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        <title>Wermutwein der Ungarn (Gesundheitshinweis)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-30">2026-07-30</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/k1-170/</idno>
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          <title>Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27</title>
          <date when="1475">1475</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.k1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="la">Frühneuhochdeutsch (ripuarisch/westmitteldeutsch, Köln) - Datierung umstritten: Menne (1931/1937) 2. Hälfte 15. Jh., Finger et al. (1993) 16. Jh. ohne Begründung; Wasserzeichen/Inhalt liefern laut TEI keine sichere Datierung</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="k1-170">
        <head>Wermutwein der Ungarn (Gesundheitshinweis)</head>
        <div type="original" xml:id="k1-170-orig" xml:lang="la" corresp="#k1-170-trans">
          <p>Item Vsus vini absintici aput Vngaros frequens est vbi propter multitudinem aquarum aer crebris Inficitur nebulum Et sanantur multi eorum ex frequenti vsu huius vini etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="k1-170-trans" xml:lang="de" corresp="#k1-170-orig">
          <p>Der Gebrauch von Wermutwein ist bei den Ungarn verbreitet, dort wo die Luft wegen der Menge der Gewässer häufig von Nebel verunreinigt wird. Viele von ihnen werden durch den häufigen Genuss dieses Weins gesund, und so weiter.</p>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="vini absintici">Wermutwein</ingredient>
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        <note type="preparation_tip" target="#k1-170-trans" resp="#fyndling">Was ist das?

Kein Kochrezept, sondern ein kurzer lateinischer Merksatz zur Gesundheit: warum die Ungarn häufig Wermutwein trinken. Wermutwein ist Wein, der mit dem bitteren Kraut Wermut (Artemisia absinthium) angesetzt wurde - der historische Vorläufer des heutigen Vermouth (ein moderner Produktname, im Text selbst nicht belegt). Grundlage ist ausdrücklich Wein.

Warum ausgerechnet die Ungarn?

Der Text nennt den Grund selbst: In wasserreichen Gegenden sei die Luft häufig von Nebel verunreinigt. Die Grammatik ist an dieser Stelle in der Handschrift selbst gestört - "crebris" und "nebulum" passen im Kasus nicht zueinander -, das gehört benannt und wurde nicht stillschweigend geglättet. Dahinter steht die mittelalterliche Miasma-Vorstellung: schlechte, nebelige Luft in sumpfigen Landschaften galt als Krankheitsursache. Der Solothurner Küchenmeisterei-Zwilling so1-135 bestätigt diese Lesart wörtlich ("vngern", "fil nebel") und schließt eine alternative Deutung von "nebulum" als "Trug/Täuschung" aus.

Heilung oder tägliche Kräftigung?

Die Handschrift schreibt dem Wein zu, dass viele Menschen durch dessen häufigen Genuss gesund würden. Offen bleibt, ob das als Kur einer bestehenden Krankheit gemeint ist oder als tägliche Kräftigung einer ohnehin robusten Bevölkerung. Der deutschsprachige Zwilling so1-135 formuliert es eher als Zustandsbeschreibung ("die Leute sind kräftig und gesund"), was für die zweite Lesart spricht - entschieden ist das nicht.

Historische Einordnung.

Das ist eine historische Glaubensaussage der Quelle, kein Wirksamkeitsnachweis. Wermut enthält Thujon; in einem gewöhnlichen Wein-Ansatz ist das unbedenklich, bei dauerhaft hoher Dosierung gilt es als neurotoxisch belastet - der Text selbst nennt aber keine Menge, sondern nur häufigen Gebrauch als Praxis. Aus diesem Eintrag folgt keine Trink- oder Dosierungsempfehlung.</note>
        <note type="gloss" target="#k1-170-orig" n="Item" resp="#fyndling">Formelhafter Trenner ("Ebenso"), markiert im ganzen Buch nur den Beginn eines neuen Eintrags - kein inhaltlicher Rezepttitel wie beim vorangehenden Eintrag ("wermud win"). Trägt keinen eigenen Aussagewert.</note>
        <note type="gloss" target="#k1-170-orig" n="absintici" resp="#fyndling">Vom lateinischen 'absinthium' abgeleitetes Adjektiv, bezieht sich auf Wermut (Artemisia absinthium), ein sehr bitteres Kraut. Wermutwein ist der historische Vorläufer des heutigen Vermouth.</note>
        <note type="gloss" target="#k1-170-orig" n="Vngaros" resp="#fyndling">Die Ungarn - lateinisches Ethnonym (Hungari/Ungari) mit V für H, wie im Mittellatein üblich. Durch den deutschsprachigen Zwilling so1-135 ("vngern") zweifelsfrei bestätigt.</note>
        <note type="gloss" target="#k1-170-orig" n="nebulum" resp="#fyndling">Ein einzelnes lateinisches Nomen: Nebel, Dunst. Die frühere Übersetzung hatte daraus fälschlich zwei Übel gemacht ("Nebel und schädliche Dünste") - das ist eine Hinzufügung ohne Textgrundlage und wurde korrigiert. Der Zwilling so1-135 ("fil nebel") bestätigt die wörtliche Nebel-Lesart und schließt die Mittellatein-Alternative 'Trug' aus.</note>
        <note type="gloss" target="#k1-170-orig" n="aer crebris Inficitur nebulum" resp="#fyndling">Grammatisch gestörte Stelle: 'crebris' steht im Ablativ/Dativ Plural, das dazugehörige Nomen 'nebulum' aber im Singular - der Kasus passt nicht zueinander. Diese Störung steht so in der Handschrift und wurde nicht geglättet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#k1-170-orig" n="absintici" resp="#fyndling">Als Adjektiv zu 'vinum' gelesen: 'Wermutwein' - bestätigt durch die CoReMA-Sachglosse, die 'absintici' direkt mit Wermut (Wikidata Q25686) verknüpft.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#k1-170-orig" n="Inficitur nebulum" resp="#fyndling">'wird von Nebel/Dunst verseucht' - die Luft wird durch häufigen Nebel beeinträchtigt, im Sinn der mittelalterlichen Vorstellung von schädlichen Dünsten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#k1-170-orig" n="Vngaros" resp="#fyndling">'die Ungarn' - lateinisches Ethnonym (Hungari/Ungari) in latinisierter Schreibweise mit V für H, wie im Mittellatein üblich. Durch den Zwilling so1-135 ('vngern') zweifelsfrei bestätigt, keine Restunsicherheit.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#k1-170-orig" n="aer crebris Inficitur nebulum (Kasus-Bruch)" resp="#fyndling">Die Handschrift weist hier eine grammatische Störung auf: 'crebris' (Ablativ/Dativ Plural) passt im Kasus nicht zu 'nebulum' (Singular). Klassisch erwartet wäre etwa 'crebris nebulis inficitur'. Die Übersetzung glättet diese Störung sinngemäß, benennt sie aber hier ausdrücklich statt sie zu verschweigen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#k1-170-orig" n="sanantur multi eorum (Heilung vs. Tonikum)" resp="#fyndling">'viele von ihnen werden gesund' - liest sich als Heilungsereignis (waren krank, wurden durch den Wein gesund).</note>
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