<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Gezupftes Geflügel mit Mandeln und Mawmenee</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-06-23">2026-06-23</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/foc-019/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>The Forme of Cury</title>
          <date when="1390">1390</date>
          <idno type="URI">https://www.gutenberg.org/cache/epub/8102/pg8102.txt</idno>
          <note>Transkription: Project Gutenberg (pg8102)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="meo">Mittelenglisch</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="foc-019">
        <head>Gezupftes Geflügel mit Mandeln und Mawmenee</head>
        <div type="original" xml:id="foc-019-orig" xml:lang="meo" corresp="#foc-019-trans">
          <p>DREPEE

Take blanched Almandes grynde hem and temper hem up with gode broth take Oynouns a grete quantite parboyle hem and frye hem and do þerto. take smale bryddes parboyle hem and do þerto Pellydore and salt. and a lytel grece. Drepee. Qu. bryddes. Birds. _Per metathesin; v. R. in Indice_. Pellydore. Perhaps _pellitory_. _Peletour_, 104. Mawmenee . XX. Take a pottel of wyne greke. and ii. pounde of sugur take and clarifye the sugur with a qantite of wyne an drawe it thurgh a straynour in to a pot of erthe take flour of Canell . and medle with sum of the wyne an cast to gydre. take pynes with Dates and frye hem a litell in grece oþer in oyle and cast hem to gydre. take clowes an flour of canel hool and cast þerto. take powdour gyngur. canel. clower, colour it with saundres a lytel yf hit be nede cast salt þerto. and lat it seeþ; warly with a slowe fyre and not to thyk , take brawn of Capouns yteysed . oþer of Fesauntes teysed small and cast þerto. Vide No. 194, where it is called _Mawmenny_. Flour of Canell. Powder of Cinamon. medle. Mix. pynes. A nut, or fruit. Vide Gloss. clowes. Cloves. hool. Whole. How can it be the flour, or powder, if whole? Quære, _flower_ of cand for _mace_. warly. Warily, gently. not to thyk. So as to be too thick; or perhaps, _not to thicken_. brawn. Fleshy part. Few Capons are cut now except about Darking in Surry; they have been excluded by the turkey, a more magnificent, but perhaps not a better fowl. yteysed, or _teysed_, as afterwards. Pulled in pieces by the fingers, called _teezing_ No. 36. This is done now with flesh of turkeys, and thought better than mincing. Vide Junius, voce _Tease_.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="foc-019-trans" xml:lang="de" corresp="#foc-019-orig">
          <p>DREPEE Nimm blanchierte Mandeln, mahle sie und rühre sie mit guter Brühe an. Nimm eine große Menge Zwiebeln, blanchiere sie und brate sie an, dann gib sie dazu. Nimm kleine Vögel, blanchiere sie und gib Pellydore und Salz dazu, sowie ein wenig Fett.</p>
          <p>MAWMENEE Nimm ein Pottel griechischen Wein und zwei Pfund Zucker. Kläre den Zucker mit etwas Wein und seihe ihn durch ein Sieb in einen Tontopf. Nimm Zimtpulver und mische es mit etwas Wein, gib es dann zusammen in den Topf. Nimm Pinienkerne mit Datteln und brate sie ein wenig in Fett oder Öl an, gib sie dann ebenfalls dazu. Nimm ganze Nelken und Zimtstangen und gib sie hinzu. Nimm Ingwerpulver, Zimt und Nelkenpulver. Färbe es bei Bedarf ein wenig mit Sandelholzpulver und gib Salz dazu. Lass es vorsichtig bei kleiner Flamme köcheln und achte darauf, dass es nicht zu dick wird. Nimm gezupftes Fleisch von Kapaunen oder Fasanen, klein gezupft, und gib es dazu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="blanched Almandes">blanchierte Mandeln</ingredient> - 200 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gode broth">gute Brühe</ingredient> - 500 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Oynouns a grete quantite">Zwiebeln</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="smale bryddes">Wachteln oder kleine Hähnchenbrüste</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Pellydore">Bertramwurzelpulver</ingredient> - 1 TL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salt">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="a lytel grece">Schmalz oder Öl</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="a pottel of wyne greke">süßer griechischer Wein</ingredient> - 2.3 l</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ii. pounde of sugur">Zucker</ingredient> - 1 kg</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="flour of Canell">Zimtpulver</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="pynes">Pinienkerne</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Dates">Datteln</ingredient> - 100 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="grece oþer in oyle">Schmalz oder Öl</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="clowes an flour of canel hool">ganze Nelken und 2 Zimtstangen</ingredient> - 1 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="powdour gyngur">Ingwerpulver</ingredient> - 1 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="canel">Zimtpulver</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="clower">Nelkenpulver</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="saundres">Sandelholzpulver</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="brawn of Capouns yteysed . oþer of Fesauntes teysed small">gekochtes, gezupftes Fleisch von Kapaun oder Fasan</ingredient> - 500 g</item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#foc-019-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dieses Rezept vereint zwei luxuriöse Geflügelgerichte: ein reich gewürztes, süß-saures Mawmenee mit gezupftem Geflügel, Pinienkernen und Datteln - im Geiste ein festlicher, komplexer Fleischeintopf oder eine reichhaltige Sauce, verwandt mit einem Ragout - und ein einfacheres Drepee aus kleinen Vögeln mit Mandeln und Zwiebeln.

So gelingt es. Für das Mawmenee ist die Balance der Süße und Säure entscheidend. Starte mit einem guten, nicht zu trockenen süßen Weißwein (z.B. ein Riesling Spätlese oder ein Gewürztraminer). Der Zucker wird mit etwas Wein geklärt - heute reicht oft guter Raffinadezucker. Die Gewürze, besonders Zimt, Nelke und Ingwer, sollten präsent, aber nicht dominant sein. Als Startpunkt: je 1 TL Zimt- und Ingwerpulver, 1/2 TL Nelkenpulver. Die ganzen Gewürze geben Tiefe. Pinienkerne und Datteln nur kurz anbraten, damit sie Aroma entwickeln, aber nicht verbrennen. Das Mawmenee muss vorsichtig bei kleiner Flamme köcheln, damit es nicht ansetzt und nicht zu dick wird. Es soll eine sämige, aber fließende Konsistenz haben, wie eine dickere Sauce. Der häufigste Fehler ist zu starkes Einkochen, was die Süße und Würze überkonzentriert; lieber etwas Wein oder Brühe bereithalten. Das Geflügel (Kapaun oder Fasan, heute auch Huhn oder Pute) muss bereits gar und fein gezupft sein, es wird nur noch in der fertigen Sauce erwärmt. Für das Drepee: kleine Vögel (Wachteln oder Hähnchenbrust) blanchieren, dann mit den blanchierten, gebratenen Zwiebeln und den gemahlenen Mandeln in Brühe garen. Bertramwurzelpulver (Pellydore) gibt eine leicht pfeffrige, erdige Note.

So wird es richtig gut. Das Mawmenee lebt von der Harmonie der Aromen. Probiere die Sauce immer wieder und justiere die Süße mit etwas Honig (historisch passend) oder die Säure mit einem Spritzer Verjus oder hellem Essig, falls der Wein nicht genug Säure mitbringt. Röstaromen der Pinienkerne und Datteln sind wichtig, aber nicht zu dunkel werden lassen. Die Konsistenz sollte samtig sein, nicht schleimig. Sandelholzpulver gibt eine schöne rötliche Farbe und eine subtile, holzige Note, ist aber kein Muss. Serviere das Mawmenee lauwarm, damit sich die komplexen Aromen voll entfalten können, vielleicht mit frischem Brot zum Dippen. Für das Drepee achte auf die Textur der Mandelsauce - sie sollte cremig sein und die Vögel umhüllen. Ein Hauch von Zitronensaft (modern, aber lecker) kann die Zwiebeln im Drepee aufhellen und die Aromen beleben.</note>
        <note type="gloss" target="#foc-019-orig" n="Pellydore" resp="#fyndling">Bertramwurzel (Anacyclus pyrethrum), eine scharf schmeckende Wurzel, die als Gewürz und Heilmittel verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#foc-019-orig" n="pottel" resp="#fyndling">Ein altes englisches Hohlmaß, das etwa 2,3 Liter entspricht.</note>
        <note type="gloss" target="#foc-019-orig" n="wyne greke" resp="#fyndling">Süßer Wein aus Griechenland, oft als Dessertwein oder zum Kochen verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#foc-019-orig" n="flour of Canell" resp="#fyndling">Wörtlich 'Zimtblüte', aber im Kontext der Gewürze meist Zimtpulver gemeint.</note>
        <note type="gloss" target="#foc-019-orig" n="pynes" resp="#fyndling">Pinienkerne.</note>
        <note type="gloss" target="#foc-019-orig" n="clowes" resp="#fyndling">Nelken.</note>
        <note type="gloss" target="#foc-019-orig" n="saundres" resp="#fyndling">Sandelholzpulver, das hauptsächlich zum Färben von Speisen (rot/braun) verwendet wurde.</note>
        <note type="gloss" target="#foc-019-orig" n="warly" resp="#fyndling">Vorsichtig, behutsam.</note>
        <note type="gloss" target="#foc-019-orig" n="brawn" resp="#fyndling">Das fleischige Teil eines Tieres, hier speziell das Fleisch von Geflügel.</note>
        <note type="gloss" target="#foc-019-orig" n="yteysed / teysed" resp="#fyndling">Zupfen, zerfasern; das Fleisch wird in kleine Stücke gezupft.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#foc-019-orig" n="flour of Canell / clowes an flour of canel hool" resp="#fyndling">Für 'flour of Canell' wurde Zimtpulver angenommen, da 'flour' im Kontext von Gewürzen oft Pulver bedeutet. Bei 'clowes an flour of canel hool' wurde 'hool' (ganz) auf die Nelken bezogen ('ganze Nelken') und 'flour of canel' als ganze Zimtstangen interpretiert, um der Anweisung 'hool' gerecht zu werden.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
