' ist eine Dialektform von ‚Reckholder/Wacholder'. Ein ‚Rechalter-Vogel' ist also ein Wacholdervogel = die Wacholderdrossel (Turdus pilaris), volkstümlich Krammetsvogel, benannt nach ihrer Winternahrung Wacholderbeeren. Im Mittelalter eine geschätzte Delikatesse; heute steht der Vogel unter Naturschutz, daher als Ersatz Huhn (wie im Rezept angeboten).</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-053-orig" n="smalcze" resp="#fyndling">Tierisches Fett, meist Schweineschmalz, das zum Braten und Verfeinern von Speisen verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-053-orig" n="also vil brodes" resp="#fyndling">‚Ebenso viel Brot' bedeutet, dass die Menge des Brotes (wahrscheinlich altbackenes Weißbrot) der Menge der Leber entsprechen sollte, um die Sauce zu binden und zu strecken.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-053-orig" n="czuge isz dorch" resp="#fyndling">‚Zieh es durch' bedeutet, die Sauce durch ein feines Tuch oder Sieb zu passieren, um eine glatte, sämige Konsistenz zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-053-orig" n="worcz isz" resp="#fyndling">‚Würze es' - im Mittelalter wurden Speisen oft mit einer Mischung aus teuren Gewürzen wie Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken und Muskat gewürzt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-053-orig" n="verbe isz" resp="#fyndling">‚Färbe es' - dies geschah häufig mit Safran, um der Speise eine leuchtend gelbe oder goldene Farbe zu verleihen, was als Zeichen von Reichtum und Festlichkeit galt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-053-orig" n="rechalter vogel" resp="#fyndling">Wir lesen ‚rechalter' als Dialektform von ‚Reckholder' (Wacholder): ein ‚Rechalter-Vogel' ist ein Wacholdervogel, also die Wacholderdrossel (Krammetsvogel, Turdus pilaris). Der oberdeutsch-rheinfränkische Dialekt passt exakt zur Sprachregion des Kochbuchs, und der Krammetsvogel war ein klassisches Festtags-Wildbret.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-053-orig" n="vnde vnd" resp="#fyndling">Die Wiederholung ‚vnde vnd' wird als Schreibfehler im Originaltext interpretiert und in der Übersetzung ignoriert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-053-orig" n="worcz isz vnde vnd verbe isz" resp="#fyndling">Die Anweisung ‚verbe isz' (färbe es) wird als Hinweis auf die Verwendung von Safran interpretiert, da dieser das gängigste und prestigeträchtigste Färbemittel für Speisen im Mittelalter war.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-058-trans" resp="#fyndling">Welches Gebäck ist das? Hohle, in Fett ausgebackene Teigröhren - und damit ein naher Verwandter der sizilianischen Cannoli. Die Technik ist verblüffend identisch: Man wickelt einen festen Teig um kleine Rohre, frittiert ihn in reichlich Schmalz und zieht die Rohre danach heraus, sodass das Gebäck hohl wird - 'wie Pfeifen' (pyffen). Auch der Name verrät die Verwandtschaft: Das italienische cannolo heißt 'Röhrchen' (von canna, Schilfrohr), weil Cannoli ursprünglich um echte Flussrohre gebacken wurden - genau die rorlin (kleinen Rohre) dieses Rezepts. Lebende Nachfahren derselben Idee sind die österreichischen Schaumrollen und Schillerlocken, die um Metallformen gewickelt werden.

Ein Rohr als Backform. Dass hier echtes Schilf- oder Flussrohr gemeint ist, zeigt die Anweisung, zuerst die knoppe abzuschneiden: Das sind die Knoten des Rohrs (die Querwände an den Halmgliedern), die entfernt werden müssen, damit ein durchgehend offenes Röhrchen entsteht. Heute nimmt man dafür Cannoli- oder Schaumrollen-Formen aus Metall, hitzefeste Holzstäbe - oder backt um dicke, hohle Nudeln (Cannelloni), die man nach dem Frittieren herauszieht.

Süß und wohl gefüllt. Das Rezept nennt nur Zucker zum Bestreuen, doch die hohle Form ist kein Zufall: Sie lädt zum Füllen ein, genau wie bei Cannoli (Ricotta-Creme) oder Schaumrollen (Schlagsahne, Baiser). Ob die Röhrchen hier pur als knuspriges Zuckergebäck oder gefüllt gegessen wurden, sagt das Manuskript nicht - die Form spricht für eine Füllung, der Wortlaut lässt es offen.

Teil der Schmalz-Backwerk-Familie. Mit dem Ausbacken 'in vil smalczes' gehört das Rezept zur großen Gruppe der frittierten Mehlspeisen dieses Kochbuchs - neben den Armen Rittern (rfk-043) und dem Strauben-Gebäck (rfk-048). Frittieren in reichlich Fett war die Festtags-Technik für Süßgebäck.

Praxis. Festen Teig (Mürbe- oder fester Nudelteig aus Mehl, etwas Fett oder Ei und Wasser, gern ein Schuss Wein) dünn ausrollen, in Streifen schneiden und schräg um gefettete Metallröhrchen wickeln. In 170-180 °C heißem Schmalz goldbraun und knusprig ausbacken, abtropfen lassen, die Form vorsichtig herausziehen und mit Zucker bestreuen. Wer mag, füllt die abgekühlten Röhrchen mit gesüßter Quark- oder Sahnecreme.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-058-orig" n="rorlin" resp="#fyndling">Kleine Rohre (Schilf-/Flussrohr), die als temporäre Form dienen, um das Gebäck hohl zu backen. Direkte Entsprechung zum italienischen ‚canna' (Rohr), nach dem die Cannoli (‚Röhrchen') benannt sind - dieselbe Backtechnik. Heute ersetzt durch Metallformen für Cannoli oder Schaumrollen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-058-orig" n="knoppe" resp="#fyndling">Die Knoten des Rohrs - die Querwände an den Halmgliedern des Schilf-/Flussrohrs. Sie werden abgeschnitten, damit das Rohr durchgehend offen ist und sich als Hohlform eignet. Das Detail bestätigt, dass echtes Rohr (nicht ein glatter Stab) gemeint ist.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-058-orig" n="starken deyg" resp="#fyndling">Ein fester, robuster Teig, der sich gut um die Röhrchen wickeln lässt und beim Frittieren seine Form behält.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-058-orig" n="vil smalczes" resp="#fyndling">Reichlich Schmalz, was auf eine Technik des Frittierens (Deep-Frying) hindeutet, bei der das Gebäck vollständig in heißem Fett schwimmt.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-058-orig" n="pyffen werden hoil" resp="#fyndling">Wird hohl wie Pfeifen. Dies beschreibt das gewünschte Ergebnis: ein knuspriges, hohles Gebäck, das nach dem Entfernen der Formen entsteht.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-058-orig" n="ab du wilt" resp="#fyndling">„Wenn du willst“ - der Zucker ist eine optionale Zutat zur Bestreuung des fertigen Gebäcks.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-058-orig" n="clein rorlin" resp="#fyndling">Wir interpretieren „clein rorlin“ als kleine, röhrenförmige Formen, die als temporäre Hohlkörper für das Gebäck dienen und nach dem Frittieren entfernt werden. Dies ist die plausibelste Lesart, um ein hohles Gebäck zu erzeugen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-058-orig" n="starken deyg" resp="#fyndling">„Starken deyg“ wird als ein fester, robuster Teig verstanden, der sich gut verarbeiten lässt und beim Frittieren stabil bleibt. Dies ist eine allgemeine Beschreibung für einen Teig, der für solche Zwecke geeignet ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-068-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine süß-saure Erdbeer-Selczen: passierte Erdbeeren mit Weißbrot, Honig, Gewürzen und Essig - ein mittelalterliches Erdbeer-Relish/Chutney. Anders als heute, wo Erdbeeren fast nur süß-dessertig verwendet werden, steht die Beere hier in einem herzhaft-säuerlichen Kontext (mit Essig und Gewürzen) und wird als Beilage zu Fleisch oder Käse gereicht - ein überraschend modern wirkendes Frucht-Chutney aus dem 15. Jahrhundert.

'daz ist selczen' - ein breiter Begriff, nicht der Aspik. Trotz der an 'Sülze' erinnernden Form meint selczen hier keine kalte Fleisch-Gallerte (es fehlt jedes Geliermittel), sondern eine süß-sauer eingelegte Fruchtzubereitung. Das reiht sich in die breit gebrauchten 'Gelee'-Begriffe dieses Manuskripts ein, die gerade nicht das moderne kalte Gelee meinen: sulcze (rfk-050/052), galrat (rfk-056), salcze (rfk-063).

Brotgebunden - die salse-Familie. Wie die Pfefferbrot-Sauce (rfk-055), der Galrat (rfk-056) und die Petersilien-Salse (rfk-062) wird auch diese Zubereitung mit (Weiß-)Brot gebunden und passiert. Honig und Essig liefern die süß-saure Achse, die Gewürze (Zimt, Ingwer, Nelken, etwas Pfeffer) machen sie 'höfisch'.

Praxis. Erdbeeren durch ein Sieb streichen, mit etwas eingeweichtem Weißbrot, Honig, einem Schuss Essig und Gewürzen zu einer sämigen Masse verrühren. Süße und Säure ausbalancieren. Kalt oder lauwarm zu Braten, Schinken oder kräftigem Käse reichen.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-068-orig" n="slag erperen dorch" resp="#fyndling">Das Verb ‚durchschlagen‘ bedeutet hier, die Erdbeeren durch ein Sieb oder Tuch zu passieren, um ein feines Mus zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-068-orig" n="wurczen" resp="#fyndling">Im Mittelalter waren ‚Gewürze‘ eine Sammelbezeichnung für teure Importwaren. Für eine süß-saure Fruchtsülze eignen sich besonders Zimt, Ingwer, Nelken und ein Hauch Pfeffer.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-068-orig" n="selczen" resp="#fyndling">‚selczen‘ meint hier keine kalte Fleisch-Gallerte (es fehlt jedes Geliermittel), sondern eine süß-saure, mit Essig und Gewürzen zubereitete Fruchtzubereitung - ähnlich einem modernen Chutney/Relish. Einer der breit gebrauchten ‚Gelee‘-Begriffe dieses Manuskripts, die nicht das moderne Aspik meinen (vgl. ‚sulcze‘ rfk-050/052, ‚galrat‘ rfk-056, ‚salcze‘ rfk-063).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-068-orig" n="selczen" resp="#fyndling">Wir interpretieren ‚selczen‘ als ein Substantiv, das eine süß-saure Fruchtsülze oder ein Relish beschreibt, das mit Essig und Gewürzen zubereitet wird. Dies passt zu den Zutaten und der typischen Verwendung des Begriffs für konservierte Speisen im Mittelalter.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#rfk-070-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Demonstrations-Rezept: ein Fisch, in drei große Stücke geteilt, auf drei verschiedene Arten gegart - nebeneinander. Es führt die Grundtechniken der Fischküche vor und ist damit ein ideales Schau- und Lehrstück fürs Lagerfeuer.

Stück 1 - 'sieden' auf dem Rost mit Essig-Tuch. Der raffinierteste Teil: Das Stück wird in ein kleines, in Essig getränktes Tuch gewickelt und auf den Rost gelegt. Das feuchte Tuch dämpft den Fisch (statt ihn über der Glut auszutrocknen), der Essig würzt und festigt das zarte Fleisch. Das ist gewissermaßen ein Vorläufer des Garens en papillote (im Päckchen) - feuchte Hitze ganz ohne Topf.

Stück 2 - im Teigmantel. Mit Schmalz begossen und mit einem Mehlteig (melebly) bedeckt. Der Teig ist hier vor allem eine Schutzhülle: Er versiegelt den Fisch, hält ihn saftig und schirmt ihn gegen die direkte Hitze ab - dieselbe Idee wie die mittelalterliche 'huff paste', die Salzkruste oder der Lehmmantel. Ob man den Teig mitisst, bleibt offen; klassisch diente er nur als Garhülle.

Stück 3 - schlicht gebraten. Das dritte Stück wird einfach gebraten - die pure Referenz, an der sich Geschmack und Textur der beiden anderen Methoden messen lassen.

Welcher Fisch? Erwelten fische ('ausgewählter Fisch') nennt keine Art; für drei große Stücke eignen sich kräftige Fische wie Hecht, Karpfen oder Aal, die im Mittelalter - und gerade in der Fastenzeit - zu den wichtigsten Speisefischen zählten.

Dasselbe Rezept anderswo. Dieser 'ein Fisch, mehrere Methoden'-Typus war weit verbreitet: Bei Meister Hans steht ein nahezu wortgleiches 'Fisch auf dreierlei Art' (mha-279, samt nassem Tuch auf dem Rost), und die Idee zieht sich quer durch Europa - Schleie (mar-229) und Karpfen (mar-240) bei Maestro Martino, Neunaugen beim Ménagier de Paris (men-184) und als farbiges Schaugericht der gefüllte Hecht (mha-195). rfk-070 ist die rheinfränkische Variante dieses internationalen Klassikers.

Praxis. Einen festen, größeren Fisch in drei Portionsstücke teilen. (1) Ein Stück in ein essiggetränktes Baumwolltuch wickeln, auf den Rost über mittlerer Glut legen und wenden, bis es gar ist. (2) Das zweite mit zerlassenem Schmalz bestreichen, in einen einfachen Mehl-Wasser-Teig hüllen und auf dem Rost oder in der Glut backen, bis die Kruste fest ist; dann den Teig aufbrechen und den Fisch entnehmen. (3) Das dritte schlicht in der Pfanne oder auf dem Rost braten. Alle drei zusammen anrichten - ein Methoden-Vergleich auf dem Teller.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-070-orig" n="erwelten fische" resp="#fyndling">Ausgewählter Fisch. Die Art ist nicht spezifiziert, aber Hecht, Karpfen oder Aal waren im Mittelalter beliebte Speisefische.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-070-orig" n="gesoden hain" resp="#fyndling">Wörtlich 'gekocht haben'. Im Kontext des Rosts ist hier eher ein feuchtes Garen oder Dämpfen gemeint, um den Fisch saftig zu halten, nicht ein Kochen im Wasserbad.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-070-orig" n="roist" resp="#fyndling">Ein Rost, oft aus frischem Hartholz (wie Hasel oder Buche), der über Glut gelegt wurde. Dies ermöglichte ein schonendes Garen und Räuchern. Siehe hölzerner Rost.</note>
        <note type="gloss" target="#rfk-070-orig" n="melebly" resp="#fyndling">Ein Mehlteig oder eine Mehlpaste, die den Fisch beim Braten schützt und eine Kruste bildet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-070-orig" n="gesoden hain" resp="#fyndling">Die Phrase 'gesoden hain' wurde als 'zubereitet haben' oder 'gekocht haben' im Sinne eines feuchten Garens oder Dämpfens interpretiert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-070-orig" n="roist" resp="#fyndling">Der Begriff 'roist' wurde als 'Rost' übersetzt, insbesondere als hölzerner Rost über Glut, eine bekannte mittelalterliche Technik für Fisch.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#rfk-070-orig" n="melebly" resp="#fyndling">Der Begriff 'melebly' wurde als 'Mehlteig' oder 'Mehlpaste' interpretiert.</note>
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