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        <title>Heidnischer Kuchen im Wein-Honig-Sud</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-07-16">2026-07-16</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/ka1-074/</idno>
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          <title>Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)</title>
          <date when="1450">1450</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.ka1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz (CC BY 4.0)</note>
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      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="ka1-074">
        <head>Heidnischer Kuchen im Wein-Honig-Sud</head>
        <div type="original" xml:id="ka1-074-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka1-074-trans">
          <p>Baches Zuo ainem haideschen kuochen mach ain taig mit ytal ayger so du aller hertest mugest vnd faerb daz vnd willin wol vnd mach gar dunni plaetly dar vß vnd bach daz im schmaltz vnd nim guoten win vnd halb als vil hong vnd erwell daz vnder enander vnd zuch denn daz gebachen dar durch So du es an wellist richten etc.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka1-074-trans" xml:lang="de" corresp="#ka1-074-orig">
          <p>Zu einem heidnischen Kuchen: Mache einen Teig mit ausschließlich Eiern, so fest du ihn nur machen kannst. Färbe den Teig und rolle ihn gut aus. Forme daraus sehr dünne Blättchen und frittiere diese in Schmalz. Nimm guten Wein und halb so viel Honig und koche beides miteinander auf. Ziehe dann das frittierte Gebäck durch den Sud, wenn du es anrichten möchtest.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ytal ayger">Eier</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="schmaltz">Schmalz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="guoten win">Wein (trocken)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="hong">Honig</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#ka1-074-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein hauchdünn ausgerollter, ausschließlich mit Eiern angesetzter Teig wird in Schmalz frittiert und anschließend durch einen aufgekochten Wein-Honig-Sud gezogen. Das Rezept gehört zu einer im Korpus mehrfach belegten Gerichtsfamilie des „heidnischen Kuchens“ (u. a. bgs-005a, bgs-063, mha-085, mon-025, mon-143, rfk-042) - lebende Verwandte finden sich in der europäischen Familie der in Honig- oder Zuckersirup getränkten Schmalzgebäcke, etwa den arabischen zalabia/luqaimat oder dem italienischen cenci. Im deutschen Alltag am ehesten vergleichbar mit in Sirup getränkten Krapfen- oder Küchle-Varianten.

Der Teig „mit ytal ayger“ - ausschließlich Eiern, ohne Mehl, Wasser oder Milch - ist textlich eindeutig belegt und durch die fast wortgleiche Parallelhandschrift rfk-042 unabhängig bestätigt, küchenpraktisch aber eine Herausforderung: reines, verquirltes Ei bindet ohne Stärke nicht zu einem wirklich „festen“ Teig, wie es der Text verlangt („so du aller hertest mugest“). Es bleibt eine klebrige, empfindliche Masse, die sich nur mit Geduld und reichlich Fett beim Ausrollen und Frittieren verarbeiten lässt. Der Text selbst löst diese Spannung nicht auf - keine Ruhezeit, kein zusätzliches Bindemittel wird erwähnt.

Praxis. Die Eier gut verschlagen und zu einem möglichst festen Teig verarbeiten - ruhig kurz ziehen lassen, das erleichtert das Ausrollen. Hauchdünn auswellen und in kleine Blättchen teilen, dann portionsweise in heißem Schmalz frittieren, bis sie goldbraun und knusprig sind - beim Umgang mit heißem Fett am offenen Feuer besondere Vorsicht walten lassen. Wein und halb so viel Honig gemeinsam einmal aufkochen, bis sich der Honig löst, dann die frittierten Blättchen kurz vor dem Anrichten durch den warmen Sud ziehen.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-074-orig" n="haideschen kuochen" resp="#fyndling">„Heidnischer Kuchen“ - eine im Korpus wiederkehrende Bezeichnung (u. a. bgs-005a, bgs-063, mha-085, mon-025, mon-143, rfk-042) für ein als exotisch bzw. fremdländisch geltendes Gebäck, keine Aussage über christliche Fastenregeln.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-074-orig" n="ytal ayger" resp="#fyndling">‚Ausschließlich Eier‘ - der Teig wird nur mit Eiern als Flüssigkeit zubereitet, ohne Zugabe von Wasser oder Milch.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-074-orig" n="faerb daz" resp="#fyndling">„Färbe den Teig“ - die genaue Farbe wird nicht genannt. Im selben Manuskript nutzt ka1-061 „faerb“ eindeutig für Färben (ein Teil gefärbt, anderer weiß gelassen). Die eng verwandte Rezeptvariante ri15632-013 nennt an vergleichbarer Stelle „gilb in“ (gelb färben) - die Farbe war daher vermutlich Gelb, möglicherweise vom Eigelb selbst, nicht zwingend von einem zusätzlichen Farbstoff wie Safran.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-074-orig" n="plaetly" resp="#fyndling">‚Blättchen‘ - bezeichnet dünne, kleine Teigstücke, die aus dem ausgerollten Teig geformt werden.</note>
        <note type="gloss" target="#ka1-074-orig" n="bach daz im schmaltz" resp="#fyndling">‚Backe das in Schmalz‘ - hier ist ‚backen‘ im Sinne von ‚frittieren‘ oder ‚ausbacken‘ in heißem Fett zu verstehen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-074-orig" n="Baches" resp="#fyndling">‚Gebäck‘ - als allgemeiner Begriff für die Art der Speise, die im Rezept beschrieben wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-074-orig" n="ytal ayger" resp="#fyndling">‚ausschließlich Eier‘ - der Teig wird nur mit Eiern als Flüssigkeit zubereitet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka1-074-orig" n="plaetly" resp="#fyndling">‚Blättchen‘ - dünne, kleine Teigstücke.</note>
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