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      <titleStmt>
        <title>Gefüllter Rinderdarm mit zweierlei Füllung</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-16">2026-07-16</date>
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          <title>Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)</title>
          <date when="1450">1450</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.ka1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz (CC BY 4.0)</note>
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      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="ka1-058">
        <head>Gefüllter Rinderdarm mit zweierlei Füllung</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-058-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-058-trans">
          <p>Rinder daerm fullen Ainen hinder darm fullen Also hack ain lungen vnd speck vnd bewurtz es denn vnd fuls ouch niem ain hiern ayer vnd brot vnd bewurtz es denn vnd full es ouch machtu ain wenig von hong dar zuo tuon etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-058-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-058-orig">
          <p>Einen hinteren Rinderdarm füllen.</p>
          <p>Hacke dazu eine Lunge und Speck. Würze es dann und fülle es in den Darm.</p>
          <p>Nimm auch ein Hirn, Eier und Brot. Würze es ebenfalls und fülle es auch in den Darm. Du kannst nach Belieben noch ein wenig Honig dazugeben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Rinder daerm">Rinderdarm</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="hong">Honig (optional)</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-058-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Wurst mit zwei wählbaren Füllungen in einem hinteren Rinderdarm - Lunge und Speck einerseits, Hirn, Eier und Brot andererseits, dazu nach Belieben ein wenig Honig. Beide Füllungen haben lebende Nachkommen im deutschsprachigen Raum: Lunge und Speck sind der Vorfahr der bayerisch-österreichischen Lüngerlwurst (Lungwurst), die bis heute beim Metzger erhältlich ist. Hirn, Eier und Brot sind der Vorfahr der niedersächsischen Bregenwurst, die traditionell auf Hirn beruhte - seit den BSE-Vorschriften um 2000 wird Hirn in der kommerziellen Produktion meist ersetzt, der Name blieb aber. Entfernt verwandt ist die schottische Haggis, dort mit Hafergrütze statt Brot und Ei.

Der hintere Darm. Der als Wursthülle genannte „hintere Darm" (Dickdarm bzw. Mastdarm) taucht in derselben Formulierung auch in den Schwester-Rezepten m384-069 und rfk-028 auf - beide stützen die Lesart als weiterer, für gröbere Wurstfüllungen genutzter Darmabschnitt.

Bindung der beiden Füllungen. Speck liefert der eher trockenen, porösen Lunge das nötige Fett und sorgt für Bindung. Bei der zweiten Füllung übernehmen Ei und eingeweichtes oder geriebenes Brot dieselbe Funktion für die weiche Hirnmasse.

Praxis. Lunge und Speck hacken, würzen und in den Darm füllen - dafür braucht es einen Trichter oder ein Wurstfüllhorn, auch wenn das Rezept dieses Werkzeug nicht eigens nennt. Ebenso mit Hirn, Eiern und Brot verfahren, optional mit einem Schuss Honig verfeinert. Danach bricht der Text mit „etc." ab, bevor er zum eigentlichen Garschritt kommt - im Original bleibt offen, ob gesotten, gebraten oder geräuchert wurde. Das verwandte Rezept rfk-028 sieht für eine ähnliche Wurst explizit Sieden und anschließendes Braten vor; ob ka1-058 denselben Weg meint, ist unbelegt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-058-orig" n="hinder darm" resp="#fyndling">Bezeichnet den hinteren Darmabschnitt (Dickdarm bzw. Mastdarm), der aufgrund seines größeren Durchmessers für gröbere Wurstfüllungen geeignet war. Die Schwester-Rezepte m384-069 und rfk-028 verwenden an vergleichbarer Stelle dieselbe Formulierung, was diese Lesart stützt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-058-orig" n="bewurtz es denn" resp="#fyndling">Die genaue Gewürzmischung wird nicht genannt, da dies in mittelalterlichen Küchen oft dem Ermessen des Kochs überlassen wurde. Typische Gewürze für Fleischgerichte waren Salz, Pfeffer, Ingwer, Nelken und Muskat.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-058-orig" n="etc." resp="#fyndling">Das ‚etc.‘ am Ende des Rezepts deutet an, dass weitere Schritte wie das Abbinden der Wurst, das Garen (Kochen, Braten oder Räuchern) oder die Konservierung als bekannt vorausgesetzt wurden.</note>
      </div>
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