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      <titleStmt>
        <title>Fasten-Bratwurst aus Feigen und Lebkuchen</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-10">2026-07-10</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/koe-022/</idno>
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          <title>Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384)</title>
          <date when="1470">1470</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.b6/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. B6 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch mit ostmitteldeutschen Merkmalen, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="koe-022">
        <head>Fasten-Bratwurst aus Feigen und Lebkuchen</head>
        <div type="original" xml:id="koe-022-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#koe-022-trans">
          <p>Wilthu prott wurst Inn der fasstenn machenn

So nim gutt veigennn vnd vber seydt die vnd stoß die clein vnd soltst sie auch vor clein hackenn vnd leg sye vff ein ein prett vnd nim geribenn leckogen dar vnder vnd welchs als langk als ein brott wurst ist vnd mach ein dickenn strawben tagk vonn wein vnd zeich die wirst der dirch vnd packs dann schonn gib ein zucker dar zu</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="koe-022-trans" xml:lang="de" corresp="#koe-022-orig">
          <p>Willst du eine Fasten-Bratwurst zubereiten, so nimm gute Feigen. Überbrühe sie und hacke sie zuerst klein, dann zerstoße sie fein. Lege die Masse auf ein Brett und mische geriebenen Lebkuchen darunter. Rolle die Masse zu Würsten, die so lang wie eine Bratwurst sind.</p>
          <p>Bereite einen dicken Straubenteig mit Wein zu. Ziehe die geformten Feigen-Würste durch diesen Teig und frittiere sie dann schön. Gib danach etwas Zucker dazu.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="gutt veigennn">Feigen, getrocknet</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="geribenn leckogen">Lebkuchen, gerieben</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wein">Weißwein</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="tagk">Weizenmehl</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="zucker">Zucker</ingredient>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#koe-022-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Eine fleischlose ‚Bratwurst' für die Fastenzeit: aus Feigen und geriebenem Lebkuchen wurstförmig geformt, durch einen dicken Straubenteig (Ausbackteig) aus Wein gezogen, in Fett frittiert und gezuckert - ein süßes Fleisch-Imitat, das geschmacklich und texturell näher an einem gezuckerten Frucht-Krapfen als an echter Wurst liegt. Technisch verwandt mit den frittierten Ausbackteig-Gerichten koe-004 (Apfelspalten) und koe-008 (Lungenklößchen); thematisch ein Fasten-Imitat wie der falsche Presskopf koe-023. Die nächste Cross-Book-Parallele ist kkm-002, ein gedrucktes Feigen-Fastenimitat, das statt frittiert am Spieß gebraten wird.

Überbrühen oder Sieden? Das Original verwendet ‚vber seydt' (sieden/kochen), das im Korpus (vgl. koe-009) sonst konsequent mit ‚kochen' übersetzt wird. Ein kürzeres Überbrühen ist ebenfalls plausibel, um die zähen Trockenfeigen zu erweichen - beide Lesarten sind vertretbar (siehe Anmerkungen oben).

Technik. Feigen überbrühen bzw. kurz kochen, hacken und fein stoßen, mit geriebenem Lebkuchen zu einer formbaren Masse mengen und zu wurstlangen Rollen formen. Durch einen dicken Straubenteig (Mehl mit Wein) ziehen, in heißem Fett ausbacken, mit Zucker bestreuen.

Praxis. Getrocknete Feigen in kochendem Wasser überbrühen oder kurz mitkochen, bis sie weich sind, dann fein hacken und stoßen. Mit geriebenem Lebkuchen zu einer knetbaren Masse mengen und zu wurstlangen Rollen formen (kurz kühlen erleichtert das Formen). Einen dicken Ausbackteig aus Mehl und Wein anrühren (ersatzweise auch mit Bier), die Rollen darin wenden und bei etwa 170 °C in heißem Fett schön ausbacken. Mit Zucker bestreuen - ein süßer Fasten-Snack.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-022-orig" n="prott wurst Inn der fasstenn" resp="#fyndling">Ein Fasten-Imitat, das eine Bratwurst nachahmt. Solche Mock-Meat-Gerichte waren in der Fastenzeit beliebt, um den Verzicht auf Fleisch zu erleichtern.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-022-orig" n="veigennn" resp="#fyndling">Getrocknete Feigen waren im Mittelalter ein häufig verwendetes Süßungsmittel und Bindemittel.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-022-orig" n="leckogen" resp="#fyndling">Eine bairisch-ostmitteldeutsche Form von Lebzelten, also Lebkuchen. Dieser liefert nicht nur Süße, sondern auch Bindung und eine komplexe Gewürznote.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-022-orig" n="strawben tagk" resp="#fyndling">Ein Teig, der zu Strauben (einer Art frittiertem Gebäck, ähnlich heutigen Auszogenen oder Trichterkuchen) ausgebacken wird. Hier dient er als Hülle für die Feigen-Lebkuchen-Masse.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-022-orig" n="packs dann schonn" resp="#fyndling">Bedeutet hier ‚backe es schön‘ im Sinne von ‚frittiere es in heißem Fett, bis es schön ist‘.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-022-orig" n="welchs" resp="#fyndling">Hapax im Korpus: ‚welle es‘ - vom Verb ‚wellen‘ (rollen, walken; korpusweit als ‚wellen = rolling pin‘ belegt), mit angehängtem Pronomen ‚es‘. Nicht die Relativ-/Interrogativform ‚welch(es)‘, obwohl diese Lesart in Wörterbüchern oft als Top-Treffer erscheint.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-022-orig" n="leckogen" resp="#fyndling">Lebkuchen. Dies ist eine bairisch-ostmitteldeutsche Schreibweise für Lebzelten, also Lebkuchen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-022-orig" n="strawben tagk" resp="#fyndling">Straubenteig. Dies ist ein Teig, der für frittiertes Gebäck verwendet wird.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-022-orig" n="vber seydt" resp="#fyndling">Überbrühen - kurz mit heißem Wasser übergießen, um die getrockneten Feigen zu erweichen.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-022-orig" n="packs dann schonn" resp="#fyndling">Frittiere es dann schön. Angesichts des Straubenteigs ist das Ausbacken in heißem Fett die plausibelste Zubereitungsart.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-022-orig" n="tagk" resp="#fyndling">Für einen 'Teig' (tagk) ist Mehl als Zutat impliziert, auch wenn es nicht explizit genannt wird.</note>
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