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        <title>Gehörnter Kalbsschädel als Schaustück</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-23">2026-07-23</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/ka2-016/</idno>
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          <title>Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793</title>
          <date when="1445">1445</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.ka2/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, unteres Inntal/Mühldorf am Inn, ca. 1445-1470)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="ka2-016">
        <head>Gehörnter Kalbsschädel als Schaustück</head>
        <div type="original" xml:id="ka2-016-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka2-016-trans">
          <p>Von einem andern gehurnn Nim einen chalber schedel vnd press das also gantz vnd secz das gehurn darauf vnd tue einen zwek oder nagel darein vnd tue In auf ein schussel vnd gesoten wiltprat darumb vnd richcz an</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka2-016-trans" xml:lang="de" corresp="#ka2-016-orig">
          <p>Nimm einen Kalbsschädel und halte ihn dabei ganz, presse ihn also so zusammen, dass er als Stück erhalten bleibt.</p>
          <p>Setze das Gehörn oben darauf und stecke einen Dübel oder Nagel hindurch, damit es fest sitzt.</p>
          <p>Setze das Ganze auf eine Schüssel, lege gesottenes Wildbret ringsum und richte es an.</p>
        </div>
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            <item><ingredient en="" commodity="" orig="chalber schedel">Kalbsschädel</ingredient> - 1</item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gehurn">Gehörn</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="zwek oder nagel">Dübel oder Nagel</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gesoten wiltprat">gesottenes Wildbret</ingredient>
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        <note type="preparation_tip" target="#ka2-016-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Essen im eigentlichen Sinn, sondern ein Tafel-Schauobjekt: Ein gesäuberter Kalbsschädel wird mit fremdem Gehörn bestückt, mit einem Dübel oder Nagel fixiert und auf einer Schüssel präsentiert, umgeben von echtem gesottenem Wildbret als der eigentlichen Speise. Strukturell vergleichbar mit dem englischen Brauch, einen Eberkopf zeremoniell als Blickfang zur Tafel zu bringen, und - im selben mittelbairischen Sprachraum, wenn auch viel später belegt - mit der Wolpertinger-Tradition, einem Tier fremdes Geweih anzumontieren, um ein Mischwesen zu erzeugen. Beides ist als strukturelle Analogie zu verstehen, nicht als belegte Abstammungslinie.

Der Schädel als Basis. "Press das also gantz" meint vermutlich, den gesäuberten Schädel beim Handling als Ganzes zusammenzuhalten, damit er später als tragfähige Basis für das Gehörn dient - kein Kochvorgang, sondern eine Handling-Anweisung. Eine zweite Lesart, wonach hier tatsächlich gepresst oder verdichtet wird, etwa beim Auskochen, bleibt sprachlich möglich und ist als offene Crux dokumentiert.

Die Befestigung. Das Aufsetzen des Gehörns und die Fixierung mit Dübel oder Nagel ist reines Handwerk, kein Gar- oder Bindeverfahren. Der Text nennt weder ein vorheriges Anbohren noch das Werkzeug zum Eintreiben - in dichtem Schädelknochen ist das Eintreiben ohne vorgebohrtes Loch mühsam, weshalb ein Vorbohren mit einem dünnen Bohrer in der Praxis sinnvoll ist, auch wenn der Text das nicht erwähnt.

Praxis. Das Wildbret vorab sieden, das kann auch Tage vorher geschehen, und den Schädel gut gesäubert, entfettet und getrocknet bereithalten - beides sind sinnvolle, im Text aber nicht ausdrücklich genannte Vorbereitungen. Am Markttag selbst bleibt nur die kurze, wirkungsvolle Endmontage: Gehörn aufsetzen, mit vorgebohrtem Dübel oder Nagel fixieren, auf eine Schüssel setzen und mit dem gesottenen Wildbret umlegen. Ein ungereinigter oder nicht vollständig getrockneter Schädel direkt neben Speisen ist ein Hygienepunkt, den der Text nicht behandelt - für eine heutige Marktumsetzung empfiehlt sich deshalb ein besonders gründlich vorbereiteter, geruchsneutraler Schädel.</note>
        <note type="gloss" target="#ka2-016-orig" n="gehurnn" resp="#fyndling">Gehörn, hier im Sinne von Hörnern/Geweih, das dem Kalbsschädel aufgesetzt wird, um ein fantastisches Mischwesen zu formen. Im Korpus bislang nur an dieser Stelle belegt (Hapax).</note>
        <note type="gloss" target="#ka2-016-orig" n="chalber schedel" resp="#fyndling">Kalbsschädel, dient als Grundgerüst für das Schaustück.</note>
        <note type="gloss" target="#ka2-016-orig" n="zwek oder nagel" resp="#fyndling">Dübel oder Nagel zur Befestigung des Gehörns auf dem Schädel.</note>
        <note type="gloss" target="#ka2-016-orig" n="wiltprat" resp="#fyndling">Wildbret, hier gesotten (gekocht), wird ringsum als eigentliche Speise angerichtet.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka2-016-orig" n="press das also gantz" resp="#fyndling">Der Schädel soll dabei als Ganzes erhalten bleiben, 'pressen' meint hier vermutlich das Zusammenhalten/Fixieren des Schädels beim Reinigen, nicht ein Zerdrücken.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka2-016-orig" n="gehurnn" resp="#fyndling">Gehörn/Hörner (Geweihstücke), die dem Kalbsschädel als fremdes Attribut aufgesetzt werden, um ein Fantasiewesen zu formen.</note>
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