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        <title>Gefüllter Kalbsdarm vom Rost</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-14">2026-07-14</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/ka1-027/</idno>
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          <title>Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)</title>
          <date when="1450">1450</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.ka1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz (CC BY 4.0)</note>
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      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="ka1-027">
        <head>Gefüllter Kalbsdarm vom Rost</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-027-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-027-trans">
          <p>brauten Nem den arsdarm von dem von dem kalb vnd mach den gar suber vnd hack die lungen vnd speck vnder ain ander vnd fass in den darm vnd bewuertz vnd sud es vnd leg in den rost vnd braut in also etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-027-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-027-orig">
          <p>Nimm den Enddarm vom Kalb und mache ihn ganz sauber. Hacke die Lunge und den Speck untereinander und fülle diese Mischung in den Darm. Würze die Füllung und siede den gefüllten Darm. Lege ihn anschließend auf den Rost und brate ihn so.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="arsdarm von dem kalb">Kalbsenddarm</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="lungen">Kalbslunge</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="speck">Speck</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="bewuertz">Gewürze</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied)">Salz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied for boiling)">Wasser</ingredient>
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      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-027-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Lungenwurst: rohe Kalbslunge und Speck werden gehackt, gemischt, in den gereinigten Enddarm gefüllt, gewürzt und gesotten - erst danach kommt die Wurst zum Bräunen auf den Rost. Damit steht das Rezept in der Tradition der bayerisch-österreichischen Lungenwurst; entfernt verwandt ist auch das Beuschel, das dieselbe Zutatenkombination allerdings als Ragout statt als Wurst verarbeitet.

Zweistufige Garung. Sieden lässt die Füllung im Darm stocken - die Eiweiße der Innereien gerinnen durch die Hitze und fixieren die Form der Wurst -, das anschließende Rösten auf dem Rost sorgt für Farbe und Röstaromen. Dieses Prinzip, erst brühen und dann grillen, entspricht dem bis heute gebräuchlichen Verfahren für Brühwürste, etwa dem Brühen einer Weißwurst vor dem Grillen einer Bratwurst.

Praxis. Der Enddarm muss vor dem Füllen gründlich gereinigt werden - Rückstände verderben sonst den Geschmack der ganzen Wurst. Lunge und Speck werden roh gehackt, gemischt, in den Darm gefüllt und gewürzt, bevor der gefüllte Darm gesotten und danach auf dem Rost gebräunt wird. Enddarm und Lunge sind frische, empfindliche Kalbsinnereien und brauchen eine durchgehende Kühlkette bis zur Verarbeitung am Markttag; Reinigung, Hacken, Füllen und die zweistufige Garung nehmen zudem Zeit in Anspruch.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-027-orig" n="arsdarm" resp="#fyndling">Der 'Arsdarm' (Enddarm) vom Kalb wurde im Mittelalter häufig als natürliche Wursthülle für größere Würste oder gefüllte Innereien verwendet.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-027-orig" n="lungen und speck" resp="#fyndling">Die Verwendung von Lunge und Speck als Füllung ist typisch für mittelalterliche Innereienwürste. Lunge war eine preiswerte und nahrhafte Zutat, Speck lieferte Fett und Geschmack.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-027-orig" n="bewuertz" resp="#fyndling">Mittelalterliche Würzungen für herzhafte Gerichte umfassten oft Salz, Pfeffer, Ingwer und manchmal Nelken oder Muskat.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-027-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein Rost (Grill) war ein gängiges Kochgerät, um Fleisch oder Würste über offenem Feuer oder Glut zu braten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-027-orig" n="brauten" resp="#fyndling">'Braten' als Titel oder einleitende Handlungsanweisung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-027-orig" n="von dem von dem" resp="#fyndling">Die Wiederholung 'von dem von dem' ist ein Schreibfehler und wird als 'von dem' gelesen.</note>
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