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      <titleStmt>
        <title>Ryff: Confect oder Latwergen büchlin (Walther Hermann Ryff, Der Erste Theyl der kleynen Teütschen Apoteck, Confect oder Latwergen büchlins (Straßburg: Samuel Emmel 1562), Auswahl aus Teil I–III und V samt Konfekt-Anhang, Bl. 4r–90r)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung, Anmerkungen, Zutatenerschließung; die historische Vorlage ist gemeinfrei)</licence>
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        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/quellen/ryff/</idno>
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          <title>Walther Hermann Ryff, Der Erste Theyl der kleynen Teütschen Apoteck, Confect oder Latwergen büchlins (Straßburg: Samuel Emmel 1562), Auswahl aus Teil I–III und V samt Konfekt-Anhang, Bl. 4r–90r</title>
          <date when="1562">1562</date>
          <idno type="URI">https://archive.org/details/gri_33125014522268/page/n143/mode/1up</idno>
          <note>Transkription: fyndling.de, am Digitalisat des Getty Research Institute</note>
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          <p>Lesart-Entscheidungen stehen als note[@type='interpretive_choice'] im back-Teil, @n nennt die Stelle im Originaltext, @subtype die Art (lexical, philological, contextual, orthographic), list[@type='alternatives'] die erwogenen Lesarten. @cert='unknown' markiert eine ungeklärte Lesart: Die Stelle ist offen, der Text der Note gibt nur den Stand der Diskussion wieder.</p>
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        <prefixDef ident="wikidata" matchPattern="(Q[0-9]+)" replacementPattern="http://www.wikidata.org/entity/$1">
          <p>Wikidata-Entitaeten, z.B. wikidata:Q42527 = http://www.wikidata.org/entity/Q42527</p>
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        <application ident="corema-ingredient-index" version="1" xml:id="corema-ingredient-index">
          <label>CoReMA-Zutatenindex</label>
          <p>Zutaten mit source="#corema-ingredient-index" tragen @en und @commodity unveraendert aus dem Zutatenindex von CoReMA (Corpus of Recipes of the Middle Ages, Universität Graz, CC BY 4.0), zugeordnet über die exakte historische Schreibung. Der Index erfasst nur deutschsprachiges Vokabular und deckt genau die Handschriften ab, die CoReMA selbst führt. Wo wir ihn darüber hinaus angewandt haben, steht nicht dieses Ziel, sondern #fyndling-corema-index. <ptr target="https://gams.uni-graz.at/context:corema"/></p>
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          <label>Namensbasierte Zuordnung Fyndling</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-ingredient-name" haben ihre Normdaten nicht über die historische Schreibung, sondern über den von uns vergebenen modernen Zutatennamen erhalten: wo dieselbe Zutat anderswo im Korpus bereits mit einem Wikidata-Konzept verknüpft war, wurde diese Verknüpfung übernommen. Voraussetzung waren mindestens zwei unabhängige Belege im Korpus und ein deutschsprachiger Ausgangsbeleg. Die Zuordnung ist damit unsere Arbeit und nicht CoReMA zuzurechnen.</p>
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          <label>Zuordnung aus der Fyndling-Zutatenregistry</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-ingredient-registry" haben ihre Normdaten aus unserer handgepflegten Zutatenregistry erhalten: einer redaktionell gefuehrten Tabelle, die je Wikidata-Konzept die modernen Namensvarianten festhaelt, unter denen wir es im Korpus fuehren. Sie greift genau dort, wo der Korpus selbst keine Mehrheit hergibt - etwa weil derselbe Name je nach Rezept verschieden aufgeloest wurde. Die Entscheidung ist unsere und nicht CoReMA zuzurechnen. Wo eine kontextabhaengige Regel zustaendig ist (Tierart, Fastengebot), gilt nicht diese Tabelle, sondern #fyndling-ingredient-context.</p>
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          <label>CoReMA-Zutatenindex, angewandt von Fyndling</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-corema-index" tragen Werte aus dem Zutatenindex von CoReMA, angewandt aber von uns auf eine Handschrift, die CoReMA nicht führt. Die Verantwortung für diese Zuordnungen liegt deshalb bei uns, nicht beim Projekt. Besondere Vorsicht gilt bei nicht deutschsprachigen Vorlagen: der Index ist eine deutsche Wortliste, und gleich geschriebene Wörter anderer Sprachen kollidieren mit ihr (mittelenglisch „oile" ist Öl, nicht Aal; französisch „pain" ist Brot, nicht Bein). Diese Stellen sind in Durchsicht. <ptr target="https://gams.uni-graz.at/context:corema"/></p>
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          <label>Kontextregeln Fyndling</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-ingredient-context" weichen bewusst vom Index ab, weil dessen Zuordnung im Rezeptzusammenhang nicht trägt. Beispiel: CoReMA legt alle Schreibungen von „smaltz" auf Schweineschmalz fest; in Fastenrezepten ist das kirchenrechtlich ausgeschlossen, dort stehen mehrere Kandidaten mit @cert="low" statt einer Festlegung. Diese Entscheidungen sind unsere Arbeit und nicht CoReMA zuzurechnen.</p>
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      <langUsage>
        <language ident="de-x-fnhd">Frühneuhochdeutsch (Straßburg 1562, alemannisch geprägter Druck)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="ryf-001">
        <head>Quittenlatwerge aus dem Mark, mit Honig oder Zucker</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-001-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-001-trans">
          <p>Mancherley art/ ſchöne vnd gůte Kütten Latwerg zůmachen.
QVitten iſt ein faſt ſchöne frucht/ vñ winter obs/ eins ſtarcken lieblichen geruchs/ herbes geſchmacks/ rohe zůeſſen vntauglich/ würt aber zů vilerley ſpeiß vnd artzney gebꝛaucht/ vil mehꝛ dann kein ander obs. Werden in vilerley geſchlecht vnderſcheiden/ nach mancherley landt art/ impffung oder pflantzung/ bey vns werden gewonlich zweyerley geſchlecht gefunden/ als knoꝛrechtige/ knöpffige kleine Quitten/ faſt rauhe/ herb vnd ſteinig/ vnd etwas gröſſer/ milter/ zarter vnd geſchlachter/ welche für die beſten/ wann ſie wol zeytig ſeind/ zů der artzney einzůmachen/ oder Latwergen gebꝛaucht werden ſollen.
Auß diſen Quitten/ wiewol ſie faſt in den Apotecken vñ zů mancherley ſtücken gebꝛaucht werden/ wöllen wir in diſem erſten theyl vnnd vnderſcheidt allein von der Latwergen ſagen/ welche gemeinlichen alſo bereit würt. Man ſoll nem̃en diſer ſchönen wolriechenden Quitten/ die recht zeitig ſeind/ vnnd durch einhin gelb/ die ſelben ſchölen vnd ſeübern von den innwendigen kernen/ butzen vnd ſteinlin (die kernen ſollen auch ſonderlich verwaret werden) vnd dann in ein verglaſurten hafen thůn/ vnnd mit gůtem ſtarckem wein zů einem můß ſieden laſſen/ wiewol etliche den ſafft anderer Quitten darzů bꝛauchen/ ettliche allein rohe waſſer/ etliche verſpꝛeiſſen die Quitten mit höltzlin in ein Hafen/ das ſie nit herauß fallen mögen/ vnd vberſtürtzen den ſelbigen Hafen auff ein andern/ der halb voll ſiedens waſſers iſt/ laſſen ſie auch alſo von dem dampff des vnderſten waſſers zů einem můß werden/ aber daran iſt nit groß gelegen/ mag ein jeder ſolchs zůwegen bringen nach ſeinem gůtduncken. Wann ſich nůn die Quitten gantz ergeben haben/ weich vnnd můſecht woꝛden ſeind/ ſoll man ſie alſo heiß durch ein härin ſib ſchlagen vnd durchtreiben/ alſo/ daß das marck allein dardurch gang auff das reineſt/ wañ du die Latwerg gern ſchön haben wolteſt/ vnd von den kernlin/ heütlin vñ ſteinlin abſöndern. Etliche treiben ſolchs durch ein härin tůch/ etliche durch ein ander ſchlecht tůch/ aber meines bedunckens iſt diſe weiſe am beſten.
Wiltu nůn diſe Latwerg von Honig machen/ ſo
můſtu diſes marck der Quitten abwägen/ vnnd ſouil gůts geleüterts Honigs/ dz wol verſchaumpt iſt/ darzů thůn/ minder oder mehꝛ/ darnach du ſolche Latwerg krefftig vnnd gůt am geſchmack/ gern ſüß haben wilt. Deßgleichen auch/ ſo du ſie von Zucker haben wilt/ die vil lieblicher/ anmůtiger/ vñ wolgeſchmackter iſt/ můſtu ſouil clarificierten oder gereynigten Zucker darzů nem̃en/ vnd alſo das marck mit dem Zucker vnd Honig auff ein ſittig kolfeür ſetzen/ vnd gemächlich ſieden laſſen/ vnd mit gantzem fleiß ſtätigs rüren/ darmit es nit anbꝛeñ/ vñ alſo lang gemächlich vnd ſittiglich ſieden laſſen/ biß es dick gnůg würt/ das kanſtu alſo mercken/ wañ es ſich leichtlich laßt abſchölen von der pfannen oder beckin/ oder magſt ſolchs auch pꝛobieren auff einem kalten eiſen/ oder einem boden von einem möꝛſer/ wañ ſie in rechter dicke iſt/ vnd ſich wol abſchölet/ ſo haſt du ein gůte krefftige Quitten latwerg/ die magſtu in ſchöne neüwe Zuckerlädlin gieſſen/ oder auff einem bꝛeyten teller mit friſchem ſüſſem mandelöl beſtrichen/ erkalten laſſen/ vñ nach deinem gefallen zů ſtücklin ſchneidẽ.
Wiltu aber diſe Latwergen noch krefftiger haben/ magſtu wol (als dañ ſolches auch in dẽ Apotecken bꝛauchet vnnd gemacht würt) diſes gewürtz darein thůn.
Nim̃ weiſſen gůten Jngber/ der nicht wurmſtichig/ ſchwartz vñ hart ſey iiij. lot/ gůten außgebißnẽ ſcharpffen Zimmet ij. lot/ außerleſene Näglin/ ſchwäre gůte Muſcatnuß/ Muſcaten blůet/ jedes ein lot/ Gallangen anderhalb lot/ Cubeblin/ Cardomẽlin/ langen Pfeffer
jedes ein quintlin/ diſe ſtück ſtoß rein zů puluer/ vñ nim̃ daruon zů einem pfund ein lot oder zwey/ nach dem du ſolche Latwerg gern ſtarck vnd wol gewürtzt haſt.
Wiltu auch das ſolche Latwerg hefftig treibe/ vnnd ein purgierende Latwerg oder laxatiff werde/ magſtu wol auff ein pfundt ein lot bereyter Scamonea inn der Apoteck/ Diagridium genañt/ am letſten wann du die Latwerg vom feür heben wilt/ vermiſchen/ vnd dann auff einem kalten ſtein oder teller geſchmiert/ wie oben geſagt iſt/ erkalten laſſen/ vnd ſtücklin ſchneiden/ welche du in Wein zertreiben ſolt/ wann du ſie zů ſtůlgängen bꝛauchen wilt. Die Alten haben diſe Latwerg in groſſem bꝛauch gehabt/ vnd mit mancherley ſtücken vermiſchet/ welches bey vnſern zeyten gantz abkommen/ vnd nit mehꝛ im bꝛauch iſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-001-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-001-orig">
          <p>Mancherlei Art, schöne und gute Quittenlatwerge zu machen. Die Quitte ist eine sehr schöne Frucht und ein Winterobst, von starkem, lieblichem Geruch und herbem Geschmack, roh zum Essen untauglich. Sie wird aber zu vielerlei Speise und Arznei gebraucht, viel mehr als irgendein anderes Obst. Man unterscheidet vielerlei Arten, je nach Landesart, Pfropfung oder Pflanzung. Bei uns findet man gewöhnlich zwei Arten: knorrige, knopfige, kleine Quitten, sehr rau, herb und steinig, und etwas größere, mildere, zartere und feinere. Diese gelten als die besten und sollen, wenn sie gut reif sind, zum Einmachen für die Arznei oder für Latwergen gebraucht werden.</p>
          <p>Das Mus. Obwohl die Quitten in den Apotheken viel und zu mancherlei Dingen gebraucht werden, wollen wir in diesem ersten Teil und Abschnitt allein von der Latwerge sprechen, die gemeinhin so bereitet wird. Man soll von diesen schönen, wohlriechenden Quitten nehmen, die recht reif und durch und durch gelb sind, sie schälen und von den inneren Kernen, Butzen und Steinchen säubern (die Kerne soll man auch eigens aufbewahren), dann in einen glasierten Topf tun und mit gutem, starkem Wein zu einem Mus sieden lassen.</p>
          <p>Manche nehmen dazu den Saft anderer Quitten, manche nur rohes Wasser. Manche klemmen die Quitten mit Hölzchen in einem Topf fest, damit sie nicht herausfallen können, stürzen diesen Topf über einen anderen, der halb voll siedenden Wassers ist, und lassen sie so allein vom Dampf des unteren Wassers zu Mus werden. Daran ist aber nicht viel gelegen; jeder mag es nach seinem Gutdünken machen.</p>
          <p>Durchstreichen. Wenn die Quitten ganz nachgegeben haben und weich und musig geworden sind, soll man sie noch heiß durch ein Haarsieb schlagen und durchtreiben, so dass allein das Mark auf das Reinste hindurchgeht und von den Kernchen, Häutchen und Steinchen geschieden wird, wenn du die Latwerge schön haben willst. Manche treiben es durch ein Haartuch, manche durch ein anderes schlichtes Tuch, aber meines Erachtens ist diese Weise die beste.</p>
          <p>Mit Honig oder Zucker eindicken. Willst du die Latwerge nun mit Honig machen, so musst du das Quittenmark abwiegen und ebenso viel guten, geläuterten Honig dazutun, der gut abgeschäumt ist, weniger oder mehr, je nachdem du die Latwerge kräftig, wohlschmeckend und süß haben willst. Ebenso, wenn du sie mit Zucker haben willst, die viel lieblicher, angenehmer und wohlschmeckender ist: Dann musst du ebenso viel geklärten oder gereinigten Zucker dazu nehmen.</p>
          <p>So setzt du das Mark mit dem Zucker oder Honig auf ein sanftes Kohlenfeuer, lässt es gemächlich sieden und rührst mit ganzem Fleiß ständig, damit es nicht anbrennt. Lass es so lange gemächlich und sanft sieden, bis es dick genug wird. Das merkst du daran, dass es sich leicht von der Pfanne oder dem Becken ablösen lässt; du kannst es auch auf einem kalten Eisen oder auf dem Boden eines Mörsers probieren. Wenn sie die rechte Dicke hat und sich gut ablöst, so hast du eine gute, kräftige Quittenlatwerge. Die magst du in schöne neue Zuckerlädlin gießen oder auf einem breiten Teller, mit frischem süßem Mandelöl bestrichen, erkalten lassen und nach deinem Gefallen in Stückchen schneiden.</p>
          <p>Kräftiger gewürzt. Willst du die Latwerge aber noch kräftiger haben, so magst du dieses Gewürz hineintun, wie man es auch in den Apotheken braucht und macht: Nimm 4 Lot guten weißen Ingwer, der nicht wurmstichig, schwarz und hart ist, 2 Lot guten, ausgebissenen, scharfen Zimt, auserlesene Nelken, schwere gute Muskatnüsse und Muskatblüte, von jedem 1 Lot, anderthalb Lot Galgant, Kubeben, Kardamom und langen Pfeffer, von jedem 1 Quentlein. Diese Stücke stoß rein zu Pulver, und nimm davon auf ein Pfund ein Lot oder zwei, je nachdem du die Latwerge stark und gut gewürzt haben willst.</p>
          <p>Abführende Fassung. Willst du auch, dass die Latwerge heftig treibt und eine purgierende Latwerge oder ein Laxativ wird, so magst du zubereitetes Scammonium aus der Apotheke, Diagridium genannt, zuletzt untermischen, wenn du die Latwerge vom Feuer heben willst, sie dann auf einen kalten Stein oder Teller streichen, wie oben gesagt, erkalten lassen und in Stückchen schneiden. Die sollst du in Wein zerrühren, wenn du sie zum Stuhlgang brauchen willst. Die Alten hatten diese Latwerge in großem Gebrauch und mischten sie mit mancherlei Dingen; das ist zu unserer Zeit ganz abgekommen und nicht mehr im Brauch.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Quitten/ die recht zeitig ſeind/ vnnd durch einhin gelb">Quitten, recht reif und durch und durch gelb</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gůtem ſtarckem wein">Wein, gut und kräftig (zum Weichsieden)</ingredient>
            </item>
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              <ingredient orig="gůts geleüterts Honigs">Honig, geläutert und gut abgeschäumt (Honig-Fassung)</ingredient>
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              <ingredient orig="clarificierten oder gereynigten Zucker">Zucker, geklärt (Zucker-Fassung, statt Honig)</ingredient>
            </item>
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              <ingredient orig="friſchem ſüſſem mandelöl">Mandelöl, frisch und süß (zum Bestreichen des Tellers)</ingredient>
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              <ingredient orig="weiſſen gůten Jngber">Weißer Ingwer, 4 Lot (gewürzte Fassung)</ingredient>
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              <ingredient orig="gůten außgebißnẽ ſcharpffen Zimmet ij. lot">Zimt, gut und scharf, 2 Lot (gewürzte Fassung)</ingredient>
            </item>
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              <ingredient orig="außerleſene Näglin">Nelken, 1 Lot (gewürzte Fassung)</ingredient>
            </item>
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              <ingredient orig="ſchwäre gůte Muſcatnuß">Muskatnuss, 1 Lot (gewürzte Fassung)</ingredient>
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              <ingredient orig="Muſcaten blůet">Muskatblüte, 1 Lot (gewürzte Fassung)</ingredient>
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            <item>
              <ingredient orig="Gallangen anderhalb lot">Galgant, anderthalb Lot (gewürzte Fassung)</ingredient>
            </item>
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              <ingredient orig="Cubeblin">Kubeben, 1 Quentlein (gewürzte Fassung)</ingredient>
            </item>
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              <ingredient orig="Cardomẽlin">Kardamom, 1 Quentlein (gewürzte Fassung)</ingredient>
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              <ingredient en="long pepper" orig="langen Pfeffer" commodity="wikidata:Q685336" source="#corema-ingredient-index">Langer Pfeffer, 1 Quentlein (gewürzte Fassung)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-002">
        <head>Durchscheinende Quittenlatwerge aus dem Saft</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-002-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-002-trans">
          <p>Diſe Latwerg würt jetzundt in Welſchen vnd auch inn vnſern landen von geſchickten Apoteckern auff ein ſchönere vnd vil luſtigere foꝛm gemacht vnnd bereyt/ von dem ſafft der Quitten mit Zucker geſotten vñ dick gemacht/ durchſcheinig/ ſchöner faꝛb/ gůts geſchmacks/ alſo das die Quitten auff einem groſſen ribeyſen/ darauff man lebkůchen vñ ander ding pflegt in der kuchen zůreiben/ mit reinen vnd gewäſchnen händen in ein ſauber geſchirꝛ klein geriben werden/ vnd durch ein ſauber härin tůch/ mit krefften oder einem tröttlin/ od' anderm inſtrument darzů dienſtlich/ der ſafft wol außgetruckt vnd gepꝛeßt/ vnd mit Zucker/ gleicher foꝛm vnd geſtalt/ wie oben geſagt iſt/ geſotten werde/ vñ auff einem ſtein/
eyſen/ vnd dergleichen pꝛobiert/ wañ es in rechter dicke ſey/ als dann in ein Zuckerlädlin düñ gegoſſen/ vnnd zů der notturfft an eim bequämen oꝛt temperiertes luffts/ nicht zů feücht/ hitzig oder kalt/ behalten/ vnd ein lange zeyt verwaret werde.
Diſe Latwerg iſt faſt anmůtig vnd lieblich zůnieſſen vnd zůbꝛauchen/ mit vil ſchönen tugenten begabt/ wie ſolchs auch Galenus ſelber bezeügt/ am end der bůcher/ die er von erhaltung der geſundtheyt/ vnd friſtung des zeitlichen lebens beſchꝛiben hat. Jſt faſt nützlich vñ gůt dem böſen vndöuwigen magen/ macht den menſchen ſchön vnd wolgeſtalt/ dañ ſie behalt jn in rechter natürlicher farb/ bꝛingt luſt zů eſſen/ erwöꝛmet den erkalten magen/ ſtillet das vndöuwen/ vnwillen oder erbꝛechen/ ſtillet auch den bauchfluß oder die růr/ wann ſie voꝛ der ſpeiß genützt würt/ erweicht aber den bauch/ vnd hilfft abdöuwen/ wañ ſie nach der ſpeiß gebꝛaucht würt/ mag von reichen leüten/ zarter vnd weicher complexion/ zů einem luſt gebꝛaucht werden/ abents vnd moꝛgens/ voꝛ mittag oder nach mittag/ für ein ſterckung vnd krefftigung des magens/ dann der magen würt trefflich daruon gereitzt zů der ſpeiß/ derhalben auch im bꝛauch iſt bey reichen leüten/ das diſe Latwerg mit Maluaſier oder anderem ſtarcken wein zertriben vnnd angemacht würt/ vnd zů der ſpeiß genützt für ein ſalſen.
Es würt auch vnderweilen diſer Latwergen ein wenig Byſam vermiſcht/ ein lieblichen vnd wolriechenden athem zůmachen/ mag für ſich ſelbs oder mit wein ge-
noſſen werden. Wann auch die Quitten daruon diſe Latwerg bereit würt/ mit wein geſotten werden/ iſt die Latwerg vil krefftiger den kalten magen zůerwöꝛmen/ vnd die döwung zůſtercken.
Wie die Quitten ein lange zeit friſch behalten werden ſollen/ oder in Zucker vñ Honig eingelegt/ auch andern ſtucken von dẽ Quitten in dẽ Apotecken gemacht/ würſtu ein jedes in ſeiner vnderſcheidung oꝛdentlich beſchꝛiben finden/ in folgenden theylen diſes bůchlins.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-002-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-002-orig">
          <p>Durchscheinende Quittenlatwerge aus dem Saft: Diese Latwerge wird jetzt in welschen Landen und auch in unseren Landen von geschickten Apothekern auf eine schönere und viel gefälligere Art gemacht und bereitet: aus dem Saft der Quitten, mit Zucker gesotten und dick gemacht, durchscheinend, von schöner Farbe und gutem Geschmack.</p>
          <p>Dazu werden die Quitten auf einem großen Reibeisen, auf dem man in der Küche Lebkuchen und anderes zu reiben pflegt, mit reinen und gewaschenen Händen in ein sauberes Geschirr fein gerieben. Dann wird der Saft durch ein sauberes Haartuch mit Kraft oder mit einer kleinen Presse oder einem anderen dazu dienlichen Gerät gut ausgedrückt und ausgepresst.</p>
          <p>Den Saft siedet man mit Zucker auf dieselbe Art und Weise, wie oben bei der Latwerge aus dem Quittenmark gesagt ist, und probiert auf einem Stein, einem Eisen oder dergleichen, ob er die rechte Dicke hat. Dann gießt man die Latwerge dünn in ein Zuckerlädlin, bewahrt sie für den Bedarf an einem geeigneten Ort mit gemäßigter Luft auf, nicht zu feucht, zu warm oder zu kalt, und verwahrt sie so lange Zeit.</p>
          <p>Art und Wirkung nach Ryff: Diese Latwerge ist sehr angenehm und lieblich zu essen und zu gebrauchen und mit vielen schönen Tugenden begabt, wie es auch Galenus selbst bezeugt, am Ende der Bücher, die er von der Erhaltung der Gesundheit und der Fristung des zeitlichen Lebens geschrieben hat. Nach Ryff ist sie sehr nützlich und gut für den schlechten Magen, der nicht recht verdaut. Sie soll den Menschen schön und wohlgestalt machen, denn sie erhält ihn in der rechten natürlichen Farbe. Sie bringt Lust zum Essen, erwärmt den erkalteten Magen und stillt die Unverdaulichkeit, die Übelkeit oder das Erbrechen. Vor der Speise genossen, stillt sie auch den Bauchfluss oder die Ruhr; nach der Speise gebraucht, erweicht sie dagegen den Bauch und hilft verdauen.</p>
          <p>Reiche Leute von zarter und weicher Komplexion können sie zum Vergnügen gebrauchen, abends und morgens, vor oder nach Mittag, zur Stärkung und Kräftigung des Magens, denn der Magen wird davon trefflich zur Speise gereizt. Deshalb ist es bei reichen Leuten auch Brauch, diese Latwerge mit Malvasier oder anderem starkem Wein zu verrühren und anzumachen und zur Speise als Salse zu genießen.</p>
          <p>Zusätze: Manchmal wird dieser Latwerge auch ein wenig Bisam beigemischt, um einen lieblichen und wohlriechenden Atem zu machen. Sie kann für sich selbst oder mit Wein genossen werden. Werden die Quitten, aus denen diese Latwerge bereitet wird, mit Wein gesotten, so ist die Latwerge nach Ryff viel kräftiger, den kalten Magen zu erwärmen und die Verdauung zu stärken.</p>
          <p>Wie die Quitten lange Zeit frisch gehalten oder in Zucker und Honig eingelegt werden, und andere Stücke, die in den Apotheken aus Quitten gemacht werden, wirst du jedes für sich ordentlich beschrieben finden, in den folgenden Teilen dieses Büchleins.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="quince" orig="Quitten" commodity="wikidata:Q2751465" source="#corema-ingredient-index">Quitten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein wenig Byſam">Bisam (Moschus), optional</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="mit wein geſotten" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein (optional, zum Sieden der Quitten)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Maluaſier oder anderem ſtarcken wein">Malvasier oder anderer starker Wein (optional, für die Salse)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-003">
        <head>Sauerkirschen-Latwerge aus dem Saft</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-003-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-003-trans">
          <p>Von Kirſen oder Weichſlen Latwerg.
DJe Kirſen werden vnder die erſten ſom̃er frücht gezölt/ faſt gemein/ alſo dz ſie auch in den wälden wachſen/ ſeind inn vilerley geſtalt durch die pflantzung vnnd jmpffung eines theils gebꝛacht/ voꝛ zeiten in vnſern landen/ deßgleichen in Jtalia vnd Gallia vnbekandt geweſen/ auß den ſauren/ welcher zweyerley geſtalt bey vns gefunden werden/ würt ein köſtliche gůte Latwerg gemacht/ alſo/ das ſie friſch vom baum abgebꝛochen werden/ wann ſie wol zeytig ſeind/ von ſtilen abgeriſſen/ in einem ſteininen möꝛſer ſittlich zerſtoſſen/ vñ inn ein ſauber verglaßt geſchirꝛ den ſafft außgetruckt/ den ſelbigẽ ſafft auff ein lind kolfeür geſetzt/ vñ gemächlich mit ſtätigem rüren zů einer Latwergen geſotten/ einer rechten dicke. Etliche thůnd Honig vnd Zucker wol geleütert vnd clarificiert darunder/ die ſeüre etwas zůdämmen/ mag auch wol ein wenig Zimmet darein gerürt werden/ wann man ſolchs vom feür heben will/ ſo es dick genůg iſt/ aber ſonſt kein andere würtz.
Diſe Latwerg iſt faſt krefftig vnd gůt den durſt zů löſchen/ vnd die krancken zůlaben/ dem erhitzigten Magen faſt anmůtig/ vñ in allen hitzigen febern vñ kranck-
heyten/ treibt den harn vnd den reiſenden ſtein/ bꝛingt luſt zůeſſen/ ſonderlich den krancken/ welche durch diſe Latwerg hefftig gelabet werden. Diſe Latwerg mag auch Sommers zeyt den geſunden zertriben werden mit gůtem Wein vnd geſtoßnem Zimmet/ zů einer ſalſen zů der ſpeiß/ ſonderlich zů gebꝛatnem fleiſch/ hůner/ gefügel oder wilepꝛet. Was weiters von diſen Kirſen gemacht würt/ iſt oꝛdentlich in einer jeden vnderſchidung diſes bůchlins beſchꝛiben.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-003-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-003-orig">
          <p>Von Kirschen- oder Weichsellatwerge: Die Kirschen zählt man zu den ersten Sommerfrüchten. Sie sind sehr verbreitet, so dass sie auch in den Wäldern wachsen. Zum Teil sind sie durch Pflanzen und Pfropfen in vielerlei Gestalt gebracht worden und waren vor Zeiten in unseren Landen, ebenso in Italien und Gallien, unbekannt.</p>
          <p>Aus den sauren, von denen man bei uns zweierlei Art findet, wird eine köstliche, gute Latwerge gemacht, und zwar so: Man bricht sie frisch vom Baum, wenn sie gut reif sind, reißt sie von den Stielen ab, zerstößt sie sachte in einem steinernen Mörser und drückt den Saft in ein sauberes, glasiertes Geschirr aus. Diesen Saft setzt man auf ein sanftes Kohlenfeuer und lässt ihn gemächlich unter stetem Rühren zu einer Latwerge von rechter Dicke sieden.</p>
          <p>Etliche tun gut geläuterten und geklärten Honig und Zucker darunter, um die Säure etwas zu dämpfen. Man kann auch wohl ein wenig Zimt hineinrühren, wenn man sie vom Feuer heben will, sobald sie dick genug ist, aber sonst kein anderes Gewürz.</p>
          <p>Nach Ryff ist diese Latwerge sehr kräftig und gut, den Durst zu löschen und die Kranken zu laben, dem erhitzten Magen sehr angenehm, ebenso in allen hitzigen Fiebern und Krankheiten. Sie treibe den Harn und den reißenden Stein und mache Lust zu essen, besonders den Kranken, die durch diese Latwerge sehr gelabt werden.</p>
          <p>Zur Sommerszeit kann man diese Latwerge für die Gesunden auch mit gutem Wein und gestoßenem Zimt verrühren, zu einer Salse zur Speise, besonders zu gebratenem Fleisch, Hühnern, Geflügel oder Wildbret.</p>
          <p>Was sonst noch aus diesen Kirschen gemacht wird, ist in jedem Teil dieses Büchleins der Ordnung nach beschrieben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="sour cherry" orig="Kirſen oder Weichſlen" commodity="wikidata:Q68438267" source="#fyndling-ingredient-name">Sauerkirschen (Weichseln)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="honey" orig="Honig" commodity="wikidata:Q10987" source="#corema-ingredient-index">Honig, geläutert (nach Belieben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker, geläutert (nach Belieben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cinnamon" orig="ein wenig Zimmet" commodity="wikidata:Q28165" source="#corema-ingredient-index">Zimt, gestoßen (nach Belieben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="gůtem Wein" commodity="wikidata:Q282" source="#fyndling-ingredient-registry">Wein (nur für die Salse)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-004">
        <head>Latwerge aus Pflaumen</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-004-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-004-trans">
          <p>Wie man von mancherley Pflaumen ein Latwergen machen ſoll.
EJn vnzalbar groß geſchlecht iſt diſer frucht/ dañ ich finde bey den Alten bey fünfftzehenerley Pflaumen beſchꝛiben/ deren vns wenig in vnſern landen manglet/ aber vberflüſſig zůerzölen/ dieweil diſe frucht gantz gemein vñ vnachtbar iſt/ werden zů vilen dingen inn den Apotecken gebꝛaucht/ ſonderlich in getränck/ aber nicht vnſere anheimſche Pflaumen/ ſonder die inn Damaſco wachſen/ darfür gewonlich die Vngeriſchen oder Böhemiſchen pflaumen/ vnnd ſo wir die ſelbigen auch nit haben/ erſt vnſere auffgedöꝛte Pflaumen gebꝛaucht werden.
Es würt auch von vnſern gemeinen hieländiſchen Pflaumen/ ein köſtliche Latwerg in den Apotecken gemacht/ auff diſe weiß/ alſo das gůte friſche Pflaumen/
die nit voll würm ſtecken oder faul ſeyen/ genom̃en/ vnd in ſchlechtem waſſer zůmůß geſotten/ vnd durch ein härin ſib oder härin tůch getriben werden/ aller geſtalt vñ maſſen/ wie von den Quitten geſagt iſt/ vnd dann zů diſes marcks einem pfundt/ ſoll anderthalb pfundt Zucker oder Honig/ nach deinem gefallen vñ gůtduncken/ gethon werden/ vnnd ſolchs ob einem hällen kolfeür/ zů einer Latwergen/ wie geſagt iſt/ geſotten werden.
Diſe Latwerg iſt von den Alten inn vilerley art beſchꝛiben woꝛden/ dann etliche haben in der ſelbigen bꝛů/ darinn die Pflaumen geſotten woꝛden ſeind/ Violen blůmen auff ein pfundt dꝛey lot geſotten/ vnnd mit der ſelbigen bꝛů den Honig oder Zucker zerlaſſen/ vnd zů einem pfundt diſes Pflaumen marcks/ zwey lot vnzeittiger Dactlen/ Tamarindi genandt/ vnnd zwey pfundt Caſſie fiſtule marck vermiſchet/ vnd alſo zů einer Latwergen geſotten/ das nit zůſchelten wer/ wañ es gepürlich vnd recht gemacht würde.
Diſe Latwerg würt auch in den Apotecken für ein Laxatiff oder treibende artzney gemacht vnnd bereyt/ alſo das vnder ein pfundt/ ein lot oder anderhalbs bereitter Scamonee/ in der Apotecken Dyagridium genandt/ rein zermalen vñ gepüluert/ gerürt werde/ wañ diſe Latwerg zů rechter dicke geſotten iſt/ vnnd ab dem feür gehaben werden ſoll/ würt alſo bereitet in den Apotecken/ Diapꝛunis laxatiuũ od' Solutiuum genañt.
Die erſt vnd gemeineſt Latwerg von den pflaumen iſt faſt gůt/ wa der mage nit zůſchwach iſt/ hitzigen vnd
Coleriſchen leüten/ auch ſolchen kranckheyten/ als hitzigen febern/ löſcht den durſt/ vnd miltert die hitz/ dañ die Pflaumen ſeind kalter vnnd feüchter natur/ iſt ein vaſt köſtliche artzney in hitzigen febern.
Deßgleichen mag auch die ander Latwerg/ darunder das Scamonium oder Diagridium vermiſcht iſt/ in ſolchen hitzigen/ ſcharpffen vnd ſoꝛglichen febern geben werden/ den bauch zůöffnen/ wa der magen/ wie oben gemeldet/ nit zů ſchwach iſt.
Diſe Latwerg wañ ſie ohn zůſatz bereyt würt/ iſt ein köſtliche labung der krancken/ bꝛinget auch den geſunden luſt zůeſſen/ wann ſie/ als von andern Latwergen geſagt iſt/ mit Maluaſier oder anderm gůtem krefftigem Wein zertriben würt/ mit Lebkůchen/ Zimmet/ Nägelin/ Muſcatblůet/ vnd dergleichen angemacht/ vnd zů der ſpeiß gebꝛaucht.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-004-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-004-orig">
          <p>Wie man aus mancherlei Pflaumen eine Latwerge machen soll. Diese Frucht hat ein unzählbar großes Geschlecht: Bei den Alten finde ich an die fünfzehn Arten Pflaumen beschrieben, von denen uns in unseren Landen wenige fehlen. Sie aufzuzählen wäre aber überflüssig, weil diese Frucht ganz gewöhnlich und gering geachtet ist. In den Apotheken werden Pflaumen zu vielen Dingen gebraucht, besonders in Getränken, aber nicht unsere heimischen, sondern die, die in Damaskus wachsen. An ihrer Stelle braucht man gewöhnlich die Ungarischen oder Böhmischen Pflaumen, und wenn wir auch diese nicht haben, erst unsere gedörrten Pflaumen.</p>
          <p>Die einfache Latwerge: Auch aus unseren gewöhnlichen hiesigen Pflaumen wird in den Apotheken eine köstliche Latwerge gemacht, auf diese Weise: Nimm gute frische Pflaumen, die nicht voller Würmer stecken und nicht faul sind, siede sie in einfachem Wasser zu Mus und treibe sie durch ein Haarsieb oder ein Haartuch, ganz so, wie es von den Quitten gesagt ist. Dann gib auf ein Pfund dieses Marks anderthalb Pfund Zucker oder Honig, nach deinem Gefallen und Gutdünken, und siede das über einem hellen Kohlenfeuer zu einer Latwerge, wie gesagt ist.</p>
          <p>Die Fassung der Alten: Diese Latwerge haben die Alten auf vielerlei Art beschrieben. Etliche haben in der Brühe, in der die Pflaumen gesotten worden sind, auf ein Pfund drei Lot Veilchenblüten gesotten und mit dieser Brühe den Honig oder Zucker zerlassen. Unter ein Pfund dieses Pflaumenmarks haben sie zwei Lot unreife Datteln, Tamarinde genannt, und zwei Pfund Mark der Cassia fistula gemischt und es so zu einer Latwerge gesotten. Das wäre nicht zu schelten, wenn es gebührlich und recht gemacht würde.</p>
          <p>Als Abführmittel der Apotheke: Diese Latwerge wird in den Apotheken auch als Laxativ oder treibende Arznei gemacht und bereitet: Unter ein Pfund rührt man ein Lot oder anderthalb Lot bereitete Scamonea, in der Apotheke Diagridium genannt, fein zermahlen und gepulvert, wenn die Latwerge zur rechten Dicke gesotten ist und vom Feuer genommen werden soll. So bereitet heißt sie in den Apotheken Diaprunis laxativum oder Solutivum.</p>
          <p>Wirkung nach Ryff: Die erste und gewöhnlichste Latwerge von den Pflaumen soll sehr gut sein, wo der Magen nicht zu schwach ist, für hitzige und cholerische Leute und in solchen Krankheiten wie hitzigen Fiebern. Sie lösche den Durst und mildere die Hitze, denn die Pflaumen seien kalter und feuchter Natur; sie sei eine sehr köstliche Arznei in hitzigen Fiebern. Ebenso könne man die andere Latwerge, unter die Scamonium oder Diagridium gemischt ist, in solchen hitzigen, scharfen und gefährlichen Fiebern geben, um den Bauch zu öffnen, wo der Magen, wie oben gesagt, nicht zu schwach ist.</p>
          <p>Zur Speise: Wird diese Latwerge ohne Zusatz bereitet, ist sie eine köstliche Labung der Kranken und bringt auch den Gesunden Appetit, wenn man sie, wie von anderen Latwergen gesagt ist, mit Malvasier oder anderem gutem, kräftigem Wein verrührt, mit Lebkuchen, Zimt, Nelken, Muskatblüte und dergleichen anmacht und zur Speise gebraucht.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="gůte friſche Pflaumen">Pflaumen, frisch und unversehrt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="ſchlechtem waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#fyndling-ingredient-registry">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="anderthalb pfundt Zucker oder Honig">Zucker oder Honig (anderthalb Pfund auf ein Pfund Mark)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Maluaſier oder anderm gůtem krefftigem Wein">Malvasier oder anderer guter, kräftiger Wein (zum Anmachen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="gingerbread for sauce" orig="Lebkůchen" commodity="wikidata:Q1468150" source="#fyndling-ingredient-name">Lebkuchen (zum Anmachen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cinnamon" orig="Zimmet" commodity="wikidata:Q28165" source="#corema-ingredient-index">Zimt, gestoßen (zum Anmachen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="clove" orig="Nägelin" commodity="wikidata:Q15622897" source="#corema-ingredient-index">Gewürznelken (zum Anmachen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Muſcatblůet">Muskatblüte (Macis), zum Anmachen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-005">
        <head>Johannisbeer-Latwerge</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-005-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-005-trans">
          <p>Von ſant Johans treüblin Latwerg/ von den Apoteckern Ribes genandt.
DJſe frucht oder böꝛlin/ bey vns ſant Johans treüblin genandt/ darumb das ſie gewonlich vmb S. Johans tag/ das iſt zů end des Bꝛachmonats zeitig werden/ iſt bey den alten Gꝛiechen vnnd Lateiniſchen ärtzten vnbekandt geweſen/ vnd allein den Arabiſchen im bꝛauch/ aber darumb nicht zůuerachten/ dann
darauß ein vaſt köſtliche vnnd labhafftige artzney gemacht vñ bereit würt/ in allen ſchwären hitzigen kranckheyten faſt anmůtig.
Der ſafft von diſen böꝛlin (die gewonlich in gärten gezilt werden) außgetruckt/ ſoll auff einem ſanfften feürlin ſo lang geſotten werden/ biß er die dicke einer Latwergen vberkompt. Etliche thůnd auch ein wenig Zuckers darzů/ ſolche Latwerg ein wenig zůmiltern.
Diſe Latwerg löſchet den durſt krefftiglich/ befeüchtet vnnd erquicket die verdoꝛrte zung/ iſt ein köſtlicher ſchatz in allen hitzigen vnnd bꝛennenden febern vnnd kranckheiten/ dañ ſie mag ohn ſchaden genützt werden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-005-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-005-orig">
          <p>Von der Latwerge aus Sankt-Johanns-Träublein, bei den Apothekern „Ribes“ genannt.</p>
          <p>Diese Frucht oder diese Beerlein, bei uns Sankt-Johanns-Träublein genannt, weil sie gewöhnlich um Sankt Johannis Tag, das ist zu Ende des Brachmonats, reif werden, sind bei den alten griechischen und lateinischen Ärzten unbekannt gewesen und allein bei den arabischen im Gebrauch. Darum sind sie aber nicht zu verachten, denn daraus wird eine sehr köstliche und labende Arznei gemacht und bereitet, die in allen schweren, hitzigen Krankheiten sehr angenehm ist.</p>
          <p>Der Saft dieser Beerlein, die gewöhnlich in Gärten gezogen werden, wird ausgedrückt und soll auf einem sanften Feuerlein so lange gesotten werden, bis er die Dicke einer Latwerge bekommt. Manche geben auch ein wenig Zucker dazu, um diese Latwerge ein wenig zu mildern.</p>
          <p>Diese Latwerge löscht den Durst kräftig, befeuchtet und erquickt die ausgedörrte Zunge und ist ein köstlicher Schatz in allen hitzigen und brennenden Fiebern und Krankheiten, denn sie kann ohne Schaden genossen werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Der ſafft von diſen böꝛlin">Johannisbeersaft, ausgedrückt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="ein wenig Zuckers" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker, ein wenig (freigestellt)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-006">
        <head>Berberitzen-Latwerge</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-006-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-006-trans">
          <p>Vom Saurouch oder Erbſelen böꝛen Latwerg.
SAurouch od' Erbſelen böꝛ ſeind in vnſerm land faſt gemein/ wiewol ſie nit allenthalben gefunden werden/ vergleichen ſich inn der krafft garnahe den Johans treüblin/ dañ das der Saurouch vil krefftiger vnd ſaurer iſt.
Auß dem ſafft diſer treüblin oder Erbſelen böꝛlin/ würt auch ein gůte Latwerg bereyt/ in aller geſtalt vnd maß/ wie oben von den Johans treüblin geſagt iſt/ mit Zucker oder ohn Zucker/ faſt in gleicher krafft der voꝛigen Latwerg.
Löſchet den durſt krefftiglich/ ſtillet das bauchwehe oder außlauffen/ befeüchtigt die dürꝛe zungen vnd kälen in hitzigen febern/ miltert vñ kület die hitz vñ ſcherpffe des blůts von Coleriſcher feüchtigkeyt/ ſtillet auch dẽ vberflüſſigen fluß der weiber vnd blůtrůr/ Diſſenteria genandt/ mag inn allen dingen gebꝛaucht werden/ wie von der voꝛbeſchꝛibnen Latwerg der Johans treüblin angezeigt iſt. Die zwo Latwergen werden auch ſelten von dẽ ärtzten eine on die and' dem krancken veroꝛdnet.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-006-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-006-orig">
          <p>Von der Latwerge aus Saurouch- oder Erbselenbeeren</p>
          <p>Saurouch- oder Erbselenbeeren, das sind die Berberitzen, sind in unserem Land sehr verbreitet, obwohl man sie nicht überall findet. In ihrer Kraft gleichen sie beinahe den Johannisbeeren, nur dass der Saurouch viel kräftiger und saurer ist.</p>
          <p>Aus dem Saft dieser Träublein oder Erbselenbeerlein wird ebenfalls eine gute Latwerge bereitet, ganz auf dieselbe Art und Weise, wie oben bei den Johannisbeeren gesagt ist, mit Zucker oder ohne Zucker, und sie ist in ihrer Kraft der vorigen Latwerge sehr ähnlich.</p>
          <p>Sie löscht den Durst kräftig, stillt das Bauchweh oder den Durchfall, befeuchtet die dürre Zunge und Kehle in hitzigen Fiebern, mildert und kühlt die Hitze und Schärfe des Bluts, die von cholerischer Feuchtigkeit kommt, und stillt auch den übermäßigen Fluss der Frauen und die Blutruhr, Dysenteria genannt. Man kann sie in allen Dingen so gebrauchen, wie es bei der vorbeschriebenen Latwerge der Johannisbeeren angezeigt ist. Die beiden Latwergen verordnen die Ärzte dem Kranken auch selten die eine ohne die andere.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ſafft diſer treüblin oder Erbſelen böꝛlin">Berberitzensaft</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker (nach Wahl)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-007">
        <head>Maulbeerlatwerge, auch halb mit Brombeersaft</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-007-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-007-trans">
          <p>Von Maulböꝛ oder Bꝛomböꝛ Latwerg.
DEr Maulböꝛbaum iſt von den Alten für den aller klůgſten Baum geacht woꝛden/ vmb ſeiner wunderbarlichen art willen/ dann er ſchlecht faſt ſpat/ vnd garnahe zůletſt nach allen beümen auß/ vnd verleürt ſeine bletter faſt zům erſten voꝛ den andern/ blůet auch faſt langſam vnnd ſpat/ ſein frucht würt aber bald zeitig/ welche in der erſtẽ weiß iſt/ bald hernach rot/ vnnd wann ſie zeitig würt/ bꝛaunſchwartz/ alſo iſt auch der weinecht ſafft inn der frucht geferbt/ erſtlich weiß/ darnach rot/ vnd zůletſt bꝛaunſchwartz/ vnd was der letſt beſudelt oder ferbt/ das kan mit dem erſten wider außbꝛacht werden.
Von dem ſafft diſer frucht/ würt auch ein Latwerg
gemacht/ eben gerad auff die art wie von den Johans treüblin vnnd Saurouch oder Erbſelen böꝛen geſagt iſt/ wiewol etliche den halben theil von diſem ſafft der Maulböꝛen nemmen/ vnd den andern halben theil von dem ſafft der Bꝛomböꝛen/ vnd ſieden ſolches ob einem ſittlichen feür/ biß es dick würt/ zů einer Latwergen/ mit Zucker oder Honig/ wie von den voꝛbeſchꝛibnen Latwergen angezeigt iſt.
Diſe Latwerg iſt ein wunderbarliche heylſame artzney zů allen hitzigen kranckheyten/ wehetagen vnd geſchwulſt des halß/ bylleren/ zungen vnnd des gantzen munds/ trücknet vnnd hebt auff das herab geſchoſſen zäpflin vnd hauchblat.
Diſe Latwerg offt gebꝛaucht/ wehꝛet auch den hitzigen geſchwären der kälen/ Angine vnnd Sinanche genandt/ denen die darzů geneigt ſeind/ mag auch garnahe zů allen dingen gebꝛaucht werden/ wie von der voꝛgeſchꝛibnen Latwergen der Johans treüblin vñ Erbſelen geſagt iſt/ inn hitzigen kranckheyten groſſen durſt zůlöſchen/ vñ die krancken zůlaben/ iſt dem magen faſt anmütig.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-007-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-007-orig">
          <p>Von der Maulbeer- oder Brombeerlatwerge. Der Maulbeerbaum ist von den Alten für den allerklügsten Baum gehalten worden, wegen seiner wunderbaren Art: Er schlägt sehr spät und beinahe als letzter von allen Bäumen aus und verliert seine Blätter ganz zuerst vor den anderen. Er blüht auch sehr langsam und spät, seine Frucht aber wird bald reif. Sie ist zuerst weiß, bald danach rot und, wenn sie reif wird, braunschwarz. Ebenso ist auch der weinartige Saft in der Frucht gefärbt: erst weiß, danach rot und zuletzt braunschwarz. Und was der letzte befleckt oder färbt, das kann man mit dem ersten wieder herausbringen.</p>
          <p>Die Latwerge. Aus dem Saft dieser Frucht wird auch eine Latwerge gemacht, ganz auf die Art, wie es von den Johannisbeeren und den Berberitzen gesagt ist. Manche nehmen allerdings die eine Hälfte vom Saft der Maulbeeren und die andere Hälfte vom Saft der Brombeeren und sieden das bei sanftem Feuer, bis es dick wird, zu einer Latwerge, mit Zucker oder Honig, wie es bei den vorbeschriebenen Latwergen angezeigt ist.</p>
          <p>Von der Wirkung. Diese Latwerge ist nach Ryff eine wunderbar heilsame Arznei für alle hitzigen Krankheiten, für Schmerzen und Geschwulst des Halses, des Zahnfleischs, der Zunge und des ganzen Mundes. Sie trocknet das herabgesunkene Zäpfchen und Hauchblatt und hebt es wieder auf.</p>
          <p>Oft gebraucht, wehrt diese Latwerge auch bei denen, die dazu neigen, den hitzigen Geschwüren der Kehle, Angina und Sinanche genannt. Sie kann auch beinahe zu allen Dingen gebraucht werden, wie es von der vorbeschriebenen Latwerge aus Johannisbeeren und Berberitzen gesagt ist: in hitzigen Krankheiten großen Durst zu löschen und die Kranken zu laben. Dem Magen ist sie sehr angenehm.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ſafft der Maulböꝛen">Maulbeersaft</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſafft der Bꝛomböꝛen">Brombeersaft</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar or honey" orig="Zucker oder Honig" commodity="wikidata:Q57656231 wikidata:Q10987" cert="low" source="#fyndling-ingredient-context">Zucker oder Honig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-008">
        <head>Latwerge von Welschen Kirschen</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-008-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-008-trans">
          <p>Von Welſchen kirſen Latwerg.
VOn den Welſchen kirſen würt auch ein faſt nützliche Latwerg mit kleiner mühe vnd ringem koſten bereyt/ eben auff die manier/ wie von den Pflaumen ge-
ſagt iſt/ alſo das ſie friſch vnnd recht zeitig vom Baum geſchüttelt werden/ vnd gar bald/ dann ſie verändern ſich vnd faulen leichtlich/ mit einem gůten dicken roten wein geſotten/ das ſie durch ein härin ſib getriben oder durch geſchlagen werden mögen/ vnd dann auff einem ſenfften kolfeür/ das nit rieche/ ſittiglich geſotten/ mit ſtättigem rüren ohn vnderlaß/ das es nit anbꝛenne.
Diſe Latwerg iſt krefftig/ vnd ein gewiſſe artzney zů dem bauchfluß/ es ſey die rote růr/ oder ein ſchlecht außlauffen/ das ſtillet es krefftiglich/ ſtercket den magen vnd das eingeweyd.
Die Welſchen kirſen werden auch eingemacht/ zů ſolchen gepꝛeſten dienſtlich/ wie hernach gnůgſamlich anzeigt würt.
Es werden auch vnderweilen diſer Latwergen etliche ſtück vermiſcht/ welche auch die krefft haben ſollen/ den erweichten bauch zůſtellen/ vnnd die zerꝛißnen därm von der ſcharpffen matery wider zůheilen/ als Wegerich ſamen/ Saurampffer ſamen/ dürꝛe Roſen/ vnd dergleichen ſtück/ mag ein jeder nach ſeinem verſtandt ſelbſt erwägen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-008-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-008-orig">
          <p>Die Bereitung: Aus den Welschen Kirschen wird ebenfalls eine sehr nützliche Latwerge bereitet, mit kleiner Mühe und geringen Kosten, eben auf die Weise, wie es von den Pflaumen gesagt ist. Die Früchte frisch und recht reif vom Baum schütteln und sehr bald verarbeiten, denn sie verändern sich und faulen leicht. Mit einem guten, dicken roten Wein sieden, bis sie sich durch ein Haarsieb treiben oder durchschlagen lassen. Dann auf einem sanften Kohlenfeuer, das nicht raucht, sachte sieden, mit stetigem Rühren ohne Unterlass, damit es nicht anbrennt.</p>
          <p>Zur Wirkung nach Ryff: Diese Latwerge ist kräftig und eine zuverlässige Arznei gegen den Durchfall, sei es die rote Ruhr oder ein schlichtes Auslaufen. Den stillt sie kräftig, und sie stärkt den Magen und das Eingeweide.</p>
          <p>Die Welschen Kirschen werden auch eingemacht und sind zu solchen Gebrechen dienlich, wie hernach ausreichend gezeigt wird.</p>
          <p>Zusätze: Manchmal mischt man dieser Latwerge auch etliche Zutaten bei, die ebenfalls die Kraft haben sollen, den erweichten Leib zu stopfen und die zerrissenen Därme von der scharfen Materie wieder zu heilen, etwa Wegerichsamen, Sauerampfersamen, getrocknete Rosen und dergleichen. Das mag ein jeder nach seinem Verstand selbst erwägen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Welſchen kirſen">Welsche Kirschen (wahrscheinlich Kornelkirschen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gůten dicken roten wein">Rotwein, gut und schwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Wegerich ſamen">Wegerichsamen (optional, Arzneizusatz)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Saurampffer ſamen">Sauerampfersamen (optional, Arzneizusatz)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="dürꝛe Roſen">Getrocknete Rosen (optional, Arzneizusatz)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-009">
        <head>Holunderbeer-Latwerge (Holdermus)</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-009-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-009-trans">
          <p>Von Holderböꝛ oder Holdertreübel Latwerg.
DJſe Latwerg/ dieweil ſie faſt gemein vnd bekandt iſt/ beſonder an etlichen oꝛten im Schweitzerlandt/ würt ſie von dem landuolck järlich bereit vñ verkaufft/ da würt
ſie inn den Apotecken gar ſelten bereyt gefunden/ aber darumb nit zůuerachten/ noch deſto ringer zůhalten/ dann ſie faſt krefftig iſt wider alle vergifft/ würt auch meines bedunckens nit vbel für den falſchen Tiriack gebꝛaucht/ der allenthalben von den Landtleüffern vnd Zanbꝛechern/ das vnuerſtändig volck zůbeſcheiſſen vñ vmb das gelt zůbꝛingen/ vmbgetragen vnd verkaufft würt. Wiewol jnen diſe Latwerg auch faſt nützlich iſt/ vnder jre bittere Entzian latwergen/ von etlichen alten verlegnen Confect täflin/ von würmen zerſtochen/ zů temperieren vnnd zůuermiſchen/ wolte aber Gott/ das ſie diſe Latwergen oder Holdermůß rechtgeſchaffen bereyt/ allein vmbher trůgen/ vnnd für diſes edel Confect des Tiriackes verkaufften/ würde ohn zweifel nit als ſchädlich ſein als der falſche Tiriack/ der doch kein gemeinſchafft hat mit dem rechten Tiriack/ in einem ſtuck/ auch in dem geringſten nicht.
Dann diſe Holderlatwerg iſt faſt gůt vnnd bewärt für allerley vergifft/ vertreibt auch jñerliche geſchwulſt des leibs/ vnd alle vergiffte ſchädliche vnnd böſe feüchtigkeyt/ treibt ſie auß durch den ſchweiß.
Darumb diſe Latwerg oder Holdermüß/ wa man den rechten Tiriack nit haben mag (der warlich diſer zeit ein ſeltzams wildtpꝛet wer/ vnd ein wunderbarlich meerwunder) nützlichen gebꝛaucht werden mag/ auſſerhalb vnd jnnerthalb des leibs/ mit Daubenkropff oder Erdtrouch waſſer eingenom̃en/ den ſchweiß krefftiglich außzůtreiben/ dem der in ein ſchweißbad gehen
will/ auch den waſſerſüchtigen vnd geſchwollnen/ dañ wie geſagt iſt/ ſo treibt diſe Latwerg alle vberflüſſige feüchtigkeyt auß dem leib/ vnd legt die geſchwulſt.
Wann du ſie bereyten vnd rechtgeſchaffen machen wilt/ ſo nim̃ der holdertreübel/ wañ ſie wol zeitig ſeind/ vnd bꝛaunſchwartz werden/ zerſtoß ſie in einem ſteinin möꝛſer/ vnnd truck das ſafft durch ein rein gewäſchen tůch/ ſetze jn auff ein ſanfft kolfeür/ laß jhn gemächlich ſieden/ biß er dick gnůg würt/ mit ſtättigem rüren/ das er ſich nit an den boden anſetze vnd anbꝛenn. Wann er dick gnůg geſotten iſt/ kanſtu erkennen auff einem kalten ſtein oder eyſen/ wie dann gewonlich alle Latwergen pꝛobiert werden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-009-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-009-orig">
          <p>Von der Latwerge aus Holunderbeeren oder Holundertrauben.</p>
          <p>Weil diese Latwerge sehr verbreitet und bekannt ist, besonders an etlichen Orten im Schweizerland, wird sie vom Landvolk jährlich bereitet und verkauft; daher findet man sie in den Apotheken gar selten fertig bereitet. Darum ist sie aber nicht zu verachten und nicht geringer zu schätzen, denn sie ist sehr kräftig gegen alles Gift. Meines Erachtens wird sie auch nicht übel anstelle des falschen Theriaks gebraucht, den die Landläufer und Zahnbrecher überall umhertragen und verkaufen, um das unverständige Volk zu betrügen und ums Geld zu bringen.</p>
          <p>Zwar ist ihnen diese Latwerge auch sehr nützlich, um sie unter ihre bittere Enzianlatwerge von etlichen alten, abgestandenen, von Würmern zerfressenen Konfekttäfelchen zu mischen und diese damit zu mildern. Wollte aber Gott, sie würden diese Latwerge oder dieses Holdermus recht bereitet allein umhertragen und anstelle dieses edlen Konfekts, des Theriaks, verkaufen: Ohne Zweifel wäre sie nicht so schädlich wie der falsche Theriak, der doch mit dem rechten Theriak nichts gemein hat, in keinem Stück, auch nicht im Geringsten.</p>
          <p>Denn diese Holunderlatwerge ist sehr gut und bewährt gegen allerlei Gift. Sie vertreibt auch innerliche Geschwulst des Leibes und alle giftige, schädliche und böse Feuchtigkeit und treibt sie durch den Schweiß aus.</p>
          <p>Darum kann man diese Latwerge oder dieses Holdermus, wo man den rechten Theriak nicht haben kann (der wahrlich zu dieser Zeit ein seltenes Wildbret und ein wunderbares Meerwunder wäre), nützlich gebrauchen, äußerlich und innerlich am Leib, mit Taubenkropf- oder Erdrauchwasser eingenommen: um dem, der in ein Schwitzbad gehen will, den Schweiß kräftig auszutreiben, auch für die Wassersüchtigen und Geschwollenen. Denn wie gesagt treibt diese Latwerge alle überflüssige Feuchtigkeit aus dem Leib und lässt die Geschwulst zurückgehen.</p>
          <p>Die Bereitung. Wenn du sie bereiten und recht machen willst, so nimm die Holunderdolden, wenn sie gut reif sind und braunschwarz werden. Zerstoß sie in einem steinernen Mörser und drück den Saft durch ein reines, gewaschenes Tuch. Setz ihn auf ein sanftes Kohlenfeuer und lass ihn gemächlich sieden, bis er dick genug wird, unter stetem Rühren, damit er sich nicht am Boden ansetzt und anbrennt. Ob er dick genug gesotten ist, kannst du auf einem kalten Stein oder Eisen erkennen, wie man gewöhnlich alle Latwergen prüft.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="holdertreübel">Holunderbeeren (Schwarzer Holunder), gut reif</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-010">
        <head>Hagebutten-Latwerge von Heckenrosen</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-010-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-010-trans">
          <p>Hagbutzen oder wilder Roſenknöpff Latwerg.
VOn den roten Hagbutten/ die an den wilden oder Heckroſen ſtauden wachſen/ würt auch ein liebliche gůte Latwerg bereit/ wiewol die frücht oder die butten an jnen ſelbs nit tauglich ſeind zůeſſen/ vmb der rauhen vnd ſcharpffen ſteinlin willen/ die ſie in jhn haben/ welche nicht ohn ſchmertzen vnnd ſtechen verſchluckt werden mögen.
Diſe Hagbutzen ſollen abgebꝛochen werden/ wann ſie am aller gröſſeſten vnd am zeitigſten ſeind/ vnd an-
fahen weich zů werden/ vnd in ſchlechtem waſſer/ oder als etliche pflegen/ in wein/ wie von den Welſchen kirſen geſagt iſt/ gantz zů einem můß geſotten/ vnd durch getriben werden/ durch ein rein härin ſib/ wie d' bꝛauch iſt vnd offtmals gemeldet woꝛden/ vnd dann das ſelbig ſafft oder marck geſotten ſo lang/ mit fleiſſigem rüren on vnderlaß/ biß es anfahet dick gnůg zůwerden.
Diſe Latwerg würt gebꝛaucht/ den magen vñ das gedärm zůkrefftigen/ vnd den bauchfluß zůſtillen/ ſonderlich die gefähꝛlich kranckheyt/ Diſſenteria/ die rot růr oder außlauffen genandt. Mag auch mit anderen ſtücken/ zů diſem gepꝛeſten dienſtlich/ vermiſchet werden/ darmit ſie krefftiger vnd ſtercker werde/ wie in der Welſchen kirſen Latwerg gemeldet würt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-010-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-010-orig">
          <p>Latwerge von Hagebutten oder wilden Rosenknöpfen. Aus den roten Hagebutten, die an den Stauden der wilden oder Heckenrosen wachsen, wird auch eine liebliche, gute Latwerge bereitet. Dabei taugen die Früchte oder Butten an sich selbst nicht zum Essen, wegen der rauen und scharfen Steinchen, die sie in sich haben; die lassen sich nicht ohne Schmerzen und Stechen hinunterschlucken.</p>
          <p>Die Bereitung: Diese Hagebutten soll man pflücken, wenn sie am allergrößten und am reifsten sind und anfangen, weich zu werden. Dann werden sie in einfachem Wasser oder, wie es etliche halten, in Wein, wie bei den Welschen Kirschen gesagt ist, ganz zu einem Mus gesotten und durch ein sauberes Haarsieb getrieben, wie es der Brauch ist und oft gemeldet worden. Danach diesen Saft oder dieses Mark so lange sieden, mit fleißigem Rühren ohne Unterlass, bis es anfängt, dick genug zu werden.</p>
          <p>Zur Wirkung nach Ryff: Diese Latwerge gebraucht man, um Magen und Gedärm zu kräftigen und den Durchfall zu stillen, besonders die gefährliche Krankheit Dissenteria, die rote Ruhr oder Auslaufen genannt. Man kann sie auch mit anderen Zutaten mischen, die zu diesem Gebrechen dienlich sind, damit sie kräftiger und stärker wird, wie bei der Latwerge von Welschen Kirschen gemeldet wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="roten Hagbutten">Hagebutten, rot und reif</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="ſchlechtem waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#fyndling-ingredient-registry">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein (statt des Wassers; bei den Welschen Kirschen ein schwerer Rotwein)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-011">
        <head>Grüner Ingwer aus Trockenware eingemacht</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-011-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-011-trans">
          <p>Grünen Jngber/ oder eingemachten Jngber zůmachen.
DEr Jngber/ wiewol er ein frembd gewächß iſt/ vnd vber Meer her/ auß Arabia gebꝛacht würt/ iſt er vns doch als gemeyn/ das wir ſein garnahe in keiner Speiß gerahten können.
Diſes Gewürtz/ als vns die ſelbigen anzeigen/ die ſolches in Jndia geſehen haben/ kreücht weit vmb ſich in der erden mit einer knopffechtigen wurtzlen/ welche allenthalben neüwe würtzlin her für ſtoſſen/ gewinnt des jars wol zwey oder dꝛey mal friſche neüw gewachßne blätlin/ welche dem graß faſt gleich ſeind.
Diſe wurtzel ſoll faſt gemein ſein in diſer gegne/ alſo/ das nichts behenders gefunden werde. Würt am beſten außgegraben/ wann die blätlin oder das kraut verdoꝛret.
Diſe wurtzel würt gar bald von den würmen durchſtochen/ darumb würt ſie mit roter erden geferbt von den Kauffleüten/ damit ſolches nicht mög geſehen werden/ vnd der Jngber von der anfeüchtung vñ dem erdtrich/ vil gewichtiger vnd ſchwärer werde.
Diſe wurtzlen weil ſie noch grůn ſeind vñ friſch/ von den würmen noch nit zerſtochen/ ſollen ſie in Honig od' Zucker eingebeitzt werden/ Dieweil wir ſie aber nit alſo friſch haben mögen/ můſſen wir den gedörten weiſſen Jngber nemmen/ vnd den ſchönſten vnnd beſten außklauben/ vnd wider anfeüchten vñ grůn machen/ auff diſe weiß. Nim̃ den beſten ſchönſten weiſſen Jngber den du haben magſt/ hetteſtu aber kein weiſſen/ ſo wäſche die rot farbe/ darmit der gemeyn mañ betrogen würt/ herab/ ſouil du wilt/ mache dir ein gůte ſcharpffe laug von trůſen äſchen/ die ſchütt vber den Jngber/ vñ laß jn wol erweichen/ biß ſich die öberſt haut ergibt/ die ſchöl dann ſauber herab/ vnnd reinige den Jngber wol von allen zäſerlin/ vnd geüß friſche laug darüber/ vnnd laß ſtehen/ ſo lang biß der Jngber weich genůg würt/ iſt die laug ſcharpff/ ſo geſchichts deſto ehe/ hab aber gůt acht/ das er nit zůweich werde/ vnnd alle ſeine krafft verliere/ dann ſo wer er gar verderbt/ darumb můſtu ſein fleiſſig warten/ offt ein zehen/ zwo oder dꝛey von einander ſchneiden/ vnd beſehen/ ob es durchweichet iſt. Wann er dann recht vnd nach deinem gůtduncken/ wol durchweichet iſt/ ſoltu mit einem faſt dünnen ſchꝛeibmeſſerlin/ als klein vnnd dünn du es gehaben
magſt/ die harten äderlin jnnwendig in dem Jngber durchſtechen vñ abſchneiden/ ſo würt der Jngber fein mürb. Wann er dann alſo gebeitzet iſt vnd durchſtochen/ ſo geüß die laug ab/ vnnd wäſche den Jngber wol mit friſchem waſſer/ das ſich die laug wol abſpüle vnd herauß zogen werde/ magſt jn auch wol vber nacht in einem ſolchen friſchen waſſer ligen laſſen/ vnd auff den moꝛgen aber ſauber wäſchen/ doch gemächlich/ das die durchſtochnen zehen nit gebꝛochen werden/ das mag zween oder dꝛey tag gethon werden/ ſo lang/ biß man ſihet das ſich die laug gar abgeſpült vnnd gar herauß gezogen/ vnd das waſſer nit mehꝛ glat iſt nach der laugen. Dann ſo ſchütt den Jngber auff ein tůch/ vnd laß jn wol trücknen/ vnnd das waſſer daruon ſeihen/ vnd wann die tůcher naß werden/ ſo lege wider truckne darunder/ das thů ſo lang/ biß er kein feüchtigkeyt mehꝛ von ſich gibt. Magſt jn auch wol alſo trücknen auff härin ſiben/ wann er dann gnůg trücknet iſt/ ſo mach ein ſyrop von Zucker oder Honig/ oder halb Honig vnnd halb Zucker/ nach deinem gefallen/ wie in den zweyen erſten Capiteln des erſten Teyls klärlich angezeigt iſt/ den geüß vber den Jngber/ zeücht er dann etwas feüchtigkeyt an ſich von dem Jngber/ vnd würde zůdüñ/ ſo můſtu jn widerumb herab ſchütten/ vnnd noch ein mal ſieden/ ſo lang/ biß er recht vnd dick gnůg würt.
Solcher eingebeitzter Jngber iſt faſt gůt vnd nützlich/ zů allen gepꝛeſten vnd kranckheyten des leibs von kalter materi erwachſen/ ſond'lich zů dem erkaltẽ magẽ/
ſchwachen döwung/ vnd dem auffſtoſſen oder vberſich riechen des magens. Dienet allem kalten vnd feüchten perſonen/ ſoll inn allen hitzigen kranckheyten/ als gifft geflohen werden/ dann er iſt faſt hitzig/ ſoll allein/ wie oben geſagt iſt/ zů kalten ſeüchten vnnd kalten flüſſen/ vñ was erkaltet iſt/ gebꝛaucht werden/ würt auch nützlich den alten Mannen/ welche erkalt/ vnd jre mannliche krefft verloꝛẽ haben/ gegeben/ damit ſie erwöꝛmbt/ zů jrer mannlichen ſtercke kommen.
Diſer Jngber mag in einem zinen gefeß oder verglaſurten geſchirꝛ/ lange zeyt gůt behalten werden/ in den hültzinen fäßlin doꝛret er zůſchnell auß.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-011-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-011-orig">
          <p>Ingwer ist zwar ein fremdes Gewächs und wird von jenseits des Meeres aus Arabien herbeigebracht. Doch ist er uns so geläufig, dass wir ihn in fast keiner Speise entbehren können.</p>
          <p>Dieses Gewürz, so berichten uns jene, die es in Indien gesehen haben, kriecht mit einer knotigen Wurzel weit unter der Erde umher. Sie treibt überall neue Würzelchen hervor und bringt im Jahr wohl zwei- oder dreimal frische, neu gewachsene Blättlein, die dem Gras sehr gleichen. Diese Wurzel soll in jener Gegend sehr häufig sein, sodass nichts leichter zu haben sei. Am besten wird sie ausgegraben, wenn die Blättlein oder das Kraut verdorren.</p>
          <p>Diese Wurzel wird sehr bald von Würmern durchstochen. Darum wird sie von den Kaufleuten mit roter Erde gefärbt, damit man das nicht sieht und der Ingwer durch die Anfeuchtung und die Erde viel gewichtiger und schwerer wird.</p>
          <p>Solange die Wurzeln noch grün und frisch sind und von den Würmern noch nicht zerstochen, soll man sie in Honig oder Zucker einlegen. Weil wir sie aber nicht so frisch haben können, müssen wir den gedörrten weißen Ingwer nehmen, den schönsten und besten auslesen, wieder anfeuchten und grün machen, und zwar so: Nimm den besten, schönsten weißen Ingwer, den du bekommen kannst. Hättest du aber keinen weißen, so wasche die rote Farbe, mit der der gemeine Mann betrogen wird, herunter, so viel du willst.</p>
          <p>Mache dir eine gute, scharfe Lauge aus Drusenasche, schütte sie über den Ingwer und lass ihn gut erweichen, bis die oberste Haut nachgibt. Schäle sie dann sauber herunter und reinige den Ingwer gut von allen Fäserlein. Gieße frische Lauge darüber und lass ihn so lange stehen, bis der Ingwer weich genug wird. Ist die Lauge scharf, geht es desto schneller. Gib aber gut acht, dass er nicht zu weich wird und alle seine Kraft verliert, denn dann wäre er ganz verdorben. Darum musst du ihn fleißig beobachten, oft eine, zwei oder drei Zehen auseinanderschneiden und ansehen, ob er durchweicht ist.</p>
          <p>Wenn er recht und nach deinem Gutdünken gut durchweicht ist, sollst du mit einem sehr dünnen Schreibmesserlein, so klein und dünn du es nur haben kannst, die harten Äderlein im Inneren des Ingwers durchstechen und abschneiden. So wird der Ingwer fein mürbe.</p>
          <p>Ist er so gebeizt und durchstochen, gieße die Lauge ab und wasche den Ingwer gut mit frischem Wasser, damit sich die Lauge gut abspült und herausgezogen wird. Du kannst ihn auch über Nacht in solchem frischen Wasser liegen lassen und am Morgen wieder sauber waschen, doch behutsam, damit die durchstochenen Zehen nicht zerbrechen. Das kann zwei oder drei Tage lang geschehen, so lange, bis man sieht, dass die Lauge ganz abgespült und herausgezogen ist und das Wasser von der Lauge nicht mehr glatt ist.</p>
          <p>Dann schütte den Ingwer auf ein Tuch, lass ihn gut trocknen und das Wasser davon abrinnen. Wenn die Tücher nass werden, lege wieder trockene darunter. Tu das so lange, bis er keine Feuchtigkeit mehr von sich gibt. Du kannst ihn auch auf Haarsieben so trocknen.</p>
          <p>Ist er genug getrocknet, so mache einen Sirup aus Zucker oder Honig, oder halb Honig und halb Zucker, nach deinem Gefallen, wie in den ersten zwei Kapiteln des ersten Teils deutlich angezeigt ist, und gieße ihn über den Ingwer. Zieht der Sirup dann etwas Feuchtigkeit aus dem Ingwer an sich und wird zu dünn, so musst du ihn wieder abgießen und noch einmal sieden, so lange, bis er recht und dick genug wird.</p>
          <p>So eingelegter Ingwer ist nach Ryff sehr gut und nützlich bei allen Gebrechen und Krankheiten des Leibes, die aus kalter Materie erwachsen, besonders bei erkaltetem Magen, schwacher Verdauung und dem Aufstoßen oder dem Aufsteigen von Dünsten aus dem Magen. Er diene allen kalten und feuchten Personen. In allen hitzigen Krankheiten solle er wie Gift gemieden werden, denn er sei sehr hitzig. Er solle allein, wie oben gesagt, bei kalten Krankheiten und kalten Flüssen und bei allem, was erkaltet ist, gebraucht werden. Auch den alten Männern, die erkaltet sind und ihre männliche Kraft verloren haben, werde er nützlich gegeben, damit sie erwärmt zu ihrer männlichen Stärke kommen.</p>
          <p>Dieser Ingwer lässt sich in einem zinnernen Gefäß oder in glasiertem Geschirr lange Zeit gut aufbewahren. In hölzernen Fässlein dörrt er zu schnell aus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="gedörten weiſſen Jngber">Ingwer, weiß, getrocknet</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſcharpffe laug von trůſen äſchen">Lauge aus Drusenasche (Asche vom Bodensatz des Weins)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="friſchem waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#fyndling-ingredient-registry">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Zucker oder Honig/ oder halb Honig vnnd halb Zucker">Zucker oder Honig, auch halb und halb</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-012">
        <head>Grüne Walnüsse in Sirup einmachen</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-012-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-012-trans">
          <p>Von den vnzeytigen oder Welſchen nuſſen/ wie ſie auff zweyerley weg ſollen eingemacht werden.
WJe die vnzeytigen Welſchen nuß eingemacht werden/ iſt faſt gemeyn vnnd jederman kundtbar/ werden nicht vil zů artzneyẽ gebꝛaucht/ allein zů einem luſt des abends nach dem nachtmal zů eim ſchlafftrunck geſſen/ mögen auff vilerley manier zůbereit werden. Sollen abgebꝛochen werden vmb Sanct Johans tag/ ehe das ſie jñwendig hart/ vnd ſchalen ge-
winnen/ mit einem harten ſpitzigen holtz durchlöchert/ vnd creützweiß durchſtochen werden. Etlich ſchölen ſie voꝛ/ vnd dann in ein friſch waſſer gelegt/ auff neün oder zehen tag/ das ſelbige waſſer ſoll des tags ein mal oder zwey erfriſchet werden/ ſo lang/ biß die nuß jꝛen herben geſchmack verlieren/ vnd jnen die bitterkeyt vergangen iſt/ vnd dann in einen keſſel gethon/ vnd gemächlich geſotten/ biß ſie lind vnd mürb genůg werden/ iſt aber ſonderlich acht zůhaben/ das ſie nicht zůlang ſieden/ vnnd gar zů einem můß werden/ trückne ſie dann wol auff einem ſib/ als offt gemeldet iſt/ vñ beſtöck ſie mit Zimmet/ Nägelin/ vñ zerſchnitnen eingemachten Pomerantzen ſchölfen/ mach ein Syrop darzů von Honig oder Zucker/ laß jn zů rechter dicke wol ſieden. Wann du jn abhebeſt von dem feür/ ſo leg die beſteckten nuß darein/ laß erkalten/ vnd beſchwär ſie/ das ſie nicht entpor ſchwimmen. Zeücht dann der Syrop etwas feüchtigkeyt an ſich/ ſo laß ſänfftigklich ob einem linden kolfeür ſieden/ biß der Syrop dick genůg werde. Etlich beſtöcken die nuß nicht/ vermiſchen aber gůt gewürtz/ als Zimmet/ Jngber/ Nägelin/ Muſcatnuß/ Galgan/ Cardomömlin vnnd Cubeben/ reyn geſtoſſen/ vnder den warmen Honig/ vnd legen jre nuß dareyn/ iſt nicht ein böſe meynung.
Diſe eingemachte Nuß ſollen den magen hefftig ſtercken vnd erwörmen/ mag wol ſeyn vmb deß Gewürtzs willen/ werden aber gemeynigklich/ als oben geſagt iſt/ in groſſen herꝛlichen pancketen vñ ſchlafftrüncken/ mit
andern ſchleckerhafftigen Latwergen vnnd Confecten fürgetragen/ vnd vnnützlich auff den vollen bauch geſtopfft/ darmit billicher die armen krancken/ die ſolche nicht vermögen zůbezalen/ gelabet werden ſolten/ dañ das ſie alſo ſchandtlich verderbt/ vnd niemand zůnutz kommen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-012-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-012-orig">
          <p>Wie man die unreifen Welschen Nüsse einmacht, ist sehr allgemein und jedermann bekannt. Man braucht sie nicht viel zur Arznei, sondern isst sie nur zum Vergnügen, abends nach dem Nachtmahl zu einem Schlaftrunk. Man kann sie auf vielerlei Art zubereiten.</p>
          <p>Vorbereiten der Nüsse: Pflücke sie um Sankt Johannis, ehe sie innen hart werden und Schalen bekommen. Durchlöchere sie mit einem harten, spitzen Holz und durchstich sie kreuzweise. Etliche schälen sie vorher. Dann lege sie in frisches Wasser, neun oder zehn Tage lang. Dieses Wasser soll man am Tag ein- oder zweimal erneuern, so lange, bis die Nüsse ihren herben Geschmack verlieren und ihre Bitterkeit vergangen ist. Dann gib sie in einen Kessel und siede sie gemächlich, bis sie weich und mürbe genug werden. Gib aber besonders acht, dass sie nicht zu lange sieden und ganz zu Mus werden.</p>
          <p>Die erste Weise, gespickt: Trockne sie dann gut auf einem Sieb, wie oft gesagt ist, und bespicke sie mit Zimt, Nelken und zerschnittenen eingemachten Pomeranzenschalen. Mach dazu einen Sirup aus Honig oder Zucker und lass ihn gut sieden, bis er die rechte Dicke hat. Wenn du ihn vom Feuer hebst, so leg die bespickten Nüsse hinein, lass sie erkalten und beschwere sie, damit sie nicht nach oben schwimmen. Zieht der Sirup danach etwas Feuchtigkeit an sich, so lass ihn sachte über einem sanften Kohlenfeuer sieden, bis er dick genug wird.</p>
          <p>Die zweite Weise, ungespickt: Etliche bespicken die Nüsse nicht, mischen aber gutes Gewürz, nämlich Zimt, Ingwer, Nelken, Muskatnuss, Galgant, Kardamom und Kubeben, fein gestoßen, unter den warmen Honig und legen ihre Nüsse hinein. Das ist kein schlechter Gedanke.</p>
          <p>Wirkung und Gebrauch: Diese eingemachten Nüsse sollen den Magen sehr stärken und erwärmen, was wohl von den Gewürzen herrühren mag. Gewöhnlich aber werden sie, wie oben gesagt, bei großen, prächtigen Banketten und Schlaftrünken mit anderen leckeren Latwergen und Konfekten aufgetragen und unnütz auf den vollen Bauch gestopft. Mit mehr Recht sollte man damit die armen Kranken laben, die so etwas nicht bezahlen können, als dass es so schändlich verdorben wird und niemandem zunutze kommt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="vnzeytigen Welſchen nuß">Walnüsse, unreif und grün</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="friſch waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser, frisch, zum Wässern</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cinnamon" orig="Zimmet" commodity="wikidata:Q28165" source="#corema-ingredient-index">Zimt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="clove" orig="Nägelin" commodity="wikidata:Q15622897" source="#corema-ingredient-index">Nelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="eingemachten Pomerantzen ſchölfen">Pomeranzenschalen, eingemacht, zerschnitten (erste Weise)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="honey or unrefined cane sugar" orig="Honig oder Zucker" commodity="wikidata:Q10987 wikidata:Q57656231" cert="low" source="#fyndling-ingredient-context">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Jngber">Ingwer, fein gestoßen (zweite Weise)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Muſcatnuß">Muskatnuss, fein gestoßen (zweite Weise)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="lesser galangal" orig="Galgan" commodity="wikidata:Q27653540" source="#corema-ingredient-index">Galgant, fein gestoßen (zweite Weise)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Cardomömlin">Kardamom, fein gestoßen (zweite Weise)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cubeb" orig="Cubeben" commodity="wikidata:Q161927" source="#corema-ingredient-index">Kubeben, fein gestoßen (zweite Weise)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-013">
        <head>Quitten, Mispeln und Schlehen in Honig</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-013-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-013-trans">
          <p>Quitten/ Neſpeln vnd Schlöhen einzůmachen.
QVitten/ Neſpeln vnd Schlöhen/ werden auch von den reichen gewonlich järlich zůbereytet/ vil mehr zů einem ſchleck vnnd auff den pracht/ dann zů der artzney/ die krancken darmit zůerquicken vnnd zůlaben. Jſt ein faſt lieblich Confect/ darzů werden genommen die aller beſten/ ſchönſten vnd zeytigſten Quitten/ dann die vnzeytigen haben die art/ das ſie inn dem Zucker oder Honig verſtrumpffen/ eingehend/ vnnd alſo hart werden/ das ſie niemandt nützen oder gebꝛauchen mag/ darumb ſoll man die aller zeytigſten nemmen/ nit friſch von dem baum/ ſonder die ein wenig gelegẽ ſeind/ ein jede Quitten in vier/ ſechß/ od' mehr theyl zerſchneiden/ nach dem vnd ſie groß iſt/ wol außgeſchnitten was ſteynig dariñ iſt/ vmb den kernen herumb/ vnnd wann ſie alſo bereyt ſeind/ mit höltzlin in ein haffen verſpꝛeiſſen (wie oben in der Quittenlatwerg gemeldet iſt) das ſie nicht herauß fallen mögen/ vñ ein ſolchen haffen mit
Quitten auff ein anderen/ der ein wenig weitter ſey/ vberſtürtzen/ den vnderſten halb voll ſiedens waſſers füllen/ vnd auff ein dꝛeyfüß ſtellen/ ein gůt kolfeür/ das nit rieche/ darunder machen/ vnnd alſo das waſſer wol ſieden laſſen/ ſo werden die Quitten im öberſten hafen verſpꝛeißt/ gantz weich vnd milt/ vnd nit als wäſſerig vnd ketſch/ als wañ ſie in ſchlechtem waſſer geſotten weren. Diſe Quitten auff einem härin ſib ein wenig ertrücknet/ werden mit Zimmet/ Nägelin/ vnnd anderem gewürtz/ klein geſchnitten/ beſteckt/ vnnd in gůtem verſchaumptem honig/ der zů rechter dicke geſotten iſt/ eingemacht/ etliche laſſen mit dem Honig auff ein maß ein quärtlin geſotten wein zůſammen ſieden zů einem Sirop/ der würt faſt lieblich/
pflegen auch rohe Neſpeln vnd wolzeitige Schlöhen/ mit den Quitten durch einand' einmachen/ vñ diſe Confect ein Schlöhengumpſt zůnennen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-013-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-013-orig">
          <p>Quitten, Mispeln und Schlehen werden auch von den Reichen gewöhnlich jedes Jahr zubereitet, viel mehr als Leckerei und zur Pracht denn zur Arznei, um die Kranken damit zu erquicken und zu laben. Es ist ein sehr liebliches Konfekt.</p>
          <p>Dazu nimmt man die allerbesten, schönsten und reifsten Quitten, denn die unreifen haben die Art, dass sie im Zucker oder Honig zusammenschrumpfen, eingehen und so hart werden, dass niemand sie nutzen oder gebrauchen mag. Darum soll man die allerreifsten nehmen, nicht frisch vom Baum, sondern solche, die ein wenig gelegen haben, jede Quitte je nach ihrer Größe in vier, sechs oder mehr Teile zerschneiden und gut ausschneiden, was um die Kerne herum steinig darin ist.</p>
          <p>Wenn sie so bereitet sind, klemmt man sie mit Hölzchen in einem Topf fest, wie oben bei der Quittenlatwerge gesagt ist, damit sie nicht herausfallen können, und stürzt diesen Topf mit den Quitten über einen anderen, der ein wenig weiter ist. Den unteren füllt man halb voll siedenden Wassers und stellt ihn auf einen Dreifuß, macht ein gutes Kohlenfeuer darunter, das nicht riecht, und lässt das Wasser so gut sieden. So werden die Quitten, im oberen Topf festgeklemmt, ganz weich und mild und nicht so wässrig und breiig, als wenn sie in schlichtem Wasser gesotten wären.</p>
          <p>Diese Quitten lässt man auf einem Haarsieb ein wenig abtrocknen, besteckt sie mit Zimt, Nelken und anderem Gewürz, klein geschnitten, und macht sie in gutem, abgeschäumtem Honig ein, der zur rechten Dicke gesotten ist. Manche lassen mit dem Honig, auf ein Maß ein Quärtlein eingekochten Wein, zusammen zu einem Sirup sieden; der wird sehr lieblich.</p>
          <p>Schlehengumpst. Man pflegt auch rohe Mispeln und wohlreife Schlehen mit den Quitten durcheinander einzumachen und dieses Konfekt ein Schlehengumpst zu nennen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="die aller beſten/ ſchönſten vnd zeytigſten Quitten">Quitten, sehr reif und ein wenig gelagert</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſiedens waſſers">Wasser, siedend (zum Dämpfen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cinnamon" orig="Zimmet" commodity="wikidata:Q28165" source="#corema-ingredient-index">Zimt, klein geschnitten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="clove" orig="Nägelin" commodity="wikidata:Q15622897" source="#corema-ingredient-index">Gewürznelken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="anderem gewürtz">Anderes Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gůtem verſchaumptem honig">Honig, abgeschäumt und zur rechten Dicke gesotten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein quärtlin geſotten wein">Eingekochter Wein, ein Quärtlein auf ein Maß Honig (nach Belieben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="medlar" orig="Neſpeln" commodity="wikidata:Q3092517" source="#corema-ingredient-index">Mispeln, roh (für den Schlehengumpst)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="wolzeitige Schlöhen">Schlehen, wohlreif (für den Schlehengumpst)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-014">
        <head>Quitten in geklärtem Zuckersirup (Apothekerweise)</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-014-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-014-trans">
          <p>Aber in den Apotecken werden die Quitten zerſchnitten/ vñ von dẽ ſteinlin gereinigt/ verdämpfft/ vnnd in einem Sirop mit clarificiertem Zucker bereit/ eingemacht/ dem Magen vnnd der döwung faſt gůt/ auch zů allen gepꝛeſten/ mängeln vnd fählen/ wie ſie in der Quitten latwerg anzeigt ſeind.
Es ſoll fleiſſig wargenom̃en werden/ das die Quitten recht vnd vollkommenlich zeitig ſeyen/ ſonſt verharten ſie ſich als ſehꝛ/ wie obgemeldt iſt/ das ſie vntauglich werden/ vnd ſie niemandts nützen oder bꝛauchen kan.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-014-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-014-orig">
          <p>In den Apotheken aber werden die Quitten zerschnitten, von den Steinchen gereinigt, gedämpft und in einem Sirup mit geklärtem Zucker bereitet und eingemacht. So sollen sie dem Magen und der Verdauung sehr gut sein, auch gegen alle Gebrechen, Mängel und Fehler, wie sie bei der Quittenlatwerge angezeigt sind.</p>
          <p>Man soll sorgfältig darauf achten, dass die Quitten recht und vollkommen reif sind. Sonst verhärten sie sich so sehr, wie oben gesagt ist, dass sie untauglich werden und niemand sie nutzen oder gebrauchen kann.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="quince" orig="die Quitten" commodity="wikidata:Q2751465" source="#corema-ingredient-index">Quitten, ganz reif</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="clarificiertem Zucker">Zucker, geklärt</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-015">
        <head>Quitten im Fässchen mit rohem Honig (altes Verfahren)</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-015-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-015-trans">
          <p>Die Alten haben vil ein andere manier dann wir/ Quitten einzůmachen/ gehabt/ auch nicht vnlieblich/
aber nicht als köſtlich vnd ſchleckerhafftig/ wie ſie von vns pflegen eingemacht zůwerden/ aber wol als gůt vnd nützlich als vnſer Schlöhengumpeſt.
Die aller ſchönſten vnd zeitigſten haben ſie mit keinem eyſinen/ ſonder einem beynin meſſer von einander geſpalten/ die kernen herauß gethon/ vnd von den ſteinlin geſeübert/ vnd alſo oꝛdenlich in ein kleines fäßlin eingepact/ mit höltzlin oben verſpꝛeißt/ das ſie nit entpoꝛ ſchwimmen/ vnd dann mit gůtem rohem honig begoſſen/ das ſie gar darinn bedeckt weren/ Auff diſe weiß bliben die Quitten/ welche ſie auch alſo gantz/ allein von den butzen gereinigt/ einmachten/ das gantze jar friſch vnd gůt/ vil eines beſſern vnnd lieblichern geſchmacks dann voꝛ/ dann der Honig hat ein ſonderliche art vnd tugent an jm/ das er alle ding voꝛ feülnuß bewart vnd friſch behalt. Diſer honig darinn die Quitten gelegen ſeind/ entpfahet auch die krafft/ natur/ vnd geſchmack der Quitten/ möcht auch denen nützlich geben werden/ die mit Feber beladen ſeind.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-015-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-015-orig">
          <p>Die Alten hatten eine ganz andere Weise als wir, Quitten einzumachen. Sie war auch nicht unlieblich, aber nicht so köstlich und leckerhaft, wie die Quitten bei uns eingemacht zu werden pflegen, aber doch ebenso gut und nützlich wie unser Schlehengumpst.</p>
          <p>Die allerschönsten und reifsten spalteten sie nicht mit einem eisernen, sondern mit einem beinernen Messer auseinander, taten die Kerne heraus und säuberten sie von den Steinchen. So packten sie sie ordentlich in ein kleines Fässchen, klemmten sie oben mit Hölzchen fest, damit sie nicht nach oben schwimmen, und übergossen sie dann mit gutem rohem Honig, sodass sie ganz darin bedeckt waren.</p>
          <p>Auf diese Weise blieben die Quitten - auch die, die sie ganz einmachten und nur vom Kerngehäuse reinigten - das ganze Jahr frisch und gut und hatten einen viel besseren und lieblicheren Geschmack als vorher. Denn der Honig hat eine besondere Art und Kraft an sich, dass er alle Dinge vor Fäulnis bewahrt und frisch erhält.</p>
          <p>Dieser Honig, in dem die Quitten gelegen haben, nimmt auch die Kraft, die Natur und den Geschmack der Quitten an und könnte auch denen mit Nutzen gegeben werden, die mit Fieber beladen sind.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="quince" orig="Quitten" commodity="wikidata:Q2751465" source="#corema-ingredient-index">Quitten, die schönsten und reifsten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gůtem rohem honig">Honig, roh (ungekocht), so viel, dass die Quitten ganz bedeckt sind</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-016">
        <head>Quitten frisch halten: im Weinfass, in Stroh oder in Lehm</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-016-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-016-trans">
          <p>Die Alten haben auch vil andere manieren gehabt/ die Quitten allein für ſich ſelbs friſch zůbehalten/ die ſelbigen in ein neüwen hafen gethon/ den deckel wol verkleibt/ mit bäch/ alſo in ein faß wein geſchloſſen/ das nit gar voll geweſen/ vnd darinn vmbher laſſen ſchwim̃en/ vnd vber den gantzen Winter friſch behalten. Mögen auch ſonſt in gehacktem ſtro wol verdeckt vnd vergraben/ das ſie der lufft nit berür/ daruon ſie faulen/ Oder inn Flocken/ auch inn Gerſten/ trucknen Sägſpenen/
Kleyen/ vnd dergleichen/ vber jar friſch behalten werden. Aber ſonderlich/ das kein ander obs darzů kom̃e. Aber die beſte meynung iſt/ mit jrem laub vmbwicklet/ vnd mit einem zähen leymen mit haar wol durchbert/ vberkleibt/ an der Sonnen getrücknet/ an einem trucknen oꝛt behalten/ bleiben das gantze jar friſch/ vnd wañ man jr bedarff/ ſoll der Leymen herab geſchlagen/ vnd die Quitten ſauber gewäſchen/ zů der notturfft gebꝛauchet werden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-016-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-016-orig">
          <p>Die Alten hatten auch viele andere Arten, die Quitten für sich allein frisch zu halten. Sie taten sie in einen neuen Topf, verklebten den Deckel gut mit Pech, schlossen ihn so in ein Fass Wein ein, das nicht ganz voll war, ließen ihn darin umherschwimmen und hielten die Quitten so über den ganzen Winter frisch.</p>
          <p>Man kann sie auch in gehacktem Stroh, gut zugedeckt und vergraben, so dass die Luft sie nicht berührt, von der sie faulen, oder in Flocken, auch in Gerste, trockenen Sägespänen, Kleie und dergleichen über das Jahr frisch halten. Vor allem aber soll kein anderes Obst dazukommen.</p>
          <p>Das beste Verfahren aber ist dieses: Die Quitten werden mit ihrem Laub umwickelt, mit einem zähen Lehm, der mit Haar gut durchgeschlagen ist, überklebt, an der Sonne getrocknet und an einem trockenen Ort aufbewahrt. So bleiben sie das ganze Jahr frisch. Wenn man sie braucht, soll man den Lehm abschlagen, die Quitten sauber waschen und sie nach Bedarf verwenden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="quince" orig="die Quitten" commodity="wikidata:Q2751465" source="#corema-ingredient-index">Quitten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein neüwen hafen">Topf, neu, mit Deckel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="mit bäch">Pech (zum Verkleben des Deckels)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein faß wein">Wein im nicht ganz vollen Fass</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gehacktem ſtro">Stroh, gehackt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="jrem laub">Quittenlaub</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="einem zähen leymen">Lehm, zäh</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="haar">Haar (in den Lehm geschlagen)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-017">
        <head>Weichseln und Amarellen in Zucker einmachen</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-017-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-017-trans">
          <p>Kirſen/ Weichßlen vnd Amarellen einzůmachen.
VOn den Kirſen/ vñ wie man von jrem ſafft ein gůte labhafftige Latwerg/ auch zů der Speiß für ein ſalſen dienſtlich bereitẽ ſoll/ iſt auff das aller treüwlichſt in dem erſten Teyl diſes bůchlins angezeigt. Es werden aber die ſauren Kirſen/ Amarellen vnd Weichßlen auch eingemacht in zucker vnd honig/ nit minder nützlich dann die Latwerg/ ſonderlich zů einer labung der krancken in hitzigen kranckheyten/ vnd darmit nichts in diſem bůchlin verhalten werde/ das zů vnſerm fürnemmen gehöꝛ/ vnnd dienſtlich iſt/ wöllen wir ſolches auch auffs fleiſſigſt vnd treüwlichſt anzeigen.
Wiltu Weichßlen oder Amarellen einmachen/ ſo laß ſie dir friſch/ recht zeitig/ die nicht lang gelegen/ verfault
oder voll würm ſtecken/ zůwegen bꝛingen/ ſchneide jhn erſtlich dẽ grünen ſtil etwas mehꝛ dann halber ab/ nim̃ ein gůten ſchönen harten Zucker/ iſt er nit weiß genůg/ ſo můſtu jn clarificieren mit eyerklar/ wie in dem erſten Theyl klärlich angezeigt iſt/ vnnd zů einer rechten dicke eines Sirops ſieden/ vnd zůletſt/ wann er garnahe dick genůg iſt/ ab dem feür heben/ die Weichßlen oder Amarellen darein werffen/ vnd ein weil ſtehen laſſen/ vnnd dann zů rechter dicke ſieden. Diſe eingemachte Kirſen werden in ſchöne lautere gläßlin/ ſonderlich darzů bereyt/ gethon/ vnnd alſo ein lange zeyt behalten/ iſt ein wunderbarlich ding in hitzigen kranckheyten den verdoꝛreten mund/ zung/ halß/ vnd kälen zůfeüchtigen vñ erquicken/ den durſt zůlöſchen/ den magen zů der ſpeiß zůreitzen/ den krancken/ welchen alle ding entgegen vnd zůwider ſeind.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-017-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-017-orig">
          <p>Von den Kirschen, und wie man aus ihrem Saft eine gute, labende Latwerge bereiten soll, die auch zur Speise als Salse dient, ist aufs Allertreulichste im ersten Teil dieses Büchleins angezeigt. Die sauren Kirschen, Amarellen und Weichseln werden aber auch in Zucker und Honig eingemacht, nicht weniger nützlich als die Latwerge, besonders zur Labung der Kranken in hitzigen Krankheiten. Und damit in diesem Büchlein nichts verschwiegen wird, was zu unserem Vorhaben gehört und dienlich ist, wollen wir auch dies aufs Fleißigste und Treulichste anzeigen.</p>
          <p>Willst du Weichseln oder Amarellen einmachen, so lass sie dir frisch und recht reif besorgen, solche, die nicht lange gelegen haben, nicht verfault sind und nicht voller Würmer stecken. Schneide ihnen zuerst den grünen Stiel etwas mehr als zur Hälfte ab. Nimm einen guten, schönen, harten Zucker. Ist er nicht weiß genug, so musst du ihn mit Eierklar klären, wie im ersten Teil deutlich angezeigt ist, und ihn zur rechten Dicke eines Sirups sieden. Zuletzt, wenn er beinahe dick genug ist, hebe ihn vom Feuer, wirf die Weichseln oder Amarellen hinein und lass sie eine Weile stehen. Dann siede sie zur rechten Dicke.</p>
          <p>Diese eingemachten Kirschen werden in schöne, klare Gläslein getan, die eigens dafür bereitet sind, und so lange Zeit aufbewahrt. Nach Ryff sind sie ein wunderbares Ding in hitzigen Krankheiten, um den ausgedörrten Mund, die Zunge, den Hals und die Kehle zu befeuchten und zu erquicken, den Durst zu löschen und den Magen zur Speise zu reizen, bei den Kranken, denen alle Dinge entgegen und zuwider sind.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Weichßlen oder Amarellen">Sauerkirschen (Weichseln oder Amarellen), Stiel etwas mehr als zur Hälfte gekürzt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="gůten ſchönen harten Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#fyndling-ingredient-name">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="eyerklar">Eierklar (zum Klären, nur wenn der Zucker nicht weiß genug ist)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-018">
        <head>Kirschen in Honig, einfache Art</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-018-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-018-trans">
          <p>Die Kirſen mögen auch auff ein andere art mit ringerer mühe vnd wenigerem oder kleinerm koſten/ vber jar zů vilen dingẽ dienſtlich behalten werden/ alſo das die grünen ſtil etwas mehꝛ dann halber abgeſchnitten werden/ in einen verglaſurten hafen gethon/ vnnd gůten geleüterten Honig darüber goſſen/ mit einem bretlin vnd ſtein darauff/ beſchwärt/ das ſie nicht vberſich ſteigen/ mögen zů allen dingen/ wie von den voꝛigen geſagt iſt/ nützlich gebꝛaucht werden/ dann das ſie nicht alſo lieblich ſeind.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-018-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-018-orig">
          <p>Die Kirschen kann man auch auf eine andere Art, mit weniger Mühe und geringeren oder kleineren Kosten, übers Jahr zu vielen Dingen brauchbar aufbewahren: Man schneidet die grünen Stiele etwas mehr als zur Hälfte ab, gibt die Kirschen in einen glasierten Topf und gießt guten, geläuterten Honig darüber. Dann legt man ein Brettchen und einen Stein darauf und beschwert sie, damit sie nicht nach oben steigen.</p>
          <p>So kann man sie zu allen Dingen nützlich gebrauchen, wie bei den vorigen gesagt ist, nur dass sie nicht so lieblich sind.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="cherry" orig="Kirſen" commodity="wikidata:Q196" source="#corema-ingredient-index">Kirschen (wohl Sauerkirschen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="honey" orig="Honig" commodity="wikidata:Q10987" source="#corema-ingredient-index">Honig, geläutert</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-019">
        <head>Kirschen dörren und wieder einweichen</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-019-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-019-trans">
          <p>Arme ſchlechte leüt mögen die Kirſen an der Sonnen oder in einem Bachofen döꝛren/ vñ auff trücknen/ vnd wann es die notturfft erfoꝛdert/ in
einem wein oder ſchlechtem waſſer widerum̃ auff weichen vnd bꝛauchen zů allen ſachen/ wie gemeldet iſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-019-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-019-orig">
          <p>Arme, einfache Leute können die Kirschen an der Sonne oder in einem Backofen dörren und trocknen. Wenn der Bedarf es erfordert, weichen sie sie in Wein oder in schlichtem Wasser wieder auf und gebrauchen sie zu allen Dingen, wie oben gesagt ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="cherry" orig="die Kirſen" commodity="wikidata:Q196" source="#corema-ingredient-index">Kirschen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="einem wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein, zum Aufweichen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſchlechtem waſſer">Wasser, statt Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-020">
        <head>Kleine Muskatellerbirnen in Zuckersirup</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-020-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-020-trans">
          <p>Von den kleinen Byrlin/ Muſcateller Byrlin genandt/ einzůmachen.
VNder dem groſſen geſchlecht der Byren/ welches auch täglich hefftiger zůnimpt/ bey geſchickten vnd fleiſſigen Gartnern/ vnd gemehꝛet würt/ durch neüwe art zů jmpffen vnd pflantzen. Werden allein die aller kleineſten Byrlin/ inn den Apotecken/ da man etwas fleiſſiger iſt/ gebꝛaucht/ mit Zucker einzůmachen/ vmb jres ſüſſen vnd lieblichen geruchs/ vnnd gůten geſchmacks willen/ Muſcateller byrlin genandt/ ſeind vberauß klein/ aber faſt ſüß vnd eines gůten geruchs/ die ſolen alſo einmachen.
Laß dir ſie abbꝛechen wann ſie recht zeitig ſeind/ an einem ſchönen/ hällen vnd klaren tag/ wann die Sonn hefftig ſcheinet/ vnnd der Mon wechßt oder zůnimpt/ ſollen mit der handt abgebꝛochen werden/ wie auch alles obs/ das man vber jar behalten will/ damit ſie nicht zerfallen im abſchütlen. Von diſen Byrlin erliſe die beſten vnd zeitigſten die nit wurmſtichig ſeind/ ſchöle ſie dünn mit einem ſcharpffen meſſerlin/ mache ein Sirop von gůtem weiſſem Zucker der klar vnd rein ſey/ ſeüd jn wol/ zůletſt lege deine Byrlin darein/ vnd ſeüd dañ den
Zucker zů rechter dicke/ etliche ſtröuwen ein wenig Zimmet/ der rein geſtoſſen iſt/ in diſen Sirop/ das magſtu auch thůn.
Diſe Muſcateller byrlin alſo eingemacht/ ſeind faſt lieblich den geſunden des abents nach eſſens/ den magen damit zůbeſchlieſſen/ werden auch den ſiechen geben für ein labung/ denen alle ſpeiß widerwertig vnnd entgegen iſt. So du aber diſe Muſcateller byrlin nicht hetteſt/ oder vberkommen köndteſt/ magſtu wol ein andere art von Biren/ die lind/ milde vnd wolgeſchmackt ſeind/ auff diſe weiß einmachẽ. Weren ſie aber zůgroß/ in vierteil ſchneiden/ vnnd den Sirop mit Zimmet beſpꝛengen/ vmb lieblichers geruchs willen. Solche biren ſeind dem magen auch faſt angenäm/ alſo eingemacht/ wiewol ſie jhm rohe faſt ſchädlich ſeind/ werden ſie voꝛ der ſpeiß gebꝛaucht/ ſo verſtopffen ſie den bauch/ ſeind den krancken auch labhafft.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-020-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-020-orig">
          <p>Unter dem großen Geschlecht der Birnen, das bei geschickten und fleißigen Gärtnern auch täglich stärker zunimmt und durch neue Art zu pfropfen und zu pflanzen vermehrt wird, werden in den Apotheken, wo man etwas sorgfältiger ist, allein die allerkleinsten Birnlein gebraucht, um sie mit Zucker einzumachen, wegen ihres süßen und lieblichen Geruchs und guten Geschmacks. Sie heißen Muskatellerbirnlein, sind überaus klein, aber sehr süß und von gutem Geruch. Die soll man so einmachen.</p>
          <p>Lass sie dir abbrechen, wenn sie recht reif sind, an einem schönen, hellen und klaren Tag, wenn die Sonne kräftig scheint und der Mond wächst oder zunimmt. Sie sollen mit der Hand abgebrochen werden, wie auch alles Obst, das man über das Jahr behalten will, damit sie beim Abschütteln nicht zerfallen.</p>
          <p>Von diesen Birnlein lies die besten und reifsten aus, die nicht wurmstichig sind. Schäle sie dünn mit einem scharfen Messerlein. Mache einen Sirup von gutem weißem Zucker, der klar und rein sei, und siede ihn gut. Zuletzt lege deine Birnlein hinein und siede dann den Zucker zur rechten Dicke. Etliche streuen ein wenig Zimt, der fein gestoßen ist, in diesen Sirup; das magst du auch tun.</p>
          <p>Diese Muskatellerbirnlein, so eingemacht, sind den Gesunden abends nach dem Essen sehr lieblich, um den Magen damit zu schließen. Man gibt sie auch den Siechen zur Labung, denen alle Speise widerwärtig und zuwider ist.</p>
          <p>Hast du aber diese Muskatellerbirnlein nicht oder kannst sie nicht bekommen, so magst du wohl eine andere Art von Birnen, die weich, mild und wohlschmeckend sind, auf diese Weise einmachen. Wären sie aber zu groß, so schneide sie in Viertel und besprenge den Sirup mit Zimt, um des lieblicheren Geruchs willen.</p>
          <p>Solche Birnen sind, so eingemacht, dem Magen auch sehr angenehm, obwohl sie ihm roh sehr schädlich sind; isst man sie vor der Speise, so verstopfen sie den Bauch. Den Kranken sind sie auch labend.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Muſcateller byrlin">Muskatellerbirnen, ganz klein und reif</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gůtem weiſſem Zucker der klar vnd rein ſey">Zucker, weiß</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cinnamon" orig="ein wenig Zimmet" commodity="wikidata:Q28165" source="#corema-ingredient-index">Zimt, fein gestoßen (nach Belieben)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-021">
        <head>Birnen in Wein über das Jahr halten</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-021-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-021-trans">
          <p>Die byren werden auch inn andere art gemeinglich bey vns vber jar behalten/ alſo das ſie dermaſſen wol zeitig abgebꝛochen/ wie geſagt iſt/ auff ein Monat behalten werden/ vnnd nachmals oꝛdenlich in ein ſteinin krůg gelegt/ vnnd gůten lautern wein darüber goſſen/ wol beſchwärt/ das ſie nicht entpoꝛ ſchwimmen/ vnnd alſo vber jar zů der notturfft behalten.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-021-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-021-orig">
          <p>Die Birnen werden bei uns gewöhnlich auch auf eine andere Art über das Jahr aufbewahrt: Man pflückt sie, wie oben gesagt, gut reif und bewahrt sie einen Monat lang auf.</p>
          <p>Danach legt man sie ordentlich in einen steinernen Krug, gießt guten, klaren Wein darüber und beschwert sie gut, damit sie nicht nach oben schwimmen. So werden sie über das Jahr für den Bedarf aufbewahrt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="pear" orig="byren" commodity="wikidata:Q13099586" source="#corema-ingredient-index">Birnen, reif</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gůten lautern wein">Wein, gut und klar</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein ſteinin krůg">Krug, steinern</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-022">
        <head>Birnen in Walnusslaub und Wasser einlegen</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-022-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-022-trans">
          <p>Etliche vmb ringers koſtens willen/ nemmen friſch Nußlaub/ ſtröuwens auff den boden des krůgs oder andern geſchirꝛs/ vnd legen der byren darauff/ welche widerumb mit friſchem nußlaub bedecket/ vñ widerumb byren darauff/
ſo lang biß der krůg oder das geſchirꝛ voll würt/ dann ſchütten ſie lauter waſſer darüber/ laſſens alſo ſtehen/ bleiben die Byren faſt luſtig vnd gůt vber jar. Etliche darmit die Byren nicht ſo gar wäſſerig werden/ ſtreüwen auff das Nußlaub zerſchnittenen Jngber/ iſt faſt gůt/ gibt jnen ein gůten geſchmack. Die Byren mögen auch friſch ohn einigen zůſatz/ vber jar behalten werden/ inn mancherley weiß/ wie von den Quitten angezeigt iſt/ in der äſchen gepꝛaten/ mit Fenchel beſtreüwet/ dem Magen vnnd dem geſicht faſt dienſtlich vnd geſundt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-022-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-022-orig">
          <p>Manche nehmen der geringeren Kosten wegen frisches Walnusslaub und streuen es auf den Boden des Kruges oder eines anderen Gefäßes. Darauf legen sie Birnen, decken diese wieder mit frischem Walnusslaub zu und legen wieder Birnen darauf, so lange, bis der Krug oder das Gefäß voll ist. Dann gießen sie klares Wasser darüber und lassen es so stehen. So bleiben die Birnen über das Jahr sehr ansehnlich und gut.</p>
          <p>Manche streuen, damit die Birnen nicht gar so wässrig werden, zerschnittenen Ingwer auf das Walnusslaub. Das ist sehr gut und gibt ihnen einen guten Geschmack.</p>
          <p>Die Birnen kann man auch frisch, ohne jeden Zusatz, auf mancherlei Weise über das Jahr halten, wie bei den Quitten angezeigt ist. In der Asche gebraten und mit Fenchel bestreut, sollen sie dem Magen und der Sehkraft sehr dienlich und gesund sein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="pear" orig="byren" commodity="wikidata:Q13099586" source="#corema-ingredient-index">Birnen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="friſch Nußlaub">Walnusslaub, frisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="lauter waſſer">Wasser, klar</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="zerſchnittenen Jngber">Ingwer, zerschnitten (Variante)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Fenchel">Fenchel, wohl Samen (zu den gebratenen Birnen)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-023">
        <head>Johannispfirsiche in Zuckersirup einmachen</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-023-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-023-trans">
          <p>Pferſing klein vnd groß einzůmachen.
DEr Pferſing ſeind auch mãcherley geſtalt/ foꝛmen vnnd geſchlecht/ es werden aber in den Apotecken vñ fleiſſigen Haußhaltern allein die erſten eingemacht/ welche/ darumb das ſie vmb ſanct Johans tag/ zů end des Bꝛachmonats zeitig ſeind/ ſanct Johans pferſing genandt werden/ ſehen den Pflaumen nicht vngleich/ darumb etliche gelehꝛtẽ vermeynen/ diſe frucht ſey ein geſchlecht der Pflaumen/ ſeind ſchön goldgäl von farben/ wolgeſchmackt/ vnnd eines lieblichen geruchs. Werden auch eingemacht/ wie von den voꝛbeſchꝛibnen Muſcateller byrlin geſagt iſt. Wañ ſie wol zeitig ſeind/ abgebꝛochen/ faſt düñ geſchölt/ vnd in ein klaren Syrop von ſchönem weiſſem Zucker bereit/ ge-
legt/ vnd zů rechter dicke geſotten. Wa ſich aber die Pferſing ergeben/ vnd der Syrop wäſſerig vnd dünn würde/ magſtu jn wol widerumb herab ſchütten/ vnd ſieden biß ſich die wäſſerigkeyt verzert/ vnnd zů einer rechten dicke kompt.
Diſe Pferſing alſo eingemacht/ ſeind dem Magen auch faſt lieblich/ wie von den Muſcateller byrlin geſagt iſt/ auch den krancken nützlich/ ſie damit zůlaben/ die truckne verdöꝛrte zung in hitzigen kranckheiten damit zůbefeüchtigen/ erquicken/ vnd den durſt löſchen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-023-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-023-orig">
          <p>Pfirsiche klein und groß einzumachen.</p>
          <p>Pfirsiche gibt es auch in mancherlei Gestalt, Form und Art. In den Apotheken und bei fleißigen Haushaltern werden aber allein die ersten eingemacht. Weil sie um Sankt Johannis Tag, zu Ende des Juni, reif sind, heißen sie Sankt-Johannis-Pfirsiche. Sie sehen den Pflaumen nicht unähnlich, weshalb etliche Gelehrte meinen, diese Frucht sei eine Art der Pflaumen. Sie sind schön goldgelb von Farbe, wohlschmeckend und von lieblichem Geruch.</p>
          <p>Sie werden auch eingemacht, wie es von den zuvor beschriebenen Muskatellerbirnlein gesagt ist. Wenn sie gut reif sind, werden sie abgebrochen, sehr dünn geschält, in einen klaren Sirup gelegt, der aus schönem weißem Zucker bereitet ist, und zur rechten Dicke gesotten. Geben die Pfirsiche aber nach und wird der Sirup wässrig und dünn, so kannst du ihn wohl wieder abgießen und sieden, bis sich die Wässrigkeit verzehrt hat und er zur rechten Dicke kommt.</p>
          <p>Nach Ryff sind diese so eingemachten Pfirsiche dem Magen auch sehr angenehm, wie es von den Muskatellerbirnlein gesagt ist, und auch den Kranken nützlich, um sie damit zu laben, die trockene, ausgedörrte Zunge in hitzigen Krankheiten damit zu befeuchten, zu erquicken und den Durst zu löschen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ſanct Johans pferſing">Johannispfirsiche (wahrscheinlich Aprikosen), reif, sehr dünn geschält</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſchönem weiſſem Zucker">weißer Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-024">
        <head>Gewöhnliche Pfirsiche in Honig eingemacht</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-024-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-024-trans">
          <p>Die andern gemeinen Pferſing mögen auch eingemacht werden/ alſo/ das man die beſten erleſe/ von einander ſchneide/ vnd den kern herauß nem̃/ das vberig in ein gůten geleüterten oder verſchaumpten Honig leg/ mögen auch zů vilerley dingen nützlich gebꝛaucht werden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-024-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-024-orig">
          <p>Die anderen, gewöhnlichen Pfirsiche können ebenfalls eingemacht werden, und zwar so: Man liest die besten aus, schneidet sie auseinander und nimmt den Kern heraus. Das Übrige legt man in guten, geläuterten oder abgeschäumten Honig. Sie lassen sich auch zu vielerlei Dingen nützlich gebrauchen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="gemeinen Pferſing">Pfirsiche, gewöhnliche, die besten ausgelesen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gůten geleüterten oder verſchaumpten Honig">Honig, geläutert oder abgeschäumt</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-025">
        <head>Pfirsiche am Faden dörren</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-025-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-025-trans">
          <p>Gemeyne leüt mögen die Pferſing auch von einander ſchneiden/ wie geſagt iſt/ vnd ſie an einem faden an die Sonn hencken/ wol trücknen laſſen/ vnd döꝛren/ ſie alſo zůr notturfft zůbehalten/ vnd wañ man ſie bꝛauchen will/ mit einem gůten wein oder mit ſchlechtem waſſer widerumb laſſen auffweichen/ ſeind dem Magen auch dienſtlich/ ſtopffen dẽ bauchfluß/ löſchen den durſt/ vnd befeüchtigen die dürꝛ käl/ damit der kranck nit wenig erquickt vnd gelabet würt.
Ohn zůſatz mögen die Pferſing für ſich ſelbs nicht wol behalten werden/ dann ſie faulen leichtlich/ iſt kein wärhaffte frucht.
Was vnrahts von Pferſing entſtehet/ von ſeiner kälte wegen/ das wendet der kern/ oder ein trüncklin wein darauff gethon.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-025-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-025-orig">
          <p>Einfache Leute können die Pfirsiche auch auseinanderschneiden, wie oben gesagt ist, sie an einem Faden in die Sonne hängen, gut trocknen lassen und dörren, um sie so für den Bedarf aufzubewahren. Will man sie gebrauchen, lässt man sie mit einem guten Wein oder mit schlichtem Wasser wieder aufweichen.</p>
          <p>Nutzen nach Ryff: Sie sind auch dem Magen dienlich, stopfen den Durchfall, löschen den Durst und befeuchten die dürre Kehle, sodass der Kranke nicht wenig erquickt und gelabt wird.</p>
          <p>Ohne Zusatz lassen sich die Pfirsiche für sich allein nicht gut aufbewahren, denn sie faulen leicht; es ist keine haltbare Frucht.</p>
          <p>Was an Schaden von den Pfirsichen wegen ihrer Kälte entsteht, das wendet der Kern ab oder ein Schlückchen Wein, darauf getrunken.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="peach" orig="Pferſing" commodity="wikidata:Q13411121" source="#corema-ingredient-index">Pfirsiche</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gůten wein">Wein, gut</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-026">
        <head>Zitronat einmachen: Schale, Mark oder beides</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-026-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-026-trans">
          <p>Citrinat ſchölet oder marck.
ES iſt ein wunderbarlichs gewächß vmb den Baum/ der diſe ſchöne öpffel tregt/ dann er würt nimmer ohn frucht gefunden/ ſonder als bald die zeitigen öpffel abgenom̃en/ werden andere an die ſtatt widerumb zeitig/ vñ für diſe wachſet andere plůet/ alſo das er nimmer ohn zeitige/ halb zeitige öpffel vnd plůet gefunden würt.
Diſe öpffel ſeind groß/ runtzlecht/ goldgälb/ eines köſtlichen gůten geruchs/ vñ ſauren geſchmacks/ mag in vnſern landen nit fürkommen oder wachſen/ voꝛ kälte vnd rauhe des luffts/ würt allein in hitzigen landen gefunden/ vnd da ſein gar eben gewart würt.
Die frucht würt vns friſch vnd auch eingemacht gebꝛacht. Wolteſtu ſie aber ſelber einmachen/ das geſchicht in vilerley weg/ dañ du magſt die rind allein einmachen/ vnd nit das jnnwendig marck/ vnd iſt ſolches warmer natur/ oder das jnner marck allein ohn die rind/ ſo iſt es kalter natur/ oder ſie beide mit einander/ ſo würt es temperiert in gleicher wöꝛm vnnd kälte/ wie dañ ſolcher eingemachter citrinat zů vns bꝛacht würt/ magſtu ſie einmachen mit einem Syrop von Zucker/
als offt gemeldet iſt/ aber ſo du ſie etwas milter vnnd lieblicher am geſchmack haben wilt/ ſo laß ſie voꝛhin wol in dem Zucker ſieden.
Diſe eingemachte Citrinat iſt faſt kräfftig für alle vergifft/ ſterckt dz hertz faſt ſehꝛ/ mit ſeinem köſtlichen vnd lieblichen geruch/ iſt gůt inn zeit vergifftes luffts/ ſterben vnd Peſtilentz/ für alle vergifft vñ böſe dämpff zůnieſſen.
Diſe eingemachte rind würt klein geſchnitten/ vnnd zů vilen kräfftigen artzneyen vnd hertzſterckungen gebꝛaucht/ deßgleichen auch die rind auffgetrücknet vnd gedöꝛret/ von dem ſafft würt auch ein köſtlicher Syrop gemacht/ von welchem an ſeinem oꝛt auch weytter geſagt würt/ die kernen ſeind warmer Complexion/ haben ein gleiche eygenſchafft das hertz zůſtercken/ vnnd wider alle vergifft/ darumb ſie auch inn den Apotecken behalten werden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-026-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-026-orig">
          <p>Der Baum, der diese schönen Äpfel trägt, ist ein wunderbares Gewächs. Er wird nie ohne Frucht gefunden: Sobald die reifen Äpfel abgenommen sind, werden an ihrer Stelle andere wieder reif, und für diese wächst neue Blüte nach. So findet man ihn nie ohne reife und halbreife Äpfel und ohne Blüte.</p>
          <p>Diese Äpfel sind groß, runzlig und goldgelb, von köstlichem, gutem Geruch und saurem Geschmack. In unseren Landen können sie wegen der Kälte und der Rauheit der Luft nicht gedeihen oder wachsen. Man findet sie nur in heißen Ländern, und dort wird der Baum sehr sorgfältig gepflegt.</p>
          <p>Das Einmachen: Die Frucht wird uns frisch und auch eingemacht gebracht. Willst du sie aber selbst einmachen, so geht das auf vielerlei Weise. Du kannst die Rinde allein einmachen und nicht das innere Mark, und das ist warmer Natur. Oder das innere Mark allein ohne die Rinde, so ist es kalter Natur. Oder beide miteinander, so wird es in gleicher Wärme und Kälte ausgeglichen, wie denn solches eingemachtes Zitronat zu uns gebracht wird. Du kannst sie mit einem Zuckersirup einmachen, wie schon oft gesagt ist. Willst du sie aber etwas milder und lieblicher im Geschmack haben, so lass sie vorher gut im Zucker sieden.</p>
          <p>Wirkung nach Ryff: Dieses eingemachte Zitronat soll sehr kräftig gegen alles Gift sein und mit seinem köstlichen und lieblichen Geruch das Herz sehr stärken. Es sei gut zu genießen in Zeiten vergifteter Luft, des Sterbens und der Pestilenz, gegen alles Gift und böse Dämpfe.</p>
          <p>Weitere Verwendung: Die eingemachte Rinde wird klein geschnitten und zu vielen kräftigen Arzneien und Herzstärkungen gebraucht, ebenso die Rinde getrocknet und gedörrt. Aus dem Saft wird auch ein köstlicher Sirup gemacht, von dem an seinem Ort weiter die Rede sein wird. Die Kerne sind warmer Komplexion und haben dieselbe Eigenschaft, das Herz zu stärken und gegen alles Gift zu wirken; darum werden sie auch in den Apotheken aufbewahrt.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Citrinat">Zitronatzitronen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Syrop von Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#fyndling-ingredient-name">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-027">
        <head>Pomeranzenschalen und ganze Pomeranzen einmachen</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-027-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-027-trans">
          <p>Von Pomerantzen ſchölffen vnd gantzen Pomerantzen einzůmachen.
DJe Pomerantzen ſeind den Citrinaten oder voꝛbeſchꝛibnen öpffeln an der geſtalt vnd foꝛm nicht vngleich/ wann das ſie vil kleiner ſeind/ vnnd als etliche wöllen ein geſchlecht der Citrinaten öpffel. Die rinden daruon werden auch eingemacht zů vilerley gepꝛäſten
vnnd mängel/ ſeind warmer natur/ dienen dem kalten Magen vnnd jnnerlichen glidern/ mögen auch für alle vergifft genützt werden.
Die rind iſt bitterer dann der Citrinat öpffel/ darumb můſtu ſie voꝛhin etlich tag in waſſer oder inn einer ſcharpffen laug beytzen/ das ſie milt vnnd mürb werden/ vnd den bittern geſchmack verlieren/ alſo magſtu auch wol den kleynen vnzeitigen Pomerantzen/ oder dem Winter Obs thůn/ vnd die ſelbigen alſo gantz einmachen/ Wañ nůn die Pomerantzen ſchölet oder rind wol durchbeytzet iſt/ vnd jhr der bitter/ vnlieblich/ vnd herb geſchmack vergangen/ ſo ſchab vnd reinige ſie von der jnnwendigen vberflüſſigkeyt der weiſſen heütlin/ laß ſie ein wenig trücknen/ lege ſie dann inn geſottenen Zucker/ etliche tag zůbeytzen/ wilt du ſie dann düꝛ haben/ ohn einen Syrop/ ſo geüß jn herab/ vnd laß ſie an eim warmen oꝛt oder in eim becken ob dẽ feür wol trücknen/ mit ſtätigem vmbwenden vnd bewegen/ das ſie nit anhangen oder verbrennen/ magſt ſie auch wol in dem Syrop von Zucker ligen laſſen.
Alſo thůe jhm auch mit den gantzen Pomerantzen.
Diſes Confect iſt faſt anmüttig vnnd lieblich/ mag in aller maß vnd geſtalt gebꝛaucht werden/ wie von der Citrinat ſchölet geſagt iſt/ ſterckt den erkalten magen/ döwung/ das hertz/ hirn/ vnd alle jnnerliche glider werden daruon erwöꝛmet/ iſt alten leüten faſt dienſtlich.
Friſche Pomerantzen mögen auch ein lange zeyt gůt behalten werden/ auff die weiß als von den Quitten geſagt iſt.
Der ſafft von den friſchen Pomerantzen außgetrucket/ iſt ein köſtliche ſalſen zů der ſpeiß/ bꝛingt luſt zůeſſen/ vnnd löſchet den durſt krefftiglich Sommers zeiten/ oder in ſchwären hitzigen febern vñ andern kranckheyten.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-027-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-027-orig">
          <p>Die Pomeranzen sind den Zitronatäpfeln oder den zuvor beschriebenen Äpfeln an Gestalt und Form nicht unähnlich, nur dass sie viel kleiner sind, und wie manche meinen, sind sie eine Art der Zitronatäpfel. Ihre Rinden werden auch eingemacht, für vielerlei Gebrechen und Mängel. Sie sind warmer Natur, dienen dem kalten Magen und den inneren Gliedern und können auch gegen alles Gift gebraucht werden.</p>
          <p>Die Schalen: Die Rinde ist bitterer als die des Zitronatapfels. Darum musst du sie zuvor etliche Tage in Wasser oder in einer scharfen Lauge beizen, damit sie mild und mürbe wird und den bitteren Geschmack verliert. So kannst du es auch mit den kleinen, unreifen Pomeranzen oder mit dem Winterobst halten und diese so ganz einmachen.</p>
          <p>Wenn nun die Pomeranzenschale oder Rinde gut durchgebeizt ist und ihr der bittere, unliebliche und herbe Geschmack vergangen ist, so schabe sie und reinige sie innen vom Überflüssigen, den weißen Häutlein. Lass sie ein wenig trocknen und lege sie dann in gesottenen Zucker, damit sie etliche Tage darin beizen.</p>
          <p>Trocken oder im Sirup: Willst du sie dann dürr haben, ohne Sirup, so gieße ihn ab und lass sie an einem warmen Ort oder in einem Becken über dem Feuer gut trocknen, mit stetem Umwenden und Bewegen, damit sie nicht anhängen oder verbrennen. Du kannst sie auch im Zuckersirup liegen lassen.</p>
          <p>So verfahre auch mit den ganzen Pomeranzen.</p>
          <p>Gebrauch und Wirkung nach Ryff: Dieses Konfekt ist sehr anmutig und lieblich und kann auf jede Art und Weise gebraucht werden, wie es von der Zitronatschale gesagt ist. Es stärkt den erkalteten Magen und die Verdauung; das Herz, das Hirn und alle inneren Glieder werden davon erwärmt. Alten Leuten ist es sehr dienlich.</p>
          <p>Frische Pomeranzen: Frische Pomeranzen kann man auch lange Zeit gut aufbewahren, auf die Weise, wie es von den Quitten gesagt ist.</p>
          <p>Der Saft: Der Saft, aus frischen Pomeranzen ausgedrückt, ist eine köstliche Salse zur Speise. Er macht Lust zum Essen und löscht den Durst kräftig zur Sommerszeit oder in schweren, hitzigen Fiebern und anderen Krankheiten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="bitter orange" orig="Pomerantzen ſchölet oder rind" commodity="wikidata:Q147096" source="#fyndling-ingredient-registry">Pomeranzenschalen (Bitterorange)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="kleynen vnzeitigen Pomerantzen">Pomeranzen, klein und unreif, ganz (statt der Schalen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Winter Obs">Winterobst, ganz (statt der Pomeranzen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="waſſer oder inn einer ſcharpffen laug">Wasser oder scharfe Lauge (Aschenlauge), zum Beizen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="geſottenen Zucker">Zucker, zu Sirup gesotten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſafft von den friſchen Pomerantzen außgetrucket">Saft frischer Pomeranzen (als Salse)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-028">
        <head>Berberitzen in Zuckersirup eingemacht</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-028-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-028-trans">
          <p>Saurouch oder Erbſelen einzůmachen.
VOn dem Saurouch oder Erbſelen bören/ iſt voꝛmals in dem erſten teil von den Latwergen gnůgſamlich geredt/ wie er wachß/ ſeiner tugent vnd krefften. Es werden aber auch die ſchottechtigen treüblin eben ſolcher krafft vnd würckung/ auch etwas labhafftigers/ den krancken zůnutz vnnd gůt/ mit Zucker eingemacht/ auff diſe weiß. Nim̃ der aller ſchönſten ſchottechtigſten vñ zeitigſten Saurouch treüblin/ die reinige vnd wäſch ſie wol/ mach ein Syrop darzů von Zucker/ clarificier jhn/ wie oben angezeigt/ vnd wann er garnahe hart genůg geſotten iſt/ ſo wirff die Saurouch treüblin darein/ vnd laß jn vollend ſieden/ aber nicht zůuil/ das die böꝛlin nicht zerſpꝛingen oder zerfaren.
Diſe eingemachte treüblin ſeind faſt labhafftig vnd gůt/ dienen auch zů der erhitzigtẽ Leber/ löſchen den durſt/ feüchten vnd erquicken die erhitzigt vnd verdoꝛret zung.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-028-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-028-orig">
          <p>Von den Saurouch- oder Erbselenbeeren ist früher im ersten Teil, bei den Latwergen, zur Genüge geredet worden: wie der Strauch wächst und welche Tugend und Kräfte er hat. Die schotenförmigen Träublein aber, die ebensolche Kraft und Wirkung haben und noch etwas labender sind, werden den Kranken zu Nutz und Gut auch mit Zucker eingemacht, auf diese Weise.</p>
          <p>Nimm die allerschönsten, schotenförmigsten und reifsten Saurouch-Träublein, reinige sie und wasche sie gut. Mach dazu einen Sirup aus Zucker und kläre ihn, wie oben angezeigt. Wenn er beinahe hart genug gesotten ist, wirf die Saurouch-Träublein hinein und lass es vollends sieden, aber nicht zu viel, damit die Beerlein nicht zerspringen oder zerfahren.</p>
          <p>Diese eingemachten Träublein sind sehr labend und gut. Sie sollen auch der erhitzten Leber dienen, den Durst löschen und die erhitzte und verdorrte Zunge befeuchten und erquicken.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Saurouch treüblin">Berberitzen, ganze Träublein (Fruchtstände)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker (für den Sirup, geklärt)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-029">
        <head>Unreife Weintrauben einmachen</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-029-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-029-trans">
          <p>Von vnzeitigen Treüblin einzůmachen.
DJe köꝛner oder böꝛ von den vnzeytigen Treüblin/ werden gerad auch auff diſe weiß eingemacht/ vnd in gleicher geſtalt/ in allen hitzigẽ kranckheyten gebꝛaucht/ auch faſt lieblich vnd labhafft zůnützen.
Wann du ſie einmachen wilt/ ſo erliſe ſie wol/ vnnd nim̃ die aller gröſten/ die doch nicht zeitig ſeyen/ ſchneid die ſtil ab/ ropff ſie nicht gar herauß/ vnd thůe jm in aller geſtalt/ wie geſagt iſt von den Erbſelen böꝛen/ laß ſie auch nicht zůlang ſieden/ das die hitz die köꝛner nit zerſpꝛenge/ vnd zů můß werden.
Diſe eingemachte Treübel haben alle krefft der Erbſelen böꝛ oder Saurouch/ bꝛingen luſt zůeſſen/ vnd ſtellen den bauchfluß.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-029-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-029-orig">
          <p>Die Körner oder Beeren der unreifen Träublein werden genau auf diese Weise eingemacht und in gleicher Weise in allen hitzigen Krankheiten gebraucht; sie sind auch sehr lieblich und erquickend zu genießen.</p>
          <p>Wenn du sie einmachen willst, so lies sie gut aus und nimm die allergrößten, die aber noch nicht reif sind. Schneide die Stiele ab, reiß sie nicht ganz heraus, und verfahre damit in allem so, wie es oben bei den Erbselenbeeren gesagt ist. Lass sie auch nicht zu lange sieden, damit die Hitze die Beeren nicht zersprengt und sie nicht zu Mus werden.</p>
          <p>Nach Ryff haben diese eingemachten Träublein alle Kräfte der Erbselenbeeren oder des Saurouch: Sie bringen Lust zum Essen und stillen den Durchfall.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="vnzeytigen Treüblin">Unreife Weintrauben (Beeren)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="(implied)" commodity="wikidata:Q57656231" source="#fyndling-ingredient-name">Zucker (für den Sirup)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-030">
        <head>Rote Rüben (rote Möhren) in Honig und Essig eingemacht</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-030-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-030-trans">
          <p>Rot Růben einzůmachen.
DJſer Růben ſeind inn der farb dꝛey geſchlecht/ als weiſſe/ gelbe vnd Purpur rote/ werden zimlich lang/ wie die langen Rettich. Ein jede Růb hat durch auß ein holtzecht hertz oder marck/ nit anders dann Fenchel oder Peterlin wurtzel. Tragen alle dꝛey einerley kraut/ das iſt ſchwartzgrün/ gantz zinnelecht/ zertheilt als der wild Kümmel auff den wiſen.
Der Cölniſch Acker zilet gemeyngklich diſe Růben/ alſo/ das nichts gemeyners in jhren feldern zůr kuchen funden würt/ als eben diſe Růben/ wiewol ſie bey vns nůn auch faſt bꝛeüchlich woꝛden.
Diſe Růbẽ ſeind meins bedunckens geſünder/ in der koſt anmüttiger wann die Paſtinacken. Jr Complexion iſt warm vnd feücht/ mögen zů der artzney jñerlich vnd eüſſerlich für allerhandt gifft erwöhlet werden.
Die roten werden gemeynklich von den weybern eingemacht/ mehꝛ zů einem ſchleck/ dann zů der artzney/ auff diſe weiſe: Nim̃ auff ein ſeſter roter Růben die friſch ſeind/ reynige ſie wol vom ſand vñ aller vberflüſſigkeit/ etliche döꝛren ſie voꝛhin in einem bachofen/ das ſie milt werden/ etliche verdämpffen ſie in einem hafen/ mit höltzlin verſpꝛeißt/ wie von den Quittẽ geſagt iſt. So ſieden ſie etliche inn ſchlechtem waſſer/ das ſie milt vnd mürb werden. Schneid ſie voꝛhin zů ſtücklin/ fingers lang oder länger/ wie du wilt/ nach dem ſie dañ alſo gebꝛaten/ verdämpfft oder geſotten ſeind/ ſpꝛeit ſie auff ein zwifach oder dꝛyfach tůch/ das ſie wol trücknen. Nim̃ darzů zwo maß gůts verſcheümpts honigs/ vnd den vierden theyl von einer maß oder ein quertlin gůts ſtarcks eſſigs/ vermiſch es zuſammen/ leg die Růben in ein geſchirꝛ oꝛdenlich/ je ein zeil nach der andern/ vñ beſpꝛeng ſie wol mit diſen ſamen: Nim̃ änis/ fenchel/ mattküm/ coliander/ peterlin ſat/ weiſſen ſenffſamen/ jedes gleich vil/ ein kleyn händlin voll/ zwey lot vngeferbter ſůßwurtz/ die mach an mit gůtem gebꝛandtem
wein/ vermiſch vnder den Honig/ vnd ſchütt den Honig darüber/ ſo haſtu ein gůten Růben kumpoſt/ den du nicht allein zům ſchleck bꝛauchen ſolt/ ſondern auch für ein gůte artzney/ dann er treybt die verlegne frauwen kranckheyt/ den harn/ die anfahende waſſerſucht/ iſt nutz vnd gůt in dem erſten anfang für das ſtechen in der ſeytten/ thůt auch widerſtandt allerley vergifft/ ſol der frucht in můtterleyb wol bekom̃en/ deßgleichen denẽ die tröpfflecht harnen/ vnnd ſonſt im werck vnnermüglich ſeind.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-030-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-030-orig">
          <p>Von den Rüben: Diese Rüben gibt es nach der Farbe in drei Arten: weiße, gelbe und purpurrote. Sie werden ziemlich lang, wie die langen Rettiche. Jede Rübe hat durch und durch ein holziges Herz oder Mark, nicht anders als die Fenchel- oder Petersilienwurzel. Alle drei tragen dasselbe Kraut; es ist schwarzgrün, ganz gezackt und zerteilt wie der wilde Kümmel auf den Wiesen.</p>
          <p>Auf den Kölner Äckern zieht man gemeinhin diese Rüben, sodass man in ihren Feldern nichts Gewöhnlicheres für die Küche findet als eben diese Rüben, obwohl sie nun auch bei uns sehr gebräuchlich geworden sind.</p>
          <p>Diese Rüben sind meines Erachtens gesünder und in der Kost angenehmer als die Pastinaken. Ihre Komplexion ist warm und feucht. Zur Arznei kann man sie innerlich und äußerlich gegen allerlei Gift wählen.</p>
          <p>Das Einmachen: Die roten machen gemeinhin die Frauen ein, mehr als Leckerei denn zur Arznei, und zwar auf diese Weise: Nimm etwa einen Sester roter Rüben, die frisch sind, und reinige sie gut von Sand und allem Überflüssigen. Manche dörren sie zuvor in einem Backofen, bis sie weich werden. Manche dämpfen sie in einem Topf, mit Hölzchen festgeklemmt, wie oben bei den Quitten gesagt ist. Manche sieden sie auch in bloßem Wasser, bis sie weich und mürbe werden. Schneide sie vorher in Stücklein, fingerlang oder länger, wie du willst. Wenn sie dann so gebraten, gedämpft oder gesotten sind, breite sie auf ein doppelt oder dreifach gelegtes Tuch, damit sie gut trocknen.</p>
          <p>Nimm dazu zwei Maß guten abgeschäumten Honig und den vierten Teil einer Maß, also ein Quärtlein, guten starken Essig und mische es zusammen. Lege die Rüben ordentlich in ein Gefäß, eine Reihe nach der anderen, und bestreue sie gut mit diesen Samen: Nimm Anis, Fenchel, Wiesenkümmel, Koriander, Petersiliensamen und weißen Senfsamen, von jedem gleich viel, ein kleines Händchen voll, dazu zwei Lot ungefärbtes Süßholz. Das feuchte mit gutem Branntwein an, mische es unter den Honig und gieße den Honig darüber. So hast du einen guten Rübenkumpost.</p>
          <p>Gebrauch und Wirkung nach Ryff: Diesen Kumpost sollst du nicht allein als Leckerei brauchen, sondern auch als gute Arznei. Denn er treibt die verhaltene Monatsblutung der Frauen, den Harn und die anfangende Wassersucht. Er ist nütze und gut im ersten Anfang gegen das Stechen in der Seite und widersteht auch allerlei Vergiftung. Er soll der Frucht im Mutterleib wohl bekommen, desgleichen denen, die tröpfelnd harnen und sonst im Werk unvermögend sind.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="ein ſeſter roter Růben">Rote Rüben (rote oder violette Möhren)</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="ſchlechtem waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#fyndling-ingredient-registry">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="zwo maß gůts verſcheümpts honigs">Honig, abgeschäumt</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient orig="den vierden theyl von einer maß oder ein quertlin gůts ſtarcks eſſigs">Essig, stark</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="anise" orig="änis" commodity="wikidata:Q33873455" source="#corema-ingredient-index">Anissamen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="fenchel">Fenchelsamen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="mattküm">Wiesenkümmel (Kümmel)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="coriander" orig="coliander" commodity="wikidata:Q20856764" source="#corema-ingredient-index">Koriandersamen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="parsley seed" orig="peterlin ſat" commodity="wikidata:Q96756023" source="#fyndling-ingredient-name">Petersiliensamen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="weiſſen ſenffſamen">Weiße Senfsaat (Gelbsenf)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="zwey lot vngeferbter ſůßwurtz">Süßholzwurzel, ungefärbt</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="brandy" orig="gůtem gebꝛandtem" commodity="wikidata:Q146470" source="#fyndling-ingredient-name">Branntwein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-031">
        <head>Leipziger rote Mangoldwurzel mit Meerrettich und Wacholder eingemacht</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-031-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-031-trans">
          <p>Des mangolts/ welcher vnder allen kochkreüttern vngefähꝛlich das gebꝛeüchlichſt iſt in vnſern landen/ armen vnnd reichen angenäm/ findet man auch vilerley von farben/ als ſchwartz/ weiß vnd rot/ das iſt alſo zůuerſtehen/ Etlicher mangolt gewinnet ſchwartzgrüne bletter/ der ander weißgelbe/ der dꝛitt iſt mit den wurtzlen/ blettern vnd ſtengeln bꝛaunrot.
Der erſt mit den ſchwartzgꝛünen blettern iſt der aller gemeyneſt/ den achten wir als ein wild gartenkraut.
Der ander mit den weiß gelben blettern/ iſt mit der auffzilung vnd pflantzung zarter/ weycher vnd milter in der koſt.
Der dꝛitt bꝛaunrot/ von welchem wir hie ſagen wöllen/ iſt bey vns inn der pflantzung dem andern gleich/ wächßt aber vmb Leiptzig im Landt zů Meiſſen/ die wurtzel in ein ſolche gröſſe/ das ſie die voꝛgenañten rotẽ Růben in der farb vñ gröſſe weit vbertrifft/ ein wundbarlich gewächs. Diſe wurtzel würt auch von jnen vmb
der geſtalt willen/ rote Růben genandt/ vnnd auff ein ſondere weiß eingemacht.
Diſe groſſe wurtzlen werden erſtlich wol gereiniget vom kath/ grund vnd ſand/ vnd in einem Bachofen gedöꝛret/ wie wir auch vnſere rote Růben pflegen zůdöꝛren/ darnach zů runden dünnen ſcheiblin geſchnitten/ die faſt bꝛeit werden/ vnnd mit würffelecht geſchnitner Möꝛrettich wurtz/ Weckolter böꝛ/ Coꝛiander ſamen vnd Saltz beſpꝛengt/ wie wir vnſere Cappis heüpter pflegen einzůmachen/ vnnd in kleine dännin fäßlin gethon/ zůgeſchlagen/ vnnd alſo verkaufft/ vnd in ferꝛe landt gefürt/ dañ es iſt ein faſt lieblich ding/ ſonderlich zů gebꝛatner ſpeiß zůeſſen/ Dann zů dem das es faſt lieblicher farben iſt/ hat es ſonderliche krefft den Magen zůreitzen zů der ſpeiß. Jch hab auch den ſamen mit mir gebꝛacht/ vnd hie zůlandt in vnſerer gegent geſäet/ iſt fein auffgangen vnd gewachſen/ möcht mit der zeyt auch hie zůlandt gebꝛeüchlich werden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-031-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-031-orig">
          <p>Von den drei Mangoldarten: Den Mangold, der unter allen Kochkräutern ungefähr das gebräuchlichste in unseren Landen ist und Armen wie Reichen angenehm, findet man auch in vielerlei Farben, nämlich schwarz, weiß und rot. Das ist so zu verstehen: Mancher Mangold bekommt schwarzgrüne Blätter, der andere weißgelbe, der dritte ist an Wurzeln, Blättern und Stängeln braunrot.</p>
          <p>Der erste mit den schwarzgrünen Blättern ist der allergewöhnlichste, den halten wir für ein wildes Gartenkraut.</p>
          <p>Der andere mit den weißgelben Blättern ist durch Aufzucht und Pflanzung zarter, weicher und milder im Geschmack.</p>
          <p>Der dritte, braunrote, von dem wir hier sprechen wollen, gleicht bei uns in der Pflanzung dem andern. Um Leipzig im Land zu Meißen aber wächst die Wurzel zu solcher Größe, dass sie die vorgenannten roten Rüben an Farbe und Größe weit übertrifft, ein wunderbares Gewächs. Diese Wurzel wird dort ihrer Gestalt wegen auch „rote Rüben“ genannt und auf eine besondere Weise eingemacht.</p>
          <p>Das Einmachen: Diese großen Wurzeln werden zuerst gut von Dreck, Erde und Sand gereinigt und in einem Backofen gedörrt, wie wir auch unsere roten Rüben zu dörren pflegen. Danach werden sie zu runden, dünnen Scheiblein geschnitten, die sehr breit werden, und mit würfelig geschnittener Meerrettichwurzel, Wacholderbeeren, Koriandersamen und Salz bestreut, wie wir unsere Kohlköpfe einzumachen pflegen. Dann werden sie in kleine Fässlein aus Tannenholz getan und zugeschlagen.</p>
          <p>Handel, Gebrauch und Wirkung nach Ryff: So wird es verkauft und in ferne Länder geführt, denn es ist eine sehr angenehme Sache, besonders zu gebratener Speise zu essen. Denn außer dass es von sehr schöner Farbe ist, hat es besondere Kraft, den Magen zur Speise zu reizen.</p>
          <p>Ich habe den Samen auch mit mir gebracht und hierzulande in unserer Gegend gesät. Er ist schön aufgegangen und gewachsen und könnte mit der Zeit auch hierzulande gebräuchlich werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Diſe groſſe wurtzlen">Rote Mangoldwurzeln, groß (Rote Bete)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="würffelecht geſchnitner Möꝛrettich wurtz">Meerrettichwurzel, würfelig geschnitten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="juniper berry" orig="Weckolter böꝛ" commodity="wikidata:Q3251025" source="#fyndling-ingredient-name">Wacholderbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Coꝛiander ſamen">Koriandersamen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="table salt" orig="Saltz" commodity="wikidata:Q11254" source="#corema-ingredient-index">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-032">
        <head>Mangold in Essig eingemacht</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-032-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-032-trans">
          <p>Vnſern gemeynen Mangolt pflegen wir auch einzůmachen/ alſo/ das er mit kraut vnd wurtzlen geſotten werde/ biß er mürb würt/ erkalten laſſen/ vnd Eſſig darüber geſchütt/ bꝛinget auch luſt zůeſſen/ aber nit als anmütig vnd gůt/ als diſe genandte rote růben des Mangolts.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-032-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-032-orig">
          <p>Unseren gewöhnlichen Mangold pflegen wir auch einzumachen, und zwar so: Er wird mitsamt Kraut und Wurzeln gesotten, bis er mürbe wird, dann lässt man ihn erkalten und gießt Essig darüber. Das macht auch Lust zum Essen, ist aber nicht so angenehm und gut wie die genannten roten Rüben des Mangolds.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="gemeynen Mangolt">Mangold, mit Blättern und Wurzeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="vinegar" orig="Eſſig" commodity="wikidata:Q41354" source="#corema-ingredient-index">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-033">
        <head>Rosenzucker (Zucker rosat)</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-033-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-033-trans">
          <p>Von Zucker roſat oder Conſerua von Roſen.
DEr Roſen ſeind mancherley art vnnd geſchlecht/ an geſchmack/ foꝛm/ geſtalt vnnd der farben vnderſchiden/ zů lang hie zůerzölen. Aber die beſten die wir bey vns haben/ die zů der artzney gebꝛaucht werden ſollen/ ſeind die roten/ purpurfarben edlen Roſen/ die ſoltu abbꝛechen wann der Himmel ſchön/ klar vnd häll iſt/ des moꝛgens wann ſie von der Sonnen getrücknet ſeind von dem taw/ ſchneide ſie darnach mit einem ſcherlin ab/ alſo/ daß das weiß bützlin vnden am bletlin daruon kom̃/ vnnd dann ſo hacke ſie faſt klein auff einem ſaubern hackbꝛett (wie im Erſten theil anzeigt iſt/ im dꝛitten Capitel/ von der Latwergen Diacoꝛi) mit einem darzů bereitten meſſer/ das
ſie gar zů můß werden/ dann ſo vermiſch darunder zů einem pfundt diſer geſchnitnen oder zerhackten Roſen/ zwey pfundt rein geſtoßnen Zucker/ thůe es in ein glaß/ vnd hencks an die Sonnen.
Diſer Zucker roſat iſt gantz gemeyn/ vnnd ſehꝛ im bꝛauch bey jederman/ faſt nützlich zů dem ſchwachen vndöuwigen Magen von vberiger gallen/ dann er ſtillet vñ demmet jr ſcherpffe/ er ſtillet auch den bauchfluß vnnd die roterůr/ ſterckt vnd krefftigt das hertz/ hirn vnd alle jnnerliche glider/ mag auch denen mit friſchem Roßwaſſer geben werden/ die in hitzigen Febern ligen/ wa jnen der leib nit verſtopfft were/ dann er löſcht die hitz krefftiglich/ miltert vñ befeücht die zungen vnd kälen in allen hitzigen kranckheyten. Würt auch von etlichen mit Honig gemacht/ iſt nit alſo gůt/ würt auch vil beſſer Roſen honig genandt/ als auch nachmals weiter gemeldet würt im Vierdten theil oder vnderſcheidt diſes Bůchlins.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-033-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-033-orig">
          <p>Von Rosenzucker oder Konserve von Rosen: Es gibt vielerlei Arten und Geschlechter von Rosen, verschieden an Geschmack, Form, Gestalt und Farbe, zu lang, um sie hier aufzuzählen. Die besten aber, die wir bei uns haben und die für die Arznei gebraucht werden sollen, sind die roten, purpurfarbenen, edlen Rosen. Die sollst du pflücken, wenn der Himmel schön, klar und hell ist, am Morgen, wenn sie von der Sonne vom Tau getrocknet sind.</p>
          <p>Schneide sie danach mit einer kleinen Schere ab, so dass das weiße Bützlein unten am Blättlein davon wegkommt. Dann hacke sie sehr klein auf einem sauberen Hackbrett - wie im Ersten Teil, im dritten Kapitel, bei der Latwerge Diacori angezeigt ist - mit einem dafür hergerichteten Messer, so dass sie ganz zu Mus werden. Dann mische auf ein Pfund dieser geschnittenen oder zerhackten Rosen zwei Pfund fein gestoßenen Zucker darunter, gib es in ein Glas und häng es an die Sonne.</p>
          <p>Dieser Rosenzucker ist ganz allgemein verbreitet und bei jedermann sehr im Gebrauch. Er soll sehr nützlich sein für den schwachen, schlecht verdauenden Magen, der von überschüssiger Galle kommt, denn er stille und dämpfe deren Schärfe. Er stille auch den Bauchfluss und die Rote Ruhr und stärke und kräftige Herz, Hirn und alle inneren Glieder. Man darf ihn auch mit frischem Rosenwasser denen geben, die in hitzigen Fiebern liegen, sofern ihnen der Leib nicht verstopft ist, denn er lösche die Hitze kräftig, lindere und befeuchte Zunge und Kehle in allen hitzigen Krankheiten.</p>
          <p>Manche machen ihn auch mit Honig. Der ist nicht so gut und heißt auch viel besser Rosenhonig, wie später im Vierten Teil oder Abschnitt dieses Büchleins weiter gemeldet wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="einem pfundt diſer geſchnitnen oder zerhackten Roſen">rote Rosenblätter, frisch, ohne den weißen Grund (ein Pfund)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="zwey pfundt rein geſtoßnen Zucker">Zucker, fein gestoßen (zwei Pfund)</ingredient> - 2</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-034">
        <head>Veilchenzucker, Konserve aus Märzveilchen</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-034-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-034-trans">
          <p>Von Viol zucker oder Conſerue.
ZWeyerley geſchlecht ſeind der lieblichen wolriechenden ſchwartzen Mertzen violen/ zam vnnd wild/ die edleſten vnd zamen tragen gantz ſchwartzbꝛaune blůmlin/ etliche gantz ſchneeweiß/ deren findet man gar ſelten bey vns/ aber in dem Churer gebürg gantz vberflüſſig/ vil
mehꝛ dann bey vns der blauwen vnnd ſchwartzbrannen. Diſe zwo riechen beyde wol/ aber die weiſſen ſeind meines bedunckens/ etwas lieblicher am geruch. Die dꝛitten wilden Violen tragen blawfarbe blůmlin/ ohn geruch. Diſe Violen zam vnd wild/ haben alle einerley kraut/ runde bletter/ die fladꝛen auff den grund.
Die Violen wachſen an kleinen nackenden ſtilen wie nätzfäden/ fingers lang/ ein jede Viol ſonderlich auff einem ſtil/ ein jedes blůmlin hat gewonlich fünff bletlin/ das mittelſt vnder diſen hat ein holes hůtlin/ jnnwendig mit einem gälen tröpfflin gemalet.
Die edleſte blůmlin ſo in dem Mertzen erſtmals kommen/ vnd das neüw jar mit ſich bꝛingen/ nennet man in allen landen zůteütſch Violen/ zů latein Viola/ ſeind faſt gemein/ vñ werden zů vilen dingen gebꝛaucht von jederman/ dann darauß bereyt man mit Eſſig/ öl/ Zucker/ Conſernen/ von welchen wir hie ſagen/ vnd Syropen/ als hernaher gemeldet würt.
Die Conſerua oder Viol zucker würt eben auff die weiß vnd art bereit/ wie von den Roſen geſagt iſt/ alſo/ das man nem̃ Mertzen violen in der beſten blůet/ ſo ſie noch wol riechen/ vñ die ſelbigen von den ſtilen abpflict von den grünen bützlin/ auff eim hackbꝛet darzů bereit/ wie offtmals gemeldet iſt/ klein zerhackt/ vnnd auff ein pfundt der Violen zwey pfundt Zuckers genommen werde/ in einem glaß an die Sonnen gehenckt.
Diſe Conſerua oder Violzucker ſoll zů den hitzigen Febern gebꝛaucht werden/ vnd zů allen hitzigen gepꝛe-
ſten/ ſonderlich den jungen Kindern/ ſo etwann mit der fallenden ſucht vnd hitzigen Febern beladen weren/ dañ er löſchet die hitz der ſchnellen Febern krefftiglich/ behelt den bauch offen/ krefftigt das hertz/ ſtillet das ſeyten ſtechen/ vnnd iſt in Summa nutz vnd gůt zů allen hitzigen kranckheyten.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-034-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-034-orig">
          <p>Von Veilchenzucker oder Konserve: Es gibt zweierlei Arten der lieblichen, wohlriechenden dunklen Märzveilchen, zahme und wilde. Die edelsten und zahmen tragen ganz schwarzbraune Blümlein, etliche ganz schneeweiße. Solche findet man bei uns sehr selten, im Churer Gebirge aber in großer Fülle, viel mehr als bei uns die blauen und schwarzbraunen. Diese zwei riechen beide gut, aber die weißen sind meines Erachtens etwas lieblicher im Geruch. Die dritten, die wilden Veilchen, tragen blaufarbene Blümlein ohne Geruch. Diese Veilchen, zahm und wild, haben alle dasselbe Kraut: runde Blätter, die sich am Boden ausbreiten.</p>
          <p>Die Veilchen wachsen an kleinen, nackten Stielen wie Netzfäden, fingerlang, jedes Veilchen für sich auf einem Stiel. Jedes Blümlein hat gewöhnlich fünf Blättlein; das mittelste unter ihnen hat ein hohles Hütlein, innen mit einem gelben Tröpflein bemalt.</p>
          <p>Die edelsten Blümlein, die im März als erste kommen und das neue Jahr mit sich bringen, nennt man in allen Landen auf Deutsch Violen, auf Latein Viola. Sie sind sehr verbreitet und werden von jedermann zu vielen Dingen gebraucht, denn man bereitet daraus etwas mit Essig, mit Öl und mit Zucker: Konserven, von denen wir hier sprechen, und Sirupe, wie später gemeldet wird.</p>
          <p>Die Zubereitung: Die Konserve oder der Veilchenzucker wird genau auf dieselbe Weise und Art bereitet, wie es von den Rosen gesagt ist. Man nehme also Märzveilchen in der besten Blüte, solange sie noch gut riechen, zupfe sie von den Stielen und von den grünen Ansätzchen ab und hacke sie auf einem eigens dazu bereiteten Hackbrett klein, wie oft gemeldet ist. Auf ein Pfund Veilchen nehme man zwei Pfund Zucker und hänge es in einem Glas an die Sonne.</p>
          <p>Die Wirkung nach Ryff: Diese Konserve oder dieser Veilchenzucker soll bei hitzigen Fiebern und bei allen hitzigen Gebrechen gebraucht werden, besonders bei jungen Kindern, die etwa mit der Fallsucht und hitzigen Fiebern beladen sind. Denn er lösche die Hitze der schnellen Fieber kräftig, halte den Bauch offen, kräftige das Herz, stille das Seitenstechen und sei, kurz gesagt, nütze und gut bei allen hitzigen Krankheiten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="ein pfundt der Violen">Märzveilchenblüten</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="unrefined cane sugar" orig="zwey pfundt Zuckers" commodity="wikidata:Q57656231" source="#fyndling-ingredient-name">Zucker</ingredient> - 2</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-035">
        <head>Rosmarinblütenzucker (Conserva)</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-035-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-035-trans">
          <p>Roßmarin blůmen zucker oder Conſerua zůmachen.
ES würt der Roßmarin nit allein vmb der kräntz willen/ darzů jhn die ſchönen Jungfrauwen ziehen/ ſonder auch der Kuchen/ Käller vnd Apotecken ein nützliche ſtaud/ in den Wurtzgärten gepflantzet/ eines gůten geruchs/ dem Weyrouch faſt gleich. Darumb die ſtaud zů Latein Libanotis heißt.
Roßmarin iſt zweyerley in Teütſchlanden/ aber ein ander ſo faſt gleich/ das man ſie nicht wol vnderſcheiden kan/ allein das der an holtz/ ſtengel/ bletter/ blůmen/ ſamen/ etwas krefftiger/ die zweiglin dicker/ die bletter bꝛeitter ſeind/ dann am andern Roßmarin. Doch haben ſie beyde lange ſchmale dicke bletlin auff der letſten ſeytten gegen der Erden zůgewendt/ gantz weißferbig/ die ander ſeyt gegen dem Him̃el faſt grün.
Blůen zům jar zwey mal/ im Glentzen vnd Herbſt/ die blůmlin ſeind weiß/ im angriff zähe wie hartz/ werden
von den Apoteckern Anthes genañt/ vnd zů vilen köſtlichen Confecten gebꝛaucht/ ſonderlich zů der Conſerua mit Zucker eingemacht/ wie von den Roſen vnd Violen geſagt iſt/ ſoll friſch abgebꝛochen werden/ klein zerhackt/ vnd mit Zucker vermengt/ in einem möꝛſer wol zerſtoſſen/ dann er faſt dürꝛ an jm ſelbſt iſt/ vnd hernaher in einem glaß an die Sonn gehenckt werden.
Diſe Conſerna oder Roßmarin zucker iſt hitziger qualitet oder natur/ zertheilt vnd macht ſubtil alle grobe feüchtigkeyt in dem leib: ſterckt das hirn vnnd hertz/ zertheilt vñ fürt auß die geelſucht/ wehꝛet dem keichen/ eröffnet die lufftrohꝛ an der lungen/ macht außwerffen/ hilfft der döwung/ laßt kein gifft ſchaden/ ſtillet das grimmen/ reinigt das geblůt/ vnnd macht ſchwitzen/ iſt ein krafft vnd ſterckang der onmacht.
Der Roßmarin wein oder das kraut mit ſeinen blůmen darinn geſotten/ treibt wunderbarlich die weiſſen flüß/ ſo von geſchwär ſich erheben/ den weibern/ vnnd heylet die verſeerte geburt glider/ mag nützlich zů allen obgenandten pꝛeſten vnd kranckheyten gebꝛaucht werden. Deßgleichen auch das waſſer/ wann es artlich/ künſtlich vñ rechtgeſchaffen (nit wie jetzundt gemeinglich die waſſer gebꝛandt werden) gediſtilliert were/ hat faſt obernendte würckung/ zů dem das es die ſpꝛaachloſen von dem Schlag oder Parlis gerürt/ wider zů der ſpꝛaach vnd vernunfft erweckt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-035-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-035-orig">
          <p>Der Rosmarin: Der Rosmarin wird nicht allein um der Kränze willen, für die ihn die schönen Jungfrauen ziehen, sondern auch als ein für Küche, Keller und Apotheke nützlicher Strauch in den Würzgärten gepflanzt. Er hat einen guten Geruch, dem Weihrauch sehr ähnlich. Darum heißt der Strauch auf Latein Libanotis.</p>
          <p>Rosmarin gibt es in deutschen Landen zweierlei, die einander aber so sehr gleichen, dass man sie nicht gut unterscheiden kann. Nur ist der eine an Holz, Stängeln, Blättern, Blüten und Samen etwas kräftiger, seine Zweiglein sind dicker und seine Blätter breiter als am anderen Rosmarin. Doch haben beide lange, schmale, dicke Blättlein, die auf der hinteren Seite, die der Erde zugewandt ist, ganz weißfarbig sind; die andere Seite, die dem Himmel zugewandt ist, ist sehr grün.</p>
          <p>Er blüht im Jahr zweimal, im Frühling und im Herbst. Die Blümlein sind weiß und beim Anfassen zäh wie Harz. Sie werden von den Apothekern Anthos genannt und zu vielen köstlichen Konfekten gebraucht, besonders zu der Conserva, mit Zucker eingemacht, wie es von den Rosen und Veilchen gesagt ist.</p>
          <p>Die Zubereitung: Die Blüten sollen frisch abgebrochen, klein zerhackt, mit Zucker vermengt und in einem Mörser gut zerstoßen werden, denn der Rosmarin ist von sich aus sehr trocken. Danach werden sie in einem Glas an die Sonne gehängt.</p>
          <p>Die Wirkung nach Ryff: Diese Conserva oder dieser Rosmarinzucker sei hitziger Qualität oder Natur. Er zerteile alle groben Feuchtigkeiten im Leib und mache sie fein, stärke Hirn und Herz, zerteile die Gelbsucht und führe sie aus, wehre dem Keuchen, öffne die Luftröhre an der Lunge, fördere den Auswurf, helfe der Verdauung, lasse kein Gift schaden, stille das Grimmen, reinige das Geblüt und mache schwitzen. Er sei eine Kraft und Stärkung bei Ohnmacht.</p>
          <p>Rosmarinwein und Rosmarinwasser: Der Rosmarinwein, oder das Kraut mit seinen Blüten darin gesotten, vertreibe auf wunderbare Weise den weißen Fluss der Frauen, der von Geschwüren herrührt, und heile die verletzten Geburtsglieder. Man könne ihn nützlich bei allen oben genannten Gebrechen und Krankheiten gebrauchen. Desgleichen auch das Wasser, wenn es geschickt, kunstgerecht und richtig destilliert wäre, nicht so, wie man jetzt gemeinhin die Wasser brennt: Es habe in hohem Maß die oben genannte Wirkung und bringe außerdem die Sprachlosen, die vom Schlag oder von der Lähmung gerührt sind, wieder zu Sprache und Verstand.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Roßmarin blůmen">Rosmarinblüten, frisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-036">
        <head>Ypocras, roter Würzwein der Apotheker</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-036-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-036-trans">
          <p>Von rötem gewürtztem wein/ ypocras in den Apotecken genañt.
YPocras iſt ein gemeyner tranck des moꝛgens nůchtern zů trincken/ würt gewonlich in allẽ Apotecken/ ſonderlich Winters zeit/ bereit gefundẽ/ võ zimmet/ jngber/ zucker/ vnnd gůtem rotem wein bereytet/ auff diſe weiß/ nim̃ des beſtẽ außerleſenẽ zim̃ets dẽ du habẽ magſt and'halb lot/ gůtẽ weißẽ jngber j. lot/ Galgãt ein halb lot/ ſtoß klein zů puluer/ thů es in ein glaß/ ſchütt ein wenig wein darüber/ laß vber nacht ſtehẽ, des moꝛgẽs thů noch and'thalb maß weins darzů/ vnd ſo vil zuckers/ nach dem du jn gern ſůß het-
teſt/ alſo magſtu jm auch thůn mit der wurtz. Etliche ſtoſſen diſe wurtz zůſam̃en/ Nim̃ vier lot gůten Zim̃et/ zwey lot Jngber/ ein lot Paradeiß köꝛner/ ein halb lot Galgan/ Nägelin/ Muſcatnuß/ Cubeblin/ Cardomömlin/ jedes anderthalb quintlin/ von diſer geſtoßnẽ wurtz nemmen ſie ein lot auff ein maß vnnd ein halb pfund zuckers/ minder oder mehꝛ/ nach jhrem gfallen/ darnach ſie ſolchen Ypocras gern ſtarck von würtzen/ ſüß vnd wol geſchmackt haben wöllen/ vermiſchen den geſtoßnen zucker kalt vnder den wein vñ das gewürtz/ laſſen es durch ein ſpitzig wüllin ſäcklin lauffen darzů bereyt.
Diſer tranck iſt vaſt anmůtig vnd ſchleckerhafftig/ würt des moꝛgens in nůchterm getruncken/ den kalten vndöuwigen magen zůerwöꝛmen vñ zůkrefftigen. Jſt auch gůt gebꝛaucht für alle kalte feüchte kranckheyten des hirns vnd der neruen/ ſonderlich alten leüten/ vnnd winters zeyt. Junge vnd hitzige leüt ſollen ſolche hitzige getränck/ als Maluaſier/ Muſcateller/ Ypocras vñ Lauttertranck fliehen/ als ein ſchädlich gifft.
Es werden auch ſolchem Ypocras offtermals treibende artzney/ den bauch darmit zůlaxieren vnd purgierrn/ vermiſcht/ die weichen vnd zarten leüte blöder natur/ die ſonſt ein abſcheühens haben andere artzney vnd purgation einzůnemmen/ darmit zů jrem nutz vnd frommen zůbetriegen. Ettliche Apotecker/ welche ſolche ſchleckerhaffte getränck auff dẽ kauff bereytẽ/ wañ ſie nit roten wein haben/ pflegen ſie den weiſſen mit wů-
ſten vnreynen roten lumpen/ Toꝛna ſolis von jnen genañt/ zůferben/ ein vnluſtig vnſauber wůſt ding/ were vil beſſer er blibe weiß/ oder würde mit Saffran gäl wie der Claret/ geferbet/ aber die welt will betrogẽ ſein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-036-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-036-orig">
          <p>Von rotem gewürztem Wein, in den Apotheken Ypocras genannt. Ypocras ist ein gebräuchlicher Trank, den man morgens nüchtern trinkt. Man findet ihn gewöhnlich in allen Apotheken fertig vor, besonders zur Winterszeit. Er wird aus Zimt, Ingwer, Zucker und gutem rotem Wein bereitet, auf diese Weise:</p>
          <p>Nimm vom besten, auserlesenen Zimt, den du bekommen kannst, anderthalb Lot, guten weißen Ingwer ein Lot und Galgant ein halbes Lot. Stoß es klein zu Pulver, tu es in ein Glas, schütte ein wenig Wein darüber und lass es über Nacht stehen. Am Morgen tu noch anderthalb Maß Wein dazu und so viel Zucker, wie süß du ihn gern hättest. Ebenso kannst du es auch mit dem Gewürz halten.</p>
          <p>Die größere Würzmischung: Etliche stoßen diese Gewürze zusammen: Nimm vier Lot guten Zimt, zwei Lot Ingwer, ein Lot Paradieskörner, ein halbes Lot Galgant, dazu Nelken, Muskatnuss, Kubeben und Kardamom, von jedem anderthalb Quentlein. Von diesem gestoßenen Gewürz nehmen sie ein Lot auf ein Maß Wein und ein halbes Pfund Zucker, weniger oder mehr nach ihrem Gefallen, je nachdem, wie stark gewürzt, süß und wohlschmeckend sie ihren Ypocras haben wollen. Den gestoßenen Zucker mischen sie kalt unter den Wein und das Gewürz und lassen es durch ein spitzes wollenes Säckchen laufen, das dazu hergerichtet ist.</p>
          <p>Von der Wirkung: Dieser Trank ist sehr angenehm und wohlschmeckend. Man trinkt ihn morgens nüchtern; er soll den kalten Magen, der schlecht verdaut, erwärmen und kräftigen. Er soll auch gut sein gegen alle kalten, feuchten Krankheiten des Gehirns und der Nerven, besonders für alte Leute und zur Winterszeit. Junge und hitzige Leute sollen solche hitzigen Getränke wie Malvasier, Muskateller, Ypocras und Lautertrank meiden wie ein schädliches Gift.</p>
          <p>Von Beimischungen und Betrug: Diesem Ypocras werden oft auch treibende Arzneien beigemischt, um damit den Bauch zu lockern und abzuführen. So überlistet man weiche und zarte Leute von schwacher Natur, die sonst einen Abscheu davor haben, andere Arznei und Abführmittel einzunehmen, zu ihrem Nutzen und Frommen. Etliche Apotheker, die solche leckeren Getränke zum Verkauf bereiten, färben den weißen Wein, wenn sie keinen roten haben, mit wüsten, unreinen roten Lumpen, die sie Torna solis nennen. Das ist ein unappetitliches, unsauberes, wüstes Ding. Es wäre viel besser, er bliebe weiß oder würde mit Safran gelb gefärbt wie der Claret. Aber die Welt will betrogen sein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="gůtem rotem wein">Rotwein, gut (kleine Fassung: ein wenig, dann anderthalb Maß; größere: ein Maß auf ein Lot Gewürz)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="des beſtẽ außerleſenẽ zim̃ets dẽ du habẽ magſt and'halb lot">Zimt, auserlesen, gestoßen (kleine Fassung anderthalb Lot, größere vier Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gůtẽ weißẽ jngber j. lot">Ingwer, weiß, gestoßen (kleine Fassung ein Lot, größere zwei Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="lesser galangal" orig="Galgãt ein halb lot" commodity="wikidata:Q27653540" source="#fyndling-ingredient-name">Galgant, gestoßen (ein halbes Lot, in beiden Fassungen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſo vil zuckers">Zucker, gestoßen (kleine Fassung nach Geschmack; größere ein halbes Pfund auf ein Maß Wein, weniger oder mehr)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein lot Paradeiß köꝛner">Paradieskörner, gestoßen, ein Lot (größere Würzmischung)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="clove" orig="Nägelin" commodity="wikidata:Q15622897" source="#corema-ingredient-index">Gewürznelken, gestoßen, anderthalb Quentlein (größere Würzmischung)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Muſcatnuß">Muskatnuss, gestoßen, anderthalb Quentlein (größere Würzmischung)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Cubeblin">Kubeben, gestoßen, anderthalb Quentlein (größere Würzmischung)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Cardomömlin">Kardamom, gestoßen, anderthalb Quentlein (größere Würzmischung)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-037">
        <head>Claret: Honig-Würzwein mit Safran</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-037-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-037-trans">
          <p>Von Claret.
CLaret iſt inn ober Teütſchlanden nit als bꝛeüchlich/ als in Sachſen/ Dennmarck/ Schweden/ vnd den ländern gegen Mitternacht/ hat ein kleinen vnderſcheidt mit dem Ypocras/ allein das der Claret von honig gemacht/ vnd der Ypocras von zucker/ Der Ypocras můß rot ſein/ ſo würt diſer gelb geferbt. Soll alſo gemacht werden/ Nim̃ des beſten außgebißnen Canels oder zimmets den du haben magſt/ ſechs lot/ Jngber zwey lot/ Paradeiß köꝛner/ darmit er vaſt räß werde/ dꝛey lot/ Galgã zwey lot/ Muſcatnuß/ Muſcatplůet/ Nägelin/ Cardamömlin/ Cubeben jedes ein halb lot/ diſe gewürtz ſtoß vnder einand'/ vñ zů vier maß weins/ nim̃ dꝛey oder vierdthalb lot diſes gewürtz/ nach dem du diſen tranck gern ſtarck wilt haben/ ſtell dz gewürtz mit ein wenig weins vber nacht an ein warme ſtatt/ des moꝛgens mit einer maß honigs/ der geſcheümpt vñ geleüttert ſey/ ſetz ſie auff ein kolfeür/ laß ſieden mit einem wenig wein/ ſchütt den wein mit den ſpecies oder gewürtz auch darein/ laß ein wall oder zween thůn/ nim̃ ein dꝛittheyl eins quintlins gůten Saffran/ zertreib jn
in ein wenig wein/ ſchütt jn auch in den warmen honig/ ſetz es ab dem feür/ vñ geüß den vberigen wein darein/ laß ein wenig ſtehn/ ſchütt es dann in den langen ſpitzigen wüllin ſack/ wie von dem Ypocras geſagt iſt/ laß ſo lang durchtrieffen/ jm̃er wider auff ſchüttende/ biß es lautter vñ klar herdurch lauffet/ ſo thůe jn in ein klein fäßlin/ verſtopff es wol, henck der ſpecies ein wenig darein/ ſo magſtu jn lang gůt behalten.
Diß getränck mag in gleicher weiß vnnd geſtalt gebꝛaucht werden/ wie von dem Ypocras geſagt iſt/ zů kalten kranckheyten/ böſem ſchleymigem vndöuwigem magen/ die jñerliche glyder zů erwöꝛmen/ krefftigen vñ ſtercken/ den weibern vnd alten leüten am aller nützlichſten.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-037-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-037-orig">
          <p>Claret ist in Oberdeutschland nicht so gebräuchlich wie in Sachsen, Dänemark, Schweden und den Ländern gegen Mitternacht. Er unterscheidet sich nur wenig vom Ypocras, allein darin, dass der Claret mit Honig gemacht wird und der Ypocras mit Zucker. Der Ypocras muss rot sein, dieser hier wird gelb gefärbt.</p>
          <p>Die Gewürzmischung: So soll er gemacht werden: Nimm vom besten, auserlesenen Kaneel oder Zimt, den du bekommen kannst, 6 Lot, dazu 2 Lot Ingwer, 3 Lot Paradieskörner, damit er sehr scharf wird, 2 Lot Galgant sowie Muskatnuss, Muskatblüte, Nelken, Kardamom und Kubeben, von jedem ein halbes Lot. Stoß diese Gewürze miteinander.</p>
          <p>Ansetzen über Nacht: Auf 4 Maß Wein nimm 3 oder 3½ Lot dieses Gewürzes, je nachdem, wie stark du den Trank haben willst. Stell das Gewürz mit ein wenig Wein über Nacht an einen warmen Ort.</p>
          <p>Am Morgen: Setz eine Maß Honig, der geschäumt und geläutert ist, auf ein Kohlenfeuer und lass ihn mit ein wenig Wein sieden. Schütte den Wein mit den Spezies oder Gewürzen auch hinein und lass es ein- oder zweimal aufwallen. Nimm ein Drittel eines Quentleins guten Safran, zerreibe ihn in ein wenig Wein und schütte ihn auch in den warmen Honig. Setz es vom Feuer, gieße den übrigen Wein hinein und lass es ein wenig stehen.</p>
          <p>Klären und Aufbewahren: Schütte es dann in den langen, spitzen Wollsack, wie es beim Ypocras gesagt ist. Lass es so lange durchtropfen und schütte es immer wieder auf, bis es lauter und klar hindurchläuft. Dann tu ihn in ein kleines Fässlein, verstopfe es gut und häng ein wenig von den Gewürzen hinein. So kannst du ihn lange gut aufbewahren.</p>
          <p>Gebrauch: Dieses Getränk kann auf gleiche Weise und Gestalt gebraucht werden, wie es beim Ypocras gesagt ist: bei kalten Krankheiten und bei bösem, schleimigem, schlecht verdauendem Magen, um die inneren Glieder zu erwärmen, zu kräftigen und zu stärken. Den Frauen und alten Leuten soll es am allernützlichsten sein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="vier maß weins" commodity="wikidata:Q282" source="#fyndling-ingredient-registry">Wein (4 Maß, davon je ein wenig zum Ansetzen und zum Honig)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="einer maß honigs/ der geſcheümpt vñ geleüttert ſey">Honig, geschäumt und geläutert (1 Maß)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="beſten außgebißnen Canels oder zimmets">Zimt, bester auserlesener (6 Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="ginger" orig="Jngber zwey lot" commodity="wikidata:Q15046077" source="#fyndling-ingredient-registry">Ingwer (2 Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="grain of paradise" orig="Paradeiß köꝛner" commodity="wikidata:Q1503476" source="#fyndling-ingredient-registry">Paradieskörner (3 Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="lesser galangal" orig="Galgã zwey lot" commodity="wikidata:Q27653540" source="#fyndling-ingredient-registry">Galgant (2 Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="nutmeg" orig="Muſcatnuß" commodity="wikidata:Q83165" source="#fyndling-ingredient-registry">Muskatnuss (½ Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="mace" orig="Muſcatplůet" commodity="wikidata:Q1882876" source="#fyndling-ingredient-name">Muskatblüte (½ Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="clove" orig="Nägelin" commodity="wikidata:Q15622897" source="#corema-ingredient-index">Nelken (½ Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cardamom" orig="Cardamömlin" commodity="wikidata:Q14625808" source="#fyndling-ingredient-name">Kardamom (½ Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cubeb" orig="Cubeben" commodity="wikidata:Q161927" source="#corema-ingredient-index">Kubeben (½ Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="saffron" orig="gůten Saffran" commodity="wikidata:Q25434" source="#fyndling-ingredient-registry">Safran (ein Drittel Quentlein)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-038">
        <head>Lautertrank: Claret ohne Safran oder Weißwein mit Ingwer und Kardamom</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-038-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-038-trans">
          <p>Von lautter tranck.
DAs getränck/ welchs bey vns Lauttertranck genañt würt/ mag auff die voꝛgſchꝛibne weiß gemacht werden/ allein das der Saffran wol herauſſen bleiben mag.
Ettliche machen den Lauttertranck aber auff ein andere weiß/ alſo/ Nim̃ gůten weiſſen Jngber ein lot/ Cardomömlin ein quintlin/ gůten zucker ein halb pfundt/ vnnd ein maß gůts weiß weins laß alſo durch ein ſpitzigs wüllin ſäcklin lauffen/ wie offtmals gemeldet iſt.
An diſem getränck/ wiewol es auff vilerley art vnnd
weg bereyt werden mag/ vnnd faſt ein jeder Apotecker ſein ſonderliche Recept daruon hat/ iſt nit groß gelegẽ/ dieweil ſolches nit zů der artzney gebraucht würt/ vil mehꝛ zů eim vberfluß vnd ſchleckerhafftigkeyt můtwilliger leüt/ die wenig achtẽ was jnen nutz oder ſchad ſey/ wann allein der zungen vñ dem geſchmack darinn gehofiert vnd gedient würt. Dañ ſolche hitzige getränck ſeind jungen vnd hitzigen leüten faſt ſchädlich/ ſollen auch in allen hitzigen febern vnd kranckheiten/ hitziger zeyt/ vermitten werden/ haben jr krafft vñ würckung nach der würtz vnnd ſpecerey/ welche darunder vermiſcht werdẽ/ die von honig bereyt/ ſeind etwas wöꝛmer dann von zucker. Möchten zwar aller ſolcher getränck als vberflüſſig/ wol gerahten.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-038-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-038-orig">
          <p>Das Getränk, das bei uns Lautertrank genannt wird, kann auf die zuvor beschriebene Weise gemacht werden, nur dass der Safran ruhig wegbleiben kann.</p>
          <p>Andere Fassung: Etliche machen den Lautertrank aber auf eine andere Weise, nämlich so: Nimm guten weißen Ingwer ein Lot, Kardamom ein Quintlein, guten Zucker ein halbes Pfund und eine Maß guten Weißwein, und lass es so durch ein spitzes wollenes Säcklein laufen, wie schon oft gesagt ist.</p>
          <p>An diesem Getränk ist nicht viel gelegen, auch wenn es auf vielerlei Art und Weise bereitet werden kann und beinahe jeder Apotheker sein eigenes Rezept dafür hat, weil es nicht zur Arznei gebraucht wird, sondern vielmehr zum Überfluss und zur Naschhaftigkeit mutwilliger Leute, die wenig darauf achten, was ihnen nützt oder schadet, wenn nur der Zunge und dem Geschmack damit geschmeichelt und gedient wird.</p>
          <p>Denn solche hitzigen Getränke sind jungen und hitzigen Leuten sehr schädlich und sollen auch bei allen hitzigen Fiebern und Krankheiten und in hitziger Zeit gemieden werden. Ihre Kraft und Wirkung haben sie nach den Gewürzen und Spezereien, die daruntergemischt werden; die mit Honig bereiteten sind etwas wärmer als die mit Zucker. Man könnte all solcher Getränke als überflüssig wohl entbehren.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="wine" orig="ein maß gůts weiß weins" commodity="wikidata:Q282" source="#fyndling-ingredient-registry">Weißwein (eine Maß)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="unrefined cane sugar" orig="gůten zucker ein halb pfundt" commodity="wikidata:Q57656231" source="#fyndling-ingredient-name">Zucker (ein halbes Pfund)</ingredient> - 0.5</item>
            <item><ingredient en="white ginger" orig="gůten weiſſen Jngber ein lot" commodity="wikidata:Q107262395" source="#fyndling-ingredient-name">weißer Ingwer (ein Lot)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="cardamom" orig="Cardomömlin" commodity="wikidata:Q14625808" source="#fyndling-ingredient-name">Kardamom (ein Quintlein)</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-039">
        <head>Met oder Honigwasser, frisch getrunken oder im Fass vergoren</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-039-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-039-trans">
          <p>Von dem Medt oder honigwaſſer.
ES würt an vilen orten/ als nemlich zů Rigen vnnd Reuel in Lifland/ im land zů Poln/ vnd andern orten mehr/ da mangel an wein iſt/ von honig vnd waſſer ein getränck gemacht/ das wir Medt nennen/ meines bedunckens vil geſünder vnnd beſſer dann die vorigen getränck/ dann wiewol ſolcher jhr Medt auch warmer natur iſt/ mag er doch nicht als kräfftigklich alle jnnerliche glider verdörren vnd entzünden/ als die vorgeſchribne gewürtzte wein/ würt auch teglich an ge-
meldten orten/ für ein gemein tranck an ſtatt des weins getruncken/ auff vilerley art vnd manier zůbereyt vnd gemacht/ würt auch ein zeytlang in die erd vergraben/ darinn er dẽ geſchmack des honigs vñ wachß verleürt/ vnd ſich vnderſteht im geſchmack dem wein zůuergleichen.
Wann du ſolchs honigwaſſer oder Medt des Sommers zeiten brauchẽ wolteſt/ magſtu dirs täglich friſch bereyten/ alſo/ Nim̃ honig ein maß/ lautter friſch brun̄ waſſer acht maß/ ſetz es vber ein hälles feürlin/ laß ſieden/ vnnd verſchaumbs wol/ ſo bald ſich etwas auffwürfft/ wilt du jn dann friſch hinweg trincken/ můſtu jn nit zůdick einſieden laſſen. Wiltu jn aber ein zeitlang verwaren/ ſo müſt du jhn ſo lang ſieden/ biß er kläberig würt/ vnnd in ein faß thůn/ aber auff drey zwerch finger breyt laſſen wahn ſtehen/ dann er girt wie wein.
Etliche thůnd auch gewürtz darunder/ als Jngber/ Zimmet/ Nägelin/ Galgan vnd Muſcatnuß/ ferben jn auch mit Saffran/ vnd wann er verjaren hatt/ ſoll er drey Monat ligen bleiben/ hart verſtopfft vnnd darnach getruncken werdẽ/ dz gſtoſſen gewürtz knipff in ein tůchlin vnd hencks darein.
Diſer Medt oder honig waſſer iſt von den alten ärtzten ſehr gelobt/ haben jhm auch vil ſchöner tugenten zů geſchribẽ/ löſchet dẽ durſt/ vñ würt nützlich gebraucht in allen kalten vnnd froſtigen kranckheyten/ ſonderlich des hirns/ der neruen vnd dergleichen/ reyniget vnd öffnet die bruſt/ iſt güt für den alten hüſten/ der lange zeit
gewäret hat/ reynigt die blaß/ vñ eröffnet die gäng des harns/ laßt den ſteyn nit wachſen/ zertreibet vnnd fürt auß alle grobe zähe ſchleymerige feüchtigkeit/ reinigt vnd ſeübert die därm vnd das eingeweyd von allem vberfluß/ erweycht den bauch/ ſoll in allen kalten kranckheyten des hirns/ der neruen vnd glencker/ für wein getruncken werden/ dann er iſt faſt nützlich vnnd güt in ſolchen kranckheyten/ als der ſchlag/ ſchwindeln des hauptes/ krampff gegicht/ fallende ſucht vnnd dergleichen/ wann ſolchs nicht etwz ſonderlichs hindert/ dañ ſein würckung vnd krefft ſeind wunderbarlich.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-039-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-039-orig">
          <p>An vielen Orten, nämlich in Riga und Reval in Livland, im Land Polen und an anderen Orten mehr, wo es an Wein mangelt, macht man aus Honig und Wasser ein Getränk, das wir Met nennen. Meines Erachtens ist es viel gesünder und besser als die vorigen Getränke. Denn obwohl auch ihr Met warmer Natur ist, vermag er doch nicht so kräftig alle inneren Glieder auszudörren und zu entzünden wie die zuvor beschriebenen gewürzten Weine. An den genannten Orten wird er auch täglich als gewöhnlicher Trank anstelle des Weins getrunken und auf vielerlei Art und Weise bereitet. Man vergräbt ihn auch eine Zeit lang in der Erde. Dort verliert er den Geschmack von Honig und Wachs und schickt sich an, dem Wein im Geschmack gleichzukommen.</p>
          <p>Willst du dieses Honigwasser oder diesen Met zur Sommerszeit gebrauchen, kannst du ihn dir täglich frisch bereiten, und zwar so: Nimm ein Maß Honig und acht Maß lauteres, frisches Brunnenwasser, setze es über ein kleines, helles Feuer, lass es sieden und schäume es gut ab, sobald sich etwas aufwirft. Willst du ihn dann frisch wegtrinken, darfst du ihn nicht zu dick einsieden lassen.</p>
          <p>Zum Aufbewahren: Willst du ihn aber eine Zeit lang aufbewahren, musst du ihn so lange sieden, bis er klebrig wird, und ihn in ein Fass tun. Lass das Fass aber drei Querfinger breit leer stehen, denn er gärt wie Wein.</p>
          <p>Gewürz und Lagerung: Manche tun auch Gewürz dazu, nämlich Ingwer, Zimt, Nelken, Galgant und Muskatnuss, und färben ihn auch mit Safran. Und wenn er ausgegoren hat, soll er drei Monate fest verschlossen liegen bleiben und danach getrunken werden. Das gestoßene Gewürz knüpfe in ein Tüchlein und hänge es hinein.</p>
          <p>Von der Wirkung: Dieser Met oder dieses Honigwasser ist von den alten Ärzten sehr gelobt worden, und sie haben ihm viele schöne Tugenden zugeschrieben. Er löscht den Durst und wird nützlich gebraucht bei allen kalten und frostigen Krankheiten, besonders des Hirns, der Nerven und dergleichen. Er reinigt und öffnet die Brust und ist gut gegen den alten Husten, der lange Zeit gewährt hat. Er reinigt die Blase und öffnet die Harnwege, lässt den Stein nicht wachsen, zertreibt und führt alle groben, zähen, schleimigen Feuchtigkeiten aus, reinigt und säubert die Därme und das Eingeweide von allem Überfluss und erweicht den Bauch.</p>
          <p>Bei allen kalten Krankheiten des Hirns, der Nerven und der Gelenke soll man ihn anstelle von Wein trinken, denn er ist sehr nützlich und gut bei solchen Krankheiten wie Schlag, Schwindel des Hauptes, Krampf, Gicht, Fallsucht und dergleichen, sofern nicht etwas Besonderes dagegen steht. Denn seine Wirkung und Kräfte sind wunderbar.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="honey" orig="honig ein maß" commodity="wikidata:Q10987" source="#corema-ingredient-index">Honig (ein Maß)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient orig="lautter friſch brun̄ waſſer acht maß">Brunnenwasser, lauter und frisch (acht Maß)</ingredient> - 8</item>
            <item>
              <ingredient en="ginger" orig="Jngber" commodity="wikidata:Q15046077" source="#fyndling-ingredient-name">Ingwer, gestoßen (nach Wahl)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cinnamon" orig="Zimmet" commodity="wikidata:Q28165" source="#corema-ingredient-index">Zimt, gestoßen (nach Wahl)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="clove" orig="Nägelin" commodity="wikidata:Q15622897" source="#corema-ingredient-index">Nelken, gestoßen (nach Wahl)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="lesser galangal" orig="Galgan" commodity="wikidata:Q27653540" source="#corema-ingredient-index">Galgant, gestoßen (nach Wahl)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Muſcatnuß">Muskatnuss, gestoßen (nach Wahl)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="saffron" orig="Saffran" commodity="wikidata:Q25434" source="#corema-ingredient-index">Safran (zum Färben, nach Wahl)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-040">
        <head>Kräuterwein im Fass aus Most</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-040-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-040-trans">
          <p>Darmit aber ſolcher wein/ wie er von Gott an jhm ſelbſt geſchaffen/ mancherley krafft vñ natur zů vilerley gepꝛeſten vnd kranckheyten an ſich ziehen vñ bꝛingen möchte/ ſeind vilerley mittel erdicht woꝛden/ wie auch drobẽ von dem gewürtzten wein geſagt iſt/ durch kreüter/ wurtzlen/ vñ blůmen/ ſein natur zůkrefftigen/ vnd eins theyls zůuerändern/ dem menſchlichen leib zů nutz vnd gůtem/ alſo das ſolche kreüter/ wurtzeln/ blůmen/ frucht oder frembdes gewürtz/ in den außgetrotten gefaßten moſt in das faß gethon werdẽ/ in gewicht vñ maß/ nach dem ſolcher wein ſtarck vnd krefftig werden ſoll/ vnnd auch den moſt darüber verjären laſſen. Etliche aber ſtoſſen ſolche kreüter/ wurtzlen/ vnd dergleichen zůſatz wol gereynigt vnd gewäſchen/ erſt hernaher ins faß/ wann der moſt verjären hat.
Aber welche wein man ſůß behalten will/ darmit ſie/ zů dem das ſie nütz/ gůt vnd heilſam ſeind/ auch lieblich vnnd anmůtig ſeyen/ můß der moſt auff einem hällen feürlin geſotten werden/ vil oder wenig/ nach dem der moſt krefftig vnd gůt iſt/ vnd alſo mit dem zůſatz verwaret vnd vermiſcht werden.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-040-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-040-orig">
          <p>Damit aber solcher Wein, so wie Gott ihn an sich selbst geschaffen hat, mancherlei Kraft und Natur für vielerlei Gebrechen und Krankheiten an sich ziehen und mit sich bringen könnte, sind vielerlei Mittel erdacht worden - wie auch oben beim gewürzten Wein gesagt ist -, mit Kräutern, Wurzeln und Blumen seine Natur zu stärken und zum Teil zu verändern, dem menschlichen Leib zu Nutzen und Gutem.</p>
          <p>So gibt man solche Kräuter, Wurzeln, Blumen, Früchte oder fremdes Gewürz in den ausgetretenen und gefassten Most ins Fass, nach Gewicht und Maß, je nachdem, wie stark und kräftig der Wein werden soll, und lässt den Most darüber vergären.</p>
          <p>Nach der Gärung. Etliche aber stecken solche Kräuter, Wurzeln und dergleichen Zusätze, gut gereinigt und gewaschen, erst hinterher ins Fass, wenn der Most vergoren hat.</p>
          <p>Süß behalten. Welche Weine man aber süß behalten will, damit sie nicht nur nützlich, gut und heilsam, sondern auch lieblich und angenehm seien, bei denen muss der Most auf einem hellen Feuerlein gesotten werden, viel oder wenig, je nachdem der Most kräftig und gut ist, und so mit dem Zusatz verwahrt und vermischt werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="herb" orig="kreüter" commodity="wikidata:Q207123" source="#fyndling-ingredient-name">Kräuter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="spice" orig="wurtzlen" commodity="wikidata:Q42527" source="#fyndling-ingredient-name">Wurzeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="blůmen">Blüten</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="frucht">Früchte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="frembdes gewürtz">fremdes Gewürz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Traubenmost, frisch gekeltert</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-041">
        <head>Kräuterwein im Schnellverfahren</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-041-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-041-trans">
          <p>Welche aber ſolchen vnkoſten nicht anlegen wöllen/ vñ diſer kreüterwein auch nottürfftig weren/ mögen jhn leichtlich vnd behend/ in gleicher krafft vñ tugendt/ auff diſe weiß in kurtzer zeit zůbereiten/ alſo/ Das man nem̃e des krauts/ wurtzlen/ blůmen/ frücht oder gewürtz/ welcher natur der wein entpfahen vñ an ſich nemmen ſoll/ wäſch es ſauber/ zer-
hack oder zerſchneid es faſt klein/ vñ thůe es in ein glaß/ vñ geüß gůten ſtarcken firnen wein darüber/ laß es ein zeytlang an einer warmen ſtatt ſtehn/ vnnd darnach außgepꝛeſſet/ vnnd das ſelbige ſafft inn einem ſaubern gläßlin/ wol verſtopfft/ behalten/ vñ ein tröpfflin oder mehꝛ inn ein kandten wein gethon/ nach dem der wein ſtarck vnd krefftig werden ſoll/ nimpt alſo bald inn einem augenblick ſolche krafft/ tugent/ vnnd gſchmack an ſich des ſelben krauts/ wurtzel oder blůmen/ was alſo voꝛhin eingebeitzt iſt/ ſolches mag auch noch krefftiger zůwegen gebracht werden/ mit einem gůten vilmal abgezognẽ gebꝛañtem Wein/ der rectificiert iſt/ dariñ gebeytzt inn aller foꝛm vnd geſtalt/ wie dꝛoben geſagt iſt/ gibt dem wein die krafft/ natur/ geſchmack vñ farb kräfftigklich.
Darmit du aber auch ein gewiſſen vnderꝛicht habeſt/ warzů ſolche kreüterwein in gemeldter weiß vnnd geſtalt zůbereyt vnd gemacht/ nützlich gebꝛaucht werden ſollen/ will ich dir die fürnembſten vnd bꝛeülichſten mit ſampt jrer natur/ würckung vnd krafft/ auff das fleiſſigſt vnd kürtzeſt anzeygen/ vñ von dem Wermůtwein ein anfang nemmen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-041-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-041-orig">
          <p>Wer solche Kosten nicht aufwenden will und diesen Kräuterwein dennoch braucht, kann ihn leicht und behend, in gleicher Kraft und Wirkung, auf diese Weise in kurzer Zeit zubereiten.</p>
          <p>Der Auszug: Man nehme von dem Kraut, den Wurzeln, Blumen, Früchten oder dem Gewürz, dessen Natur der Wein empfangen und an sich nehmen soll. Das wasche man sauber, hacke oder schneide es sehr klein und tue es in ein Glas. Darüber gieße man guten, starken, alten Wein und lasse es eine Zeit lang an einem warmen Ort stehen. Danach wird es ausgepresst.</p>
          <p>Aufbewahren und Gebrauch: Den so gewonnenen Saft hebe man in einem sauberen Gläslein gut verstopft auf. Davon gibt man ein Tröpflein oder mehr in eine Kanne Wein, je nachdem, wie stark und kräftig der Wein werden soll. Der Wein nimmt dann sogleich, in einem Augenblick, die Kraft, Wirkung und den Geschmack des Krauts, der Wurzel oder der Blumen an, die zuvor so eingelegt worden sind.</p>
          <p>Die kräftigere Fassung: Noch kräftiger lässt sich das mit gutem, vielmals abgezogenem gebranntem Wein erreichen, der rektifiziert ist. Wird darin in aller Form und Gestalt eingelegt, wie oben gesagt, so gibt er dem Wein Kraft, Natur, Geschmack und Farbe kräftig.</p>
          <p>Überleitung: Damit du aber auch sicheren Unterricht hast, wozu solche Kräuterweine, auf die genannte Weise und Gestalt bereitet und gemacht, nützlich gebraucht werden sollen, will ich dir die vornehmsten und gebräuchlichsten mit ihrer Natur, Wirkung und Kraft aufs Fleißigste und Kürzeste anzeigen und mit dem Wermutwein den Anfang machen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="des krauts/ wurtzlen/ blůmen/ frücht oder gewürtz">Kraut, Wurzeln, Blüten, Früchte oder Gewürz (je nach gewünschtem Kräuterwein)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gůten ſtarcken firnen wein">Wein, gut, stark und alt (für den Auszug)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gůten vilmal abgezognẽ gebꝛañtem Wein/ der rectificiert iſt">Gebrannter Wein, vielmals abgezogen und rektifiziert (für die kräftigere Fassung)</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="ein kandten wein">Kanne Wein (zum Würzen mit dem Auszug)</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-042">
        <head>Scharlachwein: Wein über Muskatellersalbei vergoren</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-042-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-042-trans">
          <p>Von Scharlach wein/ ſeiner tugent vnd krefft.
SJn wein vber Scharlach verjären laſſen/ iſt dem kalten magen fürtrefflich gůt vnnd bequäm/ dann er zertheylet vnnd verzehrt die zähe ſchleymige feüchtigkeyt/ iſt nütz getruncken den kalten vnfruchtbaren
weibern/ die mit dem weiſſen fluß bekümmert ſeind.
Ettliche halten der Scharlach ſey dem haupt vmb ſeines ſtarcken geruchs willen/ ſchädlich/ das iſt war/ wa man ſeines weins zůuil trinckt. Aber warlich die gereüchten vnd gebꝛantẽ ſchwebel wein thůnd mehꝛ ſchadens dann alle kreüterwein/ doch will niemand daſſelbige reüchen vnd weydäſchen in ſeinem wein entpären.
Dieweyl aber diſes kreütlin vaſt nütz vnd gebꝛeüchlich iſt/ jnnerhalb vnd auſſerhalb des leibs zůbꝛauchẽ/ will ich dir es auch auff dz fleiſſigſt beſchꝛeibẽ/ wie auch in allen andern kreüttern geſchehen iſt/ welche nit als gemeyn/ auch zům theyl vnkandtbar ſeind. Diß wolriechend gewächs iſt zweyerley/ der zam vnd recht Scharlach wachſet in gärten zům meyſtẽ/ erſtlich vom ſamẽ/ der ſich dem Rettich ſamẽ vergleicht/ bꝛinget zwey kleiner grauwer blettlin/ wie der Baſilg. Nach dem kommen gantz rauhe harechte bletter/ je länger je gröſſer/ harechter vnd krauſer dann das groß Wullkraut/ Eſchenfarb grůn/ der ſtengel viereckecht/ die blům weiß blawfärbig/ in aller foꝛm vnd geſtalt/ wie die groß ſalbey ſtengel vnnd blůmen tregt/ allein das der ſcharlach mit kraut/ ſtengel/ blůmen/ heüßlin/ ꝛc. vil gröſſer dann an der ſalbey erſcheinet/ mit einer holtzechten wurtzel/ wie yſop vnd ſalbey/ wäret kein ſtock vber dꝛey jar. Der geruch iſt faſt ſtarck/ das kraut ſey dürꝛ oder grůn/ gibt dem wein ein lieblichen Muſcateller geſchmack/ mit vilen ſchönen tugenten/ wie dꝛoben gemeldt iſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-042-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-042-orig">
          <p>Vom Scharlachwein, seiner Wirkung und Kraft: Einen Wein über Scharlach vergären zu lassen, ist dem kalten Magen vortrefflich gut und bekömmlich, denn er zerteilt und verzehrt die zähe, schleimige Feuchtigkeit. Getrunken ist er nützlich für kalte, unfruchtbare Frauen, die mit dem weißen Fluss geplagt sind.</p>
          <p>Etliche meinen, der Scharlach sei dem Kopf wegen seines starken Geruchs schädlich. Das ist wahr, wenn man von seinem Wein zu viel trinkt. Aber wahrlich, die geräucherten und gebrannten Schwefelweine richten mehr Schaden an als alle Kräuterweine, und doch will niemand auf dieses Räuchern und die Weidasche in seinem Wein verzichten.</p>
          <p>Die Pflanze: Weil aber dieses Kräutlein sehr nützlich und gebräuchlich ist, innerlich und äußerlich zu gebrauchen, will ich es dir auch aufs Sorgfältigste beschreiben, wie es auch bei allen anderen Kräutern geschehen ist, die nicht so verbreitet und zum Teil unbekannt sind. Dieses wohlriechende Gewächs ist zweierlei. Der zahme und rechte Scharlach wächst meistens in Gärten. Zuerst geht er aus dem Samen auf, der dem Rettichsamen gleicht, und bringt zwei kleine graue Blättlein hervor wie das Basilikum. Danach kommen ganz raue, haarige Blätter, je länger, desto größer, haariger und krauser als beim großen Wollkraut, aschfarben grün. Der Stängel ist vierkantig, die Blüte weiß-blau. In aller Form und Gestalt gleicht er der großen Salbei mit ihren Stängeln und Blüten, nur dass beim Scharlach Kraut, Stängel, Blüten, Häuslein und so weiter viel größer erscheinen als bei der Salbei. Er hat eine holzige Wurzel wie Ysop und Salbei, und kein Stock hält länger als drei Jahre.</p>
          <p>Der Geruch ist sehr stark. Ob das Kraut dürr oder grün ist, es gibt dem Wein einen lieblichen Muskatellergeschmack, mit vielen schönen Wirkkräften, wie oben gesagt ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein bzw. Most, im Fass vergoren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Scharlach">Scharlach (Muskatellersalbei), Kraut, dürr oder grün</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-043">
        <head>Kirschwein aus Amarellen</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-043-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-043-trans">
          <p>Von Kirſenwein/ ſeiner natur vnd eygenſchafft.
VOn den ſauren ſchwartzbꝛaunen Kirſen mit den langen ſtilen/ Amarellen genannt/ würt auch ein köſtlicher wein bereyt/ alſo/ das man die Kirſen von jren ſtilen abrupffe/ vnd in einẽ ſteynin möꝛſer mit kärnen vnd allem zerſtoſſe/ vnnd in ein gůten weiſſen oder roten wein thůe/ der würt vaſt ſchön vnd ſtarck/ eines gůten lieblichen vnd anmůtigen geruchs vnd geſchmacks/ vaſt gůt vnnd nützlich zůtrincken in hitziger zeyt/ dann er löſchet den durſt krefftigklich/ öffnet die leber/ vñ erkület die jnnerlichen glider/ treibt den harn/ blaſen vnd lendenſteyn. Ettlich hencken gewürtz darein/ aber meines bedunckens gantz vberflüſſig vnd wider die natur des Kirſenweins.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-043-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-043-orig">
          <p>Vom Kirschwein, seiner Natur und Eigenschaft. Aus den sauren, schwarzbraunen Kirschen mit den langen Stielen, die Amarellen genannt werden, bereitet man auch einen köstlichen Wein, und zwar so: Man rupft die Kirschen von ihren Stielen, zerstößt sie in einem steinernen Mörser mit den Kernen und allem und gibt sie in einen guten weißen oder roten Wein. Der wird sehr schön und stark, von gutem, lieblichem und angenehmem Geruch und Geschmack.</p>
          <p>Zur Wirkung nach Ryff: Er sei sehr gut und nützlich zu trinken in der heißen Zeit, denn er lösche den Durst kräftig, öffne die Leber, kühle die inneren Glieder und treibe den Harn, den Blasen- und den Nierenstein.</p>
          <p>Etliche hängen Gewürz hinein, aber meines Erachtens ist das ganz überflüssig und wider die Natur des Kirschweins.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ſauren ſchwartzbꝛaunen Kirſen mit den langen ſtilen/ Amarellen genannt">Sauerkirschen (Amarellen), schwarzbraun und langstielig, samt Kernen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gůten weiſſen oder roten wein">Wein, weiß oder rot</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-044">
        <head>Benediktenwurzel-Wein</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-044-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-044-trans">
          <p>Von Benedicten wurtzel wein.
DJe wurtzel der Benedicten/ laßt ſich anſehen als wer ſie abbiſſen/ innwendig etwas rotfarb/ bꝛinget alle jar ein neüwen ſtengel neben dem alten/ der durch den winter verdoꝛret iſt/ vñ je älter diſe wurtzel/ je ſtercker ſie würt im geruch vnnd krafft. Der gemeyn rhům vñ bꝛauch diſer wurtzel iſt/ das ſie im Früling in den wein gelegt oder gehenckt würt/ der ſelbige wein entpfahet ein edlen lieblichen geruch vnnd geſchmack/ ſoll das hertz erfreüwen/ die verſtopffte leber auffthůn/ vnd dem kalten verſchleympten magen wol bekommen.
Die wurtzel in wein geſotten/ vñ alſo warm getruncken/ ſtillet das grimmen vnd die bärmůtter.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-044-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-044-orig">
          <p>Die Wurzel der Benedikte sieht aus, als wäre sie abgebissen, und ist innen etwas rötlich. Jedes Jahr treibt sie einen neuen Stängel neben dem alten, der über den Winter verdorrt ist. Je älter diese Wurzel ist, desto stärker wird sie an Geruch und Kraft.</p>
          <p>Der allgemeine Ruf und Brauch dieser Wurzel ist, dass man sie im Frühling in den Wein legt oder hängt. Dieser Wein nimmt einen edlen, lieblichen Geruch und Geschmack an. Er soll das Herz erfreuen, die verstopfte Leber öffnen und dem kalten, verschleimten Magen gut bekommen.</p>
          <p>In Wein gesotten und so warm getrunken, stillt die Wurzel nach Ryff das Grimmen und die Krämpfe der Gebärmutter.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="Geum urbanum" orig="wurtzel der Benedicten" commodity="wikidata:Q157407" source="#fyndling-ingredient-name">Benediktenwurzel (Wurzel der Echten Nelkenwurz)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-045">
        <head>Räppis oder Beerwein: Wein über Trauben im Fass</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-045-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-045-trans">
          <p>Von Räppis vnd böꝛwein.
DEr Räppis würt inn vilerley geſtalt zůbereyt/ dañ etlich nemmen ſchlechte treübel/ legen ſie inn ein vaß/ vñ Salbey darzwiſchen/ gieſſen wein darüber/ vñ laſſen es alſo ein zeitlang ligen/ vber weiſſe treü-
bel weiſſen wein/ vber rote treübel/ roten/ oder auch weiſſen/ welcher dann bald rot würt. Etlich laſſen den moſt vber den treüblen verjären/ Etlich ſchütten verjärten firnen wein darüber. So nem̃en etlich allein die böꝛ von den treüblen/ vnnd ſchütten ſie in das faß. So hencken etlich gewürtz darein/ alſo hat ein jeder etwas beſonders. Aber doch auff was weiß oder gſtalt der Räppis oder böꝛwein gemacht würt/ iſt er vaſt gůt/ lieblich vñ wolgeſchmackt zůtrincken/ aber meines bedunckens nit als nützlich vnd geſund/ dann er ſchadet dem haupt/ macht bald truncken/ vnd zerꝛeißt dz hirn vaſt/ ſonderlich gegen dem abendt getruncken/ darum̃ er nit als gůt vnd krefftig iſt als andere kreütter wein/ wiewol er am geſchmack anmůtiger iſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-045-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-045-orig">
          <p>Der Räppis wird auf vielerlei Weise zubereitet. Denn manche nehmen einfache Trauben, legen sie in ein Fass und Salbei dazwischen, gießen Wein darüber und lassen es so eine Zeit lang liegen: über weiße Trauben weißen Wein, über rote Trauben roten oder auch weißen, der dann bald rot wird.</p>
          <p>Manche lassen den Most über den Trauben vergären. Manche schütten vergorenen alten Wein darüber. Wieder andere nehmen allein die Beeren von den Trauben und schütten sie in das Fass. Manche hängen Gewürz hinein. So hat jeder etwas Besonderes.</p>
          <p>Auf welche Weise oder Art der Räppis oder Beerwein aber auch gemacht wird, er ist sehr gut, lieblich und wohlschmeckend zu trinken, aber meines Erachtens nicht so nützlich und gesund. Denn er schadet dem Kopf, macht bald trunken und zerreißt das Hirn sehr, besonders wenn man ihn gegen Abend trinkt. Darum ist er nicht so gut und kräftig wie andere Kräuterweine, obwohl er im Geschmack angenehmer ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ſchlechte treübel">Weintrauben, weiß oder rot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="common sage" orig="Salbey" commodity="wikidata:Q1111359" source="#corema-ingredient-index">Salbei</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="white wine" orig="weiſſen wein" commodity="wikidata:Q10210" source="#corema-ingredient-index">Weißwein (über weiße Trauben, auch über rote)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="roten">Rotwein (über rote Trauben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="fruit juice" orig="moſt" commodity="wikidata:Q20932605" source="#corema-ingredient-index">Most (Weg: über den Trauben vergären)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="verjärten firnen wein">Alter, vergorener Wein (Weg: über die Trauben geschüttet)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="die böꝛ von den treüblen">Traubenbeeren, von den Trauben gezupft (Weg: statt ganzer Trauben)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="spice" orig="gewürtz" commodity="wikidata:Q42527" source="#corema-ingredient-index">Gewürz (im Text nicht bezeichnet)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-046">
        <head>Alantwurzelwein aus eingekochtem Most</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-046-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-046-trans">
          <p>Von Alantwurtzelwein/ ſeiner krafft vnd natur.
DEr Alantwein iſt ſehꝛ im bꝛauch/ würt auch in vilerley manier gemacht/ aber die beſt weiß iſt/ das du nemmeſt des beſten ſüſſeſten moſts von der trotten oder kältern/ ſeüd jhn mit Alantwurtz in einem keſſel das dꝛittheyl ein/ oder ſo du jn gern gantz ſüß haben wolteſt/ das halbtheyl/ die wurtzlen thů darein/ dz ſie als lang ſieden mögen/ biß ſich das jnnerlich marck von der eüſſerſten rinden ſchölet/ wiewol ettlich die wurtzel nit darmit ſieden/ ſonder ſchneyden ſie zů kleinen ſcheüblin/ faſſens an einen faden/ vñ henckens oben zů dem ſpunten hinein ins faß/ laſſen dẽ wein darüber.
Diſer Alantwein iſt vaſt geſund das hirn vnd geäd' zůerwöꝛmen/ hilfft wider dem ſchmertzen der bꝛuſt/ vnd für den kalten hůſten/ ſterckt den magen/ reyniget die bꝛuſt vnnd die vberflüſſigkeyt die in den nieren iſt/ durch den harn/ treibt auch den weibern jr kranckheit.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-046-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-046-orig">
          <p>Vom Alantwurzelwein, seiner Kraft und Natur.</p>
          <p>Der Alantwein ist sehr im Brauch und wird auch auf vielerlei Weise gemacht. Die beste Art aber ist, dass du vom besten, süßesten Most von der Trotte oder Kelter nimmst und ihn mit Alantwurzel in einem Kessel um ein Drittel einsiedest, oder, wenn du ihn gern ganz süß haben willst, um die Hälfte. Die Wurzeln gib so hinein, dass sie so lange sieden können, bis sich das innere Mark von der äußersten Rinde schält.</p>
          <p>Etliche sieden die Wurzel allerdings nicht mit, sondern schneiden sie in kleine Scheibchen, fassen sie an einen Faden, hängen sie oben durch das Spundloch ins Fass hinein und lassen den Wein darüber.</p>
          <p>Von der Wirkung. Dieser Alantwein ist nach Ryff sehr gesund, um Hirn und Geäder zu erwärmen. Er soll gegen den Schmerz der Brust und gegen den kalten Husten helfen, den Magen stärken, die Brust reinigen und die Überflüssigkeit, die in den Nieren ist, durch den Harn ausführen. Auch soll er den Frauen ihre Monatsblutung treiben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="des beſten ſüſſeſten moſts von der trotten oder kältern">Traubenmost, süß, von der Kelter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Alantwurtz">Alantwurzel (Echter Alant)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-047">
        <head>Zitwerwein aus eingekochtem Most</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-047-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-047-trans">
          <p>Zitwen wein.
ZV einem Omen Zitwenwein/ nim̃ anderthalb Omen ſüſſen moſt/ den beſten vnnd ſüſſeſten den du haben magſt/ ſeüd jhn ſittigklich ob einem hällen feürlin/ das die flam̃ oder rauch nit darein ſchlag/ den dꝛitten theil ein/ darnach wañ du jn in ein ſauber fäßlin gethon haſt/ ſo henck diſes folgend gewürtz/ nit vffs reyneſt geſtoſſen/ in einem härin ſäcklin darein/ Nim̃ vier lot Zimmetrinden/ ſechs quintlin Zitwen/ ein lot Nägelin/ ein halb lot Jngber/ Galgã/ Paryßköꝛner/ Langenpfeffer/ jedes dꝛey quintlin/ Muſcatnuß/ Cubeblin/ Cardamömlin/ jedes ein halb quintlin. Wolteſtu den Zitwenwein erfriſchen mit gewürtz/ wann du offt darein fülleſt/ ſo nim̃ diſe gewütz herauß/ die grob geſtoſſen ſein ſol/ döꝛre ſie/ ſtoß ſie reiner/ vermiſch halb ſouil oder mehꝛ wurtz darzů/ hencks widerum̃ darein/ er würt krefftig vnd ſtarck genůg.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-047-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-047-orig">
          <p>Zu einem Ohm Zitwerwein nimm anderthalb Ohm süßen Most, den besten und süßesten, den du bekommen kannst. Siede ihn sachte über einem kleinen, hellen Feuer um ein Drittel ein, so dass weder Flamme noch Rauch hineinschlägt.</p>
          <p>Wenn du ihn danach in ein sauberes Fässlein gefüllt hast, so hänge folgendes Gewürz, nicht aufs Feinste gestoßen, in einem Säcklein aus Haartuch hinein: Nimm vier Lot Zimtrinde, sechs Quintlein Zitwer, ein Lot Nelken, ein halbes Lot Ingwer, Galgant, Paradieskörner und Langen Pfeffer je drei Quintlein, Muskatnuss, Kubeben und Kardamom je ein halbes Quintlein.</p>
          <p>Auffrischen. Willst du den Zitwerwein mit Gewürz auffrischen, wenn du oft nachfüllst, so nimm das Gewürz heraus - es soll grob gestoßen sein -, dörre es, stoße es feiner, mische halb so viel Gewürz oder mehr dazu und hänge es wieder hinein. Dann wird er kräftig und stark genug.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="anderthalb Omen ſüſſen moſt">Süßer Traubenmost (anderthalb Ohm)</ingredient> - 1.5</item>
            <item><ingredient en="cinnamon" orig="vier lot Zimmetrinden" commodity="wikidata:Q28165" source="#fyndling-ingredient-name">Zimtrinde (vier Lot)</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient orig="ſechs quintlin Zitwen">Zitwer, Zedoarwurzel (sechs Quintlein)</ingredient> - 6</item>
            <item><ingredient en="clove" orig="ein lot Nägelin" commodity="wikidata:Q15622897" source="#corema-ingredient-index">Gewürznelken (ein Lot)</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="ginger" orig="ein halb lot Jngber" commodity="wikidata:Q15046077" source="#fyndling-ingredient-registry">Ingwer (ein halbes Lot)</ingredient> - 0.5</item>
            <item><ingredient en="lesser galangal" orig="Galgã" commodity="wikidata:Q27653540" source="#fyndling-ingredient-registry">Galgant (drei Quintlein)</ingredient> - 3</item>
            <item><ingredient en="grain of paradise" orig="Paryßköꝛner" commodity="wikidata:Q1503476" source="#fyndling-ingredient-registry">Paradieskörner (drei Quintlein)</ingredient> - 3</item>
            <item><ingredient en="long pepper" orig="Langenpfeffer" commodity="wikidata:Q685336" source="#fyndling-ingredient-name">Langer Pfeffer (drei Quintlein)</ingredient> - 3</item>
            <item><ingredient en="nutmeg" orig="Muſcatnuß" commodity="wikidata:Q83165" source="#fyndling-ingredient-registry">Muskatnuss (ein halbes Quintlein)</ingredient> - 0.5</item>
            <item><ingredient en="cubeb" orig="Cubeblin" commodity="wikidata:Q161927" source="#fyndling-ingredient-name">Kubeben (ein halbes Quintlein)</ingredient> - 0.5</item>
            <item><ingredient en="cardamom" orig="Cardamömlin" commodity="wikidata:Q14625808" source="#fyndling-ingredient-name">Kardamom (ein halbes Quintlein)</ingredient> - 0.5</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-048">
        <head>Morolfwein: eingekochter Most über roten Traubenbeeren mit Gewürzsäcklein</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-048-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-048-trans">
          <p>Von Moꝛolffwein/ ſeiner krefft vnd tugent.
WJltu ein Omen diſes Moꝛolffs getränck machen/ ſo nimm auff zween oder anderhalb Omen/ des beſten ſüſſeſten moſts/ laß jhn den
dꝛittheyl oder halbtheyl/ wie dꝛoben geſagt iſt/ einſieden/ vnnd kalt werden/ ſchütt auff ein ſeſter voll abgeleßner treübel köꝛner darein von den roten treüblen/ ſchütt den erkalten geſottnen wein darüber/ vñ henck diß gewürtz groblecht geſtoſſen/ inn einem langen ſäcklin darein/ Nim̃ vier lot Zimmet/ zwey lot Jngber/ dꝛey lot Galgan/ Pfeffer/ Paryßköꝛner/ jedes ein lot/ Nägelin/ Muſcatnuß/ Zitwen/ yedes ein hab lot/ Cubeblin/ Cardamömlin/ jedes ein quintl. Muſcatplůet dꝛey quintlin.
Diſe gewürtzte wein mögen in aller foꝛm vnnd geſtalt/ zů erkaltem hirn/ magen/ vnnd allen jnnerlichen glidern/ gebꝛaucht werden/ ſeind vaſt dienſtlich kalten vnd feüchten leüten/ als den vnfruchtbarn vnd erkalten weibern/ in aller maß/ wie zů anfang diſes fünfften theyls/ von andern gewürtzten weinen/ als Ypocras/ Claret vnd Lautertranck/ geſagt iſt/ inn allen hitzigen gepꝛeſten/ jungẽ/ ſtarckẽ/ blůtreichen leüttẽ/ ſonderlich in hitzigen zeyten/ ſoll alles ſolches gewürtz vñ hitzig getränck/ als ein ſchädlich tödlich gift/ vermittẽ werden.
Auff diſe angezeygte weyß vñ manier/ mag ein jegklicher leichtlich verſtehn/ wie er alle kreütter vnnd gewürtzte wein zůbereytten mög/ auch die krafft der ſelben leychtlich abnem̃en/ nach dem zůſatz/ es ſey kraut/ wurtzel/ blůmen/ frucht vnd dergleichen/ dañ der wein hat ein ſonderliche art/ nicht allein den geruch vnd geſchmack ſolcher ding an ſich zůnemmen/ ſonder auch gäntzlich die krefft/ natur vnnd würtzung eines jeden
dings/ das dariñen gebeytzet oder geſotten würt/ vm̃ ſeiner ſubtilen durchtringenden krafft willen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-048-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-048-orig">
          <p>Vom Morolfwein, seiner Kraft und Tugend.</p>
          <p>Willst du ein Ohm dieses Morolfgetränks machen, so nimm etwa zwei oder anderthalb Ohm vom besten, süßesten Most. Lass ihn um ein Drittel oder um die Hälfte einsieden, wie oben gesagt ist, und kalt werden. Schütte etwa ein Sester voll abgelesener Beeren von den roten Trauben hinein und gieße den erkalteten, eingesottenen Wein darüber. Dann hänge dieses Gewürz, grob gestoßen, in einem langen Säcklein hinein: Nimm vier Lot Zimt, zwei Lot Ingwer, drei Lot Galgant, Pfeffer und Paradieskörner, von jedem ein Lot, Nelken, Muskatnuss und Zitwer, von jedem ein halbes Lot, Kubeben und Kardamom, von jedem ein Quentlein, und drei Quentlein Muskatblüte.</p>
          <p>Von der Wirkung. Diese gewürzten Weine mag man in jeder Form und Gestalt für ein erkaltetes Hirn, für den Magen und alle inneren Glieder gebrauchen. Sie sind sehr dienlich kalten und feuchten Leuten, etwa den unfruchtbaren und erkalteten Frauen, in allem so, wie es zu Anfang dieses fünften Teils von den anderen gewürzten Weinen, nämlich Ypocras, Claret und Lautertrank, gesagt ist. Bei allen hitzigen Gebrechen, bei jungen, starken, blutreichen Leuten, besonders in heißen Zeiten, soll man alles solche Gewürz und hitzige Getränk meiden wie ein schädliches, tödliches Gift.</p>
          <p>Für alle Kräuterweine. Nach dieser gezeigten Weise und Art kann ein jeder leicht verstehen, wie er alle Kräuter- und Würzweine zubereiten mag, und auch ihre Kraft leicht ersehen nach dem Zusatz, sei es Kraut, Wurzel, Blume, Frucht oder dergleichen. Denn der Wein hat eine besondere Art: Er nimmt nicht allein den Geruch und Geschmack solcher Dinge an sich, sondern ganz und gar auch die Kräfte, die Natur und die Würze eines jeden Dings, das darin gebeizt oder gesotten wird, um seiner feinen, durchdringenden Kraft willen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="des beſten ſüſſeſten moſts">Most, bester und süßester (zwei oder anderthalb Ohm, eingekocht)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="abgeleßner treübel köꝛner">rote Traubenbeeren, abgelesen (etwa ein Sester)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="vier lot Zimmet">Zimt, grob gestoßen (4 Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="zwey lot Jngber">Ingwer, grob gestoßen (2 Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="dꝛey lot Galgan">Galgant, grob gestoßen (3 Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="pepper" orig="Pfeffer" commodity="wikidata:Q3143131" source="#corema-ingredient-index">Pfeffer, grob gestoßen (1 Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Paryßköꝛner">Paradieskörner, grob gestoßen (1 Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="clove" orig="Nägelin" commodity="wikidata:Q15622897" source="#corema-ingredient-index">Nelken, grob gestoßen (½ Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Muſcatnuß">Muskatnuss, grob gestoßen (½ Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="zedoary" orig="Zitwen" commodity="wikidata:Q206733" source="#corema-ingredient-index">Zitwer (Zedoarwurzel), grob gestoßen (½ Lot)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Cubeblin">Kubeben, grob gestoßen (1 Quentlein)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Cardamömlin">Kardamom, grob gestoßen (1 Quentlein)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Muſcatplůet dꝛey quintlin">Muskatblüte (Macis), grob gestoßen (3 Quentlein)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-049">
        <head>Krafftbrot oder Marzipan aus gestoßenen Mandeln und Zucker</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-049-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-049-trans">
          <p>Von krafftbꝛot oder Marzapan.
DAs diſe krafftbꝛot od' Marzapan von den Welſchen/ ſampt der gantzen Apotecken/ in vnſer landt bꝛacht ſeind/ zeiget der nam̃ an/ ſeind trefflich wolſchmeckẽde küchlin oder fladen/ die krancken/ welchẽ alle ſpeiß zůwider iſt/ darmit auffzůhalten/ dann ſie füren vnd nehꝛen den leib trefflich wol/ ſeind auch anmůtig/ ſüß vnd lieblich am geſchmack/ darumb ſie von den Apo-
teckern den reichen leüten zů den pancketen/ gaſtungen vnd ſchlafftrüncken/ bereyt werden/ da ſie mehꝛ zů vnnutz vnnd einem vberfluß/ dann zů der artzney/ als ſie erſtmals erdacht ſeind/ gleich wie andere gůtte Confect/ Latwergen vnnd einmachungen/ üppigklichen verſchwendet werden.
Man pflegt ſie alſo zůmachen/ Nim̃ der friſcheſten gůten ſüſſen Mandlen/ ſchütt ſie inn ein ſiedends auffwallends waſſer/ heb ſie ſchnell vom feür/ ſo laſſen ſie die haut/ zeühe ſie ab/ legs inn ein friſches kalt waſſer/ das ſie nit ölig werden/ ſtoß ſie reyn inn einem ſaubern möꝛſer/ als klein du kanſt/ du ſolt aber jhe vnderweilen ein tröpflin Roſenwaſſer daran gieſſen/ darmit ſie/ wie geſagt iſt/ nit feißt oder ölig werden. Wann du ſie dañ vaſt klein geſtoſſen haſt/ ſo wige ſie ab/ vnnd thůe als ſchwär gůtes weiſſes zuckers darzů/ oder etwas mehꝛ/ der auch reyn geſtoſſen ſey/ ſtoß die zwey ſtuck im möꝛſer wol durch einander/ ſo würt ein ſchöner weiſſer teyg darauß/ den ſtreich auff oblaten in ein runds reifflin/ als dick vñ als bꝛeyt du ſolche Marzapan/ krafftbꝛot/ oder flädlin haben wilt. Dañ ſo leg ſie in ein darzů gemachte küpfferin oder jꝛdin fladen pfann/ mit einem deckel/ mach ein vaſt lind feür darunder/ vnd darauff/ laß es gemächlich bachen vnnd trücknen/ hab gůt ſoꝛg das du es nit verbꝛenneſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-049-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-049-orig">
          <p>Dass dieses Krafftbrot oder Marzipan samt der ganzen Apothekerkunst von den Welschen in unser Land gebracht worden ist, zeigt der Name an. Es sind vortrefflich wohlschmeckende Küchlein oder Fladen, um damit Kranke, denen alle Speise zuwider ist, bei Kräften zu halten, denn sie speisen und nähren den Leib sehr gut. Sie sind auch anmutig, süß und lieblich im Geschmack. Darum werden sie von den Apothekern für die reichen Leute zu Festmahlen, Gastmählern und Schlaftrünken bereitet, wo sie - ebenso wie andere gute Konfekte, Latwergen und Eingemachtes - mehr zu unnützem Überfluss als zur Arznei, für die sie zuerst erdacht wurden, üppig verschwendet werden.</p>
          <p>Man pflegt sie so zu machen: Nimm von den frischesten, guten, süßen Mandeln, schütte sie in siedendes, aufwallendes Wasser und hebe sie schnell vom Feuer, so lassen sie die Haut. Zieh sie ab und leg sie in frisches kaltes Wasser, damit sie nicht ölig werden. Stoße sie fein in einem sauberen Mörser, so klein du kannst. Du sollst aber immer wieder ein Tröpflein Rosenwasser daran gießen, damit sie, wie gesagt, nicht fett oder ölig werden.</p>
          <p>Wenn du sie dann sehr klein gestoßen hast, wiege sie ab und gib ebenso schwer guten weißen Zucker dazu, oder etwas mehr, der auch fein gestoßen sein soll. Stoße die beiden im Mörser gut durcheinander, so wird ein schöner weißer Teig daraus. Den streich auf Oblaten in ein rundes Reiflein, so dick und so breit du das Marzipan, Krafftbrot oder Flädlein haben willst.</p>
          <p>Dann leg sie in eine eigens dazu gemachte kupferne oder irdene Fladenpfanne mit einem Deckel, mach ein sehr sanftes Feuer darunter und darauf, lass es gemächlich backen und trocknen und gib gut Acht, dass du es nicht verbrennst.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="der friſcheſten gůten ſüſſen Mandlen">Mandeln, süß, frisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein ſiedends auffwallends waſſer">Wasser, siedend</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein friſches kalt waſſer">Wasser, kalt</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="rose water" orig="ein tröpflin Roſenwaſſer" commodity="wikidata:Q900450" source="#fyndling-ingredient-name">Rosenwasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gůtes weiſſes zuckers">Zucker, weiß, fein gestoßen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wafer" orig="oblaten" commodity="wikidata:Q1226651" source="#corema-ingredient-index">Oblaten</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="ryf-050">
        <head>Marzipan aus in Rosenwasser gesottenem Zucker</head>
        <div type="original" xml:id="ryf-050-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#ryf-050-trans">
          <p>Ettliche haben ein andere art/ iſt auch nicht böß/ nem̃en auff ein halb pfund der geſtoßnen mandel/ dꝛey vierling zucker/ des beſten vnnd ſchönſten/ ſieden den
ſelbigen mit Roſenwaſſer/ biß alle feüchtigkeyt verzeret würt/ vnnd rüren alſo die geſtoßnen mandlen darunder ob dẽ feür/ ſo würt auch ein ſchöner weiſſer teyg darauß/ den ſtreicht man auff/ in aller geſtalt wie angezeygt iſt/ vnd laßt es bachen. Ettliche/ darmit ſolche krafftbꝛot od' Marzapan krefftiger ſeyen/ thůnd des aller beſten vnd auſſerleſenen Zimmet/ reyn vnd ſubtil geſtoſſen/ gar wenig in den weiſſen teyg/ ehe ſie jn auffſtreichen. Etlich vermiſchen geribne Bärlin/ Edel geſteyn vnd andere ſtuck darunder/ das hertz darmit zůkreftigẽ in groſſen ſchwärẽ kranckheiten/ ſchwachheitẽ vñ onmachten/ nagſtu auch thůn nach deinẽ gefallen.
Die Apotecker haben auch vilerley art/ ſolche Marzapen auff die pancket vnnd gaſtungen zůſchmucken/ mit vergülden/ beſtecken vnnd beſtrewen mit anderm Confect. Etlich/ darmit diſe fladen oder Marzapan gar ſchön vñ weiß werden/ zerlaſſen ſie den aller ſchönſten zucker den ſie habẽ mögen/ mit gůtem wolriechendem Roſenwaſſer/ ſieden jhn hart/ vnd beſtreichen ſolche flädlin oder Marzapan oberhalben darmit/ vnnd laſſens außtrücknen/ iſt ein feyne luſtige art/ es werden auch die Marzapan vaſt ſchön/ luſtig vnnd anmůtig daruon.
Dergleichen art vnd weiß haben ſie vil darauff/ nit not allhie zůerzölen. Wöllen alſo mit diſen gůten wolgeſchmackten wolriechenden fladen/ wie ſie gewonlich zům letſten geben werden auff den gaſtungen vñ pancketen/ diß bůchlin beſchloſſen haben/ vnd fürtfaren in
der vnderweyſung vnnd anzeygung/ wie man ſich inn zeyt des böſen vergifftigen luffts/ peſtilentz vnnd ſterbens/ halten ſoll/ darmit ſolcher grauſamen vnnd erſchꝛöcklichen kranckheyten zů entpflichen/ vnnd den krancken darmit getroffen/ zů erꝛetten.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ryf-050-trans" xml:lang="de" corresp="#ryf-050-orig">
          <p>Marzipan aus gesottenem Zucker: Etliche haben eine andere Art, die auch nicht schlecht ist. Sie nehmen auf ein halbes Pfund gestoßene Mandeln drei Vierling Zucker, vom besten und schönsten, und sieden ihn mit Rosenwasser, bis alle Feuchtigkeit verzehrt ist. Dann rühren sie die gestoßenen Mandeln über dem Feuer darunter, und so wird auch ein schöner weißer Teig daraus. Den streicht man auf, ganz so, wie oben beim ersten Marzipan angezeigt ist, und lässt es backen.</p>
          <p>Mit Zimt: Etliche geben, damit dieses Krafftbrot oder der Marzipan noch stärkender sei, vom allerbesten und auserlesenen Zimt, rein und fein gestoßen, ganz wenig in den weißen Teig, ehe sie ihn aufstreichen.</p>
          <p>Mit Perlen und Edelsteinen: Etliche mischen geriebene Perlen, Edelsteine und andere Zutaten darunter, um damit das Herz zu stärken in großen, schweren Krankheiten, Schwächen und Ohnmachten. Das magst du auch tun nach deinem Gefallen.</p>
          <p>Schmuck der Apotheker: Die Apotheker haben auch vielerlei Arten, solchen Marzipan für die Bankette und Gastmähler zu schmücken: Sie vergolden ihn, bestecken und bestreuen ihn mit anderem Konfekt.</p>
          <p>Zuckerglasur: Damit diese Fladen oder der Marzipan recht schön und weiß werden, lassen etliche den allerschönsten Zucker, den sie bekommen können, in gutem, wohlriechendem Rosenwasser zergehen, sieden ihn hart, bestreichen die Fladen oder den Marzipan obenauf damit und lassen es austrocknen. Das ist eine feine, ansprechende Art, und der Marzipan wird davon sehr schön, ansprechend und anmutig.</p>
          <p>Schluss: Dergleichen Arten und Weisen haben sie noch viele, die hier aufzuzählen nicht nötig ist. Wir wollen also mit diesen guten, wohlschmeckenden, wohlriechenden Fladen, wie man sie gewöhnlich zuletzt auf den Gastmählern und Banketten gibt, dieses Büchlein beschließen und fortfahren mit der Unterweisung und Anzeige, wie man sich in der Zeit der bösen, giftigen Luft, der Pestilenz und des Sterbens verhalten soll, um solchen grausamen und erschrecklichen Krankheiten zu entfliehen und die Kranken, die davon getroffen sind, zu retten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="almond" orig="ein halb pfund der geſtoßnen mandel" commodity="wikidata:Q184357" source="#fyndling-ingredient-name">Mandeln, gestoßen (ein halbes Pfund)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="dꝛey vierling zucker/ des beſten vnnd ſchönſten">Zucker, bester und schönster (drei Vierling)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="rose water" orig="Roſenwaſſer" commodity="wikidata:Q900450" source="#corema-ingredient-index">Rosenwasser (zum Sieden des Zuckers)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="des aller beſten vnd auſſerleſenen Zimmet/ reyn vnd ſubtil geſtoſſen/ gar wenig">Zimt, allerbester, fein gestoßen, ganz wenig (Zimt-Variante)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="den aller ſchönſten zucker">Zucker, allerschönster (für die Glasur)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gůtem wolriechendem Roſenwaſſer">Rosenwasser, gut und wohlriechend (für die Glasur)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-001-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Quittenlatwerge: geschälte, entkernte Quitten werden weich gekocht, heiß durchgestrichen, und das Mark wird mit Honig oder Zucker so lange eingekocht, bis es sich vom Gefäß löst. Dann wird es in Zuckerlädlin gegossen oder auf einem geölten Teller kalt und in Stücke geschnitten. Am nächsten steht heute das Quittenbrot, spanisch Membrillo.

Weichkochen. Ryff kocht die Quitten im glasierten Topf mit kräftigem Wein zu Mus; Saft anderer Quitten oder bloßes Wasser nennt er als gleichwertig. Die dritte Art kommt ohne Flüssigkeit aus: Hölzchen klemmen die Quitten in einem Topf fest, der umgestülpt über einem zweiten Topf mit siedendem Wasser sitzt, und der Dampf macht sie weich. Welchen Weg man nimmt, ist ihm gleich. Die Kerne sollen aufgehoben werden; wofür, sagt dieses Kapitel nicht.

Durchstreichen. Heiß durch das Haarsieb geschlagen, bleiben Kernchen, Häutchen und Steinchen zurück, wahrscheinlich die harten Körnchen im Quittenfleisch; so wird die Latwerge glatt. Haartuch oder schlichtes Tuch gehen auch, Ryff zieht das Sieb vor.

Wie viel Honig oder Zucker? Ryff lässt das Mark abwiegen und „souil“ Honig oder Zucker dazugeben, weniger oder mehr nach Geschmack. Gelesen als gleiches Gewicht, als Ausgangspunkt mit Spielraum. Honig und Zucker kommen geläutert und abgeschäumt dazu.

Eindicken und Probe. Bei sanfter Glut ständig rühren, sonst brennt die Masse an. Fertig ist sie, wenn sie sich leicht vom Boden der Pfanne oder des Beckens löst, oder wenn eine Probe auf kaltem Eisen oder auf dem Boden eines Mörsers dick wird und sich gut ablöst. Eine Kochzeit nennt Ryff nicht. Siedender Honig und Zucker spritzen und verbrennen die Haut.

Gewürz. Die Mischung aus Ingwer, Zimt, Nelken, Muskatnuss, Muskatblüte, Galgant, Kubeben, Kardamom und langem Pfeffer wird fein gestoßen; auf ein Pfund Latwerge kommen ein oder zwei Lot davon. Wann das Pulver hineinkommt, sagt Ryff nicht. Die Grundfassung braucht es nicht.

Das Abführmittel. Die letzte Fassung mischt zuletzt Diagridium unter, zubereitetes Harz der Purgierwinde (Scammonium), ein starkes Abführmittel. Es ist ein Apothekenmittel und wird für die Speise weggelassen.

Praxis. Heute (modern): ein schwerer Topf bei kleiner Hitze statt Kohlenfeuer, ein Passiersieb oder eine Flotte Lotte statt Haarsieb, ein flaches, mit Mandelöl bestrichenes Blech oder eine Form statt Zuckerlädlin. Die Probe auf einem kalten Teller ersetzt das kalte Eisen. Beim Rühren langärmlig arbeiten und einen langen Löffel nehmen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-001-orig" n="Latwerg" resp="#fyndling">Latwerge heißt bei Ryff ein stark eingedicktes Frucht- oder Saftmus, das in Zuckerlädlin gegossen oder in Stücke geschnitten wird, verwandt mit dem heutigen Quittenbrot. Dasselbe Wort steht in der Apotheke auch für Arzneien in dieser Form; hier ist es Konfekt.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-001-orig" n="Zuckerlädlin" resp="#fyndling">Kleine Schachteln für Zuckerwerk, hier Gussform und Aufbewahrung der Latwerge zugleich.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-001-orig" n="Scamonea / Diagridium" resp="#fyndling">Diagridium ist das in der Apotheke zubereitete Harz der Purgierwinde (Scammonium), ein starkes Abführmittel. Es ist keine Küchenzutat und steht deshalb nicht in der Zutatenliste.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-001-orig" n="ſouil gůts geleüterts Honigs" resp="#fyndling" subtype="contextual">„ebenso viel“: Ryff lässt das Mark zuerst abwiegen, „souil“ bezieht sich auf dieses Gewicht; „minder oder mehr“ gibt den Spielraum nach Geschmack. Charles Butler (1623, zuerst 1609) sagt für seine Honig-Quittenlatwerge ausdrücklich „the like quantitie“.<list type="alternatives"><item>„so viel, wie man will“ ohne Bezug auf das Gewicht<note type="rationale">Dann wäre das Abwiegen des Marks ohne Zweck.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-001-orig" n="mit dem Zucker vnd Honig" resp="#fyndling" subtype="contextual">„mit dem Zucker oder Honig“: Ryff hat die beiden Süßungen unmittelbar davor als getrennte Fassungen eingeführt („von Honig“ - „von Zucker“).<list type="alternatives"><item>Zucker und Honig zusammen<note type="rationale">Wörtlich möglich, widerspricht aber der Gliederung des Absatzes.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-001-orig" n="außgebißnẽ ſcharpffen Zimmet" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">Als Qualitätsbeiwort stehen gelassen („ausgebissen“); die genaue Bedeutung ist nicht belegt. Ryff gebraucht es auch sonst für Zimt („des beſten außgebißnen Canels“), es scheint ein fester Handelsausdruck zu sein.<list type="alternatives"><item>beißend, scharf im Geschmack<note type="rationale">Passt zu „scharpffen“, wäre dann aber doppelt gesagt; kein Wörterbuchbeleg.</note></item><item>durch Kosten geprüft, ausgelesen<note type="rationale">Würde zu „außerleſene Näglin“ passen; ebenfalls ohne Beleg.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-002-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Latwerge aus dem gepressten Saft roher, geriebener Quitten, mit Zucker eingekocht, bis sie steht, und dünn in eine Schachtel gegossen. Heute kommt ihr ein festes Quittengelee am nächsten. Ryff stellt sie der Latwerge aus dem Quittenmark gegenüber: Weil hier nur der Saft eingekocht wird, wird sie durchscheinend.

Den Saft gewinnen. Die Quitten werden roh auf dem großen Reibeisen gerieben, das man sonst für Lebkuchen nimmt, und das Geriebene durch ein Haartuch ausgedrückt. Das Haartuch ist ein Seihtuch, meist aus Pferdehaar gewebt. Ryff lässt die Wahl: mit der Kraft der Hände oder mit einer kleinen Presse.

Das Einkochen steht im Verweis. Für das Sieden mit Zucker verweist Ryff auf die Latwerge aus dem Mark. Dort nimmt er etwa so viel Zucker, wie das Mark wiegt, mehr oder weniger nach Geschmack, setzt es auf ein mäßiges Kohlenfeuer, lässt es gemächlich sieden und rührt beständig, damit nichts anbrennt. Das Ende zeigt hier die Probe auf einem Stein oder Eisen: Ein wenig Saft darauf geben und sehen, ob er die rechte Dicke hat.

Mit Wein gesotten. Ryffs Nachsatz, die Quitten mit Wein zu sieden, lässt offen, wann das geschieht. Naheliegend ist, die Quitten vor dem Auspressen in Wein zu sieden, wie es die Latwerge aus dem Mark tut; dann ist es kein roher Saft mehr. Modern einfacher: den Saft beim Einkochen mit etwas Wein strecken.

Aufbewahren. Ryff will die Latwerge an einem Ort, der nicht zu feucht, zu warm oder zu kalt ist. Feuchte Lagerung lässt Latwerge schimmeln.

Bisam und Malvasier. Bisam ist Moschus, ein tierischer Duftstoff; zum Nachkochen bleibt er weg. Für die Salse wird die Latwerge mit Malvasier oder einem anderen starken Wein verrührt. Die Wirkungen auf Magen und Verdauung sind Ryffs Säftelehre, kein Gesundheitsrat.

Praxis. Quitten fein reiben, das Geriebene im Tuch kräftig auspressen, den Saft mit Zucker unter Rühren bei kleinem Feuer einkochen und auf einem Stein oder Eisen prüfen. Siedender Zucker verbrennt die Haut. Statt des Zuckerlädlins tut es heute eine flache Form, mit Backpapier ausgelegt (modern).</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-002-orig" n="Latwerg" resp="#fyndling">Eingedicktes Frucht- oder Saftmus, mit Zucker oder Honig eingekocht, bis es steht, und in Zuckerlädlin gegossen oder in Stücke geschnitten. Hier aus dem Saft allein, deshalb durchscheinend.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-002-orig" n="Zuckerlädlin" resp="#fyndling">Schachtel oder kleine Lade für Zuckerwerk, in die die Latwerge dünn gegossen wird.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-002-orig" n="tröttlin" resp="#fyndling">Kleine Trotte, also eine kleine Presse. Trotte ist das oberdeutsche Wort für Kelter und Frucht- oder Ölpresse (FWB, Idiotikon).</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-002-orig" n="complexion" resp="#fyndling">Körperverfassung nach der Säftelehre, die Mischung von warm, kalt, feucht und trocken. „Zarter und weicher Komplexion“ meint empfindliche, verwöhnte Leute.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-002-orig" n="Wann auch die Quitten daruon diſe Latwerg bereit würt/ mit wein geſotten werden" resp="#fyndling" subtype="contextual">Die Quitten werden vor dem Auspressen in Wein gesotten, wie in der Latwerge aus dem Mark; der Satz sagt ausdrücklich, dass die Quitten gesotten werden.<list type="alternatives"><item>Der rohe Saft wird beim Einkochen mit Wein versetzt<note type="rationale">Passt zum Verfahren mit rohen, geriebenen Quitten, doch der Text spricht von den Quitten, nicht vom Saft.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-003-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Reiner Saft saurer Kirschen, gemächlich eingekocht, bis er dick ist. Anders als viele ältere Weichselsalsen wird die Latwerge nicht mit Brot oder Lebkuchen gebunden. Ryff gibt sie zuerst als Labsal für Kranke und dann, mit Wein und Zimt verrührt, als Salse zu Gebratenem.

Saft gewinnen. Die Kirschen kommen frisch und reif vom Baum, ohne Stiele, werden in einem steinernen Mörser sachte zerstoßen und ausgedrückt; der Saft kommt in ein sauberes, glasiertes Gefäß. Ob die Steine vorher herauskommen, sagt Ryff nicht. Das „sachte“ Zerstoßen lässt sich so lesen, dass die Steine heil bleiben sollen; sicher ist das nicht. Heute entsteint man die Kirschen oder zerdrückt sie so, dass die Steine ganz bleiben, und presst den Brei durch ein Tuch.

Einkochen. Ein sanftes Kohlenfeuer und stetes Rühren: Der Saft wird beim Eindicken zäh und setzt bei starker Hitze an. Ryff nennt weder Zeit noch Probe, nur „einer rechten Dicke“ und „so es dick genug ist“. Als heutige Hilfe kann man einen Tropfen auf einen kalten Teller geben; zerläuft er nicht mehr, ist die Latwerge dick.

Honig und Zucker. Sie sind Zusatz, nicht Pflicht: „Etliche“ geben geläuterten und geklärten Honig und Zucker hinein, um die Säure zu dämpfen. Ein Verhältnis nennt Ryff nicht. Ohne Süßung bleibt die Latwerge sehr sauer.

Zimt. Nur ein wenig und erst am Ende, wenn die Latwerge vom Feuer kommt. Jede andere Würze schließt Ryff ausdrücklich aus.

Die Salse. Für Gesunde im Sommer wird die feste Latwerge mit gutem Wein und gestoßenem Zimt verrührt, bis sie eine Tunke ist; ein Mengenverhältnis gibt Ryff nicht. Sie gehört zu gebratenem Fleisch, Hühnern, Geflügel oder Wildbret.

Praxis. Dicker, siedender Fruchtsaft spritzt und verbrennt die Haut; mit langem Löffel rühren. Für den sauren Saft ein Gefäß nehmen, das für Säure geeignet ist (Edelstahl, Emaille, Glas). Wie lange die Latwerge hält, sagt Ryff in diesem Kapitel nicht. Heute füllt man sie heiß in saubere Gläser, hält sie kühl und wirft sie bei Schimmel weg.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-003-orig" n="Latwerg" resp="#fyndling">Latwerge meint bei Ryff ein eingedicktes Frucht- oder Saftmus. In anderen Kapiteln gießt er es in Zuckerlädlein oder schneidet es in Stücke. Das Wort bezeichnete in der Apotheke zugleich eine Arzneiform; hier ist die Speise gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-003-orig" n="Weichſlen" resp="#fyndling">Weichseln sind Sauerkirschen. Ryff nennt sie in der Überschrift neben den Kirschen und macht die Latwerge ausdrücklich aus den sauren.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-003-orig" n="ſalſen" resp="#fyndling">Eine Salse ist eine Tunke zur Speise, hier die mit Wein und Zimt verrührte Latwerge zu Gebratenem.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-003-orig" n="reiſenden ſtein" resp="#fyndling">Der „reißende Stein“ ist das Steinleiden; das Straßburger Wörterbuch des Dasypodius (1535) übersetzt lateinisch calculus mit „der reisend stein im menschen“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-003-orig" n="ſittlich zerſtoſſen" resp="#fyndling" subtype="lexical">sachte zerstoßen: „sittlich“ heißt im Oberdeutschen der Zeit auch „sachte, ruhig, leicht“ (Schweizerisches Idiotikon Bd. 7 Sp. 1469, Sinn 3b; Lexer: „lauss den salpeter sittlich sieden“).<list type="alternatives"><item>ordentlich, wie es Brauch ist<note type="rationale">Die Grundbedeutung „der Sitte gemäß“ ist belegt, passt aber zu einem Arbeitsschritt im Mörser schlechter als „sachte“.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-003-orig" n="ſeind inn vilerley geſtalt … vnbekandt geweſen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Die Übersetzung lässt offen, worauf sich „unbekannt“ bezieht, wie der Satz selbst: auf die Kirschen überhaupt oder auf die durch Pflanzen und Pfropfen gezogenen vielerlei Formen.<list type="alternatives"><item>Nur die gezogenen Sorten waren unbekannt<note type="rationale">Ryff sagt unmittelbar davor, dass Kirschen auch in den Wäldern wachsen.</note></item><item>Die Kirsche überhaupt war unbekannt<note type="rationale">Das grammatische Subjekt der ganzen Satzreihe sind die Kirschen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-004-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Latwerge aus Pflaumenmark: Pflaumen in Wasser zu Mus gesotten, durch ein Haarsieb oder Haartuch getrieben und mit anderthalbmal so viel Zucker oder Honig dick eingekocht. Heute steht ihr ein sehr süßes, dick eingekochtes Pflaumenmus am nächsten, wie Powidl, nur mit weit mehr Süße.

Der Verweis auf die Quitten. Ryff schreibt hier nur „wie von den Quitten gesagt ist“ und „wie gesagt ist“. In der Quittenlatwerge beschreibt er, was hier vorausgesetzt wird: das Mark heiß durch das Haarsieb schlagen, mit Zucker oder Honig auf ein gemäßigtes Kohlenfeuer setzen, ständig rühren, damit es nicht anbrennt, und so lange sieden, bis es sich leicht von der Pfanne löst oder auf einem kalten Eisen oder Mörserboden die rechte Dicke zeigt; danach in Zuckerlädlin gießen oder auf einem mit Mandelöl bestrichenen Teller erkalten lassen und in Stücke schneiden. Diese Schritte stehen dort, nicht in diesem Kapitel.

Das helle Kohlenfeuer. „hällen kolfeür“ heißt ein hell, klar brennendes Kohlenfeuer, also Glut ohne Qualm. Bei den Quitten verlangt Ryff ein „sittiges“, gemäßigtes Feuer. Ob er hier mehr Hitze meint, sagt der Text nicht; das Anbrennen droht in jedem Fall, deshalb gilt das Rühren aus dem Quittenkapitel.

Die Fassungen der Apotheke. Tamarinde, das Mark der Cassia fistula und Scamonea (Diagridium) sind Abführmittel der Apotheke, Scamonea ein stark wirkendes Harz. Sie werden hier nur übersetzt; für die Speise lässt man sie weg. Die zwei Pfund Cassia auf ein Pfund Mark stehen so im Druck.

Praxis. Frische, gesunde Pflaumen in Wasser weich sieden und durch ein feines Sieb oder Tuch streichen, sodass Steine und Häute zurückbleiben. Das Mark wiegen und anderthalbmal so viel Zucker oder Honig dazugeben, auf gleichmäßiger Glut unter ständigem Rühren eindicken, bis die Masse sich vom Boden löst und auf einem kalten Teller steht. Siedender Zucker und Honig verbrühen leicht, ein langer Holzlöffel hilft. Zum Essen nach Ryff mit Malvasier oder einem anderen kräftigen Wein verrühren und mit Lebkuchen (wohl zerrieben), gestoßenem Zimt, Nelken und Muskatblüte anmachen. Modern ersetzt ein Passiersieb oder eine Flotte Lotte das Haarsieb, ein Topf mit dickem Boden mindert das Anbrennen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-004-orig" n="Latwergen" resp="#fyndling">Latwerge heißt ein dick eingekochtes Frucht- oder Saftmus mit Zucker oder Honig, das man in Schachteln für Zuckerwerk goss oder in Stücke schnitt. Bei Ryff ist sie Apothekerware, die einfache Fassung zugleich Speise.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#latwergen"/></note>
        <note type="gloss" target="#ryf-004-orig" n="härin ſib oder härin tůch" resp="#fyndling">Ein Sieb oder Tuch aus Rosshaar. Es hält Steine und Häute zurück und lässt das Mark durch.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-004-orig" n="Tamarindi, Caſſie fiſtule, Scamonee" resp="#fyndling">Drei Abführmittel der Apotheke: das Fruchtmark der Tamarinde (Ryff hält sie für unreife Datteln), das Mark der Röhrenkassie (Cassia fistula) und das Harz der Purgierwinde, zubereitet „Diagridium“ genannt. Keine Speisezutaten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-004-orig" n="hällen kolfeür" resp="#fyndling" subtype="lexical">„helles Kohlenfeuer“: klar, hell brennende Glut. Elsässisch hëll (Straßburg hæl) = leuchtend, klar (Wörterbuch der elsässischen Mundarten); die Schreibung „häll“ gibt diese Aussprache wieder.<list type="alternatives"><item>ein besonders starkes, heißes Feuer<note type="rationale">Kein Wörterbuchbeleg für „heiß“; im Quittenkapitel, auf das Ryff verweist, steht ein „sittiges“, gemäßigtes Kohlenfeuer. „Hell“ beschreibt die Glut, nicht ihre Stärke.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-004-orig" n="zwey pfundt Caſſie fiſtule marck" resp="#fyndling" subtype="philological">Wie gedruckt: zwei Pfund Cassiamark auf ein Pfund Pflaumenmark, neben nur zwei Lot Tamarinde. Die Zahl ist im Druck eindeutig.<list type="alternatives"><item>zwei Lot, „pfundt“ wäre ein Setzfehler<note type="rationale">Das Verhältnis wirkt hoch, weil die übrigen Arzneizusätze in Lot bemessen sind. Ohne zweiten Zeugen bleibt der Druck stehen; die Fassung ist ohnehin Apothekenarznei und nicht Teil der Speise.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-004-orig" n="zů der ſpeiß gebꝛaucht" resp="#fyndling" subtype="contextual">„zur Speise gebraucht“: mit Wein verrührt und gewürzt als Beigabe zur Mahlzeit, wie Ryff es bei der Quitten- und der Kirschlatwerge als Salse beschreibt, auf die er mit „als von andern Latwergen gesagt ist“ verweist.<list type="alternatives"><item>als eigene süße Speise gegessen<note type="rationale">Das Wort „Salse“ fehlt in diesem Kapitel; deshalb bleibt die Latwerge nach der Regel für Latwergen als Süßspeise eingeordnet.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-005-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Johannisbeersaft, auf kleinem Feuer so lange eingekocht, bis er die Dicke einer Latwerge hat: ein dickes Mus aus dem Saft, ohne Fruchtfleisch und ohne Gewürz. Zucker ist bei Ryff eine Möglichkeit, keine Pflicht - „etliche“ geben ein wenig dazu, um die Latwerge zu mildern.

Der Saft. Ryff sagt nur „außgetruckt“. Wie, lässt er offen; ein Tuch oder ein Sieb nennt er hier nicht.

Das Ende. Das einzige Endzeichen ist die Dicke: „biß er die dicke einer Latwergen vberkompt“. Eine Zeit nennt Ryff nicht, und das sanfte Feuer ist seine Vorgabe. Ohne Zucker bleibt die Latwerge sehr sauer; wie lange sie hält, sagt er nicht.

Die Wirkung. Ryff stellt die Latwerge als Labung für Kranke vor: Sie lösche den Durst, befeuchte die ausgedörrte Zunge und tauge in „hitzigen und brennenden“ Fiebern. Das ist die Krankenkost seiner Zeit, die gegen Hitze setzt, was kühlt und befeuchtet - kein heutiger Gesundheitsrat.

Praxis. Heute: Die Beeren abstreifen, zerdrücken und in einem Tuch auspressen. Den Saft in einem weiten Topf bei kleinem Feuer sieden lassen und ab und zu rühren, bis er dick vom Löffel fällt; ob es reicht, zeigt ein Tropfen auf einem kalten Teller. Wer mag, gibt ein wenig Zucker dazu. Siedender Saft spritzt, also Abstand halten.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-005-orig" n="Latwerg" resp="#fyndling">Eingedicktes Frucht- oder Saftmus, das in Schachteln gegossen oder in Stücke geschnitten wurde. Hier ist es eingekochter Johannisbeersaft, wahlweise mit etwas Zucker. Ryff nennt sie zugleich eine Arznei; das Wort selbst meint die eingedickte Masse, keine Arznei-Paste.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-005-orig" n="ſant Johans treüblin" resp="#fyndling">Johannisbeere, nach dem Johannistag (24. Juni) benannt, um den sie reif wird. Ryff nennt keine Farbe, ob rote, weiße oder schwarze gemeint sind, bleibt offen. Sein Apothekername „Ribes“ ist heute der Name der Gattung.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-005-orig" n="Bꝛachmonat" resp="#fyndling">Alter Name für den Juni.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-006-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Latwerge aus dem Saft der Berberitze, also eingedickter Fruchtsaft, mit oder ohne Zucker. Ein eigenes Verfahren beschreibt Ryff hier nicht: Er verweist auf die Johannisbeer-Latwerge im Kapitel davor.

Der Verweis. Dort steht: Den Saft der Beeren auspressen und auf einem sanften Feuerlein so lange sieden, bis er die Dicke einer Latwerge erreicht; manche geben ein wenig Zucker dazu, um die Latwerge etwas zu mildern. Für die Berberitze sagt Ryff nur „mit Zucker oder ohne Zucker“. Eine Menge, ein Verhältnis oder eine Zeit nennt keines der beiden Kapitel; das Ende ist die Dicke.

Mit oder ohne Zucker. Ryff nennt die Berberitze viel saurer als die Johannisbeere. Ohne Zucker bleibt ein sehr saurer, dicker Saft; Zucker mildert ihn, wie es im Johannisbeer-Kapitel heißt.

Praxis. Frische, reife Berberitzen nehmen; getrocknete Beeren aus dem Handel geben keinen Saft zum Pressen. Den Saft auspressen und in einem weiten Topf bei kleinem Feuer einsieden. Je dicker er wird, desto leichter spritzt er und brennt am Boden an. Ryff nennt keine Probe; heute prüft man etwa mit einem Tropfen auf einem kalten Teller, ob er nicht mehr zerläuft (moderne Probe). Wie lange die Latwerge hält und wie sie aufbewahrt wird, sagt Ryff hier nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-006-orig" n="Saurouch oder Erbſelen" resp="#fyndling">Zwei alte Namen der Berberitze (Sauerdorn, Berberis vulgaris). Das Grimmsche Wörterbuch führt „saurach“, auch „saurauch“, als oberdeutschen Namen der Berberitze, benannt nach dem sauren Geschmack der Beeren; das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt „erbsele“ als Sauerdorn, Berberitze und auch deren Frucht. Mit Erbsen hat das Wort nichts zu tun.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-006-orig" n="Latwerg" resp="#fyndling">Eine Latwerge ist hier eingedickter Fruchtsaft, mit oder ohne Zucker. Im Kapitel zuvor lässt Ryff den Saft so lange sieden, bis er „die Dicke einer Latwerge“ hat.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-006-orig" n="Coleriſcher feüchtigkeyt" resp="#fyndling">Die gelbe Galle (Cholera), einer der vier Körpersäfte der Säftelehre; „Feuchtigkeit“ heißt hier Körpersaft. Ryff führt Hitze und Schärfe des Bluts auf sie zurück, und die Latwerge soll sie kühlen und mildern.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-007-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Latwerge aus Maulbeersaft: Der Saft wird bei sanftem Feuer gesotten, bis er dick wird. Ryff beschreibt das Verfahren hier nicht selbst, sondern verweist auf die beiden Kapitel davor. Bei der Johannisbeerlatwerge wird der ausgepresste Saft „auff einem ſanfften feürlin“ gesotten, bis er „die dicke einer Latwergen“ hat, und manche geben ein wenig Zucker dazu; die Berberitzenlatwerge entsteht ebenso, mit oder ohne Zucker.

Halb Maulbeere, halb Brombeere. Als einzige eigene Angabe nennt Ryff eine Mischung, die „etliche“ machen: je zur Hälfte Maulbeer- und Brombeersaft, mit Zucker oder Honig bei sanftem Feuer eingesotten. Ein Verhältnis von Saft zu Zucker oder Honig nennt er nicht. Ob in die reine Maulbeerlatwerge Zucker gehört, bleibt über den Verweis offen: bei den Johannisbeeren „ein wenig“, bei den Berberitzen freigestellt.

Wann ist sie fertig? Ryffs einziges Zeichen ist „biß es dick würt“. Das Sieden treibt das Wasser aus, bis die Masse steht. Eine Kochzeit gibt er nicht.

Die Heilangaben. Was Ryff der Latwerge zuschreibt - Hilfe bei hitzigen Krankheiten, bei Hals, Zahnfleisch, Zunge und Mund, beim herabgesunkenen Zäpfchen, Durstlöschen und Labung der Kranken -, gehört zur Arzneilehre seiner Zeit und ist kein Rat für heute.

Praxis. Den Saft gewinnt man durch Auspressen reifer, schwarzer Maulbeeren; Ryff sagt dazu in diesem Kapitel nichts, bei den Johannisbeeren steht „außgetruckt“. Heute bewährt (nicht von Ryff): in einem weiten Topf bei kleiner Hitze einkochen und gegen Ende häufig rühren, damit nichts ansetzt. Siedender Zucker und Honig spritzen und verbrennen die Haut. Wer keine Maulbeeren hat, kann nur Brombeersaft nehmen - das ist eine heutige Abwandlung, Ryff beschreibt sie nicht. Eine Latwerge ohne oder mit wenig Zucker hält kürzer; Schimmel auf der Oberfläche heißt wegwerfen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-007-orig" n="Latwerg" resp="#fyndling">Ein Frucht- oder Saftbrei, so lange gesotten, bis er dick wird, oft mit Zucker oder Honig. Ryff führt seine Latwergen zugleich als Speise und als Arznei.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-007-orig" n="Maulböꝛ oder Bꝛomböꝛ" resp="#fyndling">Die Überschrift stellt beide Beeren nebeneinander; das lateinische morum bezeichnete Maulbeere wie Brombeere. Im Text ist es eine Latwerge aus Maulbeersaft, Brombeersaft kommt nur bei denen hinzu, die halb und halb mischen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-007-orig" n="Angine vnnd Sinanche" resp="#fyndling">Für die hitzigen Geschwüre der Kehle gebraucht Ryff die Fachnamen der gelehrten Ärzte, angina und synanche.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-007-orig" n="hitzigen kranckheyten" resp="#fyndling">Krankheiten, die nach der Lehre der Zeit aus Hitze kommen, vor allem Fieber. Dagegen setzt Ryff säuerliche Fruchtlatwergen ein, die den Durst löschen und die Kranken laben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-007-orig" n="bylleren" resp="#fyndling" subtype="lexical">Zahnfleisch: FWB biller ›Backenzahn‹, metonymisch vor allem ›Zahnfleisch‹; ebenso Mittelniederdeutsches und Pfälzisches Wörterbuch (Biller = Zahnfleisch). Passt in die Reihe Hals, Zunge, ganzer Mund.<list type="alternatives"><item>Lippen<note type="rationale">So der frühere Entwurf; dafür findet sich kein Wörterbuchbeleg.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-007-orig" n="zäpflin vnd hauchblat" resp="#fyndling" subtype="lexical">Beides das Gaumenzäpfchen, als Doppelformel: FWB hauchblat ›Gaumenzäpfchen‹, DWB hauchblatt „zapfen im halse“ mit einem Beleg aus Tabernaemontanus, der genau so das „gefallene zäpflein“ und das „hauchblat“ zu trocknen empfiehlt.<list type="alternatives"><item>Kehldeckel<note type="rationale">Eine Glosse bei Wülcker/Diefenbach stellt blat neben epiglottis; für hauchblat selbst geben FWB, DWB und Goetze aber das Zäpfchen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-008-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Fruchtmus aus Welschen Kirschen, wahrscheinlich Kornelkirschen: Die Früchte werden in Rotwein weich gesotten, durch ein Haarsieb gestrichen und das Mark unter ständigem Rühren auf milder Glut zur Latwerge eingedickt. Ryff stellt sie als Arznei gegen Durchfall vor; die Speise selbst ist ein Fruchtmus.

Welche Kirschen? Ryff beschreibt die Frucht nicht. Grimms Wörterbuch führt „welsche Kirsche“ unter den Namen der Kornelkirsche, und Josua Maaler (Zürich 1561) setzt den „Wältschkirsbaum“ mit lateinisch cornus gleich. Kirschen und Weichseln behandelt Ryff in einem eigenen Kapitel (ryf-003) ohne das Beiwort „welsch“, und dort löschen sie den Durst, statt zu stopfen. Ganz sicher ist die Gleichsetzung nicht: In Zürcher Mundart heißt auch eine große, braune, weiche Kirschensorte „wältschi Chriesi“.

Der Verweis auf die Pflaumen. „Eben auf die Weise, wie von den Pflaumen gesagt“ zielt auf das Pflaumenkapitel (ryf-004): Dort wird das Obst zu Mus gesotten, durch ein Haarsieb getrieben, und auf ein Pfund Mark kommen anderthalb Pfund Zucker oder Honig. Hier nennt Ryff statt des Wassers den Rotwein und sagt zur Süße nichts. Ob der Verweis den Zucker einschließt, bleibt offen; die Hagebuttenlatwerge (ryf-010), die ihrerseits auf dieses Kapitel verweist, kommt ohne Süße aus.

Das Feuer, das nicht „riecht“. „Riechen“ heißt im älteren Oberdeutsch rauchen. Gemeint ist Glut ohne Rauch, auf der das Mus sachte weiterkocht. Ein Endzeichen nennt Ryff in diesem Kapitel nicht; im folgenden (ryf-009) sagt er, dass man alle Latwergen auf einem kalten Stein oder Eisen prüft.

Die Zusätze. Wegerichsamen, Sauerampfersamen und getrocknete Rosen sind Arzneizusätze, die den Leib stopfen sollen. Ryff nennt keine Mengen und stellt sie jedem frei; für das Fruchtmus bleiben sie weg.

Der Wein. „Dick“ meint einen schweren, gehaltvollen Rotwein, keinen eingedickten. Eine Menge nennt Ryff nicht, nur das Ziel: so lange sieden, bis die Früchte sich durchstreichen lassen.

Praxis. Reife Früchte vom Baum schütteln und sehr bald verarbeiten. In gutem Rotwein sieden, bis sie sich durchstreichen lassen, dann durch ein feines Sieb streichen; Steine und Häute bleiben zurück (heute geht das auch mit einer Passiermühle). Das Mark in einem Topf über ruhiger Glut unter ständigem Rühren eindicken, bis eine Probe auf einem kalten Stein die rechte Dicke zeigt. Wer der Pflaumenfassung folgen will, gibt Zucker oder Honig im dort genannten Verhältnis zu. Das dicke Mus spritzt beim Sieden; mit einem langen Löffel rühren.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-008-orig" n="Latwerg" resp="#fyndling">Latwerge ist ein eingedicktes Frucht- oder Saftmus, das man in Schachteln füllte oder in Stücke schnitt. In der Apotheke war sie zugleich Heilmittel; Ryff erklärt in diesem Buchteil, wie man sie selbst macht.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-008-orig" n="rote růr" resp="#fyndling">Die Ruhr, eine schwere Durchfallerkrankung; „rot“ nach dem blutigen Stuhl. Ryff nennt sie im Hagebuttenkapitel mit dem gelehrten Namen Dissenteria.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-008-orig" n="Welſchen kirſen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Wahrscheinlich Kornelkirschen (Cornus mas). Grimms Wörterbuch nennt unter „Kornelle“ die „welsche kirsche“ als Volksnamen, Maaler (Zürich 1561) setzt „Wältschkirsbaum“ = cornus (nach dem Schweizerischen Idiotikon). Ryff behandelt Kirschen und Weichseln eigens (Kap. VII) und mit anderer Wirkung. Im Text bleibt „Welsche Kirschen“ stehen.<list type="alternatives"><item>Sauerkirsche oder Weichsel<note type="rationale">Liegt nahe, weil „Kirschen“ dasteht; Ryff nennt diese Früchte aber in Kap. VII und im Eingemachten (Teil II Kap. X) nie „welsch“.</note></item><item>eine Süßkirschensorte<note type="rationale">Das Idiotikon kennt mundartlich „wältschi Chriesi“ als große, braune, weiche Kirsche (Zürich); ein Beleg aus Ryffs Zeit und Raum dafür fehlt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-008-orig" n="das nit rieche" resp="#fyndling" subtype="lexical">„Das nicht raucht“: riechen = rauchen, dampfen (Lexer: „rauchen, dampfen, fumare“; Idiotikon: „rauchen, Rauch entwickeln, zunächst von Feuer“; Grimm: im Oberdeutschen hat riechen die alte Bedeutung bewahrt).<list type="alternatives"><item>„das nicht riecht“<note type="rationale">Heutiger Wortsinn; bei einem Kohlenfeuer fallen Geruch und Rauch zusammen, die Wendung zielt aber auf den Rauch.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-008-orig" n="eben auff die manier/ wie von den Pflaumen geſagt iſt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Als Verweis auf das Pflaumenverfahren wiedergegeben (Mus sieden, durchtreiben, eindicken), ohne dessen Zucker oder Honig im Lesertext zu ergänzen, weil Ryff hier zur Süße schweigt.<list type="alternatives"><item>Süße mitgemeint<note type="rationale">„Auf die Weise“ kann das ganze Pflaumenverfahren einschließen; dann kämen anderthalb Pfund Zucker oder Honig auf ein Pfund Mark (ryf-004). In der Praxis als Möglichkeit genannt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-009-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Reiner Holundersaft, zur Latwerge eingesotten: Gut reife, braunschwarze Beeren werden im Steinmörser zerstoßen, der Saft wird durch ein reines Tuch gedrückt und auf sanftem Kohlenfeuer unter stetem Rühren eingedickt. Zucker oder Honig nennt Ryff nicht; er nennt das Ergebnis auch „Holdermus“. Mit dem Holundermus der Kochbücher, das mit Brot, Wein und Lebkuchen gemacht wird, teilt es nur den Namen.

Die Beeren. „Holdertreübel“ sind die Fruchtdolden des Holunders, nach Ryffs Reifezeichen „wol zeitig … bꝛaunſchwartz“ der Schwarze Holunder. Ob die Beeren vor dem Stoßen von den Stielen kommen, sagt er nicht; beim Auspressen bleiben Häute, Kerne und Stiele im Tuch. Rohe, besonders unreife Holunderbeeren und grüne Stiele können Übelkeit und Erbrechen auslösen; gegessen werden die Beeren nur gekocht, und Ryff siedet den Saft ein.

Das Ende. Ryffs Zeichen ist „biß er dick gnůg würt“, geprüft auf einem kalten Stein oder Eisen, „wie dann gewonlich alle Latwergen pꝛobiert werden“. Woran man die Dicke dort erkennt, beschreibt er nicht; eine Kochzeit nennt er so wenig wie eine Haltbarkeit. Das stete Rühren begründet er selbst: Der Saft soll sich nicht am Boden ansetzen und anbrennen.

Die Wirkung. Ryff preist die Latwerge als Mittel gegen Gift und als Ersatz für den Theriak. Nach der Säftelehre seiner Zeit treibt sie die „böſe feüchtigkeyt“ durch den Schweiß aus; deshalb gibt er sie mit Taubenkropf- oder Erdrauchwasser vor dem Schwitzbad, bei Wassersucht und Schwellungen. Das ist die Medizin des 16. Jahrhunderts, kein heutiger Rat.

Praxis. Heute streift man die Beeren mit einer Gabel von den Dolden und sortiert grüne aus (moderne Arbeitsweise, nicht bei Ryff). Die Beeren in einem Mörser oder einer Schüssel zerdrücken, den Saft durch ein sauberes Tuch auspressen und in einem weiten Topf bei kleiner Glut unter stetem Rühren einkochen. Als Probe einen Tropfen auf einen kalten Stein oder Teller geben; zerläuft er nicht mehr, ist die Masse dick genug (heutige Deutung der Probe). Gegen Ende spritzt der dicke Saft, ein langer Löffel hilft. Wer süßen will, tut es nach eigenem Geschmack; Ryff nennt keine Süße.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-009-orig" n="Latwerg" resp="#fyndling">Latwerge ist ein eingedicktes Frucht- oder Saftmus, das in Schachteln gegossen oder in Stücke geschnitten wurde. Hier ist es reiner Holundersaft ohne Zucker; Ryff nennt es zugleich „Holdermus“. Das Wort meint die eingedickte Masse, keine Arznei-Paste.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-009-orig" n="Holderböꝛ oder Holdertreübel" resp="#fyndling">Holunderbeeren: „Holder“ ist die kurze Form von Holunder, „Böꝛ“ sind Beeren, „Treübel“ (Träublein) die ganzen Fruchtdolden.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-009-orig" n="Tiriack" resp="#fyndling">Theriak war ein berühmtes, aus sehr vielen Bestandteilen gemischtes Gegengift der Apotheke. Ryff meint hier die gefälschten Mischungen, die fahrende Händler verkauften. Mehr auf Wikipedia.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-009-orig" n="Landtleüffer vnd Zanbꝛecher" resp="#fyndling">Landläufer und Zahnbrecher: umherziehende Händler und Quacksalber, die auch Zähne zogen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-009-orig" n="Daubenkropff oder Erdtrouch waſſer" resp="#fyndling" subtype="lexical">Wahrscheinlich ein einziges Kräuterwasser unter zwei Namen: Erdrauch (Fumaria officinalis). Grimms Wörterbuch zitiert aus Bocks Kräuterbuch „erdtrauch nennt man gemeiniglich daubenkropf“; übersetzt ist offen „Taubenkropf- oder Erdrauchwasser“.<list type="alternatives"><item>Zwei verschiedene Wässer: Taubenkropf als Leimkraut (Silene vulgaris), daneben Erdrauch.<note type="rationale">Das Schweizerische Idiotikon führt „Tūbe(n)chropfwasser“ als Arznei aus Taubenkropf-Leimkraut; Ryff kennt die Schweiz. Das „oder“ trägt beide Lesarten.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-009-orig" n="holdertreübel … zerſtoß ſie" resp="#fyndling" subtype="contextual">Ryff lässt die ganzen Träubel im Mörser stoßen; Stiele, Häute und Kerne bleiben beim Auspressen im Tuch.<list type="alternatives"><item>Die Beeren werden vorher von den Dolden gestreift.<note type="rationale">So arbeitet man heute, weil grüne Stiele Übelkeit machen können; Ryff sagt es nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-010-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Hagebuttenmus, zur Latwerge eingedickt: Die reifen Früchte werden in Wasser oder Wein zu Mus gesotten, durch ein Haarsieb getrieben, und das Mark wird unter ständigem Rühren eingekocht. Ryff nennt in diesem Kapitel weder Zucker noch Honig. Er führt die Latwerge als Mittel gegen Durchfall; die Speise selbst ist ein Fruchtmark.

Warum das Sieb? Ryff sagt es selbst: Roh taugen die Früchte nicht zum Essen, weil die rauen, scharfen „Steinlein“ im Innern beim Schlucken schmerzen und stechen. Gemeint sind die harten Nüsschen mit ihren Härchen. Vom Öffnen oder Putzen der Früchte steht nichts da; sie werden zu Mus gesotten, und erst das Sieb hält Steinchen und Härchen zurück. Deshalb muss es fein sein.

Wasser oder Wein. Ryff nennt einfaches Wasser und, „wie etliche pflegen“, Wein, mit Verweis auf die Latwerge von Welschen Kirschen (ryf-008). Dort werden die Früchte in einem guten, dicken roten Wein weich gesotten. Eine Menge nennt er an keiner der beiden Stellen.

Wann ist es dick genug? Hier steht nur „bis es anfängt, dick genug zu werden“. Im Kapitel davor, beim Holdermus (ryf-009), gibt Ryff die Probe an, mit der man nach seinen Worten gewöhnlich alle Latwergen prüft: auf einem kalten Stein oder Eisen. Das Rühren ohne Unterlass soll, wie er dort und bei den Welschen Kirschen sagt, das Anbrennen verhindern.

Die Zusätze. Die „anderen Stücke“, die die Latwerge kräftiger machen sollen, nennt Ryff hier nicht. Im Kapitel der Welschen Kirschen sind es Wegerichsamen, Sauerampfersamen und getrocknete Rosen, ohne Menge und jedem freigestellt. Es sind Arzneizusätze; für das Mus bleiben sie weg.

Praxis. Reife, rote Hagebutten pflücken, wenn sie anfangen, weich zu werden. In einem Topf mit Wasser oder Rotwein sieden, bis sie ganz zu Mus zerfallen, dann portionsweise durch ein feines Sieb streichen (heute geht das auch mit einer Passiermühle und feinster Scheibe); was im Sieb bleibt, kommt weg. Die Härchen reizen Haut und Hals, darum kein grobes Sieb. Das Mark unter ständigem Rühren eindicken, bis eine Probe auf einem kalten Stein, heute einem kalten Teller, die rechte Dicke zeigt. Das dicke Mus spritzt beim Sieden; mit einem langen Löffel rühren. Zucker oder Honig gehören nicht zu diesem Kapitel; wer süßt, ergänzt den Text.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-010-orig" n="Latwerg" resp="#fyndling">Latwerge ist bei Ryff ein eingedicktes Frucht- oder Saftmus, das man in Schachteln füllte oder in Stücke schnitt. In der Apotheke war sie zugleich eine Arzneiform; hier ist das Fruchtmus gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-010-orig" n="wilder Roſenknöpff" resp="#fyndling">Das Grimm'sche Wörterbuch kennt Rosenknopf als Rosenknospe. Ryff setzt die „wilden Rosenknöpfe“ im Titel mit den Hagebutten gleich und spricht im Kapitel nur von den Früchten.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-010-orig" n="Diſſenteria" resp="#fyndling">Gelehrter Name der Ruhr, einer schweren Durchfallerkrankung. Ryff gibt die deutschen Namen „rote Ruhr“ und „Auslaufen“ gleich dazu.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-011-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ingwer in Sirup, wie man ihn heute als eingelegten Ingwer kennt. Ryff hat keinen frischen Ingwer. Er macht deshalb getrockneten weißen Ingwer wieder weich und saftig, also grün, und legt ihn dann in Sirup aus Zucker oder Honig ein.

Die Lauge. Drusen sind der Bodensatz der Weinbereitung (Hefe, auch Trester und Weinstein). Aus ihrer Asche macht Ryff eine scharfe Lauge. Sie löst zuerst die oberste Haut, danach erweicht frische Lauge den Ingwer. Die Grenze nennt Ryff selbst: weich genug, aber nicht so weich, dass er seine Kraft verliert. Deshalb wird immer wieder eine Zehe aufgeschnitten und angesehen.

Mürbe machen und auswässern. Mit einem sehr dünnen Federmesser werden die harten Fasern im Inneren durchstochen und abgeschnitten. Danach wird die Lauge über zwei oder drei Tage ausgewaschen, auch über Nacht in frischem Wasser. Das Zeichen für das Ende ist, dass sich das Wasser nicht mehr glatt anfühlt.

Trocknen und Sirup. Der Ingwer muss trocken sein, bevor der Sirup darüberkommt, denn jedes Wasser im Ingwer verdünnt den Sirup. Wird er trotzdem dünn, gießt man ihn ab und siedet ihn nach, bis er dick genug ist. Wie der Sirup gemacht wird, steht bei Ryff nicht hier, sondern in den beiden ersten Kapiteln des ersten Teils: Kap. I vom Honig (Bl. 1r-2r: Honig mit Wasser sieden und ständig abschäumen) und Kap. II vom Zucker (Verfahren Bl. 3r: Zucker mit geschlagenem Eiklar klären, durch ein Wolltuch seihen und zur Dicke eines Sirups sieden). Beide Kapitel sind hier nicht als eigene Rezepte aufgenommen.

Praxis. Ryffs erster Satz gilt auch heute: Frischer Ingwer kommt ohne Lauge gleich in Honig oder Zucker. Wer den Weg über die Trockenware nachgehen will, braucht eine Lauge. Sie ist ätzend: Haut und Augen schützen und so lange auswässern, wie Ryff es verlangt. Siedender Zucker und Honig verbrühen. Aufbewahren wie bei Ryff in einem glasierten oder zinnernen Gefäß, nicht im Holzfässchen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-011-orig" n="grůn" resp="#fyndling">Gemeint ist frisch und saftig, nicht die Farbe. Den Ingwer grün machen heißt, den getrockneten wieder weich und saftig zu machen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-011-orig" n="zehen" resp="#fyndling">So nennt Ryff die einzelnen Glieder der verzweigten Wurzel, wie man heute von Knoblauchzehen spricht.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-011-orig" n="ſchꝛeibmeſſerlin" resp="#fyndling">Ein kleines Messer der Schreibstube, mit dem man Federn zuschnitt und radierte (Federmesser).</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-011-orig" n="härin ſiben" resp="#fyndling">Haarsiebe, also Siebe mit einer Bespannung aus Rosshaar.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-011-orig" n="trůſen äſchen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Asche aus Drusen, dem Bodensatz der Weinbereitung (Hefe). Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt Drusen als Rückstand und Bodensatz der Weinbereitung, als Hefe und Trester, speziell als Weinstein.<list type="alternatives"><item>Asche aus Traubentrester<note type="rationale">Das Wörterbuch nennt auch Trester. Die Lauge wäre ähnlich; Ryff sagt nicht, welcher Rückstand gemeint ist.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-012-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Unreife grüne Walnüsse, ganz eingemacht: durchstochen, tagelang gewässert, weichgesotten und in einen Sirup aus Honig oder Zucker gelegt. Ryff nennt das Verfahren allgemein bekannt, und dieselbe Abfolge steht in den Augsburger Kochbüchern der Zeit (Staindl, Stenglerin).

Die richtige Nuss. Gepflückt wird um Johannis (24. Juni), solange die Nuss innen noch nicht hart ist und keine Schale gebildet hat. Die Löcher, mit dem spitzen Holz kreuzweise gestochen, öffnen sie für das Wasser und später für den Sirup. Das Schälen ist bei Ryff eine Variante („etliche“), der Hauptweg nimmt die Nuss ungeschält.

Wässern und Sieden. Neun oder zehn Tage in frischem Wasser, das ein- oder zweimal am Tag gewechselt wird. Ryffs Endzeichen ist der Geschmack: bis Herbe und Bitterkeit vergangen sind. Dann gemächlich sieden, bis die Nüsse weich und mürbe sind, aber nicht so lange, dass sie zu Mus zerfallen. Auf dem Sieb gut abtrocknen, damit kein Wasser in den Sirup kommt.

Sirup und Nachkochen. Eine Menge oder ein Verhältnis nennt Ryff nicht, nur „zu rechter Dicke“. Die gespickten Nüsse kommen erst hinein, wenn der Sirup vom Feuer genommen ist, kühlen darin ab und werden beschwert, damit sie nicht aufschwimmen. Ziehen sie Wasser in den Sirup und wird er dünn, kocht man ihn über sanftem Kohlenfeuer nach, bis er wieder dick genug ist. Ob die Nüsse dabei im Sirup bleiben, sagt der Text nicht.

Die zweite Weise. Ungespickt, in warmem Honig mit fein gestoßenem Zimt, Ingwer, Nelken, Muskat, Galgant, Kardamom und Kubeben. Mengen nennt Ryff auch hier nicht; was man nimmt, bleibt dem Geschmack überlassen.

Praxis. Die Dicke des Sirups muss man selbst finden: er soll die Nüsse decken und nach dem Erkalten dick sein. Ein Gefäß nennt Ryff nicht; heute nimmt man ein sauberes Einmachglas. Den Sirup später prüfen und, wenn er dünn geworden ist, nachkochen wie beschrieben. Heutiger Hinweis: Der Saft der grünen Nüsse färbt die Haut braun, beim Stechen und Schälen Handschuhe tragen. Siedender Honig und Zuckersirup verbrühen leicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-012-orig" n="vnzeytigen Welſchen nuß" resp="#fyndling">Unzeitig heißt unreif. Gemeint sind grüne Walnüsse, gepflückt, ehe sich innen die Schale bildet.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-012-orig" n="Sanct Johans tag" resp="#fyndling">Johannistag, 24. Juni.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-012-orig" n="Latwergen" resp="#fyndling">Latwerge ist bei Ryff ein eingedicktes Frucht- oder Saftmus mit Zucker oder Honig, in Schachteln gegossen oder in Stücken geschnitten. Hier steht sie neben dem Konfekt auf der Banketttafel.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#latwergen"/></note>
        <note type="gloss" target="#ryf-012-orig" n="Cubeben" resp="#fyndling">Kubebenpfeffer (Piper cubeba), ein Pfeffer, dessen Früchte mit einem Stielchen gehandelt werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-012-orig" n="billicher" resp="#fyndling" subtype="lexical">„mit mehr Recht“: billich heißt im Frühneuhochdeutschen angemessen, gerecht, zu Recht (FWB; DWB „jure, merito“). Ryff meint, die armen Kranken hätten eher ein Recht auf das Konfekt.<list type="alternatives"><item>„billiger“ im Sinn von preiswerter<note type="rationale">Die Bedeutung „wohlfeil“ ist jünger und ergibt im Satz keinen Sinn; der Vergleich lautet „mit mehr Recht ... als dass es verdorben wird“.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-012-orig" n="Etlich ſchölen ſie voꝛ" resp="#fyndling" subtype="contextual">Variante: Manche schälen die grüne Außenhaut ab, ehe sie die Nüsse wässern; der Hauptweg nimmt sie ungeschält, nur durchstochen.<list type="alternatives"><item>Schälen als fester Arbeitsschritt für alle<note type="rationale">„Etlich“ (manche) kennzeichnet bei Ryff durchweg eine Variante; Longe und Rumpolt schälen bzw. nehmen die Nüsse „mit den Schalen“, die Praxis war also geteilt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-013-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Quittenstücke, im Dampf weich gemacht, mit Gewürz besteckt und in dick eingekochtem Honig eingemacht. Ryff nennt es ein Konfekt, das Reiche jedes Jahr zum Naschen und Vorzeigen bereiten. Mit rohen Mispeln und reifen Schlehen durcheinander eingemacht heißt es Schlehengumpst. Am nächsten kommen heute Quitten in Honigsirup.

Welche Quitten? Nur die reifsten, und auch die nicht frisch vom Baum, sondern ein wenig gelagert. Unreife schrumpfen nach Ryff im Honig und werden hart. Geschnitten wird in vier, sechs oder mehr Teile je nach Größe, das steinige Fleisch um das Kerngehäuse kommt heraus. Ob geschält wird, sagt er nicht.

Dämpfen im gestürzten Topf. Die Stücke werden mit Hölzchen im Topf festgeklemmt, damit sie nicht herausfallen, wenn der Topf umgedreht wird. Er sitzt mit der Öffnung nach unten auf einem etwas weiteren Topf, der halb mit siedendem Wasser gefüllt auf dem Dreifuß über einem Kohlenfeuer steht. Das Feuer soll nicht riechen, also ohne Rauch brennen. So garen die Quitten im Dampf und nehmen kein Wasser auf; im Wasser gesotten würden sie nach Ryff wässrig und breiig. Dieselbe Einrichtung beschreibt er bei der Quittenlatwerge. Eine Garzeit nennt er nicht, das Zeichen ist: ganz weich.

Bestecken und Einmachen. Auf dem Haarsieb trocknen die Stücke kurz ab, damit sie den Honig nicht verwässern. Zimt, Nelken und anderes Gewürz werden klein geschnitten und in die Stücke gesteckt; was „anderes Gewürz“ ist, bleibt offen. Der Honig wird abgeschäumt und zur rechten Dicke gesotten; eine Probe nennt Ryff hier nicht, auch kein Verhältnis von Honig zu Frucht. Ob die Quitten im Honig noch einmal aufkochen oder nur eingelegt werden, sagt er ebenfalls nicht.

Mit Wein. Manche sieden auf ein Maß Honig ein Quärtlein, also ein Viertel davon, eingekochten Wein mit zu einem Sirup. Gesottener Wein ist um die Hälfte oder mehr eingekochter Wein beziehungsweise Most.

Mispeln und Schlehen. Sie kommen roh, also ohne Dämpfen, mit den Quitten in den Honig. Ob die Mispeln schon weich und teig sein sollen, sagt Ryff nicht; die Schlehen sollen wohlreif sein.

Praxis. Heute (modern) lässt sich das Dämpfen mit einem Dämpfeinsatz über einem Topf siedenden Wassers nachstellen. Wer den gestürzten Topf nachbaut, braucht zwei Töpfe, deren Ränder gut aufeinander sitzen, und Hölzchen, die die Stücke sicher halten. Beim Abheben des oberen Topfs tritt heißer Dampf aus, und siedender Honig spritzt und verbrennt die Haut. Für eingekochten Wein kann man Wein offen auf die Hälfte einkochen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-013-orig" n="Schlöhengumpſt" resp="#fyndling">Gumpst (auch Gumpost, Kumpost) heißt Eingemachtes, nicht Kompost. Ryff gibt dem Gemisch aus Quitten, Mispeln und Schlehen diesen Namen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-013-orig" n="quärtlin" resp="#fyndling">Ein Viertel einer Maß. Der Straßburger Dasypodius (1535) übersetzt es mit „ein fierling oder vierteyl einer maß“. Gemeint ist hier das Verhältnis: auf ein Maß Honig ein Viertel davon Wein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-013-orig" n="geſotten wein" resp="#fyndling" subtype="lexical">Eingekochter Wein (lateinisch defrutum, sapa): Der Straßburger Dasypodius (1535) erklärt „Gesotten wein“ als „Weyn der biß auffs halbteyl eingesotten ist / trübelmůß“, Henisch (1616) als Wein, bis auf den dritten Teil eingekocht. Ein fester Warenbegriff, der zum Sirup passt.<list type="alternatives"><item>Wein, der nur aufgekocht wurde<note type="rationale">Wörtlich möglich, aber gegen den belegten Fachbegriff; Ryff hätte dann kaum eigens „geſotten“ dazugesetzt.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-013-orig" n="klein geſchnitten/ beſteckt" resp="#fyndling" subtype="contextual">Zimt, Nelken und anderes Gewürz werden klein geschnitten, und die Quitten werden damit besteckt: Die Wendung steht direkt nach dem Gewürz, und die Quitten sind schon in Stücke geteilt.<list type="alternatives"><item>Die gedämpften Quitten werden noch einmal klein geschnitten und dann besteckt<note type="rationale">Grammatisch möglich, weil der Satz mit „Diſe Quitten ... werden“ beginnt; zum Bestecken taugen aber größere Stücke besser.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-014-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein kurzer Absatz in Ryffs Quitten-Kapitel: Nach der Fassung mit Honig, die er den Reichen zuschreibt, stellt er die Art der Apotheken daneben. Sie nehmen geklärten Zucker statt Honig. Mengen, die Dicke des Sirups und die Aufbewahrung nennt Ryff hier nicht.

Die Steinchen. Gemeint sind die harten, körnigen Stellen im Fruchtfleisch um das Kerngehäuse. Ryff beschreibt sie im Kapitelanfang selbst als das, was „steinig darin ist, um den Kern herum“, und lässt es herausschneiden.

Gedämpft. Verdämpfen heißt in der Küchensprache der Zeit im Dampf oder im geschlossenen Gefäß weich garen. Wie das geht, zeigt Ryff unmittelbar davor bei der Honigfassung: Die Quittenstücke werden in einem Topf mit Hölzchen festgeklemmt, dieser wird auf einen weiteren Topf mit siedendem Wasser gestürzt, und so werden sie weich, ohne wässrig zu werden. Ob die Apotheker es genauso machen, sagt er nicht.

Geklärter Zucker. Wie der Zucker geklärt wird, steht an dieser Stelle nicht. Bei den Weichseln klärt Ryff Zucker, der nicht weiß genug ist, mit Eierklar und kocht ihn zur Dicke eines Sirups.

Reife. Die Warnung vor unreifen Quitten wiederholt den Kapitelanfang: Unreife Stücke schrumpfen im Zucker ein und werden hart. Dort empfiehlt Ryff die reifsten Quitten, die ein wenig gelegen haben, nicht frisch vom Baum.

Praxis. Ganz reife Quitten in Stücke schneiden und die harten Stellen um das Kerngehäuse herausschneiden. Die Stücke weich dämpfen, über siedendem Wasser wie bei Ryffs Honigfassung oder, modern, in einem Dämpfeinsatz. Dann in einen Sirup aus geklärtem Zucker legen. Wie viel Zucker und wie dick der Sirup sein soll, lässt der Text offen. Siedender Zuckersirup verbrüht stark. Wer heute aufbewahrt, füllt die Stücke mit dem Sirup in saubere Gläser und verschließt sie (modern, nicht bei Ryff).</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-014-orig" n="ſteinlin" resp="#fyndling">Steinchen: die harten, körnigen Stellen im Fruchtfleisch der Quitte rund um das Kerngehäuse. Ryff nennt sie im Kapitelanfang „was steinig darin ist, um den Kern herum“.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-014-orig" n="clarificiertem Zucker" resp="#fyndling">Geklärter Zucker, gereinigt, damit der Sirup klar wird. Bei den Weichseln nennt Ryff dafür Eierklar und verweist auf den ersten Teil des Buches.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-014-orig" n="Quitten latwerg" resp="#fyndling">Die Quittenlatwerge im ersten Teil: ein eingedicktes Mus aus dem Quittenmark bzw. aus dem Saft, das in Zuckerschachteln gegossen oder auf einem Teller erkaltet in Stücke geschnitten wird. Ryff verweist hier nur auf die dort genannten Wirkungen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-014-orig" n="verdämpfft" resp="#fyndling" subtype="lexical">gedämpft, im Dampf bzw. im geschlossenen Gefäß weich gegart: DWB VERDÄMPFEN 1 „im dampfe kochen, coquere in olla operta“ als Kunstausdruck der Kochkunst, Elsässisches Wb. „Speisen dämpfen, schmoren“; Ryff dämpft die Quitten unmittelbar davor im gestürzten Topf über siedendem Wasser.<list type="alternatives"><item>verdampft, eingedampft (Flüssigkeit verdunsten lassen)<note type="rationale">Diese Bedeutung gehört zu verdampfen (intransitiv bzw. Adelung „durch Dampfen verfliegen“); bei festen Fruchtstücken vor dem Einlegen in den Sirup ergibt sie keinen Sinn.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-015-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Rohe Quitten, gespalten und entkernt oder ganz, in einem kleinen Fässchen unter rohem Honig - ohne Feuer und ohne Zucker. Ryff schreibt das Verfahren „den Alten“ zu und stellt es im selben Kapitel neben die gedämpften Quitten in gesottenem Honig und die Apothekenquitten im Zuckersirup.

Reife Früchte. Genommen werden „die allerschönsten und reifsten“. Im selben Kapitel warnt Ryff, unreife Quitten würden in Zucker oder Honig hart und unbrauchbar.

Das Beinmesser. Ryff verlangt ausdrücklich ein Messer aus Bein, nicht aus Eisen, nennt aber keinen Grund.

Kerne, Steinchen, Kerngehäuse. Bei den gespaltenen Früchten kommen die Kerne heraus und die harten, körnigen Teile um das Kerngehäuse, die Ryff im selben Kapitel „was steinig darin ist, um die Kerne herum“ nennt. Ganze Quitten werden nur vom Kerngehäuse gereinigt.

Hölzchen gegen das Aufschwimmen. Die Stücke schwimmen im Honig auf. Hölzchen, oben ins Fässchen geklemmt, halten sie unten - dasselbe Mittel, mit dem Ryff bei der Quittenlatwerge und den gedämpften Quitten die Stücke im Topf festklemmt.

Roher Honig. Gemeint ist ungekochter, nicht geläuterter Honig, im Gegensatz zum gesottenen und abgeschäumten Honig, in dem Ryff im selben Kapitel die gedämpften Quitten einmacht. Ryffs einzige Bedingung: Die Quitten müssen ganz darin bedeckt sein.

Der Quittenhonig. Nach Ryff nimmt der Honig Kraft, Natur und Geschmack der Quitte an und könne Fieberkranken gegeben werden. Das ist die Arzneilehre seiner Zeit, kein heutiger Rat.

Praxis. Heute statt des Fässchens ein sauberes Glas- oder Steinzeuggefäß mit Deckel (modern). Kristallisierten Honig nur so weit anwärmen, dass er fließt und alle Zwischenräume füllt. Die rohe Frucht gibt Saft an den Honig ab, er wird dadurch dünner; schäumt er oder riecht er säuerlich, hat er zu gären begonnen. Kühl und dunkel lagern ist eine heutige Vorsichtsmaßnahme, Ryff sagt dazu nichts.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-015-orig" n="Schlöhengumpeſt" resp="#fyndling">Schlehengumpst: „Gumpst“ (Kumpost) heißt Eingemachtes, nicht Kompost. Ryff meint das Konfekt, das er kurz zuvor im selben Kapitel beschreibt: Quitten, mit Mispeln und reifen Schlehen durcheinander eingemacht.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-015-orig" n="beynin meſſer" resp="#fyndling">Ein Messer aus Bein, also aus Knochen, ausdrücklich statt eines eisernen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-015-orig" n="ſteinlin" resp="#fyndling">Die harten, körnigen Teile im Fruchtfleisch um das Kerngehäuse. Ryff nennt sie im selben Kapitel „was steinig darin ist, um die Kerne herum“ und unterscheidet sie von Kernen und Kerngehäuse.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-015-orig" n="rohem honig" resp="#fyndling">Ungekochter, nicht geläuterter Honig - das Gegenstück zum gesottenen und abgeschäumten Honig, in dem Ryff im selben Kapitel die gedämpften Quitten einmacht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-016-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Drei Wege, rohe Quitten ohne Zucker oder Honig frisch zu halten, die Ryff „den Alten“ zuschreibt: im verpichten Topf im Weinfass (über den Winter), vergraben in trockenem Packmaterial (über das Jahr) und, nach Ryff am besten, in einer Hülle aus Laub und Lehm (das ganze Jahr). Ryffs einzige Begründung gilt der Luft: Sie lässt die Früchte faulen. Jeder der drei Wege hält sie fern.

Der Topf im Weinfass. Der Topf soll neu sein, der Deckel wird mit Pech verklebt, damit nichts eindringt. Das Fass ist nicht ganz voll, damit der Topf darin schwimmen kann. Warum gerade Wein die Quitten frisch hält, sagt Ryff nicht.

Stroh, Flocken, Körner. Gehacktes Stroh, Flocken (wohl Woll- oder Faserflocken), Gerste, trockene Sägespäne oder Kleie: Die Quitten werden darin gut zugedeckt vergraben, so dass keine Luft an sie kommt. Die Warnung, kein anderes Obst dazuzulegen, begründet Ryff nicht.

Die Lehmhülle. Laub um die Frucht, darüber zäher Lehm, mit Haar durchgeschlagen (durchbern heißt durchschlagen). Wozu das Haar dient, sagt Ryff nicht; im Lehmbau bindet eingearbeitetes Tierhaar den Lehm und mindert Risse beim Trocknen, und das dürfte auch hier der Zweck sein. Welches Haar, lässt der Text offen. Die Hülle trocknet an der Sonne, die Quitten liegen danach an einem trockenen Ort. Zum Gebrauch wird der Lehm abgeschlagen und die Frucht sauber gewaschen.

Praxis. Für einen heutigen Versuch eignet sich die Lehmhülle am besten: Quittenlaub, zäher Lehm, Tierhaar, ein sonniger Platz zum Trocknen. Heutiger Rat, nicht Ryffs: nur Früchte ohne Druckstellen nehmen, denn eine faule Stelle verdirbt unter der Hülle unbemerkt. Als Pech verkauftes Material kann heute aus Steinkohlenteer stammen; für einen Topf, der im Wein liegt, kommt nur Baumharzpech (Brauerpech) in Frage. Eine Frist zum Öffnen nennt Ryff nicht, nur „den gantzen Winter“ und „das gantze jar“.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-016-orig" n="bäch" resp="#fyndling">Pech, hier zum Abdichten des Topfdeckels. Mittelhochdeutsch bëch oder pëch (Lexer); mit „Bach“ hat das Wort nichts zu tun.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-016-orig" n="Flocken" resp="#fyndling">Lockere Büschel aus Wolle oder anderen Fasern; bei den Tuchmachern hießen so die Wollhaare, die beim Rauen des Tuchs abfallen (Adelung). Welche Flocken Ryff meint, sagt er nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-016-orig" n="mit haar wol durchbert" resp="#fyndling" subtype="lexical">„mit Haar gut durchgeschlagen“: durchbern heißt durchschlagen, durchhauen (Grimm, DWB: „mhd. bern schlagen“; Lexer: durch-bern „durchhauen“). Der Lehm wird mit dem Haar geschlagen, bis es sich verteilt.<list type="alternatives"><item>allgemein „durchgearbeitet, durchgeknetet“<note type="rationale">Im Ergebnis gleich, verwischt aber, dass das Wort ein Schlagen meint.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-016-orig" n="haar" resp="#fyndling" subtype="contextual">Haar ohne nähere Angabe; so übersetzt.<list type="alternatives"><item>Tierhaar wie im Lehmputz (Rinder-, Kälber- oder Pferdehaar)<note type="rationale">Naheliegende heutige Annahme aus dem Lehmbau; der Text legt sich nicht fest.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-017-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ganze Sauerkirschen, in Zuckersirup eingesotten und in Gläsern aufbewahrt. Ryff stellt sie neben die Kirschlatwerge aus dem ersten Teil, die aus dem Saft eingekocht wird. Mengen, ein Verhältnis von Zucker zu Kirschen und eine Kochzeit nennt er nicht.

Die Kirschen. Frisch, recht reif, ohne Faulstellen und Würmer. Der Stiel wird nicht ganz abgenommen, sondern etwas mehr als zur Hälfte gekürzt; vom Entsteinen sagt Ryff nichts, die Kirschen kommen ganz in den Sirup.

Der Zucker. Ryff verlangt guten, harten Zucker. Klären muss man ihn nur, wenn er nicht weiß genug ist. Wie das geht, steht nicht hier, sondern im ersten Teil, Kap. II vom Zucker (Verfahren Bl. 3r: Zucker mit geschlagenem Eiklar klären, durch ein Wolltuch seihen und zur Dicke eines Sirups sieden). Dieses Kapitel ist nicht als eigenes Rezept aufgenommen. Das Eiklar gerinnt im heißen Zucker und nimmt Trübes mit in den Schaum, der abgeschöpft wird. Wasser nennt Ryff an dieser Stelle nicht; heute löst man den Zucker in wenig Wasser, bevor er siedet.

Zweimal sieden. Der Sirup wird beinahe bis zur rechten Dicke gesotten und vom Feuer genommen, erst dann kommen die Kirschen hinein und ziehen eine Weile. Danach wird alles noch einmal zur rechten Dicke gesotten: Die Früchte geben Saft ab und verdünnen den Sirup. Dasselbe Nachsieden verlangt Ryff beim Ingwer und bei den grünen Nüssen ausdrücklich. Eine Probe für die Dicke nennt er hier nicht; heute gibt man einen Tropfen auf einen kalten Teller, zerläuft er nicht mehr, ist der Sirup dick genug.

Gläser. „Schöne lautere gläßlin, sonderlich darzů bereyt“: saubere, klare Gläser, die eigens für das Eingemachte gehalten werden. Einen Verschluss nennt Ryff nicht. Heute nimmt man heiß ausgespülte Schraubgläser. Ist der Sirup zu dünn geblieben, kann das Eingemachte gären oder schimmeln; dann wird er, wie Ryff es beim Ingwer sagt, abgegossen und nachgesotten.

Zucker und Honig. Die Einleitung kündigt das Einmachen „in zucker vnd honig“ an. Den Honigweg beschreibt Ryff im selben Kapitel gleich danach als eigene, billigere Art: Kirschen roh in einen glasierten Topf, geläuterter Honig darüber.

Praxis. Sauerkirschen (Schattenmorellen) zur Kirschzeit, Stiele kürzen, Zucker zu Sirup sieden, vom Feuer nehmen, Kirschen hinein, ziehen lassen, wieder zu Sirupdicke sieden und in Gläser füllen. So viel Sirup nehmen, dass die Kirschen im Glas bedeckt sind. Siedender Zucker verursacht schwere Verbrennungen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-017-orig" n="Latwerg" resp="#fyndling">Latwerge meint bei Ryff ein eingedicktes Frucht- oder Saftmus, das in Zuckerlädlein gegossen oder in Stücke geschnitten wird. Die Kirschlatwerge aus dem Saft steht im ersten Teil; hier verweist Ryff nur darauf.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-017-orig" n="Amarellen vnd Weichßlen" resp="#fyndling">Beides sind Sauerkirschen. Das Grimm'sche Wörterbuch beschreibt die Amarelle als dunkelrote, säuerliche, saftreiche Kirsche; Ryff unterscheidet die beiden nur dem Namen nach und behandelt sie gleich.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-017-orig" n="hitzigen kranckheyten" resp="#fyndling">In der Säftelehre der Zeit fieberhafte, austrocknende Leiden. Ryff empfiehlt die sauren Kirschen dagegen, um Mund und Kehle zu befeuchten und den Durst zu löschen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-018-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ganze, rohe Kirschen unter geläutertem Honig, beschwert und als Vorrat übers Jahr verwahrt. Ryff stellt sie als billigere und weniger mühsame Fassung neben die Weichseln in Zucker unmittelbar davor: Die Kirschen werden hier nicht im Sirup gesotten.

Welche Kirschen? Ryff schreibt nur „Kirſen“. Im Kopf des Kapitels sagt er aber, in Zucker und Honig eingemacht würden die sauren Kirschen, Amarellen und Weichseln. Gemeint sind darum wohl Sauerkirschen. Die Stiele werden nur gekürzt, nicht ausgerissen.

Der Honig. „Geläutert“ heißt geklärt; Ryff setzt es an anderer Stelle mit abgeschäumt gleich. Ob der Honig warm oder kalt über die Kirschen kommt, sagt er nicht. Die verwandten Fassungen bei Maria Stenglerin und in der Wolfenbütteler Handschrift lassen ihn nach dem Läutern erkalten.

Brettchen und Stein. Sie halten die Kirschen unter dem Honig, „das ſie nicht vberſich ſteigen“.

Wozu? Ryff verweist auf die Weichseln in Zucker. Dort lobt er sie in hitzigen Krankheiten, um den ausgedörrten Mund, Zunge und Hals zu befeuchten, den Durst zu löschen und den Magen zur Speise zu reizen. Das ist sein Anspruch im Denken der Zeit, kein heutiger Rat.

Praxis. Das Läutern ist Vorarbeit: Honig erwärmen und abschäumen. Heute lässt man ihn danach abkühlen und gießt ihn über die Kirschen, bis sie ganz bedeckt sind; ein Brettchen mit einem sauberen Stein hält sie unten. Modern zu bedenken: Aus den Kirschen tritt Saft aus und verdünnt den Honig. Ein verdünnter Ansatz kann zu gären beginnen, aufschwimmende Früchte können schimmeln. Darum die Kirschen stets bedeckt halten und den Topf regelmäßig ansehen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-018-orig" n="geleüterten" resp="#fyndling">Geläutert heißt geklärt, gereinigt. Ryff gebraucht es beim Honig gleichbedeutend mit abgeschäumt, so bei den Pfirsichen: „geleüterten oder verſchaumpten Honig“.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-018-orig" n="wie von den voꝛigen geſagt iſt" resp="#fyndling">Verweis auf die Weichseln und Amarellen in Zucker unmittelbar davor. Die Verwendung wiederholt Ryff hier nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-018-orig" n="Kirſen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Kirschen, wohl Sauerkirschen: Im Kapitelkopf nennt Ryff als das, was in Zucker und Honig eingemacht wird, „die ſauren Kirſen/ Amarellen vnd Weichßlen“, und die Einheit davor macht Weichseln und Amarellen ein.<list type="alternatives"><item>Kirschen allgemein, auch Süßkirschen<note type="rationale">Der Satz selbst nennt keine Sorte; der Kapitelkopf legt die sauren nahe, schließt andere aber nicht aus.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-018-orig" n="Honig darüber goſſen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Übersetzt als „darübergießen“, ohne Temperatur, weil Ryff keine nennt. Die verwandten Fassungen bei Maria Stenglerin und in der Wolfenbütteler Handschrift gießen den Honig nach dem Läutern erkaltet über die Früchte.<list type="alternatives"><item>Warm, unmittelbar nach dem Läutern übergossen<note type="rationale">Der Wortlaut schließt es nicht aus; belegt ist es in der Rezeptfamilie nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-019-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Dörrkirschen ohne Zucker und Honig. Im Kirschenkapitel ist das der dritte und einfachste Weg, Kirschen über das Jahr zu bringen: nach dem Einmachen in Zucker und dem Einlegen in Honig, das Ryff schon „mit ringerer mühe“ und kleineren Kosten nennt. Zum Essen werden die gedörrten Kirschen in Wein oder Wasser wieder weich.

Dörren. Ryff nennt zwei Wärmequellen, die Sonne oder einen Backofen, und als Ziel nur, dass die Kirschen trocken werden. Gemeint ist Trocknen, nicht Garen. Wie lange es dauert, wie warm der Ofen sein soll, ob er eigens geheizt wird, und ob die Kirschen entsteint oder die Stiele gekürzt werden, sagt er nicht.

Aufweichen und Gebrauch. Wein und schlichtes Wasser stehen gleichrangig nebeneinander; Menge und Dauer fehlen. „Zů allen ſachen/ wie gemeldet iſt“ verweist auf die vorigen Abschnitte des Kapitels: Die in Zucker eingemachten Weichseln dienen dort nach Ryff zur Labung der Kranken in hitzigen Krankheiten, die Honigkirschen „zů allen dingen“. Rumpolt setzt 1581 dürre Kirschen mit halb Wasser und halb Wein zu und gibt sie kalt oder warm.

Praxis. Heute (modern): ein Backofen auf niedrigster Stufe mit einem Spalt breit geöffneter Tür oder ein Dörrgerät statt Sonne und Backofen. So lange trocknen, bis die Kirschen sich trocken anfühlen und beim Drücken keinen Saft mehr geben; was weich und feucht bleibt, schimmelt im Vorrat. Trocken und luftig aufbewahren. Nicht entsteinte Kirschen behalten ihren Stein, darauf beim Essen achten.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-019-orig" n="ſchlechte leüt / ſchlechtem waſſer" resp="#fyndling">„Schlecht“ heißt hier im älteren Sinn schlicht, einfach: einfache Leute und gewöhnliches Wasser, nicht minderwertiges.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-019-orig" n="auff trücknen" resp="#fyndling">Im älteren Sinn zum späteren Gebrauch trocknen, wie das Grimmsche Wörterbuch es mit „äpfel, kirschen auftrocknen“ belegt; nicht das heutige Aufwischen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-019-orig" n="in einem Bachofen döꝛren" resp="#fyndling" subtype="contextual">Trocknen bei mäßiger Wärme im Backofen: döꝛren heißt durch Wärme trocknen, nicht backen. Wie warm der Ofen ist, sagt Ryff nicht.<list type="alternatives"><item>Ein eigens geheizter Ofen<note type="rationale">Möglich, der Text schließt es nicht aus; zu große Hitze würde die Kirschen aber garen statt dörren.</note></item><item>Die Wärme eines Ofens nach dem Brotbacken<note type="rationale">Naheliegend für einen Hausbackofen, steht aber nicht im Text.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-020-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ganze kleine Birnen, dünn geschält und in Zuckersirup eingekocht. Ryff gibt das Verfahren für die Muskatellerbirnlein, eine überaus kleine, süße und duftende Sorte, und lässt jede andere weiche, milde und wohlschmeckende Birne zu; zu große werden geviertelt. Mengen nennt er nicht, auch kein Verhältnis von Zucker zu Frucht.

Ernte. Reif, an einem hellen, klaren Tag bei kräftiger Sonne und zunehmendem Mond, mit der Hand gebrochen, damit die Früchte nicht zerfallen, wie sie es beim Abschütteln täten. Diese Regel gibt Ryff für alles Obst, das über das Jahr halten soll.

Sirup und Einkochen. Zuerst wird aus gutem, klarem weißem Zucker ein Sirup gut gesotten; Wasser nennt Ryff dafür nicht eigens. Dann kommen die geschälten Birnen hinein, und der Zucker wird mit ihnen zur rechten Dicke gesotten. Die Birnen garen also im Sirup, und was sie an Saft abgeben, kocht wieder ein. Ein Endzeichen nennt Ryff hier nicht. Im Pfirsichkapitel, das auf dieses Verfahren verweist, rät er: Wird der Sirup wässrig und dünn, gießt man ihn ab und siedet ihn, bis die Wässrigkeit verzehrt ist.

Zimt. Nach Wahl ein wenig fein gestoßener Zimt in den Sirup; bei geviertelten großen Birnen wird der Sirup mit Zimt besprengt.

Praxis. Reife, kleine Birnen auslesen, wurmstichige aussortieren und mit einem scharfen kleinen Messer dünn schälen. Zucker mit Wasser zu einem klaren Sirup kochen (die Wassermenge nennt Ryff nicht), die Birnen hineinlegen und weiter sieden, bis der Sirup wieder dick ist; wird er durch den Saft dünn, abgießen, einkochen und wieder darübergeben. Wer ein Maß für die Dicke sucht, nimmt heute die Fadenprobe am Löffel oder ein Zuckerthermometer (modern, nicht bei Ryff). Siedender Zuckersirup verbrüht stark. Wie Ryff aufbewahrt, sagt er nicht; heute füllt man Birnen und Sirup heiß in saubere Gläser und verschließt sie (modern).</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-020-orig" n="Muſcateller byrlin" resp="#fyndling">Muskatellerbirnen, eine Birnensorte. Ryff beschreibt sie als überaus klein, sehr süß und wohlriechend; ältere Wörterbücher nennen sie außerdem frühreif. Mit einer bestimmten heutigen Sorte lässt sie sich nicht gleichsetzen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-020-orig" n="den magen damit zůbeſchlieſſen" resp="#fyndling">Den Magen damit schließen: beſchlieſſen heißt hier schließen, nicht entscheiden. Ryff empfiehlt die Birnen dafür abends nach dem Essen; das gehört zur Ernährungslehre seiner Zeit, nicht zu heutigem Rat.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen"/></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-021-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Rohe, reife Birnen, die ohne Zucker und ohne Kochen unter Wein über das Jahr gehalten werden. Ryff nennt drei Schritte: gut reif pflücken, einen Monat aufbewahren, dann in einen steinernen Krug legen, mit Wein übergießen und beschweren.

Das Pflücken. „Wie gesagt“ verweist auf den Abschnitt unmittelbar davor, über die kleinen Muskatellerbirnen: Dort sollen die Früchte recht reif, an einem schönen, hellen Tag und mit der Hand gebrochen werden, „wie auch alles obs/ das man vber jar behalten will“, damit sie beim Abschütteln nicht zerfallen.

Der Monat. Die Birnen liegen einen Monat, bevor sie in den Krug kommen. Wozu dieser Monat dient, sagt Ryff nicht.

Wein und Gewicht. Verlangt ist guter, klarer Wein; Farbe oder Sorte nennt Ryff nicht, ebenso wenig eine Birnensorte. Das Beschweren hält die Früchte unter dem Wein. Womit, sagt er hier nicht; bei den Kirschen in Honig legt er ein Brettchen mit einem Stein darauf.

Praxis. Heutiger Rat, nicht Ryffs: nur Birnen ohne Druckstellen nehmen, den Krug abdecken und darauf achten, dass keine Frucht über den Wein ragt, denn dort kann sich Schimmel bilden. Dem Krug entspricht heute am ehesten ein Steinzeugtopf mit Beschwerstein, wie man ihn für Sauerkraut nimmt. Wie die Birnen später gegessen werden, sagt der Text nicht, nur dass sie „zů der notturfft“, für den Bedarf, bereitstehen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-022-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine billigere Art, rohe Birnen aufzubewahren: Statt sie wie im Abschnitt davor mit gutem Wein im steinernen Krug zu halten, schichten „etliche“ sie zwischen frisches Walnusslaub und gießen klares Wasser darüber. Zucker, Honig, Salz oder Essig kommen nicht dazu. Ryff verspricht, dass die Birnen so über das Jahr schön und gut bleiben.

Krug und Schichten. „Des krůgs“ mit bestimmtem Artikel knüpft an den steinernen Krug der Weinlagerung an; Ryff lässt aber auch ein anderes Gefäß zu. Unten Laub, darauf Birnen, wieder Laub, wieder Birnen, bis das Gefäß voll ist, dann Wasser darüber. Ob die Birnen beschwert oder das Gefäß abgedeckt wird, sagt er hier nicht, ebenso wenig, welche Birnen und wie reif, und wozu das Laub dient. Für die Weinlagerung sollten die Birnen gut reif gepflückt sein und einen Monat gelegen haben; ob das auch hier gilt, lässt der Text offen.

Der Ingwer. Zerschnittener Ingwer, auf das Laub gestreut, soll verhindern, dass die Birnen „ſo gar wäſſerig“ werden, und gibt ihnen Geschmack. Ob frischer oder getrockneter Ingwer gemeint ist und wie viel, sagt Ryff nicht.

Ohne Zusatz und gebraten. Für das Frischhalten ganz ohne Zusatz verweist Ryff auf die Quitten; dort stehen der verpichte Topf im Weinfass, das Vergraben in Stroh, Gerste, Sägespänen oder Kleie und die Hülle aus Laub und Lehm. Der Schlusssatz ist eine Verwendung: Birnen in der Asche gebraten und mit Fenchel bestreut. Zum Streuen passt am ehesten Fenchelsamen. Die Wirkung auf Magen und Sehkraft gehört zur Diätetik seiner Zeit und ist kein heutiger Rat.

Praxis. Heutiger Rat, nicht Ryffs: Wasser ohne Salz, Zucker oder Säure kann gären oder schimmeln. Wer das Verfahren versucht, nimmt nur einwandfreie, feste Birnen, setzt eine kleine Menge an, stellt das Gefäß kühl und beurteilt die Birnen vor dem Essen nach Geruch und Aussehen. Für die Bratbirnen genügt heiße Asche; eine Garzeit nennt Ryff nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-022-orig" n="Nußlaub" resp="#fyndling">Laub des Walnussbaums (Elsässisches Wörterbuch: „Laub des Wallnussbaumes“). Ryff verlangt es ausdrücklich frisch.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-022-orig" n="luſtig" resp="#fyndling">Hier „angenehm, ansehnlich“: Die Birnen bleiben schön, nicht „lustig“ im heutigen Sinn (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch, Schweizerisches Idiotikon).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-022-orig" n="geſicht" resp="#fyndling" subtype="lexical">Sehkraft: Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt „gesicht“ auch für die Augen und das Sehvermögen, das Elsässische Wörterbuch ebenso („Sehvermögen, Sehkraft“). Neben dem Magen steht es als zweites Organ, dem die Speise dienen soll.<list type="alternatives"><item>Gesicht im heutigen Sinn (Antlitz)<note type="rationale">Sprachlich möglich, als Wirkung einer Speise neben dem Magen aber weniger naheliegend.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-022-orig" n="Fenchel" resp="#fyndling" subtype="lexical">Fenchelsamen: „beſtreüwet“ spricht für ein Streugewürz; Anna Wecker (1598) streut Fenchel neben Zucker, Ingwer, Muskat und Zimt über ebenfalls in der Asche gebratene Birnen.<list type="alternatives"><item>Frisches Fenchelkraut<note type="rationale">Der Text sagt nur „Fenchel“; fein gehacktes Kraut ließe sich ebenfalls streuen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-023-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ryffs „ſanct Johans pferſing“, die ersten, um den Johannistag reifen Früchte, sehr dünn geschält und in klarem Zuckersirup zur rechten Dicke gesotten. Mengen, ein Verhältnis von Zucker zu Frucht und eine Kochzeit nennt er nicht. Vom Zerschneiden oder Entsteinen sagt er nichts; die Früchte kommen nach dem Text ganz, nur geschält, in den Sirup. Bei den gewöhnlichen Pfirsichen im nächsten Abschnitt schreibt er das Halbieren und Entkernen dagegen ausdrücklich vor.

Pfirsich oder Aprikose? Ryff beschreibt die Frucht als pflaumenähnlich und goldgelb, und „etliche Gelehrte“ zählen sie zu den Pflaumen. Georg Henisch (Augsburg 1616) erklärt „Amarill“ als „frů zeittig kleine Pferſich“, lateinisch prunum Armeniacum, das „vmb S. Johannis“ reif werde und darum „S. Johannis pferſich“ heiße; eine Ulmer Arzneitaxe von 1639 setzt „Amarellen oder S. Johanns Pfersich“ ebenso gleich (nach Fischers Schwäbischem Wörterbuch). Gemeint ist danach wahrscheinlich die Aprikose. Dazu passt wohl auch die Kapitelüberschrift „klein vnd groß“: Die kleinen Johannispfirsiche stehen hier, die „andern gemeinen Pferſing“ folgen danach in Honig.

Der Verweis. Für das Verfahren verweist Ryff auf die Muskatellerbirnlein im Kapitel davor. Dort wird ein Sirup aus gutem weißem Zucker, „der klar vnd rein ſey“, gut gesotten, die geschälten Früchte kommen zuletzt hinein, und dann wird der Zucker zur rechten Dicke gesotten. Wasser nennt Ryff an beiden Stellen nicht; heute löst man den Zucker in wenig Wasser, bevor er siedet.

Wenn der Sirup dünn wird. „Wa ſich aber die Pferſing ergeben“: Wenn die Früchte nachgeben und weich werden, geben sie Saft in den Sirup, und er wird wässrig und dünn. Dann wird er abgegossen und für sich gesotten, bis die Wässrigkeit verzehrt ist. Dass er danach wieder über die Früchte kommt, sagt Ryff nicht ausdrücklich; heute macht man es so. Eine Probe für die rechte Dicke nennt er nicht; heute gibt man einen Tropfen auf einen kalten Teller, zerläuft er nicht mehr, ist der Sirup dick genug. Ist er zu dünn geblieben, kann das Eingemachte gären oder schimmeln.

Praxis. Reife Aprikosen zur Saison sehr dünn schälen, weißen Zucker zu einem klaren Sirup sieden, die Früchte hineinlegen und zur rechten Dicke sieden. Wird der Sirup durch den Fruchtsaft dünn, abgießen, für sich nachsieden und wieder über die Früchte geben. Ein Aufbewahrungsgefäß nennt Ryff hier nicht; heute füllt man in heiß ausgespülte Schraubgläser. Siedender Zucker verursacht schwere Verbrennungen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-023-orig" n="Muſcateller byrlin" resp="#fyndling">Die kleinen Muskatellerbirnlein stehen im Kapitel davor als eigener Eintrag. Dorthin verweist Ryff für das Verfahren und für die Wirkung auf den Magen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-023-orig" n="hitzigen kranckheiten" resp="#fyndling">In der Säftelehre der Zeit fieberhafte, austrocknende Leiden. Ryff empfiehlt die eingemachten Früchte dagegen, um die trockene Zunge zu befeuchten und den Durst zu löschen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-023-orig" n="ſanct Johans pferſing" resp="#fyndling" subtype="lexical">Ryffs Name bleibt im Text; gemeint ist wahrscheinlich die Aprikose. Henisch 1616 erklärt „Amarill/ frů zeittig kleine Pferſich/ prunum Armeniacum“, „vmb S. Johannis“ reif und darum „S. Johannis pferſich“ genannt; die Ulmer Arzneitaxe 1639 (Fischer, Schwäbisches Wörterbuch) setzt „Amarellen oder S. Johanns Pfersich“ gleich. Ryffs eigene Beschreibung (pflaumenähnlich, goldgelb, von Gelehrten zu den Pflaumen gezählt) passt dazu.<list type="alternatives"><item>eine früh reifende Pfirsichsorte<note type="rationale">Das Grimm'sche Wörterbuch erklärt „johannispfirsche“ als „eine um Johannis reifende frühe pfirschenart“, und „Pferſing“ heißt sonst Pfirsich. Die Belege des 17. Jahrhunderts und Ryffs Beschreibung sprechen aber für die Aprikose.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-023-orig" n="ſich … ergeben" resp="#fyndling" subtype="lexical">nachgeben, weich werden. Das Grimm'sche Wörterbuch führt „sich ergeben“ ganz sinnlich als „nachgeben“ („dasz sich die härte umb etwas ergeben und weich worden“); Ryff selbst gebraucht es bei der Quittenlatwerge so: „Wann ſich nůn die Quitten gantz ergeben haben/ weich vnnd můſecht woꝛden ſeind“.<list type="alternatives"><item>Saft abgeben<note type="rationale">Beschreibt die Folge, nicht das Wort: Weil die Früchte nachgeben, wird der Sirup wässrig und dünn.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-024-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Rohe Pfirsichstücke ohne Kern, in geläutertem Honig verwahrt. Ryff stellt sie neben die Johannispfirsiche unmittelbar davor: Jene werden in weißem Zuckersirup gesotten, diese nur in den Honig gelegt.

Welche Pfirsiche? „Die andern gemeinen Pferſing“ sind alle außer den Johannispfirsichen, die nach Ryff um Sankt Johannis reif, goldgelb und den Pflaumen nicht unähnlich sind. Eine heutige Sorte lässt sich daraus nicht ableiten. Ausgelesen werden „die beſten“, weil sie roh in den Honig kommen.

Der Honig. „Geleütert oder verſchaumpt“ heißt gereinigt oder abgeschäumt. Wie das geht, beschreibt Ryff hier nicht; abgeschäumt wird Honig beim Erhitzen, bis er keinen Schaum mehr wirft. Ob er warm oder erkaltet an die Früchte kommt, sagt der Text nicht.

Praxis. Den Honig erwärmen und abschäumen, dann ihn - modern - abkühlen lassen und über die Pfirsichstücke gießen, bis sie ganz bedeckt sind; ein Gefäß nennt der Text nicht. Modern zu bedenken: Aus den Früchten tritt Saft und verdünnt den Honig. Ein verdünnter Ansatz kann zu gären beginnen, aufschwimmende Stücke können schimmeln. Darum die Stücke bedeckt halten und das Gefäß regelmäßig ansehen. Heißer Honig verbrennt die Haut.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-024-orig" n="gemeinen" resp="#fyndling">Gewöhnlich, einfach, nicht abwertend. Gemeint sind alle Pfirsiche außer den Johannispfirsichen, die nach Ryff allein in den Apotheken eingemacht werden.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-024-orig" n="geleüterten oder verſchaumpten" resp="#fyndling">Geläutert heißt gereinigt; verſchaumen heißt abschäumen, also den Schaum abheben, den der Honig beim Erhitzen wirft.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-024-orig" n="in ein gůten geleüterten oder verſchaumpten Honig leg" resp="#fyndling" subtype="contextual">Das entkernte Fruchtfleisch kommt roh in den fertig geläuterten Honig; gesotten wird nichts. So steht es im Text, und so unterscheidet sich der Abschnitt von den Johannispfirsichen davor, die im Zuckersirup „zů rechter dicke geſotten“ werden. Ob der Honig dabei warm oder erkaltet ist, sagt Ryff nicht.<list type="alternatives"><item>Die Stücke in den noch warmen Honig legen, gleich nach dem Läutern<note type="rationale">Möglich, weil das Abschäumen mit Hitze geschieht und der Text keine Abkühlung nennt; belegt ist es aber ebenso wenig wie das Erkalten.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-025-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Dörrpfirsiche: Die Früchte werden zerteilt, auf einen Faden gereiht und in der Sonne getrocknet; zum Gebrauch weicht man sie in Wein oder Wasser wieder auf. Es ist der einfachste der drei Wege, die Ryff im Pfirsich-Kapitel beschreibt, ohne Zucker und ohne Honig.

Zerteilen. „wie geſagt iſt“ verweist auf das Stück direkt davor (in Honig eingemachte Pfirsiche): Dort schneidet man die Pfirsiche auseinander und nimmt den Kern heraus. Ryff wiederholt das hier nicht, und die Übersetzung lässt den Verweis stehen. Entkernt und geteilt liegt das Fruchtfleisch offen und kann trocknen.

Dörren. „wol trücknen laſſen/ vnd döꝛren“: Das Ende ist erreicht, wenn die Stücke durchgetrocknet sind. Wetter und Dauer nennt der Text nicht. Was nicht durchtrocknet, verdirbt - Ryff selbst sagt, die Pfirsiche „faulen leichtlich“.

Aufweichen. Guter Wein oder schlichtes Wasser stehen gleichrangig nebeneinander; was danach mit den Stücken geschieht, lässt Ryff offen.

Der Kern. Gegen die „Kälte“ der Frucht nennt Ryff den Kern oder einen Schluck Wein danach. Das ist die Säftelehre der Zeit. Falls der Samen im Stein gemeint ist: Pfirsichkerne schmecken bitter wie Bittermandeln und enthalten wie diese Amygdalin; als Mittel isst man sie heute nicht.

Praxis. Feste, reife Pfirsiche halbieren und entsteinen, die Hälften mit einer Nadel auf Küchengarn fädeln und an einem sonnigen, luftigen Ort aufhängen, bis sie ledrig und ohne feuchte Stellen sind. Modern hält ein feines Netz die Insekten ab; bei unsicherem Wetter trocknet man im Dörrgerät oder im Backofen bei niedriger Hitze nach (beides modern). Zum Essen die Stücke in Wein oder Wasser quellen lassen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-025-orig" n="ſchlechtem waſſer" resp="#fyndling">„Schlecht“ heißt hier im älteren Sinn schlicht, einfach: gewöhnliches Wasser neben dem guten Wein, nicht minderwertiges.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-025-orig" n="Ohn zůſatz" resp="#fyndling">Ohne Beigabe. Im selben Kapitel sind die Beigaben Zucker (bei den Johannispfirsichen) und Honig (bei den gewöhnlichen Pfirsichen). Von den Birnen sagt Ryff kurz zuvor das Gegenteil: Sie lassen sich „ohn einigen zůſatz“ frisch über das Jahr halten.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-025-orig" n="wärhaffte frucht" resp="#fyndling">„Währhaft“ kommt von „währen“, dauern, und heißt dauerhaft, haltbar - nicht „wehrhaft“. Der Pfirsich hält sich nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-025-orig" n="kern" resp="#fyndling">Der Kern, den man beim Zerteilen herausnimmt (so im Stück davor). Kalt ist der Pfirsich nach der Säftelehre der Zeit; wie der Kern das ausgleichen soll, ob man ihn isst oder anders braucht, sagt Ryff nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-025-orig" n="vnrahts" resp="#fyndling" subtype="lexical">Schaden, Beschwerde. Frühneuhochdeutsch „unrat“ heißt Nachteil, Schaden, Unheil (Schweizerisches Idiotikon U(n)rāt 1b; mittelhochdeutsch unrât „Mangel, Not“). Gemeint ist, was die kalte Frucht dem Körper schadet.<list type="alternatives"><item>Unrat im heutigen Sinn: Abfall, Schmutz, Kot<note type="rationale">Die Bedeutung ist alt belegt (Elsässisch „Unrat, Kot“), passt aber nicht zum Satz: Kern und Wein sollen etwas abwenden, das „von ſeiner kälte wegen“ entsteht - einen Schaden, keinen Abfall.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-026-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Zitronat: die Zitronatzitrone, in Zuckersirup eingemacht. Ryff lässt drei Wege offen - die Rinde allein, das innere Mark allein oder beides zusammen. Das Letzte entspricht nach ihm dem Zitronat, das als Handelsware ins Land kommt.

Der Sirup. Wie man mit Zuckersirup einmacht, setzt Ryff hier voraus („wie schon oft gesagt ist“). Ausgeführt steht es in den Kapiteln davor, am deutlichsten bei den kleinen Muskatellerbirnen: einen Sirup aus gutem weißem Zucker machen, der klar und rein ist, ihn gut sieden, die Frucht hineinlegen und den Zucker zur rechten Dicke sieden. Bei den Johannispfirsichen kommt hinzu: Wird der Sirup wässrig, gießt man ihn ab und siedet ihn nach, bis er wieder dick ist.

Milder im Geschmack. Wer die Stücke milder und lieblicher will, lässt sie vorher gut im Zucker sieden. Ein Wässern oder Beizen wie bei den Pomeranzenschalen verlangt Ryff hier nicht; im folgenden Kapitel sagt er, die Pomeranzenrinde sei bitterer als die der Zitronatzitrone.

Praxis. Mengen, Zeiten und die Größe der Stücke nennt Ryff nicht; sie bleiben dem überlassen, der es nachmacht. Siedender Zucker verbrüht leicht, also mit Vorsicht arbeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-026-orig" n="Citrinat" resp="#fyndling">Die Zitronatzitrone (Cedrat, Citrus medica), eine große, dickschalige Zitrusfrucht; Ryff nennt die Früchte „Äpfel“. In Zucker eingemacht heißt sie Zitronat.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-026-orig" n="warmer natur / kalter natur / Complexion" resp="#fyndling">Begriffe der Säftelehre: Jeder Stoff hat eine Grundbeschaffenheit (Komplexion), warm oder kalt, feucht oder trocken. Die Rinde gilt Ryff als warm, das Mark als kalt, beides zusammen als ausgeglichen („temperiert“).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-027-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eingemachte Pomeranzenschalen, also Schalen der Bitterorange in Zucker: getrocknet ein Konfekt, das heute Orangeat heißt, oder im Zuckersirup liegend. Auf dieselbe Weise macht Ryff kleine unreife Pomeranzen und Winterobst ganz ein.

Entbittern. Die Schalen liegen etliche Tage in Wasser oder in scharfer Lauge, bis sie mild und mürbe sind und nicht mehr bitter schmecken. Das ist Ryffs Endzeichen, eine Dauer nennt er nicht. Die scharfe Lauge ist eine Aschenlauge und greift die Haut an. Staindl wechselt in seiner Fassung das Wasser jeden Tag, Ryff sagt dazu nichts.

Weiße Haut. Erst nach dem Beizen schabt man innen die weißen Häutlein ab. Danach lässt man die Schalen ein wenig antrocknen.

Zucker. Der gesottene Zucker ist ein Zuckersirup. Ryff nennt weder Menge noch Kochstufe. Die Schalen ziehen etliche Tage darin.

Zwei Fertigformen. Bleiben die Schalen im Sirup, ist es nasses Eingemachtes. Für trockenes Konfekt gießt man den Sirup ab und trocknet die Schalen an einem warmen Ort oder in einem Becken über dem Feuer. Das stete Wenden verhindert, dass sie anhängen oder verbrennen.

Die Verweise. Wie man das Konfekt gebraucht, steht beim Zitronat; wie man frische Pomeranzen hält, steht bei den Quitten. Beides ist hier nicht ergänzt.

Praxis. Unbehandelte Bitterorangen nehmen, weil die Schale gegessen wird (moderner Hinweis). Statt der Lauge genügt heute Wasser. Mengen von Schale und Zucker sind frei. Beim Trocknen über dem Feuer klebt der Zucker schnell an und brennt an; Becken und Schalen nicht aus den Augen lassen, siedender Zuckersirup verbrüht. Den Saft frisch gepresst als saure Würze zur Speise geben.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-027-orig" n="Citrinaten" resp="#fyndling">Citrinat- oder Zitronatäpfel sind die Zitronatzitronen des vorigen Kapitels. Ryff beschreibt sie dort als große, runzlige, goldgelbe und saure Früchte aus heißen Ländern; eingemacht ergeben sie Zitronat.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-027-orig" n="ſchölet / ſchölffen" resp="#fyndling">Schelfe ist ein altes Wort für Schale, besonders die von Obst (DWB: häutige Schale von Obst; Dasypodius: schelffe = putamen).</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-027-orig" n="ſcharpffen laug" resp="#fyndling">Lauge ist hier Wasser, das über Asche gestanden hat (Frisch: aqua per cinerem colata; scharfe Lauge = acre lixivium). Sie ist ätzend.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-027-orig" n="ſalſen" resp="#fyndling">Salse ist eine Tunke oder Würze zur Speise, hier der frisch ausgepresste Saft.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-027-orig" n="Winter Obs" resp="#fyndling" subtype="lexical">Winterobst: Obst, das spät reift und sich über den Winter hält, also Lagerobst (DWB). Ryff nennt in seinem Quittenkapitel die Quitte selbst ein Winterobst. Mit „oder“ bietet er es neben den kleinen unreifen Pomeranzen als weitere Frucht zum Ganz-Einmachen an.<list type="alternatives"><item>die im Winter reifen Pomeranzen selbst<note type="rationale">Möglich, wenn „oder“ nur eine zweite Benennung einführt. Dagegen spricht, dass Ryff Winterobst sonst für heimisches Lagerobst wie die Quitte gebraucht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-028-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ganze Berberitzen-Träublein, in geklärtem Zuckersirup fertig gesotten. Ryff stellt sie neben die Berberitzenlatwerge des ersten Teils, die aus dem Saft eingekocht wird. Mengen, ein Verhältnis von Zucker zu Beeren, eine Kochzeit und ein Gefäß zum Aufbewahren nennt er in diesem Kapitel nicht.

Der geklärte Sirup. „clarificier jhn/ wie oben angezeigt“ verweist auf Ryffs Kapitel vom Zucker im ersten Teil (Kap. II, Bl. 3r), das selbst kein Rezept dieser Sammlung ist. Dort wird der Zucker mit geschlagenem Eiklar geklärt (fünf oder sechs auf drei Pfund), über Kohlen, die nicht riechen, gesotten, bis der Schaum alles Unreine an sich zieht, durch wollene Tücher geseiht und zur Dicke eines Sirups gesotten; die Probe ist ein Tropfen auf kaltem Eisen oder Marmor, der beisammenbleibt und nicht zerfließt; auch das Weichselkapitel (ryf-017) verweist für das Klären „mit eyerklar“ dorthin. Hier steht nur der Verweis.

Beinahe hart genug. Der Sirup wird fast so weit eingekocht, wie er am Ende sein soll, erst dann kommen die Beeren hinein und sieden mit ihm „vollend“. Naheliegend ist, dass die frisch gewaschenen Beeren Saft und Wasser abgeben und den Sirup wieder verdünnen. Das Endzeichen gibt Ryff von der anderen Seite: aufhören, bevor die Beerlein zerspringen oder zerfahren. Die Träublein bleiben dabei ganz.

Praxis. Die Beeren in ihren Fruchtständen lassen, verlesen und waschen. Den Sirup klären und einkochen, bis er beinahe die gewünschte Dicke hat, die Träublein einlegen und nur kurz mitsieden lassen, solange die Beeren heil bleiben. Siedender Zuckersirup verbrennt die Haut, und nasse Beeren lassen ihn spritzen. Gegessen werden nur die reifen Beeren; die übrigen Teile der Berberitze gelten als schwach giftig. Wie die Träublein aufbewahrt werden, sagt dieses Kapitel nicht; die eingemachten Weichseln kommen bei Ryff in Gläslein (ryf-017).</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-028-orig" n="Saurouch oder Erbselen" resp="#fyndling">Alte oberdeutsche Namen der Berberitze (Sauerdorn), eines dornigen Strauchs mit sauren roten Beeren in hängenden Träublein. Ryff beschreibt sie im ersten Teil bei der Latwerge: viel kräftiger und saurer als die Johannisbeere.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-028-orig" n="Latwergen" resp="#fyndling">Eingedicktes Frucht- oder Saftmus, das in Schachteln gegossen oder in Stücke geschnitten wird. Gemeint ist hier die Berberitzenlatwerge im ersten Teil des Buches.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#latwergen"/></note>
        <note type="gloss" target="#ryf-028-orig" n="labhafftig" resp="#fyndling">Zu „laben“: erquickend, stärkend. Ryff gebraucht das Wort für Speisen und Säfte, die Kranke erfrischen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-028-orig" n="erhitzigte Leber" resp="#fyndling">Nach der Säftelehre konnte die Leber „erhitzt“ sein. Saure, kühlende Säfte galten als Gegenmittel; von der Berberitzenlatwerge sagt Ryff, sie „miltert vñ kület die hitz“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-028-orig" n="ſchottechtigen / ſchottechtigſten" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">„Schotenförmig“, zu Schote mit der Endung -echt/-icht („-artig“): die länglichen Beeren, wie sie die Berberitze trägt. Ryff nennt damit eine Eigenschaft der besten Träublein. Ein Wörterbuchbeleg für das Wort selbst fehlt.<list type="alternatives"><item>„Dicht gebündelt“, zu oberdeutsch Schött ‚Bündel‘ (DWB, Schmeller): gut besetzte Fruchtstände<note type="rationale">Formal möglich, das Wort ist aber vor allem bairisch-tirolisch für Flachsbündel belegt, nicht für Früchte.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-029-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ganze unreife Weinbeeren, in Zuckersirup eingemacht. Ryff gibt in diesem Kapitel nur die Auswahl der Beeren und zwei Handgriffe an; das Einmachen selbst verweist er auf das vorige Kapitel, die Berberitzen.

Das Verfahren aus dem Bezugskapitel. Bei den Berberitzen beschreibt Ryff: Zucker zu einem Sirup kochen und klären, ihn sieden, bis er fast hart genug ist, dann die Beeren hineinwerfen und vollends sieden lassen, aber nicht zu viel, damit sie nicht zerspringen. Mengen nennt er an keiner der beiden Stellen.

Die Beeren. Gefragt sind die größten Beeren, die noch nicht reif sind: fest und sauer. Den Stiel schneidet man ab, statt ihn herauszureißen. So bleibt die Beere an der Ansatzstelle geschlossen und hält im Sirup ihre Form - das ist eine Deutung des Handgriffs, Ryff selbst begründet nur das kurze Sieden.

Das Ende. Ryffs Zeichen ist die Beere selbst: Sie muss ganz bleiben. Wer zu lange siedet, sprengt die Beeren, und sie zerfallen zu Mus.

Praxis. Siedender Zuckersirup verbrüht leicht, die Beeren mit einem Schaumlöffel einlegen. Wie lange und in welchem Gefäß die eingemachten Trauben aufbewahrt werden, sagt der Text nicht; heute füllt man sie heiß in saubere Gläser (modern).</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-029-orig" n="Erbſelen böꝛ / Saurouch" resp="#fyndling">Beide Namen meinen die Berberitze (Sauerdorn). Ihr Einmachverfahren steht im vorigen Kapitel, auf das Ryff hier verweist.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-029-orig" n="hitzigen kranckheyten" resp="#fyndling">Krankheiten, die nach der Lehre der Zeit aus Hitze kommen, vor allem Fieber.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-029-orig" n="vnzeytigen Treüblin" resp="#fyndling" subtype="lexical">Unreife Weintrauben. Die Wörterbücher kennen 'unzeitige Trauben' als unreife Weintrauben (Adelung; Idiotikon unter Agrest 'unzeitig träubelsaft', 1557), und Ryff unterscheidet die Frucht im Schlusssatz ausdrücklich von der Berberitze, deren Kräfte sie nur teilt. Auch 'die allergrößten, die noch nicht reif sind' passt zu Weinbeeren.<list type="alternatives"><item>Unreife Johannisbeeren<note type="rationale">Ryff nennt Johannisbeeren 'Johans treüblin' und Berberitzen 'Saurouch treüblin', immer mit Zusatz. Hier fehlt er, darum nicht gewählt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-030-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein süß-saurer Rübenkumpost: Stücke roter Rüben werden weich gegart, auf einem Tuch abgetrocknet, Lage um Lage mit Gewürzsamen bestreut und mit Honig übergossen, dem ein Viertel Essig und in Branntwein angefeuchtetes Süßholz beigemischt ist. Ryff nennt die Mengen für etwa einen Sester Rüben: zwei Maß Honig auf ein Viertel Maß Essig, also acht Teile Honig auf einen Teil Essig. Das Verhältnis trägt, die Maße selbst waren örtlich verschieden. Am nächsten kommen heute süß-sauer eingelegte Möhren.

Welche Rüben? Nach Ryffs eigener Beschreibung rote Möhren, keine Rote Bete: drei Farben mit demselben Kraut, das gezackt zerteilt ist wie Wiesenkümmel, dazu ein holziges Herz wie bei Fenchel- und Petersilienwurzel und der Vergleich mit den Pastinaken. Im nächsten Kapitel stellt Ryff die Leipziger rote Mangoldwurzel dagegen, die man dort „um der Gestalt willen“ auch rote Rüben nenne und die die vorgenannten roten Rüben an Farbe und Größe weit übertreffe. Wer nachkocht, nimmt rote oder violette Möhren.

Drei Wege zum Weichmachen. Dörren im Backofen, Dämpfen im Topf oder Sieden in bloßem Wasser; das Zeichen ist jedes Mal: weich und mürbe. Eine Zeit nennt Ryff nicht. Beim Dämpfen verweist er auf die Quitten: Dort werden die Stücke mit Hölzchen im Topf festgeklemmt, damit sie nicht herausfallen, wenn man ihn umgedreht auf einen weiteren Topf mit siedendem Wasser setzt. Ob die Rüben geschält werden, sagt er nicht, nur „reinigen von Sand und allem Überflüssigen“.

Abtrocknen und Schichten. Das doppelt oder dreifach gelegte Tuch nimmt die Nässe auf; vermutlich soll kein Wasser in den Honig kommen. Ob die Honig-Essig-Mischung warm oder kalt aufgegossen wird, steht nicht da; der Honig ist schon abgeschäumt, also vorher geläutert. Heute naheliegend: Honig und Essig kalt verrühren und über die trockenen Stücke gießen, bis sie bedeckt sind. Die Samen kommen ganz zwischen die Lagen, gleich viel von jeder Sorte; ob das kleine Händchen voll für jede Sorte oder für alle zusammen gilt, lässt der Satz offen. Einen Deckel oder eine Ziehdauer nennt Ryff nicht.

Praxis. Am Lagerfeuer ist das Sieden in Wasser der einfachste Weg. Die Stücke gut abtrocknen lassen; nasse oder nicht bedeckte Stücke können in der Einlage schimmeln oder anfangen zu gären. Ein Steinguttopf oder, modern, ein Einmachglas mit Deckel hält den Kumpost sauber. Süßholz schmeckt kräftig; zwei Lot gehen auf den ganzen Ansatz. Die Heilwirkungen am Schluss sind Ryffs Lehre und kein Gesundheitsrat.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-030-orig" n="kumpoſt" resp="#fyndling">Kumpost heißt Eingemachtes und hat mit Kompost nichts zu tun. Dieser ist in Honig und Essig eingelegt, also süß-sauer.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-030-orig" n="ſeſter" resp="#fyndling">Der Sester ist ein altes Hohlmaß, vor allem für Trockenes wie Korn, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Ryff bemisst Honig und Essig auf etwa einen Sester Rüben.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-030-orig" n="zinnelecht" resp="#fyndling">Gezackt, mit Zacken versehen; gemeint sind die fein zerteilten Blätter.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-030-orig" n="Complexion" resp="#fyndling">Die Komplexion ist nach der Säftelehre die Mischung der Grundqualitäten. „Warm und feucht“ ordnet die Rüben in dieses System ein und ist keine Temperaturangabe.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-030-orig" n="roter Růben" resp="#fyndling" subtype="lexical">Rote Möhren (Daucus carota). Ryff beschreibt drei Farben mit demselben, wie Wiesenkümmel zerteilten Kraut, ein holziges Herz wie Fenchel- und Petersilienwurzel und vergleicht mit Pastinaken; im Folgekapitel unterscheidet er davon die Leipziger rote Mangoldwurzel, die man dort ebenfalls rote Rüben nenne.<list type="alternatives"><item>Rote Bete (Beta vulgaris)<note type="rationale">Die heutige Bedeutung von „Rote Rübe“. Sie passt weder zum zerteilten Kraut noch zum holzigen Herz, und Ryff grenzt die Mangoldwurzel im nächsten Kapitel ausdrücklich ab.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-030-orig" n="auff ein ſeſter" resp="#fyndling" subtype="lexical">Etwa einen Sester: Sester ist ein Hohlmaß, „auf ein“ vor einer Menge heißt ungefähr. Darauf beziehen sich die zwei Maß Honig und das Quärtlein Essig.<list type="alternatives"><item>„feste“ Rüben<note type="rationale">Der Druck hat eindeutig ſeſter mit langem s; ein Adjektiv „fest“ ergibt mit „auff ein“ keinen Satz.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-030-orig" n="vngeferbter ſůßwurtz" resp="#fyndling" subtype="lexical">Süßholz in seiner natürlichen Farbe, nicht gefärbt; Adelung erklärt „ungefärbt“ als mit seiner natürlichen Farbe versehen. Wohl eine Qualitätsangabe für unverfälschte Ware.<list type="alternatives"><item>Geschältes oder ungeschältes Süßholz<note type="rationale">Dafür gibt es keinen Wörterbuchbeleg; das Wort sagt nur etwas über die Farbe.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-030-orig" n="im werck vnnermüglich" resp="#fyndling" subtype="contextual">Wörtlich wiedergegeben als „im Werk unvermögend“; unvermüglich heißt leistungsunfähig, schwach (Goetze, Stieler). Im Zusammenhang mit Harn und Frucht im Mutterleib ist wahrscheinlich das eheliche Werk gemeint.<list type="alternatives"><item>Allgemein kraftlos bei der Arbeit<note type="rationale">Möglich, passt aber schlechter in die Reihe der Harn- und Frauenleiden.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-031-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Gesalzene, gewürzte Scheiben einer großen roten Mangoldwurzel, die Ryff als Handelsware aus der Gegend um Leipzig beschreibt. Nach seiner Beschreibung, ein Mangold mit braunroter Wurzel, braunroten Blättern und Stängeln, ist das eine Form der Beta vulgaris, die der heutigen Roten Bete entspricht. Gegessen wird es als Beigabe zu Gebratenem.

Im Ofen „gedörrt“. Ryff dörrt die ganzen Wurzeln im Backofen, „wie wir auch vnſere rote Růben pflegen zůdöꝛren“. Im Kapitel davor heißt es dazu, manche dörrten die Rüben vorher im Backofen, „das ſie milt werden“, also weich. Die Wurzel wird demnach im Ofen gegart, nicht hart getrocknet; erst danach lässt sie sich in dünne, breite Scheiben schneiden. Maria Stenglerin (Augsburg 1554) macht rote Randen ebenso: im Backofen „dempffen“, schälen, in runde Schnitze schneiden. Ob Ryffs Wurzeln geschält werden, sagt er nicht.

Wie Kohlköpfe eingemacht. Der Vergleich mit den Kappesköpfen verweist auf das Krautfass: lagenweise mit Salz und Gewürz in ein Fass, fest verschlossen. Ein Salzmaß, eine Lake oder eine Dauer nennt Ryff nicht, auch nicht, ob die Scheiben dabei säuern wie das Kraut.

Praxis. Große Rote Bete gut waschen und ganz im Backofen weich garen; heute geht das im Backrohr oder, am Feuer, im Deckeltopf in der Glut. Die Wurzeln in dünne, runde Scheiben schneiden und lagenweise in ein Fässlein oder, heute, in einen Steinguttopf schichten. Jede Lage mit Würfeln von Meerrettich, Wacholderbeeren, Koriandersamen und Salz bestreuen, dann fest verschließen. Weil Ryff kein Salzmaß nennt, lässt sich die Haltbarkeit eines Nachbaus nicht aus dem Text ableiten: kühl stellen und regelmäßig auf Schimmel prüfen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-031-orig" n="mangolts" resp="#fyndling">Mangold, Pflanzen der Gattung Beta. Ryff unterscheidet drei Formen nach der Farbe; die braunrote mit der großen Wurzel entspricht der heutigen Roten Bete.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-031-orig" n="roten Rüben" resp="#fyndling">Die „vorgenannten roten Rüben“ sind die des vorigen Kapitels. Dort beschreibt Ryff ein holziges Herz wie bei der Petersilienwurzel und Kraut, zerteilt wie der wilde Kümmel: Das sind purpurrote Möhren, nicht Rote Bete.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-031-orig" n="auffzilung" resp="#fyndling">Aufzucht. „zilen“ heißt ziehen, anbauen; im vorigen Kapitel heißt es vom Kölner Acker, er „zilet“ diese Rüben.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-031-orig" n="Cappis heüpter" resp="#fyndling">Kappesköpfe, also Weißkohl. Gemeint ist das Einmachen mit Salz im Krautfass.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-031-orig" n="gedöꝛret" resp="#fyndling" subtype="contextual">Im Backofen weich gegart: Das vorige Kapitel sagt vom Ofen-Dörren der roten Rüben „das ſie milt werden“, und die Wurzel wird erst danach in dünne, breite Scheiben geschnitten. Maria Stenglerin lässt rote Randen im Backofen „dempffen“.<list type="alternatives"><item>Hart getrocknet wie Dörrobst.<note type="rationale">Das ist die Grundbedeutung von dörren (trocken machen). Dagegen spricht, dass sich eine hart getrocknete Wurzel kaum in dünne, breite Scheiben schneiden lässt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-032-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Gesottener Mangold, sauer eingemacht: Die ganze Pflanze wird weich gekocht, kalt gestellt und mit Essig übergossen. Ryff hängt diese schlichte Hausform an die Leipziger rote Mangoldwurzel an, die mit Meerrettich, Wacholder, Koriander und Salz in Fässlein kommt.

Kraut und Wurzeln. „Kraut“ ist hier das Blattwerk, so wie Ryff im selben Kapitel vom „kraut“ der Rüben spricht. Gesotten wird also der Mangold mitsamt Blättern und Wurzeln, nicht ein Bund Suppenkräuter dazu. Das Rheinfränkische Kochbuch (um 1445) macht seinen schnellen Mangold-Kappes ebenso aus Mangold „mit den worczelen“, gesotten, erkaltet und mit Essig angemacht.

Erst kalt, dann Essig. Das Zeichen für das Ende des Siedens ist „mürb“. Ryff lässt den Mangold erkalten, bevor der Essig darüberkommt. Wie viel Essig, ob gesalzen wird und in welchem Gefäß das Eingemachte steht, sagt er nicht.

Praxis. Mangold mit Blättern und Wurzeln im Kessel sieden, bis er mürbe ist, herausnehmen und erkalten lassen, in ein Gefäß legen und Essig darübergießen. Heutige Vorsicht, keine Angabe Ryffs: ein sauberes, verschließbares Gefäß, den Mangold ganz mit Essig bedeckt halten und kühl stellen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-032-orig" n="gemeynen Mangolt" resp="#fyndling">Der gewöhnliche Gartenmangold. Unmittelbar davor beschreibt Ryff drei Farbschläge des Mangolds - schwarzgrün, weißgelb und braunrot - und nennt den schwarzgrünen „den allergemeinsten“. Von ihnen hebt sich der braunrote Leipziger Mangold ab, dessen große Wurzel dort „rote Rüben“ heißt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-032-orig" n="kraut vnd wurtzlen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Blätter und Wurzeln des Mangolds selbst: Die ganze Pflanze wird gesotten. „Kraut“ heißt im Frühneuhochdeutschen auch das Blattwerk einer Pflanze (vgl. Rübenkraut), und Ryff nennt im selben Kapitel das Laub der Rüben „einerley kraut“ und beschreibt den Mangold „mit den wurtzlen/ blettern vnd ſtengeln“. Auch das Rheinfränkische Kochbuch siedet seinen Mangold „mit den worczelen“.<list type="alternatives"><item>Mangold mit zugegebenen Küchenkräutern und Wurzelgemüse gesotten<note type="rationale">Grammatisch möglich, aber Ryff nennt keine Art und keine Menge, und die Parallelen sieden nur den Mangold samt seiner Wurzel.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-033-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Blütenzucker aus rohen Rosenblättern: Die Blätter werden zu Mus gehackt, mit der doppelten Menge Zucker vermengt und im Glas an die Sonne gehängt. Gekocht wird nichts. Ryff nennt es Conserva, die Apotheken führten den Rosenzucker als Arznei, er zählt die Wirkungen auf Magen, Darm und Fieber auf. Das ist die Heilkunde seiner Zeit, kein Rat für heute.

Die Rosen. Ryff nennt keine Sorte, nur „rote, purpurfarbene, edle Rosen“. Gepflückt wird am Morgen bei klarem Himmel, wenn der Tau abgetrocknet ist: Die Blätter sind dann trocken, und es kommt kein Wasser in den Zucker. Unten am Blütenblatt sitzt ein weißer Grund, der mit der Schere wegkommt.

Hacken statt Stoßen. Ryff hackt die Blätter auf dem Brett, bis sie zu Mus werden, und verweist für das Werkzeug auf die Latwerge Diacori im Ersten Teil. Dort beschreibt er ein Hackbrett mit einem eigenen Messer „der form wie es die Schůmacher brauchen das läder zůschneiden“, also ein Schustermesser (Bl. 6v). Er nennt das dritte Kapitel, gedruckt steht die Diacori als viertes Kapitel. Die Latwerge selbst ist eine Apotheken-Arznei und nicht in diese Auswahl aufgenommen.

Die Sonne. Das Glas wird an die Sonne gehängt. Wie lange, sagt Ryff nicht, auch nicht, ob es verschlossen wird. Bei so viel Zucker hält sich die Masse. Geht man heute so vor, hilft es, die Masse ab und zu umzurühren, bis der Zucker im Saft der Blätter gelöst und das Mus gleichmäßig ist. Das ist ein moderner Vorschlag, kein Schritt bei Ryff. Zu wenig Zucker oder feuchte Blätter können gären oder schimmeln.

Rosenhonig. Die Fassung mit Honig hält Ryff für schlechter und verweist sie unter dem Namen Rosenhonig in den Vierten Teil seines Büchleins, der die Sirupe behandelt: Dort steht er als zwölftes Kapitel „Von Rosen honig“ (Bl. 56r), mit Honig und Rosen gesotten, bis der Honig sich rötet, oder gehackt an der Sonne angesetzt. Dieser Teil ist nicht in diese Auswahl aufgenommen.

Praxis. Nur ungespritzte Rosen aus dem Garten verwenden. Ein Teil Blätter auf zwei Teile Zucker, fein gehackt und gut vermischt, in ein Glas füllen und an einen sonnigen Platz stellen. Den Rosenzucker isst man pur oder rührt ihn, wie Ryff für Fieberkranke angibt, in Rosenwasser.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-033-orig" n="Zucker roſat" resp="#fyndling">Rosenzucker; rosat heißt „von Rosen“. Ryff setzt ihn in der Überschrift mit der Conserva von Rosen gleich: Blüten, mit Zucker zu einer haltbaren Masse verarbeitet.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-033-orig" n="bützlin" resp="#fyndling">Der weiße Grund des Blütenblatts, mit dem es am Blütenboden sitzt. Butz ist ein hervorstehendes Endstück.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-033-orig" n="Latwergen Diacoꝛi" resp="#fyndling">Eine Magenlatwerge aus der Wurzel der Schwertelwurz oder gelben Wasserlilie, im Ersten Teil des Buchs. Eine Latwerge ist bei Ryff ein eingedicktes, süßes Mus, das in Schachteln gegossen oder in Stücke geschnitten wird.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#latwergen"/></note>
        <note type="gloss" target="#ryf-033-orig" n="vndöuwigen Magen" resp="#fyndling">Ein Magen, der schlecht verdaut (döuwen = verdauen).<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen"/></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-034-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Eine Conserva: frische Blüten, klein gehackt und mit der doppelten Menge Zucker vermengt, im Glas an der Sonne gehalten. Ryff nennt sie gleichbedeutend Violzucker. Es ist kein Sirup (den kündigt er für später an) und kein gekochtes Zuckerwerk: Feuer kommt im Kapitel nicht vor.

Der Verweis auf die Rosen. Ryff sagt, der Veilchenzucker werde genau so bereitet wie der Rosenzucker im Kapitel davor. Dort steht, was hier fehlt: Die Blüten werden auf einem sauberen Hackbrett mit einem eigens dazu bereiteten Messer gehackt, bis sie ganz zu Mus werden, und der Zucker ist „rein geſtoßen“ und wird darunter gemischt. Im Veilchenkapitel selbst steht nur „klein zerhackt“; wer Ryffs Weg folgen will, hackt die Blüten wie beim Rosenzucker bis zum Mus.

Die grünen Ansätzchen. Abgezupft wird von den Stielen und von den „grünen bützlin“, dem grünen Kelch am Grund der Blüte. Beim Rosenzucker schneidet Ryff entsprechend das weiße Ansätzchen unten am Blütenblatt weg. In den Zucker kommen also nur die farbigen Blütenblätter.

Die Sonne. Das Glas wird „an die Sonnen gehenckt“. Wie lange, sagt Ryff weder hier noch beim Rosenzucker.

Praxis. Nur duftende Märzveilchen nehmen; die geruchlosen wilden Veilchen schließt Ryff selbst aus. Das Verhältnis bleibt ein Teil Blüten zu zwei Teilen Zucker nach Gewicht, auch bei kleinen Mengen. Heute nimmt man dafür ein sauberes, verschließbares Glas und stellt es an ein sonniges Fenster, bis Blüten und Zucker zu einer gleichmäßigen Masse zusammengezogen sind (heutige Lösung, Ryff nennt nur das Glas und die Sonne). Frisch gehackte Blüten bringen Feuchtigkeit mit; das Verhältnis deshalb nicht zugunsten der Blüten verschieben. Zeigt sich Schimmel, ist die Konserve verdorben.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-034-orig" n="Conſerua" resp="#fyndling">Bei Ryff eine Zubereitung aus frischen Blüten, die mit Zucker zu Mus gehackt oder gestoßen und im Glas aufbewahrt wird. „Viol zucker“ ist sein zweiter Name für dieselbe Sache.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-034-orig" n="Churer gebürg" resp="#fyndling">Das Gebirge um Chur im heutigen Graubünden.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-034-orig" n="hitzigen Febern" resp="#fyndling">Nach der Lehre der Zeit Krankheiten mit übermäßiger Hitze im Körper, gegen die man kühlende Mittel wie Veilchen gab.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-034-orig" n="fallenden ſucht" resp="#fyndling">Fallsucht, alter Name für die Epilepsie.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-034-orig" n="bützlin" resp="#fyndling" subtype="lexical">„von den grünen bützlin“ = vom grünen Kelch oder Blütenansatz am Ende des Stiels. Butzen bezeichnet im Elsässischen das Kerngehäuse und den Blütenrest am Obst (Wörterbuch der elsässischen Mundarten); Ryff selbst lässt bei den Rosen das „weiß bützlin vnden am bletlin“ abschneiden, also den Ansatz am Grund des Blütenblatts.<list type="alternatives"><item>Knospen oder kleine Blätter am Stiel<note type="rationale">Wird gelegentlich als Nebenbedeutung von Butzen erwogen (DWB2: Zusammenhang mit 'Knospe' unsicher), passt aber nicht zu Ryffs Gebrauch im Rosenkapitel.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-034-orig" n="nätzfäden" resp="#fyndling" subtype="lexical">Netzfäden, Fäden zum Netzknüpfen: das Grimmsche Wörterbuch führt den Satz „die violen wachsen an kleinen nacketen stielen, die seind wie nätzfäden“ aus Bocks Kräuterbuch unter „netzfaden“.<list type="alternatives"><item>Nähfäden<note type="rationale">Klingt naheliegend, ist aber durch kein Wörterbuch für diese Form belegt; der Vergleich mit dünnem Faden bleibt in beiden Fällen gleich.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-035-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Blütenzucker, bei Ryff Conserva: frische Rosmarinblüten, klein gehackt, mit Zucker vermengt, im Mörser gestoßen und im Glas an die Sonne gehängt. Das Ergebnis ist eine zuckrige Blütenmasse, keine Marmelade und nichts Gekochtes; Feuer braucht es nicht.

Das Verhältnis steht im Rosenkapitel. Ryff nennt hier keine Menge, sondern verweist auf die Rosen und Veilchen. Dort nimmt er auf ein Pfund gehackte Blüten zwei Pfund rein gestoßenen Zucker, gibt es in ein Glas und hängt es an die Sonne (Rosenzucker, Veilchenzucker). Die Stenglerin (Augsburg 1554) nimmt für ihren Rosmarinblütenzucker ebenfalls ein Pfund Blüten auf zwei Pfund Zucker und sagt dazu „machs auch wie den roſen zucker“. Ein Verhältnis von 1 : 2 ist damit gut belegt, auch wenn Ryff es für den Rosmarin nicht ausdrücklich wiederholt.

Der Mörser. Bei Rosen und Veilchen genügt Ryff das Hacken; beim Rosmarin kommt das Zerstoßen im Mörser dazu. Er begründet es selbst: Der Rosmarin sei von sich aus sehr trocken. Das Stoßen verbindet die Blüten mit dem Zucker zu einer gleichmäßigen Masse.

An die Sonne. Ryff schreibt „gehenckt“, wie bei Rosen und Veilchen. Wie lange das Glas dort bleibt und woran man das Ende erkennt, sagt er an keiner der drei Stellen.

Praxis. Nur die Blüten verwenden, frisch abgezupft, ohne Nadeln und Stiele. Ryff nennt die Blüten weiß; heutiger Rosmarin blüht meist hellblau bis weißlich, im Frühling und oft ein zweites Mal im Herbst, wie Ryff sagt. Blüten klein hacken, mit der doppelten Menge Zucker (nach dem Rosenkapitel) im Mörser gut stoßen und in ein Glas füllen. Heutiger Hinweis, nicht aus der Quelle: Die Blüten trocken pflücken, ein sauberes Schraubglas nehmen, das Glas an einen sonnigen Platz stellen, bis die Masse gleichmäßig durchzogen ist, dabei gelegentlich umrühren und auf Schimmel prüfen; eine feuchte Masse kann im warmen Glas verderben. Die Wirkungen, die Ryff aufzählt, sind seine Lehre von den Qualitäten und Säften und kein Gesundheitsrat.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-035-orig" n="Conſerua" resp="#fyndling">Blütenzucker: frische Blüten, gehackt oder gestoßen und mit Zucker vermengt. Ryff macht so im dritten Teil seines Buches Rosen-, Veilchen- und Rosmarinzucker. Einmal steht im Druck „Conſerna“, ein Satzfehler für dasselbe Wort.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-035-orig" n="Anthes" resp="#fyndling">Gemeint ist Anthos, griechisch „Blüte“, der Apothekername der Rosmarinblüte; das Mittellateinische Wörterbuch führt anthos eigens für die Rosmarinblüte. Der Druck setzt „Anthes“.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-035-orig" n="Libanotis" resp="#fyndling">Gelehrter Name des Rosmarins, nach griechisch libanos, Weihrauch. Ryff begründet ihn selbst mit dem Geruch.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-035-orig" n="Parlis" resp="#fyndling">Lähmung, besonders nach einem Schlaganfall, aus lateinisch paralysis (DWB, Schweizerisches Idiotikon).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-036-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ypocras ist ein kalt angesetzter Würzwein: Gestoßene Gewürze ziehen im Wein, Zucker kommt dazu, und der Trank wird durch einen spitzen Wollbeutel geklärt. Gegoren wird nichts. Ryff gibt zwei Fassungen: eine kleine mit Zimt, Ingwer und Galgant, die über Nacht in wenig Wein angesetzt wird, und eine größere Würzmischung aus acht Gewürzen, von der man ein Lot auf ein Maß Wein nimmt.

Die Mengen. Lot, Quentlein, Pfund und Maß stehen so, wie Ryff sie nennt; ein Quentlein ist der vierte Teil eines Lots. Für die größere Würzmischung gibt Ryff das Verhältnis selbst an: ein Lot Gewürz und ein halbes Pfund Zucker auf ein Maß Wein, weniger oder mehr nach Geschmack. In der kleinen Fassung bleibt der Zucker dem Geschmack überlassen, und mit dem Satz „Ebenso kannst du es auch mit dem Gewürz halten“ wohl auch die Gewürzmenge.

Kalt, nicht gekocht. Ryff mischt den gestoßenen Zucker ausdrücklich kalt unter Wein und Gewürz. Beim Claret im nächsten Kapitel wird dagegen Honig mit Wein und Gewürz auf dem Kohlenfeuer gesotten.

Der Spitzbeutel. Das „spitzig wüllin säcklin“ ist ein spitz zulaufender Beutel aus Wollstoff, durch den der Wein läuft, während das Gewürzpulver zurückbleibt. Ryff nennt ihn nur bei der größeren Würzmischung. Beim Claret verweist er für diesen Sack auf den Ypocras zurück und lässt dort so lange durchtropfen und wieder aufgießen, bis der Trank lauter ist. Für die kleine Fassung sagt er nicht, wie das Pulver aus dem Wein kommt.

Rot oder weiß. Ryff verlangt guten roten Wein. Weißwein mit Färbelappen rot zu färben hält er für Betrug; besser bleibe der Wein weiß oder werde mit Safran gelb gefärbt wie der Claret.

Die abführenden Zusätze. Die treibenden Arzneien, die manche Apotheker in den Ypocras mischten, sind Apothekenmittel. Ryff nennt keines beim Namen; für den Trank werden sie weggelassen.

Praxis. Die Gewürze im Mörser fein stoßen, modern auch in einer Gewürzmühle. Für die kleine Fassung das Pulver in einem Glas mit wenig Rotwein über Nacht stehen lassen und am Morgen den übrigen Wein und Zucker nach Geschmack zugeben. Für die größere von der Würzmischung ein Lot auf ein Maß Wein nehmen und den gestoßenen Zucker kalt unterrühren, bis er sich gelöst hat. Dann durch einen spitzen Beutel aus dichtem Wolltuch laufen lassen; bei der kleinen Fassung ist das eine Annahme. Modern tut es ein dichtes Filtertuch oder ein Kaffeefilter. Der Ypocras ist Wein und enthält dessen Alkohol.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-036-orig" n="Ypocras" resp="#fyndling">Gewürzter, gesüßter Wein, durch einen Beutel geklärt und nicht vergoren (Hippokras-Würze). Frisch (1741) führt den Namen auf den griechischen Arzt Hippokrates zurück.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-036-orig" n="Paradeiß köꝛner" resp="#fyndling">Paradieskörner (Meleguetapfeffer), pfeffrig-scharfe Samen aus Westafrika; daneben stehen hier Kubeben, kleine Pfefferfrüchte mit Stiel.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-036-orig" n="ſpitzig wüllin ſäcklin" resp="#fyndling">Spitz zulaufender Beutel aus Wollstoff, durch den der Wein läuft und das Gewürzpulver zurückhält; englisch und französisch hieß er nach dem Trank Hippocras-Beutel (Sieb und Tuch).</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-036-orig" n="Toꝛna ſolis" resp="#fyndling">Tornasol: rote Färbelappen, mit deren Farbstoff man Speisen und Getränke färbte (Färbemittel). Ryff hält das Färben des Weißweins damit für unsauber und für Betrug.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-036-orig" n="alſo magſtu jm auch thůn mit der wurtz" resp="#fyndling" subtype="contextual">Die Gewürzmenge darf, wie der Zucker, nach Geschmack angepasst werden; der Satz folgt unmittelbar auf „so viel Zucker, wie süß du ihn gern hättest“. Übersetzt mit „Ebenso kannst du es auch mit dem Gewürz halten“.<list type="alternatives"><item>Überleitung: Mit der folgenden größeren Würzmischung kann man ebenso verfahren.<note type="rationale">Möglich, weil direkt danach „Etliche stoßen diese Gewürze zusammen“ folgt; dort nennt Ryff aber ein eigenes Verfahren (Zucker kalt, Spitzbeutel), daher weniger wahrscheinlich.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-036-orig" n="vndöuwigen magen" resp="#fyndling" subtype="lexical">Ein Magen, der schlecht verdaut: undäuig heißt „unfähig zu verdauen“ (Bayerisches Wörterbuch mit dem Beleg „Bösen vnthewigen Magen“; DWB unter undauig; Campe).<list type="alternatives"><item>Unverdaulich, schwer zu verdauen<note type="rationale">So wird das Wort bei Speisen gebraucht (DWB „untöuwige speysz“); beim Magen ergibt nur die aktive Bedeutung Sinn.</note></item></list><ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen"/></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-036-orig" n="laſſen es durch ein ſpitzig wüllin ſäcklin lauffen" resp="#fyndling" subtype="contextual">Der Spitzbeutel gehört zum Ypocras-Verfahren insgesamt, also wohl auch zur kleinen Fassung: Beim Claret verweist Ryff für den langen spitzen Wollsack auf das, was „von dem Ypocras gesagt“ ist.<list type="alternatives"><item>Die kleine Fassung wird nicht geseiht, sondern das Pulver setzt sich ab und der Wein wird abgegossen.<note type="rationale">Der Text der kleinen Fassung nennt keinen Klärschritt; das bleibt möglich.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-037-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein gewürzter Wein, mit Honig gesüßt und mit Safran gelb gefärbt, der nicht gärt. Ryff stellt ihn als Gegenstück zum Ypocras vor, der mit Zucker gesüßt und rot ist. Er nennt weder Hefe noch Gärzeit: Der Trank wird nur kurz aufgekocht, geklärt und gleich ins Fass gefüllt.

Die Gewürzmischung. Zusammen sind es 15½ Lot Gewürz. Auf 4 Maß Wein gehen davon 3 oder 3½ Lot, die Mischung reicht also für vier bis fünf Ansätze. Gestoßen wird alles miteinander; das Pulver zieht über Nacht in wenig Wein an einem warmen Ort aus. Paradieskörner machen den Trank nach Ryffs eigenem Wort „sehr scharf“.

Honig und Wein. Aller Wein gehört zu den vier Maß: ein wenig zum Ansetzen der Gewürze, ein wenig zum Sieden mit dem Honig, der Rest am Schluss. Honig und Wein stehen also wie 1 zu 4. Den Honig setzt Ryff schon „geschäumt und geläutert“ voraus. Auf dem Kohlenfeuer, also auf Glut, siedet er mit wenig Wein; dann kommt der Gewürzwein dazu und wallt nur ein- oder zweimal auf. Der Safran wird in etwas Wein angerieben, damit er sich verteilt. Den übrigen Wein gießt Ryff erst nach, wenn der Topf vom Feuer ist: Der größte Teil des Weins wird also nur warm, nicht gekocht. Honig mit Wein schäumt beim Aufwallen hoch; der Topf braucht Raum.

Der Wollsack. Gemeint ist der lange, spitz zulaufende Beutel aus Wolle, den Ryff beim Ypocras als „spitzig wüllin säcklin“ nennt. Der Trank läuft hindurch und wird immer wieder oben aufgegossen, bis er lauter läuft; mit Honig und feinem Gewürzpulver dauert das. Für den Gebrauch verweist Ryff ebenfalls auf den Ypocras; dort heißt es, man trinke ihn morgens nüchtern.

Gewürz im Fass. „Henck der species ein wenig darein“ setzt ein Bündel oder Beutelchen voraus, das Ryff nicht beschreibt. Wie lange der Claret so hält, sagt er nicht, nur „lang“.

Praxis. Ryff nennt keine Weinsorte. Weil der Claret gelb gefärbt wird und Ryff im Ypocras-Kapitel weißen Wein lieber „mit Saffran gäl wie der Claret“ färben will, liegt Weißwein nahe. Maß und Lot werden nicht umgerechnet; nachkochen lässt es sich in den Verhältnissen: eine Maß Honig auf vier Maß Wein, 3 bis 3½ Lot Gewürz auf vier Maß Wein, ein Drittel Quentlein Safran. Heute tut es statt des Wollsacks ein dichter Spitzbeutel aus Wollfilz oder ein dichtes Tuch, und das Gewürz im Fass oder in der Flasche hängt man in einem kleinen Leinenbeutel (beides modern).</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-037-orig" n="Claret" resp="#fyndling">Bei Ryff ein mit Honig gesüßter, mit Safran gelb gefärbter Würzwein, der nicht gärt und durch den Wollsack geklärt wird. Mit dem roten Bordeaux, den man in England später Claret nennt, hat er nur den Namen gemein.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-037-orig" n="Ypocras" resp="#fyndling">Ryffs Schreibung für Hippocras: gewürzter, mit Zucker gesüßter roter Wein. Sein Kapitel steht unmittelbar vor diesem; auf es verweist Ryff für den Sack und den Gebrauch.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-037-orig" n="wüllin ſack" resp="#fyndling">Langer, spitz zulaufender Beutel aus Wolle zum Klären, beim Ypocras „spitzig wüllin säcklin“ genannt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-037-orig" n="außgebißnen Canels oder zimmets" resp="#fyndling" subtype="lexical">„Auserlesen“: Das Schweizerische Idiotikon führt ūsg(e)bissen mit der Bedeutung „auserlesen“ (Bd. 4, Sp. 1691). Im Ypocras-Kapitel steht an derselben Stelle „des besten außerlesenen zimmets“.<list type="alternatives"><item>scharfer, beißender Zimt<note type="rationale">Läge vom Verb beißen her nahe, ist aber für das Adjektiv nicht belegt; das Idiotikon und die Ypocras-Parallele sprechen für die Qualitätsangabe.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-037-orig" n="Wein (Sorte)" resp="#fyndling" subtype="contextual">Weißwein: Ryff nennt keine Sorte, aber der Claret wird gelb gefärbt, und im Ypocras-Kapitel will Ryff weißen Wein lieber „mit Saffran gäl wie der Claret“ färben.<list type="alternatives"><item>roter Wein<note type="rationale">Nicht ausgeschlossen, aber der Ypocras ist bei Ryff gerade dadurch bestimmt, dass er rot sein muss, der Claret dadurch, dass er gelb gefärbt wird.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-038-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein gewürzter, gesüßter und durch einen Wollbeutel geklärter Wein, der nicht gärt. Ryff gibt zwei Wege: einen Verweis auf den Claret und eine kalte Fassung aus Weißwein.

Erste Fassung: wie der Claret. „Auf die zuvor beschriebene Weise“ meint das vorige Kapitel, den Claret, denn nur dort steht Safran. Dort wird das gestoßene Gewürz mit ein wenig Wein über Nacht warm gestellt, am Morgen geschäumter Honig mit Wein auf dem Kohlenfeuer gesotten, der Gewürzwein zugegeben und ein- oder zweimal aufgewallt; dann kommt der restliche Wein dazu, und alles läuft durch den langen Wollsack, immer wieder aufgegossen, bis es klar ist. Für den Lautertrank lässt Ryff nur den Safran weg; damit fehlt die gelbe Farbe, an der man den Claret erkennt.

Zweite Fassung: kalt aus Weißwein. Ingwer, Kardamom, Zucker und Weißwein, durch das spitze Wollsäcklein gelassen. Ryff sagt hier nicht, dass Gewürz und Zucker gestoßen werden, und nennt keine Ziehzeit. Sein „wie schon oft gesagt“ weist auf den Ypocras zurück: Dort werden die Gewürze zu Pulver gestoßen und der gestoßene Zucker kalt unter Wein und Gewürz gemischt, bevor alles durch das Säcklein läuft. So ist auch diese Fassung zu lesen. Feuer braucht sie nicht.

Die Gewürze. Weißer Ingwer ist die helle Handelsware des getrockneten Ingwers; Ryff verlangt ihn auch beim Ypocras. „Cardomömlin“ ist Kardamom. Ryff führt beim Ypocras und beim Claret Kardamom und Paradieskörner nebeneinander als zwei Gewürze, eine Verwechslung der beiden ist bei ihm also nicht anzunehmen. Der Zucker ist reichlich bemessen: ein halbes Pfund auf eine Maß Wein.

Praxis. Ingwer und Kardamom im Mörser fein stoßen, mit dem Zucker kalt unter den Weißwein rühren und durch einen spitzen Filterbeutel oder ein Passiertuch über einem Sieb laufen lassen (heutiger Behelf statt des Wollsäckleins). Läuft der Wein trüb, gießt man ihn wieder auf, wie Ryff es beim Claret beschreibt, bis er klar herauskommt. Wie lange das Gewürz vorher im Wein stehen soll, sagt das Kapitel nicht; das bleibt dem Geschmack überlassen. Für die erste Fassung gilt das Verfahren des Claret ohne Safran.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-038-orig" n="Lauttertranck" resp="#fyndling">Wörtlich „lauterer, klarer Trank“: gewürzter, gesüßter und durch einen Beutel geklärter Wein. Das Deutsche Wörterbuch hält den Namen für eine Nachbildung des französischen claret.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-038-orig" n="ſpitzigs wüllin ſäcklin" resp="#fyndling">Spitz zulaufender Beutel aus Wollstoff, durch den der Würzwein tropft und das Gewürz zurücklässt. Beim Claret nennt Ryff ihn den „langen spitzigen wüllin sack“.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-038-orig" n="hitzige getränck" resp="#fyndling">„Hitzig“ meint die Säftelehre, nicht die Temperatur: Gewürzreiche Getränke galten als erwärmend und darum für junge, „hitzige“ Naturen, bei Fieber und in heißer Zeit als ungeeignet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-038-orig" n="faſt ein jeder Apotecker" resp="#fyndling" subtype="lexical">„beinahe jeder Apotheker“. Vor einem Mengenwort wie „ein jeder“ trägt die sonst bei Ryff übliche Bedeutung „sehr“ nicht; die Bedeutung „beinahe, annähernd“ ist für „fast“ belegt (DWB, DWDS-Etymologie). Wenige Zeilen weiter heißt „faſt ſchädlich“ dagegen „sehr schädlich“.<list type="alternatives"><item>„ganz und gar jeder“ (verstärkend)<note type="rationale">Möglich aus der alten Bedeutung „fest, voll und ganz“; der Satz „wiewol es auff vilerley art ... bereyt werden mag“ betont aber die Vielfalt, nicht die Ausnahmslosigkeit.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-039-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ryffs Met-Kapitel beschreibt ein Grundverfahren mit zwei Ausgängen. Honig und Wasser werden im Verhältnis eins zu acht über kleinem Feuer gesotten und abgeschäumt. Wer das Getränk frisch trinkt, siedet es nicht zu dick ein und bereitet es im Sommer täglich neu. Wer es aufbewahren will, siedet es, bis es klebrig wird, füllt es ins Fass, lässt es gären und nach dem Ausgären drei Monate fest verschlossen liegen.

Das Maß. Ryff misst Honig und Wasser im selben Hohlmaß. Wie groß sein Maß war, sagt er nicht, und es war von Ort zu Ort verschieden. Für das Ergebnis zählt allein das Verhältnis.

Das Feuer. „Ein hälles feürlin“ ist ein kleines, hell brennendes Feuer, keine starke Flamme. Wirsung, der dasselbe Verfahren 1568 bringt, schreibt dafür „bey ſanfftem fewr ohn rauch“. Abgeschäumt wird, „ſo bald ſich etwas auffwürfft“, also sobald beim Sieden Schaum aufsteigt.

Wie lange sieden? Ryff nennt keine Zeit, nur zwei Endzeichen: für den Soforttrunk nicht zu dick, für das Fass „biß er kläberig würt“. Je weiter eingesotten, desto mehr Honig steckt im Most und desto stärker wird der Met.

Die Gärung. Ryff nennt keine Hefe. Der gesottene Most ist keimfrei, die Gärung kommt aus dem Fass: einem immer wieder für Wein benutzten Fass, in dessen Holz die Hefe eingefahren ist. Daher sein Vergleich „dann er girt wie wein“. Die drei Querfinger Leerraum geben dem Schaum Platz, mit dem der Met beim Gären aufsteigt. Erst „wann er verjaren hatt“, also wenn er ausgegoren hat, liegt er drei Monate fest verschlossen und wird dann getrunken. Wie lange das Ausgären dauert, sagt Ryff nicht.

Das Gewürz. Ingwer, Zimt, Nelken, Galgant und Muskatnuss nennt Ryff ohne Mengen. Sie werden gestoßen, in ein Tüchlein geknüpft und in den Met gehängt, der Safran färbt. Die drei Monate stehen im selben Absatz wie das Gewürz, gelten aber für den Fassmet überhaupt.

Für Metmacher: die Zahlen

Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.

| Lesart | Zucker | SG (OG) | °Oe | °Brix | Alkohol bis trocken |
|---|---|---|---|---|---|
| „honig ein maß“ auf „acht maß“ Wasser, Einsieden ohne Maß | 138-212 g/l | 1.053-1.082 | 53-82 | 13.1-19.7 | 8.2-12.6 % |

„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.

Annahmen: Honig und Wasser sind im selben Raummaß gemessen, die Größe des Maßes kürzt sich heraus. Ryff beziffert das Einsieden nicht; die Rechnung nimmt einen Einkochverlust von 15-40 % an, der den größten Teil der Spanne erzeugt. Wie weit „kläberig“ eingesotten ist, bildet das Modell nicht ab; der Fassmet kann über der oberen Zahl liegen. Nicht eingerechnet sind Gewürz, Safran und der abgeschäumte Anteil.

Praxis. Heutiger Hinweis, nicht bei Ryff: Ohne ein eingefahrenes Weinfass gibt man dem abgekühlten Most Weinhefe zu; ein Glasballon mit Gärröhrchen kann das Fass ersetzen. Verschlossen wird wie bei Ryff erst, wenn die Gärung ruht, denn ein noch gärender Met baut im dicht verschlossenen Gefäß Druck auf. Siedender Honigsud schäumt stark auf und kocht leicht über, der Topf braucht deshalb Raum nach oben. Das frische Honigwasser wird nicht vergoren: Man trinkt es abgekühlt und bereitet es, wie Ryff, täglich neu.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-039-orig" n="maß" resp="#fyndling">Ein Hohlmaß, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Ryff misst Honig und Wasser mit demselben Maß, es zählt das Verhältnis eins zu acht.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-039-orig" n="hälles feürlin" resp="#fyndling">Ein kleines, hell brennendes Feuer: „hell“ heißt hier leuchtend, klar, „feürlin“ ist die Verkleinerung von Feuer. Wirsung gibt die Stelle 1568 als „ſanfftem fewr ohn rauch“ wieder.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-039-orig" n="wahn" resp="#fyndling">Leer, nicht voll. Das Wort lebt im Pfälzischen für ein nicht ganz volles Weinfass fort. Drei Querfinger bleiben im Fass frei.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-039-orig" n="girt / verjaren" resp="#fyndling">Gärt / ausgegoren hat. „Gieren“ für gären kennt das Pfälzische noch („Der Moscht, wo gieʳt“), „verjären“ das Elsässische für vergären, vollständig gären. Hohberg schreibt an derselben Stelle „der Meth gieret wie der Wein“.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-039-orig" n="glencker" resp="#fyndling" subtype="lexical" cert="unknown">„Gelenke“: In der Reihe „des hirns/ der neruen vnd glencker“ steht ein Körperteil im Plural, Gelenk erscheint oberdeutsch verkürzt als „glenk“, und die folgende Krankheitsliste nennt die Gicht. Ein Wörterbuchbeleg für die Pluralform „glencker“ fehlt.<list type="alternatives"><item>„Glieder“<note type="rationale">Ryff schreibt für Glieder sonst „glider“, auch in diesem Kapitel; „glencker“ ist ein anderes Wort.</note></item><item>„glencker“ = Klöppel, Glockenhammer (Straßburger Mundart)<note type="rationale">Gleich lautendes, anderes Wort; ergibt in der Krankheitsreihe keinen Sinn.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-039-orig" n="vnd wann er verjaren hatt/ ſoll er drey Monat ligen bleiben" resp="#fyndling" subtype="contextual">Die drei Monate gelten für jeden Fassmet: „er“ ist der Met, und Rasch und Hohberg setzen die drei Monate ebenfalls hinter das Gewürz, ohne sie auf die gewürzte Fassung zu beschränken.<list type="alternatives"><item>nur für den gewürzten Met<note type="rationale">Der Satz steht in Ryffs Gewürzabsatz. Dagegen spricht, dass der ungewürzte Fassmet ebenso gärt und Ryff für ihn sonst keine Lagerzeit nennt.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-040-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Das Grundverfahren, das Ryff seinen einzelnen Kräuterweinen voranstellt: Kräuter, Wurzeln, Blüten, Früchte oder fremde Gewürze kommen in den frischen Most im Fass und gären mit, oder sie kommen erst nach der Gärung in den fertigen Wein. Dazu ein Satz, wie man solche Weine süß hält. Welche Kräuter wofür, steht in den folgenden Abschnitten (Scharlach, Kirschen, Benediktenwurz, Alant, Zitwer, Morolf); die schnelle Fassung ohne Fass, mit einem Auszug in starkem Wein, steht im nächsten Abschnitt.

Der Verweis. „Wie auch oben beim gewürzten Wein gesagt ist“ meint das erste Kapitel dieses Buchteils, „Von rotem gewürztem Wein, Ypocras genannt“. Dort wird fertiger Wein mit Gewürz und Zucker angemacht; Schritte von dort gehören nicht in dieses Verfahren.

Keine Zutaten, keine Mengen. Ryff nennt hier weder ein bestimmtes Kraut noch eine Menge, nur „nach Gewicht und Maß“, je nachdem, wie stark der Wein werden soll.

Mitvergoren oder nachgesetzt. Im ersten Weg gärt der Zusatz mit dem Most; der frisch ausgetretene Most bringt seine Gärung mit. Im zweiten Weg kommt der Zusatz, gut gereinigt und gewaschen, erst in den ausgegorenen Wein, der die Kraft dann an sich zieht. „stoßen ... ins Fass“ heißt hier hineinstecken, nicht zerstoßen.

Süß behalten. Der Most wird vor dem Fassen „auf einem hellen Feuerlein“ gesotten - hell heißt klar brennend, ohne Rauch; Ryff verlangt beim Zitwerwein ausdrücklich ein Feuer, bei dem „Flamme oder Rauch nicht hineinschlagen“. „Viel oder wenig“ sieden heißt mehr oder weniger einkochen, je nach Kraft des Mostes; dass ein dünner Most mehr einkochen muss als ein kräftiger, liegt nahe, steht aber nicht da. Wie lange, sagt Ryff nicht, und auch nicht, ob der gesottene Most danach noch gärt. Heute würde man sagen: Was die Hefe an Zucker nicht mehr vergären kann, bleibt als Süße im Wein.

Praxis. Frischen, ungeschwefelten Traubenmost vom Winzer nehmen und das gewaschene Würzgut hineingeben, dann den Most darüber vergären lassen; oder das Würzgut erst in den ausgegorenen Wein geben. Statt des Fasses nimmt man heute meist einen Glasballon mit Gärröhrchen (modern); ein ganz geschlossenes Gefäß baut beim Gären Druck auf. Für die süße Fassung den Most vorher über einem rauchfreien Feuer mehr oder weniger einkochen; siedender Most spritzt und verbrüht.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-040-orig" n="außgetrotten gefaßten moſt" resp="#fyndling">Most aus ausgetretenen, also mit den Füßen gekelterten Trauben, schon ins Fass gefüllt. Der Zusatz kommt damit vor der Gärung hinein.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-040-orig" n="verjären" resp="#fyndling">Vergären, ganz durchgären (Elsässisches Wörterbuch: „verjären, vergären, vollständig gären“).</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-040-orig" n="auff einem hällen feürlin" resp="#fyndling">Auf einem kleinen, hell und klar brennenden Feuer, das keinen Rauch in den Most schlägt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-040-orig" n="ſtoſſen ... erſt hernaher ins faß" resp="#fyndling" subtype="lexical">hineinstecken, hineingeben: die Richtungsangabe „ins faß“ macht stoßen zum Hineinschieben (Elsässisches Wörterbuch stossen ‚stecken‘, Beleg 1587 „in ein ledern Sackh gestossen“); Rasch 1580 hält dieses „stoßen in das Faß“ getrennt vom Hacken und Pulvern.<list type="alternatives"><item>zerstoßen und dann ins Fass geben<note type="rationale">stoßen heißt bei Ryff sonst oft im Mörser zerkleinern; hier steht aber nur ‚gereinigt und gewaschen‘, kein Mörser.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-040-orig" n="geſotten werden/ vil oder wenig" resp="#fyndling" subtype="contextual">mehr oder weniger einkochen, je nach Kraft des Mostes; Rasch gibt denselben Satz als „zum theil ab sieden“ wieder.<list type="alternatives"><item>den Most nur aufsieden, ohne ihn einzukochen<note type="rationale">‚gesotten‘ allein hieße nur kochen; ‚viel oder wenig‘ nach der Kraft des Mostes spricht für das Einkochen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-041-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterauszug, heute würde man Tinktur sagen. Kraut, Wurzel, Blüten, Früchte oder Gewürz werden zerkleinert, im Glas mit starkem, altem Wein übergossen, warm gestellt und ausgepresst; von diesem Saft kommen ein oder mehr Tropfen in eine Kanne fertigen Wein. Ryff stellt das als billigen Ersatz für den Kräuterwein im Fass vor, bei dem das Würzgut mit dem Most vergärt. Hier wird nichts vergoren: Der Wein ist fertig und nimmt den Auszug nur auf.

Wie lange, wie viel? Ryff sagt nur „ein zeytlang“ an einem warmen Ort. Eine Dauer nennt er nicht, ebenso wenig, wie viel Kraut auf wie viel Wein kommt. Auch die Tropfen bleiben offen: „ein tröpfflin oder mehr“, je nachdem, wie stark der Wein werden soll.

Wein oder Branntwein. Die kräftigere Fassung legt dasselbe in vielmals abgezogenen, rektifizierten gebrannten Wein ein, also in mehrfach destillierten Branntwein. Ryff sagt dazu nur, er gebe dem Wein Kraft, Natur, Geschmack und Farbe kräftig. Heute würde man ergänzen: Hochprozentiger Alkohol löst Aroma- und Farbstoffe stärker als Wein.

Praxis. Kräuter, Wurzeln oder Gewürz waschen, sehr klein hacken oder schneiden, in ein Glas geben, mit kräftigem, gereiftem Wein übergießen und warm stehen lassen. Dann auspressen und den Saft in einem sauberen, gut verschlossenen Fläschchen aufheben. Zum Gebrauch tropfenweise in eine Kanne Wein geben und abschmecken. Modern: Ein Schraubglas zum Ansetzen und ein Tuch zum Auspressen genügen; wie lange der Ansatz zieht, entscheidet die Kostprobe. Für die kräftigere Fassung einen klaren, hochprozentigen Branntwein nehmen und nicht am offenen Feuer hantieren, er ist leicht entzündlich. Nur Kräuter verwenden, die als Lebensmittel gelten.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-041-orig" n="firnen wein" resp="#fyndling">Firn heißt vorjährig, alt; firner Wein ist Wein vom Vorjahr oder älter, kein junger Most. Dasypodius übersetzt „Firnerwein“ mit lateinisch „bihornum vinum“.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-041-orig" n="gebꝛañtem Wein/ der rectificiert iſt" resp="#fyndling">Gebrannter Wein ist Branntwein. „Vilmal abgezogen“ heißt mehrfach destilliert, „rectificieren“ bedeutet in der Alchemie der Zeit, etwas zur Reinigung wiederholt zu destillieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-041-orig" n="bꝛeülichſten" resp="#fyndling" subtype="lexical">„gebräuchlichsten“: Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt bräuchlich als „üblich, gebräuchlich“; neben „fürnembſten“ (vornehmsten) passt die Lesart, und Ryff gebraucht „gebꝛeüchlich“ im Scharlachkapitel ebenso.<list type="alternatives"><item>„nützlichsten, brauchbarsten“<note type="rationale">Die erste Bedeutung im Frühneuhochdeutschen Wörterbuch ist „dienlich, nützlich, brauchbar“; im Satz über den Nutzen der Kräuterweine möglich, ändert den Sinn aber kaum.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-042-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterwein: Wein, der über Muskatellersalbei vergoren ist und dabei dessen Muskatellergeschmack annimmt. Ryff gibt dafür nur den einen Satz am Kapitelanfang, der Rest des Kapitels ist Wirkung und Pflanzenbeschreibung.

Das Verfahren. Wie es geht, steht in Ryffs Grundkapitel zu den Kräuterweinen (ryf-040): Die Kräuter kommen in den frisch gekelterten Most im Fass, und der Most vergärt darüber. Andere geben sie erst hinein, wenn der Most ausgegoren ist. "Über Scharlach vergären" meint den ersten Weg. Das Kraut darf nach Ryff dürr oder grün sein.

Wie viel und wie lange? Menge des Krauts, Weinmenge und Gärdauer nennt Ryff nicht. Im Grundkapitel heißt es nur, nach Gewicht und Maß, je nachdem, wie stark der Wein werden soll. Ryff räumt selbst ein, dass zu viel von diesem Wein dem Kopf schadet, und Helbach tadelte 1604 Wirte, die den Wein mit zu viel Scharlach stark machten. Wer es nachmacht, geht mit dem Kraut also sparsam um.

Der schnelle Weg. Ryff kennt auch einen Weg ohne Gärung: das Kraut klein geschnitten in starkem Wein an einem warmen Ort ausziehen, auspressen und davon ein Tröpflein oder mehr in eine Kanne Wein geben (ryf-041).

Praxis. Heute lässt sich der Fassweg im Gärballon mit Gärröhrchen nachstellen (beides modern): Most mit dem Kraut ansetzen und darüber vergären lassen, die Krautmenge nach Geschmack. Einfacher ist Ryffs eigener Schnellweg.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-042-orig" n="Scharlach" resp="#fyndling">Hier die Pflanze Scharlei, der Muskatellersalbei (Salvia sclarea). Ryffs eigene Beschreibung passt dazu: raue, krause Blätter, vierkantiger Stängel, salbeiähnliche weiß-blaue Blüte, ein Stock lebt höchstens drei Jahre, der Wein bekommt Muskatellergeschmack. Nicht gemeint sind die Farbe, der rote Stoff oder die Krankheit.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-042-orig" n="verjären laſſen" resp="#fyndling">Vergären lassen. In Ryffs Grundkapitel zu den Kräuterweinen kommt das Kraut in den frischen Most im Fass, und der Most vergärt darüber.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-042-orig" n="weiſſen fluß" resp="#fyndling">Ausfluss aus der Scheide. Ryff nennt ihn bei "kalten" Frauen, also im Denken der Säftelehre.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-042-orig" n="ſchwebel wein" resp="#fyndling">Wein, der mit brennendem Schwefel geräuchert wurde. Ryff hält ihn für schädlicher als jeden Kräuterwein.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-042-orig" n="weydäſchen" resp="#fyndling" subtype="philological">Gedruckt steht „weyd…chen“ mit einer Lücke von Buchstabenbreite nach dem ä; darin ist nur der Ansatz einer Oberlänge zu sehen, ein schwach gedrucktes langes ſ (Bl. 68v, Seitenbild 156). Gemeint ist „weydäſchen“, das Versetzen des Weins mit Weidasche (Pottasche), damals ein verbreitetes Mittel, den Wein zu „kräftigen“ (Heyne, Nahrungswesen 1901). Eine Nürnberger Ordnung führt „waydaschen“ neben dem geschwefelten Süßwein unter den schädlichen Weingemächten (Baader 1861, S. 259), dieselbe Paarung wie bei Ryff; Fischer belegt „Weidäsche soll nicht in den Wein getan werden“.<list type="alternatives"><item>weydächen wie gedruckt, weidach = Weidengebüsch (Lexer)<note type="rationale">Die Lücke im Wort trägt einen Buchstaben, und Weidengebüsch ergibt im Satz über die Behandlung des Weins keinen Sinn.</note></item><item>Ausschwefeln<note type="rationale">Für das Wort nicht belegt; das Schwefeln steckt schon in „reüchen“.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-043-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein kalter Ansatz aus Sauerkirschen in Wein. Die Kirschen werden entstielt, im steinernen Mörser samt den Kernen zerstoßen und in guten weißen oder roten Wein gegeben. Es gibt kein Feuer, keine Süßung und kein Gewürz. Als Ergebnis nennt Ryff nur, dass der Wein sehr schön und stark wird und gut riecht und schmeckt.

Wein, nicht Most. Im selben Kapitel kommen Kräuter und Früchte sonst in den frisch gekelterten Most und vergären mit ihm. Hier steht fertiger Wein, und von einer Gärung ist keine Rede. Ob die zerstoßenen Kirschen im Wein noch nachgären, lässt der Text offen.

Was der Text offen lässt. Ryff nennt weder das Verhältnis von Kirschen zu Wein noch das Gefäß, keine Ziehzeit und kein Abseihen. Rasch, der dasselbe Verfahren 1580 wiedergibt, hält solche Weine für „zimblich math“, also ziemlich matt.

Die Kerne. Der steinerne Mörser ist nötig, weil die Kerne „mit kärnen vnd allem“ mit zerstoßen werden. Heutiger Hinweis: Kirschkerne enthalten Amygdalin, aus dem beim Zerstoßen Blausäure frei werden kann. Weil der Text weder Menge noch Dauer nennt, ist das der Punkt, auf den man beim Nachstellen achten muss.

Das Gewürz. „Ettlich hencken gewürtz darein“: Das Gewürz wird hineingehängt. Wie das geht, sagt Ryff beim Met: das gestoßene Gewürz in ein Tüchlein knüpfen und in den Trank hängen. Beim Kirschwein lehnt er es ab.

Praxis. Menge und Ziehzeit legt fest, wer es nachstellt, und kennzeichnet sie als eigene Festlegung. Als heutige Vorsicht bietet es sich an, nur einen Teil der Kerne aufzuschlagen, den Wein nicht lange auf den zerstoßenen Kernen stehen zu lassen und ihn vor dem Trinken abzuseihen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-043-orig" n="Amarellen" resp="#fyndling">Sauerkirschen. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt Amarelle als Sauerkirsche oder Frühweichsel. Wo genau die Grenze zur Weichsel lag, beschreiben die alten Wörterbücher je nach Landschaft verschieden; Ryff selbst kennzeichnet seine Amarellen als sauer, schwarzbraun und langstielig. Einer heutigen Sorte lassen sie sich nicht zuordnen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-043-orig" n="jnnerlichen glider" resp="#fyndling">Die inneren Organe. „Glied“ meint im Frühneuhochdeutschen jeden Körperteil, ausdrücklich auch die inneren Organe, nicht nur Arme und Beine.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-043-orig" n="Kirſenwein" resp="#fyndling" subtype="contextual">Ein Ansatz in fertigem Wein: Die zerstoßenen Kirschen kommen „in ein gůten weiſſen oder roten wein“. Das Grundverfahren desselben Kapitels gibt die Zusätze dagegen ausdrücklich in den „moſt“ und lässt ihn darüber vergären; diesen Weg beschreibt Ryff hier nicht. Rasch (1580) gibt dasselbe Verfahren mit „rothen oder weiſſen wein daruͤber gieſſe“ wieder.<list type="alternatives"><item>Vergorener Kirschwein aus Kirschsaft oder im Most mitvergoren<note type="rationale">Das Wort allein ließe es zu, und der Eintrag steht im Kapitel der Kräuterweine. Der Text nennt aber Wein, nicht Most, und keine Gärung. Ob die frisch zerstoßene Frucht im Wein nachgärt, sagt Ryff nicht.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-044-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterwein ohne Gärung: Die Wurzel gibt dem Wein ihren Geruch und Geschmack ab. Ryff nennt zwei Wege. Im Frühling wird sie in den Wein gelegt oder gehängt, also in schon fertigen Wein, nicht in Most. Oder sie wird im Wein gesotten, und der Wein wird warm getrunken. Menge, Dauer, Gefäß und Weinfarbe nennt er nicht; sein einziges Zeichen ist, dass der Wein einen edlen, lieblichen Geruch und Geschmack annimmt.

Welche Pflanze? „Benedicte“ heißt im 16. Jahrhundert meist die Echte Nelkenwurz, das Wort kann aber auch die Benediktendistel meinen. Ryffs Beschreibung entscheidet: eine ausdauernde Wurzel, die jedes Jahr neben dem verdorrten alten einen neuen Stängel treibt und mit dem Alter stärker riecht. Die Benediktendistel ist einjährig. Rasch beschreibt 1580 denselben Brauch und nennt die Wurzel mit ihrem Apothekernamen Caryophyllata.

Frisch oder getrocknet? Ryff sagt nur „im Frühling“. Rasch lässt die Wurzel im Frühling, besonders im März, graben, säubern und trocknen, bevor er sie in den Wein hängt. Bei Ryff kann ebenso die frisch gegrabene Wurzel gemeint sein.

Wirkungen. Herz, Leber und der „kalte, verschleimte“ Magen sind Begriffe der Säftelehre; die gesottene Fassung gegen Grimmen und Gebärmutterkrämpfe ist Arzneigebrauch. Beides ist Ryffs Anspruch, kein Gesundheitsrat.

Praxis. Heute bekommt man getrocknete Nelkenwurzwurzel im Kräuterhandel; das ist der moderne Weg. Wer sie selbst gräbt, muss die Pflanze sicher bestimmen. Wie viel Wurzel auf wie viel Wein und wie lange, entscheidet der Geschmack: kosten, bis der Wein den Duft der Wurzel trägt, und sie dann herausnehmen. Zum Einhängen eignet sich heute ein Leinensäckchen oder ein Faden; Ryff sagt nicht, wie.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-044-orig" n="kalten verschleympten magen" resp="#fyndling">In der Säftelehre, mit der Ryff argumentiert, heißt ein Magen kalt und verschleimt, wenn kalte, schleimige Feuchtigkeit in ihm überwiegt. Dass der Wein ihm gut bekomme, ist Ryffs Lehre, kein heutiger Rat.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#magen"/></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-044-orig" n="Benedicten wurtzel" resp="#fyndling" subtype="lexical">Wurzel der Echten Nelkenwurz (Geum urbanum). DWB und Idiotikon führen „Benedicte“ bzw. „Benediktenwurz“ als Nelkenwurz; Ryff beschreibt eine ausdauernde Wurzel, die jedes Jahr neben dem alten einen neuen Stängel treibt und mit dem Alter stärker riecht; Rasch 1580 (ras-072) nennt dieselbe Wurzel im selben Gebrauch Caryophyllata.<list type="alternatives"><item>Benediktendistel (Cnicus benedictus)<note type="rationale">Das FWB nennt sie als zweite Bedeutung von „benedicte“. Sie ist aber einjährig und treibt keinen neuen Stängel neben dem alten; ihr Gebrauch gilt dem Kraut, nicht einer duftenden Wurzel.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-044-orig" n="bärmůtter" resp="#fyndling" subtype="lexical">Krämpfe der Gebärmutter. Neben „grimmen“ und nach „ſtillet“ ist „bärmůtter“ ein Krankheitsname: FWB bärmutter 2 ‚Kolik, Krampf der Gebärmutter‘, DWB ‚mutterbeschwerde‘; Rasch sagt im selben Zusammenhang „den ſchmertzen der geburt glieder der weiber“.<list type="alternatives"><item>Leibschmerzen allgemein, Kolik auch bei Männern<note type="rationale">FWB und Idiotikon kennen diese verallgemeinerte Bedeutung. Dann wiederholte das Wort nur „grimmen“; die Frauenleiden-Lesart des Rasch-Zwillings spricht dagegen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-045-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Wein, der auf Trauben im Fass liegt und von ihnen Geschmack und Farbe annimmt. Ryff nennt ihn Räppis oder Beerwein und gibt kein festes Rezept, sondern zählt auf, wie es „etlich“ machen. Mengen und eine Dauer nennt er nicht, nur „ein zeitlang“.

Die Wege. Erstens ganze Trauben mit Salbei dazwischen, Wein darüber, weißer über weiße Trauben, roter oder weißer über rote; weißer Wein über roten Trauben wird bald rot. Zweitens Most, der über den Trauben vergärt. Drittens vergorener alter Wein über den Trauben. Viertens nur die abgezupften Beeren im Fass. Fünftens hineingehängtes Gewürz. Der Salbei gehört nach dem Text nur zum ersten Weg.

Gärung. Beim Most-Weg gärt der Most mit den Trauben, eine eigene Hefe braucht es dort nicht. Beim Weg mit fertigem Wein nennt Ryff keine Gärung. Heute würde man sagen: Frische Trauben bringen Zucker und auf der Schale Hefen mit, der Wein kann darüber nachgären; das Schweizerische Idiotikon beschreibt den Rappiser entsprechend als moussierend. Dass weißer Wein über roten Trauben rot wird, erklärt sich heute mit dem Farbstoff der Beerenhaut, der in den Wein übergeht.

Gewürz hineinhängen. Welches Gewürz, steht nicht da. In den Nachbarabschnitten hängt Ryff das Gewürz in einem Säcklein ins Fass (Zitwer- und Morolffwein) oder an einem Faden (Alantwein); so lässt es sich wieder herausnehmen.

Ryffs Urteil. Am Schluss bewertet Ryff den Trank: lieblich, aber dem Kopf schädlich, rasch berauschend, besonders am Abend. Das ist die Diätetik seiner Zeit, keine Aussage darüber, wie Wein heute wirkt.

Praxis. Weiße oder rote Trauben zur Lesezeit, ganz oder abgezupft, in ein sauberes Fass oder (modern) einen Glasballon geben, beim ersten Weg Salbei dazwischen, und mit Wein oder frischem Most übergießen. Ryff nennt keine Dauer; wie lange der Wein auf den Trauben liegt, muss man selbst finden. Modern: Ein Gefäß mit frischen Trauben und Most gärt und braucht ein Gärröhrchen oder einen lose aufgesetzten Spund; fest verschlossen baut es Druck auf.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-045-orig" n="Räppis" resp="#fyndling">Oberrheinisch-alemannischer Name für Wein, der auf Trauben oder Traubenbeeren im Fass liegt. Ryff setzt ihn mit „böꝛwein“, Beerwein, gleich; gemeint sind die Beeren der Weintraube, nicht Beerenobst. Dasypodius (Straßburg 1535) übersetzt vinum acinaceum mit „rappis“; das Schweizerische Idiotikon kennt den Rappiser als Wein aus Trauben, im Fass mit altem Wein und auch mit Gewürz vergoren.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-045-orig" n="firnen wein" resp="#fyndling">Firn heißt vom Wein: vorjährig, alt (Schweizerisches Idiotikon „letztjährig“, Elsässisches Wörterbuch „vorjährig“). In der Winzersprache lebt das Wort im Firnewein fort.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-045-orig" n="ſchlechte treübel" resp="#fyndling" subtype="lexical">Einfache, gewöhnliche Trauben: „schlecht“ hat hier den alten Sinn schlicht, einfach (mhd. sleht; Deutsches Rechtswörterbuch „schlecht, schlicht“). Der Satz geht mit weißen und roten Trauben weiter, es sind also Weintrauben.<list type="alternatives"><item>Schlehen<note type="rationale">„schlech“ kann in alemannischen Texten Schlehe sein. Hier steht aber das gebeugte Adjektiv vor „treübel“, und der Text spricht danach von weißen und roten Trauben, Most und Beeren.</note></item><item>minderwertige Trauben<note type="rationale">Der heutige Sinn von schlecht; nichts im Abschnitt spricht von geringer Ware.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-046-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Kräuterwein aus Traubenmost und Alantwurzel. Ryff gibt dafür den Weg, den er in seiner Einleitung zu den Kräuterweinen für Weine nennt, die man süß behalten will: Der Most wird mit dem Zusatz eingesotten (ryf-040). Dazu kommt ein zweiter Weg, bei dem die Wurzel ungekocht ins Fass gehängt wird.

Um ein Drittel, nicht auf ein Drittel. „Das drittheyl ein“ heißt: Ein Drittel des Mosts verkocht, zwei Drittel bleiben. Für einen ganz süßen Wein verkocht die Hälfte. So rechnet Ryff selbst beim Zitwerwein, wo er anderthalb Ohm Most für ein Ohm Wein nimmt (ryf-047), und beim Morolffwein, wo es zwei oder anderthalb Ohm für ein Ohm sind (ryf-048). Je mehr verkocht, desto süßer wird der Most.

Wann die Wurzel genug hat. Ryff nennt keine Zeit, sondern ein Zeichen: Die Wurzel siedet mit, bis sich das innere Mark von der äußersten Rinde schält. Dasselbe Zeichen steht schon im Kölner Kochbuch des 15. Jahrhunderts (so1-131) und wieder bei Rumpolt 1581 (rum-1988). Wie viel Wurzel auf wie viel Most kommt, sagt Ryff nicht.

Was nach dem Einsieden geschieht. Ryff hört beim Einsieden auf. Dass der Most danach ins Fass kommt, ergibt sich aus dem zweiten Weg und aus der Einleitung, nach der er „mit dem zůſatz verwaret“ wird; ob er dort noch gärt, sagt Ryff nicht. Im Kölner Kochbuch und bei Rumpolt wird der gesottene Wein in ein Fass mit Most gegossen und vergoren. Gesottener Most ist keimfrei; gärt er im Fass, dann mit der Hefe, die im Holz eines immer wieder benutzten Fasses sitzt.

Der zweite Weg. Die Wurzel wird nicht mitgekocht, sondern in kleine Scheiben geschnitten, an einen Faden gereiht und oben durch das Spundloch ins Fass gehängt. „Laſſen dẽ wein darüber“ heißt, der Wein steht über der Wurzel und zieht ihre Kraft. Ryff sagt nur, dass die Wurzel nicht „darmit“ gesotten wird; wahrscheinlich wird der Most trotzdem eingesotten, nur ohne die Wurzel.

Praxis. Frischen, ungeschwefelten Traubenmost vom Winzer mit geschnittener Alantwurzel im offenen Topf sieden, bis ein Drittel verkocht ist, für einen sehr süßen Wein die Hälfte, und das Zeichen an der Wurzel abwarten. Wer ihn danach wie im Kölner Kochbuch und bei Rumpolt vergären will, füllt den abgekühlten Most in einen Glasballon mit Gärröhrchen und setzt Weinhefe zu, weil gekochter Most keine eigene Hefe mehr hat und heute kaum jemand ein eingefahrenes Fass besitzt (beides modern). Ein ganz verschlossenes Gefäß baut beim Gären Druck auf. Alant ist ein Korbblütler; wer darauf allergisch ist, lässt ihn weg.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-046-orig" n="Alantwurtz" resp="#fyndling">Die Wurzel des Echten Alants (Inula helenium), einer hohen, gelb blühenden Staude aus der Familie der Korbblütler. Echter Alant.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-046-orig" n="trotten oder kältern" resp="#fyndling">Zwei Wörter für dieselbe Sache, die Weinpresse: „Trotte“ ist das alemannische Wort, „Kelter“ das weiter verbreitete.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-046-orig" n="das dꝛittheyl ein ... das halbtheyl" resp="#fyndling" subtype="contextual">Um ein Drittel einsieden, für ganz süßen Wein um die Hälfte: Ein Drittel bzw. die Hälfte verkocht. Ryff rechnet selbst so: Beim Zitwerwein werden anderthalb Ohm Most „den dꝛitten theil ein“ gesotten, um ein Ohm zu ergeben (ryf-047), beim Morolffwein zwei oder anderthalb Ohm (ryf-048). Rasch schreibt für den ganz süßen Wein „biß vngefehꝛ der halb theil eingeſotten iſt“ (ras-069).<list type="alternatives"><item>Auf ein Drittel bzw. auf die Hälfte einsieden.<note type="rationale">Dann wäre die Drittel-Fassung die süßere, Ryff nennt aber die Hälfte als die ganz süße. Seine eigenen Ohm-Zahlen in ryf-047 und ryf-048 passen nur zu „um“.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-046-orig" n="geäd'" resp="#fyndling" subtype="lexical">„Geäder“ belassen: Das Wort meint im 16. Jahrhundert die Adern insgesamt, aber auch die Sehnen (FWB geäder 1 und 2). Welches Ryff meint, entscheidet der Satz nicht.<list type="alternatives"><item>Nerven bzw. Sehnen.<note type="rationale">Rasch setzt 1580 an diese Stelle „die Neruen zu wermen“ (ras-070), Rumpolt schreibt „so das geaͤder von Kaͤlte erſtarret iſt“ (rum-1988), was eher zu Sehnen passt. Rasch folgt aber Ryff und ist kein unabhängiger Beleg.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-046-orig" n="jr kranckheit" resp="#fyndling" subtype="contextual">Die Monatsblutung: „den weibern jr kranckheit treiben“ ist die Formel für ein Mittel, das die Periode anregt. Rasch schreibt an der entsprechenden Stelle „fuͤrdert auch die Monat zeit“ (ras-070).<list type="alternatives"><item>Frauenleiden allgemein.<note type="rationale">Wörtlich steht nur „ihre Krankheit“; das Verb „treiben“ und Raschs Fassung sprechen für die Monatsblutung.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-046-orig" n="laſſen dẽ wein darüber" resp="#fyndling" subtype="contextual">Der Wein steht im Fass über der aufgehängten Wurzel und zieht ihre Kraft, vergleichbar mit Ryffs Grundverfahren „den moſt darüber verjären laſſen“ (ryf-040). Gemeint ist wohl der Most, der in diesem Weg ohne die Wurzel eingesotten wird.<list type="alternatives"><item>Fertiger Wein oder frischer Most wird über die Wurzel gefüllt.<note type="rationale">Ryff sagt nur, dass die Wurzel nicht mitgesotten wird, nicht, ob der Most gesotten wird; Rasch hängt die Wurzel „on geſotten“ ins Fass, ohne den Most zu nennen.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-047-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein Gewürzwein aus Most nach dem süßen Weg, den Ryff im Grundverfahren der Kräuterweine nennt: Welche Weine man süß behalten will, deren Most wird „auf einem hellen Feuerlein“ gesotten und so mit dem Zusatz ins Fass gegeben. Hier ist der Zusatz eine Reihe fremder Gewürze mit dem Zitwer an der Spitze, grob gestoßen in einem Säcklein, das im Fass hängt.

Das Einsieden. „Sittigklich“ heißt sachte, gemächlich. Das Feuer ist klein und brennt hell, also klar und ohne Qualm: Flamme und Rauch sollen nicht in den Most schlagen. Wie lange das dauert, sagt Ryff nicht; das Ende zeigt allein die Menge an. Aus anderthalb Ohm wird, um ein Drittel eingesotten, genau das eine Ohm, von dem der erste Satz spricht.

Im Fass. Ryff sagt hier nicht, ob und wie lange der eingekochte Most im Fass gärt; er nennt ihn danach nur noch Zitwerwein. Durch das Sieden ist der Most keimfrei. Gärt er, kommt die Hefe aus dem Holz eines oft benutzten Fasses; wer heute ohne ein solches Fass arbeitet, setzt Weinhefe zu (modern). Was nicht vergärt, bleibt als Süße im Wein, und darum geht es beim Einsieden.

Das Gewürz. Die Mengen gelten für ein Ohm. Galgant, Paradieskörner und Langer Pfeffer bekommen je drei Quintlein, Muskatnuss, Kubeben und Kardamom je ein halbes; ein Quintlein ist der vierte Teil eines Lots. Grob gestoßen bleibt das Gewürz im Säcklein und lässt sich wieder herausnehmen - darauf baut das Auffrischen: Wird oft nachgefüllt, gibt das alte Gewürz nichts mehr her, also wird es getrocknet, feiner gestoßen und mit halb so viel Gewürz oder mehr ergänzt.

Praxis. Frischen, ungeschwefelten Traubenmost vom Winzer in einem weiten Topf bei kleiner Hitze um ein Drittel einkochen; siedender Most spritzt und verbrüht. Abgekühlt in ein sauberes Gefäß füllen, heute meist ein Glasballon mit Gärröhrchen (modern); ein ganz verschlossenes Gefäß baut beim Gären Druck auf. Das grob gestoßene Gewürz in einem Säckchen aus Leinen oder Mull (modern statt Haartuch) an einer Schnur hineinhängen. Die Größe des Ohm schwankte von Ort zu Ort; für einen kleineren Ansatz alle Gewürze im selben Verhältnis zueinander und zur Mostmenge verkleinern.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-047-orig" n="Omen" resp="#fyndling">Das Weinmaß Ohm, ein Fassmaß, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Mit dem lateinischen „omen“ hat das Wort nichts zu tun. Für das Rezept zählt das Verhältnis: Aus anderthalb Teilen Most wird ein Teil Wein.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-047-orig" n="Zitwen" resp="#fyndling">Zitwer, die Zedoarwurzel (Curcuma zedoaria), ein ingwerverwandtes Wurzelgewürz aus Südasien; „Zitwen“ ist die im 16. Jahrhundert verbreitete Nebenform.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-047-orig" n="härin ſäcklin" resp="#fyndling">Ein Säcklein aus Haartuch, wie es Ryff auch zum Durchtreiben der Latwergen nennt. Es hält die Gewürzstücke im Fass zusammen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-047-orig" n="quintlin" resp="#fyndling">Das Quintlein ist der vierte Teil eines Lots. Ryff rechnet in Apothekergewicht; die Gewichte waren von Ort zu Ort verschieden, deshalb bleiben die Mengen so, wie er sie nennt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-047-orig" n="den dꝛitten theil ein" resp="#fyndling" subtype="contextual">Um ein Drittel einsieden, so dass zwei Drittel bleiben: Aus anderthalb Ohm Most wird so genau das eine Ohm Zitwerwein des ersten Satzes. Beim folgenden Morolfwein rechnet Ryff ebenso: zwei Ohm um die Hälfte oder anderthalb Ohm um ein Drittel eingesotten.<list type="alternatives"><item>Bis auf ein Drittel einsieden<note type="rationale">Der Wortlaut ließe es zu, dann blieb aber nur ein halbes Ohm, und die Rechnung des ersten Satzes ginge nicht auf.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-047-orig" n="halb ſouil oder mehꝛ wurtz darzů" resp="#fyndling" subtype="contextual">Zum getrockneten, feiner gestoßenen alten Gewürz kommt halb so viel neues Gewürz wie beim ersten Ansatz, oder mehr; das „Erfrischen mit Gewürz“ verlangt neue Ware.<list type="alternatives"><item>Halb so viel, wie vom alten Gewürz noch übrig ist<note type="rationale">Der Bezug von „halb so viel“ bleibt im Satz offen; da das Gewürz beim Trocknen kaum an Menge verliert, läuft es praktisch auf dasselbe hinaus.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-048-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Ein gewürzter Wein im Fassmaß: Süßer Most wird eingekocht, erkaltet über frische rote Traubenbeeren gegossen, und ein Säcklein mit grob gestoßenem Gewürz hängt darin. Das Gewürzsäcklein kennt man aus dem Zitwerwein, der unmittelbar davor steht; die Gewürzreihe ist fast dieselbe.

Das Einsieden. „Den dꝛittheyl oder halbtheyl … einſieden“ heißt: um ein Drittel oder um die Hälfte einkochen. Nur so geht Ryffs Rechnung auf: Zwei Ohm um die Hälfte oder anderthalb Ohm um ein Drittel eingekocht ergeben jeweils das eine Ohm, das er machen will. Für das Wie verweist er nach oben; beim Zitwerwein siedet er den Most sachte über einem kleinen, hellen Feuer, damit weder Flamme noch Rauch hineinschlägt, beim Alantwein kocht er ihn um die Hälfte ein, wenn er ihn „gantz ſüß“ haben will. Dass man den Most einsiedet, um den Wein süß zu behalten, sagt Ryff in seiner Einleitung zu den Kräuterweinen.

Beeren und Säcklein. Der eingesottene Most muss erst kalt werden, bevor er über die abgelesenen Beeren kommt. Das Gewürz ist nur grob gestoßen und hängt in einem langen Säcklein im Wein: So zieht es aus, ohne den Wein zu trüben, und lässt sich wieder herausnehmen. Ein Gefäß nennt Ryff nicht; die Menge von einem Ohm und das hineingehängte Säcklein sprechen für ein Fass wie beim Zitwerwein.

Gärung. Ob und wie lange der Morolf gärt, sagt Ryff in diesem Kapitel nicht, auch keine Liegezeit und kein Zeichen, wann er fertig ist. Mit den frischen Beeren kommt die Gärung ins Fass; das Einkochen soll den Wein nach Ryff süß halten. Heute würde man ein Fass, dessen Inhalt arbeitet, nicht fest verschließen.

Die Wirkung. Ryff ordnet den Morolf nach der Säftelehre ein: Warmes Gewürz soll kalte und feuchte Naturen ausgleichen, Unfruchtbarkeit galt als Folge einer kalten, feuchten Natur der Frau. Jungen, blutreichen Menschen, hitzigen Krankheiten und heißen Zeiten soll derselbe Wein schaden. Das ist die Lehre seiner Zeit und kein Gesundheitsrat. Der Schlussabsatz gilt für die ganze Reihe der Kräuterweine: Der Wein nehme Geruch, Geschmack und Kraft jedes Zusatzes an.

Praxis. Die Mengen sind Fassmengen in Ryffs Maß. Wer kleiner ansetzt, hält die Verhältnisse von Most, Beeren und Gewürz untereinander; Ohm und Sester waren von Ort zu Ort verschieden groß, eine heutige Menge lässt sich daraus nicht sicher ableiten. Den Most in großer Menge sieden verlangt einen sicher stehenden Kessel.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-048-orig" n="Moꝛolffwein" resp="#fyndling">Name eines gewürzten, mit Zutaten versehenen Weins (Deutsches Wörterbuch). Ob man dafür den bekannten Narrennamen Morolf an moraz angelehnt hat, den mittelalterlichen Maulbeerwein, lässt das Wörterbuch offen. Der Name bleibt deshalb stehen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-048-orig" n="Omen" resp="#fyndling">Ohm, ein großes Wein- und Fassmaß, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Ryff rechnet in ganzen und halben Ohm.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-048-orig" n="ſeſter" resp="#fyndling">Der Sester ist ein altes Hohlmaß, vor allem für Trockenes wie Korn, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Hier misst er die abgelesenen Beeren.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-048-orig" n="Zitwen" resp="#fyndling">Zitwer, die Zedoarwurzel (Curcuma zedoaria), ein ingwerartiger Wurzelstock aus Südasien. Nach ihm heißt der Zitwerwein im Kapitel davor.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-048-orig" n="den dꝛittheyl oder halbtheyl ... einſieden" resp="#fyndling" subtype="contextual">Um ein Drittel oder um die Hälfte einkochen: Zwei Ohm um die Hälfte und anderthalb Ohm um ein Drittel ergeben jeweils das eine Ohm, das Ryff machen will. Der Zitwerwein bestätigt es: anderthalb Ohm Most „den dꝛitten theil ein“ für ein Ohm.<list type="alternatives"><item>Auf ein Drittel oder auf die Hälfte einkochen.<note type="rationale">Anderthalb Ohm auf ein Drittel ergäben nur ein halbes Ohm; die Rechnung des Kapitels ginge nicht auf.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-048-orig" n="gepꝛeſten" resp="#fyndling" subtype="lexical">Substantiv: Gebrechen, Krankheiten (Deutsches Wörterbuch gebrest; Elsässisches Wörterbuch „Unpässlichkeiten“). „Inn allen hitzigen gepꝛeſten“ = bei allen hitzigen Krankheiten; Ryff gebraucht das Wort in der Einleitung zu den Kräuterweinen ebenso.<list type="alternatives"><item>Adjektiv „gebrechlich“ als Glied der Personenreihe.<note type="rationale">„Allen hitzigen gepꝛeſten“ verlangt ein Substantiv; erst danach folgt die Reihe der Leute.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-049-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Gebackenes Marzipan auf Oblaten. Die Mandeln werden gebrüht, gehäutet und im Mörser mit wenig Rosenwasser fein gestoßen, dann mit ebenso viel oder etwas mehr fein gestoßenem Zucker zu einem weißen Teig verstoßen. Der Teig kommt in einem Ring auf Oblaten und wird in einer gedeckelten Fladenpfanne bei sehr sanftem Feuer von unten und oben gebacken und getrocknet. Ryff nennt keine Mengen außer dem Verhältnis, keine Zeit und als Zeichen nur, dass nichts verbrennen darf.

Mandeln brühen und stoßen. Das siedende Wasser löst die Haut, das kalte Wasser danach hält die Mandeln nach Ryff davon ab, ölig zu werden. Demselben Zweck dient das Rosenwasser beim Stoßen: immer wieder ein Tröpflein, nicht alles auf einmal.

Zucker. Ryffs Maß ist das Gewicht der gestoßenen Mandeln: ebenso schwer Zucker oder etwas mehr, ebenfalls fein gestoßen. Das Verhältnis ist also 1 : 1 oder etwas darüber. Fein gestoßenem Zucker kommt heute Puderzucker am nächsten.

Fladenpfanne. Eine eigens dafür gemachte flache Pfanne aus Kupfer oder Ton mit Deckel; Feuer kommt darunter und darauf. Ryff sagt „bachen vnnd trücknen“: Die schwache Hitze soll den Teig vor allem trocknen. Der Zuckerteig verbrennt schnell, darum seine Warnung.

Praxis. Ein Dutch Oven mit wenig Glut unten und einigen Kohlen auf dem Deckel ersetzt die Fladenpfanne, ein Dessertring das Reiflein (beides modern). Geschälte, gemahlene Mandeln aus dem Handel sparen das Brühen und Häuten; mit dem Zucker müssen sie trotzdem im Mörser zu einem Teig gestoßen werden, dabei wie bei Ryff tropfenweise Rosenwasser zugeben. Glut sparsam halten und oft nachsehen.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-049-orig" n="krafftbꝛot oder Marzapan" resp="#fyndling">Ryff setzt beide Namen gleich. Marzapan ist die ältere Form von Marzipan; den Namen nimmt Ryff als Zeichen, dass das Konfekt von den Welschen kam, den romanischsprachigen Nachbarn, vor allem den Italienern. Krafftbrot ist sonst kaum belegt; Ryff verbindet das Konfekt mit der nährenden Kraft, die er ihm zuschreibt.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-049-orig" n="Latwergen" resp="#fyndling">Eingedickte Frucht- oder Saftmuse, in Zuckerlädlin gegossen oder in Stücke geschnitten. Bei Ryff sind sie Konfekt und Apothekenware zugleich.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#latwergen"/></note>
        <note type="gloss" target="#ryf-049-orig" n="ſchlafftrüncken" resp="#fyndling">Ein abendlicher Umtrunk vor dem Schlafengehen, oft mit Konfekt. Das Schweizerische Idiotikon kennt das Wort auch für den Nachtisch.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-049-orig" n="reifflin" resp="#fyndling">Verkleinerung von Reif: ein kleiner Ring, der auf der Oblate Umriss und Dicke des Fladens vorgibt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-049-orig" n="füren vnd nehꝛen den leib" resp="#fyndling" subtype="lexical">„speisen und nähren“: füren ist hier das alte vuoren „unterhalten, nähren, speisen, füttern“ (Lexer), nicht „führen“; das DWB belegt „gefuret (gefüttert, genährt)“ bei Steinhöwel 1487. Mit nehren bildet es eine Paarformel, passend zu den Kranken, denen alle Speise zuwider ist.<list type="alternatives"><item>„führen“ im Sinne von voranbringen oder abführen<note type="rationale">Im Kapitel steht kein Abführmittel, und die Paarformel mit nehren spricht für die Nahrungsbedeutung.</note></item></list></note>
        <note type="preparation_tip" target="#ryf-050-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Die zweite Marzipan-Art in Ryffs Konfektbüchlein. Beim ersten Marzipan werden Mandeln und Zucker roh im Mörser zusammengestoßen; hier wird der Zucker zuerst mit Rosenwasser eingekocht, und die gestoßenen Mandeln werden über dem Feuer daruntergerührt. Für das Aufstreichen und Backen verweist Ryff auf das erste Marzipan. Dazu kommen vier Zusätze: Zimt, geriebene Perlen und Edelsteine, der Schmuck der Apotheker und eine weiße Zuckerglasur.

Das Verhältnis. Auf ein halbes Pfund gestoßene Mandeln kommen drei Vierling Zucker, also ein Dreiviertelpfund: anderthalb Teile Zucker auf einen Teil Mandeln. Beim ersten Marzipan nimmt Ryff gleich viel Zucker wie Mandeln oder etwas mehr. Für das Rosenwasser nennt er keine Menge.

Der Zuckersud. Das Endzeichen ist „biß alle feüchtigkeyt verzeret würt“: Das Rosenwasser ist verkocht, und der Zucker bleibt als dicke Masse im Gefäß. Einen Zuckergrad nennt Ryff nicht. Die Mandeln werden „ob dẽ feür“ eingerührt, bis ein weißer Teig entsteht. Rumpolt beschreibt 1581 dasselbe Verfahren und mahnt, gut durcheinanderzurühren, „daß es nicht anbrennet“.

Aufstreichen und Backen. Ryff schreibt hier nur „in aller geſtalt wie angezeygt iſt/ vnd laßt es bachen“. Beim ersten Marzipan heißt das: den Teig auf Oblaten in einen runden Reif streichen, so dick und breit man will, in eine kupferne oder irdene Fladenpfanne mit Deckel legen, unten und oben ein sehr lindes Feuer machen und gemächlich backen und trocknen lassen, ohne dass es verbrennt.

Zimt. Ganz wenig, fein gestoßen, in den Teig, bevor man ihn aufstreicht. Ryff begründet es mit der Wirkung: Das Krafftbrot soll dadurch stärkender werden.

Perlen und Edelsteine. Geriebene Perlen und Edelsteine waren ein Apothekenzusatz der Zeit, der das Herz stärken sollte; Ryff stellt ihn ins Belieben. Für die Speise weglassen: Geriebene Steine und Perlen gehören nicht ins Essen.

Die Glasur. Den schönsten Zucker in Rosenwasser zergehen lassen und „hart“ sieden, den Marzipan oben damit bestreichen und austrocknen lassen. „Hart“ verstehen wir als Konsistenz: so weit eingekocht, dass der Überzug beim Trocknen fest und weiß wird. Wie weit genau, sagt Ryff nicht.

Schmuck. Die Apotheker vergolden den Marzipan, bestecken ihn, also verzieren ihn mit Aufgestecktem, und bestreuen ihn mit anderem Konfekt.

Praxis. Ryff nennt weder Zeiten noch eine Ausbeute. Siedender Zucker verbrennt die Haut; beim Einrühren der Mandeln stetig rühren. Heute (modern): blanchierte, gemahlene Mandeln ersparen das Stoßen; am Lagerfeuer ersetzt ein gusseiserner Topf mit Glut auf dem Deckel die Fladenpfanne.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-050-orig" n="Krafftbrot / Marzapan" resp="#fyndling">Ryffs zwei Namen für dasselbe Konfekt: ein Fladen aus gestoßenen Mandeln und Zucker, auf Oblaten gebacken. „Krafftbrot“ meint die Kraft, die es nach Ryff Kranken geben sollte; ein Brot aus Mehl ist es nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-050-orig" n="Vierling" resp="#fyndling">Bei Gewichten ein Viertelpfund. Drei Vierling sind ein Dreiviertelpfund, also anderthalbmal so viel Zucker wie Mandeln.</note>
        <note type="gloss" target="#ryf-050-orig" n="beſtecken" resp="#fyndling">Mit Aufgestecktem verzieren; das Grimmsche Wörterbuch erklärt „bestecken“ als „mit etwas Angestecktem versehen“. Hier steckt man wohl anderes Konfekt in den Marzipan.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-050-orig" n="Bärlin" resp="#fyndling" subtype="lexical">Perlen. Das Schweizerische Idiotikon führt „Bërliⁿ“ als Perle und belegt die Form „Bärlin“ 1550; Dasypodius (Straßburg 1536) übersetzt „baccatum monile“ mit „bärlin halßband“, Henisch 1616 setzt „Berlin/ perlin“ gleich „margarita“. Neben „Edel geſteyn“ und dem Zweck der Herzstärkung passt nur das.<list type="alternatives"><item>Beerlein, kleine Beeren<note type="rationale">Lautlich möglich, aber Beeren werden nicht mit Edelsteinen „gerieben“, und als Herzmittel der Apotheke stehen Perlen neben Edelsteinen.</note></item><item>Bärlein, junger Bär<note type="rationale">Dasypodius kennt „bärlin“ auch so; im Konfekt sinnlos.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-050-orig" n="krefftiger" resp="#fyndling" subtype="lexical">stärkender, mehr Kraft gebend: Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch nennt für „kräftig“ die Bedeutung „wirksam, stark“ (von Arznei), das Idiotikon „Kraft gebend (von Nahrungsmitteln)“. Das passt zu Ryffs Namen „Krafftbrot“.<list type="alternatives"><item>kräftiger im Geschmack, würziger<note type="rationale">Zimt würzt auch, aber Ryff begründet die Zusätze hier mit der Wirkung, wie im folgenden Satz mit der Herzstärkung.</note></item></list></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ryf-050-orig" n="ſieden jhn hart" resp="#fyndling" subtype="contextual">So weit einkochen, dass der Überzug beim Austrocknen fest und weiß wird; „hart“ als Konsistenz (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch, „hart“ 1).<list type="alternatives"><item>kräftig, stark sieden<note type="rationale">„hart“ kann auch die Stärke des Siedens meinen; Ryff nennt kein Endzeichen, und das Austrocknen danach passt zu beiden Lesarten.</note></item></list></note>
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