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        <title>Wildbretwurst vom Rost</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-23">2026-07-23</date>
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          <title>Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793</title>
          <date when="1445">1445</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.ka2/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz (CC BY 4.0)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, unteres Inntal/Mühldorf am Inn, ca. 1445-1470)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="ka2-019">
        <head>Wildbretwurst vom Rost</head>
        <div type="original" xml:id="ka2-019-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#ka2-019-trans">
          <p>Von wiltprat wurst machen hakch das fleisch chlain vnd hakch einen spek darein chlain vnd nim zu iglicher wurst xvj ayer vnd mach das wol ab mit dem gewurtz vnd vberprenn es ein wenig vnd legs auf einn rost vnd richcz an</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="ka2-019-trans" xml:lang="de" corresp="#ka2-019-orig">
          <p>Für eine Wildbretwurst hacke das Wildfleisch klein und hacke einen Speck klein darunter. Nimm für jede Wurst 16 Eier und arbeite die Masse damit gründlich durch, gewürzt mit dem Gewürz.</p>
          <p>Senge es ein wenig an und leg es auf einen Rost. Richte an.</p>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wiltprat">Wildfleisch</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="einen spek">Speck</ingredient>
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            <item><ingredient en="" commodity="" orig="xvj ayer">Eier</ingredient> - 16</item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="gewurtz">Gewürz</ingredient>
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        <note type="preparation_tip" target="#ka2-019-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Eine handgeformte, darmlose Wurst aus grob gehacktem Wildfleisch und Speck, mit sehr viel Ei gebunden, kurz angesengt und auf dem Rost fertig gegart. Die nächsten heutigen Verwandten sind darmlose, handgeformte Grillwürste oder Hackfleisch-Röllchen wie Ćevapčići - der auffälligste Unterschied zur modernen Bratwurst ist die Bindung per Ei statt per Darmhülle.

Die Bindung.

Ei statt Wursthülle ist im fnhd-Rezeptkorpus eine wiederkehrende Lösung dort, wo eine natürliche Hülle fehlte oder nicht gewünscht war. Fleisch und Speck werden von Hand fein gehackt - ein Ersatz für den fehlenden Fleischwolf -, der Speck bringt Fett in das vermutlich magere Wildfleisch. Mit 16 Eiern je Wurst wird die gehackte Masse durchgearbeitet und gebunden; die Eiweiß-Koagulation beim Erhitzen gibt der hüllenlosen Masse ihre Formstabilität. Wie viel Fleisch auf eine Wurst kommt, bleibt im Text offen, das Mengenverhältnis lässt sich also nicht rekonstruieren.

Ansengen und Rost.

Das kurze Ansengen der Oberfläche versiegelt die Masse als Ersatz für die fehlende Hülle, bevor sie auf dem Rost bei direkter Trockenhitze fertig gegart wird - ohne Ofen, ohne Flüssigkeit, ohne Schmoren.

Praxis.

Die Würste werden frei mit der Hand geformt, da der Text kein eigenes Verb fürs Formen nennt, dies aber aus dem Rezepttitel und „nim zu iglicher wurst" notwendig mitzudenken ist. Eine nur kurz angesengte, hüllenlose Ei-Fleisch-Masse ist mechanisch fragil: Sie kann beim Wenden auseinanderfallen oder durch die Roststäbe rutschen, wenn die Kruste nicht durchgehend fest ist. Der Text löst das nicht auf, etwa durch Wickeln in Netzfett oder Blätter. Auf dem Rost gilt: vollständig bis zur sicheren Kerntemperatur durchgaren, insbesondere weil es sich um hüllenloses Wild-Hackfleisch handelt - der Text selbst nennt weder Dauer noch Garprobe. Für die moderne Nachkoch-Menge reichen erfahrungsgemäß 3-4 Eier auf etwa 500 g Fleisch-Speck-Gemisch, um eine formbare, zusammenhaltende Masse zu erhalten.</note>
        <note type="gloss" target="#ka2-019-orig" n="wiltprat" resp="#fyndling">Wildbret, also Fleisch von Wildtieren (Reh, Hirsch, Wildschwein), nicht 'wild' als Eigenschaft.</note>
        <note type="gloss" target="#ka2-019-orig" n="gewurtz" resp="#fyndling">Allgemeiner Begriff für Gewürz, im Original nicht genauer bestimmt. Typisch für Wurstfüllungen der Zeit wären Pfeffer, Ingwer und Nelken.</note>
        <note type="gloss" target="#ka2-019-orig" n="vberprenn" resp="#fyndling">Wörtlich 'überbrennen', hier im Sinne von kurz ansengen oder anbrennen lassen, bevor die Wurst auf den Rost kommt.</note>
        <note type="gloss" target="#ka2-019-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein Rost oder Grillgestell zum direkten Garen über Glut oder Feuer.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#ka2-019-orig" n="Gargrad auf dem Rost" resp="#fyndling">Vollständig durchgaren bis zur sicheren Kerntemperatur - der Transkript-Text endet mit 'legs auf einn rost vnd richcz an' ohne Angabe von Dauer oder Garprobe; bei hüllenlosem Wild-Hackfleisch ist das nach heutigem Maßstab die einzig verantwortbare Praxis.</note>
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