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        <title>Süße Salse für Forelle, Lachs und Inlanke</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-16">2026-07-16</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/ka1-067/</idno>
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          <title>Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)</title>
          <date when="1450">1450</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.ka1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz (CC BY 4.0)</note>
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      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="ka1-067">
        <head>Süße Salse für Forelle, Lachs und Inlanke</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-067-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-067-trans">
          <p>Susß Saltz Ain ferchinn ain lachs oder ainen jnlancken mach also jn ain suß saltz mit visch lebra vnd mit geribnem lepzelten oder mit pfeffer brot oder mit gebrentem mel vnd hung als vor ist geschriben vnd duo mangolt kernen vnd baiderlay winber dar jn vnd figa vnd richt daz an vf die fisch kalt oder leg die fisch dar jn</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-067-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-067-orig">
          <p>Bereite eine Forelle, einen Lachs oder einen Inlanke-Fisch für eine süße Salse vor. Gib dazu Fischleber und geriebenen Lebkuchen, oder Pfefferbrot, oder gebranntes Mehl und Honig, wie zuvor beschrieben, in die Salse.</p>
          <p>Füge Mandelkerne, beide Arten von Weinbeeren (frisch und/oder getrocknet) und Feigen hinzu. Richte die Salse kalt über den Fisch an oder lege den Fisch darin ein.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Ain ferchinn">Forelle</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ain lachs">Lachs</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ain jnlancken">Inlanke (Süßwasserfisch)</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="visch lebra">Fischleber</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="geribnem lepzelten">Geriebener Lebkuchen</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pfeffer brot">Pfefferbrot</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gebrentem mel">Gebranntes Mehl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="hung">Honig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="mangolt kernen">Mandelkerne</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="baiderlay winber">Weinbeeren (frisch und/oder getrocknet)</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="figa">Feigen</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-067-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Dies ist eine kalte, sämige Frucht-Nuss-Salse zu Fisch - gebunden über geriebenen Lebkuchen, Pfefferbrot oder geröstetes Mehl mit Honig, angereichert mit Mandeln, Weinbeeren und Feigen. Sie steht in derselben Traditionslinie wie moderne fruchtig-süße Kalt-Saucen zu Fisch (etwa die Cumberland-Sauce-Familie) und lebt in der Bindetechnik mit geriebenem Lebkuchen bis heute fort, etwa in der Sauce des Rheinischen Sauerbratens.

Drei Fischarten, kein Ferkel. Die erste Zutat wurde bisher als „Ferkel“ gelesen. Die nahezu wortgleiche Parallelstelle in der Schwester-Handschrift m384-074 hat an derselben Position jedoch „forchenen“ = Forelle, und der übrige Rezepttext spricht durchgehend nur von „die fisch“. Das Rezept ist damit ein reines Drei-Fisch-Gericht: Forelle, Lachs und ein Inlanke-Fisch (ein nicht mehr sicher identifizierbarer Süßwasserfisch).

Praxis. Für die Fischleber nennt der Text kein eigenes Gar-Verb; die Salse wird kalt angerichtet. Für den heutigen Gebrauch empfiehlt es sich, die Leber vor dem Einrühren kurz anzudünsten oder zu pochieren, statt sie roh zu verarbeiten. Die trockenen Zutaten - Lebkuchen, Pfefferbrot oder geröstetes Mehl, Honig, Mandeln, Weinbeeren, Feigen - werden ohne weiteren Kochvorgang untergerührt. Die fertige Salse kalt über den Fisch geben oder den Fisch darin einlegen.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-067-orig" n="Susß Saltz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saltz">Im mittelalterlichen Kontext bezeichnet ‚Saltz' oft eine würzige Tunke oder Salse, nicht nur Speisesalz. Hier handelt es sich um eine süße Variante.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-067-orig" n="ferchinn" resp="#fyndling">Sehr wahrscheinlich nicht ‚Ferkel', sondern eine dialektale, entrundete Form zu ‚forchen' = Forelle (vgl. ‚forchen'/‚varichen' = Forelle im Korpus, z.B. mon-040/mon-064). Die Schwester-Handschrift m384-074 hat an identischer Stelle im selben Rezept ‚forchenen' = Forelle.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-067-orig" n="jnlancken" resp="#fyndling">Innerhalb des ka1-Korpus nur an dieser Stelle belegt. Basierend auf dem Kontext mit Lachs und der MHDBDB-Definition von ‚inlanke' als Süßwasserfisch wird es hier als eine spezifische Art von Süßwasserfisch interpretiert.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-067-orig" n="lebra" resp="#fyndling">Leber. Hier Fischleber, die der Salse Geschmack und Bindung verleiht.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-067-orig" n="lepzelten" resp="#fyndling">Lebzelten sind eine Art Lebkuchen oder Honigkuchen, oft stark gewürzt. Sie dienten in der mittelalterlichen Küche häufig als Bindemittel und Geschmacksgeber in Saucen.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-067-orig" n="pfeffer brot" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#pfeffer">Ein gewürztes Brot, das hier als Alternative zu Lebkuchen oder gebranntem Mehl zur Bindung der Salse dient. ‚Pfeffer' konnte im Mittelalter allgemein für Gewürze stehen.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-067-orig" n="gebrentem mel" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#mel">Geröstetes Mehl, das als Bindemittel verwendet wird. Durch das Rösten erhält es einen nussigen Geschmack und eine dunklere Farbe.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-067-orig" n="mangolt kernen" resp="#fyndling">Basierend auf der Parallelüberlieferung (m384-074: ‚mandelkeren') wird dies als Mandelkerne interpretiert. Mangoldkerne (Samen der Mangoldpflanze) sind in der mittelalterlichen Küche als Zutat für Saucen unüblich.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-067-orig" n="baiderlay winber" resp="#fyndling">Wörtlich ‚beiderlei Weinbeeren', was sowohl frische Trauben als auch getrocknete Rosinen umfassen kann.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-067-orig" n="Susß Saltz" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saltz">Als ‚Süße Salse' oder ‚süße Tunke' übersetzt, da ‚Saltz' im mittelalterlichen Kochbuchkontext oft eine Sauce oder ein Condiment bezeichnet, nicht nur Speisesalz.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-067-orig" n="ferchinn" resp="#fyndling">Als ‚Forelle' (dialektal ‚Förchlein/Ferchlein') übersetzt. Die Schwester-Handschrift m384-074 hat an identischer Position im selben Rezept ‚forchenen' = Forelle; ‚forchen' ist im Korpus (u.a. mon-040, mon-064) bereits als bairisch-schwäbische Bezeichnung für Forelle belegt. Die Form ‚ferchinn' erklärt sich durch i-Umlaut und alemannische Entrundung (forch- + Diminutiv -in &gt; förchin &gt; ferchin). Der übrige Rezepttext spricht durchgehend nur von ‚die fisch', nie von einem Ferkel.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-067-orig" n="jnlancken" resp="#fyndling">Als ‚Inlanke (Süßwasserfisch)' übersetzt. Der Begriff ist innerhalb des ka1-Korpus nur an dieser Stelle belegt, aber die MHDBDB verzeichnet ‚inlanke' als Süßwasserfisch, was im Kontext mit ‚Lachs' (ebenfalls ein Fisch) plausibel ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-067-orig" n="mangolt kernen" resp="#fyndling">Als ‚Mandelkerne' übersetzt. Die Parallelüberlieferung m384-074 verwendet eindeutig ‚mandelkeren'. ‚Mangolt' als Personenname oder ‚Mangold' als Pflanze sind in diesem Kontext als Kernzutat für eine Salse unwahrscheinlich.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-067-orig" n="visch lebra (Garzustand)" resp="#fyndling">Praxis-Empfehlung: Die Fischleber vor dem Einrühren kurz andünsten oder pochieren - aus Gründen der Lebensmittelsicherheit, insbesondere unter Marktbedingungen ohne durchgehende Kühlkette.</note>
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