<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Sauce zu roten Hühnern</title>
        <author>Anonymus</author>
        <respStmt>
          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
        </respStmt>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Fyndling.de</publisher>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">CC BY-SA 4.0 (Übersetzung &amp; Anmerkungen)</licence>
        </availability>
        <date when="2026-07-10">2026-07-10</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/koe-027/</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title>Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384)</title>
          <date when="1470">1470</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.b6/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. B6 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <schemaRef type="interchangeODD" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.odd"/>
      <schemaRef type="interchangeRNG" url="https://fyndling.de/rezepte-data/tei/fyndling.rng"/>
    </encodingDesc>
    <profileDesc>
      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch mit ostmitteldeutschen Merkmalen, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
      </langUsage>
    </profileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div type="recipe" xml:id="koe-027">
        <head>Sauce zu roten Hühnern</head>
        <div type="original" xml:id="koe-027-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#koe-027-trans">
          <p>Salczen zu rotten hunerenn

So nym petterlenn vnd essig vnd dreyb es durch ein ander</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="koe-027-trans" xml:lang="de" corresp="#koe-027-orig">
          <p>Nimm Petersilie und Essig und vermische es miteinander.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="petterlenn">Petersilie</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="essig">Essig</ingredient>
            </item>
          </list>
        </div>
      </div>
    </body>
    <back>
      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#koe-027-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? koe-027 ist keine eigenständige „rote Sauce“, sondern eine frische, ungekochte Petersilie-Essig-Sauce, die zu einem farbig gestalteten Bankett-Huhn („rote Hühner“) gereicht wurde. Funktional erinnert sie an eine einfache grüne Kräuter-Essig-Beilage - eine Art Vorform heutiger Petersilien- oder Grüner-Soße-Typen, die als scharfer, frischer Kontrast zu einem reich überzogenen Braten dient, nicht als eigenständige Hauptsauce.

Der Text nennt als einzigen Arbeitsschritt das Durcheinandertreiben (dreyb es durch ein ander) - ein kräftiges Verrühren, keine Bindung mit Brot, Ei oder Mandeln. Das ergibt eine dünne, schüttbare Würztunke statt einer dickeren Salse.

Ein eigener Zerkleinerungsschritt für die Petersilie wird nicht ausdrücklich genannt; für ein gleichmäßiges Durcheinandertreiben ist feines Hacken aber praktische Voraussetzung, nicht bloß Vermutung.

Praxis. Petersilie fein hacken und mit Essig kräftig verrühren, bis eine dünnflüssige, krautig-saure Tunke entsteht. Kein Erhitzen, keine Bindung nötig - die Sauce wird kalt zu einem bereits fertigen Hühnergericht gereicht. Für die Lagerküche ideal: beide Zutaten sind unverderblich, die Zubereitung dauert Sekunden.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-027-orig" n="Salczen" resp="#fyndling">Im Königsberger Kochbuch bezeichnet „Salczen“ eine Sauce oder Würztunke, nicht Salz als Würzmittel. Das Wort „Salz“ wird in dieser Quelle als „salcz“ oder „salz“ geschrieben. Im CoReMA-Gesamtkorpus ist der Begriff ein Homograph: Andere Handschriften glossieren dieselbe Wortform als Tafelsalz, hier und in einer weiteren Handschrift (bs2) eindeutig als Sauce.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-027-orig" n="rotten hunerenn" resp="#fyndling">Die „roten Hühner“ sind die Speise, zu der diese Sauce gereicht wird - vermutlich Teil einer bekannten Bankett-Serie gefärbter Hühner (schwarz/rot/grün/weiß), wie sie auch bei Meister Hans belegt ist. Dort wird die Rotfärbung durch einen Safran-Ei-Teig erreicht; eine Blutfärbung ist im Korpus nicht belegt.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-027-orig" n="petterlenn" resp="#fyndling">Frühneuhochdeutsche Schreibweise für Petersilie.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-027-orig" n="dreyb es durch ein ander" resp="#fyndling">Anweisung zum kräftigen Durch- und Verrühren. Eine fast wortgleiche Parallelstelle bei Meister Hans („schlach das durch mit essich“) bestätigt diese Lesart als Durchschlagen/Durchtreiben.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-027-orig" n="salczen" resp="#fyndling">Sauce. Die CoReMA-Glosse zu diesem Rezept (b6.27) übersetzt den Begriff eindeutig als „sauce (dish)“ (Wikidata Q178359).</note>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
