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      <titleStmt>
        <title>Das Kochbuch des Balthasar Staindl (Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability status="restricted">
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung, Anmerkungen, Zutatenerschließung; die historische Vorlage ist gemeinfrei)</licence>
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        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/quellen/staindl/</idno>
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        <bibl>
          <title>Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...</title>
          <date when="1545">1545</date>
          <idno type="URI">https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11110687</idno>
          <note>Transkription: eigene Texterkennung aus dem BSB-Digitalisat der Ausgabe 1545, nicht korrekturgelesen - für Buch 1-4 gegen die diplomatische Transkription der Ausgabe 1569 von Thomas Gloning (Universität Gießen) geprüft.</note>
        </bibl>
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        <prefixDef ident="wikidata" matchPattern="(Q[0-9]+)" replacementPattern="http://www.wikidata.org/entity/$1">
          <p>Wikidata-Entitaeten, z.B. wikidata:Q42527 = http://www.wikidata.org/entity/Q42527</p>
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      <appInfo>
        <application ident="corema-ingredient-index" version="1" xml:id="corema-ingredient-index">
          <label>CoReMA-Zutatenindex</label>
          <p>Zutaten mit source="#corema-ingredient-index" tragen @en und @commodity unveraendert aus dem Zutatenindex von CoReMA (Corpus of Recipes of the Middle Ages, Universität Graz, CC BY 4.0), zugeordnet über die exakte historische Schreibung. Der Index erfasst nur deutschsprachiges Vokabular und deckt genau die Handschriften ab, die CoReMA selbst führt. Wo wir ihn darüber hinaus angewandt haben, steht nicht dieses Ziel, sondern #fyndling-corema-index. <ptr target="https://gams.uni-graz.at/context:corema"/></p>
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        <application ident="fyndling-ingredient-name" version="1" xml:id="fyndling-ingredient-name">
          <label>Namensbasierte Zuordnung Fyndling</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-ingredient-name" haben ihre Normdaten nicht über die historische Schreibung, sondern über den von uns vergebenen modernen Zutatennamen erhalten: wo dieselbe Zutat anderswo im Korpus bereits mit einem Wikidata-Konzept verknüpft war, wurde diese Verknüpfung übernommen. Voraussetzung waren mindestens zwei unabhängige Belege im Korpus und ein deutschsprachiger Ausgangsbeleg. Die Zuordnung ist damit unsere Arbeit und nicht CoReMA zuzurechnen.</p>
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        <application ident="fyndling-ingredient-registry" version="1" xml:id="fyndling-ingredient-registry">
          <label>Zuordnung aus der Fyndling-Zutatenregistry</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-ingredient-registry" haben ihre Normdaten aus unserer handgepflegten Zutatenregistry erhalten: einer redaktionell gefuehrten Tabelle, die je Wikidata-Konzept die modernen Namensvarianten festhaelt, unter denen wir es im Korpus fuehren. Sie greift genau dort, wo der Korpus selbst keine Mehrheit hergibt - etwa weil derselbe Name je nach Rezept verschieden aufgeloest wurde. Die Entscheidung ist unsere und nicht CoReMA zuzurechnen. Wo eine kontextabhaengige Regel zustaendig ist (Tierart, Fastengebot), gilt nicht diese Tabelle, sondern #fyndling-ingredient-context.</p>
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        <application ident="fyndling-corema-index" version="1" xml:id="fyndling-corema-index">
          <label>CoReMA-Zutatenindex, angewandt von Fyndling</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-corema-index" tragen Werte aus dem Zutatenindex von CoReMA, angewandt aber von uns auf eine Handschrift, die CoReMA nicht führt. Die Verantwortung für diese Zuordnungen liegt deshalb bei uns, nicht beim Projekt. Besondere Vorsicht gilt bei nicht deutschsprachigen Vorlagen: der Index ist eine deutsche Wortliste, und gleich geschriebene Wörter anderer Sprachen kollidieren mit ihr (mittelenglisch „oile" ist Öl, nicht Aal; französisch „pain" ist Brot, nicht Bein). Diese Stellen sind in Durchsicht. <ptr target="https://gams.uni-graz.at/context:corema"/></p>
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        <application ident="fyndling-ingredient-context" version="1" xml:id="fyndling-ingredient-context">
          <label>Kontextregeln Fyndling</label>
          <p>Zutaten mit source="#fyndling-ingredient-context" weichen bewusst vom Index ab, weil dessen Zuordnung im Rezeptzusammenhang nicht trägt. Beispiel: CoReMA legt alle Schreibungen von „smaltz" auf Schweineschmalz fest; in Fastenrezepten ist das kirchenrechtlich ausgeschlossen, dort stehen mehrere Kandidaten mit @cert="low" statt einer Festlegung. Diese Entscheidungen sind unsere Arbeit und nicht CoReMA zuzurechnen.</p>
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      <langUsage>
        <language ident="de-x-fnhd">Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
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      <div type="recipe" xml:id="std-001">
        <head>Mandelmilch mit Rosinen</head>
        <div type="original" xml:id="std-001-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-001-trans">
          <p>Das erſt buͤch von Mandel.
Achs alſo / Nimb die (andel / ſeuds / ſo laſſen
R ſie ſich ſchelen / waſch wanns geſchelt ſeind auß
☛)-) einem kalten waſſer / ſo werdens hüpſch / herte
kirnig / haſt du dann ein ſtein damit man (andel melt/
ſo mals / geüß oben ein ſchoͤn waſſer zuͦ / ſo ründts dann / ſo
es gemalen hat / ſeuds dick wie ein Raum / haſt du nit eyn
Mandel milch / ſo muͦß mans ſo lang inn einem moͤrſſer
ſtoſſen / es bleibt aber vil in der ſeüch pfannen.
Man ſoll auch ein ſemel ſchnitten baͤwen / vnd in ein ge
ſaltzens waſſer ſtoſſen / vñ vnder die Mandel ſtoſſen / nur
gar lang vnnd im mer zuͦ tropfft mit einem waſſer / biß ſie
gantz taig am ſtoſſen ſeind / Deñ ſo nim die geſtoſſen (an
del / geuß waſſer daran / treibs ab / vnd ſeichs / darnach du
es dick wilt habe / hebs vbers fewr / laß ſieden wie ein milch
ſuppen / wers geren ſies iſſer der nem Zucker / richts dann
auffbaͤwts bꝛot / weinber darauff / ſaltz es nit / biß dus an
richten wilt / es gerint ſonſt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-001-trans" xml:lang="de" corresp="#std-001-orig">
          <p>Mach es so: Die Mandeln sieden, bis sie sich schälen lassen. Nach dem Schälen in kaltem Wasser waschen, damit sie sauber, fest und körnig werden. Hast du einen Stein, mit dem man Mandeln mahlt, so mahl sie darauf und gieße dabei von oben etwas klares Wasser zu. So lange mahlen, bis die Masse dick wie Rahm ist. Wer keine Mandelmühle hat, muss die Mandeln lange im Mörser stoßen, doch bleibt dabei viel in der Siebpfanne zurück.</p>
          <p>Eine Semmelscheibe rösten, in gesalzenem Wasser einweichen und unter die Mandeln stoßen. Lange weiterstoßen und immer wieder etwas Wasser daraufträufeln, bis die Masse beim Stoßen ganz teigig ist. Die gestoßenen Mandeln mit Wasser anrühren, durch ein Tuch oder Sieb treiben und nach gewünschter Dicke abseihen. Über dem Feuer wie eine Milchsuppe sieden lassen. Wer es gern süß isst, nimmt Zucker dazu. Auf geröstetem Brot anrichten und Rosinen daraufgeben. Erst beim Anrichten salzen, sonst gerinnt es.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="almond" orig="Mandel" commodity="wikidata:Q184357" source="#corema-ingredient-index">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="ein ſemel ſchnitten">Semmelscheibe</ingredient> - 1 Scheibe</item>
            <item>
              <ingredient en="table salt" orig="geſaltzens waſſer" commodity="wikidata:Q11254" source="#fyndling-ingredient-registry">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker (optional, zum Süßen)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="auffbaͤwts bꝛot">Geröstetes Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="raisin" orig="weinber" commodity="wikidata:Q13186" source="#fyndling-ingredient-context">Rosinen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-002">
        <head>Rosinen in Mandelmilch</head>
        <div type="original" xml:id="std-002-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-002-trans">
          <p>Weinber zuͦ Mandel.
ij. ¶Nimb ein dick Mandel milch / klaube Weinberlen
darein das dariñ erſieden / thuͦ eerlich Zucker darein / wilt
geren ſo gibs kalt oder warm.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-002-trans" xml:lang="de" corresp="#std-002-orig">
          <p>Eine dicke Mandelmilch ansetzen. Kleine Weinbeeren verlesen und darin sieden lassen. Reichlich Zucker einrühren. Nach Belieben kalt oder warm reichen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="almond milk" orig="Mandel milch" commodity="wikidata:Q975953" source="#corema-ingredient-index">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="raisin" orig="Weinberlen" commodity="wikidata:Q13186" source="#fyndling-ingredient-name">Rosinen</ingredient>
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              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-003">
        <head>Süßes Mandel-Reismus</head>
        <div type="original" xml:id="std-003-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-003-trans">
          <p>Mandel müͦß.
iij. ¶Nimb ein dick mandel / geſtoſſen reiß / hacks in die
Mandel milch / die muͦß am erſtenn ſieden / wilt du aber
Reiß vngeſtoſſen inn Mandel kochen / ſo ſeud den Reyß
ab inn einem waſſer / vnd waſch in / vnd woͤll die Mandel
milch / geuß ans Reiß / laß alſo ſiedenn / wie man ſonſt ein
Reiß ſeudt / vnd Zuckers wol / gibs warm / ſee Zucker dar
auff / vnd Weinberlen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-003-trans" xml:lang="de" corresp="#std-003-orig">
          <p>Nimm eine dicke Mandelmilch und gestoßenen Reis. Hacke den Reis in die Mandelmilch und lass die Masse zuerst aufkochen.</p>
          <p>Wenn du den Reis ungestoßen in Mandelmilch kochen möchtest, siede ihn zunächst in Wasser ab und wasche ihn. Koche die Mandelmilch auf, gieße sie über den Reis und lass alles weiter sieden, wie man Reis gewöhnlich kocht. Süße kräftig, richte das Mus warm an und bestreue es mit Zucker und Weinbeeren.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="almond" orig="mandel" commodity="wikidata:Q184357" source="#corema-ingredient-index">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
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              <ingredient orig="geſtoſſen reiß">Reis, gestoßen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="andel milch">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#fyndling-ingredient-name">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Weinberlen">Weinbeeren, vermutlich Rosinen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-004">
        <head>Geronnene Mandelmilch mit Reis</head>
        <div type="original" xml:id="std-004-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-004-trans">
          <p>Gerendte Milch.
iij. ¶Reiß / den nim vñ ſtoß in klein / ſchlag in durch ein
ſiblin / nimb dañ ein Mandel milch / laß erſieden in einem
vber Laſaurten hafen / ſo ſie walt / ſo koch den geſtoſſen
reiß darein im ſieden / ſo es dick wirt / ſo ſchüts auff ein naß
ſchiſſel / laß kalt werden / ſchneids ſtickelweiß / legs auff eyn
ſchüſſel / geüß ain kalte Mandel milch daran / beſtecks mit
Zimetroͤrn.
iiij Item du magſts wol alſo ferben die gerent milch/
Safran oder ſonſt wis du farb kanſt habē / So leg in auß
ſein taylt auff die ſchüſſel.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-004-trans" xml:lang="de" corresp="#std-004-orig">
          <p>Den Reis fein zerstoßen und durch ein Sieb schlagen. Mandelmilch in einem glasierten Topf aufkochen. Sobald sie wallt, den gestoßenen Reis hineingeben und kochen, bis die Masse dick wird.</p>
          <p>Die Masse auf eine mit Wasser benetzte Schüssel schütten und kalt werden lassen. In Stücke schneiden, auf einer Schüssel anrichten, kalte Mandelmilch darüber gießen und mit Zimtröhrlein bestecken.</p>
          <p>Zum Färben: Die geronnene Milch nach Belieben mit Safran oder einer anderen geeigneten Farbe färben und die einzelnen Teile auf der Schüssel anrichten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="rice" orig="Reiß" commodity="wikidata:Q5090" source="#fyndling-ingredient-name">Reis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="almond milk" orig="Mandel milch" commodity="wikidata:Q975953" source="#corema-ingredient-index">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
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              <ingredient orig="Zimetroͤrn">Zimtröhrlein (ganze Zimtstangen)</ingredient>
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              <ingredient en="saffron" orig="Safran" commodity="wikidata:Q25434" source="#corema-ingredient-index">Safran (optional, zum Färben)</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-005">
        <head>Mandel-Igel</head>
        <div type="original" xml:id="std-005-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-005-trans">
          <p>Ain Igel von Mandel.
v. ¶Der neme Mandel / wieuill er will / ſtoß oder mals/
ſeichs durch ain tuͤch / ſchüt das inn ein hafen / zwierle das⸗
mit einem holtz durcheynander / geüße die milch kalt dar⸗
auff / thuͤ Zucker darein / das dick das inn dem tuͦch blei⸗
bet muſt zuͦ ſamen foꝛmen wie ein Igel / laß im gefaͤß ligen
ſo ſeicht es ſich auß / wirdt eim Igel gleich / ſo beſtecks mit
Mandel oben vber / das ſein die poͤrſter / man mags ferbe
oder vergulden die Mandel / nim eerlich zucker darein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-005-trans" xml:lang="de" corresp="#std-005-orig">
          <p>Mandeln nach Belieben zerstoßen oder mahlen und durch ein Tuch in einen Topf seihen. Mit einem Holzstab kräftig durchrühren, kalte Milch darübergießen und Zucker einrühren. Die dicke Masse, die im Tuch zurückbleibt, zu einem Igel zusammenformen und im Gefäß liegen lassen, damit sie abtropft - dabei sieht sie wieder wie der geformte Igel aus.</p>
          <p>Mit Mandeln bestecken, die als Borsten dienen; die Mandeln können gefärbt oder vergoldet werden. Zum Schluss noch reichlich Zucker darübergeben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="almond" orig="Mandel" commodity="wikidata:Q184357" source="#corema-ingredient-index">Mandeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="milk" orig="milch" commodity="wikidata:Q8495" source="#fyndling-ingredient-registry">Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-006">
        <head>Mandelkäse mit Mandelmilch</head>
        <div type="original" xml:id="std-006-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-006-trans">
          <p>Mandel Kaͤß.
vj. ¶Den mach alſo / nimb ain Mandel milch die ga
ſchoͤn geſigen iſt / muͦſt auff ein pfund Mandel wol vier
lot Hauſen blatern haben / damit mans ſterck / man muͤß
am erſten die Hauſen blatern inn waſſer ſieden / vnd mit
dem ſelbigen waſſer muſt du die Mandel milch durchtrei
ben / Etlich machens / nemen dē Mandel dick / doch durch
geſchlagen / das durch ein ſiblin gehet / aber gehet vngeren
durch / oder durch ain pfeffer pfann / die nit kupfferig ſey/
mit Hauſen blatern gſterckt / eerlich Zucker darein / ſeuds
alſo lang als zwey ayer / dann ſo geuß in ein formē / da man
die ayer kaͤß ein geuſt / ſetz da es kalt hat / So geſtets / ſo es
geſtanden iſt / muſtu den Mandel vnden in ain haiß waſ
ſer heben / ſo gehts gern herauß / richts an auff ein ſchüſſel
vnd geüß ain kalte Mandelmilch darüber / darff nit mit
Hauſen blatern geſterckt ſein / geüß ſouil milch / das nicht
vber den kaͤß gehe / ſo ſicht man den formē deß kaͤß / nim et⸗
lichen zucker.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-006-trans" xml:lang="de" corresp="#std-006-orig">
          <p>Nimm eine gründlich geseihte Mandelmilch. Auf ein Pfund Mandeln kommen etwa vier Lot Hausenblase, damit die Masse fest wird. Siede die Hausenblase zuerst in Wasser und treibe die Mandelmilch mit diesem Wasser durch.</p>
          <p>Manche bereiten die Speise mit einer dicken Mandelmasse zu, die dennoch durchgeschlagen wird, sodass sie durch ein kleines Sieb geht, auch wenn sie nur schwer hindurchläuft. Verwende dafür auch eine Pfefferpfanne, sofern sie nicht aus Kupfer ist. Stärke die Mandelmasse mit der Hausenblase, gib reichlich Zucker hinein und siede sie so lange, wie man zwei Eier kocht. Gieße sie dann in eine Form, in der man Eierkäse ausgießt, und stelle sie an einen kalten Ort, bis sie fest geworden ist.</p>
          <p>Wenn der Mandelkäse gestanden hat, halte den Boden der Form in heißes Wasser, dann löst er sich leicht. Richte ihn auf einer Schüssel an und gieße kalte Mandelmilch darüber. Diese muss nicht mit Hausenblase gestärkt sein. Gieße so viel Milch darüber, dass sie nicht über den Käse steigt, damit seine Form sichtbar bleibt, und gib etwas Zucker darüber.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="almond" orig="Mandel" commodity="wikidata:Q184357" source="#corema-ingredient-index">Mandeln</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="isinglass" orig="Hauſen blatern" commodity="wikidata:Q1255331" source="#fyndling-ingredient-name">Hausenblase</ingredient> - 60 g</item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="almond milk" orig="Mandel milch" commodity="wikidata:Q975953" source="#corema-ingredient-index">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-007">
        <head>Rote Mandelspeise in Krebsform</head>
        <div type="original" xml:id="std-007-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-007-trans">
          <p>Ain rotten Krepſen von Mandel,
vij. ¶Wilt du es rodt machen wie ain Krepſen / ſo ſeüde
preſil / daſſelbig waſſer muͦß auch geſterckt ſein mit Hau⸗
ſen blatern / damit muͦſt den Mandel durchtreiben / muͤſt
ain formē haben inn maſſen wie ain Kreps / geiß darein
laß geſtehn / gleich wie den kaͤß / richts dann an / auff ain
ſchüſſel / geüß ain Mandelmich daran / muͦſt auch den zu⸗
cker nit ſparen / wenn du es in form geuſt vber die geſterck
ten Handel / ſo laß aber kalten / geuß nicht haiß darein/ es
geſteht ſonſt lang nit.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-007-trans" xml:lang="de" corresp="#std-007-orig">
          <p>Rote Färbung: Soll die Mandelmasse rot werden wie ein Krebs, Wasser mit Brasilholz aufkochen. Dieses Wasser mit Hausenblättern kräftig binden und die Mandelmasse damit durch ein Tuch pressen.</p>
          <p>Eine Form in Gestalt eines Krebses bereitstellen. Die Mandelmasse hineingießen und wie Käse fest werden lassen. Auf einer Schüssel anrichten, Mandelmilch darüber gießen und reichlich Zucker darübergeben.</p>
          <p>Die Mandelmilch erst über die gestockte Mandelmasse gießen, wenn sie abgekühlt ist. Heiße Mandelmilch lässt die Masse sonst lange nicht fest werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="almond" orig="Mandel" commodity="wikidata:Q184357" source="#corema-ingredient-index">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="preſil">Brasilholz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Hauſen blatern">Hausenblätter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="almond milk" orig="Mandelmich" commodity="wikidata:Q975953" source="#corema-ingredient-index">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-008">
        <head>Mandelmilch im Reindl</head>
        <div type="original" xml:id="std-008-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-008-trans">
          <p>Ain Reindel von Mandel.
viij ¶So nimb ain guͦte dicke milch von Mandel inn
ain Reindel oder ſcherblein / darunder ain geribne ſemel/
als vil es dick wirt / meng es mit ſaffran vnd guͦten linden
gewirtz vnd zuckers / ſetz auff ain gluͦt / laß ſied en / das tru⸗
cken wirt / wañs dich bedunckt es hab ſein gnuͤg / ſetz das
ſcherbel auff ain ſchüſſel / ſo iſt es berayt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-008-trans" xml:lang="de" corresp="#std-008-orig">
          <p>Eine gute, dicke Mandelmilch in ein flaches Reindl oder Schüsselchen geben. Geriebene Semmel darunterrühren, so viel, dass die Masse dick wird. Mit Safran, milden Gewürzen und Zucker vermengen. Über die Glut setzen und sieden lassen, bis die Masse trocken wird.</p>
          <p>Sobald sie ausreichend eingedickt ist, das Schüsselchen auf eine Schüssel setzen. Dann ist die Speise bereit.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="almond milk" orig="dicke milch von Mandel" commodity="wikidata:Q975953" source="#corema-ingredient-index">Dicke Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ain geribne ſemel">Geriebene Semmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="saffron" orig="ſaffran" commodity="wikidata:Q25434" source="#corema-ingredient-index">Safran</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="guͦten linden gewirtz">Milde Gewürze</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="zuckers" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-009">
        <head>Gegossener Mandelstern</head>
        <div type="original" xml:id="std-009-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-009-trans">
          <p>Gegoſſen Stern von Mandel.
ix. ¶Machs alſo / geuß weiß Mandelmilch die geſotten
iſt vnd geſterckt mit Hauſen blatern / das vber kaltet iſt
inn ainer zinen ſchüͦſſel / laß geſtehn / ſo er geſtanden iſt / ſo
ſchneid darein / geüß in ſtern weiß / auff rot / blaw od geel.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-009-trans" xml:lang="de" corresp="#std-009-orig">
          <p>Mach es so: Gieße gekochte weiße Mandelmilch, die mit Hausenblase gestärkt und vollständig abgekühlt ist, in eine zinnerne Schüssel. Lass sie dort fest werden. Wenn sie gestanden hat, schneide sie in Sternform und gieße oder schichte den Stern in Weiß auf Rot, Blau oder Gelb.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="almond milk" orig="Mandelmilch" commodity="wikidata:Q975953" source="#corema-ingredient-index">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="isinglass" orig="Hauſen blatern" commodity="wikidata:Q1255331" source="#fyndling-ingredient-name">Hausenblase</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-010">
        <head>Mandelpilz mit Rosenwasser</head>
        <div type="original" xml:id="std-010-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-010-trans">
          <p>Pfifferling von Mandel.
v. ¶Nim geriben Mandel den man inn aim reyb ſcher
ben abtreibt / mach ijn ab mit Zucker vnd Roſen waſſer/
das er faſt weiß wirt / vnd dick bleib / truck den ſelben Mã
del inn ain form / der pfifferling / laß den Mandel oben zuͦ
ſtil wider herauß / thuͦe den ſein inn ein ſchüſſel / geüß Man
del milch daran.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-010-trans" xml:lang="de" corresp="#std-010-orig">
          <p>Geriebene Mandeln im Mörser fein verarbeiten. Mit Zucker und Rosenwasser weiterverarbeiten, bis die Masse fast weiß und dick wird.</p>
          <p>Die Mandelmasse in eine pilzförmige Form drücken. Dabei oben einen Teil als Stiel herausstehen lassen. Den geformten Mandelpilz in eine Schüssel setzen und Mandelmilch darüber gießen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="almond" orig="geriben Mandel" commodity="wikidata:Q184357" source="#corema-ingredient-index">Mandeln, gemahlen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="rose water" orig="Roſen waſſer" commodity="wikidata:Q900450" source="#corema-ingredient-index">Rosenwasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="almond milk" orig="Mandel milch" commodity="wikidata:Q975953" source="#corema-ingredient-index">Mandelmilch</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-194">
        <head>Holhipen mit Zucker oder Honig</head>
        <div type="original" xml:id="std-194-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-194-trans">
          <p>Das ſechſt Buͦch / ſagt von Roꝛſer
Kuͤchen / vnd etlich Bachens / vnd wie man
Holhipen bachen ſoll.
Von Holhipen am erſten.
cxcitj.
3r Zucker / bachs alſs / waich ain Zucker ein/
) inn ain laws waſſer / das er zergehet / vnnd
mach ain taig / mit dem ſelbige waſſer / vñ von
waitzen mel / zeüch ihn fein ab / geüß immer zuͦ eintzig / biß
er dick wirt / als ain dnner ſaluen taig / nimb dañ von eim
ay oder zway ſden dotter / ruͤr es darunder / vñ ain wenig
zerlaſſens ſchmaltz / laß dann das eiſen erhitzen / geüß mit ei
nem loͤffel darauff / vnd trucks zuͦ / hebs vbers fesor / ſtüp
den taig / darnach dus herb wilt haben / miſch offe / ſich das
2 iij
eiſen
Dasſechſt Buͤch.
eiſen nit zuͦ haiß werd / es verbꝛendt ſich ſonſt / die ayer dg⸗
ter machen ſonſt das geren ab dem eiſen gehend. Mit dem
Honig / nim ein honig / thuͤs vnder ayn warms waſſer / vñ
treibs ſein ab wie oben ſteet / thuͦ auch ein dotter oder zwen
darunder / geen lieber vom eiſen / die mit dem zucker dirfen
gar wol eilen / werden gaͤhling roͤſch / man mag zuͦ zeitenn
honig vnd zucker durch ainander neme / gehen auch gern
vom eyſen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-194-trans" xml:lang="de" corresp="#std-194-orig">
          <p>Nimm Zucker und weiche ihn in lauwarmem Wasser ein, bis er zergeht. Bereite mit diesem Wasser und Weizenmehl einen Teig und verarbeite ihn fein glatt. Gieße immer nur wenig nach, bis der Teig dick wie ein dünner Salbenteig wird. Nimm dann das Eigelb von einem oder zwei Eiern, rühre es darunter und gib ein wenig zerlassenes Schmalz hinzu. Erhitze das Eisen, gieße mit einem Löffel Teig darauf und drücke es zu. Halte es über das Feuer und wende es mehrmals, je nachdem, wie knusprig du die Waffel haben willst, und achte darauf, dass das Eisen nicht zu heiß wird, sonst verbrennt der Teig. Die Eigelb machen außerdem, dass sich die Waffeln leichter vom Eisen lösen.</p>
          <p>Holhipen mit Honig: Nimm Honig, gib ihn unter warmes Wasser und verfahre damit wie oben beschrieben. Gib ebenfalls ein oder zwei Eigelb darunter. Honigwaffeln lösen sich lieber vom Eisen. Die Waffeln mit Zucker dagegen müssen sich beim Backen eher beeilen, denn sie werden schnell knusprig. Von Zeit zu Zeit kannst du Honig und Zucker auch miteinander mischen, denn dann lösen sie sich ebenfalls leicht vom Eisen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="Zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="laws waſſer">Lauwarmes Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="waitzen mel">Weizenmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="von eim ay oder zway ſden dotter">Eigelb</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="zerlaſſens ſchmaltz">Zerlassenes Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="eiſen">Waffeleisen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-195">
        <head>Butter am Spieß braten</head>
        <div type="original" xml:id="std-195-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-195-trans">
          <p>Butter zuͦbratten am ſpiß.
cvcv. 4 Steck ain buter an ain ſpiß / d hiltzin iſt / vñ fein
boͤflich / brat in gegen dem fewr / vnd ſo er anhebt waich zuͦ
werde / ſo laß in mit eim griens beſaͤen / für vnd für / dieweil
du bratſt / biß ains braun wirt / ſo gibs für ein eſſen / Erlich
die nemen ein gmale bonen / vñ ſtüpes zuͦ wie mit de gries.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-195-trans" xml:lang="de" corresp="#std-195-orig">
          <p>Butter am Spieß: Stecke ein Stück Butter auf einen Spieß, der hölzern ist, und brate es fein und behutsam dem Feuer entgegen. Sobald die Butter weich zu werden beginnt, lass sie während des Bratens fortwährend mit Grieß bestäuben, bis sie braun wird. Reiche sie als Speise. Manche nehmen dazu gemahlene Ackerbohnen und bestäuben sie ebenso wie mit Grieß.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="butter" orig="ain buter" commodity="wikidata:Q34172" source="#corema-ingredient-index">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="griens">Grieß</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gmale bonen">gemahlene Ackerbohnen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-196">
        <head>Große Mörserküchlein</head>
        <div type="original" xml:id="std-196-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-196-trans">
          <p>Die groſſen Morſer kuͤchlen zuͦmachen.
cxcvj. e Ditz ain Hoͤꝛſer wol bey dem feir / woͤl ein waſ
ſer in ainer pfann / vnd geüß ſiedent in moͤꝛſer / ſo ſeüds im
moͤrſer auff / ſo eil vnd ſchit ſemelmel / das boͤꝛ in dem ſiede⸗
di moͤꝛſer durch ainand / ſchoͤn / nur d; zimlich feſt ſey / ſtoß
in lang ee du air drein ſchlechſt / darnach weñ er aim kuͤch⸗
len taig gleich wirt / ſo ſchlags ein / bachs nit zuͦ haiß / werde
hüpſch rozel ab / er nit ſo groß als oben ſteet / offt verſuͤche.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-196-trans" xml:lang="de" corresp="#std-196-orig">
          <p>Einen Mörser gut ans Feuer stellen. Wasser in einer Pfanne aufkochen und siedend in den Mörser gießen. Schnell Semmelmehl hineinstreuen und alles im siedenden Mörser durcheinanderrühren, bis die Masse schön, aber nur mäßig fest ist.</p>
          <p>Im Mörser lange stoßen, bevor die Eier hineingeschlagen werden. Sobald die Masse die Konsistenz eines Küchlein-Teigs hat, die Eier hineinschlagen. Nicht zu heiß backen und die Küchlein schön rösch werden lassen. Sie sollen nicht so groß werden, wie es oben angegeben ist. Oft versuchen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="white breadcrumbs" orig="ſemelmel" commodity="wikidata:Q107262394" source="#fyndling-ingredient-context">Semmelmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="chicken egg" orig="air" commodity="wikidata:Q15260613" source="#corema-ingredient-index">Eier</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-197">
        <head>Größere Mörserküchlein</head>
        <div type="original" xml:id="std-197-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-197-trans">
          <p>Die groͤſſer Moͤrſſer Kuͤchlen.
ecvij. INim ain waſſer iñ am pfañ / ehuͦ gar ein wenig
ſchmältz darund / ſaltz / laß alſo ſieden / ſo es ſeüt / ſo koch ain
mel darein / vñ koch das es eerlich feſt ſey / hert als ain gefil/
nim in dañ in ein moͤrſer / ſtoß in lang / das er gleich ſich an
ſchuͦſſetſchelt / darnach ſchlag imer dar ein ay zuͦ / ſo er nun
iſt wie ain kuͤchlen taig / ſo trag in fein mit eim loͤffel ein / ſo
werdens groß / den taig muͦß man fein bey der würm hal⸗
cen / etlich legen die ayer inn ain war ins waſſer / das law
werden/
Das ſechſt Buͦch.
XXXVI
werden / So die kuͤchlen bachen ſeind / ſo klaubs ſein auf
ain newgewaſchen tuͤch / gibs dann für / zucker darauff.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-197-trans" xml:lang="de" corresp="#std-197-orig">
          <p>Nimm Wasser in einer Pfanne, gib sehr wenig Schmalz und Salz darunter und lass es sieden. Wenn es kocht, rühre Mehl hinein und koche es, bis die Masse fest ist, hart wie ein Fell. Gib sie dann in einen Mörser und stoße sie lange, bis sie sich gleichmäßig verbindet. Schlage danach immer wieder ein Ei hinein. Sobald die Masse wie ein Küchlein-Teig ist, gib sie mit einem Löffel portionsweise hinein, sodass große Küchlein entstehen. Halte den Teig währenddessen warm. Manche legen die Eier in warmes Wasser, damit sie lauwarm werden. Wenn die Küchlein gebacken sind, nimm sie auf ein frisch gewaschenes Tuch und serviere sie mit Zucker bestreut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſchmältz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="table salt" orig="ſaltz" commodity="wikidata:Q11254" source="#corema-ingredient-index">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="chicken egg" orig="ein ay" commodity="wikidata:Q15260613" source="#corema-ingredient-index">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="unrefined cane sugar" orig="zucker" commodity="wikidata:Q57656231" source="#corema-ingredient-index">Zucker</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-198">
        <head>Ausgebackene Brot-Eier-Küchlein</head>
        <div type="original" xml:id="std-198-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-198-trans">
          <p>Bratne Kuͤchlen zuͦmachen.
cvcviij. e Nimb ein ſemelmel / gar gurt / bꝛenns ab mit
woͤlligem waſſer / man nimbt auch zuͦ zeiten blawe milch/
boͤr den taig lang ab / ſchlag auch ain ay nach dem andern
zuͦ / ſchlags inn zimlichs haiß ſchmaltz / ruͤr die pfann / ſo ge
hends auff / klain loͤffel muͦß man ein ſchlagen / ſeind Rind
betern recht.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-198-trans" xml:lang="de" corresp="#std-198-orig">
          <p>Ausgebackene Küchlein: Nimm recht gutes Semmelmehl und brühe es mit kochendem Wasser ab - man nimmt dazu auch bisweilen blaue Milch. Rühre den Teig lange durch und schlage ein Ei nach dem anderen darunter. Gib ihn in mäßig heißes Schmalz und rühre dabei die Pfanne, damit die Küchlein aufgehen. Man muss sie mit einem kleinen Löffel eingeben. Sie sind besonders für Kindbetterinnen geeignet.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="white breadcrumbs" orig="ſemelmel" commodity="wikidata:Q107262394" source="#fyndling-ingredient-context">Semmelmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="woͤlligem waſſer">kochendes Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="blawe milch">blaue Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ain ay nach dem andern">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="animal fat" orig="ſchmaltz" commodity="wikidata:Q1423543" source="#fyndling-ingredient-context">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-199">
        <head>Kleine schwäbische Küchlein</head>
        <div type="original" xml:id="std-199-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-199-trans">
          <p>Die klaine Schwebiſchen kuͤchlen.
cpciy. &amp; (acht man alſo / Nim ſemelmel / mach ein tei
glen inn der dick wie ein kinds oder milch kuͤch / nimb ayn
wenig ſchmaltz in ain pfañ / geuß den taig / den mñß man
mit kaltem waſſer an machen / in die ſchmaltzig pfañ / hebs
vbers fewr / ruͤrs zuͦſamen ob dem fewr / das wirt wie eyn
pyrn muͦß / ſchlag denn ayr daran / muͦß nicht lang boͤren
daran / nimb den ſelbigen / zeüch in mit ainem boͤgel od ey⸗
ſenlein zimlichs heiß ſchmaltz / werde ſein kuglet in Spfañ</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-199-trans" xml:lang="de" corresp="#std-199-orig">
          <p>So bereitet man sie zu: Semmelmehl mit kaltem Wasser zu einem Teig anrühren, so dick wie ein Kinder- oder Milchküchlein. Etwas Schmalz in eine Pfanne geben und den Teig hineingießen. Über dem Feuer zusammenrühren, bis er wie Birnenmus wird.</p>
          <p>Eier hineinschlagen und den Teig nicht lange bearbeiten. Den Teig nehmen und mit einem Bögelein oder Eisenlein durch mäßig heißes Schmalz ziehen, sodass kleine, rundliche Küchlein in der Pfanne entstehen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="white breadcrumbs" orig="ſemelmel" commodity="wikidata:Q107262394" source="#fyndling-ingredient-context">Semmelmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="kaltem waſſer">kaltes Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ayn wenig ſchmaltz">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="chicken egg" orig="ayr" commodity="wikidata:Q15260613" source="#corema-ingredient-index">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="zimlichs heiß ſchmaltz">mäßig heißes Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-200">
        <head>Goldhändle aus Brandteig</head>
        <div type="original" xml:id="std-200-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-200-trans">
          <p>Gold Haͤndle zuͦbachen.
cc. „So nim ain waſſer in ain pfañ / verſend ein wenig
butterſchmaltz / als groß als ain halbe nuß / haſt nit butter
ſo ntmb ſonſt ein ſchmaltz / koch auch mel das guͦt ſey / in dz
ſiedend waſſer / vnd ſchmaltz / boͤꝛ in wol ab / ehe du die ayer
an ſchlechſt / So er lenn wirt wie ein bꝛatner taig / ſo nim
in auff ain daͤter / vnd mit aim hiltzen düñen meſſer / ſo ſch⸗
neid in ab / thuͦs ins ſchmaltz ains fingers lang / bachs alſo
raͤr die pfañ / Wenn maus aber lang im ſchmaltz becht / ſo
wirts muͤd / werdē gern ſaiſt / darum nim ein groſſe pfañ.
Auß diſem taig magſt bꝛant ſtraubē gieſſen / durch ein
boͤferlin/ dz muͦß ain loch baben / ruͤr in zwir oder drei mal
vmb
Das ſechſt Buͦͤch.
vmbher in der pfann / du magſt auch groͤſſer kuͤchlen ein⸗
ſchlagen / von diſem taig / ſetz die pfañ nut auff ein gluͦt / ſo
gehen ſie hüpſch auff / haiſſen ſchweb kuͤchlen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-200-trans" xml:lang="de" corresp="#std-200-orig">
          <p>Nimm Wasser in einer Pfanne und zerlasse darin sehr wenig Butterschmalz, etwa so viel wie eine halbe Nuss. Wenn kein Butterfett vorhanden ist, nimm stattdessen Schmalz. Koche gutes Mehl im siedenden Wasser mit dem Fett und rühre die Masse gründlich ab, bevor du die Eier hineinschlägst. Sobald sie weich und formbar wird wie ein Bratenteig, nimm sie auf ein Arbeitsbrett und schneide mit einem hölzernen, dünnen Messer Stücke davon ab. Gib sie etwa fingerlang in das heiße Schmalz und backe sie aus. Rühre die Pfanne dabei. Wenn man sie lange im Schmalz bäckt, werden sie schwer und nehmen leicht zu viel Fett auf; deshalb nimm eine große Pfanne. Aus diesem Teig kannst du gebrannte Strauben durch ein Böferlein gießen, das ein Loch haben muss. Rühre sie zwei- oder dreimal in der Pfanne herum. Du kannst aus demselben Teig auch größere Küchlein einschlagen. Setze die Pfanne nur auf Glut, dann gehen sie schön auf; sie heißen Schwebküchlein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="butterſchmaltz">Butterschmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="chicken egg" orig="ayer" commodity="wikidata:Q15260613" source="#corema-ingredient-index">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="animal fat" orig="ſchmaltz" commodity="wikidata:Q1423543" source="#fyndling-ingredient-context">Schmalz zum Ausbacken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="boͤferlin">Gießtrichter</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-201">
        <head>Eingerührte Küchlein aus der Pfanne</head>
        <div type="original" xml:id="std-201-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-201-trans">
          <p>Eingeruͤrte Kuͤchlen zuͦmachen.
ccj. „Nimb ſchoͤn mel / vnd ein lautere milch / machein
feſten teig / de boͤꝛ wol mit eim loͤffel ab / die milch muͤß law
ſein / ſo du lang boͤꝛt haſt / ſo zerſchlag ein ay nach dem an⸗
dern / dz er ſo dick ſey wie ein ſtrauben taig / ſaltz in zuͦ maſ⸗
ſen / nim denn ein pfañ / geüß des teigs darein / finger dick
die pfann muͦß ſchmaltzig ſein / ſetz aufſ ein dꝛifuͦß mit dem
eingegoſſen taig / ſchir ain kleins gluͤtlen vnder / vnd oben
darauff ain hafen deck / vnd ain glaͤtlin darauff / ſo wirdt
der taig feſt / ſtürtz die pfann vmb vnd vmb auff ein braͤr⸗
len / vnd zerlaß ein ſchmaltz / darff gar kuͤlbachen / ſchneid
ab dem taig zweier ſinger bꝛeit / lenger als ein ſinger lang/
für die pfann / muͦſts am erſten gar kuͤl bachen / biß aufges
ſo bꝛeinen ſie ſich heiſſer / werden gar groß / vnd rogel ſſo ſig
geratten / als vil du taig haſt / ſo ſchmaltzig die pfann / biß
er hert wirt / ſo ſtürtz ſie mer auffein bret / od deck ein ſchüͦf
ſel darüber / das er nit erkalten / ſo geen ſie deſter lieber auf
etlich ſetzen die pfann mit dem eingegoſſen teig / in ein ha⸗
fen oder pfann / dariñ ein waſſer ſeüd / dz er auch hert wirt
ſaltz damit / So ſoll man in bachen / wie voꝛ ſteher.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-201-trans" xml:lang="de" corresp="#std-201-orig">
          <p>Eingerührte Küchlein: Nimm schönes Mehl und reine Milch und bereite daraus einen festen Teig. Die Milch muss lauwarm sein; rühre den Teig lange mit einem Löffel glatt. Schlage danach ein Ei nach dem anderen darunter, bis der Teig so dick ist wie ein Straubenteig, und salze ihn nach Maß.</p>
          <p>Fette eine Pfanne und gieße den Teig fingerdick hinein. Stelle sie auf einen Dreifuß, schüre ein kleines Glütlein (kleine Glut) darunter und lege oben auf den Topfdeckel ebenfalls ein Glütlein, damit der Teig fest wird. Stürze die Pfanne auf ein Brett und schmelze Schmalz. Schneide zwei Finger breite und etwas längere Stücke vom Teig ab, lege sie in die Pfanne und backe sie zunächst ganz kühl.</p>
          <p>Wenn die Stücke aufgehen, erhöhe die Hitze, damit sie groß und braun werden und rösch geraten. Fette die Pfanne weiter, bis der ganze Teig verarbeitet und fest gebacken ist. Stürze die Küchlein wieder auf ein Brett oder decke sie mit einer Schüssel zu, damit sie nicht auskühlen und umso besser aufgehen. Manche stellen die Pfanne mit dem eingegossenen Teig in einen Topf oder eine Pfanne mit kochendem Wasser, damit er ebenfalls fest wird; salze ihn dabei ebenso. Danach soll man ihn backen wie zuvor beschrieben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ſchoͤn mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="lautere milch">reine Milch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein ay">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="table salt" orig="ſaltz" commodity="wikidata:Q11254" source="#corema-ingredient-index">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="animal fat" orig="ſchmaltz" commodity="wikidata:Q1423543" source="#fyndling-ingredient-context">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-202">
        <head>Apfelküchlein</head>
        <div type="original" xml:id="std-202-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-202-trans">
          <p>Kuͤchlen von oͤpffel zuͦmachen.
ccij. „So hacks klein / ſaur oͤpffel / gar klein / nimb mer
als den dꝛitten teil ſemelmel darunder / ſchlag ayr darund
das er nicht zuͦ dünn wirt / ſchlagsklein / inn ein wol heiß
ſchmaltz / gibs trucken oder inn ein ſüpplin / oder geſcherb.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-202-trans" xml:lang="de" corresp="#std-202-orig">
          <p>Saure Äpfel sehr klein hacken. Mehr als ein Drittel so viel Semmelmehl darunternehmen und Eier darunterschlagen, damit die Masse nicht zu dünn wird. Alles klein schlagen und in gut heißem Schmalz ausbacken. Trocken, in einer Suppe oder mit einem Apfel-Gescherb auftragen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="ſaur oͤpffel">saure Äpfel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="dꝛitten teil ſemelmel">Semmelmehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="chicken egg" orig="ayr" commodity="wikidata:Q15260613" source="#corema-ingredient-index">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="animal fat" orig="ſchmaltz" commodity="wikidata:Q1423543" source="#fyndling-ingredient-context">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ein ſüpplin">Suppe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="geſcherb">Scherb</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-203">
        <head>Gebratene Küchlein aus Brot und Ei</head>
        <div type="original" xml:id="std-203-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-203-trans">
          <p>Brat Kuͤchlen zuͦmachen.
criij. &amp; So nimb gar hert ſemelſticklen / das ſtoß gar
tlein / vnd nim der ſelbigen ſemelals vil du wile / ſchlag eyt
davant
●
Das ſechſt Buͤch.
XXXVII
daran / ſaltz / thuͦ etlich weinbeerlin auch darein / So es ein
weyl ſtehet / ſo ziehend die ſemel die ayer trucken an ſich / ſo
ſchlach darnach mer ayr zuͦ / das er die recht dick gewiñ / ſo
ſchlach in dann ſein kuͤchel weyß ein / in dz ſchmaltz / muͦß
nit zuͦbaiß ſein / ruͤr die pſann / ſo gehend ſie auff / Vber ſol⸗
che kaͤchlin gib ain gelbs pfefferlin / oder ain Mandel ge⸗
ſcherb / oder ain geberbel von oͤpffeln / vñ gewürtz dz ſüpel.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-203-trans" xml:lang="de" corresp="#std-203-orig">
          <p>Nimm sehr harte Brotstücke und stoße sie ganz fein. Nimm davon so viel, wie du möchtest, und schlage Eier daran. Salze die Masse und gib auch einige Weinbeeren hinein. Wenn sie eine Weile gestanden hat, ziehen die Brotstücke die Eier trocken an sich. Schlage danach weitere Eier hinein, bis die Masse die richtige Dicke gewinnt. Schlage sie dann küchleinweise in das Schmalz ein. Das Fett darf nicht zu heiß sein. Rühre die Pfanne, dann gehen die Küchlein auf. Zu solchen Küchlein gib eine gelbe Pfeffersauce oder eine Mandelzubereitung oder eine Apfelzubereitung. Würze die Sauce.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="gar hert ſemelſticklen">Sehr hartes Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ayer / ayr">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="table salt" orig="ſaltz" commodity="wikidata:Q11254" source="#corema-ingredient-index">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="weinbeerlin">Weinbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="animal fat" orig="ſchmaltz" commodity="wikidata:Q1423543" source="#fyndling-ingredient-context">Schmalz zum Ausbacken</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="gelbs pfefferlin / Mandel geſcherb / geberbel von oͤpffeln">Topping oder Sauce</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-258">
        <head>Klare Erbsensuppe</head>
        <div type="original" xml:id="std-258-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-258-trans">
          <p>Das letſt Buͤͦch / ſagt von ſuppen.
Von ſuppen das letſt buͦch.
Von Erbes ſuppen / vnnd ſonſt
etlich ſuppen.
cclvj.
Guter Erbes ſuppe/ ſeud die Erbes / nim nur die
lautteren bruͤ / hack ain zwiffel gar klain darein/
gilbs / ſtüps / thu ein ſchmaltz darein / Gnſcar bluͤ/
baͤt ſemel / aber Rindbeterin nimbt man nit zwifel / ſonder
ain ſchmaltz darinn verſotten / aber ſo mans dick macht/
ſo ſchlecht mans ayn wenig durch / die Erbes / roͤſt ayn
wenig zwifel darein / der geſchnitten iſt / gilbs / ſtüps / man
mage zimlich ruͤren / ob mans will / ſeichs.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-258-trans" xml:lang="de" corresp="#std-258-orig">
          <p>Klare Erbsensuppe: Siede die Erbsen und nimm nur die klare Brühe. Hacke eine Zwiebel sehr fein hinein, färbe die Suppe gelb, würze sie, gib Schmalz und Muskatblüte dazu und lege geröstete Semmel hinein. Für Wöchnerinnen lässt man die Zwiebel fort und nimmt stattdessen Schmalz, das darin mitgesotten wurde.</p>
          <p>Wenn die Suppe dick werden soll, streiche die Erbsen ein wenig durch. Röste die geschnittene Zwiebel darin, färbe und würze sie, rühre alles nach Belieben gut unter und seihe die Suppe.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="garden pea" orig="Erbes" commodity="wikidata:Q29472543" source="#corema-ingredient-index">Erbsen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="pea stock" orig="lautteren bruͤ" commodity="wikidata:Q107246700" source="#fyndling-ingredient-context">Klare Erbsenbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="onion" orig="zwiffel" commodity="wikidata:Q3406628" source="#corema-ingredient-index">Zwiebel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="animal fat" orig="ſchmaltz" commodity="wikidata:Q1423543" source="#fyndling-ingredient-context">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="mace" orig="Gnſcar bluͤ" commodity="wikidata:Q1882876" source="#fyndling-ingredient-name">Muskatblüte</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="baͤt ſemel">Geröstete Semmel</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-259">
        <head>Weiße Erbsensuppe mit Rahm</head>
        <div type="original" xml:id="std-259-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-259-trans">
          <p>Auff ain andere weiß.
( So man die Erbaiſſen waich ſeüt / ſo treibs ein wenig
durch dz nit gar zuͦ dick ſey / vnd nimb nur die Erbes bꝛuͤ/
kein waſſer / vñ wilt dus guͦt mache / vñ das weiß ſein / So
nimb eerlich ſuͤſſen gütten raum / aber ſo dus gibſt / nimb
des raums nit zuͦuil / wann mans ne ß macht / ſo iſts wol
ſo gut als ain Mandel ſuppen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-259-trans" xml:lang="de" corresp="#std-259-orig">
          <p>Auf eine andere Weise: Die Erbsen weich sieden und etwas durch ein Sieb streichen, damit die Suppe nicht zu dick wird. Nur die Erbsenbrühe verwenden, kein Wasser.</p>
          <p>Soll die Suppe besonders gut und weiß werden, ehrlich guten, süßen Rahm nehmen. Beim Anrichten jedoch nicht zu viel Rahm hinzufügen; weiß gemacht ist die Suppe so gut wie eine Mandelsuppe.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="garden pea" orig="Erbaiſſen" commodity="wikidata:Q29472543" source="#fyndling-ingredient-name">Erbsen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="pea stock" orig="Erbes bꝛuͤ" commodity="wikidata:Q107246700" source="#fyndling-ingredient-context">Erbsenbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cream" orig="eerlich ſuͤſſen gütten raum" commodity="wikidata:Q13228" source="#fyndling-ingredient-registry">Süßer Rahm</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-260">
        <head>Weiße Erbsensuppe mit Rosinen</head>
        <div type="original" xml:id="std-260-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-260-trans">
          <p>Ain andere ſuppen von Ziferle.
Ziſeret ſeind lanng Erbeſſen / gantz weiß / die ſeud auch
vnid treibs durch mit ihr ſelbs ſuppenn / eerlich raum / gibe
auff baͤt ſemel / Weinberlen.
42</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-260-trans" xml:lang="de" corresp="#std-260-orig">
          <p>Die langen, ganz weißen Erbsen sieden und mit ihrer eigenen Brühe durch ein Sieb treiben. Reichlich Rahm einrühren. Die Suppe auf gebähte Semmelscheiben geben und Weinbeeren darüberstreuen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="lanng Erbeſſen">Lange weiße Erbsen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="pea stock" orig="ihr ſelbs ſuppenn" commodity="wikidata:Q107246700" source="#fyndling-ingredient-context">Erbsenbrühe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cream" orig="eerlich raum" commodity="wikidata:Q13228" source="#fyndling-ingredient-name">Rahm</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="baͤt ſemel">Gebähte Semmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Weinberlen">Weinbeeren, vermutlich Rosinen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-261">
        <head>Linsensuppe mit Rosinen</head>
        <div type="original" xml:id="std-261-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-261-trans">
          <p>Linſen ſuppen.
cclvij. g Linſen die ſeüd fein gemaͤchlich / roͤſt ein zwifel
darein / ſeirs / ſtüps / Weinberlen / gibs auff ain baͤts brot/
vnd für ein nacht eſſen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-261-trans" xml:lang="de" corresp="#std-261-orig">
          <p>Linsensuppe: Siede die Linsen ganz gemächlich. Röste eine Zwiebel darin, säuere die Suppe und würze sie. Gib Weinbeeren dazu, richte die Suppe auf geröstetem Brot an und serviere sie zum Abendessen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="lentil" orig="Linſen" commodity="wikidata:Q61505177" source="#corema-ingredient-index">Linsen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="onion" orig="zwifel" commodity="wikidata:Q3406628" source="#corema-ingredient-index">Zwiebel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Weinberlen">Weinbeeren, vermutlich Rosinen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="baͤts brot">Geröstetes Brot</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-262">
        <head>Weinsuppe mit Ei</head>
        <div type="original" xml:id="std-262-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-262-trans">
          <p>Weinſuppen.
e Weinſuppen / nimb zuͦ ainem maͤßlin wein zway ayr
zerſchlag die ayer / nimb ein wenig waſſers vnder die ayer
geüß den Wein darunder / geüß in ain pfañ die ſchmaltzig
ſey / ſeüds gar wol den dritteil ein / gilbs / iſt den Rindbete⸗
ren ain nutze ſuppen / ſouer mans recht ſeüdt / gibs.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-262-trans" xml:lang="de" corresp="#std-262-orig">
          <p>Weinsuppe: Zu einem Maßlein Wein zwei Eier nehmen. Die Eier aufschlagen, mit etwas Wasser verrühren und den Wein daruntergießen. Alles in eine mit Schmalz gefettete Pfanne geben und gut sieden lassen, bis ein Drittel eingekocht ist.</p>
          <p>Die Suppe gelb färben und servieren. Sie gilt den Wöchnerinnen als nützlich, sofern sie richtig gesotten wird.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="maͤßlin wein" commodity="wikidata:Q282" source="#fyndling-ingredient-registry">Wein</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="chicken egg" orig="zway ayr" commodity="wikidata:Q15260613" source="#fyndling-ingredient-registry">Eier</ingredient> - 2</item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="ein wenig waſſers" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſchmaltzig">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-263">
        <head>Saure Eiersuppe fürs Wochenbett</head>
        <div type="original" xml:id="std-263-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-263-trans">
          <p>Ayer ſuppen zuͦmachen.
cclviij. g Nimb ayer oder nur die dotter / wirdts beſſer/
geüß ain waſſer darzuͦ / kochs oder ſpridels durch ainand/
brenns inn aim wenigen ſchmaltz / vnd nim gar ein wenig
eſſig / das gleich ſeürlet wirt / gilbs / die ſelbigen ſuppen ſolle
Rindbetere eſſen / die den fluß zuͦuil haben / den iſt die wein
ſuppen ſchad.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-263-trans" xml:lang="de" corresp="#std-263-orig">
          <p>Saure Eiersuppe: Nimm Eier, oder nur die Eigelb, denn damit wird die Suppe besser. Gieße Wasser dazu und koche oder verrühre alles gründlich. Brate die Mischung in wenig Schmalz und gib sehr wenig Essig dazu, sodass sie leicht säuerlich wird. Färbe die Suppe gelb. Diese Suppe sollen Wöchnerinnen essen, die einen zu starken Wochenfluss haben; für sie ist die Weinsuppe schädlich.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="chicken egg" orig="ayer" commodity="wikidata:Q15260613" source="#corema-ingredient-index">Eier</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="yolk" orig="die dotter" commodity="wikidata:Q16336079" source="#corema-ingredient-index">Eigelb</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="animal fat" orig="ſchmaltz" commodity="wikidata:Q1423543" source="#fyndling-ingredient-context">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="vinegar" orig="eſſig" commodity="wikidata:Q41354" source="#corema-ingredient-index">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-264">
        <head>Hadersuppe mit Eierflocken</head>
        <div type="original" xml:id="std-264-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-264-trans">
          <p>Hader ſuppen.
cclix. e hader ſuppen / nimb ain ay / zerſchlags rain wot
nimb ein nußſchal vol waſſer darunder / nimb zum waſſer
ain ſchmaltz darinn verſottenn / ob dn wile / gilbs / heb das
vfaͤndlin oder hafen / von dem fewr / das klopfft ay / vnnd
waͤſſerlin darein / ſeuds ain wenig / ſo gewints linde doͤpf⸗
len / geüßauff ein bꝛaͤt / oder ſonſt / iſt Kindbeteren guͦt.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-264-trans" xml:lang="de" corresp="#std-264-orig">
          <p>Hadersuppe: Ein Ei sauber aufschlagen. Eine Nussschale voll Wasser nehmen und darin Schmalz zergehen lassen; die Suppe kann dabei nach Belieben gelb gefärbt werden.</p>
          <p>Das Pfännchen oder den Topf vom Feuer nehmen, das geschlagene Ei mit dem Wasser hineinschlagen und kurz sieden lassen. So entstehen weiche Eierflocken. Auf ein Brett oder in ein anderes Gefäß gießen; diese Suppe ist für Wöchnerinnen gut.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="chicken egg" orig="ain ay" commodity="wikidata:Q15260613" source="#corema-ingredient-index">Ei</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="nußſchal vol waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#fyndling-ingredient-registry">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="animal fat" orig="ain ſchmaltz" commodity="wikidata:Q1423543" source="#fyndling-ingredient-context">Schmalz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-265">
        <head>Erbsensuppe für Wöchnerinnen</head>
        <div type="original" xml:id="std-265-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-265-trans">
          <p>Ain andere Erbes ſuppen den
Kyndbeteren.
ccl. &amp; Nimb ain ſchoͤne guͦte Erbes ſuppen / die laß v⸗
ber ſchlagen / das nit haiß ſey / darein nimb ain ayer dotter
oder zwen / oder drey / als vil dichluſt zuͦmachen / ſptiels o8
klopffs / wie ain wein ſuppen / gibs baͤt brot / brock dareyn/
waſſer vnd ſchmaltz vnderainander geſoten / auff ein bꝛot
verloꝛen ayer / dürffendt Rindbeteren. eſſen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-265-trans" xml:lang="de" corresp="#std-265-orig">
          <p>Nimm eine schöne, gute Erbsensuppe und lass sie abkühlen, bis sie nicht mehr heiß ist. Rühre ein Eigelb, zwei oder drei Eigelb nach Belieben, hinein und schlage es wie eine Weinsuppe auf.</p>
          <p>Gib gebähtes Brot dazu und bröckle es hinein. Koche Wasser und Schmalz miteinander und gieße beides über das Brot. Lege ein verlorenes Ei darauf. Diese Suppe dürfen Wöchnerinnen essen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Erbes ſuppen">Erbsensuppe</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="yolk" orig="ain ayer dotter oder zwen / oder drey" commodity="wikidata:Q16336079" source="#fyndling-ingredient-registry">Eigelb</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient orig="baͤt brot">Gebähtes Brot</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="animal fat" orig="ſchmaltz" commodity="wikidata:Q1423543" source="#fyndling-ingredient-context">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="verloꝛen ayer">Verlorenes Ei</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-266">
        <head>Gedünstete und gewürfelte Brotsuppe</head>
        <div type="original" xml:id="std-266-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-266-trans">
          <p>Ain dinſtel ſuppen.
cclvj. &amp; Schneid Semel zuͦſtücklen / ſtürtz vber ein ha⸗
ſen / darinn ain kraut ſeüdt / die haͤfen vermach mit ſpenen
laß alſo dinſten / thuͦs auff eyn ſchuͦſſel / geüß ain kraut ſup⸗
pen darauff das naß wirt / brenn ain ſchmaltz darauff / vñ
woͤl ainraum darauff / kraut ſuppen / ain brot auff geſche
nitten / macht man auch alſo.
eclvij. &amp;Gewürflet ſuppenn mach auch alſo / Schneid
ayn Semel gewürflet / das die vnnder rindenn gantz ſey/
an der Semel / geüß waſſer oder kraudt ſuppen darauff/
bꝛenn ain ſchmaltz darauff.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-266-trans" xml:lang="de" corresp="#std-266-orig">
          <p>Gedünstete Brotsuppe: Schneide Semmel in Stücke und stürze sie über einen Topf, in dem Gemüse kocht. Verschließe den Topf mit Spänen und lass die Semmel so dünsten. Gib sie auf eine Schüssel, gieße Gemüsesuppe darüber, bis sie feucht ist, brenne Schmalz darüber und gib Rahm darauf. Aufgeschnittenes Brot für eine Gemüsesuppe wird auf dieselbe Weise bereitet.</p>
          <p>Gewürfelte Brotsuppe: Bereite sie ebenso. Schneide eine Semmel in Würfel, wobei die untere Rinde an der Semmel ganz bleiben soll. Gieße Wasser oder Gemüsesuppe darüber und brenne Schmalz darauf.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="white bread" orig="Semel" commodity="wikidata:Q1501889" source="#corema-ingredient-index">Semmel</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="kraut">Gemüse</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="animal fat" orig="ſchmaltz" commodity="wikidata:Q1423543" source="#fyndling-ingredient-context">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cream" orig="ainraum" commodity="wikidata:Q13228" source="#fyndling-ingredient-name">Rahm</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-267">
        <head>Weinsuppe mit Rahm</head>
        <div type="original" xml:id="std-267-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-267-trans">
          <p>Weinſuppen mit raum:
cclviij. &amp; Nimb ain raum / geüß ein Wein darein / gilbe
laß lang ſieden / ſuͤſſe raum ſuppen / nimb ain waſſer vnde
ren raum / gilbs wilt du / magſt auch ayn aye zuͦ ſollicher
ſuppen nemen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-267-trans" xml:lang="de" corresp="#std-267-orig">
          <p>Weinsuppe mit Rahm: Einen Rahm nehmen und Wein hineingießen. Die Mischung gelb färben und lange sieden lassen.</p>
          <p>Süße Rahmsuppe: Etwas Wasser unter den Rahm nehmen und die Suppe nach Belieben gelb färben. Für diese Suppe darf zusätzlich ein Ei verwendet werden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="cream" orig="raum" commodity="wikidata:Q13228" source="#corema-ingredient-index">Rahm</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="wine" orig="Wein" commodity="wikidata:Q282" source="#corema-ingredient-index">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="chicken egg" orig="aye" commodity="wikidata:Q15260613" source="#corema-ingredient-index">Ei</ingredient> - 1</item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-268">
        <head>Eingebrannte Suppenvarianten</head>
        <div type="original" xml:id="std-268-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-268-trans">
          <p>Schmaltz ſuppen.
cclvüy. &amp; Weinber Suppen / Zweßben ſuppen / Zitwe⸗
ben ſuppen / ain eingebꝛañte ſuppen / bꝛenn ain mel in eim
ſchmaltz / thuͤs in ain ſiedent waſſer / ſpridels mit aym loͤf⸗
fel / laß ſieden / gibs auff aim brot.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-268-trans" xml:lang="de" corresp="#std-268-orig">
          <p>Eingebrannte Suppen: Weinbeerensuppe, Zweßbensuppe, Zitwebensuppe oder eine eingebrannte Suppe werden auf folgende Weise bereitet: Brenne Mehl in Schmalz an, gib es in siedendes Wasser und verrühre es mit einem Löffel. Lass die Suppe sieden, richte sie auf Brot an und serviere sie.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="raisin" orig="Weinber" commodity="wikidata:Q13186" source="#fyndling-ingredient-context">Weinbeeren</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Zweßben">Zwetschgen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Zitweben">Zibeben</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="animal fat" orig="ſchmaltz" commodity="wikidata:Q1423543" source="#fyndling-ingredient-context">Schmalz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="bread" orig="brot" commodity="wikidata:Q7802" source="#corema-ingredient-index">Brot</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-269">
        <head>Saure Suppe mit Rahm oder Mehl</head>
        <div type="original" xml:id="std-269-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-269-trans">
          <p>Seier ſuppen.
cclvv. (Saur ſuppen ſeud wol / geüß ain raum dareyn
oder bꝛenn ain mel darein.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-269-trans" xml:lang="de" corresp="#std-269-orig">
          <p>Saure Suppe: Die saure Suppe gut sieden lassen. Rahm hineingießen oder Mehl darin anrösten, um die Suppe zu binden.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Saur ſuppen">Saure Suppe</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="cream" orig="raum" commodity="wikidata:Q13228" source="#corema-ingredient-index">Rahm</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="mel">Mehl</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-270">
        <head>Hechtsuppe mit Ingwer und Zimt</head>
        <div type="original" xml:id="std-270-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-270-trans">
          <p>Hoͤchten ſuppen.
cclvvj. ghoͤchten ſuppen / nim dieldoͤchten / mach ſtuck
darauß / ſeüd in waſſer / koſt in am ſaltz / hatt er ſein gnug
oder zuͦ wenig / ſo ſaltz in baß / ſo er recht geſotten iſt / ſeicht
die bꝛuͦ herab / thuͤ butter darein / laß alſo wol durch einan
der ſieden / vnd ſtüp es mit Ingber / vnd Zimmetroͤꝛn wol
wilt du geren ain wenig pfeffer ſtüp darein thuͦn / magſt
auch tbuͦ / thuͦ darnach den Doͤchte die haut fein ab / geuß
die Suppen mit dem butter daran / laß ain klain weil ſie⸗
den / als lang als zwey ayer / dann ſo geuß die ſuppen auff
baͤte Semel ſchnitten / leg die ſtuck Hoͤchten allenthalben
darauff/ ſtüps / ſo iſt es berait.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-270-trans" xml:lang="de" corresp="#std-270-orig">
          <p>Nimm den Hecht, teile ihn in Stücke und siede ihn in Wasser. Schmecke die Brühe ab und salze nach, falls nötig. Sobald der Fisch gar ist, seihe die Brühe ab, gib die Butter hinein und lass alles gut miteinander sieden. Würze kräftig mit Ingwer und Zimtstangen. Nach Belieben etwas Pfeffer hinzufügen. Ziehe dem Hecht anschließend sorgfältig die Haut ab. Gieße die Suppe mit der Butter wieder dazu und lass sie noch eine kurze Weile sieden, etwa so lange, wie zwei Eier brauchen. Gieße die Suppe auf gebähte Semmelschnitten, lege die Hechtstücke ringsum darauf und würze nach. Dann ist sie bereit.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="Hoͤchten / dieldoͤchten">Hecht</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="table salt" orig="ſaltz" commodity="wikidata:Q11254" source="#corema-ingredient-index">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="butter">Butter</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="ginger" orig="Ingber" commodity="wikidata:Q15046077" source="#corema-ingredient-index">Ingwer</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="Zimmetroͤꝛn">Zimtstangen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="pepper" orig="pfeffer" commodity="wikidata:Q3143131" source="#corema-ingredient-index">Pfeffer (optional)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="baͤte Semel ſchnitten">Gebähte Semmelschnitten</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-271">
        <head>Staubsuppe mit Eigelb</head>
        <div type="original" xml:id="std-271-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-271-trans">
          <p>Staub ſuppen zuͦmachen.
cclvvh. &amp; Sonimb auff ain tiſch / drey ayer dotter / ſaltz
klopſſe wol / nimb denn den ſtaub / woͤl in am erſten / laß in
vberſchlagen / geuß in dann vnder die ayer dotter / ſeude
ab wie ain wein ſuppen / iſt der ſtaub faſt ſaur / ſo geüß ein
waſſer darunder / Soß Rindbetteren zuͦ ſaur were / ſo ver
ſeud ain loͤffel vol zucker darein / man nimbt wol für die
eyer ein raumiſeind anch nit diß / ſte raumen den mege
Wie
XLVIII
Das acht Buͦch.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-271-trans" xml:lang="de" corresp="#std-271-orig">
          <p>Staubsuppe: Nimm drei Eigelb auf einen Tisch, salze sie und klopfe sie gut. Nimm dann den Staub, lass ihn zuerst aufkochen und danach abkühlen. Gieße ihn anschließend unter das Eigelb und koche die Suppe wie eine Weinsuppe ab. Ist der Staub sehr sauer, gieße Wasser darunter. Wird sie für Wöchnerinnen zu sauer, koche einen Löffel Zucker darin auf. Statt der Eier kann man auch Rahm nehmen; auch das ist nicht schlecht und entlastet den Magen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient orig="drey ayer dotter">Eigelb</ingredient> - 3</item>
            <item>
              <ingredient en="table salt" orig="ſaltz" commodity="wikidata:Q11254" source="#corema-ingredient-index">Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient orig="ſtaub">Staub</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient orig="ain loͤffel vol zucker">Zucker</ingredient> - 1 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="cream" orig="raum" commodity="wikidata:Q13228" source="#corema-ingredient-index">Rahm</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
      <div type="recipe" xml:id="std-272">
        <head>Staub aus Weizenkleie</head>
        <div type="original" xml:id="std-272-orig" xml:lang="de-x-fnhd" corresp="#std-272-trans">
          <p>Wie man den Staub am erſten anmacht.
cclvviij. 4Nim ain waitzen kleiben / ſchoͤn kleiben ange
ruͤrt / miſch / vnd zertreibs ein wenig vꝛhab / mach alſo ein
dümpffel mit den voꝛgeſchribnen kleiben / laß vber nacht
ſtee / ſo wirs ſaur / ſo es eerlich ſaur wirt / ſo geuß ein friſch
waſſer darein / ruͤrs oft / ſo wirts fein ſaur / die kieiben muͤſ
ſen nit zuͦ oͤd ſein / ſonder ein melbige / auß diſem ſtaub da
mnacht man die ſtaub ſuppen / wie voꝛnen ſteet.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="std-272-trans" xml:lang="de" corresp="#std-272-orig">
          <p>Staub aus Weizenkleie: Weizenkleie nehmen, schön anrühren, mischen und mit einem wenig Urhab verreiben. Daraus einen Ansatz machen und über Nacht stehen lassen; so wird er sauer.</p>
          <p>Ist er ordentlich sauer geworden, frisches Wasser hineingießen und häufig umrühren, damit er schön sauer wird. Die Kleie darf nicht zu trocken sein, sondern soll eine mehlige Beschaffenheit haben. Aus diesem Staub bereitet man die Staubsuppe, wie zuvor beschrieben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient orig="waitzen kleiben">Weizenkleie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="sourdough" orig="vꝛhab" commodity="wikidata:Q904889" source="#corema-ingredient-index">Urhab (Sauerteig-Ansatz)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="water" orig="waſſer" commodity="wikidata:Q283" source="#corema-ingredient-index">Wasser</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#std-001-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine durch Tuch oder Sieb gestrichene, mit eingeweichtem geröstetem Brot gebundene Mandelmilch, die warm wie eine Suppe über geröstetem Brot mit Rosinen angerichtet und nach Belieben gesüßt wird. Die nächste lebendige Verwandtschaft ist eine süße Mandelmilchsuppe mit Röstbrot, entfernt verwandt mit Brotpudding-artigen Süßspeisen - kein Blancmange, dem historisch Fleisch oder Reis beigegeben wird.

Ein Gerät, kein zweites. Der Text nennt an dieser Stelle nur ein einziges Gerät: einen Stein, mit dem man Mandeln mahlt. Wer keinen solchen Mahlstein besitzt, muss die Mandeln stattdessen lange im Mörser stoßen - dabei bleibt, wie der Text selbst zugibt, mehr Masse in der Siebpfanne zurück als beim Mahlen.

Mühle oder Milch? An der Stelle „hast du nit ein Mandel milch“ bleibt offen, ob damit die fertige Mandelmilch oder die Mandelmühle als Gerät gemeint ist. Die schwäbische Schwesterausgabe von 1569 liest an dieser Stelle eindeutig ein Wort für die Mühle, und auch der Sinn - die Gegenüberstellung mit dem Mörser als Ersatzgerät - passt zu einem Mahlgerät, nicht zu einem fertigen Erzeugnis.

Praxis. Mandeln kurz blanchieren, bis sich die Schale löst, danach in kaltem Wasser abschrecken - das strafft das Kernfleisch. Beim Mahlen oder Stoßen schluckweise kaltes Wasser zugeben, bis eine dickliche, aber noch streich- oder gießfähige Paste entsteht; lieber knapp bemessen und beim Durchtreiben durch das Tuch nachjustieren. Eine geröstete, in Salzwasser eingeweichte Semmelscheibe wird während des Stoßens untergehoben und bindet die Masse mit. Nach dem Durchtreiben nur kurz und unter Rühren leicht aufkochen, da die Mandelmilch bei starkem Kochen und dem späteren Salzen sonst leichter ausflockt. Gesalzen wird erst beim Anrichten - salzt man früher, gerinnt die Milch. Für die Lagerküche ist das Rezept geeignet, aber nicht das schnellste: das lange Stoßen im Mörser braucht Zeit, und die fertige Mandelmilch ist zeitkritisch, sobald gesalzen wird - mit fertig gemahlenen Mandeln sinkt der Aufwand deutlich.</note>
        <note type="gloss" target="#std-001-orig" n="Mandel milch" resp="#fyndling">Hier ist die Mandelmühle gemeint: die Augsburger Ausgabe von 1569 liest an derselben Stelle „Mandelmül“. Es geht also um ein Mahlgerät, nicht um ein weiteres fertiges Erzeugnis, das als Zutat hinzukäme.</note>
        <note type="gloss" target="#std-001-orig" n="ſeüch pfannen" resp="#fyndling">Gemeint ist die Pfanne oder das Gefäß unter dem Sieb, in dem beim Abseihen feste Mandelreste zurückbleiben.</note>
        <note type="gloss" target="#std-001-orig" n="gerint" resp="#fyndling">Die Mandelmilch kann gerinnen, wenn sie zu früh gesalzen wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-001-orig" n="Mandel milch / Mandelmül" resp="#fyndling">Als Mandelmühle gelesen: Ohne dieses Mahlgerät müssen die Mandeln im Mörser gestoßen werden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-001-orig" n="Wassermenge beim Mahlen und Verdünnen" resp="#fyndling">Der Text nennt keine Menge; für die Praxis empfiehlt sich, das Wasser schluckweise zuzugeben, bis eine dickliche, aber noch streichfähige Masse entsteht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-001-orig" n="Sieddauer der Mandelmilch" resp="#fyndling">Da der Text kein Zeit- oder Konsistenzmaß nennt, empfiehlt sich ein kurzes, nur leichtes Aufkochen, weil die Mandelmilch beim späteren Salzen sonst leichter ausflockt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-002-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine dicke, gesüßte Mandelmilch, in der Rosinen mitgesotten werden - warm oder kalt gereicht. Kein Schaugericht wie andere Rezepte dieses Kapitels, sondern eine schlichte Süßspeise, am ehesten mit heutigen Mandelmilch-Desserts mit Trockenfrucht vergleichbar. Das Rezept setzt die in [std-001] beschriebene Grundzubereitung der Mandelmilch voraus und macht daraus ein eigenständiges, fertiges Gericht.

Weinberlen: Rosinen oder frische Weinbeeren? Das Wort kann wörtlich auch kleine frische Weinbeeren meinen. Der Kontext - eine gesottene, gezuckerte Süßspeise ohne Hinweis auf frisches Obst - spricht für Rosinen, ebenso verwandte Rezepte des Korpus, die 'Weinbeer' in solchen Zusammenhängen durchgehend als Trockenfrucht lesen. Sicher entscheiden lässt sich die Frage aus dem Text allein nicht.

Praxis. Eine dicke Mandelmilch ansetzen, Rosinen darin kurz aufkochen lassen, bis sie prall sind, dann reichlich Zucker nach Geschmack einrühren. Menge und Kochzeit nennt die Vorlage nicht - hier entscheidet der eigene Geschmack. Warm oder zimmerwarm servieren; für den Marktstand lässt sich das Gericht gut im Voraus zubereiten.</note>
        <note type="gloss" target="#std-002-orig" n="dick Mandel milch" resp="#fyndling">Gemeint ist eine deutlich eingedickte Mandelmilch, damit sie die Weinbeeren beim Sieden trägt und als Mus gereicht werden kann.</note>
        <note type="gloss" target="#std-002-orig" n="eerlich" resp="#fyndling">Die Formulierung bezeichnet hier eine reichliche oder großzügige Zugabe von Zucker.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-002-orig" n="weinberlen" resp="#fyndling">Als kleine Rosinen gelesen, also getrocknete Weinbeeren, die in der dicken Mandelmilch mitgesotten werden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-003-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Ein gesüßtes Mandel-Reismus: Reis, gestoßen oder ganz, wird in dicker Mandelmilch gegart und warm mit Zucker und Weinbeeren bestreut serviert. Die lebende Verwandtschaft ist der heutige Milchreis beziehungsweise Reisbrei - hier bereits in der Variante mit Mandelmilch statt Kuhmilch, wie es sie bis heute als veganen Reispudding gibt.

Zwei Zubereitungswege.

Bei gestoßenem, also fein zerkleinertem Reis geht die Reisstärke schon beim gemeinsamen Aufkochen mit der Mandelmilch in Lösung und bindet das Mus in einem Schritt. Bei ganzem Reis lohnt sich der Umweg über separates Vorsieden in Wasser: Das Korn quillt auf und verliert Oberflächenstärke, bevor es die knappe, teure Mandelmilch antrifft - das spart Mandelmilch und Garzeit an der teuren Zutat.

Praxis.

Für die erste Variante gestoßenen Reis - ersatzweise fein gemahlenes Reismehl, das allerdings eine glattere statt einer körnig-sämigen Konsistenz ergibt - direkt in die dicke Mandelmilch einrühren und unter Rühren aufkochen, bis die Masse bindet. Für ganzen Reis das Korn zunächst in Wasser vorgaren, abgießen und abspülen, danach in separat aufgekochter Mandelmilch fertig garen, wie man sonst Reis kocht. Am Ende kräftig süßen, warm anrichten und mit Zucker und Weinbeeren bestreuen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-003-orig" n="dick mandel" resp="#fyndling">Die knappe Fügung bezeichnet vermutlich eine dicke Mandelmilch oder Mandelmasse. Im weiteren Satz wird ausdrücklich Mandelmilch genannt, daher ist eine sämige Mandelmilch die praktikable Lesart.</note>
        <note type="gloss" target="#std-003-orig" n="geſtoſſen reiß" resp="#fyndling">Gestoßener Reis ist fein zerkleinerter Reis und wirkt im Mus als Bindung. Die folgende Variante beschreibt ausdrücklich auch ungestoßenen Reis.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-003-orig" n="dick mandel" resp="#fyndling">Als dicke Mandelmilch beziehungsweise sämige Mandelmasse verstanden, weil unmittelbar danach Mandelmilch als Kochmedium genannt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-003-orig" n="Weinberien" resp="#fyndling">Als Weinbeeren verstanden, im Rezeptzusammenhang vorzugsweise als Rosinen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-004-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein kalt gestürzter Mandelmilch-Reis-Pudding: fein gestoßener und gesiebter Reis dickt kochende Mandelmilch ein, die Masse stockt kalt, wird in Stücke geschnitten, mit frischer kalter Mandelmilch übergossen und mit ganzen Zimtröhrlein besteckt. Im Anrichten - gestürzt, geschnitten, mit einer Sauce übergossen - ist die Speise mit einem kalten Milchreis oder einer Panna cotta verwandt.

Wie viel Reis? Der Text nennt für den Reis keine Mengenangabe. Die Zeichenfolge davor ist die Rezeptzählung des Drucks, keine Zutatenmenge - weder die Zweitausgabe von 1569 noch das fast wortgleiche Zwillingsrezept aus Koch und Kellermeisterei (1574) nennen hier eine Zahl.

Praxis. Reis fein zerstoßen und durch ein Sieb schlagen, oder direkt Reismehl verwenden (Richtwert: etwa 80-100 g Reismehl pro Liter Mandelmilch). Mandelmilch in einem glasierten Topf aufkochen, den Reis einrühren und kochen, bis die Masse dick wird. Auf eine mit Wasser benetzte Schüssel gießen und auskühlen lassen, bis sie fest ist, dann in Stücke schneiden. Auf einer Schüssel anrichten, kalte Mandelmilch darüber gießen und mit ganzen Zimtröhrlein bestecken; nach Belieben mit Safran oder einer anderen historisch passenden Farbe wie Brasilholz färben. Bei warmem Wetter die Speise zuhause vorbereiten und gut gekühlt zum Markt transportieren, da sie ohne Kühlung nur locker bindet.</note>
        <note type="gloss" target="#std-004-orig" n="gerendte Milch" resp="#fyndling">Der Titel bezeichnet hier eine fest gewordene, kalt gereichte Speise aus Reis und Mandelmilch, nicht einfach rohe oder sauer gewordene Milch.</note>
        <note type="gloss" target="#std-004-orig" n="lij. gReiß" resp="#fyndling">Die beschädigte Zeichenfolge zu Beginn ist die Rezeptzählung des Drucks (hier wohl „iiij.“ für das vierte Rezept) samt einem Rest der Initiale davor - keine Mengenangabe. Der Text nennt für den Reis selbst keine Menge.</note>
        <note type="gloss" target="#std-004-orig" n="vber Laſaurten hafen" resp="#fyndling">Hafen bedeutet hier einen glasierten Tonkochtopf. Die beschädigte Stelle im Druck wird durch die unabhängige Zweitausgabe von 1569 gestützt.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen"/></note>
        <note type="gloss" target="#std-004-orig" n="Zimetroͤrn" resp="#fyndling">Gemeint sind Zimtröhrlein, also ganze Zimtstangen, mit denen die angerichteten Stücke besteckt werden - nicht gestoßener Zimt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-004-orig" n="Reismenge im Verhältnis zur Mandelmilch" resp="#fyndling">Der Text nennt für den Reis keine Mengenangabe - die vorangestellte Zeichenfolge ist die Rezeptzählung des Drucks, keine Zutatenmenge. Weder die Zweitausgabe von 1569 noch das fast wortgleiche Zwillingsrezept aus Koch und Kellermeisterei (1574) nennen an dieser Stelle eine Zahl.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-004-orig" n="Kühlung und Standfestigkeit am Marktstand" resp="#fyndling">Der Text sagt nur, dass die Masse kalt werden soll, ohne Kühlmethode oder Zeitangabe zu nennen - im 16. Jahrhundert stand dafür nur die natürliche Umgebungstemperatur zur Verfügung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-005-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine zu einer Igel-Figur geformte, feste Mandel-Zucker-Masse: Mandeln gemahlen und durch ein Tuch geseiht, mit Mandeln als Borsten besteckt, wahlweise gefärbt oder vergoldet. Stofflich und in der Technik am nächsten an heutigem Marzipan - insbesondere an der bis heute verkauften Marzipan-Igel-Figur, etwa als Neujahrs-Glücksbringer. Ein durchgehender Traditionsstrang von 1545 bis heute ist damit nicht belegt, nur die stoffliche und formale Nähe.

Zwei Produkte aus einem Arbeitsgang. Das Stoßen und Seihen der Mandeln durch ein Tuch trennt eine feine, trinkbare Mandelmilch (die Flüssigkeit läuft in den Topf) von einem dicken Mandelbrei, der im Tuch zurückbleibt. Nur der Brei wird zum Igel geformt; die gesüßte Mandelmilch im Topf ist ein zweites, eigenständiges Produkt, das vermutlich als Getränk dazu gereicht wurde.

Wie die Masse fest wird. Die Vorlage beschreibt, dass die abgetropfte Masse wieder wie der geformte Igel aussieht, sobald sie ausreichend Flüssigkeit verloren hat. Das ist reiner Feuchtigkeitsentzug, kein Gelierprozess - das Rezept enthält kein Geliermittel wie Hausenblase, anders als der Mandelkäse und verwandte Rezepte im selben Kapitel, die eine flüssige Mandelmilch in eine Form gießen und binden.

Praxis. Mandeln fein mahlen oder stoßen und durch ein Tuch in einen Topf seihen. Mit einem Holzstab kräftig verrühren, kalte Milch dazugießen und Zucker einrühren - das ergibt die süße Mandelmilch. Die dicke, im Tuch zurückgebliebene Masse zu einem Igel formen und im Gefäß abtropfen lassen, kurz bei Raumtemperatur, danach bis zum Anrichten am besten kühl aufbewahren. Sobald die Masse fest genug ist, Mandeln als Borsten aufstecken; zum Färben kämen etwa Safran (gelb) oder Brasilholz (rot) infrage, oder die Mandeln werden vergoldet. Zum Schluss reichlich Zucker über die fertige Figur geben. Die gesüßte Mandelmilch aus dem Topf separat dazu reichen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-005-orig" n="Igel" resp="#fyndling">Die Mandelmasse wird als Tierfigur geformt. Aufgesteckte Mandeln bilden die Borsten des Igels.</note>
        <note type="gloss" target="#std-005-orig" n="zwierle" resp="#fyndling">Hier als kräftiges Durchrühren oder Vermengen mit einem Holzstab verstanden - ein Vergleichsrezept aus einem anderen Kochbuch beschreibt an derselben Stelle ausdrücklich das Rühren mit einem kleinen Holzstück.</note>
        <note type="gloss" target="#std-005-orig" n="poͤrſter" resp="#fyndling">Damit sind die Borsten des dargestellten Igels gemeint, hier aus aufgesteckten Mandeln.</note>
        <note type="gloss" target="#std-005-orig" n="eerlich zucker" resp="#fyndling">"Eerlich" ist an dieser Stelle kein moralisches Wort im Sinn von "ehrlich", sondern ein in der Zeit gebräuchliches Verstärkungswort vor Mengenangaben - sinngemäß "eine gehörige, reichliche Menge". Im selben Buch mehrfach in derselben Wendung belegt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-005-orig" n="Abtropf- und Lagerdauer" resp="#fyndling">Als moderner Praxis-Hinweis verstanden: kurz bei Raumtemperatur abtropfen lassen, danach bis zum Anrichten kühl aufbewahren, da eine milch- und mandelhaltige Masse über längere Zeit ungekühlt ein Risiko wäre.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-005-orig" n="Verbleib der gesüßten Mandelmilch" resp="#fyndling">Als eigenständiges Getränk verstanden, das separat neben dem fertigen Igel angerichtet oder dazu gereicht wird.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-006-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein geformter, kalt gestürzter Mandelmilch-Käse: gesüßte Mandelmilch wird mit Hausenblase geliert, in eine Käseform gegossen, kalt fest werden lassen, gestürzt und mit kalter, ungestärkter Mandelmilch übergossen angerichtet, sodass die Käseform sichtbar bleibt. Modern am ehesten vergleichbar mit einem Blancmange oder einer gelierten Mandelmilch-Panna-cotta - keine Einzelerscheinung, sondern Teil einer auch in anderen Kochbüchern der Zeit belegten Mandelkäse-Familie. Trotz des Namens steckt kein Milchprodukt dahinter: Die Bezeichnung Mandelkäse bezieht sich auf die Form, nicht auf die Zutat.

Welches Gerät wird zum Durchstreichen genutzt? Für eine dickere Mandelmasse nennt der Text ein kleines Sieb und eine Pfefferpfanne. Die Pfefferpfanne ist dabei ein Durchschlag, also ein Sieb-Gefäß - kein Gewürzbehälter, wie ein anderes Rezept aus derselben Zeit das Wort selbst erklärt. Ob im Einzelfall Sieb, Durchschlag oder ein drittes Gerät gemeint ist, lässt der Text offen.

Wie kalt und wie lange? Der Text sagt nur, die Masse solle an einen kalten Ort gestellt werden, bis sie fest geworden ist - ohne Temperatur oder Dauer zu nennen.

Praxis. Löse die Hausenblase (ersatzweise Gelatine) zuerst in Wasser auf, bevor du sie durch die Mandelmilch treibst, damit sie sich gleichmäßig verteilt. Für eine dickere Mandelmasse hilft ein feines Sieb oder ein Durchschlag, um sie glatt zu bekommen. Stelle die gegossene Form für mehrere Stunden bis über Nacht in den Kühlschrank, bis sie durchgehend fest ist. Zum Stürzen den Formenboden kurz in heißes Wasser halten, dann auf eine Schüssel geben und die kalte, ungestärkte Mandelmilch nur bis knapp unter den Rand angießen, damit die Form sichtbar bleibt.</note>
        <note type="gloss" target="#std-006-orig" n="Hausenblase" resp="#fyndling">Hausenblase ist getrocknete Schwimmblase des Hausens, eines großen Störfischs, und diente als historisches Geliermittel. Moderne Gelatine ist ein praktikabler Ersatz.</note>
        <note type="gloss" target="#std-006-orig" n="Pfefferpfann" resp="#fyndling">Eine Pfefferpfanne ist hier ein Durchschlag, also ein Sieb-Gefäß zum Durchstreichen der dicken Mandelmasse - kein Gewürzbehälter. Ein anderes Rezept aus derselben Zeit erklärt das Wort selbst so. Sicher ist die Anweisung, kein kupfernes Gefäß zu verwenden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-006-orig" n="durchtrei / durchgetrieben" resp="#fyndling">Als Durchstreichen der Mandelmilch durch ein Sieb oder Tuch gelesen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-006-orig" n="an einen kalten Ort stellen" resp="#fyndling">Kalt gestellt, ohne dass die Quelle Temperatur oder Dauer nennt; für die Praxis wird ein Kühlschrank über mehrere Stunden bis über Nacht empfohlen (siehe Praxis-Absatz).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-007-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein rot gefärbtes, in eine Krebsform gegossenes Mandelgelee: Mandelmasse wird mit Brasilholz-Wasser rot gefärbt und mit Hausenblättern gebunden, in eine Krebsform gegossen, gestürzt und mit Mandelmilch und Zucker übergossen serviert. Der modernen Küche am nächsten steht eine geformte Mandel-Götterspeise - vergleichbar mit einem heutigen Gelatine-Formdessert in Tierform. Der Name "Pastete" trägt hier nicht: Eine Pastete verlangt eine Teighülle oder eine Fleischfüllung, hier ist aber an keiner Stelle Teig im Spiel. Der Originaltext selbst vergleicht die fertige Masse ausdrücklich mit Käse ("laß gestehn, gleich wie den Käs") - gemeint ist nur die feste, gestockte Konsistenz, nicht ein tatsächliches Käsegericht.

Die Technik in einem Schritt. Das Wasser, in dem zuvor das Brasilholz gekocht wurde, dient gleich zweifach: Es färbt die Masse rot und löst darin die Hausenblätter, die erst in heißer Flüssigkeit aufgehen und beim Abkühlen binden. Die gemahlenen Mandeln werden anschließend mit genau diesem gefärbten, geliermittelhaltigen Wasser durch ein Tuch gepresst - das verteilt Farbe und Bindemittel gleichmäßig und macht die Masse klümpchenfrei, bevor sie in die Form kommt.

Praxis. Da der Text weder eine Menge Hausenblätter noch eine Dauer oder Konsistenz vorgibt, gilt: Gelatine oder Agar-Agar nach Packungsangabe für ein festes, schnittfähiges Gel dosieren; die gefüllte Form mehrere Stunden bis über Nacht im Kühlschrank fest werden lassen; für die Mandelmasse eine dickere, streichfähige Paste mit wenig Restflüssigkeit ansetzen. Vor dem Anrichten stürzen und erst dann mit abgekühlter Mandelmilch und reichlich Zucker übergießen - heiße Mandelmilch weicht das bereits gestockte Gel wieder auf, eine Warnung, die schon der Originaltext selbst ausspricht. Ohne Kühlmöglichkeit (Eis, kühler Keller) ist die Speise am Marktstand nicht zuverlässig zu wiederholen; sie eignet sich eher als zu Hause vorbereitetes Schaugericht.</note>
        <note type="gloss" target="#std-007-orig" n="Krepſen" resp="#fyndling">Der Krebs ist hier die Form der Mandelmasse, nicht eine Zutat. Die Speise soll in einer krebsförmigen Form erstarren.</note>
        <note type="gloss" target="#std-007-orig" n="Hauſen blatern" resp="#fyndling">Hausenblätter sind Geliermittel aus der Schwimmblase des Hausen, eines großen Störs. Sie geben der Mandelmasse die feste, käseähnliche Konsistenz.</note>
        <note type="gloss" target="#std-007-orig" n="geſterckt" resp="#fyndling">Die Flüssigkeit wird hier mit Hausenblättern gestärkt, also gebunden und zum Erstarren vorbereitet.</note>
        <note type="gloss" target="#std-007-orig" n="preſil" resp="#fyndling">Brasilholz, ein im 16. Jahrhundert gehandeltes rotes Färbeholz - nicht Petersilie. Die Lesart ist für dieses Kochbuch bereits gesichert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-007-orig" n="Menge der Hausenblätter" resp="#fyndling">Der Text nennt keine Menge; für die Praxis empfiehlt sich, handelsübliche Gelatine oder Agar-Agar nach Packungsangabe zu dosieren, bis ein festes, schnittfähiges Gel entsteht, das die Krebsform verlässlich hält.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-007-orig" n="Dauer und Ort des Erstarrens" resp="#fyndling">Da der Text keine Zeit- oder Ortsangabe nennt, empfiehlt sich für die Praxis, die Masse mehrere Stunden bis über Nacht im Kühlschrank fest werden zu lassen - schon aus Lebensmittelsicherheit bei einer milch- und mandelhaltigen Speise.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-007-orig" n="Konsistenz der Mandelmasse vor dem Eingießen" resp="#fyndling">Für die Praxis empfiehlt sich eine dickere, streichfähige Mandelpaste mit wenig Restflüssigkeit, damit sie mit dem Geliermittel eine formstabile Masse ergibt und beim Stürzen nicht zu weich ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-008-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein mit geriebener Semmel gebundener, safrangelber Mandelmilch-Pudding: die dicke Mandelmilch wird in einem kleinen flachen Gefäß mit geriebener Semmel angedickt, mit Safran, milden Gewürzen und Zucker vermengt und über der Glut trocken eingekocht, bevor das Gefäß selbst auf eine größere Schüssel gesetzt und so serviert wird. Die nächste heutige Verwandtschaft ist eine feste, brotgebundene Mandelmilch-Süßspeise - näher an einem frühen Semmelpudding als an einem modernen Blancmange, das mit Stärke oder Gelatine bindet, oder an Milchreis.

Zwilling im Mondseer Kochbuch. Das Rezept „Mandel-Reindel auf Kohlen" (mon-030) beschreibt exakt dieselbe Technik - Mandelmilch mit geriebener Semmel im Scherblin, mit Safran und Gewürz vermengt, über Kohlen gesotten bis trocken; einziger Unterschied ist Honig statt Zucker als Süße. Das bestätigt zwei sonst offene Wörter unabhängig: cherblein/scherblein als kleines flaches Gefäß und geribne als geriebene, nicht zerstoßene Semmel.

Aus welchem Material das Gefäß ist, sagt der Text nicht - Reindel und Schüsselchen werden nur benannt, nicht beschrieben. Für die Praxis empfiehlt sich ein kleines Metallpfännchen oder eine Metallschüssel, die direkt über der Glut keinen Hitzeschock nimmt; ein irdenes Schüsselchen wäre period-treuer (die Bezeichnung scherblein hängt an „Scherbe", also Ton), aber über offener Glut bruchgefährdet.

Praxis. Dicke Mandelmilch in ein flaches Pfännchen geben, geriebene Semmel einrühren, bis die Masse deutlich andickt, dann Safran, milde Gewürze und Zucker untermischen. Über mäßiger Glut unter gelegentlichem Rühren etwa 20 bis 40 Minuten köcheln, bis die Masse trocken wirkt - der Text nennt keine feste Zeit, sondern nur die eigene Einschätzung, wann es genug ist. Das Pfännchen zum Servieren auf eine größere Schüssel setzen; es wird nicht gestürzt, sondern im Kochgefäß serviert.</note>
        <note type="gloss" target="#std-008-orig" n="Reindel" resp="#fyndling">Ein Reindl ist ein flaches Pfännchen oder eine kleine Bratschüssel, in der die Mandelmilch über der Glut eindickt.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#reindel"/></note>
        <note type="gloss" target="#std-008-orig" n="cherblein" resp="#fyndling">Als kleines Schüsselchen oder flaches Gefäß verstanden, das anschließend auf eine Schüssel gesetzt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#std-008-orig" n="geribne" resp="#fyndling">Die Semmel wird gerieben und dient als Bindemittel für die Mandelmilch.</note>
        <note type="gloss" target="#std-008-orig" n="linden gewirtz" resp="#fyndling">Gemeint sind milde Gewürze, ohne dass der Text eine bestimmte Mischung nennt. Safran wird im Rezept zusätzlich ausdrücklich aufgeführt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-008-orig" n="Material des Reindels/Scherbleins" resp="#fyndling">Der Text nennt kein Material für das Gefäß. In der Praxis empfiehlt sich ein kleines Metallpfännchen oder eine Metallschüssel direkt über der Glut, unempfindlich gegen Hitzeschock bei ungleicher Glutverteilung.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-009-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Eine mit Hausenblase gelierte, gegossene Mandelmilch-Süßspeise: gekochte Mandelmilch wird mit Hausenblase gebunden, in eine zinnerne Schüssel gegossen, fest werden gelassen und dann sternförmig geschnitten beziehungsweise mehrfarbig angerichtet. Das moderne Gegenstück ist ein gestürztes Mandelmilch-Gelee, farbig geschichtet wie ein Wackelpudding - ein reines Kalt- und Schaustück, kein Gebäck.

Wird der Stern ausgeschnitten oder eingegossen?

Der Schlusssatz der Vorlage lässt offen, ob der Stern aus der bereits erstarrten weißen Masse herausgeschnitten und die Aussparung mit farbiger, noch flüssiger Mandelmilch aufgefüllt wird, oder ob mehrere Sternformen in die fertige Masse eingeschnitten werden. Beide Lesarten sind im Kreis eng verwandter Rezepte belegt: bei einer weißen Mandelsülze wird die Form ausgeschnitten und die Lücke farbig aufgefüllt, bei einer verwandten mehrfarbigen Sülze sitzt stattdessen ein einzelner Stern als Dekor in der Mitte. Nachkochbar sind beide Varianten; wer das Schnitzwerk einfacher halten will, schneidet zuerst die Sternform aus der weißen Masse und gießt die farbige Milch danach ein.

Wie kalt muss die Mandelmilch beim Eingießen sein?

Wörtlich verlangt der Text eine vollständig abgekühlte Masse. In der Praxis muss die Mandelmilch beim Eingießen aber noch fließfähig sein, sonst lässt sie sich nicht mehr in die Form bringen. Am nächsten kommt der historischen Angabe daher: erst kurz auf gerade noch gießbare Konsistenz abkühlen lassen, dann sofort eingießen und danach in Ruhe vollständig auskühlen und fest werden lassen.

Praxis.

Mandelmilch kochen, Hausenblase darin auflösen, kurz auf gerade noch gießbare Konsistenz abkühlen lassen und in eine zinnerne oder andere glatte Schüssel gießen. Kühl stehen lassen, bis sie durchgehend fest ist - drei Stunden sind ein Richtwert unter kühlen Bedingungen; ohne Kühlschrank oder Keller, etwa am Marktstand bei Sommerhitze, kann es deutlich länger dauern, historisch naheliegend über Nacht an einem kühlen Ort. Danach den Stern ausschneiden beziehungsweise farbig gegossene Mandelmilch einfüllen und in Weiß auf Rot, Blau oder Gelb anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#std-009-orig" n="Hausenblatern" resp="#fyndling">Hausenblase ist ein historisches Geliermittel aus der Schwimmblase des Hausens, eines Störfischs. Moderne Gelatine kann die gleiche Funktion übernehmen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-009-orig" n="das vber kaltet ist" resp="#fyndling">Wörtlich als vollständig beziehungsweise ganz abgekühlt gelesen: das Verstärkungspräfix über- markiert hier einen hohen Grad, keine leichte Abschwächung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-009-orig" n="schneid darein / geüß in stern" resp="#fyndling">Als dekoratives Schneiden oder Formen der erstarrten Mandelmilch zu einem Stern verstanden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-010-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine ungekochte, mit Zucker und Rosenwasser abgetriebene Mandelmasse, von Hand zu einem Pilz mit Hut und Stiel geformt und mit Mandelmilch übergossen. Anders als die Nachbarrezepte im selben Kapitel (etwa der mit Hausenblase gelierte Mandelkäse) braucht diese Masse keine Gelierung und kein Feuer - sie hält allein durch die Dichte der Mandeln, den Zucker und das Rosenwasser. Es ist damit in der Zusammensetzung eine Marzipanmasse, aber eine ungebackene und unabgeröstete - fester wird Marzipan erst durch Hitze, die dieses Rezept nirgends verlangt. Ein echter Pilz kommt nirgends als Zutat vor: "Pfifferling" bezeichnet ausschließlich die Form, in die die Masse gedrückt wird - genau wie ein anderes Rezept desselben Kapitels dieselbe Mandelmasse zu einem Igel presst. Ein fast wortgleiches "Pfifferling von Mandel" findet sich auch im Kochbuch der Sabina Welserin, dort allerdings in eine Model gepresst und in der Pfanne gebacken statt roh von Hand geformt.

Der Mörser statt der Reibschüssel. Die Vorlage nennt ein "reybſcherben" - eine Reibschale beziehungsweise einen Mörser, in dem die Mandeln fein zerrieben werden, kein Reib- oder Raspelgerät im heutigen Sinn.

Praxis. Fertig gemahlene Mandeln mit Zucker und Rosenwasser zu einer festen, fast weißen Masse verrühren - das Original beschreibt diesen Schritt als reines Weiterverarbeiten bis zum sichtbaren Endpunkt (weiß, dick), keine Geschmacksprobe. Die Masse von Hand zu einem Pilz mit Hut und Stiel formen, in eine Schüssel setzen und mit Mandelmilch übergießen. Fertig gemahlene Mandeln sparen den Mörser-Schritt; wer die historische Textur will, reibt ganze Mandeln kurz im Blender an. In 45 bis 60 Minuten fertig, ohne Kühl- oder Wartezeit.</note>
        <note type="gloss" target="#std-010-orig" n="Pfifferling" resp="#fyndling">Der Pfifferling bezeichnet hier die Pilzform der Mandelmasse. Ein echter Pfifferling wird nicht verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#std-010-orig" n="reybſcherben" resp="#fyndling">Gemeint ist eine Reibschale beziehungsweise ein Mörser (lateinisch mortarium), in dem die Mandeln fein zerrieben werden - kein Reib- oder Raspelgerät im heutigen Sinn.</note>
        <note type="gloss" target="#std-010-orig" n="Roſen waſſer" resp="#fyndling">Rosenwasser aromatisiert die süße Mandelmasse. Es sollte als Lebensmittelqualität verwendet werden.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-194-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Holhipen sind dünne Waffeln aus einem gesüßten Wasser-Mehl-Teig, die in einem heißen Eisen gebacken werden - Vorläufer der heutigen Waffel-Familie und nahe Verwandte der Hohlhippen und der italienischen Pizzelle. Der Name deutet ursprünglich auf ein zu einer Röhre gerolltes Gebäck; dieses Rezept beschreibt jedoch nur das Backen im Eisen, ein Rollen im Anschluss wird im Druck nicht erwähnt.

„Fein abziehen" - rühren oder ziehen? Der Druck verlangt, den angerührten Teig „fein ab[zu]ziehen". In den übrigen Staindl-Rezepten steht dieselbe Wendung stets mit einem „durch etwas"-Objekt, das hier fehlt; es geht zudem um einen gießbaren Waffelteig, keinen formbaren Teig zum Ausziehen. Wahrscheinlicher ist deshalb der Kochsinn von „abziehen" als „glattrühren", auch wenn eine wörtliche Zug-/Streckbewegung nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen ist.

Praxis. Zucker oder Honig in lauwarmem Wasser auflösen, mit Weizenmehl zu einem glatten, dickflüssigen Teig verrühren - Konsistenz etwa wie eine streichfähige Salbe, nicht wie ein fester Teig; das Wasser dabei in kleinen Portionen nachgießen statt auf einmal, damit der Teig nicht zu dünn gerät. Ein bis zwei Eigelb und etwas zerlassenes Schmalz untermischen; sie helfen zusätzlich, die Waffeln später leichter vom heißen Eisen zu lösen. Das Waffeleisen gut vorheizen, mit dem Löffel eine Kelle Teig eingießen, das Eisen schließen und über der Glut mehrmals wenden, bis die gewünschte Bräunung erreicht ist - eine feste Backzeit nennt der Text nicht, nur die gewünschte Kross-Stufe als Maß, also die Farbe laufend prüfen statt nach der Uhr zu backen. Dabei die Hitze im Auge behalten - der dünne Teig verbrennt bei zu großer Glut schnell. Wer die Zuckervariante bäckt, sollte etwas genauer hinsehen: sie wird nach dem Textbefund schneller knusprig als die Honigvariante.</note>
        <note type="gloss" target="#std-194-orig" n="Holhipen" resp="#fyndling">Holhipen sind dünne, im Eisen gebackene Waffeln. Der Name bezeichnet ursprünglich ein zu einer Röhre gerolltes Gebäck; dieses Rezept beschreibt jedoch nur das Backen im Eisen, ein Rollen wird im Druck nicht erwähnt. Der historische Name bleibt als Rezeptbezeichnung erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#std-194-orig" n="bachs alſs" resp="#fyndling">Das beschädigte Fragment am Rezeptanfang liest sich, verglichen mit den Eingangsformeln anderer Rezepte in diesem Buch, als „Mach es also" - eine stehende Einleitungsformel vor der eigentlichen Anweisung, keine eigene Zutat oder Handlung.</note>
        <note type="gloss" target="#std-194-orig" n="laws waſſer" resp="#fyndling">‚Lauwarm‘ bezeichnet mäßig erwärmtes Wasser, in dem sich Zucker oder Honig auflösen soll.</note>
        <note type="gloss" target="#std-194-orig" n="eintzig" resp="#fyndling">Bezeichnet hier ein Nacheinander in kleinen Portionen, nicht eine einzelne größere Menge auf einmal - das Wasser wird schrittweise nachgegossen, bis der Teig die gewünschte Konsistenz erreicht.</note>
        <note type="gloss" target="#std-194-orig" n="dnner ſaluen taig" resp="#fyndling">Der Teig soll dickflüssig und glatt sein, etwa wie ein dünner Salbenteig.</note>
        <note type="gloss" target="#std-194-orig" n="ſtüp den taig / miſch offe" resp="#fyndling">Gemeint ist das mehrmalige Wenden des bereits geschlossenen Eisens über dem Feuer, bis die gewünschte Bräunung erreicht ist - im geschlossenen Eisen ist der Teig selbst nicht mehr zugänglich.</note>
        <note type="gloss" target="#std-194-orig" n="eiſen" resp="#fyndling">Gemeint ist ein Waffeleisen, das über dem Feuer erhitzt und zum Backen geschlossen wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-194-orig" n="zeüch ihn fein ab" resp="#fyndling">Den angerührten Teig fein glattrühren (Kochsinn von ‚abziehen‘).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-195-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Klumpen Butter wird auf einen hölzernen Spieß gesteckt, langsam gegen das Feuer gedreht und dabei immer wieder mit Grieß bestäubt, bis er braun wird - so entsteht durch wiederholtes Bestäuben über offener Flamme eine gebräunte Kruste um die weich werdende Butter. Ein direktes modernes Gegenstück gibt es nicht; die Technik ist eine eigenständige Kuriosität ohne belegte lebendige Nachfahren.

Warum ein hölzerner Spieß? Der Text verlangt ausdrücklich einen Spieß, der hölzern ist, nicht aus Metall. Vermutlich damit die Butter durch die schwächere Wärmeleitung des Holzes nicht sofort am Spieß selbst anschmilzt oder abtropft, bevor sich die Grießkruste bilden kann.

Praxis. Gekühlte, feste Butter aufspießen - sie hält die Form am Spieß deutlich länger als zimmerwarme. Den Spieß in moderatem Abstand zum Feuer drehen, ohne Flammenkontakt: Butter wird nah am Feuer zuerst flüssig, bevor der Grieß binden kann, und ein großer Teil tropft dann ab. Sobald die Butter an der Oberfläche weich wird, in dünnen Lagen mit Grieß bestäuben und weiterdrehen, bis eine braune Kruste entsteht. Ersatzweise gemahlene Ackerbohnen. Als Vorführung am offenen Feuer geeignet, nicht als Mengenware für viele Gäste - das Timing entscheidet, ob die Butter zur Kruste bindet oder überwiegend abtropft.</note>
        <note type="gloss" target="#std-195-orig" n="hiltzin" resp="#fyndling">hiltzin ist das frühneuhochdeutsche Adjektiv 'hölzern' und beschreibt das Material des Spießes selbst, nicht dessen Ausstattung. Zweifach im eigenen Korpus belegt: saw-183 ('hiltzin leffel' = hölzerner Löffel) und wo10-032 ('hiltzin Teller' = hölzerner Teller). Gemeint ist ein hölzerner statt eiserner Spieß.</note>
        <note type="gloss" target="#std-195-orig" n="boͤflich" resp="#fyndling">boeflich (auch boflich) ist bei Benecke und im Grimmschen Wörterbuch als eigenständiges Adverb belegt, hier im Sinn von behutsam und gleichmäßig gebraten. Die genaue Nuance des Registers bleibt offen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-195-orig" n="griens" resp="#fyndling">griens bezeichnet Grieß, mit dem die weiche Butter fortlaufend bestäubt wird - die Lesart bestätigt sich im selben Rezept am Satzende noch einmal ('wie mit de gries').</note>
        <note type="gloss" target="#std-195-orig" n="gmale bonen" resp="#fyndling">Als Ersatz werden gemahlene Acker- oder Saubohnen genannt; vor 1500 war bonen im Deutschen die Bezeichnung für Vicia faba.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#bonen"/></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-195-orig" n="boͤflich" resp="#fyndling">Als behutsames, gleichmäßiges Braten der weich werdenden Butter verstanden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-195-orig" n="gmale bonen" resp="#fyndling">Als gemahlene Acker- oder Saubohnen verstanden.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#bonen"/></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-195-orig" n="Zustand der Butter beim Aufspießen" resp="#fyndling">Praxis-Empfehlung: gekühlte, feste Butter aufspießen, damit sie am Spieß haftet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-195-orig" n="Feuerabstand beim Braten" resp="#fyndling">Praxis-Empfehlung: moderater Strahlungsabstand ohne Flammenkontakt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-196-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gebackenes Küchlein aus geschlagenem Brühteig: Siedendes Wasser wird in den heißen Mörser gegossen, rasch Semmelmehl eingestreut, die Masse lange gestoßen und erst danach mit Ei gebunden. Das ist im Kern die Technik des späteren Brandteigs (Grundlage von Windbeuteln und Profiteroles) - hier aber ungesüßt und in der Pfanne gebacken statt daraus einen Kuchen zu spritzen. Der direkt folgende Eintrag im selben Druck beschreibt dieselbe Technik in einer gezuckerten Fassung - der gedruckte Titel dort lautet nur „Die größere(n) Mörser Küchlen“, Zucker erscheint im Rezepttext selbst erst als Topping am Schluss.

Wie heiß muss der Mörser sein? Der Text sagt nur, dass der Mörser „gut bei dem Feuer“ steht; ob damit ein bloßes Vorwärmen oder ein starkes Erhitzen gemeint ist, lässt sich aus dem Wortlaut allein nicht sicher entscheiden - siehe die offene Lesart weiter unten. Praktisch reicht ein mäßig vorgewärmter Mörser: Er muss heiß genug sein, dass das aufgegossene Wasser nicht sofort abkühlt, aber nicht glühend, sonst gerinnen die später zugegebenen Eier zu schnell.

Warum wird so lange gestoßen? Das Stoßen vor der Eizugabe hat eine klare Funktion: Es kühlt die heiße Masse unter die Gerinnungstemperatur von Ei ab und arbeitet gleichzeitig Bindung und Struktur ein - vergleichbar dem Abschlagen von Brandteig in der modernen Küche.

Was bedeutet das Schlusswort „rozel“? Am Ende bleibt offen, wie die fertigen Küchlein aussehen sollen. Am besten gestützt ist „rösch“ (knusprig), weil dasselbe Buch wenige Zeilen zuvor eine fast wortgleiche Wendung für rasch knusprig werdendes Gebäck verwendet - siehe die interpretive_choice.

Praxis. Wasser in einer Pfanne aufkochen und siedend in den vorgewärmten Mörser gießen, sofort rasch Semmelmehl einstreuen und kräftig verrühren. Die Masse lange stoßen, bis sie mäßig fest ist und die Konsistenz eines Küchleinteigs hat, erst dann die Eier einschlagen. Der Text nennt kein Fett zum Ausbacken; im ganzen Kapitel wird für „bachen“ aber durchweg Schmalz in der Pfanne verwendet - in der Praxis daher eine moderate Menge neutrales Fett nutzen und bei mäßiger Hitze ausbacken, bis die Küchlein rösch sind. Wie die Teigmenge portioniert wird, sagt der Text ebenfalls nicht; kleine, löffelweise abgestochene Portionen wie bei Brandteig sind eine naheliegende moderne Wahl. Klein halten und mehrfach üben - das rät der Text selbst ausdrücklich.</note>
        <note type="gloss" target="#std-196-orig" n="Mörser" resp="#fyndling">Hier ist ein großer, schwerer Küchenmörser gemeint, der gut ans Feuer gestellt und für das Stoßen des Teigs verwendet wird, nicht bloß ein kleiner Gewürzmörser.</note>
        <note type="gloss" target="#std-196-orig" n="ſemelmel" resp="#fyndling">Semmelmehl bezeichnet fein zerkleinertes Weißbrot beziehungsweise Semmelmaterial. Es wird in die siedende Flüssigkeit eingearbeitet und bindet den Teig.</note>
        <note type="gloss" target="#std-196-orig" n="Ditz" resp="#fyndling">Das erste Wort der Anweisung ist gut lesbar und als frühneuhochdeutsches Demonstrativpronomen („dies“) gut belegt - kein beschädigter Textzeuge. Unsicher ist nicht die Lesung, sondern der Satzbau: ob es allein die Position des Mörsers am Feuer beschreibt, oder Teil eines Imperativs zum Erhitzen ist. Sicher ist nur, dass unmittelbar danach ein Mörser gut ans Feuer gestellt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#std-196-orig" n="rozel" resp="#fyndling">Das Schlusswort bleibt in der Bedeutung unsicher. Am ehesten ist „rösch“ (knusprig) gemeint - siehe dazu die Lesarten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-196-orig" n="Ditz ain Hoͤꝛſer wol bey dem feir" resp="#fyndling">Zu Beginn wird nur festgehalten, dass ein Mörser gut ans beziehungsweise bei dem Feuer gestellt wird; ob damit ein bloßes Vorwärmen oder ein starkes Erhitzen gemeint ist, bleibt offen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-196-orig" n="rozel" resp="#fyndling">Als Hinweis auf eine rösche, knusprig gebackene Beschaffenheit der Küchlein verstanden - gestützt durch eine fast wortgleiche Wendung wenige Zeilen zuvor im selben Buch.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-197-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gekochter Mehl-Wasser-Teig (mit wenig Schmalz und Salz) wird stark verkocht, im Mörser lange gestoßen und danach Ei für Ei zu einer glatten Masse eingearbeitet, bevor er portionsweise ausgebacken und gezuckert serviert wird. Das entspricht in der Herstellungsfolge dem, was später als Brandteig (Pâte à choux) bekannt wurde: Mehl in siedender Flüssigkeit zu einem festen Kloß verkochen, dann Eier einzeln einarbeiten. Ausgebacken und gezuckert ist das Ergebnis mit späterem Brandteiggebäck wie Windbeuteln oder "gebackenen Mäusen" verwandt, ohne dass sich daraus eine engere Identität behaupten lässt.

Die eingekochte Mehlmasse soll hart wie ein Fell werden, bevor sie in den Mörser kommt - ein damals gebräuchliches Bild für eine dichte, zähe Konsistenz, ähnlich einem straff gespannten Pelzfutter.

An welchem Punkt genau sich die gestoßene Masse "gleichmäßig verbindet", lässt sich aus der an dieser Stelle schwer lesbaren Vorlage nicht mit letzter Sicherheit rekonstruieren. Praktisch ist gemeint: so lange stoßen, bis keine trockenen oder klumpigen Stellen mehr zu sehen sind.

Wie genau gebacken wurde, nennt der Text nicht. Da im Rezept bereits Schmalz verwendet wird und kein Ofen erwähnt ist, liegt Ausbacken in heißem Fett in der Pfanne nahe; ein Backen auf heißem Blech oder Stein ist ebenfalls denkbar, aber nicht belegt.

Praxis. Wasser mit sehr wenig Schmalz und Salz aufkochen. Mehl einrühren und verkochen, bis die Masse fest und zäh ist. In einen großen Küchenmörser (heute auch: eine kräftige Küchenmaschine) geben und lange stoßen, bis sie sich gleichmäßig verbindet. Danach nach und nach einzelne Eier einarbeiten, dabei die Masse warm halten - die Eier vorher kurz in warmes Wasser zu legen hilft dabei. Sobald die Masse Küchlein-Teig-Konsistenz hat, mit dem Löffel Portionen abstechen und in heißem Schmalz goldbraun ausbacken. Auf einem sauberen Tuch abtropfen lassen und mit Zucker bestreut servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#std-197-orig" n="groͤſſer Moͤrſſer Kuͤchlen" resp="#fyndling">Gemeint sind die größeren Mörserküchlein - im Druck ausdrücklich als vergrößerte Variante des unmittelbar vorangehenden Rezepts zu (kleineren) Mörserküchlein gekennzeichnet, hier zusätzlich mit Zuckerbestreuung.</note>
        <note type="gloss" target="#std-197-orig" n="moͤrſer" resp="#fyndling">Im Kochkontext ist ein großer, schwerer Küchenmörser gemeint, nicht nur ein kleiner Gewürzmörser.</note>
        <note type="gloss" target="#std-197-orig" n="gefil" resp="#fyndling">"Hert als ain gefil" heißt hart wie ein Fell - eine damals gebräuchliche Vergleichsmetapher für eine dichte, feste Konsistenz, wie sie mehrere zeitgenössische Wörterbücher für den Begriff belegen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-197-orig" n="newgewaſchen tuͤch" resp="#fyndling">Die fertigen Küchlein werden zum Abtropfen oder kurzen Auskühlen auf ein frisch gewaschenes Tuch gelegt.</note>
        <note type="gloss" target="#std-197-orig" n="an schuͦſſetſchelt" resp="#fyndling">Die Vorlage ist an dieser Stelle schwer lesbar; das Verb für das gleichmäßige Verbinden der gestoßenen Masse lässt sich nicht mit letzter Sicherheit auflösen. Die Übersetzung folgt der plausibelsten Deutung im Sinn von "sich gleichmäßig verbindet".</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-197-orig" n="an schuͦſſetſchelt" resp="#fyndling">Die Vorlage ist an dieser Stelle nicht sicher lesbar - das Verb für das gleichmäßige Verbinden der gestoßenen Masse lässt sich nicht mit letzter Sicherheit rekonstruieren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-197-orig" n="bachen" resp="#fyndling">Ausbacken der Küchlein in heißem Schmalz in der Pfanne - konsistent mit dem im Rezept bereits verwendeten Schmalz und der ofenlosen Lagerküche.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-198-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kleine, in mäßig heißem Schmalz ausgebackene Brot-Eier-Küchlein: Semmelmehl wird mit kochendem Wasser zu einer festen Paste abgebrüht, dann mit Eiern einzeln aufgeschlagen und lockergerührt, ehe der Teig löffelweise ausgebacken wird. Verwandt ist das einem abgebrühten Teig, wie ihn in etwas anderer Form auch modernes Choux-/Brandteig-Gebäck kennt - dazu gleich mehr. Eine schlichte, ungesüßte Speise, die der Text ausdrücklich für Kindbetterinnen (Wöchnerinnen) empfiehlt - keine Süßspeise, sondern nahrhafte Kost fürs Wochenbett.

Warum „ausgebacken" statt „gebraten"? Der Originaltitel nennt die Küchlein „bratne Küchlen" - im Frühneuhochdeutschen ist die Grenze zwischen braten und backen fließender als heute. Die beschriebene Technik (Löffelportionen schwimmend in heißem Schmalz gegart) entspricht dem modernen Begriff eher „ausbacken" als „braten", das heute wenig oder kein Fett meint; die Nachbarrezepte im selben Buchabschnitt verwenden für dasselbe Verfahren durchgehend „bachen".

Verwandt, aber kein echter Brandteig. Modernes Brandteig-/Choux-Gebäck setzt voraus, dass die Mehlmasse noch einmal auf dem Feuer gekocht wird, bis sie sich vom Topfrand löst. Für dieses Rezept beschreibt der Text nur ein Abbrühen - kochendes Wasser wird über das Semmelmehl gegossen und die Masse dann lange gerührt, ohne dass sie zurück aufs Feuer kommt. Verwandt ist das also einem abgebrühten Teig (heiße Flüssigkeit bindet die Krume zu einer Paste), aber nicht demselben Verfahren wie beim heutigen Brandteig.

Blaue Milch. Der Text nennt blaue Milch als gelegentliche Alternative zum kochenden Wasser, ohne den Begriff zu erklären. Ein fränkisches Dialektwörterbuch belegt „blaue Milch" als entrahmte (Mager-)Milch - plausibel als dünnere Ersatzflüssigkeit. Ein Beleg im selben Buch stützt das zusätzlich: ein Nachbarrezept verwendet „blawe milich" ebenfalls als Teigflüssigkeit neben Wasser, während ein weiteres Rezept ausdrücklich „ain guote milch" als eigenen, davon abgegrenzten Begriff verwendet - beide Milcharten werden also bewusst unterschieden. Der einzige Korpusbeleg außerhalb dieses Buchs bezeichnet dagegen ein ganz anderes Gericht (blau gefärbte Mandelmilch für ein Schaugericht) und stützt diese Lesart nicht. Für die Praxis reicht kochendes Wasser.

Praxis. Semmelmehl mit kochendem Wasser übergießen und kräftig zu einer festen, klebrigen Masse durchrühren (ersatzweise dünne, entrahmte Milch statt Wasser). Ein Ei nach dem anderen einschlagen, bis der Teig locker wird. Löffelweise in mäßig heißes, nicht sehr heißes Schmalz geben und dabei die Pfanne leicht schwenken, damit die Küchlein gleichmäßig aufgehen und nicht ansetzen. Der Text nennt als Garzeichen nur das Aufgehen der Küchlein; ausbacken, bis sie goldbraun sind und im Kern vollständig durchgegart sind - wegen des Ei-Anteils im Teig ist das aus Gründen der Lebensmittelsicherheit ratsam.</note>
        <note type="gloss" target="#std-198-orig" n="ſemelmel" resp="#fyndling">Semmelmehl ist fein zerbröseltes oder geriebenes Weißbrot, das mit kochendem Wasser zu einem Teig gebunden wird.</note>
        <note type="gloss" target="#std-198-orig" n="gar gurt" resp="#fyndling">Der Druck schreibt an dieser Stelle eine schwer lesbare Verstärkungsformel. Dieselbe Formel erscheint im selben Buchabschnitt mehrfach eindeutig als „gar guͦt" (etwa „gar klain", „gar hert", „gar haiß") - gemeint ist „gar gut", also recht gutes Semmelmehl.</note>
        <note type="gloss" target="#std-198-orig" n="blawe milch" resp="#fyndling">Ein fränkisches Dialektwörterbuch belegt „blaue Milch" als entrahmte (Mager-)Milch (Zell, Oberfranken) - passt als dünnere Ersatzflüssigkeit zum kochenden Wasser. Diese Lesart wird durch einen Beleg im selben Buch gestützt: ein Nachbarrezept desselben Buchabschnitts verwendet „blawe milich" zusammen mit Wasser als Teigflüssigkeit genau wie hier, während an anderer Stelle desselben Buchs ausdrücklich „ain guote milch" als eigener, davon abgegrenzter Begriff steht - beide Milcharten werden also bewusst unterschieden. Der einzige weitere Korpustreffer außerhalb dieses Buchs (so1-002) bezeichnet dagegen ein technisch anderes Produkt (mit Kornblumen blau gefärbte Mandelmilch für ein Schaugericht) und stützt diese Lesart nicht. Die genaue Bestimmung bleibt eine offene Frage, ist aber durch den buchinternen Beleg deutlich besser gestützt als zuvor.</note>
        <note type="gloss" target="#std-198-orig" n="zimlichs haiß" resp="#fyndling">Das Schmalz soll mäßig heiß sein, damit die kleinen Küchlein aufgehen und nicht außen verbrennen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-198-orig" n="Kindbetterin" resp="#fyndling">Das Rezept endet mit der Empfehlung, die Küchlein seien gut für Kindbetterinnen (Wöchnerinnen) - eine Lesart, die eine schwer lesbare Stelle in der Vorlage auflöst. Dieselbe schwer lesbare Stelle erscheint im selben Buch noch an fünf weiteren Stellen (std-258, std-262, std-263, std-265, std-271) mit derselben Verwechslung; nur std-264 überliefert die Formel unzweifelhaft klar als „Kindbeteren". Zusammen mit dem Schwäbisch-Augsburgischen Wörterbuch (Birlinger), das „kindbetterin" direkt als Lemma führt, ergibt das trotz der wiederkehrenden Leseschwierigkeit eine sichere Lesung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-198-orig" n="blawe milch" resp="#fyndling">Vermutlich eine dünnere, entrahmte Milch, die anstelle von kochendem Wasser als Flüssigkeit für den Teig verwendet wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-198-orig" n="so gehends auff (Garzustand)" resp="#fyndling">Der Text nennt als Garkriterium nur das Aufgehen der Küchlein, keine Farb- oder Zeitangabe.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-199-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein aus Semmelmehl-Wasser-Teig gerührtes und mit Ei ergänztes, in Schmalz ausgebackenes Kleingebäck aus derselben Familie wie die Brandteig-Küchlein des Buchs (etwa das folgende Goldhändle-Rezept und die Mörserküchlein). Die Mehl-Wasser-Masse wird über dem Feuer zu einer festen Paste eingekocht, dann kommt Ei dazu - dieselbe Grundtechnik, die in der süddeutschen Tradition bis heute als Küchle oder Beignet fortlebt.

Der Crux: das Formwerkzeug. Die Vorlage nennt für das Ausformen ein Bögelein oder Eisenlein, beschreibt es aber nicht genauer - ein für den knappen Druck typischer Fall von Wortkargheit, kein Textverlust. Vermutlich handelte es sich um ein kleines Werkzeug mit einer Öffnung zum Ausgießen oder Ziehen des Teigs, wie es ein Buchnachbarrezept für eine verwandte Brandteig-Zubereitung nahelegt. Wer kein historisches Vorbild besitzt, kann ersatzweise mit einem Löffel oder den Fingern kleine Teigportionen ins Schmalz geben, ohne das Ergebnis zu verfälschen.

Praxis. Semmelmehl mit kaltem Wasser zu einem dickflüssigen Teig anrühren, in eine leicht geschmalzene Pfanne geben und über dem Feuer unter Rühren einkochen, bis die Masse fest wie Birnenmus wird. Ei einschlagen und nur kurz verrühren, damit es bindet, ohne die Masse zäh zu machen. Mit einem Löffel oder kleinen Werkzeug portionsweise ins mäßig heiße Schmalz geben, sodass rundliche Küchlein entstehen, und bis goldbraun und vollständig durchgegart ausbacken - die Vorlage nennt dazu keine Zeit, nur die Fetttemperatur.</note>
        <note type="gloss" target="#std-199-orig" n="pyrn muͦß" resp="#fyndling">Die Masse soll die Konsistenz von Birnenmus erreichen, also weich und breiig werden.</note>
        <note type="gloss" target="#std-199-orig" n="boͤgel od eyſenlein" resp="#fyndling">Ein kleines Werkzeug mit einer Öffnung zum Ausgießen oder Portionieren des Teigs ins heiße Schmalz - vergleichbar mit dem 'Böferlein... das ain loch haben muͦß' im wenig späteren Buchnachbarrezept (Goldhändle aus Brandteig). Die genaue Form bleibt unbeschrieben, die Funktion als Gieß-/Ziehwerkzeug ist aber gut gestützt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-199-orig" n="boͤgel od eyſenlein" resp="#fyndling">Als kleines Gieß- oder Ziehwerkzeug mit einer Öffnung verstanden, mit dem der Teig portionsweise durch das heiße Schmalz gezogen wurde.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-199-orig" n="Backdauer/Garzustand" resp="#fyndling">Bis goldbraun und vollständig durchgegart ausgebacken - die Vorlage nennt nur die Fetttemperatur (mäßig heiß), keine Garzeit.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-200-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gekochter Mehlteig - eine frühe Form des Brandteigs -, aus dem drei Gebäckformen entstehen: fingerlange, geschnittene Goldhändle, durch ein gelöchertes Gießgerät (Böferlein) ins Fett gegossene Strauben und größere, nur auf Glut gebackene Schwebküchlein, die dadurch aufgehen. Strauben werden bis heute auf süddeutschen und österreichischen Kirchweihen und Jahrmärkten gebacken; dasselbe Grundprinzip - Mehl in siedender Flüssigkeit binden, danach mit Ei versetzen - liegt auch modernem Windbeutel- und Beignetteig zugrunde.

Die Unterlage zum Schneiden. Das Wort für die Unterlage, auf die der fertige Teig zum Schneiden kommt (im Text „daͤter“), ist im übrigen Staindl-Korpus nicht belegt und keiner der bekannten Schadensformen dieser Ausgabe eindeutig zuzuordnen - die Vorlage ist an dieser Stelle nicht sicher lesbar. Der praktische Sinn ist aus dem Zusammenhang aber klar: Der Teig kommt auf ein Arbeitsbrett und wird dort mit einem hölzernen, dünnen Messer in fingerlange Stücke geschnitten.

Praxis. Wasser mit sehr wenig zerlassenem Butterschmalz (ersatzweise Schmalz) erhitzen, gutes Mehl darin einkochen und gründlich abrühren, bis die Masse fest und formbar wie ein Bratenteig ist. Vom Feuer nehmen und kurz abkühlen lassen, bevor die Eier eingeschlagen werden - der Text nennt keine eigene Pause, ohne sie würden die Eier im heißen Teig aber stocken. Für Goldhändle den Teig auf ein Brett geben, fingerlange Stücke schneiden und im heißen Schmalz unter Rühren der Pfanne ausbacken. Für Strauben denselben Teig durch ein gelöchertes Gießgerät (ersatzweise ein Spritzbeutel mit kleiner Öffnung) ins heiße Schmalz geben und zwei- bis dreimal umrühren. Für Schwebküchlein größere Stücke einschlagen und nur auf Glut, also bei schwächerer Hitze, backen, damit sie schön aufgehen. Eine große Pfanne verwenden, weil zu lang gebackene Stücke schwer werden und zu viel Fett aufnehmen. Der Text nennt weder Zucker noch Honig; wer die Küchlein süß servieren möchte, bestreut sie nach heutigem Brauch mit etwas Zucker. Als Fetttemperatur zum Ausbacken eignen sich rund 170-180°C.</note>
        <note type="gloss" target="#std-200-orig" n="Gold Haͤndle" resp="#fyndling">Goldhändle ist die historische Bezeichnung der ausgebackenen kleinen Küchlein. Der Name bezeichnet hier das Rezept, nicht eine zusätzliche Zutat.</note>
        <note type="gloss" target="#std-200-orig" n="butterſchmaltz" resp="#fyndling">Butterschmalz ist geklärtes Butterfett. Das Rezept nennt bei fehlender Butter ausdrücklich Schmalz als Ausweichmöglichkeit.</note>
        <note type="gloss" target="#std-200-orig" n="boͤferlin" resp="#fyndling">Das Böferlein ist ein kleines Gießgerät mit einer Öffnung, durch die der Teig für Strauben in das Fett gelangt. Die genaue historische Form bleibt offen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-200-orig" n="ſchweb kuͤchlen" resp="#fyndling">Schwebküchlein sind die größere, auf der Glut aufgehende Weiterverarbeitung desselben Teigs.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-200-orig" n="daͤter" resp="#fyndling">Der Sinnzusammenhang - im Anschluss wird der Teig mit einem Messer geschnitten - legt eine feste Unterlage nahe, vermutlich ein Arbeitsbrett.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-200-orig" n="Süßung" resp="#fyndling">Der Text erwähnt weder Zucker noch Honig; die Küchlein werden pur beschrieben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-200-orig" n="Backtemperatur des Schmalzes" resp="#fyndling">Der Text nennt nur „heißes Schmalz“, ohne Gradangabe - die Hitze wurde nach Erfahrung und Augenmaß gesteuert.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-200-orig" n="Abkühlen vor dem Eier-Einschlagen" resp="#fyndling">Der Text nennt keine eigene Ruhepause zwischen dem Abrühren des Mehlteigs und dem Einschlagen der Eier.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-201-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gegossener Teig aus Milch, Mehl und Eiern, der in einer gefetteten Pfanne zunächst zugedeckt bei kleiner Glut fest wird, dann in fingerbreite Streifen geschnitten und bei steigender Hitze weitergebacken wird, bis die Stücke aufgehen und rösch werden. Das zweistufige Verfahren - erst stocken lassen, dann zerteilen und weiterbacken - ähnelt im Prinzip einem heutigen Kaiserschmarrn; das fertige Gebäck selbst liegt nahe an einem dicken Pfannkuchen.

Glut oben und unten. Die Pfanne steht auf einem Dreifuß über kleiner Glut; auf dem Topfdeckel liegt ebenfalls ein wenig Glut. So bekommt der Teig Wärme von beiden Seiten und wird schneller fest.

Praxis. Rühre den festen Milch-Mehl-Teig lange glatt, bevor du die Eier einschlägst, bis er straubenteig-dick ist, und salze ihn. Gieße ihn fingerdick in eine gefettete Pfanne, decke sie mit einem Glut-belegten Topfdeckel zu und lass den Teig bei kleiner Glut fest werden. Erst danach in zwei Finger breite, etwas längere Streifen schneiden, in die mit zerlassenem Schmalz vorbereitete Pfanne legen und zunächst bei geringer Hitze backen; sobald die Stücke aufgehen, die Hitze steigern, bis sie groß, braun und rösch sind, und die Pfanne dabei immer wieder nachschmalzen. Das Rezept enthält keinerlei Süßung - wer es eher als herzhafte Beilage denn als Nachspeise servieren will, liegt am reinen Textbefund näher; die Küchlein-Rezepte dieses Kapitels werden im Korpus aber überwiegend als Dessert geführt, weshalb wir die Einordnung hier unverändert lassen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-201-orig" n="lautere milch" resp="#fyndling">Gemeint ist reine, unverfälschte Milch; sie soll lauwarm sein, bevor der Teig lange gerührt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#std-201-orig" n="ſtrauben taig" resp="#fyndling">Der Teig soll die dicke, zähfließende Konsistenz eines Straubenteigs erreichen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-201-orig" n="finger dick" resp="#fyndling">Die Teigschicht wird ungefähr fingerdick in die Pfanne gegossen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-201-orig" n="kül bachen" resp="#fyndling">Die erste Backphase erfolgt bei geringer Hitze, bevor die Küchlein bei stärkerer Hitze aufgehen und bräunen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-201-orig" n="ſchir ... gluͤtlen / glaͤtlin" resp="#fyndling">„schir" ist der Imperativ von schüren (ein Feuer anfachen); „glütlin/glätlin" meint an beiden Stellen dieselbe kleine Glut - unten unter der Pfanne und oben auf dem Deckel, damit der Teig von beiden Seiten Wärme bekommt.</note>
        <note type="gloss" target="#std-201-orig" n="boͤꝛ / böhren" resp="#fyndling">Gemeint ist rühren. „Böhren" ist bei Grimm/DWB als eigenes Lemma (kneten/rühren) mit einem Kochkontext-Beleg geführt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-202-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Apfelküchlein: fein gehackte saure Äpfel, mit Semmelmehl gebunden, mit Ei verstärkt und in heißem Schmalz ausgebacken - ein direkter Vorläufer der bis heute in Schwaben, Bayern und Österreich bekannten Apfelküchle beziehungsweise Apfelkiechl.

Bindung. Das Semmelmehl nimmt die beim Hacken austretende Fruchtfeuchte der Äpfel auf, das Ei bindet zusätzlich - genau die Funktion, die der Text selbst nennt: „damit er nicht zu dünn wird“. Mehr als ein Drittel Semmelmehl im Verhältnis zu den Äpfeln ist dafür die Richtgröße.

Anrichten. Die ausgebackenen Küchlein können trocken serviert, als Einlage in eine Suppe gegeben oder mit einem Apfel-Gescherb - in Schmalz gerösteten Apfelschnitzen - angerichtet werden. Alle drei sind im Text gleichrangige Alternativen, keine davon ist die einzig richtige.

Praxis. Schmalz gut heiß werden lassen, etwa 170-180°C, geprüft mit einer Garprobe: Ein Löffel Teig soll zügig aufsteigen und gleichmäßig bräunen. Die Apfelmasse in kleinen Portionen einlegen und golden ausbacken.</note>
        <note type="gloss" target="#std-202-orig" n="dꝛitten teil" resp="#fyndling">Die Angabe beschreibt ein Mengenverhältnis: Vom Semmelmehl soll mehr als ein Drittel der Apfelmenge genommen werden.</note>
        <note type="gloss" target="#std-202-orig" n="ſchmaltz" resp="#fyndling">Der Text verlangt ausdrücklich „wol heiß“ (gut beziehungsweise recht heiß) Schmalz. Staindl unterscheidet im selben Kapitel zwei Hitzegrade - „wol heiß“ und das schwächere „zimlichs heiß“ - und meint hier die stärkere Stufe.</note>
        <note type="gloss" target="#std-202-orig" n="geſcherb" resp="#fyndling">Gescherb bezeichnet hier ein Gericht aus kleingeschnittenem, in Schmalz geröstetem Obst - bei einem Apfelrezept naheliegend ein Apfel-Gescherb -, keine Schüssel. Staindls eigenes Buch belegt das Wort in genau diesem Sinn: „Oepffel geſcherb zuͦmachen“ beschreibt an anderer Stelle im selben Buch geröstete Apfelscheiben als eigenständiges Gericht, und das unmittelbar folgende Rezept verwendet dieselbe Anrichte-Formel (trocken / Suppe / Gescherb). An wieder anderer Stelle im Buch bezeichnet ein ähnlich klingendes Wort (Scherblein) tatsächlich ein kleines Gefäß - hier legt der Anrichte-Kontext aber eindeutig das Gericht nahe.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-202-orig" n="wol heiß ſchmaltz" resp="#fyndling">Praktische Umsetzung: Schmalz auf etwa 170-180°C erhitzen und mit einer Garprobe prüfen (ein Löffel Teig steigt zügig auf und bräunt gleichmäßig).</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-203-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Brot-Ei-Küchlein: Sehr hartes, gestoßenes Brot wird portionsweise mit Ei durchfeuchtet - die Masse zieht zunächst das erste Ei trocken in sich auf, ehe weiteres Ei nachgeschlagen wird, bis eine streichfähige Dicke erreicht ist. Mit Salz und Weinbeeren versetzt, wird die Masse küchleinweise in mäßig heißem Schmalz ausgebacken. Das Ergebnis steht näher an einem Semmelschmarrn oder Brot-Ei-Puffer als am bekannteren "Arme Ritter"/French Toast, weil das Brot zu einer homogenen Masse zerstoßen wird, statt als ganze, eingetunkte Scheibe gebraten zu werden.

Wie fein wird das Brot gestoßen? Die Vorlage ist an dieser Stelle schwer lesbar ("geſtoß gar tlein") und lässt zwei Lesarten zu: "gar klein" oder "gar fein". Die Wendung "gar klein" ist im Buch sonst durchgängig belegt (etwa in std-011 und std-202), "gar fein" kommt im Bestand nicht vor - das spricht eher für gröber gestoßene Brotstücke als für sehr feine Brösel. Beide Lesarten ergeben ein funktionierendes Gericht, nur mit unterschiedlicher Krume.

Welche Beigabe gehört dazu? Von den drei genannten Beigaben ist die Apfelzubereitung ("ain geberbel von oͤpffeln") wahrscheinlich dieselbe wie in std-047 aus demselben Buch beschrieben: geschnittene, in Schmalz geröstete Äpfel, mit süßem Wein abgelöscht und mit safrangelb gefärbter Wildbret- oder Fleischbrühe vermengt, dazu Weinbeeren. Die abweichende Schreibung ("geberbel" statt "gescherb") bleibt aber ungeklärt, der Bezug ist wahrscheinlich, nicht gesichert. Für die parallel genannte Mandelzubereitung ("Mandel geſcherb") findet sich im Buch keine vergleichbare Parallelstelle; ihre genaue Zusammensetzung bleibt offen.

Praxis. Sehr hartes, gut ausgetrocknetes Brot stoßen und mit Ei übergießen; nach kurzer Standzeit zieht das Brot das erste Ei auf, danach weiteres Ei einrühren, bis eine dickliche, löffelfähige Masse entsteht. Salz und Weinbeeren untermengen. Der Text nennt für das Schmalz keine Temperatur, nur "nicht zu heiß" - in der Praxis passt mäßige Fetttemperatur von etwa 160 bis 170 Grad Celsius, damit der Kern durchgart, bevor die Außenseite zu dunkel wird. Die Masse löffelweise einschlagen und die Pfanne dabei bewegen, dann gehen die Küchlein auf. Dazu nach Wahl eine gelbe Pfeffersauce, eine Mandelzubereitung oder eine Apfelzubereitung reichen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-203-orig" n="Brat Küchlen" resp="#fyndling">Bratküchlein sind kleine Küchlein, die in Fett ausgebacken werden. ‚Brat‘ bezeichnet hier die Zubereitung in der Pfanne, nicht die Verwendung von Brät.</note>
        <note type="gloss" target="#std-203-orig" n="gelbs pfefferlin" resp="#fyndling">Der Ausdruck bezeichnet im Kontext eine gelbe, würzige Sauce oder ein Pfeffergericht als Beigabe, nicht gelbe Paprikaschoten.</note>
        <note type="gloss" target="#std-203-orig" n="Mandelgescherb" resp="#fyndling">Mandelgescherb ist eine als Beigabe genannte Mandelzubereitung. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch glossiert das verwandte Wort ‚gescherbe‘ als Obstschnitzel oder -scheiben, was auf geschnittene oder geschabte Mandeln hindeuten könnte - ein einzelner Wörterbuchbeleg, keine Bestätigung. Die genaue Zusammensetzung oder Konsistenz bleibt offen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-203-orig" n="geberbel von Öpfeln" resp="#fyndling">Die Apfelzubereitung ist als dritte wahlweise Beigabe genannt. Wahrscheinlich ist dieselbe Zubereitung gemeint wie in std-047 (Gescherbte Äpfel) aus demselben Buch: geschnittene, in Schmalz geröstete Äpfel, mit süßem Wein abgelöscht, in safrangelb gefärbter Wildbret- oder Fleischbrühe, mit Weinbeeren. Die abweichende Schreibung ‚geberbel‘ statt ‚gescherb‘ bleibt aber ungeklärt, der Bezug ist wahrscheinlich, nicht gesichert.</note>
        <note type="gloss" target="#std-203-orig" n="Schmalz" resp="#fyndling">Das Fett soll nur mäßig heiß sein, damit die Küchlein aufgehen und nicht zu schnell bräunen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-203-orig" n="weinbeerlin" resp="#fyndling">Weinbeeren, hier wahrscheinlich Rosinen oder getrocknete Weinbeeren.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-203-orig" n="geberbel" resp="#fyndling">Eine Apfelzubereitung als Beigabe, wahrscheinlich dieselbe wie das im selben Buch als ‚Oepffel geſcherb‘ benannte Gericht (std-047): geschnittene, in Schmalz geröstete Äpfel mit süßem Wein und safrangelb gefärbter Wildbret-Brühe.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-203-orig" n="gar tlein" resp="#fyndling">‚Gar fein‘ - sehr fein gestoßenes Brot (aktuelle Übersetzung).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-203-orig" n="Schmalz-Temperatur" resp="#fyndling">Der Text gibt keine Temperatur an, nur die qualitative Angabe ‚nicht zu heiß‘.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-258-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine klare, gelb gefärbte Erbsenbrühe mit fein gehackter Zwiebel, Muskatblüte und gerösteter Semmel - wahlweise durch teilweises Durchstreichen der Erbsen sämig gemacht. Die klare Fassung erinnert an eine einfache Gemüsebrühe mit Erbsengeschmack, die dicke Fassung an eine klassische pürierte Erbsensuppe mit Croutons, ähnlich einem französischen Potage. Anders als die heute in Deutschland übliche sehr dicke Erbsensuppe kommt hier kein Speck und kein anderes Fleisch vor.

Warum am Ende noch geseiht wird, obwohl die Suppe schon durchgestrichen wurde. Das abschließende Seihen betrifft nicht das Erbsenpüree selbst - das Durchstreichen durch das Sieb trennt bereits Mus von Schalen -, sondern grobe Reste wie Zwiebelstücke oder Gewürzpartikel, die danach noch in der Suppe schwimmen.

Praxis. Getrocknete Erbsen vor dem Kochen einige Stunden oder über Nacht einweichen - das verkürzt die Garzeit und lässt sie gleichmäßiger gar werden. Wer näher am historischen Vorgehen bleiben will, sott sie ungeweicht direkt im Wasser, dafür entsprechend länger, etwa 60 bis 90 Minuten. Die Erbsen weich sieden, die klare Brühe abgießen, die sehr fein gehackte Zwiebel ungeröstet in die Brühe geben - der Text lässt sie ausdrücklich hineinhacken, nicht anbraten -, mit Safran gelb färben, mit Muskatblüte und einer Gewürzmischung nach Wahl würzen, Schmalz und geröstete Semmelwürfel einlegen. Für die dicke Variante einen Teil der Erbsen durch ein Sieb streichen, geschnittene Zwiebel in etwas Schmalz rösten und unterrühren - in der Brühe selbst lässt sich nichts rösten, das Fett bleibt im Text unausgesprochen -, nochmals färben und würzen und die fertige Suppe zum Schluss durch ein Tuch seihen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-258-orig" n="Gnſcar bluͤ" resp="#fyndling">Die Vorlage ist an dieser Stelle schwer lesbar. Eine zweite Textfassung des Drucks liest hier eindeutig ‚Muscatblue‘, also Muskatblüte, ein zeitgenössisches Gewürz für Suppen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-258-orig" n="Rindbeterin" resp="#fyndling">Die Vorlage ist an dieser Stelle schwer lesbar und ergibt wörtlich ‚Rindbeterin‘. Eine zweite Textfassung des Drucks liest hier eindeutig ‚Kindbetterin‘ - eine Frau im Wochenbett, also eine Wöchnerin. Das Suppenkapitel des Buchs führt durchgehend eigene Varianten für Wöchnerinnen (Weinsuppen, Eiersuppen und weitere), dies ist also kein Einzelfall.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-258-orig" n="Einweichzeit der Erbsen" resp="#fyndling">Getrocknete Erbsen vor dem Sieden einige Stunden oder über Nacht einweichen - das verkürzt die Garzeit und lässt sie gleichmäßiger gar werden, ohne dem Text zu widersprechen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-259-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine weiße, mit süßem Rahm abgezogene Erbsensuppe - eine Erbsenpüreesuppe, wie sie heute als cremige Erbsensuppe mit Sahne bekannt ist. Der Text setzt selbst den Maßstab: genauso weiß und gut wie eine Mandelsuppe soll das Ergebnis werden.

Sieb oder Tuch? Weder die Ausgabe von 1545 noch die von 1569 nennen an dieser Stelle das Werkzeug zum Durchstreichen der Erbsen - im übrigen Korpus steht dort fast immer ausdrücklich „durch ein Sieb“ oder „durch ein Tuch“. Beide Varianten sind historisch gleich gut belegt. Ein feines Sieb lässt sich in der Praxis leichter reinigen und liefert ein nahezu identisches Ergebnis; ein Passiertuch ist die ebenso naheliegende Alternative.

Wie lange kochen die Erbsen? Die Quelle sagt nur „weich sieden“, ohne Zeit oder Vorbereitung der Erbsen zu nennen. Geschälte, halbierte Speiseerbsen brauchen ohne vorheriges Einweichen etwa 45 bis 60 Minuten; ganze getrocknete Erbsen brauchen meist ein Einweichen über Nacht und eine längere Kochzeit.

Was ist die eigene Erbsenbrühe? Nichts Zusätzliches, das man besorgen müsste: gemeint ist das Wasser, in dem die Erbsen gekocht wurden. Es hat beim Kochen Stärke und Geschmack aufgenommen und bindet die Suppe. Die Anweisung „nur die Erbsenbrühe, kein Wasser" richtet sich gegen das Verdünnen: wer die Suppe hinterher mit frischem Wasser streckt, verliert genau die Bindung, die den Rahm später tragen soll. Deshalb von Anfang an knapp mit Wasser bemessen.

Praxis. Geschälte, halbierte Speiseerbsen ohne Einweichen in knapp bemessenem Wasser weich kochen. Dieses Kochwasser ist die Erbsenbrühe - es wird nicht abgegossen, sondern bleibt die ganze Flüssigkeit der Suppe. Einen Teil durch ein feines Sieb streichen, bis die Suppe leicht gebunden, aber nicht zu dick ist. Erst beim Anrichten sparsam süßen Rahm einrühren, ohne ihn lange mitzukochen, damit er nicht ausflockt oder sich trennt.</note>
        <note type="gloss" target="#std-259-orig" n="raum" resp="#fyndling">Rahm bezeichnet süße Sahne beziehungsweise einen fetten Milchrahm.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-259-orig" n="treibs ein wenig durch dz" resp="#fyndling">Ein feines Sieb, durch das ein Teil der weich gesottenen Erbsen gestrichen wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-259-orig" n="Erbaiſſen waich ſeüt" resp="#fyndling">Geschälte, halbierte Speiseerbsen, ohne vorheriges Einweichen in etwa 45 bis 60 Minuten weich gekocht.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-260-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine passierte weiße Erbsensuppe: Erbsen werden weich gekocht und durch ein Sieb getrieben, mit reichlich Rahm verfeinert und über gerösteten Semmelscheiben angerichtet, dazu Weinbeeren als süßer Farbtupfer. Die nächste bekannte Verwandte ist eine cremige Erbsensuppe oder ein Erbsenpüree mit Sahne, wie sie sich bis heute etwa als Potage Saint-Germain hält - nur die gestreuten Weinbeeren sind heute unüblich, wirken als süß-fruchtiger Kontrast aber weiterhin stimmig.

Die Überschrift nennt die Hülsenfrucht Zisserel - im 16. Jahrhundert der gängige Name der Kichererbse (aus lateinisch cicer, über Ziser/Zisern). Staindl erklärt sie allerdings selbst als „lange Erbsen, ganz weiß", was zur runden Kichererbse schlecht passt; dasselbe Wort ist auch für die Platterbse bezeugt. Welche der beiden gemeint ist, entscheidet der Text nicht - und die Antwort ändert die Kochzeit deutlich.

Ob frische oder getrocknete Erbsen gemeint sind, sagt der Text nicht. Ein langes Sieden, bis sie sich durch ein Sieb treiben lassen, spricht eher für getrocknete, zuvor eingeweichte Ware; frische, saisonale Erbsen wären deutlich schneller gar und bräuchten kein Einweichen.

Praxis. Mit weißen Schälerbsen wird daraus die sämige Suppe, die der Text beschreibt; mit Kichererbsen ein deutlich längeres, körnigeres Gericht - dann mindestens zwölf Stunden einweichen, eineinhalb bis zwei Stunden kochen und kräftiger passieren. Getrocknete weiße Schälerbsen über Nacht einweichen, dann in reichlich Wasser oder Brühe etwa 60 bis 90 Minuten kochen, bis sie weich genug sind, um durch ein Sieb getrieben zu werden. Die Erbsen zusammen mit ihrem eigenen Kochsud durch ein Sieb treiben, bis eine sämige Suppe entsteht. Reichlich Rahm einrühren, über gerösteten Semmelscheiben anrichten und mit Rosinen bestreuen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-260-orig" n="Zisserel" resp="#fyndling">Zisserel ist im 16. Jahrhundert der gängige deutsche Name der Kichererbse: das Wort kommt über Ziser/Zisern aus dem lateinischen cicer, und die frühneuhochdeutschen Wörterbücher setzen es geradeheraus gleich (Goetze: „ziser f. kichererbse"; Grimm unter Zieser: cicer arietinum). Auch unser Korpus kennt das Wort so - im Mondseer Kochbuch werden die cziserr in starker Lauge geschält, eine Technik, die nur bei der harten Kichererbsenhaut Sinn hat. Dazu passt, dass Staindl im selben Kapitel sonst durchgehend von Erbes spricht und ausgerechnet hier ein anderes Wort benutzt und erklärt. Gegen die Kichererbse steht allerdings seine eigene Erklärung: „lange Erbsen, ganz weiß" trifft die runde, geschnäbelte Kichererbse schlecht. Grimm verzeichnet für dasselbe Wort auch die Übertragung auf die Platterbse (Lathyrus), deren Hülsen flach und lang sind. Welche der beiden Hülsenfrüchte Staindl vor sich hatte, entscheidet der Text nicht.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#zisserel"/></note>
        <note type="gloss" target="#std-260-orig" n="baͤt" resp="#fyndling">Gebäht bedeutet leicht geröstet. Die Suppe wird auf geröstete Semmelscheiben gegeben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-260-orig" n="Zisserel" resp="#fyndling">Kichererbsen, und zwar die weiße Sorte. Zisserel ist der verbreitete Name der Kichererbse in dieser Zeit - das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt „kicher" als Cicer arietinum, und das Wörterbuch der elsässischen Mundarten verzeichnet „Ziserërbs f. Kichererbse" aus der Nachbarmundart von Augsburg. Die Unterscheidung nach Farbe ist historisch belegt: neben den weißen sind schwarze Zisern bezeugt.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#zisserel"/></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-260-orig" n="Weinberlen" resp="#fyndling">Als Weinbeeren verstanden, im Zusammenhang mit dem Bestreuen der Suppe vorzugsweise als Rosinen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-260-orig" n="Erbsen sieden (frisch oder getrocknet)" resp="#fyndling">Getrocknete Erbsen, die vor dem Sieden eingeweicht werden - ein langes Sieden, bis sie sich durch ein Sieb treiben lassen, setzt eher getrocknete Ware voraus.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-261-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine schlichte, saure Linsensuppe: Linsen werden ganz weich gekocht, mit gerösteter Zwiebel, einer Säure und Gewürz abgeschmeckt, mit Weinbeeren bestreut und über geröstetem Brot als Abendessen angerichtet. Die nächsten lebenden Verwandten sind die bis heute bekannten sauren Linsensuppen des süddeutsch-österreichischen Raums sowie, allgemeiner, das bis heute übliche Prinzip, Suppe über geröstetem oder altbackenem Brot anzurichten. Die Kombination aus saurer Brühe und süßen Rosinen ist ein für die Zeit typisches süß-saures Geschmacksprofil, das in modernen Linsensuppen seltener geworden ist, in anderen Traditionsgerichten wie Sauerbraten mit Rosinen oder süß-saurem Rotkraut aber weiterlebt.

Womit wird gesäuert? Der Text verlangt ausdrücklich, die Suppe zu säuern, nennt aber kein Mittel. Milder Essig ist die naheliegende moderne Wahl; saurer Traubenmost (Agrest/Verjus) ist die historisch ebenso plausible Alternative, im Text selbst aber nicht genannt.

Worin röstet man die Zwiebel? Der Text sagt „röst ein zwifel darein" und nennt kein Fett - in der Brühe selbst lässt sich nichts rösten, dort würde die Zwiebel kochen. Die Wendung ist eine Auslassung, wie sie Kochanweisungen dieser Zeit durchgehend machen: das Naheliegende bleibt unausgesprochen. Das Mondseer Kochbuch schreibt dieselbe Handlung einmal aus - dort wird die Zwiebel in Schmalz geröstet und erst danach das Übrige hineingelegt -, und im selben Suppenkapitel nennt Staindl das Schmalz beim gleichen Handgriff ausdrücklich. Die Zwiebel wird also in Fett geröstet und dann eingerührt.

Praxis. Linsen in reichlich Wasser oder Brühe etwa 45 bis 60 Minuten weich kochen - ungeeinweicht ist das in dieser Zeit realistisch. Eine fein geschnittene Zwiebel in etwas Schmalz oder Butter goldbraun rösten und dann in die Linsen einrühren. Mit Essig säuern, nach Wahl würzen, mit Weinbeeren (am ehesten Rosinen) bestreuen und über geröstetem Brot anrichten.</note>
        <note type="gloss" target="#std-261-orig" n="seirs" resp="#fyndling">Die Stelle ist als „säuere“ zu verstehen. Der Text nennt kein konkretes Säuerungsmittel und lässt offen, womit die Suppe gesäuert wird. Gestützt wird die Lesart durch ein Geschwisterrezept desselben Buchs: std-269 trägt die eigene Überschrift „Seier suppen“ für eine gesäuerte Suppe, mit demselben Wortstamm. Auch ein Abgleich mit der zweiten Ausgabe des Drucks (1569) zeigt an dieser Stelle ein Wort derselben Wortfamilie.</note>
        <note type="gloss" target="#std-261-orig" n="stüps" resp="#fyndling">Bedeutet „würze“ beziehungsweise „bestäube mit Gewürzpulver“ (vgl. „stupfen/stuppen“). Dieselbe Wendung „gilbs / stüps“ (gelb färben, würzen) findet sich unverändert in den Nachbarrezepten std-258, std-262 und std-263 desselben Buchs - die Lesart ist buchintern mehrfach bezeugt.</note>
        <note type="gloss" target="#std-261-orig" n="Weinberlen" resp="#fyndling">Wörtlich sind dies kleine Weinbeeren. Im Kochkontext ist die getrocknete Form, also Rosinen, plausibler als frische Trauben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-261-orig" n="seirs" resp="#fyndling">Als „säuere“ gelesen; als moderne Praxis-Empfehlung dient milder Essig.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-261-orig" n="Weinberlen" resp="#fyndling">Als Weinbeeren, im Rezeptzusammenhang vorzugsweise als Rosinen, gelesen.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-262-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine warme Wein-Ei-Suppe: zwei aufgeschlagene Eier werden mit etwas Wasser und Wein verrührt, in einer gefetteten Pfanne kräftig eingekocht - um ein Drittel reduziert - und gelb gefärbt. Das ist eine Rekonvaleszenten- und Wochenbettsuppe, kein Dessertwein. Die deutsche Weinsuppe lebt in dieser Rolle bis heute fort, als Kranken- und Aufbaukost. Über Ei und Wein als Grundzutaten ist sie ein entfernter Cousin von Sabayon/Zabaglione, doch die Technik unterscheidet sich deutlich: hier wird hart eingekocht und reduziert, Sabayon dagegen nur schaumig-warm aufgeschlagen und darf nie kochen - beide Zubereitungen nicht gleichsetzen.

Offen bleibt, wie kräftig „seüds gar wol ... ein“ gemeint ist. Bei starkem Kochen flockt eine Wein-Ei-Mischung typischerweise aus, statt glatt zu bleiben - der Text benennt weder das eine noch das andere Ergebnis als Ziel.

Praxis. Eier verquirlen, mit wenig Wasser verlängern und den Wein daruntergießen. In einer mit etwas Schmalz ausgefetteten Pfanne bei mittlerer Hitze sanft köcheln lassen, bis die Menge um ein Drittel eingekocht ist - so bleibt die Suppe eher cremig statt eierflockig; wer die deftigere, offen flockige Variante will, kocht kräftiger und länger auf. Zum Schluss gelb färben (siehe Färbemittel) und heiß servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#std-262-orig" n="gilbs" resp="#fyndling">Die Suppe soll gelb gefärbt werden; ein konkretes Färbemittel nennt der Text nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#std-262-orig" n="Rindbeteren" resp="#fyndling">Die Vorlage ist an dieser Stelle schwer lesbar und ergibt wörtlich ‚Rindbeteren‘. Eine zweite Textfassung des Drucks liest hier eindeutig ‚Kindbetterin‘ - eine Frau im Wochenbett, also eine Wöchnerin. Das direkt folgende Rezept desselben Drucks (Eiersuppe) kennt für Wöchnerinnen mit zu starkem Wochenfluss eine andere, mildere Suppe.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-262-orig" n="seüds gar wol ... ein" resp="#fyndling">Sanftes Sieden/Köcheln, damit die Eier nicht zu grob ausflocken und die Suppe eher cremig bleibt.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-263-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine warme, nur leicht essigsäuerliche Ei-Wasser-Suppe: Eier oder allein die Eigelb werden mit Wasser verrührt beziehungsweise verkocht, kurz in wenig Schmalz gebraten, mit sehr wenig Essig kaum merklich gesäuert und gelb gefärbt. Der Text stellt sie ausdrücklich als mildere Alternative zur Weinsuppe für Wöchnerinnen mit zu starkem Wochenfluss vor - dieselbe Weinsuppe gilt im vorangehenden Rezept für Wöchnerinnen allgemein als nützlich, hier jedoch für diese Untergruppe als schädlich. Ein heute noch unter diesem Namen geführtes Gericht lässt sich nicht sicher benennen; strukturell am nächsten steht die breitere süddeutsch-österreichische Familie heißer, eigelbgebundener und mit einem Schuss Essig leicht gesäuerter Suppen.

Gartechnik. Das Ei-Wasser-Gemisch wird zuerst verkocht oder kräftig verrührt, danach in wenig Schmalz gebraten - im Kern dieselbe Technik wie bei einer gebrannten Suppe, nur dass hier Ei statt Mehl die Grundlage in Fett anschwitzt und dabei leicht stockt. Erst danach kommt der Essig in sehr kleiner Menge dazu: Säure vor dem Kochen hätte die Mischung stärker gerinnen lassen oder getrennt, die im Text vorgegebene Reihenfolge ist also technisch sinnvoll.

Garpunkt. Der Text nennt keinen sichtbaren Stockpunkt und keine Garzeit - „kochs oder ſpridels“ lässt offen, ob vollständig durchgegart oder nur kurz erhitzt und verquirlt wird.

Praxis. Eier, oder nur die Dotter, mit etwas Wasser gründlich verquirlen und vollständig durchgaren, bis die Mischung sichtbar stockt - besonders weil die Zielgruppe (Wöchnerinnen) keine rohen Eianteile bekommen sollte. Danach kurz in wenig Schmalz anbraten, mit einem sehr kleinen Schuss Essig nur leicht säuern und zuletzt gelb färben. In Topf oder Pfanne über offenem Feuer in etwa 20 Minuten fertig.</note>
        <note type="gloss" target="#std-263-orig" n="ſpridels" resp="#fyndling">Die unsichere Verbform ist als kräftiges Verrühren oder Verquirlen der Eier mit dem Wasser zu verstehen. Die Vergleichstranskription bestätigt dieselbe Wortform, klärt sie inhaltlich aber nicht weiter.</note>
        <note type="gloss" target="#std-263-orig" n="ſeürlet" resp="#fyndling">Die Form bedeutet, dass die Suppe nur leicht säuerlich gemacht werden soll. Ein konkretes Säuerungsmittel wird im Rezept unmittelbar danach mit Essig genannt.</note>
        <note type="gloss" target="#std-263-orig" n="Rindbetere" resp="#fyndling">Die Primär-OCR verschreibt die Bezeichnung. Gemeint ist ‚Kindbetterin‘, also eine Frau im Wochenbett beziehungsweise eine Wöchnerin.</note>
        <note type="gloss" target="#std-263-orig" n="Wochenfluss" resp="#fyndling">Der normale, mehrere Wochen anhaltende Ausfluss nach einer Geburt, medizinisch Lochien genannt. Mehrere Suppen in diesem Kapitel richten sich gezielt an Frauen im Wochenbett mit einem als zu stark empfundenen Wochenfluss.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-263-orig" n="kochs oder ſpridels" resp="#fyndling">Praxisempfehlung: das Ei-Wasser-Gemisch vollständig durchgaren, bis es sichtbar stockt, statt es nur kurz zu verrühren.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-264-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine einfache Ei-Wasser-Suppe: geschlagenes Ei wird in eine heiße Wasser-Schmalz-Mischung eingerührt und gerinnt darin zu weichen, zerfahrenen Eierflocken - dasselbe Grundprinzip wie beim heutigen Eierstich oder der italienischen Stracciatella. Der Name „Hadersuppe“ ist kein Rätselwort: Grimm belegt ihn direkt als Suppe mit zerfahrenen Eiern, benannt nach dem zerfetzten, lappigen Aussehen der Eiflocken („Hader“ = Lappen, Stofffetzen - nicht Zank oder Streit). Das Rezept steht im letzten Buch des Werks („Von Suppen“) in einer Reihe eigens für Wöchnerinnen gedachter leichter Suppen (Erbsen-, Wein-, Eier- und Hadersuppe).

Die Vorlage nennt nur einen einzigen wählbaren Schritt: das Gelbfärben („ob du wilt“, wenn du willst). Das Schmalz-Zergehenlassen im Wasser davor ist dagegen ein fester, nicht optionaler Schritt - ohne die Fett-Basis fehlt der Suppe der Charakter.

Welche Zutat die gelbe Farbe liefert, nennt das Rezept an dieser Stelle nicht. Im ganzen Buch ist Gelbfärben aber durchgängig mit Safran verbunden, ein zweites Gelbmittel kommt im Korpus nicht vor - Safran ist daher die naheliegende, period-treue Wahl.

Aus dem Ei entstehen keine geformten Klößchen - ein Kloß setzt eine Bindung mit Mehl oder Semmelbröseln voraus, die hier fehlt. Geschlagenes Ei wird direkt in die heiße Flüssigkeit eingerührt und stockt zu losen, unregelmäßigen Fetzen: Eierflocken, kein Eierkloß.

Praxis. Ein Ei sauber aufschlagen. Eine Nussschale (grob 1-2 Esslöffel) Wasser in ein kleines Pfännchen oder einen Topf geben, etwas Schmalz darin zergehen lassen und, wer möchte, mit etwas Safran gelb färben. Das Gefäß vom Feuer nehmen, das geschlagene Ei einrühren und nur kurz nachziehen lassen, bis es sichtbar gestockt, aber noch weich ist - nicht länger sieden, sonst werden die Flocken zäh statt zart. Auf ein Brett oder in eine Schüssel gießen und warm servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#std-264-orig" n="Hader" resp="#fyndling">Grimm belegt „Hadersuppe“ direkt als eigenen Begriff: Suppe mit zerfahrenen Eiern. „Hader“ bedeutet hier Lappen oder Stofffetzen, nicht Zank oder Streit - ein Bildname nach dem zerrissenen Aussehen der Eierflocken.</note>
        <note type="gloss" target="#std-264-orig" n="hafen" resp="#fyndling">Hafen bedeutet in diesem schwäbischen Kochbuch einen Topf beziehungsweise ein Kochgefäß, nicht einen Mörser.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#hafen"/></note>
        <note type="gloss" target="#std-264-orig" n="Kindbeteren" resp="#fyndling">Gemeint sind Wöchnerinnen, also Frauen im Wochenbett.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-264-orig" n="gilbs" resp="#fyndling">Das Färbemittel für das optionale Gelbfärben wird an dieser Stelle nicht genannt; die durchgängige Buchkonvention verbindet Gelbfärben mit Safran, dem einzigen im Buch belegten Gelbmittel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-264-orig" n="seuds ain wenig" resp="#fyndling">Kurzes, sanftes Nachsieden, bis das Ei sichtbar gestockt, aber noch weich („linde“) ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-265-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine mit Eigelb gebundene Erbsensuppe: das Eigelb wird der Suppe erst zugeschlagen, wenn sie nicht mehr kochend heiß ist, damit es bindet statt zu stocken - dieselbe Technik wie beim Aufschlagen einer Weinsuppe im selben Buch. Angerichtet wird über geröstetem, eingebröckeltem Brot, übergossen mit einer gemeinsam gekochten Wasser-Schmalz-Mischung und belegt mit einem pochierten Ei. Das Rezept ist ausdrücklich als Schonkost für Wöchnerinnen gedacht. Eine cremige Erbsensuppe mit pochiertem Ei und Croutons kennt man bis heute, und das Einrühren von Eigelb erst nach dem Abkühlen der Flüssigkeit ist dieselbe Logik wie beim Tempern von Ei in modernen Cremesuppen.

Was hier ‚Erbsensuppe‘ heißt. Nicht der dicke Erbseneintopf von heute. In diesem Buch meint ‚Suppe‘ die Brühe: das Erbsenrezept desselben Kapitels nennt die Brühe, in der das Schweinefleisch gesotten hat, ausdrücklich ‚die selbig suppen‘ und gießt sie an die Erbsen. Gemeint ist hier also der abgeseihte, klare Erbsensud. Das Verfahren bestätigt es: ein dickes Erbsenpüree ließe sich weder mit Eigelb aufschlagen wie eine Weinsuppe noch über Brot gießen. Beides verlangt eine dünne, gießbare Brühe - und genau das ist die Grundform des ganzen achten Buchs, in dem fast jedes Rezept mit heißer Brühe über geröstetem Brot endet.

Warum die Suppe erst abkühlen muss. Die Vorlage ist an dieser Stelle eindeutig: die bereits fertige Erbsensuppe soll abkühlen ("überschlagen"), bevor das Eigelb hineinkommt - kein zusätzliches Aufkochen. Nur im abgekühlten Zustand bindet das Eigelb die Suppe, statt darin zu gerinnen.

Praxis. Die fertige Erbsensuppe vom Feuer nehmen und handwarm abkühlen lassen. Dann ein bis drei Eigelb einrühren und die Suppe kräftig aufschlagen, bis sie bindet. Brot rösten und einbröckeln, mit der gemeinsam gekochten Wasser-Schmalz-Mischung übergießen. Für das verlorene Ei das Wasser nur sanft sieden lassen und das Ei einige Minuten ziehen lassen, bis das Eiweiß gestockt, der Dotter aber noch weich ist - eine genaue Gartemperatur nennt die Vorlage nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#std-265-orig" n="baͤt" resp="#fyndling">Gebäht bedeutet leicht geröstet.</note>
        <note type="gloss" target="#std-265-orig" n="verloꝛen ayer" resp="#fyndling">Ein verlorenes Ei ist ein pochiertes Ei, das ohne Schale in heißem Wasser gegart wird.</note>
        <note type="gloss" target="#std-265-orig" n="Kyndbeteren / Rindbeteren" resp="#fyndling">Gemeint sind Kindbetterinnen, also Frauen im Wochenbett. Die Form ‚Rindbeteren‘ ist eine OCR-Fehllesung der Vorlage.</note>
        <note type="gloss" target="#std-265-orig" n="Erbes suppen" resp="#fyndling">Zu lesen als Erbsenbrühe, nicht als dicker Eintopf: ‚Suppe‘ bezeichnet in diesem Buch durchweg die gießbare Brühe, die über Brot gegeben wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-265-orig" n="Gartemperatur des verlorenen Eis" resp="#fyndling">Wasser nur sanft sieden lassen und das Ei einige Minuten ziehen lassen, bis das Eiweiß gestockt und der Dotter noch weich ist.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-266-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Zwei Varianten der bis heute bekannten Brotsuppe: Semmel, die im Dampf über einem Topf mit kochendem Gemüse gegart wird, und gewürfelte Semmel, die einfach mit heißer Brühe übergossen wird. Beide leben bis heute weiter - in der Brotsuppe des Alpenraums und Süddeutschlands ebenso wie im französischen Panade-Prinzip, bei dem altes Brot zu einer sämigen Suppe verkocht wird.

Praxis. Für die gedünstete Variante braucht es zwei Gefäße: einen Topf mit kochendem Gemüse und ein zweites, umgestülptes Gefäß darüber, das an der Fuge mit Spänen abgedichtet wird, damit der Dampf nicht entweicht. Die Brotstücke garen darin im aufsteigenden Dampf weich, kommen dann in eine Schüssel, werden mit der Gemüsebrühe befeuchtet und mit gebranntem Schmalz (Fett erhitzt, bis es bräunt, dann heiß darübergegossen) sowie Rahm fertiggestellt. Für die gewürfelte Variante entfällt das Dünsten: die gewürfelte Semmel - mit ganz gelassener Unterkruste - wird direkt mit Wasser oder Gemüsesuppe übergossen und ebenfalls mit gebranntem Schmalz vollendet. Kein Fleisch und keine garzustandskritischen Zutaten machen beide Varianten unkompliziert und auch am Marktfeuer in 30 bis 45 Minuten machbar.</note>
        <note type="gloss" target="#std-266-orig" n="ainraum" resp="#fyndling">Die zusammengeschriebene Form ist als ‚ein Raum‘ zu trennen. Gemeint ist Rahm, der über die gedünstete Brotsuppe gegeben wird.</note>
        <note type="gloss" target="#std-266-orig" n="ſpenen" resp="#fyndling">Der Topf wird mit Spänen verschlossen, damit die Semmel im Dampf dünsten kann.</note>
        <note type="gloss" target="#std-266-orig" n="gewürflet" resp="#fyndling">Das Wort bezeichnet die Würfelform der geschnittenen Semmel, nicht eine zusätzliche Zutat.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-267-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine heiße Weinsuppe mit Rahm, gelb gefärbt und lange gesotten - dazu eine mildere zweite Fassung mit Wasser statt Wein, wahlweise mit Ei. Als Gattung lebt eine heiße, mit Rahm oder Ei legierte Weinsuppe bis heute in Süddeutschland und Österreich fort.

Wein und Rahm über langer Hitze. Der Text schreibt für die erste Variante ausdrücklich langes Sieden vor, nennt aber kein Bindemittel. Wein, der in Rahm gegossen und dann lange gekocht wird, kann durch die Säure ausflocken - das folgt unmittelbar aus den genannten Zutaten und der genannten Garzeit. Wer die Suppe nachkocht, hält die Hitze darum ruhig statt sprudelnd und rührt gelegentlich um.

Das Ei in der süßen Variante. Wie das optionale Ei eingearbeitet wird, sagt der Text nicht. In der Praxis empfiehlt es sich, das Ei vorab gut zu verquirlen und erst gegen Ende unter Rühren einzurühren, bis es gestockt ist - so bleiben keine groben Flocken und kein rohes Ei zurück.

Praxis. Rahm und Wein beziehungsweise Rahm und Wasser in einem Topf über mäßiger Hitze erwärmen und gelb färben. Die Weinvariante braucht bei ruhiger Hitze deutlich länger als die süße Variante; wer das Ei nimmt, rührt es kurz vor dem Servieren unter, bis es gestockt ist. Beide Fassungen warm und frisch servieren.</note>
        <note type="gloss" target="#std-267-orig" n="raum" resp="#fyndling">Rahm bezeichnet süße Sahne beziehungsweise fetten Milchrahm.</note>
        <note type="gloss" target="#std-267-orig" n="gilbs" resp="#fyndling">Die Suppe soll gelb gefärbt werden; ein konkretes Färbemittel nennt der Text nicht.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-267-orig" n="Einarbeitung des Eis" resp="#fyndling">Der Text nennt nur, dass zur süßen Rahmsuppe zusätzlich ein Ei genommen werden darf, ohne die Art der Einarbeitung zu beschreiben.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-268-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Vier Suppen unter einer Anleitung, und die Anleitung ist eine Einbrenn: Mehl wird in Schmalz gebräunt, in siedendes Wasser gegeben, mit dem Löffel verrührt und aufgekocht. Angerichtet wird wie im ganzen Kapitel über Brot. Was die vier Namen unterscheidet, ist die zugegebene Trockenfrucht - Weinbeeren, Zwetschgen oder Zibeben -, nicht das Verfahren.

Die Einbrenn steht hier ausgeschrieben. Das ist der bemerkenswerte Teil: In unserem gesamten Bestand wird das Bräunen von Mehl in Fett nur an zwei Stellen wörtlich beschrieben, und beide stehen in diesem achten Buch - die andere im eingebrannten Erbsenbrei. Sonst wird in den Rezepten dieser Zeit mit Brot, Mandeln oder Ei gebunden. Hier dagegen sagt die Vorlage es unmissverständlich: ‚brenn ain mel in eim schmaltz‘. Die gebräunte Mehlschwitze ist damit kein Hineinlesen, sondern das, was dasteht.

Praxis. Etwa gleiche Teile Mehl und Schmalz in der Pfanne unter Rühren bräunen, bis die Masse nussig riecht und Farbe genommen hat. Diese Einbrenn in siedendes Wasser geben - nicht umgekehrt - und zügig durchrühren, damit sie sich löst. Kurz durchkochen lassen, bis die Suppe bindet. Die Trockenfrucht kommt mit ins Kochwasser, damit sie aufquillt. Über geröstetem Brot anrichten. Mengen und Kochzeit nennt die Vorlage nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#std-268-orig" n="eingebꝛañte ſuppen" resp="#fyndling">Eine eingebrannte Suppe wird mit in Fett angeröstetem Mehl gebunden und anschließend mit Wasser aufgekocht.</note>
        <note type="gloss" target="#std-268-orig" n="Zweßben" resp="#fyndling">Zweßben bezeichnet vermutlich Zwetschgen, also Pflaumen: die Zweßbensuppe wäre demnach eine Zwetschgensuppe. Die Lautform steht der Wortfamilie „zwespe“/„zweschge“ nahe, die in zeitgenössischen Wörterbüchern für Zwetschgen belegt ist und im gleichzeitigen Augsburger Kochbuch der Sabina Welserin für Pflaumen verwendet wird. Für exakt diese Schreibung fehlt allerdings ein direkter Wörterbucheintrag.</note>
        <note type="gloss" target="#std-268-orig" n="Zitweben" resp="#fyndling">‚Zitweben‘ steht für Zibeben, die größere und süßere Handelssorte getrockneter Weintrauben - nicht für Zitwer, die Zitwerwurzel. Dafür sprechen drei Dinge: der Plural auf -eben, den nur Zibebe bildet (Zitwer ergäbe Zitwern); das Fehlen eines Ansatzes ‚zitwebe‘ in allen befragten Wörterbüchern gegenüber der durchgängigen Bezeugung von Zibebe; und die Listenlogik, in der Weinbeeren, Zwetschgen und Zitweben drei Fruchtvarianten derselben Suppe sind, in die ein Gewürzrhizom nicht passt. Dass Weinbeeren schon genannt sind, ist kein Einwand: Zibeben sind die große Sorte, Weinbeeren die gewöhnliche.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#zitweben"/></note>
        <note type="gloss" target="#std-268-orig" n="cclvüy" resp="#fyndling">Die gedruckte Rezeptziffer steht im Transkript als „cclvüy" und ist beschädigt - Kraken liest in römischen Ziffern regelmäßig x als v. In Glonings Zahlenfolge des Suppenkapitels entspricht die Stelle cclxiiij, also 264. Unsere Rezept-IDs laufen in diesem Kapitel auf einem anderen Versatz als die Druckzählung (bei std-258 zwei, bei std-272 vier Nummern Unterschied), weil unsere Segmentierung an einer Stelle anders schneidet als der Druck. Die gedruckte Nummer widerspricht der ID also nicht, sie zählt nur anders.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-268-orig" n="Zitweben" resp="#fyndling">Zibeben, also die große, süßere Sorte getrockneter Weintrauben - im Korpus mehrfach so gebraucht (alb-006, mon-023, saw-006/007). Die Zitwebensuppe ist damit die dritte Frucht-Variante der Aufzählung, nach Weinbeeren und Zwetschgen.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#zitweben"/></note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-268-orig" n="ſiedent / ſpridels" resp="#fyndling">Als „siedend“ und „verrühre“ gelesen: das angeröstete Mehl in siedendes Wasser geben und mit einem Löffel kräftig verrühren.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-269-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gesäuerte Brühe/Suppe, die am Ende entweder mit Rahm verfeinert oder mit angeröstetem Mehl sämig gebunden wird. Das ist dieselbe Grundtechnik, die bis heute unter dem Namen „Saure Suppe“ in Franken, Bayern und Schwaben fortlebt - dort meist zu Innereien oder als einfache Resteverwertungsbrühe, ebenfalls mit Sahne oder einer hellen Mehlschwitze gebunden. Keine 1:1-Fortsetzung, aber eine über Jahrhunderte stabile Zubereitungslogik.

Wo wird das Mehl geröstet? Der Wortlaut „bꝛenn ain mel darein“ nennt kein Fett - „darein“ bezieht sich grammatisch auf die Suppe selbst. Das unmittelbar vorangehende Rezept im selben Suppenkapitel des Buchs beschreibt für eine „eingebrannte Suppe“ jedoch ausdrücklich, dass Mehl zuerst in Schmalz geröstet und erst danach in die siedende Flüssigkeit gerührt wird, und dieselbe Reihenfolge zeigen zwei bereits reviewte Rezepte desselben Buchs. Dafür spricht auch die Küchenlogik: Röstaroma entsteht durch trockene Hitze oder Fett, nicht durch eine bereits kochende, wässrige Flüssigkeit. Ob an dieser einen Stelle ausnahmsweise dennoch ohne Fett angeröstet wurde, lässt sich aus dem Text allein nicht entscheiden.

Praxis. Mehl zuerst kurz in etwas Butter oder Schmalz hell anrösten (eine kleine Einbrenne), dann in die siedende saure Suppe einrühren, bis sie bindet - oder, als zweite gleichwertige Variante des Texts, stattdessen Rahm einrühren. Beides ist in etwa 20 Minuten in einem Topf am Feuer fertig.</note>
        <note type="gloss" target="#std-269-orig" n="Seier" resp="#fyndling">Die Überschrift ist als „saure Suppe“ zu verstehen; die Schwestertranskription bestätigt diese Lesart im folgenden Satz.</note>
        <note type="gloss" target="#std-269-orig" n="bꝛenn" resp="#fyndling">Mehl „brennen“ bezeichnet das Anrösten von Mehl zur Bindung der Suppe. Ob das Mehl zuerst in Fett angeröstet oder direkt in der heißen Suppe gebrannt wird, lässt der Wortlaut offen - siehe die Praxis-Empfehlung und die zugehörige interpretive_choice.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-269-orig" n="bꝛenn ain mel darein" resp="#fyndling">Praxisempfehlung: das Mehl zuerst kurz in Fett oder Schmalz hell anrösten (kleine Einbrenne) und danach in die siedende Suppe einrühren, so wie es das unmittelbar vorangehende Rezept desselben Suppenkapitels für eine „eingebrannte Suppe“ sowie zwei bereits reviewte Rezepte desselben Buchs ausdrücklich beschreiben.<ptr type="glossary" target="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mel"/></note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-270-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine klare Hechtbrühe, gewürzt mit Ingwer, Zimtstangen und wahlweise Pfeffer, heiß über geröstete Weißbrotscheiben gegossen, die Hechtstücke obenauf. Das Prinzip - heiße, gewürzte Brühe kurz vor dem Servieren über geröstetes Brot gießen - ist die Grundform des ganzen achten Buchs. Die Würzung dagegen ist heute fremd: Zimt und Ingwer an einer Fischbrühe haben in der süddeutschen Küche keine Fortsetzung gefunden. Wo dieses Geschmacksbild überlebt hat, dann östlich davon - der schlesisch-polnische Karpfen in Lebkuchensauce verbindet bis heute Fischsud mit Zimt, Ingwer, Nelken, Mandeln und Rosinen und gehört dort zum Weihnachtsessen.

Erstes Sieden: Gargrad des Fisches. Der Text benennt nur das Ergebnis (‚recht gesotten‘), keine Zeit. Verlässlicher ist das Merkmal: Das Fleisch löst sich leicht vom Knochen und zeigt keine glasigen Stellen mehr, bevor die Brühe abgeseiht wird - je nach Stückgröße real etwa 10 bis 20 Minuten.

Zweites Sieden: die Eier-Zeitmarke. Nach dem Abseihen, Buttern und Würzen kommt der gehäutete Fisch zurück in die Brühe und soll nur noch kurz mitziehen, ‚so lang als zwey ayer‘ brauchen. Da der Fisch bereits gar ist, dient dieses zweite Sieden nur dem Erhitzen und dem Aufnehmen der Würze - ein weiches Ei (knapp 3 bis 4 Minuten) trifft diese Absicht besser als ein hartes.

Die Würzung als Pulver. Der Text verwendet für das Einbringen von Ingwer und Zimtstangen das Verb ‚stüpfen‘ (mit feinem Pulver bestäuben) - dieselbe Verbform, mit der das Korpus sonst gestoßenen Pfeffer beschreibt. Das spricht dafür, Ingwer und Zimt hier bereits gestoßen beziehungsweise gemahlen in die Brühe einzurühren, statt sie als ganze Stücke mitzukochen und wieder herauszunehmen.

Praxis. Hechtstücke in Salzwasser gar sieden, bis sich das Fleisch vom Knochen löst (10-20 Minuten). Brühe abseihen, Butter einrühren, mit gestoßenem Ingwer und gestoßenen Zimtstangen kräftig würzen, nach Belieben etwas gestoßenen Pfeffer dazugeben. Fisch häuten, mit der gewürzten Butterbrühe wieder vereinen und knapp 3 bis 4 Minuten ziehen lassen. Über gebähten Semmelschnitten anrichten, Hechtstücke obenauf verteilen, final abschmecken.</note>
        <note type="gloss" target="#std-270-orig" n="Hoͤchten" resp="#fyndling">Hoͤchten ist die frühneuhochdeutsche Plural- oder Akkusativform von Hecht. Gemeint sind die in Stücke geteilten Fische.</note>
        <note type="gloss" target="#std-270-orig" n="Zimmetroͤꝛn" resp="#fyndling">Zimtröhren bezeichnet die gerollte Handelsform des Zimts, also Zimtstangen.</note>
        <note type="gloss" target="#std-270-orig" n="baͤte" resp="#fyndling">Gebäht bedeutet leicht geröstet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-270-orig" n="so er recht geſotten iſt (erstes Sieden des Hechts)" resp="#fyndling">Die Quelle nennt für das erste Garen des Fisches in Wasser nur das Ergebnis, keine Zeit- oder Minutenangabe.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-270-orig" n="als lang als zwey ayer (zweites Sieden nach Butter- und Gewürzzugabe)" resp="#fyndling">Ein historisches Zeitmaß nach der Kochzeit von Eiern, keine Minutenzahl. Der Fisch ist zu diesem Zeitpunkt bereits durchgegart und soll nur noch erhitzt und aromatisiert werden, daher liegt ein weiches Ei (knapp gegart) als Maß näher.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-271-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine warme, mit Eigelb gebundene saure Suppe: ein eigens angesetzter, über Nacht gesäuerter Weizenkleie-Ansatz (der Staub, siehe das unmittelbar folgende Rezept) wird aufgekocht, abkühlen gelassen und dann unter geschlagenes Eigelb gegossen; abgezogen wird sie wie eine Weinsuppe. Verwandt ist die bis heute in Schwaben und Franken bekannte saure Mehlsuppe aus gesäuertem Getreideansatz, ebenso die Familie der eigelb-gebundenen Weinsuppen, die im selben Kapitel mehrfach vorkommt.

Die Abkühlung vor dem Eingießen ist der entscheidende Schritt. Der aufgekochte Staub muss erst abkühlen, bevor er unter das rohe Eigelb gegossen wird - kommt kochend heiße Flüssigkeit auf das Ei, gerinnt es sofort, statt die Suppe sämig zu binden. Eine Schwesterrezeptur im selben Buch verlangt an vergleichbarer Stelle ausdrücklich dasselbe Abkühlen vor dem Eingießen.

Praxis. Eine genaue Menge des Staub nennt die Vorlage nicht; für drei Eigelb sind etwa 500 bis 750 ml als Richtwert brauchbar, orientiert an der Konsistenz einer leicht gebundenen Weinsuppe. Eigelb mit einer Prise Salz gut verklopfen. Den Staub einmal aufkochen, dann vom Feuer nehmen und handwarm abkühlen lassen. Erst dann unter das Eigelb rühren und bei milder Hitze unter ständigem Rühren binden, bis die Suppe sämig ist - nicht mehr kochen, sonst gerinnt das Ei. Ist der Staub sehr sauer, mit etwas Wasser verdünnen; für Wöchnerinnen einen Löffel Zucker darin auflösen, falls sie zu sauer schmeckt. Statt der Eigelb funktioniert auch Rahm als mildere, leichter verträgliche Bindung.</note>
        <note type="gloss" target="#std-271-orig" n="ſtaub" resp="#fyndling">‚Staub‘ ist hier die bereits vorhandene saure Grundlage der Suppe. Das Rezept nennt an dieser Stelle keine genaue Zusammensetzung oder Menge.</note>
        <note type="gloss" target="#std-271-orig" n="Rindbetteren" resp="#fyndling">Im Druck steht ‚Rindbeteren‘; gemeint sind Kindbetterinnen, also Frauen im Wochenbett. Der Anlaut ist im Satz schwach ausgeprägt und liest sich leicht als R statt K.</note>
        <note type="gloss" target="#std-271-orig" n="cclvvh" resp="#fyndling">Die Rezeptziffer ist im Satz beschädigt; die fortlaufende Zählung des Suppenkapitels ergibt an dieser Stelle 271.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-271-orig" n="Menge des Staub" resp="#fyndling">Die Vorlage nennt für die drei Eigelb keine Menge des vorbereiteten Staub; das Verhältnis liegt im Ermessen des Kochs oder der Köchin.</note>
        <note type="preparation_tip" target="#std-272-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Keine fertige Speise, sondern die Vorstufen-Anleitung zum unmittelbar vorangehenden Rezept: ein aus Weizenkleie angesetzter Sauerteig-ähnlicher Ansatz, der über Nacht wild versäuert und danach als Säure-Basis für die Staubsuppe dient. Verwandt in der Grundidee, wenn auch ohne direkte Traditionslinie, ist die Ansatzführung für andere sauer vergorene Getreidesuppen, etwa das polnische Żurek/Żur-Ferment aus Roggenmehl.

Der Urhab ist das eigentliche Triebmittel. Die Vorlage nennt an dieser Stelle einen Urhab - einen Sauerteig-ähnlichen Anstellgut-Ansatz aus rohem Teig, mit dem die angerührte Kleie zunächst verrieben wird, bevor sie über Nacht steht. Ohne diesen Ansatz würde die Kleie nur durch zufällige Umgebungskeime sauer werden, was deutlich unzuverlässiger wäre; der Urhab liefert von Anfang an eine aktive Säuerungskultur, ähnlich einem Sauerteig-Anstellgut.

Praxis. Wer keinen historischen Urhab zur Hand hat, kann ersatzweise mit einem Löffel aktivem, reifem Sauerteig-Anstellgut (Roggen oder Weizen) arbeiten - das übernimmt dieselbe Funktion. Die Kleie mit wenig Wasser und dem Anstellgut zu einem feuchten, nicht zu trockenen Brei verreiben, abgedeckt bei Raumtemperatur über Nacht stehen lassen. Danach frisches Wasser einrühren und über die folgenden ein bis zwei Tage mehrmals täglich umrühren, bis der Ansatz deutlich säuerlich riecht und schmeckt - eine feste Zeitangabe nennt die Vorlage nicht, hier entscheidet die Geruchs- und Geschmacksprobe. Riecht der Ansatz faulig oder bildet sich Schimmel, ist er verdorben und gehört entsorgt statt weiterverwendet zu werden.</note>
        <note type="gloss" target="#std-272-orig" n="Staub" resp="#fyndling">Staub bezeichnet hier den angesäuerten Kleieansatz, aus dem eine saure Suppe bereitet wird, nicht trockenen Schmutz. Verwandt, aber nicht dasselbe ist die Geislitz, die in anderen Kochbüchern dieser Zeit vorkommt: auch sie ist milchsauer vergorenes Getreide, dort aber aus Hafergrütze und als fertige Speise gedacht, die man warm isst oder kalt stocken lässt. Der Staub dagegen ist Weizenkleie und ausdrücklich nur die Grundlage - ‚auß disem staub macht man die staub suppen‘.</note>
        <note type="gloss" target="#std-272-orig" n="kleiben" resp="#fyndling">Die Form ist als Kleie zu verstehen, also die äußeren Schichten des Weizenkorns.</note>
        <note type="gloss" target="#std-272-orig" n="vrhab / Urhab" resp="#fyndling">Vrhab (Urhab) bezeichnet einen Sauerteig-ähnlichen Anstellgut-Ansatz aus rohem Teig, mit dem die Kleie hier angesäuert wird - das eigentliche Triebmittel dieses Rezepts. Belegt unter anderem im Schwäbisch-Augsburgischen Wörterbuch (Birlinger) als „Urhab von rohem Teig“; dasselbe Wort verwendet das unmittelbar folgende Rezept dieses Buchs ausdrücklich im Vergleich zum Brotbacken.</note>
        <note type="gloss" target="#std-272-orig" n="dümpffel" resp="#fyndling">Dümpffel bezeichnet ursprünglich eine Vertiefung oder ein Wasserloch (vergleiche nhd. „Tümpel“); hier steht es bildlich für den angerührten, breiig-nassen Kleieansatz selbst - nicht für den Säure-Ansatz Urhab, der separat eingerührt wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-272-orig" n="Dauer der zweiten Säuerungsphase (nach dem Auffrischen mit Wasser)" resp="#fyndling">Die Vorlage nennt keine feste Zeitspanne; für die praktische Umsetzung werden weitere ein bis zwei Tage mit mehrmals täglichem Rühren empfohlen, bis der Ansatz per Geruchs- und Geschmacksprobe ausreichend sauer ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#std-272-orig" n="Kriterium für einen verdorbenen statt gelungenen Ansatz" resp="#fyndling">Praktisch empfiehlt sich, den Ansatz abgedeckt bei Raumtemperatur zu führen und ihn bei fauligem statt angenehm-saurem Geruch oder bei Schimmelbildung zu verwerfen statt weiterzuverwenden.</note>
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