<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Speisen vergolden</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-06-23">2026-06-23</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/kkm-025/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken</title>
          <date when="1574">1574</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/kochkell.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="kkm-025">
        <head>Speisen vergolden</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-025-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-025-trans">
          <p>Vergülden

Mach ein klein Honig Wasser/ bestreich die Mandeln damit/ schüts das Gold oder Silber also nas darauff/ drück es mit Baumwollen zu/ wo es nicht gleich ligt. Du magst Lebkuchen oder anders auch also vergülden/ Sonst taug kein ander Assit zu essen speis. Mach ein Höltzin Scher/ damit du das Goldt hebest/ greiff es mit blosser hand nicht an/ es verdirbt sonst alles.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-025-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-025-orig">
          <p>Bereite ein wenig Honigwasser zu. Bestreiche die Mandeln damit und streue das Gold- oder Silberblatt auf die noch feuchte Oberfläche. Drücke es mit Baumwolle fest, falls es nicht gleichmäßig aufliegt. Du kannst auch Lebkuchen oder andere Speisen auf diese Weise vergolden. Denn kein anderer Klebstoff ist für essbare Speisen geeignet. Fertige eine hölzerne Schere an, um das Goldblatt zu heben. Fasse es nicht mit bloßen Händen an, sonst verdirbt es vollständig.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Honig Wasser">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Honig Wasser">Wasser</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="die Mandeln">Mandeln</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="das Gold oder Silber">Essbares Blattgold oder Blattsilber</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Lebkuchen">Lebkuchen</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-025-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern eine Vergolde-Technik: wie man Blattgold oder -silber essbar auf Speisen bringt - die mittelalterliche Tafelpracht, die noch heute auf Pralinen und Festtorten glänzt. Im Korpus wird das Vergolden von Mandeln direkt am Schwester-Rezept kkm-024 gebraucht.

Honigwasser als Assit. Assit (zu lat. assis/Anlegemittel, vgl. Vergolder-Anlegemilch) ist das Haftmittel, auf dem das Blattgold klebt. Der Clou des Rezepts: für Speisen taugt nur ein essbarer Kleber, also dünnes Honigwasser - kein Leim, kein Eiweiß-Goldgrund wie beim Vergolden von Holz oder Buchschnitt.

Warum man Gold nie anfasst. Blattgold ist hauchdünn und zerreißt bei der kleinsten Berührung, Hautfett lässt es verklumpen. Darum hebt man es mit einer hölzernen Schere (einem flachen Holzgreifer/Anschießer), nie mit bloßer Hand, und drückt es mit einem Wattebausch sanft an.

Praxis. Wenig Honig in etwas Wasser lösen, die Oberfläche (Mandeln, ungeglaster Lebkuchen) dünn bestreichen, das Blattgold mit Holzgreifer oder trockenem Pinsel auflegen, mit Watte/Baumwolle andrücken. Ein windstiller, staubfreier Platz ist Pflicht - Blattgold fliegt beim kleinsten Luftzug davon. Essbares Blattgold (E175) gibt es im Konditorbedarf.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-025-orig" n="Vergülden" resp="#fyndling">Vergolden, das Anbringen von Blattgold oder Blattsilber auf Speisen zu Dekorationszwecken.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-025-orig" n="Assit" resp="#fyndling">Klebstoff, Bindemittel. Hier im Sinne von 'Haftmittel'.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-025-orig" n="Höltzin Scher" resp="#fyndling">Eine hölzerne Schere oder Pinzette, die zum vorsichtigen Anheben und Platzieren des extrem dünnen Blattgolds verwendet wird, um es nicht mit den Fingern zu beschädigen.</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
