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        <title>Reh-Mus mit Lebkuchen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-23">2026-06-23</date>
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          <title>Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken</title>
          <date when="1574">1574</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/kochkell.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch</language>
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      <div type="recipe" xml:id="kkm-068">
        <head>Reh-Mus mit Lebkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-068-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-068-trans">
          <p>Ein Rehe Muß.

Schulderbrahten aus dem rücken/ wo es mürb sey/ gebeinet/ wesch es aus warmen Wein/ den thu in den schweis/ vnd gerieben Lebkuchen/ streich es in ein tuch. Auch schneid das Fleisch würfflet/ dann thu es im durchgang in ein hafen/ vnd wenn es schier geseudt/ so mache es denn mit guten Würtzen ab/ Oder reib noch mehr Lebkuchen darein/ vnd saltze es/ versuchs/ vnd machs mit schwartzer Würtze ab.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-068-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-068-orig">
          <p>Ein Reh-Mus.</p>
          <p>Nimm Schulterbraten oder Rücken, wo es mürbe ist, entbeint, und wasche es in warmem Wein. Tue es in den Schweiß (Bratensaft) und geriebenen Lebkuchen und streiche es durch ein Tuch. Auch kannst du das Fleisch würfeln und es dann durchgeseiht in einen Topf geben; und wenn es fast gar gesotten ist, mache es mit guten Gewürzen ab. Oder reibe noch mehr Lebkuchen hinein, salze es, probiere es und mache es mit schwarzer Würze ab.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Schulderbrahten aus dem rücken/ wo es mürb sey/ gebeinet">zartes Rehfleisch</ingredient> - 500 g</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="warmen Wein">Rotwein</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="den schweis">Wildfond oder kräftige Brühe</ingredient> - 200 ml</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="gerieben Lebkuchen">Lebkuchen</ingredient> - 50 g</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="guten Würtzen">nach Geschmack Gewürze</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="saltze es">nach Geschmack Salz</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="schwartzer Würtze">nach Geschmack Schwarze Gewürzmischung</ingredient>
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      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-068-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Mus vom Reh - feines Wildragout/Wildpüree, mit geriebenem Lebkuchen gebunden und dunkel gewürzt. Die nächste lebende Verwandtschaft ist das Wildragout mit Lebkuchensauce, wie es im fränkischen und böhmischen Raum bis heute existiert (Lebkuchen als Saucenbinder zu Wild). Der engste Korpus-Verwandte ist sev-015 (Reh-/Kalbsköpfe mit Lebkuchen und Rotwein); verwandt auch sev-014/sev-016.

Schweis ist die wichtigste Lesefalle. Im Küchenkontext meint es zunächst den Bratensaft/die Kochflüssigkeit; im jagdlichen Kontext jedoch das Blut des Wildes (Jägersprache Schweiß = Blut), das traditionell als Saucenbinder diente. Beide Lesarten sind sachlich möglich; modern setzt man Wildfond oder kräftige Brühe ein.

Streich es in ein tuch und im durchgang meinen das Passieren der gegarten Masse durch Tuch bzw. Sieb, um das feine, glatte "Mus" zu erhalten.

Schwartzer Würtze ist eine dunkle, pfefferlastige Gewürzmischung (Pfeffer, Nelke, evtl. Piment), die dem Mus Farbe und Tiefe gibt.

Praxis. 500-700 g mürbes Rehfleisch (Schulter/Rücken) entbeinen, in warmem Rotwein abwaschen, in Wildfond oder Bratensaft mit geriebenem Lebkuchen weich schmoren. Dann entweder die Masse durch ein Tuch passieren (feines Mus) oder das Fleisch gewürfelt und durchgeseiht im Topf fast gar ziehen lassen und erst dann würzen. Mit guten Gewürzen und nach Geschmack mehr Lebkuchen abschmecken, salzen und mit einer dunklen ("schwarzen") Pfeffer-Nelken-Würze vollenden.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-068-orig" n="Muß" resp="#fyndling">Brei, Püree (hier: feines Wildragout).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-068-orig" n="gebeinet" resp="#fyndling">entbeint.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-068-orig" n="schweis" resp="#fyndling">Bratensaft/Kochflüssigkeit; jagdsprachlich auch das Blut des Wildes (Saucenbinder).</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-068-orig" n="im durchgang" resp="#fyndling">durchgeseiht/passiert.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-068-orig" n="schier geseudt" resp="#fyndling">fast gar gesotten.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-068-orig" n="schwartzer Würtze" resp="#fyndling">dunkle, pfefferlastige Gewürzmischung.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#kkm-068-orig" n="den thu in den schweis" resp="#fyndling">Gib es in den Bratensaft/die Kochflüssigkeit (modern: Wildfond oder kräftige Brühe).</note>
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