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        <title>Gesülzter Fisch für den Sommer</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-21">2026-06-21</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/kkm-008/</idno>
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          <title>Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken</title>
          <date when="1574">1574</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/kochkell.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch</language>
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      <div type="recipe" xml:id="kkm-008">
        <head>Gesülzter Fisch für den Sommer</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-008-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-008-trans">
          <p>Gesültzt Fisch im Sommer zu bereiten/ so sie doch nicht gern gestehen.

Wenn du die Fisch bereitest/ so behalt den Schweiß vnd die Schuppen/ vnd den Grad/ thu es in ein Hafen/ siede es mit Wein/ scheume es schön/ schütt es in ein Mörser/ stoß es wol/ vnd streich es durch ein Tuch mit seiner eigenen Brüh/ darinn es gesotten ist/ Ein Lorbeerblat darein gestossen/ vnd durch gerieben/ so gestehet es. Leg die Fisch ein/ so sie schon gesotten seind/ als viel du Schüsseln wilt. Nimb denn die Fischbrühe/ thu die Schuppenbrühe darunter mit Würtz vnd allem/ versuch was gebricht/ in geschmack/ Essig/ Saltz oder Würtz/ las es in einer Pfannen erwallen einen wall/ darnach schüts vber die Fisch/ die las erkalten im Lufft/ vnd saltz sie denn eine. Wiltu Mandel oder Weinbeer darauff strewen/ das thu bey zeiten/ ehe sie halben weg gestehen/ so bleiben sie rein vnd gut.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-008-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-008-orig">
          <p>Wenn du den Fisch zubereitest, bewahre den Fischsaft, die Schuppen und die Gräten auf. Gib sie in einen Topf, koche sie mit Wein und schäume sie schön ab. Schütte die gekochten Reste in einen Mörser, stoße sie gut und streiche sie anschließend durch ein Tuch mit der eigenen Brühe, in der sie gekocht wurden. Ein Lorbeerblatt darin zerstoßen und durchgerieben, so geliert die Flüssigkeit. Lege den bereits gekochten Fisch in so viele Schüsseln, wie du möchtest. Nimm dann die Fischbrühe und gib die durchgesiebte Schuppenbrühe hinzu, zusammen mit Gewürzen und allem, was dazu gehört. Probiere, was im Geschmack fehlt: Essig, Salz oder weitere Gewürze. Lass die Brühe in einer Pfanne einmal aufwallen, danach gieße sie über den Fisch. Lass die Sülze an der Luft erkalten und salze sie dann nach Geschmack. Willst du Mandeln oder Weintrauben darauf streuen, so tue dies rechtzeitig, bevor sie halb geliert sind, damit sie schön und gut bleiben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="die Fisch">ganzer Fisch</ingredient> - 1</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den Schweiß">Fischsaft</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die Schuppen">Fischschuppen</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="den Grad">Fischgräten</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="mit Wein">Weißwein</ingredient> - 250 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Ein Lorbeerblat">Lorbeerblatt</ingredient> - 1</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="mit Würtz vnd allem">Gewürzmischung</ingredient> - 1 TL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Essig">Weinessig</ingredient> - 2 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Mandel">Mandeln, gehackt oder gestiftelt</ingredient> - 2 EL</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Weinbeer">frische Weintrauben, halbiert</ingredient> - 50 g</item>
          </list>
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      </div>
    </body>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-008-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine Fischsülze für den Sommer - und zugleich ein verblüffend kundiger Kniff: Weil Sülze in der warmen Jahreszeit „nicht gern gesteht" (schlecht geliert), wird hier extra Geliermittel aus den Resten des Fisches selbst gewonnen. Fischsaft, Schuppen und Gräten kochen das Kollagen aus, das die Brühe fest werden lässt. Direkt verwandt mit rfk-009 (Sommer-Sülze aus Hechtkollagen), sev-090 und teg-009.

Schweiß ist hier kein Blut, sondern der Fischsaft - die beim Ausnehmen und Garen austretende, gelatinereiche Flüssigkeit. Grad sind die Gräten. Zusammen mit den Schuppen liefern sie das natürliche Geliermittel; das Lorbeerblatt wird mitgestoßen und durchgerieben, „so gestehet es".

Saltz sie denn eine am Ende ist mehrdeutig (siehe interpretive_choices): entweder finales Abschmecken mit Salz oder ein leichtes Einsalzen zur Haltbarmachung.

Praxis. Beim Zubereiten des Fisches Fischsaft, Schuppen und Gräten auffangen. Mit Wein aufkochen und sauber abschäumen, dann im Mörser stoßen und mit der eigenen Kochbrühe durch ein Tuch streichen, ein Lorbeerblatt mitgestoßen - das ergibt die geliermittelreiche Schuppenbrühe. Den bereits gegarten Fisch in Schüsseln legen. Fischbrühe und durchgesiebte Schuppenbrühe mit Gewürzen mischen, mit Essig und Salz abschmecken, einmal aufwallen lassen und über den Fisch gießen. An der Luft erkalten und gelieren lassen. Mandeln oder Weintrauben rechtzeitig aufstreuen, bevor die Sülze halb fest ist, damit sie sauber eingebettet bleiben. Eine moderne Küchenmaschine ersetzt den Mörser.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-008-orig" n="Schweiß" resp="#fyndling">Hier der Fischsaft - die beim Ausnehmen und Garen austretende, gelatinereiche Flüssigkeit, nicht Blut.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-008-orig" n="Grad" resp="#fyndling">Gräten, die Knochen des Fisches - zusammen mit Schuppen und Fischsaft als natürliches Geliermittel ausgekocht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-008-orig" n="gestehen" resp="#fyndling">Gelieren, fest werden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-008-orig" n="erwallen einen wall" resp="#fyndling">Einmal kurz aufwallen lassen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-008-orig" n="saltz sie denn eine" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saltz">Am Ende salzen - entweder zum Abschmecken oder leicht zur Haltbarmachung. Siehe interpretive_choices.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-008-orig" n="saltz sie denn eine" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#saltz">„Salze sie dann" im Sinne einer finalen Geschmacksanpassung der fertigen Sülze.</note>
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