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        <title>Zwiebelwein und die Vorführung gegen Gifttiere</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-30">2026-07-30</date>
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          <title>Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27</title>
          <date when="1475">1475</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.k1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (ripuarisch/westmitteldeutsch, Köln) - Datierung umstritten: Menne (1931/1937) 2. Hälfte 15. Jh., Finger et al. (1993) 16. Jh. ohne Begründung; Wasserzeichen/Inhalt liefern laut TEI keine sichere Datierung</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="k1-168">
        <head>Zwiebelwein und die Vorführung gegen Gifttiere</head>
        <div type="original" xml:id="k1-168-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#k1-168-trans">
          <p>Ein zcwebelwin Mach glich als den pomerantien win hie vorrgelert Require supra folio 26 de Salsis Vermische Ine mit gutem su= ren essig Der ist gut vor vil gebrechen das bewere also Nym einen vergiftigen worm als Spinnen Eiteschen oder slangen Auch die worme die von den menschen gehen lebendig Mach einen kreis vf eynen tisch mit rohem knoblouch ader zcwybbeln Setz den worm do mittenn Inn Lois Ine krichen war he wil wann he kompt an den kreis so widder zuckt he Also des glichs mag man eyn kreis machen van Driakels . Merretich . Nesselwurtz oder von gebran= tem win Vnd dar vmb so haben die meister der Ertznye vil vnd mancherley Salsen erdocht vnd ler= nen machenn allein Zu eim zusatz vnd wendung vil vnreiner gebrechen In wendig aller mentschen zarter natuer vnd gelidder Vnd das mehe von nutzs wegen dan wollust</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="k1-168-trans" xml:lang="de" corresp="#k1-168-orig">
          <p>Mache diesen Zwiebelwein genauso, wie zuvor beim Pomeranzenwein beschrieben - sieh dazu oben, Blatt 26, betreffend die Salsen. Vermische den Wein mit gutem, saurem Essig.</p>
          <p>Er soll gut sein gegen viele Gebrechen - das beweise so: Nimm ein giftiges Tier, etwa eine Spinne, eine Eidechse oder eine Schlange. Auch die Würmer, die lebendig aus dem Menschen abgehen.</p>
          <p>Mache auf einem Tisch einen Kreis aus rohem Knoblauch oder Zwiebeln. Setze das Tier mitten hinein und lass es kriechen, wohin es will. Kommt es an den Kreis, zuckt es zurück.</p>
          <p>Ebenso lässt sich ein solcher Kreis aus Theriak, Meerrettich, Nesselwurzel oder aus Branntwein herstellen.</p>
          <p>Deshalb haben die Meister der Arzneikunst viele und mancherlei Heilmittel ersonnen und lehren, sie herzustellen, allein als Zusatz und Mittel gegen die vielen unreinen Gebrechen im Inneren der zarten Natur und der Glieder aller Menschen. Und dies mehr um des Nutzens willen als um der Lust.</p>
        </div>
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          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="zcwebelwin / zcwybbeln">Zwiebeln</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gutem suren essig">Essig, sauer</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="rohem knoblouch">Knoblauch, roh</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Driakels">Theriak</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Merretich">Meerrettich</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="worme die von den menschen gehen lebendig">Würmer, die lebendig aus dem Menschen abgehen</ingredient>
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        <note type="preparation_tip" target="#k1-168-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Kein Speiserezept, sondern ein medizinischer Wein-Essig-Trank („Zwiebelwein“ - eine moderne Umschreibung, kein etablierter Fachbegriff), gefolgt von einer volksmedizinischen Vorführung: Giftige Tiere sollen vor einem Kreis aus Knoblauch, Zwiebeln, Theriak, Meerrettich, Nesselwurz(el) oder Branntwein zurückweichen. Eine lebendige Nachfolge in heutiger Küche oder Braukunst gibt es nicht - die spätere volkstümliche Vorstellung, Knoblauch schütze vor Bösem, lässt sich allenfalls lose damit assoziieren, eine belegte direkte Linie dorthin gibt es nicht.

Woher das Verfahren stammt. Der Verweis „Require supra folio 26 de Salsis“ (siehe oben, Blatt 26, betreffend die Salsen) führt zu Fol. 026r, dem Rezept „Ein pomerantzen Salsze“ - in unserem Bestand als k1-140 identifiziert. Ein fast wortgleicher Text liegt zusätzlich im gedruckten Koch und Kellermeisterei (1574) vor (dort als kkm-103), was klärt, dass mit dem „sauren Wein“ der Pomeranzen-Salse der frisch ausgepresste Saft der Bitterorange gemeint ist, kein fermentiertes Getränk. Auffällig: Die medizinische Schlussreflexion von k1-168 („die Meister der Arzneikunst ... mehr um des Nutzens willen als um der Lust“) hat in kkm-103 keine Entsprechung - ob sie zur gemeinsamen Vorlage von So1/K1 gehörte oder ein k1-spezifischer Zusatz ist, lässt sich mit den vorliegenden Zeugen nicht entscheiden.

Keine Mengenangabe im Text. Weder die Wein- noch die Essig- noch die Zwiebelmenge wird genannt - das Rezept verweist vollständig auf das methodische Vorbild in k1-140, das seinerseits ebenfalls ohne Mengen auskommt. Eine gärtechnische Modellrechnung war deshalb nicht möglich: anders als bei anderen k1-Getränkerezepten liegt hier weder eine quartarium- noch eine Honigseim-Angabe vor, an der sich eine Bandbreite berechnen ließe - es gibt schlicht keine Zahl im Text.

Nesselwurtz - eine offene Frage mit Sicherheitsrelevanz. Die Wortform lässt sich nicht eindeutig auflösen: Grimm stützt die Lesart Nesselwurzel (Wurzel der Brennnessel, harmlos), Lexer führt dieselbe Schreibung dagegen unter dem Lemma für Nieswurz (Helleborus/Veratrum) - eine Pflanze mit hochgiftigen Herzglykosiden bzw. Alkaloiden. Da beide Lesarten durch je ein eigenständiges Wörterbuch gestützt werden und keine CoReMA-Sachglosse zu diesem Wort vorliegt, bleibt die Identität hier bewusst offen.

Historische Einordnung. Der Text stellt seine eigene Wirksamkeitsbehauptung ausdrücklich als zu beweisenden Anspruch dar („das bewere also“), nicht als geprüfte Tatsache - die Vorführung mit lebenden Gifttieren ist die zeitgenössische Form dieses Beweises, keine Methode, die nach heutigem Verständnis etwas belegt. Dieser Auszug wird hier historisch eingeordnet, nicht als Anleitung oder Wirksamkeitsnachweis wiedergegeben; er lädt nicht zum Nachvollziehen ein.</note>
        <note type="gloss" target="#k1-168-orig" n="Driakels" resp="#fyndling">Theriak war ein berühmtes mittelalterliches Universal-Gegengift, zusammengesetzt aus oft dutzenden Zutaten (darunter Viperfleisch, Opium, Kräuter). Es galt als das wichtigste pharmazeutische Präparat gegen Vergiftungen. Theriak</note>
        <note type="gloss" target="#k1-168-orig" n="Salsen" resp="#fyndling">In diesem medizinischen Zusammenhang meint 'Salsen' nicht Speisesaucen, sondern allgemein flüssige Heilmittel oder Arzneimischungen der Meister der Arzneikunst.</note>
        <note type="gloss" target="#k1-168-orig" n="Require supra folio 26 de Salsis" resp="#fyndling">Lateinische Randnotiz, wörtlich: „Siehe oben, Blatt 26, betreffend die Salsen“. Ein interner Verweis des Schreibers auf ein früher im selben Manuskript stehendes Rezept - aufgelöst als k1-140 („Ein pomerantzen Salsze“, Fol. 026r).</note>
        <note type="gloss" target="#k1-168-orig" n="pomerantien win" resp="#fyndling">Pomeranzenwein: das in k1-140 („Ein pomerantzen Salsze“) beschriebene Verfahren, auf das hier zur Methode verwiesen wird. Ein fast wortgleicher Text liegt auch im Druck Koch und Kellermeisterei 1574 vor (kkm-103) - dort ist von frisch ausgepresstem, sauer schmeckendem Bitterorangensaft die Rede, kein fermentierter Wein im engeren Sinn.</note>
        <note type="gloss" target="#k1-168-orig" n="Nesselwurtz" resp="#fyndling">Die Identität ist nicht eindeutig geklärt: möglich sind sowohl die harmlose Nesselwurzel (Brennnessel-Wurzel) als auch die hochgiftige Nieswurz (Helleborus/Veratrum) - siehe die ausgewiesene Lesart-Entscheidung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#k1-168-orig" n="eiteschen" resp="#fyndling">Gelesen als Eidechsen - Kriechtiere, die neben Spinnen und Schlangen zu den im Mittelalter gefürchteten 'giftigen Würmern' gezählt wurden.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#k1-168-orig" n="vorrgelert" resp="#fyndling">Gelesen als 'vor gelehrt', zusammengesetzt aus 'vor' und dem Partizip von 'lêren' (lehren) - Verweis auf das zuvor im Buch beschriebene Rezept.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#k1-168-orig" n="zcwebelwin / zcwybbeln" resp="#fyndling">Gelesen als Zwiebelwein bzw. Zwiebeln - das Kompositum 'zcwebelwin' aus 'zcwebel' (Zwiebel) und 'win' (Wein), gestützt durch die CoreMA-GAMS-Sachglosse, die 'zcwybbeln' im selben Text eindeutig als 'onion' (Wikidata Q3406628) ausweist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#k1-168-orig" n="Nesselwurtz" resp="#fyndling">Als Nesselwurzel (Wurzel der Brennnessel, Urtica dioica) übersetzt - eine harmlose, in der Volksmedizin gebräuchliche Pflanze.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#k1-168-orig" n="Zwiebelwein-/Vorführungs-Passage - Verbreitung in der Drucktradition" resp="#fyndling">Die Passage steht, soweit die vorliegenden Transkripte reichen, nur in K1. Der lateinische Verweis führt eindeutig zu k1-140 (Fol. 026r, 'Ein pomerantzen Salsze'), dessen Text sich fast wortgleich auch im Druck Koch und Kellermeisterei 1574 (kkm-103) findet.</note>
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