<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Gesülzter Fisch</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-07-16">2026-07-16</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/ka1-068/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)</title>
          <date when="1450">1450</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.ka1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz (CC BY 4.0)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="ka1-068">
        <head>Gesülzter Fisch</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-068-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-068-trans">
          <p>Sultz Sultz fisch mach also nim win essich vnd wasser jedlich glich fil vnd sud die fisch dar jn vnd leg sy jn ain kaltes wasser vnd wasch die fisch vnd schueppellan damit ab den vischen vnd zuch die suppun durch vnd also legg den fisch dar jn vnd saltz es gar linsa etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-068-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-068-orig">
          <p>Bereite gesülzten Fisch wie folgt zu:</p>
          <p>Nimm Wein, Essig und Wasser, jeweils zu gleichen Teilen. Koche den Fisch darin. Lege ihn dann in kaltes Wasser, wasche den Fisch und entferne dabei die Schuppen. Seihe die Brühe durch und lege den Fisch dann wieder in die durchgeseihte Brühe. Salze ihn sehr sparsam.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="fisch">Fisch</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="win">Wein</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essich">Essig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="saltz">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-068-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Fisch, der in einem Wein-Essig-Wasser-Sud gegart, dann kalt abgewaschen und entschuppt wird, ehe er in den geklärten, sparsam gesalzenen Sud zurückgelegt wird - Fisch und Brühe binden beim Erkalten zu einer festen Gallerte. Das ist der direkte Vorläufer der bis heute bekannten Fischsülze (Fisch in Aspik), wie sie etwa als Karpfen in Gelee zubereitet wird.

Warum wird erst nach dem Kochen entschuppt? In der modernen Küche wird meist roh entschuppt, hier geschieht es umgekehrt. Das ist kein Fehler: Hitze löst die Haftung der Schuppen, sodass sie sich nach dem Sieden leicht abwischen lassen. Dass dies ein bewusstes Verfahren und keine Eigenheit dieser einen Abschrift ist, bestätigt die fast wortgleiche Parallele in der Schwesterhandschrift m384-075, die dieselbe Reihenfolge zeigt.

Womit geliert die Sülze? Das Rezept nennt kein zugesetztes Geliermittel. Vermutlich trägt das natürliche Kollagen aus Haut und Gräten des Fisches die Gelierung - das ist eine plausible Vermutung, aber im Text selbst nicht belegt.

Praxis. Wein, Essig und Wasser zu gleichen Teilen aufkochen und den Fisch darin sieden. Danach in kaltem Wasser abschrecken, abwaschen und die Schuppen entfernen. Den Sud durch ein Tuch seihen, den Fisch wieder hineinlegen und sehr sparsam salzen, dann kalt stellen zum Gelieren. Karpfen oder Aal eignen sich wegen ihres natürlichen Kollagengehalts am besten.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-068-orig" n="Sultz" resp="#fyndling">Die ‚Sülze‘ (Aspik) war eine beliebte Zubereitungsart, bei der Fleisch oder Fisch in einer gewürzten, gelierten Brühe serviert wurde. Die Gelierung erfolgte oft durch das natürliche Kollagen der Zutaten (z.B. aus Fischgräten oder Schweinefüßen) oder durch die Zugabe von Fischblase. Im CoReMA-Glossenkorpus ist ‚Sultz‘ korpusweit mit dem Wikidata-Eintrag für Aspik verknüpft.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-068-orig" n="jedlich glich fil" resp="#fyndling">Bedeutet ‚jeweils zu gleichen Teilen‘. Die genaue Menge der Flüssigkeiten ist dem Koch überlassen, aber das Verhältnis soll gleich sein.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-068-orig" n="schueppellan" resp="#fyndling">Bezeichnet vermutlich die Schuppen des Fisches, die vor dem Servieren entfernt werden sollen (vergleiche nhd. ‚Schuppe‘). Die genaue historische Schreibform ‚schueppellan‘ ist in den verfügbaren Wörterbüchern nicht belegt - ein Hapax dieser Handschrift.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-068-orig" n="suppun" resp="#fyndling">Die Brühe oder der Sud, in dem der Fisch gekocht wurde. Sie wird durchgeseiht, um Trübstoffe und eventuelle Fischreste zu entfernen und eine klare Sülze zu erhalten.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-068-orig" n="linsa" resp="#fyndling">Wir haben 'linsa' als 'sparsam' oder 'wenig' übersetzt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-068-orig" n="Sultz Sultz fisch" resp="#fyndling">Die doppelte Nennung 'Sultz Sultz fisch' lesen wir als gewöhnliche Wiederholung von Rubrik-Überschrift und Satzanfang (Kapitelüberschrift 'Sultz', danach das Incipit 'Sultz fisch mach also...'), nicht als bewusste rhetorische Betonung.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
