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        <title>Karpfen in süß-saurer Pfeffersoße</title>
        <author>Anonymus</author>
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          <resp>Modernisierung, Übersetzung, Anmerkungen</resp>
          <name xml:id="fyndling">Fyndling.de</name>
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        <publisher>Fyndling.de</publisher>
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        <date when="2026-07-22">2026-07-22</date>
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          <title>München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 349</title>
          <date when="1500">1500</date>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:corema.m1/TEI_SOURCE</idno>
          <note>Transkription: CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Helmut W. Klug (Hg.), Universität Graz, Ms. M1 (CC BY 4.0, hdl.handle.net/11471/562.10)</note>
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        <language ident="fnhd">Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Nachtrag des 16. Jh.)</language>
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      <div type="recipe" xml:id="m349-001">
        <head>Karpfen in süß-saurer Pfeffersoße</head>
        <div type="original" xml:id="m349-001-orig" xml:lang="fnhd" corresp="#m349-001-trans">
          <p>Item ein karpfen Im furhess vnd ein fasan prue

Item so der karpfenn lebendig ist fach das furhes vnd nym ein leczelten auch nym ein semell vnd paa dy auf einem Rost oder gluedt das sy praun werdt vnd secz das durch einander auf das fewr In einem kessel oder pfanen In einem gueden wein vnd las wol syeden vnd slach es dan durch ein syb vnd nym dar nach ein gescharb dar zwe von pyern oder opfll vnd secz denn fysch mit Inalen auf das fewr vnd wan er aufbalen wil so ge= burcz in mit nagell peffer zymerrinden safrian vnd ob es zw sawr wurdt so lincz mit einem honygk vnd wan dw in an wildt richten so kost in an dem salcz in der supen vnd salcz es an dy stat wie es dan gehordt das sy recht sey</p>
        </div>
        <div type="translation" xml:id="m349-001-trans" xml:lang="de" corresp="#m349-001-orig">
          <p>Solange der Karpfen noch lebt, fang die Pfeffersoße dafür auf.</p>
          <p>Nimm einen Lebkuchen und eine Semmel und röste sie auf einem Rost oder über der Glut, bis sie braun sind. Setze das zusammen mit gutem Wein in einen Kessel oder eine Pfanne aufs Feuer und lass es gut sieden; schlage es dann durch ein Sieb.</p>
          <p>Nimm danach klein geschnittene Birnen oder Äpfel dazu und setze den Fisch mit allem zusammen aufs Feuer. Wenn es aufwallen will, würze mit Nelken, Pfeffer, Zimt und Safran. Wird es zu sauer, mildere es mit Honig.</p>
          <p>Wenn du anrichten willst, schmecke die Soße mit Salz ab, damit sie richtig ist.</p>
        </div>
        <div type="ingredients">
          <list type="ingredients">
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein karpfen ... so der karpfenn lebendig ist">Karpfen (frisch, idealerweise lebend gekauft)</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein leczelten">Lebkuchen</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein semell">Semmel</ingredient> - 1 Stück</item>
            <item><ingredient en="" commodity="" orig="ein gueden wein">Wein</ingredient> - 500 ml</item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="ein gescharb dar zwe von pyern oder opfll">Birnen oder Äpfel (klein geschnitten)</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="nagell">Nelken</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="peffer">Pfeffer</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="zymerrinden">Zimt</ingredient>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="safrian">Safran</ingredient>
            </item>
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              <ingredient en="" commodity="" orig="einem honygk">Honig</ingredient>
            </item>
            <item>
              <ingredient en="" commodity="" orig="salcz">Salz</ingredient>
            </item>
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      </div>
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      <div type="annotations">
        <note type="preparation_tip" target="#m349-001-trans" resp="#fyndling">Welches Gericht ist das? Ein Karpfen, der zusammen mit klein geschnittenen Birnen oder Äpfeln in einer dunklen, süß-sauer gewürzten Weinsoße gart - gebunden durch geröstetes Lebkuchen und Semmel, gewürzt mit Nelken, Pfeffer, Zimt und Safran, mit Honig abgerundet. Das ist dieselbe Gerichtsfamilie wie das bis heute vor allem in Böhmen und Mähren zu Weihnachten servierte Kapr na černo (Karpfen in „schwarzer“ Soße) und wie deutsche Karpfen-Rezepte in Lebkuchen-Pfeffersoße.

„So der Karpfen lebendig ist“. Der Satz „fach das fürhes“ heißt wörtlich „fang die Pfeffersoße auf“ - der Karpfen soll frisch bzw. noch lebend sein, während die Soße angesetzt wird. Ob damit zusätzlich gemeint ist, sein Blut zur Bindung aufzufangen, sagt der Text nicht; das Wort dafür fehlt im Original. Farbe und Bindung liefert das Rezept bereits vollständig über das geröstete Lebkuchen-Semmel-Gemisch, ganz ähnlich wie bei der dunklen Soße in sev-083, die ebenfalls ohne Blutzugabe allein aus gerösteter Frucht- und Brotkruste entsteht.

Praxis. Lebkuchen und Semmel auf dem Rost oder über der Glut rösten, bis sie braun sind, dann mit gutem Wein aufkochen und durch ein Sieb passieren - das ergibt die sämige, dunkle Grundsoße. Klein geschnittene Birnen oder Äpfel dazugeben, den Fisch mit allem zusammen aufsetzen und bis kurz vors Aufwallen erhitzen; erst dann mit Nelken, Pfeffer, Zimt und Safran würzen, damit die teuren Gewürze ihr Aroma behalten. Wird die Soße zu sauer, mit Honig abmildern. Vor dem Anrichten mit Salz abschmecken.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="furhess" resp="#fyndling">Ehlert übersetzt ‚fürhess' durchweg als Pfeffersoße - eine dunkle, gebundene Gewürzsauce. ‚fach das fürhes' heißt wörtlich ‚fang die Pfeffersoße auf' (fach = Imperativ von vahen/fangen); dass der Karpfen dabei ausdrücklich lebend sein muss, erklärt der Text nicht weiter - naheliegend ist ein Frische-/Reihenfolge-Hinweis (die Soße ansetzen, solange der Fisch noch lebt bzw. ganz frisch ist). Eine zusätzliche Blutbindung, wie sie moderne Schwarzsauce-Rezepte kennen, steht so nicht im Text; das Wort dafür fehlt hier vollständig (anders als bei einem Hasen-fürhess derselben Edition, wo ‚vnd fauch den schwaiß' = ‚und fang das Blut' ausdrücklich dasteht).</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="leczelten" resp="#fyndling">Historische Bezeichnung für Lebkuchen, der hier geröstet als Bindemittel und Geschmacksgeber der Soße dient.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="semell" resp="#fyndling">Ein Weißbrötchen, das geröstet und in Wein eingekocht ebenfalls zur Bindung der Soße dient.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="paa dy auf einem Rost oder gluedt" resp="#fyndling">Röste Lebkuchen und Semmel auf einem Rost über Glut, bis sie braun sind - die Röstung gibt der Soße Farbe und Tiefe (‚päa' = rösten/erwärmen lassen).</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="gescharb" resp="#fyndling">Klein geschnittene Stücke (Schnitze), hier von Birnen oder Äpfeln (Ehlert). Nicht ‚geschabt/gerieben'.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="secz denn fysch mit Inalen" resp="#fyndling">‚mit (dem) allen' = mit allem zusammen - der Karpfen kommt in die fertige Soße. NICHT ‚mit den Innereien'.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="aufbalen" resp="#fyndling">Aufwallen, kurz vor dem Siedepunkt, wenn die Flüssigkeit zu blubbern beginnt.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="lincz" resp="#fyndling">Mildern (Imperativ) - hier die Säure mit Honig abpuffern.</note>
        <note type="gloss" target="#m349-001-orig" n="kost in an dem salcz ... das sy recht sey" resp="#fyndling" ref="https://fyndling.de/rezepte/glossar/#sey">Schmecke die Soße auf Salz ab und salze ausreichend nach, damit sie richtig ist.</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m349-001-orig" n="fach das fürhes (bei lebendem Karpfen)" resp="#fyndling">‚fang die Pfeffersoße auf' - der lebende bzw. ganz frische Karpfen als Hinweis auf die Zubereitungsreihenfolge/Frische, ohne dass der Text eine Blutentnahme benennt. Genau so übersetzt auch Ehlert die Stelle; Bindung und dunkle Farbe liefert bereits das geröstete Lebkuchen-Semmel-Gemisch, wie auch bei der sehr ähnlichen dunklen Karpfensoße in sev-083 (ganz ohne Blutzugabe).</note>
        <note type="interpretive_choice" target="#m349-001-orig" n="fasan prüe" resp="#fyndling">‚Fastensoße' - da Karpfen ein klassischer Fastenfisch ist und die Lesart im Kontext der mittelalterlichen Speisevorschriften plausibel ist (so auch Ehlert).</note>
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