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      <titleStmt>
        <title>Gekochter Krautsalat mit Senf-Honig-Dressing</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-10">2026-07-10</date>
        <idno type="url">https://fyndling.de/rezepte/koe-032/</idno>
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          <title>Kochbuch-Fragment aus dem Deutschordensarchiv (Berlin, GStA PK, XX. HA, OBA, Nr. 18384)</title>
          <date when="1470">1470</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.b6/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. B6 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
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      <langUsage>
        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (bairisch mit ostmitteldeutschen Merkmalen, 15. Jh.)</language>
        <language ident="de">Neuhochdeutsch (Übersetzung)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="koe-032">
        <head>Gekochter Krautsalat mit Senf-Honig-Dressing</head>
        <div type="original" xml:id="koe-032-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#koe-032-trans">
          <p>Wilthu machenn eynn gemacht Crawtt

So sewdt weysse hewptt vnd ein zweythell sennffs vnd das dritthell hoengs vnd die selbing mach vnder ein ander mitt wein vnd thu dar ein koemel vnd einß des genug vnd leg dan des gesoten ckrawt dar ein vnd gebe es kalt also magst auch piesen die seudt mitt wurczenn vnd gyb sy hin</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="koe-032-trans" xml:lang="de" corresp="#koe-032-orig">
          <p>Willst du ein zubereitetes Krautgericht machen:</p>
          <p>So siede weiße Kohlköpfe. Nimm zwei Teile Senf und ein Teil Honig, und verrühre dieselbe Mischung miteinander mit Wein. Gib Kümmel und Anis hinzu, davon genug. Lege dann das gesottene Kraut in diese Mischung und serviere es kalt.</p>
          <p>So kannst du auch Mangold sieden, mit Gewürzen versehen und servieren.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="weysse hewptt">Weißkohl</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein zweythell sennffs">Senf</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="das dritthell hoengs">Honig</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="mitt wein">Wein</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="koemel">Kümmel</ingredient>
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            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="einß">Anis</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="piesen">Mangold (optional)</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="wurczenn">Gewürze (optional)</ingredient>
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      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#koe-032-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das?

Ein gekochter, dann kalt servierter Krautsalat: Weißkohl wird gesotten und anschließend in eine Marinade aus Senf, Honig und Wein gelegt, mit Kümmel und Anis gewürzt - eine frühe Vorstufe des heutigen deutschen Krautsalats mit süß-scharfem Senf-Honig-Dressing. Alternativ wird derselbe Sud mit Mangold angesetzt.

Zur Stelle "die selbing". Das Wort ist kein Zutatswort, sondern ein Demonstrativpronomen ("dieselbe", bezogen auf die zuvor genannte Senf-Honig-Mischung) - kein Salbei. Die engsten Zwillingsrezepte im Korpus, m5919-050 ("das selb mach durch ein ander mit wein") und mon-202 ("die selbig prue mach durich ein ander mit wein"), stehen an derselben Stelle im Rezeptverlauf und führen beide kein Salbei in ihrer Zutatenliste.

Zur Stelle "einß". Die Lesart Anis ist über die Zwillinge (m5919-024: "kumel vnd anneys"; m5919-050: "kum vnd anis") und das Wörterbuch gut gestützt, auch wenn für diese Handschrift selbst keine eigene Sachglosse zu "einß" vorliegt. Kümmel und Anis sind im Korpus ein wiederkehrendes Gewürzpaar zu Kohlgerichten.

Praxis. Weißkohl in Wasser weich kochen - bei ganzen Köpfen dauert das eher 45 Minuten und mehr, bei geviertelten oder geschnittenen Stücken genügen 20-30 Minuten. Parallel zwei Teile Senf mit einem Teil Honig verrühren und mit Wein verlängern, Kümmel und Anis reichlich untermischen. Den warmen, abgetropften Kohl in die Marinade geben, kurz durchziehen lassen und kalt servieren. Für die Mangold-Variante stattdessen Mangold sieden und mit Gewürzen (Pfeffer, Ingwer, Nelken) abschmecken.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-032-orig" n="Crawtt / weysse hewptt / ckrawt" resp="#fyndling">Im Mittelalter war 'Kraut' ein Oberbegriff für Gemüse. 'Weiße Häupter' präzisiert hier Weißkohl.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-032-orig" n="zweythell sennffs vnd das dritthell hoengs" resp="#fyndling">Eine Mengenangabe im Verhältnis von zwei Teilen Senf zu einem Teil Honig.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-032-orig" n="die selbing" resp="#fyndling">Kein Zutatswort, sondern ein Demonstrativpronomen: 'dieselbe' bzw. 'diese [Mischung]', bezogen auf den zuvor genannten Senf-Honig-Ansatz - phonetisch nah an 'Salbei', aber grammatikalisch etwas anderes. Bestätigt durch die Zwillingsrezepte m5919-050 ('das selb mach durch ein ander mit wein') und mon-202 ('die selbig prue mach durich ein ander mit wein'), die an identischer Rezeptstelle stehen und in keinem Fall Salbei als Zutat führen.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-032-orig" n="einß" resp="#fyndling">Eine häufige frühneuhochdeutsche Schreibweise für Anis.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-032-orig" n="piesen" resp="#fyndling">Mangold, ein mit Rüben und Spinat verwandtes Blattgemüse, das im Mittelalter weit verbreitet war.</note>
        <note type="gloss" target="#koe-032-orig" n="wurczenn" resp="#fyndling">Im Kontext des Königsberger Kochbuchs sind mit ‚Gewürzen' meist die teuren Importgewürze wie Pfeffer, Ingwer, Nelken oder Galgant gemeint.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-032-orig" n="zweythell / dritthell" resp="#fyndling">Ein Mischverhältnis von zwei Anteilen Senf zu einem Anteil (Drittel) Honig, also ungefähr 2:1. Die Ratio-Konstruktion ist strukturell identisch mit m5919-024 ('zway tail senfft ... das dritt honig') und wird durch das MHDBDB-Lemma 'dritteil' (Bedeutungsfeld Mengenverhältnis) gestützt.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#koe-032-orig" n="einß" resp="#fyndling">Anis. Die Lesart stützt sich auf die Zwillingsstellen m5919-024 ('kumel vnd anneys') und m5919-050 ('kum vnd anis'), die Kümmel und Anis an identischer Satzposition paaren, sowie auf die einschlägigen Wörterbuch-Bedeutungsfelder.</note>
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