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        <title>Grün gebratenes Huhn (Petersilienglasur)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-07-10">2026-07-10</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/koe-011/</idno>
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          <title>Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384)</title>
          <date when="1470">1470</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.b6/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. B6 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch mit ostmitteldeutschen Merkmalen, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="koe-011">
        <head>Grün gebratenes Huhn (Petersilienglasur)</head>
        <div type="original" xml:id="koe-011-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#koe-011-trans">
          <p>zu Grunn hunerenn

Nim petterlenn den stos clein Inn einem morsser vnd ein wennig melbs vnd eyr vnd bedreff die huner da mitt vnd legs denn wider zu dem feir</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="koe-011-trans" xml:lang="de" corresp="#koe-011-orig">
          <p>Nimm Petersilie und stoße sie fein in einem Mörser. Gib ein wenig Mehl und Eier hinzu. Begieße die Hühner damit und lege sie dann wieder zum Feuer.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
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              <ingredient en="" commodity="" orig="petterlenn">Petersilie</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="ein wennig melbs">Mehl</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="eyr">Eier</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="hunerenn">Hühner</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#koe-011-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Der grüne Vertreter der Brathühner-Farbreihe (vgl. weiß koe-010, schwarz koe-012, Königs koe-013): Eine Glasur aus fein gestoßener Petersilie, Mehl und Ei wird über das bratende Huhn gegossen und am Feuer gefestigt - so bekommt der Braten eine grüne Oberfläche (mittelalterliches Endorieren, hier in Grün). Am ehesten vergleichbar mit einer modernen Kräuterkruste auf Braten, hier aber als gegossene Ei-Mehl-Glasur statt als Brösel-Kruste.

Bestreichen oder Begießen? Die Annotation zu bedreff galt lange als „Bestreichen“. Die fast wortgleiche Rezeptschablone der Farbhühner-Serie (koe-010 „begissenn“, koe-012 „begeuß“, mha-180 „begiessen“) sowie das MHDBDB-Lemma betroufen (beträufeln) sprechen jedoch für ein Übergießen der Petersilien-Glasur - dieser Lesart folgen wir hier.

Praxis. Petersilie im Mörser zu einer feinen, saftigen Paste stoßen, mit etwas Mehl und Ei zu einem gießfähigen Guss verrühren. Das Original nennt weder den Gargrad des Huhns noch einen Zweck für das erneute Ans-Feuer-Legen - in der Praxis bewährt es sich, ein bereits weitgehend durchgebratenes Huhn kurz vor Ende der Garzeit zu übergießen und danach kurz zurück an die Glut zu legen, wo Ei und Mehl der Glasur stocken. Auf Grill, Spieß oder im Ofen (~180 °C): reichlich glatte Petersilie für mehr Farbe, 1 Ei und 1 TL Mehl als Bindung, in den letzten Minuten zwei- bis dreimal übergießen; für kräftigeres Grün den durch ein Tuch gepressten Petersiliensaft zugeben.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-011-orig" n="petterlenn" resp="#fyndling">Petersilie.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-011-orig" n="morsser" resp="#fyndling">Ein großer Fleischmörser, wie eine mittelalterliche Küchenmaschine, um Zutaten zu einer feinen Paste zu zerstoßen. Für dieses Rezept wird er verwendet, um Petersilie, Mehl und Eier zu einer glatten Masse zu verarbeiten.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-011-orig" n="melbs" resp="#fyndling">Mehl.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-011-orig" n="bedreff" resp="#fyndling">Begießen, übergießen. Die fast wortgleiche Rezeptschablone der Farbhühner-Serie (koe-010 „begissenn“, koe-012 „begeuß“, mha-180 „begiessen“) sowie das MHDBDB-Lemma betroufen (beträufeln) sprechen für eine Gieß- statt eine Streich-Handlung.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-011-orig" n="hunerenn" resp="#fyndling">Hühner.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-011-orig" n="feir" resp="#fyndling">Feuer. CoReMA glossiert den Begriff für dieses Rezept Wikidata-verlinkt als ember (Glut) - gemeint ist demnach eher die Glut als die offene Flamme.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-011-orig" n="Gargrad vor dem Begießen" resp="#fyndling">Wir gehen davon aus, dass die Hühner beim Begießen bereits weitgehend durchgebraten sind - das Original nennt weder Gargrad noch Zweck des erneuten Ans-Feuer-Legens, nur dass sie „wider“ (wieder) dorthin kommen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-011-orig" n="bedreff" resp="#fyndling">Wir lesen bedreff als „begießen/übergießen“, gestützt durch die fast wortgleiche Rezeptschablone der Farbhühner-Serie (koe-010 „begissenn“, koe-012 „begeuß“, mha-180 „begiessen“) und das MHDBDB-Lemma betroufen (beträufeln).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-011-orig" n="feir" resp="#fyndling">Wir übersetzen feir weiterhin allgemein mit „Feuer“.</note>
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