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        <title>Welscher Eierkuchen (Kräuter-Frittata)</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
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        <date when="2026-07-10">2026-07-10</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/koe-015/</idno>
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          <title>Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384)</title>
          <date when="1470">1470</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.b6/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. B6 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch mit ostmitteldeutschen Merkmalen, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="koe-015">
        <head>Welscher Eierkuchen (Kräuter-Frittata)</head>
        <div type="original" xml:id="koe-015-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#koe-015-trans">
          <p>Wilthu machenn ein guettenn weyschenn kuchen

So nim vff zehennn Eyr vnd zu schlag die woll vnd nim dor zu pettersilgennn vnd rure es vndter ein ander vnd nyme einen morsser vnd secz in vff ein glutt vnndt thu dor ein einenn loffell voll smalcz vnd loß das heyß werden vnd geweß die eir dor ein vnd laß es kulle backenn vnd richt es dann allso ganz ann versalz nytt</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="koe-015-trans" xml:lang="de" corresp="#koe-015-orig">
          <p>Nimm zehn Eier und schlage sie gut auf. Gib Petersilie hinzu und rühre alles untereinander.</p>
          <p>Nimm einen Mörser und setze ihn auf eine Glut. Gib einen Löffel voll Schmalz hinein und lass es heiß werden. Gieße die Eier hinein und lass sie langsam backen. Richte den Kuchen dann im Ganzen an und achte darauf, ihn nicht zu versalzen.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="zehennn Eyr">Eier</ingredient> - 10</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="pettersilgennn">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="einenn loffell voll smalcz">Schmalz</ingredient> - 1 EL</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="versalz nytt">Salz</ingredient>
            </item>
          </list>
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      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#koe-015-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein welscher (italienischer) Eierkuchen - im Kern eine Kräuter-Frittata: zehn verquirlte Eier mit reichlich Petersilie, in heißem Schmalz langsam gestockt und im Ganzen angerichtet. ‚Welisch' = italienisch (nicht ‚weiß' - das Gericht ist durch die Petersilie grün). Lebende Verwandte sind die italienische frittata alle erbe und das schlichte deutsche Kräuteromelett - beide ungefüllte Vorstufen derselben Grundidee aus Ei, Kraut und Fett.

Mörser als Kochgefäß. Gegart wird wie bei koe-002 und koe-013 im gefetteten, heißen Mörser direkt auf der Glut - ein großer Stein- oder Metallmörser diente hier als Kochtopf, nicht als Stoßgefäß. Ganz unproblematisch ist das nicht: ein Mörser aus ungeeignetem Material kann auf glühenden Kohlen springen oder reißen, der Text selbst thematisiert das nicht.

Kulle backen. Die Eiermasse wird kulle (wörtlich kühl, hier als schonend/bei milder Hitze übertragen) gestockt, damit sie durchgart statt an der dickwandigen Gefäßwand anzubrennen, bevor das Innere fest ist.

Praxis. Modern: 10 Eier mit reichlich gehackter Petersilie verquirlen, in einer beschichteten oder gusseisernen Pfanne mit 1 EL Schmalz oder Butter bei niedriger Hitze stocken lassen, einmal wenden oder im Ofen fertig garen. Sparsam salzen - ergibt eine kräuterdurchzogene Frittata.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-015-orig" n="weyschenn kuchen" resp="#fyndling">‚weyschenn' = welisch = italienisch (welscher Kuchen). Die Lesart ‚weiß' passt schlecht, da der Eierkuchen durch die Petersilie grün ist; ‚welsch/italienisch' für eine Frittata ist sprachlich (vgl. welsche Nuss = Walnuss) wie kulinarisch stimmiger.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-015-orig" n="morsser" resp="#fyndling">Hier wird der Mörser nicht zum Zerstoßen von Zutaten verwendet, sondern als feuerfestes Kochgefäß, das direkt auf die Glut gesetzt wird. Ein großer Stein- oder Metallmörser konnte diese Funktion erfüllen, ähnlich einer kleinen Pfanne oder einem Topf.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-015-orig" n="glutt" resp="#fyndling">Glut bezeichnet die heißen, glühenden Kohlen eines Feuers, die eine moderate und gleichmäßige Hitze abgeben, ideal zum schonenden Garen.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-015-orig" n="kulle backenn" resp="#fyndling">Wörtlich „kühl backen“, was im Kontext des Kochens über Glut ein langsames, schonendes Garen bei moderater Hitze bedeutet, um ein Anbrennen zu verhindern und eine gleichmäßige Textur zu erzielen.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-015-orig" n="versalz nytt" resp="#fyndling">Eine häufige Warnung in mittelalterlichen Kochrezepten, die darauf hinweist, die Speise nicht zu übersalzen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-015-orig" n="weyschenn kuchen" resp="#fyndling">‚welischer (italienischer) Kuchen' - eine Kräuter-Frittata nach welscher Art. ‚welisch/welsch' = italienisch ist im Frühneuhochdeutschen der stehende Begriff (vgl. welsche Nuss = Walnuss).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-015-orig" n="morsser" resp="#fyndling">Der Mörser wird als Kochgefäß verwendet, das direkt auf die Glut gesetzt wird.</note>
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