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        <title>Milchküchlein und Krapfen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-06-23">2026-06-23</date>
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          <title>Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken</title>
          <date when="1574">1574</date>
          <idno type="URI">https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachverwendung/gloning/tx/kochkell.htm</idno>
          <note>Transkription: Thomas Gloning, Universität Giessen (Digitale Edition)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch</language>
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      <div type="recipe" xml:id="kkm-099">
        <head>Milchküchlein und Krapfen</head>
        <div type="original" xml:id="kkm-099-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#kkm-099-trans">
          <p>Milchküchlin für Krancke vnd Kindbetterin.

Ein Straubenteig mach mit Milch/ verzwirr jn gar wol/ magst jn mit Saffran verhöhen/ seud in einem Hafen gewellt Milch mit Eyern/ in einem andern Hafen mit wasser/ dick. Mach die Milch ab mit Specie dulci in der Apoteck/ mach einen dünnen Straubenteig an/ oder mit Eyern/ mit einem Honigwasser/ vnd wenig Saltz/ verbirg auch die Milch drein/ in Küchlin oder Krapffenweiß/ back sie braun/ strewe ein wenig Zucker darauff. Du magst es in Mandelmilch auch geben.</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="kkm-099-trans" xml:lang="de" corresp="#kkm-099-orig">
          <p>Bereite einen Straubenteig mit Milch zu und verrühre ihn sehr gut. Du kannst ihn mit Safran gelb färben. Koche in einem Topf Milch mit Eiern auf, in einem anderen Topf koche Wasser dick. Schmecke die aufgekochte Milch mit 'Specie dulci' aus der Apotheke ab. Bereite nun einen dünnen Straubenteig zu, entweder nur mit Milch oder mit Eiern, Honigwasser und wenig Salz. Verbirg die zuvor gekochte, gewürzte Milch darin, indem du Küchlein oder Krapfen formst. Backe sie braun und streue etwas Zucker darüber. Du kannst die Küchlein auch in Mandelmilch geben.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="Milch">Milch</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Saffran">Safran</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Eyern">Eier</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wasser">Wasser</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Specie dulci in der Apoteck">Süße Gewürzmischung</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="Saltz">Salz</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied: Mehl für Straubenteig)">Weizenmehl</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="(implied: Fett zum Backen/Frittieren)">Pflanzenöl oder Schmalz</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#kkm-099-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein gefüllter, ausgebackener Krapfen - der Vorfahr unserer Berliner und der süddeutschen gefüllten Krapfen. Eine süße, dick eingekochte Milch-Ei-Creme wird in einem dünnen Ausbackteig versteckt und goldbraun frittiert. Die Überschrift im Original (für Krancke vnd Kindbetterin) weist es als leicht verdauliche Schon- und Wöchnerinnenkost aus - nahrhaft, weich, süß.

Straubenteig meint hier den fließfähigen Ausbackteig der Strauben-/Strübli-Familie (vgl. teg-005): so dünn, dass er sich verarbeiten lässt, aber dick genug, um die Füllung zu umhüllen. Im Text gibt es zwei davon - einen ersten, dickeren Milchteig und einen zweiten, dünnen zum Einhüllen.

Gewellt Milch ist die mit Ei aufgewallte (aufgekochte) Milch, die zur dicken Creme bindet - das Ei gerinnt beim Erhitzen und stockt die Masse. Nicht zu verwechseln mit gesäuerter Sauermilch; gemeint ist süße Milch, die mit Ei zur Füllcreme gekocht wird.

Specie dulci war eine fertig in der Apotheke gekaufte süße Gewürzmischung (typisch Zimt, Nelken, Muskat, Ingwer, oft mit Zucker) - der mittelalterliche Vorläufer unserer Lebkuchen-/Spekulatiusgewürze. Siehe Gewürze.

Praxis. Erst die Füllung: Milch mit Eiern unter Rühren zur dicken Creme aufkochen (wie eine feste Patisseriecreme), mit der süßen Gewürzmischung und etwas Zucker abschmecken, abkühlen lassen. Dann einen dünnflüssigen Ausbackteig (Mehl, Milch bzw. Ei, Honigwasser, Prise Salz) anrühren. Einen Löffel Creme in den Teig hüllen und in heißem Schmalz oder Öl (ca. 170 Grad) goldbraun ausbacken. Mit Zucker bestreuen. Wer es fastentauglich mag, serviert die Küchlein in Mandelmilch statt mit Kuhmilch-Creme.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-099-orig" n="Straubenteig" resp="#fyndling">Fließfähiger Ausbackteig der Strauben-/Strübli-Familie; durch einen Trichter ins heiße Fett gegossen ergibt er 'gestraubtes' Gebäck, hier dient er als Hülle.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-099-orig" n="gewellt Milch" resp="#fyndling">Mit Ei aufgewallte (aufgekochte) Milch, die zur dicken Creme bindet - aufgekocht, nicht gesäuert.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-099-orig" n="Specie dulci" resp="#fyndling">Fertige süße Gewürzmischung aus der Apotheke, typisch Zimt, Nelken, Muskat, Ingwer und Zucker.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-099-orig" n="Kindbetterin" resp="#fyndling">Wöchnerin, eine Frau im Kindbett nach der Geburt - das Rezept ist als Schonkost gedacht.</note>
        <note type="gloss" target="#kkm-099-orig" n="verbirg die Milch drein" resp="#fyndling">Die dicke Milch-Ei-Creme als Füllung in die Teighülle einschließen.</note>
      </div>
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