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      <titleStmt>
        <title>Krebspastete mit Früchten und Wein</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-23">2026-06-23</date>
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          <title>Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken</title>
          <date when="1574">1574</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/kochkell.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch</language>
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      <div type="recipe" xml:id="kkm-013">
        <head>Krebspastete mit Früchten und Wein</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-013-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-013-trans">
          <p>Pasteten von Krebsen.

Seud Krebs an Saltz/ schel sie schön/ vnd leg sie zusamen/ vnd hack Peterlin gar klein/ Nim frische Eyer/ klopff sie gar wol/ die schütt in den teighafen/ schneid gut Biern //in\\ lenglecht schnitz/ stos sie in die füll/ thu Feigen vnd Weinbeer darein/ stos die Krebsscheren/ beuch vnd schwentze/ alle nach der leng darein. Darnach mache ein guten Wein ab mit würtz vnd saltz/ versuchs was jm brech/ vnd schütte es vber die füll in den teighafen/ beschlag die renff mit eim geschlagen Ey oder zweien/ so weichen sie nicht/ thu butter zwischen den teighafen vnd scherben/ setzs in einen Backofen/ las sieden oder brahten/ Lug je darzu/ gibts rauch/ so brennet es/ wends mit buttern zu giessen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-013-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-013-orig">
          <p>Koche Krebse in Salzwasser, schäle sie sorgfältig und sammle das Fleisch. Hacke Petersilie sehr fein. Nimm frische Eier, schlage sie sehr gut auf und gieße sie in die Pastetenform. Schneide gute Birnen in längliche Schnitze und gib sie in die Füllung. Füge Feigen und Weintrauben hinzu. Lege die Krebsscheren, das Bauchfleisch und die Schwänze, alles der Länge nach, hinein. Bereite danach einen guten Wein mit Gewürzen und Salz zu, schmecke ihn ab, was ihm noch fehlt, und gieße ihn über die Füllung in die Pastetenform. Bestreiche die Ränder der Pastete mit ein oder zwei geschlagenen Eiern, damit sie nicht weich werden. Gib Butter zwischen die Pastetenform und die Backschale. Setze die Pastete in einen Backofen und lasse sie sieden oder braten. Achte stets darauf: Wenn es raucht, brennt es an. Drehe die Pastete und begieße sie dabei mit Butter.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Krebs">Ausreichend Krebse</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Peterlin">Petersilie</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="frische Eyer">Eier</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Biern">Birnen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Feigen">Feigen</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Weinbeer">Weintrauben</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Wein">Weißwein</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="würtz">Gewürze</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="butter">Butter</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Teighafen">Mürbeteig für eine Pastete</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-013-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine gebackene Krebspastete im Teigmantel - eine süß-herzhafte Festtagsspeise, bei der Krebsfleisch mit Birnen, Feigen und Trauben in einem Pastetenteig geschichtet, mit gewürztem Wein begossen und im Ofen gegart wird. Sie steht neben der pfannengebackenen Schwester Krebstorte mit Früchten und der Gefüllten Torte mit Fisch oder Krebsen; eine verwandte Fastenpastete mit Krustentier ist die Jakobiner Pastete.

Süß trifft Krustentier. Die Kombination aus Krebsfleisch, Birnen, Feigen und Trauben wirkt heute ungewohnt, war aber typisch: Die süßen Früchte und der gewürzte Wein bilden den Kontrast zum milden Krebsfleisch - dieselbe Süß-herzhaft-Achse, die die ganze gehobene Küche der Zeit durchzieht.

Teighafen und Scherben. Der Teighafen ist der Pastetenmantel aus Teig (der „Topf aus Teig"), der die Füllung aufnimmt; die Scherben ist die irdene Backschale, in die der Teighafen gesetzt wird. Die Butter dazwischen verhindert das Ankleben. Das Beschlagen der Ränder mit geschlagenem Ei versiegelt die Kanten, „so weichen sie nicht".

Stoßen heißt hier einlegen. Stos die Krebsscheren, Bäuche und Schwänze nach der Länge darein meint einlegen/der Länge nach anordnen, nicht im Mörser zerstoßen - die Krebsteile bleiben ganz und werden in der Pastete geschichtet.

Sieden oder braten. Las sieden oder brahten: gedeckt-feucht garen oder offen bräunen. Die Warnung gibts rauch, so brennet es und das Wenden mit Butter begießen verraten, dass die Pastete im heißen, schwer regelbaren Ofen ständig im Auge behalten werden musste.

Praxis. Krebse (oder geschälte Garnelen/Zucht-Flusskrebse) garen und auslösen. Einen Pastetenteig in eine Form legen, mit verquirltem Ei, gehackter Petersilie, Birnenschnitzen, Feigen und Trauben füllen, die Krebsteile der Länge nach einlegen. Einen gewürzten Weißwein (Pfeffer, Ingwer, Muskat, Salz) angießen, die Ränder mit Ei verstreichen, mit Butter belegen und bei ca. 180 °C backen, bis die Kruste goldbraun und die Füllung gestockt ist; bei mittelalterlicher Feuerung zwischendurch wenden und mit Butter beträufeln.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-013-orig" n="teighafen" resp="#fyndling">Der Pastetenmantel aus Teig - der „Topf aus Teig", der die Füllung umschließt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-013-orig" n="scherben" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#scherben">Die irdene Backschale, in die der Teighafen zum Backen gesetzt wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-013-orig" n="renff" resp="#fyndling">Die Ränder der Pastetenkruste; mit geschlagenem Ei bestrichen, damit sie nicht aufweichen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-013-orig" n="was jm brech" resp="#fyndling">Was ihm (dem Wein) fehlt - zum Abschmecken und Nachwürzen.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-013-orig" n="stos ... nach der leng darein" resp="#fyndling">Hier „einlegen / der Länge nach anordnen", nicht im Mörser zerstoßen - die Krebsteile bleiben ganz.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-013-orig" n="gibts rauch, so brennet es" resp="#fyndling">Praxiswarnung für den schwer regelbaren Ofen: Raucht es, brennt die Pastete an - daher wenden und mit Butter begießen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-013-orig" n="stos ... nach der leng darein" resp="#fyndling">„Stoßen" hier als einlegen/anordnen gelesen, da die Krebsteile ganz in der Pastete geschichtet werden - nicht als Zerstoßen im Mörser.</note>
      </div>
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