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        <title>Gefüllte Eier mit Gewürzen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-20">2026-06-20</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/kkm-073/</idno>
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          <title>Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken</title>
          <date when="1574">1574</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/kochkell.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch</language>
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      <div type="recipe" xml:id="kkm-073">
        <head>Gefüllte Eier mit Gewürzen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-073-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-073-trans">
          <p>Gros Eyer.

Brich Eyer hübschlich an spitzlin auff/ thu Würtz vnd Saltz/ Zimetblüh/ Muscatblüh/ oder Muscat darein/ rürs mit einem höltzlin wol vnter einander/ mach das löchlin oben zu mit Eyerklar. Magst sie also brahten in Buttern oder heisser Asschen.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-073-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-073-orig">
          <p>Brich die Eier sorgfältig am Spitzchen auf. Gib Gewürze und Salz, Zimtblüte, Muskatblüte oder Muskatnuss hinein. Rühre alles mit einem Hölzchen gut untereinander. Verschließe das kleine Loch oben mit Eiweiß. Du kannst die Eier so in Butter braten oder in heißer Asche rösten.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Eyer">Eier</ingredient> - 4</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Würtz">Gewürze</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Zimetblüh / Muscatblüh / Muscat">Zimtblüte, Muskatblüte (Macis) oder Muskatnuss</ingredient> - 1 Prise</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyerklar">Etwas Eiweiß</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="Buttern">Butter</ingredient> - 2 EL</item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="heisser Asschen">Heiße Asche oder Glut</ingredient>
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          </list>
        </div>
      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-073-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gewürztes Ei, das in der eigenen Schale gegart wird - verwandt mit dem in Glut gerösteten Ei (vgl. mar-194) und mit den gefüllten Eiern der Zeit (vgl. m384-049, mha-280). Der Clou: das Ei wird nicht aufgeschlagen, sondern oben am spitzlin (Spitzende) winzig geöffnet, gewürzt, wieder verschlossen und ganz gegart - eine kleine Schau am Tisch.

Gros Eyer - der Titel. „Große Eier“ meint hier nicht die Eiergröße, sondern den Aufwand: ein aufgewertetes, gewürztes Ei statt eines schlichten Spiegeleis. Würtz ist die übliche Gewürzmischung der Zeit (Pfeffer, Ingwer, dazu hier die feinen, teuren Aromen Zimetblüh = Zimtblüte und Muscatblüh = Macis, der Samenmantel der Muskatnuss).

Die Crux - lässt sich das wirklich machen? Ehrlich: nur mit Mühe. Durch ein kleines Loch am Spitzende lässt sich das Innere kaum gleichmäßig würzen und mit dem höltzlin (Holzstäbchen) verrühren, ohne die Schale zu sprengen; das Verschließen mit Eyerklar (Eiweiß) hält in der Hitze schlecht. Das Rezept gehört in die Reihe der „Ei in der Schale“-Kunststücke, die mehr Vorführung als Alltagsküche sind - reizvoll, aber fummelig.

Praxis. Wer es originalgetreu versucht: am stumpfen Ende ein etwas größeres Loch klopfen (dort sitzt die Luftkammer), mit einer dünnen Stricknadel Dotter und Klar leicht verrühren, eine Messerspitze Salz und Gewürze zugeben, das Loch mit etwas rohem Eiweiß verschließen und das ganze Ei langsam in Butter wälzend braten oder behutsam in nicht mehr glühende Asche betten, bis es fest ist. Pragmatischer und genauso zeittypisch: das Ei gar kochen, halbieren, Dotter mit Salz, Pfeffer, einer Prise Macis und Zimtblüte verrühren, zurückfüllen und kurz in Butter anbraten - das ist im Ergebnis dasselbe gewürzte Ei ohne den Schalen-Balanceakt.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-073-orig" n="Gros Eyer" resp="#fyndling">Wörtlich „große Eier“ - gemeint ist das aufgewertete, gewürzte Ei, nicht die Eigröße.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-073-orig" n="spitzlin" resp="#fyndling">Spitzchen, das spitz zulaufende Ende des Eies, an dem es geöffnet wird.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-073-orig" n="Würtz" resp="#fyndling">Die allgemeine Gewürzmischung der Zeit, meist Pfeffer und Ingwer als Basis.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-073-orig" n="Zimetblüh" resp="#fyndling">Zimtblüte - die getrockneten Blütenknospen des Zimtbaums, feiner als Zimtrinde.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-073-orig" n="Muscatblüh" resp="#fyndling">Muskatblüte (Macis), der getrocknete Samenmantel der Muskatnuss, milder und feiner als die Nuss selbst.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-073-orig" n="Eyerklar" resp="#fyndling">Eiweiß - hier als „Kleber“, um das Loch wieder zu verschließen.</note>
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