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        <title>Nesseltinktur gegen Würmer und Wundfäule</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <title>Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27</title>
          <date when="1475">1475</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.k1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (ripuarisch/westmitteldeutsch, Köln) - Datierung umstritten: Menne (1931/1937) 2. Hälfte 15. Jh., Finger et al. (1993) 16. Jh. ohne Begründung; Wasserzeichen/Inhalt liefern laut TEI keine sichere Datierung</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="k1-171">
        <head>Nesseltinktur gegen Würmer und Wundfäule</head>
        <div type="original" xml:id="k1-171-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#k1-171-trans">
          <p>Item Nesseln mit gutem win gestossen ader mit einem Sueren essig turchgetribben vnd In eym glase reyn hin gehalten Ist gut vor die wurme Im buche vnd wiltu gebranten win dar vnder thun Wastu do mit bestrichst dar weret den wurmen vnd dem fulen fleische Vnd ob ein vehe were das fuel fleisch hette In eim gebrechen Thu en wenig alun hie zu Isz etzt sich vsz</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="k1-171-trans" xml:lang="de" corresp="#k1-171-orig">
          <p>Nesseln mit gutem Wein zerstoßen oder mit saurem Essig durchpressen und in einem reinen Glas aufbewahren. Das hilft gegen die Würmer im Bauch.</p>
          <p>Willst du gebrannten Wein daruntermischen: Was du damit bestreichst, das wehrt die Würmer und das faule Fleisch ab.</p>
          <p>Hat ein Stück Vieh ein Gebrechen mit faulem Fleisch, gib ein wenig Alaun dazu. Das ätzt sich aus.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Nesseln">Brennnessel</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gutem win">Wein</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Sueren essig">saurer Essig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gebranten win">Branntwein (optional)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="alun">Alaun (optional, für Vieh-Wunden)</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#k1-171-trans" resp="#fyndling">Was ist das? Kein Speiserezept und keine Salse, sondern ein zweiteiliges Hausmittel: eine Zubereitung aus Brennnesseln, die in Wein oder Essig zerstoßen und ausgezogen wird und gegen Darmwürmer helfen soll, wahlweise mit Branntwein versetzt und dann äußerlich gegen Würmer und faules Wundfleisch aufgetragen - dazu, als eigener zweiter Teil, Alaun als Ätzmittel gegen faules Fleisch bei Viehwunden. "Tinktur" im Titel ist eine moderne Klassifikationsvokabel zur Einordnung, im Original nicht belegt.

Zur Übersetzung. Das Original bleibt konsequent in der Du-Anrede ("wiltu", "Wastu", "Thu") - die Übersetzung folgt dem jetzt durchgehend, statt an einer Stelle unbegründet zu "man" zu wechseln. Der Schlusssatz "Isz etzt sich vsz" ist im Original reflexiv-intransitiv, ohne genanntes Objekt ("das ätzt sich aus") - dass gemeint ist, dass sich damit faules Fleisch abträgt, ist naheliegend, aber eine eigene Ergänzung, die der Wortlaut selbst nicht hergibt, und bleibt darum aus der Übersetzung heraus.

Eine offene Lesart. "gebrechen" wird hier zurückhaltend mit "Gebrechen" statt mit "Wunde" übersetzt: Das Wort ist im Sprachgebrauch der Zeit breit belegt für Schaden, Leiden oder Defekt allgemein, nicht spezifisch für eine Wunde. Im Zusammenhang mit "fuel fleisch" (faulem Fleisch) liegt eine Wunde nahe, ist aber eine Verengung, die der Text nicht selbst vornimmt.

Zeugenvergleich. Weder die Solothurner Küchenmeisterei noch Koch und Kellermeisterei überliefern eine Parallelstelle zu diesem Eintrag - plausibel, da Kkm den Kellermeisterei-/Arzneiteil gar nicht führt und So1 an dieser Stelle offenbar eine Lücke hat. Der direkte Folio-Nachbar k1-172 verwendet zwar ebenfalls "Nesselnn win", aber als Schutzmittel gegen Ungeziefer im gelagerten Wein - ein wörtliches Echo im selben Wortfeld, kein inhaltlicher Zwilling, und seine Lesart wird hier nicht importiert.

Historische Einordnung. Die Handschrift schreibt der Nesseln-Zubereitung diese Wirkung gegen Darmwürmer und faules Wundfleisch zu - das ist ein Anspruch der Quelle, keine geprüfte Wirksamkeit. Brennnessel-Auszüge in Wein oder Essig gegen Darmparasiten und Alaun als adstringierendes, leicht ätzendes Mittel in der Wundversorgung finden sich auch in neuzeitlicher Volksmedizin und traditioneller Tiermedizin wieder - das wird hier als Kontinuität benannt, nicht als Bestätigung moderner Wirksamkeit. Dokumentiert wird ein spätmittelalterliches Haus- und Tierarzneimittel, kein Rezept zum Nachmachen: Alaun wirkt in der beschriebenen Anwendung gewebeabtragend, das bestätigt der Text selbst ("Isz etzt sich vsz").</note>
        <note type="gloss" target="#k1-171-orig" n="Nesseln" resp="#fyndling">Brennnessel, hier als Grundstoff einer Wein- oder Essig-Tinktur gegen Darmwürmer.</note>
        <note type="gloss" target="#k1-171-orig" n="turchgetribben" resp="#fyndling">Durchgepresst oder durchgeseiht - die zerstoßenen Nesseln werden mit Essig ausgezogen und die Flüssigkeit abgeseiht. Kein Wörterbuchbeleg für diese Flexionsform, aber der Solothurner Zwilling so1-136 bestätigt denselben Wortlaut ("durch getribenn") an identischer Stelle.</note>
        <note type="gloss" target="#k1-171-orig" n="wurme Im buche" resp="#fyndling">Würmer im Bauch, also Darmparasiten - ein sehr häufiges Leiden, gegen das viele historische Hausmittel überliefert sind.</note>
        <note type="gloss" target="#k1-171-orig" n="fulen fleische" resp="#fyndling">Faules, abgestorbenes Wundgewebe (Nekrose), nicht verdorbenes Speisefleisch.</note>
        <note type="gloss" target="#k1-171-orig" n="gebrechen" resp="#fyndling">Allgemein Schaden, Leiden oder Defekt - nicht spezifisch "Wunde". Im Zusammenhang mit faulem Fleisch bei Vieh liegt eine Wunde nahe, der Wortlaut selbst sagt es aber nicht.</note>
        <note type="gloss" target="#k1-171-orig" n="alun" resp="#fyndling">Alaun, ein adstringierendes und leicht ätzendes Mineralsalz, das in der historischen Wundbehandlung zum Abtragen von totem Gewebe diente.</note>
        <note type="gloss" target="#k1-171-orig" n="vehe" resp="#fyndling">Vieh, hier im Sinn von Nutztier - das Mittel wurde also auch tiermedizinisch eingesetzt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#k1-171-orig" n="turchgetribben" resp="#fyndling">Als 'durchgepresst/durchgeseiht' gelesen - die zerstoßenen Nesseln werden mit dem sauren Essig ausgezogen und die entstehende Flüssigkeit durch ein Tuch gepresst oder geseiht, bevor sie ins Glas kommt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#k1-171-orig" n="gebrechen" resp="#fyndling">Wörtlich als 'Gebrechen' (Schaden/Leiden allgemein) übersetzt, nicht als 'Wunde'.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#k1-171-orig" n="Bezug zu k1-172 (Folio-Nachbar)" resp="#fyndling">Kein Zwilling: k1-172 verwendet ebenfalls 'Nesselnn win', aber als Schutzmittel gegen Ungeziefer im gelagerten Wein, nicht als Arznei gegen Würmer oder faules Fleisch.</note>
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