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        <title>Gefüllter Hecht vom Rost</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-10">2026-07-10</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/koe-003/</idno>
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          <title>Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384)</title>
          <date when="1470">1470</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.b6/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. B6 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch mit ostmitteldeutschen Merkmalen, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="koe-003">
        <head>Gefüllter Hecht vom Rost</head>
        <div type="original" xml:id="koe-003-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#koe-003-trans">
          <p>Gefulte hechte

Niem gefuge heche vnd loß die rindenn dar in zu denn orenn nim fisch welecherley die sindt vnd sude Sie vnd leß daß grett stoß in einem morsser hack dar zu salbeinn peffer komell saffran da mitt sol mann denn hecht spreingenn salcz vßwenden vnd leg in vff ein rost vnd brott in Iar schon vnd nicht zu heiß auch magst dw einenn auch machenn mytt ???</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="koe-003-trans" xml:lang="de" corresp="#koe-003-orig">
          <p>Nimm zurechtgemachte Hechte und löse die Innereien bis zu den Kiemen heraus.</p>
          <p>Nimm Fische, welcher Art sie auch sind, und siede sie. Löse die Gräten heraus und stoße das Fleisch in einem Mörser. Hacke dazu Salbei, Pfeffer, Kümmel und Safran.</p>
          <p>Damit sollst du den Hecht füllen. Salze ihn außen, lege ihn auf einen Rost und brate ihn gar und schön, aber nicht zu heiß. Auch magst du einen [weiteren] zubereiten mit … [hier bricht der Text des Fragments ab].</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gefuge heche">Hecht</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="fisch welecherley die sindt">Fisch (für Füllung)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="salbeinn">Salbei</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="peffer">Pfeffer</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="komell">Kümmel</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="saffran">Safran</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#koe-003-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein ganzer, gefüllter Hecht vom Rost: Die Bauchhöhle wird über die Kiemenöffnung mit einer Farce aus gekochtem, gewürztem Fisch befüllt, die Haut bleibt als Hülle ganz. Die Grundtechnik - Fischfleisch zur Farce verarbeiten und zurück in die eigene Haut füllen - lebt bis heute im jiddischen ‚gefilte Fisch' fort, auch wenn dort meist pochiert statt gegrillt wird. Das fast wortgleiche Rezept steht im Buoch von guoter Spise (bgs-017, gleicher Titel, gleiche Würzung); auch mon-041 und mha-194 gehören zur selben Gerichtsfamilie.

Technik. Die Füllung ist eine Fisch-Farce: beliebigen Weißfisch garen, entgräten, im Mörser mit Salbei, Pfeffer, Kümmel und Safran zur Paste stoßen. Gegart wird auf dem hölzernen Rost über ruhiger Glut - das Original nennt dazu nur die Regel ‚nicht zu heiß', ohne eigene Begründung.

Praxis. Hecht außen salzen (ein Innen-Salzen nennt das Original nicht), dann lose mit der Farce füllen. Eine Verschlussmethode (Garn, Spießchen) nennt der Text nicht - sie ist aber praktisch sinnvoll, damit die Füllung beim Braten nicht herausfällt. Über ruhiger Glut auf dem Rost garen, bis der Fisch durch ist, dabei mehrfach wenden; genaue Zeit- oder Wendeangaben macht das Original nicht. Eine Fastenspeise - rein aus Fisch.

Fragment. Der Text bricht mitten in einer zweiten Variante (‚auch magst du einen machen mit …') ab; das Folgeblatt der Handschrift fehlt, die Alternativzubereitung ist verloren.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-003-orig" n="gefuge heche" resp="#fyndling">‚Gefügt' bedeutet hier vorbereitet, ausgenommen und küchenfertig gemacht.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-003-orig" n="rindenn dar in zu denn orenn" resp="#fyndling">Wörtlich bedeutet ‚rinde' eher ‚Rinde/Haut' als ‚Innereien'. Die hier gewählte Lesart (Eingeweide durch die Kiemenöffnung entfernen, Haut ganz lassen) stützt sich auf die Parallelstellen bgs-017 (‚loese in abe den darm zvo den oren') und mon-041 (‚laß den darmm aus das er gancz beleyb'), die denselben Vorgang mit dem Wort ‚darm' (Eingeweide) beschreiben. koe-003 selbst nennt nur ‚rinde' - eine über den Zwillingstext erschlossene, plausible, aber nicht wortwörtlich belegte Deutung.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-003-orig" n="leß daß grett" resp="#fyndling">Wörtlich ‚lass das Grät', hier im Sinne von ‚entferne die Gräten', da das Fischfleisch anschließend im Mörser zerstoßen wird.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-003-orig" n="morsser" resp="#fyndling">Ein großer Fleischmörser, nicht der kleine Gewürzmörser. Er diente zum Zerkleinern von Fleisch oder Fisch zu einer feinen Farce.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-003-orig" n="rost" resp="#fyndling">Ein hölzerner Rost, oft aus frischem, grünem Hartholz gefertigt, der über der Glut platziert wurde. Siehe auch Der hölzerne Rost.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-003-orig" n="da mitt sol mann denn hecht spreingenn" resp="#fyndling">Wörtlich ‚besprengen/bestreuen'; hier funktional als ‚füllen' übersetzt, da die zuvor bereitete Farce erkennbar in die freigelegte Bauchhöhle eingebracht werden soll. Für die Lesart ‚füllen' gibt es aber keinen Wörterbuchbeleg: Im selben Buch trennt koe-014 klar zwischen einem Füll-Verb (‚wirff' = hineingeben) und ‚besprengen' (= außen mit Salz bestreuen). Die genaue Bedeutung von ‚spreingenn' in koe-003 bleibt daher eine offene Lesefalle.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-003-orig" n="brott in Iar schon" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#schon">‚Gar schön' bedeutet hier ‚gut durchgebraten'.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-003-orig" n="???" resp="#fyndling">Textlücke im Originalmanuskript, die eine weitere Zubereitungsart oder Zutat beschreiben sollte.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-003-orig" n="rindenn dar in zu denn orenn" resp="#fyndling">Die Eingeweide werden durch die Kiemenöffnung entfernt, die Haut bleibt ganz - so beschreiben es die Zwillingsrezepte bgs-017 und mon-041 mit dem Wort ‚darm' (Eingeweide).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-003-orig" n="leß daß grett" resp="#fyndling">Entferne die Gräten. Das Fischfleisch wird anschließend im Mörser zerstoßen, was mit Gräten unpraktikabel wäre und zu einer ungenießbaren Füllung führen würde.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-003-orig" n="spreingenn" resp="#fyndling">Funktional als ‚füllen' übersetzt - die zuvor bereitete Fischfarce muss in die Bauchhöhle des Hechts eingebracht werden, wofür der Text zuvor extra die Kiemenöffnung freigelegt hat.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-003-orig" n="???" resp="#fyndling">Textlücke im Originalmanuskript. Es fehlt eine weitere Zubereitungsart oder Zutat für eine alternative Hechtfüllung.</note>
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